Coronavirus

Stellen Sie alle persönlichen Kontakte ein

Appell an unsere Patientinnen und Patienten!
Rundschreiben des Hausärzteverbandes, veröffentlicht am 23. März 2020, überarbeitete Version. PDF-Download, Online-Text

Liebe Patientinnen und Patienten,
Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Dennoch: Die Lage ist ernst. Die Coronavirus-Pandemie wird auch unser Gesundheitssystem bis an die Grenzen belasten. Viele Menschen werden in den nächsten Wochen auf einer Intensivstation um ihr Leben kämpfen und es wird zahlreiche Patienten geben, die diesen Kampf verlieren.


Wir Hausärztinnen und Hausärzte sowie unsere Praxisteams werden alles tun, um Sie, liebe Patientinnen und Patienten, zu schützen und zu behandeln. Doch auch unsere Ressourcen sind sowohl personell als auch materiell begrenzt. Ohne Ihre Unterstützung werden wir es nicht schaffen. Ihre Solidarität ist entscheidend dafür, ob und wie schnell wir diese medizinische Katastrophe gemeinsam überwinden.

Deshalb: Bleiben Sie daheim. Stellen Sie alle persönlichen Kontakte ein. Verzichten Sie auch auf Familienfeiern und alle weitere Treffen mit Menschen, mit denen Sie nicht unter einem Dach leben. Und wenn Sie sich krank fühlen, kommen Sie bitte nicht unaufgefordert in eine Praxis oder Notaufnahme. Der Grund: Sollten Sie sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, müsste der gesamte Bereich unter Quarantäne gestellt und geschlossen werden. Die medizinische Versorgung aller Patienten wäre damit gefährdet.

Dies bedeutet ganz konkret:

  • Egal, welche Beschwerden Sie haben, bitte nehmen Sie ab jetzt immer vorher telefonisch Kontakt mit der Praxis auf, auch wenn Sie ein Rezept oder eine Krankschreibung benötigen.
  • Wenn Sie an Husten und Fieber leiden und vermuten, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, können Sie sich beim Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 oder telefonisch in Ihrer Hausarztpraxis melden. Wichtig: Nur telefonisch melden!
  • Jeder kann jeden anstecken. Deshalb machen flächendeckende Tests auf das Coronavirus in der jetzigen Phase der Pandemie keinen Sinn mehr. Im Gegenteil: Für jeden Test ist die entsprechende Schutzkleidung notwendig, die wir dringend in den Kliniken für die Behandlung der Schwerstkranken benötigen.
  • Getestet werden deshalb ab sofort ausschließlich schwer erkrankte Personen in den Krankenhäusern, Risikopatienten und das medizinische und pflegerische Fachpersonal, das diese Menschen betreut. Abgesehen davon: Die gesamte Bevölkerung zu testen, würde Monate oder Jahre dauern. Und wer heute negativ getestet ist, kann sich morgen schon anstecken. Dies können wir im Einzelfall mit Ihnen besprechen.
  • Deshalb: Gehen Sie ab jetzt immer davon aus, dass Ihr Gegenüber das Virus in sich trägt, und verhalten Sie sich entsprechend: Bleiben Sie daheim. Meiden Sie alle physischen Kontakte und persönliche Begegnungen. Halten Sie Abstand, wenn Sie zum Beispiel Einkaufen müssen. Waschen Sie sich häufig die Hände. Und beachten Sie die Husten-Nies-Etiquette.

Wir Hausärztinnen und Hausärzte wollen vor allem eins: Dass Sie und Ihre Lieben gesund bleiben.
Gemeinsam schaffen wir das!

DEGAM Patienteninformation: Grippe oder Coronavirus?

Download PDF, © DEGAM Stand 27.03.2020

Wichtig:
Bei zunehmender Ausbreitung des neuen Coronavirus [SARS-CoV-2] muss man bei Atemwegsbeschwerden (Halsweh, Husten, Schnupfen) und/ oder Fieber immer daran denken, dass eine Infektion mit dem neuen Coronavirus vorliegen kann. Dennoch sind auch die Grippe und andere Erkältungskrankheiten derzeit immer noch möglicher Grund für solche Beschwerden.

 

Was ist das Coronavirus?

Das erstmals im Dezember 2019 in China aufgetretene Virus SARS-CoV-2 (Erkrankungsname: CoViD-19) hat sich inzwischen weltweit verbreitet. Es führt auch in Deutschland zu unterschiedlich schweren Atemwegserkrankungen. Meistens verläuft die Infektion recht mild.

2 - 14 Tage (im Mittel 5-6 Tage) nach einer Ansteckung können Beschwerden auftreten, die stark an eine Grippe oder eine Bronchitis erinnern, z. B. • Fieber • Husten • Atemnot

 

Bin ich am Coronavirus erkrankt?

Jede Erkrankung mit Atemwegssymptomen oder Allgemeinbeschwerden (Fieber) kann momentan eine Infektion mit SARS-CoV2 sein, insbesondere wenn Sie Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten. Bleiben Sie zunächst zuhause.Häufig ist es nicht sinnvoll oder nicht möglich, eine CoViD-19-Testung zu machen. Die regionalen Unterschiede sind groß. Bitte besprechen Sie das mit Ihrem Hausarzt.Nutzen Sie bitte folgende Kontaktmöglichkeiten:

  • Hausarzt (Achtung: nicht direkt in Ihre Praxis gehen, sondern erst Kontakt aufnehmen per Telefon/ Fax/E-Mail, um das weitere Vorgehen abzustimmen.)
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst, Tel. 116 117
  • lokales Testzentrum, falls verfügbar
  • Gesundheitsamt (Suche nach PLZ)

Wichtig: Eine Infektion verläuft in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle mit geringen Beschwerden, besonders oft bei jungen und gesunden Menschen.

In einem kleinen Teil der Fälle kann es zu schweren Krankheitsverläufen kommen, die einen Krankenhausaufenthalt
erforderlich machen.
Menschen, mit folgenden Krankheitsbildern, gehören zu den Gruppen, die öfter betroffen werden:

  • Herz- und Kreislauferkrankungen, auch Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Chronische Lungenkrankheiten/Rauchen
  • Immunsuppression

Alter ist alleine (also ohne Vorerkrankungen) nur ein geringer Risikofaktor ab ca. 60 Jahren.
Sollten Sie schwerere Symptome entwickeln (hohes Fieber, deutliche Atemnot) setzen Sie sich bitte mit ihrem Arzt in Verbindung, in bedrohlichen Notfällen mit dem Rettungsdienst (Tel. 112).

 

Wie kann ich mich schützen?

Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen helfen sowohl vor der Ansteckung mit Grippeviren als auch vor dem SARS-CoV-2-Virus:

  • Vermeiden Sie nicht zwingende, persönliche Kontakte mit anderen Menschen, siehe Ratschläge des Robert-Koch-Instituts: Kontaktreduzierung
  • Halten Sie Abstand – nicht nur von erkennbar erkrankten Personen, sondern auch z. B. beim Anstehen im Supermarkt (Schutz von besonders gefährdeten älteren bzw. kranken Menschen)
  • Häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife oder Händereinigung mit einem alkoholischen Gel in kleinen Fläschchen (falls in Drogeriemärktennoch erhältlich)
  • "Korrektes" Husten/Niesen mit einem Taschentuch vor Mund und Nase (danach entsorgen) oder Husten/Niesen in den oberen Teil des Ärmels – nicht in die Hände!
  • Wenn Sie krank sind, bleiben Sie zu Hause!
    Wenn Sie es für notwendig halten, rufen Sie rufen den Hausarzt/die Hausärztin an.

 

Aktuelle Maßnahmen, Stand 23.3.2020

  • Die CoViD-19-Pandemie stellt gegenwärtig eine große Herausforderung für die ganze Gesellschaft dar. Um diese bewältigen zu können, braucht es die Solidarität aller, insbesondere diejenige von Gesunden mit Kranken und Jungen mit Alten, nicht nur in der eigenen Familie.
  • Helfen Sie mit und achten Sie im Interesse des Gemeinwohls auf Einhaltung der seit dem 22.3.2020 bundesweit verfügten Ausgangsbeschränkungen. Diese bewirken eine Reduzierung der zwischenmenschlichen Kontakte und führen dadurch zu einer Verlangsamung der aktuell rasch zunehmenden Verbreitung des SARSCoV-2-Virus.

So tragen Sie selbst zum Schutz der Risikogruppen bei und helfen mit, einen raschen Anstieg schwerer Krankheitsfälle zu verhindern, der zu einer Überlastung des Gesundheitssystems und vermeidbaren Todesfällen führen könnte.

Autoren:
Ursprungsversion J. Kötter, www.hausarzt.digital;
Überarbeitung: M. Kochen
Konzeption und wissenschaftliche Redaktion SLK-Leitungsteam der DEGAM
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
© DEGAM Stand 27.03.2020

Handlungsempfehlung: Häusliche Isolierung von CoViD-19-Fällen mit leichtem Krankheitsbild* und Verdachtsfällen

Download PDF, © DEGAM Stand 20.03.2020

* modifiziert nach: “Home Care for Patients with Suspected Novel Coronavirus (2019-nCoV) infection presenting with mild symptoms and management of contact”. Interim guidance (WHO, 4 February)

  • Unterbringung des Patienten im Einzelzimmer, das gut durchlüftet ist.
  • Patient sollte gemeinschaftlich genutzte Räume (z. B. Küche) nicht betreten. Falls unvermeidlich, Räume gut durchlüften (z. B. offenes Fenster).
  • Es sollte keine weitere Person im Zimmer des Patienten schlafen. Falls unvermeidlich, sollte der Patient in einem Einzelbett mit mindestens 1 m Abstand zum nächsten Bett schlafen.
  • Am besten sollte nur eine einzige Kontaktperson die Pflege übernehmen. Diese Person sollte in einem guten Gesundheitszustand sein: keine chronischen Erkrankungen, keine Immunschwäche.
  • Solange Krankheitssymptome und/oder Ansteckungsgefahr bestehen, sollte der Patient keine Besucher empfangen.
  • Händedesinfektionsmittel mit viruzider Wirkung (Gel oder Spray auf Alkoholbasis) gut erreichbar am
    Ausgang des Patientenzimmers aufstellen – wenn es das zu kaufen gibt.
  • Nach jeder Art von Kontakt mit dem Patienten oder seiner unmittelbaren Umgebung sowie beim Verlassen des Patientenzimmers: Händedesinfektion durchführen (3 ml Lösung auf die Handflächen, mindestens 30 Sekunden einreiben). Alternativ: Hände waschen.
  • Alle Haushaltsmitglieder sollten besonders sorgfältig auf Hygiene achten: Händewaschen nach jeder Verunreinigung, vor und nach der Essenzubereitung, nach Mahlzeiten, nach Toilettengang. Beim Einkaufen und anderen Erledigungen Handschuhe tragen und Türen/Türklinken möglichst mit dem Ellbogen öffnen. Baumwollhandschuhe täglich waschen/wechseln.
  • Nach dem Händewaschen Hände möglichst mit Papier- oder Einmalhandtüchern abtrocknen. Wenn das nicht möglich ist: eigenes Handtuch benutzen und täglich wechseln.
  • Patient sollte möglichst dauerhaft eine Atemschutzmaske tragen, die Mund und Nase abdeckt. Falls er/sie die Maske nicht verträgt (oder keine Maske da ist), Mund und Nase beim Husten oder Niesen mit Papiertüchern oder Taschentüchern bedecken (anschließend entsorgen).
  • Im Patientenzimmer sollte die Pflegeperson eine Atemschutzmaske tragen, zusätzlich Einmal-Handschuhe.
  • Atemschutzmasken sollten nur an den Halterungen berührt werden. Bitte wechseln, sobald sie durch
    feuchtet oder verschmutzt sind.
  • Atemschutzmasken und Einmal-Handschuhe sollten nicht wiederverwendet werden. Nach jedem Ab
    nehmen von Maske und Handschuhen sollten die Hände desinfiziert werden.
  • Patient sollte nur von ihm genutztes Geschirr und Besteck benutzen. Es soll regelmäßig gespült und nur von ihm selbst wiederverwendet werden.
  • Falls der Haushalt zwei Toiletten hat, sollte eine davon nur vom Patienten benutzt werden.
  • Oberflächen im Patientenzimmer (z. B. Nachttisch, Bettgestell, Türgriff) regelmäßig reinigen. Bad und Toilettenoberflächen mindestens einmal täglich reinigen.
  • Zum Reinigen von Oberflächen zunächst ein handelsübliches Reinigungsmittel und anschließend ein viruzid wirksames Flächendesinfektionsmittel anwenden, das in Drogerie-Discountern oder Apotheken erhältlich ist. Bei der Reinigung sollten eine Maske und Handschuhe getragen werden.
  • Waschen Sie Kleidung, Bettwäsche und Handtücher des Patienten mit normalen Waschmitteln bei 60-90°C. Verunreinigte Wäsche in einem Wäschebeutel sammeln und so wenig wie möglich berühren (am besten nur mit Einmalhandschuhen berühren).
  • Handschuhe, Masken und andere Abfälle im Zimmer des Patienten in einem verschließbaren Behälter sammeln und als infektiösen Abfall entsorgen.
  • Achten Sie als Angehörige/Haushaltsmitglieder besonders darauf, dass Sie nicht mit Gebrauchsgegenständen aus der unmittelbaren Umgebung des Patienten in Berührung kommen (z. B. Zahnbürste, Handtuch etc.). Versuchen Sie während Kontaktphasen auch eine flüchtige Berührung Ihres eigenen Gesichts- (Augen, Nase) mit den Fingern zu vermeiden.

Autoren
H. Kaduszkiewicz, M. Kochen, J. Pömsl
Konzeption und wissenschaftliche Redaktion
SLK-Leitungsteam der DEGAM
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
© DEGAM Stand 20.03.2020