Erfahrungsberichte

Christina Liebl

Praktisches Jahr
06.09. - 26.12.2021

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Julia Schlögelhofer

Praktisches Jahr
06.09. - 26.12.2021

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Martina Enzinger

Praktisches Jahr

17.05. - 05.09.2021

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Sofia Quaderer

Praktisches Jahr

08.03.2021 - 27.06.2021

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Jonas Klemperer

Jonas Klemperer

Praktisches Jahr

28.12.2020 - 24.03.2021

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Stella Kunzendorf

Stella Kunzendorf

Praktisches Jahr

16.11.2020 - 07.03.2021

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Julia Aicher

Julia Aicher

Praktisches Jahr

18.11.2019 - 08.03.2020

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Andrea Thiel & Sebastian Bender

Praktisches Jahr

11.03.2019 - 30.06.2019

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Dorian Gottwald

Praktisches Jahr

19.11.2018 - 11.03.2019

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Sarah Moschko

Praktisches Jahr

19.11.2018 - 11.03.2019

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Rebecca Ebner

Praktisches Jahr

02.07.2018 - 28.09.2018

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Georg Melzer

Praktisches Jahr

02.01.2018 - 15.04.2018 

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Eva Heuer

Praktisches Jahr

20.11.2017 - 09.03.2018

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Peter Philipsborn

Praktisches Jahr

10.07.2017 - 27.10.2017

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Wibke Janhsen

Praktisches Jahr

03.07.2017 - 20.10.2017

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Theres Fuchs

Praktisches Jahr

21.11.2016 - 12.03.2017

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Sabine Höhn

Praktisches Jahr

29.06.2016 - 09.09.2016

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Julia Friedel

Praktisches Jahr

Frühjahr 2016

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Lisa Orthuber

Praktisches Jahr

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Jakob Jaurer

Famulatur Allgemeinmedizin

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Antonia Kubitscheck

Famulatur Allgemeinmedizin

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Christina Liebl

  • Woche 1
  • Woche 2

Woche 1: 05.09. – 12.09.2021

Es ist schon Sonntag spät abends als ich in Kirchberg ankomme. Ich bin schon wahnsinnig gespannt, was mich in den kommenden Wochen erwarten wird und welche neuen Kollegen und Patienten ich kennen lernen darf. Nach einem  viertel Jahr wohnen in einem ehemaligen Patientenzimmer im Krankenhaus mit einer Mini-Küche für viele PJler, erscheint mir die top eingerichtete WG in Kirchberg sehr luxuriös.

Am Morgen lerne ich meine Mitbewohner kennen und dann geht es auch schon auf nach Lalling. Dort angekommen zeigen mir die netten MFA’s die Praxis. Dabei sprechen mich die hellen und modernen Praxisräume an und bei dem Leinwandbild des kleinen Arbersees fühle ich mich gleich sehr heimisch.

Dann kommen auch schon die ersten Patienten. Ich hänge mich erst mal an die Ärztinnen, um zu sehen, wie der Praxisalltag in der Praxis funktioniert. Nach einer kleinen Einweisung in das Computerprogramm der Praxis darf ich auch schon bei den ersten Patienten alleine die Anamnestik durchführen. Anschließend kommt eine Ärztin mit dazu und wir besprechen gemeinsam, was von der Krankengeschichte des Patienten noch wichtig wäre, welche gefährlichen Verläufe ich ausschließen muss und welche Therapie wir einleiten.  So vergeht der Vormittag wie im Flug. In der Mittagspause gibt es eine Besprechung mit dem gesamten ärztlichen Team und allen Studenten über Zoom zum Thema Nahrungsmittelunverträglichkeit. Ein sehr alltägliches Thema, zu dem ich auch schon von Freunden um Rat gefragt wurde, aber bisher noch nicht wusste, in welcher Reihenfolge und was genau man diagnostisch abklären sollte. Ich bin schon gespannt auf das Protokoll von  einer Mit-PJlerin Julia. Auch am Dienstag und Donnerstag finden online Meetings statt, um komplizierte Fälle aus allen Praxen zu besprechen. Diese waren sehr unterschiedlich. Von einem Patienten bei dem vor allem die soziale Gesamtsituation den Ärzten Sorge bereitete, über einen bis jetzt noch unklaren Fall eines jungen Mannes mit Schmerzen am gesamten Körper, zu einen Fall, bei dem das konsequent durchgeführte Schema bei erhöhten Leberwerten zur richtigen Diagnose führte. Diese Team-Konferenzen fanden auch schon vor Corona-Zeiten online statt. Dies erfüllt für manche wahrscheinlich so gar nicht das Klischee einer Landarztpraxis im Bayerischen Wald.

Einen Tag darf ich zusammen mit Dr. Blank die Praxis in Grafenau kennen lernen. Auch hier sind die MFA’s sehr wertschätzend: Der morgen beginnt gleich mit einer Check-Up-Untersuchung und einer Kontrolluntersuchung für eine anstehende OP. Dabei kann ich zweimal hintereinander eine körperliche Untersuchung durchführen und darf schon mal vorschallen. Anders als bei meinen Tertial im Krankenhaus bekomme ich anschließend direkt ein ausführliches Feedback von Dr. Blank, das ich sehr dankbar annehme. Die weiteren Tage bin ich wieder in Lalling. Ein paar Patienten, die zur Wundversorgung kommen, kenne ich nun schon und kann direkt nachverfolgen, wie sich der Befund täglich verbessert.

Mit vielen neuen Eindrücken freue ich mich auf das Wochenende.

 

Woche 2: 13.09.21 bis 19.09.21

Auch diese Woche darf ich wieder einige neue Gesichter und als neue Praxen Auerbach und Kirchberg kennen lernen. Als interessante Krankheitsbilder bekomme ich diese Woche eine Patientin mit einen lehrbuchreifen Erythema migrans zu sehen. Ein anderer Fall hat sich sehr erfreulich entwickelt. Eine Frau wurde von starken Ganzkörperschmerzen geplagt. Die Behandlung mit Prednisolon hat zu einer fast völligen Beschwerdefreiheit geführt. Interessant für mich war dabei, dass diese Frau ein nahezu blandes Laborbild aufzeigte und die Diagnose Polymyalgia rheumatica nicht unbedingt, wie in den Lehrbüchern beschrieben eine Sturzsenkung aufweisen muss.

Die Montagsbesprechung behandelt den Hanta-Virus. Für mich bis jetzt nur eine ausgefallene Antwortmöglichkeit in MC-Fragen. Doch nun weiß ich, dass bei einem ungewöhnlich schweren oder langen Verlauf der Grippe, dieses Krankheitsbild als Differentialdiagnose berücksichtigt werden muss. Auch die anderen Fallbesprechungen sind wieder sehr interessant. Ich finde es super, dass jeder niederschwellig seine Fragen anbringen kann. Wir diskutieren unter anderem wie und in welchen Rahmen eine Behandlung eines Herpes labiales erfolgen sollte und welche Komplikationen auftreten könnten. Mit Frau Aicher bin ich an einem Vormittag mit auf Hausbesuchstour unterwegs. Letzte Woche fielen Ihr beim Besuch eines älteren Patienten Rasselgeräusche über der Lunge und Bein-Ödeme auf, nach Erhöhung der diuretischen Therapie geht es dem Patienten bei unserem Besuch schon wieder viel besser und von Frau Aicher bekomme ich noch ein kleines Privatteaching zu Diuretika.

Auch am Wochenende geht es abwechslungsreich weiter. Ich fahre nach Hause, am Freitag Abend ist Ausbildung bei der Bergwacht. Zusammen mit einem Anästhesisten als Referenten gehen wir Verletzungsmuster durch, die bei dem kommenden Ultratrail vorkommen könnten. Besonders interessant finde ich die thermischen Verletzungen, wie Unterkühlung, Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzeschlag zu unterscheiden und richtig zu behandeln. Samstag vormittags findet für die Studenten des Exzellenten Sommers ein Untersuchungskurs in Regen statt. Mein Thema ist die Ohrenuntersuchung. Auch ich profitiere davon sehr, da ich in Vorbereitung dafür die Untersuchungsschritte wiederhole. Die Studenten sind alle sehr motiviert neues praktisch auszuprobieren und daher macht der Kurs auch richtig Spaß. Gerade zu Hause angekommen, beginnt ein Bergwachteinsatz. Eine Wanderin hat sich eine Sprunggelenksverletzung zugezogen. Diese wird mit einer Vakuumschiene versorgt und unproblematisch an den RTW übergeben, der auch fast bis an die Einsatzstelle fahren kann. Da dieser Einsatz nicht lange dauert, können wir noch an der Einsatzübung auf der Schareben teilnehmen. Dabei wurde ein Flugzeugabsturz mit mehreren Verletzten mit einem begleitenden Waldbrand auf der Heugstatt simuliert. Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie wichtig bei solchen Ereignissen eine gute Organisation und Koordination der vielen Helfern von Feuerwehr, Rettungsdienst, Notärzten, Technikern und Bergwachten ist. Am nächsten morgen ist ein weiterer Bergwachteinsatz. Ein Wanderer hatte sich noch in der Dunkelheit eine Sprunggelenksverletzung zugezogen. Eigentlich das gleiche Verletzungsbild wie am Tag zuvor, doch dieses mal kann der Verletzte nur über einen steilen Wanderweg zu Fuß erreicht werden. Mittels Gebirgs-Trage wird der Patient dann nach unten transportiert. Anschließend haben wir noch Ausbildung und wiederholen Klettertechniken, Standplatzbau und Abseilen.

 

Julia Schlögelhofer

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Woche 1: 6.9. - 12.9.2021

Und so schnell ist die erste Woche meines PJ-Tertials im bayrischen Wald auch schon vorbei! Ich war die gesamte Woche in Schöfweg eingeteilt, wo ich direkt eigene Patienten sehen durfte und sogar unter Anleitung eine Schilddrüsen-Sonografie durchführen durfte.

Ein weiteres Highlight war der Mittwoch-Nachmittag, an dem in Schöfweg immer einige Corona-Impfungen durchgeführt werden! Es fühlt sich gut an, am Fortschritt gegen die Pandemie beitragen zu können und die meisten Leute sind auch sehr dankbar für die Impfung!

Fast täglich haben wir mittags online Fortbildungen und Fallbesprechungen, aber am Mittwoch nutzten Christina und ich die freie Mittagspause für einen Rundweg um Kirchberg! Wir genossen die Sonne und die herrliche Landschaft, verirrten uns aber fast noch, weil wir ein Schild übersehen hatten. Am Ende mussten wir uns ziemlich beeilen, um noch zur Nachmittagssprechstunde zu kommen! ;-)

Am Freitag durfte ich mit der Diabetes-Beauftragten mitlaufen, um ein paar Grundsätze zur Einstellung eines Diabetes zu lernen. Ein Patient hat mich besonders beeindruckt: Bei ihm wurde der Diabetes vor 6 Monaten neu diagnostiziert und er konnte seinen Langzeit-Blutzucker-Wert innerhalb dieser Zeit allein durch eine Lebensstiländerung und die Einnahme eines Antidiabetikums auf einen normalen Wert reduzieren! Davor habe ich großen Respekt!

Kurz vor Ende der Sprechstunde habe ich dann noch einen klassischen Gichtanfall gesehen – für mich das erste Mal, dass ich das „live“ sehen kann (und nicht nur ein Bild im Lehrbuch). :-)

Nach dieser ereignisreichen Woche fahre ich zu meiner Familie nach Österreich. Ich freue mich auf eine lehrreiche Zeit und bin gespannt, was ich alles noch zu sehen bekomme :-)

PS: Das Tolle an der Gegend hier ist auch, dass hier alle meinen österreichischen Dialekt bestens verstehen :-)

 

Woche 2: 13.9. - 19.9.2021

Meine zweite Woche startete in Rinchnach, ab Mittwoch war ich dann in Kirchberg eingeteilt. Ich war begeistert von der modernen Ausstattung und der Größe der Praxis in Kirchberg.

Diese Woche beschäftigten mich vor allem ein paar dermatologische Fälle. Eine Patientin hatte eine Warze in Augennähe mit einem Öl behandelt und danach eine Rötung an der Stelle entwickelt. Es war nicht ganz klar, ob sich die Warze superinfiziert hatte, oder ob es eine Lokalreaktion auf das Teebaumöl war. Da das Auge ja ein empfindliches Organ ist, mussten wir sehr genau überlegen, welche Anwendung wir in Augennähe empfehlen durften! Eine weitere Patientin hatte eine Herpes-Läsion im Nasen-Wangen-Bereich. Wir überlegten, welche Komplikationen es ohne eine antivirale Therapie geben könnte und was die Vor- und Nachteile dieser Medikamente sind. Das Tolle ist, dass wir zweimal in der Woche mit allen Ärzten der Bayerwald-Praxen Fallbesprechungen haben, bei denen man solche Fälle präsentieren und sich Rat von Kollegen holen kann. Am Donnerstag hatten wir eine Fallbesprechung mit anderen Allgemeinmedizinern aus der Region (aus anderen Praxen und Kliniken), bei der sehr wertschätzend miteinander umgegangen wird und man auch als Student keine Sorge hat, sich zu blamieren oder eine „dumme“ Frage zu stellen (denn „dumme“ Fragen gibt es nicht!). ;-)

Ich durfte in dieser Woche oft mit der Assistenzärztin Mareike Bauer zusammenarbeiten, was mir viel Spaß macht, da wir oft noch Patienten direkt nachbesprechen, gegenseitig Wissen austauschen und zusammen nachlesen, wodurch wir beide viel lernen :-) Und wenn wir etwas nicht direkt herausfinden, dann holen wir uns Rat bei erfahreneren Kollegen und geben uns in den kommenden Tagen ein Update!

Jetzt freue ich mich auf das Wochenende und hoffe noch auf ein paar sonnige Herbsttage.

 

Woche 3: 20.9. - 26.9.2021

Diese Woche lernte ich nun auch die Praxen in Lalling und Auerbach kennen.

Am Anfang der Woche konnte ich gleich bei 2 Patienten die Ohren erfolgreich durchspülen, wobei jeweils ein großer Pfropf zu Vorschein kam. Die Erleichterung und Dankbarkeit bei den Patienten war jeweils groß, da sie nun wieder super hören konnten. Schön, wenn man den Leuten manchmal auch so einfach helfen kann :-)

Am Dienstag Nachmittag war ich Tutorin beim EKG-Kurs der Studenten des „Exzellenten Sommers“, der ja auch gerade stattfindet. Nach einem kurzen Online-Teaching machte sich meine Studentengruppe (7 Mädels im 5.-9. Semester) an die Befundung von verschiedensten EKGs und wir sprachen diese zusammen durch. Es war gar nicht so einfach ein gutes Konzept zu finden, bei dem alle – trotz des unterschiedlichen Wissensstandes- profitieren konnten. Ich erinnerte mich an einen Kurs, den ich mal an meiner Uni besucht hatte und ging ähnlich vor. Mit viel zu starkem Kaffee und Gummibärchen powerten wir den Nachmittag durch und am Ende waren alle glücklich, dass der Kurs nicht von einem kardiologischen Chefarzt begleitet wurde. Dort hätten sich die Studentinnen nämlich nicht getraut, so viele „dumme“ Fragen stellen, wie in der lockeren Runde mit mir als PJlerin :-)

In Auerbach traf ich endlich den für uns Studenten zuständigen Dr. Kalmancai, der gut erholt aus seinem 2-wöchigen Urlaub zugekehrt ist :-) Bei ihm durfte ich meine Ultraschall- Fähigkeiten ausbauen und so gelingt es mir mittlerweile sogar schon oft, die Bauchspeicheldrüse darzustellen, was ich bisher immer besonders schwierig fand. In der Praxis beschäftigten uns die Vor- und Nachteile einer regelmäßigen Kontrolle von Schilddrüsenknoten. Oft stiftet dies große Verunsicherung bei den Patienten, obwohl die Knoten nur extrem selten zu einem bösartigen Tumor werden. Passenderweise hatten wir zu diesem Thema auch ein Paper im Journal-Club am Mittwoch-Abend und so konnten wir die Diskussion im großen Kreis fortführen.

Ich bin begeistert wie vielfältig die Allgemeinmedizin ist und bin gespannt, welche spannenden Fälle nächste Woche auf mich zukommen!

 

Martina Enzinger

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Woche 1: 17.-23.5.2021

Meine erste Woche im Bayerischen Wald gestaltete sich bereits sehr bunt und abwechslungsreich. Da ich am Wochenende anreiste, konnte ich die nähere Umgebung mit dem Todtenauer Moor ein wenig erkunden – eine wunderschöne Landschaft! Außerdem konnte ich meine beiden Mitbewohner, zwei Blockpraktikanten aus Erlangen, kennenlernen, sodass das Wochenende wie im Fluge verging.

Die Praxiswoche verbrachte ich größtenteils in Kirchberg, einen Tag arbeitete ich auch in der Niederlassung in Grafenau mit. Schön war für mich, dass ich nach kurzer Eingewöhnung eigenständig zu den Patient*innen gehen konnte, um sie nach ihrem Anliegen zu befragen und sie zu untersuchen, bevor mir einer der Ärzte zur Seite stand. Dadurch war ich gefordert, mir zu überlegen, welche Fragen und Untersuchungen mich zur richtigen Diagnose führen könnten – und mir wurde auch schnell bewusst, in welchen Bereichen meine Wissenslücken liegen, sodass ich mir die ersten Lernziele für die nächsten Wochen setzen konnte.

Lehrreich war für mich auch das erste PJ-Seminar von der Uni Jena, an dem ich via zoom teilnehmen konnte; Thema war das „Motivational Interviewing“, eine Methode, mit der man mit Patient*innen über kritische Themen wie Gewicht oder Nikotinkonsum ins Gespräch kommen kann. Ziel des Motivational Interviewing ist es, dass der Patient für sich selbst herausfindet, welche Beweggründe er für sein Verhalten (z.B. Rauchen) hat, und in einem zweiten Schritt überlegt, welche alternativen Handlungen er durchführen könnte. Ich finde diesen Ansatz sehr spannend und wichtig in der hausärztlichen Praxis, da lebensstilassoziierte Erkrankungen wie Diabetes Typ II und Herzkreislauferkrankungen in Industrienationen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben, und das Thema Prävention daher aus meiner Sicht eine große Rolle in der hausärztlichen Versorgung spielen sollte.

Auch von der Praxis selbst wurden Fortbildungsveranstaltungen in Form von Fallkonferenzen angeboten, sodass ich neben den praktischen Erfahrungen in der Sprechstunde auch noch einige andere Patientengeschichten mitbekam. Dieser kollegiale Austausch erscheint mir sehr wichtig und lehrreich, weil man so auch die Perspektiven der anderen Ärzt*innen kennenlernt und seine eigene Einschätzung immer wieder hinterfragt.

Voll von diesen Eindrücken warte ich gespannt auf die nächste Woche :-).

Woche 2: 24.-30.5.2021

Meine 2. Woche in der Gemeinschaftspraxis verbrachte ich in Lalling bei Dora. Ich empfand es als sehr hilfreich, die gesamte Woche in derselben Praxis mit (fast) konstantem Team zu arbeiten – so hatten wir die Möglichkeit, uns besser kennenzulernen und unsere Arbeitsschritte aufeinander abzustimmen. Auch hier wurde ich – ebenso wie vergangene Woche in Kirchberg –  sehr herzlich aufgenommen.

Für diese Woche hatte ich mir vorrangig zwei Lernziele gesetzt: Zum einen wollte ich sicherer im Umgang mit den medizinischen Plattformen werden, die hier recht viel benutzt werden (Arznei Telegramm und Deximed), zum anderen wollte ich praktisch besser im Umgang mit dem Ultraschall des Bauchraums werden. Zu beidem hatte ich ausreichend Möglichkeit :-).

Ich empfinde es als sehr hilfreich, dass wir in der heutigen Zeit die Möglichkeit haben, über pharmaunabhängig finanzierte Online-Plattformen wie Deximed und Arznei Telegramm sehr schnell und unkompliziert an Informationen zu gelangen, die uns dabei helfen, unsere Patient*innen besser und leitliniengerecht zu versorgen. Denn, Hand aufs Herz: Kein Mensch kann alles wissen, auch kein Arzt ;-). Außerdem entwickelt sich die medizinische Forschung teils so rasant und unübersichtlich, dass es sehr hilfreich ist, dass Expert*innen sich der Aufgabe annehmen, den aktuellen Forschungsstand zusammenzufassen und die praxisrelevanten Ergebnisse für praktisch tätige Ärztinnen aufzuarbeiten.

Ultraschall konnte ich an einigen PatientInnen üben, die mit akuten Beschwerden wie Bauchschmerzen zu uns kamen, aber auch bei einigen, die sich zur Vorsorgeuntersuchung (CheckUp 35) vorstellten. Meine Patient*innen waren glücklicherweise sehr geduldig mit mir, wenn es mir nicht gleich gelang, Leber oder Bauchspeicheldrüse gut darzustellen, sondern ein bisschen suchen und herumprobieren musste. In den Mittagspausen arbeitete ich immer ein paar Seiten im „Sono Trainer“ von Berthold Block durch, um mir ein paar Ideen zu holen, wie ich Leber, Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und Uterus (Gebärmutter) zielsicherer aufsuchen und schärfer darstellen kann. Natürlich gab auch Dora mir ein paar Tipps J. Erste kleine Erfolge konnte ich schon erzielen – zum Beispiel konnte ich bei einer Frau, die mit Unterleibsschmerzen zu uns kam, die Gebärmutter darstellen, was mir zuvor nie sicher gelungen war. Aber: ich merke auch, dass ich noch viel zu üben habe…

Neben der „typischen“ Praxisarbeit legten wir am Mittwochvormittag einen Impfmarathon hin: mehrmals hintereinander klärten wir kleine Gruppen von Patienten über die Impfung gegen das Coronavirus auf, bevor wir sie dann einzeln zu uns ins Sprechzimmer nahmen, noch letzte Fragen klärten und sie anschließend impften. Ich empfinde es einerseits als sehr hilfreich für die Eindämmung der Pandemie, dass seit einiger Zeit auch die HausärztInnen impfen dürfen, weil ich den Eindruck haben, dass wir so auch Menschen erreichen können, die nie oder erst spät den Weg ins Impfzentrum finden würden. Andererseits: Neben der „typischen“ Praxisarbeit stellt es eine zusätzliche Belastung dar und ich merke, wie anstrengend es für das gesamte Team aus MFAs und Ärztinnen ist, diese Aufgabe zu stemmen.

Die Woche in der Praxis war unglaublich bereichernd, aber auch sehr anstrengend für mich – die Eindrücke mit all den neuen Menschen, diversen Krankheitsbildern und Therapiestrategien sind teils noch so überwältigend, dass ich auch froh bin, jetzt das Wochenende genießen zu dürfen. Gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin möchte ich ein bisschen wandern gehen, worauf ich mich schon sehr freue. Und zwischendrin kann ich noch ein paar Dinge nachlesen, die mir diese Woche unklar geblieben sind ;-).

 

Woche 3: 31.5.-6.6.2021

Hausbesuche, Ultraschalluntersuchungen, eine Wanderung am Feiertag und ein internationales PJ-Seminar – meine 3. Woche im Bayerischen Wald gestaltete sich wieder sehr abwechslungsreich, sodass ich sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit auf meine Kosten kam :-).

Diese Woche lernte ich die Praxis in Auerbach kennen und damit auch Anton, der mir für die Zeit meines PJ-Tertials als Mentor zur Verfügung steht. Selbstverständlich darf und soll ich auch in anderen Praxen mitarbeiten, aber ich finde es schön, dass mir eine feste Bezugsperson zur Verfügung steht, mit der ich Lernziele absprechen und Hospitationen organisieren kann.

Schnell lerne ich die kleine, familiäre Praxis in Auerbach schätzen: Anton kennt die meisten Patienten hier sehr gut und kann mir einen prägnanten Überblick über ihre Vorgeschichte geben, bevor ich zu ihnen gehe und mich über den Grund ihres heutigen Kommens informiere. Gleich am Montag habe ich mehrmals die Möglichkeit, den Bauch und die Schilddrüse von Patientinnen mit dem Schallgerät zu untersuchen und freue mich, dass ich ein paar Tipps umsetzen kann, die ich mir am Wochenende angelesen habe. Verzahnung von Theorie und Praxis funktioniert hier wirklich perfekt ;-).

In der Mittagspause unternehme ich einen Spaziergang durch den Wald bei Auerbach – die Sonne scheint und das Thermometer ist endlich auf 20° geklettert, sodass ich kurzärmlig durch die Gegend streifen und die Eindrücke des Vormittags auf mich wirken lassen kann.

Am Dienstag habe ich die Möglichkeit, Svenja bei ihrer Hausbesuchstour zu begleiten. Auch wenn heute nur „Routinebesuche“ stattfinden, finde ich es interessant, diesen Aspekt der Allgemeinmedizin kennenzulernen: Es macht doch einen gehörigen Unterschied, ob ich einen Patienten in seinem häuslichen Umfeld untersuche und sehe, wie er sich mit dem Rollator dort bewegt, oder ob ich ihn zur Verlaufskontrolle in die Praxis einbestelle. Allerdings: Zeitaufwendig sind die Hausbesuche schon, schließlich müssen wir dafür auf engen Straßen zu teils entlegenen Wohnsitzen fahren…

Am Mittwoch unterstütze ich das Team in Kirchberg beim Impfen, weil für heute sehr viele Patienten einbestellt sind und das Personal eng besetzt ist. In Kleingruppen klärt Sarah die Patient*innen über die Impfung gegen SARS-CoV 2 auf, bevor wir sie einzeln aufrufen, noch letzte Fragen klären und die Impfung verabreichen.
Nachmittags erwartet mich dann mein persönliches Highlight der Woche: Das PJ-Seminar der Uni Jena findet heute in Kooperation mit Student*innen der Uni Nairobi statt. So sehe ich mich via Skype mit 5 deutschen und 6 kenianischen Studenten verbunden: zunächst haben wir die Möglichkeit, uns in Breakoutrooms persönlich kennenzulernen, bevor wir in den fachlichen Teil der heutigen Session starten. Jeweils zu zweit dürfen wir den Fall eines 26-jährigen Mechanikers bearbeiten, der seit 3 Wochen anhaltenden Husten hat, mittlerweile mit gelbem Auswurf, und jetzt Hilfe sucht. Ich bin überrascht, wie ähnlich unsere Gedanken und Vorgehensweisen zu der Krankengeschichte sind. Der Unterschied ist vor allem, dass unsere kenianischen Kommilitoninnen sehr schnell Tuberkulose als Differentialdiagnose in Erwägung ziehen, weil die Krankheit in Kenia sehr verbreitet ist. Am Ende des Seminars sind wir uns alle einig: Das Seminar war persönlich wie fachlich eine große Bereicherung für uns und wir möchten es gerne mit anderen Fallbeispielen wiederholen.

Die Wettervorhersage für Fronleichnam ist großartig, sodass meine Mitbewohnerin Katharina und ich beschließen, nach Bodenmais zu fahren, um die Rieslochwasserfälle sowie den Großen und den Kleinen Arber zu erklimmen. Die Wanderung ist landschaftlich ein Genuss (mit 850hm im Auf- und Abstieg allerdings auch sehr anstrengend….) und wir genießen es, unsere Erfahrungen austauschen zu können.

Am Freitag begleite ich nochmals Anton in der Praxis in Auerbach: Einige Patienten stellen sich schon zum zweiten Mal diese Woche vor, was für mich sehr lehrreich ist, weil ich so den Verlauf ihrer Krankengeschichte mitbekommen kann. Eine Patientengeschichte bleibt mir besonders im Gedächtnis: Es stellt sich ein 80-jähriger Herr vor, der vor einigen Wochen zur Vorsorgeuntersuchung kam und mit erhöhten Leberwerten auffiel. Symptome hatte er keine. Bei der Ultraschalluntersuchung fiel ein sehr „höckriges“, knotiges Bild der Leber auf, sodass Anton ihn zur weiteren Diagnostik in die Klinik überwies. Leider wurde dort die Diagnose von Lebermetastasen gestellt, die von einem Tumor im Dickdarm ausgehen. Der Patient fühlt sich aktuell körperlich glücklicherweise trotz allem recht fit, sagt aber von sich selbst, dass ihm die Diagnose mental sehr zu schaffen mache.

Seine Geschichte führt mir vor Augen, wie wichtig es ist, auch in der Hausarztpraxis, wo wir meist mit eher leichten, vorübergehenden Krankeitsbildern konfrontiert sind, die Augen offen zu halten für schwerwiegende, potentiell tödliche Krankheiten – und auffälligen Untersuchungsbefunden nachgehen, um dies möglichst frühzeitig zu erkennen.
 

Woche 4: 7.-13.6.2021

Die Zeit rennt – jetzt bin ich schon seit vier Wochen im Bayerischen Wald und viele Landstriche kommen mir bereits sehr vertraut vor. Auch der niederbayerische Dialekt ist Teil meines Alltags geworden und ich verstehe die meisten Patient*innen mittlerweile auf Anhieb, ohne nochmals nachfragen zu müssen.

Diese Woche habe ich wieder – bis auf den Dienstag – in Auerbach verbracht. Für mich ist es hilfreich, längere Zeit in einer Praxis zu verbringen, weil ich dadurch die Patienten besser kennenlerne und den Verlauf ihrer Krankheiten intensiver mitverfolgen kann. Vergangene Woche beispielsweise hatten wir einen Patienten mit einem infizierten Atherom am Rücken, das wir spalteten. Ein Atherom ist eine Zyste auf der Haut, die an sich nicht behandlungsbedürftig ist. Wenn sie sich allerdings infiziert, bereitet sie Schmerzen und muss eröffnet werden, damit der Eiter abfließen kann. Nun konnte ich bereits bei mehreren Wundkontrollen mit dabei sein und sehen, wie sich die Wunde Schritt für Schritt besserte und nun schon wieder fast zugeheilt ist. Diese „erlebte“ Medizin kann kein Lehrbuch ersetzen.

Ein Highlight diese Woche war der Praxisinterne Journalclub am Mittwochabend: Hier stellten einige Mitarbeiter der Praxis Studien zu allgemeinmedizinisch relevanten Themen wie „Therapie von Asthma“ vor: Ist es sinnvoll, Patientinnen mit erstgradigem Asthma neben einem Bronchien-erweiternden Medikament auch ein entzündungshemmendes Medikament wie Budesonid zum Inhalieren zu geben? Die vorgestellte Studie sprach sich dafür aus. Einige Teilnehmer gaben aber zu bedenken, sie hätten in letzter Zeit gehäuft Patientinnen mit Pilzbefall nach Inhalation von Glukokortikoiden wie Budesonid im Mund-Rachen-Raum gesehen. Mir hat die Diskussion vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Studien nicht einseitig zu betrachten, sondern auch Erfahrungen aus dem Alltag miteinfließen zu lassen – und letztlich nach einer individuellen Lösung für den betroffenen Patienten zu suchen.

Am Dienstag machte ich einen Ausflug in die Praxis nach Grafenau und arbeitete dort erstmals mit Sascha zusammen. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung, da Sascha vor seinem Medizinstudium bereits Psychologie studiert hat und entsprechend viel Wert auf eine gute Gesprächsführung legt. Hier konnte ich mir ein paar Tricks abschauen.

Außerdem sahen wir täglich mehrere Patient*innen in der Praxis, an denen ich meine Ultraschallkenntnisse vertiefen konnte. Ich merke, dass ich im Vergleich zur ersten Woche schon Fortschritte gemacht habe und ich Schritt für Schritt die Schnittebenen des Ultraschallbildes besser auf die Körperebene übertragen kann – aber ich merke auch, dass ich noch viel üben kann :-).

Nach der ereignisreichen Woche freue ich mich auf das Wochenende und bin gespannt, was mich in der kommenden Woche erwartet.
 

Woche 5: 14.6. - 20.6.2021

Mittwochabend, Journal Club: Diese Woche sind auch Ärzt*innen aus anderen Praxen mit dabei. Gemeinsam diskutieren wir über 5 verschiedene Studien: Welche Vor- und Nachteile hat es, bei Kindern mit rezidivierenden Mittelohrentzündungen ein Paukenröhrchen einzusetzen? Genügt es, bei Menschen mit leichter ambulanter Lungenentzündung nur 3 Tage lang ein Antibiotikum zu geben? Und was können wir aus Studien über die Betreuung von Demenzkranken und ihren Angehörigen lernen? Wie schon in der vergangenen Woche empfinde ich die Diskussion, die sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Alltagserfahrungen aus der Praxis miteinbezieht, als sehr bereichernd. Ich hoffe, dass ich einen so lebendigen Austausch über Studien und Erfahrungen auch in mein zukünftiges Arbeitsleben mitnehmen kann…

Am Dienstag in der Mittagspause treffen wir uns mit allen ÄrztInnen, die sich Zeit nehmen können, um den Abschied der Assistenzärztinnen Svenja Nitsche und Sarah Moschko zu feiern. Für mich ist es schön, zu sehen, mit wie viel Elan und Empathie alle dabei sind – aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass es für Svenja und Sarah nicht leicht ist, das nette und engagierte Team nach über einem Jahr intensiver Zusammenarbeit wieder zu verlassen...

In der Praxis sehe ich diese Woche eine Patientin besonders häufig: Sie hat Chemotherapie wegen Brustkrebs erhalten. Leider hat die Therapie auch ihre Fingernägel und die Nagelhaut sehr stark angegriffen, sodass sie brüchig und rissig geworden sind – die perfekte Eintrittspforte für Bakterien. An mehreren Fingern haben sich so schmerzhafte eitrige Abszesse gebildet, die wir spalten. Sie tut mir sehr leid, denn kaum hat sich die Situation am einen Finger gebessert, bekommt sie ein Problem mit dem anderen. Gegen Ende der Woche hat ist die Entzündung schon deutlich zurückgegangen und ich wünsche ihr, dass es so bleibt. Das Beispiel dieser Frau führt mir vor Augen, wie vielfältig die Auswirkungen von Chemotherapie sein können: Ich glaube, die meisten von uns denken bei einer solchen Therapie als erstes an Übelkeit und Erbrechen, die die Lebensqualität stark einschränken können; oder an die Angst, was passieren könnte, wenn die Therapie doch nicht anschlägt und man früher verstirbt, als man sich gewünscht hat. Aber es gibt eben auch die „alltäglichen“ Auswirkungen wie empfindliche Haut und Entzündungen an sensiblen Stellen, die die Lebensqualität massiv einschränken können.

Neben der Arbeit mit den Akutpatienten geht auch das Impfen immer weiter. Ich finde es sehr schön, dass die Praxis sich dazu entschlossen hat, die weltweite Impfaktion von Unicef mit Spenden zu unterstützen. Auch unsere Patient*innen machen wir auf die Spendenaktion aufmerksam und haben einen Spendenkasten in der Praxis aufgestellt. Während meiner Zeit in Freiburg war ich im Bereich Planetary Health und Global Health aktiv und finde es sehr wichtig, dass wir uns im Gesundheitswesen unserer Verantwortung für die Gesundheit der ganzen Menschheit bewusst sind. Dazu gehört aus meiner Sicht, dass wir Strukturen unterstützten, die versuchen, eine menschenwürdige medizinische Versorgung in Ländern sicherzustellen, die über weniger finanzielle und personelle Ressourcen verfügen als wir.

 

Woche 6: 21.6. - 27.6.2021

Irgendwo im Wald ist ein Mann am späten Abend gestürzt und benötigt unsere Hilfe. Mehr erfahren wir erstmal nicht. Anton hat mich diese Woche nach der Sprechstunde zum Notarztfahren mitgenommen, sodass ich life miterleben kann, wie Ersteinschätzung und Erstversorgung eines Patienten in Notfallsituationen funktionieren. Am Unfallort angekommen finden wir einen älteren Herrn vor, der am Wegesrand auf dem Boden liegt. Atmung und Kreislauf scheinen stabil zu sein, allerdings äußert er sich verbal eher wirr. Während die Rettungssanitäter ein Stiffneck anlegen, um die Halswirbelsäule zu stabilisieren, und den Patienten auf eine Schaufeltrage aufladen, überlege ich mir, was hier das vordringlichste Problem ist: Spritzende Blutungen hat der Pat. keine, er atmet regelmäßig und ist rosig – also schonmal kein gravierendes ABC-Problem, das ist sehr gut. Aber warum genau ist er gestürzt? Und weshalb kann er sich nicht adäquat äußern – ist das eine Unfallfolge oder hat es etwas mit der Sturzursache zu tun? Zerebrale Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Elektrolytentgleisungen oder einfach Unachtsamkeit…es gibt zig Möglichkeiten, wie er in diesen Zustand geraten sein kann. Von seinen beiden Kumpanen erfahren wir nach mehrmaligem Nachfragen, dass sie „vielleicht“ „unter Umständen“ doch ein bisschen Alkohol konsumiert haben könnten. Also doch eine Alkoholintoxikation? Tatsächlich wird der Patient mittels der Infusion, die wir ihm mittlerweile angehängt haben, deutlich bewusstseinsklarer. Da wir vor Ort weiter nichts für ihn tun können, nehmen wir ihn zur Überwachung und weiteren Abklärung in die Klinik mit.

Für mich sind der Abend und die Nacht sehr lehrreich, weil ich bislang keine Rettungsdiensterfahrungen habe und ich viel über die Ausstattung des NEFs sowie die praktischen Handlungsmöglichkeiten vor Ort lerne. Insgesamt haben wir drei Einsätze. Allerdings merke ich am nächsten Tag in der Praxis, dass es mir nach einer Nacht mit nur sehr wenigen Stunden Schlaf nicht ganz leicht fällt, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Glücklicherweise kann ich mir den Nachmittag zur Erholung frei nehmen ;-).

Am Wochenende zuvor war ich mit meiner Mit-PJ-lerin Sofia wandern: Da es ihr letztes Wochenende im Bayerischen Wald war, wollten wir unbedingt gemeinsam den Rachel besteigen, auch wenn das Thermometer mehr als 30° anzeigte. Tatsächlich gestaltete sich der Aufstieg in der Hitze durchaus anstrengend, der Ausblick entschädigte uns aber für unsere Mühen.

An theoretischen Kapiteln hatte ich mir für diese Woche Gastritis, Gicht und Asthmatherapie vorgenommen. Nachdem ich nun schon seit sechs Wochen täglich in der Patientenbetreuung bin, empfinde ich es als bereichernd, Artikel und Zusammenfassungen zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Allgemeinmedizinischen Praxis durchzulesen, um die praktischen Handlungsweisen durch theoretisches Wissen zu untermauern. Das Log-Buch meiner Heimatuni Freiburg bietet mir hierfür eine sehr gute Leitschnur.

Am Wochenende bekomme ich Besuch von einer Freundin und wir erkunden gemeinsam die Gegend.

 

Woche 7: 28.6. - 4.7.2021

Auch in dieser Woche kann ich Anton auf seinen Notarztdienst begleiten. Für mich ist es sehr bereichernd, neben der Praxisarbeit diesen Bereich der Medizin kennenzulernen: Denn während wir uns in der Praxis vorwiegend mit subakuten oder chronischen Beschwerden von Patienten befassen, sind wir hier mit akuten Problemen konfrontiert, die einer sehr schnellen Behandlung bedürfen. Außerdem liegen uns in der Regel keine Vorbefunde vor, sodass wir in der Akutsituation mithilfe von Nachfragen und Untersuchungen die wichtigsten Informationen gewinnen müssen. Die Denk- und Handlungsweisen unterscheiden sich damit sehr von denen im Praxisalltag, sind aber sicherlich genauso wichtig…

In der Praxis sehe ich diese Woche mehrere Patient*innen mit Hautläsionen: Ein Patient präsentiert sich mit den klassischen Symptomen einer Gürtelrose, eine Patientin kommt mit Skabies (Krätze) und eine dritte Patientin mit rezidivierenden Episoden von Lippenherpes. Passend dazu habe ich am Mittwochnachmittag ein Seminar über Hauterkrankungen von der Uni Jena, das für mich sehr lehrreich ist. Wir besprechen dort die häufigsten dermatologischen Krankheitsbilder wie Erysipel, Nagelpilz, Krätze, Gürtelrose, Neurodermitis, Rosazea und Naevuszellen. Der Dozent möchte uns dafür sensibilisieren, dass wir uns die Hauterscheinungen der Patient*innen gründlich ansehen und beschreiben – denn das sei der erste Schritt zur richtigen Diagnose und Therapie. Da hat er sicherlich recht…Wir diskutieren darüber, in welchen Fällen eine Cortisontherapie Sinn macht und wann eher nicht, wann Antibiotika, Antimykotika (Antipilzmittel) oder Virostatika angebracht sind usw. Die 1,5h Seminar vergehen wie im Nu und ich bin sehr angetan davon, wie kurzweilig Dermatologie sein kann, wenn man einen motivierten und engagierten Dozenten hat ;-).

Das Wochenende verbringe ich bei meiner Familie in Ulm.

 

Woche 8: 5.7. - 11.7.2021

Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Interessenverlust – bei den typischen Symptomen, die wir an einem depressiven Patienten erkennen können, sind wir uns schnell einig. Aber welche Auslöser müssen wir neben den typischen psychischen beachten? Wir sammeln Schilddrüsenunterfunktion, Anämie, Demenz, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Multiple Sklerose, die Einnahme bestimmter Medikamente und noch einige weitere. Außerdem finden wir es wichtig, Patient*innen mit depressiver Symptomatik nach Suizidgedanken zu fragen – denn man sieht den Betroffenen oft nicht an der Nasenspitze an, wie schwer sie von ihren negativen Gedanken und Gefühlen geplagt werden; Studien zeigen, dass die meisten Patient*innen mit Selbstmordgedanken erleichtert sind, wenn sie darauf angesprochen werden. Therapeutisch sehen wir den größten Nutzen in nicht-medikamentösen Maßnahmen wie der Pflege sozialer Kontakte, sportlicher Aktivität (vor allem im Freien), sowie eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Der Nutzen von antidepressiven Medikamenten ist umstritten, insbesondere bei leichter bis mittelschwerer Ausprägung der Erkrankung. Dennoch finde ich es sehr spannend, über dieses Thema zu diskutieren, da ich an der Uni sehr viele verschiedene Antidepressiva kennengelernt und mich öfters gefragt habe, mit welchem der vielen Präparate ich denn nun bei Notwendigkeit und Patientenwunsch anfangen könnte. Dass die meisten Ärzt*innen, die hier in der Praxis tätig sind, auch nur mit zwei verschiedenen Präparaten arbeiten, und bei Therapieresistenz an den Psychiater verweisen, beruhigt mich in dieser Hinsicht.

Diese Woche empfinde ich die Montagsfortbildung als besonders hilfreich, da sich in der Hausarztpraxis sehr häufig Patient*innen mit depressiver Symptomatik vorstellen und ich es sehr wichtig finde, bei diesem sensiblen Thema von Gedanken und Erfahrungen der ÄrztInnen zu erfahren.

Den Rest der Woche verbringe ich in der Praxis in Lalling, wo ich mit Dora und einen Tag mit Sabine zusammenarbeite. Zwei Patient*innen bleiben mir dabei besonders im Gedächtnis: Gegen Ende der Woche stellt sich eine Frau mittleren Alters vor, die in den letzten Monaten mit Schlafstörungen, Gewichtsverlust und innerer Unruhe gekämpft hat und selbst davon überzeugt ist, dass ihre Beschwerden eher psychosomatisch bedingt seien, da sie in den letzten Monaten viel Stress gehabt habe. Wir sprechen über die psychische Belastung, machen aber trotzdem auch eine organische Untersuchung – und siehe da, wir finde eine manifeste Schilddrüsenüberfunktion. Ich bin gespannt, wie sich die Symptome der Frau entwickeln, wenn wir diese behandelt haben.

Eine andere Patientin stellt sich mit anhaltender Abgeschlagenheit nach fieberhaftem Infekt vor. Auch bei ihr nehmen wir Blut ab und müssen feststellen, dass sie deutlich erhöhte Leberwerte hat. Das Telephonat mit der Patientin ergibt, dass diese bislang nicht bekannt gewesen seien (da sie neu bei uns ist, liegen uns keine Vorwerte vor). Auch bei ihr bin ich gespannt, was die weitere Diagnostik erbringt, und hoffe, dass wir ihr mit den gewonnen Erkenntnissen weiterhelfen können.

Die Woche war für mich sehr interessant und lehrreich, aber auch sehr anstrengend, sodass ich mich freue, übers Wochenende eine Freundin zu Besuch zu haben und gemeinsam mit ihr Passau erkunden zu können.

 

Woche 9: 12.7. - 18.7.2021

Nahtübungen an Schweinefüßen, PatientInnen mit Bauchschmerzen sowie mehrere interessante Fälle beim Notarztfahren – meine 9. Woche im Bayerischen Wald war wieder sehr lehr- und abwechslungsreich.

Am Montag bringe ich Schweinefüße in die Praxis mit, sodass Anton mir in einer ruhigen Minute Donati-, Allgöwer- und Intrakutannaht beibringen kann. Da ich bislang wenig chirurgische Erfahrungen habe, bin ich sehr froh, die Nahttechniken erst einmal an den schmerzunempfindlichen Füßen verstorbener Lebewesen üben zu können, bevor ich mich an lebendige Menschen wage ;-). Da wir hier in der Praxis regelmäßig PatientInnen mit Platzwunden sehen oder nach Muttermalentfernung die Wunde wieder zunähen müssen, finde ich es wichtig, auch als Allgemeinmedizinerin sicher nähen zu können.

In der Mittagspause unternehmen wir eine große Hausbesuchstour zu unseren PatientInnen. Einige von ihnen kenne ich bereits von früheren Hausbesuchen und kann so beobachten, wie sich ihre Ödeme, die depressive Symptomatik oder die kognitive Leistungsfähigkeit seit dem letzten Mal verändert haben. Natürlich sehen wir nur punktuelle Eindrücke – allerdings sind oft die Kinder oder andere Familienangehörige vor Ort, die uns zusätzliche Informationen über den Verlauf liefern können. Für mich ist es in jedem Fall interessant, zu sehen, wie sich die PatientInnen mit ihren unterschiedlichen Leiden und Gebrechlichkeiten zu Hause eingerichtet haben und zurecht kommen.

Am Mittwochabend ist wieder der praxisinterne Journal-Club: Hier diskutieren wir lange über die aktuellen Diabetes-Leitlinien der DEGAM, aber auch über den Nutzen von Eisensubstitution bei PatientInnen mit chronischer Müdigkeit (Chronic Fatigue Syndrom) und unruhigen Beinen (Restless Legs). Auch über den möglichen Nutzen von E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung diskutieren wir kontrovers. Obwohl ich nach einem langen Arbeitstag sehr müde bin, bin ich froh, dass wir uns die Zeit nehmen, über aktuelle Studien zu sprechen: Diese Auseinandersetzung ermöglicht uns, immer wieder unsere Handlungsweisen in der Praxis zu hinterfragen und die Therapie unserer PatientInnen an den aktuellen wissenschaftlichen Stand anzupassen.

Am Donnerstag und Freitag springe ich in der Praxis in Lalling ein, weil hier gerade sehr viel zu tun ist: Mir bereitet die Arbeit sehr viel Freude, weil ich das Gefühl habe, wirklich gebraucht zu werden. Ich habe die Möglichkeit, viel zu sonographieren, weil sich einige Patienten mit unklaren Bauchschmerzen präsentieren und ein paar Patientinnen zur Abklärung ihrer Schilddrüse kommen. Tatsächlich entdecke ich so eine Struma multinodosa bei einer Patientin, die bislang noch nicht bekannt war. Außerdem sehe ich einige Patienten wieder, die ich bereits von der vergangen Woche in Lalling kenne: So hatten wie vergangenen Freitag einen Patienten mit Verdacht auf Erysipel in die Klinik eingewiesen. Nun stellt er sich wieder vor – tatsächlich ist die Rötung an seinem Unterschenkel unter der Anitbiose deutlich zurückgegangen und er gibt auch an, die Schmerzen hätten sich deutlich gebessert. Das hört man doch gerne :-). Die beiden Tage in Lalling vergehen wie im Fluge und ich kann einiges mitnehmen.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag begleite ich Anton wieder zum Notarztfahren: Dieses Mal haben wir fünf Einsätze, u.a. eine Patientin, die nach einem Fahrradsturz stärkste Schmerzen im linken Oberarm hat und sich augenscheinlich eine Oberarmfraktur zugezogen hat. Wir spritzen ihr Schmerzmittel, schienen ihren Oberarm und transportieren sie in die nächste Klinik. Als nächstes fahren wir zu einem Patienten, der bei bekanntem Asthma einen akuten Anfall hat. Ihm geben wir Bronchiodilatatoren zum Inhalieren und Kortison i.v. – darunter bessert sich seine subjektive Atemnot sehr schnell und auch die Sauerstoffsättung steigt wieder an.  Am beeindruckendsten ist für mich die Patientin, zu der wir in den frühen Morgenstunden gerufen werden: Sie hat einen generalisierten Krampfanfall, der leider auch noch nicht sistiert hat, als wir eintreffen. Von den Angehörigen erfahren wir, dass die Patientin vor einigen Jahren bereits eine Hirnblutung gehabt hätte. Allerdings leidet sie auch Vorhofflimmern, weshalb sie trotzdem Blutverdünner nimmt. Gekrampft habe sie  vorher noch nie. Wir versuchen, den Krampfanfall mit einem Benzodiazepin zu lösen und nehmen die Patientin in die Klinik nach Passau mit. Unterwegs entwickelt sie eine deutliche Pupillendifferenz – ein Hinweis auf eine Hirnblutung. Ich wünsche der Patientin, dass es ihr bald wieder besser gehen wird. Für mich war es trotzdem sehr lehrreich, weil ich bislang noch nie eine Patientin im akuten Krampfanfall gesehen habe und auch zum ersten Mal eine echte Pupillendifferenz festgestellt habe.

Nach der ereignisreichen Woche und dem Schlafdefizit von Donnerstag auf Freitag bin ich aber auch froh, dass das Wochenende vor der Tür steht: Ich versuche, etwas Schlaf nachzuholen, gehe in der Umgebung von Regen spazieren, telephoniere mit einigen Studienfreundinnen und gehe schwimmen.

 

Woche 10: 19.7. - 25.7.2021

Kirchberg, Lalling, Auerbach – diese Woche rotiere ich zwischen den verschiedenen Praxen, abhängig davon, wo ich gerade am meisten gebraucht werde. Am Montag ist nur ein Arzt statt der ursprünglich zwei geplanten in Kirchberg, sodass sehr viele Patient*innen auf Dr. Blank und mich warten. Das bedeutet, dass wir sehr zügig arbeiten, dennoch aber die wesentlichen Punkte nicht vergessen dürfen. Auch wenn es sehr stressig ist, bereitet es mir Freude, zumal ich heute sehe, dass ich in den vergangenen Wochen gelernt habe, im Zweifelsfall zeiteffizient zu arbeiten. Nachmittags ist etwas weniger los, sodass ich die Möglichkeit habe, einen Patienten, der zur Vorsorgeuntersuchung kommt, ausführlich mit dem Ultraschall zu untersuchen. Außerdem stellen sich einige Kinder und Jugendliche mit akuten Beschwerden vor – für mich ebenfalls interessant, da ich hier bislang nur wenige sehr junge Patient*innen gesehen habe. Glücklicherweise kann ich hier auf ein paar Vorkenntnisse aus einer Famulatur in der Kinderarztpraxis und meinem Nebenjob in der Kindernotaufnahme zurückgreifen.

Am Mittwochvormittag begleite ich unsere Diabetesfachkraft Petra in der Sprechstunde: Wir messen den Blutzucker bei unseren Patient*innen, besprechen die langfristigen Ziele der Diabetestherapie und stellen hier und da die Insulintherapie etwas um. Ein Highlight für mich ist, dass ich bei einer Patientin auch die Ernährungsberatung miterleben darf. Aus meiner Sicht stellen Ernährung und Bewegung die Basis der Diabetestherapie dar – Studien zeigen, dass sich hierdurch ein beginnender Typ II-Diabetes sogar komplett heilen lässt und in fortgeschrittenen Stadien zumindest Medikamente eingespart werden können. Leider fehlt uns (angehenden) Ärztinnen in der Sprechstunde aber häufig die Zeit dafür, intensiv auf das Thema Ernährungsumstellung einzugehen. Daher empfinde ich es als sehr bereichernd, eine Fachkraft wie Petra zur Seite zu haben!

Dienstag-, Donnerstag- und Freitagvormittag verbringe ich in Lalling. Im Gedächtnis bleibt mir vor allem eine junge Patientin Ende 20, die hier im Urlaub ist. Sie hat eine vorbestehende Lungenerkrankung, wobei bislang nicht ganz geklärt ist, ob sie an einer Mukoviszidose oder an einer schweren Form von Asthma leidet, da der Schweißtest auf Mukoviszidose bei ihr grenzwertig ausfiel und sie bislang auf eine genetische Untersuchung verzichtet hat. Sie benötigt Bronchiodilatatoren zum Inhalieren, systemisches Kortison und nächtliche Beatmung als Dauertherapie, um eine ausreichende Lungenfunktion zu erreichen. Zusätzlich führt sie eine Atemtherapie durch. Die zahlreichen Medikamente, die sie nehmen muss, haben ihre Nieren geschwächt, außerdem hat sie durch die langjährige Kortisoneinnahme einen Diabetes Typ III (medikamenteninduziert) entwickelt. Kurz, trotz ihres junges Alters trägt sie schon einen ganzes Sammelsurium an körperlichen Beschwerden mit sich herum. Trotzdem hat sie eine sehr positive Ausstrahlung, lächelt mich an und sagt „Ich versuche einfach, das Beste daraus zu machen. Etwas anderes bleibt mir ja sowieso nicht übrig.“ Ich habe großen Respekt vor ihrer Stärke. Zu uns ist sie gekommen, weil sie seit zwei Tagen gelblichen Auswurf beim Husten hat, außerdem habe ihr Urin sich rötlich verfärbt. Sie sei müder als sonst, Fieber habe sie nicht. Ich untersuche sie körperlich, schaue mir Nieren und Harnblase im Ultraschall an und lasse Blut mit Entzündungsparametern abnehmen. In Absprache mit Fr. Dr. Takacs erhöhen wir zunächst die Kortisondosis, und vereinbaren mit der Patientin, dass wir sie morgen nochmals telephonisch kontaktieren und sie sich bitte bei jeder Verschlechterung ihres Gesundheitszustands sofort in der Klinik vorstellen soll. Glücklicherweise stellt sich tags darauf heraus, dass die Entzündungswerte im Blut nicht erhöht sind und es der Patientin zumindest etwas besser geht. Sie möchte sich in der kommenden Woche bei ihrem angestammten Lungenfacharzt in der Heimat vorstellen, um der Ursache ihres Leidens auf den Grund zu gehen. Ich bin schon sehr gespannt, was dabei herauskommt, und wünsche ihr, dass es ihr bald wieder besser geht…

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag begleite ich Anton wieder auf seine Notarztfahrt. Dieses Mal bekommen wir es unter anderem mit einer Frau Mitte 40 zu tun, die von ihrem Sohn nicht ansprechbar im Wohnzimmer aufgefunden worden ist. Glücklicherweise atmet sie spontan und ihr Puls ist regelmäßig. Aber die Augen öffnet sie nur auf Schmerzreiz und adäquat äußern kann sie sich definitiv nicht. Schwierig zu sagen, woher dieser Zustand rührt… An Medikamenten nehme sie nur etwas für die Schilddrüse, erfahren wir vom Ehemann, und dass Alkohol oder Drogen im Spiel sind, glaubt er eher nicht. Nur, dass sie in den letzten Tagen so starke Bauchschmerzen gehabt habe, erwähnt er noch. Der Bodycheck ergibt erstmal keine Auffälligkeiten, also nehmen wir sie mit in die Klinik. Zum Glück klart sie unter der Infusion von Ringerlösung etwas auf und reagiert zumindest auf einfache Fragen wie „Haben Sie Schmerzen?“ oder „Wie geht es Ihnen?“ mit einzelnen Worten. Das ist ein erstes gutes Zeichen…Ein Anruf in der Klinik am nächsten Tag ergibt, dass glücklicherweise in der CT-Untersuchung des Schädels keine Hinweise auf eine Blutung oder andere Störung des Gehirns gefunden wurden. Stattdessen gehen die Ärzte in der Klinik von einer Elektrolytentgleisung aus. Die lässt sich zum Glück gut beheben…

Am Freitagnachmittag helfe ich Dr. Blank beim Impfen in Kirchberg. Ich bin froh, dass wir hier in der Praxis viele Impfungen gegen das Coronavirus durchführen und damit dazu beitragen, dass immer mehr Menschen gegen eine schwere Verlaufsform von Corona immunisiert werden. In ein paar ruhigen Minuten zwischen den Impfungen setzen wir uns zusammen und sprechen ein bisschen darüber, was ich in meine nächsten Tertiale und meine zukünftige Arbeit als Ärztin mitnehmen möchte. Etwas wehmütig werde ich schon bei dem Gedanken, dass ich in sechs Wochen den Bayerischen Wald schon wieder verlassen und zu neuen Ufern aufbrechen muss – andererseits: Das sind 42 Tage, in denen ich sicherlich noch vieles erleben werde ;-) – und auch danach warten sicherlich interessante Erfahrungen auf mich!

Am Wochenende gehe ich zunächst eine Freundin Regensburg besuchen, bevor ich zwei Famulantinnen in Empfang nehme, die die kommenden vier Wochen hier verbringen werden. Ich bin schon gespannt, was wir gemeinsam erleben werden .

 

Woche 11: 26.7. - 1.8.2021

Geriatrisches Basisassessment, psychisch beeinträchtigte Patientinnen und eine Sigmadivertikulitis – meine 11. Woche im Bayerischen Wald ist wieder sehr vielfältig.
Am Montag begleite ich Dr. Sujova in Lalling und habe hier mehrmals die Möglichkeit, einen kursorischen psychopathologischen Befund zu erheben, da sich einige Patientinnen mit Angststörungen und Depression vorstellen. Für mich ist das sehr interessant, weil ich abgesehen vom Blockpraktikum nie in der Psychiatrie hospitiert habe. Für eine Patientin bereite ich gemeinsam mit einer MFA den Antrag auf eine psychosomatische Reha vor, da sie den Wunsch hierzu bereits vor einigen Wochen geäußert hat, und nun bereit ist, die Therapie konkret anzugehen.

Am Dienstagvormittag begleite ich Waltraud Mader bei ihrer Arbeit: Sie kümmert sich in der Praxis um die Versorgung der geriatrischen, d.h. der älteren Patient*innen, und eruiert, inwieweit sie Unterstützung bei der Verrichtung ihrer täglichen Aufgaben benötigen. Wir erkundigen uns anhand eines Fragebogens bei den Patientinnen und ihren Begleitern, ob sie sich ihren alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Essen und Treppensteigen noch gewachsen fühlen. Mit kurzen Tests wie dem Chair Rise Test, bei dem der Patient fünfmal hintereinander ohne Zuhilfenahme der Arme vom Stuhl aufstehen muss, prüfen wir, wie es um Muskelkraft und Koordination bestellt ist. Eine Patientin bleibt mir dabei besonders im Gedächtnis: Als sie für uns eine Uhr mit Zahlen aufmalen soll, bricht sie nach kurzer Zeit in Tränen aus. Sie merkt, dass sie dieser scheinbar einfachen Aufgabe nicht mehr gewachsen ist, und leidet selbst sehr stark darunter. Ich versuche, sie ein wenig zu trösten. Dennoch bleibt bei mir der Gedanke hängen, wie frustrierend es sein muss, im Alter zu merken, wie geistige und körperliche Kräfte Schritt für Schritt nachlassen.

Mittwochabend im Journal Club diskutieren wir über die neuen Leitlinien der Diabetestherapie, Vor- und Nachteile der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung und Eisensubstitutionstherapie beim sog. Restless-Legs-Syndrom. Intern haben wir diese Themen bereits vor zwei Wochen durchgesprochen, und so kann ich einer Famulantin, die die Zoom-Sitzung gemeinsam mit mir verfolgt, nebenbei noch ein paar Erkenntnisse aus unserer Diskussion von voriger Woche mitgeben.

Generell ist diese Woche in der Studentenwohnung in Kirchberg sehr viel Leben eingekehrt: Zwei Famulantinnen und eine Blockpraktikantin sind neu angereist, sodass wir viele Möglichkeiten haben, uns über die Arbeit in der Praxis auszutauschen und die Freizeit miteinander zu verbringen. Mit den beiden Famulantinnen führe ich Gespräche darüber, mit welchen Vorstellungen und Erwartungen sie hierher gekommen sind. Für mich ist es bereichernd, weil mich die Gespräche dazu anregen, auch nochmals über meine eigene Ziele im PJ nachzudenken.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag begleite ich Dr. Kalmancai auf seinen Notarztdienst. Für mich sind diese wöchentlichen Ausflüge auf die Wache mittlerweile fester Bestandteil meiner Arbeitswoche geworden und ich gehe gerne hin, auch wenn ich die Müdigkeit in den Tagen danach meist noch spüre…In dieser Nacht treffen wir unter anderem auf einen Patienten mit einer entgleisten Herzinsuffizienz: der Pat. atmet mit Mühe, als wir eintreffen, und hat sehr ausgeprägte Beinödeme. Die Angehörigen berichten uns von einer vorbestehenden Herz- und Niereninsuffizienz – auch, dass der Patient erst vor 3d wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden sei. Leider müssen wir ihn nun schon wieder in die Klinik mitnehmen. Später erfahren wir, dass er beidseits deutliche Pleuraergüsse gehabt habe, die ihm das Atmen erschwert haben.

Am Freitagnachmittag arbeite ich mit Dr. Blank in Kirchberg zusammen: Von Kontrolluntersuchungen nach Sprunggelenksfraktur, Hautveränderungen (Röschenflechte) über Muskelschmerzen ist alles dabei. Spannend ist für mich eine ältere Dame, die sich mit linksseitigen Unterbauchschmerzen seit 2d vorstellt. Sie habe ein starkes Druckgefühl, meint sie. Bei der Untersuchung stelle ich schnell fest, dass sie tatsächlich einen deutlichen Druckschmerz im linken Unterbauch verspürt, und stelle in Kombination mit ihren Stuhlunregelmäßigkeiten die Verdachtsdiagnose einer Sigmadivertikulitis. Gemeinsam mit Dr. Blank führe ich noch eine Ultraschalluntersuchung durch, wo wir tatsächlich verdickte und entzündete Darmschlingen erkennen können. Wir klären die Patientin über das Krankheitsbild auf und bitten sie, sich in den nächsten Tagen zu schonen, die Schmerzen symptomatisch zu bekämpfen und eher leichte Kost zu sich zu nehmen. Außerdem geben wir ihr ein Stand-By-Rezept für Antibiotika mit, für den Fall, dass sie am Wochenende doch Fieber und Schüttelfrost entwickeln sollte. Schön, dass man auch in diesem Fall wieder abwarten kann, und nicht sofort die Antibiose geben muss!

 

Woche 12 + 13: 2.8. - 15.8.2021

Langsam, aber sicher neigt sich mein PJ-Tertial im Bayerischen Wald dem Ende zu – und ich schwanke oft zwischen der Traurigkeit, die Praxis und all die liebgewonnen Menschen bald zurücklassen zu müssen, und der Freude auf das, was danach kommt.

Da ich etwas krank bin und mir die Erschöpfung in den Knochen steckt, gönne ich mir ein paar freie Tage, in denen ich auf ausgedehnten Spaziergängen und bei Kreativen Arbeiten neue Kraft schöpfe. So interessant und abwechslungsreich die Arbeit mit den anderen Ärzt*innen, MFAs und Student*innen in der Praxis auch ist – ebenso kräftezehrend ist es, von der Praxis zur Fallbesprechung, zum Reflexionsgespräch mit den Famulantinnen und wieder zurück in die Praxis zu eilen. Da tut etwas Erholung sehr gut!

In der Praxis selbst erlebe ich an meinen Arbeitstagen wieder eine Mischung aus Patient*innen mit Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Schulterbeschwerden und vielem mehr. Im Gedächtnis bleiben wird mir auf jeden Fall eine Dame Anfang siebzig, die vor wenigen Monaten ihren Mann verloren hat. Sie erzählt mir, dass sie viel mit ihrem Hund draußen spazieren gehe, an einer Gymnastik- und Walkinggruppe teilnehme und einen Computerkurs belege. Als ich sie dafür lobe, dass sie ihr Leben kurz nach dem Verlust ihres Ehemanns so aktiv weitergestaltet, antwortet sie mir „Ich kann ja auch nicht nur zu Hause sitzen und depressiv werden. Für mich geht das Leben weiter.“ Ich bewundere ihre Einstellung.

Im Notarztdienst treffen wir dieses Mal auf eine Frau mittleren Alters, die von Passanten bewusstlos am Bahnhof angetroffen wurde. Leider hat sie keinen Bekannten dabei, der uns weitere Auskunft erteilen könnte. Allerdings finden wir neben ihr eine angefangene Packung von Tavor, einem Beruhigungsmittel. Möglicherweise hat sie sich damit überdosiert? Da wir keine bessere Erklärung finden, bleiben wir zunächst bei dieser Verdachtsdiagnose. Tatsächlich klart sie nach Gabe des Antidots Flumazenil etwas auf. Zur weiteren Überwachung und Versorgung bringen wir sie auf Intensivstation.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass sie in den letzten Tagen mehrmals in verschiedenen Kliniken wegen Intoxikation mit verschiedenen Medikamenten stationär war und multipel psychisch vorerkrankt ist. Leider hat sie sich auch heute bereits wieder selbst entlassen und keiner weiteren Behandlung zugestimmt. In den frühen Morgenstunden holen wir eine weitere junge Patientin aus einer Wohngruppe ab, die sich entweder mit Quetiapin überdosiert hat oder sich einfach nur bewusstlos stellt – so ganz sicher sind wir nach unserer Untersuchung nicht. Ich muss schlucken – was läuft eigentlich in unserer Gesellschaft falsch, dass so viele junge Menschen an psychischen Krankheiten erkranken? Und warum können wir ihnen oft nur unzureichend helfen?

Bevor Dr. Blank sich in den Urlaub verabschiedet, führe ich noch ein Abschlussgespräch mit ihm. Wir sprechen darüber, wie ich die Arbeit in der Praxis erlebt habe und was ich für die Zukunft mitnehme. Außerdem gibt er mir Feedback darüber, wie die anderen Mitarbeiter*innen der Praxis mich erlebt haben. Zuletzt gibt er mir noch ein paar Anregungen für mein weiteres PJ und mein künftiges Leben als Ärztin mit. Ich bin sehr dankbar für dieses Gespräch – natürlich habe ich mir auch meine eigenen Gedanken darüber, wie ich auf meine Mitmenschen wirke, wie ich gegenüber Mitarbeitern und Patient*innen auftrete, sowie welche Haltung ich für die Zukunft mitnehme. Aber es tut doch gut, dies ab und zu von außen gespiegelt zu bekommen und die ein oder andere Anregung oder Bestätigung zu erhalten.

Das WG-Leben in der Studentenwohnung ist weiterhin sehr lebhaft. Ich empfinde es als bereichernd, mich mit den anderen Studierenden auszutauschen, wie sie die Arbeit in der Praxis erleben. So starte ich in ein – hoffentlich – entspanntes Wochenende mit den anderen und freue mich auf meine letzten drei Wochen in der Praxis!

 

Woche 14: 16.8. - 22.8.2021

„Mir ist oft so schwindelig.“, höre ich diese Woche von mehreren Patient*innen. „Können Sie mir genauer beschreiben, wie sich der Schwindel anfühlt? Möglichst, ohne das Wort Schwindel zu verwenden? Und in welchen Situationen tritt er auf?“ Mit diesen Fragen versuche ich, mir ein genaueres Bild zu verschaffen, woher der Schwindel rühren könnte. Unter Schwindel versteht nämlich jeder Patient etwas anderes – und es gibt zig Möglichkeiten, was ihn auslösen könnte: ein losgelöster Kristall in den Bogengängen unseres Innenohrs, der wichtig für unseren Gleichgewichtssinn ist; ein Problem mit den peripheren Nerven, die zu Gangunsicherheit führen können; ein schlecht eingestellter Blutzucker oder Blutdruck; oder sogar ein Schlaganfall: Es gibt zahlreiche Ursachen, die teils mehr, teils weniger gefährlich sind. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Therapieansätze. Zum Glück kann man mit einer präzisen Anamnese und einigen klinischen Untersuchungen zumindest eingrenzen, in welche Richtung der Schwindel mutmaßlich geht, und eine probatorische Therapie beginnen.

Diese Woche verbringe ich in der Niederlassung in Schöfweg und arbeite mit den Ärzt*innen Dr. Kleudgen, Purmann, Winbauer sowie Bauer zusammen. Für mich ist es schön, nochmal eine andere Praxis intensiver kennenzulernen und mich in die Arbeitsabläufe einzuarbeiten. Neben den genannten Schwindelpatient*innen sehe ich Patienten mit Verletzungen, Blutdruckproblemen und psychischen Beschwerden. Am Montag beispielsweise führe ich ein ausführliches Gespräch mit einem Mann, der tags zuvor von seinem Partner verlassen worden ist, und spürbar unter der Situation leidet. Ich glaube, wir dürfen unsere Rolle als Ärzt*innen in dieser Situation nicht unterschätzen: Es gibt einige Menschen, die keinen stabilen Freundeskreis haben, der sie in dieser Situation auffängt, sodass sie zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Daher biete ich dem Patienten auch an, sich bei Bedarf gegen Ende der Woche nochmals in der Praxis vorzustellen. Außerdem sucht eine ältere Dame mit Schmerzen im linken Fuß die Praxis auf. Ihr Fuß ist deutlich gerötet, glänzt und ist überwärmt: Es ist ein Erysipel wie aus dem Lehrbuch. Dr. Kleudgen und ich verordnen der Patientin ein Antibiotikum, klären sie und ihre Tochter darüber auf, wie wichtig es ist, nun das Bein hochzulagern und zu kühlen, damit sich die Infektion nicht weiter ausbreitet. Außerdem bitten wir die Patientin, am Montag zur Kontrolle nochmals in die Praxis zu kommen. Ein weiterer Patient stellt sich mit Schmerzen im Fuß, genauer gesagt im Großzehengrundgelenk vor: Es ist geschwollen, deutlich gerötet und sehr druckschmerzhaft. Der Patient gibt an, in letzter Zeit viel Stress gehabt zu haben, außerdem seien bei ihm erhöhte Harnsäurewerte bekannt: Der Verdacht eines Gichtanfalls liegt nahe – auch, wenn der Patient noch nie einen hatte. Dr. Kleudgen und ich entscheiden uns unter den verschiedenen Therapiemöglichkeiten dafür, dem Patienten für einige Tage Colchicin zu verschreiben: Wenn sich die Symptome darunter verbessern, ist quasi gesichert, dass der Patient tatsächlich an Gicht leidet.

Nach der abwechslungsreichen Woche in Schöfweg freue ich mich darauf, kommende Woche noch einmal mit dem gleichen Team arbeiten zu dürfen.

 

Woche 15: 23.8. - 29.8.2021

Hallux valgus, Schneiderballen, Fersensporn – diese Woche scheint die Woche der Fußerkrankungen in Schöfweg zu sein. Ich sehe Patient*innen mit den genannten Krankheiten, außerdem einen Patienten mit ausgeprägtem Nagelpilz an sämtlichen Zehen- und Fingernägeln. Da letzterer den lästigen Pilz gerne loswerden möchte und zu einer langwierigen Therapie bereit ist, verschreiben wir ihm Bifonazol-haltigen Nagellack, den er 1-2 mal wöchentlich auf die betroffenen Nägel auftragen soll, sowie eine Tablette gegen Pilze (Terbinafin), das er täglich einnehmen muss. Leider ist Nagelpilz nämlich sehr hartnäckig: In der Regel reicht keine lokale Therapie mit antimykotischen Cremes aus, sondern sie muss durch die mehrwöchige bis mehrmonatige Einnahme von Tabletten ergänzt werden. Auch dann bleiben langfristig leider nur 8 von 10 Patient*innen frei von den Nagelveränderungen. Zum Glück sind sie nicht gefährlich…

In der Montagsbesprechung kümmern wir uns dieses Mal um das Thema „Erhöhte Leberwerte“. In welchen Fällen können wir erhöhte Transaminasen, gGT oder Bilirubin einfach kontrollieren? Und wann müssen wir der Sache nachgehen und nach Noxen wie Alkohol, Fettleber, Hämochromatose oder Virushepatitiden als Ursprung der erhöhten Leberwerte forschen? Welche Lebererkrankungen sehen wir eher häufig, welche eher selten in der Hausarztpraxis?  Das Thema ist sehr spannend, leider aber auch kompliziert: Ich nehme es zum Anlass, nochmal die Folien zu hepatologischen Erkrankungen aus meinen Innere-Vorlesungen durchzugehen. Tatsächlich sehe ich am Freitag in Auerbach einen Patienten, bei dem Dr. Kalmancai aufgrund erhöhter Leberwerte und eines deutlich erhöhten Ferritinspiegels (fast um das 3-fache über dem Normwert) die Verdachtsdiagnose einer Hämochromatose, einer Eisenspeicherkrankheit, gestellt hat. Die endgültige Labordiagnostik steht noch aus, allerdings habe ich die Gelegenheit, eine Ultraschalluntersuchung seiner Leber durchzuführen. Bei Pat. mit Hämochromatose erwartet man ein verdichtetes Leberparenchym und rarefizierte Lebervenen – tatsächlich ist beides bei ihm erkennbar, allerdings auch Anzeichen einer Fettleber: daher lässt sich nicht abschließend beurteilen, welche Veränderungen wohl auf die Einlagerung vermehrten Fettgewebes und welche auf die Eisenüberladung zurückzuführen sind.

In der Notarztschicht treffen wir diese Woche auf eine ältere Dame mit akuter Gastrointestinalblutung. Das kann prinzipiell sehr gefährlich werden, weil manche Menschen so viel Blut verlieren, dass sie kreislaufinstabil werden. Zum Glück ist dies bei unserer Patientin nicht der Fall: Sie ist ansprechbar, Blutdruck sowie Herzfrequenz sind im normalen Bereich, sodass wir sie mit etwas Volumengabe zur Überwachung und weiteren Behandlung in die nächstgelegene Klinik bringen können. Dennoch tut sie mir sehr leid: Sie ist seit 2 Wochen auf Kurzzeitpflege im Seniorenheim und muss jetzt schon wieder den Aufenthaltsort wechseln. Ich fürchte, dass dies für ihre Orientierung und ihr Wohlbefinden eher abträglich ist…

Neben der Arbeit in der Praxis und auf der Wache versuche ich diese Woche noch möglichst viel von der Natur in der Umgebung mitzubekommen: Es ist meine vorletzte Woche im Bayerischen Wald und ich habe keine Ahnung, wann ich wieder hierher kommen werde.

 

Woche 16: 30.8. - 5.9.2021

Herzrhythmusstörungen, unerklärliche nächtliche Unterarmschmerzen, letzte Spaziergänge an liebgewonnenen Orten und Abschiede von verschiedenen Menschen – meine letzte Woche im Bayerischen Wald gestaltete sich persönlich wie fachlich sehr vielfältig.

In der Sprechstunde bereitet uns ein junger Mann viel Kopfzerbrechen, der seit ca. einem Jahr an nächtlichen Schmerzen des rechten Unterarms leidet. Er berichtet uns, dass er nachts immer wieder davon aufwache, dass seine Unterarmmuskulatur sich „komisch“ anfühle, so, als sei sie verkürzt. Wenn er morgens aufstehe, brauche er erst einige Minuten, bis er Ellbogen-, Hand- und Fingergelenke vollständig durchstrecken könne. Tagsüber habe er keine Probleme. Auch könne er keine Abhängigkeit der Beschwerden von körperlicher Belastung feststellen. Eben jener Patient stellte sich bereits ganz zu Beginn meiner Zeit hier in der Praxis vor. Damals veranlassten wir eine neurologische sowie eine orthopädische Abklärung, auch eine Bildgebung der Weichteilgewebe erfolgte. Bislang leider ohne bahnbrechenden Erfolg. Mithilfe der anderen Ärzt*innen sammle ich in der Fallbesprechung einige Ideen, was wir zur weiteren Diagnostik und probatorischen Therapie des Patienten tun können: Wir einigen uns auf eine Labordiagnostik, um verschiedenen organische Erkrankungen auszuschließen, eine Zweitmeinung beim Orthopäden sowie eine probatorische Therapie mit Cortison über 5 Tage. Auch über eine rheumatologische Abklärung im Verlauf denken wir nach. Ich wünsche dem Patienten, dass wir noch eine Lösung für seine Beschwerden finden, unter denen er sichtlich leidet, und bin gespannt, was sich am Ende als Ursache herausstellen wird…

Nachdem ich in den letzten Wochen vorwiegend Normalbefunde im EKG gesehen habe, sehe ich diese Woche erstaunlich viele Blockbilder: Vom AV-Block bis °IIb über kompletten Rechts- und Linksschenkelblock ist alles dabei. Glücklicherweise geht es unseren Patient*innen damit erstaunlich gut, sodass wir sie nach Rücksprache mit unserem Internisten Roman Machac erstmal nach Hause schicken können und eine zeitnahe kardiologische Diagnostik angestrebt wird.

Persönlich ist die Woche nicht ganz einfach für mich: Nachdem ich mich vergangene Woche bereits von den Mitarbeitern auf der Wache verabschiedet habe, muss ich nun diese Woche von den MFAs, Azubis und Ärzt*innen der verschiedenen Praxen Abschied nehmen. Nach 16 Wochen im Bayerischen Wald und einer teils sehr intensiven Zusammenarbeit fällt mir das nicht ganz leicht. Einige davon sind mir über die Zeit sehr ans Herz gewachsen. Dennoch: Ich freue mich auch auf die kommende Zeit im Schwarzwald und darauf, meine Studienfreunde wieder häufiger sehen zu können.

 

Ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle nochmal an alle Mitarbeiter*innen der Praxis, die dafür gesorgt haben, dass meine Zeit hier so schön und abwechslungsreich war :-)! Ihr wart klasse und ich hoffe, ihr werdet mit den künftigen PJ-lerinnen auch eine gute Zeit haben :-).

 

Sofia Quaderer

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Woche 1: 08.03.-14.03.2021

Meine Zeit in Kirchberg beginnt mit der Fahrt in Richtung Bayerischer Wald und der Abendsonne im Rücken. Die Sonne ist schon fast untergegangen, als ich den letzten, steilen Anstieg zu dem Haus zurücklege, in dem ich die nächsten 4 Monate wohnen werde. Freundlich werde ich von Jonas, einem anderen PJ-ler der nun schon fast 3 Monate hier ist, in Empfang genommen. Am Abend habe ich Zeit, mich in der sehr gemütlichen Wohnung einzurichten und den schönen Ausblick über Kirchberg zu genießen.

Am ersten Tag treffe ich mich mit Svenja, einer jungen Assistenzärztin, in der Praxis in Schöfweg. Nach einer kurzen Praxisführung darf ich mich zunächst an Susanne, eine weitere Ärztin, hängen und sie im Praxisalltag und bei ihren Hausbesuchen begleiten. Im weiteren Verlauf der Woche bekomme ich die Möglichkeit, die komplett neu eingerichtete Praxis in Kirchberg, sowie die Praxis in Lalling, kennenzulernen. Zusätzlich zu der Arbeit an den Patienten finden dabei immer wieder Besprechungen statt, welche zum Teil auch praxisübergreifend per Webmeeting durchgeführt werden. Interessant war außerdem auch die Teilnahme an einem Journal Club, in dem aktuelle Erkenntnisse zu verschiedenen Forschungsthemen und Krankheitsbildern diskutiert werden.  

Die erste Woche verging sehr schnell. Ich habe schon so viele neue Eindrücke sammeln können, dass ich das Gefühl habe, ich wäre schon viel länger da. Besonders gut hat mir gefallen, wie offen ich vom gesamten Team empfangen wurde und wie ernst man mich genommen hat. Von meinem 1. Tertial in der Klinik kenne ich es, dass man als PJ-ler oft „hinten runter“ fällt - schön, es nun so anders zu erleben!

Die Woche endet mit einem Samstagsworkshop zu dem Thema „Chronische Erkrankungen“, der für die Famulanten des gerade stattfindenden „Exzellenten Winters“ angeboten wird und auch für PJ-ler offen war. Eine super Wiederholung für mich!

Woche 2: 15.-21.3.2021

Meine zweite Woche startete in der Praxis in Kirchberg. Diese Woche hatte ich mein „Willkommens-Gespräch“ mit Sara, die selbst ehemalige PJ-lerin bei Wolfgang ist und mir viele Tipps für die Gestaltung meines Curriculums gab. Die Idee hinter dem Curriculum ist, sich für jede Woche Lernziele vorzunehmen und das Gelernte nach Möglichkeit direkt in der Praxis anzuwenden. Die strukturierte Festlegung eines Lernplans finde ich sehr sinnvoll, denn momentan denke ich mir noch bei jedem zweiten Fall: „Oh, das könnt ich mir vornehmen…oder zuerst das…oder das?“.

Sehr motivierend war auch der praxisinterne Online-Journal-Club am Mittwoch, aus dem man auch trotz geringer Berufserfahrung wirklich viel über neue Erkenntnisse mitnehmen kann. So stellte Svenja zum Beispiel eine Studie über die Lebertoxizität von Metamizol vor, was im Klinik- und Hausarztbereich durchaus häufig verschrieben wird. In der anschließenden Diskussion kamen die Ärzte zu dem Schluss, dass die Indikation noch kritischer geprüft werden sollte und zunächst andere Schmerzmedikamente in Erwägung gezogen werden müssen. Schön ist auch, dass bei den Online-Meetings oft ehemalige oder zukünftige Mitarbeiter teilnehmen und jeder der Ärzte einen anderen Hintergrund hat. Das macht den Austausch sehr interessant.

Außerdem durfte ich diese Woche in der Praxis schon viel „vorarbeiten“: Oft bin ich dabei bereits vor dem Arzt zu den Patienten, habe mit der Anamnese und evtl. der Untersuchung begonnen und durfte den Patienten dann dem Arzt vorstellen. Gerade durch diese (Selbst)-Überprüfung, was der Arzt in dieser Situation fragen, untersuchen oder machen würde, ist das ein sehr guter Weg, um viel dazu zu lernen. Ein „großes Lob“ geht an dieser Stelle an die Patienten, die so offen und geduldig mit uns Studierenden sind!

Woche 3: 22.03.-28.03.2021

Die vergangene Woche hielt gleich zu Beginn einen Aspekt der Allgemeinmedizin bereit, der mich begeistert: das „Heilen mit Worten“. Auch wenn hier der Begriff „Heilen“ natürlich zu hoch gegriffen ist, wurde mir wieder einmal gezeigt, welches Potential die richtige Gesprächsführung hat.  In diesem Fall kam eine junge Patientin, die um Unterstützung bei der Gewichtsabnahme bat. Mir kamen zu Beginn die klassischen Vorschläge in den Kopf: viel Bewegung, gesunde Ernährung, keine Zwischenmahlzeiten…Sarah startete das Gespräch aber komplett anders: sie nahm sich überwiegend zurück und versuchte, die Patientin selbst überlegen zu lassen, warum sie denn abnehmen wolle, welcher dieser Gründe für sie der wichtigste sei und wie sie das umsetzen könne. Ich hatte währenddessen den Eindruck, als könnten diese Überlegungen der Patientin tatsächlich helfen, ihre eigenen Ressourcen zu mobilisieren. Danach erzählte mir Sarah, sie habe ein Konzept angewendet, dass sich „change talks“ nenne: Es ginge bei dem Wunsch nach einer Verhaltensänderung vor allem darum, dass derjenige über die gewünschte Änderung rede und diese immer wieder im Kopf erlebe. Dies würde laut Studien am besten zum tatsächlichen Erreichen der Ziele führen.

Thematisch hatte ich mir für diese Woche laut meinem Curriculum orthopädische Untersuchungen vorgenommen. Da unspezifischer Rückenschmerz ein sehr häufiger Beratungsanlass ist, bekam ich auch gleich die Möglichkeit, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Es war sehr motivierend, den Patienten eigenständig untersuchen und bezüglich des weiteren Vorgehens beraten zu können, und noch motivierender, von den Ärzten zu hören: „Ja genau, das würde ich auch so machen!“

Gegen Ende der Woche hielt-zumindest vorerst-der Frühling Einzug. Auch wenn der leichte Schneefall, den es hier in den letzten Wochen immer wieder gab, sehr schön war, genieße ich die Sonne und die länger werdenden Tage. Nach Feierabend kann man nun noch eine Runde im naheliegenden Wald drehen und entspannt die letzten Sonnenstrahlen auf dem Kirchberg genießen.

Woche 4: 29.03.-04.04.2021

Meine vierte Woche war wegen dem beginnenden Osterwochenende sehr kurz.

Am Dienstag hatte ich die Gelegenheit, mit Susanne im Impfzentrum in Grafenau zu arbeiten. Ich habe bereits in Regensburg im Impfzentrum mitgeholfen und fand es sehr interessant zu sehen, wie es in anderen Impfzentren abläuft. Das Schöne am Impfen ist, seinen Teil zur Pandemiebekämpfung beitragen zu können – und zudem oft auch die Freude der Patienten zu sehen, nun endlich an der Reihe zu sein.

Die vergangenen zwei Wochen habe ich wieder einmal gemerkt, wie unglaublich abwechslungsreich Allgemeinmedizin sein kann. Von dermatologischen Befunden, kleineren Verletzungen und orthopädischen Fällen über internistische Probleme bis hin zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen - man weiß nie, was an einem Tag so auf einen zukommt. Mir kommt es dadurch manchmal ein bisschen wie bei einer Art Überraschungspaket vor - in jedem Behandlungszimmer wartet ein Mensch mit einem Anliegen, das im Grunde alles sein kann.

Die letzten Tage habe ich sehr von der längeren Mittagspause profitiert. Meistens nutze ich diese Zeit, um etwas zu erledigen oder ein Thema aus meinem Curriculum zu erarbeiten -diese Woche habe ich stattdessen oft das sonnige Wetter ausgenutzt und war in der Natur unterwegs. Einer der vielen Vorteile eines PJ´s im Bayerischen Wald!

Zum Abschluss dieser Woche gab es am Gründonnerstag ein gemeinsames Essen mit allen Mitarbeitern. Bedingt durch Corona fand das ganze online statt-dank zuvor verteilter leckerer Essenspakete mit regionalen Spezialitäten und viel guter Laune von allen Seiten war es nichtsdestotrotz ein sehr unterhaltsamer Abend.

Woche 5: 05.04.-11.04.2021

Der Tag nach dem langen Osterwochenende begann-wie zu erwarten <s>-</s>mit einem großen Ansturm auf die Praxis. Während die Ärzte sich bemühten, möglichst zügig voran zu kommen, kümmerte ich mich um eine mir zugeteilte Aufgabe: einen kurzfristigen Termin bei einem Dermatologen zu vereinbaren. In der Woche zuvor hatte sich eine sehr aufgelöste Patientin mit einem fast vollständigen Haarverlust vorgestellt. Vom Befund her sah es wie eine mögliche Tinea capitis aus, einer Infektion der Kopfhaut. Das Ungewöhnliche war aber, dass das Ganze in einem Zeitraum von wenigen Tagen geschah. Um eine gefährlichere Ursache auszuschließen, sollte dies auf jeden Fall dermatologisch nochmals abklärt werden, was um die Feiertage herum ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Das brachte mich ins Grübeln: Oft haben Fachärzte nicht innerhalb von Tagen einen Termin frei. Dies ist dann etwas, was auch in die allgemeinärztliche Entscheidungsfindung mit einfließen muss: Ist es so akut, dass es innerhalb weniger Tage fachärztlich beurteil werden muss? Was sind die Alternativen, falls keine kurzfristige Abklärung möglich ist? Starte ich schon eine Therapie? Hat der Patient einen großen Leidensdruck und was kann ich dagegen tun? Auf Grund der schwierigen Terminfindung haben wir in diesem Fall noch einmal Rücksprache mit der Patientin gehalten. Das Ergebnis war, dass es ihr nun es schon deutlich besser gehe, sie wirkte fröhlich und könne bis nächste Woche auf ihren Termin warten.

Eindrücklich war auch der Fall eines jungen Patienten, der mit Unterbauchschmerzen kam. Bei der körperlichen Untersuchung testete ich wie immer standardmäßig auf Appendizits, und der Patient hatte tatsächlich kontralateralen Loslass-Schmerz. In so vielen Seminaren und Büchern lernt man über die verschiedenen klinischen Tests für bestimmte Krankheitsbilder, aber das so zu sehen war für mich ein kleiner Aha-Moment. Roman, einer der Ärzte und Sono-Profi, untersuchte ihn sofort sonographisch und konnte bei lehrbuchmäßiger Bildgebung die Diagnose Appendizitis stellen.

Eines der Themen, die ich mir für diese Woche vorgenommen hatte, war die Sonographie des Abdomens, wozu ich auch oft Gelegenheit bekam. Ich konnte für mich schon einige Fortschritte feststellen, auch wenn es noch einiges an Übung braucht. Faszinierend ist in dieser Hinsicht für mich die Arbeit von Roman. Aus den ersten Studentenkursen zum Beginn des Medizinstudiums hatten sich bei mir bestimmte Dinge im Kopf festgesetzt. Eines davon ist zum Beispiel, dass ein Darm schlecht zu schallen sei. Während ich Roman beim gekonnten Darm-Schallen über die Schulter schaute, musste ich innerlich schmunzeln und an den Spruch denken: Jeder sagte das geht nicht, doch einer wusste das nicht und hat es einfach gemacht!

 

Woche 6: 12.04.-18.04.2021

Gleich am Montag der 6. Woche gab es für mich eine Premiere: Zusammen mit Wolfgang war ich Teil einer Gutachter Gruppe zur Akkreditierung eines neuen Studiengangs der Hochschule Deggendorf. Per Online-Meeting wurde uns das Konzept vorgestellt, nach unserer Meinung gefragt und diskutiert. Es war eine interessante Erfahrung, zu der ich sonst mit Sicherheit auch nicht so schnell gekommen wäre.

Den weiteren Teil der Woche verbrachte ich erstmalig in Auerbach. Auerbach ist eine nette kleine Praxis, in der vor allem Anton Kalmancai, einer der Ärzte mit chirurgischem Hintergrund, tätig ist. Anton schafft es sehr gut, den Patienten anzuhören und ihn in Ruhe ausreden zu lassen und gleichzeitig zügig zu arbeiten. Dank dieser effektiven Arbeitsweise bleibt zwischendrin immer wieder mal Zeit für einen der zahlreichen Spezialtees, die Anton täglich in seiner größten Thermoskanne dabeihat und von denen er gern probieren lässt. Im Kopf geblieben ist mir von dieser Woche auch der Nachmittag bei Dr. Bernecker, der mittwochs immer in der Praxis in Rinchnach anzutreffen ist. Dr. Bernecker ist weitestgehend im Ruhestand, betreut aber weiterhin noch seine Patienten und geht seinem Steckenpferd, der Chiropraktik und der Homöopathie, nach. Mit seiner freundlichen und ruhigen Art hat er sofort für eine angenehme Stimmung im Raum gesorgt und es war unglaublich entspannend, ihm zuzuhören.  

Insgesamt war es in den letzten Wochen sehr interessant, zu sehen, wie sehr sich die einzelnen Praxen und vor allem die Arbeitsweise der einzelnen Ärzte unterscheiden. Das gibt mir die Möglichkeit, zu beobachten und zu überlegen, was ich für mich übernehmen möchte und welche Art zu arbeiten am besten zu mir passt.

Nach den letzten Tagen mit einem erneuten kleinen Wintereinbruch habe ich gemerkt, dass ich etwas erschöpft bin und die warme Sonne herbeisehne. Am Freitag geht es deswegen ins verdiente Wochenende und hoffentlich endlich dem Sommer entgegen!

Woche 7: 19.04.-25.04.2021

Im Rahmen des Tertials ist es möglich, auch einzelne Tage bei anderen Ärzten zu hospitieren, um in verschiedene Fachrichtungen reinzuschnuppern und weitere Ärzte kennenzulernen. In dem Zusammenhang wurde mir Dr. Egid Werner, der Internist und Psychotherapeut in Regen ist, wärmstens empfohlen. Kurzfristig und unkompliziert durfte ich einen angenehmen Montag bei ihm verbringen und habe viele Eindrücke vom Alltag eines niedergelassenen Internisten hier in der Region gesammelt.

Ab Dienstag war ich dann in der Gemeinschaftspraxis in Lalling, in der von ärztlicher Seite her hauptsächlich Dora Takacs tätig ist. Dora hat eine sehr herzliche und fürsorgliche Art, die mir die Tage in der neuen Praxis sehr leicht gemacht hat.

Diese Woche wurde ich immer wieder mit mir selbst und meiner Reaktion auf bestimmte Dinge konfrontiert. Als (angehende/r) Ärzt/-in schlüpft man in gewisser Weise in eine Rolle und versucht, Persönliches wegzuschieben und sich voll auf den Patienten zu konzentrieren. In manchen Situationen ist das nicht so leicht: fast jeder hat irgendetwas, was ihn beim Gegenüber schnell auf die Palme bringen kann. Ich finde es sehr interessant, bei mir selbst zu bemerken, wie ich auf eine bestimmte Situation innerlich gereizt reagiere, und dann in mich hinein zu horchen: was macht mich denn daran gerade wütend? Und vor allem: wie gehe ich damit um? Habe ich aufgrund meiner persönlichen Beteiligung etwas Wichtiges übersehen? Dieses „Auf sich hören“ ist auch dann sehr wichtig, wenn man selbst gerade nicht mehr so kann: zum Beispiel, wenn am Ende eines langen Tages ein Patient mit Kopfschmerzen kommt und man am liebsten sofort sagen möchte: Es ist nichts Gefährliches, gehen Sie heim. Gerade dann ist es wichtig, die eigene Ungeduld zu bemerken - und den Patienten erst recht in Ruhe anzuschauen.

Neben meiner Wohnung gibt es im gleichen Haus noch eine Wohnung für 2 weitere Studenten. Vor ein bzw. zwei Wochen sind dort 2 Famulantinnen eingezogen-bis auf eine Woche waren somit ständig andere Studenten hier. Das ist vor allem in Zeiten von Corona eine tolle Abwechslung, da man trotz eingeschränkter Freizeit- und Kontaktmöglichkeiten gleiche nette Leute kennenlernt mit denen man abends kochen oder sich zwischendrin unterhalten kann. 

 

Woche 8: 26.04.-02.05.2021

Die vergangene Woche war sehr ereignisreich, da ich gleich in 3 verschiedenen Praxen war. Den größten Teil der Woche verbrachte ich bei Petra in Rinchnach. Nachmittags war ich einige Male in Kirchberg, und am Freitag nahm Wolfgang mich in die Praxis nach Grafenau mit. Hier zeigte sich mal wieder der Vorteil des großen Ärzteteams: die Jüngeren arbeiten oft sehr strukturiert und arbeiten systematisch die in Frage kommenden Krankheitsbilder und AGV´s mithilfe von Scores und Schemata ab. Diejenigen mit jahrelanger Berufserfahrung können sich dagegen mehr auf ihr „Bauchgefühl“ verlassen. Für mich ist es interessant, beides mitzuerleben: das systematische Abarbeiten, um es selbst anzuwenden, und das Bauchgefühl, um ein Gespür für Situationen zu bekommen.

Bei einigen Beratungsanlässen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, fühle ich mich nun schon relativ sicher und weiß, worauf ich achten muss und wie die Therapie ausschauen kann. Dann gibt es wieder Fälle, bei denen ich noch komplett hilflos bin und nicht weiß, wo ich es einordnen soll. So zum Beispiel eine unspezifische Schwellung im Gesicht, ein roter Fleck am Zeigefinger oder ein Zeh, der sich immer über den großen schiebt und Probleme macht - ein Sammelsurium, wie man es vermutlich nur beim Hausarzt findet. Bei manchen Fällen meine ich, sie schon richtig beurteilen zu können und liege dann doch falsch - es gibt noch viel zu lernen.

Eine Aufgabe die momentan alle Praxen beschäftigt ist das Impfen. Die Teams sind sehr motiviert, möglichst viele Patienten dran zu nehmen und ihnen somit einen Schutz zu geben. Dennoch ist es eine sehr große Belastung, diese Menge an Impfungen neben dem Praxisalltag unterzubringen. Zudem haben viele Patienten Fragen und Bedenken wegen der Impfung oder einzelnen Impfstoffen, was für Ärzte und MTA´s mit einem großen Zeitaufwand verbunden ist.

Am Samstag fand dann noch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem BRK in der Schule in Kirchberg eine großangelegte Impfaktion statt. Dank guter Planung konnten wir die Anwesenden zügig durchimpfen und wurden vom Bürgermeister mit einer Brotzeit für den Weg ins Wochenende entlassen.

Woche 9: 03.05.-09.05.2021

Auch diese Woche war ich viel in den unterschiedlichen Praxen unterwegs. Die ersten Tage nahm Wolfgang mich in die Praxis nach Grafenau. Bevor man hier ein PJ anfängt, kommt man in der Regel einen Tag zum Schnuppern vorbei. Ich war damals in der Praxis in Grafenau - noch mitten im Studium, gespannt und aufgeregt. Ein Jahr später stand ich wieder in den gleichen Räumen, es fühlte sich nun aber ganz anders an. Mir wurde bewusst, wie viel ich im letzten Jahr und vor allem in der Zeit hier bereits gelernt habe und welche Sprünge ich fachlich, aber auch persönlich gemacht habe. Ich fühle mich nun im Auftreten schon deutlich sicherer und kann das auch nach außen tragen.

Diese Woche fanden auch einige sehr interessante Fortbildungen statt. Direkt am Montag wurde im Praxisteam Hyperkalzämien besprochen und mein M2-Wissen herausgefordert. Für den Mittwoch hatte Wolfgang einen Vortrag bzw. eine Diskussionsrunde zur palliativen Versorgung organisiert. Dank dem großen Erfahrungsschatz der Vortragenden, Claudia Levin, war das Ganze eine sehr interaktive und lebendige Runde, die einem das Thema medizinisch und menschlich nähergebracht hat. Am Abend fand wieder der bayernweite Journal Club statt, bei dem einige sehr interessante Punkte besprochen wurden. Am meisten im Kopf blieb mir eine Studie zum Nachtschweiß als Symptom einer Krebserkrankung. Wir waren uns darin einig, dies im Zusammenhang mit Fieber und Gewichtsverlust im Studium immer wieder als Warnsignal eingetrichtert bekommen zu haben - allerdings konnte keiner genau sagen, wie aussagekräftig Nachtschweiß als Symptom eigentlich war, und in welcher Stärke und Häufigkeit er eigentlich auftreten müsse. Trotzdem fragen ein großer Teil der Ärzte regelmäßig danach. Laut der vorgestellten Studie sei Nachtschweiß allein kein aussagekräftiges Symptom. Der allgemeine Konsens in der Runde war zudem, dass gerade im hausärztlichen Bereich überhaupt nicht quantifizierbar ist, was der einzelne Patient als Nachtschweiß versteht - und man sich diese Frage in Zukunft in vielen Fällen auch sparen kann. 

Woche 10: 10.05.-14.05.2021

Diese Woche verbrachte ich in Lalling. Bei einige Patienten, die mehrfach zur Kontrolle kamen, konnte ich so den Verlauf mit verfolgen.  Die erste Patientin war einer ältere Dame, die am Wochenende aufgrund einer Phlegmone am Unterarm in der Notaufnahme war. Da sie nicht stationär bleiben wollte, wurde sie mit antibiotischer Therapie entlassen und zur weiteren Kontrolle zum Hausarzt geschickt. Während die ursprüngliche Rötung zurück ging, kam nach einigen Tagen eine weitere Schwellung am Unterarm hinzu, die wir mit etwas Sorgen regelmäßig begutachteten. Gerade in Zeiten von Corona überlegt man sich sowohl als niedergelassener Arzt als auch als Patient sehr gut, ob ein KH-Aufenthalt wirklich nötig ist. In diesem Fall schien das Antibiotikum schließlich doch anzuschlagen, und die Entzündung ging langsam zurück.

Der zweite Fall war ein Patient, der sich mit Divertikulitis-typischen Beschwerden vorstellte. Die Leitlinie schlägt vor, bei mildem Verlauf von einer AB-Therapie zunächst abzusehen und den Verlauf engmaschig zu kontrollieren. Dies bedeutete, dass der Patient sich bei zunächst deutlich erhöhtem CRP und Leukozytenerhöhung jeden zweiten Tag vorstellte, um den klinischen Verlauf sowie die Blutwerte zu beobachten. Auch in diesem Fall zeigte sich eine deutliche Verbesserung nach einigen Tagen.

Nun habe ich schon meine 10. Woche beendet und die Wochen, die ich noch hier bin, sind schon fast an einer Hand abzählbar. Beim Gedanken daran werde ich wehmütig-die Arbeit hier ist sehr abwechslungsreich und es ist schön, das Team immer besser kennen zu lernen. Es macht richtig Spaß, jeden Tag etwas Neues zu lernen und Fortschritte zu machen. Und natürlich auch das Drumherum, der Bayerische Wald im Sommer und die Nähe zur Natur hier ist ein Traum!

Woche 11: 17.05.-21.05.2021

Diese Woche war die erste Woche mit Martina, der neuen PJ-lerin. Am Montag waren wir zusammen in Kirchberg eingeteilt, und ich konnte ihr die Praxis in Kirchberg und die Abläufe zeigen. Leerlauf zwischendrin nutzten wir, indem wir miteinander Schallen übten.

Am Mittwoch war ich in Grafenau und stellte wieder einmal fest, wie unterschiedlich auch das Patientengut der verschiedenen Praxen ist. Während in den meisten ländlich liegenden Praxen viele Dialekt sprechen, merkt man in Grafenau das Städtische mit einer stärker durchmischten Bevölkerung und vielen Patienten mit Migrationshintergrund. Auch die Patienten selbst und die Wünsche und Anforderungen an die Ärzte unterscheiden sich je nach Praxis-manche Patienten wollen zielgerichtet z.B. ihre AU und werden ungeduldig, wenn man noch weitere Untersuchungen machen will, während andere ein ausführliches Gespräch wollen und es so kennen, dass der Arzt sich immer sehr viel Zeit nimmt. Hier ist es wichtig, dass man sich nicht zu sehr „steuern“ lässt, und vor Augen hat, was notwendige und sinnvolle Medizin ist.

Manche allgemeinmedizinischen Krankheitsbilder muss man einmal gesehen haben, um sie sich einprägen zu können, und vergisst sie dann so schnell nicht mehr. Vor einigen Wochen gab es in Kirchberg einen Patienten mit Schmerzen im Ellenbogen - ich habe schon an etwas Entzündliches gedacht, konnte es aber nicht ganz eindeutig eingrenzen. Letzte Woche kam dann eine Patientin in die Praxis in Grafenau mit ähnlichen Schmerzen und Druckschmerz an genau der gleichen Stelle, und schon wahr für mich die wahrscheinlichste Diagnose klar - Epicondylitis medialis.

Woche 13: 31.5. - 4.6.2021

Nach einer Woche Urlaub kehre ich mit neuem Schwung in die Praxis zurück. Diese Woche war sehr abwechslungsreich: nach 2 kurzweiligen Tagen in Lalling verbrachte ich den Mittwoch bei Dr. Frimmel-Müller, einer Gynäkologin aus Regen. Es war sehr interessant, einen Tag in eine gynäkologische Praxis schnuppern zu dürfen und die Fälle und Herangehensweisen dort zu sehen. Besonders begeistert hat mich der Ultraschall einer Schwangeren, den ich machen durfte: einen ganzen Menschen in Klein schallen zu können (und das auch noch in einem anderen Menschen) hat viel Spaß gemacht! Das Tolle bei dieser Hospitation waren die Impulse, die ich mitbekommen habe. Frau Dr. Frimmel-Müller hat sich sehr viel Zeit für mich genommen und hat mit mir den Fall einer unserer Patientinnen durchgesprochen. Diese leidet unter rezidivierenden Harnwegsinfekten, die auch unter Antibiose nicht vollständig therapiert werden konnten. Eine ihrer ersten Fragen war nach der Intimhygiene der Patientin - etwas, was sich sehr schlüssig anhört, ich aber bei Harnwegsinfekten gedanklich nicht auf dem Schirm hatte.

Den Freitag über schnupperte ich bei Dr. Vrhel in die Hausarztpraxis in Hengersberg, da die Praxis in Zukunft gerne Famulanten aufnehmen möchte. Für Studentenprojekte wie den Exzellenten Winter/Sommer werden immer wieder Praxen gesucht, und viele Hausärzte nehmen auch gern daran teil. Dr. Vrhel und seine Helferinnen haben mich sehr freundlich empfangen und mich sofort in den Praxisablauf mit aufgenommen. Da Dr. Vrhel sonst selten Studierende da hat, konnte ich ihm erzählen wie es meistens abläuft und bekam im Gegenzug die Gelegenheit, eine Hausarztpraxis außerhalb der Bayerwald-Praxen kennenzulernen.

Woche 14: 7.6. - 11.6.2021

Diesen Montag war ich wieder bei einer Hospitation: Christoph Leidl, ein Physiotherapeut hier in Kirchberg, zeigte mir seinen Arbeitsalltag. Das war für mich eine spannende Erfahrung: man hat im Praxisalltag viele indirekte Berührungspunkte mit Physiotherapeuten, und irgendwann hat man dann doch schon eine bestimmte Vorstellung, was so ein Physiotherapeut wohl treibt. Die Realität sah in meinem Fall dann doch etwas anders aus: neben den von mir vermuteten Muskelaufbau-Übungen wurde auf X-verschiedene Arten gedehnt, durchgeknetet, Faszien gelockert, zugehört, Kraft gestärkt und Koordination gefördert…Während für die meisten Ärzte Muskeln noch vage aus dem Anatomieunterricht oder dem OP bekannt sind, hatte ich bei Christoph den Eindruck, er wisse allein vom Hinschauen und Tasten ganz genau welcher kleine Muskel betroffen und welche Übung nun sinnvoll sei.

Der weitere Verlauf der Woche war sehr kurzweilig und interessant. Ich war in Lalling eingeteilt, wo ein kniffeliger Fall den nächsten jagte. Ein besonderer Fall war für mich eine Patientin, bei der ich viel selbstständig machen konnte und gemerkt habe, dass vieles für mich mittlerweile sehr klar ist. Die Patientin kam ursprünglich wegen Hautveränderungen, berichtete dann aber, nachts starke Bauchschmerzen gehabt zu haben. Bei der Untersuchung fiel ein deutlicher Loslasschmerz im Unterbauch beidseits auf-was mich sofort an eine Appendizitis denken ließ. Der durchgeführte Ultraschall war unauffällig. Nun stellte sich die Frage: Krankenhaus oder nicht? Von dem angegebenen Druckschmerz her war es eindeutig, der Allgemeinzustand der Patientin war aber sehr gut. Das Notfalllabor, das wir abgenommen haben, zeigte nicht erhöhte Entzündungswerte-unser Eindruck, man könne noch zuwarten, war also richtig. Ein Anruf am nächsten Tag bestätigte dies-der Patientin ging es schon viel besser.

Woche 15: 14.06 - 18.06.2021

Diese Woche war wieder sehr abwechslungsreich, auch durch die verschiedenen Praxen, in denen ich war. Thematisch war das Hauptziel diese Woche für mich noch einmal Sonographieren. Seit meinem Beginn hier habe ich schon viel gelernt, habe aber diese Woche noch einmal einen großen Sprung machen können. „Schuld“ hieran haben wohl die ungeplanten Teachings, von denen ich die letzten Tage gleich mehrere bekommen habe. Während ich das Abdomen oder die Schilddrüse geschallt habe, hat mir einer von den Ärzten über die Schulter geschaut, mir Tipps gegeben und sehr geduldig meine Fragen beantwortet („Würdest du sagen das ist auch noch Schilddrüsengewebe? Ist das schon inhomogen? Messe ich jetzt von hier oder von hier?...“) Gerade dieses direkte Feedback war zum Lernen oder für mich zum noch einmal Absichern natürlich ideal! In dem Zusammenhang ist mir erneut sehr bewusst geworden, wie verrückt es ist, dass sich ein Arzt mit langjähriger Berufserfahrung so viel Zeit nimmt und auch nehmen kann.

Diese Woche war von den zwei jungen Assistenzärztinnen, Sarah und Svenja, die letzte Woche. Die beiden waren während meiner Zeit hier hauptsächlich für mich zuständig und haben für mich von Anfang an zur Praxis gehört. Umso trauriger ist es natürlich, dass ihr Weiterbildungsjahr hier vorbei ist! Zum Abschied gab es ein sehr schönes Essen mit dem Ärzteteam im Biergarten in Schöfweg. Nach der langen Zeit im Lockdown war es nun umso schöner, wieder tatsächlich zusammen sitzen zu können!

Morgen starte ich mit gemischten Gefühlen in meine letzte Woche. Zwar freue ich mich auf meine Heimatstadt, werde aber das Team und die Arbeit hier sehr vermissen!

Woche 16: 21.6. - 25.6.2021

Meine letzte Woche war durch die ganzen Abschiede und letzten Male sehr besonders. Ich habe noch einmal Zeit in Kirchberg, Schöfweg und Lalling verbracht und mich dort verabschieden können. Die letzten Monate sind schnell vergangen und ich bin erstaunt, dass dieses Tertial schon vorbei sein soll. Gleichzeitig ist mir auch noch einmal bewusst geworden, wie viel sich für mich in den vier Monaten verändert hat und was ich gelernt habe. Am Anfang ist es mir oft noch schwergefallen, den Patienten gegenüber selbstbewusst aufzutreten und Struktur in Anamnese und Untersuchung zu bringen. Auch konnte ich es oft noch nicht so richtig einschätzen, was der Patient haben könnte und wie man am Besten reagieren sollte. Gegen Ende hatte ich für viele Symptome ein Schema im Kopf, das ich abarbeiten konnte, und kannte mögliche Therapieansätze. Schön war es auch zu merken, dass oft schon eine Art von „Bauchgefühl“ für die Patienten hatte, bei denen ich am Anfang vermutlich noch sehr geschwommen wäre. Auch praktisch habe ich viel erlernt und kenne viele neue Untersuchungstechniken für sämtliche Bereiche. Der Vorteil der Allgemeinmedizin für Lernende ist die Vielfalt an Symptomen der Patienten, dadurch habe ich neben den „Klassikern“, wie Herz abhören und Bauch abtasten, beispielsweise auch Sprunggelenke untersucht, Abszesse kontrolliert, Trommelfelle angeschaut und Hautveränderungen inspiziert. Ich habe das Gefühl, durch meine Zeit hier eine sehr gute Basis für sämtliche medizinische Bereiche bekommen zu haben.

Insgesamt kann ich sagen, dass mir die Zeit hier sehr gutgetan hat und ich viel Freude an der Arbeit hatte. Gerade durch die tollen Kollegen, die einen so motivieren und bestärken, habe ich viel Motivation für die weitere Ausbildung und mein kommendes Tertial sammeln können. Und der Bayerische Wald mit seiner schönen Natur und der Landschaft war da noch das I-Tüpfelchen! Ich würde es jederzeit wieder so machen.

 

Jonas Klemperer

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Ich erreiche Kirchberg im Wald am Sonntagabend vor dem Tertial-Start. Auf dem Weg hole ich noch eine Mit-PJlerin ab, die bereits einige Wochen in Kirchberg im Wald ist. Die Wohnung, die ich beziehen darf, ist eine 2er-WG, 2 Zimmer mit je einem Doppelbett. Es gibt eine Küche mit einem großen Kühl- und Gefrierschrank und einen Herd mit Ofen. Pfannen, Töpfe, Geschirr und Besteck sind reichlich vorhanden. Das Bad hat neben der Toilette und Dusche auch eine Badewanne und eine Waschmaschine. Und um sich außerhalb des eigenen Zimmers aufzuhalten gibt es auch ein großes, helles Wohnzimmer mit Esstisch und einer Sofa-Ecke.

Mein erster Tag beginnt in der Praxis Schöfweg. Der Weg, ca. 15-20min mit dem Auto, geht über enge Straßen, durch kleine Dörfer und verschneite Wälder.
In der Praxis begrüßt mich freundlich das Team der MFAs und die beiden Ärztinnen. Ich bekomme eine kleine Tour durch die Praxis. Die Praxis ist gut ausgerüstet, vom Ultraschallgerät über EKG, einem kleinen Labor für Blutentnahmen bis zu einem Infusionszimmer.

Ich werde von beiden Ärztinnen sofort in die ersten Sprechstundentermine mitgenommen, um anzukommen und mir ein Bild machen zu können, wie die Termine aussehen und was die Abläufe in der Praxis sind. Gegen Mittag findet eine Video-Konferenz statt. Die Konferenzen wurden bereits Prä-Corona in dem Praxisnetzwerk etabliert und finden fast täglich statt mit unterschiedlichen Zielen – mal sind es Fortbildungen, mal Fallvorstellungen, in denen die ÄrztInnen Fälle besprechen können, bei denen sie nach Rat suchen. Heute ist es eine Besprechung des Themas Juckreiz. Als erstes wird besprochen, wie Patienten das Problem ansprechen könnten („Was sagen PatientInnen?“). Dann sprechen wir über abwendbar gefährliche Verläufe und danach werden Ursachen und Therapie strukturiert durchgearbeitet. Die Sprecher-Reihenfolge ist wie folgt gedacht: Studierende -> ÄrztInnen in Weiterbildung -> FachärztInnen. Ich merke sofort, dass hier jeder dazu ermutigt wird, teilzunehmen. Im Wochentakt werden so Symptome oder Krankheitsbilder durchgesprochen.

Am Freitagabend, kurz vor Praxisschluss kommt ein einprägsamer Fall: Eine Patientin mit Kreuzschmerzen. Aufgrund der Schmerzen fällt es ihr schwer, noch in das Behandlungszimmer zu laufen. Bei mir läuten die Alarmglocken. Nachdem ich die Anamnese und Untersuchung machte, ging die Ärztin mit mir und der Patientin noch einmal zusammen die Red Flags und abwendbar gefährlichen Verläufe durch. Es stellt sich raus, dass der Schmerz stark ist und Behandlung braucht – die Behandlung aber auch erst einmal ambulant erfolgen kann und eine Bildgebung uns zu dem Zeitpunkt trotz der starken Schmerzen erst einmal nicht weiterbringen würde.

Mein Fazit nach der ersten Woche im Bayerischen Wald: Ich bin sehr glücklich, hier gelandet zu sein. Ich fühle mich seit dem ersten Tag äußerst willkommen und habe das Gefühl, ab der ersten Stunde in der Praxis positive Lernerfahrungen gemacht zu haben.

An einem Feiertag während der ersten Woche konnten meine Mit-PJlerin und ich eine kleine Wanderung auf den verschneiten Lusen machen, die für viele gut machbar sein sollte und ich absolut weiterempfehlen kann.

In meiner zweiten Woche bin ich vormittags in Grafenau, nachmittags in Schöfweg. Die Praxis in Grafenau ist etwas kleiner als die Praxis in Schöfweg. Es gibt zwei Behandlungszimmer und drei weitere Zimmer, ausgestattet mit Ultraschallgerät, EKG und kleinem Labor. Als wäre es so geplant, kommen diese Woche direkt zwei Patienten mit dem Problem „Ausschlag mit Juckreiz“ in die Sprechstunde. Gewappnet mit dem Wissen aus der Fortbildung der letzten Woche traue ich mich strukturierter an das Problem zu gehen und stelle in beiden Fällen fest: Die Ursachenfindung ist oft nicht leicht. Wissend, dass wir die abwendbar gefährlichen Verläufe erst einmal ausschließen konnten, fällt es leichter, die Patienten zu beruhigen und ihnen mit einer symptomatischen Therapie fürs Erste zu helfen.

Das zweite Thema, das ich diese Woche erstmalig miterleben konnte: Eine gut strukturierte Check-Up-Untersuchung. Hier besteht seitens der Praxis der Anspruch, nicht nur schnell die Check-Up-Untersuchung durch zu hasten – Die ÄrztInnen versuchen die Untersuchung auf aktuelle Fragen und Probleme der PatientInnen zu schneidern und die Untersuchung als Hilfsmittel zu nutzen, um die Ärztin-PatientIn-Beziehung zu festigen.

Bei einem Hausbesuch, den ich vor der Mittagspause mitmachen kann, fahren wir zu einer Patientin, die sich zunehmend schwächer fühlt und deshalb sichtlich besorgt ist. Es stellt sich die Frage, ob die Verschlechterung eine Ursache hat, die eine sofortige Vorstellung im Krankenhaus benötigt, oder ob noch Zeit bleibt und wir der Sache erst einmal ambulant auf den Grund gehen können. Die Möglichkeit, Menschen in ihrer häuslichen Umgebung zu sehen hatte ich seit meiner Allgemeinmedizin-Famulatur vor 3 Jahren nicht mehr und ich freue mich, wieder dazu zu kommen.

Eine wichtige Lektion der Woche ist für mich: Was strahle ich meinem Gegenüber aus? Wie ist meine Körperhaltung? Und wie kann sich ein Gespräch ändern, wenn ich darauf achte? In einem Gespräch mit Dr. Blank habe ich hier ein paar Tipps bekommen, die ich versuchen will, in den nächsten Wochen zu beachten.

Meine dritte Woche beginnt mit einer Fahrt über verschneite Straßen. Die Räumfahrzeuge tun ihr Bestes, kommen aber kaum gegen die Schneemassen im Bayerischen Wald an. Diese Woche bin ich in der Praxis Lalling, ca. 15min mit dem Auto von Kirchberg entfernt.

In der Montagsfortbildung geht es um das Thema Kopfschmerz. Gemeinsam stellen wir fest, dass Kopfschmerz in der Hausarztpraxis in den meisten Fällen entweder Spannungs- oder Migränekopfschmerz ist. Wir überlegen mit welchen Fragen wir aber die wenigen Fälle aufgreifen können, die AGVs sind.

Aus der Sprechstunde bleibt mir ein Fall besonders im Kopf: Unklarer Bauchschmerz. Eine Patientin mit plötzlich begonnenen Bauchschmerzen und Blut im Stuhl seit 2 Tagen. Bei der Untersuchung ein Druckschmerz im rechten Unter- und Oberbauch, aber auch in der linken oberen und unteren Bauchhälfte. Eine DRU und Ultraschalluntersuchung fallen unauffällig aus. Gemeinsam mit der Patientin reden wir über die Möglichkeit einer Krankenhauseinweisung und vereinbaren, dass sie sich erneut vorstellt, sollten die Beschwerden stärker werden. Ein Kontrolltermin am nächsten Tag wird fest vereinbart. Beim Termin am nächsten Tag stellt sich heraus, dass die Regelblutung begonnen hat, die auch die Erklärung für das im Stuhl gesehene Blut war.

Meine vierte Woche verbringe ich in meiner neuen (vorübergehenden) Heimat - Kirchberg. Diese Woche habe ich wieder das Glück mit Fr. Moschko zusammenzuarbeiten, die ich bereits in Schöfweg kennen gelernt habe und mit Dr. Machac, der mich auf spielerische Weise immer wieder über verschiedene Themen quizzt. So kann ich diese Woche lernen meine Rückenschmerzanamnese und -untersuchung zu verbessern und – unter Supervision der Ärztin – auch ein Beratungsgespräch zum weiteren Verfahren zu führen. Auch kann ich mein Vorgehen bei der Sprunggelenksuntersuchung verfeinern und mit Hilfe der „Ottawa Ankle Rules“ entscheiden, ob eine weitere Bildgebung notwendig ist, dies zusammen mit dem Patienten besprechen und gemeinsam das weitere Vorgehen festlegen.

Für den Mittwoch-Mittag hat Dr. Blank einen Vortrag über Schwindel von einem Mitautor der DEGAM-Leitlinie zu Akutem Schwindel organisiert. Nach einer kurzen Powerpoint-Präsentation startet eine offene Diskussion. Unter Anderem besprechen wir, dass mit den HINTS-Tests (Head Impulse, Nystagmus, Test of Skew) Schwindel schnell in peripher oder zentral eingeteilt werden kann – drei kurze Untersuchungen für die wir keine zusätzlichen Gerätschaften benötigen.

Am Ende der Woche nutzen meine Mit-PJlerin Stella und ich die ruhige Freitagnachmittagssprechstunde, um uns im Bauchultraschall zu üben. Eine super Gelegenheit, um das bisher Beobachtete in Ruhe selbst zu probieren.

Die ersten beiden Tage dieser Woche bin ich in der Praxis Lalling. Weil ich hier bereits war kenne ich schon einzelne PatientInnen. In den Gesprächen fällt mir auf, dass ich weniger das Gefühl habe, eine Vertrauenssituation aufbauen zu müssen. Ein kleiner Teil der Arbeit ist ja schon im ersten Gespräch passiert. Auch kenne ich schon die Anlässe weshalb die PatientInnen sich beim letzten Mal vorstellten. So steigen die PatientInnen und ich nun gefühlt etwas schneller in das Gespräch ein.

Am Mittwoch lerne ich die Praxis Auerbach kennen, in der Dr. Kalmancai derzeit hauptsächlich tätig ist. Er hat einige Jahre Chirurgie-Erfahrung und ist für das Team stets Ansprechpartner bei Fragen für chirurgische Fälle. In der Praxis Auerbach stehen nicht so viele Zimmer zur Verfügung wie in den anderen Praxen, in denen ich bereits war. Trotzdem habe ich die Chance selbstständig mit einer Patientin zu sprechen, um sie mit ihrem Besuchsanlass kurz danach dem Arzt vorzustellen. Der Anlass: Rückenschmerz mit der Frage nach einer Kortison-Spritze. Dr. Kalmancai spricht mit der Patientin über das Thema Kortisonspritzen bei Rückenschmerzen und gemeinsam kommen sie zu der Entscheidung, ein orales Kortison als Stand-By-Medikament zu probieren und Krankgengymnastik-Termine zu organisieren. Den Rest der Woche bin ich leider aufgrund einer Erkältung aus dem Verkehr gezogen.

Diese Woche arbeite ich in Schöfweg mit Dr. Kleudgen zusammen. Einige Patientinnen sieht sie gerne alleine, um Gespräche zu führen, bei denen die Anwesenheit einer neuen dritten Person nicht unbedingt hilfreich für die Patientin oder den Patienten ist. So bleibt mir zwischen den Gesprächen etwas Zeit, um mir mein PJ-Logbuch vorzuknüpfen, in dem Aufgaben gelistet sind, die hier von den MFAs übernommen werden: Rezepte über Medikamente, Hilfsmittel oder Krankengymnastik und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen. Eine freundliche MFA in der Schöfweger Praxis nimmt mich an die Hand und zeigt mir Schritt für Schritt worauf ich achten muss, welche Stolperfallen es auf den Formularen gibt und woran ich mich für rechtfertigende Diagnosen auf Krankgengymnastik-Rezepten orientieren kann.

Knapp 2 Minuten zu spät erreiche ich am Donnerstagmorgen die Praxis. Im letzten Augenblick treffe ich Fr. Dr. Kleudgen an, die gerade auf dem Sprung ist, um vor der ersten Sprechstunde noch eine Leichenschau zu machen. Wir fahren gemeinsam zum Haus der Tochter, die an dem Morgen ihren älteren Vater verstorben im Bett aufgefunden hatte. Die Tochter, merklich betroffen, öffnet uns die Tür und empfängt uns freundlich. Der Patient war bereits seit Längerem aufgrund seiner Erkrankungen palliativ angebunden. Fr. Dr. Kleudgen geht mit mir durch, worauf ich bei einer Leichenschau achten muss. Im Anschluss führen wir die Leichenschau gemeinsam durch. Danach machen wir uns wieder auf den Weg, um mit dem Tag in der Praxis zu beginnen.

Diese Woche Mittwoch steht wieder eine Fortbildung im GUAD-Netz an. Corinna Schäfer, Leiterin des Ärztlichen Zentrums für Qualität und schon viele Jahre in der Leitlinienarbeit tätig und in dem Feld auch derzeit an vielen Stellen ganz vorne involviert, erzählt uns in einem Vortrag über Leitlinienarbeit. In dem Vortrag gibt sie uns eine Übersicht über Leitlinien und deren Klassifikation. Dazu erfahren wir aus erster Hand, wie Leitliniengruppen zusammengestellt werden und mit welchem Aufwand die Organisation verbunden ist, um beispielsweise in den Gruppen für ausgeglichene Verhältnisse zu sorgen.

In der PraktikantInnenwohnung ist seit Anfang Februar mehr Leben eingezogen. Die Semesterzeit, in der Blockpraktika und Famulaturen anstehen, hat begonnen. Ich genieße es, dass die Praktikantinnen und Praktikanten der Wohnung nun etwas mehr Lebensgeist verleihen. Mit ansteigenden Temperaturen und auftauenden Grünflächen hat sich der Bayerische Wald diese Woche wieder komplett verwandelt. Am Samstag machen wir eine Wanderung durch die noch halb schneebedeckte, weiße und halb grüne Gegend um den Dreisesselberg; Die Woche fühlt sich wie eine Geschmacksprobe des anstehenden Frühlings an. Nach dem Lockdown-Winter besonders befreiend.

Der Montag beginnt mit einer spannenden Diskussion während der Montagsfortbildung über das korrekte Vorgehen bei einer anaphylaktischen Reaktion. Was kommt zuerst? Die Adrenalin-Injektion oder der i.v.-Zugang mit Flüssigkeitsgabe? Adrenalin als i.m. oder i.v.-Injektion? Die Ärztinnen und Ärzte tauschen ihre Erfahrungen aus und gleichen sie mit dem Vorgehen nach der Notfall-Guideline ab.

Am Montagnachmittag steht die zweite Leichenschau des Tertials an. Mit dem Gedanken im Kopf, dass ich bald selbstständig Leichenschauen durchführen muss, schießen mir Fragen in den Kopf wie: Sollten noch vorhandene Katheter gezogen werden? Welche Konsequenz hat es, wenn ich die Todesursache als unklar angebe? Wie lege ich bei der Feststellung der Todesursache die Reihenfolge der unmittelbaren Todesursache und der vorhergehenden Ursachen fest, wie es auf dem bayerischen Totenschein gefragt wird? Bei dem Verstorbenen, dessen Gesundheitsverlauf ich nicht gut kenne, stellt das eine kleiner Herausforderung für mich dar. Wir haben das Glück, dass eine Pflegerin mit uns über die letzten Tage vor dem Versterben redet und etwas Klarheit verschafft.

Am Dienstag kann ich mein Wissen aus dem Schwindel-Seminar, das wir vor einigen Wochen hatten, in einer Sprechstunde anwenden. Endlich kann ich die HINTS-Untersuchungen (Head-Impulse-Test, Nystagmus, Test of Skew Deviation) praktisch üben und merke, dass die Tests leicht durchzuführen sind. Beim Besprechen meines Untersuchungsbefundes mit der Lehrzärztin fällt eines auf: In den meisten Fällen ist der Schwindel zum Zeitpunkt der Untersuchung gar nicht vorhanden; die HINTS-Tests sind aber für eine Untersuchung während des Schwindelanfalls gedacht und helfen uns in dem Fall zwischen peripherem und zentralem Schwindel zu unterscheiden und zu wissen, ob dem Patienten/der Patientin eher eine HNO- oder neurologische Betreuung helfen würde.

Samstagvormittag sind Stella und ich bei der AOK in Regen. An diesem sonnigen Vormittag treffen Studierende ein, die für ihre Famulatur im Rahmen des Exzellenten Winters aus verschiedensten Ecken Deutschlands angereist kommen. Es ist schön zu sehen wie Wolfgang diese Lehr-Projekte, die er ins Leben gerufen hat, mit vollster Leidenschaft vorantreibt. In einer motivierenden Ansprache heißt er die angehenden ÄrztInnen willkommen und läutet die kommenden ereignisreichen Wochen ein. Ich habe an dem Tag ein besonders großes Gefühl von Dankbarkeit für die Chance, mein PJ in den Praxen rund um Kirchberg mit dieser wunderbaren Lernatmosphäre machen zu können.

Premiere in den Praxen Grafenau und Schöfweg! Seit Ende Februar werden deutschlandweit die ersten Covid-Impfungen durch HausärztInnen in den eigenen Praxisräumen durchgeführt. Die Praxen Grafenau und Schöfweg sind Teil des Pilotprojekts. Anfangs stellt sich die aufwändige Dokumentationsarbeit als eine kleine Herausforderung dar. In den folgenden Tagen wird aber das Praxisteam immer eingespielter und das Impfen geht immer mehr in den Praxisalltag über. KollegInnen aus Praxen der Umgebung besuchen uns, um zu sehen, wie sie auch in ihren Praxen das kommende Impfprogramm umsetzen können. Nach dem ungewissen Warten auf einen Impfstoff und Zeiten der Impfstoffknappheit ist es spannend, wie langsam die Phase beginnt, in der Impfungen auch in Praxen verwirklicht werden.

Am Mittwoch findet im Rahmen des Exzellenten Winters ein Sono-Kurs statt, bei dem die Studierenden in kleinen Gruppen – durch jeweils eine FachärztIn betreut – ein erstes Gefühl für den Umgang mit dem Ultraschall-Gerät bekommen. Stella K. und Dr. Takacs führen den Kurs in Lalling. Die Studierenden beginnen tapfer mit der Bauchspeicheldrüse, was für den Erstversuch fantastisch funktioniert. Im Anschluss geht es mit den anderen Bauchorganen und großen Gefäßen weiter. Ein kleiner Einblick in das bunte Programm des Exzellenten Winters, das den FamulantInnen hier geboten wird.

Auch kann ich diese Woche erstmalig in den neuen Praxisräumen arbeiten, die nun vollständig barrierefrei sind. Die hellen, freundlichen Räume verleihen der Arbeit eine neue Art von Professionalität und Leichtigkeit. Es macht Spaß, von Raum zu Raum und Herausforderung zu Herausforderung zu springen.

Mein Allgemeinmedizin-Tertial neigt sich langsam dem Ende zu und mein M3 naht.

Auch diese Woche gab es wieder einige Fälle, die ich hier ausführlich beschreiben könnte.

Am Dienstag sehe ich einen relativ jungen Patienten mit einer einseitigen Unterschenkelschwellung, der am Vorabend krampfartige Schmerzen in dem Unterschenkel hatte. Bei der Untersuchung lässt sich das Ödem eindrücken und der Unterschenkel sieht im Vergleich zum Anderen stark geschwollen aus. Mit einem Druck über der Wadenmuskulatur lässt sich ein Schmerz provozieren. An AGVs kommt mir hier vor allem eine tiefe Venenthrombose in den Kopf.
Ein wichtiges Detail erwähnt der Patient in der Anamnese: Eine Knie-OP vor zwei Jahren. Seitdem sei der Unterschenkel immer wieder geschwollen. Aktuell sei es aber sehr stark und dazu krampfartig schmerzhaft. Dr. Machac wirft mit dem Ultraschall einen Blick auf die Venen und schließt eine TVT aus. In diesem Fall ist also eine Lymphabflussstörung wegen stattgefundener Knie-OP die wahrscheinlichere Ursache für die Schwellung. Der Patient wird entsprechend mit speziellen Kompressionsstrümpfen ausgestattet.

Am Mittwoch gibt uns Dr. Egidi aus Bremen einen Online-Vortrag über Kardiologie in der Allgemeinmedizin. Wie kann ich eine KHK diagnostizieren? Ist dafür invasive Diagnostik notwendig? Wie sieht die Studienlage zu der Hoch-Dosis Statin-Therapie bei älteren Leuten aus? Kann man bei einem älteren Patienten, der weniger Medikamente einnehmen will, einen ACE-Hemmer absetzen bei einem gut eingestellten Blutdruck? Ich freue mich erneut während des PJ-Tertials in diese MedizinerInnen-Gemeinschaft eintauchen zu können und so viel Input auch neben dem Praxisalltag zu erhalten.

Am Donnerstag gibt es einen interessanten Fall, der mir im Kopf bleiben wird: Ein Patient stellt sich vor, weil er seit etwa 3 Wochen ein vermehrtes Durstgefühl habe und vermehrt Wasserlassen müsse. Seit 3 Monaten hatte er dazu an Gewicht verloren nach sonst stets stabilem Körpergewicht. Zuhause hatte er diese Woche schon einmal selbstständig den Blutzucker erhöht gemessen. Wir machen einen Termin bei unserer Diabetes-Expertin Petra aus und nehmen Blut ab, damit sie direkt am nächsten Tag mit ihm die Werte anschauen kann und einen Plan entwerfen kann. Erstdiagnose Diabetes mellitus II – so typisch habe ich das bisher noch nicht mitbekommen.

Am Freitag und Samstag gibt es Lehrveranstaltungen im Rahmen des Exzellenten Winters. Dazu gehört ein Rückenschmerz-Crash-Course mit Dr. Buvar, der uns im Anschluss eine ausführliche orthopädische Rückenschmerz-Untersuchung mit sämtlichen Tipps und Tricks zeigt. Am Samstag finden vier direkt nacheinander getaktete Seminare über chronische Krankheiten statt. KHK, Herzinsuffizienz, Asthma/COPD und Diabetes mellitus im Schnelldurchgang mit einem Star-TutorInnen-Team aus Dr. Blank, zwei jungen Ärztinnen und Petra und Waltraud aus dem MFA-Team, die sich täglich um PatientInnen mit diesen Krankheiten kümmern.

Schon hat meine letzte Woche in Kirchberg begonnen. Die letzten 3 Monate sind wie im Flug vergangen. Wie es so sein soll, gibt es auch am letzten Tag noch einmal etwas besonders Spannendes:

Am Freitagvormittag stellt sich ein Patient in der Praxis vor, der seit dem Vorabend starke Schmerzen in der Brust hat. Im EKG sind zu dem Zeitpunkt keine Veränderungen zu sehen. Bei dem sehr eindrücklichen klinischen Erscheinungsbild wird der Notarzt verständigt, ein i.v. Zugang gelegt und ein Troponin- und D-Dimer Schnelltest gemacht. In der Zwischenzeit setzt Dr. Machac kurz den Schallkopf auf das Herz, kann aber keine Funktionsstörungen sehen. Der Troponin-Test fällt negativ aus, der D-Dimer-Test positiv. Dem Notarzt können wir die ersten Untersuchungsergebnisse mitteilen und die Einweisung erfolgt mit Verdacht auf Lungenarterienembolie.

Im Abschlussgespräch mit meiner Mentorin, S. Moschko, reflektieren wir über die letzten 3 Monate. Über meine theoretischen, praktischen und persönlichen Lernfortschritte. Ich habe das Gefühl in allen drei Bereichen riesige Fortschritte gemacht zu haben. Mit vielen Fragestellungen aus den Sprechstunden kann ich nun schon selbstständig umgehen, den PatientInnen verschiedene Lösungsansätze aufzeigen und gemeinsam einen Lösungsweg finden. Einige der Tipps, die mir Dr. Blank anfangs gegeben hat, konnte ich schon anfangen, umzusetzen, um an meiner Körperhaltung, Sprache und Ausstrahlung zu arbeiten. Natürlich ist das ein langer Prozess – einen Fortschritt kann ich aber schon jetzt merken.

Ich würde auch gerne den nächsten Monat weiter hier in Kirchberg und den Filialpraxen verbringen, um noch etwas von dieser positiven, gemeinschaftlichen Atmosphäre zu kosten. Leider muss ich das Tertial etwas früher beenden, um mich auf mein drittes Staatsexamen vorzubereiten. Es waren unvergessliche drei Monate, die ich hier im Bayerischen Wald verbringen konnte.

Solltest Du dir diese Erfahrungsberichte durchlesen, um zu gucken, ob das Tertial hier was für Dich ist: Es wird von Dir etwas gefordert, Dr. Blank ist im Vornherein sehr offen darüber. Neben dem Praxisalltag gehört es zu Deinen Aufgaben das Protokoll über die Montagsfortbildungen zu führen und Deine Erlebnisse im wöchentlichen Tagebuch festzuhalten. Diese investierte Zeit hatte für mich aber auch einen großen Nutzen. In die Themen der Montagsfortbildung habe ich mich intensiv einarbeiten können. Durch die wöchentlichen Tagebucheinträge hatte ich Zeit, die Erlebnisse aus dem Praxisalltag zu reflektieren und zu ordnen. Solltest Du damit leben können, hier und da ein paar Extra-Stunden zu investieren, die Du aber alles in allem vielfach zurückgezahlt bekommst, kann ich dir das Tertial hier wärmstens empfehlen. Der Abschied vom gesamten Team, das ich mittlerweile sehr ins Herz geschlossen habe, fällt mir schwer. Am Freitagnachmittag mache ich mich auf den Weg nach Göttingen, um in die nächste Phase zu starten und blicke mit erfülltem Herzen auf meine Zeit hier zurück. Vielen Dank für diese wunderbare, bereichernde Erfahrung und auf ein baldiges Wiedersehen!

Stella Kunzendorf

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Kleine Einführung:

Nach einigem Suchen bin ich, vor einem Jahr etwa, auf die Praxis Bayerwald gestoßen, über die mir zufällig auch ein ehemaliger PJler, Peter, begeistert erzählt hatte. Gerade nach meiner Studienzeit in der groß angelegten und oft sehr anonymen Berliner Krankenhauswelt war es mir für mein Praktisches Jahr wichtig, in einem motivierenden Umfeld zu lernen, an dem Patienten nicht nur als Zahlen durchgeschleust, sondern als Menschen wahrgenommen und behandelt werden.

Ich denke, ich gehöre nicht zu denjenigen Medizinstudierenden, die bereits im ersten Semester (oder vielleicht schon viel früher) genau wussten, welche Fachrichtung sie anstreben würden, um diese dann mit vollem Elan auf der Zielgeraden zu verfolgen. Immer wieder habe ich mir bei meinem Studium die Frage gestellt, ob ich mich in diesen Krankenhausfabriken, wo hochspezialisierte Fachexperten sich zunehmend kleineren Ausschnitten des menschlichen Körpers annehmen und Patienten wie am Fließband durchschleusen, überhaupt vorstellen kann. Für mich ist die Nähe zum Menschen das eigentlich Spannende an der Medizin - die unschätzbare Möglichkeit, dank dieses Berufs die unterschiedlichsten Menschen durch verschiedene Lebenslagen begleiten und von ihnen lernen zu dürfen. So habe ich während meiner Studienzeit immer wieder Möglichkeiten ergriffen, Patienten über die rein biomedizinische Ebene hinaus, in ihrer gesamten psychologischen und sozialen Komplexität wahrnehmen und unterstützen zu lernen. Mein Wunsch ist es, später als Ärztin nicht nur medizinische Fälle zu bearbeiten, sondern auch Raum zu schaffen, mich für soziale Ursachen von Krankheit und einen verbesserten Zugang zur Versorgung einzusetzen. Mit der Zeit hat sich Allgemeinmedizin immer mehr zu einem Zukunftsweg entpuppt, bei dem ich vielleicht all das verbinden kann.

Nach meinen Jahren in Berlin nun eine komplett neue Erfahrung für mich: Hier im Bayerischen Wald ein innovatives Versorgungsmodell kennen zu lernen, das eine hochwertige und persönliche Gesundheitsversorgung in dieser ländlichen strukturschwachen Region ermöglicht. Durch Arbeit in einem größeren vielseitigen Team mit persönlicher Betreuung kann ich lernen in die Rolle als Ärztin hineinzuwachsen – ein spannender Ort, um in mein PJ zu starten!

Woche 1: 16.11. - 20.11.2020

Grün mit herbstbunten Sprenkeln ziehen die Hügel an mir vorbei, als ich mit dem Auto die kurvige Landstraße hochfahre, die sich abwechselnd durch dichten Wald und kleine schläfrige Ortschaften schlängelt. Einzelne Nebelschwaden haben sich mit dem heranschleichenden Abend an ein paar Hängen niedergelassen. Eine ungewohnte Ruhe strahlt diese Landschaft um mich herum aus, fast, als würde man den Trubel der restlichen Welt mit jedem zurückgelegten Meter weiter hinter sich lassen. "Kirchberg im Wald 2km" steht jetzt auf einem Schild und ich merke, wie die Neugier, begleitet von etwas Aufregung, in mir hochkriecht – was ist das für ein Ort, an dem ich meine nächsten 4 Monate verbringen werde?

Der Email-Kontakt zu Dr. Blank und seinen Assistenzärztinnen über die Ferne hinweg war bereits so herzlich, dass ich mich schon willkommen fühlte, bevor ich überhaupt angekommen bin. Noch scheint es mir surreal, dass ich jetzt hier im tiefsten Bayern mein PJ beginne. Seit letzter Woche erst bin ich aus Samos zurück, wo ich seit Juli eine NGO bei der Primärversorgung der Geflüchteten im Camp unterstützt habe. Die Arbeit dort, bei der uns - gerade zu Corona-Zeiten - so oft die Hände gebunden wurden, war emotional sehr aufwühlend, sodass ich gefühlt noch etwas Zeit brauche, bis ich mich hier wieder eingefunden habe. In meinen Gedanken schwebe ich nach wie vor zwischen den Welten. Entsprechend groß ist das Kribbeln irgendwo in meiner Magengegend, während ich mich auf zu diesem neuen Kapitel mache, den Kirchberg hoch, auf dessen Anhöhe die Studentenwohnungen direkt neben der Kirche liegen. Mit den anderen Studentinnen machen wir es uns in den beiden kleinen Wohnungen gemütlich, mein Blick immer wieder in das weite Tal schweifend, wo die Abendsonne, gerade noch hinter den Hügeln hervorspitzt. Jetzt bin ich also tatsächlich hier.

Am nächsten Morgen geht es mit Dr. Blank direkt nach Grafenau, einem kürzlich übernommenen Praxisstandort etwa 30km von Kirchberg entfernt. Nach dem hektischen Klinikalltag unter freiem Himmel auf Samos fällt mir vor allem die Ruhe und Aufmerksamkeit in den Gesprächen mit seinen Patienten auf, die Zeit, die er sich bewusst für jeden Einzelnen nimmt. Was für ein Privileg, denke ich mir immer wieder, den Patienten einen geschlossenen Schutzraum – mit Dach über dem Kopf und ohne lärmendes Gewusel herum – bieten zu können. Für mich komplett neu ist, dass er die Dokumentation des Gesprächs im Anschluss per Diktiergerät und wenn möglich im Blickkontakt mit seinen Patienten durchführt, sodass diese im Zweifel auch mit korrigieren können – Momente, in denen ich spüre, welch großer Wert hier auf Patiententeilhabe und Mitsprache an ihrer Gesundheitsfürsorge gelegt wird.

In den folgenden Tagen werde ich weitere Praxisstandorte in Kirchberg, Auerbach, Schoefweg und Rinchnach kennen lernen und dort einen ersten Einblick in die verschiedenen Arbeitsweisen der Ärztinnen und Ärzte bekommen. Obwohl sie an unterschiedlichen Standorten arbeiten, merkt man schnell, dass alle Teil eines Teams sind, das sich regelmäßig durch Zoom-Meetings mit Fallbesprechungen und Fortbildungen untereinander austauscht. Alle sind unheimlich bemüht, mich mit einzubeziehen und mir etwas mit auf den Weg zu geben. Während einer der Ärzte, ein wandelndes Lexikon, mir in jeder freien Minute Fragen von interessanten Patientenfällen (z.B. An welche Krankheit denkst du bei einem männlichen Patient mit alleiniger GPT-Erhöhung?) zuwirft, setzt sich ein anderer zwischendurch mit mir hin, um gemeinsam nochmal mögliche Kennzeichen einer Lungenembolie im EKG durchzugehen, oder schaut mir über die Schulter, während ich mich an einem Abdomen-Sono probiere. Auch die Praxishelferinnen, die mich ein paar Mal zu den verschiedenen Standorten im Auto mitnehmen und mir dann über die Gegend erzählen sind sehr engagiert. Manchmal habe ich das Glück, ihnen bei der Wundversorgung zuschauen zu können, und wünschte mir, ich hätte den einen oder anderen Trick bereits in Griechenland gewusst. Besonders schön ist auch Zusammenarbeit mit den beiden Assistenzärztinnen, die ihr Studentendasein vor nicht allzu langer Zeit hinter sich gelassen haben und daher aus eigener Erfahrung schöpfen können, welche Dinge gerade am Anfang des PJs wichtig und hilfreich sind. Bereits in den ersten Tagen kann ich eigene Patienten schon mal befragen und voruntersuchen, um sie dann dem behandelnden Arzt oder Ärztin vorzustellen und gemeinsam das weitere Vorgehen zu besprechen. Schnell werden wir dazu motiviert, eigenständig arbeiten und klinische Entscheidungen treffen zu lernen. Hier wird ein Lernklima geschaffen, in dem man für sich herausfinden und ausprobieren kann, was es heißt, ärztlich zu arbeiten. Das fühlt sich zu Beginn oft wie ein Sprung ins kalte Wasser an, aber schon am Ende der Woche habe ich das Gefühl, dass ich hier wirklich die Möglichkeit haben werde, Schritt für Schritt in diese neue Rolle zu schlüpfen.

Ein Fall dieser Woche bleibt mir besonders im Kopf, da er in drastischem Gegensatz zu meinen Erlebnissen auf Samos steht. Eine junge Mutter berichtet erst zögerlich, dann zunehmend hilflos, dass ihre Tochter am Vorabend versucht hätte, sich das Leben zu nehmen. Das Zimmer ist für einen Moment ganz still, bis das Gesagte in seiner Schwere zu uns durchsickert. In klaren, einfühlsamen Worten erklärt Dr. Blank ihr daraufhin, wie wichtig nun eine Vorstellung in der Kinder-Jugend-Psychiatrie zur weiteren Abklärung sei und organisiert sofort per Telefon einen Termin innerhalb der nächsten Stunde. "Dort würde ich in dieser Situation mit meiner Tochter auch hinfahren", meint er eindringlich. Unweigerlich muss ich in diesem Augenblick an einen unserer Patienten auf Samos denken, den wir nach einem Suizidversuch schlicht wieder wegschicken mussten, mit der Begründung, dass wir ihm leider nicht weiter helfen könnten, da es im Moment keine Möglichkeit gebe, an einen Psychologen zu überweisen. Eine Erinnerung, die immer noch in mir nagt und mir nun umso widersprüchlicher erscheint, wo ich hier wieder die Selbstverständlichkeit miterlebe, mit der weitere Unterstützung organisiert werden kann.

Mit den anderen Studentinnen tauschen wir uns beim Abendessen über das Erlebte aus und sind dankbar, hier oben in unserem kleinen Häuschen in netter Gesellschaft zu sein. Die erste Woche fliegt an mir vorüber wie ein frischer Windzug, fast ein bisschen zu schnell, um all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Es wird noch etwas dauern, bis ich hier richtig angekommen bin.
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Woche 2: 23.11. – 27.11.

Nun ist bereits die zweite Woche vergangen – und obwohl vieles nach wie vor neu ist, merke ich, wie ich mit jedem Tag etwas mehr hier eintauche. Immer wieder gibt es Momente, in denen ich realisiere, dass ich bereits etwas geerdeter vor meinen Patienten stehe, dass meine Stimme lernt, sich bestimmter ihren Weg durch die Maske vor meinem Gesicht zu bahnen, meine Ohren sich nicht mehr ganz so spitzen müssen, um genuschelte Beschwerden im Bayerwalddialekt zu verstehen, meine Hände schon selbstverständlicher Knie und Wirbelsäulen abtasten, ein Ganglion im Handgelenk oder muskulären Hartspann lateral der Lendenwirbelsäule erfühlen – mein anfänglich zurückhaltendes Beobachten weicht zunehmend Gelassenheit und Neugier.

Die Kälte breitet sich in diesen Tagen aus – und mit ihr das Virus, das auch vor unseren Praxen nicht halt macht. Im Laufe der Woche müssen sich zwei aus unserem Team in die häusliche Quarantäne begeben, was alle etwas anspannt und Fragezeichen kreisen lässt: Wie werden sich die nächsten Wochen hier wohl entwickeln? Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch wir vorübergehend Standorte schließen müssen? Mit vereinten Kräften werden wir versuchen, uns durch diese schwierigen Wochen zu helfen, arbeiten nun alle mit FFP2-Masken, lüften regelmäßig und bemühen uns den Patientenkontakt kürzer als sonst zu halten, aber dennoch menschliche Medizin zu machen. Mittags findet täglich eine separate Infektionssprechstunde statt, in welcher sich symptomatische Patienten unter strengen Schutzmaßnahmen vor den Praxistüren testen lassen können. Immer wieder fällt mir auf, wie geschmeidig hier die Abläufe geregelt sind, wie unsere Helferinnen trotz Personalmangel zwischen Patientenkoordination und eingestreuten Telefoninterviews jonglieren – und obendrauf dann noch eine Box erster Weihnachtsplätzchen für alle, auf fast magische Weise, in der Küche erscheint.

Anfang der Woche gleich begleite ich Svenja, eine unserer Assistenzärztinnen, auf ihrer Hausbesuchsrunde über die Dörfer, die in diesen Tagen in dichtem Nebel verschwinden. Vor allem für die älteren Patienten, die sich momentan aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gar nicht mehr vor die Tür trauen, scheint diese Zeit besonders hart. Hinter Masken versteckt und mit 1.5 m Abstand erkundigen wir uns bei jeder Stippvisite kurz über den Stand der Dinge und versuchen etwas Zuversicht und Wärme zuzusprechen. Für unseren letzten Hausbesuch halten wir auf einem alten Hof, in dessen Vorgarten die Kälte in unzählig winzigen Eiskristallen von Blättern und Ästen baumelt. Allein ein dicker Kater hat sich unbeirrt auf der Fußmatte eingerollt. Eine knarzige Holztreppe führt in den ersten Stock, wo die Tür zu einer dunklen leeren Wohnung bereits einen Spalt offen steht. "Kommen Sie, kommen Sie" winkt uns die etwa 80 jährige Bewohnerin in die eingeheizte Küche. Die Alltagsschwere scheint ihren Rücken zu krümmen, als sie sich in dem schummrigen Licht vornüber gebeugt zum Küchentisch tastet. Seit Wochen schon habe sie nur noch wenig Appetit, fühle sich schlapp und müde, sodass sie gar nicht mehr in Schwung komme. Eine Waage habe sie nicht, aber am lockeren Bund ihrer Hosen hätte sie gemerkt, dass sie an Gewicht verloren habe. Die Übelkeit sei gerade wieder etwas besser geworden. Was sie momentan besonders belaste? "Meine Augen", klagt sie. Nach und nach verliere sie ihre Sehkraft, mittlerweile könne sie nicht mehr lesen, um sich die Zeit zu vertreiben. Dabei hatte ihr das früher solchen Spaß gemacht. Beim Augenarzt bereits abgeklärt besteht kaum Hoffnung auf Besserung. Wir versuchen uns einen Eindruck von ihrer Gemütslage zu verschaffen, schweifen zwischendurch ab zu Mutmaßungen über den Winter, der dieses Jahr wohl besonders spät und besonders kräftig kommen soll, aber verweilen auch bei ihr nur kurz, um die Kontaktzeit nicht zu sehr auszudehnen. "Das letzte Mal habe ich mir einfach die Zeit genommen, mich zu ihr zu setzen und ihr ein paar Zeitungsartikel vorzulesen. Das hat in dem Moment mehr geholfen als jedes Medikament", meint Svenja auf dem Rückweg. Aber nicht mal das geht gerade. Der Besuch lässt uns beide nachdenklich und etwas beklommen zurück. Würde hier eine Magen-Darm-Spiegelung überhaupt noch Sinn machen, um die Möglichkeit eines Tumors auszuschließen, der sich hinter ihren Symptomen verstecken könnte? Was können wir als Hausärzte für eine Patientin tun, deren Leitsymptom die Einsamkeit ist? Wie können wir, gerade zu diesen Zeiten, überhaupt unterstützend wirken?

Trotz und vielleicht gerade wegen der vielen momentanen Kontaktbeschränkungen, kümmert sich Dr. Blank mit vollem Herzblut darum, im Rahmen des Projekts "Landarzt-Manufaktur" ein überregionales Kommunikationsforum zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten aufzubauen. Donnerstag Nachmittag sitzen wir mit ein paar anderen entspannt am digitalen Kaffeetisch und besprechen ganz unkompliziert interessante Fälle, die uns diese Woche über den Weg gelaufen sind. Besonders schön an der Idee ist, dass hier uns jungen sowie älteren Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit gegeben werden soll, sich auszutauschen und voneinander zu lernen: Wir von ihrem Erfahrungsschatz und klinischen Feingefühl, das sich wohl nicht mal zwischen den Zeilen irgendeiner Leitlinie finden lässt - und sie von unserer jugendlichen Neugier und vielleicht auch von dem spontanen, unvoreingenommenen und noch nicht allzu routinierten Blick auf unsere Patienten. So entsteht eine angeregte Diskussion über verschiedene Erfahrungen und Vorgehensweisen rund um das ganz alltägliche Thema eines unkomplizierten Harnwegsinfekts, bei dessen Behandlung auch die DEGAM-Leitlinie Uneindeutigkeiten lässt. Unter anderem arbeiten wir zum Beispiel heraus, wie wichtig es ist, Patientinnen auf die korrekte Einnahme des Antibiotikums Fosfomycin hinzuweisen, die in keinem Beipackzettel klar beschrieben steht: abends vor dem Schlafengehen, damit das Medikament nachts in tiefere Blasenschichten einwirken und nicht sofort mit dem nächsten Toilettengang wieder herausgespült wird.

Dr. Blank, dessen Begeisterung über dieses Projekt ein breites Grinsen hinter seiner Maske erahnen lässt und selbst durch Bildschirme zu wandern scheint, erzählt mir danach, dass die meisten angehenden Ärztinnen und Ärzte zunächst sehr angetan über dieses Angebot seien, dann aber oft der Klinikalltag Raum ergreife und keine Luft mehr für diese Art von Austausch lasse. "Es hängt davon ab, wie man seine Prioritäten setzt, dann ist ganz viel möglich", meint er. Mal sehen, wo sich diese noch bei mir abzeichnen werden. Ich bin gespannt auf die nächste Woche!

Woche 3: 30.11. – 6.12.

Diese Woche verbringe ich komplett in Schöfweg und bin gespannt darauf, diesen Standort mit seinen Abläufen und Arbeitsweisen nun intensiver kennen lernen zu können. An der Seite von Frau Dr. Kleudgen und Sarah Moschko, den beiden Ärztinnen in der Praxis, wachse ich von Tag zu Tag mehr in meine neue Rolle und merke, wie ich zunehmend selbstverständlicher Bestandteil des Teams werde. Nun bereits ein paar Patienten mit "wir kennen uns ja schon" begrüßen zu können, freut mich – so langsam fühle ich mich hier wirklich angekommen. Morgens vor der Sprechstunde gehen wir gemeinsam die Laborergebnisse von den Blutentnahmen am Vortag durch: So überlegen wir zum Beispiel, was bei einem Patienten die Ursache von einer seit kurzem bestehenden Blutarmut mit vergrößertem Volumen der roten Blutkörperchen sein könnte – vielleicht die verminderte Absorption von Vitamin B12 unter seiner Metformintherapie? Sollte hier eventuell bald eine Vitamin B12-Substitution erfolgen, und wenn ja, in welcher Form, wenn das Vitamin bei ihm scheinbar nicht mehr ausreichend über den Darm aufgenommen werden kann? Oder woher der plötzliche Harnsäureanstieg eines anderen Patienten kommen könnte, der vor ein paar Tagen eine Pleurapunktion erhielt? Für mich ist es spannend den beiden Ärztinnen beim lauten Denken zuhören und mit überlegen zu können. Danach teilen wir uns auf die Patienten auf, wobei ich mir zunehmend mehr Eigenständigkeit mit meinen Patienten zutraue – stets den beruhigenden Gedanken im Hinterkopf, dass eine von den beiden Ärztinnen sich im Anschluss nochmal dazugesellen und ebenfalls ein Bild machen wird, was mir sehr viel Sicherheit gibt. Nach und nach selbstständiger arbeiten zu lernen und gleichzeitig bei jeglicher Unsicherheit Rückhalt zu erfahren ist für mich eine unbeschreiblich wertvolle Erfahrung, wie ich sie in dieser Tiefe tatsächlich zum ersten Mal mache. Ich spüre, was es heißt, zu lernen für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen – "Genieß diese Rolle, die du jetzt im PJ hast", meint Sarah mal schmunzelnd in einer unserer Mittagspausen zu mir "Dass du wegen deiner Patienten schlaflose Nächte verbringst, kommt dann noch früh genug".

Ich habe mir diese Woche das Lernziel "Gefäße" vorgeknöpft und möchte mir dabei unter anderem mehr Klarheit rund um das ganze Thema Blutgerinnungshemmer schaffen. Nachdem ich die DEGAM-Leitlinie zum Bridging (d.h. Überbrückung einer Marcumar-Pause mit Heparinspritzen) gelesen habe, gehe ich während der Woche mit Sarah die Marcumar-Pässe mehrerer Patienten durch, bei denen sich die Frage stellt, ob es bei ihnen im Rahmen eines operativen Eingriffs nötig sein wird, zeitweilig Heparin zu spritzen oder nicht. Je nach Risikoprofil von Operation und Patient gilt es, im jeweiligen Fall das Risiko einer Blutung gegenüber dem Risiko einer Thrombusbildung abzuwägen, wobei sich in einigen Szenarien so manche Fragezeichen in unseren Köpfen verknoten: Zunächst müssen wir das Risiko einer Blutung während der geplanten OP einschätzen. Ist dies höher (z.B. laut Leitlinie ab der Extraktion mehrerer Zähne), muss die Marcumar-Therapie unterbrochen, der Patient gemäß seines Risikoprofils einer von drei Risikogruppen zugeordnet, und dann dementsprechend während der Marcumar-Pause ohne oder mit Heparin versorgt werden. Dabei stellt sich immer wieder die Überlegung: Was wiegt schwerer – das Risiko während der Pausierung der Marcumar-Therapie eine Thromboembolie zu erleiden oder das Risiko, die Blutgerinnungssituation des Patienten durch Heparinspritzen zusätzlich durcheinander zu bringen? Und wenn schon spritzen, dann in welcher Dosierung? In manchen Fällen sehr komplex und gar nicht einfach, individuelle Patienten in die von der Leitlinie vorgegebenen Schubladen zu stecken. Trotz der Handlungsempfehlung scheint hier viel Fingerspitzengefühl gefragt zu sein, und in Rücksprache mit Frau Dr. Kleudgen wird mir klar, dass diese Entscheidungen um einiges leichter fallen, wenn man dank Erfahrung und langjährigem Begleiten das Risikoprofil seiner Patienten auch ein Stück weit intuitiv einschätzen kann.

Passend zum Schwerpunkt Gefäße kann ich diese Woche unserer KHK-Spezialistin Waltraud bei der KHK-Sprechstunde über die Schulter schauen, welche für chronische Patienten mit Koronarer Herzerkrankung im Rahmen des Disease Management Programms (DMP) vierteljährlich durchgeführt wird. Waltraud, eine unserer Helferinnen, deren herzlich energetische Art sich in ihren Locken wiederspiegelt, die sich lebhaft um ihren Kopf kringeln, hat sich auf die Betreuung dieser Patienten spezialisiert: „Der Fokus dieser Sprechstunden liegt allein auf unseren Herzpatienten, damit wir diejenigen mit KHK als Grunderkrankung kontinuierlich unterstützend begleiten können. Wenn diese Patienten ansonsten nur mit anderweitigen Beschwerden wie Halsschmerzen in die Sprechstunde kommen, kann es schnell passieren, dass ihre KHK im alltäglichen Praxisstress untergeht und nicht explizit nochmal ein Auge darauf geworfen wird“, erklärt sie mir, als wir uns den nächsten Patienten hereinholen. Vor uns sitzt nun ein älterer Herr, das weiße Haar bis auf eine kleine abstehende Strähne sorgfältig über den kahlen Kopf gekämmt. Einen extra für diese Sprechstunde angefertigten Risikobogen durchgehend, erkundigt sich Waltraud nach dem körperlichen und seelischen Befinden des Patienten. Kleine Schneeflocken baumeln an ihren Ohren, als sie sich vorlehnt und ihn nach Herzbeschwerden fragt, nach seinen zu Hause gemessenen Blutdruckwerten, nach Stressfaktoren im Alltag, nach Möglichkeiten zum Ausgleich und körperlicher Bewegung. Bis auf eine beginnende Schwerhörigkeit, wegen der wir unsere Fragen teils mehrmals lauthals zu ihm hinüberrufen müssen, scheint der Patient noch sehr fidel. Er versuche, sich so gut es ginge, auf den Beinen zu halten, sei viel im Wald unterwegs, wo der Borkenkäfer dieses Jahr sein Unwesen treibe. Auch Honig habe er viel abgefüllt, der Waldhonig lief zwar mäßig, aber Blütenhonig habe es reichlich gegeben. Als er stolz berichtet, wie er in jeder freien Minute bei seinen Söhnen in der Schreinerei mithelfe, was ihn körperlich nicht sonderlich anstrenge, tanzen seine Augen fast jungenhaft unter den buschigen Augenbrauen. Mein Blick wandert auf die in seinem Schoß ruhenden großen, kräftigen Hände, auf denen sich tiefe Spuren langjährig körperlicher Arbeit abzeichnen. Zusammen gehen wir seinen Medikamentenplan durch und gleichen ihn mit dem in unserem System ab, während Waltraud bemerkt: „Das ist mir vor allem bei älteren Patienten mit einem ganzen Berg an Medikamenten besonders wichtig, um mir ein Bild davon zu machen, ob sie ihre Medikamente nach Plan einnehmen und überhaupt noch in der Lage sind, sich alle selbst herzurichten.“ Im Rahmen eines kurzen geriatrischen Assessments verschaffen wir uns einen Eindruck von seiner Muskelkraft, der Sicherheit seines Gangbilds und seinem Zurechtkommen im Alltag. „Also stimmt es, wenn ich sage, Sie sind momentan zufrieden mit ihrem Leben, so wie es ist?“, schlussfolgert Waltraud. „Zu 99%“, wirft er uns mit einem Grinsen zurück und verabschiedet sich schelmisch „Wenn alles so weiterläuft, schaffe ich die 100“.

So ist die Woche schon fast vorbei, als der letzte Tag doch noch einige Überraschungen für uns übrig hat. Gerade habe ich zusammen Frau Dr. Kleudgen eine Patientin mit plötzlich attackenartigem Schwindel behandelt (dessen Übeltäter wir mithilfe von Lagerungsmanövern enttarnen konnten) und einen weiteren mit, seit Covid-Infektion auftretenden Pulsunregelmäßigkeiten mit einem Langzeit-EKG ausgestattet, als wir einen Notfall-Patienten wegen Gangstörungen ins Krankenhaus einweisen müssen und dann kurz vor Sprechstundenschluss noch eine Patientin mit Blutdruckentgleisung auf unserem Praxisboden zusammensackt. Gemeinsam mit ihrer Tochter beruhigen wir sie, verdeutlichen, wie wichtig nun nach ihrem stressigen Krankenhausaufenthalt das Wiedereinpendeln auf ihren regulären Medikamentenplan sei, und können sie zu ihrer großen Erleichterung wieder nach Hause entlassen. „Danke für deine Unterstützung heute“, meint Frau Dr. Kleudgen mit ihrem tiefen wachen Blick, als wir uns ins Wochenende verabschieden. Da merke ich, dass ich mittlerweile schon so hier eingearbeitet bin, dass ich auch eine Stütze sein kann – und mir wird ein bisschen warm ums Herz. Mit Bea, unserer Spezialistin für Wunden jeglicher Größe, Tiefe, Form und sonstige hautinfektiöse Widerspenstigkeiten fahre ich zum Abschluss noch eine Runde Hausbesuche über die seit gestern mit Schnee überzuckerten Dörfer. Auf unserer letzten Station verbinden wir den großen Zeh einer Patientin, der im Zuge eines eingewachsenen Nagels und folglich verschleppter Infektion fast täglicher Fürsorge und Beas fachkundigen Blicks bedarf. Als ich ihr dabei zuschaue, wie ihre flinken Hände den Zeh in watteweiches Weiß verpacken, kommt mir wieder eine älteren Patientin in den Sinn, welche dieser Tage während eines Abdomen-Sonos plötzlich vor sich hin philosophierte: „Das Leben hängt am großen Zeh.“ – eine angeblich alte Redewendung, über die ich hin und wieder gegrübelt habe. Zwar ist mir ihre Bedeutung immer noch ein Rätsel, aber das Leben scheint mir in diesem Moment, wo man sich so liebevoll um diesen großen Zeh kümmert, doch gleich einen Funken wärmer.

(Auch mein großer Zeh ist am Tag darauf übrigens sehr vergnügt, als er mich die Himmelstreppe auf den Lusen hochträgt, von wo aus unser Blick – vorbei an den vom Borkenkäfer angenagten Tannen –weit übers Tal segelt, und wir zum Ausgleich im Winterwind die Seele baumeln lassen).

Woche 4: 7.12. – 13.12.

„Was ist die wichtigste Eigenschaft eines Arztes oder einer Ärztin?“, fragt mich Dr. Machac aus heiterem Himmel am Montagmorgen dieser Woche, die ich mit ihm in der Praxis Kirchberg verbringe. Ich überlege... Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis? Zuhören können? Klare Kommunikation? Gelassenheit? Teamfähigkeit? Wissensdurst? „Eine dicke Haut“, erwidert er. „Wenn du es schaffst, ruhig zu bleiben, gehört dir die Zukunft. Lass es dir nicht subkutan gehen.“ Bevor ich darauf komme, was genau er damit sagen will, geht es schon mit der Sprechstunde los. An diesem Morgen erwartet uns eine Flut an Patienten – ein fliegender Wechsel von Krankheitsbildern und verschiedenen Charakteren, Altersklassen und Befindlichkeiten. Es scheint mir eine Kunst, sich mit jeder Zimmertür, die wir öffnen, wieder auf einen neuen Menschen mit neuen Angelegenheiten einzustellen, zügig zu arbeiten und der Person vor uns trotzdem das Gefühl zu geben, dass wir uns Zeit nehmen.

Obwohl das Tempo zackig ist, lässt Dr. Machac keine Gelegenheit aus, in freien Momenten Details aus seinem unfassbaren Wissensschatz – in manchmal nicht ganz leicht verdaubaren Portionen – mit mir zu teilen. Immer wieder wirft er mir freudig Fragen über die Schulter zu Pathophysiologien und Therapieschemata, zu Nebenwirkungen oder sonstigen pharmakologischen Eigenheiten. So erfahre ich alles Mögliche zu verschiedenen Konstellationen von Leberwerterhöhungen, zu Hämoblastose-Parametern, zu Fragezeichen rund um die Chronotherapie oder PPIs, zum Dipping und Non-Dipping. Als Spezialist für Innere Medizin in unserem Team, zeigt er mir über die Woche eine ganze Reihe Diagnostikmöglichkeiten in unserer Praxis: Die Auswertung von Langzeit-Blutdruck- und Langzeit-EKG-Messungen, die Durchführung einer Ergometrie, einige Herzechos, sowie eine Fülle an Sonographien, samt einer Divertikulitis wie aus dem Lehrbuch, mehreren Schilddrüsenknoten, einer Raumforderung in der Leber, und – für mich bis dato eher einem Umherirren im Dickicht ähnelnd – auch mehreren schwierig darzustellenden Pankreasköpfen, zu denen er mir Manöver zeigt, um diese gezielter aufspüren zu können. An manchem Abend habe ich das Gefühl, dass sämtliche Regionen zur Neuaufnahme in meinem Gehirn ausgeschöpft wurden und kein Platz mehr bleibt, mir noch irgendetwas durchzulesen – aber mein Wissen scheint in diesen Tagen exponentiell zu steigen.

Nicht nur fachlich ist diese Woche reich an neuen Stimuli, wir haben zur Abwechslung auch noch eine Fortbildung zur ärztlichen Haltung mit dem Thema: „Wie überbringe ich schlechte Nachrichten?“. Von der Diskussion möchte ich mir für die Zukunft vor allem mitnehmen, meine Patienten in solch schwierigen Aufklärungsgesprächen dort abzuholen, wo sie selbst stehen und durch gezieltes Nachfragen zu erspüren, mit welchen Vorstellungen und Befürchtungen sie zu mir kommen – mit Fragen wie zum Beispiel: Was haben Sie sich bereits für Gedanken gemacht, worum es heute geht? Was glauben Sie, was es sein könnte? Was haben Sie denn hier schon für Erfahrungen gemacht? Wir besprechen, wie wichtig es ist, sich bereits im Vorhinein die Erlaubnis der Patienten einzuholen und im Zweifel auch ihr Recht auf Nichtwissen zu akzeptieren: Wünschen Sie überhaupt eine weiterführende Diagnostik? Wie viel möchten Sie über Ihre Diagnose wissen? In unserer Diskussion erzählt eine Palliativmedizinerin, dass sich aus ihrer Erfahrung trotz schwerer Diagnose meist irgendwo ein Funken Hoffnung mit auf den Weg geben lässt, und dass es essentiell ist, dafür eine Stütze zu bauen: Wie kann ich Sie nun weiter begleiten? Besonders einer ihrer Sätze bleibt in meiner Erinnerung haften: „Die Strecke vom Gehirn zum Herz ist eine halbe Weltreise.“ Nur weil wir Ärztinnen und Ärzte glauben, aufgeklärt zu haben, heißt das noch lange nicht, dass es auch bei unseren Patienten angekommen ist. Aber in welchen Situationen lassen sich diese Kommunikationsstützen anwenden? Gibt es im klinischen Alltag nicht oft auch Momente, in denen so zügig entschieden und gehandelt werden muss, dass es schwer wird, solche Überlegungen mit einzubeziehen?

Einen derartigen Moment erlebe ich dann noch am Freitag Abend, kurz vor Praxisschluss. Eine Patientin stellt sich mit seit Stunden anhaltendem Schwindel vor. Als wir ein EKG von ihr schreiben, wird ihr plötzlich akut komisch, eine Körperhälfte fühle sich kribbelnd an, ihr linkes Auge beginnt nach innen zu schielen. Alarmiert sehen wir in ihrer Akte nach: Sie hatte bereits vor ein paar Jahren einen Schlaganfall und wir müssen von einem Rezidiv ausgehen. Dann geht alles ganz schnell, wir benachrichtigen ihren Ehemann und organisieren schnellstmöglich eine Krankenhauseinweisung, während ihr Körper schlaff und kraftlos von der Liege hängt. Leise Tränen quellen aus ihren geschlossenen Lidern hervor, bahnen sich unauffällig einen Weg die Wange hinunter. Als ich den Kirchberg im Abendschwarz hochlaufe, und auch später, als ich es mir schon längst in unserer Wohnung gemütlich gemacht habe, muss ich immer wieder an die Patientin denken, an diesen hilflos
schielenden Blick, mit dem sie uns plötzlich ansah. Wie es ihr jetzt wohl geht? Ob mit der Einweisung in dieser schwierigen Zeit, in der manche Krankenhäuser schon gar keine Patienten mehr aufnehmen können, alles reibungslos geklappt hat? Wie haben wir ihr in dieser Notfallsituation die Nachricht unseres Verdachts auf einen Schlaganfall überhaupt überbracht? Alles verlief so rasch, dass ich mich konkret gar nicht mehr daran erinnern kann. Die Diagnose fiel auf einmal auf uns alle herab – aber hätten wir in diesem Moment überhaupt irgendetwas anders machen können? Stiller Nebel legt sich um unser Haus, ich schlafe unruhig in dieser Nacht. Eine bisschen dickere Haut brauche ich wohl noch – aber vielleicht auch nicht zu dick.

Woche 5: 14.12. – 20.12.

Der Höhepunkt dieser Woche kommt für mich gleich am Montag: In einer einstündigen Videokonferenz mit Prof Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission, können wir die vielen Unklarheiten rund um das Thema COVID-19-Impfung diskutieren. Bereits seit Tagen höre ich von Patienten immer wieder die Frage: „Sagen Sie mal, was halten Sie eigentlich von der Impfung?“ Während viele die Gefahr einer Infektion fürchten und sich schon jetzt sicher für die Impfung entschieden haben, schwebt bei anderen eine Wolke aus Fragezeichen im Raum. Wie können wir unsere Patienten diesbezüglich beraten und was an verlässlichen Infos mit auf den Weg geben? Auch Prof Ludwig muss zum jetzigen Zeitpunkt der Forschung mehrere Fragen offen lassen – ein Punkt ist mir nach seinem Vortrag jedoch klar: Wir haben im Moment keine handfesten Argumente, Unschlüssige zu der Impfung zu ermutigen bzw. fest Entschlossenen von der Impfung abzuraten. Zwar wurden trotz des enormen Zeitdrucks alle gängigen Voraussetzungen für eine Impfstoffzulassung eingehalten, jedoch ist die Datenlage zur Wirksamkeit des Impfstoffs im Moment noch dünn und beruht auf wenigen Studien, die – wie wir erfahren – zum Teil ein lückenhaft durchdachtes Konzept aufweisen. So bleibt der Primäre Endpunkt (d.h. das vorrangige Untersuchungsziel) der Studie zur Wirksamkeit des BioNtech-Impfstoffs schwammig – formuliert als Frage: Bei wie vielen Geimpften (im vgl. zu Nicht-Geimpften) treten Symptome auf, die mit einer COVID-19-Infektion vereinbar sind? Um dies zu untersuchen, wurde bei jenen, die sich mit Symptomen meldeten, das Vorhandensein einer COVID-19-Infektion durch Testung geprüft. Dabei
bleiben vor allem 3 Punkte offen: Der erste Schwachpunkt ist, dass somit eine unklare Dunkelziffer Geimpfter existiert, die womöglich trotz Impfung eine COVID-19-Infektion entwickelten, sich aber nicht testen ließen, da sie a) einen asymptomatischen Verlauf hatten, b) evtl. auftretende Symptome als zu erwartende Nebenwirkungen deuteten. Unter Beachtung dieser nicht-registrierten Fälle ist letztlich unklar, ob sich Geimpfte tatsächlich seltener infizieren als Nicht-Geimpfte. Zweitens wurde nicht herausgearbeitet, inwieweit vulnerable Gruppen (z.B. Probanden mit Immundefiziten) in der Studienpopulation adäquat repräsentiert sind, weshalb für diese eigentlich noch keine klaren Aussagen über Nutzen und Risiken der Impfung möglich sind. Drittens kann noch nicht gesagt werden, ob und wie viele schwere Verläufe tatsächlich durch Impfung verhindert werden konnten, da bis jetzt keine Verlaufskontrolle stattfand. Um hier mehr Klarheit zu erlangen ist eine Beobachtung der Studienteilnehmer in den nächsten 1-2 Jahren wesentlich. Gerade weil wir noch nicht genug über die Wirksamkeit des Impfstoffs wissen, ist es essenziell, die Hygienemaßnahmen vorerst trotzdem weiter einzuhalten. Sicher ist, dass wir nur dann überhaupt eine Chance auf die erhoffte Herdenimmunität, und damit den Schutz der Vulnerablen unter uns, erreichen können, wenn wir Vertrauen in die Impfung aufbauen und die Impfbereitschaft der Bevölkerung deutlich über 50% steigt. Umso entscheidender ist eine ausführliche Aufklärung unserer Patienten – d.h. im Sinne des Shared Decision Making ehrlich zu beraten und offen zu kommunizieren, was wir wissen und was nicht, Empfehlungen zur Impfung verständlich zu vermitteln und gut zu dokumentieren. Wir halten fest: Wir haben eine Impfung, die potenziell schützt und eventuell bei einem geringen Anteil – wie jede Impfung – auch längerfristige Schäden auslösen kann vs. eine Erkrankung, die ein vielfach größerer Anteil von uns nicht ohne Folgeschäden durchstehen oder gar daran versterben würde. Wenn ein Patient gut informiert ist und aus Besorgnis vor einer COVID-Infektion gerne geimpft werden möchte, dann ist es überaus sinnvoll ihn zu impfen. Wenn ein Patient sich wegen der möglichen Impfrisiken nicht sicher ist, dann ist es wichtig, hier klar über Nutzen und Risiken aufzuklären und in dieser Situation eventuell eher zum Abwarten zu raten bis die Datenlage eindeutiger wird. Ein unheimlich wichtiger und anregender Vortrag, der uns umfassend informiert und gut darauf vorbereitet, unsere Patienten in den nächsten Wochen und Monaten fundiert und ehrlich beraten zu können. Ende der Woche sitze ich im Zug nach Hause und überlege, was ich meiner Familie wohl über die Weihnachtstage mit auf den Weg geben kann – meiner 93-jährigen unternehmungslustigen, geselligen Großmutter, die sich danach sehnt, nach all den Monaten in Isolation endlich wieder unter Leute gehen zu können, meinem Onkel mit einer schweren
krankheitsbedingten Immunschwäche, meiner Tante, die als Lehrerin einem permanent hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist, meiner Schwester, die bald wieder nach England zurückkehren wird, wo das Virus sich nun anscheinend noch infektiöser austobt – wir alle werden mit diesem Jahreswechsel in uns gehen und uns wohl ganz pragmatisch für das kleinere Übel entscheiden müssen. Was die aktuelle Datenlage betrifft, so bleibt es momentan eine individuelle Abwägung, welches Risiko wir eher bereit sind einzugehen:

a) Eine Impfung mit kurzfristigen Nebenwirkungen (evtl. Schmerzen an der Einstichstelle, leichtes Fieber ähnlich wie bei der Pneumokokken-Impfung), die wahrscheinlich Schutz gibt. Eventuelle Langzeitfolgen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar, jedoch um ein Vielfaches unwahrscheinlicher als die Komplikationen bei schwerem Krankheitsverlauf.

b) Eine COVID-Infektion mit dem Risiko eines schweren, unter Umständen sogar tödlichen Verlaufs und möglicher Langzeitschäden.

Eine nicht ganz leichte Entscheidung , für die es im Moment vielleicht auch ratsam ist, auf unser eigenes Bauchgefühl zu hören.

 

Woche 6: 04.01. – 10.01.
Kirchberg im neuen Jahr scheint im Winterschlaf, zugedeckt von einer dicken Schneeschicht, als ich am ersten Januarwochenende zurückkomme. Ich freue mich wieder hier zu sein, nachdem ich mir ein paar Tage Auszeit genommen hatte, um das letzte Jahr etwas zu verdauen. Schnell werde ich wieder in die Realität geholt: gleich am ersten Morgen stellt sich ein junges Paar vor, beide sportlich, ohne Vorerkrankungen, nicht viel älter als ich, mit Folgeerscheinungen ihrer COVID-Infektion – abendliche Erschöpfungswellen, so plötzlich anflutend, dass nichts übrig bleibt als sich hinzulegen, bis vor kurzem noch Wortfindungsstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Kurzatmigkeit beim Spazierengehen, bereits nach kurzen Strecken das Bedürfnis Pausen einzulegen, wiederkehrendes Einschlafen einer Körperhälfte mit Taubheitsgefühlen. Auch ich könnte das jetzt sein, denke ich mir. Mich erschreckt immer wieder, dass ich in letzter Zeit doch von einigen jungen Patienten gehört habe, die nach einer COVID-Infektion vielgestaltige, teilweise kryptische Symptome mit sich schleppen und sich noch nicht wieder ganz erholt haben.
Die COVID-Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch die Woche: auch wir in unseren Praxen unternehmen in diesen Tagen alles nur mögliche, um das Virus weiter einzudämmen – organisieren spezielle Sprechstundenformate für die Abstriche, fahren Hausbesuche in Schutzkleidung, um nach Erkrankten zu sehen, führen viele Telefongespräche mit COVID-Patienten, um Unsicherheiten zu klären, nehmen uns Zeit, über die anstehende Impfung aufzuklären, und treffen dabei nicht selten auf Patienten, die nach ihrer Infektion noch nicht wieder die Alten zu sein scheinen. Deshalb beginnen wir nun, eine Kartei für unsere Post-COVID Patienten mit anhaltenden Beschwerden zu erstellen, um diese im Rahmen eines Qualitätszirkels besser nachverfolgen und betreuen zu können.
Inmitten all dessen hinterlässt das Virus seine Spuren in Form einer besonders erschütternden Nachricht – sie bringt sehr nah, wie die Pandemie vor allem die Schwächsten und Schutzbedürftigen unter uns trifft, auch hier in Deutschland: Dr. Blank erzählt uns sichtlich mitgenommen, wie er vormittags in einer Geflüchtetenunterkunft Hausbesuche gemacht habe. Dort ist in der vorangegangenen Woche ein 32-jähriger Mann plötzlich und unerwartet an den Folgen einer COVID-bedingten Pneumonie gestorben – er meinte, das wird schon wieder, aber dann ging es wohl ganz schnell. Er hinterlässt eine Frau und drei kleine Kinder. Ich will mir gar nicht vorstellen, was seine Familie auf ihrer Flucht nach Deutschland bereits alles durchgemacht hat. Und nun auch noch das. Es ist fast unerträglich sich vor Augen zu führen, wie viel Elend diese Menschen ertragen müssen. Natürlich sind alle Bewohner der Unterkunft jetzt außerordentlich beunruhigt und wegen Corona-Quarantäne dürfen sie auch nicht aus dem Haus. Das örtliche Gesundheitsamt kümmert sich sehr und hat unsere Praxis gebeten, hier regelmäßig die Patienten, die erkrankt sind, zu besuchen. Und auch nach den anderen Covid-Infizierten zu schauen.
Diese bedrückende Nachricht verfolgt mich den ganzen Tag. Und gleichzeitig bin ich fassungslos: Wie kann es sein, dass Menschen, die diese so offensichtlich auch tödlich endende Erkrankung verharmlosen, nach wie vor so laut ihre Stimme erheben, während zur gleichen Zeit andere, traurigerweise oft einsam, dieser Krankheit erliegen? Wie können manche behaupten, es wäre alles wie jedes Jahr zur Grippezeit, während Menschen in Gesundheitsberufen in diesen Tagen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen, um den Erkrankten Beistand zu leisten? Es ist eine schwierige, verwirrende Zeit für alle, aber gleichzeitig wird mir immer wieder klar, wie enorm dankbar wir uns schätzen können, in diesen Momenten selbstverständlich Zugang zu medizinischer Versorgung zu haben. Dass wir einen Hausarzt haben, der uns bei Fragen und Problemen zur Seite steht. Dass wir im Notfall Zugang zu einem Intensivbett haben. Dass wir die Möglichkeit einer Impfung haben werden, die hoffentlich bald zur Eindämmung und zur Rückkehr zu einem normaleren Alltag führen wird. Dass das Virus für viele von uns (bis jetzt!) unsichtbar geblieben ist, ungreifbar. Dass wir zu den Glücklichen gehören, deren Familienmitglieder (bis jetzt!) oh-ne große Schäden durchgekommen sind. Aber all das kann sich unter Umständen schnell ändern. Wer weiß, was die nächste Zeit noch bringen wird. Ich wünsche uns allen für die kommenden Wochen mehr Geduld, Vertrauen, einen klaren Kopf – und vor allem Zuversicht.


Woche 7: 11.01. – 15.01.

Ich bin die zweite Woche am Stück bei Dr. Machac in Kirchberg, was mir großen Spaß macht, weil ich dadurch Patienten aus der vorherigen Woche mit weiterverfolgen kann und seine herausfordernde, aber gleichzeitig humorvolle, engagierte Art sehr schätzen lerne. Ich kann mich nicht erinnern während meines Studiums die Möglichkeit gehabt zu haben, so intensiv mit Ärzten und Mentoren zusammenzuarbeiten, die trotz des stressigen Praxisalltags eine solche Freude am Unterrichten zeigen. War es zu Beginn in der Zusammenarbeit mit ihm eine teils nicht ganz einfach aufzunehmende Fülle an Fachwissen, so kann ich zunehmend die Erklärungen und Konzepte von Dr. Machac einordnen, seinem stufen-basierten diagnostischen Denken besser folgen und auch einiges für mich abspeichern.

Ich finde es immer wieder spannend zu beobachten, wie vielschichtig die Medizin wird, wenn Krankheiten sich vermenschlichen und in Fleisch und Blut, atmend, lachend, auch jammernd, sprudelnd, ausufernd oder nachdenklich, in sich gekehrt vor einem sitzen anstatt eine Reihe von nüchternen Stichpunkten abzubilden. Wie viel an Eigenheiten und Persönlichem jeder Patient mitbringt, was in der Diagnostik und Therapiewahl mit berücksichtigt werden muss und mir jedes Mal vor Augen führt, dass praktisch gelebte Medizin oft so anders läuft als an der Uni gelerntes Lehrbuchwissen. 

Dank der Montagsfortbildungen verinnerliche ich zunehmend die deutlich praxis- und patientenorientiertere Herangehensweise an Krankheiten: Was sagt der Patient und zu welchen Symptomen passen die von ihm geschilderten Beschwerden? Was sind Vermutungen oder Auffassungen des Patienten selbst, was hinter den Beschwerden stecken könnte? Mit welchen Erwartungen kommt er? Welche Leitsymptome kristallisieren sich heraus und wie lassen sich diese in seine Vorgeschichte einordnen? Was sind abwendbar gefährliche Verläufe, die ich differenzialdiagnostisch im Hinterkopf behalten, abfragen und ausschließen muss? Was ist meine Verdachtsdiagnose und was die nächsten diagnostischen Schritte, um diese zu erhärten – welche können hier bei uns und welche im weiteren Verlauf eventuell beim Spezialisten angegangen werden? Welche therapeutischen Optionen gibt es und für welche wird sich – oft zusammen mit dem Patienten im Sinne des shared decision makings  – im ersten Schritt entschieden? In welchem Abstand sind weitere Kontrollen und eine weitere Betreuung des Patienten nun sinnvoll, um die Therapie eventuell anzupassen?

Gerade zu Beginn meiner Zeit hier fand ich es herausfordernd, mich mit jedem Patienten auf einen neuen Menschen mit neuer Geschichte und oft einer Fülle an eingestreuten Einzelheiten einzustellen und mich davon nicht überflutet zu fühlen, sondern die wesentlichen Details aus der Anamnese herauszufiltern, zu ordnen und präzise auf den Punkt zu bringen. Dort, wo nötig, genauer hinzuhören und nachzufragen, jedoch an anderen Stellen Abstriche machen zu lernen, um sich nicht in Einzelheiten zu verstricken und unnötig Zeit zu verlieren. Es gibt noch so viel zu lernen, aber nach und nach merke ich, dass es mir hilft dank des Lernumfelds hier eine innere Struktur aufzubauen, an der ich mich orientieren kann.

Umso mehr schätze ich Dr. Machacs pragmatische, teilweise minimalistische, gleichzeitig immer sehr überlegte und auf logischen Prinzipien basierte Art der Medizin. Wiederholt lässt er mich rätseln, welche Ursachen eines Krankheitsbildes (z.B. der sekundären Hypertonie oder der Leberzirrhose) die häufigsten sind und somit besonderes Augenmerk erfordern und was die nächsten Schritte einer Stufendiagnostik wären, um diese weiter zu eruieren. „Ich behandele keine Laborwerte, sondern Menschen. Mach dir immer bewusst: wie geht es dem Patienten, der vor dir sitzt“ ist eines seiner Prinzipien, welches ich die Woche über an der Behandlung verschiedener Patienten beobachten kann – sei es, das Abwarten mit einem Cholesterinsenker bei erhöhten Cholesterinwerten einer älteren, auf ihre Spaziergänge an der frischen Luft schwörenden Patientin, die stand-by Mitgabe eines Antibiotikums bei unkomplizierter Divertikulitis, oder die Medikamentenanpassung bei laborchemisch auffälliger, aber symptomfreier Hypokaliämie. So kann ich von seiner klaren, aufs Wesentliche konzentrierten und trotzdem gründlichen Art sehr viel mitnehmen und bin gespannt auf die nächste Woche.

 

Woche 8: 18.01. – 24.01.

Trotz der vielen COVID-bedingten Einschränkungen und unseres stillgelegten Alltagslebens scheint die Zeit gerade zu verfliegen. Nun, Ende Januar, ist die Hälfte meines Tertials bereits überschritten. Manchmal lasse ich meine Gedanken in die nächsten Wochen wandern und frage mich, was ich in der verbleibenden Zeit noch von hier mitnehmen möchte. Durch den Einblick in die ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen der Ärztinnen und Ärzte habe ich schon unheimlich viel für mich gelernt, wachse Schritt für Schritt hinein in mehr Selbstsicherheit, Struktur und Selbstständigkeit. Ich nutze meine dankbare Position als Studentin und lasse mich von Dr. Machac nicht nur ausfragen, sondern werfe auch ihm im Gegenzug Fragen zu, was uns beiden Spaß macht. Jetzt, in der dritten Woche bei ihm, hat sich unser Zusammenarbeiten eingespielt und ich merke, wie er mir nach und nach mehr Freiheiten überlässt, was mir wirklich Freude bereitet. Zunehmend kann ich die Beschwerden meiner PatientInnen richtig einordnen und diagnostizieren. Es ist jedes Mal ein kleines Glückserlebnis, wenn ich die nächsten Schritte, die ich immer häufiger gemeinsam mit ihnen überlege mit jenen übereinstimmen, die auch die behandelnde Ärztin oder Arzt im Anschluss vorschlagen.

Obwohl sich ab und zu schon ein bisschen Routine abzeichnet, kommen täglich viele neue Dinge dazu, die ich noch nicht weiß und gerne nochmal nachschlagen möchte. Mir wird immer wieder bewusst, wie viel es noch zu lernen gibt und wie vereinnahmend der ärztliche Beruf auch werden kann. Wie lernt man, da später eine gute Balance zu finden? Sich weiterzubilden, nachzulesen, aber auch Abstriche zu machen, um sich zum Ausgleich anderen Dingen zu widmen? Die Unsicherheit auszuhalten, der man sich bei dieser Wissensfülle bestimmt immer wieder stellen wird und dennoch seine PatientInnen nach bestem Wissen und Gewissen beraten zu können?

Da ist es eine große Bereicherung, Teil eines so engagierten und unterstützenden Teams zu sein, das sich im Rahmen von Fallvorstellungen, Fortbildungen und Journal Clubs regelmäßig austauscht und gegenseitig weiterbildet. Mitte der Woche findet die zweite Runde des Journal Clubs statt, der jeden Monat zunächst praxisintern, dann in der darauffolgenden Woche auch mit externen Kolleginnen und Kollegen abgehalten wird. Dafür werden verschiedene aktuelle Papers oder neue Versionen von Leitlinien vorbereitet und gemeinsam in der Gruppe diskutiert. Eine der besprochenen Studien zum Beispiel erweist sich als besonders praxisrelevant: sie schlägt einen neuen validierten Fragebogen als Entscheidungsinstrument vor, um das Risiko der relativ häufig angegebenen „Penicillinallergie“ leichter abschätzen zu können. Im Praxisalltag kommt es nicht selten vor, dass man PatientInnen mit einer zurückliegenden allergischen Reaktion auf Penicillin gegenübersitzt und sich unsicher die Frage stellt: kann ich dieses wichtige und für viele Indikationen das Medikament erster Wahl trotzdem geben oder muss ich auf ein anderes ausweichen?

Anhand von vier einfachen Fragen können wir zukünftig schnell das Risiko des/der PatientIn für eine allergische Reaktion bestimmen und haben somit eine Grundlage, um individuell beraten zu können. In unserer Diskussionsrunde erzählen ältere, erfahrene und junge KollegInnen dann auch von ihren persönlichen Erfahrungen rund um das Thema Penicillinallergie. Unter anderem berichtet eine der Ärztinnen von ihrem Vorgehen, die PatientInnen bei erstmaliger Gabe einfach für eine Stunde in der Praxis zu beobachten – ein Vorschlag, den bestimmt einige von uns nach diesem Treffen für sich mitnehmen werden. Diesem angeregten Austausch von einerseits evidenzbasierter Medizin und gleichzeitig persönlichen Erfahrungen und Geschichten mit PatientInnen oder individuell erprobten Herangehensweisen zu lauschen ist für mich als heranwachsende Ärztin unheimlich spannend und ich habe nach den Sitzungen oft das Gefühl, wieder etwas gelernt zu haben, was ich in keinem Lehrbuch hätte finden können.

Mit einem schmunzelnden „merk dir noch was: es hilft keinem etwas, wenn man sich für die Medizin verausgabt. Es ist auch wichtig, als Mensch glücklich zu sein“, verabschiedet mich Dr. Machac ins Wochenende. Zwischen all dem medizinischen Fachwissen erzählt er mir auch immer wieder von seinen Streifzügen mit der Kamera durch die Natur. Für diese Möglichkeit, hier sowohl wissenschaftliche als auch kleine menschliche Weisheiten sammeln zu können, bin ich sehr dankbar!  

 

Woche 9: 25.01. – 31.01.

Zu Beginn dieser Woche ist es wegen des Wintereinbruchs etwas ruhiger in der Praxis. Während es draußen schneestürmt und sämtliche unserer PatientInnen vermutlich mit Schnee schaufeln beschäftigt sind, kann ich mir zwischendurch die Zeit nehmen, um mich ein paar Themen intensiver zu widmen. Zusammen mit Frau Dr. Kleudgen gehe ich die neu eingetroffenen Laborergebnisse durch.  Mit dabei sind unter anderem auch die Blutwerte eines jungen rumänischen Patienten, den wir bereits in der Fallbesprechung letzte Woche diskutiert hatten. Bei seinem Check-up ist als Zufallsbefund eine klinisch unauffällige, mikrozytäre hypochrome Anämie aufgefallen, die, wie sich nun herausstellt, nicht durch die häufigste Ursache – den Eisenmangel – erklärt werden kann. Die Kommunikation mit dem Patienten war wegen der Sprachbarriere wohl schwierig. Er lebt in sehr prekären Verhältnissen und hat aufgrund seiner eng getakteten, unflexiblen Arbeitszeiten kaum die Möglichkeit, Arzttermine wahrzunehmen. So haben wir im Team beschlossen, gleich im ersten Schritt eine großzügigere Diagnostik zu veranlassen und uns klar gemacht, wie wichtig es in einem solchen Fall ist, den Patienten nicht aus den Augen zu verlieren. Ich nehme mir die Zeit, die Patientenakte und genaue Konstellation seiner Blutparameter nochmal unter die Lupe zu nehmen, erfahre, dass die Anämie wohl schon seit seiner Kindheit bekannt ist und lese mich in die Anämiediagnostik ein. Da vieles in Richtung einer mild ausgeprägten Thalassämie deutet, recherchiere ich die Prävalenzzahlen dieser Krankheit in Rumänien und versuche herauszufinden, inwiefern weitere Diagnostik und Therapieoptionen indiziert sind. Ich bin gespannt, auf welche nächsten Schritte wir uns im Team in der kommenden Fallbesprechung einigen.

Es freut mich, diese Woche seit Längerem mal wieder in Schöfweg mit Frau Dr. Kleudgen zusammenzuarbeiten. Was ich an ihr wirklich sehr zu schätzen gelernt habe, ist ihre direkte und nachforschende Art, den Dingen auf den Grund zu gehen. Immer wieder fällt mir ihr aufmerksamer, wacher Blick auf, mit dem sie ihren PatientInnen begegnet und sie wahrnimmt. Oft hakt sie im Gespräch an der entscheidenden Stelle nach und stellt eine einzige gezielte Frage, mithilfe derer sich diffuse Beschwerden sofort klarer herauskristallisieren und abgrenzen lassen, wie zum Beispiel: „Sie haben nun von mehreren Problemen berichtet. Was genau ist es, was Sie im Moment am meisten plagt?“, „Was konkret an Ihren Schmerzen ist jetzt anders als zuvor?“, „Sie kennen diese Beschwerden ja bereits länger. Was führt Sie genau heute damit zu mir, was ist heute anders als sonst?“,  „In welcher Situation treten die Beschwerden auf? Können Sie nochmal genau beschreiben, welche Bewegungen Sie konkret gemacht haben?“, „Eigentlich geht es Ihnen momentan gut, sagen Sie. Soll sich noch irgendetwas ändern?“ oder „Haben Sie das Gefühl, Sie sind jetzt wieder ganz der Alte?“.

So treffen wir in diesen Tagen gemeinsam auf einige PatientInnen, deren Diagnostik und Therapie durch etwas Feingefühl in eine klarere Richtung gelenkt werden können. Einer von ihnen ist ein Ende 60-jähriger, trainierter Patient mit Sportlerpuls von 56/Minute und anhaltendem Schwindel – passend zu unserer Fortbildung rund um das Thema Schwindeldiagnostik diese Woche. Der Vortrag war super, sehr praxisrelevant, und hat uns die zentrale Rolle der Anamnese sowie ein paar einfach durchzuführende klinische Tests näher gebracht. Nachdem sich hinter dem Begriff „Schwindel“ oft alles Mögliche verstecken kann, habe ich für mich vor allem diese Frage mitgenommen: „Können Sie bitte mal möglichst genau Ihre Wahrnehmungen beschreiben OHNE das Wort Schwindel zu verwenden?“ – „Ganz schwummrig wird mir im Kopf“, antwortet der Patient und fährt mit seinen Händen durch die Luft. „Gibt es bestimmte Auslöser für dieses Schwummrigsein?“ – „Vor allem wenn ich meine Sit-ups mache. Dann muss ich aufhören, sonst müsste ich mich übergeben.“ Beim Husten sei es wohl auch schon mal aufgetreten, bei einfachem Aufstehen aus dem Sitzen eher nicht. Kardiologisch wurde der Patient bereits vorher abgeklärt, auch der Kipptischtest war negativ. Da sich in unserem Gespräch herauskristallisiert, dass dieses „Schwummrigkeitsgefühl“ vor allem in Situationen mit erhöhtem intrathorakalen Druck auftritt, tippt Frau Dr. Kleudgen auf eine anstrengungsbedingte Vagusreizung und bittet den Patienten bis zum nächsten Kontrolltermin zu beobachten, ob sich eine Besserung durch Umstellung auf Übungen ohne starke Bauchpresse feststellen lässt.

Dieses genaue Hinschauen, Beobachten, Nachhaken, wodurch sich vieles schon im direkten Patientenkontakt mit Anamnese und Untersuchung herausarbeiten lässt, sind weitere Punkte, welche ich sehr dankbar von hier mitnehme. Dazu passt noch ein Satz aus dem Vortrag, den ich mir für die Zukunft merken möchte: „Die Diagnose in der Patientenakte ist immer von gestern. Es ist deshalb so wichtig, neugierig zu bleiben, offen zu sein, und sich immer wieder selbst ein Bild zu machen“.

Woche 10: 01.02. – 07.02.

Anfang der Woche begleite ich das Ehepaar Dr. Schoder in das Impfzentrum Freyung, wo auch ÄrztInnen aus unserer Praxis die Impfteams unterstützen. Dieter und Irmengard Schoder, die bis vor ein paar Jahren noch die Praxis in Schöfweg geführt haben, sind nun teilweise im Ruhestand. Fr. Dr. Schoder arbeitet noch in Teilzeit in der Praxis, aber beide beteiligen sich sehr rege an unseren Montagsfortbildungen und lassen uns dadurch an ihrem reichen Erfahrungsschatz teilhaben. Nachdem wir uns bis jetzt nur digital in den Videokonferenzen begegnet sind, freue ich mich auf die Gelegenheit, die beiden nun richtig kennen zu lernen. Sie sind unheimlich sympathisch und engagiert, haben bereits im Vorhinein einen Ordner mit allen wichtigen Informationen zur COVID-Impfung und der nicht ganz unkomplizierten Impfstoffzubereitung angelegt und schicken mir abends noch eine kleine Nachricht - „... wenn man schon mal einen Ikea-Schrank aufgebaut hat, schafft man auch das!“

Für uns drei ist es das erste Mal, dass wir bei den COVID-Impfungen mithelfen. Nach einer kurzen Einweisung vor Ort sind wir schnell ein eingespieltes Team und impfen an diesem Vormittag eine ganze Reihe an 80+ PatientInnen, welche die Impfung allesamt gut vertragen. Besonders schön ist allerdings die gemeinsame Fahrt hin und zurück. Um 7 Uhr morgens holen die beiden mich in Kirchberg ab, und wir fahren zusammen in ihrem braunen VW-Bus über noch schlafende Orte und Hügel, während sie mir von Langlaufausflügen und aus ihrem 30-jährigen Arbeitsleben in Schöfweg erzählen. Dr. Schoder hat eine Zusatzausbildung in Psychotherapie gemacht und hier später lange Zeit eine Balint-Gruppe geleitet. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es immer wieder Situationen mit PatientInnen gab, in denen ich einfach nicht wusste, wie ich mit ihnen rede oder wie ich ihnen im Gespräch weiterhelfen kann. Das war meine eigentliche Motivation, mich tiefer mit der Psychotherapie zu beschäftigen.“

Gleich an einem der nächsten Tage führe ich selbst ein nicht ganz einfaches Gespräch mit einer jungen Patientin und denke an unseren Austausch zurück. Die Patientin war zur Abklärung lang anhaltender Müdigkeit bereits zur Blutentnahme da und kommt nun zur Besprechung der Laborergebnisse. Im Gespräch merke ich, wie sehr sie darauf gehofft hatte, dass ihre Blutwerte alles erklären könnten, aber zu ihrer Enttäuschung sind diese komplett unauffällig. Ich versuche ein bisschen tiefer zu gehen, um herauszufinden, wie es ihr sonst geht und bitte sie, mir ihr Müdigkeitsgefühl genauer zu beschreiben. Ihr Schlaf sei gut, aber ohne 4 Tassen Kaffee käme sie in der Früh gar nicht mehr heraus. Diese Schlappheit ziehe sich den ganzen Tag hin. „Ich kann mich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Ich lese ein paar Zeilen, schaue dann aus dem Fenster.“ – sie lässt ihren Blick irgendwo weit in der Ferne haften – „und weiß ein paar Sekunden später nicht mehr, was darin stand.“ Mir kommt es vor, als hätte sie eine Barriere zwischen sich und ihrem Innenleben hochgezogen, durch die es auch für mich schwierig ist zu erahnen, was gerade in ihr vorgeht. Was ihr im Moment noch Freude bereitet? „Vor Corona bin ich gerne Tanzen gegangen“, meint sie nüchtern. Doch all das sei momentan nicht mehr möglich, eigentlich könne sie sich gerade zu nichts aufschwingen. „Ach noch was, ich fange leicht an zu weinen, bin gereizt, ich weiß auch nicht warum. Ich dachte, das sei vielleicht normal“, erwähnt sie nebenbei in einem distanziert ironischen Unterton. In dem, was sie beschreibt, erahne ich, dass eine depressive Verstimmung Ursache ihrer schnellen Ermüdbarkeit sein könnte. Aber was ist im Moment überhaupt noch normal?, frage auch ich mich. Geht es nicht vielen Menschen in dieser schwierigen COVID-Lage gerade ähnlich? Wie könnte man dieser Patientin nun weiterhelfen?

Ich frage, ob sie vielleicht selbst Vermutungen hat, woher ihre Beschwerden kommen könnten. „Ich hatte gehofft, ich hätte irgendeinen Mangel. Irgendetwas muss sich doch finden lassen, so komme ich in meinem Alltag jedenfalls nicht mehr klar“, meint sie. Ich versuche vorsichtig, meine Verdachtsdiagnose Depression anzusprechen, ob sie sich das vorstellen könne. Ich spüre, dass wir uns auf dünnem Eis bewegen. Die Patientin könnte sich jederzeit komplett verschließen und das Vertrauen verlieren. Einen Moment ist sie stutzig – ich spüre meine eigene Unsicherheit in mir pochen, habe ich sie damit vielleicht vor den Kopf gestoßen? Sie hält inne, ich versuche die Stille auszuhalten. Dann meint sie zögerlich „Ja schon... vielleicht“.

Zusammen mit Sarah Moschko, die auch dazukommt, versuchen wir herauszuarbeiten, welche Ressourcen die Patientin momentan noch hat. Gibt es irgendetwas, wo Sie momentan Kraft tanken können? „Ich habe eine Katze, die lässt sich gern streicheln.“ Sarah druckt ihr den PHQ9-Fragebogen zur Bearbeitung bis zum nächsten Gespräch aus, zu dem wir sie einbestellen, um nochmal eine tiefergehende Diagnostik bezüglich einer Depression zu machen. Dann skizziert sie schon mal die verschiedenen Therapiemöglichkeiten, damit die Patientin sich diese in Ruhe durch den Kopf gehen lassen kann. Sarah strahlt trotz ihrer wenigen Monate Arbeitserfahrung bereits so viel herzenswarme Souveränität aus und zeigt volles Engagement, der Patientin helfen zu wollen, dass diese sich nach dem Gespräch, trotz anfänglicher Schutzbarriere, so glaube ich, wirklich gehört fühlt. 

Für mich ist es das erste Mal, dass ich den Verdacht einer Depression in einem Patientengespräch eingefädelt habe. Ich merke, wie viel Last es einem abnimmt, die PatientInnen nicht hier und jetzt auf der Stelle diagnostizieren und behandeln zu müssen, sondern ihnen Zeit für das Sacken lassen einer Verdachtsdiagnose geben zu können, und die Freiheit zu haben, sie für die nächsten Schritte wieder einzubestellen. Das zu erfahren, gibt mir Sicherheit und Gewissheit, dass es in manchen Fällen auch ok ist, nicht sofort handeln zu müssen, sondern ein gewisses Maß an Unsicherheit erst mal auszuhalten, um den weiteren Weg im Verlauf gemeinsam mit den PatientInnen zu entscheiden.

Woche 11: 08.02.-14.02.

Zusammen mit den beiden Assistenzärztinnen Svenja Nitsche und Sarah Moschko verbringe ich die Woche in Lalling und habe somit alle Standorte der Gemeinschaftspraxis Bayerwald einmal kennen gelernt. Es ist schwer zu sagen, wo es mir am besten gefällt – alle der insgesamt sechs Praxen haben ihre eigene Atmosphäre und man lernt in jeder doch nochmal einen etwas anderen Blickwinkel auf die Allgemeinmedizin kennen. Gleichzeitig ist das eine der großen Stärken dieses Praxisnetzwerks, finde ich: die große Bandbreite an verschiedenen ÄrztInnen mit unterschiedlichem Arbeitsstil und Schwerpunkten, die dennoch in regem Austausch stehen und sich alle für die gleiche Art Medizin einsetzen. Ich schätze es sehr, in diesem Team eine solche Vielfalt miterleben zu können.

Da sich mein erstes Tertial nun schon langsam dem Ende zuneigt, schlagen mir Sarah und Svenja vor, vermehrt zu versuchen, PatientInnen wirklich komplett selbstständig zu beraten – d.h., von Anamnese, über Untersuchung, bis hin zu Verdachtsdiagnose und weiteren Therapieüberlegungen – und sie erst im Anschluss dazu zu holen, um ihnen dann den gesamten Fall vorzustellen. Ich arbeite unheimlich gern mit den beiden zusammen und bin immer wieder sehr fasziniert, was sie nach dieser kurzen Zeit Praxiserfahrung bereits an Kenntnissen erworben haben, wie engagiert und herzlich sie sich ihrer PatientInnen annehmen, sie beraten und unterstützen, und sich dabei auch immer wieder gegenseitig unter die Arme greifen und weiterhelfen. Da die Uni für beide noch nicht lange her ist, können sie mir aus ihrer eigenen Erfahrung Tipps geben, was gerade in Hinblick auf das mündliche Examen oder dann für den Berufseinstieg im Anschluss wichtig ist, sich anzueignen.

Sie legen mir nahe, wie hilfreich es ist, sich bei Anamnese und Untersuchung innerlich eine eigene Struktur aufzubauen, was auch ich zunehmend an mir selbst beobachten kann. Auch wenn es manchmal gar nicht so leicht ist zu erfassen, was ich bei der Fülle an Begegnungen mit unterschiedlichen PatientInnen bereits alles gelernt habe, so habe ich, gerade was den selbstsicheren und zunehmend auch eigenständigen Umgang mit PatientInnen betrifft, hier  viel für mich mitgenommen. Vor allem bei häufigen Beratungsanlässen, wie beispielsweise Rückenschmerzen, kann ich immer öfter auf mein inneres Raster zurückgreifen, um dann darüber hinaus auf die eigenen Nuancen einzugehen, die jede/r PatientIn mit sich bringt, ohne mich in Details zu verlieren. Andererseits gibt es immer noch viele Situationen, in denen ich sehr dankbar bin, ihre Rückenstärkung zu haben und noch nicht allein die Verantwortung tragen zu müssen. Aber auch Svenja und Sarah können in komplexen Fällen jederzeit bei einem/r der FachärztInnen nachfragen, was gerade zu Berufsbeginn sehr viel Sicherheit gibt und diese frühe Eigenständigkeit im ambulanten Bereich direkt nach der Uni, denke ich, überhaupt erst möglich macht.

Im Laufe der Woche nutze ich noch die Gelegenheit, Petra Weinmann, unserer Spezialistin für Diabetes-PatientInnen über die Schulter zu schauen. Sie ist Hauptansprechpartnerin bei den Kontrollterminen im Rahmen des DMP-Programms für Diabetes und hat durch den regelmäßigen Kontakt sowie das oft schon jahrelange Begleiten einen engen Draht zu ihren PatientInnen, was sehr schön ist, zu beobachten. Mit viel Empathie führt sie oft nicht einfache Gespräche über die Frage des Beginns einer Insulintherapie oder über Ernährungsumstellung bei Diabetes. Im Gespräch eruiert sie die Befürchtungen sowie den Willen ihrer PatientInnen, sich präventiv für einen gesünderen Lebensstil einzusetzen und versucht mit ihnen gemeinsam ein Ziel herauszuarbeiten. „Eine Diabetesdiagnose ist für viele verbunden mit einer großen Last an Entscheidungen und Kontrollen. Mir liegt es am Herzen, dass meine PatientInnen sich nicht unter Druck gesetzt fühlen ihren Lebensstil komplett ändern zu müssen und von nun an nur noch mit lauter Verboten zu leben. Das Wichtigste ist für mich, dass die Lebensqualität erhalten bleibt. Ich versuche das Essverhalten meiner PatientInnen kennen zu lernen – ihnen mitzuteilen: das bist halt Du, verurteil Dich nicht deswegen. Auf keinen Fall sollen sie bei jedem Essen ein schlechtes Gewissen haben. Die PatientInnen sollten lernen, sich zu disziplinieren, kleinere Portionen zu sich zu nehmen, aber sich auch weiterhin was gönnen dürfen,  zum Beispiel einen Wohlfühltag einzubauen und dann mit Bewegung auszugleichen.“ erklärt sie mir. „Ich möchte, dass Du mit gutem Gefühl hier herausgehst.“, legt sie ihrer Patientin nahe, mit der sie soeben die neu angesetzte Insulintherapie besprochen hat.  Gerade was das Angehen solch zeitintensiver und komplexer Themen wie der Diabetesbetreuung betrifft, scheint es mir für die PatientInnen sehr wertvoll, hier eine so fachkundige Betreuung genießen zu dürfen.

Donnerstag morgen werde ich von einer Schar tanzender Luftschlangen und einem bunt verkleideten Praxisteam überrascht – und bekomme mangels eigener Verkleidung noch rechtzeitig eine Luftschlange ins Haar gebunden bevor es mit der Sprechstunde losgeht. Die Helferinnen, allesamt Freude versprühend hinter ihren bemalten Masken, haben eine große Ladung Krapfen mitgebracht. Auch den PatientInnen huscht immer wieder ein Schmunzeln übers Gesicht, wenn eine Ärztin mit Schildkröte oder Seepferdchen auf dem Kopf zur Tür herein kommt, oder ihnen ein Katzenschnurrbart bei der Blutentnahme zu grinst – aber wie Petra an diesem Tag meint „Gerade in dieser Zeit ist es doch besonders wichtig, dass wir auch einfach mal wieder lustig zusammen sein können.“ Das hat diese Praxis jedenfalls drauf!

Woche 12: 15.02. – 21.02.

Ich möchte an dieser Stelle endlich einmal über die Freizeitmöglichkeiten und das Zusammenleben hier auf dem Kirchenberg schreiben, was beides einen ganz wesentlichen Teil des PJ-Tertials ausmacht.  Ich bewohne die Einzelwohnung mit eigener Wohnküche, Bad und Schlafzimmer, bin aber nur wenige Schritte über den Flur von meinen MitbewohnerInnen in der größeren Wohnung entfernt, sodass wir letztlich alle eine gemeinsame WG bilden. Gerade in dieser seltsam isolierten COVID-Zeit, in der man sich schnell mal alleine fühlt, ist es umso wohltuender, immer wieder die Möglichkeit menschlicher Gesellschaft genießen zu können. Wir haben mit unserem eigenen Zimmer jederzeit einen Rückzugsort, verbringen aber auch gern gemeinsame Stunden in dem gemütlichen Wohnzimmer. Es ist einfach sehr schön, in dieser intensiven Zeit hier Menschen um sich zu haben, die ähnliches erleben und vergleichbare Höhen und Tiefen durchlaufen. Sich bei einem gemeinsamen Abendessen oder einer Tasse Tee über den Tag austauschen zu können, von schwierigen oder interessanten PatientInnen und Situationen zu erzählen, tut sehr gut und ist mit Teil des umfassenden Lernprozesses, den man hier durchläuft.

Ein paar Wochen nach mir ist Jonas, mein Mit-PJler, mit in die WG auf dem Kirchenberg eingezogen. So konnten wir uns in unserer gemeinsamen Zeit hier einige medizinische Projekte vornehmen – wie z.B. sämtliche Fälle aus den wöchentlichen Falldiskussionen nachverfolgen oder Untersuchungsabläufe und Krankheitsbilder wiederholen – aber auch in den Zwischenpausen die Spazierwege rund um den Kirchenberg oder neue Kochrezepte in unserer Küche ausprobieren. Seit kurzem sind nun auch noch Kathi und Julia mit dabei, zwei Famulantinnen, die uns für eine kürzere Zeit Gesellschaft leisten. Öfters mal sind wir dann auch zu zweit in der Sprechstunde, was sich sehr schön eignet, um an sich gegenseitig das Ultraschallen zu üben oder gemeinsam PatientInnen zu sehen und sich im Anschluss Feedback zu geben. Somit ist das Zusammenleben mit den anderen Studierenden hier nicht nur medizinisch sondern auch in der Freizeit wirklich eine große Bereicherung.

Gerade ohne Auto hatte ich zu Beginn etwas Bedenken, wie ich mich hier fortbewegen würde, aber dank der Mitfahrgelegenheit bei meinen MitbewohnerInnen, sei es zum Einkaufen, zu Ausflügen oder auch zu den verschiedenen Praxisstandorten – zu denen ich oft glücklicherweise auch von den sehr engagierten MFAs mitgenommen werde – war das für mich überhaupt kein Problem. Zwar ist das Freizeitangebot durch COVID sicherlich etwas eingeschränkt, aber dennoch bin ich unheimlich froh, diese schwierige Zeit von Natur umgeben verbringen zu dürfen. An den Wochenenden erkunde ich oft zu Fuß die Gegend (ich liebe meine Streifzüge durch den Winterwald, in dem der Schnee sich jetzt langsam zurückzieht und das Frühlingslicht sich seinen Weg durch die Baumwipfel bahnt), gehe eine Runde joggen, probiere mit Kathi zusammen das Langlaufen aus (die Langlaufski lassen sich übrigens ganz unkompliziert und günstig durch die Ehefrau von Dr. Blank über den Schiverein Kirchberg ausleihen), oder breche gemeinsam mit den anderen zu einer größeren Wanderung auf.

Auch an diesem Samstag nutzen wir vier die Sonne und aufkeimenden Frühlingsgefühle, um einer Wanderempfehlung von Sarah Moschko zu folgen und einen Ausflug zum Dreisesselberg zu unternehmen. Er liegt nahe des Nationalparks und des Dreiländerecks und ist knapp eine Stunde mit dem Auto von Kirchberg entfernt. Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf zu diesem sagenumrankten Berg, den auch Adalbert Stifter als „geologischen Wunderberg“ bezeichnete. Durch dichten Hochwald, vorbei an moosbedeckten Steinen und wilden Tannen geht es ziemlich steil hoch zum Gipfel. Dort, so erzählt es die Sage, hätten die Könige von Bayern, Böhmen und Österreich auf drei Felssesseln gethront, um über den Verlauf ihrer Landesgrenzen zu verhandeln. Hier oben ragen tatsächlich mehrere bizarre Steinhaufen in den Himmel, dahinter erstreckt sich ein Meer aus, vom Borkenkäfer angefressener Fichten. Bei einem wunderbaren, atemberaubend weiten Blick in alle Himmelsrichtungen lassen wir uns auch auf einem der großen Felsbrocken nieder und genießen ein Picknick in der Mittagssonne. Nach etwa 5 Stunden sitzen wir müde, aber glücklich im Auto zurück nach Kirchberg. Ein sehr besonderer Wochenausklang!

Woche 13: 22.02. – 28.02.

In diesen Tagen spüre ich schon das Ende meines Tertials heranrücken und kann einfach nicht glauben, wie schnell die Zeit verfliegt. Einerseits bin ich gespannt, was im nächsten Tertial auf mich wartet – wie es sich nun anfühlen wird, nach meiner Zeit hier ans Krankenhaus zu gehen, mit der Rückenstärkung und der wachsenden Eigenständigkeit, die ich hier erfahren durfte? Wie ich mich wohl im Vergleich zum Beginn meiner Zeit hier verändert habe, in der Begegnung mit den PatientInnen, in meiner Herangehensweise an Diagnostik und Therapieentscheidungen, im Umgang mit der Fülle an Wissen und Nichtwissen? Andererseits werde ich bei dem Gedanken an den baldigen Abschied auch ein bisschen traurig, so integriert fühle ich mich mittlerweile in dieses Team, welches mir über all die Wochen ans Herz gewachsen ist.  

Zusammen mit Frau Dr Kleudgen habe ich bereits am Freitag vergangener Woche noch bis abends im Impfzentrum Freyung gearbeitet, was zwar ziemlich stressig war, mir aber dank unserer eingespielten Frauenpower-Teamarbeit sehr viel Spaß gemacht hat. Diese Woche verbringe ich nochmal bei ihr in Schöfweg in der Praxis. Es ist schön zu bemerken, wie mir die ÄrztInnen nach und nach mehr Eigenständigkeit zutrauen und ich mittlerweile auch in komplexere PatientInnenfälle selbstverständlich mit involviert werde. So bittet sie mich beispielsweise in der Akte einer Hausbesuchspatientin nachzuforschen, wie wir bei ihr weiter vorgehen sollten. Bei der bereits Ende 80-jährigen Patientin wurde schon vor Jahren als Zufallsbefund die asymptomatische Vorstufe eines Multiplen Myeloms diagnostiziert, eine Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), deren Verlauf regelmäßig durch Blutentnahmen kontrolliert wird. Ich recherchiere die Kriterien für die Verlaufskontrolle, versuche mir anhand früherer Arztbriefe und der Laborkontrollen zumindest in digitaler Form ein Bild über den Zustand der Patientin zu machen und stelle ihren Fall bei unserer nächsten Fallbesprechung vor. Müssen wir bei dem kontinuierlich ansteigenden Leichtketten-Quotienten engmaschiger oder zusätzlich etwas kontrollieren, um den Übergang in ein Multiples Myelom nicht zu verpassen?

Nicht selten bringt die Diskussion im Team mehr Gewissheit und neue Anstöße, wodurch anschließende Diagnostik und Therapie fokussierter angegangen werden können. So empfiehlt Dr. Machac zum Beispiel noch das einmalige Abnehmen von zwei weiteren Blutparametern mit prognostischer Bedeutung. Frau Nitsche berichtet aus Erfahrung im Rahmen ihrer Doktorarbeit, dass engmaschigere Kontrollen jenseits der 90 Jahre generell eher nicht mehr zu empfehlen seien: Die Wahrscheinlichkeit des Übergangs eines MGUS in ein Multiples Myelom beträgt pro Jahr nur 1% und die therapeutischen Konsequenzen wären in diesem hohen Alter ohnehin sehr belastend. Und Dr. Blank betont seinen Grundsatz, dass wir Menschen und keine Laborwerte behandeln und weitere Schritte im gemeinsamen Gespräch mit der Patientin entschieden werden sollten. Vor allem bei solch komplexeren Fällen und der Frage – wie führe ich meine Patientin weiter? -  erweist sich dieses Zusammenbringen von verschiedenen Perspektiven und Erfahrungsschätzen als sehr wertvoll. Wie es der Zufall will, sitzt ein paar Tage später erneut ein Patient vor mir, bei dem im Rahmen eines Klinikaufenthalts der Verdacht auf ein MGUS gestellt wurde. Durch unsere Fallvorstellung ein paar Tage zuvor kann ich mich erinnern, welche weiteren Fragen ich dem Patient stellen und auf welche Laborwerte ich achten muss. Im gemeinsamen Gespräch versuche ich dem Patienten, welcher die Verdachtsdiagnose bisher nicht wirklich vermittelt bekommen und verstanden hat, in einfachen, klaren Sätzen zu erklären, worum es sich dabei handelt. Es berührt mich, als er sich danach sichtlich weniger verwirrt bei mir für meine Mühe bedankt. Das sind die kleinen Momente, in denen ich merke, dass ich hier doch unmerklich mehr und mehr in meine Rolle als Ärztin geschlüpft bin.

Ende der Woche, am letzten Abend der beiden Praktikantinnen Kathi und Julia, kochen wir nochmal alle zusammen und lassen die letzten Wochen an uns vorbeiziehen, erzählen von lustigen Begebenheiten aus unserem Praxisalltag und lachen gemeinsam bis uns die Tränen kommen – Momente voller Unbeschwertheit, die nach Abschied und Neuanfang schmecken. Ich werde die beiden vermissen. Es war sehr besonders, hier zusammen ein paar Wochen so intensiv in eine Welt eingetaucht zu sein. Jetzt ziehen wir dann bald wieder alle unserer eigenen Wege. Wer weiß, vielleicht kreuzen sie sich ja nochmal, hier oder anderswo...

Woche 14: 01.03. – 07.03.

Freitag Nachmittag sitze ich im Zug zurück nach Hause – mit einem weinenden und einem lachenden Auge – und blicke auf meine letzte Woche im Bayerwald zurück, welche gefüllt war von Abschlussgesprächen und Abschied nehmen. Ich spüre tiefe Dankbarkeit, mein erstes Tertial in diesem wunderbaren Team verbracht zu haben und bin mir sicher, nun mit mehr Selbstvertrauen und Eigenständigkeit in das nächste Kapitel starten zu können. Gerade was meinen Umgang mit PatientInnen betrifft, meine innere Haltung, mit der ich ihnen begegne – nicht mehr als Studentin sondern zunehmend als Ärztin – so konnte ich in diesem Lernumfeld unheimlich viel für mich mitnehmen. Immer wieder habe ich mich während des Studiums gefragt, ob ich mich in der Medizinwelt wirklich sehen kann. Im Rückblick haben mich die 4 Monate hier sehr geprägt und ich habe das Gefühl, nun Schritt für Schritt in diese neue ärztliche Rolle hineingewachsen zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar! Ich habe selten so intensiv in einer solch motivierenden, unterstützenden Lernatmosphäre gearbeitet wie hier, wo einem die Möglichkeit gegeben wird, die eigenen Stärken herauszulocken, zu erproben und zu entfalten. Es wird viel von einem gefordert, aber wenn man bereit ist zu geben, bekommt man sehr viel zurück.

Durch das vielfältige Weiterbildungsangebot über den Praxisalltag hinaus, die Fortbildungen, Fallbesprechungen und Journal Clubs konnte ich mir nicht nur Schritt für Schritt eine innere Struktur anlegen, sondern habe kritisches Reflektieren von Diagnostikmethoden und Therapien gelernt, habe einen Einblick bekommen, wie evidenzbasierte Medizin funktioniert, wie Wissen generiert wird, und wo sich Nicht-Wissen nachschlagen lässt. Gerade was den Umgang mit Wissenslücken angeht, ist das offene Angebot, hier immer seine KollegInnen um Rat fragen zu können und unterstützende Antworten zu erhalten, sehr wertvoll. Dieses Zusammenarbeiten und sich unter die Arme greifen, anstatt der vielen Einzelkämpfe, die oft in der Medizin ausgefochten werden, habe ich als sehr besonders empfunden. Die ÄrztInnen und MFAs sind alle unterschiedlich, sodass man von jeder und jedem von ihnen einen neuen Aspekt oder Blickwinkel mitnehmen kann – und dennoch setzen sich alle für die gleiche Art von Medizin ein. Das Bild von Dr. Blank, das er mir bei unserem Abschlussgespräch nahelegt, beschreibt es sehr passend, finde ich: er sieht seine Rolle als Dirigent eines Orchesters, in dem jede und jeder ein eigenes Instrument spielt – durch seine herzlich offene, unheimlich engagierte Art und die Zusammenarbeit von allen entsteht daraus ein großes, harmonisches Ganzes, in dem sich die vielfältigen Stimmen ergänzen. Ich habe mich während meiner Zeit hier sehr gut integriert und gewertschätzt gefühlt und finde es wirklich bewundernswert, was dieses Team auf die Beine stellt!

Der Abschied von den vielen wunderbaren Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, fällt mir nicht leicht und ich hänge in den nächsten Tagen in Gedanken immer wieder an Erinnerungen und Erfahrungen, die ich mit mir tragen werde. Wie mir Frau Dr. Kleudgen als Ermutigung für die nächsten Schritte mit auf den Weg gibt – „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen mit dieser neu gewonnenen Energie mit sich bringen werden und freue mich sehr, wenn sich unsere Wege wieder kreuzen – auf welche Art und wann auch immer... 

Julia Aicher

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Woche 1: 18. - 22.11.2019

Nachdem ich bereits im März diesen Jahres am Exzellenten Winter 2019 teilnehmen durfte und noch nie eine so tolle Famulatur gehabt hatte, entschied ich mich, mein PJ-Wahltertial auch im Bayrischen Wald zu verbringen, in der Hoffnung weiterhin auf so viele offene Arme, Unterstützung und gute Lehre zu treffen.

Ich war sehr überrascht, als ich erfuhr, dass wir PJ-ler in einer extra für Studenten angemieteten Studentenwohnung unterkommen können. Und was für Wohnungen! Nach all den Jahren des Studiums und diversen kleinen WG-Zimmern in München konnte ich mein Glück kaum fassen - hier wartete ein richtiges Zuhause auf mich!
Den Dorfhund “Lucky” lernte ich auch gleich kennen, der mir täglich mindestens ein Mal “Hallo” sagt und mir meine erste Woche damit umso mehr versüßt hat.

Am Montagmorgen empfing mich Dr. Blank wie gewohnt herzlich und nahm mich in die frisch zu den anderen vier Praxen gestoßene Praxis in Auerbach mit. Auch das Team der Sprechstundenhelferinnen empfing mich freundlich und immer bereit, mir bei der Eingewöhnung zu helfen und mir die ganzen Kniffs und Tricks im Praxisalltag zu zeigen.

Im Laufe der ersten Woche durfte ich außerdem bereits einen Großteil des Ärzteteams kennenlernen, die mich allesamt herzlich begrüßten und sich alle Mühe gaben, mich in den Praxisalltag mit einzubeziehen und mir dabei auch etwas beizubringen.
Während ich in dieser Woche bereits gefühlt mehr Patienten gesehen habe als ich zählen kann, bleiben doch einige im Gedächtnis und beschäftigen mich schon jetzt immer wieder. Besondere Highlights waren für mich beispielsweise eine Impfberatung bei Autoimmunerkrankung und geplanter Auslandsreise, ein Hausbesuch gemeinsam mit der praxiseigenen Diabetes-Fachkraft und eine Gesundenuntersuchung beim Kind.

Beeindruckt war ich von den regelmäßigen Themen- und Fallbesprechungen, die innerhalb des Praxisverbunds praxisübergreifend stattfinden. Schon am Montag durfte ich bei der Montagsbesprechung (jeden Montag zu einem vorher bereits bekannten Thema) Protokoll führen und konnte dabei gleich das Gehörte wiederholen und strukturieren. Die Fallbesprechungen jeweils dienstags und donnerstags konnte ich ebenfalls schon miterleben und fand toll, wie die Ärzte Patienten, bei denen sie etwas an dem Fall weiterhin beschäftigte, mit dem Team besprechen und sich dabei Rat und Unterstützung holen konnten.

Die Woche hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ich freue mich auf die nächsten!

 

Woche 2: 25.11. - 01.12.2019

Die zweite Woche kam und ging viel schneller, als ich für möglich gehalten hätte.
Während wir in der Montagskonferenz “chronischen Schmerz” besprachen - ein Thema, das für Alle anfangs eher schwer zu greifen war, am Ende der Besprechung aber doch mit einigem an neuen Erkenntnissen abgeschlossen werden konnte - ging es Dienstag gleich weiter mit den Fallbesprechungen.

Ich finde es toll, nun schon vereinzelt Patienten wieder zu erkennen ohne nachsehen zu müssen, was ihre Krankengeschichte ist und mich so direkt in den Heilungsprozess eingebunden zu fühlen.
Zunehmend kann ich mein Erlerntes anwenden und merke, wie ich auch an Sicherheit im Umgang mit gewissen Krankheitsbildern gewinne. Gleichzeitig erlebe ich immer wieder, wie ich genau bei diesen Krankheitsbildern dadurch umso mehr “Aha-Momente” habe, wenn ich einen der Ärzte begleiten und über die Schulter schauen darf.

Am Mittwoch Abend trafen sich viele von uns im “Guad Netz” in Regen zum Journal Club. An diesem Abend wurden neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu mehreren verschiedenen Themen zuerst in Kleingruppen besprochen, um dann der gesamten Gruppe vorgestellt und gemeinsam diskutiert zu werden. Die Fragen, die in der Diskussion auftraten aber nicht beantwortet werden konnten, werde ich nun weiter recherchieren und dann eventuell gefundene Antworten an die Gruppe weiterleiten.

Was mir besonders gefiel, war die anregende Diskussion zu hoch spannenden Themen, in die ich ganz ohne Weiteres mit einbezogen wurde. Kontrovers diskutiert wurde insbesondere ein Arzneimittelbrief zu der neuen europäischen “Leitlinie” zur Lipidsenkung. Diese empfiehlt, praktisch unabhängig vom kardiovaskulären Risiko, so gut wie allen Patienten Statin-Senker zu verschreiben. Außerdem wurde die Studie zu 70% von AutorInnen verfasst, die Interessenkonflikte mit den Herstellern der in der Studie empfohlenen Arzneimittel hatten.

Ein besonderes Highlight meiner Woche war auch der Freitagnachmittag, an dem sich Rebecca Ebner, eine der Ärztinnen der Praxis, an ihrem freien Tag Zeit nahm, mit mir Fälle für das dritte Staatsexamen durchzusprechen und anhand derer Themen zu wiederholen. Danach war ich regelrecht beflügelt!

Was mich aber überrascht, ist, wie erschöpft ich trotz der tollen Bedingungen und dem freundlichen Arbeitsklima im gesamten Team bin. Mir fällt auf, dass ich unter der Woche gerne mehr Zeit hätte, das Erlernte, Beobachtete und Gehörte zu verarbeiten und mich damit noch einmal auseinander zu setzen. Ich hoffe, dass ich mit diesem für mich neuen Lebens- und Arbeitsrhythmus in den kommenden Wochen lerne, besser umzugehen.
Ich freue mich schon wieder darauf zu sehen, wie es weiter geht!

 

Woche 3: 02. - 08.12.2019

Diese Woche hat für mich so richtig die Vorweihnachtszeit eingeläutet. Jeder Morgen beginnt mit Rauhreif auf den Bäumen und Feldern und ein atemberaubenden Sonnenaufgang versüßt mir das Aufstehen. In Kirchberg hat dieses Wochenende sogar der Weihnachtsmarkt aufgemacht und ich verbrachte den Sonntag in der Weihnachtsbäckerei!

In dieser Woche hatte ich endlich Gelegenheit, mit meinen Lernzielen aufzuholen. Mein Wochen-Schwerpunkt waren Medikamente - inklusive Wechselwirkungen, Dosisanpassungen bei chronischen oder akuten Krankheiten und Multimedikation - und Impfen.

Die Praxis hat in den virtuellen Karteikarten eine Impfsoftware, die das Leben zwar ungemein erleichtert, mir aber bisher erspart hat, mich wieder mit dem Impfkalender aktiv auseinander zu setzen. Dafür konnte ich schon das beim letzten Journal Club erlernte Wissen über Impfen bei Immunschwäche in die Praxis umsetzen.
Passend dazu war das Thema der Montagsbesprechung “Immunschwäche”. Besonders spannend war für mich, wie man eine “physiologische” von einer “pathologischen” Immunschwäche abgrenzt: Wann hat die Immunschwäche an sich tatsächlich Krankheitswert? Das ist klinisch gar nicht so klar abgrenzbar!

Dank der Montags- und Fallbesprechungsprotokolle bin ich mittlerweile nun hellauf begeistert von den AWMF- und Deximed-Websiten. Schon vor dem PJ kannte ich beide Seiten, hatte aber nur selten wirkliche Verwendung dafür. Jetzt aber schaue ich als erstes auf Deximed nach, wenn ich etwas recherchieren will, und suche zu jedem größeren Thema noch eine Leitlinie. Immer wieder bin ich verblüfft wie exakt sich die persönlichen Vorgehensweisen und Ratschläge der Ärzte mit den Leitlinien decken.

Ein besonderes Highlight diese Woche war meine Hospitation in der nephrologischen Praxis von Dr. Kammerl. Hier durfte ich Dienstagvormittag zum ersten Mal eine Dialysestation von Nahem bestaunen, einem Pfleger beim An- und Abhängen der Patienten über die Schulter schauen und mich mit einigen Patienten sogar näher unterhalten. Ich fand erschreckend, was die meisten Dialysepatienten jeweils für einen unglaublichen persönlichen Leidensweg hinter sich haben und wie positiv sie doch eingestellt sind - wirklich bewundernswert!
Dr. Kammerl gab mir auch die Möglichkeit, ihn in seiner Sprechstunde einige Zeit zu begleiten und ließ mich selbst BGAs und Medikamentenpläne beurteilen. Überraschend fand ich, dass bei den nephrologischen BGAs nicht so sehr auf den pH-Wert als eher auf den Base Excess und das Bikarbonat geachtet wird! Es ist wirklich erstaunlich, mit wie wenig bleibender Nierenfunktion der menschliche Körper noch arbeiten kann.

Mittwoch Nachmittag durfte ich Dr. Blank auf zwei Fortbildungen begleiten.
Die Erste fand in der AOK in Regen zu dem Thema Suizidprävention statt, bei der sich eine überaus interessante Diskussion entspann. Die große Frage, die immer wieder auftrat, war, was nötige Maßnahmen seien, um eine flächendeckende Versorgung zur Suizidprävention zu ermöglichen.
Eine Aussage, die mir wirklich im Kopf blieb, war, dass es für Herzinfarkte und Schlaganfälle ein ganz klares Versorgungsschema gibt und diese umgehend klinisch versorgt werden, während Suizidversuche nicht zwingend versorgt werden müssen.
Ich bekam den Eindruck, dass sich bei diesem Thema ein System der falschen Unsicherheit etabliert hat, obwohl die Vorgehensweise im Notfall, von einem medizinischen Standpunkt her, ganz klar ist.
Die zweite Fortbildung behandelte ein chirurgisches Thema: Endoskopische Komponentenseparation bei Versorgung großer Narbenhernien. Hier trug Dr. Blaha aus Zwiesel vor, wie man bei großen Narbenbrüchen die auseinander gewichenen Bauchdeckenanteile wieder so mobilisieren kann, dass ein suffizienter Bauchdeckenverschluss gelingt.

Auch die Freizeit sollte in dieser Woche nicht zu kurz kommen. Donnerstagabend traf sich das gesamte Praxisteam zur Weihnachtsfeier in der “Griabige(n) Pizzastubn”.
Neben interessanten Unterhaltungen, ausgezeichnetem Essen und mehreren Ansprachen kamen wir sogar in den Genuss, eines von den Azubis vorgetragenen Weihnachtsgedichtes.
Ich fand schön, das ganze Team auch einmal in so lockerem Rahmen kennenzulernen und ein wenig mehr auch über die jeweiligen persönlichen Hintergründe zu erfahren. Nun freue ich mich umso mehr, alle am Montag für einen neuen Wochenstart wieder zu sehen.

Was zwar nicht so richtig etwas mit meiner Ausbildung im PJ zu tun hat, aber dennoch mein persönliches Wochenhighlight war: ich hatte am Freitag meine erste Saxophon-Unterrichtsstunde im bayrischen Wald!! Es tat richtig gut, wieder zu spielen, und selbst die MFAs meinten in der Nachmittagssprechstunde, ich würde noch mehr strahlen als sonst. Ein tolles Erlebnis und eine sehr schöne Woche gehen nun also zu Ende.

Woche 4: 09. - 15.12.2019

Vor dieser vergangenen Woche graute es mir schon eine ganze Weile, weil ich mir zusätzlich zum Praxisalltag einmal wieder zu viel aufgeladen hatte. Aber wie man so schön sagt, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Nachdem ich montags nämlich von Dr. Machac bereits viel Spannendes zur Schilddrüsensonografie erklärt bekommen hatte durfte ich am Dienstag Rebecca Ebner zu ihrer Hausbesuchsrunde begleiten. Die Patienten unter so anderen Bedingungen und in ihrer vertrauten Umgebung kennen zu lernen, faszinierte mich.

Bereits in der Woche zuvor hatte ich an einer LIA-Sitzung (Lebensqualität im Alter) der Praxis in Rinchnach teilnehmen dürfen, in der es ausschließlich um die möglichst optimale, aber häusliche Versorgung geriatrischer Patienten ging. An dieser Sitzung nahmen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Altenpfleger, Ärzte und die leitenden MFAs teil und ich wurde Zeugin einer Zusammenarbeit und Kommunikation, die ich so bis dahin noch nicht erlebt hatte. Im engen Kreis wurde besprochen, wie für das Programm in Frage kommende Patienten am besten unterstützt und Angehörige dabei im Idealfall noch entlastet werden könnten. Das Ziel war, die Alltagsfähigkeiten und Selbstständigkeit der Patienten soweit möglich zu erhalten oder wiederherzustellen.

An diese LIA-Sitzung musste ich durch die Hausbesuchsrunde mit Frau Ebner nun wieder denken. Nur Patienten, die motiviert sind mitzumachen und deren Angehörige auch Interesse daran zeigen, kommen für diese besondere Betreuung in Frage. Seit dem lässt mich der Gedanke nicht mehr los, dass noch viel mehr ältere Menschen von genau so einer weitsichtigen und auf den jeweiligen Patienten fein abgestimmten Betreuung profitieren würden, aber die Ressourcen auch hier knapp und die Angebote rar sind.

Genauso spannend und gedankenanstoßend ging die Woche weiter: ich hatte ein kleines Erfolgserlebnis beim Befunden eines EKGs, konnte einen Klavus (orthopädisches Krankheitsbild des äußeren Fußes) diagnostizieren und durfte einen Perianalabszess unter Anleitung spalten. Außerdem wurde ich von einer Patientin gefragt, ob ich sie wieder impfen könne, weil es das letzte Mal so schmerzlos gewesen sei und durfte einem Patienten ganz alleine einen Hausbesuch abstatten! Bei dieser Gelegenheit fand ich auch heraus, wie herausfordernd Autofahren in hügeliger Landschaft bei Schnee sein kann...

In den weiteren Tagen durfte ich außerdem Dr. Blank in einer Asthma-Beratung bei einem Kind über die Schulter sehen. Hier erlebte ich einen völlig zwanglosen und selbstverständlichen Umgang mit Kindern in der hausärztlichen Praxis, der mich sehr beeindruckte. Als Student versucht man die ganze Zeit, sich die Fähigkeiten und Umgangsweisen anzueignen, die einen einmal zu dem Arzt machen könnten, der man sein will. So ist es immer wieder ein prägendes Erlebnis, einen anderen Arzt so zu erleben, wie man selbst einmal gerne sein würde.

Um der Woche noch einen krönenden Abschluss zu verleihen, bot mir Dr. Blank an, mir die ersten zwei Stunden des kommenden Montags frei zu nehmen. Dadurch entspannte sich meine Woche ungemein und es gab mir Gelegenheit, meine Eindrücke weiter zu verarbeiten. So merkte ich auch, dass ich mir gewisse Themen noch einmal genauer ansehen möchte (z.B. Asthma & EKG) und was mich diese Woche besonders beschäftigt hat. So ist für mich beispielsweise der Umgang mit Patienten mit außergewöhnlicher psychischer Belastung immernoch kontrovers in Bezug auf wieviel Zeit ich als spätere Ärztin investieren kann und darf, ohne diese Patienten zu vernachlässigen oder unwirtschaftlich zu arbeiten.

So geht nun also eine weitere ereignisreiche Woche im bayerischen Wald voller Anregungen und Vorfreude zu Ende.  

Woche 5: 16. - 22.12.2019

Weihnachten steht vor der Tür!!!
Und als ob die Bescherung schon früher sei als sonst, hatte ich diese Woche ein Highlight nach dem anderen.

Nachdem ich am Montag die ersten zwei Stunden hatte frei nehmen dürfen, ging es trotz meinem späteren Wochenstart gleich mit den verschiedensten Gründen für den Arztbesuch los. Etwas, das mich hier in der Praxis immer wieder verblüfft ist wie bereitwillig mich auch die Patienten akzeptieren und, ohne davon genervt zu sein, ihre Beschwerden zuerst mir und später auch noch den Ärzten schildern, nur um sich dann auch doppelt untersuchen zu lassen. Selten habe ich mich in meiner bisherigen Ausbildung so akzeptiert und willkommen gefühlt!

Dienstag und Mittwoch durfte ich dann Dr. Kalmancai erst in Schöfweg und dann in Auerbach begleiten, wo wir uns die Köpfe wegen einiger EKGs zerbrachen und über zwei wahnsinnig spannende Patientenfälle diskutierten.

Glücklicherweise konnte uns Dr. Machac dann Donnerstag mit den EKGs weiterhelfen und ich konnte die Fälle sogar in der Fallbesprechung vorstellen. An diesem Tag war auch Nora, eine Studentin aus der Region im Zuge einer kurzen Hospitation anwesend. Von ihr war ich sehr beeindruckt, als sie Donnerstag mit mir einige Patienten untersuchte. Im ersten klinischen Semester vor Patienten so einen souveränen und selbstbewussten, aber zugewandten Eindruck zu machen hätte ich vermutlich nicht geschafft.

Freitag wieder in Auerbach, gratulieren einige der Arzthelferinnen und ich Dr. Kalmancai zum Geburtstag. Die Arzthelferinnen hatten sogar einen Kuchen und Kindersekt zum Anstoßen besorgt. Selbst eine Patientin kam, nur um zu gratulieren!

Und so läuteten der Vormittag in Auerbach, meine zweite Saxophon-Unterrichtsstunde und der Nachmittag in Kirchberg, wo sich alle anwesenden Arzthelferinnen von mir herzlich verabschiedeten und wir uns frohe Weihnachten wünschen konnten, das vierte Advent-Wochenende ein.

Woche 7: 30.12.2019 - 05.01.2020

Ein frohes neues Jahr allen Lesern!

Nachdem ich vergangene Weihnachtswoche, um Nichts zu verpassen, bereits über Fernkonferenz an der Montagsbesprechung zum Thema Borreliose teilnehmen konnte, ging die erste Woche im neuen Jahr bereits wieder spannend los.

Diese Woche beschäftigte mich ein Thema neben meinen allwöchentlichen persönlichen Highlights ganz besonders: ärztlicher Individualismus.

Als Student bei einem Arzt mitlaufen und lernen zu dürfen ist immer wieder eine große Ehre, da es von großem Vertrauen seitens des Arztes zeugt. Gleichzeitig stellt das aber natürlich immer wieder sowohl für den Arzt als auch den Studenten eine gewisse Herausforderung dar.

Da ich praktische Lehre bisher nur von studentischer Seite her erlebt habe, kann ich natürlich nur aus dieser Perspektive erzählen: hier verlangt es Einiges an Anpassungsbereitschaft, sich auf die Arbeitsweise des lehrenden Arztes einzustellen und daran anzupassen, ebenso muss man das Beobachtete und Erlernte reflektieren und filtern.

Als Studentin fiel es mir oft schwer, ärztlichen Stil, der durchaus von Arzt zu Arzt stark variiert, von ärztlichem Handeln zu unterscheiden.
Was ist zwingend wichtig, sich zu merken, weil man das auf jeden Fall genauso machen muss, um seine Patienten regelrecht zu versorgen? Was ist einfach Teil des individuellen ärztlichen Charakters und kann, muss aber nicht so übernommen werden?

Eine Erkenntnis, die sich in mir immer mehr festigt ist, dass jeder Arzt, den ich bisher im beruflichen Umfeld erleben durfte, seinen oder ihren Job gut macht. 
Für mich ist das keine selbstverständliche Erkenntnis. In Zeiten der zunehmenden - zugegebenermaßen manchmal berechtigten - Kritik an Ärzten und dem ärztlichen Beruf fängt man auch als Student an, zu zweifeln.

Vom Augenblick an, da das Umfeld erfährt, dass es ein Medizinstudium werden soll und man Arzt werden möchte, muss man sich nicht nur Lob sondern genauso Kritik anhören. Man muss sich sozusagen stellvertretend für alle ärztlichen Fehler entschuldigen und ein Berufsethos verteidigen, von dem man noch kaum etwas weiß. So ist es leicht nachzuvollziehen, dass sich das Bild einer “mathematischen Medizin” aufdrängt: Behandlung A ist richtig, alles andere ist falsch.

Umso mehr überrascht es dann natürlich, wenn man merkt, dass man sowohl Behandlung A als auch Behandlung B oder C anwenden kann und die eigentliche Kunst darin besteht, zu verstehen, was der individuelle Patient braucht und wovon er am meisten profitiert.

So bin ich immer wieder beeindruckt, wie viel Individualismus Teil des ärztlichen Berufs sein kann, ohne Patienten zu gefährden - im Gegenteil! Ich habe das Gefühl, dass jeder Patient sich den Arzt sucht, bei dem er sich am besten aufgehoben fühlt - und damit genau die Art der Behandlung erhält, die er sich wünscht.

Wie auch immer die Meinung zu beispielsweise Vitamin-D-Substitution oder Homöopathie seitens des Arztes sein mag - bei unstrittigen Themen oder leicht zu übersehenden Notfällen beachteten alle Ärzte, die ich bisher erleben durfte, die Red Flags (Warnsignale), fragten sie aktiv ab und handelten entsprechend.

Eine schöne Neujahrs-Erkenntnis also: Auch im medizinischen Bereich macht jeder seinen Job nach bestem Wissen und Gewissen - und das ist garnicht so schlecht.

Woche 8: 06.01. - 12.01.2020

Die vergangene Woche begann wegen des Feiertags (Heilige Drei Könige) zwar mit etwas Verspätung, war aber dafür umso ereignisreicher!

Dienstag und Donnerstag begleitete ich Dr. Kalmancai in Auerbach bzw. zeitweise auch in Schöfweg, um den Krankheits- bzw. Heilungsverlauf einiger gemeinsam gesehener Patienten mit begleiten zu können.
Hier waren für mich beispielsweise einige Wundkontrollen nach Herausschneiden eines Muttermals oder einer an der Brotschneidemaschine zugezogenen Schnittwunde besonders spannend.
Das ist etwas, was ich mittlerweile besonders wertschätze: dass man Patienten schon kennt, oft weiß, weswegen sie kommen und den Verlauf dadurch viel besser einschätzen kann! Umso schöner ist es natürlich, wenn Patienten einen selbst wiedererkennen, und sich dann auch noch freuen! Nach 6 Jahren des Studiums lässt diese Wertschätzung einem regelrecht das Herz aufgehen.

Mittwoch durfte ich noch einmal Dr. Kammerl in seiner nephrologischen Sprechstunde begleiten, bei der ich auf besonders spannende und eindrückliche Art und Weise die fachärztliche Betreuung auch einiger unserer Patienten miterleben konnte. Gefühlt ermöglicht es ein ganz anderes Verständnis für die individuelle Situation eines Patienten, wenn man erlebt, wie die Mitbetreuung an anderer Stelle abläuft und wie kompetent fachärztliche Kollegen die spezielleren Aspekte einer Behandlung mittragen.

Dr. Kammerl gab sich auch besondere Mühe, mich viel unter Anleitung selbst machen zu lassen, so zum Beispiel auch Ultraschalluntersuchungen des Abdomens mit besonderem Augenmerk auf die Nieren sowie Einschätzen von Blutgasanalysen.
Bei so viel Unterstützung und guter Lehre wundere ich mich immer wieder, warum im Bayerischen Wald ein solcher Ärztemangel herrscht.

Für die kommende Woche stehen nun einige Hospitationen an, auf die ich sehr gespannt bin, nächste Woche aber mehr dazu.

Woche 9: 13.01. - 19.01.2020

Das Team  der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald gibt  mir aktiv immer wieder die Möglichkeit, auch andernorts Ärzte in ihrem Alltag zu begleiten und über deren  Schultern zu schauen - eine sogenannte Hospitation.

Nachdem ich nun bereits zwei Mal bei Dr. Kammerl hospitieren durfte, hatte ich diese Woche gleich zwei weitere Hospitationen andernorts!

Die ersten beiden Tage verbrachte ich in der Arberlandklinik in Viechtach in der Abteilung der neuen Chefärztin Frau Dr. Jana Riedl.

Frau Dr. Riedl und ihr Team haben bei mir einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht genug, dass es eine junge Frau an einer Klinik bereits zur Chefärztin gebracht hat, nein - obendrein wird noch großer Wert auf die Weiterbildung der Assistenzärzte und die patientennahe Betreuung gelegt.
Ihre Arbeitsphilosophie:
“Jede Untersuchung und Behandlung eines Patienten ist in erster Linie eine persönliche Begegnung mit und Beziehung zu einem kranken, besorgten Menschen, der ein Recht auf professionelle Hilfe, wenn möglich Heilung, auf jeden Fall ein Recht auf menschliche, verständnisvolle Zuwendung hat.”

Als Studentin bekam ich sogar für die zwei Tage Hospitation in der Klinik Arbeitskleidung, einen Hospitationsvertrag und kostenlose Verpflegung.
Am ersten Tag wurde ich bereits dem leitenden Oberarzt, Herrn Dr. Metzger, zugeteilt, um ihn zu begleiten. Hier sah ich in Begleitung von Dr. Metzger zum ersten Mal einen sogenannten “Gummibauch” im Zuge einer akuten Pankreatitis, Pendelperistaltik des Darms in der Ultraschalluntersuchung und das Bild einer Cheyne-Stokes-Atmung - alles Symptome, die ich bisher nur aus dem Lehrbuch kannte und die nun in meinem Kopf zum Leben erweckt wurden.

Ein trauriger Aspekt des Klinikalltags, der in der allgemeinmedizinischen Praxis weniger präsent ist, war der Tod zweier Patientinnen.
Was mich schockierte, war, dass ich beide Patientinnen noch am Montag gesehen und mit untersucht hatte. Nie hätte ich gedacht, dass ausgerechnet diese beiden Frauen über Nacht von uns gehen würden. Dieser Umstand beschäftigte mich noch eine ganze Weile…

Donnerstag durfte ich  Dr. Vollath in Zenting in seiner Sprechstunde begleiten, bei dem ich bereits im März zur Famulatur gewesen war.
Ich freute mich sehr, Dr. Vollath und seine Frau, die ihn als Arzthelferin nach Kräften unterstützt, wieder zu sehen! Ich wurde herzlich begrüßt und prompt wieder in den Praxisalltag integriert. Nicht nur die Arzthelferinnen sondern sogar einige Patienten erinnerten sich an mich!
Außerdem bekam ich die Möglichkeit, Dr. Vollath noch einmal mit meinem durch das zweite Staatsexamen etwas aufgefrischten Wissen über die Schulter zu schauen.

Alles in Allem war dies also eine sehr abwechslungsreiche und gedankenanregende Woche!

Woche 10: 20.01. - 26.01.2020

Dank der angenehmen Arbeitszeiten hier in der Praxis kann ich an einigen Wochenenden weiterhin meinem Nebenjob als studentische Hilfskraft im Giftnotruf in München nachgehen - das ist etwas, was ich sehr genieße, da es mich nicht nur finanziell unterstützt, sondern ich dort in entspannter Atmosphäre auch viel lerne.

Vergangenes Wochenende war ich also wieder für einige Schichten dort und in einer ruhigen Minute kam ich mit einem anderen PJler, der ebenfalls dort arbeitet, ins Gespräch.
Natürlich tauscht man sich untereinander aus: Wie ist das PJ an anderer Stelle?, Lernt man viel?, Wie sind die Kollegen?, usw..
Im Zuge dessen kam das Gespräch auf meine Hospitation in der Abteilung für Innere Medizin und das Thema, das mich schon die ganze Woche beschäftigt hatte: das Versterben von Patienten.

Nun ist ja der Tod ebenso wie die Geburt integraler Bestandteil des Lebens.Trotzdem sticht der Tod eines Menschen immer wieder hervor und fühlt sich für Ärzte ebenso wie Angehörige manchmal an, wie das Versagen der Medizin.
Im Medizinstudium hört man mittlerweile viel zu Palliativmedizin, ebenso zu “terminalen” Erkrankungen, aber im klinischen Alltag  hat man den Tod bisher noch nie erlebt.

Was mich nun die ganze vergangene Woche beschäftigt hatte war, dass ich bei den beiden verstorbenen Patientinnen in Viechtach die Situation noch am Vortag völlig anders eingeschätzt hatte. Wenn ein Patient eine sogenannte terminale Erkrankung hat, also beispielsweise eine Tumorerkrankung im Endstadium, rechnet jeder mit dem Tod, zumindest über kurz oder lang.
Aber wenn ein Patient einfach nur “Alter” hat, was dann? Noch dazu mit Symptomen, denen mit Medikamenten mittlerweile oft sehr einfach beizukommen ist.

In dem Fall der beiden verstorbenen Patientinnen hatte ich zu keinem Zeitpunkt, in denen ich sie begleiten durfte, den Eindruck, dass der Tod kurz bevor stünde - und doch klärte der leitende Oberarzt noch am Vortag die Angehörigen über das mögliche baldige Ableben der Patienten auf.
Wie lernt man das? Woran merkt man, dass ein Mensch kurz vor dem Ende seines Lebens steht? Klärt man ihn darüber auf? Und ganz besonders: Was ist, wenn man falsch liegt?

Viele Fragen, die mir nun also im Kopf herumgeistern... Vielleicht hilft mit den Jahren irgendwann die Erfahrung, sie zufriedenstellend beantworten zu können.

Woche 11: 27.01. - 02.02.2020

Vergangene Woche durfte ich eine unserer Weiterbildungs-Assistentinnen, Rebecca Ebner, in ihre zweite Praxis begleiten. Das Ehepaar Stern, das gemeinsam eine Praxis führt, hatte ich bereits früher auf einer gemeinsamen Fortbildung mit Dr. Blank kennengelernt und freute mich nun, Frau Ebner auch in diesem ärztlichen Umfeld begleiten zu dürfen.

Dr. Stern, der eine sehr direkte, strukturierte Art im Umgang mit den Patienten hat, erklärte mir einiges zur Chirotherapie und ich durfte zusehen, wie er einem Patienten auf sehr beeindruckende und einfach anmutende Weise eine Facettengelenk-Blockade der Wirbelsäule löste.
Dr. Stauber-Stern wiederum verkörpert, was ich mir immer als “den klassischen Landarzt” vorgestellt hatte: jemand, der einen Überblick über nahezu die ganze Lebenssituation eines Patienten hat und diese in die ganzheitliche Behandlung einzubeziehen weiß.
Beide waren sehr bemüht, mich Vieles selbständig machen zu lassen, meine Fragen zu beantworten und mir eine Menge beizubringen, wodurch mir schon der erste Tag bei ihnen große Freude bereitete.
 
Am Mittag des zweiten Tages durfte ich Dr. Ebner auf ihrer Hausbesuchstour in und um Geiersthal begleiten.
Dabei lernten wir eine äußerst rüstige ältere Dame kennen, die uns nicht nur durch ihre Art beeindruckte. Dr. Ebner bat sie, wie bereits bei einem früheren Hausbesuch, ein selbst verfasstes Gedicht vorzulesen.
Mit Erlaubnis der Patientin darf ich ihr Gedicht, auf ihre Bitte hin anonym, zitieren:

Wenn ich Erde zwischen den Fingern spüre
Wenn ich seh, wie eine Knospe sich entfaltet
Wenn ich den Duft der Rosen einatme
Dann lösen meine Sorgen sich so schnell in Luft auf,
Dass ich gar nicht mehr verstehe,
Warum ich einen Moment vorher
Noch so bedrückt war

Mich berührte dieses Gedicht sehr. Es sprach für mich von großer Willensstärke, die es mit Sicherheit braucht, sich im hohen Alter nicht gehen zu lassen, von Wehmut und von einer Liebe zum Leben, die man, wie ich finde, nicht oft sieht. Und die Patientin freute sich unbändig, dass jemand ihre Gedichte zu schätzen wusste.

Woche 12: 03.02. - 09.02.2020

Diese Woche hat eine weitere Studentin in der Praxis angefangen.
Isabell, die Sonntag Abend angereist ist, wohnt in der großen Studentenwohnung nebenan. Nach einigen gemeinsamen Abendessen mit ihr und Dr. Purman, fühlt es sich bereits beinahe an wie eine Studenten-WG.
Während ich schon davor meine Wohnung hier - ganz oben am Berg mit einer Aussicht über ganz Kirchberg und Umgebung, mit dem Eingang über den Friedhof, der Sonne über dem Hochnebel und dem grenzenlosen Sternenhimmel abends - unendlich genossen habe, hat es damit noch einen ganz anderen Anflug von Zuhause bekommen. Langsam werde ich traurig, dass sich mein PJ-Tertial hier dem Ende neigt, denn wie kann es woanders noch schöner werden?

Auf den Boden der Tatsachen holte mich dafür der Journal Club des Guad Netzwerks am Mittwoch...
Der Journal-Club des Guad Netzwerks findet ungefähr alle 6 Wochen statt und ist ein Abend, an dem Mitglieder des Guad-Netzes und solche, die es noch werden wollen, gemeinsam über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Veröffentlichungen diskutieren. Vorab werden die zu diskutierenden Artikel bereits in einem gemeinsamen Online-Dokument für alle Teilnehmer sichtbar zusammengestellt.  
Rebecca Ebner, eine der Weiterbildungsassistentinnen der Praxis, hatte auch einen Artikel vorbereitet, konnte aber wegen ihrer Balint-Gruppe (einer Arbeitsgruppe aus 8 - 12 Ärzten, in der Erfahrungen reflektiert und auf die Arzt-Patienten-Beziehung eingegangen wird) nicht teilnehmen.
Die Präsentation und Moderation der folgenden Diskussion ihres Artikels durfte ich übernehmen.

Meine Nervosität kannte keine Grenzen.
Drei Nächte zuvor saß ich bis spät nachts im Bett und recherchierte das Thema “Arterielle Hypertonie: deutlich weniger kardiovaskuläre Ereignisse bei abendlicher statt morgendlicher Einnahme von Antihypertensiva” und die nötigen Hintergrundinformationen.
Es ging sogar soweit, dass ich zwei Tage zuvor meinen ehemaligen Pharmakologie-Dozenten kontaktierte, um spezielle Rückfragen zu klären.
In der Nacht auf Mittwoch konnte ich kaum schlafen.

Tags darauf versuchte ich in jeder freien Minute mir noch einmal die wichtigsten Punkte des Artikels vor Augen zu führen.
Schlussendlich kam der Abend und die Mitglieder des Guad-Netzes trafen in der AOK in Regen ein.
Ich hatte Lampenfieber, wie ich es bisher nur vor meinen zwei Staatsexamina gekannt hatte...
Und dann war es soweit! In der Diskussionsrunde vorab setzte ich mich mit zwei ärztlichen Kollegen zusammen, stellte die Studie vor und gab meine Kritikpunkte zum Besten und - wir diskutierten. Nach höchst erfolgreichen und gar nicht schlimmen 15 Minuten setzten wir uns wieder mit den anderen Kleingruppen an den Tisch und jeder, der einen Artikel recherchiert hatte, stellte ihn der Reihe nach vor.
Selbst an der Reihe wiederholte ich das zuvor in der Kleingruppe erprobte und berichtete, was wir bereits diskutiert hatten - und siehe da, es klappte! Ich bekam sogar ein anerkennendes “Oha!” von Dr. Kleudgen, einer der Fachärztinnen unserer Praxis und eine Ärztin, die einen unfassbar großen Wissensschatz und große Eloquenz besitzt.
Es überrascht mich immer wieder, wie sehr es einen euphorisieren kann, sich nicht blamiert zu haben!

Danach ließ ich die Woche mit kulturellen Veranstaltungen des bayerischen Walds ausklingen: der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten für die anstehende Wahl in Kirchberg und dem Schülerkonzert meiner Saxophonlehrerin.
Nach einer Weile möchte man hier fast nicht mehr weg...

Woche 13: 10.02. - 16.02.2020

Ein besonderer Höhepunkt vorletzte Woche war, dass zwei Freundinnen, die ich im Exzellenten Winter 2019 kennen gelernt hatte, mich am Wochenende besuchen kamen. Wieder gemeinsam im bayerischen Wald erinnerten wir uns gemeinsam an das Projekt im vergangenen Jahr und stellten fest, dass es für uns alle drei eine der schönsten Erfahrungen bisher gewesen war.

Heute habe ich bei Sarah Moschko, einer ehemaligen PJ`lerin der Praxis, ein wenig in den deren Erfahrungsberichten quer gelesen und war einmal wieder begeistert, mit welcher Tiefe sie schreibt und wie sehr ich mich in ihren Tagebucheinträgen wiederfinde.
Exakt vor einem Jahr schrieb Sarah über Unsicherheit im (haus-)ärztlichen Alltag - ein Thema, mit dem ich selbst nun tagtäglich konfrontiert bin.

Vor zwei Wochen, als meine beiden Kommilitoninnen zu Besuch waren, redeten wir auch über Schwierigkeiten im Studium und Sorgen bezüglich des Berufsanfangs.
Was, wenn man Fehler macht? Was, wenn man sich nicht genug aus dem Studium behält? Was, wenn man einem Patienten nicht helfen kann?
Uns alle quälte die Furcht, in Zukunft etwas zu übersehen oder falsch einzuschätzen, wofür unsere Patienten dann die Konsequenzen tragen müssten. Wie kann man nach dem Studium schon voll verantwortlicher Arzt sein, was bereitet einen darauf vor?

Doch in den vergangenen Monaten in der Praxis habe ich gemerkt, wie ich immer sicherer im Umgang mit Patienten werde. Ähnlich wie Sarah Moschko vor einem Jahr nehmen auch mich die Patienten immer ernster, sind vollauf zufrieden, mit mir reden zu können und danken noch einmal explizit mir, wenn einer meiner ärztlichen Kollegen sie nach gemeinsamer Begutachtung verabschiedet.

Etwas, was ich hier gelernt habe, aber im Gegensatz zu meiner Vorgängerin nicht als Schwäche empfinde, ist die Möglichkeit, Patienten durch Einbeziehung beruhigen zu können.
Leider lässt sich auch nach ausgiebiger Diagnostik häufig nicht genau feststellen, woher manche Beschwerden, mit denen Patienten sich bei uns vorstellen, kommen.

Weiters habe ich hier gelernt, dass auch ein negatives Ergebnis einen Wert hat - ich habe nicht mehr wie früher das Gefühl, dann mit leeren Händen vor den Patienten zu stehen und sagen zu müssen “Ich weiß es auch nicht”. Stattdessen kann ich dem Patienten erklären, was wir bereits untersucht haben, was wir dadurch ausschließen konnten, wofür es außerdem keinerlei Hinweise gibt und dass es damit vorerst nichts Schlimmes sein kann.

Was für mich anfangs völlig verblüffend war: den Patienten reicht das oft.
Sie sind erleichtert und akzeptieren ihre Beschwerden als nicht besorgniserregend, integrieren sie in ihr Leben und oft verschwinden diese dann von selbst wieder. Nur wir als angehende Ärzte stehen da und wüssten gerne, was es war.

 

Woche 14: 17.02. - 23.02.2020

Diese Woche zog sich das Thema “Kinder in der hausärztlichen Praxis” wie ein roter Faden durch mein Programm. Ich hatte wieder zwei Hospitationen: Montag und Dienstag bei Frau Dr. Pinker, Donnerstag und Freitag bei  Frau Dr. Schnopp.

Dr. Pinker ist eine Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin in einer Gemeinschaftspraxis in Frauenau, die viele Kindervorsorgeuntersuchungen macht, weshalb ich unbedingt auch einmal bei ihr hospitieren wollte.
Dr. Pinker, die selbst noch mit einer hartnäckigen Erkältung zu kämpfen hatte, arbeitete unermüdlich den großen Andrang an Patienten ab während sie mir nebenbei immer wieder Zusammenhänge erklärte und ich selbst die Patienten auch noch untersuchen durfte.
Besonders viel Spaß hatte ich bei den Kindervorsorgeuntersuchungen, bei denen die Mütter danach immer ganz stolz waren, wenn ihre Kinder schon spielen, schreiten oder sitzen konnten.

Dr. Schnopp ist Dermatologin in einer Gemeinschaftspraxis für Dermatologie und Andrologie in München und wurde mir von Dr. Blank besonders in Bezug auf Neurodermitis und atopisches Ekzem bei Kindern anempfohlen.
Hier konnte durfte ich bei Probenentnahmen, Muttermalentfernungen und Kürettagen von Seborrhoischen und aktinischen Keratosen zusehen, Fragen aus früheren Fallbesprechungen in Kirchberg anbringen und wurde sogar von den ärztlichen Kollegen in der Gemeinschaftspraxis zu besonders spannenden Fällen dazugeholt!
Nach den zwei Tagen bei Dr. Schnopp und ihren Kollegen ist mein Notizbuch nun beinahe voll und ich werde sicher noch einige Tage brauchen, alles, was ich mir vorgenommen hatte, nachzuschlagen.

Obendrein wurde diese Woche ein Artikel über die “Landarztmacher” und das Projekt der Exzellenten Sommer/ Winter in der Passauer Neuen Presse veröffentlicht, für den ich als ehemalige Teilnehmerin und “Rückkehrerin” interviewt und abgelichtet worden war.
Dienstagmorgen begrüßte mich das Praxisteam von Dr. Pinker völlig begeistert mit dem Ausruf “Du bist in der Zeitung!!!” und einem eigens für mich mitgebrachten Ausschnitt und mehrere Patienten sprachen mich sowohl dort als auch in Kirchberg am darauffolgenden Tag auf den Artikel an.

Eine höchst ereignisreiche Woche also, die direkt in einen Wochenstart mit einer weiteren Hospitation mündet, aber dazu nächste Woche mehr.
 
So sehr mich aber die Ärzte, bei denen ich bisher hospitieren durfte, wirklich schwer beeindruckt haben, freue ich mich doch langsam wieder darauf, mit meinen Kollegen in der Gemeinschaftspraxis zusammenarbeiten zu können.
Und mit leiser Wehmut blicke ich dem Ende meines Tertials in zwei Wochen entgegen...

Wochen 15 & 16: 24.02. – 08.03.2020

Meine letzten beiden Wochen im bayerischen Wald läutete eine letzte Hospitation ein: ich verbrachte zwei Tage bei Dr. Blaha und seinem Team in der Viszeralchirurgie in Zwiesel, wo ich ein sehr motiviertes Team an jungen Ärzten kennenlernte und bei Dr. Blahas Sprechstunde assistieren durfte.

Die restlichen Tage waren gefüllt vom Abschied nehmen, sowohl abends in privater Runde als auch tagsüber in den verschiedenen Praxen und von den Patienten.
Erst im Nachhinein wird mir so richtig klar, wie unglaublich viel ich in dieser kurzen Zeit gelernt habe, wie viel mehr mir jetzt logisch oder sogar einfach erscheint und wie viel mehr Selbstvertrauen mir die Zeit im bayerischen Wald geschenkt hat.

In welchem Ausmaß besonders und einzigartig dieses Arbeitsumfeld und das gesamte Team sind, wird einem erst im Vergleich mit anderen medizinischen Umgebungen wirklich bewusst.

Es ist seitdem kein Tag vergangen, an dem ich mich nicht an diese Zeit zurückerinnert und an meine Kollegen gedacht habe, und ich bin unendlich dankbar, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen.

 

Andrea Thiel & Sebastian Bender

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Woche 1:
„Grüß Gott“ wir sind die neuen PJler Andrea und Sebastian und werden die Tradition fortführen wöchentlich von unseren Eindrücken zu berichten. Durch „PJ ranking“ auf die Gemeinschaftspraxis aufmerksam geworden, sind wir vor einer Woche aus dem Saarland angereist! Wir beziehen die schöne PJler Wohnung im Pfarrhaus direkt auf dem Kirchberg, in der man sich dank der gemütlichen Einrichtung direkt wohl fühlt. Sonntagabend steht auf einmal überraschend Dr. Blank vor der Tür, um uns freundlich Willkommen zu heißen und für die erste Woche einzuteilen. Tag 1 startet am Standort Rinchnach (10min mit dem Auto), wo uns die zwei jungen Assistenzärztinnen Dana Sujova und Rebecca Ebner freundlich empfangen und gemeinsam mit den ebenso zuvorkommenden Praxishelferinnen in den Praxisalltag einführen! Um 12:30 Uhr lernen wir dann weitere Kollegen des Teams kennen - wenn auch nur über den Bildschirm in der wöchentlichen Skype-Fortbildung! Diese behandelt das Thema MS und gemeinsam mit den erfahrenen Kollegen aus der Praxis, den Assistenzärzten, die zum Teil gerade einen Weiterbildungsabschnitt in der neurologischen Einrichtung absolviert haben und uns „Frischlingen aus der Uni“ hangeln wir uns an wichtigen Symptomen, Diagnostik, Therapie und ethischen Fragen entlang. Uns wird bewusst, dass wir unser Uniwissen an vielen Stellen noch umsortieren müssen und welch hohen Stellenwert in der Praxis die Anamnese und körperliche Untersuchung haben bevor ggf. weitere Diagnostik wie ein MRT folgt!  Dienstag und Donnerstag Nachmittag werden ebenfalls per Skype mit den Kollegen Patientenfälle reflektiert, deren Verlauf entweder besonders lehrreich war oder wo es ggf. Unklarheiten gab. Uns fällt hier nochmal mehr der gute Wissensstand und der angenehme Rückhalt im Team auf, der einen wirklich motiviert und inspiriert daheim Themen nachzuarbeiten. Unseren eigenen Lernstand können wir die Woche zusätzlich auf ganz spezielle Art verbessern: Im Arberland organisiert Dr. Blank gerade gemeinsam mit den „LandArztMachern“ den Exzellenter Winter, ein tolles Projekt in dem 20 Studenten ihre Landarztfamulatur auf besondere Weise erleben! Wir haben das große Glück an den Kursen teilnehmen zu dürfen und so bekommen wir super Teachings in Geriatrie, Orthopädie, Ekg und Nähen! Sonntags können wir als „besonderes Schmankerl“ sogar am Freizeitprogramm teilnehmen und lernen den Bayrischen Wald mit Schlittenhunden kennen! Wochenfazit: ein perfekter Start ins Wahltertial!


Woche 2:

In die zweite Woche starteten wir an separaten Standorten - während Sebastian in

Rinchnach Dr. Machac begleitete, durfte ich in Kirchberg mit Dr. Blank zusammenarbeiten.

Wir Studenten gehen als Erstes zum Patienten, erheben eine ausführliche Anamnese und

beginnen mit der entsprechenden Untersuchung. Die meisten Patienten begegnen uns sehr

offen und sind das Vorgehen durch unsere zahlreichen Vorgänger schon gewohnt. Wenn die

Ärzte nachkommen, stellen wir den Patienten vor. Hierdurch kann der Patient kontrollieren,

ob wir alles richtig verstanden haben (was bei unseren miserablen Bayrischkenntnissen

durchaus manchmal schwierig ist ) und der Arzt kann überprüfen, ob wir alle wichtigen

Punkte erfragt haben. Wir sahen an diesem Vormittag in Kirchberg sehr viele Patienten und

ich merkte wie anstrengend es sein kann, die Konzentration aufrecht zu halten und trotz des

vollen Wartezimmers jedem Patienten genügend Zeit zu schenken. Hier fällt die gute

Organisation der Praxis auf, in der die Helferinnen mit dem Arzt Hand in Hand arbeiten und

ihn z.B. durch das Vorbereiten der Rezepte entlasten. Auch ist uns nochmal ein Vorteil einer

Gemeinschaftspraxis bewusst geworden: Dr. Machac konnte mit Sebastian in Rinchnach

über den PC die Patientenzahl an allen Standorten überblicken und so gegen Mittag zur

Verstärkung nachrücken. Danach fanden sich dann alle zur regelmäßigen

Montagsfortbildung ein. Diese Woche stand das Thema Haarausfall auf dem Plan. Wir

besprechen die richtige Anamnese, mögliche Diagnostik und die wichtigsten Ursachen. Am

Dienstag waren wir dann beide in Rinchnach eingeteilt und hatten am Vormittag die

Möglichkeit, Patienten die zum Check-up einbestellt waren vorzuuntersuchen. Wir merkten,

dass uns hier noch ein Konzept fehlt und wollen uns dieses für die nächste Woche

erarbeiten. Mit Dr. Blank diskutierten wir danach über den Sinn einiger

Vorsorgeuntersuchung, was uns sehr zum Nachdenken anregte und uns ermunterte den

Nutzen von Untersuchungen kritisch zu hinterfragen. Den Abend verbrachten Dr. Blank und

wir gemeinsam mit Christian Wehner und Sabrina Kriechbaum, zwei sehr netten

Physiotherapeuten aus München, die für das Studententeaching der Landarztmacher am

Mittwoch angereist waren. Beim Essen kamen sehr interessante Themen auf, wie

beispielsweise die Herausforderung, „Pharma freie“ Medizin zu betreiben. Am nächsten Tag

durften wir die Physiotherapeuten dann in Action erleben und lagen beim Untersuchen von

Wirbelsäule, Knie und Schulter selbst Hand an! Wir nahmen auch am Kinderteaching teil.

Hierzu wurden extra einige Kindergartenkinder und Säuglinge eingeladen, die von uns und

den 20 Studenten des exzellenten Winters fleißig untersucht wurden. Wir haben für unser

PJ-Tertial auf Rat von Dr. Blank ein Curriculum erstellt, welches für jede Woche ein Thema

und Ziele vorsieht. Diese Woche stand für uns das Herz sowie damit verbundene

Erkrankungen im Mittelpunkt und wir setzten uns nach Feierabend mit den Leitlinien zur

Herzinsuffizienz, Arteriellen Hypertonie und dem kardiovaskulären Risiko auseinander.

Sebastian sammelte am Freitag noch sehr interessante Eindrücke beim Rheumatologen Dr.

Kirrstetter in Deggendorf, ich darf dort am Montag hospitieren. Den Samstag verbrachten

wir wieder mit den Studenten vom Exzellenten Winter: Tagsüber lernten wir die Bergwacht

in Wolfstein kennen und den Abend verbrachten wir gemeinsam in einer der gemütlichen

Unterkünfte der Studenten. Die Studenten sind leider nur noch eine Woche hier, was wir

ganz schade finden, da es eine sehr aufgeschlossene Truppe ist! Für den Sonntag hatten wir

eigentlich geplant, an unseren Doktorarbeiten weiterzuschreiben… da jedoch in vielen

Skigebieten die letzte Möglichkeit zum Skifahren bestand, entschieden wir uns den

Bayerwald noch einmal auf Skiern zu erkunden! Nach den Einblicken in die Arbeit der

Bergwacht wussten wir uns ja nun in sicheren Händen.

Woche 3:

Eine neue Woche verging wie im Flug. Wer Angst hat, hier Langeweile zu bekommen, kann

beruhigt sein! Hier ist immer was los. ;)

Andrea hospitierte am Montag ebenfalls beim Rheumatologen Dr. Kirrstetter in Deggendorf.

Eine gute Erfahrung, insbesondere da der Rheumatologe seine Praxis ausnahmsweise zur

Sprechstunde ausschließlich für „neue“ Patienten geöffnet hatte. Dementsprechend

gründlich wurde die Vorgeschichte, die Symptome und Risikofaktoren des Patienten erfragt

und die körperliche Untersuchung durchgeführt. Dr. Kirrstetter nahm sich für die Patienten

jeweils eine komplette Stunde Zeit, erklärte zwischendurch viel und führte von entzündeten

Gelenken ein Ultraschall durch.

Eine ganz andere Patiententaktung erlebte Sebastian beim Dermatologen. Natürlich kann

man dies nicht direkt vergleichen, da der Dermatologe seine übliche Sprechstunde hatte und

somit viele Patienten vorbekannt waren und nur zur Kontrolle kamen. Wir führten

gemeinsam Hautscreenings durch und operierten mehrere Muttermale heraus.

Montags besprachen wir in der Fortbildung Differenzialdiagnosen des Oberbauchschmerzes.

Insbesondere lernten wir ein strukturiertes Vorgehen durch Abarbeiten von sechs

Kategorien: Stoffwechsel/Tumor/Vaskulär/Entzündung/Trauma/Psyche. Dies ist sicherlich

sowohl im „wahren Leben“ als auch in der mündlichen Prüfung eine gute Herangehensweise

und hilfreich, um alle Ursaschen in Betracht zu ziehen. Prompt konnte Andrea ihr Wissen in

den nächsten Tagen anwenden, als sich ein Patient mit Schmerzen im Epigastrium vorstellte.

Bei der körperlichen Untersuchung fielen fehlende Darmgeräusche auf und im Ultraschall

zeigte sich eine typische Pendelperistaltik, sodass der Patient mit V.a. Ileus ins Krankenhaus

eingewiesen wurde. Sicherlich ein seltenes Krankheitsbild in der allgemeinmedizinischen

Praxis und daher extrem spannend. Es erinnert einen auch nochmal umso mehr daran, jeden

Patienten ernst zu nehmen und immer gründlich zu untersuchen!

Mittwochs nahmen wir am letzten Teaching des Exzellenten Winters teil, welcher leider

diese Woche zu Ende geht. Die bestens ausgebildete und sehr erfahrene MFA Petra

Weinmann stand uns als Dozentin zur Verfügung und leitet uns Studenten bei den

praktischen Übungen zum Thema „diabetischer Fuß“ an. Es kostete mehr Überwindung als

erwartet, seine Füße den anderen Studenten zum untersuchen entgegenzustrecken… wie es

da wohl den Patienten geht, die ggf. noch unangenehme Probleme an den Füßen haben?

Wir übten das in der Praxis standardisierte Vorgehen zur Befundung des Fußes, führten

gegenseitig Doppler-Untersuchungen durch und erhoben den ABI.

Am Nachmittag konnten wir uns dann per Skype von der Gemeinschaftspraxis aus zum PJ-

Unterricht in Erlangen zuschalten! Hierdurch konnten wir den interessanten Vortrag von

Prof. Kühlein zur Osteoporose mitverfolgen. Hier ging es mal nicht um die Pathophysiologie

mit Osteoklasten/-blasten und Co., sondern um die kritische Hinterfragung, ob Osteoporose

wirklich eine Erkrankung oder eher ein Symptom des Alters ist und welchen konkreten

Nutzen die Therapie in der Praxis hat.

Am Mittwochabend nahmen wir dann an der Diskussionsrunde zur Vorbereitung des Journal

Clubs teil, welcher nächste Woche stattfindet. Im Vorhinein konnte jeder in ein Dokument

eine aktuelle Studie einpflegen, die dann mit den teilnehmenden Kollegen diskutiert wurde.

Es wurde sich z.B. über den Nutzen von Honig bei Reizhusten, die Amitriptylin-Gabe bei

chronischen Rückenschmerzen oder den richtigen Zeitpunkt zum Absetzen von Statinen

ausgetauscht. Nächste Woche werden wir die Themen dann im Journal Club den

niedergelassenen Kollegen aus der Region präsentieren.

Das Wochenende leiteten wir am Freitag schlussendlich mit einem Einkauf im Kirchberger

Hofladen ein, wo wir uns mit lokalen Leckereien eindeckten.

Woche 4

Der erste Monat in Kirchberg neigt sich dem Ende. Die Woche ging wie immer rasend schnell

vorbei und der Montag startete direkt mit einem besonderen Erlebnis: uns erwartete in

Kirchberg ein Fernsehteam des Bayrischen Rundfunks! Das Wochenende zuvor hielten wir

das Ganze noch für einen Aprilscherz (Montag war der 01.04…) – aber das Kamerateam samt

Tontechniker stand in voller Montur vor uns und sah durchaus real aus. Das Team begleitete

Dr. Blank, Rebecca Ebner und uns den Vor- und Nachmittag in der Praxis, beim Hausbesuch

und interviewte uns zu unseren Beweggründen in die Allgemeinmedizin und insbesondere in

den Bayrischen Wald zu schnuppern. Wir sind gespannt auf die Ausstrahlung des rund

zweieinhalbminütigen Beitrages! In der Montagsfortbildung behandelten wir das Thema

Palpitationen/Herzrasen. Der Austausch zwischen den erfahrenen und jungen Kollegen war

wie immer wertvoll. Wir Studenten bekamen diese Woche Unterstützung durch die

Blockpraktikantin Monika, die auch noch nächste Woche hier hospitiert. Nach dem

erlebnisreichen Tag konnten wir beim Yoga in Schöfweg neue Kräfte sammeln. Schließlich

sollte man ja mit gutem Beispiel voran gehen, wenn man die Patienten täglich zu mehr

Bewegung und Stressreduktion animiert. Den Dienstag verbrachten wir in unterschiedlichen

Praxen und trafen uns dann nach Feierabend zur sechswöchig stattfindenden LIA

Besprechung. LIA steht für „Lebensqualität im Alter“ und die Arbeitsgruppe wird aus einem

Team von Ergotherapeuten, Ärzten und engagierten Arzthelferinnen gebildet. Diese

tauschten sich über ausgewählte Patienten dieses Programmes aus und überlegten

gemeinsam, durch welche Maßnahmen der aktuelle Lebens- und Gesundheitsstand der

älteren Patienten gehalten werden kann. Man kann sich nur wünschen, im Alter durch ein

ähnlich engagiertes Team betreut werden zu dürfen. Am Mittwoch lernten wir die schöne,

große Praxis in Schöfweg kennen. Damit kennen wir jetzt auch den vierten Standort der

Gemeinschaftspraxis. Auch an diesem Abend waren wir nach Feierabend noch gefordert.

Wir nahmen nämlich am Journal Club teil, der in der vorherigen Woche vorbereit wurde.

Dieser fand in Regen statt und wurde von mehreren niedergelassenen Kollegen besucht. Wir

beiden stellten eine Studie zur Aknetherapie vor und diskutierten über die therapeutischen

Möglichkeiten in der Hausarztpraxis. Auch mit anderen Themen wie der Behandlung

chronischer Rückenschmerzen oder den Nutzen von Honig gegen Husten setzten wir uns

auseinander und es war interessant, die unterschiedlichen Meinungen und

Herangehensweisen der Kollegen zu hören. Insbesondere beim Einsatz von Statinen blieben

noch einige Fragen offen, hier wurden wir PJler gebeten, eine interne Leitlinie für

Primär/Sekundärprophylaxe der Statine zu erarbeiten. Wir bekamen auch direkt eine

Adresse von einem Spezialisten an die Hand, den wir bei Fragen kontaktieren können. Den

Donnerstag verbrachte Andrea bei einem Facharzt für Hals Nasen Ohrenkunde in Grafenau.

Dr. Träger hat sehr viel erklärt und einen guten Einblick in seine Arbeitswelt gegeben. Neben

vielen Ohrspülungen gab es auch spannende Befunde wie beispielsweise ein Othämatom

oder einen großen Polypen im Gehörgang. Überrascht war ich zum einen darüber, wie viele

Patienten mit simplen Erkältungen direkt „den Facharzt“ kontaktieren, anstatt sich in einer

allgemeinmedizinischen Praxis vorzustellen. Zum anderen überraschte mich die ablehnende

Haltung einiger wirklich schwerhörigen Patienten gegenüber Hörgeräten – sind doch

Sehhilfen eigentlich viel auffälliger, aber offenbar wesentlich besser geduldet. Wir konnten

uns in dieser Woche auch in einer freien Minute mit Dr. Blank zusammensetzen, um unser

erarbeitetes Curriculum durchzusprechen. Hier schauten wir, welche geplanten Wochenziele

erreicht wurden und wo wir noch nachbessern können. Immer wieder erhalten wir ein

Feedback von Dr. Blank (sei es zum Umgang mit Patienten oder zu unsere Körperhaltung

oder unserem Kleidungsstil) welches uns sehr gut hilft uns zu reflektieren und an uns zu

arbeiten.

Woche 5:

Nach einem erholsamen Wochenende, an dem wir die nächstgrößere Stadt Deggendorf

erkundet hatten, starten wir in den zweiten Monat im bayrischen Wald! Wie schon letzte

Woche berichtet, gibt es eine Arbeitsgruppe LIA, die sich für die Lebensqualität im Alter

einsetzt. Am Montag konnte Andrea tiefere Einblicke auf diesem Feld gewinnen, indem sie

gemeinsam mit der MFA Waltraud einige ältere Menschen zu Hause besuchte. Das Ziel war

es, ein geriatrisches Assessment zu erfassen – hierzu unterhielten sie sich mit den Patienten,

führten „Time up and go“ und „Chair rising“ Tests durch und beurteilten ihre

Alltagskompetenzen. Es war sehr interessant, auch einmal Einblick in das Wohnumfeld der

Patienten zu bekommen – die zum Teil in wunderschönen Bauernhäusern (jedoch leider

auch häufig mit vielen Stufen und Stolperfallen) wohnen. In der Montagsfortbildung

besprachen wir recht spontan Differenzialdiagnosen von „einschlafenden Händen“, da sich

am Morgen zufällig zwei Patienten mit diesem Symptom in der Praxis vorgestellt hatten. Den

Dienstag verbrachte dieses Mal ich bei Dr. Träger, dem freundlichen HNO Arzt aus Grafenau.

Neben vielen fachlichen Tipps gab er uns auch ein paar allgemeine Ratschläge für den

bayrischen Wald mit an die Hand – zum Beispiel, dass die ältere Generation das Wort

„besser“ hier teilweise nicht einsetzt, um auszudrücken, dass etwas gut geworden ist,

sondern das „besser“ auch mal als Synonym für stärker stehen kann. Eine wichtige

Information, die insbesondere bei der Schmerzanamnese interessant werden kann. Wie

immer hatten wir Dienstag und Donnerstag eine einstündige Fallbesprechung per

Videozuschaltung mit allen Standorten. Hier stellte Andrea diese Woche einen spannenden

Fall vor, von einem Patienten, dessen rechte Hand angeschwollen war. Zunächst lag der

Verdacht auf ein Erysipel nahe, da dieses jedoch auf Antibiotika nicht ansprach und sich

stattdessen weiße Pusteln bildeten, überlegten wir, ob eher ein akuter Gichtschub

dahinterstecken könne. Im Verlauf bildeten sich auch bläulich livide Verfärbungen und der

Patient musste stationär eingewiesen werden. Auch dort ist man bisher ratlos, wie sich

durch einen Anruf im Krankenhaus herausstellte. Wir finden die Fallbesprechung sehr

wichtig, da hier nicht nur interessante, abwechslungsreiche Patienten vorgestellt werden,

sondern weil durch den Austausch die Fälle nochmal re-evaluiert werden und die

Entscheidung somit nicht nur auf dem Rücken von einem alleine liegt. Am

Mittwochnachmittag konnten wir uns erneut per Videozuschaltung mit dem Lehrstuhl für

Allgemeinmedizin in Erlangen verbinden und dort an einem Prüfungstraining für das

mündliche Staatsexamen teilnehmen. Auch wenn wir zum Glück noch etwas Luft haben, bis

es für uns Ernst wird, war es super nochmal einige Tipps von Prüfern mit an die Hand zu

bekommen. Insbesondere nehmen wir nochmal mit, bei der Beantwortung von Fallfragen

mit dem „offensichtlichen“ zu beginnen – beispielsweise: Ich bewerte die Situation als

Notfall/ Ich befinde mich in keiner Notfallsituation. Unser „persönliches Curriculum“ gab uns

diese Woche vor, uns insbesondere mit der Antikoagulation zu beschäftigen, sodass wir uns

die INR Einstellung mit Marcumar, das Bridging und auch die NOAKs näher anschauten.

Außerdem schauten wir diese Woche den MFAs vermehrt beim Versorgen von chronischen

Wunden zu. Ich nutze auch die Chance, um mit der MFA Beatrice einige Hausbesuche zu

fahren. Hier lernte ich viel über das Wundmanagement, was aus der Allgemeinmedizin nicht

wegzudenken ist – Stichwort: pAVK, Diabetischer Fuß. Mittlerweile kennt man sich in den

vier Praxisstandorten besser aus, weiß, wo man Hilfsmittel findet und kennt sich mit dem

organisatorischen Ablauf aus. In freien Minuten ist es unter Rücksprache natürlich auch kein

Problem, aneinander Ultraschall zu üben und auch die Patienten zeigen sich überwiegend

geduldig, da sie Studenten bereits gewöhnt sind.

Woche 6:

Passend zum schönen Frühlingswetter, das langsam im bayerischen Wald Einmarsch hielt,

besprachen wir am Montag das Thema „Heuschnupfen“ in der Videofortbildung. Hier

konnten insbesondere die zwei älteren Kollegen aus Schöfweg viele Tipps mit auf den Weg

geben, da sie die Zusatzweiterbildung als Allergologen erlangt hatten. Wir nehmen auch

nochmal besonders mit, mit wie viel Vorsicht die Hyposensibilisierung durchgeführt werden

muss und dass eine gute Compliance des Patienten hierfür unabdingbar ist.

Am Wochenende wurde im Bayrischen Rundfunk der fast dreiminütige Beitrag über die

Praxis ausgestrahlt. Jetzt können sich auch unsere Familien im entfernten Saarland und

Nordrheinwestfahlen vorstellen, wie wir hier leben und arbeiten. Auch der ein oder andere

Patient hat den Bericht gesehen und spricht uns in den nächsten Tagen darauf an. So schnell,

ist man ein Fernsehstar ;)

Aber generell ist den Kirchbergern nicht verborgen geblieben, dass zwei neue Gesichter in

ihrem Dorf wohnen. Und so kommt es auch mal vor, dass man von Patienten freundlich nach

dem Beziehungsstand gefragt wird, da daheim noch ein Neffe und eine Neffin oder ein Enkel

oder eine Enkelin säße. Etwas Humor darf zwischen den vielen kranken Menschen niemals

zu kurz kommen. Wir arbeiten diese Woche öfters mit Dr. Machac zusammen, der keine

freie Minute auslässt, um uns abzufragen. Wir geraten des Öfteren ganz schön ins

Schwitzen, aber die Zusammenhänge werden hierdurch doch klarer, das Faktenwissen

schließt sich etwas mehr zu einem Bild zusammen und man fühlt sich inspiriert, zu Hause

nochmal einiges nachzuarbeiten, um ein paar Lücken zu schließen.

Am Donnerstag konnte ich, Andrea in der Dialyseklinik in Zwiesel hospitieren. Dr. Kammerl

ist ein sehr angenehmer Kollege, der sowohl Studenten als auch den Patienten gerne viel

erklärt und sie mit viel Ruhe auf die Dialyse vorbereitet. Hier zeigte sich auch nochmal, wie

wichtig die gute Einstellung von Diabetes- und Blutdruckpatienten ist, da doch die meisten

Nierenversagen auf diese Erkrankungen zurückzuführen sind. Zusätzlich durfte ich auch auf

zwei sehr offene Patienten mit zystischer Nierenerkrankung treffen, die mir aus ihrer Sicht

schilderten, wie sie in der Familie mit dieser teils schweren Erbkrankheit umgehen. Neu war

für mich hier insbesondere die strikte phosphatarme Diät, die viele Patienten einhalten

müssen. „Phosphatarm“ bedeutet keine Wurst, kein Schmelzkäse, kein frisches Obst.

Zusätzlich kommt häufig noch eine beschränkte Trinkmenge hinzu. Da wird verständlich,

dass viele Patienten auch sehr frustriert bei der Dialyse sind, ist sie doch für viele eine

Dauerlösung, da die Transplantationslisten lange Wartezeiten haben und für viele nicht

mehr in Frage kommen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch keine Alternative und die drei

Vormittage bei der Dialyse retten den Patienten das Überleben und schenken, wie ich

erfahren durfte, auch vielen nochmal mehr Lebensqualität, da sie sich weniger abgeschlagen

und müde fühlen als ohne Dialyse. Sebastian, der den Gründonnerstag in der Praxis

verbrachte, sah nochmal einige Patienten, die ihre Erkrankungen vor den Osterfeiertagen

abklären wollten. Viele hatten Angst, die Feiertage im Krankenhaus verbringen zu müssen.

Auch für die behandelnden Ärzte war es teilweise eine schwierige Abwägung, ob eine

Wiedervorstellung am kommenden Dienstag ausreichend sein würde. Aber zum Glück gibt

es für die schweren Fälle die Rückabsicherung, das zu jeder Zeit eine Notaufnahme geöffnet

hat. So kann die Praxis an Karfreitag bei bestem Osterwetter beruhigt geschlossen bleiben.

Woche 7:

Nach den Osterfeiertagen starten wir in eine verkürzte 7. Woche. Am Dienstag ist die Praxis brechend voll, insbesondere stellen sich viele Heimwerker vor, die sich über das Wochenende kleinere Verletzungen zugezogen haben und sich dienstags auf Empfehlung des Krankenhauses zur Wundkontrolle vorstellen sollen. Auch gibt es einige Schüler, die die Osterferien nutzen, um sich gegen FSME impfen zu lassen. Schließlich ist der Wald schon voller Zecken. Unser Curriculum sieht diese Woche für uns vor, dass wir uns mit dem akuten/chronischen Husten sowie der Leitlinie für Müdigkeit auseinandersetzen. Beides gängige Konsultationsthemen in der Hausarztpraxis. Außerdem haben wir erste Vorbereitungen für den kommenden Journalclub im Mai getroffen. Hier werden wir einen Artikel aus dem deutschen Ärzteblatt vorstellen, der sich mit der Wirksamkeit und Bioverfügbarkeit unterschiedlicher Antibiotika befasst.

Da an Ostern Sebastians Eltern angereist sind, die eine Woche zu Besuch bleiben, haben wir uns auch noch ein paar Tage frei genommen. Daher wollen wir diesen Wochenbericht insbesondere nutzen, um ein paar Freizeitstipps zu geben. Schließlich kann man hier im bayrischen Wald einiges erleben! Sehr zu empfehlen ist z.B. eine Kanutour auf dem schwarzen Regen, die einen durch das „bayrische Kanada“ führt. Dieser Name entstammt nicht nur der artenreichen Vegetation von Bäumen und Büschen entlang des Flussufers, sondern auch der menschenlosen und unberührten Wildnis, die man hier noch erleben kann. Je nach Schweregrad erwartet einen eine entspannte Tour mit der Strömung oder auch ein paar Stromschnellen, die einen schnell wieder daran erinnern, dass es noch April ist und das Wasser trotz des wunderschönen Sonnenwetters noch ganz schön kalt sein kann. :D
Auch für eine Menge Spaß bei unserem Besuch hat der 3D-Bogenschießparcour in Bischofsmais geführt, hier fühlt man sich wie Robin Hood und kann bei einer schönen Wanderung mit Pfeil und Bogen bewaffnet auf bis zu 28 Ziele im Wald schießen. Wer gerne wandert, kommt bei einer Tour zu der Burgruine Altnußberg oder einem Trip zu den Risslochwasserfällen (z.B. ab dem Parkplatz „Schönebene“ in Bodenmais) auf seine Kosten. Danach lohnt sich ein Abstecher zum großen Arbersee, wo es auch eine bewirtete Almhütte gibt. Auch den Naturlehrpfad rund um Kirchberg ist sehr schön zu laufen. Und zu guter Letzt können wir das Freigehege im Nationalpark empfehlen. Hier kann man auf einer 3-4 stündigen Wanderung viele schöne Tiere bewundern – insbesondere die Bären sind ein echtes Highlight.


Woche 8

Halbzeit. Mit der 8. Woche neigt sich die erste Hälfte des Tertials zum Ende. Wir fühlen uns

hier im bayrischen Wald richtig angekommen und auch an den Alltag in der Praxis haben wir

uns gut gewöhnt. Wir haben das Gefühl, dass unsere Einschätzungen und

Therapievorschläge schon zunehmend in eine ganz gute Richtung gehen und unser

Bauchgefühl in den letzten Monaten ordentlich geschult wurde. Mit manchen Patienten

hatte man mittlerweile schon häufiger Kontakt und es lohnt sich, nach ein paar Wochen

nochmal die Patientenakute aufzurufen, um zu schauen was bei den jeweilig verordneten

Untersuchungen rauskam. Am Montag hatte Sebastian in Kirchberg einen interessanten Fall!

Es stellte sich eine Dame vor, die seit einigen Tagen eine schmerzlose Schwellung des linken

Vorfußes hatte. Da dies auf den ersten Blick erstmal suspekt wirkte, wurde das Thema

prompt zum Inhalt der Montagsfortbildung! Gemeinsam mit den anderen Kollegen

besprachen wir also Differentialdiagnosen von Beinödemen und Gelenkschwellungen. Wir

hatten diese Woche außerdem die Möglichkeit bei ein paar Akupunktursitzungen

zuzuschauen. Auch wenn es bis jetzt keine logische Erklärung dafür gibt, berichten doch viele

Patienten von einer Besserung der Beschwerden – und wie heißt es so schön: „Wer heilt hat

Recht!“. Am Dienstagnachmittag ist die Sprechstunde verhältnismäßig ruhig, vermutlich

waren alle Patienten schon am Morgen da :) So haben wir etwas Zeit um mit Dr. Blank in

Ruhe über die Lungenfunktionsdiagnostik zu sprechen. Nach dem 1. Maifeiertag besuchten

wir am Donnerstag Frau Dr. Pinker in ihrer Gemeinschaftspraxis in Frauenau. Frau Dr. Pinker

war uns schon von dem Kinderteaching des exzellenten Winters bekannt und da sie wusste,

dass wir kamen hatte sie extra viele U-Untersuchungen einbestellt! So konnten wir an

diesem Vormittag eine U5, mehrere U6s und eine U9 miterleben. Wir sind beide ganz

fasziniert davon, wie toll Frau Dr. Pinker mit den Kindern umgeht. Während sich die Kleinen

bei uns noch die Seele aus dem Leib schreien, als wir Herz und Lunge abhören wollen, schafft

Frau Dr. Pinker es, die Kinder in ihren Bann zu ziehen und zum Lachen zu bringen. Und wenn

ein Kind doch mal Schreit, wird die Chance eben genutzt den Mund und Rachenbereich

genau zu inspizieren. Sebastian darf auch ein 12. Monate altes Kind impfen, eine ganz

schöne Herausforderung, die die Unterstützung der Mutter und einer Arzthelferin benötigt!

Auch erleben wir die normale Sprechstunde mit, in der sich an diesem Tag ebenfalls viele

Kinder vorstellen. Andrea und ich haben dort viele wichtige Eindrücke im Umgang mit

jungen Patienten gewonnen, so dass wir mit Frau Dr. Pinker für den Juni noch einen zweiten

Tag zur Hospitation verabredet haben. Samstags durften wir uns auf den Weg in das schöne

Schloss Buchenau in idyllischer Waldlage begeben. Hier fand eine Fortbildung der

Rheumatologen Dr. Eder und Dr. Kirrstetter zum Thema „Rheuma im Alter“ statt, zu der er

uns im Vorfeld bei der Hospitation bereits eingeladen hatte. Es gab mehrere sehr

interessante Vorträge von der häufigen Polymyalgia rheumatica bis hin zur zum seltenen

RS3PE-Syndrom. Auch Themen wie Sarkopenie, Frailty und die Pharmakotherapie im Alter

wurde behandelt. Insbesondere mitgenommen haben wir, auch bei Ältere pflegebedürftigen

Patienten auf eine ausreichende Schmerztherapie bei starken rheumatischen Beschwerden

zu achten. Zudem haben wir gelernt, dass bei der Polymyalgia Rheumatica (PMR) nur mit

einer geringen Kortisondosis [15-25mg] gestartet werden soll. Die Begründung dabei ist,

dass diese zur Therapie der PMR bereits ausreichend ist ohne dabei die Symptome

degenerative Verschleißerkrankungen durch zu hohe Kortisondosen zu verschleiern. Den

Abend ließen wir dann bei einem Spaziergang um den Frauenauer Wasserspeicher

ausklingen.

Woche 9:

Auch die neunte Woche verging wie im Flug. In der Montagsfortbildung nahmen wir uns

dieses Mal das Thema Müdigkeit bei Kindern und Jugendlichen vor. Es ist wie bei

Erwachsenen ein ambivalentes Thema und zeigte uns, dass es auch bei Kindern hier einiges

zu beachten gibt. Wir haben uns auf eine Stufendiagnostik geeinigt, um schrittweise häufige

Gründe hinzu selteneren Ursachen bei jungen Menschen auszuschließen. Dienstag trafen

sich erneut die zuständigen MFA‘s und Ärzte des LIA Clubs, dieses Mal auch mit Verstärkung

vom Sozialdienst. Es wurde die aktuelle Verfassung und weitere Therapie der älteren

Patienten gemeinsam besprochen. Es hat uns abermals beeindruckt, mit welcher Hingabe

und Engagement sich alle Beteiligten auch noch nach Feierabend um die alten Patienten

kümmern.

Auch den Mittwochabend hatten sich schon alle ärztlichen Kollegen freigehalten, denn die

gemeinsame Videokonferenz zum 25. Journalclub stand an. Wir waren nun ja schon das

zweite Mal dabei und hatten ebenfalls im Vorfeld einen Artikel aus dem deutschen

Ärzteblatt vorbereitet. Dieser beschäftigt sich mit der Minimalen Hemmkonzentration von

Antibiotika und sensibilisierte uns noch einmal bei der Oralisierung von Antibiotika darauf zu

achten, diese nicht zu niedrig zu dosieren. Es gab an diesem Abend einige hitzige Diskussion

wie z.B. zu Themen wie Entresto oder den neuen Leitlinien zur KHK. Uns wurde nochmal

deutlich mit wieviel Herzblut viele ihre Themen vorbereiten. Wir finden der Journal Club

bildet einen guten Raum, um auf Thematiken aufmerksam zu werden, über die man sonst

nicht gestolpert wäre und im Austausch neue Sichtweisen auf manche Punkte zu gewinnen.

Wir haben insbesondere auch nochmal mitgenommen, das Studiendesign immer kritisch zu

hinterfragen. Es wir in Zukunft wahrscheinlich eine große Herausforderung werden, sowohl

offen für Veränderungen und neue Erkenntnisse zu bleiben, aber dennoch eine gesunde

Skepsis vor frischen Studienergebnissen zu bewahren.

Während Sebastian diese Woche Eindrücke in der Orthopädie sammelte, schaute ich Dr.

Werner in Regen über die Schulter. Dr. Werner ist Facharzt für Innere Medizin und hat

zudem eine Zusatzweiterbildung in Psychotherapie. Dies macht sich in seinem

Patientenumgang und seiner Art, die Anamnese zu erheben deutlich bemerkbar. Er schafft

eine sehr ruhige und angenehme Atmosphäre für den Patienten und nimmt sich unglaublich

viel Zeit für jeden Einzelnen.Ich konnte bei einigen Echokardiographien und Belastungs-EKGs

zu schauen und haben auch einiges über das Schlaf Apnoe Syndrom gelernt.

Sebastian verbrachte den Donnerstag wie schon erwähnt beim Orthopäden Dr. Buvar in

Deggendorf. Dr. Buvar hatten wir schon beim Studentenunterricht des Exzellenten Winters

kennen gelernt - er zeigte Sebastian viele orthopädische Untersuchungen, unter anderem

auch den Einsatz von Ultraschall zur Beurteilung von Sehnen und Gelenken. In der gut

besuchten Praxis trafen sich sowohl junge als auch ältere Patienten - ein als Epiphysiolysis

capitis femoris angekündigter Notfall entpuppte sich dann doch als Coxitis fugax

—„Hüftschnupfen“.

Am Wochenende trafen wir uns mit ein paar Freunden aus dem Saarland in der goldenen

Stadt Prag. Trotz Regen hätten wir ein schönes Wochenende!

Woche 10

Die neue Woche beginne ich, Sebastian mit einem Besuch beim Augenarzt! Zum Glück nicht

als Patient, sondern um Dr. Pöllmann einen Tag zu begleiten. Dr. Pöllmann - der eigentlich

schon im Ruhestand ist, sich aber nicht ganz von seiner Arbeit trenne kann - konnte mir

einiges zum Auge erklären und zeigte mir, mit wie viel Freude er Jung und Alt das Augenlicht

erhält. Normalerweise ist er montags auch operativ tätig, leider waren an diesem Montag

jedoch keine OPs einbestellt. Dafür hatten wir viel Zeit, um uns z.B auch über die

Unterschiede des deutschen und österreichischen Gesundheitssystems auszutauschen. Er

kann da sehr gut aus eigener Erfahrung berichten, da er auch regelmäßig eine Sprechstunde

in Österreich führt.

Den Dienstag verbrachte ich gemeinsam mit Andrea und Dr. Machac in Rinchnach. Es macht

wirklich Spaß, sich zwischen den Patienten den kritischen Fragen von Dr. Machac zu stellen,

der durch seine internistische Facharztausbildung die Innere Medizin wirklich gut

beherrscht. Da kommt schon ein Hauch von Examensluft auf und man sieht die mündlichen

Prüfungen am Jahresende näher rücken. Aktuell wird ja auch das Semester über uns geprüft

und wir bekommen ein ungefähres Gefühl, wie viel Arbeit da doch nochmal auf uns

zukommt... Gut, dass wir hier schon eine gute Vorbereitung bekommen! Am Mittwoch

konnte ich dann ebenso wie Andrea in der Vorwoche Dr. Werner in Regen besuchen.

Am Donnerstag folgten Andrea und ich der Einladung des deutschen Hausärzteverbandes

nach Regensburg zum „Nachwuchstag der Allgemeinmedizin“. Es gab hier neben ganz viel

Informationen zur Weiterbildungsordnung und Verbundsweiterbildungen auch einen

interessanten Vortrag über das Abrechnungssystem. Für uns komplettes Neuland und

sicherlich eine große Herausforderung bei der Niederlassung. Wir waren überrascht, wie

viele Ziffern und Abrechnungsaspekte die ärztlichen Kollegen im Kopf hatten... Die Praxis ist

eben auch ein kleiner Betrieb, der laufen muss. Auch ein spannender Beitrag verglich die

Praxis auf dem Land, so wie wir sie aktuell kennen lernen mit der typischen Stadtpraxis. Ein

Arzt berichtete von einer großen Praxis in München, in der 25 Allgemeinmediziner angestellt

sind. Beides hat sicherlich seinen Reiz, aber wir sehen uns da aktuell doch eher im

ländlicheren Raum. Es stellte sich auch die „JADE“ vor, eine Plattform für junge

Allgemeinmediziner, die einen Austausch zwischen einander ermöglicht und z.B. auch

Lerngruppen für die Facharztprüfungen bietet. Wir hörten auch einige Horrorstories über

den klinischen Abschnitt der Weiterbildung. Hier muss man wohl wirklich achtgeben, an gute

Ausbilder zu gelangen! Insgesamt bekamen wir an dem Tag jedoch das Gefühl, als hätte es

nie bessere Zeiten gegeben, um in die Allgemeinmedizin zu gehen, da der Weg der

Generation vor uns wohl noch um einiges steiniger war.

Am Freitag ließ ich die Woche dann gemeinsam mit der MFA Waltraud in Schöfweg

ausklingen. Waltraud kümmert sich um das geriatrische Assesment und ich durfte mit ihr

gemeinsam einige Senioren in der Praxis untersuchen. Eine wichtige Aufgabe, die sicher in

den nächsten Jahren noch wachsen wird. Andrea war währenddessen nochmal bei Dr.

Machac in Rinchnach. Auch dort hatte sie an diesem Tag einige spannende Fälle. Zum

Beispiel stellte sich ein Patient mit bekanntem HCC vor, der über Luftnot und

Gewichtszunahme klagte. In der körperlichen Untersuchung fiel schon auf, dass der Patient

offenbar ordentlich überwässert war. Mithilfe des Ultraschalles ließen sich der vermutete

Pleuraerguss und das Aszites dann auch grafisch darstellen. Es blieb leider keine andere

Option, als den Patienten noch vor dem Wochenende stationär einzuweisen.

Woche 11:

Am Montag begleite ich zunächst Frau Ebner in Ihrer Sprechstunde. Sie hat dieses Jahr mit

der Weiterbildung begonnen und hat sich entschieden, einen Teil der ambulanten

Weiterbildung dem klinischen Abschnitt vorzuschieben und somit quasi frisch von der Uni in

die Praxis zu gehen. Eine Option, von der ich zuvor überhaupt nicht wusste, dass sie auch in

dieser Reihenfolge möglich ist – Frau Ebner ist jedoch nicht nur der lebende Beweis, dass es

geht, sondern auch wie gut es klappen kann. Ich habe den Eindruck, dass die Patienten sich

sehr gut bei Ihr aufgehoben fühlen und wenn doch mal Fragen offenbleiben sollten oder

schwerere Entscheidungen zu treffen sind, ist der Kollege schnell aus dem nächsten

Sprechzimmer greifbar. In der Montagsfortbildung besprechen wir diese Woche den Arriba-

Score, ein Hilfsmittel das der Abschätzung des kardiovaskulären Risikoprofils dient und

helfen soll, dem Patienten seinen Stand und seine Möglichkeiten selbst aktiv zu werden zu

visualisieren. Wir waren selbst schon ein paar Mal dabei, als er in der Sprechstunde

Anwendung fand. Der Austausch am Montag hat uns besonders gut gefallen, da jeder

Kollege kurz ansprach, wie er dem Patienten die Ergebnisse näherbringt und welche

Strategien er anwendet, um für mehr Bewegung, gesunde Ernährung oder Nikotinverzicht zu

werben. Ein Tipp wäre zum Beispiel, gerade älteren Patienten die Angst vor dem Wort

„Sport“ zu nehmen und zu erklären, dass auch 90min Spazieren in der Woche schon besser

sind als nichts. Wie wichtig regelmäßige sportliche Betätigungen sind, konnte ich auch am

Mittwoch bei meiner Hospitation bei Dr. Buvar, dem niedergelassenen Orthopäden in

Deggendorf erfahren. Hier zeigten sich viele Patienten mit unterschiedlichsten Gelenk- und

Muskelbeschwerden und fast jedem gaben wir Infomaterial mit Dehn- und

Kräftigungsübungen mit und animierten sie zu etwas mehr Bewegung! Ich konnte neben

vielen Gelenksonografien und Röntgenbildern auch nochmal sehen, wie Dr. Buvar

Schulter/Hüfte oder Knie körperlich untersucht. Es war ein sehr interessanter Tag und vom

91 Jährigen Patienten mit künstlichen Knie und Hüftgelenk bis zum 8 Wochen alten Baby mit

Spreizhose bei Hüftdysplasie war alles dabei! Am Abend trafen wir uns dann in Regen mit

den niedergelassenen Kollegen aus der Region zum Journal Club. Wir stellten unsere Studie

zur Antibiotikadosierung vor und es ergaben sich zu allen Themen interessante Diskussionen

und Austausche. Sebastian hospitierte am Donnerstag in Zwiesel bei Dr. Kammerl, der dort

das Dialysezentrum leitet. Neben der aufwendigen Infrastruktur, die er sich bei einer

Führung durch den Dialysekeller näher anschauen durfte, beeindruckte ihn insbesondere die

Fürsorge, mit der die Patienten dort von allen betreut werden. Und dies, obwohl das

Patientenklientel meist schwer krank ist und dementsprechend auch nicht immer beste

Laune zur Dialyse mitbringt. In unserer Fallbesprechung, die jeden Dienstag und Donnerstag

stattfindet haben wir nun eine neue Aufgabe übernommen. Wir haben ein Online-Dokument

angelegt, in das wir die Verläufe der spannendsten Patientenfälle eintragen, damit man

nachverfolgen kann, wie sich der jeweilige Fall entwickelt hat. Am Donnerstagabend kamen

wir dann erneut in Regen zusammen, dieses Mal zur Fortbildungsreihe der

Gesundheitsregion Plus in Regen zum Thema „Aus der Klinik in die Praxis“. Dieser Schritt ist

für Sebastian und mich zwar noch ein weit entferntes Ziel, aber man kann nie früh genug

damit beginnen sich zu informieren und wir bekamen ganz viele interessante Infos an die

Hand, wie das System in Deutschland überhaupt funktioniert und wo z.B. die Unterschiede

zwischen MVZ/Berufsausübungsgesellschaft (Gemeinschaftspraxis)/Anstellung oder

Zulassung liegen. Im Anschluss wurde das gesamte Team dann von Dr. Blank

freundlicherweise zum Pizza-Essen eingeladen, um den Abend ausklingen zu lassen.

Woche 12:

Der letzte Monat in Kirchberg hat für uns begonnen! Wahnsinn- wie schnell die Wochen

dahin fliegen… Die letzte Woche begann für mich, Andrea mit einem Ausflug zu Dr. Lindinger

– einem niedergelassenen Onkologen in Zwiesel. Dr. Lindinger betreute an dem Vormittag

viele Patienten in der Tumornachsorge und konnte mir wertvolle Tipps zum Ultraschall

geben. Auch konnte ich einige Patienten sehen, die ambulant zur Chemotherapie kamen. Ich

war sehr beeindruckt, wie viele Details über die unterschiedlichen Therapieschemen Dr.

Lindinger im Kopf parat hatte… ich glaube, langfristig wäre das für mich persönlich kein Job,

den ich gut machen könnte. Um 12 Uhr war die Sprechstunde vorbei, sodass ich mich schnell

ins Auto setzten konnte, um zur internen Montagsfortbildung dazu zu stoßen. Diese

beschäftigte sich diese Woche mit dem „Centor score“ und dem Umgang mit verunsicherten

Müttern, die im Kindergarten zu hören bekommen, das Kind könnte Scharlach haben.

Prompt begegneten mir in dieser Woche noch drei solcher Fälle in der Sprechstunde und ich

war froh, den Eltern die Angst jeweils ein Stückchen nehmen zu können und sie auch gut zu

dem Streptokokken-Schnelltest beraten zu können. Da hier im bayrischen Wald aktuell

mehrere Hanta-Virus Fälle aufgetreten sind, sind die Patienten auch immer wieder

verunsichert und haben Bedenken, sie könnten diesen Virus in sich tragen. Ich finde es ist

ein sehr schönes Gefühl, wenn man Menschen ihre Sorge etwas nehmen kann und merkt,

wie sie durchatmen und beruhigt die Praxis verlassen, sobald man sie näher über die

möglichen Symptome oder Anzeichen der Erkrankung aufklärt hat und zu dem Entschluss

kam, dass wahrscheinlich kein Scharlach oder Hanta-Virus vorliegt. Sebastian erlebte diese

Woche mehrere Notfälle. Eine 92 jährige Dame, die für ihr Alter erstaunlich fit war, kam mit

seit zwei Tagen bestehender Dyspnoe in die Praxis. Nach zielgerichteter Anamnese und

Ausschluss eines Myokardinfarktes mittels EKG entschied Dr. Kalmancai die Dame auf Grund

ihrer ausgeprägten Sprechdyspnoe mit notärztlicher Begleitung ins Krankenhaus

einzuweisen. Wir dachten differentialdiagnostisch an eine mögliche Lungenembolie oder

eine dekompensierte Herzinsuffizienz, da im Ultraschall beidseitig Pleuraergüsse

festzustellen waren. Am Freitag wurde Dr. Kalmancai und Sebastian notfallmäßig zu einem

Hausbesuch bei einer Patientin gerufen, die ebenfalls zunehmend an Luftnot litt. Vor Ort

trafen wir auf eine an der Bettkante sitzende, deutlich dyspnoeische Dame. Anamnese,

körperlicher Befund, Allgemeinzustand und die Tatsache, dass es ein Freitagnachmittag war

ließ uns ebenfalls keine andere Wahl, als die Patientin am ehesten mit dem Verdacht einer

Pneumonie ins Krankenhaus einzuweisen. Die beiden Beispiele zeigten mir, dass

Hausarztsein immer auch bedeutet, aus einer vorher entspannten Situation plötzlich mit

Notfallsituationen konfrontiert zu sein und unter Abwägung vieler Einflüsse wichtige

Entscheidungen treffen zu müssen. Das kann manchmal ganz schön schwer sein und bedarf

oft das richtige Bauch- und Fingerspitzengefühl. Am Mittwoch Abend hörten wir einen

Vortrag von einem KV-Apotheker, der die Verordnung von Medikamenten in der Praxis

thematisierte. Es ging hier zum Beispiel darum, welche Verordnungen im Allgemeinen zu

Prüfungen führen können und welche Ziele die KV anstrebt. Uns verdeutlichte der Beitrag

insbesondere, dass es als Praxisinhaber nicht ausreicht, ein medizinisches Talent zu haben –

man muss insgesamt ganz viele Baustellen und Aufgaben im Blick haben – Abrechnung und

die richtige Verordnung der Medikamente ist nur eine davon…

Woche 13:

Die Montagsfortbildung behandelte diese Woche das Thema Nierenversagen. Ein Thema,

das man an der Uni zwar durchaus häufig durchgekaut hat, was jedoch für uns nach wie vor

schwer zu greifen ist. Umso beruhigender war es zu sehen, dass offenbar auch die „alten

Hasen“ bei dem Thema kein Patentrezept haben und man einfach individuell bei jedem

Patienten schauen muss, wie man damit umgeht. Am Dienstag machen wir uns erneut auf

den Weg nach Frauenau zu Dr. Pinker. Uns hatte der erste Tag bei Ihr so gut gefallen, dass

wir mit Ihr direkt ein zweites Treffen ausgemacht haben. Erneut hatte sie extra viele U-

Untersuchungen einbestellt. Diesmal hatte sie verstärkt jüngere Kinder zu den U-

Untersuchungen einbestellt, statt wie beim letzten Mal verstärkt Kleinkinder. Wie der Zufall

es wollte, sahen wir auch einige Kinder wieder, die wir in der ersten Woche im

Kinderuntersuchungskurs kennen gelernt hatten. Wir dachten ja, dass WIR in der

Zwischenzeit eine Entwicklung durchgemacht hätten – aber das ist nichts im Vergleich dazu,

wie stark sich die Kleinen in dieser Zeit entwickelt haben! Wirklich Wahnsinn… Wir sprachen

an dem Tag auch viel über das Impfen, diskutierten Nutzen und möglichen Schaden und

sahen auch einige Eltern, die gegen Impfungen waren. Wir durften bei einem Kind auch

selbst Hand anlegen. Auch wenn die Handgriffe bei Erwachsen mittlerweile sitzen – zwei

strampelnde Kinderbeine zu impfen ist eine ganz andere Hausnummer. Am Mittwochabend

fand eine Sitzung des Arena-Projektes statt. Dies war eine Studie zur Antibiotikaverordnung,

an der die Praxis teilgenommen hatte und die jetzt ausläuft. Dieser Abend behandelte

zunächst das Thema MRSA – ein Problem, das wir bisher eher ins Krankenhaus eingeordnet

hätten. Jedoch wurde uns deutlich, dass gerade das Screening, die Weiterbetreuung und

auch die Aufklärung der Angehörigen über die multiresistenten Keime durchaus eine

Relevanz in der Hausarztpraxis haben. Da mehrere Praxen an der Sitzung teilnahmen, war es

spannend zu hören wie in den jeweiligen Praxen mit dem Problem umgegangen wird.

Donnerstag und Freitag nahmen Sebastian und ich uns dann zwei aufgesparte Fehltage, um

uns auf den Weg nach Thüringen auf die Medimeisterschaften zu machen. Wir trafen uns

hier unter anderem auch mit der Gruppe vom „Exzellenten Winter“, was uns alle sehr

gefreut hat! Da wir nun noch etwas Platz haben, ist diese mal ein guter Zeitpunkt über

Kirchberg im Wald selbst ein paar Worte zu verlieren. Die Unterbringungsmöglichkeiten für

Studenten sind genial. Ganz oben auf dem Kirchberg hat man von allen „Kirchbergern“ die

tollste Aussicht und man ist in flotten fünf Minuten zu Fuß schon in der Praxis. Die zwei

Wohnungen bieten super viel Platz und alles an Komfort was man sich wünscht. Dr. Blank

handhabt es so, dass jeder PJ Student einen gewissen Finanzbetrag zur Verfügung gestellt

bekommt, um etwas Nützliches für die Gemeinschaft zu kaufen oder für die Summe seinen

Vorschlag einzubringen. Achja, und dann gibt es da noch Lucky den Dorfhund über den wir

schon öfter mal berichten wollten. Der kleine süsse Racker gehört eigentlich zum Dorfladen

und er ist dorfweit bekannt! Wenn er sich mal wieder in der Nähe in der Sonne rekelt und

man Sehnsucht nach ihm hat, muss man nur zwei- dreimal in die Luft bellen und er kommt

angeflitzt. Wer würde das für eine große Packung Streicheleinheiten nicht tun… ansonsten

kommt er einen beim Einkaufen begleiten oder wandert gerne einfach mal eine Strecke mit

durch den Wald hinter der Kirche; unter dem Strich ein absolut angenehmer Zeitgenosse der

einem die Zeit hier zusätzlich versüsst 

Woche 14:

Nach den sonnigen Pfingsttagen finden sich in der Praxis einige Hobbywerkler und Gärtner

mit diversen Verletzungen ein. Vom gebrochenen Zeh bis zur Schnittwunde ist alles dabei

und die üblichen Fragen nach Tetanusschutz oder Thromboseprophylaxe sind schnell geklärt.

Auch stellen sich in der Woche vermehrt Schulkinder vor, die die Ferien (meist nicht ganz

freiwillig) nutzen, um sich ein paar Impfungen abzuholen. Bei den Schulkindern, gerade

wenn sie sehr ängstlich sind, sind die Impfungen dann auch für uns nochmal sehr aufregend.

Aber durch ein nettes Gespräch gelingt es meistens, die Kids etwas abzulenken. Und

spätestens, wenn die MFAs den Lutscher bereitlegen, strahlen die meisten schon wieder.

Es scheint gerade trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Hitzewelle auch eine erneute

Grippewelle umher zu gehen und viele kommen mit Halsweh/Kopfweh/Ohrenschmerzen…

gut, dass wir die meisten vor einer Antibiose bewahren können und eher auf virale Infekte

schließen. Manchmal ist es jedoch auch hier gar nicht leicht, die Patienten gut zu beraten.

Was soll man z.B. tun, wenn einem ein stark erkälteter Landwirt gegenübersitzt, der sagt,

dass er sich auf keinen Fall eine Woche ins Bett legen kann, da Hof und Tiere zu Hause

versorgt werden müssen!

In Schöfweg sah Sebastian diese Woche einen anaphylaktischen Schock. Ein Patient hatte

Luftnot, rote Auge und Urtikaria. Schnell wurde Cortison und Antihistaminika angehangen,

sodass die Situation im Endeffekt sehr glimpflich ausging. Am Dienstag hospitierte Sebastian

dann erneut bei einem Dermatologen, dieses Mal bei Dr. Kissinger in Grafenau. Dieser

betreibt dort zusammen mit seiner Frau eine riesige Praxis, die z.B. auch Varizen therapiert.

Er konnte dort nochmal einige neue Einblicke in das Fach gewinnen.

Uns wird so langsam bewusst, dass sich die Zeit im bayrischen Wald dem Ende zuneigt und

so macht sich schon etwas Aufbruchsstimmung breit. Die Zeit verging wirklich super schnell

und es ist schade, aufzubrechen wenn man gerade das Gefühl hat, so richtig angekommen

zu sein! Das Wochenende nutzen wir daher, um bei schönstem Sonnenschein noch einmal

im Bayrischen Wald zu wandern. Mit dem „Igel-Bus“ fahren wir an einen Ausgangspunkt, um

den Rachel zu besteigen. Die Sicht vom Gipfel, der wunderschöne See und der kühle Wald

wird uns sicher bald fehlen!

Woche 15:

Der letzte Tag in Kirchberg ist angebrochen und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen.

Wir durften in den letzten Wochen hier im Bayrischen Wald eine richtig schöne Zeit

verbringen. Durch die vielen Fortbildungen und hilfreichen Tipps der Kollegen haben wir

einiges mitnehmen können! Wir waren als Studenten hier von Beginn an herzlich

aufgenommen und Teil des Teams. Durch kleine Projekte und Aufgaben, wie beispielsweise

Recherchen oder Protokolle verfassen wurden wir von Beginn an eingebunden und

wertgeschätzt. Von dem großen Ärzteteam mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und

den gut ausgebildeten MFAs durften wir viel lernen, sei es fachlich oder menschlich. Es war

spannend zu sehen, wie schön sich hier die unterschiedlichsten Charaktere ergänzen und im

Team aufgehen. Wir wollen daher allen ganz herzlichst unseren Dank aussprechen für die

angenehme Zeit hier!!!!

Ein besonderes Lob geht natürlich an Dr. Blank, der es wirklich versteht eine gute Ausbildung

aufzubauen. Wir haben uns sehr oft motiviert gesehen, Themen nachzulesen und gelernt,

wie man sich zu einer Fragestellung gut informiert. Insbesondere durch den Journal Club

wurde uns nochmal bewusst, wie schwer es sein kann, eine „gute“ Studie zu finden, die

aussagekräftig und pharmafrei ist!

Sehr gut gefallen hat uns das Angebot, regelmäßig bei Fachärzten in der Region zu

hospitieren. Wir haben dies fast wöchentlich wahrgenommen und dadurch nochmal in viele

Gebiete einen Einblick gewonnen. Niederlassung ist immer etwas anderes als Universität

und wir fanden es spannend, nochmal zu sehen welche weiteren Möglichkeiten der Facharzt

hat und welche Schritte bereits beim Hausarzt abgewickelt werden können, um die

niedergelassenen Kollegen ggf. ein wenig zu entlasten. Auch war es generell sehr interessant

zu sehen, wie die jeweiligen Kollegen mit den Patienten umgehen und auf sie eingehen.

Uns ist aufgefallen, wie angespannt die Schnittstelle zwischen Krankenhaus und

Niederlassung ist und wie wichtig hier ein respektvoller und wertschätzender Umgang

miteinander ist. Da wir ja in den kommenden Jahren diese Schnittstelle auch nochmal aus

Krankenhaussicht kennen lernen werden, haben wir uns auf jeden Fall vorgenommen hier

auf eine gute Zusammenarbeit miteinander zu achten.

Die Abreise ist uns wirklich schwergefallen, da uns das Team und die Gegend echt ans Herz

gewachsen ist. Aber man weiß ja nie, wie das Leben spielt und ob es uns nicht nochmal

zurück verschlägt! Allen kommenden PJ-Studenten wünschen wir auf jeden Fall eine ganz

tolle Zeit!!!

Dorian Gottwald

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19.-23.11.2018

Die Erste Woche in Kirchberg im Wald.

Noch etwas aufgeregt und angespannt stehe ich vor einem breit grinsenden großen Mann, Dr. med. Wolfgang Blank, welcher einen charmant über seinen Medizinethos und wissenschaftsgetreues Arbeiten als Arzt mit Evidenz basierter Medizin erzählt. Man merkt ihm tagtäglich an, dass er gerne etwas von seiner Arbeitsweise an die nächsten Generationen weitergeben möchte und es ihm darum geht, was er später hier von seiner Arbeit Anderen überlässt und welche Arbeitsweise von hier in die Welt getragen wird.

Ich bin nicht alleine hier, auch Sarah Moschko teilt sich mit mir eine WG und die Vorteile der Lehrpraxis im Bayrischen Wald. Vormittags gehen wir mit Dr. Blank oder mit einem seiner angestellten motivierten Ärzten, Dr. Takacs, Dr. Mendl, Dr. Machac, oder Dr. Kleudgen mit und lernen viel bei deren Patientengespräche und medizinischen Diagnostik und Therapie. Teilweise darf man bereits zu Beginn je nach eigener Motivation und Willen schon eigene Anamnesen und körperliche Befunde erheben oder schon mal vorschallen, um die Patienten sodann einen Arzt vorzustellen und das weitere Procedere zu besprechen. Es wird sehr darauf geachtet, ob man den Patienten sieht, wahrnimmt und als ganzen Menschen ernst nimmt. Beispielsweise wird bei der Patientenvorstellung sehr darauf geachtet, dass man den Patienten im Kontakt mit diesen vorstellt. Daraus ergibt sich eine sehr angenehme menschliche Stimmung.

Die gegenseitigen Rückmeldungen und der Kontakt zwischen Ärzten, MFAs und Arzthelferinnen sind sehr angenehm. Die Menschen hier loben sich gerne gegenseitig und weisen sich auf angenehme Art auf mögliche Fehler hin. Man hat den Eindruck eine gute Lernzone hier zu haben, um das Arzt sein zu erlernen. Die Arzthelferinnen sind sehr gut ausgebildet und für bestimmte Themen jeweils Experten, wie beispielsweise für Wundversorgung, Belastungs-EKG etc. Auch von ihnen kann man sehr viel lernen. Montags finden Fortbildung alla SkypFormat mit Pjlern als Protokollführern statt; Dienstag und Mittwoch Fallbesprechungen; Mittwochs Journal Club, hier bekommen wir sogleich Studien zugeteilt, welche wir nächste Woche vorstellen dürfen.  Man hat die Möglichkeit hier je nach eigener Motivation sehr viel zu lernen und sich fortzubilden. Dr. Blank betont immer wieder die Eigenverantwortung des Lernerfolges, welchen er gerne begleitet und fördert. In der großen Mittagspause oder am Abend kann man gemütlich in der WG gemeinsam Kochen und Geschehnisse des Tages besprechen. Ich bin froh hier nicht der einzige Pjler zu sein. Die erste Woche fahre ich mit dem Fahrrad alle Strecken zwischen den Praxen ab. Im späten Herbst ist es ganz schön kalt und es schneit bereits ein bisschen. Ich bin froh die rechte Ausrüstung mit Gravel-Bike, dicken Winterstiefeln, Regenhose, Regenjacke und Licht zu haben. Das Fahrradfahren durch die Natur macht großen Spass, wobei die Beinmuskeln am WE doch etwas steif sind. Ein Auto im Winter ist hier doch auch nicht schlecht. Man kann sich aber auch jederzeit eine Mitfahrgelegenheit im zuvorkommenden Praxisteam suchen.

Nachdem ich meinen Helm in München vergessen habe, leiht mir Frau Dr. med. Takacs einen Helm aus. Frau Kölbl suchte mir zudem gute Reiserouten, um auf schönen, nicht zu befahrenen Straßen von Praxis zu Praxis zu kommen. Dr. Blank informiert auch jederzeit gerne über Freizeitaktivitäten und vermittelt gerne Kontakte, um beispielsweise mal mit zum Jagen zu gehen oder Langlaufen zu gehen. Man hat den Eindruck das ganze Praxis-Team ist an dem Wohlergehen und Lernerfolg der Pjler interessiert. Ich fühle mich immer wohler mein erstes Tertial hier zu bestreiten.Die Tage vergehen im Nu.

26.-30.11.2018

Eine neue Woche in Kirchberg im Wald.

Langsam spielt man sich mit Anamnese und körperlicher Untersuchung ein. Auch die
Dokumentation und Patientenvorstellung läuft routinierter ab. Montag Protokoll über das Teamgespräch, Impfmanagement geführt. Man bleibt wach dabei und nimmt mehr mit, als würde man einfach nur zuhören. Dienstag und Donnerstag die Fallvorstellungen sind spannend. Durch die Fälle nimmt man nochmal mehr Knowhow zu den jeweiligen Differentialdiagnosen, Diagnostik und Evidenz basierter Therapie mit. Der Journal Club am Mittwoch war sehr aufregend, ich durfte eine Studie zu Aspirin in der Primärprophylaxe und deren negative Auswirkungen auf das Krebsrisiko und Blutungsrisiko vorstellen, das ganze vor einer Gruppe gestandenen Ärzten. Ich hatte gutes Lampenfieber. Nach dem Durchgang und positiven Feedback ist das Ganze für mich ein positiver Stress gewesen. ;)

Die Abende nach der Arbeit nimmt uns Dr. Blank mit seiner Tochter mit ins Kino und außerdem
organisiert er uns Langlaufskier und Skating-Skier. Ich bin sehr gespannt darauf diese bei guten Schneeverhältnissen auszuprobieren.
Die Wochen verfliegen wie im Flug, freue mich auf die nächste Woche in einem tollen Team

03.-07.12.2018

Und wieder eine neue Woche in Kirchberg im Wald.

Meine Mitbewohnerin und Kollegin, Sahra, hat es leider Erkältungstechnisch heftig erwischt.
Am Montag habe ich wieder in der Teambesprechung Protokoll zu Impfmanagement II geführt. Diesmal wurden die einzelnen Impfungen durchgesprochen. Zuhause haben wir uns die einzelnen Impfungen nochmal en Detail angeschaut und wiederholt. Wir entdecken immer mehr, wie gut uns das gemeinsame Lernen tut. Ich bin sehr froh nicht der einzige PJler zu sein. Auch wieder die
Fallbesprechungen am Dienstag waren sehr spannend.

Das Ärzteteam, welches sich hier interprofessionell fortbildet und sich mit aktuellen Studien up to date hält, ist einfach klasse. Donnerstag hat der Halsschmerz auch mich erwischt ich gehe früher nach Hause und versuche mich gesund zu schlafen. Freitag wieder in der Arbeit. Die Erkältung nervt, hoffentlich bin ich sie nächstem Woche los. Immer schön die Hände vor nach dem Patientenkontakt zu desinfizieren lässt sich sehr empfehlen. Mich hat es leider trotzdem erwischt. Jeden Tag, den man hier nicht in der Praxis mit dem Team verbringen kann, ärgert einen.

Ich werde das WE ruhig machen. Dr. Blank hat uns wieder, total lieb, zu einem Glühwein Abend in seiner Siedlung eingeladen, leider konnten wir beide krankheitstechnisch nicht. Mittwochabend hat mich Dr. Blank mitgenommen zu einem Quälitätszirkel. Toller und netter Austausch unter Kollegen. Jeder bekommt Fragen mit von seinen Kollegen, die dann bei dem nächsten Termin jeweils nach Heimarbeit geklärt werden. Sehr angenehme Stimmung. Das Ärztepaar Dr. Haberer und Dr. Stern haben mir jeweils nochmal angeboten eine Hospitation machen zu dürfen. Man ist hier wirklich sehr um die PJler bemüht. Einfach klasse! Auf nächste Woche.

Vielleicht mache ich sodann meine ersten Hospitationstag außerhalb.

Jede Woche erlebt man doch trotz ähnlicher Struktur mit den Fallbesprechungen am Dienstag/Donnerstag und der Fortbildung am Montag immer wieder Neues. Jeder Arzt arbeitet etwas anders und hat dementsprechend unterschiedliches Patientenklientel. Jeder Arzt ist auf seine Weise klasse. Inzwischen war es mir auch möglich bei Dr. Oldenburg mitzugehen und Patienten zu übernehmen. Hier geht es etwas zackiger zu.

Man sieht viel an einem Tag, aber die Zeit pro Patienten ist etwas kürzer. Schilddrüsen und Abdomen Sonografie, sowie die Check-ups laufen inzwischen auch recht routiniert ab. Draußen liegt eine Menge Schnee. Sarah und ich sind am freien Nachmittag inzwischen auch mal Bouldern gefahren. 50 Minuten von hier entfernt gibt es eine gute Boulderhalle in Straubing. In Deggendorf kann man auch in einer DAV-Kletterhalle klettern gehen. Im Winter gibt es hier eine Tradition, dass von Tag zu Tag jemand anderes sein Fenster schmückt und Freunde/Bekannte auf einen Glühwein, sowie zu diverse Leckereien lädt. Frau Dr. Sujova hat uns am Mittwoch dazu geladen. Die Zeit verfliegt im Nu

10.-14.12.2018

Jede Woche erlebt man doch trotz ähnlicher Struktur mit den Fallbesprechungen am Dienstag/Donnerstag und der Fortbildung am Montag immer wieder Neues. Jeder Arzt arbeitet etwas anders und hat dementsprechend unterschiedliches Patientenklientel. Jeder Arzt ist auf seine Weise klasse. Inzwischen war es mir auch möglich bei Dr. Oldenburg mitzugehen und Patienten zu übernehmen. Hier geht es etwas zackiger zu. Man sieht viel an einem Tag, aber die Zeit pro Patienten ist etwas kürzer. Schilddrüsen und Abdomen Sonografie, sowie die Check-ups laufen inzwischen auch recht routiniert ab. Draußen liegt eine Menge Schnee. Sarah und ich sind am freien Nachmittag inzwischen auch mal Bouldern gefahren. 50 Minuten von hier entfernt gibt es eine gute Boulderhalle in Straubing. In Deggendorf kann man auch in einer DAV-Kletterhalle klettern gehen. Im Winter gibt es hier eine Tradition, dass von Tag zu Tag jemand anderes sein Fenster schmückt und Freunde/Bekannte auf einen Glühwein, sowie zu diverse Leckereien lädt. Frau Dr. Sujova hat uns am Mittwoch dazu geladen. Die Zeit verfliegt im Nu.

17.-21.12.2018

Wieder eine neue Woche in Kirchberg im Wald. Montag haben wir den Symptomenkomplex Blut im
Stuhl durchgesprochen und ich Protokoll geführt. Im Laufe der Woche erhalten wir noch einige E-
Mails von Dr. Machac und Dr. Blank, welche mit Begeisterung, en Detail Fragen diskutieren. Anna, Dr.
Blanks Tochter, hat uns zum Langlaufen mitgenommen, eine Knieschonende Sportart, welche hier
weit verbreitet ist. Mit ihren Technikanweisungen kommt man tatsächlich ganz gut vom Fleck. Der
Outdoor-Ausdauersport macht richtig Spaß! Die Praxis hat auch an den Feiertagen geöffnet. Ich bin
schon sehr auf den 27./28. gespannt, zu jenen Tagen sind wir auch eingeteilt.

27./28.12.2018

Die letzten beiden PJ-Tage in 2018. Zwischen den Feiertagen geht man nicht gerne zum Arzt, nur
wenn es sein muss. Dementsprechend hatte ich den Eindruck einer etwas ernster erkrankten
Patientenklientel gegenüberzustehen. Auch wenn es zwischen den Feiertagen liegt, bin ich froh diese
zwei Tage mitgenommen zu haben. Es gibt viel zu lernen. Die Stimmung im Team auch bei den
Arzthelferinnen ist toll. Steffi hat uns nach Bischofsmais zum Pizza-Essen eingeladen. Sie arbeitet dort
im Nebenjob. Das hat mich sehr gefreut. Vielleicht schaffen wir dem im neuen Jahr nachzukommen.

02.-04.01.2019

Diese Woche nach Silvester beginnt bereits mittwochs. Wir sind wieder zu zweit bei Dr. Blank
eingeteilt. Dr. Blank übergibt uns inzwischen mehr Verantwortung und kontrolliert nicht mehr jeden
Befund nach, wie beispielsweise von uns befundete unauffällige Otoskopien oder Rachenbefunde.
Zusätzlich habe ich an einem Tag eine Studentin im 3. Semester mit dabei, Dr. Blanks jüngste Tochter.
Die Rolle zu wechseln und einer anderen Medizinstudentin am Anfang des Studiums ab und zu etwas
erklären zu dürfen und zum eigenen Befunden bei der körperlichen Untersuchung oder zum
Sonografieren anzuregen, macht Spaß. Nach mehr als einem Monat in der Gemeinschaftspraxis hat
man den Eindruck sich langsam an die Mitarbeiter und Ärzte zu gewöhnen, es ist ein großartiges
Team mit viel Humor. An einem Abend fahren wir Pjler mit Dr. Blanks ältester Tochter und Dr. Blank
selber zum Skaten nach Klingenbrunn. Skaten ist ganz schön anstrengend, macht aber auch große
Freude. Dr. Blanks älteste Tochter, Anna erklärt einem wieder sehr gerne und geduldig die Technik.
Einfach klasse, man fühlt sich hier sehr wohl!

07.-11.01.2019

Wieder eine neue Woche. Ich habe den Eindruck, dass man hier eine Menge auf medizinischer Ebene
mitnehmen kann. Onlineplattformen wie Amboss oder Bücher wie Endspurt, welche man zum
schriftlichen Examen durchgewälzt hat, sind doch nochmal anders als der lebende Patient mit
multiplem Beschwerdebild. Nicht immer ist es einfach eine Diagnose zu stellen. Unsicherheiten
auszuhalten ist nicht immer einfach. Mit Dr. Machac, Facharzt für Innere Medizin, haben wir eine
Patientin mit rötlich livider Verfärbung des Beines im Alten- Pflegeheim gesehen. Nun zu
unterscheiden ob es durch die periphere Verschlusskrankheit oder doch durch ein Erysipel bedingt
ist, fiel mir doch etwas schwer. Zum Glück haben wir Ärzte im Hintergrund, die jeden Patienten
nochmal mitbeurteilen. Zusätzlich bieten die Fallbesprechungen eine zusätzliche Sicherheit für die
dort arbeitenden Ärzte. Unterstützung ist für mich im gesamten Team spürbar. Und jeder Arzt hat
seine eigenen Stärken. Sei es Frau Dr. Takacs, kurz vor der Facharztprüfung, mit ihrer empathischen
Art Patienten zu betreuen; Dr. Machac mit großer klinischen Erfahrung in der Inneren Medizin, Dr.
Oldenburg mit zusätzlich großem Wissen in der physikalischen und rehabilitativen Medizin; Frau Dr.
Sujova, Ärztin in Weiterbildung mit einer sehr sorgfältigen Arbeitsweise; Frau Dr. Mendl, Fachärztin
der Allgemeinmedizin, sehr bescheidene und sehr kompetente, sorgfältig arbeitende Ärztin (Sie hat
auch die von mir vorgestellte Studie zu Aspirin für das Team erarbeitet gehabt); Frau Dr. Kleudgen,
Fachärztin für Neurologie, sehr strukturierte und bedachte Arbeitsweise; Frau und Herr Dr. Schoder
(Allgemeinärzte), welche inzwischen aus dem Ruhestand die Montagsfortbildungen mit ihrem großen
Erfahrungsschatz mitbegleiten; Und ganz zu schweigen von Dr. Blank, der sich sehr für das
Wissenschaftliche Arbeiten, die Lehre und die Teamarbeit der Gemeinschaftspraxis einsetzt und mit
Dr. Oldenburg zu den sehr erfahrenen Ärzten zählt. Auch andere Ärzte sind natürlich an der
Gemeinschaftspraxis beteiligt, deren Arbeitsweise ich noch nicht begleitet habe.
Zusätzlich lernt man Studien bei der Teambesprechung zur Vorbereitung des Journal Clubs kritisch zu
beurteilen.
Für meinen Lernprozess merke ich, dass es wichtig ist eigene Handlungsweisen und daraus
resultierende Schlussfolgerungen offen zu hinterfragen. So sind meine praktischen Fertigkeiten,
welche ich in dem Skills Lab Erlangen erlernt habe, in der Praxis von Vorteil, aber auch in bestimmten
Aspekten der Aussagekraft genauer zu betrachten. Jede Untersuchungstechnik hat nämlich mit
seiner jeweiligen Sensitivität und Spezifität auch Einschränkungen und unterschiedliche
Gewichtungen. Dr. Blank hat uns hierfür ein Buch mit wissenschaftlichen Background zur Verfügung
gestellt.
Wichtig ist es das Gesamtbild zu beurteilen: Allgemeinbefinden des Patienten, eigene Eindrücke des
Patienten, Labor, körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren, klinische Erfahrung der Ärzte
und das Evidenz basierte Wissen, welches wir in Studien und an der Universität gelehrt bekommen.
All dies ergibt ein Gesamtbild, aus welchem wir Entscheidungen treffen können.
Sarah und ich haben einen Patienten untersucht und dokumentiert, welcher einen Antrag auf
Erhöhung des Prozentsatzes für den Grad an Behinderung bei der VdK beantragt hat. Er litt unter
chronischen Rücken-, Knie-, und Schulterschmerzen. Wir durften ihn auf Aufforderung von Dr. Blank
orthopädisch untersuchen. Diese Untersuchung wurde mit den täglichen Einschränkungen und
speziellen Beantwortung von Fragestellungen, wie die Anzahl der Injektionen, von uns dokumentiert.
Dr. Blank hatte uns dazu aufgemuntert, dies ruhig sehr sorgfältig zu machen. Entscheidend für die
VdK ist jedoch die Einschränkung im Alltag, wie Dr. Blank nochmal betont hatte. Für uns war es

jedoch sehr gut Untersuchungstechniken nochmal zu üben. Zur Abklärung bin ich auf das MRT der
Schulter im Februar gespannt.
Mein bisheriges Wissen in der manuellen Therapie, welches ich bei einem Praktikum vor meinem
Studium erhalten habe, war bei einer Patientin mit Rückenschmerzen (ISG-Druckschmerz, noch vor
Jahreswechsel) von Vorteil, um eine schmerzhafte Verklemmung des ISG mit einer sanften Technik zu
reponieren. Ihre Schmerzen hatten sich danach gelindert, jedoch ist es zu bedenken, ob dies nicht
auch durch die zuvor eingenommene Ibuprofen bedingt war. Mein Wissen in der manuellen Therapie
ist auf jeden Fall nicht ausreichend geeignet, um es an Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz
anzuwenden ohne andere Empfehlungen auszusprechen wie Schmerzmitteleinnahme und
Fortführung von Bewegung. Die AGVs sind natürlich immer zu bedenken.
Die Arzthelferinnen sind ungemein fleißig und mitdenkend. Frau Bauer hat mir beispielsweise
geholfen bei einer Patientin die richtige Dosierung für ein Neuroleptikum herauszufinden. Man ist
sehr dankbar, dass das gesamte Team mitdenkt.
Hier gibt es eine Menge zu tun, Arbeit in der Praxis, Studien für den Journal Club durchlesen und
durcharbeiten, Leitlinien der DEGAM zuhause durchlesen, Montagsfortbildungen und
Fallbesprechungen. Zusätzlich ist das Marcumar-Projekt voranzubringen.

Eine neue Woche in Kirchberg im Wald. Letzte Woche habe ich darüber berichtet, dass es manchmal schwierig ist Unsicherheiten als Arzt oder auch als PJ-Student auszuhalten. Das shared decision making kann einen hierbei hilfreich sein. Es ist in der geteilten Verantwortung eine Entlastung für den Arzt und der Patient fühlt sich eingebunden und ernst genommen. In aller Regel sind die Ideen, Bedenken und Erwartungen des Patienten hierfür sehr hilfreich, da der Patient seinen Körper sehr gut kennt und somit meist eine gute Richtung vorgibt. Zusätzlich kann man den Patienten so auch besser da abholen, wo er sich gegenwärtig mit Sorgen etc. befindet. Die Abwendbar Gefährlichen Verläufe sollten auch bedacht werden. Dr. Blank gibt einem ein Schema (Inflammation/Entzündung/Tumoren/Gefäße/Trauma/Stoffwechsel/Psyche) in die Hand, welches jeden Montag bei den Fortbildungen eingeübt wird und mit dem es schwieriger ist AGV oder Differentialdiagnosen nicht zu beachten. Zusätzlich ist das Schema bestimmt auch in der Mündlichen Prüfung sehr hilfreich. Insgesamt fühle ich mich bei Dr. Blank und seinem Team sehr gut aufgehoben. Auch auf menschlicher Ebene habe ich den Eindruck von Haltung gegenüber Patienten einiges mitzunehmen. Die monatlichen Besprechungen des Curriculums mitsamt Feedback geben einem ein gutes Gefühl als Leitstruktur des eigenen Lernens. Wo noch Schwächen und wo schon Stärken bei einem liegen wird hierbei mit Dr. Blank ebenfalls besprochen. Ich bin immer sehr froh zu hören wo ich dran bin, welchen Fortschritt ich bisher gemacht habe und wo noch Verbesserungsbedarf vorhanden ist. Das Highlight in dieser Woche war die Hospitation bei Dr. Egid Werner. Dr. Blank regt einen dazu an auch bei niedergelassenen Ärzten in der Umgebung Hospitationen zu machen, um die unterschiedliche Arbeitsweise von Ärzten mitzubekommen und sich den jeweils passenden Part für sich selbst mitzunehmen. Dr. Werner ein Internist und Psychotherapeut arbeitet mit großer Zeitnahme pro Patienten und mit einer Sorgfältigkeit, welche sehr beeindruckend ist. Die Gesprächsführung ist wohlwollend und Raum gebend. Auch fachlich ist er sehr kompetent. Stets fragt er offen und lässt Patienten ausreden. Sein Interesse für den jeweiligen Patienten ist nicht nur technisch, sondern auch an seiner Ausstrahlung merkbar. Toll! Im Februar hospitiere ich nochmal einen Tag bei ihm.

Diese Woche war wieder einiges los. Mittwoch war wieder Journal Club. Die Ärzte der Gemeinschaftspraxis Bayerwald haben wieder jeweils eine interessante Studie aus wissenschaftlich anerkannten Journals intern erarbeitet und diskutiert. Am Mittwoch gab es dann wieder die Vorstellung vor niedergelassenen Ärzten der Region, welche als Fortbildungsveranstaltung angerechnet wird. Ich durfte Dr. Petra Mendl’s Studie aus der Horton Stiftung/Jama international medicine vorstellen. Die Studie handelte von der Prophylaxe von Zystitiden bei Prämenopausaler Frauen mit rezidivierenden HWI. Diesmal war der Ablauf für mich schon bekannt und meine Aufregung war nicht ganz so groß wie bei meinem ersten Journal Club im letzten Monat. Ich konnte die Arbeit mehr schätzen und finde es toll wie Dr. Blank einen als PJ-Student einbindet. Es ist ein tolles Gefühl als PJ-Student hierbei etwas beitragen zu können. Man lernt hier sich Pharmaindustrie unabhängige Informationen mit den richtigen Quellen erarbeiten zu können; das ist sicherlich sehr hilfreich für das spätere Arbeiten. Es ist toll so von der Gemeinschaftspraxis an das Thema herangeführt zu werden. Dr. Blank setzt großen Wert darauf, dass das ganze unabhängig von der Pharmaindustrie stattfindet und so unter anderem auch Patienten ein größeres Vertrauen in die schulmedizinische Arbeit niedergelassener Allgemeinärzte aufbauen können. Ignatius Fickert ein Famulant aus Graz, der ebenfalls am Ende seines Studiums steht, leistet mir momentan in der Nachbarwohnung und in der Praxis Gesellschaft. Gesellige Abende mit gemeinsamen Kochen machen das Leben in Kirchberg im Wald sehr angenehm. Es ist schön, dass viele Studenten durch Online Portale empfohlen diesen Ort aufsuchen. Zusätzlich ist es auch großartig von ihm Anregung in Hinsicht auf Prävention zu bekommen. Auch kritisches Feedback ist für mich sehr hilfreich und nehme ich gerne von ihm an, um es in meiner Arbeitsweise umzusetzen. So hat er mich darauf hingewiesen eine Patientin mit einer medikamentösen Einstellung ihrer Gicht gut betreut zu haben, jedoch das Thema der Ernährung zu kurz gekommen ist. Nächstes Mal werde ich mit einem Lächeln und der Erinnerung an Ignatius daran denken, um auch die präventiven Maßnahmen nicht zu vernachlässigen. Das Arbeiten im Team mit gegenseitiger Unterstützung und Feedback gefällt mir hier sehr. Das Highlight dieser Woche war für mich sicherlich, dass Dr. Blank mir angeboten hat nach meinem Studium bei ihm in der Gemeinschaftspraxis anzufangen. Das hat mich sehr gefreut. Meine Euphorie und Rückmeldung, dass ich mir das gut vorstellen könne, hat Dr. Blank daraufhin nochmal etwas zurück gestellt und gemeint, dass viele Studenten hier sehr begeistert sein von der Arbeit, aber man erst die anderen Tertiale abwarten solle. Man hat den Eindruck Dr. Blank hat einen nicht nur als Arbeitskraft im Blick, sondern nimmt seine Mitarbeiter als Menschen mitsamt deren Potentialen wahr, welche er mit großem Spaß fördert. Diese Arbeitsweise macht es ihm wohl auch möglich die Gemeinschaftspraxis mit Dr. Oldenburg und vielen motivierten Mitarbeitern, wie auch Frau Kölbl als Praxismanagerin, gut zu führen. Ignatius und ich haben diese Woche ein Interview mit Frau Sonja Esmailzadeh, einer Journalistin für ein Lokales Blatt in Straubing, gehalten. Sie möchte über die Landarztmacher berichten. Dafür hat sie uns beide Studenten als eine unter vielen Quellen interviewt. Ich stand dem zuerst etwas kritisch gegenüber, da ich mir unsicher bin, wie das von uns Berichtete wohl mitsamt subjektiver Wahrnehmung aufgefasst und in einem Zeitungsbericht verarbeitet wird. Dr. Blank hat uns dazu angeregt das wahrzunehmen und dem Interview mit einer positiven Einstellung zu begegnen. Wir haben beide jeweils davon berichtet wie wir dazu gekommen sind in Kirchberg zu arbeiten, was unsere Interessen in der Medizin sind und ob wir es uns vorstellen können hier zu arbeiten. Die Journalistin war sehr freundlich und ich freue mich auf den Artikel.

Diese Woche in Kirchberg im Wald war wieder sehr spannend. In Anlehnung an mein Protokoll zur Montagsfortbildung, Bridging, haben Ignatius, Sarah und Ich für die Praxis ein Flussdiagramm zu dem Thema erstellt. Das Teamwork und endlich mal einen Durchblick in diesem Thema zu erlangen tat gut. Zusätzlich habe ich eine Hospitation bei Christian Kufner, einem lokalen Physiotherapeuten, abgehalten. Er ist sehr aufgeschlossen und erzählt einem gerne auf Nachfrage genaueres. Einfach spannend zu sehen, was mit den Patienten passiert, nachdem man ihnen ein Rezept für Physiotherapie ausstellt. Freizeittechnisch haben wir diese Woche das Zwieseler Haus zum Langlaufen entdeckt. Sehr empfehlenswert und nicht ganz so überlaufen wie der Bretterschachten.

Diese Woche war wieder sehr spannend. Umso länger man hier arbeitet, umso spannender und mitreißender werden die Fallbesprechungen. Zum einen kennt man einige Patienten und zum anderen wächst die Verantwortung, welche einem hier im PJ auf sinnvolle Art Stückchen um Stückchen mehr gegeben wird. Mit steigender Verantwortung tangieren einen auch die Fallentwicklungen stärker. Das ganze Ärzteteam ist immer stets engagiert und erzählt Einem Neuigkeiten in der Fallentwicklung der Patienten, welche man gesehen hat. So erfährt man wie es um die betreuten Patienten steht, auch wenn dieselben Patienten, nicht von einem selbst, sondern durch einen anderen Arzt das nächste Mal gesehen wurden. Zusätzlich kann man sich über Neuigkeiten in der Akte informieren oder bei Patienten zuhause anrufen und sich persönlich um das Geschehene erkundigen. Die Patienten freuen sich über das Interesse. Lerntechnisch merke ich wie wichtig Wiederholung von Krankheitsbildern in unterschiedlichen Facetten ist. Das Gelernte wird besser konsolidiert. Die Abschätzung, ob der Patient schwer oder leicht erkrankt ist, es ambulant oder stationär, beim Hausarzt oder Facharzt und wenn bei welchem behandelt werden muss, ist immer wieder zu erwägen. Sorgfältiges und achtsames Zuhören in der Anamnese und gezieltes Nachfragen, um AGVs auszuschließen, sowie den Allgemeinzustand des Patienten zu bestimmen wird für mich routinierter. Aber besonders, wenn man sich sicherer fühlt, muss man umso mehr auf seine Aufmerksamkeit achten und nicht nur an das Bekannte denken. In der Freizeit habe ich das Rodeln in Bodenmais Nähe entdeckt. Von Bodenmais kann man für 2-3 Std auf die Chamer Hütte hoch wandern, um sodann dort einen Schlitten auszuleihen und rasant eine Rodelabfahrt bis nach Bodenmais zu begehen. Ist eine ziemliche Gaudi. 

 

Diese Woche ist nochmal viel neben den normalen Alltag in der Hausarztpraxis passiert. Im Verlauf meines PJs, hier im ersten Tertial, bin ich immer wieder mit Unsicherheiten konfrontiert worden. Man hat einiges an Theorie von der Universität mitgegeben bekommen, jedoch ist die Praxis doch immer wieder abweichend von Lehrbüchern und auch in der Kommunikation mit Patienten können Missverständnisse entstehen. So entstehen immer wieder auch mal Fehler. Besonders wenn man Fehler begeht, auch wenn es nur kleine sind, kann es beängstigend sein, dass man in einem Jahr fertiger Arzt sein wird und diese Fehler direkt die Gesundheit von Patienten betreffen könnten. Besonders beschäftigte mich der Gedanke, wenn es mal ein größerer sein sollte. Dr. Blank hat uns in diesem Kontext eine Fortbildung bei Dr. Dieter Schoder, Hausarzt und Psychotherapeut im Ruhestand organisiert. So trafen wir zu dritt am Anfang unseres Arzt-seins mit Dr. Dieter Schoder am Ende seines Arzt-seins zusammen. Eine exzellente Möglichkeit des Austausches. Es war nochmal gut zu hören, dass dieser emotionale Prozess normal im Arzt-werden ist und dass es wichtig ist in Kontakt mit diesen Unsicherheiten zu stehen. Herr. Dr. Schoder hatte sich zuvor auch einige Gedanken gemacht, wobei Unsicherheiten als Hausarzt entstehen können und die Komplexität des Hausarzt-seins nochmal dargestellt und welche Strategien es gibt, damit umzugehen. Das war sehr spannend und lehrreich. Zusätzlich habe ich diese Woche eine Hospitation bei Herrn und Frau Dr. Stern, zwei sehr engagierte und erfahrene Hausärzte in Geiersthal, begangen. Hier habe ich Patienten zur Anamnese und körperlichen Untersuchung, sowie mit eigenen Therapie Vorschlägen betreut und sodann an Herrn Stern übergeben. Das Patientenklientel war abwechslungsreich und Dr. Stern konnte mir vieles zeigen und erklären, was sehr spannend für mich war, wie beispielsweise Manual Therapeutische Diagnostik und Behandlung. Herr Dr. Stern hat eine sehr ruhige empathische Art und strahlt eine große Erfahrung aus. Frau Dr. Stern, ebenfalls sehr gewieft, ist ebenfalls sehr interessiert einem etwas in den zwei Tagen mitzugeben. Sie erklärte mir spannende Fälle in der Praxis und machte mich hier auf Knackpunkte aufmerksam. Zur Mittagspause haben sie mich auf einen schönen Spaziergang mitgenommen und zum Kuchen Essen eingeladen. Toll wie es einem hier auch möglich ist bei anderen Ärzten zu hospitieren und sogar dazu angehalten wird. Jeder Arzt hat auf seine Art etwas von dem man lernen kann. Frau Dr. Kleudgen hatte uns drei PJler an einem Tag zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen. Dort erwartete uns ein großartiges Abendessen und ein gemütlicher schöner Abend.  

 

Die letzten drei Wochen haben begonnen. Die Zeit hier ist sehr schnell verflogen. Es ist wichtig seinen eigenen Lernplan gewissenhaft zu verfolgen und immer wieder bei den Ärzten anzusprechen, um diesen zu vervollständigen. In dieser Woche hatten wir noch ein Treffen bei Dr. Egid Werner. Hier haben wir uns nochmal über einzelne Schwierigkeiten unterhalten, welche uns in dem Tertial mit Patienten betroffen hatten. Dr. Egid Werner hat ein Talent dafür Raum zu geben und entscheidende Punkte anzusprechen, welche relevant in den jeweiligen Konflikten sind. Zusätzlich hat er Möglichkeiten angesprochen wie in der Kommunikation mit Patienten das Entscheidende in der Kommunikation zur Erscheinung treten kann. Toll, dass es hier möglich ist, sich offen über Schwierigkeiten im „Arzt-sein“ zu unterhalten und ins Gespräch zu bringen ohne Angst haben zu müssen, dafür diffamiert zu werden. Ich freue mich schon übernächste Woche noch einmal bei Ihm zu hospitieren.

Vorletzte Woche. Diese Woche wohne ich noch einmal jeweils jedem Arzt bei und stelle mal wieder fest, wie man die Vorzüge jedes einzelnen Arztes hier noch einmal erleben und verinnerlichen kann. Dr. Blank schaut einem nochmal über die Schulter beim Schallen und lässt einen die Check ups durchführen, mit Frau Dr. Takacs gehe ich nochmal en Detail die Einteilung der Herzinsuffizienz durch, mit Dr. Machac geht man nochmal die Einteilung der Migräne durch, Dr. Kleudgen korrigiert einen nochmal bei der Behandlung der Hypertonie und Dr. Mendl ist leider momentan noch erkrankt. Ich werde die Ärzte von hier vermissen.

Am Mittwoch kamen wir noch einmal in den Genuss eine Fortbildung über Antibiotika von Dr. Vogelmann zu genießen. Sarah und Ich schreiben beide Protokoll. Man wird schon ein wenig wehmütig, dass die Zeit hier zu Ende geht. Meinen Lernplan kam ich leider nicht soweit bei, wie ich es mir vorgenommen hatte. Aber man hat hier viel lernen können über eigene Haltung, Studienbeurteilung und die eigene Arztrolle. Ich hatte immer das Gefühl als Mitglied im Team der Ärzte ernst genommen zu werden und Verantwortung übernehmen zu können und dieser versucht gerecht zu werden. Ein tolles Tertial in einem tollen Team!

 

Sarah Moschko

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Ich bin über PJ-Ranking auf der Suche nach einer Allgemeinarztpraxis mit guter Lehre im PJ auf die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald gestoßen. Schon der E-Mailkontakt ist super gut organisiert und sehr professionell. Auf meine Frage, wann ich nach dem erbetenen Probearbeiten denn Bescheid bekäme, ob ich für das PJ hier machen darf, kam die Antwort: „Wie, ob du darfst?! Wegen uns kannst du hier sofort anfangen. Es geht darum, dass du herausfindest, ob du es dir hier vorstellen kannst, damit du auch von den 4 Monaten profitierst.“ Eine Lehrpraxis, die sich für meinen Gewinn interessiert – endlich! :)

Ich bin am Wochenende vor meinem ersten Arbeitstag in die Studentenwohnung in Kirchberg eingezogen. Die Schlüsselübergabe erfolgt sehr unkompliziert, alle Anweisungen per Mail. Es ist eine 2er-WG, die ich mir mit meinem Mit-PJler teile. Am Montag gehen wir beide in die Praxis in Kirchberg und werden dort von Dr. Blank begrüßt.

Eine der Arzthelferinnen zeigt uns kurz die Praxis und dann laufen wir den ersten Vormittag beide mit Dr. Blank mit. Obwohl viel los ist und er viel zu tun hat, bleibt er immer freundlich und nimmt sich Zeit uns einige Dinge schnell zu erklären. Nach der Sprechstunde findet die sogenannte „Montagsbesprechung“ statt, die über eine Art Skype zwischen allen Ärzten der vier Praxisstandorten veranstaltet wird. Hier werden Themen besprochen, die vorher von allen Ärzten vorgeschlagen werden können. Das heutige Thema ist „Reizhusten“ und ich bin für das Protokoll verantwortlich. Wir PJler werden uns das restliche Tertial damit immer abwechseln.

Die Diskussion folgt einem den Ärzten bekannten Schema und ist sehr strukturiert und lehrreich. Bereits ab dem Nachmittag dürfen wir zu den Patienten vorgehen, Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen und die Patienten dann dem nachkommenden Arzt vorstellen. Ab dem zweiten Tag sind wir PJler meist in verschiedene Praxen eingeteilt. Nach einem kurzen Kennenlern-Mitlaufen bei dem jeweiligen Arzt, darf ich auch hier schnell zuerst alleine zu den Patienten gehen und die „Vorklärung“ machen. Durch die Einteilung an den verschiedenen Standorten, kann ich bei verschiedenen Ärzten mitlaufen und lerne ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen kennen. Insgesamt beeindruckt mich, dass alle, auch wenn sie ihre Schwerpunkte natürlich verschieden setzen, einen sehr hohen Anspruch an die Güte ihrer Therapieempfehlungen haben. Häufig werden meine Nachfragen mit Hinweisen auf Studien, Journal Clubs oder Leitlinien beantwortet.

Sehr positiv fällt mir auch die Teamarbeit zwischen allen Praxismitarbeitern auf. Die Abläufe sind sehr gut aufeinander abgestimmt und die MFAs nehmen die Ärzten viel Arbeit ab – meist völlig automatisch. Ganz „nebenbei“ haben die meisten noch zusätzliche Spezialqualifikationen wie Diabetes-Betreuung oder Wund-Management. So schließe ich mich in meiner ersten Woche mehrmals Frau Bartesch an, die mich freundlicherweise immer für die besonders spannenden Wundversorgungen dazu holt.

Ganz nebenbei nimmt sie mich auch mit dem Auto mit nach Schöfweg – es hat nämlich gleich in der ersten Woche geschneit und seitdem steht mein Fahrrad in der Garage… Nur ein kleines Beispiel für die unglaublich freundliche und offene Art mit der wir Pjler vom gesamten Team behandelt werden. Mittwochabend dürfen wir bei einer weiteren Online-Besprechung dabei sein. Diesmal: Journal Club. Beteiligt sind nicht nur die Ärzte der vier Praxisstandorte, sondern auch einige weitere Niedergelassene. Jeder Arzt stellt eine Studie vor. Anschließend gibt es eine kleine Diskussion und es wird ein gemeinsames Fazit formuliert. In der Woche darauf werden die besprochenen Studien bei einer Präsenzveranstaltung in Regen für alle Niedergelassenen der Gegend vorgestellt. Wir Pjler werden jeweils einer Ärztin zugeteilt, sollen uns in deren Studie einlesen und diese nächste Woche dann vorstellen. Mein Thema ist „HCT erhöht in Studien das Risiko für weißen Hautkrebs – stellen wir deswegen alle Patienten auf eine Alternative um?“. Es kostet mich zwar ein paar Stunden Arbeit am Wochenende, ist aber durchaus lehrreich und spannend. Ich freue mich auf nächsten Mittwoch. Ab und zu sind wir PJler übrigens bei Dr. Blank auch mal zu zweit in der gleichen Praxis. Das funktioniert ganz wunderbar, da wir uns meist aufteilen und zu verschiedenen Patienten vorgehen. Als mal keine Patienten da sind, nehmen wir uns ein Otoskop und üben solange bis wir uns sicher im Umgang damit fühlen. Und tatsächlich tue ich mich danach bei den Patienten viel leichter den Trommelfellbefund zu erheben. Theoretisch gibt es in der Praxis auch Bewertungsbögen, sodass wir zusammen zu einem Patient gehen können und dann vom anderen Feedback zu unserer Kommunikation bekommen. Leider sind wir da diese Woche nicht dazu gekommen, aber das wird sicher auch noch spannend.

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit meiner ersten Woche, habe schon mehr gelernt als erwartet und fühle mich gut im Team aufgehoben. Zu viel anderem bin ich nebenbei aber übrigens nicht gekommen, aber das wird einem auch schon beim Probearbeiten ganz ehrlich gesagt und ist es auch wert!

 

Die zweite Woche beginnt ähnlich wie die erste: wir PJler sind beide bei Dr. Blank eingeteilt, gehen jeweils zu den Patienten vor und stellen sie dann Dr. Blank oder seinen Kollegen vor. Das Ganze läuft jetzt schon etwas flüssiger, wir teilen uns selbstständiger auf die Patienten auf, wissen, wo wir Leitlinien o.ä. nachschlagen können (für mich komplett neu, aber genial: Deximed) und bei einfacheren Fällen stelle ich fest, dass meine Empfehlungen teilweise gar nicht weit von denen der Ärzte entfernt sind.
Das Thema der Montagsbesprechung lautet „Impfen“. Obwohl die Themen, die besprochen werden sollen, recht breit sind, wird schnell klar, dass der Umgang mit Impfgegnern bzw. -kritikern alle sehr beschäftigt und so wird hierauf das Hauptaugenmerk gelegt. Aus studentischer Sicht ist es sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich die verschiedenen Ärzte mit dem Thema umgehen. Ich nehme für mich mit, mir an wirklichen Impfgegnern nicht die Zähne auszubeißen, sondern lieber schwankende Patienten mit ihren Sorgen ernst zu nehmen und hier Informationen zu bieten (z.B. gesundheitsinformation.de), die sie zumindest von den für sie wichtigsten Impfungen überzeugt.
Eine weitere spannende Besprechung haben wir Mittwochabend im Journal Club mit den niedergelassenen Ärzten der Region. Dorian und ich stellen jeweils eine der Studien von letzter Woche vor. Ich bin zwar ein kleines bisschen nervös, aber alle sind sehr nett und es wird sehr wertschätzend und kollegial über die Inhalte diskutiert, sodass ich am Ende froh bin, die Chance gehabt zu haben, sich mal wieder etwas mit Statistik und Studienarbeit auseinander zu setzen. Trotzdem ist es auch schön, das Thema abgehakt zu haben, da die Vorbereitung und auch der Journal Club nochmal einige Stunden zusätzlich bedeuten.
Vielleicht bekomme ich dafür Ende der Woche die Quittung – ich habe eine dicke Erkältung. Andererseits hat Dr. Blank schon Anfang der Woche einem Patienten gegenüber angekündigt, dass wir PJler alle zwei, drei Mal pro Tertial bei der jeweiligen Erkältungswelle mitmachen. Ich dachte ja noch, man könne ja auch mal die Ausnahme sein… - einfach nix gewohnt, dieses Studentenvolk ;)

Meine dritte Woche im bayerischen Wald ist etwas anstrengend, weil ich die Halsschmerzen die ganze Zeit nicht richtig los werde… Ich merke, dass es mir schwerer fällt mich auf die Patienten einzulassen und eine angemessene Haltung einzunehmen während ich selbst nicht so fit bin. Meine Erkenntnis für diese Woche auf persönlicher Ebene: mein eigenes Befinden beeinflusst meine Wahrnehmung und damit die gesamte Kommunikation und Beziehung mit dem Patienten – vorher einmal tief durchatmen und eigene Befindlichkeiten vor dem Behandlungsraum lassen…
Die Mittwochsfortbildung fand ich sehr spannend, da es diese Woche ein für uns PJler neues Format war. Statt eines Journal Clubs haben wir diese Woche eine Online-Konferenz mit einem Schilddrüsen-Experten aus München gehabt. Es ging um die Bedeutung von Ultraschallscreening bei Schilddrüsenknoten. Anhand von Sensitivität und Spezifität haben wir durchgerechnet, wie diese bei der niedrigen Prävalenz von Schilddrüsenkarzinomen bei eigentlich hohen Werten (beide über 90%) zu unglaublich vielen falsch-positiven Befunden führen. Leider werden die meisten falsch-positiven Patienten aus übergroßer Sorge dann unnötigerweise operiert und entsprechend muss ein gewisser Anteil anschließend mit den OP-Komplikationen leben. Tatsächlich ist die Zahl der durch unnötige Schilddrüsen-OPs Geschädigten größer als die Zahl der durch richtig-positiven OP-Indikation Geretteten. Ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie wichtig die quartäre Prävention in der Hausarztpraxis ist.

Ich starte mit viel Elan in die Woche, da ich endlich wieder fit bin. Die ersten beiden Tage sind wir beiden PJler mal wieder zusammen bei Dr. Blank eingeteilt. Ich finde es nach wie vor toll einen Mitstudenten da zu haben, weil man zum einen auch viel voneinander lernen kann (in meinem Fall lerne ich viel Ortho und manuelle Therapie von Dorian) und sich zum anderen gegenseitig Feedback geben kann. Zweiteres unterstützt Dr. Blank zusätzlich, indem er gezielte Beobachtungsaufgaben stellt. Damit ermöglicht er es sehr geschickt auch die kritischeren Feedback-Punkte herauszuarbeiten, da man als Student irgendwie ja schon dazu neigt, eher positives Feedback zu geben.
In der Montagsbesprechung geht es dieses Mal um Otitis media. Mittlerweile werden meist wir Studenten zuerst aufgefordert, das zu sagen, was wir wissen und anschließend werden wir durch die Assistenz- und Fachärzte ergänzt. Diese Woche schreibe wieder ich das Protokoll und durch die Beschäftigung mit der Besprechung im Nachhinein festigt sich der Inhalt. Praktischerweise kommen in der Woche auch noch einige Patienten mit Ohrenschmerzen, sodass sich gleich alles anwenden lässt.
Die Mittwochsfortbildung findet diese Woche nicht statt, aber stattdessen werden wir von einer der Assistenzärztinnen Dr. Sujova zum „Adventsfenster“ eingeladen. Das ist eine Tradition hier in der Gegend, bei der jeden Tag ein anderes „Fenster“ im Dorf für alle Nachbarn und Freunde geöffnet wird – es gibt Kinderpunsch, Glühwein und Plätzchen. In diesem Fall standen wir ganz gemütlich um eine Feuerschale vor dem Garten und haben die Weihnachtsstimmung im schneebedeckten Bayerwald genossen. Danke!

KW51 Erfahrungsbericht 5. Woche

Das Highlight dieser Woche ist eindeutig nicht-medizinischer Natur: mein erstes Mal Langlaufen!
Anna, die Tochter von Dr. Blank nimmt uns mit nach Klingenbrunn, wo es eine prima Trainingsloipe
inklusive Flutlicht gibt. Ich bin die ganze Woche ziemlich nervös, weil ich als einzige von uns dreien
noch nie Langlaufen war, aber die Loipe ist wirklich perfekt, weil sie so übersichtlich ist, dass man
auch in seinem eigenen Tempo laufen kann, ohne gleich zu vereinsamen ;) Außerdem haben wir mit
Anna die perfekte Begleiterin, weil sie nicht nur unglaublich nett und geduldig ist, sondern auch noch
Langlauflehrerin, sodass ich – obwohl „beim ersten Mal nur wichtig ist, Spaß zu haben“ – am Ende
das Gefühl habe, einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Techniken zu haben und mich
jetzt auch alleine auf die zwei dünnen Brettchen wagen würde. Vielen Dank!
Medizinisch nehme ich aus dieser Woche mit, wie wichtig es ist Patienten mit ihren Vermutungen für
die Ursache ihrer Beschwerden ernst zu nehmen. Ich habe einen Patienten, der seit Wochen
Knieschmerzen ohne vorangegangenes Trauma hat. Als ich noch vor Besprechung des MRT-Befundes
frage, was er denn glaube, woher seine Schmerzen kommen, denkt er etwas nach und nimmt dann
völlig korrekt die Diagnose seiner Meniskusläsion voraus. Außerdem habe ich einen Patienten von
letzter Woche wiedergetroffen. Er kam vor sieben Tagen mit unspezifischen Bauchbeschwerden,
hatte aber große Sorge „etwas an der Bauchspeicheldrüse“ zu haben. Von der Klinik her war eine
Pankreatitis sehr unwahrscheinlich, aber im Labor zeigten sich dann massiv erhöhte Lipase-Werte,
sodass wir ihn ins Krankenhaus einweisen mussten. In beiden Fällen hätte ich andere
Differentialdiagnosen für viel wahrscheinlicher gehalten. Ich glaube, wenn es uns wichtig ist, haben
wir Menschen doch noch eine ganz gute Verbindung zu unserem Inneren – ich werde versuchen
darauf zu hören.

Es ist Weihnachten und die Arbeitswoche besteht nur aus 27. und 28. Dezember. Uns wird
freigestellt, ob wir an diesen beiden Tagen kommen wollen oder nicht. Da ich im Januar noch zwei
Wochen in den Urlaub fahren werde entscheide ich mich zu kommen. Tatsächlich sind auch an
diesen beiden Tagen einige Patienten da und es lohnt sich vom Arbeiten/Lernen zu kommen.
Am Wochenende fahre ich das erste Mal zum großen Arber zum Snowboarden. Es ist ein kleines
Skigebiet und im Moment das einzige, das hier in der Gegend offen hat. Doch selbst hier sind einige
Pisten und Lifte mangels Schnees geschlossen. Grundsätzlich würde ich hier nicht unbedingt eine
ganze Woche Skiurlaub verbringen, aber für einen Tag, wenn man mal daheim bleibt lohnt es sich
allemal. Es ist klein, aber fein. Die Skischul- und damit Anfänger-Dichte ist allerdings recht hoch…

Das neue Jahr beginnt mit einer Dreitageswoche. Zwei Tage begleite ich Dr. Blank und einen Frau Dr.
Kleudgen. Sie ist nicht nur Fachärztin für Allgemeinmedizin, sondern auch für Neurologie. Da ich mich
nie intensiv mit Neurologie beschäftigt habe, finde ich es genial, hier in der Hausarztpraxis die
Möglichkeit zu haben, einer Neurologin bei der Arbeit zu zusehen.
Ich habe diese Woche eigentlich das Gefühl bei vielen Patienten bereits in der richtigen Richtung
vorgegangen zu sein und von Dr. Blank eher ergänzt als gänzlich korrigiert zu werden. Am
Freitagvormittag bekomme ich für mein neues Selbstbewusstsein direkt die Quittung und einen
„unklaren“ Patienten nach dem anderen. Schön, dass man als PJler immer noch einen Arzt hat, der
im Anschluss kommt und unterstützt. Aber auch schön, so zu Jahresbeginn direkt nochmal motiviert
zu werden, mehr zu lernen!

dieser Stelle möchte ich einen Freizeittipp geben =) Am Wochenende bin ich mit eine
Freund mit Schneeschuhen auf den Lusen (hinter Grafenau) gewandert. Wir haben viel
Neuschnee gehabt, sodass wir den Sommerweg nehmen konnten, der ein kleiner Pfad mitten
durch den Nationalpark ist. Nach ca. zweieinhalb Stunden und gegen Ende auch etwas
anstrengenderer Steigung kommt man oben am Gipfel an und direkt dahinter wartet eine
bewirtete Hütte auf einen. Obwohl der Weg so kurz ist, ist er landschaftlich unglaublich
abwechslungsreich und schön: man beginnt parallel zur Langlaufloipe, kommt dann auf einen
Waldweg, an der Martinsklause vorbei und durch von Menschenhand völlig unangetasteten
Wald. Sehr spannend: seit ca. 30 Jahren wird im Nationalpark bayrischer Wald wirklich gar
nicht mehr forstwirtschaftlich eingegriffen. Daraufhin hat sich der Borkenkäfer dann sehr
verbreitet und die meisten Fichten zu Fall gebracht. Meist brechen die abgestorbenen Bäume
in der Mitte, sodass man jetzt häufig circa zwei Meter hohe tote Baumstümpfe sieht und
dazwischen wächst der junge Mischwald nach – jetzt auch nicht mehr nur Fichten. Ganz
oben am Gipfel wandert man dann noch über ein Geröllfeld, dessen Steine die Magma
darstellen, die im Inneren des Berges erkaltet ist und erst später über Tektonik und Erosion
an die Oberfläche gekommen sind. Das alles eingehüllt in ein wundschönes, sanftes Weiß
bei einer Schneedecke von mindestens einem halben Meter und ganz oben sogar teilweise
einer dicken Eisschicht. Bergab haben wir dann den Winterweg (ein breiter flacher Feldweg)
genommen, um mit dem Schlitten runterfahren zu können. (Wir haben übrigens auch
Skitourengeher auf dem Sommerweg getroffen.) Absolute Empfehlung!
In der Praxis habe ich es diese Woche das erste Mal nach Rinchnach geschafft. Da ich ja
ohne Auto hier bin, ist der Transport immer nicht ganz einfach. Es gibt aber eine sehr nette
Arzthelferin, die in Kirchberg wohnt und in Rinchnach arbeitet und mich freundlicherweise
mitgenommen hat. Das Team ist auch nach 8 Wochen noch genauso hilfsbereit und
liebenswert wie am Anfang!

Es ist Weihnachten und die Arbeitswoche besteht nur aus 27. und 28. Dezember. Uns wird freigestellt, ob wir an diesen beiden Tagen kommen wollen oder nicht. Da ich im Januar noch zwei Wochen in den Urlaub fahren werde entscheide ich mich zu kommen. Tatsächlich sind auch an diesen beiden Tagen einige Patienten da und es lohnt sich vom Arbeiten/Lernen zu kommen.
Am Wochenende fahre ich das erste Mal zum großen Arber zum Snowboarden. Es ist ein kleines Skigebiet und im Moment das einzige, das hier in der Gegend offen hat. Doch selbst hier sind einige Pisten und Lifte mangels Schnees geschlossen. Grundsätzlich würde ich hier nicht unbedingt eine ganze Woche Skiurlaub verbringen, aber für einen Tag, wenn man mal daheim bleibt lohnt es sich allemal. Es ist klein, aber fein. Die Skischul- und damit Anfänger-Dichte ist allerdings recht hoch…

Das neue Jahr beginnt mit einer Dreitageswoche. Zwei Tage begleite ich Dr. Blank und einen Frau Dr. Kleudgen. Sie ist nicht nur Fachärztin für Allgemeinmedizin, sondern auch für Neurologie. Da ich mich nie intensiv mit Neurologie beschäftigt habe, finde ich es genial, hier in der Hausarztpraxis die Möglichkeit zu haben, einer Neurologin bei der Arbeit zu zusehen.
Ich habe diese Woche eigentlich das Gefühl bei vielen Patienten bereits in der richtigen Richtung vorgegangen zu sein und von Dr. Blank eher ergänzt als gänzlich korrigiert zu werden. Am Freitagvormittag bekomme ich für mein neues Selbstbewusstsein direkt die Quittung und einen „unklaren“ Patienten nach dem anderen. Schön, dass man als PJler immer noch einen Arzt hat, der im Anschluss kommt und unterstützt. Aber auch schön, so zu Jahresbeginn direkt nochmal motiviert zu werden, mehr zu lernen!

An dieser Stelle möchte ich einen Freizeittipp geben ;-) Am Wochenende bin ich mit einem Freund mit Schneeschuhen auf den Lusen (hinter Grafenau) gewandert. Wir haben viel Neuschnee gehabt, sodass wir den Sommerweg nehmen konnten, der ein kleiner Pfad mitten durch den Nationalpark ist. Nach ca. zweieinhalb Stunden und gegen Ende auch etwas anstrengenderer Steigung kommt man oben am Gipfel an und direkt dahinter wartet eine bewirtete Hütte auf einen. Obwohl der Weg so kurz ist, ist er landschaftlich unglaublich abwechslungsreich und schön: man beginnt parallel zur Langlaufloipe, kommt dann auf einen Waldweg, an der Martinsklause vorbei und durch von Menschenhand völlig unangetasteten Wald. Sehr spannend: seit ca. 30 Jahren wird im Nationalpark bayrischer Wald wirklich gar nicht mehr forstwirtschaftlich eingegriffen. Daraufhin hat sich der Borkenkäfer dann sehr verbreitet und die meisten Fichten zu Fall gebracht. Meist brechen die abgestorbenen Bäume in der Mitte, sodass man jetzt häufig circa zwei Meter hohe tote Baumstümpfe sieht und dazwischen wächst der junge Mischwald nach – jetzt auch nicht mehr nur Fichten. Ganz oben am Gipfel wandert man dann noch über ein Geröllfeld, dessen Steine die Magma darstellen, die im Inneren des Berges erkaltet ist und erst später über Tektonik und Erosion an die Oberfläche gekommen sind. Das alles eingehüllt in ein wundschönes, sanftes Weiß bei einer Schneedecke von mindestens einem halben Meter und ganz oben sogar teilweise einer dicken Eisschicht. Bergab haben wir dann den Winterweg (ein breiter flacher Feldweg) genommen, um mit dem Schlitten runterfahren zu können. (Wir haben übrigens auch Skitourengeher auf dem Sommerweg getroffen.) Absolute Empfehlung!
In der Praxis habe ich es diese Woche das erste Mal nach Rinchnach geschafft. Da ich ja ohne Auto hier bin, ist der Transport immer nicht ganz einfach. Es gibt aber eine sehr nette Arzthelferin, die in Kirchberg wohnt und in Rinchnach arbeitet und mich freundlicherweise mitgenommen hat. Das Team ist auch nach 8 Wochen noch genauso hilfsbereit und liebenswert wie am Anfang!

Obwohl ich meine zwei Wochen Urlaub sehr genossen habe und eine wundervolle Zeit hatte, habe ich mich in der zweiten Woche dann tatsächlich schon wieder auf die Arbeit in der Praxis gefreut. Das Wiederankommen ist mir dann auch dementsprechend leichtgefallen. Trotzdem war es eine anstrengende Woche – aus zwei Gründen:
Zum einen war das Thema der Montagsbesprechung „Bridging bei Operationen von antikoagulierten Patienten“. Neben dem Protokoll, das jede Woche einer von uns PJlern erstellt, kam diesmal die Idee auf, ein Flussdiagramm (also eine Art Entscheidungsbaum) für die einzelnen Schritte zu erstellen. Nachdem wir beides dann an die Ärzte weitergeleitet hatten, wurde klar, wie komplex das Thema ist, da immer wieder neue Fragen aufkamen: „Warum wird Clexane in der halbtherapeutischen Dosis eigentlich nur einmal am Tag gespritzt, obwohl die Halbwertszeit selbst bei wiederholter Subkutangabe nur etwa sieben Stunden beträgt?“, „Wie funktioniert die Anpassung bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder sollten statt niedermolekularem doch lieber unfraktioniertes Heparin gegeben werden?“, usw. So hat uns dieses Thema also noch die ganze Woche immer wieder und teilweise auch noch spätabends beschäftigt.
Zum anderen fühle ich mich zunehmend für meine Patienten verantwortlich. Nicht, weil kein Arzt mehr dazu kommen würde, sondern weil die Patienten mich auch immer mehr als primären Ansprechpartner während einer Konsultation wahrnehmen und akzeptieren (häufig habe ich schon zwanzig Minuten mit einem Patienten verbracht, wenn der zuständige Arzt dazu kommt). Das ist eine sehr lehrreiche Erfahrung, weil ich merke, dass ich dadurch mein gesamtes Vorgehen noch kritischer hinterfrage. Habe ich alle wesentlichen Punkte abgefragt bzw. untersucht? Habe ich red flags übersehen? Ist die Therapie, die ich (bzw. am Ende natürlich wir, also der behandelnde Arzt und ich) vorgeschlagen habe, wirklich die beste Option? Hat der Patient die Konsequenzen auch alle verstanden? Obwohl ich also weiß, dass die medizinisch/rechtliche Verantwortung zu 100% beim behandelnden Arzt liegt und nicht bei mir, fühle ich mich menschlich doch zunehmend in der Verantwortung, dass es „meinen“ Patienten bestmöglich geht. Ich finde das eigentlich einen idealen Lernzustand, da ich mich so schon mal lernen kann mit der gefühlten Verantwortung umzugehen und später „nur“ noch die rechtliche Verantwortung dazu kommt. Aber anstrengend ist es…

Über die Praxis haben wir PJler die Möglichkeit auch bei anderen Ärzten zu hospitieren. In der Wahl sind wir recht frei und können auch zu Ärzten, die wir kennen. Wenn man, wie ich, nicht von hier kommt, kann man sich aber auch einfach an Dr. Blank wenden und sagen: “Ich würde gerne mal bei einem Nephrologen/Dermatologen/Physiotherapeuten/... hospitieren.” Dann bekommt man gute Empfehlungen und einen Kontakt.
Ich war diese Woche für einen Tag bei einem Internisten, der parallel zu seinem Facharzt auch eine Psychotherapieausbildung gemacht hat. Die beiden Fachrichtungen sind zeitlich getrennt, sodass ich nur bei internistischen Patienten dabei war und mich dann verabschiedet habe, als die psychotherapeutischen Sitzungen losgegangen sind. Allerdings merkt man auch in seiner internistischen Arbeit den psychologischen Hintergrund und kann viel über biopsychosoziale Zusammenhänge lernen, sowie hervorragende Gesprächsführung beobachten. Außerdem ist er ein sehr gewissenhafter Arzt, der seine Patienten sehr gründlich untersucht, sodass ich an diesem Tag viele internistische Untersuchungen beobachten konnte, darunter Auswertung der Polysomnographie und Herzechos. Wann immer Zeit ist, bekommt man während der Untersuchungen viel erklärt und am Ende des Tages nimmt er sich nochmal Zeit für eine Nachbesprechung der Patienten – und geht hier auch nochmal auf die psychosozialen Hintergründe ein. Sehr spannend und lehrreich! Hundertprozentige Empfehlung!

Vor zwei Wochen habe ich in meinem Erfahrungsbericht ja schon davon geschrieben, dass ich (bzw. auch die anderen beiden Studenten, die gerade auch hier sind) zunehmend die Verantwortung für unsere Patienten spüren und damit auch eine gewisse Unsicherheit einhergeht. Als ich mit Dr. Blank -eigentlich beiläufig – darüber geredet habe, hat er direkt vorgeschlagen bei Kollegen mit psychologischem Hintergrund zu fragen, ob diese sich mit uns zusammensetzen würden, um dieses Thema mit uns zu bearbeiten.
Diesen Dienstag haben wir uns also einen Abend mit Dr. Schoder zusammengesetzt. Er hat gemeinsam mit seiner Ehefrau die Praxis in Schöfweg geleitet und beide unterstützen seit ihrer Rente noch die jüngeren Ärzte regelmäßig mit ihrer Erfahrung. Da er sich auch intensiv mit Psychotherapie und Psychoanalyse beschäftigt hat und unter anderem auch die Balint-Gruppe vor Ort leitet, war es für uns besonders wertvoll, dass er sich für uns Zeit genommen hat. Er hatte sich bereits im Vorfeld viele Gedanken über das Thema „Unsicherheit in der Allgemeinmedizin“ gemacht. Da es wenig Sinn macht, wenn ich hier jetzt die gesamten zwei Stunden wiedergebe, beschränke ich mich auf die Punkte, die bei mir stark hängen geblieben sind. Unsicherheit und Allgemeinmedizin gehören untrennbar zusammen. Auch in anderen Fachrichtungen kann es vorkommen, dass man keine Lösung für das Problem oder keine Erklärung für die Symptome des Patienten findet, aber dann wird der Patient halt zur nächsten Fachrichtung geschickt. Wenn am Ende nichts übrigbleibt, landet der Patient wieder bei seinem Hausarzt. Dieser muss diese Unsicherheit oder vielleicht passender dieses Nicht-Wissen dann gemeinsam mit dem Patienten aushalten, ihm vermitteln, dass alle gefährlichen Verläufe ausgeschlossen sind und man ihn trotzdem soweit wie möglich unterstützen möchte.  Aber auch wenn ein Patient zum ersten Mal in die Praxis kommt mit einem unspezifischen Symptom wie zum Beispiel Bauchschmerzen, muss der Hausarzt nach Ausschluss der abwendbar gefährlichen Verläufe aushalten, dass das Risiko besteht, dass doch etwas „Schlimmeres“ hinter dem Symptom steckt. Natürlich muss der Patient genau untersucht werden, aber wenn es sich um akuten Bauchschmerz handelt, der am ehesten auf einen grippalen Infekt hinweist, macht es keinen Sinn jeden Patienten ins CT zu schicken. Trotzdem besteht die winzige Wahrscheinlichkeit, dass doch einmal etwas hinter dem Bauchschmerz steckt, dass im CT diagnostiziert werden könnte. Auch dieses Nicht-Wissen muss der Hausarzt aushalten, denn jeden Patienten ins CT zu stecken schadet am Ende mehr Patienten (durch Strahlenbelastung, Stress, etc.) als es nutzen würde. Das schöne an dem Abend mit Dr. Schoder war, dass er all diese Dinge gar nicht als Nachteil gesehen hat, sondern als das Schöne, Besondere und Spannende der Allgemeinmedizin. Aus seiner Erfahrung sind die Patienten ihrem Hausarzt gerade dafür, dass er für sie und mit ihnen diese Unsicherheit und das Nicht-Wissen aushält, dankbar. Die Allgemeinmedizin sei eben keine reine Naturwissenschaft, sondern auch Geisteswissenschaft.

Das Thema der Montagsbesprechung dieser Woche war "Vitaminmangel und -Substitution". Ich finde dieses Thema irgendwie schwierig zu erfassen. Einerseits lernen wir bereits in der Vorklinik die verschiedenen Vitamine kennen, ihre Rolle im Stoffwechsel und ihren großen Stellenwert in unserer Ernährung als essenzielle Nahrungsbestandteile. Ich finde die Überlegung, was ich mit meiner Ernährung zu mir nehme und wie dies meine Gesundheit beeinflusst, grundsätzlich äußerst sinnvoll. In einem Vortrag von einem Ernährungsmediziner habe ich mal folgenden Vergleich gehört: "Wenn jemand zu Ihnen in die Praxis kommt, weil er sich ständig mit einem Hammer auf das Knie haut und deswegen jetzt Schmerzen hat, dann sagen Sie ihm doch auch nicht, er solle sich Knieschoner kaufen, sondern nehmen ihm den Hammer weg." Warum sollten wir also mit Medikamenten (Knieschoner) das wieder gut machen, was wir mit unserer schlechten Ernährung (Hammer) kaputt gemacht haben?
Andererseits ist der Zusammenhang zwischen Symptomen und Vitamin-Mangelzuständen kaum belegt. (Eine Ausnahme bilden natürlich die echten Hypovitaminosen wie Beriberi oder Skorbut, aber die gehören in einer Allgemeinarztpraxis im bayerischen Wald nicht gerade zu den häufigen Konsultationsgründen.) Meistens sind es Patienten mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, die gerne Vitamin-Tabletten wollen. Und dann steht man vor dem Problem, dass diese Symptome prinzipiell durch jeden Mangel verursacht sein können und dass 60% der Deutschen einen Vitamin D-Spiegel von <50nmol/l (Grenzwert für Mangel) haben. Wobei die klinische Relevanz völlig unklar ist, da bei weitem nicht alle 60% (die gleichen) Symptome haben – oder zumindest nicht damit vorstellig werden.
Wieder einmal merke ich also, wie wenig wir doch noch über unseren Körper und die Medizin wissen, obwohl wir schon so viel wissen. Jetzt habe mal noch jemand Zeit diese Zusammenhänge in der Sprechstunde verständlich zu erläutern, um zu einem informed consent zu kommen... Wie ich mit so komplexen, unklaren Themen meinen Patienten gegenüber umgehe, stellt mich aktuell noch vor ein großes Fragezeichen.

Rebecca Ebners

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  • Abschlussbericht

Zwei der vier Praxen durfte ich bereits vor einem Jahr im Rahmen des 2-wöchigen Blockpraktikums kennen-und schätzen lernen.

Auch dieses Mal wurde ich unglaublich herzlich von Dr. Blank und seinem höchst engagiertem Team begrüßt. Darüber hinaus hatte ich das Glück, dass gerade eine eine sehr
nette Studentin für ihr Blockpraktikum angereist war. Wir konnten am Montagabend gleich das ganze Team zum Gotthardfest in Kirchberg begleiten-ein echtes Highlight!

Der erste Tag in Kirchberg verlief, wie zu erwarten, sehr ereignisreich, ich durfte mich nach kurzem Eingewöhnen gleich selbstständig auf die Patienten ‚stürzen’, sprich Anamnese und körperliche Untersuchung vornehmen. Danach nahm sich Dr. Blank Zeit, mit mir die Vorstellung der Patienten zu üben und mir eine neue Präsentationstechnik näher zu bringen.

Diese bezieht den Patient deutlich mehr in das Vorstellungsgespräch ein, indem man ihn beim Präsentieren direkt anspricht, und nicht in der dritten Person berichtet.

Die Patienten-Vorstellung erschien zunächst ein wenig ungewöhnlich, doch schon nach kurzer Zeit fühlt sich diese Methode vollkommen natürlich an ;) !

Jeden Montag nach der Vormittagssprechstunde findet eine einstündige Skype-Konferenz statt. Dieses Mal lautete das Thema: Choosing wisely: Medikamente verordnen, Unnötiges vermeiden.

Ich konnte in dieser Woche meine sehr bescheidenen Schilddrüsen und Abdomen Sonographie-Skills schulen. Nach Rücksprache mit Dr. Blank vereinbarten wir, dass ich mich jede Woche auf ein anderes Organ konzentrieren darf, auch besteht jederzeit die Möglichkeit meine Kollegen zu schallen.

Am Mittwochabend nahmen Dr. Blank und Mandy uns mit nach Grafenau um den Allgemeinmedizinern aus der Region noch einige Details zum Projekt ‚exzellenter Sommer’ näher zu bringen. Es ergaben sich interessante Diskussionen zum Thema Ärztemangel in ländlichen Gebieten.

Ein weiterer Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte ist die außergewöhnliche Betreuung der Assistenzärzte. Diese können zweimal wöchentlich in Skype-Konferenzen, schwierige oder unklare Patientenfälle schildern, welche dann im Team besprochen werden.

Am Dienstag und Donnerstag konnte ich Hausbesuche mitfahren. Bea hat mir sehr viel zum Thema Wundversorgung beigebracht und bei Petra konnte ich Einblicke im Umgang mit Diabetespatienten gewinnen.

Es besteht sogar die Möglichkeit, dass ich meine eigenen Hausbesuchspatienten betreue, sofern mein kleines "Autoproblem" (Mandy und ich haben schon einen Facebook-Aufruf gestartet) gelöst wird.

Zudem habe ich in der ersten Woche natürlich die Ober-und Assistenzärzte kennen gelernt und verschiedene Arbeitsweisen gesehen, jeder ist hier sehr bemüht und engagiert
Krankheitsbilder zu besprechen und seine Erfahrungen bzw. sein Wissen weiter zu geben. Am Wochenende habe ich das gute Wetter genutzt und die Wanderung ‚Großer Arber und
Seen von Bretterschachten‘ gemacht- sehr empfehlenswert!!

Tagebuch Woche 2

Auch die 2. Woche ist- wie die erste- sehr schnell vergangen!

Am Montag habe ich die Praxis in Rinchnach kennengelernt. Es waren wieder viele interessante Fälle zu sehen, unter anderem bin ich das erste Mal mit dem Krankheitsbild Phenylketonurie "persönlich" in Kontakt getreten.

In einem kleinen Nebensatz habe ich erwähnt, dass ich mir eventuell ein neues Stethoskop zulegen möchte. Zwei Patienten später kamen mir die Arzthelferinnen bereits mit Katalogen und Angeboten entgegen. Sie würden auch gerne für mich telefonieren und sich bezüglich Rabatten etc. erkundigen. Über so viel Engagement kann ich immer wieder staunen, solche Kollegen sind ein purer Luxus:). Am Nachmittag bin ich noch kurz zu Mandy, die mir ihr Mountainbike für die nächsten Wochen überlässt, somit hat sich meine Mobilität schon mal um Einiges erhöht! Vielen Dank dafür.

Dienstag war pAVK Tag! Mit Waltraud, welche Spezialistin auf diesem Gebiet ist, untersuchten wir einen Patient nach dem anderen, mit diesem Krankheitsbild. Ein speziell angefertigter Fragebogen unterstütze uns, Risikofaktoren für Komplikationen zu erkennen. Darüber hinaus führten wir den timed up an go-, den chair rising- und den Uhrentest durch. Die Patienten hier haben großes Glück, von so einer Expertin ‚überwacht‘ zu werden.

Um 12:30 startete dann die Skype-Konferenz zum Thema "Knieschmerz".

Am Mittwoch hat uns Dr. Blank tatsächlich mit nach Regensburg genommen. Annika (sie hat am Montag mit ihrer Famulatur bei uns gestartet) und ich konnten die Stadt im Rahmen einer exzellenten 2h Führung kennen lernen. Tolles Intermezzo;)!

Am Donnerstag war ich in Kirchberg eingeteilt- der Tag verlief patiententechnisch relativ ruhig, jedoch habe ich ein mir bisher völlig unbekanntes Krankheitsbild kennen gelernt : CDG (Congenital Disorder of Glycosilation, welches für Eltern der betroffenen Kinder eine extreme Herausforderung darstellt.
Anschließend nutzen die junge Ärztin Sheily und ich eine ruhige Minute, um mal wieder das Schallen zu üben, bis es um 12:30 Zeit für die Assistenzärzte war, Fälle vorzustellen, bei denen Unklarheiten bestehen. Dabei kann man wirklich eine Menge lernen! So langsam bekomme ich das Gefühl, annähernd einen Überblick über die Neueinstellung bzw. Anpassung der Therapie der arteriellen Hypertonie zu bekommen, die auch unter den jungen Kollegen immer wieder Fragen aufwirft.
Am Freitag war Diabetestag ;)! Petra, die Diabetes-Assistentin ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Blutzucker-und Lebensstilberatung. Gleich morgens um 7 ging es mit Hausbesuchen von ihren Patienten los, es kann sehr spannend und wichtig sein, die häusliche Umgebung der Patienten kennen zu lernen. Beeindruckt hat mich das freundschaftliche und vertrauensvolle Verhältnis, welches Petra zu ihren Patienten pflegt, sie sieht immer den Gesamtkontext der Krankheitsgeschichte und versucht sehr individuell auf sämtliche Bedürfnisse einzugehen. In der Sprechstunde in Schöfweg konnte ich sie weiter begleiten und meine unzähligen Fragen stellen.

So hat sie mir Präventionsstrategien diabetischer Füße näher gebracht und wir haben einzelne Oberflächenqualitäten (Vibrationsempfinden, Temperatur, Schmerz und Berührung) getestet, sowie die Dopplersonographie durchgeführt. Darüber hinaus überprüften wir zahlreiche Blutzuckerprotokolle und passten den gemessenen BZ Werten die Insulindosis an.

Alles in allem eine sehr spannende Woche, die ich mit einem Besuch der Stadt Krumau am Wochenende ausklingen ließ. Die Nähe zu Tschechien werde ich bestimmt noch öfter ausnutzen, da ich das Land kaum kenne.

Tagebuch Woche 3

Am Montag ging es mit der Sprechstunde in Kirchberg los, bei der Skype-Konfenz, besprachen wir
das Thema Schulterschmerz. Mir wurden einige Wissenslücken, besonders hinsichtlich der körperlichen Untersuchung bewusst, die sich zum Teil Dank dem Jama Artikel „Does this patient have Rotator Cuff Disease?“ beheben ließen. Bei so vielen verschiedenen Untersuchungstests ist es aber wirklich nicht leicht, den Überblick zu bewahren!

Geriatrisch ging es am Dienstag weiter. Mit Waltraud führte ich unter anderem Hausbesuche durch, wir nahmen in diesem Zug eine neue Patientin in das sog. LIA-Projekt auf. LIA steht für Lebensqualität im Alter. Bei diesem Betreuungskonzept, bestehend aus Physiotherapeuten, MFAs, Allgemeinmedizinern, Ergotherapeuten und Altenpflegerinnen werden ältere Patienten im ihrem häuslichen Umfeld bestmöglich betreut. Vor allem für die Angehörigen, stellt die Gewährleistung der Lebensqualität für ihre Lieben eine große Herausforderung dar. Am Dienstagabend, fand dann auch gleich die LIA Sitzung statt.

Die Patienten wurden im Team mit den oben genannten Berufsgruppen einzeln besprochen, so konnte aus vielen Perspektiven das weitere Procedere und Verbesserungsmöglichkeiten der Führung  geriatrischer Patienten besprochen werden.

Am Mittwoch konnte ich bei den Physiotherapeuten in Kirchberg hospitieren. Es war spannend zu sehen, wie unsere Verordnungen letztendlich umgesetzt werden und wie wichtig der Physiotherapeut für die Patienten ist! Ich bekam Einblicke in Lymphdrainage, manuelle Therapie, Schröpfen, Massagetechniken und durfte sogar selbst den Schlingentisch testen. Unglaublich, wie viele Verspannungen und Fehlhaltungen eigentlich durch ein bisschen Sport vermieden werden könnten.

Am Abend fand der sogenannte Journal Club statt, eine geniale Erfindung! Im Team, mit anderen niedergelassenen Kolleginnen-und Kollegen, diskutieren wir neue Studienerkenntnisse. Ziel dieses Journal Clubs ist es, Artikel, welche für den Hausarzt Praxisrelevanz haben, zu prüfen und die Ergebnisse untereinander zu besprechen. Da jeden Monat unzählige neue Artikel erscheinen, kann man schnell den Überblick über die Studien verlieren. So werden die Artikel an die Assistenzärzte verteilt und dann mit Kollegen mit langjähriger Erfahrung besprochen. Das Ganze fand im Gebäude der AOK in Regen, in sehr wertschätzender Atmosphäre statt.

Es ist immer wieder faszinierend, wenn Kollegen, mit jahrzehntelanger Erfahrung über bestimmte Patienten berichten und ihr Wissen so gezielt einbringen können. Ich durfte einen Artikel zum Thema E-Zigaretten vorstellen.

Am Donnerstag war ich mit Annika am Vormittag in Lalling und am Nachmittag in Schöfweg. Wir untersuchten wieder viele Patienten und stellten sie den zuständigen Ärzten vor. In Lalling habe ich sogar eine Internistin geschallt, welche mir noch ein paar Tipps und Tricks zu den Themen Sonographie und Ärztedasein gegeben hat.

Am Nachmittag, führte mich Dr. Kleudgen in ihr Marcumar-Projekt ein. In Zukunft sollen in der Patientenakte der CHA2DS2-VASc und HAS-BLED Score erscheinen. Dazu ist es nötig, sämtliche Daten in Excel-Tabellen einzugeben, um das Schlaganfall- bzw. Blutungsrisiko individuell zu berechnen.

Am Donnerstag Abend trafen wir uns in der Pizzeria „Griabige“ in Lalling, um Dr. Blanks 20jähriges Jubiläum als niedergelassener Hausarzt zu feiern. Ein sehr schöner Abend und ein super Start in das verlängerte Wochenende;)

Unglaublich, dass bereits 4 Wochen vergangen sind!

Diese Woche startete ich in Schöfweg. Bea ist so lieb und nimmt mich morgens und nachmittags immer mit in die Praxis, da ich sozusagen am Weg liege. Ein sehr geduldiger und netter Patient mit chronischer Osteomyelitis erklärte mir einige Details zu seinem Krankheitsbild, welches ich davor noch nie gesehen hatte.

Der Vormittag verging wie im Flug, und um 12:30 stand dann auch schon unsere Skype-Konferenz, dieses Mal zum Thema Epicondylitis an. Die Epicondylitis ist ein langwieriges aber meist selbstlimitierendes Krankheitsbild mit hoher Rezidivrate, ich habe bei der Konferenz gelernt, wie man diese Patienten untersucht und behandelt.

Den Dienstag und Mittwoch verbrachte ich gemeinsam mit der Ärztin Sheily, welche aus Honduras stammt und hier ihr Sprachdiplom absolvieren möchte, in Kirchberg. Es warteten viele Patienten auf uns, ich konnte unter anderem Wunden und Zeckenbisse begutachten. Gerade das Thema Zecken ist für viele Patienten heikel, sie kommen häufig mit großer Angst vor Borreliose. Viele berichten auch über Verwandte und Bekannte, welche schon Borreliose gehabt hätten. Inzwischen kann ich die Patienten beruhigen und sie über Verlauf und Behandlung dieser Erkrankung aufklären. Einige sind ganz schön erstaunt, wie harmlos der Verlauf in der Regel ist.

Immer wieder faszinierend, ist Dr. Blanks raffinierte Technik zu impfen;) , gerade Kinderärzte könnten sich da eine Scheibe abschneiden, es gibt nie Tränen (weder bei jung noch alt), oft fragen die Patienten, wann es los geht, wenn der ganze Spuk schon wieder vorbei ist! Der Trick besteht darin, den spitzen Schmerz der Kanüle, durch einen dumpfen Schmerz (ausgelöst durch kräftiges Palpieren des Schultergelenks) zu überlagern.

Der Donnerstag verlief ungewöhnlich ruhig in Kirchberg, so nutze ich die Gelegenheit am Marcumar-Projekt weiter zu arbeiten. Glücklicherweise konnte ich meine Fragen an Dr. Machac richten, einen Internisten in der Nähe zu haben ist ein großer Gewinn. So ist aus einer Frage (zählt der Myokardinfarkt zu den thrombo-embolischen Ereignissen?), eine Stunde Unterricht bzw. Diskussion entstanden.

Anschließend führten wir ein Belastungs-EKG durch und Dr. Machac besprach mit mir relevante Indikationen und Kontraindikationen für diese Untersuchung, als die Patienten präkolaptisch wurde, brachen wir die Untersuchung natürlich ab und versorgen sie entsprechend. Dr. Machac kennt sich auch unglaublich gut bei den Kardiomyopatien aus und hat mir noch einige relevante Befunde dazu im EGK gezeigt, nächste Woche machen wir dann gemeinsam einen EKG Kurs für die Studenten des Projekts „exzellenter Sommer“.

Am Nachmittag habe ich mich mit der Leitlinie zum Thema neue Antikoagulantien in der Hausarztpraxis beschäftigt und stelle fest, was für ein tolles Medikament Marcumar ist;) man kann es zum einen besser steuern und überwachen und außerdem antagonisieren. Zudem ist es gut verträglich und erforscht.

In der Skype-Besprechung um 12:30 wurden uns wieder sehr spannende Fälle von den Assistenzärzten präsentiert. Am Freitag trafen wir uns morgens vor der Praxis in Kirchberg um 6 Elektroautos für die 30 Studenten des exzellenten Sommers abzuholen. Diese sind am Freitag aus ganz Deutschland angereist und verbringen hier 4 lehrreiche Wochen in den umgebenden Kliniken bzw. bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern. Auch finden an den Nachmittagen und teils am Wochenende Teachings zu folgenden Themen statt: der Umgang mit Diabetes Patienten, der alte Patient, der Umgang mit dem kranken Kind, Wissen in der medizinischen Arbeit.

Darüber hinaus werden ein Nahtkurs, ein EKG Kurs und ein Sonographie Kurs angeboten. Ich darf die Kurse und Teachings begleiten und die Studenten beim Lernen unterstützen und bin schon sehr gespannt auf diesen exzellenten Sommer!

Am Freitagnachmittag begleitete ich Bea noch zu ihren Hausbesuchen. Sie hat sehr viel Erfahrung im Wundmanagement und gibt ihr Wissen gerne weiter. Das Wochenende habe ich genutzt um eine kleine Rundwanderung durch Lalling zu unternehmen und die Stadt Pilsen kennen zu lernen, auch Mandys Mountainbike kam mal wieder zum Einsatz. PJ und Urlaub lassen sich hier wirklich toll verbinden.

Tagebuch Woche 5

Eine 5. sehr ereignisreiche Woche geht zu Ende, hier ein kleiner Auszug:
Durch den Wochenstart begleitete uns ein Kamerateam von RTL, welches Leben und Arbeitsweise des Allgemeinmediziners aufzeichnete. Der Praxisalltag ging vor laufender Kamera natürlich ganz normal weiter- auf die Ausstrahlung im September bin ich sehr gespannt!

Am Dienstag konnte ich das Teaching „Wissen in der Medizinischen Arbeit“ des exzellenten Sommers begleiten, welches in der AOK in Regen statt fand. Nach kurzer Einführung und Fallvorstellung durch Susanne konnte ich eine Gruppe von Studenten bei der Recherche bezüglich der Therapie im akuten Gichtanfall unterstützen. Wir bekamen jeweils unterschiedliche Datenbanken mit Zugangscodes zur Verfügung gestellt (Deximed, Cochrane, up to date und die AWMF Leitlinien). Ich durfte das Deximed Team betreuen, was mich besonders freute, denn mit dieser Quelle habe ich in den letzten Wochen am meisten gearbeitet.

Es handelt sich dabei ursprünglich um ein in Norwegen gegründetes Arztinfomationssystem, dort nutzen es Hausärzte schon seit 1997 (!). Das Online-Portal ist unabhängig und werbefrei. Die bereits vorhandenen Infos aus Norwegen wurden ins Deutsche übersetzt und an die deutschen Leitlinien angepasst. Bezüglich unseres Patienten mit dem akuten Gichtanfall konnten wir dank Deximed schnell die Therapie der Wahl herausfinden und sie dem restlichen Team vorstellen.

Diese lautet:
Entweder eine Kombination aus NSAR und Cortison, alleinige Gabe eines der beiden Medikamente, bei Kontraindikation dieser drei Therapien ist Kolchizin das Mittel der Wahl. Durch diesen großartigen Vortrag von Susanne habe ich doch glatt wieder ein bisschen Motivation bekommen, den Literaturteil meiner Doktorarbeit voran zu bringen;) Am Donnerstag durfte ich Waltraud beim Teaching – der Umgang mit dem alten Patient unterstützen.

Ich bin immer wieder begeistert, wie viel Herzblut im LIA Projekt, (Lebensqualität im Alter) steckt, Waltraud hat uns viele Erfahrungen und ihr Wissen im Umgang mit dementen oder depressiven geriatrischen Patienten vermittelt. Es entstanden aus ihrem Vortrag einige interessante Diskussionen. Im Anschluss an die Präsentation, verteilten wir Rollen als Patient und Arzt, damit die Studeten ein Gefühl bekommen, wir man z.B. einen timed up and go test erhebt , oder wie man beispielsweise einen Uhrentest korrekt bewertet (was in einigen Fällen wirklich eine Herausforderung ist!)

Schon am nächsten Tag, traf ich die 15 Studenten wieder, um mit ihnen Fälle aus den Praxen,
die sie vorbereitet hatten zu besprechen, Dora stand uns mit Rat und Tat zur Seite und
berichtete auch ausführlich von ihren Erfahrungen mit Patienten. Dieser Nachmittag hat mir
sehr gut gefallen, da die Studenten von Anfang an eine super Gruppendynamik entwickelten
und wir sehr gezielt auf Fragestellungen eingehen konnten, ich hatte auch das Gefühl, dass
diese Diskussionen den Studenten sehr viel bringen und man gleichzeitig seinen eigenen
Horizont erweitert.

Man geht aus solchen Nachmittagen mit neuem Wissen gestärkt in die nächsten Tage, ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Besprechungen dieser Art! Last but not least fanden als Wochenabschluss am Samstag ein EKG und ein Sonokurs im Krankenhaus Freyung statt. Es ist schon toll, dass ich sämtliche Teachings begleiten darf, manche kann ich natürlich mehr, manche weniger unterstützen, gerade beim Sonokurs, war ich auch sehr froh, dass ich die Basics noch einmal gehört habe und merke, dass ich da noch ein ganzes Stück Arbeit vor mir habe. Aber es ist ein echter Luxus, neben dem Praxisalltag noch so gezielte Teachings zu bekommen, ein exzellentes PJ;)!

Am Sonntag haben mich die Studenten zu einer Klettertour auf der Felswand der Rauchröhren, in Arrach überredet, dort verbrachten wir nach einem gemeinsamen Frühstück den ganzen Tag, und sprangen am Abend noch kurz in den See. Ich könnte mir vorstellen, den Montag mit einem Muskelkater zu starten ;)

Eine 6. ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende zu..

Ich möchte zunächst mein Mittwoch-Highlight hervorheben, Frau XY., meine eigeneHausbesuchspatientin. Eine ganz liebe 89 jährige Dame, welche ich nun einmal die Woche besuchenwerde, um Vitalparameter zu bestimmen und sie von Kopf bis Fuß zu untersuchen, und somit sämtlicheüber die Jahre gestellte Diagnosen überprüfen.

Die Dame lebt alleine, mit einer 24h Pflege und istglücklicherweise bereit, mich regelmäßig zu empfangen.Petra kennt diese Patientin sehr gut, so konnte ich bereits einiges im Vorfeld erfragen, speziell bezüglichihres Insulin-Spritz-Schemas.Apropos Insulin, das Diabetes Teaching am Dienstag, hat uns Studenten, trotz kaum erträglicher Hitze inder AOK in Regen gut gefallen. Petra war sehr bemüht uns verschiedene Patientengeschichten und derenoptimale Blutzuckereinstellung näher zu bringen. Es ist extrem unterschiedlich, wie Diabetiker mit ihrerErkrankung umgehen. Umso faszinierender sind Petras akribisch ausgearbeitete Schemata und Methoden,um ihre Patienten optimal einzustellen, sie hat für jede Lebenslage und sämtliche Umstände, die perfekte,individuelle Diabetes-Therapie parat und kümmert sich hervorragend um ihre Patienten.

Am Dienstag Vormittag hospitierte ich bei der Demenzberatung in Rinchnach. In einem privaten Hauswird hier jede Woche eine 5 köpfige Gruppe demenzkranker Personen von 2-3 geschulten Fachkräftenbetreut. Die Patienten waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen und neugierig. Ich muss sagen, dass ichrelativ wenig Erfahrung mit Demenzpatienten habe und ein Einblick in dieses Leben bzw. der Umgangmit dieser Krankheit einerseits spannend, andererseits unendlich traurig ist. Ich hatte den Eindruck, dassdiese Gruppen enorm zur Erhöhung der Lebensqualität dieser Menschen beiträgt.

Den Freitagvormittag verbrachte ich in Schöfweg, mit Magdalena, einer Studentin vom exzellentenSommer schallten wir einige Patienten, unter anderem eine junge Dame bei der wir einen Situs Inversuserkennen konnten. Anschließend machte ich mich auf den Weg zum Kreuzschmerz Teaching in Regen.Dr. Buvar, ein Orthopäde mit Leidenschaft hat unser Wissen zum Thema Anamnese, körperlicheUntersuchung, Diagnostik und Therapie der nicht spezifischen Kreuzschmerzen vertieft und uns zudemdas Gebiet der manuellen Therapie näher gebracht.

Ansonsten habe ich natürlich wieder viele Patienten, mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern gesehenund mir die Degam-Leitlinien zu den Themen Müdigkeit und Schlaganfall genauer angeschaut. Darüberhinaus standen diese Woche viele Vorsorgeuntersuchungen an und ich konnte wieder einige Patientenschallen. Am Montag hatten wir außerdem das spannende Thema „Insektenstiche“ bei der Skype-Konferenz.

Diese Woche war ich nur einen Tag in der Praxis in Kirchberg, die restliche Zeit verbrachte ich zum einen bei Fr. Dr. Schlenk, niedergelassene Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und zum anderen bei Dres. Haberer, Allgemeinmedizinern in Spiegelau.

Am Montag besprachen wir in der Skypekonferenz das Thema Entlassungsmedikation. Es ist schon erschreckend, dass viele Patienten, sehr wenig über ihre Medikamente bei Entlassung wissen und es daher leicht zu Fehlern bei der korrekten Einnahme kommen kann. Es ist also eine sehr wichtige Aufgabe des Allgemeinmediziners, die Indikation, Dosis etc. der neu verordneten Medikamente genau zu hinterfragen und auch länger bestehende Medikamentenpläne zu überprüfen.
Auch sollten gerade bei älteren Patienten die Angehörigen miteinbezogen werden und über die genaue Einnahme, Indikation usw. aufgeklärt werden. Ein übersichtlicher und korrekter Medikamentenplan erleichtert allen Beteiligten das Leben.

Bei Frau Dr. Schlenk hatte ich Gelegenheit die Palette an neurologischen Untersuchungen zu wiederholen. Ich konnte EEGs ableiten und besprechen, Nervenleitgeschwindigkeiten messen und einige weitere neurologische Tests durchführen. Frau Dr. Schlenk hat sich viel Zeit für mich genommen, wir besprachen einige Patienten sehr ausführlich. Auch psychiatrisch konnte ich eine Menge bezüglich Gesprächsführung und Anamnese lernen. Bewundernswert fand ich ihre Art mit schwierigen Patienten umzugehen, auch später bei den Allgemeinmedizinern lernte ich die „Taktik“ des Spiegelns kennen. Man gibt dabei in eigenen Worten Inhalte und Gefühle an das Gegenüber zurück. So kann man, z.B. hohe Erwartungen und Forderungen seitens des Patienten, an ihn zurück spiegeln. Als Arzt entzieht man sich dem Druck allein für das Wohl des Patienten verantwortlich zu sein, man spielt in anderen Worten den Ball der Ansprüche zurück.

Wie bereits erwähnt, verbrachte ich die restliche Woche in der Gemeinschaftspraxis bei Dres. Haberer. Es war spannend, Einblicke bei niedergelassenen Kollegen zu bekommen und deren Arbeitsweisen kennen zu lernen. Auch hier hat mich das Team sehr herzlich aufgenommen.
Unter anderem bekam ich Einblicke in die Homöopathie und Naturheilverfahren. Das Ärztepaar war total nett und hat mich sehr gut in die Sprechstunde eingebunden. Es blieb auch ausreichend Zeit für Fragen.

Natürlich habe ich diese Woche auch nicht auf meine Hausbesuchspatientin vergessen, welche sich ihrem Alter entsprechend sehr guter Gesundheit erfreut.

Auch Woche 9 war gut gefüllt mit vielen interessanten Hospitationen.
Nur am Montag war ich in Kirchberg, um die Skype Konferenz zum Thema Schlaganfall nicht zu verpassen. Für die nächsten zwei Wochen ist ein sehr netter Student aus Plattling für das Blockpraktikum in der Praxis. Gemeinsam mit Susanne, Roman und Martina diskutierten wir Leitsymptome, Algorithmen bei V.a. Schlaganfall und Erfahrungen, die diesbezüglich bereits in der Praxis gemacht wurden. Bei so einem riesigen Thema kommt natürlich einiges zusammen, ich denke wir hätten locker noch eine weitere Stunde Konferenz halten können!
Am Nachmittag kamen interessanterweise gleich drei Patienten hintereinander mit typischen Beschwerden für einen unkomplizierten HWI. Um die sonographische Untersuchung der Nieren zu üben, schallte ich alle Patienten unter der Aufsicht von Anton, der mir noch einige gute Tipps diesbezüglich gegeben hat. Wir haben außerdem noch die Leitlinie „Brennen beim Wasserlassen“ besprochen, was mir für die nächsten zwei Tage, die ich beim Urologen hospitierte eine gute Diskussionsbasis geschaffen hat;)

Dienstag und Mittwoch verbrachte ich bei Dr. Esser im Krankenhaus Grafenau, wobei ich davon einen Tag im OP verbrachte und den 2. Tag die Sprechstunde begleiten konnte, um einen guten Rundblick der Urologie zu bekommen. Dr. Esser war sehr bemüht und hat mich gut in seine Vorgehen und diagnostischen Schritte eingebunden, ich hatte den Eindruck, dass ihn meine vielen Fragen sehr erfreut haben, er scheint sehr begeistert davon zu sein, sein Wissen an junge Kollegen weiterzugeben, hat mir aber auch berichtet, dass es gar nicht so einfach ist, Assistenzärzte zu finden, die ggf. später seine Praxis übernehmen könnten. Ein Thema, welches immer wieder aufkommt. Der Ärztemangel, der Landärztemangel, Krankenhäuser, die geschlossen bzw. zusammengelegt werden und die Frage, wie man eine adäquate Versorgung am Land in Zukunft gewährleisten wird.
Auch ist mir wieder bewusst geworden, welchen enormen Aufwand man an Bürokratie im Krankenhaus zu bewältigen hat. Die Kollegen verbringen, extrem viel Zeit mit dem Dokumentieren, dadurch wird einerseits eine gewisse Qualität bzw. Kontrolle gewährleistet, es verschlingt aber Unmengen an Zeit, welche dann bei Patienten (und Studenten bzw. Assistenzärzten und weiteren Kollegen) abgeht, schade.

Am Donnerstag durfte ich die Sprechstunde von Dr. Halasi, einem niedergelassenen Orthopäden im MVZ Regen begleiten und hatte so die Gelegenheit meine Wissensdefizite rund um die orthopädische Untersuchung etwas aufzubessern, trotzdem finde ich es immer noch sehr schwierig, diverse Gelenke korrekt zu untersuchen. Dr. Halasi hat mir aber versichert, dass es auch bei ihm eine Zeit gedauert hat, bis man eine gewisse Routine bekommt.

Am Freitag war ich relativ spontan bei Dr. Pinker, einer niedergelassenen Allgemeinmedizinerin in Grafenau, welche auch viele Kinder betreut. Hier konnte ich unter anderem bei einer U9 dabei sein. Diese Vorsorgeuntersuchung wird zwischen dem 60. und 64. Lebensmonat durchgeführt und testet vor allem die Sprachproduktion sprich Lauterwerb und Wortschatz, sowie Sozialverhalten. Neben den allgemeinen Untersuchungen der Organfunktionen werden auch Sehvermögen sowie grob-und feinmotorische Entwicklung getestet.
Die darauffolgende U7 (zwischen 21. und 24. Lebensmonat) war nicht weniger spannend, die Mutter brachte auch zwei Geschwister mit, was für ein sehr lebhaftes Untersuchungszimmer sorgte. Die Atmosphäre war in beiden Fällen sehr angenehm, Dr. Pinker gewinnt schnell das Vertrauen zu den Kleinen.Somit haben die kids auch die von mir durchgeführten Untersuchungen ohne weiteres toleriert. Hier würde ich sehr gerne wieder hospitieren.

Auch diese Woche verbrachte ich den Montag in Kirchberg. Es fand dank Roman sehr viel teaching statt, von Polycythaemia Vera, über Rhythmusstörungen, diversen Elektrolytentgleisungen und deren Therapieansatz über die chronische und akute Pankreatitis musste ich meine grauen Zellen ganz schön fordern um Romans Fragen beantworten zu können. Außerdem habe ich einige EKGs aus der Praxis mitgenommen und diese bestmöglich befundet und mit den Experten besprochen.
Unzählige spannende Patienten später startete auch schon unsere Skype Konferenz, diese Woche mit dem Thema Müdigkeit. Dieses Symptom begegnet uns doch immer wieder in der Praxis, somit war es sehr hilfreich Anamnese, körperliche Untersuchung, Diagnostik, Differentialdiagnosen und abwendbar gefährliche Verläufe zu besprechen, anschließend habe ich mich noch einmal mit der Degam Leitlinie zu diesem Thema beschäftigt.

Am Dienstag durfte ich nach Viechtach zu Dr. Popp (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe) zum Hospitieren kommen. Es standen allein am Vormittag mindestens 10 Gastro-und Koloskopien an, bei denen ich zuschauen konnte. Dr Popps fundiertes Wissen über sämtliche Krankheitsbilder, welche den Magen-Darm Trakt betreffen, hat mich sehr zur weiteren Recherche angeregt. Er hat mir unter anderem viel zum Morbus Whipple und zum Ösophaguskarzinom erklärt, welches wir leider zuvor bei einem Patienten in der Gastroskopie festgestellt hatten. Zudem kam zwischendurch eine Patientin mit Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose, diese konnten wir im Ultraschall bestätigen. Somit habe ich nochmal die Tests und die wichtigen Fragen (Wells Score) bei Verdacht auf dieses Krankheitsbild wiederholt.

Am Mittwoch konnte ich Martina zu einem Hausbesuch begleiten. Die Patientin hatte gerade aufgrund einer pAVK im Stadium 4 einen Bypass bekommen und wir kamen zur Wundkontrolle-und Versorgung.
Dank Dora hatte ich ein kleines Hoch in der Lebersonographie. Sie hat sich Zeit genommen, mir über die Schulter geschaut und sehr hilfreiches Feedback bezüglich meiner Technik gegeben und ein tolles Buch empfohlen.

Am Nachmittag waren Susanne und Roman in der Praxis, ich habe es endlich geschafft, alle Patienten welche Marcumar in Schöfweg einnehmen in die von ehemaligen Pjlern entworfenen (großartigen!)Tabellen einzutragen und ging mit den beiden unklare Indikationen oder anderen Fragen bei diversen Patienten durch. Dies sorgte immer wieder für angeregte Diskussionen. Es war sehr hilfreich die unklaren Fälle durchzugehen, zum Teil hatte ich auch Fragen, die nicht unbedingt mit der Medikamenteneinnahme zu tun hatten, es war sehr spannend die Meinung der beiden zu diversen Themen zu hören und auch toll dass wir dafür Zeit hatten.

Am Donnerstag hospitierte ich bei Dr. Kirstätter, einem niedergelassenen Rheumatologen in Deggendorf. Meine letzten Vorlesungen zu diesem Thema liegen gefühlt Jahre zurück, ich war sehr froh, dass ich mir die Tage davor die wichtigsten Krankheitsbilder angeschaut hatte, denn Dr. Kirstätter stellte mir ganz schön viele Fragen! Es war ein sehr langer, (07-18:30Uhr inkl. 10min Mittagspause, das bin ich gar nicht mehr gewohnt;)) aber dafür unglaublich lehrreicher Tag.
Endlich ein bisschen weniger Chaos in meinem Kopf, was die vielen rheumatologischen Krankheitsbilder angeht!  Im Studium kam das Thema bei uns doch ein bisschen knapp, sodass ich richtig froh war, hier noch so viel mitnehmen zu können. Die ausführliche Anamnese war für mich sehr beeindruckend, auch wurden alle Patienten sehr genau untersucht und ich habe zahlreiche Gelenksonographien gesehen. Der Satz „when in doubt think of gout“ wird mir bestimmt noch länger im Gedächtnis bleiben!

Woche Nummer 11 neigt sich dem Ende zu.

Die halbe Woche (Mittwoch-Samstag) verbrachte ich in Innsbruck, um mir den 52. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin anzusehen. Ich bin immer wieder beeindruckt von der grandiosen Bergkulisse, welche die schöne Stadt Innsbruck teilweise umschließt. Dieses Jahr lautete der Titel „Wissenschaft braucht Hausärzte – Hausärzte brauchen Wissenschaft“

Am Donnerstag lernte ich ihm Rahmen einer Konferenz die JADE (junge Allgemeinmedizin Deutschland) kennen. Nach einer Vorstellungsrunde wurden wir dazu aufgefordert in Kleingruppen zu besprechen, wie wir uns Allgemeinmedizin im Jahr 2030 vorstellen. Schwerpunkte lagen vor allem hinsichtlich neuer Technologien (braucht es 2030 überhaupt noch Hausärzte oder können Computer uns ersetzen?), Praxisgestaltung und Versorgungsnetzwerken. Ich war die einzige Studentin in meiner Kleingruppe, so war es sehr spannend, Meinungen bereits praktizierender junger Kollegen zu erfahren.

Nach einer kurzen Mittagspause hatte ich mich für einen Workshop in einem Simulationszentrum angemeldet. In insgesamt 5 Simulationssettings kam man zu zweit zu einem Schauspielpatienten, welcher in der Ordination (das ist das österreichische Wort für Praxis;)) plötzlich ein akutes Krankheitsbild entwickelt. Mein Patient war gerade am Gehen, als er plötzlich eine einseitige Halbseitenlähmung, sowie verwaschene Sprache entwickelte. Mithilfe einer Kollegin und der MFA leitete ich die wichtigsten Schritte ein, also Lagerung, Notruf absetzen etc.
Zuvor hatten wir mit den Dozenten (Notfallmediziner) besprochen, wie wichtig angemessene Kommunikation in solchen Situationen mit Kollegen ist. Also Kollegen immer direkt ansprechen (nicht mit dem Raum sprechen), einer ist Teamleader, Vorschläge und Ideen der Kollegen sind unbedingt zu berücksichtigen (flache Hierarchien). Neu war für mich das sog „time out“, also auch als erfahrener Arzt kann es passieren, dass alles nach Plan läuft, also das ABCDE Schema wird abgearbeitet, die Zugänge liegen, der Patient verschlechtert sich nicht weiter, und trotzdem hat man ein Gefühl der Hilflosigkeit. In solchen Situationen wendet man das sog. Time-out Prinzip an, geht also einen Schritt aus der ganzen Situation heraus und reflektiert und analysiert mit Kollegen in ein paar Sätzen die Situation. Das kann sehr hilfreich sein, um den nächsten Schritt zu finden. Unsere Vorgehensweisen wurden gefilmt und anschließend mit den anderen Teilnehmern besprochen. Im nächsten Szenario reagierte mein Patient auf die Übermittlung einer sehr schwerwiegenden Diagnose aggressiv und wurde sehr unruhig. Ich hatte den Impuls beruhigend auf den Patient einzureden und mich ihm zuzuwenden. Im Teamfeedback habe ich dann gelernt, dass es hier in erster Linie maßgeblich auf den Eigenschutz ankommt, (daran hatte ich in der Situation gar nicht so richtig gedacht). Auch bei den anderen Beispielen konnte ich eine Menge lernen, maßgeblich dazu beigetragen haben auch die tollen schauspielerischen Fähigkeiten der Notfallmediziner als Patienten.

Am Freitag und Samstag hörte ich viele interessante Diskussionen zu aktuellen Themen der Allgemeinmedizin, über die evidenzbasierte Versorgung chronisch Kranker, die Gesprächsführung bei psychosozialen Problemen und Praktisches, sowie Pragmatisches zum Thema Kreuzschmerz. Beim letzten Thema wurde vor allem die manuelle Therapie besprochen und demonstriert, was mich sehr fasziniert hat.
Ein positiver Aspekt an Kongressen, stellt meiner Meinung nach die Vernetzung mit Kollegen dar. Man blickt über den Tellerrand hinaus und erfährt interessante Meinungen, Ansichten und Erfahrungen.

Am Montag und Dienstag war ich in der Praxis in Kirchberg, was nicht weniger spannend als der Kongress war! Wir besprachen in der Skype Konferenz das Thema Hämaturie und ich konnte eine Studie bezüglich klinisch relevanter Hämaturie bei Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern bzw. oralen Antikoagulantien präsentieren. Außerdem war ich diese Woche das erste Mal bei einer Infektionsschutzbelehrung dabei und habe die wichtigsten Elemente des Check-Ups wiederholt.
Ich freu mich, dass ich noch zwei Wochen in der Praxis sein kann, bevor die straffe Examensvorbereitung losgeht;)

Meine vorletzte Woche startete mit einer Hospitation im MVZ Regen.
Den Vormittag verbrachte ich bei Dr. Frimmel-Müller, einer äußerst engagierten und sehr herzlichen Gynäkologin. Ich konnte meine Kenntnisse bezüglich Untersuchungen in der Schwangerschaft, CTGs, Verhütungsmethoden, Ultraschall und Basics der Sexualmedizin auffrischen. Dr. Frimmel-Müller hat sich sowohl für Patienten als auch mich sehr viel Zeit genommen. So konnte ich zB. jeden Zervix-Abstrich im Mikroskop befunden. Auch das Team im MVZ war mir gegenüber sehr aufgeschlossen und herzlich. Spannend war auch das Einsetzten von Kupfer-und Hormonspiralen, welches vor allem bei jungen Frauen immer häufiger der Pille vorgezogen wird.
Dr. Frimmel-Müller hat mir sogar ihre Telefonnummer gegeben, falls Fragen während der Examensvorbereitung auftreten, wirklich total nett.

Nach einer kurzen Mittagspause und ein paar Blutentnahmen (gut, dass ich das nicht verlernt habe;)) durfte ich den Nachmittag bei Dr. Werner (Facharzt für Innere Medizin) hospitieren.
Ich konnte unter anderem bei Lungenfunktionstests und Fahrradergos zusehen. Außerdem durfte ich Herzechos durchführen, was für mich als Anfänger alles andere als einfach ist. Aber am Ende des Tages hatte ich meine Fähigkeiten doch etwas ausbauen können:)
Wir haben auch viele Gefäße geschallt, ein Patient kam zu uns, da sein Hausarzt ein Strömungsgeräusch über der Leiste auskultiert hatte. Dem gingen wir natürlich auf den Grund und konnten erfreulicherweise nichts Pathologisches an den Beingefäßen entdecken (weder auskultatorisch noch sonographisch), somit entschieden wir uns für die Diagnose „funktionelles Strömungsgeräusch“.

Am Mittwoch war ich bei Dr. Buvar (ein Orthopäde mit Leidenschaft) zu Gast in der Sprechstunde.
Es warteten ganz schön viele Patienten auf uns, sodass für Fragen zunächst nicht so viel Zeit blieb. Jedoch hat sich Dr. Buvar trotzdem sehr bemüht und mir versichert, dass am Ende der Sprechstunde Zeit für Fragen und Diskussion bleiben wird-was auch der Fall war. Besonders beeindruckt hat mich (wieder einmal) die manuelle Therapie, mit wenigen Handgriffen und Techniken ging es den Patienten nach der Konsultation oft schon viel besser.

Da ich mir den Freitag frei genommen habe, war ich nur am Dienstag in Kirchberg und freute mich, Anamnese und körperliche Untersuchung mit einer sehr engagierten Studentin aus Metten zu üben. Zu zweit überlegt man doch oft etwas breiter und einige Patienten freuen sich über die ausführlichen Untersuchungen von Kopf bis Fuß.
Unter anderem stellte sich ein Patient mit linksseitigen Unterbauchschmerzen vor, wir gingen gemeinsam sämtliche Verdachtsdiagnosen nach unserem Schema und abwendbar gefährliche Verläufe durch und entschieden uns nach genauer Anamnese und körperlicher Untersuchung für die Verdachtsdiagnose Divertikulitis. Mithilfe der Sonographie konnten wir diesen Verdacht erhärten.
Außerdem habe ich mir Dank unserer Studentin die Untersuchungstests des vorderen Kreuzbandes nochmal genau angeschaut, da ich ihr nicht mehr alle aufzählen konnte.


So schnell können 13 Wochen vergehen!
Meine letzte Woche in Kirchberg startete mit einer Hospitation bei Frau Dr. Steckenreuter, einer sehr engagierten und herzlichen Allgemeinmedizinerin, die ihre Praxis in Drachselsried hat. Ich war abwechselnd bei ihr und ihrer Kollegin mit im Sprechzimmer und konnte somit immer entscheiden, welchen Patienten ich mitbetreuen möchte. Am Nachmittag fuhren wir noch ins Pflegeheim und kümmerten uns unter anderem um Wunden, BZ Einstellungen und RR Kontrollen. Anschließend standen noch zwei Hausbesuche am Programm. Es war schön, wieder eine neue Allgemeinmedizinische Praxis der Umgebung kennen zu lernen.
Somit fuhr ich am Dienstag gleich wieder zu anderen Allgemeinmedizinern, zu Frau und Herrn Dr. Stauber-Stern in Geiersthal. Die Praxisräumlichkeiten ließen es zu, dass ich schon mal die Anamnesegespräche und Untersuchungen vor den Ärzten durchführen konnte. Anschließend stellte ich meine Befunde mit Therapievorschlag Dr. Stern vor. Es war wirklich ein toller Tag und es hat mir viel Spaß gemacht mit den beiden zusammen zu arbeiten. Nach einer kurzen Mittagspause in der ich mit den beiden Ärzten über das Medizinstudium, Medizin in Österreich und wie es mit der work-life balance bei den beiden aussieht plauderte, nahm Dr. Stern mich mit zu einem Betrieb (mir ist leider der Name entfallen) und weihte mich in das Arbeitsfeld eines Betriebsmediziners ein. Dieses Gebiet habe ich im Studium eher rudimentär mitgenommen, somit war es eine spannende Sache, zu erleben, wie man als Betriebsarzt arbeitet.
Den Mittwoch verbrachte ich mit Jasmin (einer total engagierten Blockpratikantin) und Dr. Blank im Gymnasium Niederalteich. Das Gymnasium hatte an diesem Tag einen Berufsorientierungstag veranstaltet, um den Schülern einige unterschiedliche Berufe im Rahmen von Vorträgen und Infoständen näher zu bringen. Gemeinsam mit Jasmin, beantworteten wir zahlreiche Fragen rund um das Medizinstudium, Aufnahmebedingungen, Studentenleben etc. Die Schüler waren sehr interessiert und aufmerksam, es hat Spaß gemacht, die vielen Fragen, mit denen auch wir uns vor einigen Jahren (!) auseinander gesetzt hatten zu beantworten. Und wir bekamen am Ende sogar Schokolade geschenkt

Ich kann mich, was meine Zeit in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald angeht, nur meinen Vorgängern anschließen. Wer auf der Suche nach einem höchst engagierten und fachlich äußerst kompetenten Team ist, ist hier richtig. Eigenständiges Arbeiten ist hier problemlos möglich. So hat man z.B.  sein eigenes Sprechzimmer, kann bei den Patienten Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen und darf sie dann mit Behandlungsvorschlag einem der Ärzte vorstellen. Das ganz herzliche Team aus MFAs unterstützt dabei wo es kann und ist gerne bereit Wissen und Erfahrung mit Patienten weiterzugeben. Generell ist die Arbeit hier von Wertschätzung und, wie es ein Kollege bereits in seinem PJ Tagebuch beschrieben hat, „von hohem wissenschaftlichen Geist geprägt“.
Ich konnte hier meine Fähigkeiten im Umgang mit Patienten um einiges verbessern, vor allem auch, weil man hier viel feedback bekommt.
Ein großer Bonuspunkt war für mich die Möglichkeit, einmal die Woche bei Kollegen der unterschiedlichsten Fachrichtungen (Derma, HNO; Physiotherapeuten, Rheumatologen, die Liste geht noch lange weiter) zu hospitieren.
Weiters lernt man in den wöchentlichen Fortbildungen im Rahmen von Skypekonferenzen viele interessante Themen und Problemstellungen kennen und man ist herzlich zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Einmal im Monat findet ein sogenannter Journal Club statt, man hat die Möglichkeit eine Studie vorzustellen und sie mit niedergelassenen Kollegen zu besprechen/zu diskutieren.
Fragen sind immer willkommen und erwünscht, zudem besitzt die Praxis Onlinezugänge zu einigen sehr informativen Plattformen, die mir vor diesem Tertial nicht so geläufig waren, mir aber bei der Recherche von gewissen Fragen sehr geholfen haben/helfen.
Kirchberg im Wald ist ein sehr idyllisches Dörfchen, ein Auto ist vorteilhaft, aber auch ohne kommt man grundsätzlich zurecht, was vor allem an den engagierten Mitarbeitern liegt, die fahrttechnisch aushelfen.
Das Freizeitangebot ist im Sommer und Winter für Sportbegeisterte ein großer Pluspunkt, und auch in Regensburg oder Passau ist man in ca. einer Stunde.
Wie ihr bestimmt schon gelesen habt, wird eine Wohnung zur Verfügung gestellt, welche bereits sehr nett eingerichtet ist, außerdem gibt es eine kleine Bibliothek mit Büchern von ehemaligen  PJlern/Famulanten.
Ich kann zusammenfassend ein Tertial im Bayrischen Wald wärmstens empfehlen, es war für mich eine ganz bereichernde, lehrreiche Zeit dort.

Georg Metzler

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Vom Strand in den Schnee

Das vorherige PJ-Tertial absolvierte ich auf einer kleinen, warmen Insel und konnte somit meinen Sommer bis in den Dezember verlängern. Kurz nach Silvester reiste ich dann in Kirchberg an und fühlte mich, als ob ich in den Winterurlaub fahre: Berge, Täler, Schnee, kleine Dörfer. Meine Wohnung, die ich gestellt bekomme, verstärkte das Gefühl noch: hoch gelegen, gemütlich-rustikal, voll ausgestattet.
Am nächsten Morgen startete ich aber damit, wofür ich tatsächlich hier bin. Ich begann mit der Arbeit in der Praxis in Kirchberg. Hier wurde ich herzlich empfangen, eingewiesen und begann sogleich die Sprechstunde mit Dr. Blank. Anfangs schaute ich noch über die Schulter, aber gleich am selben Nachmittag durfte ich die Patienten schon voruntersuchen und anschließend Dr. Blank vorstellen. Nach jeder Sprechstunde setzt sich Dr. Blank mit allen anwesenden Assistenzärzten und Praktikanten zusammen und bespricht Fragen. Insgesamt herrscht ein sehr angenehmes, kollegiales Klima.

Die folgenden Tage waren nicht weniger interessant. Da ich auch in den Praxen in Lalling und Rinchnach eingesetzt wurde, lernte ich auch die dortigen Mitarbeiter kennen. Auch hier untersuchte ich Patienten erst allein und stellte sie danach entweder Dr. Blank oder einem der Assistenzärzte vor. Da man sich erst allein mit den Patienten auseinandersetzt, ist der Lerneffekt natürlich viel größer, als wenn man nur zuhört – gerade bei nicht alltäglichen Krankheitsbildern. Hilfreich war auch, dass Eva (auch PJlerin), die schon ein paar Wochen hier ist, anreiste. Gerade am Anfang treten viele kleine, organisatorische Fragen rund um Praxis und Wohnung auf. Am Ende der ersten Woche habe ich mich nun gut eingewöhnt und das Team und die Abläufe kennengelernt.Am Wochenende war schönes Wetter, sodass ich eine schöne Wanderung rings um den Geißkopf gemacht und am nächsten Tag Kirchberg und Umgebung erkundet habe. Das fühlte sich dann wieder wie Winterurlaub an…

1. Woche

Diese Woche ging so weiter, wie die letzte aufgehört hat. Ich habe viele Patienten voruntersuchen können und so Untersuchungstechniken weiter festigen können. Im Vordergrund standen, wie zu dieser Jahreszeit üblich, Erkältungen. Es gab aber auch nicht so alltägliche Sachen, wie beispielsweise zwei Frauen mit Rheumatoider Arthritis. Für mich als jungen Mediziner ist es vor allem interessant, wie Patienten mit ihren Erkrankungen im Alltag zurechtkommen und wo es hakt.Am Dienstagabend nahm ich nach der Sprechstunde an einer LIA-Besprechung (LIA=Lebensqualität im Alter) teil. Hier trafen sich alle Personen, die an der häuslichen Betreuung von Patienten involviert sind – das sind natürlich nicht nur Ärzte, sondern auch MFAs, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Pfleger. Es wurden dann einzeln die Patienten besprochen, da jeder Informationen beisteuern kann, die für die anderen Beteiligten auch interessant sind. Dies ist ein bemerkenswerter Ansatz in der Versorgung, den ich so noch nicht kannte.Am Mittwoch gab es eine Ausnahme: das Wetter war, anders als sonst, freundlich und sonnig. Lustigerweise blieb daher auch die Praxis fast leer, was Dr. Blank aber nicht mehr verwundern konnte. Eva und ich suchten uns daher eine andere Beschäftigung und wurden von einer Helferin, die sich auf die Versorgung der Patienten mit Diabetes spezialisiert hat, in ihr Feld eingeführt. Sie erklärte uns, wie sie Laborwerte auswertet, den Patienten untersucht und das weitere Vorgehen plant. Über Mittag hat sie uns auf Hausbesuche mitgenommen und so erfuhren wir wiederum viel über die Hintergründe der Patienten. Man muss auch diesen im Blick behalten, um den Patienten in seinem persönlichen Alltag helfen zu können.

die 2.Woche

Diese Woche ist der Winter so richtig in Kirchberg eingezogen. Nachdem der Schnee bisher gefallen war, um gleich wieder zu schmelzen, liegt jetzt mehr als genug und sorgt dafür, dass sich die Uhren hier etwas langsamer drehen – Autofahren wird

Diese Woche sind die Temperaturen in den winterlichen Bereich gesunken. Daher hatte man oft einen freien Himmel mit schönsten Sonnenauf- und untergängen und klaren Sternhimmeln. Im Zusammenspiel mit der bergigen Landschaft ergibt das natürlich tolle Ansichten.
Ansonsten habe ich wieder in den verschiedenen Praxen gearbeitet und konnte viele Patienten kennenlernen und untersuchen. Einen Großteil machen derzeit die grippalen Infekte aus, die vor niemandem haltmachen – vom Kleinkind bis zur Uroma sind alle dabei – mich haben sie aber zum Glück noch nicht bekommen und das bleibt hoffentlich auch so.
Zum ersten Mal habe ich an einer Onlinefortbildung teilgenommen. Dies hatte ich vorher auch noch nicht erlebt. Hierzu trafen sich alle Ärzte und Studenten aus den Praxen am Abend nach der Arbeit per Videokonferenz mit dem Referenten, der über PPIs sprach. Ich war überrascht, weil es natürlich einerseits informativ war, aber andererseits auch einfach war dem Geschehen zu folgen. Bei Videokonferenzen mit mehreren Leuten bin ich sonst anderes gewöhnt. Im Anschluss wurden noch Fragen beantwortet und über das Thema diskutiert.
Am Wochenende bin ich nach Hause gefahren und habe mal zur Abwechslung im Erzgebirge Langlauf gemacht, denn die Kammloipe ist einfach unschlagbar… Die vergangene Woche war wieder sehr ereignisreich. Ich konnte wieder viele Patienten mit verschiedensten Beschwerden sehen. Ich merke dabei, dass ich immer sicherer und fokussierter in der Anamnese und Untersuchung werde. Auch dass ich mit verschiedenen Ärzten arbeite und ihnen über die Schulter schauen kann, habe ich sehr zu schätzen gelernt.

Am Montag habe ich in der Montags-Videochat-Besprechung das Thema Rückenschmerz vorgestellt, worüber dann rege diskutiert wurde. Alle Teilnehmer können dann etwas zum Thema beitragen und so ergänzen sich Studenten und junge Ärzte, die frisch aus der Lehre kommen, mit der Erfahrung älterer Kollegen.

Am Donnerstag habe ich einen Tag in der Physiotherapie Kufner verbracht und konnte alle meine Fragen loswerden. Ich hatte außerdem großes Glück, dass ich so gut wie alle Behandlungsanlässe in der Physiotherapie sehen konnte. So war es ein informativer Tag, von dem ich einige Dinge mitnehmen konnte.

Am Samstag fand dann der „Megaball“ in Raindorf statt. Hier half ich mit meiner Schwester, die mich am Wochenende besuchte, hinter der Bar und mischte und verkaufte fleißig Getränke für den guten Zweck. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen und feierten selber auf den beiden Floors. Ich traf auch einige bekannte Gesichter, die ich in den ersten vier Wochen bereits kennengelernt habe. die 4. Woche Und wieder liegt eine interessante Woche hinter mir. Am Dienstagabend nahm uns Dr. Blank mit zu einem Qualitätszirkel, wo sich einige Hausärzte der Region treffen, um über Fragen aus der alltäglichen Praxis zu sprechen. Dies ist für mich als angehenden Arzt natürlich sehr lehrreich, wenn solche Fragen von erfahrenen Kollegen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden.

Am Donnerstag fuhr ich nach Deggendorf, um bei dem Orthopäde Dr. Buvar einen Tag zu hospitieren. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich konnte diverse Beschwerdebilder sehen und all meine orthopädischen Fragen loswerden. Nun werde ich orthopädische Fragestellungen sicherer diagnostizieren können.

Da ich bereits über vier Wochen hier bin, setzten sich Dr. Blank und ich uns einmal zusammen, um mein Curriculum durchzugehen, Feedback zu geben und um die nächsten Wochen zu planen. Dies habe ich in den vorherigen Tertialen leider nicht erlebt, aber gerade anhand solcher Gespräche mit konstruktiver Kritik kann man wachsen und sich verbessern – sowohl fachlich, als auch menschlich.

Diese Woche ist der Winter so richtig in Kirchberg eingezogen. Nachdem der Schnee bisher gefallen war, um gleich wieder zu schmelzen, liegt jetzt mehr als genug und sorgt dafür, dass sich die Uhren hier etwas langsamer drehen – Autofahren wird zum Abenteuer.
In dieser Woche habe ich wieder viel erlebt. Besonders freut es mich, dass ich im Untersuchen sicherer werde. So konnte ich (natürlich in Rücksprache mit einem Arzt) eine Pneumonie diagnostizieren und anbehandeln. Die Patientin stellte sich dann am Ende der Woche deutlich gebessert wieder vor und brachte als Beweis für eine tatsächliche Pneumonie den Befund des Radiologen mit.
Am Mittwoch war ein besonders interessanter Tag. Tagsüber hospitierte ich bei dem Ergotherapeuten Herrn Finger. Er zeigte mir sehr anschaulich, was eine Ergotherapie bei Patienten leisten kann. Denn leider wird im Studium kaum bis gar nicht behandelt, was sich denn genau dahinter verbirgt, wenn man als Arzt ein Rezept für die Ergotherapie o.ä. ausstellt.
Am Abend nahm Dr. Blank Eva und mich mit zum Journal Club nach Regen. Trotz des starken Schneefalls kamen alle Teilnehmer und es wurden interessante Paper vorgestellt und anschließend diskutiert. Es ist schön zu sehen, dass es Ärzte gibt, die offen für Neuigkeiten sind und sich im Austausch mit anderen befinden, um den eigenen Horizont erweitern zu können.
Am Wochenende nutzten wir den schönen Schnee, um in Klingenbrunn Langlauf und im Nationalpark eine Führung zu machen.

Die vergangene Woche war wieder sehr ereignisreich. Ich konnte wieder viele Patienten mit verschiedensten Beschwerden sehen. Ich merke dabei, dass ich immer sicherer und fokussierter in der Anamnese und Untersuchung werde. Auch dass ich mit verschiedenen Ärzten arbeite und ihnen über die Schulter schauen kann, habe ich sehr zu schätzen gelernt.
Am Montag habe ich in der Montags-Videochat-Besprechung das Thema Rückenschmerz vorgestellt, worüber dann rege diskutiert wurde. Alle Teilnehmer können dann etwas zum Thema beitragen und so ergänzen sich Studenten und junge Ärzte, die frisch aus der Lehre kommen, mit der Erfahrung älterer Kollegen.
Am Donnerstag habe ich einen Tag in der Physiotherapie Kufner verbracht und konnte alle meine Fragen loswerden. Ich hatte außerdem großes Glück, dass ich so gut wie alle Behandlungsanlässe in der Physiotherapie sehen konnte. So war es ein informativer Tag, von dem ich einige Dinge mitnehmen konnte.
Am Samstag fand dann der „Megaball“ des Eine-Welt-Kreises in Raindorf statt. Hier half ich mit meiner Schwester, die mich am Wochenende besuchte, hinter der Bar und mischte und verkaufte fleißig Getränke für den guten Zweck. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen und feierten selber auf den beiden Floors. Ich traf auch einige bekannte Gesichter, die ich in den ersten vier Wochen bereits kennengelernt habe.


Und wieder liegt eine interessante Woche hinter mir. Am Dienstagabend nahm uns Dr. Blank mit zu einem Qualitätszirkel, wo sich einige Hausärzte der Region treffen, um über Fragen aus der alltäglichen Praxis zu sprechen. Dies ist für mich als angehenden Arzt natürlich sehr lehrreich, wenn solche Fragen von erfahrenen Kollegen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden.
Am Donnerstag fuhr ich nach Deggendorf, um bei dem Orthopäde Dr. Buvar einen Tag zu hospitieren. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich konnte diverse Beschwerdebilder sehen und all meine orthopädischen Fragen loswerden. Nun werde ich orthopädische Fragestellungen sicherer diagnostizieren können.
Da ich bereits über vier Wochen hier bin, setzten sich Dr. Blank und ich uns einmal zusammen, um mein Curriculum durchzugehen, Feedback zu geben und um die nächsten Wochen zu planen. Dies habe ich in den vorherigen Tertialen leider nicht erlebt, aber gerade anhand solcher Gespräche mit konstruktiver Kritik kann man wachsen und sich verbessern – sowohl fachlich, als auch menschlich.

Wieder liegt eine winterliche Woche hinter mir. Die Arbeit in der Praxis mit den Patienten ist weiterhin sehr interessant. Ich merke jede Woche, wie ich bei Anamnese und Untersuchung Fortschritte mache. Multimorbide Patienten sind nun auch für mich gut handhabbar – die Aufgabe besteht ja darin, sich schnell einen Überblick über den Patienten zu verschaffen, um dann auf die jeweilige Frage eingehen zu können. So langsam weiß man eben, wo man schauen und welche Fragen man stellen muss. Im Studium bekommt man ja alles vorgekaut und im Praxisalltag muss man sich solche Informationen selbst beschaffen.
Am Mittwoch gab es eine ungewöhnliche Konstellation in den Praxen – es waren (aufgrund von Praxisurlaub) zu viele Ärzte da. Wer hätte gedacht, dass man so etwas heutzutage mal in einer Landarztpraxis sagen könnte. Jedenfalls war es kein Problem, einen Vormittag frei zu machen und so fuhr ich auf den Geißkopf, um im dortigen kleinen Skigebiet Ski zu fahren.
Am Donnerstag war Weiberfasching. Leider waren scheinbar nur Dr. Blank und die Helferinnen eingeweiht, die sich auch lustig verkleidet hatten, aber die Assistenzärzte und Studenten wussten nichts davon, sodass für uns nur der amüsante Anblick blieb. (Anmerkung der Praxis: das passiert uns nie wieder! Ab jetzt „dürfen“ alle Studierenden und Ärzte in Weiterbildung kostümiert kommen).
Am Wochenende war ich wandern und habe den Fürstenecker Triftsteig entdeckt – eine schöne und wirklich gut beschilderte Wanderung an den Flüssen Wolfsteiner Ohe und Ilz. Das Wetter spielte entgegen der Vorhersage auch gut mit.

die 7. Woche

Das Wetter ist weiterhin kalt und meistens sonnig – da hat man, selbst wenn man drinnen arbeitet, dauerhaft gute Laune. Weiterhin haben die Patienten meistens grippale Infekte, aber dazwischen schieben sich andere Erkrankungen: so habe ich zum ersten Mal eine Gürtelrose gesehen, die auch noch im Gesicht auftrat.Am Mittwochabend nahm uns Dr. Blank wieder mit nach Regen, wo der Journal-Club stattfand. Ob der guten Stimmung und den interessanten Themen beim letzten Mal im Januar, habe ich mich darauf gefreut und wurde nicht enttäuscht. Diesmal war ich in einer Gruppe, die „Das rote Auge“ besprach. Hier muss man wirklich an die verschiedensten Dinge denken und entsprechend handeln.Am Freitag habe ich bei Frau Dr. Pinker hospitiert. Sie hatte extra einige Kinder zur U-Untersuchung einbestellt. Diese Untersuchungen kannte ich bisher nur aus der Theorie und so war es spannend, wie man dies praktisch umsetzt, da der Umgang mit Kindern ja nicht so einfach ist. So konnte ich viele Tipps und Tricks für mein weiteres Arbeitsleben mitnehmen.

die 8. Woche

Es liegt wieder eine ereignisreiche Woche hinter mir. Das Projekt „Exzellenter Winter“ ist gestartet. Wir haben nun Studenten in den Praxen, die ihre Hausarztfamulatur ableisten. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung, da mir die Arbeit mit motivierten Studenten Spaß macht und ich gern Wissen und Fertigkeiten weitergebe.Am Dienstag war ich in der SAPV „Pallidonis“ in Deggendorf hospitieren. Hier machte ich die Frühbesprechung mit und bekam eine kleine Einführung. Dann fuhr ich mit Schwester Iris in Pflegeheime in der umliegenden Region und dort trafen wir uns jeweils mit Dr. Thies. Es waren alles recht unspektakuläre Fälle, wo besprochen wurde die Betreuung erstmal ruhen zu lassen. In der Zwischenzeit konnte ich aber alle Fragen an Schwester Iris und Dr. Thies stellen. Gegen Mittag kam dann doch noch ein Notruf von einer Frau, deren Mann an diesem Vormittag verstorben war. Schwester Iris und ich fuhren zu ihr hin und leisteten ihr v.a. seelischen Beistand. Gerade dies war für mich eine neue Erfahrung, da es einen großen Unterschied macht, ob man als Arzt zur Leichenschau oder als erster Helfer v.a. für die Betreuung der Angehörigen kommt.Donnerstag- und Freitagnachmittag betreute ich zusammen mit Julia Friedel (ÄIW in der Praxis) den Sonografiekurs für die Studenten. Hier hielten wir erst einen Vortrag und führten ins Thema ein und danach wurde fleißig geübt und alle durften sich gegenseitig schallen.Am Samstagvormittag trafen sich Studenten und Betreuer im Krankenhaus in Zwiesel zum Nahtkurs. Hier lernten die Studenten die diversen Knoten- und Nahttechniken und ich konnte mein Wissen wiederauffrischen.Bei allen Kursen herrschte gute Stimmung und ich denke, dass die Studenten aus ihrer Famulatur viel praktisches und theoretisches Wissen mitnehmen können. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wo ich wieder mit einzelnen Studenten in der Praxis zusammenarbeiten werde.

die 9. Woche

Es liegt wieder eine ereignisreiche Woche hinter mir. Das Projekt „Exzellenter Winter“ ist gestartet. Wir haben nun Studenten in den Praxen, die ihre Hausarztfamulatur ableisten. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung, da mir die Arbeit mit motivierten Studenten Spaß macht und ich gern Wissen und Fertigkeiten weitergebe.Am Dienstag war ich in der SAPV „Pallidonis“ in Deggendorf hospitieren. Hier machte ich die Frühbesprechung mit und bekam eine kleine Einführung. Dann fuhr ich mit Schwester Iris in Pflegeheime in der umliegenden Region und dort trafen wir uns jeweils mit Dr. Thies. Es waren alles recht unspektakuläre Fälle, wo besprochen wurde die Betreuung erstmal ruhen zu lassen. In der Zwischenzeit konnte ich aber alle Fragen an Schwester Iris und Dr. Thies stellen. Gegen Mittag kam dann doch noch ein Notruf von einer Frau, deren Mann an diesem Vormittag verstorben war. Schwester Iris und ich fuhren zu ihr hin und leisteten ihr v.a. seelischen Beistand. Gerade dies war für mich eine neue Erfahrung, da es einen großen Unterschied macht, ob man als Arzt zur Leichenschau oder als erster Helfer v.a. für die Betreuung der Angehörigen kommt.Donnerstag- und Freitagnachmittag betreute ich zusammen mit Julia Friedel (ÄIW in der Praxis) den Sonografiekurs für die Studenten. Hier hielten wir erst einen Vortrag und führten ins Thema ein und danach wurde fleißig geübt und alle durften sich gegenseitig schallen.Am Samstagvormittag trafen sich Studenten und Betreuer im Krankenhaus in Zwiesel zum Nahtkurs. Hier lernten die Studenten die diversen Knoten- und Nahttechniken und ich konnte mein Wissen wiederauffrischen.Bei allen Kursen herrschte gute Stimmung und ich denke, dass die Studenten aus ihrer Famulatur viel praktisches und theoretisches Wissen mitnehmen können. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wo ich wieder mit einzelnen Studenten in der Praxis zusammenarbeiten werde.

Woche 10

Es ist nun Ende März, es geht straff auf Ostern zu und der Winter hat uns noch voll im Griff. Ich musste morgens noch mein Auto vom Schnee befreien…

Auch sonst war diese Woche recht turbulent. Einerseits waren viele andere Praxen der Region im Osterurlaub und andererseits waren Kollegen in unserer Praxis krank oder auch im Urlaub. So fanden sehr viele Patienten den Weg in unsere Praxis. Für mich als Student ist dies super, da ich durchgängig zu tun habe und viele, viele verschiedene Patienten mit diversen Beschwerden erleben darf. Mit Dr. Roman Machac hatte ich diese Woche einen guten Partner und wir ergänzten uns gut, sodass wir die Arbeit gut bewältigen konnten und ich mein Wissen trotzdem erweitern konnte. Mittwoch und Donnerstag hatte ich zusätzliche Verstärkung einer Studentin aus dem Projekt Exzellenter Winter. Ihr konnte ich praktische Tipps und Tricks im Umgang mit Patienten geben, die sie gleich beim nächsten Patienten anwenden konnte.

Diese Woche verbrachte ich zum Großteil in Erlangen, um am Strahlenschutzkurs teilzunehmen. Diesen benötigt man, um als Arzt die Indikation für z.B. ein Röntgenbild stellen zu können. In den verbliebenen Tagen traf ich wieder auf nette Patienten, die meistens wieder mit Erkältungen zu kämpfen hatten.

In dieser Woche ruhte ich mich mal vom Praxisalltag aus und fuhr Ski in den Alpen. Das Wetter war super, es gab noch reichlich Schnee und es war zu kalt für diese Jahreszeit, aber beim Skifahren stört das ja nicht. Nächste Woche kehre ich dann frisch gestärkt zurück…

Es ist nun Ende März, es geht straff auf Ostern zu und der Winter hat uns noch voll im Griff. Ich musste morgens noch mein Auto vom Schnee befreien…
 
Auch sonst war diese Woche recht turbulent. Einerseits waren viele andere Praxen der Region im Osterurlaub und andererseits waren Kollegen in unserer Praxis krank oder auch im Urlaub. So fanden sehr viele Patienten den Weg in unsere Praxis. Für mich als Student ist dies super, da ich durchgängig zu tun habe und viele, viele verschiedene Patienten mit diversen Beschwerden erleben darf. Mit Dr. Roman Machac hatte ich diese Woche einen guten Partner und wir ergänzten uns gut, sodass wir die Arbeit gut bewältigen konnten und ich mein Wissen trotzdem erweitern konnte. Mittwoch und Donnerstag hatte ich zusätzliche Verstärkung einer Studentin aus dem Projekt Exzellenter Winter. Ihr konnte ich praktische Tipps und Tricks im Umgang mit Patienten geben, die sie gleich beim nächsten Patienten anwenden konnte.

Diese Woche hält endlich der Frühling Einzug. Die Sonne scheint und die Temperaturen steigen – herrlich!
 
In der Praxis geht es wieder ruhiger zu und die Erkältungen nehmen spürbar ab. Ich habe wieder viele neue Patienten kennenlernen dürfen und einige bekannte wiedergetroffen. Seit längerer Zeit haben wir am Donnerstag wieder die Fallbesprechung per Videochat gehabt, da nun wieder fast alle Ärzte da sind. Hier wurden interessante Fälle besprochen, die einem nicht alltäglich unterkommen und den eigenen Horizont erweitern.

In meiner letzten Woche ist endlich der Frühling in den Bayrischen Wald eingezogen. Die Sonne lachte, es war angenehm warm und die Natur erwachte zum Leben.
In den Praxen legte sich der ganz große Andrang der Wintermonate, aber es waren immer noch ausreichend Patienten da, sodass mir nicht langweilig wurde und ich fleißig behandeln konnte.
Am Dienstag hospitierte ich in der Radiologischen Praxis Dr. Schleicher in Zwiesel. Hier half ich jeweils einen halben Tag beim Befunden von MRT- und CT-Bildern, bekam viel erklärt und konnte alle meine Fragen loswerden. Insgesamt war es ein echt spannender Einblick in den Alltag eines niedergelassenen Radiologen.
Da es langsam aber sicher auf das letzte Examen zugeht, verabredeten sich Dr. Blank, Kathi (sie ist in meiner Prüfungsgruppe) und ich am Sonntag noch einmal in der Praxis. Dr. Blank hatte Dienst und so konnten wir die Gelegenheit nutzen und Kathi und ich untersuchten Patienten und stellten sie wie in der Prüfung vor. Danach bekamen wir von Dr. Blank noch viele Tipps und Tricks für die Prüfung – als ehemaliger Prüfer kennt er sich hier natürlich bestens aus. Am Ende stand leider der Abschied aus der Praxis und vom Bayrischen Wald an. Dr. Blank und ich ließen die vergangenen vier Monate noch einmal Revue passieren, sprachen über die Zukunft und dass wir uns irgendwann einmal wiedersehen.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Vielen Dank an Dr. Blank, alle anderen Ärzte, mit denen ich arbeiten durfte, und das Praxisteam für die schöne Zeit! Ich habe fachlich und menschlich viel gelernt und werde mich gern an euch zurückerinnern!


Eva Heuer

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Die erste Woche KW 47

Dass es hier etwas anders läuft als im Großraum München, merkt man schon beim Herfahren… Die Straßen werden kurviger und enger, auf einen Mittelstreifen wird verzichtet und es liegt Schnee.
Am nächsten Morgen sind die Straßen top geräumt und ich kann um 8 Uhr in der Praxis in Rinchnach starten. Die Helferinnen zeigen mir routiniert die wichtigsten Dinge in der Praxis und schon kann es losgehen. Auch in den nächsten Tagen ist das Praxisteam immer eine große Unterstützung.
Bis zum Ende der Vormittagssprechstunde schaue ich den Ärzten zunächst über die Schulter. Danach gibt es eine Skype-Konferenz mit allen Praxen. Wir besprechen das Thema „Otitis externa“. Die Skype-Fortbildung am Montag ist eine von mehreren Fortbildungsmöglichkeiten, von den anderen werde ich in den nächsten Wochen berichten.

Am Nachmittag darf ich Anamnese und Untersuchung eigenständig durchführen.
Sobald ich fertig bin, hole ich mir einen Arzt dazu. Wir besprechen gemeinsam mit dem Patienten die Anamnese, wiederholen die Untersuchung und klären das weitere Vorgehen. Nach der Sprechstunde ist noch Zeit um Fragen zu klären oder einzelne Krankheitsbilder ausführlicher zu besprechen.
Den Rest der Woche nutze ich, um mehr Routine und Sicherheit in Anamnese und Untersuchung zu entwickeln und die Praxisabläufe kennen zu lernen.

Die erste Woche ist im Nu vergangen, ich profitiere sehr von der guten Betreuung durch die Lehrärzte und den außergewöhnlich offenen und freundlichen Patienten.

KW 48 zweite Woche

Eine spannende und lehrreiche Woche liegt hinter mir. Neben viel Patientenkontakt lernte ich die Praxis in Schöfweg kennen, war bei einer großen Hausbesuchstour dabei und hospitierte einen Tag bei einem Orthopäden in Deggendorf. In der Montagsfortbildung lag der Schwerpunkt auf dem „akuten Kopfschmerz“. Es ist ein sehr häufiges Beschwerdebild, gefährliche Ursachen sind eher selten. Um diese aber nicht zu übersehen, standen in dieser Fortbildung v.a. die Hinweise auf „abwendbar gefährliche Verläufe“ im Mittelpunkt. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, in der Fortbildung regelmäßig Übersichtsarbeiten zu evidenzbasierter Anamnese und Untersuchung vorzustellen. Mein Beitrag war eine Zusammenfassung des Reviews „Does This Woman Have an Acute Uncomplicated Urinary Tract Infection?“ aus JAMA (2002). Hier wurden Daten aus 9 Studien ausgewertet, um genauer zu erfassen welche Symptome und klinische Untersuchungsergebnisse am sichersten einen Harnwegsinfekt anzeigen. Diese Woche habe ich einen Schwerpunkt auf orthopädische Untersuchung und auf das „Symptom“ Kreuzschmerz gelegt. Viele Patienten haben mir ermöglicht, eine kurze Untersuchung von Schulter, Rücken oder Knie zu durchzuführen, herzlichen Dank dafür! Zusätzlich habe ich mich mit den Leitlinien für Kreuzschmerz und für chronischen Schmerz auseinandergesetzt. Am Donnerstag konnte ich im SpOrthoMed den Orthopäden Dr. Buvar und Dr. Martin über die Schulter schauen. In der Kindersprechstunde am Nachmittag spielten kindliche Fußfehlstellungen eine große Rolle. Ich lernte wichtige Schwerpunkte in der Anamnese und Kriterien für Veränderungen der Fußstatik sowie des Gangbildes. Den nächsten kleinen Patienten mit Fußproblemen werde ich jetzt mit einem geschulteren Auge untersuchen.

KW 49 – dritte Woche

In dieser Woche ist hier so richtig der Winter eingezogen. Die ersten Loipen sind offen, und
in Kirchberg hat der Weihnachtsmarkt aufgemacht. Mein Schwerpunkt lag auf dem Thema
„Bauch“. Außerdem nahm ich an einem Qualitätszirkel zum Thema Antibiotika teil. Der
Abschluss dieser Woche war die große Weihnachtsfeier mit allen Mitarbeitern.
Die Fortbildung am Montag drehte sich unter anderem um das Thema Osteoporose. Wir
diskutierten Fragen wie: Welche Risikofaktoren sind wirklich relevant? Bei welchen
Patienten sollte man eine Knochendichtemessung durchführen und zu welchem Zeitpunkt?
Wann ist die Messung eine Kassenleistung?
Ich durfte eine Übersichtsarbeit zur klinischen Diagnostik des
Rotatorenmanschettensyndroms (Does This Patient With Shoulder Pain Have Rotator Cuff
Disease? JAMA 2013) vorstellen.
Bauchbeschwerden sind häufiges Thema in der Hausarztpraxis. In dieser Woche stellten sich
Patienten mit den unterschiedlichsten Anliegen vor. Häufig beschäftigte mich die einfache
Magen-Darm- Grippe, aber auch die Helicobacter-Therapie, Nahrungsmittelunverträglichkeit
und chronisch entzündliche Darmerkrankungen spielten eine Rolle. Komplexer wird es, wenn
die Beschwerden eines Patienten nicht typisch für ein bestimmtes Krankheitsbild sind. Ohne
zu wissen, was die genaue Ursache von z.B. Bauchschmerzen ist, muss trotzdem entschieden
werden, ob es eher gefährlich ist oder ob ein Zuwarten erlaubt ist. Entscheidende Hinweise
muss man in der Anamnese erfragen und beim Untersuchen erkennen.
Vom Ablauf eines Qualitätszirkels hatte ich bisher keine Vorstellung. Ich hatte einen
PowerPoint-Vortrag erwartet. Stattdessen erlebte ich eine gut moderierte und rege
Diskussion zu zahlreichen Facetten der Antibiotikatherapie. Welche Antibiotika fallen unter
die Gruppe der Reserveantibiotika? Wie sind die Erfahrungen der teilnehmenden Ärzte mit
seltener verwendeten Wirkstoffen? Und wie vermittelt man einem Patienten, der ein
Antibiotikum einfordert, dass es in der aktuellen Situation ggf. mehr schadet als nutzt?
Auch die Freizeit sollte in dieser Woche nicht zu kurz kommen. Freitagabend traf sich das
ganze Praxisteam zur traditionellen Weihnachtsfeier im Gasthof Sonnenwald. Neben
ausgezeichnetem Essen genossen wir zahlreiche Ansprachen, Sketche und Weihnachtslieder.
Ich habe mich sehr gefreut, so ungezwungen das ganze Team kennenzulernen und mit dem
ein oder anderen ins Gespräch zu kommen.
Samstag und Sonntag öffnete der Kirchberger Weihnachtsmarkt und ich drehte bei
strahlendem Sonnenschein die ersten Runden auf der Loipe in Klingenbrunn.

KW 50 – die vierte Woche

Diese Woche begann nicht wie gewohnt in einer der vier Praxen, sondern in der
Physiotherapie-Praxis Kufner in Kirchberg. Ich wollte wissen, wie die ärztliche Verordnung in
der Praxis umgesetzt wird. Besonders beeindruckt hat mich die sehr umfassende und
individuelle Herangehensweise an den Patienten. Jeder Patient wird nochmal genau zu
seinen Beschwerden befragt und untersucht. Auch Faktoren wie körperliche Arbeit, Stress
etc. werden diskutiert, um ganz gezielt therapieren zu können. Auch die Vielfalt der
Beschwerden bei denen eine Physiotherapie wirksam sein kann, war mir vorher nicht
bewusst.
In der Montagsfortbildung war das Thema der „Centor Score“. Er ist wichtiges Instrument,
um bei Halsschmerzen das Risiko einer eitrigen Mandelentzündung abzuschätzen und ggf.
eine Antibiotikatherapie einzuleiten. Neben dem Score spielten ganz praktische Fragen eine
Rolle, z.B: Was tun, wenn ein Kleinkind den Antibiotikasaft wieder ausspuckt?
Zum Fortbildungsthema der letzten Woche, „Osteoporose“, konnte ich einen interessanten
Artikel vorstellen: Does this woman have osteoporosis? (JAMA 2004).
Die weitere Woche war von ganz unterschiedlichen Aufgaben geprägt. Bei der
Hausbesuchsrunde erlebte ich, wie schwierig das Zeitmanagement ist, wenn man sich nicht
mehr in der gewohnten Praxisumgebung aufhält. Die Helferinnen zeigten mir, wie genau ein
geriatrisches Basisassessment und die Untersuchung von diabetischen Füßen durchzuführen
ist. Mein Wochenschwerpunkt war „Herz und Gefäße“, passend dazu stellten sich gleich
mehrere Patienten mit hypertensiven Entgleisungen vor.
Am Freitag besprachen Dr.Blank und ich den Fortschritt in meinem Curriculum. In den vier
Wochen habe ich schon viel Neues gelernt, die Liste der Themen mit denen ich mich noch
auseinander setzten möchte, ist aber noch lang.
Am Wochenende nutze ich nochmal die perfekten Schneebedingungen der Loipe in
Klingenbrunn und genoss ein Weihnachtskonzert in der Gotthardkirche in Kirchberg.

KW 1 – die siebte Woche

Seit dieser Woche sind wir zu drei Studenten in den vier Praxen. Das nutzten wir, um gemeinsam Untersuchungstechniken zu üben und zu wiederholen. Hier ist besonders das gegenseitige Feedback und der Austausch wichtig: Wie weit kann man ein Otoskop in den Gehörgang schieben, ohne dass es für den Patienten unangenehm wird? Auf welche Feinheiten muss man bei der Auskultation der Lunge achten usw. Für die nächsten Wochen planen wir, Sonographie zu üben. Da zurzeit noch viele andere Hausarztpraxen in der Region Urlaub haben, war das Wartezimmer immer gut gefüllt und genug Arbeit für alle drei Studenten da. Mein Lernschwerpunkt in dieser Woche waren die Stoffwechselerkrankungen. Nach den Festtagen mit viel üppigem Essen kamen mehrere Patienten mit typischen Gichtsymptomen sowie ein Notfallpatient mit hyperglykämer Entgleisung in die Praxis. Relevant war für mich, dass eine Gichterkrankung nur in 60% der Fälle das Großzehengrundgelenk betrifft, auch bei Schmerzen und Schwellung z.B. des Sprunggelenkes sollte man an Gicht denken. In der Fallbesprechung diskutierten wir den Umgang mit zwei seltenen, aber durchaus relevanten Beratungsanlässen: Vorgehen bei Patienten mit Petechien und Differentialdiagnostik der Lymphknotenschwellung. Anhand von zwei Patientenfällen konnte ich das Vorgehen in den folgenden Tagen quasi „live“ verfolgen. Das Wochenende lockte mit hervorragendem Winterwetter. Bei einer geführten Schneeschuhwanderung im Nationalpark lernte ich viel über die Pflanzen und Tierwelt der „Schachten“, sowie über die politischen Dilemmata die ein Nationalpark mit sich bringt.

KW 1 – die siebte Woche

Seit dieser Woche sind wir zu drei Studenten in den vier Praxen. Das nutzten wir, um gemeinsam Untersuchungstechniken zu üben und zu wiederholen. Hier ist besonders das gegenseitige Feedback und der Austausch wichtig: Wie weit kann man ein Otoskop in den Gehörgang schieben, ohne dass es für den Patienten unangenehm wird? Auf welche Feinheiten muss man bei der Auskultation der Lunge achten usw. Für die nächsten Wochen planen wir, Sonographie zu üben.

Da zurzeit noch viele andere Hausarztpraxen in der Region Urlaub haben, war das Wartezimmer immer gut gefüllt und genug Arbeit für alle drei Studenten da.
Mein Lernschwerpunkt in dieser Woche waren die Stoffwechselerkrankungen. Nach den Festtagen mit viel üppigem Essen kamen mehrere Patienten mit typischen Gichtsymptomen sowie ein Notfallpatient mit hyperglykämer Entgleisung in die Praxis. Relevant war für mich, dass eine Gichterkrankung nur in 60% der Fälle das Großzehengrundgelenk betrifft, auch bei Schmerzen und Schwellung z.B. des Sprunggelenkes sollte man an Gicht denken.

In der Fallbesprechung diskutierten wir den Umgang mit zwei seltenen, aber durchaus relevanten Beratungsanlässen: Vorgehen bei Patienten mit Petechien und Differentialdiagnostik der Lymphknotenschwellung. Anhand von zwei Patientenfällen konnte ich das Vorgehen in den folgenden Tagen quasi „live“ verfolgen.

Das Wochenende lockte mit hervorragendem Winterwetter. Bei einer geführten Schneeschuhwanderung im Nationalpark lernte ich viel über die Pflanzen und Tierwelt der „Schachten“, sowie über die politischen Dilemmata die ein Nationalpark mit sich bringt.

KW 2 – die achte Woche

Mein Wochenschwerpunkt in dieser Woche war HNO und Endokrinologie. Symptome im
HNO-Bereich sind ein häufiger Konsultationsgrund in der Hausarztpraxis. Nicht immer steckt
hinter den Halsschmerzen eine banale Erkältung, ein wichtiger AGV ist der
Peritonsillarabszess. Mit diesem Verdacht überwiesen wir einen Patienten zum Facharzt, der
unsere Diagnose bestätigte.
Im Rahmen der Endokrinologie beschäftigte ich mich erneut mit Diabetes und begleite Petra,
eine Helferin die schwerpunktmäßig Diabetiker betreut, auf ihrer Hausbesuchstour. Ich
konnte erleben, wie wichtig es ist gerade eine Diabetikerberatung auch zu Hause, in der
eigenen Küche durchzuführen. Schon beim Blick auf den Küchentisch kann man typische
Auslöser hoher Glucosespiegel erkennen und gemeinsam mit den Patienten einen sinnvollen
Umgang damit vereinbaren.
Am Dienstagabend traf sich das „LIA-Team“ zur Besprechung (LIA = Lebensqualität im Alter).
Das Ziel dieser Besprechungen ist es, alle betreuenden Berufsgruppen der Patienten im LIA-
Programm (Pflegedienst, Physiotherapie, Ergotherapie, Arzthelferinnen und Ärzte) an einen
Tisch zu bekommen und das weitere Betreuungs- und Behandlungskonzept eines Patienten
zu besprechen und ggf. zu verändern. Für mich war es sehr beeindruckend wie effizient und
zielführend hier Versorgungsschwierigkeiten angesprochen und Lösungsansätze gefunden
werden konnten.
Neben der täglichen Arbeit in der Praxis nutzen wir Studenten den Rest der Woche, um uns
ausführlich mit Indikation, Durchführung und insbesondere Befundung einer Spirometrie
auseinanderzusetzen.

KW 3 - die neunte Woche

In dieser Woche beschäftigte ich mich schwerpunktmäßig mit Symptomen im Bereich des
Kopfes. Gleich am Montag besprachen wir in der Fortbildung den Umgang mit Sinusitis –
eine wichtige Differentialdiagnose des Kopfschmerzes. Auch im Laufe der Woche
beschäftigte mich dieses Thema. Es stellten sich Patienten mit Migräne, aber auch mit
unklaren Kopfschmerzbildern vor. Viele Möglichkeiten, um mich in der Anamnese und
Untersuchung neurologischer Krankheitsbilder zu üben.
Am Mittwoch lernte ich ein neues Fortbildungsformat kennen. Wir trafen uns mit
Allgemeinärzten aus der Region, um aktuelle und relevante Publikationen zu diskutieren. Die
Assistentenzärzte der Gemeinschaftspraxis hatten Artikel wichtiger Journals im Vorfeld
ausgesucht, am Abend wurden die Themen ausführlich besprochen und die mögliche
Umsetzung in die tägliche Arbeit diskutiert.
Donnerstag brachte das Sturmtief „Friederike“ den Beginn einer neuen Erkältungswelle.
Entgegen aller Erwartungen pustete der Sturm die Patienten quasi direkt ins Wartezimmer
der Praxis in Schöfweg. Nachdem wir alles erledigt hatten, war von der Mittagspause nicht
mehr viel übrig, die Motivation, im Sturm nach Hause zu fahren, war klein. Also genoss das
ganze Praxisteam das Mittagessen im Gasthof neben der Praxis ;-) .
Am Freitag war schon die neunte Woche meines PJ-Tertiales zu Ende. Zusammen mit Dr.
Blank besprach ich die Fortschritte und weiteren Ziele in meinem Curriculum. Ich habe in
den letzten zwei Monaten bereits viele häufige Beratungsanlässe der Allgemeinmedizin
kennengelernt und kann durch zielgerichtete Anamnese und Untersuchung AGVs
ausschließen und häufig auch schon eine geeignete Therapie vorschlagen. Dieses Wissen
und die praktischen Fähigkeiten möchte ich jetzt weiter ausbauen.
Das Wochenende nutzen Georg, mein PJ-Kollege, und ich zum Langlaufen und für eine
sagenhafte Nationalparktour. Im Neuschnee konnten wir Luchs, Braunbär, Auerhuhn, Elche
und vieles mehr im Tierfreigehege beobachten.

KW 4 - Die 10. Woche

 

Die Erkältungswelle hält weiter an, das Wartezimmer ist gut gefüllt. Trotzdem nahmen wir
uns am Montag Zeit, um das aktuelle Fortbildungsthema „Rückenschmerzen im LWS-
Bereich“ zu besprechen. Grundlage der Fortbildung war u.a. der Artikel „What can physical
examination tell us about low back pain?“ (JAMA). Ein wichtiger Punkt für mich war, dass bei
Rückenschmerzen die psychosoziale Komponente eine große Rolle spielt. Man sollte nicht
nur organische Ursachen ausschließen, sondern auch ganz gezielt nach Belastungen im
beruflichen und privaten Umfeld fragen, da diese einen großen Beitrag zur Entstehung und
Chronifizierung von Rückenschmerzen spielen. Auch Renten- oder Versicherungsansprüche
spielen eine Rolle.
Psychische und psychiatrische Erkrankungen stellten auch meinen Wochenschwerpunkt dar.
Laut Literatur leiden 15-25% der Patienten einer Hausarztpraxis an akuten,
behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen. Anhand der Leitlinie „Psychosomatische
Medizin“ erarbeitete ich mir insbesondere, bei welchen chronischen Erkrankungen
(Diabetes, Asthma, KHK) häufig eine zusätzliche Depression auftritt und wie man sie erkennt.
Ich nahm mir vor, in Zukunft noch öfter danach zu fragen.

KW 5 – die elfte Woche

Die Woche ist wie im Flug vergangen. Mein Wochenschwerpunkt waren Erkrankungen Niere und des Urogenitaltrakts. Am Montag durfte ich in der nephrologischen Praxis Zwiesel bei Dr. Kammerl und Dr. Kassecker hospitieren. Ein spannender Einblick in die Praxis eines niedergelassenen Nephrologen! In der Sprechstunde lernte ich, durch Anamnese und körperliche Untersuchung schon eine grobe Einschätzung des Progresses einer Nierenerkrankung vorzunehmen. Zudem besprachen wir, ab wann man Vorbereitungen für die Einleitung einer Dialyse vornehmen sollte und wie man dies dem Patienten gut vermittelt. 

Auch im weiteren Verlauf der Woche stellten sich zahlreiche Patientin mit Symptomen aus dem Bereich Niere und ableitende Harnwege vor. Ich kann jetzt auch die Pyelonephritis und den Harnwegsinfekt zu den Krankheitsbildern zählen, die ich mit Anamnese, Untersuchung, AGVs und Therapie ganz gut im Griff habe. Zudem setzte ich mich mit der Wertigkeit des PSA-Wertes in der Vorsorge des Prostatakarzinoms auseinander.

Dienstagabend trafen sich die Allgemeinärzte der Region zum Qualitätszirkel in Spiegelau. Hier werden Fragen aus dem Praxisalltag gesammelt und diskutiert. Wir besprachen Fragestellungen wie „Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es pro und contra Händeschütteln in der Arztpraxis?“, „Bei welchen Symptomen sollte man an eine Myasthenia gravis denken?“, „Hilft Perenterol wirklich gegen Durchfall?“.

Das gut gefüllte Wartezimmer gab mir in dieser Woche viele Möglichkeiten sehr selbstständig zu arbeiten. Ich merke, dass ich immer sicherer darin werde, die wichtigsten Informationen zu erfragen, zielgerichtet zu untersuchen und ggf. eine weitere Diagnostik oder die passende Therapie vorzuschlagen.

KW 7 – die zwölfte Woche

Die Woche startete am Montag in Rinchnach gleich mit einem gut gefüllten Wartezimmer. Krankenhausentlassungen, Schwindel, ein schmerzendes Handgelenk und vieles mehr beschäftigten uns auch über die eigentliche Sprechstundendauer hinaus.

In der Montagsfortbildung diskutierten wir zum Thema Compliance und Adherence. In Deutschland wird nur ein Bruchteil der verschriebenen Medikamente wirklich eingenommen, die Gründe sind zahlreich und vielfältig. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir wohl am ehesten beim Umgang mit Nebenwirkungen ansetzen können und jetzt bei der Verschreibung und bei der Kontrolle des Medikamentenplans gezielter nach Nebenwirkungen fragen werden.

Am Donnerstag war mit dem Weiberfasching das närrische Treiben auch in der Gemeinschaftspraxis angekommen. Unter dem Motto „Zauberwald“ wimmelte es nur so von sagenhaften Rehlein und Elfen in der Sprechstunde.

Am Freitagmittag hatte der Patientenansturm etwas nachgelassen und ich konnte mit Dr. Blank das Curriculum besprechen. Jetzt sind schon zwölf Wochen vorbei, wir überlegten uns, welche Ziele ich mir für die letzten vier Wochen vornehmen werde.

KW 8 – die dreizehnte Woche

Mein Wochenthema war Prävention. Es werden unterschiedliche Arten von Prävention unterschieden: Primärprävention – verhindern, dass Krankheiten entstehen; Sekundärprävention – Krankheiten z.B. durch Früherkennung rechtzeitig entdecken und behandeln; Tertiärprävention – den Progress vorhandener Erkrankungen verlangsamen und Komplikationen rechtzeitig erkennen; Quartärprävention – Schutz vor Übermäßiger Diagnostik und Therapie.
Im Praxisalltag spielen alle Präventionsformen eine wichtige Rolle. Ich finde, dass die Primärprävention am schwierigsten umzusetzen ist. Oft stehen den wünschenswerten Veränderungen die aktuellen Lebensumstände oder der innere Schweinehund im Weg. Ich habe gelernt, dass es entscheidend ist, genau diese Hürden zu erkennen und zu thematisieren. Vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit, ein wenig mehr Bewegung in den harten Alltag einer alleinerziehenden Mutter zu integrieren, oder ein Rauchstopp lässt sich terminieren, sobald z.B. die anstrengende Hausrenovierung abgeschlossen ist.
Als ein Baustein der Tertiärprävention hospitierte ich einen Tag in der Ergotherapie. Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, zu unterstützen. Dies sind z.B. Schlaganfallpatienten, deren Hand nur noch eingeschränkt beweglich ist. Diese wird ganz gezielt beübt, damit der Alltag wieder so eigenständig wie möglich gemeistert werden kann. Ich erlebte sehr unterschiedliche Krankheitsbilder, sehr motivierte Patienten zu Beginn einer Therapie und sehr zufriedene Patienten, die nach langem Üben gute Fortschritte erreicht hatten.

KW-9 – die vierzehnte Woche

Mein PJ-Tertial neigt sich dem Ende zu, und die Themen im Curriculum werden umfassender und komplexer. In dieser Woche beschäftigte ich mich mit „dem alten Patienten“. Das Alter stellt nicht nur den Menschen selber, sondern häufig auch seine Angehörigen und auch die Ärzte vor Herausforderungen. Wie damit umgehen, dass sich immer mehr „Wehwehchen“ ansammeln und dass der eigene Aktionsradius immer kleiner wird? Was tun, wenn Oma schon mehrfach vergessen hat, den Herd abzustellen? Wie damit umgehen, wenn der Patient mit einer DinA4-Seite Medikamente aus dem Krankenhaus entlassen wurde und jetzt über Schwindel klagt? Solche Fragestellungen beschäftigen uns täglich. Für mich geht es dann eher um den besten Kompromiss als um die medizinisch perfekte Lösung. Ganz entscheidend dafür ist es, mit dem Patienten zu besprechen, was seine Wünsche und Vorstellungen sind. Da es ja häufig nicht nur um den Patienten selber geht, ist es manchmal hilfreich, auch die Angehörigen mit ins Boot zu holen.

Um einen Aspekt der Betreuung alter Patienten ging es auch im Journal Club. Ich konnte einen Review über die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Antidementiva vorstellen. Wir diskutierten den Umgang mit diesen Medikamenten in großer Runde mit Allgemeinärzten aus der Region.

KW 10-11 – der Endspurt

Die letzten zwei Wochen meines Allgemeinmedizintertials standen ganz im Zeichen des
Studentenprojektes „Exzellenter Winter“. Eine Gruppe aus ca. 25 Famulanten verbringt 4
Wochen in den Praxen der Region und hat die Möglichkeit, an zahlreichen Kursen
teilzunehmen. Die Vorbereitung und Durchführung dieser Kurse nahm eine Menge Zeit in
Anspruch, gab mir jedoch die Möglichkeit meine Kenntnisse u.a. in der EKG-Interpretation
umfassend aufzufrischen.
Im Wartezimmer war der aktuelle Höchststand der Grippewelle deutlich sichtbar,
ausreichend Arbeit für Ärzte, PJ-Studenten und Famulanten. Zeitweise durfte ich die
Famulanten mitbetreuen und merkte hier, welche großen Fortschritte ich in den letzten vier
Monaten gemacht habe, ein tolles Gefühl. Zum Ende der Woche hieß es dann Abschied
nehmen von dem fantastischen Team der Gemeinschaftspraxis, die mich so gut beim Lernen
unterstützt haben. Herzlichen Dank an Alle!

Peter Philipsborn

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Hallo! Wie schon meine PJ-Vorgänger möchte ich an dieser Stelle jede Woche über meine Erfahrungen im Wahltertial Allgemeinmedizin berichten.

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Nach acht Monaten in der Schweiz kam ich für das letzte Tertial meines Praktischen Jahres in die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald in Kirchberg im Wald. Ich hatte die Praxis vor knapp zwei Jahren im Rahmen des Blockpraktikums Allgemeinmedizin kennengelernt, und wusste seitdem, dass ich für das Praktische Jahr hierher zurückkehren würde.

Über vieles ließe sich schreiben, um die Arbeit und das Leben hier zu charakterisieren. Von den vielen Aspekten möchte ich für diesen ersten Beitrag einen herausgreifen: Der wissenschaftliche Geist und der hohe fachliche Anspruch, der die Arbeit hier prägt.

Evidenzbasierte Medizin wird üblicherweise definiert als medizinisch-praktische Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung und bewusster Integration der bestverfügbaren wissenschaftlichen Evidenz, klinischer Erfahrung und Patientenpräferenzen. Genau dieses Prinzip – die Berücksichtigung und Integration der drei Dimensionen Evidenz, Erfahrung und Patientenpräferenzen und die Umsetzung dieser in die Praxis – wird hier in verschiedener Hinsicht sehr konsequent umgesetzt.

Ein Beispiel hierfür sind die regelmässig stattfindenden Journalclubs des Praxisnetzes GUAD (GUAD steht für „Gut Betreut im Arberland“; es ist ein Netzwerk von mehreren Einzel- und Gemeinschaftspraxen). Die Teilnehmenden sind niedergelassene Haus- und FachärztInnen aus der Region, ÄrztInnen in Weiterbildung aus Praxen und den beiden regionalen Kliniken und PJ-Studierende und Famulanten. JedeR hat die Möglichkeit, aktuelle Fachartikel, Leitlinien-Updates oder andere relevante Texte vorzuschlagen und vorzubereiten; im jeweils nächsten Journal-Club werden diese dann zunächst in Kleingruppen besprochen und dann der Gesamtgruppe vorgestellt und in dieser diskutiert.

Ich konnte ein Thema übernehmen, das ursprünglich von Julia Friedl vorgeschlagene worden war, einer Ärztin in Weiterbildung aktuell im Krankenhaus Viechtach, die Nachtschicht-bedingt kurzfristig verhindert war. Es handelt sich um die aktuelle S2k-Leitlinie zur Akuttherapie und Management der Anaphylaxie, und speziell den Umgang mit der Ausstattung von PatientInnen mit Notfallmedikamenten. Die Leitlinie empfiehlt, alle PatientInnen, die einmalig eine anaphylaktische Reaktion gegen ein nicht sicher vermeidbares Allergen erlitten haben, mit einen Notfallset auszustatten, bestehend aus einem oralen Glucocorticoid, einem oralen Antihistaminikum und einem Adrenalin-Autoinjektor. Eine anaphylaktische Reaktion wird von der Leitlinie wiederum definiert als eine „akute systemische Reaktion mit Symptomen einer allergischen Sofortreaktion, die den ganzen Organismus erfassen kann und potenziell lebensbedrohlich ist“, wobei die Leitlinie die Unschärfe dieser Definition und die vielen abweichenden Verwendungen des Begriffs anerkennt.

Auch wenn es zu diesem Thema, wie in der Leitlinie thematisiert, nur wenige wissenschaftliche Studien gibt (seltene, unvorhersehbar auftretende und potentiell lebensgefährliche Notfallsituationen mit z.B. randomisiert-kontrollierten Studien zu untersuchen ist praktisch und ethisch oft schwierig) kann die Leitlinie als die beste im Moment verfügbare wissenschaftliche Evidenz zu dieser Frage gesehen werden, weshalb ihre Empfehlungen Berücksichtigung finden sollten. Wie aber sollte man in Grenzfällen verfahren? Kurz vor dem Termin des Journal-Clubs war ein gut 50-jähriger Patient notfallmässig in unsere Praxis gekommen, der eine Stunde zuvor von einer Wespe gestochen worden war und daraufhin leichten Juckreiz am ganzen Körper entwickelt hatte, sich etwas schummrig fühlte und ein pelziges Gefühl und eine leichte Schwellung im Mund verspürte. In unserer Praxis war er zu jedem Zeitpunkt kardiopulmonal stabil mit einem Blutdruck von 150/85 mmHg bei bekannter arterieller Hypertonie und ruhiger Atmung. Die subjektiven Beschwerden bildeten sich unter 200 mg Prednisolon i.v. innerhalb von 20 Minuten zurück.

Waren in diesem Fall nun die Definitionskriterien der Leitlinie erfüllt oder nicht? Sollte man diesen Patienten mit einem Notfallset ausstatten (einem nicht ganz billigen Päckchen von rund 15x15x20 cm Größe, dass leitliniengemäß immer und bei jeder Gelegenheit mitgeführt werden muss, nicht ganz einfach zu handhaben ist und jedes Jahr durch ein Neues ersetzt werden muss)? Was, wenn man weiß, dass der oder die PatientIn realistisch betrachtet das Notfallset meistens nicht dabei haben wird? Was tun, wenn die Indikation für ein Notfallset nach klinischem Urteil eigentlich nicht erfüllt sind, eine PatientIn jedoch sehr risikoavers und sicherheitsbedürftig ist und sich ein Notfallset ausdrücklich wünscht? Zu diesen Fragen die Erfahrungen der anwesenden ÄrztInnen zusammenzutragen, abzugleichen und vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Leitlinie zu diskutieren war höchst spannend, und ein Paradebeispiel für evidenzbasierte Medizin in der Praxis. (Dem Patienten aus der Praxis hatten wir kein Rezept für ein komplettes Notfallset, wohl aber zwei Cortison-Tabletten à 50 mg aus dem Praxisbedarf mitgegeben, einschließlich des Rats diese bei wiederauftretenden Beschwerden sofort einzunehmen und sich dann auch schnellstmöglich in ärztliche Behandlung zu begeben – eine der verschiedenen Möglichkeiten, mit einer solchen Situation umzugehen).

Woche 2

Ein zentrales Merkmal evidenzbasierter medizinischer Praxis ist es, die eigenen Routinen immer wieder kritisch auf den Prüfstand zu stellen, wenn neue wissenschaftliche Evidenz hierzu Anlass gibt. Dies ist besonders wichtig bei häufig auftretenden Krankheitsbildern und alltäglichen Problemen – gerade für solche entwickelt man Routinen, und gerade bei diesen ist allein durch die Zahl der betroffenen PatientInnen der potentielle Nutzen besonders groß.

Es war und ist in vielen Kliniken gängige Praxis, bei PatientInnen nach tiefer Beinvenenthrombose (TVT) Kompressionsstrümpfe anzuwenden. Grund hierfür ist, dass die Entstehung eines postthrombotischen Syndroms (PTS) verhindert werden soll. Das PTS ist eine mögliche Komplikation einer TVT, die – so die gängige Lehrmeinung – durch eine Schädigung der Venenklappen und einer folgenden Varikosis mit chronisch-venöser Insuffizienz bedingt ist.

Kompressionsstrümpfe sind nicht besonders beliebt bei PatientInnen – und so fragte letzte Woche eine betroffene Patientin in unserer Praxis, ob sie denn wirklich unbedingt diese fürchterlich engen Strümpfe tragen solle (gerade jetzt im Sommer!), und was denn da eigentlich der Nutzen sei. Schnell auf AMBOSS nachgeschlagen fand ich dort den Hinweis dass ja, eine Kompressionstherapie nach TVT unbedingt empfehlenswert sei um das Auftreten eines PTS zu verhindern. Zu Beginn solle die Kompression mittels elastischen Wickelverband erfolgen, und nach dem Nachlassen der anfänglichen Schwellung durch angepasste Kompressionsstrümpfe, die für mindestens 3 Monate getragen werden sollten, je nach Verlauf und insbesondere bei Anzeichen für eine chronisch-venöse Insuffizienz auch länger, gegebenenfalls lebenslang.

Ich selber hätte mich hiermit zufrieden gegeben, denn als Medizinstudent im Jahr 2017 bin ich spätestens seit der Examensvorbereitung darauf konditioniert, dass gilt was AMBOSS sagt. Doch Dr. Blank hatte in Erinnerung, dass die besagte, auch in AMBOSS dargestellte Lehrmeinung von einer neueren Studie grundlegend in Frage gestellt worden sei, und bat mich, der Sache auf den Grund zu gehen.

Als Quelle wird auf AMBOSS die S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie“ vom Oktober 2015 genannt – und in dieser heißt es tatsächlich unmissverständlich: Um Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms zu reduzieren, sollte [nach TVT] frühzeitig mit einer Kompressionstherapie begonnen werden. Die Leitlinie führt aus, dass in zwei Studien aus den Jahren 1997 und 2004 ein Nutzen für die Kompressionstherapie nach TVT nachgewiesen wurde. Eine Studie aus dem Jahr 2014 konnte zwar keinen Nutzen zeigen, diese hätte jedoch methodische Mängel, so dass die Leitlinienautoren an der Empfehlung für eine Kompressionstherapie festhalten.

Bei der besagten Leitlinie handelt es sich um eine S2k-Leitlinie – das heißt eine konsensbasierte Leitlinie (das k steht für Konsens), die von einer repräsentativen Leitliniengruppe unter Beteiligung aller relevanten und interessierten Fachgesellschaften entwickelt wurde, allerdings ohne systematische Literatursuche- und synthese (wäre eine solche zusätzlich zum konsensbasierten Verfahren durchgeführt und bei der Leitlinienerstellung berücksichtigt worden würde es sich um eine S3-Leitlinie handeln, der höchsten Leitlinien-Entwicklungsstufe).

Eine schnelle PubMed-Suche mit den Suchbegriffen stocking* AND thromb* und dem Suchfilter „Meta-Analysis“ und „Systematic Reviews“ liefert vier aktuelle systematische Übersichtsarbeiten zur Frage, ob eine Kompressionstherapie nach TVT helfen kann, ein PTS zu verhindern: Berentsen 2016, Burgstaller 2016, Jin 2016, und Perrin 2016. Berentsen 2016 stellt fest, dass die methodisch besten Studien keinen Nutzen einer Kompressionstherapie nach TVT zeigten. Burgstaller 2016 führt aus, dass die vorliegenden Studien unterschiedliche Ergebnisse zeigten, und verzichtet (im Abstract) auf eine klare Aussage bezüglich des Nutzens einer Kompressionstherapie. Jin 2016 poolt die Ergebnisse der vorliegenden Studien in einer Meta-Analyse, welche keinen Nutzen einer Kompressionstherapie nach TVT zeigt, weist aber auch auf die Heterogenität der Studienlage hin und fordert weitere Forschung zu diesem Thema. Perrin 2016 schließendlich führt aus, dass zwei Studien mit sehr guter Therapieadhärenz (in denen die PatientInnen ihre Kompressionsstrümpfe also tatsächlich regelmässig trugen) einen Nutzen nachweisen konnten, die anderen Studien mit schlechterer Adhärenz den Bedingungen der Realität aber näher kämen. Offen bliebe jedoch die Frage, ob es vielleicht Subgruppen von PatientInnen mit TVT gäbe, die von einer Kompressionstherapie profitieren könnten….

Was heißt das nun für unsere Patientin? Aus den genannten Studien und Übersichtsarbeiten lassen sich sicherlich unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen, aber für mich lautet die vorläufige Quintessenz, dass wir (noch) nicht sicher sagen können, ob eine Kompressionstherapie nach TVT etwas nützt oder nicht. Gerade wenn die Evidenz uneindeutig ist (aber nicht nur dann) erscheint es besonders wichtig, PatientInnen eine gut und ausgewogen informierte eigene Entscheidung zu ermöglichen. Das nächste Mal würde ich einer Patientin wie der eingangs erwähnten daher vielleicht Folgendes erklären:

Manchmal werden durch eine Thrombose die Venen im Bein so geschädigt, dass sich Krampfadern entwickeln. In einigen Fällen können sich daraus Durchblutungstörungen mit schmerzhaften Schwellungen bis hin zu offenen Stellen an den Beinen entwickeln. Dies nennt man postthrombotisches Syndrom. Viele Experten glauben, dass Kompressionsstrümpfe helfen können, dies zu verhindern. Sie sollten jedoch wissen, dass nur manche Patienten dieses Syndrom entwickeln, und es bei Ihnen selbst dann auftreten kann, wenn Sie Kompressionsstrümpfe tragen. Vielleicht senken Kompressionsstrümpfe die Wahrscheinlichkeit, dass ein postthrombotisches Syndrom auftritt, aber ganz sicher wissen wir das nicht. Experten empfehlen, für mindestens drei Monate Kompressionsstrümpfe zu tragen – aber wie gesagt, ob dies wirklich etwas bringt wissen wir nicht sicher. Mein Vorschlag wäre, dass wir Ihnen ein Rezept für Kompressionsstrümpfe mitgeben und Sie diese ausprobieren und sich dann in Ruhe überlegen, ob sie diese weiter tragen möchten. Ende der Woche können wir uns dann wieder in der Sprechstunde sehen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wäre das so in Ihrem Sinne? Habe Sie jetzt noch Fragen, oder Dinge die Sie gerne besprechen möchten?“

Ein letzter Caveat noch: Über den Nutzen einer Kompressionstherapie aus anderen Gründen – etwa zur TVT-Prophylaxe nach Operationen, oder bei bereits bestehender chronisch-venöser Insuffizienz – ist damit noch nichts gesagt. Wie gut die Evidenz für einen Nutzen bei diesen Indikationen ist weiß ich nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Woche 3

Donnerstag morgen in der Praxis, ein neuer Patient, 50 Jahre, kommt zum ersten Mal zu uns, da sein alter Hausarzt in den Ruhestand gegangen ist, ohne einen Nachfolger zu finden. Eigentlich kommt er nur, um sich ein Rezept für seine Medikamente zu holen – ein Antihypertensivum (eine Fixkombination aus Ramipril und Amlodipin), Diclofenac und Pantoprazol als Bedarfsmedikation bei Rückenschmerzen. Ich messe den Blutdruck, der Wert ist passabel mit 135/85 mmHg. Ich blättere die alte, noch papierbasierte Patientenakte seines bisherigen Hausarztes durch, ein Laborblatt vom April diesen Jahres fällt mir in die Hand, mit einem Gesamtcholesterin von 220 mg/dl, und Triglyceriden von 700 mg/dl. Ob er schon einmal einen Cholesterinsenker genommen habe, frage ich – ja, doch, sein alter Hausarzt habe ihm mal so was empfohlen, aber genommen habe er es nie. Ich starte den Risiko-Rechner von Arriba, gebe seine Werte ein – er rauche, schon so ein Päckchen pro Tag, und ja, sein Vater sei an einem Schlaganfall gestorben, mit 45, aber Diabetes habe er keinen. Für Sport habe er keine Zeit, und auch sein Habitus passt dazu, dass er sich als Liebhaber der traditionellen bayerischen Küche zu erkennen gibt. Zusammen mit seinen unter Antihypertensiva hoch-normalen Blutdruckwerten und erhöhten Gesamt-Cholesterin und gerade noch normwertigen HDL-Cholesterin von 40 kommt er damit auf ein Risiko von 32%, während der nächsten 10 Jahre einen Herzinfarkt oder ein Schlaganfall zu erleiden.

Die bloße Vorstellung, das von 3 Patienten wie ihm einer während der nächsten 10 Jahre ein solches immer potentiell lebensbedrohliches Ereignis erleiden wird, ist für mich schwer zu fassen – gerade weil Arriba eine solche individualisierte Quantifizierung des Risikos erlaubt, empfand ich es in diesen Moment so, als würden wir Patienten wie diesen im Prinzip sehenden Auges in ihr Verderben schicken. Immerhin, durch eine kombinierte Therapie mit einem Statin und ASS ließe sich das Risiko von 32 auf 22% senken, was natürlich in Segen ist.

Um sein Risiko in den durchschnittlichen Bereich (um genau zu sein, auf 7,9%, ohne zusätzliche Medikation) zu senken, bräuchte er einen Rauchstopp, ausreichend Bewegung und eine gesündere Ernährung.

Ein neues Medikament zu verschreiben, das ist leicht getan, einen Menschen dazu in die Lage zu versetzen, sein Leben umzustellen, seinen Alltag mit neuen, gesünderen Routinen und Ritualen zu füllen, das ist ungemein schwerer. Und es ist auch etwas, worüber wir in unserem Studium nur sehr wenig gelernt haben. Denn, das ist klar, mit einem kurzen Hinweis an eine PatientIn, er oder sie solle mit dem Rauchen aufhören, sich gesünder ernähren und ausreichend bewegen ist es nicht getan. Es gibt evidenzbasierte Methoden und Verfahren, mittels derer PatientInnen effektiv bei Lebensstil-Änderungen unterstützt werden können – etwa Kurzinterventionen nach dem 5-A-Prinzip (Ask – Assess – Advise – Agree – Assist), die für die Unterstützung eines Rauchstopps ebenso wie bei Adipositas eingesetzt werden können.

Auch hierüber mehr zu lernen, und Routine und Erfahrung zu gewinnen in der Beratung von PatientInnen in diesen Fragen, das ist eines meiner Lernziele für dies PJ-Tertial.

Bei dem eingangs erwähnten Patienten müsste es noch um mehr als das gehen – die Triglyceride von 700 mg/dl hätten mich stutzig machen können, doch bewusst wurde es mir erst, als diese später Dr. Blank ins Auge fielen und er den Patienten fragte, wie viel Bier er denn pro Tag so trinke, und er antwortete, dass es so schon so 5, 6 Halbe am Tag seinen, manchmal auch mehr. Es gibt viel zu tun.

Woche 4

Eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums war ein Pflegepraktikum auf einer neurologischen Station mit angegliederter Stroke-Unit, d.h. einer spezialisierten Station für die Akutversorgung von Schlaganfall-Patienten. Nie werde ich den Blick der PatientInnen vergessen, die nach einem Schlaganfall an weiten Teilen ihres Körpers gelähmt waren und die Fähigkeit verloren hatten, zu sprechen oder zumindest sich sprechend verständlich zu machen, und dies alles bei vollen Bewusstsein zu erleben schienen – so viel Leid und existenzielle Verzweiflung konzentriert im Ausdruck zweier Augen; jedes Mal wenn mich ein solcher Blick traf, jagte es mir einen Schauer durch den ganzen Körper. Und dann die eigene Hilflosigkeit angesichts der Fassungslosigkeit und Trauer der Angehörigen, die nach Besuchen oft schluchzend die Station verließen. Diese Station war ein guter Ort, nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen der modernen Medizin zu erfahren.

Einer der wichtigsten Ansätze zur Prävention von Schlaganfällen ist die orale Antikoagulation – d.h. die Gabe eines Mittels zur Hemmung der Blutgerinnung in Tablettenform – bei PatientInnen mit Vorhofflimmern (VHF). VHF ist die häufigste anhaltende Rhythmusstörung, mit einer geschätzten Prävalenz in der Gesamtbevölkerung von 1-2%, und bis zu 10% unter den über 65-jährigen. Die Flimmerbewegung des Herzvorhofs begünstigt die Bildung von Thromben, welche über die linke Kammer, die Aorta und die Karotiden ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen können. Deshalb besteht bei PatientInnen mit VHF ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko – wie hoch genau dieses ist hängt von einer Reihe weiterer Faktoren ab, z.B. dem Alter, dem Geschlecht und sonstigen Erkrankungen der PatientIn. Auf Grundlage großer Studien wurde der sogenannte CHA2DS2-VASc-Score entwickelt, der eine genaue Quantifizierung dieses Risikos erlaubt.

Die aktuellen Leitlinien empfehlen, dass alle PatientInnen mit einem CHA2DS2-VASc-Score von mind. 2 (bei Männern) oder mind. 3 (bei Frauen) eine orale Antikoagulation erhalten sollten. Dies senkt das Schlaganfallrisiko und auch die Gesamtmortalität und -morbidität nachweislich ganz erheblich, und kann so helfen, das Leid zu vermeiden, das ich während meines Pflegepraktikums so eindrucksvoll erlebt hatte. Doch keine Wirkung ohne Nebenwirkung, und so sind auch orale Antikoagulanzien ein zweischneidiges Schwert: Sie können zwar das Risiko für ischämische, d.h. thromboembolisch bedingte Schlaganfälle senken, erhöhen aber auch das Risiko für Blutungen, u.a. Magen-Darm-Blutungen und Blutungen im Gehirn. Um das Risiko für solche schwerwiegenden Blutungen unter oraler Antikoagulation abzuschätzen, gibt es wiederum einen anderen Score, den HAS-BLED-Score. Dieser kann helfen, PatientInnen mit erhöhten Blutungsrisiko zu identifizieren und bei diesen veränderbare Risikofaktoren für Blutungen zu minimieren. Außerdem sollten wegen des erhöhten Blutungsrisikos PatientInnen natürlich wirklich nur dann eine orale Antikoagualation erhalten, wenn diese gemäß des jeweils aktuellen CHA2DS2-VASc-Score also auch tatsächlich indiziert ist.

Deshalb ist es wichtig, bei allen PatientInnen mit Vorhofflimmern den CHA2DS2-VASc-Score zu kennen, und bei allen PatientInnen unter oraler Antikoagulation den HAS-BLED-Score. In der Eile des Praxisalltags ist natürlich oft keine Zeit, diese Scores zu bestimmen – und so ist die Idee für ein Projekt entstanden, mit dem meine PJ-Kollegin Wibke und ich uns die nächsten Wochen beschäftigen werden: zusammen mit den medizinischen Fachangestellten der Praxis werden wir von allen betroffenen PatientInnen die beiden Scores bestimmen, diese im Notizfeld der elektronischen Patientenakte gut sichtbar dokumentieren, und auf dieser Grundlage jeweils die Indikation für die orale Antikoagulation überprüfen und bei erhöhten Blutungsrisiko prüfen, ob vermeid- oder veränderbare Risikofaktoren für Blutungen vorliegen.

Auch das ist moderne Medizin im besten Sinne: Die Möglichkeiten evidenzbasierter Algorithmen, zeitgemäßer IT-Technik und guter Teamarbeit zu nutzen, um für alle PatientInnen mit den verfügbaren Ressourcen die jeweils besten Therapieentscheidungen zu finden, und so menschliches Leid zu verhindern, und möglichst vielen Menschen ein möglichst langes, schönes und gutes Leben zu ermöglichen.

Woche 5

Was mich seit meinem ersten Pflegepraktikum ganz zu Beginn des Studiums mit am meisten an der Medizin fasziniert, sind die Einblicke, die sie in das Leben von Menschen und damit in unsere Gesellschaft erlaubt. Die Medizin und ihr äußerer Rahmen, das Gesundheitssystem, begegnet und begleitet die Menschen bei den fundamental bedeutsamen Lebensereignissen Konzeption, Schwangerschaft, Geburt, Krankheit, Sterben und Tod – und bei vielen Kleinerem und Größerem dazwischen, bei der Jugendarbeitsschutzuntersuchung vor dem ersten Job, bei persönlichen Krisen, bei den ersten Anzeichen des Alterns, und dann beim Fortschreiten von diesem.   Spricht man mit Patienten, so erfährt man oft vieles über ihr Leben, und darüber was ihnen dieses bedeutet, was es für sie mit Sinn und Inhalt füllt, wie ihr Alltag aussieht, was sie sich wünschen, was ihre Ziele und Ängste sind. In die Anamnese, und in den von uns mit Befunden und Diagnosen erfassten Gesundheitsstatus scheint oft eine ganze Lebensgeschichte eingeschrieben zu sein – bei der 80-jährigen Bäuerin mit Coxarthrose, die von der Arbeit auf den Feldern erzählt und davon, dass sie nicht mehr wolle, als noch einmal ohne Schmerzen zu dem Hof und den Stall mit den Kälbern zu laufen, wo sie ihr ganzes Leben verbracht habe; der 16-Jährige, der von der Arbeit überfordert und von seinen Arbeitskollegen gemobbt seine Ausbildung abbrechen will und flehentlich um eine Krankmeldung bittet; die 50-jährige ehemalige Altenpflegerin mit chronischen Schmerzen und einer zwei Seiten langen Medikamentenliste, die erzählt wie sie vor 8 Jahren nach einer Nachtschicht im Sekundenschlaf von der Fahrbahn abkam, und seitdem nicht wieder auf die Beine gekommen sei.Dies gilt für die Medizin ganz allgemein – doch nirgends habe ich diesen Aspekt der Medizin so umfassend und intensiv erlebt wie hier während meines PJ-Tertials in der Allgemeinmedizin. Denn in der Klinik begegnen einen nur PatientInnen, die schwer genug krank sind dass dies eine Einweisung rechtfertigte; und, und dies ist vielleicht noch wichtiger, im Krankenhaus sind sie aus ihrem Alltag und ihrem Umfeld gerissen, und – so scheint es oft – mit Barcode-Bändchen und im einheitlich gemusterten Krankenhaushemd ihrer Individualität beraubt und auf das Dasein als Patient reduziert. Das Setting der Institution Krankenhaus und die Rollenverteilung Personal versus Insassen mit ihrer ausgeprägten Macht- und Informationsasymmetrie prägt auch das Arzt-Patientenverhältnis in der Klinik, und erschwert dort das Kommunizieren auf Augenhöhe.

Wie anders ist dies in der Hausarztpraxis – hier erlebt man PatientInnen als Menschen inmitten ihres alltäglichen Lebens und in ihrem gewohnten, dem sie prägenden Umfeld. Hier lernt man, was Gesundheit und Krankheit für Menschen in ihrem Alltag bedeutet, hier erfährt man unmittelbar wie Diagnosen, Befunde und Beschwerden das Leben von Menschen verändern, wie sie damit umgehen, auf sie reagieren und sich unter ihnen verändern. Und hier wird einem auch bewusst, wie Gesundheit und Krankheit mit all dem anderen verwoben ist, was dem Leben von Menschen Sinn, Inhalt und Erfüllung gibt. In keinem anderen Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens ist man so nah am Leben der Menschen, für deren Gesundheit man durch die Wahl des eigenen Berufes Verantwortung übernommen hat.

Aus diesem Grunde glaube ich, dass, egal in welchem Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens man einmal arbeiten möchte, Erfahrungen in der Allgemeinmedizin ganz essentiell sind, um eine gute Ärztin oder ein guter Arzt zu werden – und das Praktische Jahr ist mit die beste Gelegenheit hierfür.

Ich selber weiß noch nicht, ob ich mein Leben als Hausarzt verbringen werde – zwar hat mir die Allgemeinmedizin von allen medizinischen Fächern bislang die positivsten Erfahrungen geboten, aber vielleicht wird mein Platz später einmal doch ein anderer sein. Denn mein Herz schlägt auch für die Forschung, und für die Beschäftigung mit den Rahmenbedingungen von Gesundheitsversorgung und Gesundheit im Allgemeinen. Dazu zu forschen, darüber nachzudenken, und dafür zu arbeiten, wie sich Gesundheitsversorgung am besten organisieren lässt, und wie wir als Gesellschaft gesündere Lebensbedingungen für uns alles schaffen können – auch dies fasziniert und beschäftigt mich, und vielleicht wird mich mein Weg auch weiter in diese Richtung führen. Doch auch dafür kann ich mir bessere Vorbereitung vorstellen als die Arbeit hier in der Hausarztpraxis, denn erst hier habe ich begonnen zu verstehen, was uns Gesundheit in unserem Leben bedeutet.

Woche 6

Nicht nur über das Leben der Menschen hier lerne ich viel, sondern auch sehr viel klassisch Klinisch-Praktisches, über Ätiologie, Pathogenese, Klinik, Diagnostik und Therapie. Die Arbeits- und Betreuungsverhältnisse hier erlauben einen höchst effektiven, vielfältigen Lernmodus.

Dieses Lernen beginnt damit, dass meine Mit-PJlerin Wibke und ich den Vormittag wechselnd an einem der vier Praxisstandorte verbringen; dort führen wir mit den in die Sprechstunde kommenden PatientInnen die Anamnese, körperliche Untersuchung und soweit nötig weitere Diagnostik durch, und rufen dann eine der ÄrztInnen hinzu um das Beratungsergebnis und das weitere Procedere zu besprechen. (Das Beratungsergebnis kann eine exakte Diagnose sein, oder auch nur ein Symptom, eine Symptomgruppe, das Bild einer Krankheit oder ein Befund ohne Krankheitswert). Diese 1:1-Betreuung durch erfahrene ÄrztInnen mit teils jahrzehntelanger praktischer Erfahrung und neben der Allgemeinmedizin weiteren unterschiedlichen fachlichen Hintergründen ist gigantisch.

Daneben können wir uns zwischen den einzelnen PatientInnen immer auch Zeit nehmen, um Dinge nachzulesen und nachzurecherchieren. Die Praxis verfügt über Zugänge zu UpToDate, Deximed, dem Arzneimitteltelegram und der Cochrane Library, und über Computer in (fast) jedem Zimmer, so dass eine effiziente und zugleich umfassende Recherche jederzeit möglich ist. Die praxisinterne Dokumentation ist vollständig digitalisiert und über eine übersichtliche und perfekt integrierte Praxissoftware organisiert, so dass ein paar Mausklicks reichen, um sich einen Überblick über Medikation, Untersuchungs- und Laborergebnisse, Vorbefunde und vorliegende Arztbriefe von FachärztInnen und Kliniken zu verschaffen. (Es ist enorm, wie sehr allein dies die Arbeit erleichtert und hilft, schneller bessere Entscheidungen zu treffen und Fehler zu vermeiden – man kann sich nur wundern, wie anachronistisch die oft noch im vor- bis frühdigitalen Zeitalter steckengebliebenen Dokumentationssysteme vieler Unikliniken im Vergleich dazu doch sind). In das Verordnungs-Plugin der Software ist eine Arzneimitteldatenbank integriert, welche übersichtlich formatiert Inhaltsstoffe, Indikationen, Dosierungshinweise, Nebenwirkungen und Warnhinweise auflistet, und so ein mühsames Recherchieren in der Roten Liste erspart.

Im Anschluss an die Vormittagssprechstunde gibt es eine Fallbesprechung mit den an den vier Praxisstandort tätigen, per Videokonferenz zusammengeschalteten ÄrztInnen, bei der schwierige oder unklare Fälle zusammen besprochen werden können – gerade hier zahlt sich aus, dass in der Praxis junge, frisch von der Uni kommende ebenso wie ältere, praxiserfahrene ÄrztInnen zusammenarbeiten.

Die Vormittagssprechstunde dauert vier Stunden, von 8 bis 12 Uhr – lang genug, um jeden Tag mit einen frischen Schatz an neuen Eindrücken und Erfahrungen in die lange Mittagspause zu gehen, welche man dann dazu nutzen kann, Notizen zu machen, Dinge noch einmal vertiefend nachzulesen, das Erlebte sich setzen zu lassen, sich auszuruhen und Sport zu treiben, um dann um 16 Uhr mit frischen Kopf in die zweistündige Nachmittagssprechstunde zu gehen.

Dieser Lernmodus erlaubt das unmittelbare Verknüpfen von Erfahrungswissen, wie man es im Umgang mit individuellen Patienten erwirbt, mit theoretischem Wissen aus Leitlinien, Lehrbüchern und Online-Nachschlagwerken. Für mich ist dies nicht nur eine der effektivsten und effizientesten, sondern auch eine der anschaulichen und lebendigsten Formen des Lernens.

Woche 7

Es versetzt mich immer wieder in Staunen, was wir alles schon wissen – wie der Aufbau und die Funktionsweise der kleinsten Strukturen im Körper, der Ablauf von Stoffwechselvorgängen auf molekularer Ebene, die Entstehung von Krankheiten und die Wirkung von Medikamenten schon so gründlich erforscht und aufgeklärt wurden, wie unglaublich viel feingliedriges Wissen zu so vielen winzig kleinen Detailaspekten von unserem Körper bekannt ist. 27 Millionen Fachartikel sind auf PubMed in Sekundenschnelle mit einem Mausklick durchsuchbar, und jeden Tag, jede Stunde kommen tausende, abertausende neue hinzu, weil überall auf der Welt ForscherInnen damit beschäftigt sind, die Fronten dessen was wir schon wissen und verstehen noch weiter nach Vorne zu verschieben und verbleibende weiße Flecken auf der Landkarte des Wissens mit neuen Erkenntnissen zu füllen. Und was mich nicht minder in Staunen versetzt, ist, was wir alles nicht wissen.

Gestern kam ein junger Patient in die Praxis, ein Hobby-Fußballer, alles an ihm, sein Blick, seine Kleidung, sein Körper, seine Haltung, sprühte Freude an einem Leben in Bewegung aus. Doch er humpelte, denn eine Woche zuvor war er beim Sport mit dem Fuß umgeknickt, im Krankenhaus war dann eine Distorsion des oberen Sprunggelenks (OSG) mit Bänderriss diagnostiziert und mit einer AirCast-Kunststoffschiene versorgt worden. Von uns brauchte er nur eine Verlängerung seiner Krankmeldung – als Zimmermann könne er im so verletzten Zustand nicht arbeiten. Beim Verlassen des Patientenzimmers fragte er dann noch, wie lange er die Schiene denn noch tragen solle – besonders nachts beim Schlafen drücke sie nämlich.

Ja, wie lange also soll er die Schiene tragen? Dass ist eine Frage, die sich wahrscheinlich jeden Tag viele hundert Menschen in Deutschland stellen – denn zu immerhin 2700 OSG-Distorsionen kommt es auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet jeden Tag, bei einer Inzidenz von 12,8 pro 1000 Personenjahren (diese Zahl stammt zugegebenerweise aus den Niederlanden, aber dürfte in Deutschland in einer ähnlichen Größenordnung liegen).

Gemäß meinem üblichen Algorithmus lese ich zuerst auf Amboss nach und dann auf Deximed, und suche nach einschlägigen Leitlinien. Auf Amboss ist nur zu erfahren, dass bei Bandverletzungen des OSGs eine Sprunggelenksorthese angelegt werden könne, sofern starke Schmerzen und/oder Instabilität bestehen – aber keine Information dazu, für wie lange. Auch Deximed hilft nicht weiter, doch eine Suche nach Leitlinien liefert immerhin eine S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie mit dem vielversprechenden Titel „Frische Außenbandruptur oberes Sprunggelenk (OSG)“. Dass die Leitlinie schon seit 2002 nicht mehr aktualisiert wurde ist ein wenig irritierend, und zwar listet auch sie „funktionelle Schienen, Bandagen, Orthesen“ als empfohlene therapeutische Maßnahmen, doch für wie lange diese getragen werden sollen, darüber geht auch sie elegant hinweg.

Bleibt also noch UpToDate als nächste Eskalationsstufe der Recherche, und dort umfasst der Artikel zu „Ankle sprain“ in kleiner Schrift eng gedruckt 37 DIN A4 Seiten – darin sollte man also fündig werden. Und tatsächlich: Bei einer leichten Bänderzerrung, so heißt es dort, reiche meist die Behandlung „mit einer elastischen Binde für ein paar Tage“, und bei mittelstarken Bänderzerrungen könne zusätzlich eine Aircast-Schiene „für bis zu ein paar Wochen“ getragen werden, wobei dies einer frühen Rehabilitierung mit geeigneten Bewegungsübungen nicht im Wege stehen solle. (Alles recht schwammige Formulierungen, und auch ohne Quellenangaben, aber immerhin). Doch bei unserem Patienten war nicht nur eine leichte Bänderzerrung, sondern ein Bänderriss diagnostiziert worden – und mit welcher Art von Schiene und für wie lange solche Patienten versorgt werden sollten, darüber bestehe Unklarheit, schreibt UpToDate: Es gebe zwar diverse Studien hierzu, doch lieferten diese sehr disparate Ergebnisse, und die meisten dieser Studien seien aufgrund von kleinen Teilnehmerzahlen, fehleranfälligen Studiendesigns und unvollständigen Beschreibungen auch nur wenig aussagekräftig.  Entsprechend seien auch die vorliegenden systematischen Übersichtarbeiten zu dieser Fragestellung nicht konklusiv.

Wir wissen es also nicht – und das ist doch bemerkenswert: Jedes Jahr erleiden alleine in Deutschland fast eine Millionen Menschen eine OSG-Distorsion (basierend auf den bereits oben zitierten Inzidenz-Zahlen aus den Niederlanden), von denen zwar sicherlich nicht alle, aber doch bestimmt ein guter Teil mit Schienen verschiedener Art versorgt werden – doch wie lange sie diese tragen sollen, das kann ihnen niemand sagen. Dabei wäre dies eigentlich ganz einfach herauszufinden: Aufgrund der hohen Zahl der betroffenen PatientInnen würde es reichen, nur ein paar Tage lang alle PatientInnen, die mit einer OSG-Distorsion in Deutschland eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme aufsuchen, nach dem Zufallsprinzip einer von mehreren verschiedenen Gruppen zuzuweisen, die ihre Schienen dann jeweils für unterschiedlich lange Zeit tragen sollen. Bei ihrem nächsten Arztbesuch könnten sie dann nach dem Heilungsverlauf und ihren Beschwerden befragt werden, und so würde sich schnell herausstellen, was der optimale Zeitraum für das Tragen der Schiene ist.

Das einzige, was es hierfür bräuchte, wäre ein Software-Plugin für die in Praxen und Kliniken verwendeten elektronischen Patientenakten, mit dem sich PatientInnen bei alltäglichen Beratungsanlässen in unterschiedliche Therapiegruppen randomisieren, und die im Verlauf routinemäßig erhobenen und dokumentierten Befunde zentral auswerten ließen. So ließen sich, mit minimalen zusätzlichen Kosten, die gigantischen Datenmengen die tagtäglich in Praxen und Kliniken anfallen dazu nutzen, um endlich zuverlässige Antworten zu finden auf alltägliche und gerade deshalb wichtige therapeutische Fragen – Fragen wie ob Ibuprofen oder Paracetamol besser hilft bei muskuloskelettalen Schmerzen; welches der vielen verschiedenen Statine das beste Nutzen-Nebenwirkungsprofil aufweist; ob Phytotherapeutika bei Schnupfen etwas bringen; ob man bei einer Erkältung besser zu hause bleiben oder an die frische Luft gehen sollte; ob Kompressionstrümpfe helfen, nach tiefer Beinvenenthrombose ein post-thrombotisches Syndrom zu verhindern; ob Phenprocoumon, Rivaroxaban, Apixaban oder Dabigatran für die Prävention von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern am besten sind; ob Ernährungsberatung bei Adipositas hilft; und viele, viele andere Fragen mehr.

Diese Idee ist so naheliegend, dass sie – natürlich – nicht neu ist; einer ihrer größten Verfechter ist der britische Arzt, Journalist

 Im dritten Eintrag dieses PJ-Tagebuchs hatte ich von dem Patienten berichtet, bei dem in der aus anderem Grunde veranlassten Laboruntersuchung die auf 700 mg/dl erhöhten Triglyceride auffielen, und der auf Rückfrage dann erklärte dass es schon so sechs, sieben Halbe seien, die er jeden Tag trinke. Wären meinem Lehrarzt Dr. Blank nicht die Triglyceride ins Auge gefallen, so wäre ich nie auf die Idee gekommen, den Patienten nach seinem Alkoholkonsum zu fragen – sein Gesicht war vielleicht ein klein wenig röter als man es für normal befände, aber ansonsten deutete nichts an ihm auf seine Krankheit hin: Er roch nicht nach Alkohol, war ordentlich gekleidet, und wirkte in allem solide und bodenständig, wie er von seiner Arbeit und seiner Familie berichtete.

So scheint es ganz oft zu sein – auf den ersten Blick augenscheinlich wird die Alkohokrankheit meist erst, wenn es schon viel zu spät ist, wenn sie Körper, Geist, Psyche und Leben des Erkrankten schon bis auf die Grundfesten zerrüttet und zerstört hat. In Deutschland ist schädlicher Alkoholkonsum für den Verlust ähnlich vieler gesunder Lebensjahre verantwortlich wie Diabetes mellitus und Dyslipidämie. Und so selbstverständlich wie wir Metformin und Statine verschreiben, so selbstverständlich sollte es auch sein, alkoholkranken Menschen eine leitliniengerechte Therapie anzubieten.

Was also empfehlen die Leitlinien? Zu unterscheiden sind zunächst die beiden Hauptformen der Alkoholkrankheit: Einerseits der schädliche Alkoholgebrauch, nach ICD-10 definiert als ein Alkoholgebrauch mit nachweislich schädlichen Folgen für die Gesundheit, der über mindestens einen Monat oder wiederholt innerhalb von 12 Monaten auftritt; und andererseits das Alkoholabhängigkeitssyndrom, bei dem eine physische oder psychische Abhängigkeit nach Alkohol besteht, festzumachen an den Kriterien Craving, Kontrollverlust, körperliche Entzugssymptome und Toleranzentwicklung. Die Prävalenz des Alkoholabhängigkeitssyndrom wird in Deutschland auf rund 5% geschätzt, während der schädliche Alkoholkonsum wesentlich häufiger ist, und geschätzt ungefähr 20% der Bevölkerung betrifft. Deshalb sollte auch dieser bereits erkannt, und betroffene PatientInnen entsprechend beraten und unterstützt werden.

In vielen Fällen ist das Vorliegen eines schädlichen Alkoholkonsums eindeutig, so wie es bei unserem eingangs erwähnten Patienten der Fall war. In anderen Fällen kann dies weniger klar sein, und daher empfehlen die deutsche ebenso wie internationale Leitlinien den Einsatz des AUDIT-C Screening-Fragebogens, der aus drei einfachen Fragen besteht, mit denen Ausmaß und Muster des Alkoholkonsums schnell und relativ zuverlässig erfasst werden können. Besteht zudem Verdacht auf eine Alkoholabhängigkeit so können zusätzlich die 4 CAGE-Fragen gestellt werden.

Hat man festgestellt, dass bei einer PatientIn ein schädlicher Alkoholkonsum oder ein Verdacht auf eine Abhängigkeit bestehen so sollte das folgen, was im medizinischen-psychologischen Jargon als Kurzintervention bezeichnet wird; bestehen sollte diese aus drei Teilen: Informieren, Fragen und dem Anbieten von Hilfe.

Zum Informieren gehört, die PatientIn sachlich und ohne zu werten oder Angst zu machen über die gestellte Verdachtsdiagnose aufzuklären – zum Beispiel wie folgt: „Die Angaben, die Sie zu Ihren Trinkgewohnheiten gemacht haben, bedeuten, dass bei Ihnen ein sogenannter ‚riskanter Alkoholgebrauch‘ besteht – also ein Alkoholgebrauch, der mit schädlichen Folgen für die Gesundheit einhergehen kann...“. Zum Informieren gehört zudem die Erklärung, was unter einem risikoarmen Konsum verstanden wird – international unterscheiden sich die entsprechenden Empfehlungen zum Teil ganz erheblich, die deutsche S3-Leitlinie definiert einen risikoarmen Konsum als den Konsum von maximal 2 Standardgläsern pro Tag für Männer, und maximal einem Standardglas pro Tag für Frauen. (Ein Standardglas entspricht dabei 10 g Alkohol bzw. 33 cl Bier, 15 cl Wein oder 2 cl Spirituosen). Etwas differenzierter ist die z.B. in Kanada verbreitete 1-3-4-Regel: Höchstens 1 Glas pro Stunde, höchstens 3 Gläser pro Tag, höchstens 4 Tage in Folge. (Durch das Einhalten alkoholfreier Tage soll dem Entstehen einer Abhängigkeit vorgebeugt werden). Diese Bandbreite in den Empfehlungen kann auch den Patienten kommuniziert werden, z.B. mit den Worten: „Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, was man denn unter einem risikoarmen Konsum versteht. Hierzu gibt es verschiedene Empfehlungen. Eine Empfehlung, an der Sie sich orientieren können, besagt dass...“.

Im zweiten Teil der Kurzintervention sollten Fragen an und von der PatienIn im Vordergrund stehen – begonnen mit der offenen Frage, ob sie oder er Fragen zum bislang Besprochenen habe. Anschließend kann weiter danach gefragt werden, was für eine Bedeutung der Alkohol für sie oder ihn habe, und ob er bzw. sie schon einmal darüber nachgedacht habe, etwas an seinen bzw. ihren Alkoholgewohnheiten zu ändern. Dies kann zum einen helfen, das Alkoholproblem der PatientIn besser zu verstehen, und kann auch die Patientenbindung sichern und so eine Basis für weitere begleitende Unterstützung aufbauen.

Im letzten Teil der Kurzintervention sollte Hilfe angeboten werden – je nach Ausmaß des Problems, der Problemeinsicht, der Veränderungsbereitschaft und der Lebenssituation der PatientIn kann dies Verschiedenes beinhalten; man kann sich auf das niederschwellige Angebot beschränken, bei Wunsch als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und mit etwas zeitlichen Abstand erneut über das Thema zu sprechen. Oder man kann anbieten, Kontakt zu einer lokalen Beratungsstelle (von denen es viele gibt, auch auf dem Land) zu vermitteln, oder eine Überweisung zu einem Spezialisten auszustellen, das heißt einer PsychotherapeutIn, einer PsychiaterIn oder einer spezialisierten Klinik. Oder man kann mit der PatientIn schon ein konkretes Ziel vereinbaren – z.B., einen alkoholfreien Tag pro Woche einzuhalten, oder jeden Tag ein Bier durch ein Alkoholfreies zu ersetzen – und einen Nachfolgetermin in zwei, drei Wochen Abstand vereinbaren, bei dem bis dahin möglicherweise aufgetretene Schwierigkeiten und weitere Schritte besprochen werden können. (In der Schweiz haben die einschlägigen medizinischen Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften einen ganz ausgezeichneten Leitfaden zu alkoholbezogenen Kurzinterventionen in der Grundversorgung herausgegeben, der zahlreiche Vorschläge für eine gute Herangehensweise und Tipps für die Gesprächsführung gibt). 

Unsere Gesellschaft macht es alkoholkranken Menschen nicht leicht – von den kleinen Schnapsfläschchen an den Supermarktkassen bis zu der allgegenwärtigen Alkoholwerbung, die Getränkeindustrie hat unser Leben durchsetzt mit Triggerreizen, die uns auf Schritt und Tritt daran erinnern und dazu auffordern, weiter und wieder zu trinken. Dies ist, natürlich, ein Skandal, und auch dagegen zu kämpfen zählt, so denke ich, zu den Aufgaben von uns ÄrztInnen – ebenso wie es zu unseren Aufgaben zählt, jeder einzelnen PatientIn mit einer Alkoholkrankheit die beste mögliche Therapie anzubieten, und auch dabei nicht zu vergessen, wie skrupellos und unbarmherzig unsere Gesellschaft mit alkoholkranken Menschen umgeht.

 

Wibke Janhsen

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Woche 1

Ob durch die lange Fahrzeit durch Sommerferienverkehr, Baustellen und Umleitungen oder die letzten 100 km bergauf- und bergab durch die Ausläufer des Bayerischen Waldes auf der Bundesstraße -  die Anreise von Erfurt nach Kirchberg im Wald fühlte sich beinahe wie eine Reise in den Urlaub an. Die letzten Meter kamen mir jedoch schon etwas vertrauter vor. Vor zwei Jahren habe ich bereits im Exzellenten Sommer die Region (und die Praxis in Kirchberg) etwas näher kennen lernen können. So war für mich bei der Ankunft in Kirchberg nicht alles ganz neu, sondern ich wusste bereits im Vorfeld, wie die kommenden Monate in etwa ablaufen werden und wo ich wohnen werde (der Blick aus der Studentenwohnung auf dem Kirchberg aus ist genial!). In Kirchberg wurde ich schon von zwei anderen Praktikanten der Nachbarwohnung erwartet, abends kam Dr. Blank selbst noch kurz vorbei, um mit uns die Praxiseinteilung für den nächsten Tag auszusprechen.

Während der ersten Tage lernte ich direkt die weiteren Praxisstandorte Lalling, Schöfweg und Rinchnach kennen. Einen Teil des Praxispersonals kannte ich noch von vor zwei Jahren, sodass der Einstieg und das Namenlernen leichter fiel. Die ersten Tage war ich mal mit einem der Assistenzärzte, mal mit Dr. Blank in der Praxis. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit durfte ich Patientengespräche und -untersuchungen vorab selbst durchführen und im Anschluss vorstellen. Die gemeinsame Besprechung der Patienten und Feedback zur Gesprächsführung/Untersuchungstechnik u.Ä. empfand (bzw. empfinde!) ich als äußerst wertvoll. Neben den typischen allgemeinmedizinischen Beratungsanlässen gab es bereits während der ersten Tagen einige Krankheitsbilder und medizinische Fragestellungen, die die Einschätzung der anderen Ärzte in der Praxis und/oder Literaturrecherche erforderten. Spannend! Und schön zu sehen, wie gut Ärzte und Praxispersonal untereinander zusammenarbeiten und ihr Wissen einbringen.

Was ist noch in den letzten Tagen passiert? In der ersten Woche habe ich zusammen mit Dr. Blank ein Curriculum erstellt, in dem die Lernziele für die kommenden Wochen und Monate festgehalten werden. Die thematischen Schwerpunkte durfte ich mir hierbei selbst setzen. Gar nicht so einfach, in 16 Wochen alles unterzubringen, was man gerne lernen würde! Die DEGAM-Leitlinien, das Logbuch der Universität und Erfahrungen von Dr. Blank haben mir hier geholfen, ein "machbares" Curriculum zu erstellen. Für die kommende Woche stehen Erkrankungen des Bauches und Ultraschall der Leber im Vordergrund. Montagmittag wurde in Form einer Skypebesprechung über die Besonderheiten von "Reiserückkehrern" diskutiert, Dienstagabend fand in Spiegelau der hausärztliche Qualitätszirkel mit sechs weiteren Ärzten der Region statt, bei dem einzelne, eher seltene Krankheitsbilder des hausärztlichen Alltags vorgestellt wurden und sich untereinander ausgetauscht wurde.

 

 

Woche 2

Diese Woche war ich überwiegend mit Frau Dr. Mendel in der Praxis Rinchnach. Während der ersten Tage der Woche waren etwas weniger Patienten als gewöhnlich in der Sprechstunde, sodass sich zwischenzeitlich Freiräume ergaben, um das ein oder andere zu gemeinsam zu besprechen, Fragen zu stellen, in den Leitlinien, Fachinformationen oder Deximed zu recherchieren oder den MTAs bei der Wundversorgung über die Schultern zu schauen.

Auf den für diese Woche im Curriculum vorgesehenen Schwerpunkt "Bauch" passten nur  wenige  Patienten, die ich in der Sprechstunde während der letzten Tage gesehen habe. Kaum einer mit Bauchbeschwerden, stattdessen viele Atemwegsinfektionen, Insektenstiche, Schwindel oder Herzbeschwerden. Krankheit ist eben nicht planbar. So nutzte ich einfach die Gesundheitsuntersuchungen (und den Bauch der anderen beiden Studenten), um den Ultraschall und die Untersuchung des Bauchraumes zu üben.

Das wechselhafte kühle Wetter vom Wochenende wurde diese Woche von viel Sonnenschein  abgelöst, sodass ich das ein oder andere Mal mit dem Fahrrad nach Rinchnach fuhr oder abends noch eine Runde durch das Hochmoor joggen war. Freitagabend wurden im Pfarrhof unter dem Walnussbaum alte Stummfilme mit musikalischer Begleitung gezeigt - ein wirklich schöner Abend und eine schöne Einstimmung auf das Wochenende!

Woche 3

Diese Woche begann mit viel Husten und anderen Atembeschwerden. Genau passend zu mein Curriculum-Schwerpunkt für diese Woche! So hatte ich einige Gelegenheiten, um die Anamnese beim Beratungsanlass "Husten" auszubauen, Lungen auszukultieren und die ein oder andere Lungenfunktion zu bewerten. Neben Erkältungserkrankungen waren auch einige kniffeligere Fälle dabei, die weitere differentialdiagnostische Überlegungen und entsprechende Diagnostik forderten. Die Möglichkeiten der apparativen Diagnostik sind im Gegensatz zum Krankenhaus im hausärztlichen Bereich begrenzt, sodass Indikation, Reihenfolge und Art der weitergehenden Diagnostik gut überlegt werden müssen. Mithilfe einer ausführlichen Anamnese, unterstützt durch die Befunde der körperlichen Untersuchung und ggf. Sonographie, EKG oder Spirometrie, war die Fragestellung bei nahezu allen Patienten im Vorfeld klar(er) bzw. konnte gut eingegrenzt werden. Differenzierte Diagnostik anstelle von Diagnostik nach dem Gießkannenprinzip, das gefällt mir sehr gut!

Gegen Ende der Woche verlagerte sich der Schwerpunkt von "Husten, Schnupfen, Heiserkeit" auf psychologische / psychosoziale Beratungsanlässe. Ein ganz anderer, aber spannender und herausfordernder Aspekt der hausärtzlichen Tätigkeit! Sehr schön war es, von dem ein oder anderen Patienten einige Tage später die Rückmeldung zu bekommen, dass das Gespräch gut getan habe oder mittlerweile eine Lösungsstrategie gefunden wurde.

Woche 4

Die Woche begann für mich in Rinchnach, wo nach einer Woche Praxisurlaub bereits vor Sprechstundenbeginn das Wartezimmer gefüllt war. Es gab viel zu tun und zu organisieren, sodass die Zeit bis zur Skypefortbildung am Mittag im Nu verflog. Zwischen Mittagessen und Nachmittagssprechstunde in Kirchberg war noch etwas Zeit, um das Seminar zum Thema Wissensmanagement und den EKG-Kurs für den Exzellenten Sommer vorzubereiten.

An den darauffolgenden Tagen war ich meist nur vormittags in der Sprechstunde, da ich am Nachmittag bei der Durchführung der einzelnen Kurse für die Studenten des Exzellenten Sommers mitgeholfen habe. Die Vorbereitung und Durchführung des Ultraschall-, EKG- und Nahtkurses haben zwar viel Zeit gekostet, sodass ich unter der Woche kaum zum Nachlesen von Details zu Erkrankungen und/oder Therapie, die mir in der Praxis begegnet sind, und zur Erarbeitung der für diese Woche vorgesehenen Leitlinien gekommen bin - dafür bin ich nun etwas sicherer im Ultraschall und EKG-Befunden. Mir hat viel Spaß gemacht, zusammen mit den Studenten des Exzellenten Sommers die Inhalte zu erarbeiten, das eigene Wissen weiterzugeben und sogar einen der Studenten des Exzellenten Sommers 2015 wieder zu treffen. Eine anstrengende, aber sehr schöne Woche!

Woche 5

Patienten mit ungewöhnlichen Symptomkonstellationen oder Krankheitsverläufen, intensive Patientengespräche bei akuten Belastungssituationen, Hautausschläge der unterschiedlichsten Art, Notfälle, die eine dringliche Abklärung erforderten und viele kleinere und größere Kinder machten die Woche neben den „gängigen“ Beratungsanlässen zu einer sehr bunten und abwechslungsreichen Woche. Woher rührt das Kribbeln an Händen, Füßen und/oder Armen? Was steckt hinter dem Hautausschlag und wie behandle ich diesen? Was bedeutet das veränderte EKG und wie behandle ich den Patienten mit anhaltenden Schmerzen? Kann ich den Patienten mit Divertikulitis noch zu Hause behandeln oder muss er ins Krankenhaus? Wie gut, direkt mehrere Ärzte an der Seite zu haben, mit denen genau diese Fragen besprochen werden konnten. Manche Fälle erforderten dann doch noch eine kurze Recherche oder einen Anruf bei niedergelassenen Fachärzten. Da behaupte jemand noch, die Tätigkeit als Allgemeinmediziner wäre langweilig…

Woche 6

Da in der Umgebung in der letzten Woche gleich mehrere hausärztliche Praxen urlaubsbedingt geschlossen waren, waren in den letzten Tagen viele unbekannte Patienten in der Sprechstunde. Auf wertvolle Informationen aus einer langfristig bestehenden Arzt-Patient-Bezieung wie die „erlebte Anamnese“ und Einträge in der Patientenkartei zu Vorerkrankungen, Medikation oder sozialen Umfeld  konnte in diesen Fällen nicht zurückgegriffen werden. Je nach Beratungsanlass mussten somit neben der symptombezogenen Anamnese noch andere Aspekte, die die Diagnostik und Therapie beeinflussen könnten, mit erfragt werden. Manchmal gar nicht so einfach!

Zum Ende der Woche hin kamen einige schwerer erkrankten Patienten in die Sprechstunde, deren Beschwerden eine engmaschige Verlaufskontrolle oder unmittelbare weitere Abklärung erforderten. Abwendbar gefährliche Verläufe erkennen, den Krankheitsverlauf re-evaluieren und mit dem Patienten die Verantwortung zu teilen - hierzu hatte ich in der letzten Woche gleich mehrere Möglichkeiten.

Woche 7

Die Woche begann eindrücklich mit akuter Atemnot - und endete mit einer allergischen Reaktion nach Wespenstich. Letztere gab es in mehr oder minder ausgeprägten Formen während der letzten Wochen öfters, sodass ich in der entsprechenden Notfalltherapie langsam etwas mehr Sicherheit gewinne. Zum Glück sprachen aber auch bisher alle Patienten auf initiale medikamentöse Notfalltherapie an und waren vom Kreislauf zumeist stabil. Im Falle des Patienten mit akuter Atemnot war das anders. Zwar gab es ähnliche Fallszenarien während des Studiums in den praktischen notfallmedizinischen Übungen, aber ein „echter“ Patient ist dann doch etwas anderes als ein Hightech-Dummy im Simulatortraining. Sauerstoff, Zugang legen, Monitoring der Vitalparameter, Notfallmedikation…aber was, wenn die nicht anspricht? Welche Ursachen hat die Luftnot? Wie lange zuwarten, wann die Atemwege anders sichern? Zum Glück ist das gesamte Praxisteam auf solche Notfälle vorbereitet und hat sicher und ruhig reagiert.

Hut ab! Nach der anfänglichen Aufregung gestalteten sich die übrigen Tage eher ruhig. Nach den letzten Wochen mit vielen Vertretungspatienten war das auch einmal sehr angenehm. So konnte ich das ein oder andere nachlesen oder mit einem der anderen Studenten noch etwas Ultraschall üben.

Woche 8

Draußen prasselt der Regen gegen die Scheiben, von heute auf morgen ist der Herbst hier angekommen. Ich denke an die letzten Tage zurück, an denen ich Petra Weinmann bei der Betreuung von Diabetespatienten über die Schulter schauen dufte und lasse den Blick über den Tisch wandern -  Wildblumen, ein Schälchen mit Weintrauben, frisch vom Bauernmarkt aus Regen. Neben der Tasse Tee ein Stück ofenwarmer Nusskuchen mit Lallinger Äpfeln. Wie viele KE das wohl sind? Einfach so etwas nach Lust und Laune zu essen, ohne weitere Gedanken an die Nährstoffzusammensetzung und den Blutzucker zu verschwenden, für die meisten Diabetespatienten nicht möglich - zumindest unter Insulintherapie. Wie schwer dieses teilweise ist, wurde während einiger Patientengespräche deutlich. Vergessene Insulineinheiten, Verwechselung von Insulinarten und Spritzabständen, Nichterkennen von Unterzuckerungen… Verständnis aufbringen, Probleme und Hinternisse erkennen, Beraten und die Therapie gemäß der jeweiligen Lebensgewohnheiten anpassen. Die Therapiebegleitung von Diabetespatienten ist häufig komplexer, als Leitlinien und Therapieempfehlungen vermuten lassen. Ich bin froh, in der kommenden Woche noch einige Male Petra Weinmann begleiten zu können!

Woche 8

Geriatrisches Assessment und Diabetestherapie - auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Themenfelder, aber je nach Patient eng beieinanderliegend. Kann bei der etwas betagteren Patienten eine Insulintherapie mit begonnen werden? Ein Geldzähltest wäre hilfreich, um dieses abzuschätzen: Um 19,80€, aufgeteilt in verschiedene Schein- und Münzwerte, aus einem „Standardportemonnaie“ innerhalb einer gewissen Zeit hervorholen zu können, erfordert es ausreichende Sehkraft, Feinmotorik und Kognition. Fähigkeiten, die auch bei einer Insulintherapie unabdingbar sind.

Wie sieht es aber mit dem geriatrisches Basisassessment aus? Wann setzte ich es ein und welche Konsequenzen ziehe ich aus einem auffälligen Testergebnis? Bislang waren mir nur die einzelnen Testinstrumente des stationären Bereiches geläufig. Das für den hausärztlichen Bereich empfohlene MAGIC-Assessment war mir neu: Hier stehen ein ganzheitlich orientierter Ansatz, Empfehlungen für weiterführende Testinstrumente und diagnostische Überlegungen bei auffälligen Teilergebnissen sowie eine Überprüfung der Medikation im Zentrum. Während der letzten Tage ergab sich zwar keine Möglichkeit, dies Art von Assessment zu sehen oder selbst durchzuführen, aber zumindest haben die knapp 80 Seiten Leitlinie einen guten ersten Einblick ergeben, wie geriatrisches Basisassessment im ambulanten Bereich funktionieren könnte. Und die übrigen Tage? Waren eine bunte Mischung aus allen möglichen Bereichen: Hautausschläge, unklare Raumforderungen im Bauchraum, Hals- und Rückenschmerzen, Depressionen, eingewachsene Zehennägel…

Woche 9

Die vergangene Woche war recht bunt und abwechslungsreich, von Asthma, Akne, Aortenaneurysma und Atemnot über Xerostomie, Yersinieninfektion bis hin zum Zeckenstich war alles dabei. Die einzelnen Fälle und Patienten waren so unterschiedlich, dass ich gleich mehrere Wocheneinträge füllen könnte. Daher diese Woche eine andere Art von Wochenbericht: Ein Wochenendbericht.

Samstagnachmittag, ein kleines Dorf im Bayerischen Wald. Traditionelle Dreiseitenhöfe und Blockhäuser prägen das Ortsbild, an den aufwändig gearbeiteten Balustraden und überstehenden Sparren ein Blütenmeer aus Geranien und Petunien. Mir kommt mir eine Hochzeitsgesellschaft in Trachten entgegen, begleitet von einer Blaskapelle setzt sich der Hochzeitszug Richtung Kirche in Bewegung. Aus der Seitenstraße biegt eine kleine, schick gekleidete Gesellschaft auf den Kirchplatz und strebt geradewegs zur Ortsmitte, zu einem Quader aus Granitstein. Wir haben wohl das gleiche Ziel - das Konzerthaus in Blaibach. Draußen regnet es, sodass sich schnell alle im Vorraum des Konzertsaales sammeln. Innen: Minimalistisch modern mit klaren Linien, durch die hölzerne Vertäfelung des Betons und schrägen Wände, dennoch warm und einladend. Es gibt Sekt, Limonade, Kaffe und hausgemachten Kuchen, man kommt schnell miteinander ins Gespräch. Das Konzert, ein Gesprächskonzert mit Christoph Spering und dem Neuen Orchester Köln zu Beethovens 6. Sinfonie ist ausverkauft, alle 200 Sitzplätze sind belegt. Spätestens nach den ersten Takten wird klar, weshalb der kleine Konzertsaal von manch einem mit einem der großen internationalen Konzerthäusern verglichen wird. Die Akustik ist wirklich gut. 

Von Kirchberg aus ist Blaibach nicht ganz um die Ecke, lässt sich aber wunderbar mit einer längeren Wanderung über Räuber-Heigl-Höhle, Plattenstein, Rauchröhren und Riedelstein verbinden. Neben der Wanderung auf den Osser, großen Schachtenwadnerung eine der schönsten Strecken der letzten Wochen, und das trotz Nieselregen und einstelligen Temperaturen. In und um Kirchberg gibt es also einiges zu entdecken!

Woche 10

Passend zu meinem Curriculum stellten sich in der letzten Woche gleich mehrere Patienten mit Schwindel und Kopfschmerzen vor. "Schwindel“ empfinde ich nach wie vor als einen der schwersten Beratungsanlässe des hausärztlichen Alltags. Zwar war (und ist) die Anamnese in aller Regel zumindest wegweisend, um was für eine Art von Schwindel es sich handeln könnte.

Aber die Vielfalt potentieller Ursachen und häufig eher unspezifischen oder nicht klar pathologischen Untersuchungsbefunde erlaubten meist nur eine Eingrenzung des Krankheitsbildes und Ausschluss anwendbar gefährlicher Verlaufe. Mit diesem eher unscharfem Graubild anstelle einer eindeutiger Diagnose und Therapie habe ich mich anfangs ziemlich schwer getan. Nicht nur der Patient erwartet (zumindest in aller Regel), dass der Arzt eine Erklärung für seine Beschwerden hat. Auch ich selbst empfand dieses nicht befriedigend.

Ansonsten deckten die letzten Tage einen Großteil des Spektrums der hausärztlichen Tätigkeit ab: Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen in der Sprechstunde, Prävention und Beratung, Hausbesuche...

Woche 11

Ein paar meiner Urlaubstage habe ich verfallen lassen, um ein paar Tage länger in der Praxis zu bleiben. Somit habe ich die letzten Tage meines Praktischen Jahres einfach nur mitgearbeitet, ganz ohne Curriculum. Zu Recherchieren und Wiederholen gab es auch so genügend Themen und die ersten Vorbereitungen für das Dritte Staatsexamen haben die Nachmittagsstunden meist ohnehin gut gefüllt. Die letzten Monate im Bayerischen Wald sind wie im Fluge vergangen; zu schnell. Der Abschied fiel mir wirklich schwer. Vielen Dank für die tolle Zeit!

 

 

Theresa Fuchs

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Mein Name ist Theres Fuchs, ich studiere an der Universität Jena (Thüringen) und schreibe hier, wie auch die Studenten vor mir, ein kleines Tagebuch über die Zeit als PJ-lerin in der Allgemeinarztpraxis Bayerwald. (21.11.2016 – 12.03.2017)

Bisherige Berufserfahrungen:

Mit dem Abschluss des 2. Staatsexamens in Medizin im Oktober 2016 beginnt im November für mich das Praktische Jahr. Das erste Tertial, und damit der Beginn meines praktischen Jahres, ist mein Wunschtertial Allgemeinmedizin in der Praxis von Dr. Blank. Bisher habe ich bereits eine Famulatur in der Allgemeinmedizin, in der Kardiologie, in der Orthopädie sowie Neurochirurgie und zwei Famulaturen im Ausland (Frankreich und Malta) absolviert.

Mit dem Medizinstudium in Jena habe ich direkt nach dem Abschluss der Hochschulreife begonnen, da ich bereits seit der 8. Klasse den Wunsch hatte Medizin zu studieren, um einmal „Hausarzt“ zu werden.

Intentionen, Wünsche und Ziele für das allgemeinmedizinische Tertial:

Wie bereits erwähnt, besteht mein Berufswunsch Allgemeinmedizinerin zu werden schon seit der Schulzeit und hat sich im Laufe meines Studiums über 5 Jahre immer mehr verfestigt.
Für mich ist die Tätigkeit in der Allgemeinmedizin unheimlich wichtig, denn die erste Anlaufstelle für alle Patienten, egal welche Probleme sie haben, ist meist die Praxis des vertrauten Hausarztes. Die damit verbundene Vielfältigkeit an verschiedenen Erkrankungen, Anliegen sowie des Patientenkollektivs macht das Fach so spannend und interessant für mich.
Wie ein „Detektiv“ möchte ich gern anhand der Symptome der Patienten herausfinden, welche Erkrankungen diese verursachen könnten und eine geeignete Therapie dazu finden.
Das Schönste an diesem Beruf ist für mich die Tatsache, dass ein Allgemeinmediziner nicht nur eine Erkrankung des Menschen sieht und behandelt, sondern den Patienten als Gesamtes betreut, inklusive des familiären und sozialen Umfeldes. Natürlich wird sich das klassische „Generationsbetreuen“ bis ans Lebensende erst nach einigen Jahren Praxis einstellen, doch ich freue mich schon jetzt darauf.

Die Praxis von Dr. Blank ist mir durch das Weiterbildungsanbot und das Engagement junge Ärzte zu fördern, besonders aufgefallen. Als ich letztes Jahr im Dezember die Praxis etwas kennenlernen durfte, war ich mir schnell sicher, hier den ersten Teil meines Praktischen Jahres gern zu verbringen.
In den Monaten, die ich hier sein werde, möchte ich gern einen Einblick in den Alltag eines Allgemeinmediziners bekommen: Welches sind die häufigsten Erkrankungen mit denen man als Hausarzt konfrontiert wird? Was sind seltene Erkrankungen, die man trotzdem erkennen und behandeln muss? Was gehört noch zu den Aufgaben eines Hausarztes?

Ich freue mich auf die Zeit in der Praxis im Bayerischen Wald und hoffe hier viel sehen und lernen zu können!

1. Woche

Als ich Sonntagabend in Kirchberg im Wald ankam, war ich sehr aufgeregt, was mich in den nächsten Wochen erwarten würde. Die Wohnung, die von der Praxis gestellt wird, ist sehr schön eingerichtet und ich fühlte mich dadurch gleich sehr wohl. Den Studenten vor mir ist es sehr gut gelungen, die Wohnung mit allem nötigen, was man täglich braucht, einzurichten. Vor allem der Ausblick über Kirchberg mit den Bergen im Hintergrund ist super.

In der ersten Woche habe ich die 3 Praxen von Dr. Blank kennen gelernt und das jeweilige Team vor Ort. Er hat mich in der Wohnung abgeholt und mich mitgenommen, zu den ein paar Orte weiter entfernten Praxen. Zu der Praxis in Kirchberg kann man gut zu Fuß gehen und braucht etwa 10 Minuten. Der Rückweg zieht sich etwas mehr, weil es steil bergauf geht, damit hat man aber gleich auch etwas Bewegung.

Dr. Blank hat mich am ersten Tag erst einmal zusehen lassen, sodass ich mir einen Einblick verschaffen konnte. Ab dem 2. Tag konnte ich selbst zu den Patienten hineingehen, Anamnesegespräche führen, sie körperlich untersuchen und im Anschluss Dr. Blank präsentieren. Ich wurde schon in der ersten Woche mit jedem Patienten etwas sicherer.

Einmal habe ich auch schon ein bisschen mit dem Sonogerät etwas experimentiert.
Montag gab es ein Seminar über Skype zum Thema Diarrhö, bei dem sich die Ärzte der Praxen konstruktiv unterhalten und jedes Mal über ein anderes Thema diskutieren. Diese Art der Seminare finden immer montags nach der Vormittagssprechstunde für eine Stunde statt. Ich finde dieses Konzept sehr spannend und konnte in diesem ersten Seminar schon eine Menge lernen, nicht nur rein theoretisch, sondern auch Praxisrelevante Dinge.

Mittwochabend bin ich mit Dr. Blank zu einem Seminar zum Thema Antibiotika, welches er gehalten hat, in das Krankenhaus in Viechtach gefahren. Das Seminar war sehr interaktiv und hat sogar Spaß gemacht.

Es gibt in Kirchberg 2 Einkaufsläden (Norma, Edeka), die nicht weit weg von der Praxis sind und theoretisch auch zu Fuß zu erreichen. Ansonsten ist der Ort sehr überschaulich und hübsch gelegen.  An Freizeitaktivitäten habe ich die erste Woche noch nicht viel unternommen.
Es gefällt mir hier, trotz der weiten Entfernung von Zuhause, wirklich gut. Bis jetzt waren alle sehr nett zu mir und ich bin froh so lieb von allen aufgenommen wurden zu sein. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Wochen und darauf möglichst viel hier zu lernen

2. Woche

Die 2. Woche ist nun um und ich habe wieder sehr viel lernen und sehen können. Ich werde immer sicherer im Präsentieren von Patienten und weiß oft schon welche Diagnostik und Therapie folgt. Diese Woche waren auch einige Kinder in der Sprechstunde, sodass ich auch die klinische Untersuchung an Kindern etwas lernen konnte. Ich merke immer wieder wie schwierig es manchmal ist, gerade „banale“ Sachen zu erkennen und zu behandeln, wenn man diese noch nie gesehen hat. Man neigt dazu, zu viel Diagnostik zu machen aus Angst es könnte doch etwas Schlimmeres dahinterstecken, oft ist das anhand einiger Anamnesen jedoch gar nicht nötig.

Was mir diese Woche noch mehr bewusstgeworden ist – wie wichtig Weiter- und Fortbildungen sind. Es gibt ständig neue Erkenntnisse in der Wissenschaft, welche Therapien verbessern und/oder patientenfreundlichere Wege eröffnen, die man ohne die richtigen Quellen gar nicht mitbekommen würde. Aber vor allem ist es wichtig auch mit seinen Kollegen zu reden, wie diese in bestimmten Situationen entscheiden und mit gutem Gewissen therapieren, wenn man sich selbst eher unsicher ist. Man kann von seinen Kollegen wirklich viel lernen und auch ihnen weiterhelfen, denn jeder hat seine Bereiche in denen er gut ist und auch interessiert ist. Am Dienstagabend konnte ich bei so einem Gespräch dabei sein. Es trafen sich mehrere niedergelassene Allgemeinmediziner und sprachen über Fragen, die sich im Alltag ergeben hatten. Ich finde diese Art der Weiterbildung einfach super und auch beeindruckend, da es so etwas nicht oft gibt.

Am Freitagabend war ich zur Weihnachtsfeier der Praxis eingeladen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Es war ein sehr schöner Abend mit tollem Essen.

Samstag habe ich Dr. Blank freiwillig bei seinem KV-Dienst begleitet und bin mit ihm einige Hausbesuche gefahren, was sehr spannend war. Es ist toll wie sich manche Patienten riesig freuen, wenn der Arzt zu ihnen nach Hause kommt, auch wenn es nur 5 Minuten sind.
Das war es erst einmal wieder. Bis nächste Woche.

3. Woche

Es war eine schöne Woche, in der ich nicht nur wieder vieles in der Praxis sehen und lernen konnte, sondern auch außerhalb des Praktikums viel unternommen habe.
Ich habe diese Woche meine ersten Impfungen gesetzt und war am Freitag in Deggendorf bei einem niedergelassenen Orthopäden. Gerade an diesem Tag kamen viele Patienten mit unterschiedlichen, sowie seltene Erkrankungen in die Praxis und ich konnte so verschiedene orthopädische Krankheitsbilder kennenlernen. Der Arzt war sehr nett und bemüht, mir trotz der vielen Patienten, einiges zu erklären.

Zudem war ich diese Woche mit der Praxismitarbeiterin Steffi auf Hausbesuchen. Es hat Spaß gemacht und es war interessant zu sehen, wie die Patienten mit ihren Erkrankungen leben und im Alltag zurechtkommen.

Mittwochabend war ich im Kino in Zwiesel, welches 20 Minuten mit dem Auto entfernt ist. Am Wochenende habe ich einen Ausflug nach Passau gemacht und dort den Weihnachtsmarkt besucht. Auch wenn das Wetter leider nicht so schön gewesen ist, hat es sich trotzdem sehr gelohnt Passau zu besichtigen.
Sonntagabend war ich auf einem mittelalterlichen kleinen romantischen Weihnachtsmarkt in einem Waldgebiet bei Schweinhütt. Er ist nicht ohne Grund, als einer der 10 schönsten mittelalterlichen Weihnachtsmärkte Deutschlands ausgezeichnet worden. Ich kann einen Besuch dort sehr empfehlen.
An einem Tag bin ich auf einem Waldwanderweg zum Rachel-Bergsee gewandert, wobei man super die Natur genießen konnte.

4. Woche

Mit jeder Woche werde ich sicherer im Umgang mit Patienten und Ihren Erkrankungen. Ich habe diese Woche zum ersten Mal eine Mittelohrentzündung gesehen, welche man heute nicht mehr sofort mit Antibiotika behandelt, auch wenn es eine sehr schmerzhafte Erkrankung ist.
Zudem kamen wieder viele Patienten mit Erkältungen und Magen-Darm-Beschwerden, was zurzeit wieder herumgeht. Ich habe gelernt, dass man gerade bei Erkältungen sehr sparsam mit Antibiotika umgehen sollte, da meist ein viraler Infekt dahintersteckt und nur in seltenen Fällen eine bakterielle Entzündung, die mit Antibiotika behandelt werden sollte. Indem man den Patienten sagt, dass sie sich wieder vorstellen sollen, falls es schlimmer wird trotz Ibuprofen, Nasenspray und Inhalieren lässt man sich die Option des Antibiotikums offen. Es ist erstaunlich, wie wenig Patienten sich erneut in der Sprechstunde vorstellen. Was mir neu war ist, dass auch bei Blasenentzündungen nicht gleich ein Antibiotikum gegeben werden muss, sondern Studien gezeigt haben, dass mit Ibuprofen die Beschwerden auch nur einen Tag länger dauern, als mit einem Antibiotikum.
Auch diese Woche habe ich weiter an meinen Fertigkeiten beim Ultraschall gearbeitet und kann mittlerweile die Schilddrüse ganz gut schallen und eventuell vorhandene Knoten (wie sie bei jedem 2. Menschen vorkommen und meist harmlos sind) erkennen.
Einmal war ich die Woche hier in Kirchberg wandern und habe Pizza in der Pizzeria unter der Praxis gegessen, die sehr lecker war.

5. Woche

Diese Woche habe ich sehen können, dass man nie planen kann, wie viele Patienten in die Sprechstunde kommen werden. Am Montag kamen sehr viele Patienten, wohingegen es Dienstag dann nur etwa halb so viele waren. Aber gerade, wenn es sehr stressig ist, sollte man darauf achten, dass man keine schweren Erkrankungen übersieht und sich trotz allem Zeit für jeden einzelnen Patienten nimmt.
Als es in der Praxis mal etwas ruhiger war, bin ich mit Dr. Blank nochmal die abwendbar gefährlichen Verläufe, das abwartende Offenlassen und die Klassifizierung in Symptom, Symptomgruppe, Bild einer Krankheit und definitive Diagnose durchgegangen. Gerade in der Allgemeinmedizin, aber auch oft in anderen Fachbereichen, ist es oft kaum möglich eine definitive Diagnose zu stellen. Meist ist es ein Symptomkomplex, den man als erfahrener Arzt einem bestimmten Krankheitsbild zuordnen kann. Für die meisten Patienten spielt es auch keine Rolle, was genau sie haben, sondern viel mehr, dass es nichts Schlimmes ist. Darin liegt eine Aufgabe des Allgemeinmediziners: die gefährlichen Erkrankungen zu erkennen und sie zu behandeln oder zum Facharzt zu überweisen.
Diese Woche hat sich Dr. Blank mit mir zusammengesetzt, hat mir ein Feedback gegeben und mit mir mein Curriculum angeschaut, damit ich all das was ich mir vorgenommen habe auch lerne. Außer s.c. und i.m. Spritzen konnte ich mein Curriculum für die ersten 5 Wochen erfüllen.
In der Montagsfortbildung ging es diese Woche um Erbrechen, was zur Zeit sehr gut in den Praxisalltag passte, da sehr viele Patienten mit Gastroenteritis in die Sprechstunde kamen.
Spannend war auch das Treffen diese Woche mit 4 Bürgermeistern aus der Umgebungen, denen Dr. Blank sein Praxiskonzept  zur langfristigen Patientenversorgung vor Ort erklärte (www.gute-aerzte.bayern).
In meiner Freizeit habe ich diese Woche nicht viel machen können, da ich mir einen der Erkältungsviren eingefangen hatte.

7. Woche

Da ich letzte Woche über Weihnachten und Neujahr frei hatte, habe ich über die 6. Woche kein Tagebuch geschrieben.

Diese Woche war ich einen Tag bei einer Demenzberaterin. Ihre Aufgabe besteht darin, sich mit alten, kranken Menschen zu beschäftigen und ihnen damit etwas Freude und Abwechslung in ihr Leben zu bringen. Zudem macht sie mit ihnen Gedächtnistrainings, gymnastische Übungen und spielt mit ihnen Spiele. Die Patienten hatten sehr viel Spaß daran und man konnte richtig sehen, wie fröhlich sie dieses einmal in der Woche stattfindende Treffen macht. Wir haben dann auch alle zusammen gekocht und gegessen, was mir auch viel Spaß gemacht hat. Ich wusste nicht, dass es so etwas überhaupt gibt und finde dieses Konzept super. Damit kommen die alten Patienten mal aus ihren vier Wänden heraus und treffen auf andere Leute, die ähnliche Beschwerden haben wie sie selbst und lernen spielerisch sich zu konzentrieren, zu erinnern und ihre Fingerfertigkeiten zu erhalten.
Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, zu den Treffen zu kommen, werden zu Hause betreut.

Im Praxisalltag werde ich mit jeder Woche sicherer, auch beim Ultraschall werde ich besser und konnte diese Woche Gallensteine sicher erkennen.
Ich merke immer wieder, dass einige Krankheitsbilder wirklich häufig in der Praxis vorkommen. Oft weiß man schon anhand der Anamnese, was der Patient hat und was zu tun ist. Natürlich denke ich auch immer an die abwendbar gefährlichen Verläufe, doch vor allem dann, wenn die Symptome unklar sind, irgendwie nicht zusammenpassen oder der Patient sie als ungewöhnlich wahrnimmt.

Seit dieser Woche sind zudem zwei neue Assistenzärzte in den Praxen und wir waren zum ersten Mal in der seit 1.1.17 dazugehörenden vierten Filialpraxis der Bayerwaldgemeinschaftspraxis.

8. Woche

In der vergangenen Woche habe ich an einer LIA-Sitzung teilnehmen dürfen. Dort wurden alle Patienten, die gerade in dem LIA-Projekt unter den Pflegekräften, dem Physiotherapeuten, den MFAs und den Ärzten besprochen. Am darauffolgenden Tag konnte ich dann mit Waltraud zusammen ein geriatrisches Assessment mit einer der LIA-Patientinnen durchführen. Auch bei den Hausbesuchen mit Steffi diesen Dienstag haben wir einige geriatrische Assessments mit den Patienten durchgeführt. Auch das Management der Diabetes mellitus Patienten, welche von Petra betreut werden, konnte ich diesen Donnerstag etwas kennenlernen. Dabei bin ich mit Petra zusammen auf Hausbesuche gefahren und wir haben diabetische Füße versorgt.
Diesen Mittwoch habe ich einen Tag beim HNO Arzt in Grafenau hospitiert. Es war dort sehr spannend, vor allem, weil ich außerhalb der Uni noch keinen Kontakt zur HNO hatte und bis dahin nicht wusste, wie ein niedergelassenen HNO Arzt arbeitet.
Diese Woche konnte ich auch wieder mehrere Sonografien bei Patienten durchführen sowie meine Fertigkeiten im Untersuchen der Patienten verbessern, dabei übte ich diese Woche vor allem die neurologische Untersuchung. Die Auskultation der Lunge ist manchmal immer noch etwas schwierig zu interpretieren, doch ich hoffe, dass dies im Laufe der Zeit noch besser werden wird.
Diese Woche habe ich zum ersten Mal einen Patienten gesehen, der nach einem kleinen Verkehrsunfall in die Praxis kam mit Nackenschmerzen und habe gelernt, dass es dabei sehr wichtig ist, den Patienten komplett zu untersuchen, da oft Verletzungen vom Patienten nicht bemerkt werden.
Ansonsten habe ich mich diese Woche mit der Leitlinie „Kreuzschmerz“ beschäftigt und über die Aussagekraft klinischer Untersuchungen einer tiefen Beinvenenthrombose.
Am Montag in der Weiterbildung ging es diese Woche um Mundwinkelrhagaden.
Diese Woche ist mir besonders aufgefallen, dass einige Patienten mich bereits kennen und dadurch viel herzlicher empfangen, wenn ich zu ihnen ins Zimmer hineinkomme, oder mich sogar schon auf dem Flur freundlich Grüßen. Das empfand ich als sehr angenehm und ich glaube, dass es auch für die Patienten schön ist, wenn man sich noch an sie erinnert. Zudem, musste ich manchmal nicht mal mehr auf die Akte schauen für den Namen oder wusste sogar noch, weswegen die Patienten beim letzten Mal gekommen waren.

 

9. Woche

Diese Woche habe ich wieder mehrere Male Impfungen durchführen dürfen und habe zum ersten Mal i.m. nach Hochstetter spritzen können.
Ich habe diese Woche wieder Gallensteine bei einer Patientin entdeckt, die wegen gelegentlicher krampfartiger Bauchschmerzen einige Zeit nach dem Essen in die Praxis gekommen war.
Am Montag in der Fortbildung diskutierten wir über den Umgang mit schreienden Säuglingen, was ich als sehr interessant fand, da ich bisher noch keine Erfahrungen mit kranken Säuglingen habe.
Am Dienstag konnte ich bei einem niedergelassenen Internisten hospitieren. Dort habe ich einige Karotis-Doppler sowie Herzechos sehen können. Dies war eine gute Wiederholung für mich, da ich schon einiges, was ich in meinen Famulaturen auf der Kardiologie gelernt habe, schon wieder vergessen hatte.
Ich war zudem wieder mit auf Hausbesuchen, bei denen ich die Patienten immer mehr kennenlerne und zum Teil sie auch mich schon kennen, was ich als sehr angenehm empfinde.
Zudem habe ich auch diese Woche wieder gemerkt, dass gerade Hauterkrankungen für mich oft Rätsel aufkommen lassen. Diese Woche war wieder eine Patientin mit juckenden stammbetonten feinfleckigen Ausschlag da, ohne erkennbare Ursache. Eine andere Patientin hatte kleine juckende und nässende Hautveränderungen im Kopfhaar, wieder ein anderer Patient hatte kugelige Verhärtungen direkt unter der Haut, was ich alles so noch nie gesehen hatte.
Diese Woche hat sich Dr. Blank wieder mit mir zusammengesetzt, da der 2. Monat um war und wir geschaut haben, ob ich mein Curriculum für die letzten 4 Wochen erfüllen konnte. Mit meinem Curriculum bin ich gut im Plan und konnte auch die letzten 4 Wochen wieder viel lernen und sehen.

10. Woche

In der vergangenen Woche habe ich zum ersten Mal eine richtige Leichenschau sehen können, bei einem Patienten, den ich vorher lebend kannte. Es war eine sehr emotionale Erfahrung für mich. Das ist etwas, worauf ich auch gern verzichten könnte, aber ich weiß auch, dass es zur Medizin dazu gehört. Ich empfand es auch als sehr schwierig, die richtigen Worte gegenüber den trauernden Angehörigen zu finden.
Im Weiteren konnte ich diese Woche wieder verschiedenste Erkrankungen der Patienten kennen lernen, zum Beispiel: eine geplatzte Baker-Zyste. Ich konnte wieder Impfen, wobei ich mich erneut kurz überfordert fühlte, als ein Patient 2 Impfungen bekommen sollte und ich nicht wusste, dass man beide in einen Arm geben darf (etwas voneinander entfernt).
Ich konnte außerdem mit einem der Assistenzärzte diese Woche wieder viele Hausbesuche fahren und habe dabei zum ersten Mal, bei einer aus dem Krankenhaus entlassenen Patientin, einen Abszess von einer Braunüle gesehen. Ich habe auch gelernt, dass es sehr schwierig sein kann, zwischen dringenden und nicht dringenden Hausbesuchen zu unterscheiden.
Am Donnerstag konnte ich für einen Tag beim Physiotherapeuten hospitieren und einen kleinen Einblick in den Tagesablauf eines Physiotherapeuten bekommen. Es ist schon ein enger Zeitplan mit 3 Patienten pro Stunde a 20min Behandlungsdauer, den die Therapeuten einhalten müssen. Da ist nicht viel Zeit für eine genaue Beschreibung der Beschwerden und die Therapeuten sind auf die Diagnose auf dem Rezept angewiesen.
Donnerstagabend gab es eine Abschieds- und Einstandsbrotzeit der Assistenzärzte in einer der Praxen, was mir wieder zeigte, wie harmonisch das Miteinander in den Praxen zwischen den Ärzten und Mitarbeiterinnen ist.

11. Woche

Am Montag bin ich zwischen den Sprechstunden wieder mit einem der Assistenzärzte auf eine Hausbesuchstour gefahren. Auch am Mittwoch bin ich noch einmal mit Steffi zu verschiedenen Hausbesuchen gefahren.
Im Ultraschall kann ich bei den meisten Patienten nun auch das Pankreas erkennen und konnte auch diese Woche wieder Gallensteine bei 2 Patienten finden. Im Auskultieren der Lunge bekomme ich zunehmend etwas mehr Sicherheit. Auch das Befunden von Blutuntersuchungen fällt mir mittlerweile etwas leichter, denn nicht jeder vom Normwert abweichende Wert muss pathologisch sein und behandelt werden. Zudem kommt es auch sehr auf die Dynamik der Werte im Verlauf an.
Zudem habe ich diese Woche wieder gemerkt, wie schwierig es ist, Medikamente, welche nicht zwingend notwendig sind, wieder abzusetzen. Dabei ist es gerade bei den alten Menschen wichtig, dass diese nicht zu viele verschiedene Medikamente einnehmen und wirklich nur diese, die unbedingt notwendig sind. Außerdem nehmen manche Patienten Medikamente ein, die sie beispielsweise vor Jahren verschrieben bekommen haben und vielleicht heute gar nicht mehr verschrieben werden würden.
In dieser Woche habe ich auch wieder das Befunden von Patienten geübt und die Befunde in die Karteien diktiert.
Ich konnte diese Woche auch wieder verschiedene, für mich „neue“ Krankheitsbilder näher kennenlernen, wie zum Beispiel Osteoporose, Migräne oder Rheuma.

Woche 12

Montag war ich wieder mit unserem Assistenzarzt zusammen auf einer der Hausbesuchstouren. Mittlerweile kenne ich schon fast alle Hausbesuchspatienten, was mir bei der einmal im Quartal stattfindenden Besprechung der Hausbesuche am Freitagmittag bewusst wurde.
Diese Woche konnte ich wieder mehrere i.m. Spritzen geben und Klammern sowie Fäden entfernen. Vor allem auf den Hausbesuchstouren sind einige Patienten, wo ich mit jeder Woche die Wundheilung bei Patienten mit Diabetes, pAVK oder chronisch venöser Insuffizienz beobachten kann. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie plötzlich größere Ulzera auftauchen und dann Wochen bis Monate brauchen, um wieder zu zuheilen.
Am Mittwoch war ich in einer anderen Hausarztpraxis hospitieren. Es war interessant mal zu sehen, wie der Ablauf und die Patientenbetreuung in einer anderen Praxis funktioniert. Zudem bekam ich an dem Mittwoch einen kleinen Einblick in die Arbeitsmedizin durch verschiedenen arbeitsmedizinische Untersuchungen. Nachmittags nahm mich der Arzt noch mit in eine, von ihm als Arbeitsmediziner betreute Firma. Dort führten wir mehrere Hörtest durch und ich bekam noch eine kurze Führung durch die Firma, um mal einen kleinen Einblick in die Arbeitsbedingungen und den Lärmpegel, welcher bei so großen Maschinen herrscht, zu bekommen.
Auch diese Woche konnte ich wieder bei 2 Belastungstest zuschauen und auch endlich einen Lungenfunktionstest sehen. Außerdem habe ich diese Woche zum ersten Mal eine eitrige Mandelentzündung und ein durch Eiter vorgewölbtes Trommelfell bei einem Kind sehen können.

Woche 13

Mittwochvormittag war ich beim Hautarzt zum hospitieren. Er war sehr nett und hat mir viel erklärt. Doch ein Vormittag reicht gerade bei Hauterkrankungen nicht aus, um richtig etwas zu lernen. Da wir in der Uni nicht viel Praktika in der Dermatologie gemacht haben, habe ich fast alle Hautkrankheiten, die ich am Mittwoch sehen konnte, zum ersten Mal gesehen. Dabei fiel mir auf, dass gerade bei Hautkrankheiten oft Blickdiagnosen gestellt werden müssen und das nur mit einer entsprechenden Erfahrung möglich ist. Wenn es sich ergibt, werde ich später nochmal für eine längere Zeit bei einem Hautarzt daheim hospitieren.
Diese Woche war eine Blockpraktikantin aus München bei uns mit in der Praxis. Ich fand es sehr angenehm, zu zweit zu den Patienten reinzugehen und gelegentlich nur als Beobachterin anwesend zu sein. Wir haben uns gegenseitig auch etwas Feedback geben können.
Dr. Blank und ich haben uns diese Woche auch wieder zusammengesetzt und sind mein Curriculum durchgegangen. Ich habe eigentlich alles, was geplant war, auch umsetzen können.

Woche 14

Diese Woche habe ich an 3 Tagen bei verschiedenen Spezialisten hospitiert.
Montagvormittag war ich beim Rheumatologen. Der Arzt war sehr nett und hatte eine sehr ruhige, nette Art mit seinen Patienten umzugehen. Für jeden Patienten hatte er 15min eingeplant, um jeden gründlich untersuchen zu können, da rheumatische Erkrankungen als Systemerkrankungen dies erfordern und es auch für die Patienten sehr wichtig ist, dass man sich Zeit nimmt. Ich konnte Patienten mit Psoriasis Arthritis, rheumatoider Arthritis und dem Sharp-Syndrom kennenlernen und untersuchen.
Am Dienstag war ich für einen ganzen Tag beim Augenarzt, wo ich bei der Sehschule viel über Schielen gelernt habe. Ich konnte Untersuchungen mit der Spaltlampe durchführen und einmal selbst ein OCT, eine Gesichtsfelduntersuchung, eine Augendruckmessung und einen Sehtest machen, anhand denen der Augenarzt mir dann erklärte, wie alles funktioniert und ausgewertet wird.
Am Donnerstagvormittag war ich dann noch bei einer Neurologin, wo ich Patienten nach Schlaganfällen, mit MS, Demenz und Parkinson untersuchen durfte. Ich habe dort zum ersten Mal selbst einen Demtect durchgeführt und ein EEG geschrieben.
An den anderen Tagen habe ich mit 2 Blockpraktikantinnen zusammen weiter Patienten in der Praxis untersucht und haben an uns selbst nochmal verschiedene Bereiche sonografiert.
Bei einem Patienten, der aufgrund von Luftnot kam, konnte ich zum ersten Mal einen Pleuraerguss erkennen und bei einer anderen Patientin lernen, wie man einen Kompressionsverband anlegt.

Diese Woche waren wieder zwei Studenten mit in der Praxis. Wir haben uns gegenseitig mit dem Ultraschallgerät untersucht und uns gegenseitig Feedback gegeben zur Anamneseerhebung, Untersuchung und Präsentation von Patienten.
Ich habe mit der Zeit nun auch einen kleinen Einblick in Versicherungsanfragen und Vorsorgeuntersuchungen sowie Jugendschutzuntersuchungen bekommen. Ich konnte diese Woche außerdem wieder zwei präoperative Untersuchungen durchführen, wobei man den Patienten einmal komplett untersucht und schaut, ob der Patient irgendwelche größeren gesundheitlichen Probleme hat, die der Operation im Weg stehen könnten.
Ich konnte diese Woche auch wieder mehrere Impfungen durchführen und auch meine ersten s.c. Spritzen geben, v.a. bei Marcumar-Patienten, da diese keine i.m.-Injektionen bekommen sollten.
Am Freitagabend kurz vor Sprechstundenende kam noch eine Patientin mit einer vermutlichen peripheren Facialisparese. Ich habe gelernt, dass man gerade bei den letzten Patienten in der Sprechstunde aufmerksam sein sollte, weil man gerade kurz vor Feierabend dazu neigt, etwas zu übersehen und deswegen besonders vorsichtig sein sollte. 

Leider ist meine letzte Woche nun auch um.
Am Montag hat zudem der exzellente Winter angefangen, von dem auch einer der Studenten mit bei uns in Kirchberg in der Praxis war. Montag war deswegen zum einen der Bayerische Rundfunk da, zum anderen noch Ärztinnen aus Österreich, welche auch großes Interesse an dem Projekt „exzellenter Winter“ hatten. Am Dienstagnachmittag habe ich bei einem Seminar zum Thema „Wissensmanagement“ mitgeholfen und ich konnte dort noch einiges lernen. Am Mittwochabend hatte ich noch ein kleines Abschiedsessen. Am Donnerstagnachmittag habe ich zusammen mit 2 anderen Tutoren einen Ultraschallkurs v.a. von Abdomen und Schilddrüse gehalten, was mir sehr viel Freude bereitet hat. Dabei wurde mir wieder bewusst, wie gut ich in den 4 Monaten im Ultraschall geworden bin.
Es ist schade, dass die Zeit in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald für mich schon vorbei ist, da ich nicht nur sehr viel gelernt habe, sondern auch viel Freude dabei hatte. Ich werde alle hier vermissen und hoffe, dass ich bei Gelegenheit nochmal wiederkommen kann.

Sabine Höhn

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Bevor ich einen Studienplatz in meinem Traumberuf ergattern konnte, habe ich eine Ausbildung als Tierarzthelferin gemacht, und bis zu meinem Studienbeginn 2009 im Anschluss an meine Abschlussprüfung als Arzthelferin gearbeitet.

Studiert habe ich an der TU München, und meine Famulaturen in Innerer Medizin, Allgemeinmedizin, Anästhesie/Schmerzmedizin, sowie in der Dermatologie gemacht.

Meine beiden vorangehenden Tertiale in Innerer Medizin und Chirurgie habe ich im Kreiskrankenhaus Landshut- Achdorf ableisten dürfen, so dass ich das große Glück hatte, viel Neues, Spannendes und Lehrreiches unmittelbar in meiner neuen Wahlheimatstadt lernen zu können.

Ich freue mich sehr auf die Zeit im Bayerischen Wald und bin schon jetzt von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hier begeistert.

Am 29.06. startete mein Tertial in der Allgemeinmedizin, auf das ich mich, nach einem 14 tägigen Aufenthalt hier in der Praxis im vergangenen Jahr, schon die ganze Zeit gefreut hatte.
Sehr herzlich und unvoreingenommen durch das Praxisteam empfangen, wurde es mir sehr leicht gemacht mich in meiner neuen Heimat auf Zeit sofort heimisch zu fühlen.
In meiner ersten Woche begleitete ich die verschiedenen Ärzte, um die Arbeitsweise vor allem durch Beobachten kennenzulernen. Frisch aus dem Krankenhaus, in dem der Patient von Kopf bis Fuß durch die Diagnostik gefahren wird, lernte ich das Abwartende Offenlassen als ein mögliches Arbeitsprinzip, wie auch das Anwenden der geteilten Verantwortung mit dem Patienten kennen.
Auch durfte ich eine Mitarbeiterin auf ihrer Hausbesuchstour bei den älteren, z.T. pflegebedürftigen Patienten begleiten und so viele Eindrücke sammeln. Insgesamt konnte ich dadurch, aber auch die restliche Woche, einen ersten Einblick in den großen Einsatz, den die Praxis für Ihre Patienten leistet, bekommen.

Nun schon ein bisschen angekommen in Kirchberg habe ich in meiner 2. Woche viele spannende Dinge gesehen. Spannend insofern, als dass es für einen Hausarzt tägliche Befunde sind, die für mich als Studentin jedoch wirklich zum ersten Mal auftreten, obwohl ich schon einige Zeit in verschiedenen Krankenhäusern verbracht habe. Erschreckend, aber deswegen umso besser, dass ich hier bin. 
Zum Beispiel war da die erste von mir festgestellte eitrige Mandel, oder auch die erste klassische Borreliose, zum ersten Mal habe ich Flüssigkeit hinter einem Trommelfell entdeckt, und zum allerersten Mal eine Lungenentzündung ohne technische Hilfsmittel, nur mit Hilfe meines Stethoskops herausgefunden. 
Darüber hinaus war ich bei vielen Hausbesuchen mit an Bord und habe mit eigenen Augen sehen können wie aufopfernd man sich hier um seine Angehörigen kümmert, und wie selbstverständlich sie in das normale Familienleben im Mehr-Generationen-Haus eingegliedert sind.
Alles insgesamt so aufregend, dass es mir ein Rätsel ist, wie man Allgemeinmedizin nicht spannend finden kann. Ich freue mich auf die nächsten Wochen.

In meiner dritten Woche war ich viel unterwegs und durfte etwas über den Praxistellerrand hinausschauen.
Montags begleitete ich einen halben Tag einen unserer ortsansässigen Physiotherapeuten, Paul Kufner, bei seiner Arbeit. Innerhalb eines Nachmittags sah ich Kontrakturen, verschiedene Arten von Rückenschmerzen, frisch operierte Knie, schmerzhafte Schultern und noch einiges mehr, und lernte die Arbeit kennen, die hinter unseren vielen Krankengymnastikverordnungen steckt. 
Am Dienstag stand neben der normalen Sprechstunde wieder eine Hausbesuchstour auf dem Plan, was immer interessant ist. Am darauffolgenden Tag durfte ich am Nachmittag zusammen mit zwei Arzthelferinnen eine Impffortbildung in Regensburg besuchen, und mein angestaubtes Wissen auffrischen. 
Die ganze Woche hindurch übte ich fleißig am Ultraschallgerät, damit meine Aufnahmen irgendwann genauso schön wie die von den Doktoren werden. Es ist zwar noch ein weiter Weg, aber schon viel besser. In der vorhergehenden Woche habe ich angefangen jede Woche eine Leitlinie durchzuarbeiten, und mit 'Kreuzschmerzen' begonnen.  Diese Woche hatte ich mir ' Brennen beim Wasserlassen' vorgenommen, da dies ebenfalls ein sehr häufiger Beratungsanlass ist.

In der vierten Woche meines allgemeinmedizinischen Tertials durfte ich mein im Studium und im vergangenen Jahr angeeignetes Wissen einsetzen und ganz normal, natürlich immer unter Aufsicht, mitarbeiten. 

Um mich selbst mehr auf die Probe zu stellen, wünschte ich mir von meinem 'Lehrmeister', dass er mich vermehrt Faktenwissen fragt. Dr Blanks Idee war es dann, immer wieder Prüfungssituationen herzustellen, was natürlich einen wesentlich höheren Lerneffekt hat. Ziel ist es, dass ich meine schreckliche Aufregung vor den anstehenden mündlichen Staatsexamina etwas mehr in den Griff bekomme. Aber ich hab das Gefühl, es wird schon besser, und bin deswegen so dankbar für Ihre Geduld als Patienten.
Interessant war es, den theoretischen Begriff des unausgelesenen Patientenguts im Praktischen zu erfahren. Dies bedeutet, dass Patienten, die den Hausarzt mit einer Vielzahl von Problemen aufsuchen. Diese Probleme gilt es in ihrer Bedeutung als entweder wahrscheinlich harmlos und selbstheilend oder potentiell gefährlich unterscheiden zu können. Die ärztliche Kunst besteht darin, diese potentiell gefährlichen Fälle zu erkennen und eine entsprechende Diagnostik durchzuführen oder zu veranlassen.
So lernt man in der Uni in verschiedenen Fächern z.B. intensiv die Diagnostik und Behandlung des sogenannten Akustikusneurinoms, in unserer Praxis gibt es bei all den vielen Patienten jedoch nur eine Person mit einem solchen. 
Einmal pro Woche finden per Skype Fortbildungen statt, bei denen sich verschiedene Ärzte unterschiedlichen Erfahrungsstandes online über vorher festgelegte Themen austauschen. Ich mag diese Fortbildungen sehr, da neben den feststehenden aktuellen Leitlinien auch Erfahrungen ausgetauscht werden, die für einen jungen, unerfahrenen Menschen wie mich von unschätzbarem Wert sind, so versuche ich diese Erfahrungen wie ein Schwamm aufzusaugen.
Als Fortbildungsthema hatten wir dieses Mal die akute und chronische Herzinsuffizienz. Spannend und Wichtig!

In meiner 5. Woche erlebte ich auch außerhalb der Praxis viele interessante Dinge, die eben das Besondere in meiner Lehrpraxis ausmachen. 
Montag Abend begann meine Woche der außergewöhnlichen Projekte mit einer Sitzung des LiA-Projektes in Rinchnach. LiA bedeutet 'Lebensqualität im Alter', ein Projekt bei dem sich unsere Praxis gemeinsam mit den Physio- und Ergotherapeuten und den Pflegekräften  der Region zum Ziel gesetzt hat, ältere Menschen möglichst lange in ihrem häuslichen Umfeld zu halten, und z.B. deren Sturzgefahr durch physio-und ergotherapeutische Behandlung zu minimieren, die medikamentöse Behandlung zu optimieren, und Hospitalisationen durch engmaschige Überwachung möglichst zu vermeiden. Bei diesen Sitzungen besprechen sich die an dem Projekt Beteiligten hinsichtlich der aktuellen Situation der einzelnen Patienten ab, überdenken mögliche Verbesserungen, und gleichen das jeweilige Wissen einander an.
Mittwochs nachmittags durfte ich dann nach Viechtach ins Krankenhaus fahren um dort an einer Fortbildungsveranstaltung teilnehmen, die eingeführt wurde, um die lokalen Allgemeinärzte und die Krankenhausärzte einander näher zu bringen, Therapien von beiden Seiten zu beleuchten und so mehr Verständnis füreinander zu schaffen. Diese Woche war das Thema der akute Harnwegsinfekt. Eine häufige Erkrankung, die jedoch trotz eindeutiger Empfehlungen noch immer sehr unterschiedlich behandelt wird, und so die perfekte Grundlage für diese Fortbildung der besonderen Art bildete. Donnerstags besuchte ich mit Dr. Blank das Gymnasium in Zwiesel um den dortigen Schülern der 11. Klasse etwas über den Arztberuf und das Studium zu erzählen, mit Vorurteilen aufzuräumen und auch über die allgemeine Berufswahl zu sprechen. Das war wirklich spannend, auch weil man sich bei solchen Veranstaltungen reflektiert, in sich hineinhorcht und in meinem Fall glücklicherweise feststellt, wie glücklich man mit dem gewählten Beruf ist und wie sehr man sich auf dessen Ausübung freut.

In der vergangenen Woche begann ein weiteres Projekt, in das die Praxis maßgeblich eingebunden ist. Der Exzellente Sommer. Hierbei kommen Medizinstudenten aus ganz Deutschland in den Bayerischen Wald um eine Famulatur, bzw. ihr Pflegepraktikum auf besondere Weise zu erleben. Normalerweise arbeitet man bei der Famulatur für vier Wochen im normalen Stations- bzw. Praxisalltag mit. Nicht so bei dieser Spezialfamulatur. Die Studenten sind entweder in den Krankenhäusern in Viechtach oder Zwiesel, oder in verschiedenen Hausarztpraxen. Neben dem normalen Alltag fand letzte Woche gleich zu Beginn abends eine Infoveranstaltung statt, bei der die Studenten Möglichkeiten aufgezeigt bekamen, wo man sich wissenschaftlich fundierte, von der Pharmaindustrie unbeeinflusste Informationen beschafft.  Weiter ging es am Mittwoch nachmittags mit einem Ultraschallkurs für alle. In Kleingruppen, durften alle das sonographieren üben, ich durfte mich dabei um eine liebe Gruppe von Pflegepraktikanten kümmern, und den Riesenvorteil genießen, dass der Lehrende sehr viel lernt, indem er anderen (versucht) etwas beizubringen. Ich bin auf die nächste Woche gespannt.

In der vergangenen Woche lernte ich die Praxis in Rinchnach besser kennen, da in der Kirchberger Praxis so viele Famulanten und Hospitanten zu Besuch waren, dass ich sozusagen 'ausgelagert' wurde, und schon sehr gespannt auf die Arbeitsweise von Herrn Dr. Bernecker war. 
Dr. Bernecker wendet sehr viel Naturheilkunde an und da ich bisher wenig Berührungspunkte damit hatte, bekam ich ganz viel Wissen zur Homöopathie vermittelt, die Dr. Bernecker mir immer mit eigenen Erlebnissen illustrierte und es mir so viel leichter machte die Theorie dahinter nachzuvollziehen und sie greifbarer zu machen. 
Zugleich waren in den letzten Tagen auch die eindrucksvollsten Akutfälle, die ich in den vergangenen Wochen erlebt habe. 
Los ging es mit einem Patienten mit einem Herzinfarkt, wie er im Lehrbuch immer dargestellt wird, jedoch ausgesprochen selten sich von der Symptomatik so deutlich wie bei ihm darstellt. 
Dann ging es weiter mit einer Patientin mit akuten Nierenkoliken, die derart heftige Schmerzen verursachten, dass ihr Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach Schmerzmittelgabe erholte sich die Patientin ein wenig, musste jedoch bei sonographisch festgestelltem Harnaufstau ins Krankenhaus eingeliefert werden, um weitere Untersuchungen durchzuführen und eine suffiziente Schmerztherapie zu gewährleisten.
Abgeschlossen wurde diese 'Akutwoche' von einem 5-jährigen Jungen mit höchstem Fieber und multiplen Symtpomen, der zur Abklärung einer Blinddarmentzündung oder anderer gefährlicher Verläufe auch ins Krankenhaus musste. 
Von der Woche inspiriert nahm ich mir als Leitlinie den akuten Brustschmerz vor. 
Im Rahmen des exzellenten Sommers betreute ich beim EKG- Kurs verschiedene Studentengruppen und besprach mit ihnen die Zeichen des akuten Herzinfarktes im EKG.

In der vergangenen Woche lernte ich die Praxis in Rinchnach besser kennen, da in der Kirchberger Praxis so viele Famulanten und Hospitanten zu Besuch waren, dass ich sozusagen 'ausgelagert' wurde, und schon sehr gespannt auf die Arbeitsweise von Herrn Dr. Bernecker war. 

Dr. Bernecker wendet sehr viel Naturheilkunde an und da ich bisher wenig Berührungspunkte damit hatte, bekam ich ganz viel Wissen zur Homöopathie vermittelt, die Dr. Bernecker mir immer mit eigenen Erlebnissen illustrierte und es mir so viel leichter machte die Theorie dahinter nachzuvollziehen und sie greifbarer zu machen. 

Zugleich waren in den letzten Tagen auch die eindrucksvollsten Akutfälle, die ich in den vergangenen Wochen erlebt habe. 

Los ging es mit einem Patienten mit einem Herzinfarkt, wie er im Lehrbuch immer dargestellt wird, jedoch ausgesprochen selten sich von der Symptomatik so deutlich wie bei ihm darstellt. 

Dann ging es weiter mit einer Patientin mit akuten Nierenkoliken, die derart heftige Schmerzen verursachten, dass ihr Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach Schmerzmittelgabe erholte sich die Patientin ein wenig, musste jedoch bei sonographisch festgestelltem Harnaufstau ins Krankenhaus eingeliefert werden, um weitere Untersuchungen durchzuführen und eine suffiziente Schmerztheraopie zu gewährleisten.

Abgeschlossen wurde diese 'Akutwoche' von einem 5-jährigen Jungen mit höchstem Fieber und multiplen Symtpomen, der zur Abklärung einer Blinddarmentzündung oder anderer gefährlicher Verläufe auch ins Krankenhaus musste. 

Von der Woche inspiriert nahm ich mir als Leitlinie den akuten Brustschmerz vor. 

Im Rahmen des exzellenten Sommers betreute ich beim EKG- Kurs verschiedene Studentengruppen und besprach mit ihnen die Zeichen des akuten Herzinfarktes im EKG.

In der vergangenen Woche arbeitete ich teils in Rinchnach, teils in Kirchberg. Es war die letzte Woche des exzellenten Sommers, als Spezialkurs war die Untersuchung von Knie und Schulter dran. Als theoretisches Thema hatte ich mir die Leitlinien über die chronische und akute Gicht vorgenommen, und mein Wissen nochmal etwas aufgefrischt.

Gerade in der letzten Woche hatten wir sehr viele Wespenstich-Patienten, zum Teil mit generalisierten, am ganzen Körper bestehenden Reaktionen, die mittels intravenöser Cortisongabe behandelt werden mussten, um eine drohende Anaphylaxie zu bekämpfen. Sehr unangenehm für die Patienten, für mich jedoch auch sehr lehhreich, weil ich dadurch eine Routine entwickeln konnte, in der Behandlung der generalisierten allergischen Reaktion.

Da die Zeit mit Riesenschritten vergeht, und nun nur noch drei Wochen in Kirchberg für mich übrig geblieben sind (Ich darf noch drei Wochen Urlaub machen) haben wir uns in der vergangenen Woche vermehrt auf die Prüfung konzentriert. Ich wurde öfter von Dr. Blank mit Prüfungssituationen konfrontiert, um so meine große Aufregung bei mündlichen Prüfungen besser in den Griff zu bekommen. 

In der wöchentlichen Fortbildung ging es diesmal um die Therapie des Bluthochdrucks, und obwohl man vielleicht meinen könnte, dass das ein Thema ist, bei dem man sich gegenseitig nichts mehr beibringen könne, konnten wir grade in der Frage wie man mit der Blutdruckmedikation beginnt, sehr viel voneinander lernen.

Julia Friedel

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4 Monate lang erlebte Frau Friedel, wie schön die Arbeit als Hausarzt in einer Ländlichen gegend sein kann. Unsere Patienten haben sich gern von Ihr voruntersuchen lassen und haben somit gleich den Nutzen einer zweiten ärztlichen Meinung. Nach dem Abschluss Ihres Studiums wird Sie, im Februar 2016 zurück zu uns in die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald kommen, um als Weiterbildungsassistentin unser Team zu unterstützen. Wir freuen uns jetzt schon auf diese gemeinsame Zeit.

Zunächst einmal heißt es ankommen, das Team und die Umgebung kennen lernen. Ein sehr herzlicher Empfang hat mir den Anfang sehr leicht gemacht. Für mich war es wichtig zuerst die Arbeitsweise des Arztes zu beobachten und meinen Platz im Praxisalltag zu finden. Inhaltlich standen vor allem die sog. „Abwendbaren gefährlichen Verläufe“, also Verletzung, Entzündung, Gefäße, Tumor, Stoffwechsel, Medikamente und Psyche, im Vordergrund. Auch eine gute Anamnese und das Erkennen des Problems des Patienten und die Zusammenfassung von diesen zählten zu meinen Aufgaben.
Nebenbei läuft bis Ende März auch eine besondere Hausarztfamulatur in der Region im Rahmen des Exzellenten Winters für 10 Medizinstudenten aus ganz Deutschland. An drei Nachmittagen in der Woche finden sog. Teachings statt, an denen ich auch teilnehmen konnte. Die Themen diese Woche: Der depressive Patient, Homöopathie in der Hausarztpraxis und Untersuchungstechniken von Schulter und Knie.

Diese Woche stand das Üben der körperlichen Untersuchung an. Ganz allgemein von Kopf bis Fuß, z.B. das Handling des Otoskops, um in den Ohren auch wirklich das Trommelfell zu sehen oder die genaue Auskultation der Lunge. Besonders schwierig ist es dabei nicht nur deutlich pathologische Atemgeräusche zu hören, sondern auch die feinen Nuancen von leicht mit Schleim belegten Bronchien. Darüber hinaus habe ich mit der Ultraschall-Untersuchung des Abdomens angefangen. Ziel diese Woche: Darstellung der Leber und orientierender Ultraschall der restlichen Organe.
Die Teachings diese Woche: Augenärztliche Untersuchung, Balint-Gruppe, Besuch des Dialysezentrums in Zwiesel und Herztag im Krankenhaus Viechtach. Zusätzlich bereite ich ab jetzt jede Woche eine Handlungsempfehlung oder Leitlinie der DEGAM vor und wir besprechen diese im Ärzte-Team zu Fortbildungszwecken. Den Anfang macht die „Akute Gicht“. Wichtige Erkenntnisse hieraus sind für mich zum einen, dass die Gicht rein klinisch diagnostiziert wird und keine Labordiagnostik oder Röntgen notwendig ist. Zum anderen, dass die Therapie „nur“ aus Schmerz- und Entzündungshemmung besteht. Auch ist Naproxen bei älteren Patienten zu bevorzugen, da es im Vergleich zu Ibuprofen weniger Nebenwirkungen am Herzen macht.

Diese Woche war ich viel mit der Praxismitarbeiterin Petra auf Hausbesuchen, ihre Spezialgebiete: Wundversorgung und Diabetes. Gemeinsam haben wir Patienten mit amputierten Zehen oder Ulcera an den Beinen/Füßen versorgt. Auch konnte ich zum ersten Mal alleine Patienten auf Hausbesuchen betreuen.
Natürlich weiterhin Üben der körperlichen Untersuchung und des Ultraschalls.
Die Teachings diese Woche: HNO-Untersuchungen, Betreuung geriatrischer Patienten und Notfallmedizin.
Die DEGAM-Handlungsempfehlung: „Chronische Gicht“. Wichtig für mich ist zu wissen, dass eine Dauertherapie mit dem Standardmedikament Allopurinol erst 2 Wochen nach einem akuten Gichtanfall begonnen werden darf und das es hierbei zunächst zu vermehrten Gichtanfällen kommt. Ab mehr als 2 Gichtanfällen im Jahr, bereits vorhandenen Einlagerungen in den Gelenken, sog. Tophi und zur Prophylaxe während einer Chemotherapie ist ein Einsatz von Allopurinol gerechtfertigt. Das Cochrane-Review von 2014 zu dem Thema spricht für einen nur sehr geringen Nutzen von Allopurinol. Zwar wurde die Harnsäuresenkendewirkung bestätigt nicht aber die Reduktion der Anfallshäufigkeit.

Diese Woche habe ich das Untersuchen des Abdomens vertieft. Inspektion, Auskultation und Palpation. Die meisten Patienten hatten trotz Beschwerden fast normale Befunde. Ein interessanter Fall kam diese Woche in die Praxis. Der Patient zeigte sich mit gelblich-gräulich verfärbter Haut und Skleren, geblähtem Bauch, petechialen Blutungen und Ödemen an den Unterschenkeln. Die körperliche Untersuchung zusammen mit einer Ultraschalluntersuchung des Abdomens deutete auf eine akute Entzündung der Gallenblase hin. Sofort schickten wir den Patienten ins Krankenhaus. Im Verlauf der Woche konnte ich mich dorr immer telefonisch nach dem Verlauf und Wohlbefinden des Patienten erkundigen und am Samstag besuchten Dr. Blank und ich den Patienten im Krankenhaus. Die Gallenblasenentzündung hat sich nicht bestätigt, dafür aber eine Leberzirrhose. Schön an diesem Beispiel war für mich, den Verlauf über den eigentlichen Besuch beim Hausarzt hinaus mitverfolgen zu können.

Die DEGAM-Handlungsempfehlung der Woche: Brennen beim Wasserlassen. Wichtige
Kernaussage: Bei Frauen mit der entsprechenden Symptomatik darf zunächst von einem unkomplizierten Harnwegsinfekt ausgegangen werden und es darf ohne Testung des Urins eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Auch eine Therapie mit Ibuprofen kann zunächst versucht werden. Passender Weise waren diese Woche auch mehrere Patienten mit einem Harnwegsinfekt in der Praxis und ich hatte einige Gelegenheiten das theoretisch Besprochene umzusetzen.

Diese Woche beschäftigte ich mich mit der Untersuchung von Patienten mit Verdacht auf lumbalen Bandscheibenvorfall - Kennreflexe, Dermatome mit Sensibilität und Motorik
Am Dienstag hospitierte ich einen Tag in der Gastroenterologie im Krankenhaus Viechtach. Mir wurden Einblicke in d die Eie Endoskopie  mit Magen- und Darmspiegelungen gewährt. Auch eine Visite auf Normalstation und die Intensivstation konnte ich mir ansehen.
Am Donnerstag ging es nach Würzburg zum Get Together des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die Veranstaltung richtete sich an Studenten und sollte Einblicke in die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Allgemeinmedizin geben und Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich schon im Studium mit der Allgemeinmedizin beschäftigen kann.

Diese Woche konnte ich viele Einblicke in das LIA-Projekt der Praxis erhalten. LIA heißt Lebensqualität im Alter und soll es geriatrischen Patienten ermöglichen, so lange wie möglich zu Hause selbstständig leben zu können. Dafür wird unter anderem alle Halbe Jahre bei diesen Patienten das Geriatrische Basis Assessment durchgeführt. Dies beinhaltet verschiedene Tests, wie z.B. den Barthel-Index oder das Esslinger Sturzrisikoassessment, zur Einschätzung der alltäglichen Fähigkeiten, der Kognition und des Sturzrisikos des Patienten. Gemeinsam mit Waltraud Mader, unserer Geriatrie-Spezialistin, war ich also unterwegs, um die Patienten zu Hause zu besuchen und uns ein aktuelles Bild vom Zustand der Patienten zu machen. Hierbei wird schnell deutlich, das viele Patienten und Angehörige von der intensiven Betreuung und Beratung profitieren. Ein insgesamt gelungenes Projekt, bei dem es Spaß macht dabei zu sein!

Diese Woche stand ganz im Zeichen des Projekts „Gute Ärzte braucht das Land“ und dem Besuch der Staatsministerin Frau Melanie Huml. Als PJ-Studentin der Praxis war meine Aufgabe der Ministerin meine Wünsche für einen Umzug aufs Land und meine Integration in das Praxisteam vorzustellen. Das war eine tolle Erfahrung!

Am Samstag konnte ich beim 1.Hilfe Training durch das Bayerische Rote Kreuz teilnehmen. Es wurden alle wichtigen Notfallsituationen durchgespielt von der einfachen Schnittverletzung bis zur Reanimation. Durch die super Kursleiterin war es ein sehr informativer und interessanter Tag und alle hatten viel Spaß dabei!

Durch den Feiertag war es für mich nur eine kurze Woche. Daher habe ich diese Woche einfach „nur“ gearbeitet und versucht, alles, was ich in den letzten Monaten gelernt und erlebt habe, anzuwenden. Auch mal schön!

Diese Woche hatte ich noch einmal viel Gelegenheit das Geriatrische Basis Assessment zu üben. So versuchen wir z.B an Hand des Barthel-Index, des Geldzähltests, des Uhrentests und einer Sturzrisiko-Abfrage herauszufinden, wie gut sich ein Patient noch zu Hause selbst versorgen kann und ob er im Alltag zurechtkommt. 

Am Freitag war ich mit dem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin der Universität Erlangen in Oberfranken, genauer gesagt in Effeltrich. Anlass war die Übergabe des Förderpreises durch das bayerische Gesundheitsministerium für die Landarztstudie des Lehrstuhls. An dieser nehme ich Teil, da ich mein Allgemeinmedizintertial hier in Kirchberg auf dem Land absolviere. Die Studie betreut und unterstützt also Studenten, die sich für die Allgemeinmedizin aufs Land wagen.

Diese Woche war bei mir Check-up Woche. Also körperliche Untersuchung von Herz, Lunge und Bauch, Hautkrebsscreening, Abfragen der Risikofaktoren für Herz-/Kreislauferkrankungen und Krebs, Blutentnahme und bei uns zusätzlich die sonographische Untersuchung der Schilddrüse und des Bauches. Viel Wert legen wir hierbei auf eine offene und neutrale Beratung der Patienten zu den aktuellen Vorsorgeuntersuchungen, die hinsichtlich ihres Nutzen kritisch hinterfragt werden müssen.

Diese Woche haben wir es tatsächlich auch mal wieder zu einer Fortbildung in der Praxis geschafft. Das Thema: Hyperthyreose, also die Schilddrüsenüberfunktion. Besprochen wurde unter anderem, wann der Arzt in der Hausarztpraxis an eine Überfunktion der Schilddrüse denken muss und welche diagnostischen Möglichkeiten er hat.

Diese Woche hatte ich noch einmal viel Gelegenheit den Ultraschall von Bauch und Schilddrüse zu üben. Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Abgabe einer Stuhlprobe nicht so banal ist, wie zunächst angenommen. Daher war es mir ein Anliegen, eine Patienteninformation zu erstellen, die wichtige Hinweise enthält, damit die Probe sichere Ergebnisse liefert und nicht verfälscht ist. Auch so kann man sich in die Arbeit der Praxis einbringen.
Fortbildungsthema diese Woche: Antibiotikagabe bei Atemwegsinfektionen. Es war wieder hochspannend die Theorie mit der Erfahrung unseres Ärzte-Teams zu verknüpfen und für unsere Praxis einen Leitfaden zu erstellen.

Diese Woche konnte ich einen Nachmittag in der Physiotherapiepraxis der Familie Kufner hospitieren. Das Gefühl für Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke wird in der Physiotherapie sehr intensiv gelehrt und angewandt. Da so etwas im Medizinstudium nicht zum normalen Lehrinhalt gehört, war es für mich eine tolle Erfahrung, mehr mit meinen Sinnen zu arbeiten. Das braucht aber viel, viel Übung! Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal in der Physiotherapie zu hospitieren.

Unser Fortbildungsthema war erneut die Antibiotikagabe bei Atemwegsinfektionen. Letztes Mal hatten wir v.a. besprochen, wann ein Einsatz von Antibiotika Sinn macht. Diesmal wurde geklärt, welches Antibiotikum wir bei welcher Form des Atemwegsinfektes einsetzen und was es in den verschiedenen Altersgruppen zu beachten gibt.

Lisa Orthuber

Lisa Orthuber

Ich war die erste PJ`lerin in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald. Der Hauptsitz der Praxis ist in Kirchberg, im benachbarten Rinchnach wird eine Zweigstelle betrieben. Die Sprechstunde geht jeden Morgen von 8 Uhr bis 12 Uhr. Nach vier Stunden Mittagspause öffnet die Praxis nochmal von 16-18 Uhr.

Die Praxis wird momentan von insgesamt fünf Ärzten betrieben, davon befindet sich einer in der Weiterbildung. Jeder Arzt hat sein eigenes Fachgebiet. Neben der recht spärlichen Facharztdichte in der Region war dies ein Grund für ein recht vielfältiges Spektrum an Beratungsanlässen in der Sprechstunde. Vor allem pädiatrische, orthopädische und neurologische Fragestellungen sind mir häufig begegnet, aber auch gynäkologische oder urologische Probleme waren keine Seltenheit.

Das Team hat mich sehr offen aufgenommen und dadurch habe mich schnell in den Praxisalltag eingefunden. Die ersten paar Tage bin ich mit dem jeweils anwesenden Arzt mitgelaufen um zu sehen, wie die Abläufe in der Praxis und die Sprechstunden organisiert sind.

Ich konnte meine Wünsche zum Vorgehen frei äußern, so dass ich nach und nach selbstständiger arbeiten konnte – gerade so wie ich es mir zugetraut habe. Die Routine bei der körperlichen Untersuchung kam schnell.

Wenn Fragen aufgetaucht sind habe ich diese immer gleich gestellt. Wenn es der Arzt selber mal nicht wusste, wurde es nachgeschlagen und anschließend besprochen. Je nach Arzt sind die Erklärungen eben mal mehr oder weniger ausführlich ausgefallen, aber es gab immer zeitnah einen Ansprechpartner mit direkter 1:1 – Betreuung. Unterricht fand meistens fallbezogen direkt im Patientenzimmer statt. Bei interessanten Fällen wurde ich immer, wenn ich denn auffindbar war, dazu geholt.

Ein Ultraschallraum ist in der Praxis ebenfalls vorhanden, daher konnte ich meine Fähigkeiten bei der Abdomen- und Schilddrüsensonographie trainieren.

Auch von den MFAs habe ich viel beigebracht bekommen. Jede der Helferinnen hat ihr Spezialgebiet, wie z.B. KHK, Diabetes oder Asthma im Rahmen der DMP-Programme. So hatte ich immer noch eine nichtärztliche Ansprechpartnerin, die ich mit nervigen Fragen löchern konnte. Das Labor wurde jeden Tag selbstständig von einer Helferin am Laufen gehalten, so dass ich angenehmerweise den Vormittag nicht damit verbringen musste. Auch die EKGs und Lufu`s wurden vorgeschrieben und wenn ich es nicht verschlafen habe, konnte ich diese vorbefunden und danach vorstellen.

 Die Hausbesuche werden je nach Arzt einmal pro Woche über Mittag oder am Wochenende gefahren. Es besteht die Möglichkeit an diesen teilzunehmen und nach Einarbeitung selbstständig durchzuführen. Den Patienten in ihrem persönlichen Umfeld zu begegnen war nochmal eine ganz andere Erfahrung als der Kontakt in der Sprechstunde. Auch die Betreuung von Patientin im Altenheim ist möglich.

Freie Nachmittage gibt es an sich nicht, jedoch werden keinesfalls die Stunden kleinlich gezählt. Die Studientage sind nach unkomplizierter Rückmeldung flexibel organisierbar.

Die Praxisinhaber stellen Famulanten und PJlern kostenlos eine schöne 1-Zimmer Wohnung am Kirchenberg mit Blick über das Dorf zur Verfügung. Sie ist voll möbliert und mit allem was man so braucht ausgestattet. Man muss also nur noch seine persönlichen Dinge einpacken und sich keine Sorgen um die Einrichtung machen.

Während meines Aufenthalts waren meist noch Famulanten oder Blockpraktikanten in der Praxis, sodass man die freie Zeit gemeinsam gestalten konnte.

Die Region bietet insbesondere für Naturverbundene und Leute, die ihre Freizeit gerne an der frischen Luft verbringen, ein breites Angebot. Auch Passau und Regensburg sind schnell zu erreichen. Ein eigenes Auto ist nicht zwingend notwendig, jedoch empfehlenswert.

Eine finanzielle Entlohnung im Sinn eines Gehalts gab es nicht, aber ich wurde des Öfteren zum Essen eingeladen und das kann man wirklich gut im Bayerischen Wald. Der Verbrauch an Kaffeebohnen ist während meines Aufenthalts explodiert. Außerdem wurde mir über die Praxis die Teilnahme am DEGAM Kongress und die viertägige Fortbildung im Rahmen der „practica“ in Bad Orb voll finanziert.

Nicht nur der Lerneffekt wird mir in Erinnerung bleiben. Ich habe während meiner Zeit in Kirchberg viele neue Freundschaften geknüpft, die hoffentlich über mein PJ hinaus andauern werden. Am Ende wurde ich praktisch vom Team „adoptiert“ und der Abschied war gar nicht so einfach.

Zusammenfassend kann ich nach vier Monaten sagen, dass ich ein sehr gelungenes Tertial hinter mit habe: viel gesehen, viel gezeigt bekommen, viel selbständig gearbeitet und dadurch viel mitgenommen!

Jakob Jaurer

Jakob Jaurer

Meine Eltern sind vor Kurzem in den Bayerischen Wald gezogen. Es war also der reine Zufall, dass ich auf der Suche nach möglichen Famulaturen in der Allgemeinmedizin auf die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald stieß. Da war ich natürlich sehr erstaunt, als ich mich über die Lehrpaxis online informierte. Schon bei der Bewerbung per Email an Dr. Blank fiel mir auf: antwortet schnell, ist interessiert an mir und an meinen Wünschen, möchte, dass ich mir Ziele für die Famulatur setze. Außerdem vereinbarten wir einen Probetag im Sommer. Während des Probetags gewann ich schon den Eindruck, dass man als Student in der Praxis sehr viel eigenständig tut und hier definitiv etwas lernen kann.
Im Januar begann meine eigentliche Famulatur. Am ersten Tag ging ich noch Vormittags mit Dr. Blank mit. Er erklärte viele seiner Arbeitsschritte und es bestand immer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Fragen sind ohnehin wichtiger Teil der Praxis: immer wieder setzen sich Ärzte und Studenten zusammen – sei es in der Praxis oder per Skypekonferenz zwischen den einzelnen Standorten. Wir besprechen schwierige Fälle, alle möglichen Fragen, aber auch Paper aus JAMA zu evidenzbasierter Medizin.
Von Anfang an fühlte ich mich im ärztlichen Team willkommen. Auch alle Arzthelferinnen waren sehr freundlich, hilfsbereit und erklärten viel – zum Beispiel über die Versorgung von Diabetespatienten. Ganz klar – Neugierde wird in der Praxis belohnt.
Die Arbeit in der Praxis war vielseitig. Einerseits, weil man von Anfang an Patienten alleine untersucht. Andererseits, weil man in verschiedenen Praxen mehrere Ärzte und deren Arbeitsweisen kennenlernt. Nicht zuletzt kommen Patienten wirklich mit allen möglichen Beschwerden und Problemen in die Praxis. Vor allem aber mit Grippe und Rückenschmerzen. Ich fand das aber gut, mich ernsthaft mit den alltäglichsten Krankheiten auseinanderzusetzen und zu sehen, wie wichtig es für Patienten ist, dass der Arzt dem Patienten verständnisvoll und einfühlsam begegnet.
Insgesamt war ich nur drei Wochen in der Praxis. Rückblickend empfinde ich als lehrreiche Zeit. Gerade mache ich PJ in der Chirurgie und mir fällt auf, wieviel leichter es mir fällt, auf Patienten einzugehen.

Antonia Kubitscheck

Antonia Kubitscheck

Ich bin eine Medizinstudentin aus München und habe gerade mein siebtes Semester an der TU abgeschlossen. Durch die Teilnahme am „Perfekten Sommer“ bin ich zur Hausarztfamulatur bei Herr Dr. Blank gekommen.

Mir wurde eine sehr schöne, große Wohnung auf dem Berg neben der Kirche zur Verfügung gestellt. Die Glocken läuten zwar schon ab sechs Uhr, sind aber überraschend dezent und für den Ausblick lohnt sich die Lage allemal. Da es kein Internet oder Fernseher gibt, ist es ratsam sich viel zum Lesen und einen Laptop mit Filmen mitzubringen. Eine kleine Büchersammlung ist auch schon vorhanden, da bisher jeder Student ein gutes Buch dem Bestand hinzugefügt hat.

Die Praxis in Kirchberg ist gut zu Fuß zu erreichen, wie auch die Einkaufsmöglichkeiten im Ort, obwohl man bei der Einkaufsmenge bedenken muss, dass man auf dem Weg zur Wohnung einen kleinen Berg zu erklimmen hat. Das Praxisteam war meine ganze Famulatur über freundlich und hilfsbereit. Am ersten Tag habe ich Dr. Blank im Umgang mit den Patienten beobachtet und durfte nachuntersuchen. Schon ab dem zweiten Tag bin ich alleine zu den Patienten gegangen. Nachdem ich eine Anamnese erhoben und eine körperliche Untersuchung durchgeführt hatte, stellte ich Dr. Blank den Patienten vor. Durch die anschließende Kontrolle meiner Schlussfolgerungen, konnte ich recht schnell Fortschritte in der Beurteilung u.a. der Lunge, der Ohren, des Rachens und des Allgemeinzustandes machen. Ich lernte schnell, dass man nicht nur zwischen Vorhandensein oder Fehlen von Rasselgeräuschen und Giemen/Brummen unterscheidet und was vesikuläres, ziehendes, dunkles Atmen wirklich bedeutet. Mir fiel es mit der Zeit auch immer leichter im Patientenkontakt strukturiert vorzugehen und die gefährlichen Verläufe zu bedenken.

Nebenbei durfte ich Fäden entfernen, Patienten nach- oder vorschallen, Infusionen anhängen und EKGs schreiben und vorbefunden. Vor allem In der Sonographie habe ich deutliche Fortschritte machen können. Die Tatsache, dass auch Kinder zu den Patienten zählen, ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil der Landhausarztfamulatur.Antonia Sono3

Nach der Vormittagssprechstunde machten wir teilweise noch Hausbesuche, die in jedem Fall für die Beurteilung von dementen, multimorbiden Patienten hilfreich waren. Sehr lehrreich war auch die Mitfahrt mit einer der Medizinischen Fachangestellten (MFA), Petra, die sich u.a. um die Wund-/Ulkusversorgung der Diabetiker kümmert. Alle drei Ärzte in der Praxis in Kirchberg, Dr. Blank, Dr. Oldenburg und Dr. Takacs, waren sehr bemüht und haben mich immer mehr als freundlich behandelt. Es war allgemein ein unkompliziertes und entspanntes Miteinander.

In meiner Freizeit habe ich hauptsächlich gelesen und Filme angesehen. Die ruhigen Abende kamen mir nach dem vollen Semester auch ganz gut gelegen.  Ab und zu war es möglich, sich ein Auto zu leihen. Ein Besuch in Passau ist sehr zu empfehlen, das nur 40 Autominuten entfernt liegt. Sommer wie Winter ist für Outdoorsportler auch jede Menge geboten, ich war beispielsweise  Rodeln.  Es stellte auch kein Problem dar über ein paar Tage Besucher in der Wohnung einzuquartieren, sodass mir mein Freund und meine Mutter Gesellschaft leisten konnten.

Kurzum war es eine tolle Zeit, in der ich viel lernen durfte. Wer einen guten Einblick in die Tätigkeit eines Landarztes gewinnen und gleichzeitig viel an Erfahrungen sammeln möchte, ist hier am richtigen Platz.

Sascha Purman

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1. Woche

Nun bin ich seit einer Woche im Bayrischen Wald und habe viele herzliche Menschen kennengelernt. In der ersten Woche habe ich mir das Ziel gesetzt, die Praxis kennenzulernen. Dieses Ziel zu erreichen, war schwieriger als gedacht, da die Praxis auf vier Standorte verteilt ist und ich in dieser Woche mindestens einmal an jedem Standort war. Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine große Praxis ist mit sehr vielen MFA und vielen Ärztinnen und Ärzten ist. Jede MFA hat auch Schwerpunkte, beispielsweise die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus oder Depression. So ganz den Überblick habe ich bisher noch nicht, aber ich freue mich schon darauf, auch diese Seite der Allgemeinmedizin besser kennenzulernen.

Ich war wieder erstaunt, wie breit das Fach ist, obwohl ich die Vielfalt schon von der Famulatur in der Allgemeinmedizin kannte. Die Patientinnen und Patienten besuchen die Praxis wegen einer Vielzahl von Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen. Insgesamt ist es hierbei allerdings wichtiger, die Erwartungen der Patienten in die Therapieüberlegungen einzubeziehen, als zu versuchen, eine möglichst exakte klinische Diagnose zu stellen.

Gut ist das Lehrkonzept in der Praxis: Man ist prinzipiell sehr frei, was man wann lernen möchte und auf welche Weise. Ich fand es gut, einfach bei einem Gespräch dabei zu sitzen und den Arzt als Rollenvorbild zu nutzen. Jeder Arzt und jede Ärztin hat ihren eigenen Stil und bringt die eigene Persönlichkeit in die Arbeit ein, ohne dass man sagen könnte, der eine macht es besser als ein anderer. Für mich wird es in den kommenden vier Monaten also auch darum gehen, mich auszuprobieren und meinen eigenen Stil zu finden. Ich fand es auch gut, mich vorher mit dem Patienten zu unterhalten und dem Arzt dann das Beratungsanliegen zusammen mit dem Patienten vorzustellen. Hierbei konnte ich lernen, stets um eine gute Gesprächsatmosphäre bemüht zu sein.

Neben der ganzen Action in der Praxis läuft zudem gerade noch der „Exzellente Winter“ und ich konnte dort an den Nachmittagsveranstaltungen teilnehmen. Alles in Allem eine Woche mit viel Stress, aber positivem Stress: Eustress.

2. Woche

Meine zweite Woche im Bayrischen Wald geht nun zu Ende. Drei Erfahrungen, die ich in dieser Woche gemacht habe, möchte ich hervorheben: Die Untersuchung von erkrankten Kindern, die erlebte Anamnese und die tägliche Konfrontation mit dem Ultraschallgerät.

Ich hatte erwartet, dass man in der Allgemeinmedizinpraxis nur wenige Kinder sieht. Ich hatte angenommen, dass Eltern lieber zu einem Kinderarzt gehen, wenn es einen Kinderarzt in der Nähe gibt. So war ich angenehm überrascht, wie viele Eltern mit Ihren Kindern in die Praxis kommen. Manche sagen, dass kranke Kinder „schwierig“ zu untersuchen sind, was vielleicht auch stimmt, und so hatte ich in dieser Hinsicht vielleicht einfach nur Glück: In dieser Woche konnte ich gleich mehrere Kinder untersuchen und muss sagen, dass die Arbeit mit Kindern einfach sehr viel Spaß macht.

In dieser Woche habe ich auch das erste Mal das erfahren, was man als erlebte Anamnese bezeichnet. Die Patientin betrat den Raum und sie lächelte, als sie mich sah. Sie war schon in der letzten Woche in der Sprechstunde und klagte über Rückenbeschwerden, wie ich mich erinnerte. Sie hat drei Kinder, alle erwachsen, zwei wohnen in der Region, eine Tochter ist nach Norddeutschland gezogen. Sie hat oft Rückenbeschwerden, sitzt viel in Ihrem Beruf und fährt gerne Fahrrad. Davon findet man nichts in der Krankenakte, es ist die gemeinsame Geschichte, die man als Arzt mit dem Patienten teilt.

Ob man will oder nicht, wer hier in der Praxis famuliert oder PJ macht wird sich mit dem Ultraschall beschäftigen müssen. Hier habe ich diese Woche ein paar Fortschritte gemacht. In der Praxisbibliothek habe ich das Buch „Sonographische Diagnostik“, herausgegeben von Kremer und Dobrinski, gefunden. Die notwendige Theorie zu den praktischen Übungen, den Ultraschalluntersuchungen, die ich selbst an Patientinnen und Patienten unter Supervision durchführen konnte.

3. Woche

In dieser Woche hatte sich ein junger Patient mit Schmerzen in beiden Knien vorgestellt. Die Schmerzen zogen von caudal der Kniescheibe nach lateral, der Patient war zwischen 12 und 16 Jahren und sportlich aktiv. Typisch für einen Morbus Osgood-Schlatter. Ich habe es trotzdem nicht erkannt, obwohl wir in der ersten Woche schon mal einen ähnlichen Fall hatten. Sehr wahrscheinlich bleibt mir diese Erkrankung diesmal besser in Erinnerung, da ich bei diesem Patienten Anamnese und körperliche Untersuchung durchgeführt habe, bevor wir zusammen mit Dr. Blank weitere Diagnostik und Therapie besprochen haben.
Im Gedächtnis wird mir auch ein weiter Fall bleiben: Es stellte sich eine Patientin mit stark geschwollenen Fingergrund- und Fingermittelgelenken vor – der Schub einer rheumatoiden Arthritis. Die Frage, welche Gelenke bei dieser Erkrankung betroffen sind, werde ich mir durch die persönliche Erfahrung mit dieser Patientin so schnell nicht wieder stellen müssen.

4. Woche

Am Mittwoch waren wir bei einer regionalen Fortbildungsveranstaltung. Hier informieren und diskutieren die Assistenzärzte der Gemeinschaftspraxis Review-Artikel mit interessierten Allgemeinmedizinern der Region. Zufälligerweise war ein Thema der Einsatz von Colchicin in der Gicht-Therapie – ein Thema, mit dem ich mich am Tag zuvor schon beschäftigt hatte. Eine Patientin stellte sich erneut mit einem Gichtanfall, der auf die bisherige Therapie mit NSAID und Cortison schlecht ansprach, vor. Aufgrund der Nebenwirkungen von Colchicin hatten wir uns bei dieser Patientin dagegen entschieden, ihr dieses Medikament als Therapie vorzuschlagen. In der Fortbildungsveranstaltung wurden wir in unserer Entscheidung bestärkt, auch wenn man anerkennen muss, dass der Einsatz, beispielsweise bei der Einstellung eines Patienten auf Allopurinol, durchaus sinnvoll sein kann.