Erfahrungsberichte

Dorian Gottwald

Praktisches Jahr

19.11.2018 - 11.03.2019

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Sarah Moschko

Praktisches Jahr

19.11.2018 - 11.03.2019

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Rebecca Ebners

Praktisches Jahr

02.07.2018 - 28.09.2018

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Georg Melzer

Praktisches Jahr

02.01.2018 - 15.04.2018 

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Eva Heuer

Praktisches Jahr

20.11.2017 - 09.03.2018

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Peter Philipsborn

Praktisches Jahr

10.07.2017 - 27.10.2017

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Wibke Janhsen

Praktisches Jahr

03.07.2017 - 20.10.2017

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Theres Fuchs

Praktisches Jahr

21.11.2016 - 12.03.2017

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Sabine Höhn

Praktisches Jahr

29.06.2016 - 09.09.2016

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Julia Friedel

Praktisches Jahr

Frühjahr 2016

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Lisa Orthuber

Praktisches Jahr

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Jakob Jaurer

Famulatur Allgemeinmedizin

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Antonia Kubitscheck

Famulatur Allgemeinmedizin

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Dorian Gottwald

  • 19.-23.11.2018
  • 26.-30.11.2018
  • 03.-07.12.2018
  • 10.-14.12.2018
  • 17.-21.12.2018
  • 27./28.12.2018
  • 02.-04.01.2019
  • 07.-11.01.2019

Die Erste Woche in Kirchberg im Wald.

Noch etwas aufgeregt und angespannt stehe ich vor einem breit grinsenden großen Mann, Dr. med. Wolfgang Blank, welcher einen charmant über seinen Medizinethos und wissenschaftsgetreues Arbeiten als Arzt mit Evidenz basierter Medizin erzählt. Man merkt ihm tagtäglich an, dass er gerne etwas von seiner Arbeitsweise an die nächsten Generationen weitergeben möchte und es ihm darum geht, was er später hier von seiner Arbeit Anderen überlässt und welche Arbeitsweise von hier in die Welt getragen wird.

Ich bin nicht alleine hier, auch Sarah Moschko teilt sich mit mir eine WG und die Vorteile der Lehrpraxis im Bayrischen Wald. Vormittags gehen wir mit Dr. Blank oder mit einem seiner angestellten motivierten Ärzten, Dr. Takacs, Dr. Mendl, Dr. Machac, oder Dr. Kleudgen mit und lernen viel bei deren Patientengespräche und medizinischen Diagnostik und Therapie. Teilweise darf man bereits zu Beginn je nach eigener Motivation und Willen schon eigene Anamnesen und körperliche Befunde erheben oder schon mal vorschallen, um die Patienten sodann einen Arzt vorzustellen und das weitere Procedere zu besprechen. Es wird sehr darauf geachtet, ob man den Patienten sieht, wahrnimmt und als ganzen Menschen ernst nimmt. Beispielsweise wird bei der Patientenvorstellung sehr darauf geachtet, dass man den Patienten im Kontakt mit diesen vorstellt. Daraus ergibt sich eine sehr angenehme menschliche Stimmung.

Die gegenseitigen Rückmeldungen und der Kontakt zwischen Ärzten, MFAs und Arzthelferinnen sind sehr angenehm. Die Menschen hier loben sich gerne gegenseitig und weisen sich auf angenehme Art auf mögliche Fehler hin. Man hat den Eindruck eine gute Lernzone hier zu haben, um das Arzt sein zu erlernen. Die Arzthelferinnen sind sehr gut ausgebildet und für bestimmte Themen jeweils Experten, wie beispielsweise für Wundversorgung, Belastungs-EKG etc. Auch von ihnen kann man sehr viel lernen. Montags finden Fortbildung alla SkypFormat mit Pjlern als Protokollführern statt; Dienstag und Mittwoch Fallbesprechungen; Mittwochs Journal Club, hier bekommen wir sogleich Studien zugeteilt, welche wir nächste Woche vorstellen dürfen.  Man hat die Möglichkeit hier je nach eigener Motivation sehr viel zu lernen und sich fortzubilden. Dr. Blank betont immer wieder die Eigenverantwortung des Lernerfolges, welchen er gerne begleitet und fördert. In der großen Mittagspause oder am Abend kann man gemütlich in der WG gemeinsam Kochen und Geschehnisse des Tages besprechen. Ich bin froh hier nicht der einzige Pjler zu sein. Die erste Woche fahre ich mit dem Fahrrad alle Strecken zwischen den Praxen ab. Im späten Herbst ist es ganz schön kalt und es schneit bereits ein bisschen. Ich bin froh die rechte Ausrüstung mit Gravel-Bike, dicken Winterstiefeln, Regenhose, Regenjacke und Licht zu haben. Das Fahrradfahren durch die Natur macht großen Spass, wobei die Beinmuskeln am WE doch etwas steif sind. Ein Auto im Winter ist hier doch auch nicht schlecht. Man kann sich aber auch jederzeit eine Mitfahrgelegenheit im zuvorkommenden Praxisteam suchen.

Nachdem ich meinen Helm in München vergessen habe, leiht mir Frau Dr. med. Takacs einen Helm aus. Frau Kölbl suchte mir zudem gute Reiserouten, um auf schönen, nicht zu befahrenen Straßen von Praxis zu Praxis zu kommen. Dr. Blank informiert auch jederzeit gerne über Freizeitaktivitäten und vermittelt gerne Kontakte, um beispielsweise mal mit zum Jagen zu gehen oder Langlaufen zu gehen. Man hat den Eindruck das ganze Praxis-Team ist an dem Wohlergehen und Lernerfolg der Pjler interessiert. Ich fühle mich immer wohler mein erstes Tertial hier zu bestreiten.Die Tage vergehen im Nu.

Eine neue Woche in Kirchberg im Wald.

Langsam spielt man sich mit Anamnese und körperlicher Untersuchung ein. Auch die
Dokumentation und Patientenvorstellung läuft routinierter ab. Montag Protokoll über das Teamgespräch, Impfmanagement geführt. Man bleibt wach dabei und nimmt mehr mit, als würde man einfach nur zuhören. Dienstag und Donnerstag die Fallvorstellungen sind spannend. Durch die Fälle nimmt man nochmal mehr Knowhow zu den jeweiligen Differentialdiagnosen, Diagnostik und Evidenz basierter Therapie mit. Der Journal Club am Mittwoch war sehr aufregend, ich durfte eine Studie zu Aspirin in der Primärprophylaxe und deren negative Auswirkungen auf das Krebsrisiko und Blutungsrisiko vorstellen, das ganze vor einer Gruppe gestandenen Ärzten. Ich hatte gutes Lampenfieber. Nach dem Durchgang und positiven Feedback ist das Ganze für mich ein positiver Stress gewesen. ;)

Die Abende nach der Arbeit nimmt uns Dr. Blank mit seiner Tochter mit ins Kino und außerdem
organisiert er uns Langlaufskier und Skating-Skier. Ich bin sehr gespannt darauf diese bei guten Schneeverhältnissen auszuprobieren.
Die Wochen verfliegen wie im Flug, freue mich auf die nächste Woche in einem tollen Team

Und wieder eine neue Woche in Kirchberg im Wald.

Meine Mitbewohnerin und Kollegin, Sahra, hat es leider Erkältungstechnisch heftig erwischt.
Am Montag habe ich wieder in der Teambesprechung Protokoll zu Impfmanagement II geführt. Diesmal wurden die einzelnen Impfungen durchgesprochen. Zuhause haben wir uns die einzelnen Impfungen nochmal en Detail angeschaut und wiederholt. Wir entdecken immer mehr, wie gut uns das gemeinsame Lernen tut. Ich bin sehr froh nicht der einzige PJler zu sein. Auch wieder die
Fallbesprechungen am Dienstag waren sehr spannend.

Das Ärzteteam, welches sich hier interprofessionell fortbildet und sich mit aktuellen Studien up to date hält, ist einfach klasse. Donnerstag hat der Halsschmerz auch mich erwischt ich gehe früher nach Hause und versuche mich gesund zu schlafen. Freitag wieder in der Arbeit. Die Erkältung nervt, hoffentlich bin ich sie nächstem Woche los. Immer schön die Hände vor nach dem Patientenkontakt zu desinfizieren lässt sich sehr empfehlen. Mich hat es leider trotzdem erwischt. Jeden Tag, den man hier nicht in der Praxis mit dem Team verbringen kann, ärgert einen.

Ich werde das WE ruhig machen. Dr. Blank hat uns wieder, total lieb, zu einem Glühwein Abend in seiner Siedlung eingeladen, leider konnten wir beide krankheitstechnisch nicht. Mittwochabend hat mich Dr. Blank mitgenommen zu einem Quälitätszirkel. Toller und netter Austausch unter Kollegen. Jeder bekommt Fragen mit von seinen Kollegen, die dann bei dem nächsten Termin jeweils nach Heimarbeit geklärt werden. Sehr angenehme Stimmung. Das Ärztepaar Dr. Haberer und Dr. Stern haben mir jeweils nochmal angeboten eine Hospitation machen zu dürfen. Man ist hier wirklich sehr um die PJler bemüht. Einfach klasse! Auf nächste Woche.

Vielleicht mache ich sodann meine ersten Hospitationstag außerhalb.

Jede Woche erlebt man doch trotz ähnlicher Struktur mit den Fallbesprechungen am Dienstag/Donnerstag und der Fortbildung am Montag immer wieder Neues. Jeder Arzt arbeitet etwas anders und hat dementsprechend unterschiedliches Patientenklientel. Jeder Arzt ist auf seine Weise klasse. Inzwischen war es mir auch möglich bei Dr. Oldenburg mitzugehen und Patienten zu übernehmen. Hier geht es etwas zackiger zu.

Man sieht viel an einem Tag, aber die Zeit pro Patienten ist etwas kürzer. Schilddrüsen und Abdomen Sonografie, sowie die Check-ups laufen inzwischen auch recht routiniert ab. Draußen liegt eine Menge Schnee. Sarah und ich sind am freien Nachmittag inzwischen auch mal Bouldern gefahren. 50 Minuten von hier entfernt gibt es eine gute Boulderhalle in Straubing. In Deggendorf kann man auch in einer DAV-Kletterhalle klettern gehen. Im Winter gibt es hier eine Tradition, dass von Tag zu Tag jemand anderes sein Fenster schmückt und Freunde/Bekannte auf einen Glühwein, sowie zu diverse Leckereien lädt. Frau Dr. Sujova hat uns am Mittwoch dazu geladen. Die Zeit verfliegt im Nu

Jede Woche erlebt man doch trotz ähnlicher Struktur mit den Fallbesprechungen am Dienstag/Donnerstag und der Fortbildung am Montag immer wieder Neues. Jeder Arzt arbeitet etwas anders und hat dementsprechend unterschiedliches Patientenklientel. Jeder Arzt ist auf seine Weise klasse. Inzwischen war es mir auch möglich bei Dr. Oldenburg mitzugehen und Patienten zu übernehmen. Hier geht es etwas zackiger zu. Man sieht viel an einem Tag, aber die Zeit pro Patienten ist etwas kürzer. Schilddrüsen und Abdomen Sonografie, sowie die Check-ups laufen inzwischen auch recht routiniert ab. Draußen liegt eine Menge Schnee. Sarah und ich sind am freien Nachmittag inzwischen auch mal Bouldern gefahren. 50 Minuten von hier entfernt gibt es eine gute Boulderhalle in Straubing. In Deggendorf kann man auch in einer DAV-Kletterhalle klettern gehen. Im Winter gibt es hier eine Tradition, dass von Tag zu Tag jemand anderes sein Fenster schmückt und Freunde/Bekannte auf einen Glühwein, sowie zu diverse Leckereien lädt. Frau Dr. Sujova hat uns am Mittwoch dazu geladen. Die Zeit verfliegt im Nu.

Wieder eine neue Woche in Kirchberg im Wald. Montag haben wir den Symptomenkomplex Blut im
Stuhl durchgesprochen und ich Protokoll geführt. Im Laufe der Woche erhalten wir noch einige E-
Mails von Dr. Machac und Dr. Blank, welche mit Begeisterung, en Detail Fragen diskutieren. Anna, Dr.
Blanks Tochter, hat uns zum Langlaufen mitgenommen, eine Knieschonende Sportart, welche hier
weit verbreitet ist. Mit ihren Technikanweisungen kommt man tatsächlich ganz gut vom Fleck. Der
Outdoor-Ausdauersport macht richtig Spaß! Die Praxis hat auch an den Feiertagen geöffnet. Ich bin
schon sehr auf den 27./28. gespannt, zu jenen Tagen sind wir auch eingeteilt.

Die letzten beiden PJ-Tage in 2018. Zwischen den Feiertagen geht man nicht gerne zum Arzt, nur
wenn es sein muss. Dementsprechend hatte ich den Eindruck einer etwas ernster erkrankten
Patientenklientel gegenüberzustehen. Auch wenn es zwischen den Feiertagen liegt, bin ich froh diese
zwei Tage mitgenommen zu haben. Es gibt viel zu lernen. Die Stimmung im Team auch bei den
Arzthelferinnen ist toll. Steffi hat uns nach Bischofsmais zum Pizza-Essen eingeladen. Sie arbeitet dort
im Nebenjob. Das hat mich sehr gefreut. Vielleicht schaffen wir dem im neuen Jahr nachzukommen.

Diese Woche nach Silvester beginnt bereits mittwochs. Wir sind wieder zu zweit bei Dr. Blank
eingeteilt. Dr. Blank übergibt uns inzwischen mehr Verantwortung und kontrolliert nicht mehr jeden
Befund nach, wie beispielsweise von uns befundete unauffällige Otoskopien oder Rachenbefunde.
Zusätzlich habe ich an einem Tag eine Studentin im 3. Semester mit dabei, Dr. Blanks jüngste Tochter.
Die Rolle zu wechseln und einer anderen Medizinstudentin am Anfang des Studiums ab und zu etwas
erklären zu dürfen und zum eigenen Befunden bei der körperlichen Untersuchung oder zum
Sonografieren anzuregen, macht Spaß. Nach mehr als einem Monat in der Gemeinschaftspraxis hat
man den Eindruck sich langsam an die Mitarbeiter und Ärzte zu gewöhnen, es ist ein großartiges
Team mit viel Humor. An einem Abend fahren wir Pjler mit Dr. Blanks ältester Tochter und Dr. Blank
selber zum Skaten nach Klingenbrunn. Skaten ist ganz schön anstrengend, macht aber auch große
Freude. Dr. Blanks älteste Tochter, Anna erklärt einem wieder sehr gerne und geduldig die Technik.
Einfach klasse, man fühlt sich hier sehr wohl!

Wieder eine neue Woche. Ich habe den Eindruck, dass man hier eine Menge auf medizinischer Ebene
mitnehmen kann. Onlineplattformen wie Amboss oder Bücher wie Endspurt, welche man zum
schriftlichen Examen durchgewälzt hat, sind doch nochmal anders als der lebende Patient mit
multiplem Beschwerdebild. Nicht immer ist es einfach eine Diagnose zu stellen. Unsicherheiten
auszuhalten ist nicht immer einfach. Mit Dr. Machac, Facharzt für Innere Medizin, haben wir eine
Patientin mit rötlich livider Verfärbung des Beines im Alten- Pflegeheim gesehen. Nun zu
unterscheiden ob es durch die periphere Verschlusskrankheit oder doch durch ein Erysipel bedingt
ist, fiel mir doch etwas schwer. Zum Glück haben wir Ärzte im Hintergrund, die jeden Patienten
nochmal mitbeurteilen. Zusätzlich bieten die Fallbesprechungen eine zusätzliche Sicherheit für die
dort arbeitenden Ärzte. Unterstützung ist für mich im gesamten Team spürbar. Und jeder Arzt hat
seine eigenen Stärken. Sei es Frau Dr. Takacs, kurz vor der Facharztprüfung, mit ihrer empathischen
Art Patienten zu betreuen; Dr. Machac mit großer klinischen Erfahrung in der Inneren Medizin, Dr.
Oldenburg mit zusätzlich großem Wissen in der physikalischen und rehabilitativen Medizin; Frau Dr.
Sujova, Ärztin in Weiterbildung mit einer sehr sorgfältigen Arbeitsweise; Frau Dr. Mendl, Fachärztin
der Allgemeinmedizin, sehr bescheidene und sehr kompetente, sorgfältig arbeitende Ärztin (Sie hat
auch die von mir vorgestellte Studie zu Aspirin für das Team erarbeitet gehabt); Frau Dr. Kleudgen,
Fachärztin für Neurologie, sehr strukturierte und bedachte Arbeitsweise; Frau und Herr Dr. Schoder
(Allgemeinärzte), welche inzwischen aus dem Ruhestand die Montagsfortbildungen mit ihrem großen
Erfahrungsschatz mitbegleiten; Und ganz zu schweigen von Dr. Blank, der sich sehr für das
Wissenschaftliche Arbeiten, die Lehre und die Teamarbeit der Gemeinschaftspraxis einsetzt und mit
Dr. Oldenburg zu den sehr erfahrenen Ärzten zählt. Auch andere Ärzte sind natürlich an der
Gemeinschaftspraxis beteiligt, deren Arbeitsweise ich noch nicht begleitet habe.
Zusätzlich lernt man Studien bei der Teambesprechung zur Vorbereitung des Journal Clubs kritisch zu
beurteilen.
Für meinen Lernprozess merke ich, dass es wichtig ist eigene Handlungsweisen und daraus
resultierende Schlussfolgerungen offen zu hinterfragen. So sind meine praktischen Fertigkeiten,
welche ich in dem Skills Lab Erlangen erlernt habe, in der Praxis von Vorteil, aber auch in bestimmten
Aspekten der Aussagekraft genauer zu betrachten. Jede Untersuchungstechnik hat nämlich mit
seiner jeweiligen Sensitivität und Spezifität auch Einschränkungen und unterschiedliche
Gewichtungen. Dr. Blank hat uns hierfür ein Buch mit wissenschaftlichen Background zur Verfügung
gestellt.
Wichtig ist es das Gesamtbild zu beurteilen: Allgemeinbefinden des Patienten, eigene Eindrücke des
Patienten, Labor, körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren, klinische Erfahrung der Ärzte
und das Evidenz basierte Wissen, welches wir in Studien und an der Universität gelehrt bekommen.
All dies ergibt ein Gesamtbild, aus welchem wir Entscheidungen treffen können.
Sarah und ich haben einen Patienten untersucht und dokumentiert, welcher einen Antrag auf
Erhöhung des Prozentsatzes für den Grad an Behinderung bei der VdK beantragt hat. Er litt unter
chronischen Rücken-, Knie-, und Schulterschmerzen. Wir durften ihn auf Aufforderung von Dr. Blank
orthopädisch untersuchen. Diese Untersuchung wurde mit den täglichen Einschränkungen und
speziellen Beantwortung von Fragestellungen, wie die Anzahl der Injektionen, von uns dokumentiert.
Dr. Blank hatte uns dazu aufgemuntert, dies ruhig sehr sorgfältig zu machen. Entscheidend für die
VdK ist jedoch die Einschränkung im Alltag, wie Dr. Blank nochmal betont hatte. Für uns war es

jedoch sehr gut Untersuchungstechniken nochmal zu üben. Zur Abklärung bin ich auf das MRT der
Schulter im Februar gespannt.
Mein bisheriges Wissen in der manuellen Therapie, welches ich bei einem Praktikum vor meinem
Studium erhalten habe, war bei einer Patientin mit Rückenschmerzen (ISG-Druckschmerz, noch vor
Jahreswechsel) von Vorteil, um eine schmerzhafte Verklemmung des ISG mit einer sanften Technik zu
reponieren. Ihre Schmerzen hatten sich danach gelindert, jedoch ist es zu bedenken, ob dies nicht
auch durch die zuvor eingenommene Ibuprofen bedingt war. Mein Wissen in der manuellen Therapie
ist auf jeden Fall nicht ausreichend geeignet, um es an Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz
anzuwenden ohne andere Empfehlungen auszusprechen wie Schmerzmitteleinnahme und
Fortführung von Bewegung. Die AGVs sind natürlich immer zu bedenken.
Die Arzthelferinnen sind ungemein fleißig und mitdenkend. Frau Bauer hat mir beispielsweise
geholfen bei einer Patientin die richtige Dosierung für ein Neuroleptikum herauszufinden. Man ist
sehr dankbar, dass das gesamte Team mitdenkt.
Hier gibt es eine Menge zu tun, Arbeit in der Praxis, Studien für den Journal Club durchlesen und
durcharbeiten, Leitlinien der DEGAM zuhause durchlesen, Montagsfortbildungen und
Fallbesprechungen. Zusätzlich ist das Marcumar-Projekt voranzubringen.

Sarah Moschko

  • 1. - 4. Woche
  • 5. Woche

(19.11.2018 –11.03.2019) in den Gemeinschaftspraxen im Bayerwald.

Ich bin über PJ-Ranking auf der Suche nach einer Allgemeinarztpraxis mit guter Lehre im PJ auf die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald gestoßen. Schon der E-Mailkontakt ist super gut organisiert und sehr professionell. Auf meine Frage, wann ich nach dem erbetenen Probearbeiten denn Bescheid bekäme, ob ich für das PJ hier machen darf, kam die Antwort: „Wie, ob du darfst?! Wegen uns kannst du hier sofort anfangen. Es geht darum, dass du herausfindest, ob du es dir hier vorstellen kannst, damit du auch von den 4 Monaten profitierst.“ Eine Lehrpraxis, die sich für meinen Gewinn interessiert – endlich! :)

Ich bin am Wochenende vor meinem ersten Arbeitstag in die Studentenwohnung in Kirchberg eingezogen. Die Schlüsselübergabe erfolgt sehr unkompliziert, alle Anweisungen per Mail. Es ist eine 2er-WG, die ich mir mit meinem Mit-PJler teile. Am Montag gehen wir beide in die Praxis in Kirchberg und werden dort von Dr. Blank begrüßt.

Eine der Arzthelferinnen zeigt uns kurz die Praxis und dann laufen wir den ersten Vormittag beide mit Dr. Blank mit. Obwohl viel los ist und er viel zu tun hat, bleibt er immer freundlich und nimmt sich Zeit uns einige Dinge schnell zu erklären. Nach der Sprechstunde findet die sogenannte „Montagsbesprechung“ statt, die über eine Art Skype zwischen allen Ärzten der vier Praxisstandorten veranstaltet wird. Hier werden Themen besprochen, die vorher von allen Ärzten vorgeschlagen werden können. Das heutige Thema ist „Reizhusten“ und ich bin für das Protokoll verantwortlich. Wir PJler werden uns das restliche Tertial damit immer abwechseln.

Die Diskussion folgt einem den Ärzten bekannten Schema und ist sehr strukturiert und lehrreich. Bereits ab dem Nachmittag dürfen wir zu den Patienten vorgehen, Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen und die Patienten dann dem nachkommenden Arzt vorstellen. Ab dem zweiten Tag sind wir PJler meist in verschiedene Praxen eingeteilt. Nach einem kurzen Kennenlern-Mitlaufen bei dem jeweiligen Arzt, darf ich auch hier schnell zuerst alleine zu den Patienten gehen und die „Vorklärung“ machen. Durch die Einteilung an den verschiedenen Standorten, kann ich bei verschiedenen Ärzten mitlaufen und lerne ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen kennen. Insgesamt beeindruckt mich, dass alle, auch wenn sie ihre Schwerpunkte natürlich verschieden setzen, einen sehr hohen Anspruch an die Güte ihrer Therapieempfehlungen haben. Häufig werden meine Nachfragen mit Hinweisen auf Studien, Journal Clubs oder Leitlinien beantwortet.

Sehr positiv fällt mir auch die Teamarbeit zwischen allen Praxismitarbeitern auf. Die Abläufe sind sehr gut aufeinander abgestimmt und die MFAs nehmen die Ärzten viel Arbeit ab – meist völlig automatisch. Ganz „nebenbei“ haben die meisten noch zusätzliche Spezialqualifikationen wie Diabetes-Betreuung oder Wund-Management. So schließe ich mich in meiner ersten Woche mehrmals Frau Bartesch an, die mich freundlicherweise immer für die besonders spannenden Wundversorgungen dazu holt.

Ganz nebenbei nimmt sie mich auch mit dem Auto mit nach Schöfweg – es hat nämlich gleich in der ersten Woche geschneit und seitdem steht mein Fahrrad in der Garage… Nur ein kleines Beispiel für die unglaublich freundliche und offene Art mit der wir Pjler vom gesamten Team behandelt werden. Mittwochabend dürfen wir bei einer weiteren Online-Besprechung dabei sein. Diesmal: Journal Club. Beteiligt sind nicht nur die Ärzte der vier Praxisstandorte, sondern auch einige weitere Niedergelassene. Jeder Arzt stellt eine Studie vor. Anschließend gibt es eine kleine Diskussion und es wird ein gemeinsames Fazit formuliert. In der Woche darauf werden die besprochenen Studien bei einer Präsenzveranstaltung in Regen für alle Niedergelassenen der Gegend vorgestellt. Wir Pjler werden jeweils einer Ärztin zugeteilt, sollen uns in deren Studie einlesen und diese nächste Woche dann vorstellen. Mein Thema ist „HCT erhöht in Studien das Risiko für weißen Hautkrebs – stellen wir deswegen alle Patienten auf eine Alternative um?“. Es kostet mich zwar ein paar Stunden Arbeit am Wochenende, ist aber durchaus lehrreich und spannend. Ich freue mich auf nächsten Mittwoch. Ab und zu sind wir PJler übrigens bei Dr. Blank auch mal zu zweit in der gleichen Praxis. Das funktioniert ganz wunderbar, da wir uns meist aufteilen und zu verschiedenen Patienten vorgehen. Als mal keine Patienten da sind, nehmen wir uns ein Otoskop und üben solange bis wir uns sicher im Umgang damit fühlen. Und tatsächlich tue ich mich danach bei den Patienten viel leichter den Trommelfellbefund zu erheben. Theoretisch gibt es in der Praxis auch Bewertungsbögen, sodass wir zusammen zu einem Patient gehen können und dann vom anderen Feedback zu unserer Kommunikation bekommen. Leider sind wir da diese Woche nicht dazu gekommen, aber das wird sicher auch noch spannend.

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit meiner ersten Woche, habe schon mehr gelernt als erwartet und fühle mich gut im Team aufgehoben. Zu viel anderem bin ich nebenbei aber übrigens nicht gekommen, aber das wird einem auch schon beim Probearbeiten ganz ehrlich gesagt und ist es auch wert!

Die zweite Woche beginnt ähnlich wie die erste: wir PJler sind beide bei Dr. Blank eingeteilt, gehen jeweils zu den Patienten vor und stellen sie dann Dr. Blank oder seinen Kollegen vor. Das Ganze läuft jetzt schon etwas flüssiger, wir teilen uns selbstständiger auf die Patienten auf, wissen, wo wir Leitlinien o.ä. nachschlagen können (für mich komplett neu, aber genial: Deximed) und bei einfacheren Fällen stelle ich fest, dass meine Empfehlungen teilweise gar nicht weit von denen der Ärzte entfernt sind. Das Thema der Montagsbesprechung lautet „Impfen“. Obwohl die Themen, die besprochen werden sollen, recht breit sind, wird schnell klar, dass der Umgang mit Impfgegnern bzw. -kritikern alle sehr beschäftigt und so wird hierauf das Hauptaugenmerk gelegt. Aus studentischer Sicht ist es sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich die verschiedenen Ärzte mit dem Thema umgehen. Ichnehme für mich mit, mir an wirklichen Impfgegnern nicht die Zähne auszubeißen, sondern lieber schwankende Patienten mit ihren Sorgen ernst zu nehmen und hier Informationen zu bieten (z.B. gesundheitsinformation.de), die sie zumindest von den für sie wichtigsten Impfungen überzeugt. Eine weitere spannende Besprechung haben wir Mittwochabend im Journal Club mit den niedergelassenen Ärzten der Region. Dorian und ich stellen jeweils eine der Studien von letzter Woche vor. Ich bin zwar ein kleines bisschen nervös, aber alle sind sehr nett und es wird sehr wertschätzend und kollegial über die Inhalte diskutiert, sodass ich am Ende froh bin, die Chance gehabt zu haben, sich mal wieder etwas mit Statistik und Studienarbeit auseinander zu setzen. Trotzdem ist es auch schön, das Thema abgehakt zu haben, da die Vorbereitung und auch der Journal Club nochmal einige Stunden zusätzlich bedeuten. Vielleicht bekomme ich dafür Ende der Woche die Quittung – ich habe eine dicke Erkältung. Andererseits hat Dr. Blank schon Anfang der Woche einem Patienten gegenüber angekündigt, dass wir PJler alle zwei, drei Mal pro Tertial bei der jeweiligen Erkältungswelle mitmachen. Ich dachte ja noch, man könne ja auch mal die Ausnahme sein… - einfach nix gewohnt, dieses Studentenvolk ;)

Meine dritte Woche im bayerischen Wald ist etwas anstrengend, weil ich die Halsschmerzen die
ganze Zeit nicht richtig los werde… Ich merke, dass es mir schwerer fällt mich auf die Patienten
einzulassen und eine angemessene Haltung einzunehmen während ich selbst nicht so fit bin. Meine
Erkenntnis für diese Woche auf persönlicher Ebene: mein eigenes Befinden beeinflusst meine
Wahrnehmung und damit die gesamte Kommunikation und Beziehung mit dem Patienten – vorher
einmal tief durchatmen und eigene Befindlichkeiten vor dem Behandlungsraum lassen…
Die Mittwochsfortbildung fand ich sehr spannend, da es diese Woche ein für uns PJler neues Format
war. Statt eines Journal Clubs haben wir diese Woche eine Online-Konferenz mit einem Schilddrüsen-
Experten aus München gehabt. Es ging um die Bedeutung von Ultraschallscreening bei
Schilddrüsenknoten. Anhand von Sensitivität und Spezifität haben wir durchgerechnet, wie diese bei
der niedrigen Prävalenz von Schilddrüsenkarzinomen bei eigentlich hohen Werten (beide über 90%)
zu unglaublich vielen falsch-positiven Befunden führen. Leider werden die meisten falsch-positiven
Patienten aus übergroßer Sorge dann unnötigerweise operiert und entsprechend muss ein gewisser
Anteil anschließend mit den OP-Komplikationen leben. Tatsächlich ist die Zahl der durch unnötige
Schilddrüsen-OPs Geschädigten größer als die Zahl der durch richtig-positiven OP-Indikation
Geretteten. Ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie wichtig die quartäre Prävention in der
Hausarztpraxis ist.

Ich starte mit viel Elan in die Woche, da ich endlich wieder fit bin. Die ersten beiden Tage sind wir beiden PJler mal wieder zusammen bei Dr. Blank eingeteilt. Ich finde es nach wie vor toll einen Mitstudenten da zu haben, weil man zum einen auch viel voneinander lernen kann (in meinem Fall lerne ich viel Ortho und manuelle Therapie von Dorian) und sich zum anderen gegenseitig Feedback geben kann. Zweiteres unterstützt Dr. Blank zusätzlich, indem er gezielte Beobachtungsaufgaben stellt. Damit ermöglicht er es sehr geschickt auch die kritischeren Feedback-Punkte

herauszuarbeiten, da man als Student irgendwie ja schon dazu neigt, eher positives Feedback zu geben. In der Montagsbesprechung geht es dieses Mal um Otitis media. Mittlerweile werden meist wir Studenten zuerst aufgefordert, das zu sagen, was wir wissen und anschließend werden wir durch die Assistenz- und Fachärzte ergänzt. Diese Woche schreibe wieder ich das Protokoll und durch die Beschäftigung mit der Besprechung im Nachhinein festigt sich der Inhalt. Praktischerweise kommen in der Woche auch noch einige Patienten mit Ohrenschmerzen, sodass sich gleich alles anwenden lässt. Die Mittwochsfortbildung findet diese Woche nicht statt, aber stattdessen werden wir von einer der Assistenzärztinnen Dr. Sujova zum „Adventsfenster“ eingeladen. Das ist eine Tradition hier in der Gegend, bei der jeden Tag ein anderes „Fenster“ im Dorf für alle Nachbarn und Freunde geöffnet wird – es gibt Kinderpunsch, Glühwein und Plätzchen. In diesem Fall standen wir ganz gemütlich um eine Feuerschale vor dem Garten und haben die Weihnachtsstimmung im schneebedeckten Bayerwald genossen. Danke!

KW51 Erfahrungsbericht 5. Woche

Das Highlight dieser Woche ist eindeutig nicht-medizinischer Natur: mein erstes Mal Langlaufen!
Anna, die Tochter von Dr. Blank nimmt uns mit nach Klingenbrunn, wo es eine prima Trainingsloipe
inklusive Flutlicht gibt. Ich bin die ganze Woche ziemlich nervös, weil ich als einzige von uns dreien
noch nie Langlaufen war, aber die Loipe ist wirklich perfekt, weil sie so übersichtlich ist, dass man
auch in seinem eigenen Tempo laufen kann, ohne gleich zu vereinsamen ;) Außerdem haben wir mit
Anna die perfekte Begleiterin, weil sie nicht nur unglaublich nett und geduldig ist, sondern auch noch
Langlauflehrerin, sodass ich – obwohl „beim ersten Mal nur wichtig ist, Spaß zu haben“ – am Ende
das Gefühl habe, einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Techniken zu haben und mich
jetzt auch alleine auf die zwei dünnen Brettchen wagen würde. Vielen Dank!
Medizinisch nehme ich aus dieser Woche mit, wie wichtig es ist Patienten mit ihren Vermutungen für
die Ursache ihrer Beschwerden ernst zu nehmen. Ich habe einen Patienten, der seit Wochen
Knieschmerzen ohne vorangegangenes Trauma hat. Als ich noch vor Besprechung des MRT-Befundes
frage, was er denn glaube, woher seine Schmerzen kommen, denkt er etwas nach und nimmt dann
völlig korrekt die Diagnose seiner Meniskusläsion voraus. Außerdem habe ich einen Patienten von
letzter Woche wiedergetroffen. Er kam vor sieben Tagen mit unspezifischen Bauchbeschwerden,
hatte aber große Sorge „etwas an der Bauchspeicheldrüse“ zu haben. Von der Klinik her war eine
Pankreatitis sehr unwahrscheinlich, aber im Labor zeigten sich dann massiv erhöhte Lipase-Werte,
sodass wir ihn ins Krankenhaus einweisen mussten. In beiden Fällen hätte ich andere
Differentialdiagnosen für viel wahrscheinlicher gehalten. Ich glaube, wenn es uns wichtig ist, haben
wir Menschen doch noch eine ganz gute Verbindung zu unserem Inneren – ich werde versuchen
darauf zu hören.

Es ist Weihnachten und die Arbeitswoche besteht nur aus 27. und 28. Dezember. Uns wird
freigestellt, ob wir an diesen beiden Tagen kommen wollen oder nicht. Da ich im Januar noch zwei
Wochen in den Urlaub fahren werde entscheide ich mich zu kommen. Tatsächlich sind auch an
diesen beiden Tagen einige Patienten da und es lohnt sich vom Arbeiten/Lernen zu kommen.
Am Wochenende fahre ich das erste Mal zum großen Arber zum Snowboarden. Es ist ein kleines
Skigebiet und im Moment das einzige, das hier in der Gegend offen hat. Doch selbst hier sind einige
Pisten und Lifte mangels Schnees geschlossen. Grundsätzlich würde ich hier nicht unbedingt eine
ganze Woche Skiurlaub verbringen, aber für einen Tag, wenn man mal daheim bleibt lohnt es sich
allemal. Es ist klein, aber fein. Die Skischul- und damit Anfänger-Dichte ist allerdings recht hoch…

Das neue Jahr beginnt mit einer Dreitageswoche. Zwei Tage begleite ich Dr. Blank und einen Frau Dr.
Kleudgen. Sie ist nicht nur Fachärztin für Allgemeinmedizin, sondern auch für Neurologie. Da ich mich
nie intensiv mit Neurologie beschäftigt habe, finde ich es genial, hier in der Hausarztpraxis die
Möglichkeit zu haben, einer Neurologin bei der Arbeit zu zusehen.
Ich habe diese Woche eigentlich das Gefühl bei vielen Patienten bereits in der richtigen Richtung
vorgegangen zu sein und von Dr. Blank eher ergänzt als gänzlich korrigiert zu werden. Am
Freitagvormittag bekomme ich für mein neues Selbstbewusstsein direkt die Quittung und einen
„unklaren“ Patienten nach dem anderen. Schön, dass man als PJler immer noch einen Arzt hat, der
im Anschluss kommt und unterstützt. Aber auch schön, so zu Jahresbeginn direkt nochmal motiviert
zu werden, mehr zu lernen!

dieser Stelle möchte ich einen Freizeittipp geben =) Am Wochenende bin ich mit eine
Freund mit Schneeschuhen auf den Lusen (hinter Grafenau) gewandert. Wir haben viel
Neuschnee gehabt, sodass wir den Sommerweg nehmen konnten, der ein kleiner Pfad mitten
durch den Nationalpark ist. Nach ca. zweieinhalb Stunden und gegen Ende auch etwas
anstrengenderer Steigung kommt man oben am Gipfel an und direkt dahinter wartet eine
bewirtete Hütte auf einen. Obwohl der Weg so kurz ist, ist er landschaftlich unglaublich
abwechslungsreich und schön: man beginnt parallel zur Langlaufloipe, kommt dann auf einen
Waldweg, an der Martinsklause vorbei und durch von Menschenhand völlig unangetasteten
Wald. Sehr spannend: seit ca. 30 Jahren wird im Nationalpark bayrischer Wald wirklich gar
nicht mehr forstwirtschaftlich eingegriffen. Daraufhin hat sich der Borkenkäfer dann sehr
verbreitet und die meisten Fichten zu Fall gebracht. Meist brechen die abgestorbenen Bäume
in der Mitte, sodass man jetzt häufig circa zwei Meter hohe tote Baumstümpfe sieht und
dazwischen wächst der junge Mischwald nach – jetzt auch nicht mehr nur Fichten. Ganz
oben am Gipfel wandert man dann noch über ein Geröllfeld, dessen Steine die Magma
darstellen, die im Inneren des Berges erkaltet ist und erst später über Tektonik und Erosion
an die Oberfläche gekommen sind. Das alles eingehüllt in ein wundschönes, sanftes Weiß
bei einer Schneedecke von mindestens einem halben Meter und ganz oben sogar teilweise
einer dicken Eisschicht. Bergab haben wir dann den Winterweg (ein breiter flacher Feldweg)
genommen, um mit dem Schlitten runterfahren zu können. (Wir haben übrigens auch
Skitourengeher auf dem Sommerweg getroffen.) Absolute Empfehlung!
In der Praxis habe ich es diese Woche das erste Mal nach Rinchnach geschafft. Da ich ja
ohne Auto hier bin, ist der Transport immer nicht ganz einfach. Es gibt aber eine sehr nette
Arzthelferin, die in Kirchberg wohnt und in Rinchnach arbeitet und mich freundlicherweise
mitgenommen hat. Das Team ist auch nach 8 Wochen noch genauso hilfsbereit und
liebenswert wie am Anfang!

Rebecca Ebners

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6

Zwei der vier Praxen durfte ich bereits vor einem Jahr im Rahmen des 2-wöchigen Blockpraktikums kennen-und schätzen lernen.

Auch dieses Mal wurde ich unglaublich herzlich von Dr. Blank und seinem höchst engagiertem Team begrüßt. Darüber hinaus hatte ich das Glück, dass gerade eine eine sehr
nette Studentin für ihr Blockpraktikum angereist war. Wir konnten am Montagabend gleich das ganze Team zum Gotthardfest in Kirchberg begleiten-ein echtes Highlight!

Der erste Tag in Kirchberg verlief, wie zu erwarten, sehr ereignisreich, ich durfte mich nach kurzem Eingewöhnen gleich selbstständig auf die Patienten ‚stürzen’, sprich Anamnese und körperliche Untersuchung vornehmen. Danach nahm sich Dr. Blank Zeit, mit mir die Vorstellung der Patienten zu üben und mir eine neue Präsentationstechnik näher zu bringen.

Diese bezieht den Patient deutlich mehr in das Vorstellungsgespräch ein, indem man ihn beim Präsentieren direkt anspricht, und nicht in der dritten Person berichtet.

Die Patienten-Vorstellung erschien zunächst ein wenig ungewöhnlich, doch schon nach kurzer Zeit fühlt sich diese Methode vollkommen natürlich an ;) !

Jeden Montag nach der Vormittagssprechstunde findet eine einstündige Skype-Konferenz statt. Dieses Mal lautete das Thema: Choosing wisely: Medikamente verordnen, Unnötiges vermeiden.

Ich konnte in dieser Woche meine sehr bescheidenen Schilddrüsen und Abdomen Sonographie-Skills schulen. Nach Rücksprache mit Dr. Blank vereinbarten wir, dass ich mich jede Woche auf ein anderes Organ konzentrieren darf, auch besteht jederzeit die Möglichkeit meine Kollegen zu schallen.

Am Mittwochabend nahmen Dr. Blank und Mandy uns mit nach Grafenau um den Allgemeinmedizinern aus der Region noch einige Details zum Projekt ‚exzellenter Sommer’ näher zu bringen. Es ergaben sich interessante Diskussionen zum Thema Ärztemangel in ländlichen Gebieten.

Ein weiterer Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte ist die außergewöhnliche Betreuung der Assistenzärzte. Diese können zweimal wöchentlich in Skype-Konferenzen, schwierige oder unklare Patientenfälle schildern, welche dann im Team besprochen werden.

Am Dienstag und Donnerstag konnte ich Hausbesuche mitfahren. Bea hat mir sehr viel zum Thema Wundversorgung beigebracht und bei Petra konnte ich Einblicke im Umgang mit Diabetespatienten gewinnen.

Es besteht sogar die Möglichkeit, dass ich meine eigenen Hausbesuchspatienten betreue, sofern mein kleines "Autoproblem" (Mandy und ich haben schon einen Facebook-Aufruf gestartet) gelöst wird.

Zudem habe ich in der ersten Woche natürlich die Ober-und Assistenzärzte kennen gelernt und verschiedene Arbeitsweisen gesehen, jeder ist hier sehr bemüht und engagiert
Krankheitsbilder zu besprechen und seine Erfahrungen bzw. sein Wissen weiter zu geben. Am Wochenende habe ich das gute Wetter genutzt und die Wanderung ‚Großer Arber und
Seen von Bretterschachten‘ gemacht- sehr empfehlenswert!!

Tagebuch Woche 2

Auch die 2. Woche ist- wie die erste- sehr schnell vergangen!

Am Montag habe ich die Praxis in Rinchnach kennengelernt. Es waren wieder viele interessante Fälle zu sehen, unter anderem bin ich das erste Mal mit dem Krankheitsbild Phenylketonurie "persönlich" in Kontakt getreten.

In einem kleinen Nebensatz habe ich erwähnt, dass ich mir eventuell ein neues Stethoskop zulegen möchte. Zwei Patienten später kamen mir die Arzthelferinnen bereits mit Katalogen und Angeboten entgegen. Sie würden auch gerne für mich telefonieren und sich bezüglich Rabatten etc. erkundigen. Über so viel Engagement kann ich immer wieder staunen, solche Kollegen sind ein purer Luxus:). Am Nachmittag bin ich noch kurz zu Mandy, die mir ihr Mountainbike für die nächsten Wochen überlässt, somit hat sich meine Mobilität schon mal um Einiges erhöht! Vielen Dank dafür.

Dienstag war pAVK Tag! Mit Waltraud, welche Spezialistin auf diesem Gebiet ist, untersuchten wir einen Patient nach dem anderen, mit diesem Krankheitsbild. Ein speziell angefertigter Fragebogen unterstütze uns, Risikofaktoren für Komplikationen zu erkennen. Darüber hinaus führten wir den timed up an go-, den chair rising- und den Uhrentest durch. Die Patienten hier haben großes Glück, von so einer Expertin ‚überwacht‘ zu werden.

Um 12:30 startete dann die Skype-Konferenz zum Thema "Knieschmerz".

Am Mittwoch hat uns Dr. Blank tatsächlich mit nach Regensburg genommen. Annika (sie hat am Montag mit ihrer Famulatur bei uns gestartet) und ich konnten die Stadt im Rahmen einer exzellenten 2h Führung kennen lernen. Tolles Intermezzo;)!

Am Donnerstag war ich in Kirchberg eingeteilt- der Tag verlief patiententechnisch relativ ruhig, jedoch habe ich ein mir bisher völlig unbekanntes Krankheitsbild kennen gelernt : CDG (Congenital Disorder of Glycosilation, welches für Eltern der betroffenen Kinder eine extreme Herausforderung darstellt.
Anschließend nutzen die junge Ärztin Sheily und ich eine ruhige Minute, um mal wieder das Schallen zu üben, bis es um 12:30 Zeit für die Assistenzärzte war, Fälle vorzustellen, bei denen Unklarheiten bestehen. Dabei kann man wirklich eine Menge lernen! So langsam bekomme ich das Gefühl, annähernd einen Überblick über die Neueinstellung bzw. Anpassung der Therapie der arteriellen Hypertonie zu bekommen, die auch unter den jungen Kollegen immer wieder Fragen aufwirft.
Am Freitag war Diabetestag ;)! Petra, die Diabetes-Assistentin ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Blutzucker-und Lebensstilberatung. Gleich morgens um 7 ging es mit Hausbesuchen von ihren Patienten los, es kann sehr spannend und wichtig sein, die häusliche Umgebung der Patienten kennen zu lernen. Beeindruckt hat mich das freundschaftliche und vertrauensvolle Verhältnis, welches Petra zu ihren Patienten pflegt, sie sieht immer den Gesamtkontext der Krankheitsgeschichte und versucht sehr individuell auf sämtliche Bedürfnisse einzugehen. In der Sprechstunde in Schöfweg konnte ich sie weiter begleiten und meine unzähligen Fragen stellen.

So hat sie mir Präventionsstrategien diabetischer Füße näher gebracht und wir haben einzelne Oberflächenqualitäten (Vibrationsempfinden, Temperatur, Schmerz und Berührung) getestet, sowie die Dopplersonographie durchgeführt. Darüber hinaus überprüften wir zahlreiche Blutzuckerprotokolle und passten den gemessenen BZ Werten die Insulindosis an.

Alles in allem eine sehr spannende Woche, die ich mit einem Besuch der Stadt Krumau am Wochenende ausklingen ließ. Die Nähe zu Tschechien werde ich bestimmt noch öfter ausnutzen, da ich das Land kaum kenne.

Tagebuch Woche 3

Am Montag ging es mit der Sprechstunde in Kirchberg los, bei der Skype-Konfenz, besprachen wir
das Thema Schulterschmerz. Mir wurden einige Wissenslücken, besonders hinsichtlich der körperlichen Untersuchung bewusst, die sich zum Teil Dank dem Jama Artikel „Does this patient have Rotator Cuff Disease?“ beheben ließen. Bei so vielen verschiedenen Untersuchungstests ist es aber wirklich nicht leicht, den Überblick zu bewahren!

Geriatrisch ging es am Dienstag weiter. Mit Waltraud führte ich unter anderem Hausbesuche durch, wir nahmen in diesem Zug eine neue Patientin in das sog. LIA-Projekt auf. LIA steht für Lebensqualität im Alter. Bei diesem Betreuungskonzept, bestehend aus Physiotherapeuten, MFAs, Allgemeinmedizinern, Ergotherapeuten und Altenpflegerinnen werden ältere Patienten im ihrem häuslichen Umfeld bestmöglich betreut. Vor allem für die Angehörigen, stellt die Gewährleistung der Lebensqualität für ihre Lieben eine große Herausforderung dar. Am Dienstagabend, fand dann auch gleich die LIA Sitzung statt.

Die Patienten wurden im Team mit den oben genannten Berufsgruppen einzeln besprochen, so konnte aus vielen Perspektiven das weitere Procedere und Verbesserungsmöglichkeiten der Führung  geriatrischer Patienten besprochen werden.

Am Mittwoch konnte ich bei den Physiotherapeuten in Kirchberg hospitieren. Es war spannend zu sehen, wie unsere Verordnungen letztendlich umgesetzt werden und wie wichtig der Physiotherapeut für die Patienten ist! Ich bekam Einblicke in Lymphdrainage, manuelle Therapie, Schröpfen, Massagetechniken und durfte sogar selbst den Schlingentisch testen. Unglaublich, wie viele Verspannungen und Fehlhaltungen eigentlich durch ein bisschen Sport vermieden werden könnten.

Am Abend fand der sogenannte Journal Club statt, eine geniale Erfindung! Im Team, mit anderen niedergelassenen Kolleginnen-und Kollegen, diskutieren wir neue Studienerkenntnisse. Ziel dieses Journal Clubs ist es, Artikel, welche für den Hausarzt Praxisrelevanz haben, zu prüfen und die Ergebnisse untereinander zu besprechen. Da jeden Monat unzählige neue Artikel erscheinen, kann man schnell den Überblick über die Studien verlieren. So werden die Artikel an die Assistenzärzte verteilt und dann mit Kollegen mit langjähriger Erfahrung besprochen. Das Ganze fand im Gebäude der AOK in Regen, in sehr wertschätzender Atmosphäre statt.

Es ist immer wieder faszinierend, wenn Kollegen, mit jahrzehntelanger Erfahrung über bestimmte Patienten berichten und ihr Wissen so gezielt einbringen können. Ich durfte einen Artikel zum Thema E-Zigaretten vorstellen.

Am Donnerstag war ich mit Annika am Vormittag in Lalling und am Nachmittag in Schöfweg. Wir untersuchten wieder viele Patienten und stellten sie den zuständigen Ärzten vor. In Lalling habe ich sogar eine Internistin geschallt, welche mir noch ein paar Tipps und Tricks zu den Themen Sonographie und Ärztedasein gegeben hat.

Am Nachmittag, führte mich Dr. Kleudgen in ihr Marcumar-Projekt ein. In Zukunft sollen in der Patientenakte der CHA2DS2-VASc und HAS-BLED Score erscheinen. Dazu ist es nötig, sämtliche Daten in Excel-Tabellen einzugeben, um das Schlaganfall- bzw. Blutungsrisiko individuell zu berechnen.

Am Donnerstag Abend trafen wir uns in der Pizzeria „Griabige“ in Lalling, um Dr. Blanks 20jähriges Jubiläum als niedergelassener Hausarzt zu feiern. Ein sehr schöner Abend und ein super Start in das verlängerte Wochenende;)

Unglaublich, dass bereits 4 Wochen vergangen sind!

Diese Woche startete ich in Schöfweg. Bea ist so lieb und nimmt mich morgens und nachmittags immer mit in die Praxis, da ich sozusagen am Weg liege. Ein sehr geduldiger und netter Patient mit chronischer Osteomyelitis erklärte mir einige Details zu seinem Krankheitsbild, welches ich davor noch nie gesehen hatte.

Der Vormittag verging wie im Flug, und um 12:30 stand dann auch schon unsere Skype-Konferenz, dieses Mal zum Thema Epicondylitis an. Die Epicondylitis ist ein langwieriges aber meist selbstlimitierendes Krankheitsbild mit hoher Rezidivrate, ich habe bei der Konferenz gelernt, wie man diese Patienten untersucht und behandelt.

Den Dienstag und Mittwoch verbrachte ich gemeinsam mit der Ärztin Sheily, welche aus Honduras stammt und hier ihr Sprachdiplom absolvieren möchte, in Kirchberg. Es warteten viele Patienten auf uns, ich konnte unter anderem Wunden und Zeckenbisse begutachten. Gerade das Thema Zecken ist für viele Patienten heikel, sie kommen häufig mit großer Angst vor Borreliose. Viele berichten auch über Verwandte und Bekannte, welche schon Borreliose gehabt hätten. Inzwischen kann ich die Patienten beruhigen und sie über Verlauf und Behandlung dieser Erkrankung aufklären. Einige sind ganz schön erstaunt, wie harmlos der Verlauf in der Regel ist.

Immer wieder faszinierend, ist Dr. Blanks raffinierte Technik zu impfen;) , gerade Kinderärzte könnten sich da eine Scheibe abschneiden, es gibt nie Tränen (weder bei jung noch alt), oft fragen die Patienten, wann es los geht, wenn der ganze Spuk schon wieder vorbei ist! Der Trick besteht darin, den spitzen Schmerz der Kanüle, durch einen dumpfen Schmerz (ausgelöst durch kräftiges Palpieren des Schultergelenks) zu überlagern.

Der Donnerstag verlief ungewöhnlich ruhig in Kirchberg, so nutze ich die Gelegenheit am Marcumar-Projekt weiter zu arbeiten. Glücklicherweise konnte ich meine Fragen an Dr. Machac richten, einen Internisten in der Nähe zu haben ist ein großer Gewinn. So ist aus einer Frage (zählt der Myokardinfarkt zu den thrombo-embolischen Ereignissen?), eine Stunde Unterricht bzw. Diskussion entstanden.

Anschließend führten wir ein Belastungs-EKG durch und Dr. Machac besprach mit mir relevante Indikationen und Kontraindikationen für diese Untersuchung, als die Patienten präkolaptisch wurde, brachen wir die Untersuchung natürlich ab und versorgen sie entsprechend. Dr. Machac kennt sich auch unglaublich gut bei den Kardiomyopatien aus und hat mir noch einige relevante Befunde dazu im EGK gezeigt, nächste Woche machen wir dann gemeinsam einen EKG Kurs für die Studenten des Projekts „exzellenter Sommer“.

Am Nachmittag habe ich mich mit der Leitlinie zum Thema neue Antikoagulantien in der Hausarztpraxis beschäftigt und stelle fest, was für ein tolles Medikament Marcumar ist;) man kann es zum einen besser steuern und überwachen und außerdem antagonisieren. Zudem ist es gut verträglich und erforscht.

In der Skype-Besprechung um 12:30 wurden uns wieder sehr spannende Fälle von den Assistenzärzten präsentiert. Am Freitag trafen wir uns morgens vor der Praxis in Kirchberg um 6 Elektroautos für die 30 Studenten des exzellenten Sommers abzuholen. Diese sind am Freitag aus ganz Deutschland angereist und verbringen hier 4 lehrreiche Wochen in den umgebenden Kliniken bzw. bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern. Auch finden an den Nachmittagen und teils am Wochenende Teachings zu folgenden Themen statt: der Umgang mit Diabetes Patienten, der alte Patient, der Umgang mit dem kranken Kind, Wissen in der medizinischen Arbeit.

Darüber hinaus werden ein Nahtkurs, ein EKG Kurs und ein Sonographie Kurs angeboten. Ich darf die Kurse und Teachings begleiten und die Studenten beim Lernen unterstützen und bin schon sehr gespannt auf diesen exzellenten Sommer!

Am Freitagnachmittag begleitete ich Bea noch zu ihren Hausbesuchen. Sie hat sehr viel Erfahrung im Wundmanagement und gibt ihr Wissen gerne weiter. Das Wochenende habe ich genutzt um eine kleine Rundwanderung durch Lalling zu unternehmen und die Stadt Pilsen kennen zu lernen, auch Mandys Mountainbike kam mal wieder zum Einsatz. PJ und Urlaub lassen sich hier wirklich toll verbinden.

Tagebuch Woche 5

Eine 5. sehr ereignisreiche Woche geht zu Ende, hier ein kleiner Auszug:
Durch den Wochenstart begleitete uns ein Kamerateam von RTL, welches Leben und Arbeitsweise des Allgemeinmediziners aufzeichnete. Der Praxisalltag ging vor laufender Kamera natürlich ganz normal weiter- auf die Ausstrahlung im September bin ich sehr gespannt!

Am Dienstag konnte ich das Teaching „Wissen in der Medizinischen Arbeit“ des exzellenten Sommers begleiten, welches in der AOK in Regen statt fand. Nach kurzer Einführung und Fallvorstellung durch Susanne konnte ich eine Gruppe von Studenten bei der Recherche bezüglich der Therapie im akuten Gichtanfall unterstützen. Wir bekamen jeweils unterschiedliche Datenbanken mit Zugangscodes zur Verfügung gestellt (Deximed, Cochrane, up to date und die AWMF Leitlinien). Ich durfte das Deximed Team betreuen, was mich besonders freute, denn mit dieser Quelle habe ich in den letzten Wochen am meisten gearbeitet.

Es handelt sich dabei ursprünglich um ein in Norwegen gegründetes Arztinfomationssystem, dort nutzen es Hausärzte schon seit 1997 (!). Das Online-Portal ist unabhängig und werbefrei. Die bereits vorhandenen Infos aus Norwegen wurden ins Deutsche übersetzt und an die deutschen Leitlinien angepasst. Bezüglich unseres Patienten mit dem akuten Gichtanfall konnten wir dank Deximed schnell die Therapie der Wahl herausfinden und sie dem restlichen Team vorstellen.

Diese lautet:
Entweder eine Kombination aus NSAR und Cortison, alleinige Gabe eines der beiden Medikamente, bei Kontraindikation dieser drei Therapien ist Kolchizin das Mittel der Wahl. Durch diesen großartigen Vortrag von Susanne habe ich doch glatt wieder ein bisschen Motivation bekommen, den Literaturteil meiner Doktorarbeit voran zu bringen;) Am Donnerstag durfte ich Waltraud beim Teaching – der Umgang mit dem alten Patient unterstützen.

Ich bin immer wieder begeistert, wie viel Herzblut im LIA Projekt, (Lebensqualität im Alter) steckt, Waltraud hat uns viele Erfahrungen und ihr Wissen im Umgang mit dementen oder depressiven geriatrischen Patienten vermittelt. Es entstanden aus ihrem Vortrag einige interessante Diskussionen. Im Anschluss an die Präsentation, verteilten wir Rollen als Patient und Arzt, damit die Studeten ein Gefühl bekommen, wir man z.B. einen timed up and go test erhebt , oder wie man beispielsweise einen Uhrentest korrekt bewertet (was in einigen Fällen wirklich eine Herausforderung ist!)

Schon am nächsten Tag, traf ich die 15 Studenten wieder, um mit ihnen Fälle aus den Praxen,
die sie vorbereitet hatten zu besprechen, Dora stand uns mit Rat und Tat zur Seite und
berichtete auch ausführlich von ihren Erfahrungen mit Patienten. Dieser Nachmittag hat mir
sehr gut gefallen, da die Studenten von Anfang an eine super Gruppendynamik entwickelten
und wir sehr gezielt auf Fragestellungen eingehen konnten, ich hatte auch das Gefühl, dass
diese Diskussionen den Studenten sehr viel bringen und man gleichzeitig seinen eigenen
Horizont erweitert.

Man geht aus solchen Nachmittagen mit neuem Wissen gestärkt in die nächsten Tage, ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Besprechungen dieser Art! Last but not least fanden als Wochenabschluss am Samstag ein EKG und ein Sonokurs im Krankenhaus Freyung statt. Es ist schon toll, dass ich sämtliche Teachings begleiten darf, manche kann ich natürlich mehr, manche weniger unterstützen, gerade beim Sonokurs, war ich auch sehr froh, dass ich die Basics noch einmal gehört habe und merke, dass ich da noch ein ganzes Stück Arbeit vor mir habe. Aber es ist ein echter Luxus, neben dem Praxisalltag noch so gezielte Teachings zu bekommen, ein exzellentes PJ;)!

Am Sonntag haben mich die Studenten zu einer Klettertour auf der Felswand der Rauchröhren, in Arrach überredet, dort verbrachten wir nach einem gemeinsamen Frühstück den ganzen Tag, und sprangen am Abend noch kurz in den See. Ich könnte mir vorstellen, den Montag mit einem Muskelkater zu starten ;)

Eine 6. ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende zu..

Ich möchte zunächst mein Mittwoch-Highlight hervorheben, Frau XY., meine eigeneHausbesuchspatientin. Eine ganz liebe 89 jährige Dame, welche ich nun einmal die Woche besuchenwerde, um Vitalparameter zu bestimmen und sie von Kopf bis Fuß zu untersuchen, und somit sämtlicheüber die Jahre gestellte Diagnosen überprüfen.

Die Dame lebt alleine, mit einer 24h Pflege und istglücklicherweise bereit, mich regelmäßig zu empfangen.Petra kennt diese Patientin sehr gut, so konnte ich bereits einiges im Vorfeld erfragen, speziell bezüglichihres Insulin-Spritz-Schemas.Apropos Insulin, das Diabetes Teaching am Dienstag, hat uns Studenten, trotz kaum erträglicher Hitze inder AOK in Regen gut gefallen. Petra war sehr bemüht uns verschiedene Patientengeschichten und derenoptimale Blutzuckereinstellung näher zu bringen. Es ist extrem unterschiedlich, wie Diabetiker mit ihrerErkrankung umgehen. Umso faszinierender sind Petras akribisch ausgearbeitete Schemata und Methoden,um ihre Patienten optimal einzustellen, sie hat für jede Lebenslage und sämtliche Umstände, die perfekte,individuelle Diabetes-Therapie parat und kümmert sich hervorragend um ihre Patienten.

Am Dienstag Vormittag hospitierte ich bei der Demenzberatung in Rinchnach. In einem privaten Hauswird hier jede Woche eine 5 köpfige Gruppe demenzkranker Personen von 2-3 geschulten Fachkräftenbetreut. Die Patienten waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen und neugierig. Ich muss sagen, dass ichrelativ wenig Erfahrung mit Demenzpatienten habe und ein Einblick in dieses Leben bzw. der Umgangmit dieser Krankheit einerseits spannend, andererseits unendlich traurig ist. Ich hatte den Eindruck, dassdiese Gruppen enorm zur Erhöhung der Lebensqualität dieser Menschen beiträgt.

Den Freitagvormittag verbrachte ich in Schöfweg, mit Magdalena, einer Studentin vom exzellentenSommer schallten wir einige Patienten, unter anderem eine junge Dame bei der wir einen Situs Inversuserkennen konnten. Anschließend machte ich mich auf den Weg zum Kreuzschmerz Teaching in Regen.Dr. Buvar, ein Orthopäde mit Leidenschaft hat unser Wissen zum Thema Anamnese, körperlicheUntersuchung, Diagnostik und Therapie der nicht spezifischen Kreuzschmerzen vertieft und uns zudemdas Gebiet der manuellen Therapie näher gebracht.

Ansonsten habe ich natürlich wieder viele Patienten, mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern gesehenund mir die Degam-Leitlinien zu den Themen Müdigkeit und Schlaganfall genauer angeschaut. Darüberhinaus standen diese Woche viele Vorsorgeuntersuchungen an und ich konnte wieder einige Patientenschallen. Am Montag hatten wir außerdem das spannende Thema „Insektenstiche“ bei der Skype-Konferenz.

Georg Metzler

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Vom Strand in den Schnee

Das vorherige PJ-Tertial absolvierte ich auf einer kleinen, warmen Insel und konnte somit meinen Sommer bis in den Dezember verlängern. Kurz nach Silvester reiste ich dann in Kirchberg an und fühlte mich, als ob ich in den Winterurlaub fahre: Berge, Täler, Schnee, kleine Dörfer. Meine Wohnung, die ich gestellt bekomme, verstärkte das Gefühl noch: hoch gelegen, gemütlich-rustikal, voll ausgestattet.
Am nächsten Morgen startete ich aber damit, wofür ich tatsächlich hier bin. Ich begann mit der Arbeit in der Praxis in Kirchberg. Hier wurde ich herzlich empfangen, eingewiesen und begann sogleich die Sprechstunde mit Dr. Blank. Anfangs schaute ich noch über die Schulter, aber gleich am selben Nachmittag durfte ich die Patienten schon voruntersuchen und anschließend Dr. Blank vorstellen. Nach jeder Sprechstunde setzt sich Dr. Blank mit allen anwesenden Assistenzärzten und Praktikanten zusammen und bespricht Fragen. Insgesamt herrscht ein sehr angenehmes, kollegiales Klima.

Die folgenden Tage waren nicht weniger interessant. Da ich auch in den Praxen in Lalling und Rinchnach eingesetzt wurde, lernte ich auch die dortigen Mitarbeiter kennen. Auch hier untersuchte ich Patienten erst allein und stellte sie danach entweder Dr. Blank oder einem der Assistenzärzte vor. Da man sich erst allein mit den Patienten auseinandersetzt, ist der Lerneffekt natürlich viel größer, als wenn man nur zuhört – gerade bei nicht alltäglichen Krankheitsbildern. Hilfreich war auch, dass Eva (auch PJlerin), die schon ein paar Wochen hier ist, anreiste. Gerade am Anfang treten viele kleine, organisatorische Fragen rund um Praxis und Wohnung auf. Am Ende der ersten Woche habe ich mich nun gut eingewöhnt und das Team und die Abläufe kennengelernt.Am Wochenende war schönes Wetter, sodass ich eine schöne Wanderung rings um den Geißkopf gemacht und am nächsten Tag Kirchberg und Umgebung erkundet habe. Das fühlte sich dann wieder wie Winterurlaub an…

1. Woche

Diese Woche ging so weiter, wie die letzte aufgehört hat. Ich habe viele Patienten voruntersuchen können und so Untersuchungstechniken weiter festigen können. Im Vordergrund standen, wie zu dieser Jahreszeit üblich, Erkältungen. Es gab aber auch nicht so alltägliche Sachen, wie beispielsweise zwei Frauen mit Rheumatoider Arthritis. Für mich als jungen Mediziner ist es vor allem interessant, wie Patienten mit ihren Erkrankungen im Alltag zurechtkommen und wo es hakt.Am Dienstagabend nahm ich nach der Sprechstunde an einer LIA-Besprechung (LIA=Lebensqualität im Alter) teil. Hier trafen sich alle Personen, die an der häuslichen Betreuung von Patienten involviert sind – das sind natürlich nicht nur Ärzte, sondern auch MFAs, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Pfleger. Es wurden dann einzeln die Patienten besprochen, da jeder Informationen beisteuern kann, die für die anderen Beteiligten auch interessant sind. Dies ist ein bemerkenswerter Ansatz in der Versorgung, den ich so noch nicht kannte.Am Mittwoch gab es eine Ausnahme: das Wetter war, anders als sonst, freundlich und sonnig. Lustigerweise blieb daher auch die Praxis fast leer, was Dr. Blank aber nicht mehr verwundern konnte. Eva und ich suchten uns daher eine andere Beschäftigung und wurden von einer Helferin, die sich auf die Versorgung der Patienten mit Diabetes spezialisiert hat, in ihr Feld eingeführt. Sie erklärte uns, wie sie Laborwerte auswertet, den Patienten untersucht und das weitere Vorgehen plant. Über Mittag hat sie uns auf Hausbesuche mitgenommen und so erfuhren wir wiederum viel über die Hintergründe der Patienten. Man muss auch diesen im Blick behalten, um den Patienten in seinem persönlichen Alltag helfen zu können.

die 2.Woche

Diese Woche ist der Winter so richtig in Kirchberg eingezogen. Nachdem der Schnee bisher gefallen war, um gleich wieder zu schmelzen, liegt jetzt mehr als genug und sorgt dafür, dass sich die Uhren hier etwas langsamer drehen – Autofahren wird

Diese Woche sind die Temperaturen in den winterlichen Bereich gesunken. Daher hatte man oft einen freien Himmel mit schönsten Sonnenauf- und untergängen und klaren Sternhimmeln. Im Zusammenspiel mit der bergigen Landschaft ergibt das natürlich tolle Ansichten.
Ansonsten habe ich wieder in den verschiedenen Praxen gearbeitet und konnte viele Patienten kennenlernen und untersuchen. Einen Großteil machen derzeit die grippalen Infekte aus, die vor niemandem haltmachen – vom Kleinkind bis zur Uroma sind alle dabei – mich haben sie aber zum Glück noch nicht bekommen und das bleibt hoffentlich auch so.
Zum ersten Mal habe ich an einer Onlinefortbildung teilgenommen. Dies hatte ich vorher auch noch nicht erlebt. Hierzu trafen sich alle Ärzte und Studenten aus den Praxen am Abend nach der Arbeit per Videokonferenz mit dem Referenten, der über PPIs sprach. Ich war überrascht, weil es natürlich einerseits informativ war, aber andererseits auch einfach war dem Geschehen zu folgen. Bei Videokonferenzen mit mehreren Leuten bin ich sonst anderes gewöhnt. Im Anschluss wurden noch Fragen beantwortet und über das Thema diskutiert.
Am Wochenende bin ich nach Hause gefahren und habe mal zur Abwechslung im Erzgebirge Langlauf gemacht, denn die Kammloipe ist einfach unschlagbar… Die vergangene Woche war wieder sehr ereignisreich. Ich konnte wieder viele Patienten mit verschiedensten Beschwerden sehen. Ich merke dabei, dass ich immer sicherer und fokussierter in der Anamnese und Untersuchung werde. Auch dass ich mit verschiedenen Ärzten arbeite und ihnen über die Schulter schauen kann, habe ich sehr zu schätzen gelernt.

Am Montag habe ich in der Montags-Videochat-Besprechung das Thema Rückenschmerz vorgestellt, worüber dann rege diskutiert wurde. Alle Teilnehmer können dann etwas zum Thema beitragen und so ergänzen sich Studenten und junge Ärzte, die frisch aus der Lehre kommen, mit der Erfahrung älterer Kollegen.

Am Donnerstag habe ich einen Tag in der Physiotherapie Kufner verbracht und konnte alle meine Fragen loswerden. Ich hatte außerdem großes Glück, dass ich so gut wie alle Behandlungsanlässe in der Physiotherapie sehen konnte. So war es ein informativer Tag, von dem ich einige Dinge mitnehmen konnte.

Am Samstag fand dann der „Megaball“ in Raindorf statt. Hier half ich mit meiner Schwester, die mich am Wochenende besuchte, hinter der Bar und mischte und verkaufte fleißig Getränke für den guten Zweck. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen und feierten selber auf den beiden Floors. Ich traf auch einige bekannte Gesichter, die ich in den ersten vier Wochen bereits kennengelernt habe. die 4. Woche Und wieder liegt eine interessante Woche hinter mir. Am Dienstagabend nahm uns Dr. Blank mit zu einem Qualitätszirkel, wo sich einige Hausärzte der Region treffen, um über Fragen aus der alltäglichen Praxis zu sprechen. Dies ist für mich als angehenden Arzt natürlich sehr lehrreich, wenn solche Fragen von erfahrenen Kollegen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden.

Am Donnerstag fuhr ich nach Deggendorf, um bei dem Orthopäde Dr. Buvar einen Tag zu hospitieren. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich konnte diverse Beschwerdebilder sehen und all meine orthopädischen Fragen loswerden. Nun werde ich orthopädische Fragestellungen sicherer diagnostizieren können.

Da ich bereits über vier Wochen hier bin, setzten sich Dr. Blank und ich uns einmal zusammen, um mein Curriculum durchzugehen, Feedback zu geben und um die nächsten Wochen zu planen. Dies habe ich in den vorherigen Tertialen leider nicht erlebt, aber gerade anhand solcher Gespräche mit konstruktiver Kritik kann man wachsen und sich verbessern – sowohl fachlich, als auch menschlich.

die 5. Woche

Wieder liegt eine winterliche Woche hinter mir. Die Arbeit in der Praxis mit den Patienten ist weiterhin sehr interessant. Ich merke jede Woche, wie ich bei Anamnese und Untersuchung Fortschritte mache. Multimorbide

die 7. Woche

Das Wetter ist weiterhin kalt und meistens sonnig – da hat man, selbst wenn man drinnen arbeitet, dauerhaft gute Laune. Weiterhin haben die Patienten meistens grippale Infekte, aber dazwischen schieben sich andere Erkrankungen: so habe ich zum ersten Mal eine Gürtelrose gesehen, die auch noch im Gesicht auftrat.Am Mittwochabend nahm uns Dr. Blank wieder mit nach Regen, wo der Journal-Club stattfand. Ob der guten Stimmung und den interessanten Themen beim letzten Mal im Januar, habe ich mich darauf gefreut und wurde nicht enttäuscht. Diesmal war ich in einer Gruppe, die „Das rote Auge“ besprach. Hier muss man wirklich an die verschiedensten Dinge denken und entsprechend handeln.Am Freitag habe ich bei Frau Dr. Pinker hospitiert. Sie hatte extra einige Kinder zur U-Untersuchung einbestellt. Diese Untersuchungen kannte ich bisher nur aus der Theorie und so war es spannend, wie man dies praktisch umsetzt, da der Umgang mit Kindern ja nicht so einfach ist. So konnte ich viele Tipps und Tricks für mein weiteres Arbeitsleben mitnehmen.

die 8. Woche

Es liegt wieder eine ereignisreiche Woche hinter mir. Das Projekt „Exzellenter Winter“ ist gestartet. Wir haben nun Studenten in den Praxen, die ihre Hausarztfamulatur ableisten. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung, da mir die Arbeit mit motivierten Studenten Spaß macht und ich gern Wissen und Fertigkeiten weitergebe.Am Dienstag war ich in der SAPV „Pallidonis“ in Deggendorf hospitieren. Hier machte ich die Frühbesprechung mit und bekam eine kleine Einführung. Dann fuhr ich mit Schwester Iris in Pflegeheime in der umliegenden Region und dort trafen wir uns jeweils mit Dr. Thies. Es waren alles recht unspektakuläre Fälle, wo besprochen wurde die Betreuung erstmal ruhen zu lassen. In der Zwischenzeit konnte ich aber alle Fragen an Schwester Iris und Dr. Thies stellen. Gegen Mittag kam dann doch noch ein Notruf von einer Frau, deren Mann an diesem Vormittag verstorben war. Schwester Iris und ich fuhren zu ihr hin und leisteten ihr v.a. seelischen Beistand. Gerade dies war für mich eine neue Erfahrung, da es einen großen Unterschied macht, ob man als Arzt zur Leichenschau oder als erster Helfer v.a. für die Betreuung der Angehörigen kommt.Donnerstag- und Freitagnachmittag betreute ich zusammen mit Julia Friedel (ÄIW in der Praxis) den Sonografiekurs für die Studenten. Hier hielten wir erst einen Vortrag und führten ins Thema ein und danach wurde fleißig geübt und alle durften sich gegenseitig schallen.Am Samstagvormittag trafen sich Studenten und Betreuer im Krankenhaus in Zwiesel zum Nahtkurs. Hier lernten die Studenten die diversen Knoten- und Nahttechniken und ich konnte mein Wissen wiederauffrischen.Bei allen Kursen herrschte gute Stimmung und ich denke, dass die Studenten aus ihrer Famulatur viel praktisches und theoretisches Wissen mitnehmen können. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wo ich wieder mit einzelnen Studenten in der Praxis zusammenarbeiten werde.

die 9. Woche

Es liegt wieder eine ereignisreiche Woche hinter mir. Das Projekt „Exzellenter Winter“ ist gestartet. Wir haben nun Studenten in den Praxen, die ihre Hausarztfamulatur ableisten. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung, da mir die Arbeit mit motivierten Studenten Spaß macht und ich gern Wissen und Fertigkeiten weitergebe.Am Dienstag war ich in der SAPV „Pallidonis“ in Deggendorf hospitieren. Hier machte ich die Frühbesprechung mit und bekam eine kleine Einführung. Dann fuhr ich mit Schwester Iris in Pflegeheime in der umliegenden Region und dort trafen wir uns jeweils mit Dr. Thies. Es waren alles recht unspektakuläre Fälle, wo besprochen wurde die Betreuung erstmal ruhen zu lassen. In der Zwischenzeit konnte ich aber alle Fragen an Schwester Iris und Dr. Thies stellen. Gegen Mittag kam dann doch noch ein Notruf von einer Frau, deren Mann an diesem Vormittag verstorben war. Schwester Iris und ich fuhren zu ihr hin und leisteten ihr v.a. seelischen Beistand. Gerade dies war für mich eine neue Erfahrung, da es einen großen Unterschied macht, ob man als Arzt zur Leichenschau oder als erster Helfer v.a. für die Betreuung der Angehörigen kommt.Donnerstag- und Freitagnachmittag betreute ich zusammen mit Julia Friedel (ÄIW in der Praxis) den Sonografiekurs für die Studenten. Hier hielten wir erst einen Vortrag und führten ins Thema ein und danach wurde fleißig geübt und alle durften sich gegenseitig schallen.Am Samstagvormittag trafen sich Studenten und Betreuer im Krankenhaus in Zwiesel zum Nahtkurs. Hier lernten die Studenten die diversen Knoten- und Nahttechniken und ich konnte mein Wissen wiederauffrischen.Bei allen Kursen herrschte gute Stimmung und ich denke, dass die Studenten aus ihrer Famulatur viel praktisches und theoretisches Wissen mitnehmen können. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wo ich wieder mit einzelnen Studenten in der Praxis zusammenarbeiten werde.

Woche 10

Es ist nun Ende März, es geht straff auf Ostern zu und der Winter hat uns noch voll im Griff. Ich musste morgens noch mein Auto vom Schnee befreien…

Auch sonst war diese Woche recht turbulent. Einerseits waren viele andere Praxen der Region im Osterurlaub und andererseits waren Kollegen in unserer Praxis krank oder auch im Urlaub. So fanden sehr viele Patienten den Weg in unsere Praxis. Für mich als Student ist dies super, da ich durchgängig zu tun habe und viele, viele verschiedene Patienten mit diversen Beschwerden erleben darf. Mit Dr. Roman Machac hatte ich diese Woche einen guten Partner und wir ergänzten uns gut, sodass wir die Arbeit gut bewältigen konnten und ich mein Wissen trotzdem erweitern konnte. Mittwoch und Donnerstag hatte ich zusätzliche Verstärkung einer Studentin aus dem Projekt Exzellenter Winter. Ihr konnte ich praktische Tipps und Tricks im Umgang mit Patienten geben, die sie gleich beim nächsten Patienten anwenden konnte.

Woche 14

Diese Woche hält endlich der Frühling Einzug. Die Sonne scheint und die Temperaturen steigen – herrlich!

In der Praxis geht es wieder ruhiger zu und die Erkältungen nehmen spürbar ab. Ich habe wieder viele neue Patienten

In meiner letzten Woche ist endlich der Frühling in den Bayrischen Wald eingezogen. Die Sonne lachte, es war angenehm warm und die Natur erwachte zum Leben.

In den Praxen legte sich der ganz große Andrang der Wintermonate, aber es waren immer noch ausreichend Patienten da, sodass mir nicht langweilig wurde und ich fleißig behandeln konnte.

Am Dienstag hospitierte ich in der Radiologischen Praxis Dr. Schleicher in Zwiesel. Hier half ich jeweils einen halben Tag beim Befunden von MRT- und CT-Bildern, bekam viel erklärt und konnte alle meine Fragen loswerden. Insgesamt war es ein echt spannender Einblick in den Alltag eines niedergelassenen Radiologen.

Da es langsam aber sicher auf das letzte Examen zugeht, verabredeten sich Dr. Blank, Kathi (sie ist in meiner Prüfungsgruppe) und ich am Sonntag noch einmal in der Praxis. Dr. Blank hatte Dienst und so konnten wir die Gelegenheit nutzen und Kathi und ich untersuchten Patienten und stellten sie wie in der Prüfung vor. Danach bekamen wir von Dr. Blank noch viele Tipps und Tricks für die Prüfung – als ehemaliger Prüfer kennt er sich hier natürlich bestens aus. Am Ende stand leider der Abschied aus der Praxis und vom Bayrischen Wald an. Dr. Blank und ich ließen die vergangenen vier Monate noch einmal Revue passieren, sprachen über die Zukunft und dass wir uns irgendwann einmal wiedersehen.

Eva Heuer

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Die erste Woche KW 47

Dass es hier etwas anders läuft als im Großraum München, merkt man schon beim Herfahren… Die Straßen werden kurviger und enger, auf einen Mittelstreifen wird verzichtet und es liegt Schnee.
Am nächsten Morgen sind die Straßen top geräumt und ich kann um 8 Uhr in der Praxis in Rinchnach starten. Die Helferinnen zeigen mir routiniert die wichtigsten Dinge in der Praxis und schon kann es losgehen. Auch in den nächsten Tagen ist das Praxisteam immer eine große Unterstützung.
Bis zum Ende der Vormittagssprechstunde schaue ich den Ärzten zunächst über die Schulter. Danach gibt es eine Skype-Konferenz mit allen Praxen. Wir besprechen das Thema „Otitis externa“. Die Skype-Fortbildung am Montag ist eine von mehreren Fortbildungsmöglichkeiten, von den anderen werde ich in den nächsten Wochen berichten.

Am Nachmittag darf ich Anamnese und Untersuchung eigenständig durchführen.
Sobald ich fertig bin, hole ich mir einen Arzt dazu. Wir besprechen gemeinsam mit dem Patienten die Anamnese, wiederholen die Untersuchung und klären das weitere Vorgehen. Nach der Sprechstunde ist noch Zeit um Fragen zu klären oder einzelne Krankheitsbilder ausführlicher zu besprechen.
Den Rest der Woche nutze ich, um mehr Routine und Sicherheit in Anamnese und Untersuchung zu entwickeln und die Praxisabläufe kennen zu lernen.

Die erste Woche ist im Nu vergangen, ich profitiere sehr von der guten Betreuung durch die Lehrärzte und den außergewöhnlich offenen und freundlichen Patienten.

KW 48 zweite Woche

Eine spannende und lehrreiche Woche liegt hinter mir. Neben viel Patientenkontakt lernte ich die Praxis in Schöfweg kennen, war bei einer großen Hausbesuchstour dabei und hospitierte einen Tag bei einem Orthopäden in Deggendorf. In der Montagsfortbildung lag der Schwerpunkt auf dem „akuten Kopfschmerz“. Es ist ein sehr häufiges Beschwerdebild, gefährliche Ursachen sind eher selten. Um diese aber nicht zu übersehen, standen in dieser Fortbildung v.a. die Hinweise auf „abwendbar gefährliche Verläufe“ im Mittelpunkt. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, in der Fortbildung regelmäßig Übersichtsarbeiten zu evidenzbasierter Anamnese und Untersuchung vorzustellen. Mein Beitrag war eine Zusammenfassung des Reviews „Does This Woman Have an Acute Uncomplicated Urinary Tract Infection?“ aus JAMA (2002). Hier wurden Daten aus 9 Studien ausgewertet, um genauer zu erfassen welche Symptome und klinische Untersuchungsergebnisse am sichersten einen Harnwegsinfekt anzeigen. Diese Woche habe ich einen Schwerpunkt auf orthopädische Untersuchung und auf das „Symptom“ Kreuzschmerz gelegt. Viele Patienten haben mir ermöglicht, eine kurze Untersuchung von Schulter, Rücken oder Knie zu durchzuführen, herzlichen Dank dafür! Zusätzlich habe ich mich mit den Leitlinien für Kreuzschmerz und für chronischen Schmerz auseinandergesetzt. Am Donnerstag konnte ich im SpOrthoMed den Orthopäden Dr. Buvar und Dr. Martin über die Schulter schauen. In der Kindersprechstunde am Nachmittag spielten kindliche Fußfehlstellungen eine große Rolle. Ich lernte wichtige Schwerpunkte in der Anamnese und Kriterien für Veränderungen der Fußstatik sowie des Gangbildes. Den nächsten kleinen Patienten mit Fußproblemen werde ich jetzt mit einem geschulteren Auge untersuchen.

KW 49 – dritte Woche

In dieser Woche ist hier so richtig der Winter eingezogen. Die ersten Loipen sind offen, und
in Kirchberg hat der Weihnachtsmarkt aufgemacht. Mein Schwerpunkt lag auf dem Thema
„Bauch“. Außerdem nahm ich an einem Qualitätszirkel zum Thema Antibiotika teil. Der
Abschluss dieser Woche war die große Weihnachtsfeier mit allen Mitarbeitern.
Die Fortbildung am Montag drehte sich unter anderem um das Thema Osteoporose. Wir
diskutierten Fragen wie: Welche Risikofaktoren sind wirklich relevant? Bei welchen
Patienten sollte man eine Knochendichtemessung durchführen und zu welchem Zeitpunkt?
Wann ist die Messung eine Kassenleistung?
Ich durfte eine Übersichtsarbeit zur klinischen Diagnostik des
Rotatorenmanschettensyndroms (Does This Patient With Shoulder Pain Have Rotator Cuff
Disease? JAMA 2013) vorstellen.
Bauchbeschwerden sind häufiges Thema in der Hausarztpraxis. In dieser Woche stellten sich
Patienten mit den unterschiedlichsten Anliegen vor. Häufig beschäftigte mich die einfache
Magen-Darm- Grippe, aber auch die Helicobacter-Therapie, Nahrungsmittelunverträglichkeit
und chronisch entzündliche Darmerkrankungen spielten eine Rolle. Komplexer wird es, wenn
die Beschwerden eines Patienten nicht typisch für ein bestimmtes Krankheitsbild sind. Ohne
zu wissen, was die genaue Ursache von z.B. Bauchschmerzen ist, muss trotzdem entschieden
werden, ob es eher gefährlich ist oder ob ein Zuwarten erlaubt ist. Entscheidende Hinweise
muss man in der Anamnese erfragen und beim Untersuchen erkennen.
Vom Ablauf eines Qualitätszirkels hatte ich bisher keine Vorstellung. Ich hatte einen
PowerPoint-Vortrag erwartet. Stattdessen erlebte ich eine gut moderierte und rege
Diskussion zu zahlreichen Facetten der Antibiotikatherapie. Welche Antibiotika fallen unter
die Gruppe der Reserveantibiotika? Wie sind die Erfahrungen der teilnehmenden Ärzte mit
seltener verwendeten Wirkstoffen? Und wie vermittelt man einem Patienten, der ein
Antibiotikum einfordert, dass es in der aktuellen Situation ggf. mehr schadet als nutzt?
Auch die Freizeit sollte in dieser Woche nicht zu kurz kommen. Freitagabend traf sich das
ganze Praxisteam zur traditionellen Weihnachtsfeier im Gasthof Sonnenwald. Neben
ausgezeichnetem Essen genossen wir zahlreiche Ansprachen, Sketche und Weihnachtslieder.
Ich habe mich sehr gefreut, so ungezwungen das ganze Team kennenzulernen und mit dem
ein oder anderen ins Gespräch zu kommen.
Samstag und Sonntag öffnete der Kirchberger Weihnachtsmarkt und ich drehte bei
strahlendem Sonnenschein die ersten Runden auf der Loipe in Klingenbrunn.

KW 50 – die vierte Woche

Diese Woche begann nicht wie gewohnt in einer der vier Praxen, sondern in der
Physiotherapie-Praxis Kufner in Kirchberg. Ich wollte wissen, wie die ärztliche Verordnung in
der Praxis umgesetzt wird. Besonders beeindruckt hat mich die sehr umfassende und
individuelle Herangehensweise an den Patienten. Jeder Patient wird nochmal genau zu
seinen Beschwerden befragt und untersucht. Auch Faktoren wie körperliche Arbeit, Stress
etc. werden diskutiert, um ganz gezielt therapieren zu können. Auch die Vielfalt der
Beschwerden bei denen eine Physiotherapie wirksam sein kann, war mir vorher nicht
bewusst.
In der Montagsfortbildung war das Thema der „Centor Score“. Er ist wichtiges Instrument,
um bei Halsschmerzen das Risiko einer eitrigen Mandelentzündung abzuschätzen und ggf.
eine Antibiotikatherapie einzuleiten. Neben dem Score spielten ganz praktische Fragen eine
Rolle, z.B: Was tun, wenn ein Kleinkind den Antibiotikasaft wieder ausspuckt?
Zum Fortbildungsthema der letzten Woche, „Osteoporose“, konnte ich einen interessanten
Artikel vorstellen: Does this woman have osteoporosis? (JAMA 2004).
Die weitere Woche war von ganz unterschiedlichen Aufgaben geprägt. Bei der
Hausbesuchsrunde erlebte ich, wie schwierig das Zeitmanagement ist, wenn man sich nicht
mehr in der gewohnten Praxisumgebung aufhält. Die Helferinnen zeigten mir, wie genau ein
geriatrisches Basisassessment und die Untersuchung von diabetischen Füßen durchzuführen
ist. Mein Wochenschwerpunkt war „Herz und Gefäße“, passend dazu stellten sich gleich
mehrere Patienten mit hypertensiven Entgleisungen vor.
Am Freitag besprachen Dr.Blank und ich den Fortschritt in meinem Curriculum. In den vier
Wochen habe ich schon viel Neues gelernt, die Liste der Themen mit denen ich mich noch
auseinander setzten möchte, ist aber noch lang.
Am Wochenende nutze ich nochmal die perfekten Schneebedingungen der Loipe in
Klingenbrunn und genoss ein Weihnachtskonzert in der Gotthardkirche in Kirchberg.

KW 1 – die siebte Woche

Seit dieser Woche sind wir zu drei Studenten in den vier Praxen. Das nutzten wir, um gemeinsam Untersuchungstechniken zu üben und zu wiederholen. Hier ist besonders das gegenseitige Feedback und der Austausch wichtig: Wie weit kann man ein Otoskop in den Gehörgang schieben, ohne dass es für den Patienten unangenehm wird? Auf welche Feinheiten muss man bei der Auskultation der Lunge achten usw. Für die nächsten Wochen planen wir, Sonographie zu üben. Da zurzeit noch viele andere Hausarztpraxen in der Region Urlaub haben, war das Wartezimmer immer gut gefüllt und genug Arbeit für alle drei Studenten da. Mein Lernschwerpunkt in dieser Woche waren die Stoffwechselerkrankungen. Nach den Festtagen mit viel üppigem Essen kamen mehrere Patienten mit typischen Gichtsymptomen sowie ein Notfallpatient mit hyperglykämer Entgleisung in die Praxis. Relevant war für mich, dass eine Gichterkrankung nur in 60% der Fälle das Großzehengrundgelenk betrifft, auch bei Schmerzen und Schwellung z.B. des Sprunggelenkes sollte man an Gicht denken. In der Fallbesprechung diskutierten wir den Umgang mit zwei seltenen, aber durchaus relevanten Beratungsanlässen: Vorgehen bei Patienten mit Petechien und Differentialdiagnostik der Lymphknotenschwellung. Anhand von zwei Patientenfällen konnte ich das Vorgehen in den folgenden Tagen quasi „live“ verfolgen. Das Wochenende lockte mit hervorragendem Winterwetter. Bei einer geführten Schneeschuhwanderung im Nationalpark lernte ich viel über die Pflanzen und Tierwelt der „Schachten“, sowie über die politischen Dilemmata die ein Nationalpark mit sich bringt.

KW 2 – die achte Woche

Mein Wochenschwerpunkt in dieser Woche war HNO und Endokrinologie. Symptome im
HNO-Bereich sind ein häufiger Konsultationsgrund in der Hausarztpraxis. Nicht immer steckt
hinter den Halsschmerzen eine banale Erkältung, ein wichtiger AGV ist der
Peritonsillarabszess. Mit diesem Verdacht überwiesen wir einen Patienten zum Facharzt, der
unsere Diagnose bestätigte.
Im Rahmen der Endokrinologie beschäftigte ich mich erneut mit Diabetes und begleite Petra,
eine Helferin die schwerpunktmäßig Diabetiker betreut, auf ihrer Hausbesuchstour. Ich
konnte erleben, wie wichtig es ist gerade eine Diabetikerberatung auch zu Hause, in der
eigenen Küche durchzuführen. Schon beim Blick auf den Küchentisch kann man typische
Auslöser hoher Glucosespiegel erkennen und gemeinsam mit den Patienten einen sinnvollen
Umgang damit vereinbaren.
Am Dienstagabend traf sich das „LIA-Team“ zur Besprechung (LIA = Lebensqualität im Alter).
Das Ziel dieser Besprechungen ist es, alle betreuenden Berufsgruppen der Patienten im LIA-
Programm (Pflegedienst, Physiotherapie, Ergotherapie, Arzthelferinnen und Ärzte) an einen
Tisch zu bekommen und das weitere Betreuungs- und Behandlungskonzept eines Patienten
zu besprechen und ggf. zu verändern. Für mich war es sehr beeindruckend wie effizient und
zielführend hier Versorgungsschwierigkeiten angesprochen und Lösungsansätze gefunden
werden konnten.
Neben der täglichen Arbeit in der Praxis nutzen wir Studenten den Rest der Woche, um uns
ausführlich mit Indikation, Durchführung und insbesondere Befundung einer Spirometrie
auseinanderzusetzen.

KW 3 - die neunte Woche

In dieser Woche beschäftigte ich mich schwerpunktmäßig mit Symptomen im Bereich des
Kopfes. Gleich am Montag besprachen wir in der Fortbildung den Umgang mit Sinusitis –
eine wichtige Differentialdiagnose des Kopfschmerzes. Auch im Laufe der Woche
beschäftigte mich dieses Thema. Es stellten sich Patienten mit Migräne, aber auch mit
unklaren Kopfschmerzbildern vor. Viele Möglichkeiten, um mich in der Anamnese und
Untersuchung neurologischer Krankheitsbilder zu üben.
Am Mittwoch lernte ich ein neues Fortbildungsformat kennen. Wir trafen uns mit
Allgemeinärzten aus der Region, um aktuelle und relevante Publikationen zu diskutieren. Die
Assistentenzärzte der Gemeinschaftspraxis hatten Artikel wichtiger Journals im Vorfeld
ausgesucht, am Abend wurden die Themen ausführlich besprochen und die mögliche
Umsetzung in die tägliche Arbeit diskutiert.
Donnerstag brachte das Sturmtief „Friederike“ den Beginn einer neuen Erkältungswelle.
Entgegen aller Erwartungen pustete der Sturm die Patienten quasi direkt ins Wartezimmer
der Praxis in Schöfweg. Nachdem wir alles erledigt hatten, war von der Mittagspause nicht
mehr viel übrig, die Motivation, im Sturm nach Hause zu fahren, war klein. Also genoss das
ganze Praxisteam das Mittagessen im Gasthof neben der Praxis ;-) .
Am Freitag war schon die neunte Woche meines PJ-Tertiales zu Ende. Zusammen mit Dr.
Blank besprach ich die Fortschritte und weiteren Ziele in meinem Curriculum. Ich habe in
den letzten zwei Monaten bereits viele häufige Beratungsanlässe der Allgemeinmedizin
kennengelernt und kann durch zielgerichtete Anamnese und Untersuchung AGVs
ausschließen und häufig auch schon eine geeignete Therapie vorschlagen. Dieses Wissen
und die praktischen Fähigkeiten möchte ich jetzt weiter ausbauen.
Das Wochenende nutzen Georg, mein PJ-Kollege, und ich zum Langlaufen und für eine
sagenhafte Nationalparktour. Im Neuschnee konnten wir Luchs, Braunbär, Auerhuhn, Elche
und vieles mehr im Tierfreigehege beobachten.

KW 4 - Die 10. Woche

 

Die Erkältungswelle hält weiter an, das Wartezimmer ist gut gefüllt. Trotzdem nahmen wir
uns am Montag Zeit, um das aktuelle Fortbildungsthema „Rückenschmerzen im LWS-
Bereich“ zu besprechen. Grundlage der Fortbildung war u.a. der Artikel „What can physical
examination tell us about low back pain?“ (JAMA). Ein wichtiger Punkt für mich war, dass bei
Rückenschmerzen die psychosoziale Komponente eine große Rolle spielt. Man sollte nicht
nur organische Ursachen ausschließen, sondern auch ganz gezielt nach Belastungen im
beruflichen und privaten Umfeld fragen, da diese einen großen Beitrag zur Entstehung und
Chronifizierung von Rückenschmerzen spielen. Auch Renten- oder Versicherungsansprüche
spielen eine Rolle.
Psychische und psychiatrische Erkrankungen stellten auch meinen Wochenschwerpunkt dar.
Laut Literatur leiden 15-25% der Patienten einer Hausarztpraxis an akuten,
behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen. Anhand der Leitlinie „Psychosomatische
Medizin“ erarbeitete ich mir insbesondere, bei welchen chronischen Erkrankungen
(Diabetes, Asthma, KHK) häufig eine zusätzliche Depression auftritt und wie man sie erkennt.
Ich nahm mir vor, in Zukunft noch öfter danach zu fragen.

KW 5 – die elfte Woche

Die Woche ist wie im Flug vergangen. Mein Wochenschwerpunkt waren Erkrankungen Niere und des Urogenitaltrakts. Am Montag durfte ich in der nephrologischen Praxis Zwiesel bei Dr. Kammerl und Dr. Kassecker hospitieren. Ein spannender Einblick in die Praxis eines niedergelassenen Nephrologen! In der Sprechstunde lernte ich, durch Anamnese und körperliche Untersuchung schon eine grobe Einschätzung des Progresses einer Nierenerkrankung vorzunehmen. Zudem besprachen wir, ab wann man Vorbereitungen für die Einleitung einer Dialyse vornehmen sollte und wie man dies dem Patienten gut vermittelt. 

Auch im weiteren Verlauf der Woche stellten sich zahlreiche Patientin mit Symptomen aus dem Bereich Niere und ableitende Harnwege vor. Ich kann jetzt auch die Pyelonephritis und den Harnwegsinfekt zu den Krankheitsbildern zählen, die ich mit Anamnese, Untersuchung, AGVs und Therapie ganz gut im Griff habe. Zudem setzte ich mich mit der Wertigkeit des PSA-Wertes in der Vorsorge des Prostatakarzinoms auseinander.

Dienstagabend trafen sich die Allgemeinärzte der Region zum Qualitätszirkel in Spiegelau. Hier werden Fragen aus dem Praxisalltag gesammelt und diskutiert. Wir besprachen Fragestellungen wie „Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es pro und contra Händeschütteln in der Arztpraxis?“, „Bei welchen Symptomen sollte man an eine Myasthenia gravis denken?“, „Hilft Perenterol wirklich gegen Durchfall?“.

Das gut gefüllte Wartezimmer gab mir in dieser Woche viele Möglichkeiten sehr selbstständig zu arbeiten. Ich merke, dass ich immer sicherer darin werde, die wichtigsten Informationen zu erfragen, zielgerichtet zu untersuchen und ggf. eine weitere Diagnostik oder die passende Therapie vorzuschlagen.

KW 7 – die zwölfte Woche

Die Woche startete am Montag in Rinchnach gleich mit einem gut gefüllten Wartezimmer. Krankenhausentlassungen, Schwindel, ein schmerzendes Handgelenk und vieles mehr beschäftigten uns auch über die eigentliche Sprechstundendauer hinaus.

In der Montagsfortbildung diskutierten wir zum Thema Compliance und Adherence. In Deutschland wird nur ein Bruchteil der verschriebenen Medikamente wirklich eingenommen, die Gründe sind zahlreich und vielfältig. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir wohl am ehesten beim Umgang mit Nebenwirkungen ansetzen können und jetzt bei der Verschreibung und bei der Kontrolle des Medikamentenplans gezielter nach Nebenwirkungen fragen werden.

Am Donnerstag war mit dem Weiberfasching das närrische Treiben auch in der Gemeinschaftspraxis angekommen. Unter dem Motto „Zauberwald“ wimmelte es nur so von sagenhaften Rehlein und Elfen in der Sprechstunde.

Am Freitagmittag hatte der Patientenansturm etwas nachgelassen und ich konnte mit Dr. Blank das Curriculum besprechen. Jetzt sind schon zwölf Wochen vorbei, wir überlegten uns, welche Ziele ich mir für die letzten vier Wochen vornehmen werde.

KW 8 – die dreizehnte Woche

Mein Wochenthema war Prävention. Es werden unterschiedliche Arten von Prävention unterschieden: Primärprävention – verhindern, dass Krankheiten entstehen; Sekundärprävention – Krankheiten z.B. durch Früherkennung rechtzeitig entdecken und behandeln; Tertiärprävention – den Progress vorhandener Erkrankungen verlangsamen und Komplikationen rechtzeitig erkennen; Quartärprävention – Schutz vor Übermäßiger Diagnostik und Therapie.
Im Praxisalltag spielen alle Präventionsformen eine wichtige Rolle. Ich finde, dass die Primärprävention am schwierigsten umzusetzen ist. Oft stehen den wünschenswerten Veränderungen die aktuellen Lebensumstände oder der innere Schweinehund im Weg. Ich habe gelernt, dass es entscheidend ist, genau diese Hürden zu erkennen und zu thematisieren. Vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit, ein wenig mehr Bewegung in den harten Alltag einer alleinerziehenden Mutter zu integrieren, oder ein Rauchstopp lässt sich terminieren, sobald z.B. die anstrengende Hausrenovierung abgeschlossen ist.
Als ein Baustein der Tertiärprävention hospitierte ich einen Tag in der Ergotherapie. Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, zu unterstützen. Dies sind z.B. Schlaganfallpatienten, deren Hand nur noch eingeschränkt beweglich ist. Diese wird ganz gezielt beübt, damit der Alltag wieder so eigenständig wie möglich gemeistert werden kann. Ich erlebte sehr unterschiedliche Krankheitsbilder, sehr motivierte Patienten zu Beginn einer Therapie und sehr zufriedene Patienten, die nach langem Üben gute Fortschritte erreicht hatten.

KW-9 – die vierzehnte Woche

Mein PJ-Tertial neigt sich dem Ende zu, und die Themen im Curriculum werden umfassender und komplexer. In dieser Woche beschäftigte ich mich mit „dem alten Patienten“. Das Alter stellt nicht nur den Menschen selber, sondern häufig auch seine Angehörigen und auch die Ärzte vor Herausforderungen. Wie damit umgehen, dass sich immer mehr „Wehwehchen“ ansammeln und dass der eigene Aktionsradius immer kleiner wird? Was tun, wenn Oma schon mehrfach vergessen hat, den Herd abzustellen? Wie damit umgehen, wenn der Patient mit einer DinA4-Seite Medikamente aus dem Krankenhaus entlassen wurde und jetzt über Schwindel klagt? Solche Fragestellungen beschäftigen uns täglich. Für mich geht es dann eher um den besten Kompromiss als um die medizinisch perfekte Lösung. Ganz entscheidend dafür ist es, mit dem Patienten zu besprechen, was seine Wünsche und Vorstellungen sind. Da es ja häufig nicht nur um den Patienten selber geht, ist es manchmal hilfreich, auch die Angehörigen mit ins Boot zu holen.

Um einen Aspekt der Betreuung alter Patienten ging es auch im Journal Club. Ich konnte einen Review über die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Antidementiva vorstellen. Wir diskutierten den Umgang mit diesen Medikamenten in großer Runde mit Allgemeinärzten aus der Region.

KW 10-11 – der Endspurt

Die letzten zwei Wochen meines Allgemeinmedizintertials standen ganz im Zeichen des
Studentenprojektes „Exzellenter Winter“. Eine Gruppe aus ca. 25 Famulanten verbringt 4
Wochen in den Praxen der Region und hat die Möglichkeit, an zahlreichen Kursen
teilzunehmen. Die Vorbereitung und Durchführung dieser Kurse nahm eine Menge Zeit in
Anspruch, gab mir jedoch die Möglichkeit meine Kenntnisse u.a. in der EKG-Interpretation
umfassend aufzufrischen.
Im Wartezimmer war der aktuelle Höchststand der Grippewelle deutlich sichtbar,
ausreichend Arbeit für Ärzte, PJ-Studenten und Famulanten. Zeitweise durfte ich die
Famulanten mitbetreuen und merkte hier, welche großen Fortschritte ich in den letzten vier
Monaten gemacht habe, ein tolles Gefühl. Zum Ende der Woche hieß es dann Abschied
nehmen von dem fantastischen Team der Gemeinschaftspraxis, die mich so gut beim Lernen
unterstützt haben. Herzlichen Dank an Alle!

Peter Philipsborn

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Hallo! Wie schon meine PJ-Vorgänger möchte ich an dieser Stelle jede Woche über meine Erfahrungen im Wahltertial Allgemeinmedizin berichten.

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Nach acht Monaten in der Schweiz kam ich für das letzte Tertial meines Praktischen Jahres in die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald in Kirchberg im Wald. Ich hatte die Praxis vor knapp zwei Jahren im Rahmen des Blockpraktikums Allgemeinmedizin kennengelernt, und wusste seitdem, dass ich für das Praktische Jahr hierher zurückkehren würde.

Über vieles ließe sich schreiben, um die Arbeit und das Leben hier zu charakterisieren. Von den vielen Aspekten möchte ich für diesen ersten Beitrag einen herausgreifen: Der wissenschaftliche Geist und der hohe fachliche Anspruch, der die Arbeit hier prägt.

Evidenzbasierte Medizin wird üblicherweise definiert als medizinisch-praktische Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung und bewusster Integration der bestverfügbaren wissenschaftlichen Evidenz, klinischer Erfahrung und Patientenpräferenzen. Genau dieses Prinzip – die Berücksichtigung und Integration der drei Dimensionen Evidenz, Erfahrung und Patientenpräferenzen und die Umsetzung dieser in die Praxis – wird hier in verschiedener Hinsicht sehr konsequent umgesetzt.

Ein Beispiel hierfür sind die regelmässig stattfindenden Journalclubs des Praxisnetzes GUAD (GUAD steht für „Gut Betreut im Arberland“; es ist ein Netzwerk von mehreren Einzel- und Gemeinschaftspraxen). Die Teilnehmenden sind niedergelassene Haus- und FachärztInnen aus der Region, ÄrztInnen in Weiterbildung aus Praxen und den beiden regionalen Kliniken und PJ-Studierende und Famulanten. JedeR hat die Möglichkeit, aktuelle Fachartikel, Leitlinien-Updates oder andere relevante Texte vorzuschlagen und vorzubereiten; im jeweils nächsten Journal-Club werden diese dann zunächst in Kleingruppen besprochen und dann der Gesamtgruppe vorgestellt und in dieser diskutiert.

Ich konnte ein Thema übernehmen, das ursprünglich von Julia Friedl vorgeschlagene worden war, einer Ärztin in Weiterbildung aktuell im Krankenhaus Viechtach, die Nachtschicht-bedingt kurzfristig verhindert war. Es handelt sich um die aktuelle S2k-Leitlinie zur Akuttherapie und Management der Anaphylaxie, und speziell den Umgang mit der Ausstattung von PatientInnen mit Notfallmedikamenten. Die Leitlinie empfiehlt, alle PatientInnen, die einmalig eine anaphylaktische Reaktion gegen ein nicht sicher vermeidbares Allergen erlitten haben, mit einen Notfallset auszustatten, bestehend aus einem oralen Glucocorticoid, einem oralen Antihistaminikum und einem Adrenalin-Autoinjektor. Eine anaphylaktische Reaktion wird von der Leitlinie wiederum definiert als eine „akute systemische Reaktion mit Symptomen einer allergischen Sofortreaktion, die den ganzen Organismus erfassen kann und potenziell lebensbedrohlich ist“, wobei die Leitlinie die Unschärfe dieser Definition und die vielen abweichenden Verwendungen des Begriffs anerkennt.

Auch wenn es zu diesem Thema, wie in der Leitlinie thematisiert, nur wenige wissenschaftliche Studien gibt (seltene, unvorhersehbar auftretende und potentiell lebensgefährliche Notfallsituationen mit z.B. randomisiert-kontrollierten Studien zu untersuchen ist praktisch und ethisch oft schwierig) kann die Leitlinie als die beste im Moment verfügbare wissenschaftliche Evidenz zu dieser Frage gesehen werden, weshalb ihre Empfehlungen Berücksichtigung finden sollten. Wie aber sollte man in Grenzfällen verfahren? Kurz vor dem Termin des Journal-Clubs war ein gut 50-jähriger Patient notfallmässig in unsere Praxis gekommen, der eine Stunde zuvor von einer Wespe gestochen worden war und daraufhin leichten Juckreiz am ganzen Körper entwickelt hatte, sich etwas schummrig fühlte und ein pelziges Gefühl und eine leichte Schwellung im Mund verspürte. In unserer Praxis war er zu jedem Zeitpunkt kardiopulmonal stabil mit einem Blutdruck von 150/85 mmHg bei bekannter arterieller Hypertonie und ruhiger Atmung. Die subjektiven Beschwerden bildeten sich unter 200 mg Prednisolon i.v. innerhalb von 20 Minuten zurück.

Waren in diesem Fall nun die Definitionskriterien der Leitlinie erfüllt oder nicht? Sollte man diesen Patienten mit einem Notfallset ausstatten (einem nicht ganz billigen Päckchen von rund 15x15x20 cm Größe, dass leitliniengemäß immer und bei jeder Gelegenheit mitgeführt werden muss, nicht ganz einfach zu handhaben ist und jedes Jahr durch ein Neues ersetzt werden muss)? Was, wenn man weiß, dass der oder die PatientIn realistisch betrachtet das Notfallset meistens nicht dabei haben wird? Was tun, wenn die Indikation für ein Notfallset nach klinischem Urteil eigentlich nicht erfüllt sind, eine PatientIn jedoch sehr risikoavers und sicherheitsbedürftig ist und sich ein Notfallset ausdrücklich wünscht? Zu diesen Fragen die Erfahrungen der anwesenden ÄrztInnen zusammenzutragen, abzugleichen und vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Leitlinie zu diskutieren war höchst spannend, und ein Paradebeispiel für evidenzbasierte Medizin in der Praxis. (Dem Patienten aus der Praxis hatten wir kein Rezept für ein komplettes Notfallset, wohl aber zwei Cortison-Tabletten à 50 mg aus dem Praxisbedarf mitgegeben, einschließlich des Rats diese bei wiederauftretenden Beschwerden sofort einzunehmen und sich dann auch schnellstmöglich in ärztliche Behandlung zu begeben – eine der verschiedenen Möglichkeiten, mit einer solchen Situation umzugehen).

Woche 2

Ein zentrales Merkmal evidenzbasierter medizinischer Praxis ist es, die eigenen Routinen immer wieder kritisch auf den Prüfstand zu stellen, wenn neue wissenschaftliche Evidenz hierzu Anlass gibt. Dies ist besonders wichtig bei häufig auftretenden Krankheitsbildern und alltäglichen Problemen – gerade für solche entwickelt man Routinen, und gerade bei diesen ist allein durch die Zahl der betroffenen PatientInnen der potentielle Nutzen besonders groß.

Es war und ist in vielen Kliniken gängige Praxis, bei PatientInnen nach tiefer Beinvenenthrombose (TVT) Kompressionsstrümpfe anzuwenden. Grund hierfür ist, dass die Entstehung eines postthrombotischen Syndroms (PTS) verhindert werden soll. Das PTS ist eine mögliche Komplikation einer TVT, die – so die gängige Lehrmeinung – durch eine Schädigung der Venenklappen und einer folgenden Varikosis mit chronisch-venöser Insuffizienz bedingt ist.

Kompressionsstrümpfe sind nicht besonders beliebt bei PatientInnen – und so fragte letzte Woche eine betroffene Patientin in unserer Praxis, ob sie denn wirklich unbedingt diese fürchterlich engen Strümpfe tragen solle (gerade jetzt im Sommer!), und was denn da eigentlich der Nutzen sei. Schnell auf AMBOSS nachgeschlagen fand ich dort den Hinweis dass ja, eine Kompressionstherapie nach TVT unbedingt empfehlenswert sei um das Auftreten eines PTS zu verhindern. Zu Beginn solle die Kompression mittels elastischen Wickelverband erfolgen, und nach dem Nachlassen der anfänglichen Schwellung durch angepasste Kompressionsstrümpfe, die für mindestens 3 Monate getragen werden sollten, je nach Verlauf und insbesondere bei Anzeichen für eine chronisch-venöse Insuffizienz auch länger, gegebenenfalls lebenslang.

Ich selber hätte mich hiermit zufrieden gegeben, denn als Medizinstudent im Jahr 2017 bin ich spätestens seit der Examensvorbereitung darauf konditioniert, dass gilt was AMBOSS sagt. Doch Dr. Blank hatte in Erinnerung, dass die besagte, auch in AMBOSS dargestellte Lehrmeinung von einer neueren Studie grundlegend in Frage gestellt worden sei, und bat mich, der Sache auf den Grund zu gehen.

Als Quelle wird auf AMBOSS die S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie“ vom Oktober 2015 genannt – und in dieser heißt es tatsächlich unmissverständlich: Um Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms zu reduzieren, sollte [nach TVT] frühzeitig mit einer Kompressionstherapie begonnen werden. Die Leitlinie führt aus, dass in zwei Studien aus den Jahren 1997 und 2004 ein Nutzen für die Kompressionstherapie nach TVT nachgewiesen wurde. Eine Studie aus dem Jahr 2014 konnte zwar keinen Nutzen zeigen, diese hätte jedoch methodische Mängel, so dass die Leitlinienautoren an der Empfehlung für eine Kompressionstherapie festhalten.

Bei der besagten Leitlinie handelt es sich um eine S2k-Leitlinie – das heißt eine konsensbasierte Leitlinie (das k steht für Konsens), die von einer repräsentativen Leitliniengruppe unter Beteiligung aller relevanten und interessierten Fachgesellschaften entwickelt wurde, allerdings ohne systematische Literatursuche- und synthese (wäre eine solche zusätzlich zum konsensbasierten Verfahren durchgeführt und bei der Leitlinienerstellung berücksichtigt worden würde es sich um eine S3-Leitlinie handeln, der höchsten Leitlinien-Entwicklungsstufe).

Eine schnelle PubMed-Suche mit den Suchbegriffen stocking* AND thromb* und dem Suchfilter „Meta-Analysis“ und „Systematic Reviews“ liefert vier aktuelle systematische Übersichtsarbeiten zur Frage, ob eine Kompressionstherapie nach TVT helfen kann, ein PTS zu verhindern: Berentsen 2016, Burgstaller 2016, Jin 2016, und Perrin 2016. Berentsen 2016 stellt fest, dass die methodisch besten Studien keinen Nutzen einer Kompressionstherapie nach TVT zeigten. Burgstaller 2016 führt aus, dass die vorliegenden Studien unterschiedliche Ergebnisse zeigten, und verzichtet (im Abstract) auf eine klare Aussage bezüglich des Nutzens einer Kompressionstherapie. Jin 2016 poolt die Ergebnisse der vorliegenden Studien in einer Meta-Analyse, welche keinen Nutzen einer Kompressionstherapie nach TVT zeigt, weist aber auch auf die Heterogenität der Studienlage hin und fordert weitere Forschung zu diesem Thema. Perrin 2016 schließendlich führt aus, dass zwei Studien mit sehr guter Therapieadhärenz (in denen die PatientInnen ihre Kompressionsstrümpfe also tatsächlich regelmässig trugen) einen Nutzen nachweisen konnten, die anderen Studien mit schlechterer Adhärenz den Bedingungen der Realität aber näher kämen. Offen bliebe jedoch die Frage, ob es vielleicht Subgruppen von PatientInnen mit TVT gäbe, die von einer Kompressionstherapie profitieren könnten….

Was heißt das nun für unsere Patientin? Aus den genannten Studien und Übersichtsarbeiten lassen sich sicherlich unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen, aber für mich lautet die vorläufige Quintessenz, dass wir (noch) nicht sicher sagen können, ob eine Kompressionstherapie nach TVT etwas nützt oder nicht. Gerade wenn die Evidenz uneindeutig ist (aber nicht nur dann) erscheint es besonders wichtig, PatientInnen eine gut und ausgewogen informierte eigene Entscheidung zu ermöglichen. Das nächste Mal würde ich einer Patientin wie der eingangs erwähnten daher vielleicht Folgendes erklären:

Manchmal werden durch eine Thrombose die Venen im Bein so geschädigt, dass sich Krampfadern entwickeln. In einigen Fällen können sich daraus Durchblutungstörungen mit schmerzhaften Schwellungen bis hin zu offenen Stellen an den Beinen entwickeln. Dies nennt man postthrombotisches Syndrom. Viele Experten glauben, dass Kompressionsstrümpfe helfen können, dies zu verhindern. Sie sollten jedoch wissen, dass nur manche Patienten dieses Syndrom entwickeln, und es bei Ihnen selbst dann auftreten kann, wenn Sie Kompressionsstrümpfe tragen. Vielleicht senken Kompressionsstrümpfe die Wahrscheinlichkeit, dass ein postthrombotisches Syndrom auftritt, aber ganz sicher wissen wir das nicht. Experten empfehlen, für mindestens drei Monate Kompressionsstrümpfe zu tragen – aber wie gesagt, ob dies wirklich etwas bringt wissen wir nicht sicher. Mein Vorschlag wäre, dass wir Ihnen ein Rezept für Kompressionsstrümpfe mitgeben und Sie diese ausprobieren und sich dann in Ruhe überlegen, ob sie diese weiter tragen möchten. Ende der Woche können wir uns dann wieder in der Sprechstunde sehen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wäre das so in Ihrem Sinne? Habe Sie jetzt noch Fragen, oder Dinge die Sie gerne besprechen möchten?“

Ein letzter Caveat noch: Über den Nutzen einer Kompressionstherapie aus anderen Gründen – etwa zur TVT-Prophylaxe nach Operationen, oder bei bereits bestehender chronisch-venöser Insuffizienz – ist damit noch nichts gesagt. Wie gut die Evidenz für einen Nutzen bei diesen Indikationen ist weiß ich nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Woche 3

Donnerstag morgen in der Praxis, ein neuer Patient, 50 Jahre, kommt zum ersten Mal zu uns, da sein alter Hausarzt in den Ruhestand gegangen ist, ohne einen Nachfolger zu finden. Eigentlich kommt er nur, um sich ein Rezept für seine Medikamente zu holen – ein Antihypertensivum (eine Fixkombination aus Ramipril und Amlodipin), Diclofenac und Pantoprazol als Bedarfsmedikation bei Rückenschmerzen. Ich messe den Blutdruck, der Wert ist passabel mit 135/85 mmHg. Ich blättere die alte, noch papierbasierte Patientenakte seines bisherigen Hausarztes durch, ein Laborblatt vom April diesen Jahres fällt mir in die Hand, mit einem Gesamtcholesterin von 220 mg/dl, und Triglyceriden von 700 mg/dl. Ob er schon einmal einen Cholesterinsenker genommen habe, frage ich – ja, doch, sein alter Hausarzt habe ihm mal so was empfohlen, aber genommen habe er es nie. Ich starte den Risiko-Rechner von Arriba, gebe seine Werte ein – er rauche, schon so ein Päckchen pro Tag, und ja, sein Vater sei an einem Schlaganfall gestorben, mit 45, aber Diabetes habe er keinen. Für Sport habe er keine Zeit, und auch sein Habitus passt dazu, dass er sich als Liebhaber der traditionellen bayerischen Küche zu erkennen gibt. Zusammen mit seinen unter Antihypertensiva hoch-normalen Blutdruckwerten und erhöhten Gesamt-Cholesterin und gerade noch normwertigen HDL-Cholesterin von 40 kommt er damit auf ein Risiko von 32%, während der nächsten 10 Jahre einen Herzinfarkt oder ein Schlaganfall zu erleiden.

Die bloße Vorstellung, das von 3 Patienten wie ihm einer während der nächsten 10 Jahre ein solches immer potentiell lebensbedrohliches Ereignis erleiden wird, ist für mich schwer zu fassen – gerade weil Arriba eine solche individualisierte Quantifizierung des Risikos erlaubt, empfand ich es in diesen Moment so, als würden wir Patienten wie diesen im Prinzip sehenden Auges in ihr Verderben schicken. Immerhin, durch eine kombinierte Therapie mit einem Statin und ASS ließe sich das Risiko von 32 auf 22% senken, was natürlich in Segen ist.

Um sein Risiko in den durchschnittlichen Bereich (um genau zu sein, auf 7,9%, ohne zusätzliche Medikation) zu senken, bräuchte er einen Rauchstopp, ausreichend Bewegung und eine gesündere Ernährung.

Ein neues Medikament zu verschreiben, das ist leicht getan, einen Menschen dazu in die Lage zu versetzen, sein Leben umzustellen, seinen Alltag mit neuen, gesünderen Routinen und Ritualen zu füllen, das ist ungemein schwerer. Und es ist auch etwas, worüber wir in unserem Studium nur sehr wenig gelernt haben. Denn, das ist klar, mit einem kurzen Hinweis an eine PatientIn, er oder sie solle mit dem Rauchen aufhören, sich gesünder ernähren und ausreichend bewegen ist es nicht getan. Es gibt evidenzbasierte Methoden und Verfahren, mittels derer PatientInnen effektiv bei Lebensstil-Änderungen unterstützt werden können – etwa Kurzinterventionen nach dem 5-A-Prinzip (Ask – Assess – Advise – Agree – Assist), die für die Unterstützung eines Rauchstopps ebenso wie bei Adipositas eingesetzt werden können.

Auch hierüber mehr zu lernen, und Routine und Erfahrung zu gewinnen in der Beratung von PatientInnen in diesen Fragen, das ist eines meiner Lernziele für dies PJ-Tertial.

Bei dem eingangs erwähnten Patienten müsste es noch um mehr als das gehen – die Triglyceride von 700 mg/dl hätten mich stutzig machen können, doch bewusst wurde es mir erst, als diese später Dr. Blank ins Auge fielen und er den Patienten fragte, wie viel Bier er denn pro Tag so trinke, und er antwortete, dass es so schon so 5, 6 Halbe am Tag seinen, manchmal auch mehr. Es gibt viel zu tun.

Woche 4

Eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums war ein Pflegepraktikum auf einer neurologischen Station mit angegliederter Stroke-Unit, d.h. einer spezialisierten Station für die Akutversorgung von Schlaganfall-Patienten. Nie werde ich den Blick der PatientInnen vergessen, die nach einem Schlaganfall an weiten Teilen ihres Körpers gelähmt waren und die Fähigkeit verloren hatten, zu sprechen oder zumindest sich sprechend verständlich zu machen, und dies alles bei vollen Bewusstsein zu erleben schienen – so viel Leid und existenzielle Verzweiflung konzentriert im Ausdruck zweier Augen; jedes Mal wenn mich ein solcher Blick traf, jagte es mir einen Schauer durch den ganzen Körper. Und dann die eigene Hilflosigkeit angesichts der Fassungslosigkeit und Trauer der Angehörigen, die nach Besuchen oft schluchzend die Station verließen. Diese Station war ein guter Ort, nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen der modernen Medizin zu erfahren.

Einer der wichtigsten Ansätze zur Prävention von Schlaganfällen ist die orale Antikoagulation – d.h. die Gabe eines Mittels zur Hemmung der Blutgerinnung in Tablettenform – bei PatientInnen mit Vorhofflimmern (VHF). VHF ist die häufigste anhaltende Rhythmusstörung, mit einer geschätzten Prävalenz in der Gesamtbevölkerung von 1-2%, und bis zu 10% unter den über 65-jährigen. Die Flimmerbewegung des Herzvorhofs begünstigt die Bildung von Thromben, welche über die linke Kammer, die Aorta und die Karotiden ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen können. Deshalb besteht bei PatientInnen mit VHF ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko – wie hoch genau dieses ist hängt von einer Reihe weiterer Faktoren ab, z.B. dem Alter, dem Geschlecht und sonstigen Erkrankungen der PatientIn. Auf Grundlage großer Studien wurde der sogenannte CHA2DS2-VASc-Score entwickelt, der eine genaue Quantifizierung dieses Risikos erlaubt.

Die aktuellen Leitlinien empfehlen, dass alle PatientInnen mit einem CHA2DS2-VASc-Score von mind. 2 (bei Männern) oder mind. 3 (bei Frauen) eine orale Antikoagulation erhalten sollten. Dies senkt das Schlaganfallrisiko und auch die Gesamtmortalität und -morbidität nachweislich ganz erheblich, und kann so helfen, das Leid zu vermeiden, das ich während meines Pflegepraktikums so eindrucksvoll erlebt hatte. Doch keine Wirkung ohne Nebenwirkung, und so sind auch orale Antikoagulanzien ein zweischneidiges Schwert: Sie können zwar das Risiko für ischämische, d.h. thromboembolisch bedingte Schlaganfälle senken, erhöhen aber auch das Risiko für Blutungen, u.a. Magen-Darm-Blutungen und Blutungen im Gehirn. Um das Risiko für solche schwerwiegenden Blutungen unter oraler Antikoagulation abzuschätzen, gibt es wiederum einen anderen Score, den HAS-BLED-Score. Dieser kann helfen, PatientInnen mit erhöhten Blutungsrisiko zu identifizieren und bei diesen veränderbare Risikofaktoren für Blutungen zu minimieren. Außerdem sollten wegen des erhöhten Blutungsrisikos PatientInnen natürlich wirklich nur dann eine orale Antikoagualation erhalten, wenn diese gemäß des jeweils aktuellen CHA2DS2-VASc-Score also auch tatsächlich indiziert ist.

Deshalb ist es wichtig, bei allen PatientInnen mit Vorhofflimmern den CHA2DS2-VASc-Score zu kennen, und bei allen PatientInnen unter oraler Antikoagulation den HAS-BLED-Score. In der Eile des Praxisalltags ist natürlich oft keine Zeit, diese Scores zu bestimmen – und so ist die Idee für ein Projekt entstanden, mit dem meine PJ-Kollegin Wibke und ich uns die nächsten Wochen beschäftigen werden: zusammen mit den medizinischen Fachangestellten der Praxis werden wir von allen betroffenen PatientInnen die beiden Scores bestimmen, diese im Notizfeld der elektronischen Patientenakte gut sichtbar dokumentieren, und auf dieser Grundlage jeweils die Indikation für die orale Antikoagulation überprüfen und bei erhöhten Blutungsrisiko prüfen, ob vermeid- oder veränderbare Risikofaktoren für Blutungen vorliegen.

Auch das ist moderne Medizin im besten Sinne: Die Möglichkeiten evidenzbasierter Algorithmen, zeitgemäßer IT-Technik und guter Teamarbeit zu nutzen, um für alle PatientInnen mit den verfügbaren Ressourcen die jeweils besten Therapieentscheidungen zu finden, und so menschliches Leid zu verhindern, und möglichst vielen Menschen ein möglichst langes, schönes und gutes Leben zu ermöglichen.

Woche 5

Was mich seit meinem ersten Pflegepraktikum ganz zu Beginn des Studiums mit am meisten an der Medizin fasziniert, sind die Einblicke, die sie in das Leben von Menschen und damit in unsere Gesellschaft erlaubt. Die Medizin und ihr äußerer Rahmen, das Gesundheitssystem, begegnet und begleitet die Menschen bei den fundamental bedeutsamen Lebensereignissen Konzeption, Schwangerschaft, Geburt, Krankheit, Sterben und Tod – und bei vielen Kleinerem und Größerem dazwischen, bei der Jugendarbeitsschutzuntersuchung vor dem ersten Job, bei persönlichen Krisen, bei den ersten Anzeichen des Alterns, und dann beim Fortschreiten von diesem.   Spricht man mit Patienten, so erfährt man oft vieles über ihr Leben, und darüber was ihnen dieses bedeutet, was es für sie mit Sinn und Inhalt füllt, wie ihr Alltag aussieht, was sie sich wünschen, was ihre Ziele und Ängste sind. In die Anamnese, und in den von uns mit Befunden und Diagnosen erfassten Gesundheitsstatus scheint oft eine ganze Lebensgeschichte eingeschrieben zu sein – bei der 80-jährigen Bäuerin mit Coxarthrose, die von der Arbeit auf den Feldern erzählt und davon, dass sie nicht mehr wolle, als noch einmal ohne Schmerzen zu dem Hof und den Stall mit den Kälbern zu laufen, wo sie ihr ganzes Leben verbracht habe; der 16-Jährige, der von der Arbeit überfordert und von seinen Arbeitskollegen gemobbt seine Ausbildung abbrechen will und flehentlich um eine Krankmeldung bittet; die 50-jährige ehemalige Altenpflegerin mit chronischen Schmerzen und einer zwei Seiten langen Medikamentenliste, die erzählt wie sie vor 8 Jahren nach einer Nachtschicht im Sekundenschlaf von der Fahrbahn abkam, und seitdem nicht wieder auf die Beine gekommen sei.Dies gilt für die Medizin ganz allgemein – doch nirgends habe ich diesen Aspekt der Medizin so umfassend und intensiv erlebt wie hier während meines PJ-Tertials in der Allgemeinmedizin. Denn in der Klinik begegnen einen nur PatientInnen, die schwer genug krank sind dass dies eine Einweisung rechtfertigte; und, und dies ist vielleicht noch wichtiger, im Krankenhaus sind sie aus ihrem Alltag und ihrem Umfeld gerissen, und – so scheint es oft – mit Barcode-Bändchen und im einheitlich gemusterten Krankenhaushemd ihrer Individualität beraubt und auf das Dasein als Patient reduziert. Das Setting der Institution Krankenhaus und die Rollenverteilung Personal versus Insassen mit ihrer ausgeprägten Macht- und Informationsasymmetrie prägt auch das Arzt-Patientenverhältnis in der Klinik, und erschwert dort das Kommunizieren auf Augenhöhe.

Wie anders ist dies in der Hausarztpraxis – hier erlebt man PatientInnen als Menschen inmitten ihres alltäglichen Lebens und in ihrem gewohnten, dem sie prägenden Umfeld. Hier lernt man, was Gesundheit und Krankheit für Menschen in ihrem Alltag bedeutet, hier erfährt man unmittelbar wie Diagnosen, Befunde und Beschwerden das Leben von Menschen verändern, wie sie damit umgehen, auf sie reagieren und sich unter ihnen verändern. Und hier wird einem auch bewusst, wie Gesundheit und Krankheit mit all dem anderen verwoben ist, was dem Leben von Menschen Sinn, Inhalt und Erfüllung gibt. In keinem anderen Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens ist man so nah am Leben der Menschen, für deren Gesundheit man durch die Wahl des eigenen Berufes Verantwortung übernommen hat.

Aus diesem Grunde glaube ich, dass, egal in welchem Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens man einmal arbeiten möchte, Erfahrungen in der Allgemeinmedizin ganz essentiell sind, um eine gute Ärztin oder ein guter Arzt zu werden – und das Praktische Jahr ist mit die beste Gelegenheit hierfür.

Ich selber weiß noch nicht, ob ich mein Leben als Hausarzt verbringen werde – zwar hat mir die Allgemeinmedizin von allen medizinischen Fächern bislang die positivsten Erfahrungen geboten, aber vielleicht wird mein Platz später einmal doch ein anderer sein. Denn mein Herz schlägt auch für die Forschung, und für die Beschäftigung mit den Rahmenbedingungen von Gesundheitsversorgung und Gesundheit im Allgemeinen. Dazu zu forschen, darüber nachzudenken, und dafür zu arbeiten, wie sich Gesundheitsversorgung am besten organisieren lässt, und wie wir als Gesellschaft gesündere Lebensbedingungen für uns alles schaffen können – auch dies fasziniert und beschäftigt mich, und vielleicht wird mich mein Weg auch weiter in diese Richtung führen. Doch auch dafür kann ich mir bessere Vorbereitung vorstellen als die Arbeit hier in der Hausarztpraxis, denn erst hier habe ich begonnen zu verstehen, was uns Gesundheit in unserem Leben bedeutet.

Woche 6

Nicht nur über das Leben der Menschen hier lerne ich viel, sondern auch sehr viel klassisch Klinisch-Praktisches, über Ätiologie, Pathogenese, Klinik, Diagnostik und Therapie. Die Arbeits- und Betreuungsverhältnisse hier erlauben einen höchst effektiven, vielfältigen Lernmodus.

Dieses Lernen beginnt damit, dass meine Mit-PJlerin Wibke und ich den Vormittag wechselnd an einem der vier Praxisstandorte verbringen; dort führen wir mit den in die Sprechstunde kommenden PatientInnen die Anamnese, körperliche Untersuchung und soweit nötig weitere Diagnostik durch, und rufen dann eine der ÄrztInnen hinzu um das Beratungsergebnis und das weitere Procedere zu besprechen. (Das Beratungsergebnis kann eine exakte Diagnose sein, oder auch nur ein Symptom, eine Symptomgruppe, das Bild einer Krankheit oder ein Befund ohne Krankheitswert). Diese 1:1-Betreuung durch erfahrene ÄrztInnen mit teils jahrzehntelanger praktischer Erfahrung und neben der Allgemeinmedizin weiteren unterschiedlichen fachlichen Hintergründen ist gigantisch.

Daneben können wir uns zwischen den einzelnen PatientInnen immer auch Zeit nehmen, um Dinge nachzulesen und nachzurecherchieren. Die Praxis verfügt über Zugänge zu UpToDate, Deximed, dem Arzneimitteltelegram und der Cochrane Library, und über Computer in (fast) jedem Zimmer, so dass eine effiziente und zugleich umfassende Recherche jederzeit möglich ist. Die praxisinterne Dokumentation ist vollständig digitalisiert und über eine übersichtliche und perfekt integrierte Praxissoftware organisiert, so dass ein paar Mausklicks reichen, um sich einen Überblick über Medikation, Untersuchungs- und Laborergebnisse, Vorbefunde und vorliegende Arztbriefe von FachärztInnen und Kliniken zu verschaffen. (Es ist enorm, wie sehr allein dies die Arbeit erleichtert und hilft, schneller bessere Entscheidungen zu treffen und Fehler zu vermeiden – man kann sich nur wundern, wie anachronistisch die oft noch im vor- bis frühdigitalen Zeitalter steckengebliebenen Dokumentationssysteme vieler Unikliniken im Vergleich dazu doch sind). In das Verordnungs-Plugin der Software ist eine Arzneimitteldatenbank integriert, welche übersichtlich formatiert Inhaltsstoffe, Indikationen, Dosierungshinweise, Nebenwirkungen und Warnhinweise auflistet, und so ein mühsames Recherchieren in der Roten Liste erspart.

Im Anschluss an die Vormittagssprechstunde gibt es eine Fallbesprechung mit den an den vier Praxisstandort tätigen, per Videokonferenz zusammengeschalteten ÄrztInnen, bei der schwierige oder unklare Fälle zusammen besprochen werden können – gerade hier zahlt sich aus, dass in der Praxis junge, frisch von der Uni kommende ebenso wie ältere, praxiserfahrene ÄrztInnen zusammenarbeiten.

Die Vormittagssprechstunde dauert vier Stunden, von 8 bis 12 Uhr – lang genug, um jeden Tag mit einen frischen Schatz an neuen Eindrücken und Erfahrungen in die lange Mittagspause zu gehen, welche man dann dazu nutzen kann, Notizen zu machen, Dinge noch einmal vertiefend nachzulesen, das Erlebte sich setzen zu lassen, sich auszuruhen und Sport zu treiben, um dann um 16 Uhr mit frischen Kopf in die zweistündige Nachmittagssprechstunde zu gehen.

Dieser Lernmodus erlaubt das unmittelbare Verknüpfen von Erfahrungswissen, wie man es im Umgang mit individuellen Patienten erwirbt, mit theoretischem Wissen aus Leitlinien, Lehrbüchern und Online-Nachschlagwerken. Für mich ist dies nicht nur eine der effektivsten und effizientesten, sondern auch eine der anschaulichen und lebendigsten Formen des Lernens.

Woche 7

Es versetzt mich immer wieder in Staunen, was wir alles schon wissen – wie der Aufbau und die Funktionsweise der kleinsten Strukturen im Körper, der Ablauf von Stoffwechselvorgängen auf molekularer Ebene, die Entstehung von Krankheiten und die Wirkung von Medikamenten schon so gründlich erforscht und aufgeklärt wurden, wie unglaublich viel feingliedriges Wissen zu so vielen winzig kleinen Detailaspekten von unserem Körper bekannt ist. 27 Millionen Fachartikel sind auf PubMed in Sekundenschnelle mit einem Mausklick durchsuchbar, und jeden Tag, jede Stunde kommen tausende, abertausende neue hinzu, weil überall auf der Welt ForscherInnen damit beschäftigt sind, die Fronten dessen was wir schon wissen und verstehen noch weiter nach Vorne zu verschieben und verbleibende weiße Flecken auf der Landkarte des Wissens mit neuen Erkenntnissen zu füllen. Und was mich nicht minder in Staunen versetzt, ist, was wir alles nicht wissen.

Gestern kam ein junger Patient in die Praxis, ein Hobby-Fußballer, alles an ihm, sein Blick, seine Kleidung, sein Körper, seine Haltung, sprühte Freude an einem Leben in Bewegung aus. Doch er humpelte, denn eine Woche zuvor war er beim Sport mit dem Fuß umgeknickt, im Krankenhaus war dann eine Distorsion des oberen Sprunggelenks (OSG) mit Bänderriss diagnostiziert und mit einer AirCast-Kunststoffschiene versorgt worden. Von uns brauchte er nur eine Verlängerung seiner Krankmeldung – als Zimmermann könne er im so verletzten Zustand nicht arbeiten. Beim Verlassen des Patientenzimmers fragte er dann noch, wie lange er die Schiene denn noch tragen solle – besonders nachts beim Schlafen drücke sie nämlich.

Ja, wie lange also soll er die Schiene tragen? Dass ist eine Frage, die sich wahrscheinlich jeden Tag viele hundert Menschen in Deutschland stellen – denn zu immerhin 2700 OSG-Distorsionen kommt es auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet jeden Tag, bei einer Inzidenz von 12,8 pro 1000 Personenjahren (diese Zahl stammt zugegebenerweise aus den Niederlanden, aber dürfte in Deutschland in einer ähnlichen Größenordnung liegen).

Gemäß meinem üblichen Algorithmus lese ich zuerst auf Amboss nach und dann auf Deximed, und suche nach einschlägigen Leitlinien. Auf Amboss ist nur zu erfahren, dass bei Bandverletzungen des OSGs eine Sprunggelenksorthese angelegt werden könne, sofern starke Schmerzen und/oder Instabilität bestehen – aber keine Information dazu, für wie lange. Auch Deximed hilft nicht weiter, doch eine Suche nach Leitlinien liefert immerhin eine S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie mit dem vielversprechenden Titel „Frische Außenbandruptur oberes Sprunggelenk (OSG)“. Dass die Leitlinie schon seit 2002 nicht mehr aktualisiert wurde ist ein wenig irritierend, und zwar listet auch sie „funktionelle Schienen, Bandagen, Orthesen“ als empfohlene therapeutische Maßnahmen, doch für wie lange diese getragen werden sollen, darüber geht auch sie elegant hinweg.

Bleibt also noch UpToDate als nächste Eskalationsstufe der Recherche, und dort umfasst der Artikel zu „Ankle sprain“ in kleiner Schrift eng gedruckt 37 DIN A4 Seiten – darin sollte man also fündig werden. Und tatsächlich: Bei einer leichten Bänderzerrung, so heißt es dort, reiche meist die Behandlung „mit einer elastischen Binde für ein paar Tage“, und bei mittelstarken Bänderzerrungen könne zusätzlich eine Aircast-Schiene „für bis zu ein paar Wochen“ getragen werden, wobei dies einer frühen Rehabilitierung mit geeigneten Bewegungsübungen nicht im Wege stehen solle. (Alles recht schwammige Formulierungen, und auch ohne Quellenangaben, aber immerhin). Doch bei unserem Patienten war nicht nur eine leichte Bänderzerrung, sondern ein Bänderriss diagnostiziert worden – und mit welcher Art von Schiene und für wie lange solche Patienten versorgt werden sollten, darüber bestehe Unklarheit, schreibt UpToDate: Es gebe zwar diverse Studien hierzu, doch lieferten diese sehr disparate Ergebnisse, und die meisten dieser Studien seien aufgrund von kleinen Teilnehmerzahlen, fehleranfälligen Studiendesigns und unvollständigen Beschreibungen auch nur wenig aussagekräftig.  Entsprechend seien auch die vorliegenden systematischen Übersichtarbeiten zu dieser Fragestellung nicht konklusiv.

Wir wissen es also nicht – und das ist doch bemerkenswert: Jedes Jahr erleiden alleine in Deutschland fast eine Millionen Menschen eine OSG-Distorsion (basierend auf den bereits oben zitierten Inzidenz-Zahlen aus den Niederlanden), von denen zwar sicherlich nicht alle, aber doch bestimmt ein guter Teil mit Schienen verschiedener Art versorgt werden – doch wie lange sie diese tragen sollen, das kann ihnen niemand sagen. Dabei wäre dies eigentlich ganz einfach herauszufinden: Aufgrund der hohen Zahl der betroffenen PatientInnen würde es reichen, nur ein paar Tage lang alle PatientInnen, die mit einer OSG-Distorsion in Deutschland eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme aufsuchen, nach dem Zufallsprinzip einer von mehreren verschiedenen Gruppen zuzuweisen, die ihre Schienen dann jeweils für unterschiedlich lange Zeit tragen sollen. Bei ihrem nächsten Arztbesuch könnten sie dann nach dem Heilungsverlauf und ihren Beschwerden befragt werden, und so würde sich schnell herausstellen, was der optimale Zeitraum für das Tragen der Schiene ist.

Das einzige, was es hierfür bräuchte, wäre ein Software-Plugin für die in Praxen und Kliniken verwendeten elektronischen Patientenakten, mit dem sich PatientInnen bei alltäglichen Beratungsanlässen in unterschiedliche Therapiegruppen randomisieren, und die im Verlauf routinemäßig erhobenen und dokumentierten Befunde zentral auswerten ließen. So ließen sich, mit minimalen zusätzlichen Kosten, die gigantischen Datenmengen die tagtäglich in Praxen und Kliniken anfallen dazu nutzen, um endlich zuverlässige Antworten zu finden auf alltägliche und gerade deshalb wichtige therapeutische Fragen – Fragen wie ob Ibuprofen oder Paracetamol besser hilft bei muskuloskelettalen Schmerzen; welches der vielen verschiedenen Statine das beste Nutzen-Nebenwirkungsprofil aufweist; ob Phytotherapeutika bei Schnupfen etwas bringen; ob man bei einer Erkältung besser zu hause bleiben oder an die frische Luft gehen sollte; ob Kompressionstrümpfe helfen, nach tiefer Beinvenenthrombose ein post-thrombotisches Syndrom zu verhindern; ob Phenprocoumon, Rivaroxaban, Apixaban oder Dabigatran für die Prävention von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern am besten sind; ob Ernährungsberatung bei Adipositas hilft; und viele, viele andere Fragen mehr.

Diese Idee ist so naheliegend, dass sie – natürlich – nicht neu ist; einer ihrer größten Verfechter ist der britische Arzt, Journalist

Wibke Janhsen

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Woche 1

Ob durch die lange Fahrzeit durch Sommerferienverkehr, Baustellen und Umleitungen oder die letzten 100 km bergauf- und bergab durch die Ausläufer des Bayerischen Waldes auf der Bundesstraße -  die Anreise von Erfurt nach Kirchberg im Wald fühlte sich beinahe wie eine Reise in den Urlaub an. Die letzten Meter kamen mir jedoch schon etwas vertrauter vor. Vor zwei Jahren habe ich bereits im Exzellenten Sommer die Region (und die Praxis in Kirchberg) etwas näher kennen lernen können. So war für mich bei der Ankunft in Kirchberg nicht alles ganz neu, sondern ich wusste bereits im Vorfeld, wie die kommenden Monate in etwa ablaufen werden und wo ich wohnen werde (der Blick aus der Studentenwohnung auf dem Kirchberg aus ist genial!). In Kirchberg wurde ich schon von zwei anderen Praktikanten der Nachbarwohnung erwartet, abends kam Dr. Blank selbst noch kurz vorbei, um mit uns die Praxiseinteilung für den nächsten Tag auszusprechen.

Während der ersten Tage lernte ich direkt die weiteren Praxisstandorte Lalling, Schöfweg und Rinchnach kennen. Einen Teil des Praxispersonals kannte ich noch von vor zwei Jahren, sodass der Einstieg und das Namenlernen leichter fiel. Die ersten Tage war ich mal mit einem der Assistenzärzte, mal mit Dr. Blank in der Praxis. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit durfte ich Patientengespräche und -untersuchungen vorab selbst durchführen und im Anschluss vorstellen. Die gemeinsame Besprechung der Patienten und Feedback zur Gesprächsführung/Untersuchungstechnik u.Ä. empfand (bzw. empfinde!) ich als äußerst wertvoll. Neben den typischen allgemeinmedizinischen Beratungsanlässen gab es bereits während der ersten Tagen einige Krankheitsbilder und medizinische Fragestellungen, die die Einschätzung der anderen Ärzte in der Praxis und/oder Literaturrecherche erforderten. Spannend! Und schön zu sehen, wie gut Ärzte und Praxispersonal untereinander zusammenarbeiten und ihr Wissen einbringen.

Was ist noch in den letzten Tagen passiert? In der ersten Woche habe ich zusammen mit Dr. Blank ein Curriculum erstellt, in dem die Lernziele für die kommenden Wochen und Monate festgehalten werden. Die thematischen Schwerpunkte durfte ich mir hierbei selbst setzen. Gar nicht so einfach, in 16 Wochen alles unterzubringen, was man gerne lernen würde! Die DEGAM-Leitlinien, das Logbuch der Universität und Erfahrungen von Dr. Blank haben mir hier geholfen, ein "machbares" Curriculum zu erstellen. Für die kommende Woche stehen Erkrankungen des Bauches und Ultraschall der Leber im Vordergrund. Montagmittag wurde in Form einer Skypebesprechung über die Besonderheiten von "Reiserückkehrern" diskutiert, Dienstagabend fand in Spiegelau der hausärztliche Qualitätszirkel mit sechs weiteren Ärzten der Region statt, bei dem einzelne, eher seltene Krankheitsbilder des hausärztlichen Alltags vorgestellt wurden und sich untereinander ausgetauscht wurde.

 

 

Woche 2

Diese Woche war ich überwiegend mit Frau Dr. Mendel in der Praxis Rinchnach. Während der ersten Tage der Woche waren etwas weniger Patienten als gewöhnlich in der Sprechstunde, sodass sich zwischenzeitlich Freiräume ergaben, um das ein oder andere zu gemeinsam zu besprechen, Fragen zu stellen, in den Leitlinien, Fachinformationen oder Deximed zu recherchieren oder den MTAs bei der Wundversorgung über die Schultern zu schauen.

Auf den für diese Woche im Curriculum vorgesehenen Schwerpunkt "Bauch" passten nur  wenige  Patienten, die ich in der Sprechstunde während der letzten Tage gesehen habe. Kaum einer mit Bauchbeschwerden, stattdessen viele Atemwegsinfektionen, Insektenstiche, Schwindel oder Herzbeschwerden. Krankheit ist eben nicht planbar. So nutzte ich einfach die Gesundheitsuntersuchungen (und den Bauch der anderen beiden Studenten), um den Ultraschall und die Untersuchung des Bauchraumes zu üben.

Das wechselhafte kühle Wetter vom Wochenende wurde diese Woche von viel Sonnenschein  abgelöst, sodass ich das ein oder andere Mal mit dem Fahrrad nach Rinchnach fuhr oder abends noch eine Runde durch das Hochmoor joggen war. Freitagabend wurden im Pfarrhof unter dem Walnussbaum alte Stummfilme mit musikalischer Begleitung gezeigt - ein wirklich schöner Abend und eine schöne Einstimmung auf das Wochenende!

Woche 3

Diese Woche begann mit viel Husten und anderen Atembeschwerden. Genau passend zu mein Curriculum-Schwerpunkt für diese Woche! So hatte ich einige Gelegenheiten, um die Anamnese beim Beratungsanlass "Husten" auszubauen, Lungen auszukultieren und die ein oder andere Lungenfunktion zu bewerten. Neben Erkältungserkrankungen waren auch einige kniffeligere Fälle dabei, die weitere differentialdiagnostische Überlegungen und entsprechende Diagnostik forderten. Die Möglichkeiten der apparativen Diagnostik sind im Gegensatz zum Krankenhaus im hausärztlichen Bereich begrenzt, sodass Indikation, Reihenfolge und Art der weitergehenden Diagnostik gut überlegt werden müssen. Mithilfe einer ausführlichen Anamnese, unterstützt durch die Befunde der körperlichen Untersuchung und ggf. Sonographie, EKG oder Spirometrie, war die Fragestellung bei nahezu allen Patienten im Vorfeld klar(er) bzw. konnte gut eingegrenzt werden. Differenzierte Diagnostik anstelle von Diagnostik nach dem Gießkannenprinzip, das gefällt mir sehr gut!

Gegen Ende der Woche verlagerte sich der Schwerpunkt von "Husten, Schnupfen, Heiserkeit" auf psychologische / psychosoziale Beratungsanlässe. Ein ganz anderer, aber spannender und herausfordernder Aspekt der hausärtzlichen Tätigkeit! Sehr schön war es, von dem ein oder anderen Patienten einige Tage später die Rückmeldung zu bekommen, dass das Gespräch gut getan habe oder mittlerweile eine Lösungsstrategie gefunden wurde.

Woche 4

Die Woche begann für mich in Rinchnach, wo nach einer Woche Praxisurlaub bereits vor Sprechstundenbeginn das Wartezimmer gefüllt war. Es gab viel zu tun und zu organisieren, sodass die Zeit bis zur Skypefortbildung am Mittag im Nu verflog. Zwischen Mittagessen und Nachmittagssprechstunde in Kirchberg war noch etwas Zeit, um das Seminar zum Thema Wissensmanagement und den EKG-Kurs für den Exzellenten Sommer vorzubereiten.

An den darauffolgenden Tagen war ich meist nur vormittags in der Sprechstunde, da ich am Nachmittag bei der Durchführung der einzelnen Kurse für die Studenten des Exzellenten Sommers mitgeholfen habe. Die Vorbereitung und Durchführung des Ultraschall-, EKG- und Nahtkurses haben zwar viel Zeit gekostet, sodass ich unter der Woche kaum zum Nachlesen von Details zu Erkrankungen und/oder Therapie, die mir in der Praxis begegnet sind, und zur Erarbeitung der für diese Woche vorgesehenen Leitlinien gekommen bin - dafür bin ich nun etwas sicherer im Ultraschall und EKG-Befunden. Mir hat viel Spaß gemacht, zusammen mit den Studenten des Exzellenten Sommers die Inhalte zu erarbeiten, das eigene Wissen weiterzugeben und sogar einen der Studenten des Exzellenten Sommers 2015 wieder zu treffen. Eine anstrengende, aber sehr schöne Woche!

Woche 5

Patienten mit ungewöhnlichen Symptomkonstellationen oder Krankheitsverläufen, intensive Patientengespräche bei akuten Belastungssituationen, Hautausschläge der unterschiedlichsten Art, Notfälle, die eine dringliche Abklärung erforderten und viele kleinere und größere Kinder machten die Woche neben den „gängigen“ Beratungsanlässen zu einer sehr bunten und abwechslungsreichen Woche. Woher rührt das Kribbeln an Händen, Füßen und/oder Armen? Was steckt hinter dem Hautausschlag und wie behandle ich diesen? Was bedeutet das veränderte EKG und wie behandle ich den Patienten mit anhaltenden Schmerzen? Kann ich den Patienten mit Divertikulitis noch zu Hause behandeln oder muss er ins Krankenhaus? Wie gut, direkt mehrere Ärzte an der Seite zu haben, mit denen genau diese Fragen besprochen werden konnten. Manche Fälle erforderten dann doch noch eine kurze Recherche oder einen Anruf bei niedergelassenen Fachärzten. Da behaupte jemand noch, die Tätigkeit als Allgemeinmediziner wäre langweilig…

Woche 6

Da in der Umgebung in der letzten Woche gleich mehrere hausärztliche Praxen urlaubsbedingt geschlossen waren, waren in den letzten Tagen viele unbekannte Patienten in der Sprechstunde. Auf wertvolle Informationen aus einer langfristig bestehenden Arzt-Patient-Bezieung wie die „erlebte Anamnese“ und Einträge in der Patientenkartei zu Vorerkrankungen, Medikation oder sozialen Umfeld  konnte in diesen Fällen nicht zurückgegriffen werden. Je nach Beratungsanlass mussten somit neben der symptombezogenen Anamnese noch andere Aspekte, die die Diagnostik und Therapie beeinflussen könnten, mit erfragt werden. Manchmal gar nicht so einfach!

Zum Ende der Woche hin kamen einige schwerer erkrankten Patienten in die Sprechstunde, deren Beschwerden eine engmaschige Verlaufskontrolle oder unmittelbare weitere Abklärung erforderten. Abwendbar gefährliche Verläufe erkennen, den Krankheitsverlauf re-evaluieren und mit dem Patienten die Verantwortung zu teilen - hierzu hatte ich in der letzten Woche gleich mehrere Möglichkeiten.

Woche 7

Die Woche begann eindrücklich mit akuter Atemnot - und endete mit einer allergischen Reaktion nach Wespenstich. Letztere gab es in mehr oder minder ausgeprägten Formen während der letzten Wochen öfters, sodass ich in der entsprechenden Notfalltherapie langsam etwas mehr Sicherheit gewinne. Zum Glück sprachen aber auch bisher alle Patienten auf initiale medikamentöse Notfalltherapie an und waren vom Kreislauf zumeist stabil. Im Falle des Patienten mit akuter Atemnot war das anders. Zwar gab es ähnliche Fallszenarien während des Studiums in den praktischen notfallmedizinischen Übungen, aber ein „echter“ Patient ist dann doch etwas anderes als ein Hightech-Dummy im Simulatortraining. Sauerstoff, Zugang legen, Monitoring der Vitalparameter, Notfallmedikation…aber was, wenn die nicht anspricht? Welche Ursachen hat die Luftnot? Wie lange zuwarten, wann die Atemwege anders sichern? Zum Glück ist das gesamte Praxisteam auf solche Notfälle vorbereitet und hat sicher und ruhig reagiert.

Hut ab! Nach der anfänglichen Aufregung gestalteten sich die übrigen Tage eher ruhig. Nach den letzten Wochen mit vielen Vertretungspatienten war das auch einmal sehr angenehm. So konnte ich das ein oder andere nachlesen oder mit einem der anderen Studenten noch etwas Ultraschall üben.

Woche 8

Draußen prasselt der Regen gegen die Scheiben, von heute auf morgen ist der Herbst hier angekommen. Ich denke an die letzten Tage zurück, an denen ich Petra Weinmann bei der Betreuung von Diabetespatienten über die Schulter schauen dufte und lasse den Blick über den Tisch wandern -  Wildblumen, ein Schälchen mit Weintrauben, frisch vom Bauernmarkt aus Regen. Neben der Tasse Tee ein Stück ofenwarmer Nusskuchen mit Lallinger Äpfeln. Wie viele KE das wohl sind? Einfach so etwas nach Lust und Laune zu essen, ohne weitere Gedanken an die Nährstoffzusammensetzung und den Blutzucker zu verschwenden, für die meisten Diabetespatienten nicht möglich - zumindest unter Insulintherapie. Wie schwer dieses teilweise ist, wurde während einiger Patientengespräche deutlich. Vergessene Insulineinheiten, Verwechselung von Insulinarten und Spritzabständen, Nichterkennen von Unterzuckerungen… Verständnis aufbringen, Probleme und Hinternisse erkennen, Beraten und die Therapie gemäß der jeweiligen Lebensgewohnheiten anpassen. Die Therapiebegleitung von Diabetespatienten ist häufig komplexer, als Leitlinien und Therapieempfehlungen vermuten lassen. Ich bin froh, in der kommenden Woche noch einige Male Petra Weinmann begleiten zu können!

Woche 8

Geriatrisches Assessment und Diabetestherapie - auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Themenfelder, aber je nach Patient eng beieinanderliegend. Kann bei der etwas betagteren Patienten eine Insulintherapie mit begonnen werden? Ein Geldzähltest wäre hilfreich, um dieses abzuschätzen: Um 19,80€, aufgeteilt in verschiedene Schein- und Münzwerte, aus einem „Standardportemonnaie“ innerhalb einer gewissen Zeit hervorholen zu können, erfordert es ausreichende Sehkraft, Feinmotorik und Kognition. Fähigkeiten, die auch bei einer Insulintherapie unabdingbar sind.

Wie sieht es aber mit dem geriatrisches Basisassessment aus? Wann setzte ich es ein und welche Konsequenzen ziehe ich aus einem auffälligen Testergebnis? Bislang waren mir nur die einzelnen Testinstrumente des stationären Bereiches geläufig. Das für den hausärztlichen Bereich empfohlene MAGIC-Assessment war mir neu: Hier stehen ein ganzheitlich orientierter Ansatz, Empfehlungen für weiterführende Testinstrumente und diagnostische Überlegungen bei auffälligen Teilergebnissen sowie eine Überprüfung der Medikation im Zentrum. Während der letzten Tage ergab sich zwar keine Möglichkeit, dies Art von Assessment zu sehen oder selbst durchzuführen, aber zumindest haben die knapp 80 Seiten Leitlinie einen guten ersten Einblick ergeben, wie geriatrisches Basisassessment im ambulanten Bereich funktionieren könnte. Und die übrigen Tage? Waren eine bunte Mischung aus allen möglichen Bereichen: Hautausschläge, unklare Raumforderungen im Bauchraum, Hals- und Rückenschmerzen, Depressionen, eingewachsene Zehennägel…

Woche 9

Die vergangene Woche war recht bunt und abwechslungsreich, von Asthma, Akne, Aortenaneurysma und Atemnot über Xerostomie, Yersinieninfektion bis hin zum Zeckenstich war alles dabei. Die einzelnen Fälle und Patienten waren so unterschiedlich, dass ich gleich mehrere Wocheneinträge füllen könnte. Daher diese Woche eine andere Art von Wochenbericht: Ein Wochenendbericht.

Samstagnachmittag, ein kleines Dorf im Bayerischen Wald. Traditionelle Dreiseitenhöfe und Blockhäuser prägen das Ortsbild, an den aufwändig gearbeiteten Balustraden und überstehenden Sparren ein Blütenmeer aus Geranien und Petunien. Mir kommt mir eine Hochzeitsgesellschaft in Trachten entgegen, begleitet von einer Blaskapelle setzt sich der Hochzeitszug Richtung Kirche in Bewegung. Aus der Seitenstraße biegt eine kleine, schick gekleidete Gesellschaft auf den Kirchplatz und strebt geradewegs zur Ortsmitte, zu einem Quader aus Granitstein. Wir haben wohl das gleiche Ziel - das Konzerthaus in Blaibach. Draußen regnet es, sodass sich schnell alle im Vorraum des Konzertsaales sammeln. Innen: Minimalistisch modern mit klaren Linien, durch die hölzerne Vertäfelung des Betons und schrägen Wände, dennoch warm und einladend. Es gibt Sekt, Limonade, Kaffe und hausgemachten Kuchen, man kommt schnell miteinander ins Gespräch. Das Konzert, ein Gesprächskonzert mit Christoph Spering und dem Neuen Orchester Köln zu Beethovens 6. Sinfonie ist ausverkauft, alle 200 Sitzplätze sind belegt. Spätestens nach den ersten Takten wird klar, weshalb der kleine Konzertsaal von manch einem mit einem der großen internationalen Konzerthäusern verglichen wird. Die Akustik ist wirklich gut. 

Von Kirchberg aus ist Blaibach nicht ganz um die Ecke, lässt sich aber wunderbar mit einer längeren Wanderung über Räuber-Heigl-Höhle, Plattenstein, Rauchröhren und Riedelstein verbinden. Neben der Wanderung auf den Osser, großen Schachtenwadnerung eine der schönsten Strecken der letzten Wochen, und das trotz Nieselregen und einstelligen Temperaturen. In und um Kirchberg gibt es also einiges zu entdecken!

Woche 10

Passend zu meinem Curriculum stellten sich in der letzten Woche gleich mehrere Patienten mit Schwindel und Kopfschmerzen vor. "Schwindel“ empfinde ich nach wie vor als einen der schwersten Beratungsanlässe des hausärztlichen Alltags. Zwar war (und ist) die Anamnese in aller Regel zumindest wegweisend, um was für eine Art von Schwindel es sich handeln könnte.

Aber die Vielfalt potentieller Ursachen und häufig eher unspezifischen oder nicht klar pathologischen Untersuchungsbefunde erlaubten meist nur eine Eingrenzung des Krankheitsbildes und Ausschluss anwendbar gefährlicher Verlaufe. Mit diesem eher unscharfem Graubild anstelle einer eindeutiger Diagnose und Therapie habe ich mich anfangs ziemlich schwer getan. Nicht nur der Patient erwartet (zumindest in aller Regel), dass der Arzt eine Erklärung für seine Beschwerden hat. Auch ich selbst empfand dieses nicht befriedigend.

Ansonsten deckten die letzten Tage einen Großteil des Spektrums der hausärztlichen Tätigkeit ab: Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen in der Sprechstunde, Prävention und Beratung, Hausbesuche...

Woche 11

Ein paar meiner Urlaubstage habe ich verfallen lassen, um ein paar Tage länger in der Praxis zu bleiben. Somit habe ich die letzten Tage meines Praktischen Jahres einfach nur mitgearbeitet, ganz ohne Curriculum. Zu Recherchieren und Wiederholen gab es auch so genügend Themen und die ersten Vorbereitungen für das Dritte Staatsexamen haben die Nachmittagsstunden meist ohnehin gut gefüllt. Die letzten Monate im Bayerischen Wald sind wie im Fluge vergangen; zu schnell. Der Abschied fiel mir wirklich schwer. Vielen Dank für die tolle Zeit!

 

 

Theresa Fuchs

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Mein Name ist Theres Fuchs, ich studiere an der Universität Jena (Thüringen) und schreibe hier, wie auch die Studenten vor mir, ein kleines Tagebuch über die Zeit als PJ-lerin in der Allgemeinarztpraxis Bayerwald. (21.11.2016 – 12.03.2017)

Bisherige Berufserfahrungen:

Mit dem Abschluss des 2. Staatsexamens in Medizin im Oktober 2016 beginnt im November für mich das Praktische Jahr. Das erste Tertial, und damit der Beginn meines praktischen Jahres, ist mein Wunschtertial Allgemeinmedizin in der Praxis von Dr. Blank. Bisher habe ich bereits eine Famulatur in der Allgemeinmedizin, in der Kardiologie, in der Orthopädie sowie Neurochirurgie und zwei Famulaturen im Ausland (Frankreich und Malta) absolviert.

Mit dem Medizinstudium in Jena habe ich direkt nach dem Abschluss der Hochschulreife begonnen, da ich bereits seit der 8. Klasse den Wunsch hatte Medizin zu studieren, um einmal „Hausarzt“ zu werden.

Intentionen, Wünsche und Ziele für das allgemeinmedizinische Tertial:

Wie bereits erwähnt, besteht mein Berufswunsch Allgemeinmedizinerin zu werden schon seit der Schulzeit und hat sich im Laufe meines Studiums über 5 Jahre immer mehr verfestigt.
Für mich ist die Tätigkeit in der Allgemeinmedizin unheimlich wichtig, denn die erste Anlaufstelle für alle Patienten, egal welche Probleme sie haben, ist meist die Praxis des vertrauten Hausarztes. Die damit verbundene Vielfältigkeit an verschiedenen Erkrankungen, Anliegen sowie des Patientenkollektivs macht das Fach so spannend und interessant für mich.
Wie ein „Detektiv“ möchte ich gern anhand der Symptome der Patienten herausfinden, welche Erkrankungen diese verursachen könnten und eine geeignete Therapie dazu finden.
Das Schönste an diesem Beruf ist für mich die Tatsache, dass ein Allgemeinmediziner nicht nur eine Erkrankung des Menschen sieht und behandelt, sondern den Patienten als Gesamtes betreut, inklusive des familiären und sozialen Umfeldes. Natürlich wird sich das klassische „Generationsbetreuen“ bis ans Lebensende erst nach einigen Jahren Praxis einstellen, doch ich freue mich schon jetzt darauf.

Die Praxis von Dr. Blank ist mir durch das Weiterbildungsanbot und das Engagement junge Ärzte zu fördern, besonders aufgefallen. Als ich letztes Jahr im Dezember die Praxis etwas kennenlernen durfte, war ich mir schnell sicher, hier den ersten Teil meines Praktischen Jahres gern zu verbringen.
In den Monaten, die ich hier sein werde, möchte ich gern einen Einblick in den Alltag eines Allgemeinmediziners bekommen: Welches sind die häufigsten Erkrankungen mit denen man als Hausarzt konfrontiert wird? Was sind seltene Erkrankungen, die man trotzdem erkennen und behandeln muss? Was gehört noch zu den Aufgaben eines Hausarztes?

Ich freue mich auf die Zeit in der Praxis im Bayerischen Wald und hoffe hier viel sehen und lernen zu können!

1. Woche

Als ich Sonntagabend in Kirchberg im Wald ankam, war ich sehr aufgeregt, was mich in den nächsten Wochen erwarten würde. Die Wohnung, die von der Praxis gestellt wird, ist sehr schön eingerichtet und ich fühlte mich dadurch gleich sehr wohl. Den Studenten vor mir ist es sehr gut gelungen, die Wohnung mit allem nötigen, was man täglich braucht, einzurichten. Vor allem der Ausblick über Kirchberg mit den Bergen im Hintergrund ist super.

In der ersten Woche habe ich die 3 Praxen von Dr. Blank kennen gelernt und das jeweilige Team vor Ort. Er hat mich in der Wohnung abgeholt und mich mitgenommen, zu den ein paar Orte weiter entfernten Praxen. Zu der Praxis in Kirchberg kann man gut zu Fuß gehen und braucht etwa 10 Minuten. Der Rückweg zieht sich etwas mehr, weil es steil bergauf geht, damit hat man aber gleich auch etwas Bewegung.

Dr. Blank hat mich am ersten Tag erst einmal zusehen lassen, sodass ich mir einen Einblick verschaffen konnte. Ab dem 2. Tag konnte ich selbst zu den Patienten hineingehen, Anamnesegespräche führen, sie körperlich untersuchen und im Anschluss Dr. Blank präsentieren. Ich wurde schon in der ersten Woche mit jedem Patienten etwas sicherer.

Einmal habe ich auch schon ein bisschen mit dem Sonogerät etwas experimentiert.
Montag gab es ein Seminar über Skype zum Thema Diarrhö, bei dem sich die Ärzte der Praxen konstruktiv unterhalten und jedes Mal über ein anderes Thema diskutieren. Diese Art der Seminare finden immer montags nach der Vormittagssprechstunde für eine Stunde statt. Ich finde dieses Konzept sehr spannend und konnte in diesem ersten Seminar schon eine Menge lernen, nicht nur rein theoretisch, sondern auch Praxisrelevante Dinge.

Mittwochabend bin ich mit Dr. Blank zu einem Seminar zum Thema Antibiotika, welches er gehalten hat, in das Krankenhaus in Viechtach gefahren. Das Seminar war sehr interaktiv und hat sogar Spaß gemacht.

Es gibt in Kirchberg 2 Einkaufsläden (Norma, Edeka), die nicht weit weg von der Praxis sind und theoretisch auch zu Fuß zu erreichen. Ansonsten ist der Ort sehr überschaulich und hübsch gelegen.  An Freizeitaktivitäten habe ich die erste Woche noch nicht viel unternommen.
Es gefällt mir hier, trotz der weiten Entfernung von Zuhause, wirklich gut. Bis jetzt waren alle sehr nett zu mir und ich bin froh so lieb von allen aufgenommen wurden zu sein. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Wochen und darauf möglichst viel hier zu lernen

2. Woche

Die 2. Woche ist nun um und ich habe wieder sehr viel lernen und sehen können. Ich werde immer sicherer im Präsentieren von Patienten und weiß oft schon welche Diagnostik und Therapie folgt. Diese Woche waren auch einige Kinder in der Sprechstunde, sodass ich auch die klinische Untersuchung an Kindern etwas lernen konnte. Ich merke immer wieder wie schwierig es manchmal ist, gerade „banale“ Sachen zu erkennen und zu behandeln, wenn man diese noch nie gesehen hat. Man neigt dazu, zu viel Diagnostik zu machen aus Angst es könnte doch etwas Schlimmeres dahinterstecken, oft ist das anhand einiger Anamnesen jedoch gar nicht nötig.

Was mir diese Woche noch mehr bewusstgeworden ist – wie wichtig Weiter- und Fortbildungen sind. Es gibt ständig neue Erkenntnisse in der Wissenschaft, welche Therapien verbessern und/oder patientenfreundlichere Wege eröffnen, die man ohne die richtigen Quellen gar nicht mitbekommen würde. Aber vor allem ist es wichtig auch mit seinen Kollegen zu reden, wie diese in bestimmten Situationen entscheiden und mit gutem Gewissen therapieren, wenn man sich selbst eher unsicher ist. Man kann von seinen Kollegen wirklich viel lernen und auch ihnen weiterhelfen, denn jeder hat seine Bereiche in denen er gut ist und auch interessiert ist. Am Dienstagabend konnte ich bei so einem Gespräch dabei sein. Es trafen sich mehrere niedergelassene Allgemeinmediziner und sprachen über Fragen, die sich im Alltag ergeben hatten. Ich finde diese Art der Weiterbildung einfach super und auch beeindruckend, da es so etwas nicht oft gibt.

Am Freitagabend war ich zur Weihnachtsfeier der Praxis eingeladen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Es war ein sehr schöner Abend mit tollem Essen.

Samstag habe ich Dr. Blank freiwillig bei seinem KV-Dienst begleitet und bin mit ihm einige Hausbesuche gefahren, was sehr spannend war. Es ist toll wie sich manche Patienten riesig freuen, wenn der Arzt zu ihnen nach Hause kommt, auch wenn es nur 5 Minuten sind.
Das war es erst einmal wieder. Bis nächste Woche.

3. Woche

Es war eine schöne Woche, in der ich nicht nur wieder vieles in der Praxis sehen und lernen konnte, sondern auch außerhalb des Praktikums viel unternommen habe.
Ich habe diese Woche meine ersten Impfungen gesetzt und war am Freitag in Deggendorf bei einem niedergelassenen Orthopäden. Gerade an diesem Tag kamen viele Patienten mit unterschiedlichen, sowie seltene Erkrankungen in die Praxis und ich konnte so verschiedene orthopädische Krankheitsbilder kennenlernen. Der Arzt war sehr nett und bemüht, mir trotz der vielen Patienten, einiges zu erklären.

Zudem war ich diese Woche mit der Praxismitarbeiterin Steffi auf Hausbesuchen. Es hat Spaß gemacht und es war interessant zu sehen, wie die Patienten mit ihren Erkrankungen leben und im Alltag zurechtkommen.

Mittwochabend war ich im Kino in Zwiesel, welches 20 Minuten mit dem Auto entfernt ist. Am Wochenende habe ich einen Ausflug nach Passau gemacht und dort den Weihnachtsmarkt besucht. Auch wenn das Wetter leider nicht so schön gewesen ist, hat es sich trotzdem sehr gelohnt Passau zu besichtigen.
Sonntagabend war ich auf einem mittelalterlichen kleinen romantischen Weihnachtsmarkt in einem Waldgebiet bei Schweinhütt. Er ist nicht ohne Grund, als einer der 10 schönsten mittelalterlichen Weihnachtsmärkte Deutschlands ausgezeichnet worden. Ich kann einen Besuch dort sehr empfehlen.
An einem Tag bin ich auf einem Waldwanderweg zum Rachel-Bergsee gewandert, wobei man super die Natur genießen konnte.

4. Woche

Mit jeder Woche werde ich sicherer im Umgang mit Patienten und Ihren Erkrankungen. Ich habe diese Woche zum ersten Mal eine Mittelohrentzündung gesehen, welche man heute nicht mehr sofort mit Antibiotika behandelt, auch wenn es eine sehr schmerzhafte Erkrankung ist.
Zudem kamen wieder viele Patienten mit Erkältungen und Magen-Darm-Beschwerden, was zurzeit wieder herumgeht. Ich habe gelernt, dass man gerade bei Erkältungen sehr sparsam mit Antibiotika umgehen sollte, da meist ein viraler Infekt dahintersteckt und nur in seltenen Fällen eine bakterielle Entzündung, die mit Antibiotika behandelt werden sollte. Indem man den Patienten sagt, dass sie sich wieder vorstellen sollen, falls es schlimmer wird trotz Ibuprofen, Nasenspray und Inhalieren lässt man sich die Option des Antibiotikums offen. Es ist erstaunlich, wie wenig Patienten sich erneut in der Sprechstunde vorstellen. Was mir neu war ist, dass auch bei Blasenentzündungen nicht gleich ein Antibiotikum gegeben werden muss, sondern Studien gezeigt haben, dass mit Ibuprofen die Beschwerden auch nur einen Tag länger dauern, als mit einem Antibiotikum.
Auch diese Woche habe ich weiter an meinen Fertigkeiten beim Ultraschall gearbeitet und kann mittlerweile die Schilddrüse ganz gut schallen und eventuell vorhandene Knoten (wie sie bei jedem 2. Menschen vorkommen und meist harmlos sind) erkennen.
Einmal war ich die Woche hier in Kirchberg wandern und habe Pizza in der Pizzeria unter der Praxis gegessen, die sehr lecker war.

5. Woche

Diese Woche habe ich sehen können, dass man nie planen kann, wie viele Patienten in die Sprechstunde kommen werden. Am Montag kamen sehr viele Patienten, wohingegen es Dienstag dann nur etwa halb so viele waren. Aber gerade, wenn es sehr stressig ist, sollte man darauf achten, dass man keine schweren Erkrankungen übersieht und sich trotz allem Zeit für jeden einzelnen Patienten nimmt.
Als es in der Praxis mal etwas ruhiger war, bin ich mit Dr. Blank nochmal die abwendbar gefährlichen Verläufe, das abwartende Offenlassen und die Klassifizierung in Symptom, Symptomgruppe, Bild einer Krankheit und definitive Diagnose durchgegangen. Gerade in der Allgemeinmedizin, aber auch oft in anderen Fachbereichen, ist es oft kaum möglich eine definitive Diagnose zu stellen. Meist ist es ein Symptomkomplex, den man als erfahrener Arzt einem bestimmten Krankheitsbild zuordnen kann. Für die meisten Patienten spielt es auch keine Rolle, was genau sie haben, sondern viel mehr, dass es nichts Schlimmes ist. Darin liegt eine Aufgabe des Allgemeinmediziners: die gefährlichen Erkrankungen zu erkennen und sie zu behandeln oder zum Facharzt zu überweisen.
Diese Woche hat sich Dr. Blank mit mir zusammengesetzt, hat mir ein Feedback gegeben und mit mir mein Curriculum angeschaut, damit ich all das was ich mir vorgenommen habe auch lerne. Außer s.c. und i.m. Spritzen konnte ich mein Curriculum für die ersten 5 Wochen erfüllen.
In der Montagsfortbildung ging es diese Woche um Erbrechen, was zur Zeit sehr gut in den Praxisalltag passte, da sehr viele Patienten mit Gastroenteritis in die Sprechstunde kamen.
Spannend war auch das Treffen diese Woche mit 4 Bürgermeistern aus der Umgebungen, denen Dr. Blank sein Praxiskonzept  zur langfristigen Patientenversorgung vor Ort erklärte (www.gute-aerzte.bayern).
In meiner Freizeit habe ich diese Woche nicht viel machen können, da ich mir einen der Erkältungsviren eingefangen hatte.

7. Woche

Da ich letzte Woche über Weihnachten und Neujahr frei hatte, habe ich über die 6. Woche kein Tagebuch geschrieben.

Diese Woche war ich einen Tag bei einer Demenzberaterin. Ihre Aufgabe besteht darin, sich mit alten, kranken Menschen zu beschäftigen und ihnen damit etwas Freude und Abwechslung in ihr Leben zu bringen. Zudem macht sie mit ihnen Gedächtnistrainings, gymnastische Übungen und spielt mit ihnen Spiele. Die Patienten hatten sehr viel Spaß daran und man konnte richtig sehen, wie fröhlich sie dieses einmal in der Woche stattfindende Treffen macht. Wir haben dann auch alle zusammen gekocht und gegessen, was mir auch viel Spaß gemacht hat. Ich wusste nicht, dass es so etwas überhaupt gibt und finde dieses Konzept super. Damit kommen die alten Patienten mal aus ihren vier Wänden heraus und treffen auf andere Leute, die ähnliche Beschwerden haben wie sie selbst und lernen spielerisch sich zu konzentrieren, zu erinnern und ihre Fingerfertigkeiten zu erhalten.
Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, zu den Treffen zu kommen, werden zu Hause betreut.

Im Praxisalltag werde ich mit jeder Woche sicherer, auch beim Ultraschall werde ich besser und konnte diese Woche Gallensteine sicher erkennen.
Ich merke immer wieder, dass einige Krankheitsbilder wirklich häufig in der Praxis vorkommen. Oft weiß man schon anhand der Anamnese, was der Patient hat und was zu tun ist. Natürlich denke ich auch immer an die abwendbar gefährlichen Verläufe, doch vor allem dann, wenn die Symptome unklar sind, irgendwie nicht zusammenpassen oder der Patient sie als ungewöhnlich wahrnimmt.

Seit dieser Woche sind zudem zwei neue Assistenzärzte in den Praxen und wir waren zum ersten Mal in der seit 1.1.17 dazugehörenden vierten Filialpraxis der Bayerwaldgemeinschaftspraxis.

8. Woche

In der vergangenen Woche habe ich an einer LIA-Sitzung teilnehmen dürfen. Dort wurden alle Patienten, die gerade in dem LIA-Projekt unter den Pflegekräften, dem Physiotherapeuten, den MFAs und den Ärzten besprochen. Am darauffolgenden Tag konnte ich dann mit Waltraud zusammen ein geriatrisches Assessment mit einer der LIA-Patientinnen durchführen. Auch bei den Hausbesuchen mit Steffi diesen Dienstag haben wir einige geriatrische Assessments mit den Patienten durchgeführt. Auch das Management der Diabetes mellitus Patienten, welche von Petra betreut werden, konnte ich diesen Donnerstag etwas kennenlernen. Dabei bin ich mit Petra zusammen auf Hausbesuche gefahren und wir haben diabetische Füße versorgt.
Diesen Mittwoch habe ich einen Tag beim HNO Arzt in Grafenau hospitiert. Es war dort sehr spannend, vor allem, weil ich außerhalb der Uni noch keinen Kontakt zur HNO hatte und bis dahin nicht wusste, wie ein niedergelassenen HNO Arzt arbeitet.
Diese Woche konnte ich auch wieder mehrere Sonografien bei Patienten durchführen sowie meine Fertigkeiten im Untersuchen der Patienten verbessern, dabei übte ich diese Woche vor allem die neurologische Untersuchung. Die Auskultation der Lunge ist manchmal immer noch etwas schwierig zu interpretieren, doch ich hoffe, dass dies im Laufe der Zeit noch besser werden wird.
Diese Woche habe ich zum ersten Mal einen Patienten gesehen, der nach einem kleinen Verkehrsunfall in die Praxis kam mit Nackenschmerzen und habe gelernt, dass es dabei sehr wichtig ist, den Patienten komplett zu untersuchen, da oft Verletzungen vom Patienten nicht bemerkt werden.
Ansonsten habe ich mich diese Woche mit der Leitlinie „Kreuzschmerz“ beschäftigt und über die Aussagekraft klinischer Untersuchungen einer tiefen Beinvenenthrombose.
Am Montag in der Weiterbildung ging es diese Woche um Mundwinkelrhagaden.
Diese Woche ist mir besonders aufgefallen, dass einige Patienten mich bereits kennen und dadurch viel herzlicher empfangen, wenn ich zu ihnen ins Zimmer hineinkomme, oder mich sogar schon auf dem Flur freundlich Grüßen. Das empfand ich als sehr angenehm und ich glaube, dass es auch für die Patienten schön ist, wenn man sich noch an sie erinnert. Zudem, musste ich manchmal nicht mal mehr auf die Akte schauen für den Namen oder wusste sogar noch, weswegen die Patienten beim letzten Mal gekommen waren.

 

9. Woche

Diese Woche habe ich wieder mehrere Male Impfungen durchführen dürfen und habe zum ersten Mal i.m. nach Hochstetter spritzen können.
Ich habe diese Woche wieder Gallensteine bei einer Patientin entdeckt, die wegen gelegentlicher krampfartiger Bauchschmerzen einige Zeit nach dem Essen in die Praxis gekommen war.
Am Montag in der Fortbildung diskutierten wir über den Umgang mit schreienden Säuglingen, was ich als sehr interessant fand, da ich bisher noch keine Erfahrungen mit kranken Säuglingen habe.
Am Dienstag konnte ich bei einem niedergelassenen Internisten hospitieren. Dort habe ich einige Karotis-Doppler sowie Herzechos sehen können. Dies war eine gute Wiederholung für mich, da ich schon einiges, was ich in meinen Famulaturen auf der Kardiologie gelernt habe, schon wieder vergessen hatte.
Ich war zudem wieder mit auf Hausbesuchen, bei denen ich die Patienten immer mehr kennenlerne und zum Teil sie auch mich schon kennen, was ich als sehr angenehm empfinde.
Zudem habe ich auch diese Woche wieder gemerkt, dass gerade Hauterkrankungen für mich oft Rätsel aufkommen lassen. Diese Woche war wieder eine Patientin mit juckenden stammbetonten feinfleckigen Ausschlag da, ohne erkennbare Ursache. Eine andere Patientin hatte kleine juckende und nässende Hautveränderungen im Kopfhaar, wieder ein anderer Patient hatte kugelige Verhärtungen direkt unter der Haut, was ich alles so noch nie gesehen hatte.
Diese Woche hat sich Dr. Blank wieder mit mir zusammengesetzt, da der 2. Monat um war und wir geschaut haben, ob ich mein Curriculum für die letzten 4 Wochen erfüllen konnte. Mit meinem Curriculum bin ich gut im Plan und konnte auch die letzten 4 Wochen wieder viel lernen und sehen.

10. Woche

In der vergangenen Woche habe ich zum ersten Mal eine richtige Leichenschau sehen können, bei einem Patienten, den ich vorher lebend kannte. Es war eine sehr emotionale Erfahrung für mich. Das ist etwas, worauf ich auch gern verzichten könnte, aber ich weiß auch, dass es zur Medizin dazu gehört. Ich empfand es auch als sehr schwierig, die richtigen Worte gegenüber den trauernden Angehörigen zu finden.
Im Weiteren konnte ich diese Woche wieder verschiedenste Erkrankungen der Patienten kennen lernen, zum Beispiel: eine geplatzte Baker-Zyste. Ich konnte wieder Impfen, wobei ich mich erneut kurz überfordert fühlte, als ein Patient 2 Impfungen bekommen sollte und ich nicht wusste, dass man beide in einen Arm geben darf (etwas voneinander entfernt).
Ich konnte außerdem mit einem der Assistenzärzte diese Woche wieder viele Hausbesuche fahren und habe dabei zum ersten Mal, bei einer aus dem Krankenhaus entlassenen Patientin, einen Abszess von einer Braunüle gesehen. Ich habe auch gelernt, dass es sehr schwierig sein kann, zwischen dringenden und nicht dringenden Hausbesuchen zu unterscheiden.
Am Donnerstag konnte ich für einen Tag beim Physiotherapeuten hospitieren und einen kleinen Einblick in den Tagesablauf eines Physiotherapeuten bekommen. Es ist schon ein enger Zeitplan mit 3 Patienten pro Stunde a 20min Behandlungsdauer, den die Therapeuten einhalten müssen. Da ist nicht viel Zeit für eine genaue Beschreibung der Beschwerden und die Therapeuten sind auf die Diagnose auf dem Rezept angewiesen.
Donnerstagabend gab es eine Abschieds- und Einstandsbrotzeit der Assistenzärzte in einer der Praxen, was mir wieder zeigte, wie harmonisch das Miteinander in den Praxen zwischen den Ärzten und Mitarbeiterinnen ist.

11. Woche

Am Montag bin ich zwischen den Sprechstunden wieder mit einem der Assistenzärzte auf eine Hausbesuchstour gefahren. Auch am Mittwoch bin ich noch einmal mit Steffi zu verschiedenen Hausbesuchen gefahren.
Im Ultraschall kann ich bei den meisten Patienten nun auch das Pankreas erkennen und konnte auch diese Woche wieder Gallensteine bei 2 Patienten finden. Im Auskultieren der Lunge bekomme ich zunehmend etwas mehr Sicherheit. Auch das Befunden von Blutuntersuchungen fällt mir mittlerweile etwas leichter, denn nicht jeder vom Normwert abweichende Wert muss pathologisch sein und behandelt werden. Zudem kommt es auch sehr auf die Dynamik der Werte im Verlauf an.
Zudem habe ich diese Woche wieder gemerkt, wie schwierig es ist, Medikamente, welche nicht zwingend notwendig sind, wieder abzusetzen. Dabei ist es gerade bei den alten Menschen wichtig, dass diese nicht zu viele verschiedene Medikamente einnehmen und wirklich nur diese, die unbedingt notwendig sind. Außerdem nehmen manche Patienten Medikamente ein, die sie beispielsweise vor Jahren verschrieben bekommen haben und vielleicht heute gar nicht mehr verschrieben werden würden.
In dieser Woche habe ich auch wieder das Befunden von Patienten geübt und die Befunde in die Karteien diktiert.
Ich konnte diese Woche auch wieder verschiedene, für mich „neue“ Krankheitsbilder näher kennenlernen, wie zum Beispiel Osteoporose, Migräne oder Rheuma.

Woche 12

Montag war ich wieder mit unserem Assistenzarzt zusammen auf einer der Hausbesuchstouren. Mittlerweile kenne ich schon fast alle Hausbesuchspatienten, was mir bei der einmal im Quartal stattfindenden Besprechung der Hausbesuche am Freitagmittag bewusst wurde.
Diese Woche konnte ich wieder mehrere i.m. Spritzen geben und Klammern sowie Fäden entfernen. Vor allem auf den Hausbesuchstouren sind einige Patienten, wo ich mit jeder Woche die Wundheilung bei Patienten mit Diabetes, pAVK oder chronisch venöser Insuffizienz beobachten kann. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie plötzlich größere Ulzera auftauchen und dann Wochen bis Monate brauchen, um wieder zu zuheilen.
Am Mittwoch war ich in einer anderen Hausarztpraxis hospitieren. Es war interessant mal zu sehen, wie der Ablauf und die Patientenbetreuung in einer anderen Praxis funktioniert. Zudem bekam ich an dem Mittwoch einen kleinen Einblick in die Arbeitsmedizin durch verschiedenen arbeitsmedizinische Untersuchungen. Nachmittags nahm mich der Arzt noch mit in eine, von ihm als Arbeitsmediziner betreute Firma. Dort führten wir mehrere Hörtest durch und ich bekam noch eine kurze Führung durch die Firma, um mal einen kleinen Einblick in die Arbeitsbedingungen und den Lärmpegel, welcher bei so großen Maschinen herrscht, zu bekommen.
Auch diese Woche konnte ich wieder bei 2 Belastungstest zuschauen und auch endlich einen Lungenfunktionstest sehen. Außerdem habe ich diese Woche zum ersten Mal eine eitrige Mandelentzündung und ein durch Eiter vorgewölbtes Trommelfell bei einem Kind sehen können.

Woche 13

Mittwochvormittag war ich beim Hautarzt zum hospitieren. Er war sehr nett und hat mir viel erklärt. Doch ein Vormittag reicht gerade bei Hauterkrankungen nicht aus, um richtig etwas zu lernen. Da wir in der Uni nicht viel Praktika in der Dermatologie gemacht haben, habe ich fast alle Hautkrankheiten, die ich am Mittwoch sehen konnte, zum ersten Mal gesehen. Dabei fiel mir auf, dass gerade bei Hautkrankheiten oft Blickdiagnosen gestellt werden müssen und das nur mit einer entsprechenden Erfahrung möglich ist. Wenn es sich ergibt, werde ich später nochmal für eine längere Zeit bei einem Hautarzt daheim hospitieren.
Diese Woche war eine Blockpraktikantin aus München bei uns mit in der Praxis. Ich fand es sehr angenehm, zu zweit zu den Patienten reinzugehen und gelegentlich nur als Beobachterin anwesend zu sein. Wir haben uns gegenseitig auch etwas Feedback geben können.
Dr. Blank und ich haben uns diese Woche auch wieder zusammengesetzt und sind mein Curriculum durchgegangen. Ich habe eigentlich alles, was geplant war, auch umsetzen können.

Woche 14

Diese Woche habe ich an 3 Tagen bei verschiedenen Spezialisten hospitiert.
Montagvormittag war ich beim Rheumatologen. Der Arzt war sehr nett und hatte eine sehr ruhige, nette Art mit seinen Patienten umzugehen. Für jeden Patienten hatte er 15min eingeplant, um jeden gründlich untersuchen zu können, da rheumatische Erkrankungen als Systemerkrankungen dies erfordern und es auch für die Patienten sehr wichtig ist, dass man sich Zeit nimmt. Ich konnte Patienten mit Psoriasis Arthritis, rheumatoider Arthritis und dem Sharp-Syndrom kennenlernen und untersuchen.
Am Dienstag war ich für einen ganzen Tag beim Augenarzt, wo ich bei der Sehschule viel über Schielen gelernt habe. Ich konnte Untersuchungen mit der Spaltlampe durchführen und einmal selbst ein OCT, eine Gesichtsfelduntersuchung, eine Augendruckmessung und einen Sehtest machen, anhand denen der Augenarzt mir dann erklärte, wie alles funktioniert und ausgewertet wird.
Am Donnerstagvormittag war ich dann noch bei einer Neurologin, wo ich Patienten nach Schlaganfällen, mit MS, Demenz und Parkinson untersuchen durfte. Ich habe dort zum ersten Mal selbst einen Demtect durchgeführt und ein EEG geschrieben.
An den anderen Tagen habe ich mit 2 Blockpraktikantinnen zusammen weiter Patienten in der Praxis untersucht und haben an uns selbst nochmal verschiedene Bereiche sonografiert.
Bei einem Patienten, der aufgrund von Luftnot kam, konnte ich zum ersten Mal einen Pleuraerguss erkennen und bei einer anderen Patientin lernen, wie man einen Kompressionsverband anlegt.

Diese Woche waren wieder zwei Studenten mit in der Praxis. Wir haben uns gegenseitig mit dem Ultraschallgerät untersucht und uns gegenseitig Feedback gegeben zur Anamneseerhebung, Untersuchung und Präsentation von Patienten.
Ich habe mit der Zeit nun auch einen kleinen Einblick in Versicherungsanfragen und Vorsorgeuntersuchungen sowie Jugendschutzuntersuchungen bekommen. Ich konnte diese Woche außerdem wieder zwei präoperative Untersuchungen durchführen, wobei man den Patienten einmal komplett untersucht und schaut, ob der Patient irgendwelche größeren gesundheitlichen Probleme hat, die der Operation im Weg stehen könnten.
Ich konnte diese Woche auch wieder mehrere Impfungen durchführen und auch meine ersten s.c. Spritzen geben, v.a. bei Marcumar-Patienten, da diese keine i.m.-Injektionen bekommen sollten.
Am Freitagabend kurz vor Sprechstundenende kam noch eine Patientin mit einer vermutlichen peripheren Facialisparese. Ich habe gelernt, dass man gerade bei den letzten Patienten in der Sprechstunde aufmerksam sein sollte, weil man gerade kurz vor Feierabend dazu neigt, etwas zu übersehen und deswegen besonders vorsichtig sein sollte. 

Leider ist meine letzte Woche nun auch um.
Am Montag hat zudem der exzellente Winter angefangen, von dem auch einer der Studenten mit bei uns in Kirchberg in der Praxis war. Montag war deswegen zum einen der Bayerische Rundfunk da, zum anderen noch Ärztinnen aus Österreich, welche auch großes Interesse an dem Projekt „exzellenter Winter“ hatten. Am Dienstagnachmittag habe ich bei einem Seminar zum Thema „Wissensmanagement“ mitgeholfen und ich konnte dort noch einiges lernen. Am Mittwochabend hatte ich noch ein kleines Abschiedsessen. Am Donnerstagnachmittag habe ich zusammen mit 2 anderen Tutoren einen Ultraschallkurs v.a. von Abdomen und Schilddrüse gehalten, was mir sehr viel Freude bereitet hat. Dabei wurde mir wieder bewusst, wie gut ich in den 4 Monaten im Ultraschall geworden bin.
Es ist schade, dass die Zeit in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald für mich schon vorbei ist, da ich nicht nur sehr viel gelernt habe, sondern auch viel Freude dabei hatte. Ich werde alle hier vermissen und hoffe, dass ich bei Gelegenheit nochmal wiederkommen kann.

Sabine Höhn

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Bevor ich einen Studienplatz in meinem Traumberuf ergattern konnte, habe ich eine Ausbildung als Tierarzthelferin gemacht, und bis zu meinem Studienbeginn 2009 im Anschluss an meine Abschlussprüfung als Arzthelferin gearbeitet.

Studiert habe ich an der TU München, und meine Famulaturen in Innerer Medizin, Allgemeinmedizin, Anästhesie/Schmerzmedizin, sowie in der Dermatologie gemacht.

Meine beiden vorangehenden Tertiale in Innerer Medizin und Chirurgie habe ich im Kreiskrankenhaus Landshut- Achdorf ableisten dürfen, so dass ich das große Glück hatte, viel Neues, Spannendes und Lehrreiches unmittelbar in meiner neuen Wahlheimatstadt lernen zu können.

Ich freue mich sehr auf die Zeit im Bayerischen Wald und bin schon jetzt von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hier begeistert.

Am 29.06. startete mein Tertial in der Allgemeinmedizin, auf das ich mich, nach einem 14 tägigen Aufenthalt hier in der Praxis im vergangenen Jahr, schon die ganze Zeit gefreut hatte.
Sehr herzlich und unvoreingenommen durch das Praxisteam empfangen, wurde es mir sehr leicht gemacht mich in meiner neuen Heimat auf Zeit sofort heimisch zu fühlen.
In meiner ersten Woche begleitete ich die verschiedenen Ärzte, um die Arbeitsweise vor allem durch Beobachten kennenzulernen. Frisch aus dem Krankenhaus, in dem der Patient von Kopf bis Fuß durch die Diagnostik gefahren wird, lernte ich das Abwartende Offenlassen als ein mögliches Arbeitsprinzip, wie auch das Anwenden der geteilten Verantwortung mit dem Patienten kennen.
Auch durfte ich eine Mitarbeiterin auf ihrer Hausbesuchstour bei den älteren, z.T. pflegebedürftigen Patienten begleiten und so viele Eindrücke sammeln. Insgesamt konnte ich dadurch, aber auch die restliche Woche, einen ersten Einblick in den großen Einsatz, den die Praxis für Ihre Patienten leistet, bekommen.

Nun schon ein bisschen angekommen in Kirchberg habe ich in meiner 2. Woche viele spannende Dinge gesehen. Spannend insofern, als dass es für einen Hausarzt tägliche Befunde sind, die für mich als Studentin jedoch wirklich zum ersten Mal auftreten, obwohl ich schon einige Zeit in verschiedenen Krankenhäusern verbracht habe. Erschreckend, aber deswegen umso besser, dass ich hier bin. 
Zum Beispiel war da die erste von mir festgestellte eitrige Mandel, oder auch die erste klassische Borreliose, zum ersten Mal habe ich Flüssigkeit hinter einem Trommelfell entdeckt, und zum allerersten Mal eine Lungenentzündung ohne technische Hilfsmittel, nur mit Hilfe meines Stethoskops herausgefunden. 
Darüber hinaus war ich bei vielen Hausbesuchen mit an Bord und habe mit eigenen Augen sehen können wie aufopfernd man sich hier um seine Angehörigen kümmert, und wie selbstverständlich sie in das normale Familienleben im Mehr-Generationen-Haus eingegliedert sind.
Alles insgesamt so aufregend, dass es mir ein Rätsel ist, wie man Allgemeinmedizin nicht spannend finden kann. Ich freue mich auf die nächsten Wochen.

In meiner dritten Woche war ich viel unterwegs und durfte etwas über den Praxistellerrand hinausschauen.
Montags begleitete ich einen halben Tag einen unserer ortsansässigen Physiotherapeuten, Paul Kufner, bei seiner Arbeit. Innerhalb eines Nachmittags sah ich Kontrakturen, verschiedene Arten von Rückenschmerzen, frisch operierte Knie, schmerzhafte Schultern und noch einiges mehr, und lernte die Arbeit kennen, die hinter unseren vielen Krankengymnastikverordnungen steckt. 
Am Dienstag stand neben der normalen Sprechstunde wieder eine Hausbesuchstour auf dem Plan, was immer interessant ist. Am darauffolgenden Tag durfte ich am Nachmittag zusammen mit zwei Arzthelferinnen eine Impffortbildung in Regensburg besuchen, und mein angestaubtes Wissen auffrischen. 
Die ganze Woche hindurch übte ich fleißig am Ultraschallgerät, damit meine Aufnahmen irgendwann genauso schön wie die von den Doktoren werden. Es ist zwar noch ein weiter Weg, aber schon viel besser. In der vorhergehenden Woche habe ich angefangen jede Woche eine Leitlinie durchzuarbeiten, und mit 'Kreuzschmerzen' begonnen.  Diese Woche hatte ich mir ' Brennen beim Wasserlassen' vorgenommen, da dies ebenfalls ein sehr häufiger Beratungsanlass ist.

In der vierten Woche meines allgemeinmedizinischen Tertials durfte ich mein im Studium und im vergangenen Jahr angeeignetes Wissen einsetzen und ganz normal, natürlich immer unter Aufsicht, mitarbeiten. 

Um mich selbst mehr auf die Probe zu stellen, wünschte ich mir von meinem 'Lehrmeister', dass er mich vermehrt Faktenwissen fragt. Dr Blanks Idee war es dann, immer wieder Prüfungssituationen herzustellen, was natürlich einen wesentlich höheren Lerneffekt hat. Ziel ist es, dass ich meine schreckliche Aufregung vor den anstehenden mündlichen Staatsexamina etwas mehr in den Griff bekomme. Aber ich hab das Gefühl, es wird schon besser, und bin deswegen so dankbar für Ihre Geduld als Patienten.
Interessant war es, den theoretischen Begriff des unausgelesenen Patientenguts im Praktischen zu erfahren. Dies bedeutet, dass Patienten, die den Hausarzt mit einer Vielzahl von Problemen aufsuchen. Diese Probleme gilt es in ihrer Bedeutung als entweder wahrscheinlich harmlos und selbstheilend oder potentiell gefährlich unterscheiden zu können. Die ärztliche Kunst besteht darin, diese potentiell gefährlichen Fälle zu erkennen und eine entsprechende Diagnostik durchzuführen oder zu veranlassen.
So lernt man in der Uni in verschiedenen Fächern z.B. intensiv die Diagnostik und Behandlung des sogenannten Akustikusneurinoms, in unserer Praxis gibt es bei all den vielen Patienten jedoch nur eine Person mit einem solchen. 
Einmal pro Woche finden per Skype Fortbildungen statt, bei denen sich verschiedene Ärzte unterschiedlichen Erfahrungsstandes online über vorher festgelegte Themen austauschen. Ich mag diese Fortbildungen sehr, da neben den feststehenden aktuellen Leitlinien auch Erfahrungen ausgetauscht werden, die für einen jungen, unerfahrenen Menschen wie mich von unschätzbarem Wert sind, so versuche ich diese Erfahrungen wie ein Schwamm aufzusaugen.
Als Fortbildungsthema hatten wir dieses Mal die akute und chronische Herzinsuffizienz. Spannend und Wichtig!

In meiner 5. Woche erlebte ich auch außerhalb der Praxis viele interessante Dinge, die eben das Besondere in meiner Lehrpraxis ausmachen. 
Montag Abend begann meine Woche der außergewöhnlichen Projekte mit einer Sitzung des LiA-Projektes in Rinchnach. LiA bedeutet 'Lebensqualität im Alter', ein Projekt bei dem sich unsere Praxis gemeinsam mit den Physio- und Ergotherapeuten und den Pflegekräften  der Region zum Ziel gesetzt hat, ältere Menschen möglichst lange in ihrem häuslichen Umfeld zu halten, und z.B. deren Sturzgefahr durch physio-und ergotherapeutische Behandlung zu minimieren, die medikamentöse Behandlung zu optimieren, und Hospitalisationen durch engmaschige Überwachung möglichst zu vermeiden. Bei diesen Sitzungen besprechen sich die an dem Projekt Beteiligten hinsichtlich der aktuellen Situation der einzelnen Patienten ab, überdenken mögliche Verbesserungen, und gleichen das jeweilige Wissen einander an.
Mittwochs nachmittags durfte ich dann nach Viechtach ins Krankenhaus fahren um dort an einer Fortbildungsveranstaltung teilnehmen, die eingeführt wurde, um die lokalen Allgemeinärzte und die Krankenhausärzte einander näher zu bringen, Therapien von beiden Seiten zu beleuchten und so mehr Verständnis füreinander zu schaffen. Diese Woche war das Thema der akute Harnwegsinfekt. Eine häufige Erkrankung, die jedoch trotz eindeutiger Empfehlungen noch immer sehr unterschiedlich behandelt wird, und so die perfekte Grundlage für diese Fortbildung der besonderen Art bildete. Donnerstags besuchte ich mit Dr. Blank das Gymnasium in Zwiesel um den dortigen Schülern der 11. Klasse etwas über den Arztberuf und das Studium zu erzählen, mit Vorurteilen aufzuräumen und auch über die allgemeine Berufswahl zu sprechen. Das war wirklich spannend, auch weil man sich bei solchen Veranstaltungen reflektiert, in sich hineinhorcht und in meinem Fall glücklicherweise feststellt, wie glücklich man mit dem gewählten Beruf ist und wie sehr man sich auf dessen Ausübung freut.

In der vergangenen Woche begann ein weiteres Projekt, in das die Praxis maßgeblich eingebunden ist. Der Exzellente Sommer. Hierbei kommen Medizinstudenten aus ganz Deutschland in den Bayerischen Wald um eine Famulatur, bzw. ihr Pflegepraktikum auf besondere Weise zu erleben. Normalerweise arbeitet man bei der Famulatur für vier Wochen im normalen Stations- bzw. Praxisalltag mit. Nicht so bei dieser Spezialfamulatur. Die Studenten sind entweder in den Krankenhäusern in Viechtach oder Zwiesel, oder in verschiedenen Hausarztpraxen. Neben dem normalen Alltag fand letzte Woche gleich zu Beginn abends eine Infoveranstaltung statt, bei der die Studenten Möglichkeiten aufgezeigt bekamen, wo man sich wissenschaftlich fundierte, von der Pharmaindustrie unbeeinflusste Informationen beschafft.  Weiter ging es am Mittwoch nachmittags mit einem Ultraschallkurs für alle. In Kleingruppen, durften alle das sonographieren üben, ich durfte mich dabei um eine liebe Gruppe von Pflegepraktikanten kümmern, und den Riesenvorteil genießen, dass der Lehrende sehr viel lernt, indem er anderen (versucht) etwas beizubringen. Ich bin auf die nächste Woche gespannt.

In der vergangenen Woche lernte ich die Praxis in Rinchnach besser kennen, da in der Kirchberger Praxis so viele Famulanten und Hospitanten zu Besuch waren, dass ich sozusagen 'ausgelagert' wurde, und schon sehr gespannt auf die Arbeitsweise von Herrn Dr. Bernecker war. 
Dr. Bernecker wendet sehr viel Naturheilkunde an und da ich bisher wenig Berührungspunkte damit hatte, bekam ich ganz viel Wissen zur Homöopathie vermittelt, die Dr. Bernecker mir immer mit eigenen Erlebnissen illustrierte und es mir so viel leichter machte die Theorie dahinter nachzuvollziehen und sie greifbarer zu machen. 
Zugleich waren in den letzten Tagen auch die eindrucksvollsten Akutfälle, die ich in den vergangenen Wochen erlebt habe. 
Los ging es mit einem Patienten mit einem Herzinfarkt, wie er im Lehrbuch immer dargestellt wird, jedoch ausgesprochen selten sich von der Symptomatik so deutlich wie bei ihm darstellt. 
Dann ging es weiter mit einer Patientin mit akuten Nierenkoliken, die derart heftige Schmerzen verursachten, dass ihr Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach Schmerzmittelgabe erholte sich die Patientin ein wenig, musste jedoch bei sonographisch festgestelltem Harnaufstau ins Krankenhaus eingeliefert werden, um weitere Untersuchungen durchzuführen und eine suffiziente Schmerztherapie zu gewährleisten.
Abgeschlossen wurde diese 'Akutwoche' von einem 5-jährigen Jungen mit höchstem Fieber und multiplen Symtpomen, der zur Abklärung einer Blinddarmentzündung oder anderer gefährlicher Verläufe auch ins Krankenhaus musste. 
Von der Woche inspiriert nahm ich mir als Leitlinie den akuten Brustschmerz vor. 
Im Rahmen des exzellenten Sommers betreute ich beim EKG- Kurs verschiedene Studentengruppen und besprach mit ihnen die Zeichen des akuten Herzinfarktes im EKG.

In der vergangenen Woche lernte ich die Praxis in Rinchnach besser kennen, da in der Kirchberger Praxis so viele Famulanten und Hospitanten zu Besuch waren, dass ich sozusagen 'ausgelagert' wurde, und schon sehr gespannt auf die Arbeitsweise von Herrn Dr. Bernecker war. 

Dr. Bernecker wendet sehr viel Naturheilkunde an und da ich bisher wenig Berührungspunkte damit hatte, bekam ich ganz viel Wissen zur Homöopathie vermittelt, die Dr. Bernecker mir immer mit eigenen Erlebnissen illustrierte und es mir so viel leichter machte die Theorie dahinter nachzuvollziehen und sie greifbarer zu machen. 

Zugleich waren in den letzten Tagen auch die eindrucksvollsten Akutfälle, die ich in den vergangenen Wochen erlebt habe. 

Los ging es mit einem Patienten mit einem Herzinfarkt, wie er im Lehrbuch immer dargestellt wird, jedoch ausgesprochen selten sich von der Symptomatik so deutlich wie bei ihm darstellt. 

Dann ging es weiter mit einer Patientin mit akuten Nierenkoliken, die derart heftige Schmerzen verursachten, dass ihr Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach Schmerzmittelgabe erholte sich die Patientin ein wenig, musste jedoch bei sonographisch festgestelltem Harnaufstau ins Krankenhaus eingeliefert werden, um weitere Untersuchungen durchzuführen und eine suffiziente Schmerztheraopie zu gewährleisten.

Abgeschlossen wurde diese 'Akutwoche' von einem 5-jährigen Jungen mit höchstem Fieber und multiplen Symtpomen, der zur Abklärung einer Blinddarmentzündung oder anderer gefährlicher Verläufe auch ins Krankenhaus musste. 

Von der Woche inspiriert nahm ich mir als Leitlinie den akuten Brustschmerz vor. 

Im Rahmen des exzellenten Sommers betreute ich beim EKG- Kurs verschiedene Studentengruppen und besprach mit ihnen die Zeichen des akuten Herzinfarktes im EKG.

In der vergangenen Woche arbeitete ich teils in Rinchnach, teils in Kirchberg. Es war die letzte Woche des exzellenten Sommers, als Spezialkurs war die Untersuchung von Knie und Schulter dran. Als theoretisches Thema hatte ich mir die Leitlinien über die chronische und akute Gicht vorgenommen, und mein Wissen nochmal etwas aufgefrischt.

Gerade in der letzten Woche hatten wir sehr viele Wespenstich-Patienten, zum Teil mit generalisierten, am ganzen Körper bestehenden Reaktionen, die mittels intravenöser Cortisongabe behandelt werden mussten, um eine drohende Anaphylaxie zu bekämpfen. Sehr unangenehm für die Patienten, für mich jedoch auch sehr lehhreich, weil ich dadurch eine Routine entwickeln konnte, in der Behandlung der generalisierten allergischen Reaktion.

Da die Zeit mit Riesenschritten vergeht, und nun nur noch drei Wochen in Kirchberg für mich übrig geblieben sind (Ich darf noch drei Wochen Urlaub machen) haben wir uns in der vergangenen Woche vermehrt auf die Prüfung konzentriert. Ich wurde öfter von Dr. Blank mit Prüfungssituationen konfrontiert, um so meine große Aufregung bei mündlichen Prüfungen besser in den Griff zu bekommen. 

In der wöchentlichen Fortbildung ging es diesmal um die Therapie des Bluthochdrucks, und obwohl man vielleicht meinen könnte, dass das ein Thema ist, bei dem man sich gegenseitig nichts mehr beibringen könne, konnten wir grade in der Frage wie man mit der Blutdruckmedikation beginnt, sehr viel voneinander lernen.

Julia Friedel

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4 Monate lang erlebte Frau Friedel, wie schön die Arbeit als Hausarzt in einer Ländlichen gegend sein kann. Unsere Patienten haben sich gern von Ihr voruntersuchen lassen und haben somit gleich den Nutzen einer zweiten ärztlichen Meinung. Nach dem Abschluss Ihres Studiums wird Sie, im Februar 2016 zurück zu uns in die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald kommen, um als Weiterbildungsassistentin unser Team zu unterstützen. Wir freuen uns jetzt schon auf diese gemeinsame Zeit.

Zunächst einmal heißt es ankommen, das Team und die Umgebung kennen lernen. Ein sehr herzlicher Empfang hat mir den Anfang sehr leicht gemacht. Für mich war es wichtig zuerst die Arbeitsweise des Arztes zu beobachten und meinen Platz im Praxisalltag zu finden. Inhaltlich standen vor allem die sog. „Abwendbaren gefährlichen Verläufe“, also Verletzung, Entzündung, Gefäße, Tumor, Stoffwechsel, Medikamente und Psyche, im Vordergrund. Auch eine gute Anamnese und das Erkennen des Problems des Patienten und die Zusammenfassung von diesen zählten zu meinen Aufgaben.
Nebenbei läuft bis Ende März auch eine besondere Hausarztfamulatur in der Region im Rahmen des Exzellenten Winters für 10 Medizinstudenten aus ganz Deutschland. An drei Nachmittagen in der Woche finden sog. Teachings statt, an denen ich auch teilnehmen konnte. Die Themen diese Woche: Der depressive Patient, Homöopathie in der Hausarztpraxis und Untersuchungstechniken von Schulter und Knie.

Diese Woche stand das Üben der körperlichen Untersuchung an. Ganz allgemein von Kopf bis Fuß, z.B. das Handling des Otoskops, um in den Ohren auch wirklich das Trommelfell zu sehen oder die genaue Auskultation der Lunge. Besonders schwierig ist es dabei nicht nur deutlich pathologische Atemgeräusche zu hören, sondern auch die feinen Nuancen von leicht mit Schleim belegten Bronchien. Darüber hinaus habe ich mit der Ultraschall-Untersuchung des Abdomens angefangen. Ziel diese Woche: Darstellung der Leber und orientierender Ultraschall der restlichen Organe.
Die Teachings diese Woche: Augenärztliche Untersuchung, Balint-Gruppe, Besuch des Dialysezentrums in Zwiesel und Herztag im Krankenhaus Viechtach. Zusätzlich bereite ich ab jetzt jede Woche eine Handlungsempfehlung oder Leitlinie der DEGAM vor und wir besprechen diese im Ärzte-Team zu Fortbildungszwecken. Den Anfang macht die „Akute Gicht“. Wichtige Erkenntnisse hieraus sind für mich zum einen, dass die Gicht rein klinisch diagnostiziert wird und keine Labordiagnostik oder Röntgen notwendig ist. Zum anderen, dass die Therapie „nur“ aus Schmerz- und Entzündungshemmung besteht. Auch ist Naproxen bei älteren Patienten zu bevorzugen, da es im Vergleich zu Ibuprofen weniger Nebenwirkungen am Herzen macht.

Diese Woche war ich viel mit der Praxismitarbeiterin Petra auf Hausbesuchen, ihre Spezialgebiete: Wundversorgung und Diabetes. Gemeinsam haben wir Patienten mit amputierten Zehen oder Ulcera an den Beinen/Füßen versorgt. Auch konnte ich zum ersten Mal alleine Patienten auf Hausbesuchen betreuen.
Natürlich weiterhin Üben der körperlichen Untersuchung und des Ultraschalls.
Die Teachings diese Woche: HNO-Untersuchungen, Betreuung geriatrischer Patienten und Notfallmedizin.
Die DEGAM-Handlungsempfehlung: „Chronische Gicht“. Wichtig für mich ist zu wissen, dass eine Dauertherapie mit dem Standardmedikament Allopurinol erst 2 Wochen nach einem akuten Gichtanfall begonnen werden darf und das es hierbei zunächst zu vermehrten Gichtanfällen kommt. Ab mehr als 2 Gichtanfällen im Jahr, bereits vorhandenen Einlagerungen in den Gelenken, sog. Tophi und zur Prophylaxe während einer Chemotherapie ist ein Einsatz von Allopurinol gerechtfertigt. Das Cochrane-Review von 2014 zu dem Thema spricht für einen nur sehr geringen Nutzen von Allopurinol. Zwar wurde die Harnsäuresenkendewirkung bestätigt nicht aber die Reduktion der Anfallshäufigkeit.

Diese Woche habe ich das Untersuchen des Abdomens vertieft. Inspektion, Auskultation und Palpation. Die meisten Patienten hatten trotz Beschwerden fast normale Befunde. Ein interessanter Fall kam diese Woche in die Praxis. Der Patient zeigte sich mit gelblich-gräulich verfärbter Haut und Skleren, geblähtem Bauch, petechialen Blutungen und Ödemen an den Unterschenkeln. Die körperliche Untersuchung zusammen mit einer Ultraschalluntersuchung des Abdomens deutete auf eine akute Entzündung der Gallenblase hin. Sofort schickten wir den Patienten ins Krankenhaus. Im Verlauf der Woche konnte ich mich dorr immer telefonisch nach dem Verlauf und Wohlbefinden des Patienten erkundigen und am Samstag besuchten Dr. Blank und ich den Patienten im Krankenhaus. Die Gallenblasenentzündung hat sich nicht bestätigt, dafür aber eine Leberzirrhose. Schön an diesem Beispiel war für mich, den Verlauf über den eigentlichen Besuch beim Hausarzt hinaus mitverfolgen zu können.

Die DEGAM-Handlungsempfehlung der Woche: Brennen beim Wasserlassen. Wichtige
Kernaussage: Bei Frauen mit der entsprechenden Symptomatik darf zunächst von einem unkomplizierten Harnwegsinfekt ausgegangen werden und es darf ohne Testung des Urins eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Auch eine Therapie mit Ibuprofen kann zunächst versucht werden. Passender Weise waren diese Woche auch mehrere Patienten mit einem Harnwegsinfekt in der Praxis und ich hatte einige Gelegenheiten das theoretisch Besprochene umzusetzen.

Diese Woche beschäftigte ich mich mit der Untersuchung von Patienten mit Verdacht auf lumbalen Bandscheibenvorfall - Kennreflexe, Dermatome mit Sensibilität und Motorik
Am Dienstag hospitierte ich einen Tag in der Gastroenterologie im Krankenhaus Viechtach. Mir wurden Einblicke in d die Eie Endoskopie  mit Magen- und Darmspiegelungen gewährt. Auch eine Visite auf Normalstation und die Intensivstation konnte ich mir ansehen.
Am Donnerstag ging es nach Würzburg zum Get Together des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die Veranstaltung richtete sich an Studenten und sollte Einblicke in die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Allgemeinmedizin geben und Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich schon im Studium mit der Allgemeinmedizin beschäftigen kann.

Diese Woche konnte ich viele Einblicke in das LIA-Projekt der Praxis erhalten. LIA heißt Lebensqualität im Alter und soll es geriatrischen Patienten ermöglichen, so lange wie möglich zu Hause selbstständig leben zu können. Dafür wird unter anderem alle Halbe Jahre bei diesen Patienten das Geriatrische Basis Assessment durchgeführt. Dies beinhaltet verschiedene Tests, wie z.B. den Barthel-Index oder das Esslinger Sturzrisikoassessment, zur Einschätzung der alltäglichen Fähigkeiten, der Kognition und des Sturzrisikos des Patienten. Gemeinsam mit Waltraud Mader, unserer Geriatrie-Spezialistin, war ich also unterwegs, um die Patienten zu Hause zu besuchen und uns ein aktuelles Bild vom Zustand der Patienten zu machen. Hierbei wird schnell deutlich, das viele Patienten und Angehörige von der intensiven Betreuung und Beratung profitieren. Ein insgesamt gelungenes Projekt, bei dem es Spaß macht dabei zu sein!

Diese Woche stand ganz im Zeichen des Projekts „Gute Ärzte braucht das Land“ und dem Besuch der Staatsministerin Frau Melanie Huml. Als PJ-Studentin der Praxis war meine Aufgabe der Ministerin meine Wünsche für einen Umzug aufs Land und meine Integration in das Praxisteam vorzustellen. Das war eine tolle Erfahrung!

Am Samstag konnte ich beim 1.Hilfe Training durch das Bayerische Rote Kreuz teilnehmen. Es wurden alle wichtigen Notfallsituationen durchgespielt von der einfachen Schnittverletzung bis zur Reanimation. Durch die super Kursleiterin war es ein sehr informativer und interessanter Tag und alle hatten viel Spaß dabei!

Durch den Feiertag war es für mich nur eine kurze Woche. Daher habe ich diese Woche einfach „nur“ gearbeitet und versucht, alles, was ich in den letzten Monaten gelernt und erlebt habe, anzuwenden. Auch mal schön!

Diese Woche hatte ich noch einmal viel Gelegenheit das Geriatrische Basis Assessment zu üben. So versuchen wir z.B an Hand des Barthel-Index, des Geldzähltests, des Uhrentests und einer Sturzrisiko-Abfrage herauszufinden, wie gut sich ein Patient noch zu Hause selbst versorgen kann und ob er im Alltag zurechtkommt. 

Am Freitag war ich mit dem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin der Universität Erlangen in Oberfranken, genauer gesagt in Effeltrich. Anlass war die Übergabe des Förderpreises durch das bayerische Gesundheitsministerium für die Landarztstudie des Lehrstuhls. An dieser nehme ich Teil, da ich mein Allgemeinmedizintertial hier in Kirchberg auf dem Land absolviere. Die Studie betreut und unterstützt also Studenten, die sich für die Allgemeinmedizin aufs Land wagen.

Diese Woche war bei mir Check-up Woche. Also körperliche Untersuchung von Herz, Lunge und Bauch, Hautkrebsscreening, Abfragen der Risikofaktoren für Herz-/Kreislauferkrankungen und Krebs, Blutentnahme und bei uns zusätzlich die sonographische Untersuchung der Schilddrüse und des Bauches. Viel Wert legen wir hierbei auf eine offene und neutrale Beratung der Patienten zu den aktuellen Vorsorgeuntersuchungen, die hinsichtlich ihres Nutzen kritisch hinterfragt werden müssen.

Diese Woche haben wir es tatsächlich auch mal wieder zu einer Fortbildung in der Praxis geschafft. Das Thema: Hyperthyreose, also die Schilddrüsenüberfunktion. Besprochen wurde unter anderem, wann der Arzt in der Hausarztpraxis an eine Überfunktion der Schilddrüse denken muss und welche diagnostischen Möglichkeiten er hat.

Diese Woche hatte ich noch einmal viel Gelegenheit den Ultraschall von Bauch und Schilddrüse zu üben. Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Abgabe einer Stuhlprobe nicht so banal ist, wie zunächst angenommen. Daher war es mir ein Anliegen, eine Patienteninformation zu erstellen, die wichtige Hinweise enthält, damit die Probe sichere Ergebnisse liefert und nicht verfälscht ist. Auch so kann man sich in die Arbeit der Praxis einbringen.
Fortbildungsthema diese Woche: Antibiotikagabe bei Atemwegsinfektionen. Es war wieder hochspannend die Theorie mit der Erfahrung unseres Ärzte-Teams zu verknüpfen und für unsere Praxis einen Leitfaden zu erstellen.

Diese Woche konnte ich einen Nachmittag in der Physiotherapiepraxis der Familie Kufner hospitieren. Das Gefühl für Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke wird in der Physiotherapie sehr intensiv gelehrt und angewandt. Da so etwas im Medizinstudium nicht zum normalen Lehrinhalt gehört, war es für mich eine tolle Erfahrung, mehr mit meinen Sinnen zu arbeiten. Das braucht aber viel, viel Übung! Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal in der Physiotherapie zu hospitieren.

Unser Fortbildungsthema war erneut die Antibiotikagabe bei Atemwegsinfektionen. Letztes Mal hatten wir v.a. besprochen, wann ein Einsatz von Antibiotika Sinn macht. Diesmal wurde geklärt, welches Antibiotikum wir bei welcher Form des Atemwegsinfektes einsetzen und was es in den verschiedenen Altersgruppen zu beachten gibt.

Lisa Orthuber

Lisa Orthuber

Ich war die erste PJ`lerin in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald. Der Hauptsitz der Praxis ist in Kirchberg, im benachbarten Rinchnach wird eine Zweigstelle betrieben. Die Sprechstunde geht jeden Morgen von 8 Uhr bis 12 Uhr. Nach vier Stunden Mittagspause öffnet die Praxis nochmal von 16-18 Uhr.

Die Praxis wird momentan von insgesamt fünf Ärzten betrieben, davon befindet sich einer in der Weiterbildung. Jeder Arzt hat sein eigenes Fachgebiet. Neben der recht spärlichen Facharztdichte in der Region war dies ein Grund für ein recht vielfältiges Spektrum an Beratungsanlässen in der Sprechstunde. Vor allem pädiatrische, orthopädische und neurologische Fragestellungen sind mir häufig begegnet, aber auch gynäkologische oder urologische Probleme waren keine Seltenheit.

Das Team hat mich sehr offen aufgenommen und dadurch habe mich schnell in den Praxisalltag eingefunden. Die ersten paar Tage bin ich mit dem jeweils anwesenden Arzt mitgelaufen um zu sehen, wie die Abläufe in der Praxis und die Sprechstunden organisiert sind.

Ich konnte meine Wünsche zum Vorgehen frei äußern, so dass ich nach und nach selbstständiger arbeiten konnte – gerade so wie ich es mir zugetraut habe. Die Routine bei der körperlichen Untersuchung kam schnell.

Wenn Fragen aufgetaucht sind habe ich diese immer gleich gestellt. Wenn es der Arzt selber mal nicht wusste, wurde es nachgeschlagen und anschließend besprochen. Je nach Arzt sind die Erklärungen eben mal mehr oder weniger ausführlich ausgefallen, aber es gab immer zeitnah einen Ansprechpartner mit direkter 1:1 – Betreuung. Unterricht fand meistens fallbezogen direkt im Patientenzimmer statt. Bei interessanten Fällen wurde ich immer, wenn ich denn auffindbar war, dazu geholt.

Ein Ultraschallraum ist in der Praxis ebenfalls vorhanden, daher konnte ich meine Fähigkeiten bei der Abdomen- und Schilddrüsensonographie trainieren.

Auch von den MFAs habe ich viel beigebracht bekommen. Jede der Helferinnen hat ihr Spezialgebiet, wie z.B. KHK, Diabetes oder Asthma im Rahmen der DMP-Programme. So hatte ich immer noch eine nichtärztliche Ansprechpartnerin, die ich mit nervigen Fragen löchern konnte. Das Labor wurde jeden Tag selbstständig von einer Helferin am Laufen gehalten, so dass ich angenehmerweise den Vormittag nicht damit verbringen musste. Auch die EKGs und Lufu`s wurden vorgeschrieben und wenn ich es nicht verschlafen habe, konnte ich diese vorbefunden und danach vorstellen.

 Die Hausbesuche werden je nach Arzt einmal pro Woche über Mittag oder am Wochenende gefahren. Es besteht die Möglichkeit an diesen teilzunehmen und nach Einarbeitung selbstständig durchzuführen. Den Patienten in ihrem persönlichen Umfeld zu begegnen war nochmal eine ganz andere Erfahrung als der Kontakt in der Sprechstunde. Auch die Betreuung von Patientin im Altenheim ist möglich.

Freie Nachmittage gibt es an sich nicht, jedoch werden keinesfalls die Stunden kleinlich gezählt. Die Studientage sind nach unkomplizierter Rückmeldung flexibel organisierbar.

Die Praxisinhaber stellen Famulanten und PJlern kostenlos eine schöne 1-Zimmer Wohnung am Kirchenberg mit Blick über das Dorf zur Verfügung. Sie ist voll möbliert und mit allem was man so braucht ausgestattet. Man muss also nur noch seine persönlichen Dinge einpacken und sich keine Sorgen um die Einrichtung machen.

Während meines Aufenthalts waren meist noch Famulanten oder Blockpraktikanten in der Praxis, sodass man die freie Zeit gemeinsam gestalten konnte.

Die Region bietet insbesondere für Naturverbundene und Leute, die ihre Freizeit gerne an der frischen Luft verbringen, ein breites Angebot. Auch Passau und Regensburg sind schnell zu erreichen. Ein eigenes Auto ist nicht zwingend notwendig, jedoch empfehlenswert.

Eine finanzielle Entlohnung im Sinn eines Gehalts gab es nicht, aber ich wurde des Öfteren zum Essen eingeladen und das kann man wirklich gut im Bayerischen Wald. Der Verbrauch an Kaffeebohnen ist während meines Aufenthalts explodiert. Außerdem wurde mir über die Praxis die Teilnahme am DEGAM Kongress und die viertägige Fortbildung im Rahmen der „practica“ in Bad Orb voll finanziert.

Nicht nur der Lerneffekt wird mir in Erinnerung bleiben. Ich habe während meiner Zeit in Kirchberg viele neue Freundschaften geknüpft, die hoffentlich über mein PJ hinaus andauern werden. Am Ende wurde ich praktisch vom Team „adoptiert“ und der Abschied war gar nicht so einfach.

Zusammenfassend kann ich nach vier Monaten sagen, dass ich ein sehr gelungenes Tertial hinter mit habe: viel gesehen, viel gezeigt bekommen, viel selbständig gearbeitet und dadurch viel mitgenommen!

Jakob Jaurer

Jakob Jaurer

Meine Eltern sind vor Kurzem in den Bayerischen Wald gezogen. Es war also der reine Zufall, dass ich auf der Suche nach möglichen Famulaturen in der Allgemeinmedizin auf die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald stieß. Da war ich natürlich sehr erstaunt, als ich mich über die Lehrpaxis online informierte. Schon bei der Bewerbung per Email an Dr. Blank fiel mir auf: antwortet schnell, ist interessiert an mir und an meinen Wünschen, möchte, dass ich mir Ziele für die Famulatur setze. Außerdem vereinbarten wir einen Probetag im Sommer. Während des Probetags gewann ich schon den Eindruck, dass man als Student in der Praxis sehr viel eigenständig tut und hier definitiv etwas lernen kann.
Im Januar begann meine eigentliche Famulatur. Am ersten Tag ging ich noch Vormittags mit Dr. Blank mit. Er erklärte viele seiner Arbeitsschritte und es bestand immer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Fragen sind ohnehin wichtiger Teil der Praxis: immer wieder setzen sich Ärzte und Studenten zusammen – sei es in der Praxis oder per Skypekonferenz zwischen den einzelnen Standorten. Wir besprechen schwierige Fälle, alle möglichen Fragen, aber auch Paper aus JAMA zu evidenzbasierter Medizin.
Von Anfang an fühlte ich mich im ärztlichen Team willkommen. Auch alle Arzthelferinnen waren sehr freundlich, hilfsbereit und erklärten viel – zum Beispiel über die Versorgung von Diabetespatienten. Ganz klar – Neugierde wird in der Praxis belohnt.
Die Arbeit in der Praxis war vielseitig. Einerseits, weil man von Anfang an Patienten alleine untersucht. Andererseits, weil man in verschiedenen Praxen mehrere Ärzte und deren Arbeitsweisen kennenlernt. Nicht zuletzt kommen Patienten wirklich mit allen möglichen Beschwerden und Problemen in die Praxis. Vor allem aber mit Grippe und Rückenschmerzen. Ich fand das aber gut, mich ernsthaft mit den alltäglichsten Krankheiten auseinanderzusetzen und zu sehen, wie wichtig es für Patienten ist, dass der Arzt dem Patienten verständnisvoll und einfühlsam begegnet.
Insgesamt war ich nur drei Wochen in der Praxis. Rückblickend empfinde ich als lehrreiche Zeit. Gerade mache ich PJ in der Chirurgie und mir fällt auf, wieviel leichter es mir fällt, auf Patienten einzugehen.

Antonia Kubitscheck

Antonia Kubitscheck

Ich bin eine Medizinstudentin aus München und habe gerade mein siebtes Semester an der TU abgeschlossen. Durch die Teilnahme am „Perfekten Sommer“ bin ich zur Hausarztfamulatur bei Herr Dr. Blank gekommen.

Mir wurde eine sehr schöne, große Wohnung auf dem Berg neben der Kirche zur Verfügung gestellt. Die Glocken läuten zwar schon ab sechs Uhr, sind aber überraschend dezent und für den Ausblick lohnt sich die Lage allemal. Da es kein Internet oder Fernseher gibt, ist es ratsam sich viel zum Lesen und einen Laptop mit Filmen mitzubringen. Eine kleine Büchersammlung ist auch schon vorhanden, da bisher jeder Student ein gutes Buch dem Bestand hinzugefügt hat.

Die Praxis in Kirchberg ist gut zu Fuß zu erreichen, wie auch die Einkaufsmöglichkeiten im Ort, obwohl man bei der Einkaufsmenge bedenken muss, dass man auf dem Weg zur Wohnung einen kleinen Berg zu erklimmen hat. Das Praxisteam war meine ganze Famulatur über freundlich und hilfsbereit. Am ersten Tag habe ich Dr. Blank im Umgang mit den Patienten beobachtet und durfte nachuntersuchen. Schon ab dem zweiten Tag bin ich alleine zu den Patienten gegangen. Nachdem ich eine Anamnese erhoben und eine körperliche Untersuchung durchgeführt hatte, stellte ich Dr. Blank den Patienten vor. Durch die anschließende Kontrolle meiner Schlussfolgerungen, konnte ich recht schnell Fortschritte in der Beurteilung u.a. der Lunge, der Ohren, des Rachens und des Allgemeinzustandes machen. Ich lernte schnell, dass man nicht nur zwischen Vorhandensein oder Fehlen von Rasselgeräuschen und Giemen/Brummen unterscheidet und was vesikuläres, ziehendes, dunkles Atmen wirklich bedeutet. Mir fiel es mit der Zeit auch immer leichter im Patientenkontakt strukturiert vorzugehen und die gefährlichen Verläufe zu bedenken.

Nebenbei durfte ich Fäden entfernen, Patienten nach- oder vorschallen, Infusionen anhängen und EKGs schreiben und vorbefunden. Vor allem In der Sonographie habe ich deutliche Fortschritte machen können. Die Tatsache, dass auch Kinder zu den Patienten zählen, ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil der Landhausarztfamulatur.Antonia Sono3

Nach der Vormittagssprechstunde machten wir teilweise noch Hausbesuche, die in jedem Fall für die Beurteilung von dementen, multimorbiden Patienten hilfreich waren. Sehr lehrreich war auch die Mitfahrt mit einer der Medizinischen Fachangestellten (MFA), Petra, die sich u.a. um die Wund-/Ulkusversorgung der Diabetiker kümmert. Alle drei Ärzte in der Praxis in Kirchberg, Dr. Blank, Dr. Oldenburg und Dr. Takacs, waren sehr bemüht und haben mich immer mehr als freundlich behandelt. Es war allgemein ein unkompliziertes und entspanntes Miteinander.

In meiner Freizeit habe ich hauptsächlich gelesen und Filme angesehen. Die ruhigen Abende kamen mir nach dem vollen Semester auch ganz gut gelegen.  Ab und zu war es möglich, sich ein Auto zu leihen. Ein Besuch in Passau ist sehr zu empfehlen, das nur 40 Autominuten entfernt liegt. Sommer wie Winter ist für Outdoorsportler auch jede Menge geboten, ich war beispielsweise  Rodeln.  Es stellte auch kein Problem dar über ein paar Tage Besucher in der Wohnung einzuquartieren, sodass mir mein Freund und meine Mutter Gesellschaft leisten konnten.

Kurzum war es eine tolle Zeit, in der ich viel lernen durfte. Wer einen guten Einblick in die Tätigkeit eines Landarztes gewinnen und gleichzeitig viel an Erfahrungen sammeln möchte, ist hier am richtigen Platz.