Erfahrungsberichte

Statement zum PJ

PJ in der Gemeinschaftspraxis Bayerwald: „Fachlich bin ich beeindruckt, was hier geleistet wird“

Medizinstudentin Caroline Swoboda entschied sich für ein PJ-Tertial Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis Bayerwald, weil sie die Famulatur dort schon in so guter Erinnerung hatte. Unterstützt wurde sie dabei von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband. Und wieder war sie fachlich „beeindruckt, was in der Gemeinschaftspraxis geleistet wird. Hier ihr Bericht:

Motivation

Die Antwort auf die Frage nach meiner Motivation für mein PJ-Tertial in der Gemeinschaftspraxis Bayerwald teilt sich in zwei Aspekte. Zum einen, warum ich mich für ein Allgemeinmedizin-Terital entschieden hab und zum anderen, warum ich das gerade auf dem Land machen wollte.

Für die Allgemeinmedizin habe ich mich entschieden, da ich in meiner Famulatur in dem Exzellent-Programm von Dr. Wolfgang Blank bereits positive Erfahrungen in einer Hausarztpraxis gemacht hatte. Ich schätze vor allem den langfristigen Kontakt mit den Patienten und die abwechslungsreichen Beratungsanlässe. Das Tertial speziell auf dem Land machen wollte ich, um hier die Arbeit in der Allgemeinmedizin zu erleben, bei der nicht direkt um die Ecke jeder andere Facharzt oder ein Krankenhaus zur Verfügung steht.

Tätigkeit und fachliche Eindrücke

In der Gemeinschaftspraxis wurde ich in jeder Zweigstelle als ärztliche Kollegin angesehen. Als PJ-Student darf man sich als „angehende(r) Arzt/Ärztin“ vorstellen und so wurde ich langsam an die Haltung eines Arztes herangeführt. Während der Sprechstunde habe ich mit einer der MFA oder dem ärztlichen Kollegen abgesprochen, welchen Patienten ich aufrufen darf. Dann hatte ich so viel Zeit, wie ich für Anamnese und körperliche Untersuchung benötigte. Daraufhin informierte ich den Patienten, dass ich nun einen Arzt dazu hole und stellte den Patienten mit seinen Symptomen vor. Je nach Beratungsanlass konnte ich einen Therapievorschlag äußern und das Prozedere wurde mit Patient und Arzt besprochen. Abschließend machte ich die Dokumentation zu dem Fall. Bei den Gesundheitsuntersuchungen durfte ich ebenso alleine beginnen und auch sonografieren. Danach wurde die Untersuchung wiederholt und ich konnte meinen Eindruck abgleichen.

Fachlich bin ich beeindruckt, was in der Gemeinschaftspraxis geleistet wird. Durch die regelmäßigen Fallbesprechungen, Journal Clubs und das leitliniengerechte Arbeiten habe ich das Gefühl, das evidenzbasierte Medizin hier wirklich groß geschrieben wird.

Betreuung vor Ort

Die Betreuung der Studierenden ist sehr gut organisiert. Die Koordination der Studierenden läuft über einen Arzt, der uns vor der Anreise über alles Wichtige informiert hat und auch während des PJ-Tertials begleitete. Außerdem gibt es in der Gemeinschaftspraxis viele junge Assistenzärzte, die einen gerne jederzeit unterstützen oder Fragen beantworten.
Fachlich wurden wir u. a. über die Fall- und Themenbesprechungen gut betreut, bei denen wir immer Fragen stellen durften und sollten.

Unterkunft

Die Unterkunft war wirklich hervorragend. Als PJ-ler hat man entweder eine eigene Wohnung oder eine Wohnung, in der zwei Schlafzimmer sind, von denen man eines alleine bewohnt und in dem anderen wechselnd ein/zwei Famulanten oder Blockpraktikanten wohnen. Beides sind große, saubere Wohnungen, in denen man sich wohl fühlen kann.

Land und Leute

Die Menschen im Bayerischen Wald wachsen einem wirklich schnell ans Herz und man ist immer auch als „Zugezogener“ willkommen. Ich habe recht bald ein paar Wörter übernommen und kann beim Abhören  „jetzt bitte tief ein- und ausschnaufen“ sagen, das hört sich so oder so viel sympathischer an.

Die Region an sich finde ich auf jeden Fall lebenswert, ich habe es genossen, inmitten der Natur zu wohnen und an den Wochenenden den Bayerischen Wald zu erkunden. Nur, dass man für fast jeden Weg das Auto braucht, ist für mich weiterhin gewöhnungsbedürftig geblieben.

Fazit

Zusammenfassend würde ich sagen, dass man durch die verschiedene Aufgaben, die man in der Gemeinschaftspraxis rund um die Besprechungen, Seminare und Journal Clubs hat, auf jeden Fall gefordert ist. Wer ein entspanntes Terital haben möchte, bei dem man um 12 Uhr geht, der ist hier falsch. Ich wusst, dass ich hier gefördert und gefordert werde und würde mich wieder für ein Tertial im der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald entscheiden.

Förderprogramme Stiftung Bayerischer Hausärzteverband

 

Nicole Neumair

Praktisches Jahr
27.06. - 16.10.2022

Weiterlesen

Sabine Pahl

Sabine Pahl

Praktisches Jahr
27.06. - 16.10.2022

Weiterlesen

Franziska Roth

Franziska Roth

Praktisches Jahr
27.06. - 16.10.2022

Weiterlesen

Anja Stadler

Anja Stadler

Praktisches Jahr
16.05. - 04.09.2022

Weiterlesen

Mirjam Nissen

Mirjam Nissen

Praktisches Jahr
16.05. - 04.09.2022

Weiterlesen

Hannah Müller

Hannah Müller

Praktisches Jahr
7.3. - 26.6.2022

Weiterlesen

Caroline Swoboda

Caroline Swoboda

Praktisches Jahr
7.3. - 26.6.2022

Weiterlesen

Leonie Hartmann

Leonie Hartmann

Praktisches Jahr
15.11.2021 - 6.3.2022

Weiterlesen

Christina Liebl

Christina Liebl

Praktisches Jahr
06.09. - 26.12.2021

Weiterlesen

Julia Schlögelhofer

Praktisches Jahr
06.09. - 26.12.2021

Weiterlesen

Martina Enzinger

Praktisches Jahr

17.05. - 05.09.2021

Weiterlesen

Sofia Quaderer

Praktisches Jahr

08.03.2021 - 27.06.2021

Weiterlesen

Jonas Klemperer

Jonas Klemperer

Praktisches Jahr

28.12.2020 - 24.03.2021

Weiterlesen

Stella Kunzendorf

Stella Kunzendorf

Praktisches Jahr

16.11.2020 - 07.03.2021

Weiterlesen

Julia Aicher

Julia Aicher

Praktisches Jahr

18.11.2019 - 08.03.2020

Weiterlesen

Andrea Thiel & Sebastian Bender

Praktisches Jahr

11.03.2019 - 30.06.2019

Weiterlesen

Dorian Gottwald

Praktisches Jahr

19.11.2018 - 11.03.2019

Weiterlesen

Sarah Moschko

Praktisches Jahr

19.11.2018 - 11.03.2019

Weiterlesen

Rebecca Ebner

Praktisches Jahr

02.07.2018 - 28.09.2018

Weiterlesen

Georg Melzer

Praktisches Jahr

02.01.2018 - 15.04.2018 

Weiterlesen

Eva Heuer

Praktisches Jahr

20.11.2017 - 09.03.2018

Weiterlesen

Peter Philipsborn

Praktisches Jahr

10.07.2017 - 27.10.2017

Weiterlesen

Wibke Janhsen

Praktisches Jahr

03.07.2017 - 20.10.2017

Weiterlesen

Theres Fuchs

Praktisches Jahr

21.11.2016 - 12.03.2017

Weiterlesen

Sabine Höhn

Praktisches Jahr

29.06.2016 - 09.09.2016

Weiterlesen

Julia Friedel

Praktisches Jahr

Frühjahr 2016

Weiterlesen

Lisa Orthuber

Praktisches Jahr

Weiterlesen

Jakob Jaurer

Famulatur Allgemeinmedizin

Weiterlesen

Antonia Kubitscheck

Famulatur Allgemeinmedizin

Weiterlesen

Lisa Führlein

  • Woche 1

Woche 1: 05.09. – 11.09.2022

Gemischte Gefühle begleiten meine Anreise in den Bayerischen Wald - Vorfreude, ein bisschen Nervosität, Erschöpfung von den zurückliegenden Tagen des Tertialwechsels und auch etwas Wehmut, weil das vergangene Tertial mir so gut gefallen hat. Doch spätestens nach Verlassen der Autobahn, als die kurvigen Steigungen des Bayerischen Waldes beginnen und ich die Leistung meines (eigens für mein Tertial hier angeschafften) Autos auf die Probe stelle, überwiegt die Vorfreude – habe ich doch schon nach meiner Famulatur im Exzellenten Winter 2020 den Entschluss gefasst, zum PJ wieder hierher zu kommen. Nach der Ankunft genieße ich erstmal die Ruhe und Aussicht in meinem neuen Zuhause. Ein kleiner Spaziergang durch den Wald rund um den Ort lässt mich entspannen, und in der Sonne habe ich die Hoffnung, dass der Sommer doch noch nicht ganz vorbei ist…

Die Woche startet für mich in der Praxis in Grafenau, wo ich Dr. Blank bei seiner Arbeit begleiten darf. Wie typischerweise an einem Montag ist das Wartezimmer voll und entsprechend schnell das Arbeitstempo. Trotzdem nehmen wir uns für jede Patientin und jeden Patienten die Zeit, die sie oder er braucht. Wenn deutlich wird, dass ein umfassenderes Gespräch oder eine ausführlichere Untersuchung nötig ist, wird dies dem Patienten erklärt und ein neuer Termin vereinbart. Schon an meinem ersten Tag erkenne ich, wie wichtig die offene und deutliche Kommunikation mit den PatientInnen ist. In diesem Tertial möchte ich nicht nur mein fachliches Wissen erweitern – sondern auch mehr Sicherheit im Patientengespräch bekommen.

Dass auch die fachliche Weiterbildung nicht zu kurz kommt, dafür sorgen die zahlreichen Themen- und Fällebesprechungen, bei denen ich gleich von meinem ersten Tag an dabei bin. Die Abklärung von erhöhten Leberwerten, ein unklarer Fall einer blasenbildenden Hauterkrankung, die klinische Unterscheidung von Asthma und COPD – auch die erfahrenen ÄrztInnen sind sich immer wieder unsicher. Dass auch sie nicht alles wissen, sondern dankbar für den Austausch und die Erfahrung von KollegInnen sind, beruhigt mich und zeigt die Vorteile einer engen Zusammenarbeit mehrerer Praxen, wie sie hier gelebt wird.

Nach Grafenau lerne ich in dieser Woche auch die Praxen in Kirchberg und Schöfweg kennen. Alle paar Tage die Praxis zu wechseln, ist anstrengend, insbesondere wenn man die unterschiedlichen Abläufe noch nicht verinnerlicht hat. Doch dadurch habe ich die Chance, gleich zu Beginn meines Tertials alle Praxen sowie Ärztinnen und Ärzte kennenzulernen, um so einen Überblick zu bekommen. Dann kann ich entscheiden, wo und mit wem ich gern längere Zeit zusammenarbeiten würde.

Nach einer Woche voller neuer Eindrücke starte ich nun ins Wochenende, es ist schon eine Wanderung mit den anderen PJlerinnen geplant und im Garten der Grafenauer WG müssen wohl einige Obstbäume abgeerntet werden…

Franziska Roth

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11

Woche 1: 27.06. – 03.07.2022

In mein letztes Tertial startete ich mit derselben leichten Nervosität, die ich am Anfang eines jeden Tertials hatte. Allerdings gab es einen kleinen Unterschied. Bereits durch die Hospitation und den engen Kontakt vorab mit Dr. Blank wusste ich, dass dieses Tertial viel persönlicher und intensiver werden würde als meine bisherigen Tertiale - und darauf freute ich mich. Im Haus in Grafenau empfing mich meine neue Mitbewohnerin Mirjam. Ich bin so dankbar, dass wir hier kostenlos wohnen dürfen. Wir haben sogar einen großen Garten. Ich fühlte mich von Anfang an wohl.

Meine Praxis liegt direkt in Grafenau, sodass ich entspannt zu Fuß zur Arbeit gehen kann. In der Praxis von Dr. Carlberg und Dr. Scholz wurde ich herzlich empfangen. Sicherlich werde ich von beiden viel lernen können. Beide haben ganz besondere Qualitäten und ihr Umgang mit den Patienten ist einfach toll.

Die erste Woche in der Praxis bot mir schon eine große Vielfalt an Eindrücken und Erfahrungen. Ich konnte EKGs befunden, impfen, Blut abnehmen, die Anamnese üben, körperliche Untersuchungen vornehmen, war bei einigen U-Untersuchungen dabei und ging bei Hausbesuchen mit. Außerdem konnte ich mich in der Schilddrüsen- und der Abdomensonografie üben. So war es mir möglich, ein breites Spektrum an Patienten kennenzulernen. In meinem zweiten Tertial in der Chirurgie vermisste ich, dass sich Ärzte Zeit für Gespräche mit den Patienten nehmen. Nun bin ich ganz froh, das hier anders zu erleben. Die Zeit ist zwar auch hier oft knapp, aber ich habe das Gefühl, dass das Zwischenmenschliche dennoch einen höheren Stellenwert hat. Es ist auch schön zu sehen, wie gut die Ärzte die Patienten im Laufe der Zeit kennen. Somit behandeln sie nicht nur ein einzelnes Symptom, sondern haben den ganzen Menschen im Blick.

Das den Praxisalltag  begleitende Programm, auf das ich mich auch besonders gefreut hatte, war gleich in der ersten Woche super. Es gab eine Themenbesprechung zur Reisediarrhö, ein Teaching zum Nähen und Fädenziehen, einen Journal Club, sowie eine Fällebesprechung. In allen Treffen begegneten sich PJ-ler, Assistenten und Fachärzte auf Augenhöhe und alle trugen dazu bei, dass produktive und interessante Gespräche und auch wirklich fruchtbare Diskussionen zustande kamen. In dieser wertschätzenden Atmosphäre fällt es mir als Studentin leichter, mich einzubringen. Besonders gewinnbringend ist für mich auch das interne Treffen der PJ-ler. Dort werden wir nun anhand von Leitlinien jede Woche ein relevantes Thema besprechen und Fragen zusammentragen. Auch wurden wir von Dr. Blank zum Essen eingeladen - eine tolle Gelegenheit, sich besser kennenzulernen.

Das Begleitprogramm neben dem Arbeitsalltag ist eine Herausforderung, und ich merke, dass ich doch ganz schön platt bin am Ende dieser mit Eindrücken und Begegnungen vollgepackten Woche. Dennoch weiß ich, dass ich hier enorm viel lernen werde und so freue ich mich auf alles was kommt. Ich wünschte, schon während meines Studiums hätte es mehr solcher Formate gegeben, denn so macht Lernen wirklich Spaß.

Die Woche endete mit einem Aufzug der Vereine und Musikkapellen beim Grafenauer Volksfest, den Mirjam und ich gemeinsam anschauten. Es blieb in der ersten Woche noch keine Zeit, die schöne Natur des Bayerischen Waldes zu erkunden, die ich seit den Familienurlauben meiner Kindheit im Herzen trage. Umso mehr freue ich mich auf die kommenden Monate!

Woche 2: 04.07.  10.07.2022

In dieser Woche war vor allem der Praxisalltag und das Patientenspektrum sehr spannend und es gab interessante klinische Befunde. Außerdem gab es einige Themen, die mich nach Feierabend noch beschäftigten.

An einem Morgen ging ich mit der Arzthelferin Gabi auf Hausbesuche. Sie machte auf mich einen sehr erfahren Eindruck und hatte eine wirklich herzliche Art. Über die Versorgung zu Hause wurde oft gesprochen. Mir fällt auf, dass hier die familiäre Unterstützung zu Hause noch viel häufiger gegeben scheint als in der Stadt. Oft wohnen mehrere Generationen in einem Haus oder auf einem Hof und unterstützen sich gegenseitig. Trotzdem ist die Versorgung oft schwierig und eine hohe Belastung für die Angehörigen.
In der Praxis sah ich viele verschiedene Patienten und spannende Krankheitsbilder. Unter anderem stellte sich ein junger Mann mit Luftnot bei leichter Belastung vor, die seit seiner Covid Infektion besteht. Er hatte bereits einen auffälligen Bronchospasmolysetest vor einigen Wochen, wurde mit einem Spray therapiert und kam nun zur Kontrolle. Für mich war dieser Fall Anlass, mich nochmals im Detail mit der Lungenfunktionsdiagnostik zu beschäftigen.

Es stellte sich außerdem eine Patientin mit einem prätibialen Ausschlag mit erhabenen, verhärteten, roten Effloreszenzen vor, die seit ihrer Covid Infektion bestehen. Wir vermuteten ein Erythema nodosum, veranlassten aber weitere Untersuchungen.
Ein junger Patient mit Migrationshintergrund stellte sich vor, der seit einigen Jahren im Asylbewerberwohnheim wohnt. Er erzählte mir von der schwierigen und belastenden Situation, die ihm zu schaffen mache. Er habe seit längerem regelmäßig Schmerzen in der Brust. Wir initiierten einen Ausschluss kardialer Ursachen. Der Patient selbst vermutete aber, dass die Beschwerden auch stressbedingt sein könnten. Außerdem kam ein kleiner Junge mit Hautausschlag in die Praxis. Dass auch kleine Patienten hier ab und zu vorbeikommen, macht für mich die Arbeit noch abwechslungsreicher.

Die Mutter eines Jugendlichen mit psychischen Problemen kam zum Gespräch über die belastende Situation und das weitere Vorgehen. Ich finde es spannend mitzubekommen, wie intensiv sich die Ärzte dieser Praxis dafür einsetzen, dass Prozesse und Therapien angestoßen werden.
Außerdem stellte sich eine Angehörige eines Patienten mit einem Karzinom im Endstadium vor, bei dem es darum geht eine palliative Mitbetreuung zu initiieren. Der Begriff „Palliativ“ scheint Patienten und Angehörigen oft Angst zu machen und man muss sich Zeit nehmen und einfühlsam erklären, wie hilfreich und Lebensqualität-verbessernd eine solche Mitbetreuung sein kann.

Bei den Hausbesuchen in dieser Woche visitierten wir unter anderem auch eine Intensivpflege-Wohngemeinschaft mit beatmeten Bewohnern. Unter anderem lebt dort ein Patient mit Hirnschädigung, bei dem ich zum ersten Mal die sogenannte Cheyne Stokes Atmung sehen konnte.

Auch habe ich in dieser Woche unter Anleitung meine ersten Akupunkturnadeln gesetzt. Das ist für mich ein neues Feld, da man während des Studiums mit diesem Thema kaum Berührungspunkte hat. Ich sehe aber, dass der Wunsch der Patienten nach komplementärer Medizin sehr groß ist. Es beschäftigt mich in diesem Zusammenhang schon seit längerem immer wieder, dass es für bestimmte Methoden keine, und zu manchen nur eine sehr unzureichende Evidenz gibt. Gleichzeitig merke ich in den Diskussionen der Themenbesprechungen und im Journal Club auch immer wieder, dass zu so vielen Themen, nicht nur in der Alternativmedizin, noch keine ausreichende Evidenz existiert. So muss die Sachlage immer wieder neu bewertet werden. Und auch ich werde meinen eigenen Mittelweg finden müssen und mich weiter zu neuen Erkenntnissen auf dem Laufenden halten. Was ich aber wirklich wichtig und spannend finde ist, dass sich in Studien gezeigt hat, dass sich die Wirksamkeit alternativer Heilmethoden unter anderem auf die intensive Zuwendung durch den Behandler zurückführen lässt. Das sollte uns wirklich zum Nachdenken anregen. Ich hoffe es werden in Zukunft im Gesundheitssystem mehr Kapazitäten geschaffen, sodass man sich die Zeit nehmen kann, die nötig ist.

Dass die Zeit oft viel zu knapp ist, bestätigte sich auch bei einem Patienten, der aufgrund von Vorhofflattern im Krankenhaus war und nun im Anschluss zur Kontrolle in die Praxis kam. Er hakte in der Sprechstunde mehrmals nach und ließ sich seine Erkrankung und die Therapie detailliert erklären. Während meiner Praktika in den Krankenhäusern hatte ich sehr häufig das Gefühl, dass Patienten ihre Erkrankung, und vor allem auch die Therapie, nicht oder nur sehr unzureichend verstehen. Das hat meiner Ansicht nach die unterschiedlichsten Ursachen, von mangelndem Interesse seitens des Patienten bis hin zu mangelnder Zeit beim Arzt. Jedoch könnte ich mir vorstellen, dass mehr Wissen und Aufklärung einen großen Einfluss auf die Compliance des Patienten und auch auf den Therapieerfolg haben können. Leider hat man für solch ausführliche Gespräche im Arbeitsalltag kaum Zeit. Ein Fazit meiner Woche ist also, dass Zeit und Zuwendung eine große Rolle spielen, wenn wir von guter Medizin reden.

Am Ende der Woche nahmen sich Dr. Carlberg und Dr. Scholz Zeit, mit mir gemeinsam zu besprechen wie es mir bisher geht was ich mir wünsche für die Zukunft. Ich fühle mich sehr wertgeschätzt und ernstgenommen.

Woche 3: 11.07.  17.07.2022

Diese Woche konnte ich mich etwas intensiver mit dem Ultraschall der Schilddrüse beschäftigen. Dr. Carlberg zeigte mir nochmals den genauen Ablauf, den ich dann an zwei Patientinnen mit Raumforderungen in der Schilddrüse üben konnte. Es fällt mir immernoch schwer, Raumforderungen zu erkennen und von zum Beispiel inhomogenem Schilddrüsengewebe abzugrenzen, vor allem wenn die Raumforderungen isoechogen sind. Umso besser, dass ich jeden Tag mindestens einen Ultraschall durchführen kann. Außerdem sah ich diese Woche auch zum ersten mal einen Ultraschall zum Ausschluss einer Nierenarterienstenose bei neu aufgetretener arterieller Hypertonie.

In den Fallbesprechungen diese Woche konnte ich eine eigene Frage zu einer Patientin einbringen. Sie kam mit Magen-Darm-Beschwerden in die Praxis, wollte allerdings kurz bevor sie ging noch einen Rat von uns. Sie sagte, sie hätte eine akute Chlamydieninfektion, sei allerdings schon seit einigen Jahren in einer festen Partnerschaft. Nun wollte sie von uns wissen, ob Chlamydien nur sexuell übertragbar seien, da sie dann die Treue ihres Partners in Frage stellen müsse. Während sie davon erzählte, fing sie auch an zu weinen. In dieser Situation war es schwer für mich eine passende Antwort zu finden. Mir waren in diesem Moment keine anderen Übertragungswege bekannt, gleichzeitig wusste ich, dass diese Antwort für ihre Beziehung ernste Konsequenzen haben könnte. In der Themenbesprechung konnte ich einen Infektiologen zu dem Thema befragen und außerdem mit den Teilnehmern über meine Unsicherheit in der Kommunikation mit der Patientin sprechen. Das war wirklich sehr hilfreich.  

Eine weitere Patientin kam mit entgleisten Blutdruckwerten zu uns, nachdem sie ihre Medikamente selbständig abgesetzt hatte. Sie waren akut so stark erhöht, dass sie in der Praxis eine Notfallmedikation bekam. Sie musste erneut über die Wichtigkeit der Medikation aufgeklärt werden.

Es kam außerdem eine Patientin in die Praxis, die die typischen Symptome eines Herzinfarktes beschrieb. Im EKG konnte allerdings eine akute Ischämie nicht bewiesen werden. Eigentlich hätte die Patientin mit dem Notarzt ins Krankenhaus fahren müssen, um dort einen NSTEMI, also einen Herzinfarkt ohne die typischen EKG Zeichen, ausschließen zu lassen. Die Patientin ließ sich aber unter keinen Umständen dazu überreden, obwohl ihr klar war, dass das im schlimmsten Fall ihren Tod bedeuten könnte. Sie hatte zu Hause einen pflegebedürftigen, an Demenz erkrankten Ehemann und ihre nahen Verwandten oder Bekannten wären nicht verfügbar. Wir nahmen eine Blutprobe ab, das Ergebnis würde allerdings erst ein paar Stunden später fertig sein. Außerdem behielten wir die Patientin noch eine Stunde in der Praxis, um sie überwachen zu können. Die Patientin versprach uns, sofort den Notarzt zu rufen, sollte sich ihr Zustand verschlechtern. Eine wirklich schwierige Situation.

Am Donnerstag gingen wir PJler und Famulanten mit Julia, einer der Assistentinnen, abends gemeinsam in einen Biergarten. Ein wirklich schöner Abend und eine gute Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

Woche 4: 18.07. – 24.07. 2022

Diese Woche war wieder vollgepackt mit Erlebnissen. Die Ärzte in meiner Praxis sind sehr bemüht darum, mich in meinem Lernprozess zu unterstützen und versorgen mich unter anderem mit zusätzlicher Lektüre. Dr. Carlberg brachte mir zum Beispiel einen interessanten Artikel zum Thema Insulintherapie mit, da dies noch ein sehr komplexes Thema für mich darstellt. Dr. Scholz gab mir ebenfalls hilfreiche Lektüre zum Thema Patientenverfügung und Naturheilkunde. Außerdem habe ich im Pausenraum einen Platz mit Computer und Büchern, wo ich in Ruhe recherchieren kann.

Ich durfte netterweise diese Woche an Dr. Carlberg üben, den Knöchel-Arm-Index mit Hilfe der Doppler-Sonographie zu bestimmen. Außerdem erklärte er mir ausführlich die Carotis-Sonografie.

Ich habe diese Woche gemerkt, dass ich nach und nach sicherer im Auskultieren werde. In der Klinik spielt dies oft nicht mehr eine so zentrale Rolle. Ich finde es wirklich toll, mein Gehör hier nochmal so intensiv trainieren zu können.

Wir waren diese Woche wieder gemeinsam im Seniorenwohnheim, wo wir einen Patienten in akut reduziertem Allgemeinzustand antrafen. Er war matt, kurzatmig und berichtete über Übelkeit und Luftnot. Der veranlasste Covid-Schnelltest war positiv. Aufgrund des schlechten körperlichen Zustandes, sowie in Zusammenschau mit den Vorerkrankungen und den schlechten Vitalzeichen (Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz), entschied sich Dr. Carlberg dafür, den Patienten ins Krankenhaus einzuweisen. Für mich war es spannend zu sehen, welch guten Blick man als Arzt mit der Zeit für kritisch kranke Patienten entwickelt und so bereits Situationen einschätzen kann, bevor man die entsprechenden Vitalparameter dazu erhoben hat. Außerdem konnte ich mir in dieser Situation den CRB-65 Score ins Gedächtnis rufen.

Auch neben dem Praxisalltag war diese Woche wieder einiges los.
Am Montag besprachen wir das Thema Reizhusten, was ich am folgenden Tag direkt bei einem Patienten mit Husten rekapitulieren konnte.
Am Mittwoch konnten wir an einem Vortrag zum Thema „Patienten mit Suchtproblemen in der Hausarztpraxis“ teilnehmen. Insbesondere die Kommunikation mit diesen Patienten wurde intensiv diskutiert. Außerdem lernte ich neue Screening Fragebögen kennen und lernte Neues zum Thema Substitution.
Nach dem Vortrag am Mittwoch war bei uns im Haus ein Termin mit der Presse. Der Landkreis unterstützt unsere Ausbildung hier finanziell, worüber es einen Artikel mit Foto in der lokalen Presse geben sollte. Ich bin immer wieder verblüfft, wie hier in unsere Zukunft investiert wird und wie ernst wir genommen werden. Auch in der Praxis freuen sich die Patienten immer wieder, dass junge Leute aufs Land kommen, um dort zu lernen - und einige von uns kommen ja sogar auch wieder. Am Ende ist dieses Projekt wirklich für alle Seiten gewinnbringend.
Am Donnerstagnachmittag trafen wir uns mit der Assistenzärztin Julia am See für ein Teaching zum M3, also zum 3. Staatsexamen. Sie gab uns nützliche Tipps und wir konnten unsere Fragen loswerden. Da ich vor mündlichen Prüfungen besonders großen Respekt habe, war dies wirklich hilfreich. Am Ende machte sie sogar noch eine Prüfungssimulation mit Mirjam und mir. Es war wirklich unglaublich hilfreich, denn ich bekam gutes, konstruktives Feedback von den anderen und weiß jetzt, wo in der Kommunikation noch meine Schwächen sind und woran ich arbeiten kann, um mich selbst wohler zu fühlen in einer solchen Situation.
Am Freitag traf ich mich online mit Dr. Blank, der mich neben der Praxis während meines PJs als Mentor begleitet. Ich konnte mit ihm darüber sprechen, was meine Gedanken, Probleme und Wünsche sind. Außerdem besprachen wir mein Curriculum, welches mir dabei helfen soll, ein Lernkonzept während meiner Zeit hier zu verfolgen. Der Input, den man hier bekommt, ist wirklich enorm und ich hoffe mit Hilfe des Curriculums eine bessere Struktur zu bekommen und meine Lerninhalte so besser ordnen zu können.

Die Woche wurde durch durch ein gemeinsames Wandern mit der Praxis gebührend abgerundet. Wir wanderten auf den Lusen und kehrten dort gemeinsam ein. Es war ein wirklich schöner Tag und ich war glücklich, hier so nett mit ins Team aufgenommen zu werden.

Woche 5: 25.07. – 31.07.2022

Diese Woche habe ich mir vorgenommen, mich ausführlicher mit orthopädischen Untersuchungen zu beschäftigen. Passenderweise kam am Montag gleich ein sehr netter und geduldiger Patient mit Schulterschmerzen in die Praxis. Ich führte an ihm mit Hilfe meines Untersuchungsbuches die Schulteruntersuchung im Detail durch. Ich bekam unterstützend ein sehr gutes Buch als Lektüre von Frau Scholz.

In dieser Woche fand auch wieder ein Journal Club statt. Es gab sehr spannende und relevante Themen, unter anderem ging es um die Therapie von Gürtelrose. Spannend war für mich, dass die antivirale Therapie noch immer keinen nachgewiesenen Effekt in der Vorbeugung einer Post-Zoster-Neuralgie hat. Diese Woche sah ich auch zwei Patienten mit Gürtelrose. Beide berichteten über quälende Schmerzen und mussten in ihrer Schmerzmedikation angepasst werden. Im Journal Club sprachen wir auch über die unzureichende Evidenz zum Thema Sport nach Covid-Infektion, wo es noch keine klaren Empfehlungen gibt. Weitere Themen waren Onychomykosen sowie die Anwendung von Apps bei Patienten mit Depression.

Auch diese Woche sah ich wieder viele verschiedene Patienten, konnte bei einigen U-Untersuchungen mit dabei sein, die Ultraschalluntersuchungen üben und auf Hausbesuche mitgehen. Bei den Hausbesuchen fiel wieder einmal auf, welch ein zentrales Thema Hitze und Exikkose bei geriatrischen Patienten, vor allem im Sommer, ist. Im Altenheim wurden wir notfallmäßig zu einer Patientin mit akutem Schwindel gerufen, welche nach Ausschluss anderer Ursachen vermutlich bei körperlicher Anstrengung zu wenig getrunken hatte. Auch ein Patient mit Demenz in schlechtem Allgemeinzustand schien unter Flüssigkeitsmangel zu leiden. Die Angehörigen berichteten über die Schwierigkeit, dem Patienten genügend Flüssigkeit zu verabreichen.

In den Fallbesprechungen diese Woche ging es unter anderem um die verzögerte Gabe von Antibiotika bei unkomplizierter Divertikulitis. In der Themenbesprechung am Montag ging es um den Umgang mit Medikamentenabhängigen. Wir konnten die Inhalte aus dem Vortrag in der Woche zuvor nochmals vertiefen. Wir Studenten beschäftigten uns diese Woche bei unserem PJler internen Treffen mit dem Thema Osteoporose. Wir merkten, wie viele Lücken wir bei diesem Thema noch hatten und es half uns allen, uns genauer damit zu beschäftigen. Wir haben auch die Möglichkeit beim Journal Club nächste Woche unsere Fragen dazu an die Ärzte zu stellen.

Woche 6: 01.08. – 07.08.2022

In der Montagsbesprechung ging es in dieser Woche um die Polymyalgia rheumatica - ein spannendes Thema und eine Diagnose, die man bei chronischen Schmerzen im Hinterkopf haben sollte.

Das Thema, mit dem ich mich in dieser Woche verstärkt beschäftigen wollte, war das EKG und vor allem auch die Auswertung von Langzeit-EKGs. Am Anfang der Woche befundete ich ein EKG von einem Kind, bei dem ich dann zum ersten Mal sogenannte U-Wellen sah. Diese sind anscheinend bei gesunden Kindern und Jugendlichen oft zu sehen und nicht pathologisch.

Außerdem sah ich mir das Langzeit-EKG eines Patienten an, bei dem viele ventrikuläre Extrasystolen zu sehen waren. Eine Patientin mit akuten Brustschmerzen kam in die Praxis und zeigte im EKG neu aufgetretene T-Negativierungen. Sie musste mit dem Rettungsdienst direkt in die Klinik befördert werden.

Es kam eine Patientin mit seit einer Woche neu aufgetretenen Beinödemen in die Praxis. Da die Patientin bei der körperlichen Untersuchung einen unregelmäßigen Puls hatte, machten wir ein EKG. Es zeigte sich ein Vorhofflimmern. In diesem Zusammenhang konnte ich mir dann den CHA2DS2VASc-Score sowie den HAS-BLED Score nochmals zu Gemüte führen.

Am Dienstag organisierten wir PJler für Wolfgang und die Ärzte aus unseren Praxen eine kleine Gartenfeier mit Buffet bei uns in Grafenau. Es war ein sehr schöner und geselliger Abend. Wir konnten uns so in Ruhe auch einmal privat austauschen. Außerdem traten wir in einer Partie Wikingerschach gegeneinander an.

Diese Woche fand auch wieder ein Journal Club statt, bei dem spannende Themen aufgegriffen wurden. Unter anderem ging es um die Trigeminusneuralgie (für mich als Neurologie-Begeisterte wirklich spannend), den neuen Lipidsenker Bempedoinsäure und dessen unzureichende Studienlage und über Thiamin-Substitution bei Alkoholabhängigkeit.

In der Praxis gab es wieder einige spannende Fälle. Unter anderem sah ich ein ganz klassisches Erythema migrans bei Borreliose, ein Patient mit stark geschwollenem und schmerzhaftem Lymphknotenpaket am Hals, einen Patienten im Altenheim mit symmetrischer Oligoarthritis in den großen Gelenken sowie eine Patientin mit diffusen Unterbauchbeschwerden. Außerdem kam eine Patientin mit Beschwerden, die mich zuerst an einen Reflux denken ließen, welcher auch bei der Patientin bereits bekannt war. Aufgrund einer etwas diffuseren Symptomatik mit atemabhängigen Schmerzen, sowie einem Schwächeanfall einige Tage zuvor, wurde noch ein EKG und eine Blutabnahme durchgeführt. Das EKG war unauffällig. Jedoch zeigten sich am nächsten Tag die D-Dimere erhöht und die Patientin hatte über Nacht auch Fieber entwickelt und hielt die Schmerzen kaum noch aus. Sie wurde dann ins Krankenhaus eingewiesen zum Ausschluss einer Lungenembolie oder anderen abwendbar schweren Verläufen.

Einige dieser Fälle sind noch offen, hoffentlich kann ich sie noch weiter mitverfolgen.

Die Woche endet wieder mit einem tollen Wochenende im Bayerischen Wald mit Wanderungen, einem Ausflug an den See sowie einem Mittelalterfest in Grafenau.

Woche 7: 08.08. – 14.08. 2022 

Diese Woche war ich nur zwei Tage in meiner Praxis, da sie ab Mitte der Woche Urlaub hatten. Es waren nochmal zwei intensive und spannende Tage. Am Montag morgen erfuhr ich von einer Patientin, die sich in der vorherigen Woche in der Praxis vorgestellt hatte. Dr. Carlberg hatte sie zum Ausschluss einer Lungenembolie oder anderer schwerer Verläufe ins Krankenhaus eingewiesen. Wir erfuhren über ihren Ehemann, dass sie nun beatmet auf der Intensivstation liegen würde. Die Ursache seien Abszesse, für die man noch keine Ursache gefunden habe. Wir waren alle etwas mitgenommen von dieser Nachricht. Auch mich persönlich hat diese Nachricht doch getroffen. Mir wurde erneut bewusst, wie groß die Verantwortung als Ärztin ist, die Patienten richtig einzuschätzen und rechtzeitig eine intensivierte Diagnostik oder Therapie einzuleiten. Gerade im hausärztlichen Bereich ist dies eine knifflige Aufgabe, da man begrenzte Diagnostikmöglichkeiten hat und über den Tag verteilt viele eher ungefährliche Verläufe von Krankheiten mitbekommt. An den richtigen Stellen hellhörig zu werden und genauer hinzuschauen, finde ich zum Teil wirklich schwierig.

Ich führte am nächsten Tag noch einen Ultraschall bei einer Patientin durch. Wir hatten dabei ein sehr nettes Gespräch über ihre Erkrankung und ihre familiäre Situation und sie gab mir danach ein sehr positives Feedback. Ich genieße es in meinem PJ sehr, mir ab und zu noch viel Zeit für die Patienten nehmen zu können und keinen direkten Zeitdruck zu haben. Dabei entstehen oft interessante Begegnungen und Gespräche mit Patienten.

Außerdem kam eine Patientin in die Sprechstunde, die mir die typischen Symptome einer pAVK schilderte. Ich konnte dann den AB Index bestimmen, welcher auffällig war. In der Klinik hatte ich schon einige Patienten mit pAVK gesehen, aber noch nie bei neu aufgetretenen Beschwerden selbst diagnostiziert.

Am Mittwoch durfte ich einen Tag in der Neurologie in Freyung hospitieren. Morgens war ich mit im Krankenhaus, mittags dann im MVZ mit Dr. Motzek-Noé. Im Krankenhaus war ich mit auf Visite und sah einige interessante Patientenfälle. Wir waren auch auf der Intensivstation und der Stroke Unit. Auf Station visitierten wir unter anderem eine Patientin mit Verdacht auf Myasthenia Gravis. Außerdem durfte ich einen Patienten aufnehmen, der mit Verdacht auf Multiple Sklerose zur weiteren Abklärung kam. Ich konnte somit die gesamte neurologische Untersuchung an ihm durchführen, welche mir immer besonderen Spaß bereitet. Im Anschluss besprach ich den Fall, sowie das weitere Vorgehen, mit dem Oberarzt und wir schauten uns gemeinsam das MRT-Bild des Patienten an. Der Oberarzt zeigte mir im Anschluss weitere interessante Befunde und nahm sich Zeit, mit mir darüber zu sprechen und meine Fragen zu beantworten.

Am Mittag im MVZ war es dann spannend für mich, die Arbeit eines Neurologen in einem ambulanten Setting zu sehen. Dr. Motzek-Noé nahm sich auch die Zeit, mir zwischendurch immer wieder Dinge zu erklären und ich sah einige spannende Fälle. Zwischendurch führte er immer wieder Botox-Therapien bei verschiedenen Spastiken durch, u.a. nach Schlaganfall, bei Blepharospasmus, bei Torticollis spasticua, bei Hemispasmus facialis usw. Außerdem wurden auch Patienten mit z.B. Migräne, Hyperhidrose und dystonischem Kopftremor mit Botoxinjektionen behandelt. Die Patienten gaben an, mit den Therapieergebnissen zufrieden zu sein; es würde den Leidensdruck zumindest ein paar Monate reduzieren.

Ende der Woche durfte ich dann ein Palliativ-Team in Deggendorf begleiten. Auch dies war sehr spannend. Es war ein ganz anderes Arbeiten als man es sonst in der Medizin gewöhnt ist. Es war viel mehr Raum und Zeit für Gespräche, es lag viel Fokus auf der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen. Sorgen und Ängste fanden einen angemessenen Raum. Es geht zentral um die bestmögliche Beschwerdefreiheit des Patienten, was für alle Beteiligten enorm wichtig zu sein scheint. Es war schön zu sehen, wie enorm eine solche Mitversorgung durch das Team die Familie entlastet, Bürokratie sowie Arztbesuche und vor allem auch Krankenhausaufenthalte ersparen kann.

Woche 8: 15.08. – 21.08. 2022

Nach einem schönen verlängerten Wochenende im Bayerischen Wald mit viel Wandern und Sport startete ich erholt in die neue Woche. Am Sonntag zog eine neue Famulantin in unser Haus in Grafenau. Wir freuen uns, dass noch mehr Leben in unser großes Haus kommt und konnten zur Begrüßung in unserem schönen Garten gemeinsam frühstücken.

Auch diese Woche konnte ich wieder auf verschiedene Hospitationen gehen. Begonnen hat die Woche mit HNO bei Dr. Träger in Grafenau. Mir wurde trotz der knappen Zeit und der hohen Patientenzahl viel erklärt. Ich bekam einige Schwindelabklärungen, Allergieabklärungen und Hörtestbesprechungen mit. Außerdem durfte ich auch selbst mit dem Mikroskop die Otoskopie durchführen, was garnicht so einfach war. Es kamen erstaunlich viele Patienten, die einen Hörsturz erlitten hatten. Ich konnte mich wieder einmal mit den verschiedenen Diagnostikmöglichkeiten der HNO auseinandersetzen, wie u.a. der Tympanometrie, der Stapediusreflextestung, des Rinne- und Weber-Versuchs, Nystagmus Testungen etc. Außerdem sah ich einige Ultraschalluntersuchungen des Sinus maxillaris.

Es kam eine Patientin mit deutlich geschwollener Parotis, die prall und überwärmt tastbar war. Im Ultraschall zeigte sich sogar eine beginnende Abszedierung. Interessant war für mich, dass sehr viele Patienten mit verringertem Hörvermögen es ablehnten, ein Hörgerät auszuprobieren. Laut Dr. Träger würden viele Patienten es sehr lange hinauszögern, bis sie dann schließlich einwilligten. Dann sei es aber oft schon schwerer, eine optimale Einstellung des Hörgerätes zu erreichen. Anscheinend scheint der Verlust des Hörvermögens noch mehr mit Stigma behaftet zu sein, als beispielsweise der Verlust des Sehvermögens.

Auch diese Woche konnte ich wieder bei dem Palliativteam in Deggendorf mitfahren. Ich war mit einer Onkologin unterwegs, sowie einer erfahrenen Intensivpflegerin. Das Team war so lieb, extra für mich an diesem Tag spannende Hausbesuche einzuplanen.

Es zeigte sich wieder, wie wichtig, aber auch schwierig die Kommunikation vor allem mit den Angehörigen oft ist. Der Angehörige einer Patientin verlangte die maximal mögliche parenterale Ernährung bei seiner Frau, damit sie besser zu Kräften kommen könne. Die Ärztin klärte über die Nachteile und Risiken einer solchen Therapie bei der Patientin auf und es wurde im Konsens mit den Angehörigen ein guter Mittelweg gefunden.
Außerdem war ich bei dem Einbau einer Morphinpumpe dabei. Da der Patient mit Pleuramesotheliom regelmäßig unter starker Atemnot und Schmerzen litt, sollte ihm diese die Schmerztherapie zu Hause erleichtern. Auch hier gab es wieder einige Sorgen und Ängste mit den Angehörigen zu besprechen.

Die Woche endete mit einer spannenden Hospitation bei der Dermatologin Dr. Friedl in Freyung. Der Tag begann mit der Notfallsprechstunde, wo es sehr zackig zuging. Da auch hier die Patientenzahl sehr hoch war, sah ich einige spannende Befunde, u.a. Aktinische Keratosen, Pilzinfektionen der Haut, Acne conglobata, Psoriasis vulgaris usw. Ich konnte auch selbst einige Hautkrebsscreenings durchführen und erkannte nach und nach immer deutlicher die Unterschiede zwischen suspekten und unauffälligen Befunden. Ich bekam die Therapie des Facharztes mit bei Befunden, die mir auch in der Hausarztpraxis ab und an begegneten und konnte zum Teil dazu Nachfragen stellen.

Außerdem führte Dr. Friedel einige kleine Eingriffe unter Lokalanästhesie durch. U.a. wurde eine Nachresektion durchgeführt bei Malignem Melanom.

Wir hatten zwischendurch auch Zeit uns zu unterhalten. Es war für mich sehr schön zu sehen, welche Perspektiven es für junge Frauen mit Kindern in der Medizin gibt. Dr. Friedl ist selbständig und hat sich schon in jungen Jahren eine eigene Praxis mit tollem Team, familiengerechten Arbeitszeiten, breitem Behandlungsspektrum und moderner Ausstattung aufbauen können.

 Am Donnerstag bekamen wir wieder ein Teaching von der Assistentin Julia. Wir besprachen die INR-Einstellung bei Marcumartherapie. Außerdem besprachen wir die Therapie des akuten Asthmaanfalls.

Woche 9: 22.08. – 28.08. 2022 

URLAUB

Woche 10: 29.08. – 04.09.2022 

Erholt startete ich nach meinem Urlaub in die 10. Woche. In der Praxis war sehr viel los nach den 2,5 Wochen Urlaub.

Ich beschäftigte mich diese Woche etwas intensiver mit Marcumar Patienten und Gerinnungshemmung allgemein. Ich nahm selber die Quick/INR Werte ab und konnte mir überlegen, wie ich die Marcumar-Gabe weiterführen würde. Wo ich am Anfang meines PJs lediglich ein wildes Durcheinander aus Brüchen in den Marcumarausweisen erkennen konnte, erschloss sich mir so langsam eine Herangehensweise. Auch das Teaching mit Julia in der Woche vor meinem Urlaub half mir dabei. Bei einer Patientin war die Marcumareinstellung seit längerem so schwierig, dass sie auf ein NOAK umgestellt werden musste.
Obwohl es durch den Patientenansturm recht flott zuging, sah ich wieder einige spannende Patientenfälle.

Es kam unter anderem ein Kleinkind in die Praxis, das nach Angaben der Mutter den Stuhlgang über mehrere Tage zurückhalten würde. Es gab wohl in der Vergangenheit des Kindes ein traumatisierendes Erlebnis, was vielleicht damit in Zusammenhang stehen könnte.

Eine andere Patientin hatte mit Unwohlsein und Unruhe, sowie seit einigen Wochen Bauchschmerzen. Im EKG zeigten sich muldenförmige ST-Streckensenkungen, die schon an eine Intoxikation mit Digitalis denken ließen. Im Labor bestätigte sich schließlich dieser Verdacht.

Bei einer Ultraschalluntersuchung fiel mir bei einer Patientin als Zufallsbefund eine große Raumforderung in der Leber auf. Ich darf die Ultraschalluntersuchung immer vor den Ärzten durchführen, sodass ich als erste auf diese Raumforderung stieß. Mir fiel in dieser Situation die Kommunikation mit der Patientin schwer, da ich den Befund nicht verschweigen wollte, sie aber auch nicht verunsichern wollte. Da ich die Dignität der Raumforderung nicht einschätzen konnte und sie nicht zystisch aussah, konnte ich also keine Entwarnung geben. Ich denke jedoch, dass ich der Situation entsprechend angemessen ehrlich und trotzdem zurückhaltend kommuniziert habe. Herr Carlberg veranlasste eine rasche CT Untersuchung, um die Patientin nicht so lange im Ungewissen zu lassen. Ich bin auf den CT Befund gespannt.

An einem Vormittag kollabierte in der Praxis ein älterer Herr. Er hatte eine Kopfplatzwunde und niedrigen Blutdruck. Der Notarzt wurde gerufen. Da der Patient einige Vorerkrankungen hat, hoffe ich, dass es trotz allem nur eine orthostatisch bedingte Synkope war. Die Patienten im Altenheim, bei denen wir jede Woche zum Hausbesuch kommen, freuten sich sehr, uns wiederzusehen.

Es war auch ein neuer Patient dabei. Er hatte eine Stammganglienblutung und war nun unter anderem verlangsamt und hatte eine Hemispastik. Er ist relativ jung und Herr Carlberg betreute ihn auch davor schon länger als Patient. Ein tragischer Fall. Außerdem besuchten wir eine Patientin mit fortgeschrittener Demenz. Die Pflege berichtete über eine Sekretion aus der Brustwarze. Als wir es uns anschauten, sonderte sich blutiges Sekret ab und es ließ sich ein derber Knoten direkt unterhalb tasten. Ein Mamma-Ca war bei der Patientin bekannt. Die Aussicht auf einen eventuell noch schweren Verlauf mit einem exulzerierenden Karzinom ist nicht schön.

Am Donnerstagnachmittag traf ich mich mit Sabine, um gemeinsam Fälle aus dem Allgemeinmedizin-Fallbuch zu besprechen. Das näher rückende Examen sitzt uns im Nacken und es tat gut, das Formulieren und sich gegenseitig abfragen zu üben.

Am Mittwoch trafen wir uns mit den PJlern, Famulanten und Julia zum Abendessen im Burggasthof Weißenstein. Es war die letzte Woche für Anja und Mirjam, also auch ein Abschiedsessen. Es ist so schön, dass man hier so nette Leute kennenlernt. Und verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Mirjam wird mir im Haus fehlen. Zum Glück ist Caro gerade zur Famulatur da, mit ihr werde ich am Wochenende einige Wanderungen unternehmen.

Woche 11: 05.09. – 11.09.2022

Diese Woche zeigte mir Herr Dr. Carlberg bei einer Patientin im Detail den Carotis-Ultraschall, den ich netterweise im Anschluss an ihm üben durfte. Allerdings fiel es mir noch schwer, die richtigen Einstellungen hinzubekommen.

Am Mittwoch durften Caro und ich abends in die Praxis und Ultraschall an uns gegenseitig üben. Ich versuchte dann auch bei Caro die Carotis-Ultraschalluntersuchung durchzuführen, brauche aber definitiv noch mehr Übung darin. Mir macht Ultraschall wirklich viel Spaß und ich bin so dankbar, hier so viel üben zu können.

 In dieser Woche begegneten mir einige Patienten aus vorherigen Wochen wieder. 

Der Patient mit der ausgeprägten Lymphknotenschwellung stellte sich wieder zum Ultraschall vor. Er hatte zwischenzeitlich eine Antibiotikatherapie abgeschlossen und war auch beim HNO-Arzt und in einer Klinik zur weiteren Abklärung, bei der jedoch keine Ursache gefunden wurde. Die Lymphknoten waren im Ultraschall nun zwar deutlich kleiner, aber immer noch vorhanden. Der Patient hat außer den leicht schmerzhaften Lymphknoten keine Beschwerden. Es wird nun eine weitere Ursachensuche folgen. Ich hoffe, dass ich diesen Fall weiter mitverfolgen kann.

Die Patientin mit der Digitalis-Intoxikation war für ein Kontroll-EKG da. Die muldenförmigen ST-Senkungen waren nach der angeordneten Digitalis-Pause nun fast nicht mehr vorhanden.

Der Patient, der letzte Woche in der Praxis kollabiert war, wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Es wurde tatsächlich eine schwere 3-Gefäß KHK diagnostiziert. Eine Bypass-Operation steht nun an.

Außerdem kam ein Patient in die Praxis, um Überweisungen zu Kontrolluntersuchungen vor einer geplanten Mitralklappen-Operation zu holen. Er war relativ jung und sportlich. Vor einiger Zeit stellte er sich erstmalig wegen Leistungsminderung in der Praxis vor. Im Langzeit-EKG hatten sich dann 18000 ventrikuläre Extrasystolen gezeigt, woraufhin er schnellstmöglich beim Kardiologen vorstellig wurde. Dort stellte man eine Mitralklappeninsuffizienz und ein schon etwas umstrukturiertes Herz fest.
Ich hörte sein Herz ab und konnte ein deutliches Herzgeräusch über der Herzspitze hören. Das ist ein wirklich toller Lerneffekt für mich hier in der Hausarztpraxis, dass man anhand der klinischen Untersuchung schon sehr viele wichtige Hinweise auf Erkrankungen erlangen kann.

Zusätzlich stellte sich ein junger Patient mit Alkoholabhängigkeit vor. Es waren bei der Laboruntersuchung erhöhte Leberwerte aufgefallen und er kam zur Ultraschalluntersuchung. Das Lebergewebe zeigte sich echoreich. Er plante in naher Zukunft eine Entgiftung. Ich hoffe sehr, dass er dies schafft.

Zudem kam eine Mutter mit ihren beiden Töchtern in die Praxis. Es ging um die Kopfschmerzen der Tochter. Während des Gesprächs bekam die Mutter glasige Augen, was ich nicht sofort richtig deuten konnte. Im Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass das Mädchen vor einiger Zeit an ALL erkrankt war und die Mutter sich nun immer Sorgen mache, wenn es der Tochter nicht gut gehe.
Es ist eine für mich wirklich wichtige Erfahrung, hier Gesprächsführung zu üben und zu lernen, auf die Gefühle der Patienten einzugehen, ohne mitzuleiden. Eine zugewandte Professionalität ist vielleicht der richtige Weg, der nicht immer einfach zu finden ist.

Ein längeres Gespräch führte ich außerdem mit einem Ehepaar, wo die Frau eine rasch progrediente Carotisstenose diagnostiziert bekommen hatte, welche nun einer Operation bedurfte. Sie hatte große Angst und ich konnte mir Zeit nehmen, auf ihre Fragen und Bedenken einzugehen.

Ich unternahm unter der Woche und am Wochenende wieder einige Wanderungen und Läufe, auch mit Caro. Die Zeit hier rast und ich habe noch so viele Touren, die ich gerne schaffen möchte. Eigentlich wollte ich auch Tschechien noch etwas erkunden, dafür reicht allerdings die Zeit wahrscheinlich nicht mehr. Da muss ich wohl oder übel wieder hierher zurückkommen!

Anja Stadler

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 16

Woche 1: 16.05. – 22.05.2022

…und plötzlich ist es so weit. Als ich vor fünf Jahren mein Studium der Humanmedizin begann und mich tierisch darüber freute, tatsächlich einen Studienplatz bekommen zu haben, schien die Situation, vor einem Patienten zu stehen und für diesen und dessen Behandlung mitverantwortlich zu sein, noch himmelweit entfernt. Als ich am Sonntagabend vor dem ersten Tag die letzten Jahre rekapitulieren lasse und mir dabei klar wird, dass es jetzt tatsächlich auf die Zielgerade geht auf dem Weg, Ärztin zu werden, ist mir doch ein bisschen mulmig zumute und ich bin doch ein bisschen nervös - obwohl ich die Praxis und einige der Ärzte und Ärztinnen dort schon kennenlernen durfte und mir die Praxis längst ans Herz gewachsen ist. Tatsächlich ist es jetzt so weit - am Montag steht der erste Patient in der Praxis in Auerbach vor mir. Der Einstieg in das PJ-Tertial gestaltete sich jedoch sehr sanft, da ich erstmal mit Dr. Kalmancai, dem Arzt vor Ort in Auerbach, mitlaufen durfte und beobachten durfte, wie er an Anamnese, klinische Untersuchung und Therapie herangeht. Was schon ein riesen Vorteil in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald ist: man lernt viele verschiedene Ärztinnen und Ärzte kennen, deren Verhaltensweisen gegenüber den Patienten und Patientinnen und ihre Arbeitsweisen, von denen man sich vieles abschauen kann und in seine individuelle Herangehensweise einbauen kann. Der erste Tag ging rum wie nix und am Ende des Tages habe ich zwar einen rauchenden Kopf, aber auch ein ziemlich gutes Gefühl in der Tasche, dass die nächsten vier Monate richtig gut werden könnten - mit diesem Gedanken falle ich in einen tiefen, wohlverdienten Schlaf. 

Als der Wecker am nächsten Morgen um 6 Uhr klingelt brummt mir erstmal mein Kopf: die Umstellung vom doch sehr lockeren Studentenleben auf den knallharten Arbeitsalltag mit Beginn um 8 Uhr fällt mir die ersten Tage nicht allzu leicht - trotzdem freue ich mich schon wieder auf den Tag und bin gespannt, was er alles bringt. Dr. Kalmancai erklärt und zeigt mir ganz viel und heute darf ich auch zu Patienten vorgehen und schonmal vorab die Anamnese, klinische Untersuchung und Sonographie durchführen. Das Konzept, dass man zu den Patienten vorgeht und ein Arzt am Ende nachkommt und über alles nochmal drüber schaut und die Therapie mit einem bespricht finde ich ziemlich genial: man hat dabei die Chance, seinen eigenen Stil zu entwickeln, Verschiedenes auszuprobieren und dann nochmal zu gucken, was man vielleicht anders machen könnte. Mittags haben wir dann ein virtuelles Meeting mit den anderen Praxisstandorten - darin werden Patientenfälle besprochen, die die Ärztinnen und Ärzte aus ihrem Alltag mitbringen und nicht weiter kommen oder sich in manchen Sachen nicht sicher sind und sich ein Feedback von den KollegInnen einholen können - gerade für Anfänger, aber auch für erfahrenere ÄrztInnen eine wunderbare Möglichkeit, sich nochmal rückzuversichern und Verantwortung zu teilen. In der Mittagspause gehe ich dann ein bisschen im Park spazieren und stelle mal wieder fest, wie unglaublich schön es eigentlich im Bayerischen Wald ist - trotz der Tatsache, dass es meine Heimat ist, muss ich immer wieder feststellen, dass es einfach ein wunderbares Fleckchen Erde ist :) .

Die restliche Woche vergeht eigentlich wie im Flug. Wir sind immer gut beschäftigt mit Fortbildungen (Montagsfortbildungen, Fallvorstellungen, PJ-interne Fortbildungen und Mittwochsfortbildungen) - man kann davon unglaublich viel mitnehmen und langsam habe ich das Gefühl, einen Überblick über die ganzen Veranstaltungen zu bekommen - freue mich dann aber trotzdem, als es Freitag Mittag ist und ich bei Sonnenschein und 27 Grad Außentemperatur über die heimischen Berge nach Hause kurve.

Woche 2: 23.05. - 29.05.2022

Die zweite Woche in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald beginnt in Lalling, wo ich die ganze Woche verbringen werde. Am Montag ist den ganzen Tag über viel los und manche von den Patienten sehe ich bereits ein zweites Mal. An diesem Tag fallen viele Routinearbeiten an, doch immer wieder ist ein Patient/eine Patientin dabei, wo wir weiter nachforschen müssen, sei es durch eine ausführlichere Anamnese, den Austausch mit KollegInnen oder weiterführende Untersuchungen – das ist wohl auch die Kunst als Hausarzt: unter den vielen „harmloseren“ Fällen die Patienten rauszufinden, die akut Hilfe brauchen und die akut gefährdet sind - nicht immer ganz einfach, wie mir scheint. Was ich aber diese Woche unter anderem mitnehmen konnte, ist, dass gerade die teilweise jahrelange Betreuung der PatientInnen hier ein großer Vorteil ist: die ÄrztInnen kennen ihre PatientInnen und können daher die Lage oft auch aufgrund ihres Bauchgefühles besser einschätzen. Nicht nur eine Krankheit behandeln, sondern den Patienten dahinter sehen, seine familiäre Situation kennen und psychosoziale Aspekte seines Lebens in die Behandlung miteinzubeziehen und somit eine viel breitere Sichtweise auf körperliche oder psychische Gegebenheiten zu erhalten – das macht für mich den Beruf des Hausarztes so reizvoll und interessant. Die Möglichkeit, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, was über Jahrzehnte bestehen kann und stets ein wichtiger Begleiter im Leben der PatientInnen zu sein, das habe ich in meiner bisherigen Ausbildung so nur in der Hausarztpraxis gesehen. Am Montag nach der Sprechstunde ist dann noch eine Fortbildung zum Thema „Rotes Auge“ angesagt – spannend und unglaublich wertvoll, diese Mischung aus Lehrbuchwissen auf studentischer Seite, die gerade frisch gebacken aus dem Studium kommen und langjähriger Erfahrung der erfahrenen Ärzte, von denen wir als Studenten unheimlich profitieren können. Eine klassische Win-Win-Situation also.

Am Dienstag habe ich dann in der Sprechstunde öfter die Gelegenheit, eine Ultraschalluntersuchung durchzuführen – zugegebenermaßen an manchen Stellen noch etwas holprig, aber bekanntlich macht Übung den Meister, Dranbleiben ist hier also mein Motto und ich nehme mir vor, mich möglichst viel mit dem Ultraschallgerät auseinanderzusetzen und so viel zu üben, wie nur möglich. Hier bietet die Hausarztpraxis ein gutes Übungsfeld: man hat viele Patienten, die zum Check-up kommen und man darf dann auch als PJ’ler vorgehen und schonmal vorab schallen. Und zu meiner eigenen Überraschung merke ich tatsächlich, dass es von mal zu mal besser geht und das Ultraschallgerät und ich allmählich Freunde werden. Mittags ist dann wieder Fallbesprechung und danach geht’s erstmal in die Mittagspause.

Am Mittwoch haben wir dann nachmittags eine neue Fortbildungsreihe, die Herr Dr. Blank in Kooperation mit dem Krankenhaus in Cham ins Leben gerufen hat – hier dürfen wir Studenten spannenden Vorträgen von Experten lauschen, außerdem sind zwei Nachmittage vor Ort in Cham geplant. Die Themen reichen vom Umgang mit schwierigen Patienten bis hin zur Echokardiografie – tolle Möglichkeit, nimmt man natürlich gerne mit!

Die restliche Woche vergeht wie die erste mal wieder wie im Flug und ich muss feststellen, dass mir die Arbeit hier schon ziemlich gut gefällt und mir Freude macht. Man wird zwar ordentlich gefordert, dafür darf man aber auch viel selber machen, ohne alleine komplett verantwortlich zu sein, denn die Ärzte schauen immer nochmal drüber. Überhaupt kann man diesen immer und überall Fragen stellen – ein unglaublich nettes und engagiertes Team, das einen gleich zu Anfang total herzlich aufnimmt und einem wirklich was beibringen will, stets ein offenes Ohr hat und alles in allem einfach super ist.. ein großes Lob an dieser Stelle an das klasse Team aus ÄrztInnen und Arzthelferinnen!

Woche 3: 30.05. - 05.06.2022

Die dritte Woche beginnt in Schöfweg bei Frau Dr. Kleudgen, bei der ich Montag und Dienstag verbringen werde. Nachdem ich jetzt schon verschiedene Praxen und verschiedene Ärzte kennenlernen durfte stelle ich fest, dass jede Praxis ihren eigenen Rhythmus hat und jede irgendwie ihren Charakter hat. Als PJ’ler hier hat man die Gelegenheit, in jede Praxis mal hinein zu schnuppern und sich dann zu entscheiden, wo man vorrangig sein möchte – so ist jedenfalls der Plan. Man kann sich also die Standorte heraussuchen, die einem persönlich am besten liegen, was auf jeden Fall ein Pluspunkt ist. Ich laufe also in Schöfweg erstmal ein bisschen mit Frau Dr. Kleudgen mit, sehe, wie sie arbeitet und wie sie vorgeht. Danach darf ich mir wieder meine eigenen Patienten mitnehmen – dadurch lernt man wirklich unglaublich viel, weil man nicht nur passiv zusieht, sondern viel mehr in der Rolle des Arztes ist und viel aufmerksamer ist. Wenn dann der hinzukommende Arzt das gleiche feststellt, die gleichen Befunde erhebt und vielleicht sogar die Therapie vorschlägt, die man selber zu einem bestimmten Fall im Kopf hat, dann ist das immer ein kleines Erfolgserlebnis – genau so wie man dazulernt, wenn man sieht, wie es anders vielleicht besser gewesen wäre oder wie man dann tatsächlich in der Hausarztpraxis therapiert. Erste Lerneffekte stellen sich nun bereits bei mir ein – mit jedem Mal, dass ich selber „Arzt spielen“ darf, merke ich, wie ich selbstsicherer werde, v.a. im Umgang mit den Patienten. Das ist auch tatsächlich das, was in keinem der vielen Lehrbücher steht, die im Studium gebüffelt werden müssen: das Gefühl und die Empathie für den Patienten und auch der Umgang mit mal schwierigeren Patienten.

Und mal wieder sehe ich mich mit dem Ultraschallgerät konfrontiert – wo ich letzte Woche noch voller guter Dinge war, merke ich diese Woche, wieviel es noch zu lernen gibt und wie komplex das Thema eigentlich ist. Mich interessiert dieses diagnostische Tool einfach wirklich sehr, weil man damit in der Hausarztpraxis viel selber diagnostizieren kann, wenn man es denn gut beherrscht, deshalb laufe ich wann immer es geht bei Check-ups mit und schalle danach immer nochmal nach, wenn die Patienten denn noch Zeit haben für mich, was meistens der Fall ist – ich habe das Gefühl, dass diese das meistens ganz nett finden, wenn nochmal jemand draufschaut und sie zu einer guten Lehre beitragen können. Eigentlich ist das, was man ultraschalltechnisch erlernen könnte, ein Fass ohne Boden und ich nehme mir vor, sobald ich die Möglichkeit dazu habe, einen Sonografie-Kurs zu belegen und mich da mal richtig reinzuschmeißen.

Diese Woche gibt es wieder viele spannende Fälle zu betreuen. Die unter Studenten oftmals vorherrschende Meinung, der Hausarzt betreue sowieso nur Grippe- und Kreuzschmerzpatienten, kann ich einfach gar nicht bestätigen: es bietet sich mir hier in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald die volle Bandbreite der Medizin – vom Nagelpilz bis zur seltenen Autoimmunerkrankung. Es überrascht mich jedes Mal aufs Neue, mit was die Patienten zu uns kommen und was sie nebenbefundlich mitbringen. Im Studium dachte ich mir noch, von einem Morbus Sudeck werde ich wahrscheinlich bis auf die Vorlesung nie wieder was hören – fehl gedacht. Überhaupt wächst meine Liste an Sachen, die ich gerne nachlesen möchte, von Tag zu Tag mehr und ich komme kaum hinterher, das alles nach zu recherchieren. Ich behalte also einen kühlen Kopf und mein Motto der Woche ist: ein Schritt nach dem anderen, kein Meister ist vom Himmel gefallen. Die Woche ist viel los und am Freitagmittag schwirrt mir nun endgültig der Kopf – bei aller Freude, die ich in den Praxen habe, freue ich mich nun trotzdem tierisch aufs Wochenende: also Sonnenbrille auf, ab ins Auto und ab über die grünen Wiesenhügelchen nach Hause für zwei Tage Sendepause.

Woche 4: 06.06. – 12.06.2022

Kaum zu glauben, aber wahr: es ist tatsächlich schon ein Monat vergangen, seitdem ich mein Tertial in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald begonnen habe. Langsam habe ich das Gefühl, einen groben Überblick über die Praxisabläufe bekommen zu haben und in den Praxen „mitschwimmen“ zu können. Ich war die Woche viel bei Dr. Kalmancai, von dem ich aufgrund seines chirurgischen Hintergrundes etliche kleinchirurgische Sachen mitbekommen habe, was unglaublich viel Spaß gemacht hat. Das Gefühl, dem Patienten sofort helfen zu können und sofort die Konsequenz des eigenen Handelns zu sehen finde ich an der Chirurgie total schön. Umso besser, dass man auch als Hausarzt mal hi und da schneiden darf – so kann man als Hausarzt individuellen Interessen nachgehen und für sich auch Akzente und Schwerpunkte setzen.

Am Mittwoch durften wir PJ’ler dann noch Themen aus dem PJ-internen Teaching im bayernweiten Journal Club vorstellen – einem Format, in dem verschiedene Ärzte verschiedene Studien vorstellen, die sie interessieren und die dann gemeinsam diskutieren. So konnten wir uns zu den Themen „Harnwegsinfekt“ und „Müdigkeit“ wertvolle Tipps von den erfahrenen Ärzten holen, was unglaublich hilfreich und lehrreich war.

Donnerstag und Freitag war ich dann bei Dr. Machac in Kirchberg und konnte von seinem umfangreichen internistischen Wissen profitieren – egal was man fragt, ich bin mir sicher, er kann zu so ziemlich jedem Thema aus dem Stegreif einen Vortrag halten! Und wieder sehe ich Patienten ein zweites oder sogar ein drittes Mal. Von herausgeschnittenen Leberflecken, über Wundkontrollen, Impfungen und Herzechos ist diese Woche eigentlich alles dabei. Gleichzeitig das schöne, aber auch das herausfordernde an der Allgemeinmedizin: es ist das Wissen aus allen Fachrichtungen gefragt. Einerseits wird einem nie langweilig, andererseits frustriert mich diese Woche die Tatsache, dass das, was man wissen sollte oder könnte, ein Fass ohne Boden ist. Die Teachings und v.a. die Vernetzung der Ärzte untereinander ist hier eine große Hilfe und gibt auf jeden Fall Sicherheit. Diese Woche habe ich mich nochmal intensiver mit der orthopädischen Untersuchung der großen Gelenke auseinandergesetzt – die theoretischen Grundlagen aus dem Studium können nun endlich umgesetzt werden und ich bin überrascht, wieviel einem die körperliche Untersuchung zusammen mit der Anamnese weiterhelfen kann, wenn man beides gründlich und korrekt macht. An der Uni wird man doch eher auf die apparative Diagnostik getrimmt und lernt, alle möglichen Testergebnisse, apparativen diagnostischen Verfahren auszuwerten – dabei wird die Kommunikation mit dem Patienten, das aktive Zuhören, das Beobachten und die körperliche Untersuchung oft ein bisschen stiefmütterlich behandelt – so zumindest an meiner Uni. Das ist eine der Kernlehren, die ich hier gerade für mich mitnehme: durch Anamnese, genauem Beobachten und Befragen des Patienten, durch Aufbauen einer Beziehung zu diesem, allgemein durch Wahrnehmung des Patienten mit allem, was dieser mitbringt, hat man schon ganz viel geschafft und kann damit schon ganz viel anfangen, ohne gleich zu weiteren diagnostischen Schritten überzugehen – auch wenn diese natürlich dann in vielen Fällen trotzdem notwendig werden. So, jetzt geht’s wieder mal in das wohlverdiente Wochenende und ich sage Tschüss, bis zum nächsten Eintrag!

Woche 5: 13.06. – 19.06.2022

Diese Woche gibt es tatsächlich ein bisschen weniger zu berichten, da ich nur bis Mittwoch in den Praxen unterwegs bin. Da am Donnerstag Feiertag ist, habe ich mir Freitag einen Brückentag gegönnt und freue mich auf ein paar freie Tage – die ich trotzdem nutzen werde, um meine mittlerweile reichlich lange Nachleseliste abzuarbeiten. Trotzdem gab es auf die drei Tage wieder viele interessante Dinge zu sehen. Heute hatte ich z.B. eine Patientin, die nach einer Amoxicillin-Gabe im Krankenhaus ein Stevens-Johnson-Syndrom entwickelt hatte – für mich war das ziemlich eindrücklich zu sehen und ein Paradebeispiel dafür, dass wir als zukünftige Ärztinnen und Ärzte nicht immer nur helfen, sondern im schlimmsten Fall den PatientInnen auch schaden können mit unseren Therapien. Jedenfalls hat sich das Bild der Patientin bei mir sehr eingeprägt und mir gezeigt, warum man vielleicht nicht immer gleich mit der ganzen Therapiepalette der Medizin ankommen sollte, sondern sich genau überlegen sollte, ob man dem Patienten wirklich nutzt oder ihn nur unnötigen Risiken durch die Therapie aussetzt. Es wird schließlich nicht nur unsere Aufgabe sein, die Patienten stur nach Schema zu therapieren, sondern sie auch vor möglichen Schäden durch zu viele unnötige Therapien zu bewahren. Der Patientin in oben geschilderten Fall geht es zum Glück wieder gut und ist wohlauf.

Jetzt in der fünften Woche merke ich, dass man langsam aber stetig eine Bindung zu manchen Patienten aufbaut, die man nun schon häufiger gesehen hat – wenn diese fragen, ob man denn das nächste Mal auch wieder da sei, ist das schon ein sehr schönes Gefühl und ich merke, wie viel auch von den Patienten an Dankbarkeit und Wertschätzung zurückkommt. Ich fühle mich mittlerweile schon wie ein kleiner Bestandteil aus dem großen Ganzen der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald und fühle mich pudelwohl inmitten der Gesamtheit aus fleißigen Arzthelferinnen, lehrenden ÄrztInnen, herumwuselnden StudentInnen und einem nicht leer werden wollenden Wartezimmer voller PatientInnen, die gerade darauf warten, von uns voruntersucht zu werden. :-)

Am Mittwoch waren wir dann noch nach Cham zum Notfall-Teaching eingeladen, was nochmal eine gute Auffrischung unseres Notfallwissens mit sich brachte und wir auch nochmal Gelegenheit hatten, Reanimationen zu üben und uns die Sachen drum rum mal anzuschauen. Auch an Fragen unsererseits mangelte es nicht und ja, auch als Allgemeinmediziner ist man als Notarzt durchaus gefragt – nach einer Zusatzausbildung und einer Prüfung hat man die Möglichkeit, später neben der Arbeit in der Praxis auch als Notarzt zu fahren – spannend!

Nach einem langen Tag verabschiede ich mich und sage wieder Tschüss, bis zum nächsten Mal!

Woche 6: 20.06. – 26.06.2022

Mit neuem Schwung geht’s in die neue Woche und man merkt, dass letzte Woche ein Feiertag war – das Wartezimmer scheint immer voller und voller zu werden, die Ärzte sind am rotieren. Von unklaren Bauchschmerzen, über Schilddrüsenknoten bis hin zur seltenen Rheumaform ist an diesem Tag eigentlich irgendwie alles dabei – da freut man sich zwischendurch über den Patienten, der lediglich eine Krankschreibung braucht und somit eine kleine Pause von den vielen Fragezeichen bietet, die sich im Laufe des Vormittags bei mir hervor tun. Zum Glück habe ich eine sehr geduldige und kompetente Fachärztin an meiner Seite, die trotz voller Stube immer wieder zwischendurch die Zeit findet, mir kurz was zu erklären. Auch das Ultraschallgerät ist wieder in vollem Einsatz und ich freue mich, dass das immer besser klappt – jetzt kann ich auch endlich mal den PatientInnen auf dem Sono-Bildschirm zeigen, was in deren Bauch so los ist, worauf hin diese meistens nur nett nicken und lächeln, was mich unweigerlich an meine Reaktion erinnert, als mir ÄrztInnen zu Beginn meines klinischen Abschnitts erklären wollten, wie der Ultraschall funktioniert :-).

Am Dienstag steht dann meine Hospitation bei Dr. Werner im MVZ in Regen an, ein unglaublich netter Internist, der sich ganz viel Zeit für seine PatientInnen nimmt und sehr gründlich und strukturiert arbeitet – eine klare Empfehlung, sich mal dort um einen Hospitationstermin zu kümmern, falls man sich entschließt, sein PJ in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald zu absolvieren. An diesem Dienstag kommen viele Kardio-PatientInnen und ich kann mir einige Tipps abholen, wie man nochmal besser aufs Herz horcht und beispielsweise eine Aortenklappenstenose besser hören kann bei der Auskultation. Am Ende des Tages präsentiert sich noch ein dramatischer Patientenfall und ich merke, wie mich das die Tage drauf beschäftigt und mich nicht so recht loslassen mag – auch das gehört wohl einfach zum Beruf und man muss lernen, mit traurigen Patientenfällen umzugehen. Die restlichen Tage der Woche ist wieder vieles geboten und ich komme endlich ein bisschen dazu, meine Nachleseliste heranzuziehen und Sachen, die sich mir in der Praxis präsentieren, auch mal nachzuschlagen. Ich merke, wie sehr ich davon profitiere, die Sachen nicht nur stur auswendig zu lernen, sondern eine/n PatientIn dazu im Kopf zu haben, seine/ihre Geschichte selber zu hören, selber Befunde dazu zu erheben, sehen, wie die ÄrztInnen therapieren und dann nochmal Lücken mit dem Nachschlagen aufzufüllen.

Am Donnerstagabend gings dann noch mit den anderen PJ’lerinnen und zwei der Assistenzärztinnen zum Italiener – ein Abschiedsessen für Hannah und Caro, die uns leider diese Woche verlassen werden, worüber ich schon ein wenig traurig bin. Ich wünsche den beiden das Allerbeste für die Zukunft und hoffe darauf, dass sie vielleicht für die Weiterbildung nochmal zurückkommen in die Praxis im Bayerwald :-). Sooo für heute ists genug, ich verabschiede mich ins Wochenende und sage bis zum nächsten Mal!

 

 

Woche 7: 27.06 – 03.07.2022

Diese Woche begrüßen wir drei neue PJ’lerinnen bei uns: Franziska, Sabine und Nicole. Mirjam und ich freuen uns über diese Verstärkung und sind schon ganz gespannt auf die drei. Sie werden auf die beiden Unterkünfte in Kirchberg und Grafenau aufgeteilt, wo sich alle mittlerweile gut eingelebt haben – trotz Startschwierigkeiten mit einem kaputten Auto, das gerade noch die Strecke von Freising bis Kirchberg im Wald mitgemacht hat und dann beschlossen hat, hier den Geist aufzugeben.  Mittlerweile ist auch das Problem glücklicherweise (fast) behoben, denn ohne Auto ist man hier echt komplett aufgeschmissen :-). Zur Not gäbe es auch noch das Praxisauto, das man auch mieten könnte, falls man doch ohne Auto anreist und es bieten sich auch immer verschiedene Fahrgemeinschaften mit den ÄrztInnen oder StudentInnen an. 

Die drei haben gleich anfangs eine volle Woche mit Sprechstunden, Fallbesprechungen, Cham-Teachings und Journal-Club, der als Krönung der Woche am Mittwoch mit anschließendem Essengehen stattfindet. Ich mag diese Zusammenkunft verschiedener ÄrztInnen in der Region – man kann Fragen stellen, erfahren, wie diese ÄrztInnen die Dinge sehen und wie sie therapieren und knüpft nebenbei wichtige Kontakte. Die Runde ist einfach unglaublich sympathisch und die Diskussionen super interessant und auch wir als StudentInnen werden voll miteinbezogen in Präsentationen und Diskussion. Danach geht’s noch zum gemütlichen Beisammensein in eine Pizzeria direkt am Fluss Regen – ein schöner Abend mit netten Leuten an einem lauwarmen Sommerabend mit gutem Essen – was will man mehr :-). 

Am Donnerstag begrüßen wir unsere drei neuen Mitstreiterinnen nochmal in persönlicher PJ’ler-Runde mit viel Kuchen und Kaffee – wobei man die Woche schon unter das Motto kulinarische Genusswoche stellen könnte, auch das muss sein! Frisch gestärkt machen wir uns erst an die ganze Organisation und verteilen unsere PJ’ler-Aufgaben untereinander, danach besprechen wir noch die Leitlinie zur akuten und chronischen Gicht. Gut gelaunt verabschieden wir uns um ca. 18 Uhr voneinander – das wird sicher eine gute Zeit mit dieser Truppe! Freitag Vormittag vergeht dann auch noch wie im Flug und dann ist die Woche auch schon wieder geschafft, denn Freitagnachmittag ist für uns Studentinnen frei, worüber wir nicht traurig sind :-). Alles in allem wieder eine schöne, lehrreiche Woche mit ganz vielen Eindrücken und ganz nebenbei stelle ich fest, dass ja schon Halbzeit ist. Verrückt, wie schnell hier die Zeit vergeht!

Woche 8: 04.07. – 10.07.2022 

Der Montag dieser Woche startet wieder mit einem vollen Wartezimmer wie das montags irgendwie schon fast üblich ist. Die erste halbe Stunde bin ich allerdings damit beschäftigt, wegen eines Patienten einen Spezialisten aus der weiteren Umgebung zu erreichen. Als ich diesen telefonisch erwische, bin ich sehr angenehm überrascht, wie er sich ganz geduldig unsere Befunde anhört und versichert, dass er sich den Patienten so bald wie möglich anschauen wird. Dann gibt er noch Hinweise, wie wir den Patienten zur Überbrückung bis zum Termin bei ihm therapieren sollten. Für mich ist es eine sehr positive, wenn auch erstmal etwas ungewohnte Erfahrung, von einem erfahrenen Kollegen jetzt als PJ-Studentin tatsächlich auch einfach ernst genommen zu werden und schon als (fast) Ärztin wahrgenommen zu werden. So diskutiert er telefonisch mit mir die Ergebnisse aus bereits stattgefundenen weiterführenden Untersuchungen bei anderen Spezialisten und unserer Blutuntersuchung zusammen mit dem klinischen Bild und ich bin ganz überrascht, wie hier an der Stelle die Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Spezialist wunderbar funktioniert und nur zum Besten des Patienten agiert wird. Von dem Gefühl beflügelt, wirklich was Positives für den Patienten bewirkt zu haben, schwinge ich mich in die restliche Sprechstunde und auch wenn manches noch etwas unstrukturiert von Statten geht, kann mich heute irgendwie nichts aus der Ruhe bringen oder mir schlechte Laune machen :-). 

Gerade jetzt, wo ich schon etliche Zeit viel an einem Standort verbringe, merke ich, wie spannend und interessant es ist, PatientInnen immer wieder zu sehen und den Verlauf ihrer Beschwerden unter Einfluss unserer Therapien zu verfolgen. Genau aus diesem Grund macht es lerntechnisch, zumindest für mich, Sinn, sich auf zwei Standorte (wie es auch im PJ hier vorgesehen ist) zu beschränken. Auch  PatientInnen dadurch wiederzuerkennen und sich darüber zu freuen, dass man wieder da ist, macht schon Spaß und ich kann mir gut vorstellen, dass man eine richtige Bindung zu ihnen aufbauen kann, wenn man dauerhaft hier arbeitet. 

Am Mittwoch findet dann das letzte Mal ein Cham-Teaching statt, was ich schon ein bisschen schade finde, denn diese Teachings, die wirklich ausnahmslos echt klasse waren und von wirklich engagierten ÄrztInnen abgehalten wurden, stellen für mich einen echten Zugewinn fürs PJ dar. Die Themen waren danach ausgewählt, was einem in der Hausarztpraxis fast tagtäglich über den Weg läuft und waren somit eine große Hilfe, etwas Ordnung in die große Bandbreite der hausärztlich relevanten Themen zu bringen. An dieser Stelle nochmal ein ganz großes Lob an Dr. Blank zusammen mit allen Mitbeteiligten, die sich große Mühe und großen Aufwand machten, das auf die Beine zu stellen und ganz herzlichen Dank an alle! Hoffentlich bleibt dieses Format auch für zukünftige PJ-Gruppen bestehen! 

Das Thema der PJ-internen Fortbildung ist diese Woche Diabetes und wir stellen schnell fest, dass das quasi ein Fass ohne Boden ist – mir wird besonders bei diesem Thema klar, dass es oft nicht einfach ist, eine Grenze zwischen dem Aufgabenbereich der Hausärzte und dem der Spezialisten zu ziehen. Wie weit möchte man als Hausarzt/Hausärztin den Patienten auf eigene Faust therapieren und ab welchem Punkt schickt man diesen besser weiter? Wie weit möchte man alleine Verantwortung übernehmen und wo steckt man seine eigenen Grenzen? Auch das Erkennen und vor allem das Anerkennen eigener Grenzen ist ein ganz wichtiger Punkt in der hausärztlichen Tätigkeit und auch das diskutieren wir immer wieder mal in der Gruppe: dass ein Hausarzt/Hausärztin nicht alles können und wissen muss, sondern durchaus PatientInnen auch mal an einen Spezialisten oder eine Spezialistin abgeben darf - das Wohl des Patienten/der Patientin sollte schließlich stets immer im Zentrum des eigenen Handelns stehen! 

 

Woche 9: 11.07. – 17.07. 2022

Die neunte Woche meines PJs in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald startet etwas anders als sonst - wir haben aufgrund der rasant ansteigenden Covid-Infektionen Personalmangel, was sich Anfang der Woche durch stressige und volle Vormittags-Sprechstunden äußert. Lediglich am Dienstag ist es etwas ruhiger und als wir in die Mittagspause starten, beschließe ich, Auerbach zu Fuß zu erkunden und entdecke einen wunderbaren Naturpfad durch die hiesigen Wälder samt Obstplantage und herrlichen Ausblicken auf die Auerbacher Umgebung. Anfangs gehts durch eine wilde Natur an einem Fluss entlang und ich beschließe, von meinem anfänglichen Plan, nur einen kleinen Spaziergang zu unternehmen, abzuweichen und daraus eine kleine Mittagswanderung zu machen - was bei knapp drei Stunden Mittagspause locker möglich ist. Leider mache ich unfreiwilligerweise noch einen kleinen Umweg, da mich mein Orientierungssinn wie schon so oft mal wieder im Stich lässt - aber auch das stellt sich im Nachhinein als ganz willkommen heraus, denn es erstreckt sich vor mir ein weiter Ausblick über die umliegenden Hügelchen und Ortschaften. Gestärkt von den schönen Eindrücken trete ich meinen Rückweg von meiner Auerbach-Expedition an und die restlichen zwei Stunden laufen wie geschmiert - was so eine kleine Pause nicht alles bewirken kann. 

In unserer PJ-internen Fortbildung geht es diese Woche um das Leitsymptom Nackenschmerzen. Die Runden, in denen nur wir PJ-lerinnen zusammen kommen, bringen uns unglaublich viel, denn wir sind vom Wissen her alle auf einer Wellenlänge und alle motiviert, uns für das zukünftige Arbeitsleben und nicht zuletzt auch aufs mündliche Examen adäquat vorzubereiten. Wir machen also aus einer unliebsamen Tätigkeit, nämlich Leitlinien von vorne bis hinten alleine durchzuarbeiten, einen Nachmittag zusammen, der uns wirklich auch Spaß macht. Jeder bereitet in einer vorgegebenen Zeit ein Thema vor.. einer übernimmt beispielsweise alles zur Diagnostik, der andere alles zur Therapie und die anderen kümmern sich um die Differentialdiagnosen und noch ein anderer um die wichtigsten Medikamente mit Kontraindikationen zu einem bestimmten Thema. Danach stellt jeder sein Gebiet vor und wir notieren uns für zukünftige Journal Clubs Fragen, die wir an die routinierten ÄrztInnen stellen wollen. Nach 2-3 Stunden, die diese Treffen ca. dauern, raucht einem zwar der Kopf, aber man hat wirklich das Gefühl, ein Thema tiefer durchstiegen zu haben und etwas mitzunehmen und wer weiß, am Tag darauf kommt vielleicht ein Patient mit genau jenen Beschwerden und dann weiß man, was zu tun ist! :-) 

Ende der Woche kommen dann weniger spektakuläre Fälle in die Praxis, sondern eher Routinesachen wie Verbandswechsel, Medikamentenumstellung, Blutdruckkontrollen und weiteres - trotzdem gilt es, bei jedem Patienten aufmerksam zu bleiben und auf Einzelheiten zu achten, denn kein Fall ist wie der andere. Und auch das gehört zum Job - Sachen abzuarbeiten und dabei immer konzentriert zu bleiben, egal, wie oft man dieses und jenes schon gemacht hat. So viel zu der neunten Woche meines PJs - am Freitag gehts dann wieder ins Wochenende und ich freue mich, zwei Tage, so gern ich die Medizin auch habe, mal abschalten zu können. 

Woche 10: 18. –  24.07.2022

Die ersten drei Tage verbringen Mirjam und ich in der Rehaklinik in Schaufling zur Hospitation bei Dr. Buvar. Von meiner anfänglichen Skepsis und der Annahme, dass in einer Rehaklinik wohl nicht so viel spannende Sachen zu sehen sind, bin ich komplett vom Gegenteil überzeugt worden. Die interdisziplinäre Arbeit und Zusammenarbeit von ÄrztInnen aus verschiedenen Fachrichtungen, PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, PsychotherapeutInnen und Pflegepersonal ist total interessant, denn sie lässt eine Erkrankung aus verschiedenen Perspektiven betrachten und einschätzen. Dass man eine Erkrankung von mehreren therapeutischen Seiten angeht, sowohl psychisch als auch somatisch, und dafür genügend Zeit zur Verfügung steht, sich eingehend mit den PatientInnen zu beschäftigen, hat mir sehr gut gefallen. Auch, dass, anders als in der Akutklinik, der Fokus darauf gelenkt ist, die PatientInnen wieder fit für den Alltag nach einer OP zu machen und das Maximale aus ihnen rauszuholen, sodass sie sich möglichst eigenständig versorgen können und in ihrem Rahmen eine maximal hohe Lebensqualität zurückerhalten, hat mich sehr positiv gestimmt. Wo doch in der Akutklinik die PatientInnen gefühlt viel zu früh entlassen werden, nachdem sie einigermaßen stabil sind, war es schön zu sehen, dass es in Rehakliniken etwas anders läuft.
Auch die allgemeine Urlaubsstimmung, die stets in der Luft liegt und gegen die man sich bei diesem Ausblick aus der Klinik unweigerlich wehren kann, trägt zur allgemeinen Heiterkeit bei und ist im Team deutlich spürbar – aus dem klinischen Alltag kenne ich eher den stets vorhandenen Stress und Zeitdruck, das läuft in Schaufling deutlich anders. So dürfen wir unterschiedliche Therapien begleiten, so z.B. die Laufgruppe, Lymphdrainagen, Elektrotherapien und Ultraschalltherapien, Bogenschießen und vieles andere – wir laufen mit PhysiotherapeutInnen und Fachpersonal für physikalische Therapie mit und es offenbart sich uns eine Ecke aus der Medizin, mit der wir beide im Studium kaum in Berührung gekommen sind – die Ecke der physikalischen und rehabilitativen Medizin.

Am nächsten Tag dürfen wir dann mit zur Chefvisite und zu Patientenaufnahmen – wir stellen PatientInnen in der morgendlichen Teambesprechung vor und lernen die Arbeit als Arzt in einer Rehaklinik kennen – sicherlich hat dieser viel mit Dokumentation und Anträgen für die Rentenversicherungen zu tun, gleichzeitig begleitet er PatientInnen, die meistens während der paar Wochen Aufenthalt deutlich besser werden und große Fortschritte machen. Sicherlich ist das oft ein Erfolgsgefühl, wenn man direkt sehen kann, was die Therapien hier ausmachen und den Menschen helfen. Während der drei Tage bekommen wir noch einen Refresher-Kurs in orthopädischen Untersuchungstechniken und ich fühle mich die Woche darauf in der Praxis deutlich sicherer und besser, wenn OrthopatientInnen hereinspazieren – ich hau gleich mal alle Untersuchungen raus, die wir auf die drei Tage gelernt haben und da in die Hausarztpraxis viele OrthopatientInnen kommen, bietet sich mir ein optimales Umfeld, das aufgefrischte Wissen gleich zu vertiefen. Ich kann also ein Häkchen hinter dem Punkt „Orthopädische Untersuchung endlich richtig durchführen können!“ auf meiner To-do-Liste setzen.

Am letzten Tag kommen Orthopädietechniker in die Klinik und wir dürfen ausprobieren, wie es sich anfühlt, mit einer Beinprothese zu laufen, dürfen PatientInnen befragen und sehen, die eine Beinprothese nach Amputationen tragen und einen Patienten mit MS, der durch Elektrostimulation am Unterschenkel wieder richtig gehen kann, ohne dabei das Bein nachziehen zu müssen, weil er es nicht mehr heben kann. Fasziniert verfolge ich die Zusammenarbeit zwischen Orthopädietechnikern und Orthopäden, die Hand in Hand das Beste für die PatientInnen rausholen und bin begeistert, mit welch einfachen Mitteln den PatientInnen signifikant im Alltag geholfen werden kann. Zur Krönung der Hospitation haben uns die Ortho-Techniker noch Eis mitgebracht – bei 32 °C im Schatten die perfekte Abkühlung.

Froh darüber, die Hospitation gemacht zu haben und dankbar, dass man uns so ein tolles Programm zusammengestellt hat, verlasse ich am Mittwoch die Klinik und nehme mir vor, noch mehr über die Rehamedizin zu lernen und zu lesen. So fand ich z.B. total spannend, dass Wärme bzw. Kälte bei diversen Gelenkerkrankungen sehr viel bringen kann – wo wir doch schnell zu Medikamenten greifen, wäre es da manchmal nicht sinnvoller, v.a. bei Multimedikation erst auf nichtmedikamentöse Maßnahmen zu setzen? Sicherlich nicht bei jedem Patienten geeignet, aber vielleicht sollte man solche banal erscheinenden Dinge auch im Hinterkopf behalten. Am Donnerstag haben wir noch Assistenzarzt-Teaching in Eging am See, und damit meine ich, wir fahren tatsächlich an den See und sprechen den Nachmittag wichtige Dinge fürs M3 durch. Lernen und nebenher eine entspannte Atmosphäre genießen – so gehen die Sachen doch viel schneller ins Köpfchen (wo sie dann hoffentlich auch bleiben..)! Nach einer ereignisreichen Woche freue ich mich aufs Wochenende!

 

Woche 11: 25.07. – 31.07. 2022

Diese Woche war allgemein relativ wenig los in den Praxen, in denen ich eingesetzt war. Das kommt mir bei der Hitze nicht ungelegen und ich finde es zur Abwechslung mal nicht verkehrt, wenn zwischendurch Zeit ist, sich mit den ÄrztInnen zu unterhalten und von Erfahrungen im täglichen Arztdasein zu hören. Ich habe die Woche die Möglichkeit, mich länger mit den PatientInnen zu unterhalten, von ihren Lebens- und Krankheitsgeschichten zu hören und vielleicht manches auch besser zu verstehen, wieso manche PatientInnen verärgert oder traurig, ständig müde, matt oder schlapp sind. Ich freue mich über das Vertrauen, das mir die PatientInnen entgegenbringen und nehme mir vor, auch später als Ärztin stets großen Wert auf die Arzt-Patienten-Beziehung zu legen, da es manchmal auch die Diagnostik erleichtern kann. Mittwoch Abend ist dann unser praxisinterner Journal Club – die Themen reichen von Cholesterinsenkern bis Trigeminusneuralgie und es ist wieder mal sehr spannend, den erfahrenen ÄrztInnen zuzuhören und Fragen stellen zu dürfen. Auch wenn der Tag ziemlich lange ist, freue ich mich auf die abendliche Runde und verlasse sie mit dem Gefühl, wieder was gelernt zu haben und weitergekommen zu sein.
Am Donnerstag Nachmittag haben wir noch PJ-interne Fortbildung zum Thema Osteoporose, wo relativ schnell Fragen auftreten und wir uns vornehmen, das Thema beim nächsten Journal Club vorzustellen, um es nochmal mit den ÄrztInnen zu besprechen. 

Freitag bin ich dann ziemlich platt und freue mich auf eine Studienfreundin, die mich im bayerischen Wald besuchen kommt – es steht Wandern auf dem Plan! Da sie auch gerade ihr erstes PJ-Tertial in der Inneren Medizin macht, bin ich gespannt, von welchen Erfahrungen sie mir berichtet und was es so zu erzählen gibt und als wir unsere Wanderung beenden, kommen wir beide zu dem Schluss, dass es einfach unglaublich ist, wie viel wir beide jetzt auf zwei Monate weitergekommen sind und wieviel mehr wir wissen/können als noch kurz nach unserem Examen - manchmal merkt man das erst, wenn man jemand anderem von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen erzählt! Nach einem überschaubaren Bericht von dieser Woche entlasse ich mich ins Wochenende, in dem noch ein paar organisatorische Sachen anstehen, denn nächste Woche kommt uns eine Schülerin der elften Klasse besuchen, die sich ein Bild vom Arztberuf machen möchte und außerdem planen wir für Dienstag ein Gartenfest - ich freue mich, einen entspannten Abend jenseits des Praxisalltags mit den Studentinnen und ÄrztInnen zu verbringen! 

Woche12: 01.08.  – 07.08. 2022

Diese Woche war wieder gefüllt mit den unterschiedlichsten Fällen. Meine Woche startete in Kirchberg, wo ich eine Schülerin erwartete, die sich die erste Ferienwoche ein Bild vom Beruf des Hausarztes machen wollte und die ich die kommende Woche drei Tage mitnehmen durfte. Wir starteten pünktlich um 8 Uhr und ich habe gleich gemerkt, wieviel Spaß es macht, wenn man selber plötzlich nicht mehr der Lehrling ist, sondern auf einmal auf der anderen Seite steht und jemandem etwas erklären kann. Die Momente, in denen man FamulantInnen, BlockpraktikantInnen oder andere StudentInnen dabei hat, sind die Momente, in denen ich immer feststelle, wieviel ich eigentlich auf das ganze Studium hinweg gesehen mit all den Praktika, die man im Verlauf abgeleistet hat, gelernt habe. Im Praxisalltag sehe ich die allermeiste Zeit über nur das, was ich noch nicht kann, was ich noch besser machen sollte, was ich noch nachlesen müsste, was es noch zu lernen gilt. Wenn man nun einen Schüler/eine Schülerin dabei hat, dem/der man erklären muss, warum man dies und jenes an Diagnostik macht, wie man eine Untersuchung macht, wieso man an eine bestimmte Diagnose denkt, wie sich Erkrankungen präsentieren, was dies und jenes Medikament macht, warum man in der Anamnese nach bestimmten Symptomen fragt, merkt man erst, wieviel man eigentlich selber doch schon weiß und während des Studiums mit all seinen Praktika gelernt hat - es tut gut, auch mal diese Perspektive einnehmen zu dürfen und am Ende des Tages feststellen zu dürfen, dass die letzten fünf Jahre Studium ja doch für was gut waren und man ja doch schon ein bisschen was kann! :) Natürlich sprechen wir auch viel über das Studium selbst, über die Möglichkeiten, einen Studienplatz zu ergattern (sicherlich eine der größten Hürden!), das Studium mit seinen schönen Seiten und ebenso die anstrengenden Phasen, die es zu bewältigen gilt. 

Am Dienstagabend bereiten wir PJ’lerinnen dann ein gemütliches Beisammensein mit unseren Chefs in der Grafenauer WG vor - ein entspannter Abend abseits des Praxisalltags. Wir essen, reden über spannende Themen, spielen ein Spiel und genießen den lauen Sommerabend, bevor es am nächsten Tag wieder an die Arbeit geht. Das Highlight des Abends ist aber an einsamer Spitze Dr. Blanks riesiger Hund Paddy, ein riesiger Kuschelbär, der einen so schnell um den Finger, oder besser gesagt um die Tatze wickelt, so schnell kann man gar nicht schauen. 

Am Mittwoch bin ich dann in Auerbach eingeteilt und wie immer habe ich dort einen schönen Arbeitstag - Dr. Kalmancai und ich führen sogar eine Mini-Operation durch, wir schneiden einem Patienten ein Fibrom raus und ich habe eine schier unglaubliche Freude daran! Es meldet sich die Chirurgin in mir mit dem Vorsatz, das auch lernen zu wollen und im anstehenden Chirurgie-Tertial den Fokus auf Nähen und kleine Eingriffe z.B. in der Notaufnahme zu lenken. Am Ende des Eingriffs sitzt ein gut gelaunter Patient vor uns, der froh ist, das nervige Ding, das ihn die ganze Zeit schon ärgert, endlich loszuhaben und gegenüber ihm steht eine glückliche PJ-Studentin, die gerade ihren Spaß an der Kleinchirurgie entdeckt hat :). Am Donnerstag bin ich dann in Rinchnach, wo sich uns eine junge Dame mit stechenden Schmerzen im Rücken präsentiert, die atmungsabhängig und nicht bewegungsabhängig sind. In der Gesamtschau und dann v.a. durch den positiven D-Dimer-Test braucht es zum Ausschluss einer Lungenembolie ein CT. Gespannt warten wir auf den CT-Befund, der dann im Verlauf zum Glück eine Lungenembolie ausgeschlossen hat. Dies zeigt mir wieder einmal, dass man im oft routinemäßigen Alltagsgeschäft immer aufmerksam und konzentriert bleiben muss.

Der Freitag vergeht dann noch wie im Flug, ich verabschiede unsere Schülerin und wünsche ihr auf ihrem weiteren Ausbildungsweg das Allerbeste - vielleicht trifft man sich ja später als Kolleginnen wieder. Nach einer vollen Woche mit vielen Eindrücken freue ich mich aufs Wochenende und meine anstehende Hospitation am Montag und Dienstag bei Dr. Kammerl, einem Nephrologen aus der näheren Umgebung, dessen Vorlesungen ich auch schon im Rahmen des Studiums beiwohnen durfte.

Woche 13: 08.08. – 14.08. 2022

Diese Woche stand ganz eindeutig unter dem Motto “Hospitationen”. Montag und Dienstag durfte ich in der nephrologischen Praxis bei Dr. Kammerl verbringen, der auch eine Dialysestation mitführt. Ich war sehr angenehm überrascht, wie aufgeschlossen die PatientInnen, die mitunter wirklich schwer krank sind, mir als Studentin gegenüber waren - so erzählten sie mir von ihren Leidenswegen, beantworteten geduldig Fragen meinerseits und diskutierten mit mir auch tiefgründige Themen wie Transplantation und Organspende etc.
Sehr dankbar bin ich für das Gespräch mit einer Patientin, die an einer seltenen genetischen Erkrankung leidet, die bei ihr letzten Endes zu einer terminalen Niereninsuffizienz geführt hat und die jetzt an die Dialyse gebunden ist. Sie erzählte mir von den Betroffenen in der eigenen Familie, von ihren Beschwerden, von der zunehmenden Einschränkung durch die Erkrankung, durch die emotionale Belastung, die sie dadurch erfährt und den täglichen Kampf, den sie mitunter führen muss gegen Sorgen, was wohl noch kommt. Hier wurde mir wieder einmal klar, wie oberflächlich die rein medizinische Sichtweise einer Erkrankung ist - viel zu oft gehen dabei die Emotionen und Sorgen der PatientInnen unter. Vielleicht sollte man sich als angehender Arzt/Ärztin auch öfter daran erinnern, was bestimmte Krankheiten, über die wir im fachlichen Kontext sehr nüchtern reden, für die Betroffenen tatsächlich bedeuten - dass es oft die scheinbar kleinen Dinge sind, die PatientInnen dann sehr belasten. Gerade im Gespräch mit solchen PatientInnen wird mir immer wieder bewusst, wieso ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Ich kann mir nichts Erfüllenderes vorstellen, als später diesen PatientInnen zu helfen und ihnen ein Begleiter zu sein. Hinzu zu dieser Erfahrung kommt die angenehme und stets ruhige Art von Dr. Kammerl, der mir sehr viel erklärt und mich voll in die Anamnesen und Untersuchungen mit einbezieht - so klären sich mir ganz viele Fragen zum Thema Niereninsuffizienz und Medikamentengaben. Was darf ich bei Niereninsuffizienz überhaupt geben? Und wenn ich etwas geben darf, wie viel davon, wie sieht die angepasste Dosierung aus? Alles in allem waren es zwei wirklich wunderbare und lehrreiche Tage und ich bin sehr froh, diese Hospitation gemacht zu haben. Ich kann sie nur jedem empfehlen, der vorhat, in die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald zu kommen. 

Für Donnerstag bekomme ich schließlich noch ganz kurzfristig einen Hospitationstermin bei Frau Dr. Pfeffer in Regen, einer Kinderärztin in der Region. Auch an diesem Tag kann ich das ein oder andere Wissen für mich mitnehmen und bin dann am Freitag doch recht platt von den vielen Eindrücken dieser Woche. Als es Freitag Mittag wird, freue ich mich auf ein paar freie Tage und es fällt mir wie Schuppen von den Augen, dass es nun nur noch drei Wochen in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald sind. Es macht sich tatsächlich ein Hauch von Wehmut breit und gleichzeitig steigt die Neugierde, was wohl das anstehende PJ-Tertial in der Chirurgie für mich bereit hält…

 

Woche 14: 15.08. – 21.08. 2022 

Urlaub

 

Woche 15: 22.08. – 28.08. 2022 

Diese Woche ist geprägt von etlichen notfallmäßigen Abklärungen. Handelt es sich bei den atemabhängigen Schmerzen und Tachykardie begleitet von Atembeschwerden um eine Lungenembolie? Sind die gestern aufgetretenen Schmerzen über dem Brustkorb mit Übelkeit für 2 Minuten und Kurzatmigkeit ein Vorbote eines bevorstehenden Myokardinfarkts? Sind die Schmerzen im Bein, das doch ganz ordentlich geschwollen ist, Zeichen einer Beinvenenthrombose oder gibt der Ultraschall doch Entwarnung? Zwischen doch etlichen Trop-T-Tests, EKGs, Kompressionssonographien und dem Notfall-CT gibts dann zum Glück diese Woche bei allen Fällen ein Aufatmen, als sich alle Tests als negativ erwiesen und wir Entwarnung geben konnten. Auch das Notfall-Management gehört zur Allgemeinmedizin wie die Henne zum Ei und ich merke, dass auch dieser Bereich mir Spaß macht und ich da gerne noch mehr lernen möchte und vor allem Sicherheit erlangen möchte, falls später mal zu mir ein Patient in die Praxis kommt und ich dann verantwortlich bin. Diese Woche lese ich in paar ruhigen Minuten die Erstmaßnahmen bei einem bestätigten Myokardinfarkt, einer Lungenarterienembolie und eines Schlaganfalles durch und nehme mir vor, im bevorstehenden Chirurgie-Tertial die Möglichkeit so oft wie möglich zu nutzen, in die Notaufnahme zu gehen und dort viel über Notfälle zu lernen. Da die vorletzte Woche in der Praxis gerade voll im Gange ist, beschleicht mich auch schon ein Gefühl der Wehmut und des Abschieds und ich muss feststellen, dass ich tatsächlich traurig bin, die Praxis jetzt verlassen zu müssen. Frau Dr. Arbinger und ich sind mittlerweile ein eingespieltes Team und auch die MFAs in meiner “Hauptpraxis” sind mir richtig ans Herz gewachsen. Gerade jetzt nach 4 Monaten hat man erstmal das Gefühl, richtig eingearbeitet zu sein und schon geht’s wieder weiter zur nächsten Station. Aber so ist es - es gibt noch eine Menge zu lernen und dafür muss man eben nochmal ein paar andere Stationen durchlaufen und kennenlernen. 

Am Ende der Woche läuft es wieder relativ normal nach dem actionreichen Start, insgesamt wieder eine Woche, die Spaß gemacht hat und mir gleichzeitig viel abverlangt hat, mich wieder vieles gelehrt hat und die ich wie alle anderen Wochen hier nicht missen möchte.

Woche 16: 29.08. – 04.09. 2022 

Die letzte Woche vor meinem Abschied ist nun tatsächlich gekommen. Am Anfang der Woche verabschiede ich mich schon von den Leuten, die ich nicht mehr sehen werde und dadurch, dass es mehrere Praxen gibt, sind es eben auch mehrere Abschiede, was das ganze nicht einfacher macht. Ich backe also so viel Kuchen wie lange nicht mehr in einer Woche, genieße die letzten Tage hier und versuche, mir die letzten 4 Monate nochmal in Erinnerung zu rufen. Es war wirklich eine wunderbare Zeit hier - voller neuer Erkenntnisse und Erfahrungen, neuen Bekanntschaften, vielerlei Anstrengung, viel Spaß und Aha-Effekte, Hochs und genauso Tiefs, Förderung und Forderung. Für diese tolle und lehrreiche Zeit hier möchte ich mich nochmal ganz herzlich beim ganzen Team bedanken - ihr seid klasse! :-)

Mirjam Nissen

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 16

Woche 1: 16.05. – 22.05.2022

„Bayerischer Wald – Das ist aber weit weg!“ - so die mittelhessische Perspektive meiner Freunde. Da „weit weg“ bei mir eigentlich schon immer vor allem Neugierde weckt, freue ich mich die letzten Monate schon sehr auf den Start hier bei Euch im Bayerwald. Der Umzug letzten Samstag von Gießen nach Grafenau, von Studentenstadt ins ländliche Städtchen, verspricht viele spannende Erfahrungen mit sich zu bringen. Und ich freue mich darauf, in den nächsten Wochen und Monaten nicht nur eine Menge gute Landarztmedizin zu lernen, sondern auch ein wenig von der niederbayerisch-ländlichen Kultur und der wunderschönen Region zu entdecken.

Meine erste Woche diente vor allem dem Ankommen und Kennenlernen: Ankommen in dem wunderschönen neuen Studentenhaus in Grafenau, das ich gemeinsam mit den Blockpraktikanten Sina und Christian frisch bezogen habe. Kennenlernen der anderen PJlerinnen und der Praxisteams in Grafenau und Schöfweg. Ankommen in meinem neuen Praxisalltag. Wie gut, dass ich hier noch völlig ohne Zeitdruck Patient*innen sehen kann und immer Rückmeldung von einem der Ärzte bekomme. Dies alles geschieht in einer unglaublich wertschätzenden Atmosphäre und ich staune, wie viel leichter mir diese erste Woche fiel, als ich das von ersten Wochen so gewohnt bin! Gut ist auch, dass meine Mit-PJlerinnen mir ein wenig „Sprachunterricht“ geben können – so hoffe ich, mich in den nächsten Wochen immer besser in den niederbayerischen Dialekt einhören zu können.

Unter den Patienten und Patientinnen, die ich diese Woche sehen durfte, waren die unterschiedlichsten Konsultationsanlässe vertreten: Migräne, Impfungen, Luftnot bei Belastung, Zeckenstiche, Medikamenteneinstellung, Ohrenschmerzen, Katzenbiss, Rückenschmerzen,... So vielfältig wie die Menschen einer Stadt, sind auch die Gründe, mit denen sie ihren Arzt aufsuchen. Einer der Aspekte, die mich am Hausarzt sein so faszinieren!

Immer wieder kommen Patient*innen auch mit Anliegen, die weit über die medizinischen Aspekte hinausreichen. Eigentlich klar – der Mensch ist ja nicht nur Leber oder nur Herz und weit mehr als die Summe seiner Teile. So können familiäre Umstände, Arbeitsplatzprobleme, Verluste oder Ängste Krankheit auslösen und verstärken. Andersherum betrifft Krankheit auch immer den ganzen Menschen und beeinflusst sein soziales Umfeld, schürt Ängste und Sorgen, schränkt Teilhabe an Lebensbereichen ein. Für mich stellt sich diese Woche nicht zum ersten mal die Frage: Was ist hier eigentlich meine Rolle? Welche Verantwortung möchte ich als Ärztin übernehmen, welche Möglichkeiten habe ich? An der Allgemeinmedizin fasziniert mich die Chance, oft viel ganzheitlicher mit Patienten und Patientinnen arbeiten zu können, als in anderen Fächern. Aber wie weit geht ganzheitlich? Wo fangen die Arbeitsbereiche Anderer an? Wo setzen das Leben, unser Wissen, das System, meine Kräfte, die Möglichkeiten der Patient*innen, Grenzen? 

Ich bin gespannt, welche Antworten ich in den nächsten Wochen auch auf solche Fragen bekommen werde. Und ich freue mich darauf, nicht nur fachlich, sondern auch persönlich ein bisschen mehr ins Ärztin sein hineinwachsen zu dürfen.

 

Woche 2: 23.05. – 29.05.2022

Nach einer sehr schönen Wanderung mit Sina und Christian auf den kleinen Arber am letzten Samstag, und einem ruhigen, sonnigen Sonntag, durfte ich in meine zweite Woche starten. Diese verbrachte ich in der Praxis Schöfweg, wo ich an den verschiedenen Tagen mit unterschiedlichen Ärzt*innen zusammenarbeiten und mitlaufen durfte. Es war eine sehr lehrreiche und spannende Woche, die mit dem Feiertag am Donnerstag auch genug Zeit zum verschnaufen enthielt.Während meiner Examensvorbereitung in den letzten Monaten habe ich oft gedacht: „Ich brauche endlich Praxis zu all der Theorie!“ Leider ist das praktische Lernen gerade unter Corona-Bedingungen in den letzten Jahren recht kurz gekommen und umso mehr freue ich mich nun über all die Möglichkeiten, mein theoretisches Wissen in den Praxisalltag zu integrieren! Wenn ich mit Patient*innen zunächst selbstständig das Gespräch beginne, mich für Untersuchungen entscheide und diese durchführe und meine Ergebnisse und Therapievorschläge anschließend mit einer der Ärzte und Ärztinnen bespreche, dann bringt mir das einen unglaublichen Lerngewinn. So bemerke ich schnell, mit welchen Tätigkeiten ich mich sicher fühle und welche noch Übung brauchen. Ich bekomme Feedback dazu, wo ich mich in Details verliere oder Relevantes vergesse und wo ich schon den richtigen Blick für das Wichtige habe. Und die Dinge, die ich im Gespräch nicht weiß und anschließend nachschlage, bleiben gleich doppelt so gut hängen.

Die Mischung an Konsultationsanlässen war diese Woche wieder genauso bunt und abwechslungsreich, wie letzte Woche: Eine Frau mit Erysipel, welches unter Penicillin in der Verlaufskontrolle immer besser wurde. Der Patient mit Brustschmerz und nicht vorbekannten Blockbild, bei dem das negative Troponin Entwarnung geben konnte. Die Frau mit Schmerzen in den Händen, wo der Verlauf zeigen wird, ob die Tendovaginitis die richtige Diagnose darstellte. Bauchschmerz rechter Unterbauch, epigastrisch, linker Unterbauch – Verlaufskontrolle bei unspezifischen stressbedingten Beschwerden, PPI + Gastro bei V.a. Ulcus duodeni, Schonkost bei V.a. Divertikulitis. Eine Patientin, die nach einer schlaflosen Nacht unglaublich erleichtert war, dass wir in ihre Beschwerden keinen Grund zur Sorge vor Brustkrebs sahen – wie schön, wenn Zuhören und Erklären schon die ganze Therapie sind!

Mich hat in dieser Woche beeindruckt, welche Offenheit die Patient*innen mir gegenüber mitbringen. Obwohl sie wissen, dass ich Lernende bin, bringen sie mir das Vertrauen und die Offenheit entgegen, die für eine Arzt-Patienten-Beziehung nötig sind. Das ist unglaublich hilfreich und unterstützt mich sehr dabei, Stück für Stück in meine ärztliche Rolle hineinzuwachsen!

Hilfreich für mich war es diese Woche auch, mit Ärzt*innen recht unterschiedlichen Ausbildungsstandes unterwegs zu sein. So konnte ich mal wieder die für mich sehr wichtige Feststellung treffen: Ich darf Schritt für Schritt lernen! Auch noch nächstes Jahr und übernächstes Jahr und in 10 Jahren. Alles theoretische Wissen muss ergänzt werden durch die praktische Erfahrung und sich in der Routine festigen und bewähren. Und die Erfahrung wird mit der Zeit mehr und mehr kommen! Wie mir ein Patient diese Woche treffend sagte: „Es ist auch noch kein Arzt vom Himmel gefallen.“

Über ein Thema, das mich sicher noch mehr beschäftigen wird, bin ich diese Woche in dem Podcast eines schottischen Hausarztes gestolpert: In den britischen Leitlinien sind für die meisten Blutdruckpatient*innen ACE-Hemmer als Medikamente erster Wahl vorgesehen. Ausnahme bilden hier dunkelhäutige Menschen mit Afrikanischem oder Karibischem Hintergrund. Man geht aufgrund einiger Studien davon aus, dass ACE-Hemmer bei diesen Personen nicht gut genug wirken und daher lieber Substanzen mit besserer Wirksamkeit von Therapiestart an genutzt werden sollten. In meinem Studium wurde bei Therapien nur selten auf mögliche Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Herkunft eingegangen. Eigentlich macht es Sinn, dass z.B. die Enzymausstattung und damit der Stoffwechsel nicht in der ganzen Weltbevölkerung gleich sind und es geographische oder ethnische Unterschiede gibt. Die Entwicklung von Medikamenten und die Studien, auf denen unsere Empfehlungen basieren, finden aber tendenziell oft in westlichen Ländern statt. Wie gut können die Studien amerikanischer Hersteller nach Pakistan übertragen werden? Sind Medikamente, die in China eine gute Wirksamkeit und Sicherheit zeigen in Nigeria genauso sinnvoll einsetzbar? Da mein Umfeld sehr international geprägt ist und der Kontakt zu ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen sicher auch in Zukunft mein Arbeiten prägen wird, ist dies ein umso spannenderes Thema für mich. Ich bin gespannt, was ich dazu noch so lernen darf!

Jetzt freue ich mich auf das Wochenende, darauf den Lusen zu erklimmen und den wunderschönen Bayerischen Wald zu genießen!

Bayerisch-Vokabeln der Woche:

Griaß Di’!- Grüße Dich!

Griaß Eich! - Grüße Euch!

Griaß Eana! - Grüße Sie!

schnaufn - atmen

Woche 3: 30.05. – 05.06.2022

Eine volle Woche, die wie im Flug vergangen ist, liegt hinter mir. Den Samstag begann ich mit einer Wanderung auf den Lusen – und staunte, wie viele Leute bereits früh morgens auf dem Lusen anzutreffen waren! Ich durfte den herrlichen Ausblick genießen und nebenbei ergab sich ein interessantes Gespräch über den Wandel der Erwartungshaltung an „den Arzt im Dorf“ über die letzten Jahrzehnte.

Wie anders das Ansehen, die Verantwortung und Verfügbarkeit eines Arztes im Dorf gegenüber der Stadt sein können, darüber bin ich auch in Fürstenstein diese Woche immer wieder mal ins Gespräch gekommen. Dort habe ich meine Woche in der Praxis Hackl mit Herrn Hackl und Herrn Dr. Bolla verbracht – und bin sehr herzlich in den dortigen Praxisalltag aufgenommen worden. Auch hier prägte mal wieder die bunte Mischung an Patient*innen und Konsultationsanlässen den Alltag. Von 4 Jahren bis 99 Jahren und alles dazwischen. Ob in der Praxis, im Altersheim oder beim Hausbesuch. Akute Mittelohrentzündung bis chronische pAVK Grad IV. Ein Patient, dem sein neu diagnostiziertes paroxysmales Vorhofflimmern ohne nennenswerte Risikofaktoren deutlich zu schaffen machte, und eine Patientin, die ihre TIA eigentlich nicht für erwähnenswert hielt.

Während ich von Herrn Hackl immer wieder an eine gründliche körperliche Untersuchung erinnert und darin geschult wurde, konnte ich bei Dr. Bolla zu jeder Gelegenheit intensive Sono-Kurse erhalten. Von Gallensteinen über Sigmadivertikulitis bis Raumforderung der Prostata – ich bin immer wieder begeistert, was für eine geniale diagnostische Ergänzung die Sonografie ist! Und ich habe eine Menge Spaß dabei, unter so guter Anleitung meine Sono-Skills weiter auszubauen.

Daran, wie wichtig die Grundfähigkeiten Anamnese und körperliche Untersuchung sind, wurde ich auch in unserer PJ-internen Lernrunde zum Leitsymptom Müdigkeit erinnert. Hier ist die Devise: Anamnese, Anamnese, Anamnese, gründliche körperliche Untersuchung und eine sehr kleine Auswahl an Laborwerten. Dies ist ausreichend, um die wichtigsten Ursachen für die Müdigkeit ausschließen bzw. erkennen zu können. Wir haben uns diese Woche zum zweiten mal als PJlerinnen in dieser Form getroffen. Ich profitiere enorm davon, auf diese Weise ein Thema mit Blick auf den praktischen Alltag zu erarbeiten und dabei keine Kataloge in Herold oder Amboss zu lesen, sondern in die sehr praxisorientierten DEGAM-Leitlinien zu schauen. Und mit drei so wunderbaren Mit-PJlerinnen macht das Ganze auch noch wirklich Spaß!

Zu meinen Highlights diese Woche gehörten ein Junge mit Windpocken (die man seit Einführung der Impfung nicht mehr so oft sieht) und eine sehr sympathische Patienten mit beeindruckend gutem Zustand nach Subarachnoidalblutung mit langem Klinikaufenthalt.

Absolutes Highlight war auch, jeden Tag von Ehepaar Hackl zum Mittagessen eingeladen zu werden – ein Luxus, den ich sehr genossen habe! Der Freitag schloss nach zwei Hausbesuchen mit einer kurzen Dorfrundfahrt mit Besuch des Schlosses von Fürstenstein.

Erschöpft aber zufrieden nach dieser gut gefüllten Woche, freue ich mich nun über ein ruhiges Pfingstwochenende mit Wanderungen in der Gegend, Gottesdienstbesuch in Passau und Zeit für Dinge wie Brotbacken und Gitarre spielen.

 

Bayerisch Vokabeln der Woche:

auf d'Nacht – abends

ois – alles

koa – kein

Pfia Gott – Gott befohlen = Tschüss

Woche 4: 06.06. - 12.06.2022

Schon wieder eine Woche vorbei? Verwundert darüber, wie schnell die Zeit verfliegt, versuche ich, die Woche mit ihren vielen Patientenkontakten zu rekapitulieren. Beim Nachdenken stelle ich fest: Das Leitthema der Woche könnte „Grenzen“ sein.

Diese Woche habe ich viele Patient*innen gesehen, bei deren Anliegen ich recht schnell an meine Grenzen gekommen bin: Da waren eine Vielzahl orthopädischer Probleme, wo ich doch recht schnell mit meinem Latein am Ende war. Eine Grenze, über die ich hoffentlich mit der Orthopädie-Hospitation noch hinauswachsen darf... Bei anderen Patient*innen kam ich sprachlich bald an meine Grenzen. Sprachbarrieren gehören überall in der Medizin zum Alltag und können durchaus problematisch werden: Bei einem älteren Herren konnte ich in der Anamnese AP-Beschwerden, deutlich zu hohen Blutdruck und Schwindel heraushören, konnte aber einfach kein vollständiges Bild des Patienten und seiner Beschwerden entwickeln. Wie gut, dass der Rest vom Team Bayerisch kann. ;-)

Ein anderes Thema, bei dem mir die Erweiterung meiner Wissensgrenzen immer wieder viel Arbeit abverlangt, ist die Pharmakologie. Bei einer älteren Dame ging es nach Krankenhausentlassung darum, die Medikation anzupassen: Herzinsuffizienz, aktuell deutliche Ödeme, die Diuretika waren aber gerade wegen Schwindel bei Exsikkose und Hyponatriämie vom Krankenhaus abgesetzt worden. Vielleicht könnten wir die Diuretika niedriger dosiert wieder einschleichen und eine Balance zwischen Ödemneigung und Exsikkosegefahr finden...? Als Dr. Hackl dann zielbewusst erst einmal das Amlodipin absetzte, hatte mein Kopf auch wieder parat, was ich doch letzte Woche gelernt hatte: Dass Amlodipin mit einer deutlichen Ödemneigung einhergehen kann! Ich bin gespannt, wie sich die Patientin am Montag zeigen wird und wie wir die Medikation dann weiter optimieren können.

Bei anderen Patient*innen kommt nicht nur mein Wissen, sondern auch die Medizin an ihre Grenzen: Der chronische Schmerzpatient, der seit 30 Jahren keine wirkliche Erklärung für seine Muskel- und Gelenkschmerzen gefunden hat. Die Diagnose Fibromyalgie erscheint mir immer wieder ein Eingeständnis zu sein, dass hier die Medizin an ihre Grenzen stößt.

Ein Thema, bei dem mich die Grenzen oft besonders frustrieren, ist die seelische Gesundheit von Patient*innen. Die WHO definiert Gesundheit als einen "Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens". Es ist recht offensichtlich, dass dies ein für uns Menschen in dieser Welt völlig utopischer Zustand ist. Die Medizin arbeitet viel an der körperlichen Gesundheit und bezieht das geistige und soziale Wohlbefinden erst immer mehr mit ein. Immer wieder frustriert es mich, wenn sich unsere Möglichkeiten im Wesentlichen auf das Körperliche beschränken, während die wirklich großen Baustellen viel tiefer zu liegen scheinen. Diese Woche bin ich mit dem ein oder anderen Patienten auf die emotionale oder psychische Komponente von Krankheit zu sprechen gekommen. Und ich merke, wie viel Freude ich an solchen Gesprächen habe und welch ein Privileg es ist, als (angehende) Ärztin ein enormes Vertrauen entgegengebracht zu bekommen. Auch dies ist ein Thema, wo es für mich immer wieder darum gehen wird, meine Rolle, meine Möglichkeiten und meine Grenzen auszuloten: Meine Rolle und meine Kompetenz sollen hier nicht die der Seelsorgerin oder Psychologin sein, sondern die der (angehenden) Hausärztin. Gleichzeitig wächst mein Vorhaben, in der Weiterbildung eine solide psychosomatische Ausbildung mitzunehmen, die für die hausärztliche Tätigkeit sicher sehr wertvoll sein kann!

 

Noch eine weitere Grenze macht sich diese Woche bemerkbar, die ich schon die Wochen davor befürchtet habe – dass das bisherige tagtägliche Pensum an Arbeiten und Lernen auf Dauer zu hoch ist für mich. Trotz Freude am Lernen und der Motivation, möglichst viel mitzunehmen, macht sich Müdigkeit breit und mein persönlicher Stressindikator sagt mir, dass ich zurückschrauben muss. Herausfordernd, wenn die eigenen Grenzen manchmal schneller erreicht sind, als man das gerne hätte. Herausfordernd, wenn es doch eigentlich noch so viel mehr nachzulesen, zu üben, zu lernen gäbe.

Aber ich muss sagen – so herausfordernd es auch ist, immer wieder an die eigenen Grenzen zu stoßen – ich finde es notwendig und wertvoll, dass wir uns auch damit beschäftigen müssen. Damit, dass wir Menschen begrenzt sind – in unserem Wissen, unseren Kapazitäten, unserer Kraft –, selbst wenn wir das so gern anders hätten. Damit, was es bedeutet innerhalb unserer Grenzen einen Beruf mit manchmal grenzenlosen Anforderungen und Verantwortung ausüben zu lernen. Damit, auch bewusst Grenzen zu setzen und mit manchen Grenzen Frieden zu schließen.

Jetzt freue ich mich auf ein Wochenende für das ich vieles von meiner “to-do-Liste” auf die “geht-auch-ohne-Liste” gesetzt habe und einfach in die Tage (und durch den Bayerischen Wald) spazieren darf. :-)

Woche 5: 13.06. – 19.06.2022

Nach einem deutlich entschleunigten Wochenende – mein Highlight war die Begegnung mit einer Kreuzotter auf einem wunderschönen Spaziergang – konnte ich wieder mit mehr Kraft in die neue Woche starten.

Es war eine wie immer bunte Woche mit einigen außergewöhnlichen und spannenden Konsultationen: Ein Kleinkind mit Hand-Fuß-Mund-Krankheit – eine Blickdiagnose, die ich zum ersten mal gesehen habe. Ein Teenager, der nach Oberschenkelfraktur wochenlang nicht mobilisiert worden ist und jetzt mit deutlich osteoporotischen Knochen und atropher Muskulatur nur mühsam das Gehen wieder lernt. Diese Problematik hätte ich so in Deutschland nicht erwartet. Ein anderes Thema, über das ich mir bisher nur während meiner Auslandsaufenthalte in ganz anderen Settings Gedanken gemacht habe, war die Frage nach einer Circumcision aus kulturell/ religiösen Gründen. Ein, wie ich im Gespräch mit Herrn Hackl festgestellt habe, gar nicht so einfaches Beratungsthema.

Am Freitag beschäftigte mich ein älterer Herr für etwas längere Zeit: Dieser brauchte nach Krankenhausentlassung noch eben Rezepte fürs Wochenende von uns, aber der Blick auf die Medikation des Entlassungsbriefes sorgte schnell für Skepsis. So war vom Krankenhaus anscheinend bei Neudiagnose NSTEMI und Z.n. Bypass-OP das ASS und Clopidogrel abgesetzt und ohne ersichtliche Indikation für eine Antikoagulation ein DOAK neu verordnet worden. Ein Telefonat mit dem zuständigen Oberarzt brachte die nötige Klarheit: Der im Arztbrief notierte NSTEMI war eigentlich gar keiner und eine Indikation zur Antikoagulation bestand auch nicht, während die Thrombozytenaggregationshemmung aber unbedingt fortgeführt werden sollte. Der Patient konnte von uns mit korrigierter Medikation ins Wochenende entlassen werden.

Neben vielen kleinen und größeren Konsultationsanlässen, durfte ich diese Woche auch wieder viel Sonografie üben. So ließ Dr. Bolla mich immer wieder die Untersuchungen durchführen oder holte mich dazu, wenn er spannende Befunde fand: Harnstau, Gallensteine, Leberhämangiom, Schilddrüsenveränderungen bei M. Basedow. Auch im Bereich der kleinen Chirurgie standen diese Woche einige Lehreinheiten an: Fäden ziehen, Lokalanästhesie nach Oberst, hygienisches Arbeiten bei Wundversorgungen, Assistenz bei Abszessspaltung und Hautnaht.

Bei unserem wöchentlichen PJler-Treffen haben wir uns diese Woche mit Fragen zur Weiterbildung in der Allgemeinmedizin beschäftigt. Ich fand es sehr hilfreich, mich mit den anderen PJlerinnen darüber auszutauschen und gemeinsam einige Fragen zu sammeln, die wir versuchen werden zu klären. Schon verrückt, dass bald wirklich das Bewerben für die erste Assistenzarztstelle losgeht...

Mittwoch waren wir dann gemeinsam in Cham an der Rettungswache des DRK und haben eine spannende Einführung in die Notfallmedizin bekommen. Da wir alle bisher keine Erfahrung im Rettungsdienst haben, war es hilfreich, einiges zu den Abläufen, der Ausrüstung und dem Arbeitsalltag im Rettungsdienst erzählt zu bekommen. Auch das Training an den Simulationspuppen war eine gute Auffrischung! Jetzt habe ich richtig Lust, mal einen Notarztdienst mitzufahren – mal schauen, ob das in der Zeit hier möglich wird!

Nachdem ich letzte Woche viel mit meinen Grenzen konfrontiert war, hat es Spaß gemacht, diese Woche in vielen Situationen die andere Seite zu sehen: Wie viel wir im Studium bereits gelernt haben, wie viel selbstverständlicher ich auf die Anliegen der Patient*innen eingehen kann, als noch vor 3 Jahren in meiner Hausarztfamulatur und welche Offenheit und Wertschätzung die Patient*innen mir als der „jungen Ärztin“ entgegenbringen. So habe ich mich besonders über eine junge Frau gefreut, die mir, obwohl schmerzgeplagt, zum Abschied ein herzliches Lächeln schenkte und sich mit einem gebrochenen „Dankeschön, Du bist sehr freundlich“ wirklich dankbar für unser Gespräch zeigte. Das tut gut und motiviert mich, diesen wunderbaren Beruf immer mehr einzuüben :)

Und jetzt sollte ich bei bestem Wetter bald in meine Wanderschuhe schlüpfen, da ich hier am Schreibtisch sonst fürchte, ein „Restless-leg-Syndrom“ zu entwickeln. Da hilft nur die Prävention und raus in den Wald! ;) Pfia Gott!

 

Woche 6: 20.06. – 26.06.2022

Was für eine spannende, intensive Woche! Es wundert mich, wie sehr sich eine Woche von der anderen unterscheiden kann und wie unterschiedlich die einzelnen Tage geprägt sein können! Gibt es in der Allgemeinmedizin überhaupt so etwas wie einen „normalen Alltag“?

An manchen Tagen in den letzten Wochen hat sich der Gedanke bei mir eingeschlichen, ob die hausärztliche Tätigkeit nicht manchmal eher einem „Verwalten“ von Patienten gleicht: Überweisung schreiben, Ergebnisse noch einmal erklären, die vom Facharzt verordneten Medikamente verschreiben, an den nächsten Facharzttermin erinnern. Begutachtung, Rentenantrag, Routine-Check-up, Vorsorgen abarbeiten. Das alles ist nicht immer so grau, wie es klingt und hat seine Notwendigkeit, trotzdem kam mir ab und an der Gedanke: Will ich das Tag ein Tag aus machen? Oder machen vielleicht doch die Spezialisten die „richtige Medizin“...? Nun, es mag Tage geben, an denen man sich mehr wie ein Verwalter oder Dienstleister fühlt. Und dann kommen auch die wunderbaren Momente, in denen die Allgemeinmedizin all ihre Vorzüge und Privilegien ausspielen kann: Nämlich solche Situationen, in denen ein Hausarzt seine Patienten auf eine Art begleitet, wie das fast kein anderer Bereich der Medizin leisten kann:

Eine Patientin mit neu aufgetretenen Gefühlsstörungen und latenten Paresen der Arme haben wir diese und letzte Woche einige Male gesehen und intensiv diagnostisch begleitet. Bisher ist es weiterhin unklar, was die diffuse Symptomatik ausgelöst hat. Funikuläre Myelose? Autoimmun? Doch die Neuroborreliose? Hauptaufgaben waren hier der Ausschluss abwendbar gefährlicher Verläufe und das Begleiten der stark verunsicherten Patientin. „Wir kümmern uns, wir schauen genau hin und Sie dürfen auch das 6. mal diese Woche kommen“ waren die nonverbalen Botschaften, die der Patienten etwas Ruhe vermittelt haben. 

Einen Patienten mit schnell fortschreitendem Karzinom in nun palliativer Situation haben wir diese Woche wiedergesehen. Nach Krankenhausentlassung war es zeitintensiv, die etwas wirr anmutende Schmerztherapie des Krankenhauses zu sortieren und die nötigen Absprachen mit Onkologen und Palliativ-Team zu treffen. Plötzlich hat man Zeit - nimmt man sich die Zeit - mitten im Sprechstundenalltag. Um behutsam zu erklären, wo noch Klärungsbedarf ist. Um den Schmerz der Familie auszuhalten und Raum dafür zu geben. Um klar zu machen: Wir begleiten Euch und sind ansprechbar!

Einen anderen Patienten mit Morbus Parkinson haben wir zweimal Zuhause besucht. Die medikamentöse Einstellung zwischen motorischer Einschränkung und psychotischen Symptomen ist in der letzten Zeit immer schwieriger geworden und der Patient aktuell in deutlich schlechterem Zustand als noch vor drei Wochen in der Sprechstunde. Hier enthielt der Hausbesuch Fragen zur Medikation, Ausschluss Harnverhalt, kurze handwerkliche Unterstützung der Ehefrau, Besprechen der Unterstützung durch den Pflegedienst. Und wieder habe ich das Gefühl: Wir konnten die Sicherheit vermitteln, dass wir begleiten und unterstützen werden.

Ich nehme es als Privileg und wertvolle Aufgabe wahr, Patient*innen gerade in solchen Grenzsituationen des Lebens begleiten zu dürfen. Das sind Situationen, in denen ich nicht auf die Idee kommen würde, unsere Rolle als „Verwalter“ oder „Dienstleister“ zu sehen. Sondern hier dürfen wir als Ärzt*innen in intensive zwischenmenschliche Kontakte und in unglaublich fragile Lebenssituationen eintreten, um ein Stück Weg gemeinsam zu gehen und fachlich und menschlich zu begleiten. Was für ein Privileg!

Naheliegend ist für mich nach den Begegnungen dieser Woche mal wieder die Frage, wie man wohl den Balanceakt aus professioneller Distanz einerseits, und empathischem, authentischem Involviert-sein andererseits lernen kann. Und wie man der Realität und Intensität des Leids begegnet, und daran weder zerbricht noch abstumpft und zynisch wird. Da bin ich dankbar, dass ich auf verschiedenen Tagungen der ACM – einem Netzwerk christlicher Mediziner in Deutschland – in den letzten Jahren schon so einige hilfreiche Impulse zu dem Thema gehört habe. Und auch hier im Praxisverbund merke ich, wie wertvoll es ist, solche Fragen und Probleme mit erfahrenen Ärzt*innen und den anderen PJlerinnen besprechen zu können!

Während ich all das schreibe staune ich, wie tief ich in den letzten Wochen schon in der Rolle als Ärztin ankommen durfte und nicht mehr nur als Studentin daneben stehe. Das ist sicher zu einem guten Teil der unglaublich wertschätzenden Art im Team und dem großen Vertrauen der Patient*innen zuzuschreiben! Ich merke, wie gut ich mich mit der Rolle der Hausärztin identifizieren kann und denke: Wenn Hausarzt sein so aussieht wie diese Woche, dann ist das definitiv die „richtige Medizin“ und eine Arbeit, auf die ich große Lust habe! :-)

 

Woche 7: 27.06. – 03.07.2022

Nach einem sehr schönen Wochenende mit einer guten Freundin durfte ich in die nun schon siebte Woche starten! Diese Woche sind drei neue PJlerinnen angekommen und ich freue mich, mit Franziska jetzt zu zweit als PJlerinnen in Grafenau zu wohnen!

Diese Woche habe ich bemerkt, wie viel mehr Routine sich im Praxisalltag bei mir schon eingestellt hat. Bei einer morgendlichen Autofahrt durfte ich feststellen: Ich freue mich jeden Tag auf den Praxistag, auf das Team, auf die Patient*innen! Dafür bin ich sehr dankbar!

Eine Patientin, die für mich diese Woche recht spannend und lehrreich war, war eine junge Frau, die sich wegen Müdigkeit und Muskelschmerzen vorstellte. Nachdem wir vor 3 Wochen das Leitsymptom Müdigkeit mit den anderen Pjlern durchgesprochen hatten, hatte ich das Gefühl, das Gespräch recht zielsicher angehen zu können: Gründliche Anamnese, körperliche Untersuchung, Basislabor, im Erstkontakt schon die Frage nach möglichen psychosozialen Faktoren stellen. Die Leitlinie betont, dass ohne auffällige Befunde in dieser Basisdiagnostik keine weitere Diagnostik gemacht werden soll, und dass Müdigkeit in den meisten Fällen aus vielen Faktoren, darunter i.d.R. psychosoziale Aspekte, entsteht. Bei der Fällebesprechung hatte ich die Chance, mir noch einige wertvolle Tipps von erfahrenen Ärzt*innen zu holen, wie ich im nächsten Kontakt noch weiter die mögliche psychosomatische Komponente mit der Patientin besprechen kann, und welche möglichen Ursachen ich trotzdem im Verlauf nicht aus den Augen verlieren sollte. Das war wirklich hilfreich für dieses doch recht herausfordernde Beratungsthema!

Sehr spannend war für mich diese Woche auch der Journal Club. Dort hatten wir PJlerinnen noch einmal die Chance einige Fragen zum Thema Chronische Nierenerkrankung (CKD), welches wir in unserem PJ-internen Treffen erarbeitet hatten, zu stellen. Meine Take-home-messages zu Medikamentenverordnung bei CKD waren: Kenne deine Medikamente! Und: Kläre deine Patient*innen zu dem Problemfeld der NSAR bei Niereninsuffizienz auf! Interessant fand ich dabei die Frage, wie man denn nun praktisch vorgeht, wenn bei Gelenkschmerzen Metamizol und Paracetamol nicht ausreichend helfen, Tilidin eigentlich eine Nummer zu hoch gegriffen ist und NSAR wegen CKD nicht gegeben werden sollen. Hier gilt es wohl die verschiedenen Nebenwirkungen mit dem Patienten gemeinsam abzuwägen.

Besonders nachdenkenswert war auch die Diskussion zur Antibiotikaprophylaxe vor zahnärztlichen Eingriffen bei Patient*innen mit Prothesen wie Hüft-TEP. Hier braucht es die Abwägung zwischen Nebenwirkungen und Konsequenzen einer breit gestreuten Antibiotikaprophylaxe (Allergische Reaktionen, Resistenzentwicklung) gegenüber den Konsequenzen einer infizierten Prothese (Prothesenwechsel, Risiko septischer Embolien, etc). Da es hier derzeit keine guten Studien zu gibt, können Empfehlungen - wie noch immer so oft in der Medizin – im Wesentlichen aufgrund von Erfahrungen gegeben werden. Ein anwesender orthopädischer Kollege berichtete, dass ein großer Teil seiner Kollegen aufgrund ihrer Erfahrungen klar eine Antibiotikaprophylaxe bevorzugen würden. Der anwesende Infektiologe erklärte, wieso er aufgrund der bisherigen Daten, die eine recht hohe number needed to treat vermuten lassen, und der großen Problematik von Resistenzen dringend von einer solch breit gestreuten Antibiotikaanwendung abraten würde. Was empfehle ich nun meinen Patient*innen? Mal wieder so eine Frage, auf die es fürs erste keine richtig zufriedenstellende Antwort gibt.

Am Donnerstag konnte ich noch in ein für mich ganz neues Feld reinschnuppern: Mit Dr. Kalmancai zusammen durfte ich einen Notarztdienst machen! Leider (für mich) blieb es eine sehr ruhige Nacht mit nur einem kurzen Einsatz. Aber es war schon spannend, einen kleinen Eindruck vom Dienst auf der Wache zu bekommen (und mal mit Blaulicht durch die Nacht zu fahren :-) ) und ich bin gespannt darauf, bald einen zweiten Dienst mitzufahren!

Das Wochenende haben Franziska und ich mit dem Besuch des Grafenauer Volksfestes eingeläutet – die bunten Trachten, Pferdekutschen und Blaskapellen, die durch die Stadt gezogen sind, waren für uns zwei Nicht-Bayern schon ein kulturelles Highlight! ;-)  

Woche 8: 04.07. – 10.07.2022

Halbzeit - 8 von 16 Wochen sind bereits vorbei! Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht!

Die Woche begann mit zwei Tagen Hospitation bei Herrn Dr. Werner, einem niedergelassenen Internisten und Psychotherapeut in Regen. Die zwei großen Themen der beiden Tage waren Obstruktive Schlafapnoe und Herzerkrankungen – zwei so wichtige Themenkomplexe! Ich fand es spannend, ein Bild von der Schlaf-Apnoe-Diagnostik zu gewinnen, zu sehen, wie die ambulante Polygrafie ausgewertet wird und was dann Therapieoptionen für die Patient*innen sind. Außerdem haben wir viele Patient*innen mit kardialen Erkrankungen zur Diagnostik oder Kontrolle gesehen, wo ich bei den Echos über die Schulter schauen und mich auch selbst ein klein wenig im Einstellen der Standardschnitte üben konnte. Dabei war es sehr bereichernd, die den Patienten und Patientinnen so zugewandte und fachlich sehr präzise Art von Dr. Werner zu beobachten!

Besonders interessant für das hausärztliche Setting war es auch, einen kleinen Eindruck von den wichtigen Aspekte bei Patienten-Überweisungen an Fachärzt*innen zu bekommen. Mein Eindruck war, dass hier vielleicht manchmal das Verständnis und die Rollenvorstellung der verschiedenen Disziplinen aneinander vorbeigehen und dass eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit daher umso wichtiger sind. Ich merke mir: Ein Facharzt, der den Patienten nicht seit Jahren aus der Praxis kennt, muss in viel kürzerer Zeit ein Bild des Patienten entwickeln – und ist dafür natürlich auf gute Vorbefunde von hausärztlicher Seite angewiesen! So vermeidet man es auch, dass Untersuchungen doppelt oder dreifach durchgeführt werden. Ich muss mir außerdem eingestehen: Manchmal nehme ich die Spezialist*innen wie Dienstleister wahr, bei denen wir, ähnlich wie einen Laborwert, einen Hautbefund, ein Echo oder eine orthopädische Diagnose bestellen können. „Bitte um Mitbeurteilung“ lautet die oft knappe “Bestellung” auf dem Überweisungsbogen. Dabei verpasst man vielleicht, wie viel mehr die Patient*innen von der Expertise der Spezialist*innen profitieren könnten, wenn wir eine ordentliche Zusammenarbeit und guten Informationsaustausch initiieren würden. Ein Thema, für das mir der Blick von der anderen Seite geholfen hat und eine wichtige Take-home-message der Woche!

Nachdem ich Ende letzter Woche und Anfang dieser Woche für Hospitationen auswärtig unterwegs war, war es schön, Mittwoch wieder in „meine Praxis“ zurückzukommen. :-) Hier standen diese Woche einige Wundversorgungen und Verbandswechsel an. Einerseits fühle ich mich immer noch furchtbar unbeholfen im möglichst hygienischen Arbeiten und bei vielen praktischen Handgriffen (es ist unglaublich wie wenig Spritzen man in 5 Jahren Studium aufgezogen und wie wenig Verbände man angelegt hat...), andererseits habe ich einen guten Lehrer und Spaß daran, hier mehr Routine zu entwickeln! 

Diese Woche war auch die Frage nach den nächsten Schritten ein Thema: Ich habe mich mit der weiteren Planung meiner anderen PJ-Tertiale beschäftigen müssen, die für mich leider immer noch nicht ganz feststehen. Ich merke, wie die Zeit hier eine gewisse Erwartung daran geprägt hat, dass ich im PJ möglichst praktisch und umfangreich Lernen möchte – was in vielen Häusern leider gar nicht so selbstverständlich ist. Umso dankbarer bin ich dafür, wie kollegial wir hier behandelt und gefordert und gefördert werden! Sicher wird es auch nützlich sein, dass ich eine recht konkrete Idee mit in die anderen Tertiale nehme, was ich dort gerne lernen und vertiefen würde. Am Mittwoch hatten wir außerdem ein spannendes Seminar der Uni Erlangen, aus dem ich einige sehr hilfreiche Infos zu den praktischen Schritten nach dem Examen und zur Weiterbildung Allgemeinmedizin mitnehmen konnte.

Nun freue ich mich auf den Beginn eines ruhigen, noch unverplanten Wochenendes!

Woche 9: 11.07. - 17.07. 2022

Wie unterstützt man eine Familie hausärztlich, die zunehmend überfordert ist mit der Pflege eines Angehörigen, diesen aber unter keinen Umständen „abgeben“ will?

Vorsorge ist besser als Nachsorge – Aber wie war das nochmal mit der number needed to treat, dem PPW und den falsch-positiven Befunden bei Screening-Untersuchungen?

Wie rede ich eigentlich mit einem 80-Jährigen über seinen Leidensdruck bei sexueller Dysfunktion?

Leitsymptom epigastrischer Schmerz - PPI ja oder nein und in welcher Dosis nochmal?!

Wie kommuniziert man einen noch nicht sehr klaren, aber womöglich ernsthaften Befund auf eine gute Art und Weise?

Wieso haben wir in der Orthopädie an der Uni eigentlich so wenig praktisches Wissen gelernt...?

Wie kommt man über Gewichtsabnahme, Rauchstopp und andere Maßnahmen zur kardiovaskulären Risikoprävention ins Gespräch ohne dem Gegenüber auf die Füße zu treten?

Und was war nochmal dieses Kawasaki-Syndrom...?!

Immer wieder stolpere ich über neue Fragen im hausärztlichen Alltag. Oder erneut über alte Fragen, die noch immer auf Antwort warten. Wer sich gerne möglichst schnell in einem abgesteckten, sicheren Terrain von Wissen und Erfahrung bewegen will, ist hier in der Allgemeinmedizin vermutlich nicht so gut aufgehoben... Oft ist das Gefühl naheliegend: Wie soll man all dem nur jemals gerecht werden?! Muss man wohl nicht. Und eine der vielen Kompetenzen, die man zum Arzt sein erwerben sollte, ist wohl die Geduld mit sich selbst.

Diese Woche dürfen die Fragen alle schon ein wenig eher ruhen, und müssen auch über das Wochenende ohne Antwort bleiben, da ich für einen kurzen Urlaub zu einer Freundin nach Österreich fahre! Zwischen Berggipfeln und wunderschönen Seen ist Zeit zum Abschalten und Auftanken – ich merke wie gut ein mal wieder etwas längeres Wochenende tut!

Woche 10: 18.07. –  24.07. 2022

Diese Woche durften Anja und ich mit drei Tagen Hospitation in der Orthopädie einer Reha-Klinik starten. Und was für eine Hospitation! Mit einem unglaublich gut durchdachten Programm in der Hand sind wir am Montag durch die verschiedenen Therapieabteilungen spaziert, wo wir die Anwendungen erklärt und gezeigt bekommen haben. Nachdem Reha in der Uni doch recht kurz gekommen ist, war das eine spannende Sache für uns! Montag fand auch ein kleiner Privatkurs Schulteruntersuchung statt, der für uns beide eine sehr hilfreiche Wiederholung war! Die zwei anderen Tage waren gefüllt mit Aufnahmen, Visiten, Kurs Knieuntersuchung und -sonografie und Wirbelsäulenuntersuchung. Dabei hat mich besonders auch die Visite beeindruckt, bei der es ganz viel um die Fragen ging: 1. Wie kommen die PatientInnen zu möglichst viel Beweglichkeit zurück? - Dies brachte gerade bei den älteren PatientInnen öfter mal die Diskussion mit sich, ob der Rollstuhl nicht endlich mal abgegeben werden könnte. 2. Was brauchen die PatientInnen im Anschluss im häuslichen Umfeld? Diese Befähigung und Unterstützung für die Alltagsbewältigung, die ich bei Entlassungen aus Akutkrankenhäusern so oft vermisse, war hier zentrales Thema. 

Mittwoch Nachmittag folgte dann noch ein kleines Highlight: Zwei Orthopädietechniker waren im Haus, um Patienten und Patientinnen mit Hilfsmitteln wie Orthesen, Schuhe, Einlagen und Prothesen zu versorgen. Die zwei haben sich viel Zeit genommen, um Anja und mir einige spannende Techniken und Devises zu zeigen. So durften wir selbst eine Beinprothese – die extra für den Zwecke konstruiert ist – ausprobieren. Gar nicht so einfach! Faszinierend war auch ein Gerät, das sich ein junger Mann mit Fußheberschwäche anzog: Dieses konnte die Muskulatur koordiniert zum Bewegungsablauf so stimulieren, dass der Patient wieder annähernd normal gehen konnte! Insgesamt waren die drei Tage sowohl für meine Orthopädie-Kenntnisse als auch für den Einblick in eine Reha-Klinik ein großer Gewinn!

Unter uns PJlern ist diese Woche an verschiedenen Stellen mal wieder die weite Frage danach aufgekommen, welche Medizin eigentlich „richtige Medizin“ ist und welchen Stellenwert gute Evidenz in der Medizin hat. Welche Evidenz hat z.B. die Elektrotherapie als Anwendung in der Reha-Klinik? Wie umgehen mit dem immer wieder aufkommenden Thema Homöopathie, wo die Datenlage eigentlich ein so klares Urteil fällt? Wie bewerten wir die anthroposophische Sicht von Gesundheit und Krankheit, die durch ihr Weltbild und ihre Wissenschaftsdefinition von teils ganz anderen Bewertungskriterien ausgeht? Und wie gehen wir um mit einer Schulmedizin, die an manchen Stellen so sehr dogmatisch wird? 

Dabei stellen sich für mich immer wieder auch die grundsätzlichen Fragen: Wie evidenzbasiert muss – und kann - Medizin eigentlich sein? Warum lassen wir nur ganz bestimmte Studientypen als wirklich wissenschaftlich gelten und was ist mit dem Erfahrungsschatz von Generationen vor uns? Wie bewerten wir diagnostische und therapeutische Methoden, die mit den üblichen Studientypen nicht evaluierbar sind? Funktioniert „evidenzbasiert“ nach unseren westlich-wissenschaftszentrierten Vorstellungen eigentlich universell oder nur in unserem Weltbild...? Ich bin ein großer Fan davon, wie hier in der Praxis die sogenannte Evidenz bestimmter Studien und Leitlinien kritisch hinterfragt wird und das Ziel immer ist, die Medizin nicht von Interessen wie Prestige oder Finanzen, sondern echten neutralen Erkenntnissen leiten zu lassen. Andererseits zeigt sich dabei oft, wie schwierig genau das ist. Es gibt so viele Themen, zu denen wir nur Wahrscheinlichkeitsaussagen treffen können und wo die allgemeinen Statistiken dem Einzelnen nicht unbedingt gerecht werden. Auch wissen wir zum menschlichen Körper, zu Gesundheit und Krankheit so vieles noch nicht. Immer wieder bleibt das Ergebnis: Wir wissen, wie viel wir nicht genau wissen. Und während es für manche Themen gute, fundierte Handlungsanweisungen gibt, bleibt an anderen Stellen die Frage: Nach welchen Maßstäben berate und behandle ich denn nun? Eine Frage, die wohl oft ohne gute Antwort auskommen muss, sich aber lohnt, regelmäßig wieder zu stellen.

Ein Highlight der Woche, das noch erwähnt werden muss, war unser sehr motivierende M3-Teaching mit Julia mit Prüfungssimulation. Dass wir dieses gleich mit einem Ausflug an den See verbinden konnten, hat den Nachmittag perfekt gemacht! :)

Während ich diesen Eintrag schreibe, sitze ich im Garten und staune, mit wie viel Geduld Franzi unsere Rosen pflegt. Und ich freue mich auf ein Wochenende mit spannenden Gesprächsthemen, schönen Wanderungen und Zeit für alles andere, was unter der Woche so liegen bleibt. Pfiat Eich!

Woche 11: 25.07. - 31.07. 2022

Protokoll eines (richtig guten) Montags:

8.00 Uhr: Unsere erste Patientin stellt sich vor mit Schmerzen im Bein: „Vorgestern war der Unterschenkel plötzlich rot und geschwollen und schmerzhaft.“ Nun ist die Wade und der mediale Oberschenkel druckschmerzhaft, sonstige Klinik nicht richtungsweisend. Wells-Score von 1, D-Dimere abgenommen, Venenkompressionssonografie trotzdem gleich durchgeführt: völlig blande. Die TVT ist damit wohl ausgeschlossen, eine muskuloskelettale Ursache wahrscheinlich.

Es folgt ein geriatrisches Assessment – es wird Zeit, dass ich das heute mal vernünftig lerne. MMTS, Barthels Index und Sturzrisiko-Assessment. Anschließend noch einige gute Erklärungen zu anderen Tools und Tests.

Weiter geht es mit einem Kind mit Windpocken. Der Beginn ist nun eine Woche her, in den letzten Tagen sind keine neuen Effloreszenzen entstanden, die letzten Bläschen sind verkrustet – die kleine Patientin darf also wieder in den Kindergarten gehen.

Es folgt eine Patientin, die ich wieder einbestellt hatte, wegen.. warum nochmal...? Kurzer Blick in die Kartei: Ach ja, Blutzucker- und Marcumar-Kontrolle. Eine Anpassung der Diabetesmedikation scheint mal wieder angebracht. Daran schließen wir gleich noch die DMP-Untersuchung an. Auch eine LUFU ist bei der Patientin mal wieder nötig, eine gute Gelegenheit für mich, endlich mal selbst eine Spirometrie anzuleiten. Bei der Fußkontrolle fällt noch eine Druckstelle auf, der wir ein wenig Zeit schenken. Diese Patientin ist heute ausführlich versorgt worden!

Es folgt ein weiteres geriatrisches Assessment – doppelt geübt hält besser.

10:00 Uhr: Eine ältere Dame ist zum Sono einbestellt worden als Teil des Check-ups. Ich darf damit beginnen und freue mich über sehr gute Schallbedingungen. Sogar das Pankreas ist einfach und vollständig darstellbar! Ein völlig blandes Abdomen Sono.

Weiter geht es mit einem Mädchen mit Konjunktivitis, Schnupfen und leichten Halsschmerzen. Ich erkläre kurz den harmlosen Verlauf einer solchen, wahrscheinlich vorliegenden, Virusinfektion und gebe ein paar Tips zu Hygienemaßnahmen. Ach ja, den obligaten Corona-Abstrich hab ich noch vergessen...

Es folgen eine wunderschön verheilte Knie-TEP mit hervorragendem funktionelle Ergebnis, danach eine kurze Fadenzug-Revision, bei der sich wohl letzte Woche zwei Fäden zu gut versteckt hatten...

Beim Blick ins Verbandszimmer sehe ich ein von den letzten Wochen schon sehr bekanntes Gesicht, über das ich mich immer wieder freue: Ein Patient in palliativer Situation, der zur Wundkontrolle kommt. Dabei bemerkt ich schweren Herzens den deutlich zugenommenen Ikterus, der vom Fortschreiten seiner Erkrankung erzählt.

13:00 Uhr: Mittagessen! Doch nicht – Es kommt noch ein Notfall rein: Ein Patient mit größerer Schnittwunde an der Hand, die ich mit einigen Stichen nähen darf. DMS intakt, keine funktionellen Einschränkungen, Impfpass wird zur Kontrolle des Tetanusimpfschutzes morgen nachgereicht.

Jetzt ist aber Zeit zum Essen! Was für ein Luxus, dass das Ehepaar Hackl für mich mit kocht! Die Zeit zum Essen ist aber nicht lang, denn es geht weiter mit der Mittagsbesprechung online, heute zum Thema „Sucht und Medikamentenabhängigkeit“. Ein sehr spannendes Thema - und unglaublich herausfordernd!

15:00 Uhr: es ist noch Zeit für einen Hausbesuch, bevor die Sprechstunde weitergeht. Heute darf ich mal alleine los. Bei der Dame mit Ischialgie lassen sich die AGVs gut ausschließen und wir einigen uns auf leichte Dehnübungen und Metamizol bei Bedarf. Anschließend ist noch ein wenig Zeit, damit mir die Patientin ein bisschen von dem erzählt, was sie eigentlich so belastet. Als ich nach ein paar Minuten wieder aufbrechen muss, zeigt sich die Patientin sehr dankbar für mein Zuhören und die wertschätzenden Worte. Ich glaube, das war ein lohnenswerter Hausbesuch...

Zurück in der Sprechstunde ist schon wieder eine Naht zu setzen: Ein Junge mit Risswunde am Knie, die zwei Einzelknopfnähte braucht. Ein sehr tapferer Patient!

Mein letzter Patient des Tages wurde einbestellt, um die Histologie seiner Gastroskopie zu besprechen. Es wurde ein Helicobacter pylori festgestellt, der nun therapiert werden soll. Ich erkläre dem Patienten den Befund und in groben Zügen die Therapie. Soweit so kompetent... aber welche der Optionen nehmen wir jetzt? Und wie waren nochmal die Dosierungen? 7 Tage, oder...? Nein, doch länger. Das war eine gute, praktische Wiederholung, vielleicht bleibt das Schema diesmal ein wenig länger in meinem Gedächtnis!

18:15 Uhr: Herr Dr. Hackl und ich besprechen meine Hausbesuchspatientin von heute Mittag nach und danach noch einmal einige Patienten des Tages. Es folgt ein Blick in mein PJ-Logbuch und dann eine kurze Besprechung unserer Wanderpläne für nächstes Wochenende. :)

19:00 Uhr: Heimfahrt. Das war ein typischer, ganz schön langer Montag. „Aber ein richtig guter!“, denke ich.  

Woche 12: 01.08. – 07.08.2022

Highlights der Woche:

  • Gartenfeier in Grafenau: Am Dienstagabend haben wir als PJlerinnen einige der Ärzt*innen, mit denen wir viel zusammenarbeiten dürfen, zum gemütlichen Beisammensein in unserem schönen Garten eingeladen. Ein sehr schöner Abend mit spannenden Gesprächsthemen in sympathischer Runde!

  • Antibiotika-Teaching mit Dr. Baloun: Dr. Baloun haben wir schon bei den bayernweiten Netzwerktreffen immer wieder als sehr begeisterten und begeisterungsfähigen Infektiologen kennengelernt. Diesen Mittwoch hatten wir die Chance, ihm einige unserer Fragen zum weiten Thema Antibiotikatherapie zu stellen. Wie viele andere Studenten wohl auch, verzweifel ich immer wieder an dem Versuch, die vielen Details zu den verschiedenen Antibiotika in meinen Kopf zu bekommen. - Da machte es Spaß, sich ein bisschen von der Begeisterung von Dr. Baloun für ein letztlich so enorm wichtiges Thema – für Gegenwart und Zukunft! - anstecken zu lassen. Eine meiner Take-home-messages: Fosfomycin Einmalgabe bei Harnwegsinfekt ist zwar schick weil einfach, aber ein gut wirksames Reserveantibiotikum der Intensivmedizin für einen Zweck zu verwenden, für den es gute Alternativen gibt, ist schon irgendwie fragwürdig...

  • Hospitation Palliativteam: Am Freitag durfte ich mit Dr. Gion vom SAPV Team Passau unterwegs sein. Von Morgenbesprechung über Online-Konferenz bis zu den Hausbesuchen gab es super viel für mich mitzunehmen! Irgendwie beeindrucken mich immer wieder die Bereiche, in denen man Menschen in den ganz essentiellen Lebensthemen begleiten kann. Das Thema Sterben ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein solches Grenzthema des Lebens. Und was für ein Schatz, dass die Palliativmedizin mit Blick auf sämtliche Bedürfnisse – körperlich, seelisch, emotional, spirituell, zwischenmenschlich,... - eine intensive Unterstützung der Patient*innen und Angehörigen anbieten kann! In der Hausarztpraxis stellt sich mir öfter mal die Frage, was Menschen am Lebensende – in der Geriatrie, in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, in einer palliativen Situation – brauchen können, und was auch nicht mehr. Es war hilfreich, einen kleinen Einblick zu bekommen, welche Schwerpunkte der Versorgung von dem SAPV-Team gelegt werden und einige meiner Fragen zum Thema zu stellen.

Das letzte Highlight war ein sehr schönes Wochenende mit Besuch von zwei Freundinnen aus München! - ein (fast) Medizin-freies Wochenende mit Besuch des mittelalterlichen Stadtfestes in Grafenau und schöner Wanderung, mal wieder zum Lusen! :) 

Woche 13: 08.08. - 14.08. 2022

Dies war nun leider schon die letzte Woche in „meiner“ Praxis! Was für eine wertvolle Zeit in einem unglaublich sympathischen Team!! Da die Praxis für die nächsten drei Wochen im Urlaub sein wird, musste ich mich heute schon von meinem „ersten Arbeitsplatz“ verabschieden. Es war schön, diese Woche nochmal bei einem kleinen Betriebsausflug Zeit mit dem Team zu verbringen – ich werde die so familiäre Atmosphäre sehr vermissen!

Die letzten Wochen werde ich nun mit verschiedenen Hospitationen und vermutlich an den Standorten Grafenau und Schöfweg verbringen.

Eine Hospitation stand auch diese Woche an bei einer niedergelassenen Gynäkologin. Dort konnte ich einerseits ein wenig von dem, was ich in meinen Geburtshilfe-Famulaturen gelernt hatte, wieder rauskramen – so ein Schwangerschafts-Sono ist schon etwas schönes! :-) - und ich habe an diesem einen Tag so einiges gezeigt und erklärt bekommen. Besonders hilfreich fand ich die ausführliche Erklärung zur Verordnung der verschiedenen kontrazeptiven Pillen. Dieses Thema läuft in der Hausarztpraxis oft so nebenbei mit, ist aber aus gynäkologischer Perspektive berechtigterweise deutlich komplexer gedacht, erfordert gute Aufklärung und regelmäßige Reevaluation. Ein wenig war meine Frage auch: Ist die niedergelassene Gynäkologie eine realistische Alternative zur Allgemeinmedizin? Nach einem Tag kann ich das wohl nicht genügend beurteilen, ich habe aber die Ahnung, dass mir so einige Facetten der hausärztlichen Arbeit dort fehlen würden. Oder ich muss doch in ein Land umziehen, in dem Schwangerschaftsvorsorge eine hausärztliche Tätigkeit ist... ;-)

Der heutige Freitag war emotional nicht nur vom letzten Tag und dem „Tschüss“ und „Danke!“ sagen geprägt – es war auch ein normaler Arbeitstag mit der ganzen Breite des menschlichen Lebens, die so im hausärztlichen Alltag auf einen einprasselt. Am Morgen der Besuch einer verstorbenen Patientin im Altersheim zur Bescheinigung ihres Todes; später ein zuckersüßer, quicklebendiger Säugling, der voller Neugierde und Staunen versucht hat die Welt um sich herum wortwörtlich zu begreifen; nachmittags dann die Fahrt zu einem im Sterben liegenden Patienten, der noch immer um das Leben ringt. Wir haben im Studium mal etwas von professioneller Empathie gelernt. Das klang für mich immer auf eine Art hohl und unauthentisch. Ich möchte den Menschen und dem Leben gern ehrlich, offen und authentisch begegnen – ich will mich zutiefst über die Schönheiten freuen, ich will aber auch über den Schmerz und das Leid weinen dürfen. Natürlich braucht es für den ärztlichen Beruf eine professionelle Distanz, die in der Situation Souveränität behält, die eine gewisse Sicherheit bieten kann und emotional „Außenstehender“ bleibt. In allen Begegnungen bin ich aber nicht nur Ärztin, sondern auch ich selbst. Und dann darf und muss ich mich auch ehrlich mit dem beschäftigen, was mich bewegt, was in mir vor sich geht, wenn ich all diesen Lebenssituationen begegne.

Die Frage danach, wie professionelle Distanz und ehrliche, authentische Empathie zusammenpassen können, bewegt mich die letzten Jahre immer wieder. Ich glaube, dass es eine gesunde Balance aus Distanzfähigkeit und Berührbarkeit braucht, um den Patient*innen und sich selbst gerecht zu werden. So zumindest mein Eindruck, wenn ich Ärzt*innen um mich herum beobachte und mit meinen Fragen löchere... Jedenfalls stelle ich dankbar fest, dass ich mit der Praxis auch in diesen Themen immer etwas mehr Übung bekommen darf.

Mit dieser Reflexion verabschiede ich mich ins Wochenende. Franzi und ich planen heute eine Nachtwanderung unter den Sternen – mal schauen, welche spannenden Gespräche sich dabei noch ergeben werden!  

Woche 14: 15.08. - 21.08. 2022

Urlaub

Woche 15: 22.08. - 28.08. 2022 

Diese Woche war noch einmal ein etwas anderes Programm für mich dran: In einer Passauer Kinderarztpraxis durfte ich die Woche über bei den kleinen Patient*innen mitlaufen. Zahlreiche U-Untersuchungen, Impfungen und Infekte haben sich abgewechselt mit den fachärztlichen Konsultationen zur Kinder-Pneumologie und Neuropädiatrie. Die U-Untersuchungen waren für mich eine gute Chance, meine Einschätzung zum Entwicklungsstand der Kinder weiter zu trainieren. Spannend war es auch, die Kinderärzt*innen bei ihrem unglaublich geschickten Umgang mit Eltern und Kindern zu beobachten und daraus so einige Praxistipps mitzunehmen. Auch die vielen Asthma-Kontrollen waren eine gute Übung zu einem Thema, das mir in den letzten Wochen sonst eher selten begegnet ist. Selbst konnte ich diese Woche leider nicht sehr viel machen, was der doch oft größeren Anspannung von Eltern und Kindern in der Praxis geschuldet war. Trotzdem hat mir die Woche Spaß gemacht und hat meinen bisher insgesamt noch recht ungeübten Blick für Kinder und ihren Gesundheitszustand weiter trainiert.

In der Kinderarztpraxis spielen – sogar denke ich noch mehr als in der Hausarztpraxis – die Primärprävention und Früherkennung eine unglaublich große Rolle: Beratungen zum plötzlichen Kindstod, zu Ernährung, zu Impfungen, zu Unfallprävention, Neugeborenenscreening, Untersuchungen zum Entwicklungsstand, zur Sprache, zum Hören und Sehen. Zu Recht, denn so können viele Erkrankungen und Probleme verhindert oder abgefangen werden, die bis vor wenigen Jahrzehnten, und in anderen Teilen der Welt noch immer, zu einer deutlich höheren Sterblichkeit im Kindesalter führten. Meine ersten intensiven Kontakte mit der Pädiatrie hatte ich in Pakistan, einem Land, das in Bezug auf medizinische Versorgung für einen Großteil der Bevölkerung als Entwicklungsland zu betrachten ist. In einem solchen Setting wird deutlich, welchen enormen Wert verhältnismäßig einfache Maßnahmen – gerade der Prävention und Vorsorge! - haben können. Die Vergleiche zwischen den so unterschiedlichen Settings haben mich diese Woche immer mal wieder zum Nachdenken gebracht und ich bin dankbar für die vielen insgesamt so gesunden Kinder, über die ich mich diese Woche in der Praxis freuen durfte!

Übrigens: Bayerisch gilt hier (in)offiziell als Muttersprache vieler Kinder, Zweitsprache Hochdeutsch. ;-) Deswegen – für alle Hinzugezogenen wie mich – hier noch einmal ein kleines Update meiner Bayerisch-Vokabelliste (ohne Garantie ;-) ):

  • Aufe – hinauf

  • Oba – herab (Im Altersheim: „Frau XY? Da müssn Sie oba gehen“ - heißt nicht nach oben, sondern runter gehen)

  • bessa – mehr/ stärker

  • Schmier – Salbe, Creme
     

Woche 16: 29.08. – 02.09. 2022

Nun ist mein Tertial im Bayerischen Wald tatsächlich schon vorbei. Wenn ich auf die letzten vier Monate zurückschaue, würde ich sie wie folgt zusammenfassen: anspruchsvoll, aber wertvoll.

Vor vier Monaten bin ich mit der Erwartung  in den „fernen Südosten“ gezogen, dass ich hier ein wirklich lehrreiches PJ verbringen kann. Ich versuche mal, ein wenig Resümee der Zeit zu ziehen:

Ich durfte meine Zeit in einem wunderbaren, sehr sympathischen Praxisteam verbringen. Dort hatte ich den Freiraum, mich in den verschiedensten Patientenkonsultationen zu üben und dabei zu beginnen, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich konnte viele, viele Patientengespräche anfangen, mir eigene Gedanken zu den Anliegen machen, Untersuchungen durchführen und dann Therapien vorschlagen. Dabei hat mich die wertschätzende Art von Herrn Hackl und das offene Vertrauen der Patient*innen immer wieder darin bestärkt, selbstbewusst meine Ideen und Vorschläge zu teilen. Profitieren konnte ich auch von der praktischen Anleitung in der Sonografie, den vielen Chancen diese zu üben und von den gemeinsamen, und dann auch selbstständigen, Wundversorgungen und -kontrollen.

Vier Monate und viele viele Patientenkonsultationen später, kenne ich nun also nicht nur einige Bayerischvokabeln mehr. Dank der geduldigen und freundlichen Art der Patient*innen war die „Sprachhürde“ übrigens auch nie ein wirklich großes Problem. Und ein bisschen werde ich den Dialekt auch vermissen... 

Vermissen werde ich auf jeden Fall auch meine Mit-PJlerinnen, die ich sehr gerne als Kolleginnen mitnehmen würde! Gerade von unseren PJ-internen Themenbesprechungen habe ich sehr profitiert. Dabei haben wir u.a. gelernt, wie Leitlinien zu nutzen sind und wo zuverlässige, an der Praxis orientierte Quellen zum Lernen und Nachschlagen zu finden sind. Und auch ansonsten war der Austausch und die gemeinsame Zeit mit den anderen PJlerinnen und jungen Ärztinnen wertvoll und bereichernd! 

Neben unseren selbstorganisierten Thementreffen gab es eine Vielzahl an Fortbildungsmöglichkeiten: Die regelmäßigen Fallbesprechungen, in die wir PJler so selbstverständlich mit einbezogen wurden, habe ich immer wieder als hilfreichen Rahmen empfunden, um Feedback und Hilfestellungen zu praktischen Fragen zu bekommen. Die Montagsbesprechungen haben mir persönlich nur wenig entsprochen, dafür waren die Journal Clubs spannende Gelegenheiten, um tiefergehend über die Qualität von Evidenz an verschiedenen Stellen in der Medizin nachzudenken. Gerade durch die Journal Clubs, gemeinsam mit unserem PJ-internen Austausch über Leitlinien, habe ich nochmal einen wichtigen Soft Skills der Medizin lernen können: Wie ich Informationen in der Medizin kritisch bewerte und mir gezielt zuverlässige Quellen als Grundlage meiner Patientenversorgung suche. Stichworte: Evidenzbasiert, nicht Eminenzbasiert... 

Zwischen den zum Teil langen Praxistagen, vielen Fortbildungen und Veranstaltungen, dem Schreiben von Erfahrungsberichten und organisatorischen Tätigkeiten rund um unser schönes Studierendenhaus, wurden die Wochen immer wieder sehr voll. Insgesamt arbeiten die Ärzt*innen der beteiligten Praxen mit einem hohen Selbstanspruch und auch das, was von uns Lernenden erwartet wurde, war anspruchsvoll und zeitintensiv. Dies ist einerseits genau das, was die Zeit hier so lehrreich gemacht hat, und andererseits immer wieder ein Übungsfeld gewesen: Es gilt hier, wie sicher auch später im ärztlichen Alltag, Prioritäten setzen zu können, sich manchmal von gefühlten oder tatsächlichen Erwartungen abzugrenzen und sich seiner eigenen Ressourcen – und Grenzen – bewusst zu werden. 

Insgesamt habe ich in diesem Tertial einige große Schritte von Studentin-sein zu Ärztin-sein machen dürfen. Würde ich das Tertial wieder hier verbringen? Auf jeden Fall! Denn die Zeit hier war - in vielen Aspekten - anspruchsvoll, aber sehr wertvoll und lehrreich, so wie ich es mir von meinem Allgemeinmedizin-Tertial gewünscht hatte. 

Ich wünsche dem Team und den Patient*innen weiterhin alles Gute! Und Euch zukünftigen PJler*innen viel Freude und Ausdauer beim Arbeiten und Lernen :)

Hannah Müller

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 16

Woche 1: 07.03. – 13.03.2022

Hallo ihr Lieben, die ihr vielleicht hier auf dieser Seite gelandet seid, weil ihr grade dabei seid euch umzuschauen, auf welches Fleckchen Erde und vor allem natürlich in welche Fachrichtung es euch für das anstehende PJ verschlagen könnte.

Ich bin Hannah, grade 26 Jahre geworden und arbeite im Moment daran, eine gute Ärztin zu werden.
Wie ich hier gelandet bin? Ich liebäugle schon sehr lange mit der Allgemeinmedizin, weil ich das Konzept eines ersten Ansprechpartners, der seine Patienten mit ihrem sozialen Hintergrund und ihrer Lebensgeschichte kennt, einfach gesagt großartig finde. Außerdem interessiert mich zu viel, als dass ich mich auf ein eingeschränkteres Fachgebiet festlegen könnte - ich fand die Gyn-Vorlesungen ebenso spannend wie die Rechtsmedizin. Meine Vorstellung eines Allgemeinmediziners ist eine Person, zu der die Patienten Vertrauen fassen und der auf einem sehr breiten Wissensgebiet den Patienten ganzheitlich berät, Leiden und Sorgen physischer und psychischer Art lindert und ja, auch mal weiter überweist. Genau das ist, finde ich, kein Zeichen von Inkompetenz, sondern von Professionalität, seine Grenzen zu kennen und bei Bedarf jeweilige Spezialisten hinzuzuziehen, um den Patienten bestmöglich zu betreuen. Und nun bin ich hier, in Kirchberg im Wald, um genau diese Stärken zu erlernen und zu vertiefen.
Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von „ersten Tagen“, und so bin ich, als ich am Sonntag vor Beginn des PJ-Tertials hier ankomme, trotz meines „Heimvorteils“ mal wieder mächtig aufgeregt, wie so immer, wenn etwas Neues ansteht. Als ich jedoch die Wohnung auf dem Kirchberg das erste Mal betrete, bin ich sofort verliebt und fühle mich, noch bevor alle meine Sachen ausgepackt sind, angekommen in diesen gemütlichen, einladenden vier Wänden.
Am gleichen Abend lerne ich auch noch meine Mit-PJlerin Caro kennen und habe auf Anhieb das Gefühl, dass die nächsten Monate gut werden.

In der ersten Woche im bayrischen Wald lerne ich die Praxisstandorte Kirchberg und Auerbach kennen. Die Tage stehen ganz unter dem Motto, das ich dem Tertial insgeheim schon vorher gegeben habe: „fördern und fordern“. Die Sprechstundenzeiten vergehen wie im Flug, ich lerne Dr. Machac, Dr. Kalmancai und Fr. Aicher sowie die medizinischen Fachangestellten kennen. Alle sind freundlich, nehmen einen herzlich ins Team auf und sind immer für alle Fragen offen. Auch an Gegenfragen mangelt es nicht, so dass meine Liste mit Stichpunkten, die ich auffrischen und nachlesen möchte, rasant wächst. Das Konzept, als Student zum Patienten vorzugehen, Anamnese und körperliche Untersuchung zu beginnen und nach einer Übergabe an den Arzt gemeinsam das weitere Procedere zu besprechen empfinde ich als sehr lehrreich und habe mit jedem Tag ein bisschen mehr das Gefühl, anzukommen und richtig mitzumachen. Gerade frisch aus dem Innere-Tertial stoße ich nun auch auf die Unterschiede zur Allgemeinmedizin. Hat in der internistischen Klinik kein Patient das Krankenhaus ohne EKG und Röntgenbild verlassen, lerne ich hier schnell, dass viel Diagnostik mit Erfahrung und „Kennen seiner Patienten“ ausgeglichen wird. Es gibt sogar eine Studie dazu, dass das Bauchgefühl eines Hausarztes in bestimmten Fällen besser ist als präklinische Diagnostik – spannend!
Neben den aufregenden Stunden in den Praxen dürfen wir diese Woche bereits in die ersten Besprechungen reinschnuppern. Dreimal pro Woche gibt es in der Mittagspause standortübergreifende Fortbildungen und Fallbesprechungen, in denen Wissen geteilt, interessante Fälle vorgestellt und über Fragestellungen diskutiert wird. Dieses geballte Wissen erfahrener Allgemeinmediziner zu erleben, macht richtig Lust darauf, sich weiterzubilden und die besprochenen Themen nachzulesen.
Gleichzeitig mit meinem PJ-Tertial beginnt auch der exzellente Winter 2022, ein Famulaturprojekt der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald. Neben der Arbeit in den Praxen erhalten die Famulanten Teachings zu den verschiedensten Themen und Fachrichtungen. Wir PJlerinnen sind auch dabei, teils als Tutoren, teils als Teilnehmer; so dürfen wir ebenfalls an Kursen zur Einführung in wichtige Recherchegrundlagen und Untersuchungstechniken teilnehmen und lernen auch die anderen Studenten kennen.
Rasend schnell geht die erste Woche vorbei und neben der natürlichen Vorfreude aufs Wochenende freue ich mich auch riesig auf den nächsten Montag und bin gespannt, was die kommende Woche bringen wird.

Mein Highlight der Woche

  • Kompetenz, Wissen, Haltung, Wertschätzung
    wichtige Werte, die vermittelt werden und einen guten Arzt von einem Arzt unterscheiden, sind bei jedem im Team erkennbar und machen den Einstieg hier sehr leicht.
     
  • Die Selbstständigkeit,
    mit der ich bereits in den ersten Tagen arbeiten durfte. Da ich mich diese Woche intensiver mit Grundlagen des Sono-Abdomen beschäftigt habe, weil es im Ultraschallkurs zu personellen Ausfällen kam und wir PJlerinnen als Tutoren eingesetzt wurden, hat es mir besonders Spaß gemacht, dieses aufgefrischte Wissen in der Sprechstunde in die Praxis umzusetzen und einige Patienten "vorzuschallen".
     
  • Der bayerische Wald
    zeigt sich die ganze Woche bei strahlendem Sonnenschein von seiner besten Seite, sodass wir den Sonntag für eine Runde Langlauf auf dem Bretterschachten nutzen und den Grundstein für den Sommerteint legen können. Der Bayerwald - einfach schee!

 

Woche 2: 14.03. – 20.03.2022

Zack, kaum einmal umgedreht, ist auch die zweite Arbeitswoche im bayrischen Wald schon rum. Ebenso ereignisreich wie Woche 1 fällt mir erst, als ich in Ruhe versuche meine Gedanken zu sortieren, auf, wie wohl ich mich schon fühle. Am Anfang der Woche bin ich erneut einige Tage in Auerbach bei Dr. Kalmancai, wo ich bereits einige Patienten kenne, die zur Wiedervorstellung kommen. So kann ich Wunden und Auskultationsbefunde im direkten Vergleich beurteilen und freue mich, den Patienten mitteilen zu können, dass es in die richtige Richtung geht. Patienten vor, während und nach einer Erkrankung zu sehen, den Verlauf zu beurteilen und deren Weg begleiten zu können, das bedeutet für mich Allgemeinmediziner und Hausarzt zu sein.

Den Rest der Woche verbringe ich in beim Team in Schöfweg. Auch hier beginne ich bereits Anamnese und körperliche Untersuchung und gebe Fr. Dr. Kleudgen dann eine kurze Übergabe. Immer wieder werde ich auch nach meinen Therapievorschlägen gefragt und erlange durch das gemeinsame Erörtern der Strategien auch mehr Selbstvertrauen, so dass ich bei häufigen Krankheitsbildern langsam beginne, bereits vorab mit den Patienten mögliche Therapiekonzepte zu besprechen.

Ich finde es sehr spannend, die Ärzte und Ärztinnen, denen ich zugeteilt bin, bei ihrer Arbeit zu beobachten. Alle sind super kompetent und wertschätzend im Umgang mit ihren Patienten und haben doch sehr unterschiedliche Arbeitsweisen, so dass ich versuche, mir möglichst viel abzuschauen und meine eigene Art dadurch etwas zu formen. Was ich an der Medizin so schön finde, ist, dass man mit allen Charakteren und Menschengruppen zusammenkommt, ob alt oder jung, männlich oder weiblich, mit oder ohne medizinischen Hintergrund; doch, dass diese Arbeit auch sehr fordernd sein kann, merke ich, als ich versuche, jedem Patienten gleichermaßen gerecht zu werden.

Auch außerhalb der Zeit in den Sprechstunden gibt es erneut viel zu lernen. War ich in der ersten Woche vom Konzept der ganzen standortübergreifenden Meetings in der Mittagspause noch etwas überfordert, macht es mir mittlerweile schon richtig Spaß bei kniffligen Fällen selbst zu überlegen, was ich noch machen würde. Einen Fall, den ich die Woche zuvor in der Praxis gesehen habe, stelle ich selbst kurz vor und bekomme postwendend einen detaillierten Therapievorschlag von einer Kollegin mit vertieftem dermatologischen Wissen.

Außerdem laufen auch die Teachings des exzellenten Winters 2022 weiter. Nachdem wir im EKG-Kurs als Tutoren mit dabei waren, setze ich das aufgefrischte Wissen in die Praxis um und schnappe mir in Schöfweg die EKGs, erstelle einen Befund und bespreche diesen im Anschluss mit Fr. Dr. Kleudgen. In den meisten Fällen funktioniert das auch schon gut, aber an der ein oder anderen Stelle bemerke ich doch noch Nachbesserungsbedarf. Da steht nun wohl der nächste Punkt auf meiner To-Do-Nacharbeiten-Liste für die nächsten Tage.

Neben der Fallvorstellung der Arztrunde, wo meist eher die weitere Diagnostik oder Therapieplanung im Fokus steht, gibt es auch für die Famulanten eine Fallvorstellungs-Runde, an der wir PJlerinnen ebenfalls teilnehmen dürfen. Ein Teilnehmer stellt einen Fall aus der Praxis vor und wir besprechen gemeinsam und strukturiert nach Ursachen (entzündlich, maligne, …), welche Krankheitsbilder zu den beschriebenen Symptomen passen könnten. Brauchen wir jetzt gemeinsam noch für jeden Fall eine gute halbe Stunde, ist das doch der Grundstein dessen, was später in der Sprechstunde und mit einiger Erfahrung blitzschnell im Kopf ablaufen wird.

Erwähnenswert sind auch die kulinarischen Genussmomente dieser Woche. Nach 4 Monaten in der Krankenhauskantine (und hierbei handelte es sich schon um eine recht ausgewogene Küche), wo coronabedingt die Tische einzeln gestellt waren, so dass jede Mahlzeit an eine Abiturprüfung erinnert hat, schmeckt das selbstgekochte und gemeinsame Essen umso besser. Ich finde es immer wieder inspirierend, welche Rezepte andere Personen aus dem Hut zaubern und so steuern wir beide etwas zu den gemeinsamen PJ-Kochabenden bei und genießen Erbsenrisotto, Quiche und selbstgemachte Pizza.

Mein Highlight der Woche

  • Der Nahtkurs im Rahmen des exzellenten Winter 2022 im Krankenhaus im Zwiesel. Einmal die Scheu vor den Schweinefüßen überwunden, können sich die Knoten nach einiger Zeit sehen lassen und das Grauen vor dem gefürchteten Satz des noch anstehenden Chirurgie-Tertials „der PJler macht zu“ lässt langsam nach. Vielen Dank, dass wir dabei sein durften, die Nahttechniken zu üben hat riesig Spaß gemacht!
     
  • Meine mittlerweile schon sehr lieb gewonnene Mit-PJlerin und WG-Nachbarin Caro, die das erste Mal einen Recyclinghof betritt und vor Freude über das grandiose System ganz  aus dem Häuschen ist.

 

Woche 3: 21.03. – 27.03.2022

Die ersten Tage dieser Woche verbringe ich in Erlangen. Um später in der Klinik Röntgen und CT-Anforderungen ausstellen zu dürfen, bedarf es einer Teilnahme am Strahlenschutzgrundkurs. Da man im PJ dafür freigestellt wird und für Studenten die nicht irrelevante Anmeldegebühr erlassen wird, ist eine Teilnahme daran während des PJ empfehlenswert, der Kurs ansonsten: nennen wir es mal eine „Notwendigkeit“. Trotz der für mein Empfinden nicht unbedingt verfliegenden Stunden des Kurses genieße ich es doch, nachdem ich auch das erste Tertial bereits nicht in Erlangen verbracht habe, mal wieder ein paar Tage am Stück dort sein zu können. Trotzdem freue ich mich sehr auf den Rest der Woche und die damit verbundene Rückkehr in den Praxisalltag.

Die Vormittage verbringe ich in Kirchberg und dort ist es, wie bereits in den vorherigen Wochen, zackig und lehrreich. Dr. Machacs Ausführungen zu folgen ist sehr spannend, aber auch herausfordernd und die Antwort auf alle seine Fragen zu wissen so gut wie unmöglich.

In der wöchentlichen Fallvorstellung stelle ich den Fall einer Patientin vor, deren Finger aus heiterem Himmel blau geworden ist - kein Trauma, keine Durchblutungsstörung bekannt, kein Schmerz, voller Bewegungsumfang, quasi keine Vorerkrankungen. Von den Ärzten und Ärztinnen, sowie den Studierenden des Famulaturprojekts werden verschiedene Möglichkeiten in den Raum geworfen, die ich mir allesamt notiere. Mit diesen Ideen im Hinterkopf werde ich den Fall nun weiterverfolgen. Ihr könnt euch an dieser Stelle ja schon mal Gedanken machen, welche Ideen ihr so habt; wenn es spannende Neuigkeiten vom Finger der Patientin gibt, werde ich wieder berichten.

Auch in dieser Woche gibt es neben der Arbeit in den Praxen wieder verschiedene Teachings für die Famulanten und wir PJlerinnen sind natürlich wieder gerne mit dabei.

Einen Nachmittag widmen wir uns den Kleinsten unserer Patienten. Frau Dr. Pinker und Frau Dr. Schell-Waininger sind beide als Allgemeinmedizinerinnen auch viel pädiatrisch tätig und teilen auf sehr persönlicher Ebene ihr Wissen mit uns. Für mich, nachdem ich bereits zwei Famulaturen in der Pädiatrie verbracht habe und auch sonst immer ein großes Faible für die Medizin mit den kleinen Menschen hatte, ist es besonders spannend, die beiden sympathischen Ärztinnen auszuquetschen, wie genau die Voraussetzungen sind, um als Allgemeinmedizinerin auch Kinder zu behandeln. Im Anschluss kommen einige Kinder aus dem Ort mit ihren Mamas zu uns und lassen sich gegen eine kleine Bestechung mit Keksen und Kuchen von uns untersuchen. Einen großen Respekt an die Kleinen, die sich so furchtlos und ausdauernd von uns untersuchen haben lassen und einen ganz großen Dank an die Mamas, die uns diese Möglichkeit gegeben haben.

Am Samstag widmen wir uns dann den Ältesten unserer Patienten. Wir bekommen von ärztlicher, physiotherapeutischer, ergotherapeutischer und menschlich-sozialer Sicht Einblicke in die Versorgung im geriatrischen Bereich. Wir sortieren die Medikamente eines Patienten neu, erfahren wie ein geriatrisches Assessment abläuft und versetzen uns mit Hilfe von kleinen Tricks wie zusammengebundenen Schuhbändern, Verbänden und Schallschutzkopfhörern in die Situation von Parkinsonpatienten, Patienten nach Amputation und schwerhörigen Personen. Mit einfachen Hilfsmitteln ist es uns möglich, eine Ahnung davon zu bekommen, welche Schwierigkeiten im Leben unserer Patienten auftreten.

Zurzeit ist einer der Famulanten aus dem Famulaturprojekt ebenfalls in Kirchberg untergebracht und so machen wir nach einem Teaching gemeinsam eine Tour durch die wunderschöne Natur des Hochmoors Todtenau und lassen den Abend im Anschluss bei einem gelungenen Kochexperiment ausklingen.

Zwischen all den spannenden Praxiseinsätzen, lehrreichen Teachings und dem bayrischen Wald bei strahlendem Sonnenschein versuche ich mal wieder Zeit dafür zu finden meine To-Do-Recherche-Liste abzuarbeiten und ganz nebenbei würde auch noch eine Doktorarbeit darauf warten, weiter bearbeitet zu werden…nun ja, dafür wird es schon noch irgendwann Regentage geben. Solange der Frühling mit voller Kraft zurückkommt, zieht es mich vorerst eher nach draußen und so treffe ich mich zum Wochenabschluss mit einer Freundin zum Wandern und hole mir trotz Sonnencreme prompt rote Bäckchen.

Mein Highlight der Woche

  • PJ-Unterricht der ganz besonderen Art
    Bei selbstgekochten Paprika mit Quinoa-Feta-Füllung und Ofenkartoffeln besprechen wir mit Frau Aicher die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen und die wesentlichen Aspekte des Check-Up 35, damit wir in Zukunft jeden Punkt im Patientenkontakt sorgfältig umsetzen können. So lernt es sich leicht, denn Wissen geht ja bekanntlich durch den Magen!

Woche 4: 28.03. – 03.04.2022

Zuerst dachte ich noch, ich werde diese Woche einsam und allein auf dem Kirchberg verbringen, da meine Mit-PJlerin ihren wohlverdienten Urlaub genießt, aber zum Glück falsch gedacht: zuerst leistet mir einer der Famulanten des Exzellenten Winters noch Gesellschaft, Ende der Woche stattet eine potenzielle zukünftige PJlerin Kirchberg einen Besuch ab und beschließt, gleich auch noch für das Wochenende hierzubleiben. Der Winter ist nochmal zurückgekehrt und zaubert eine wunderschöne Schneelandschaft und da gerade auch mein Freund zu Besuch da ist, erkunden wir die Gegend am Samstag zu dritt. Ich erzähle ein bisschen von meinen ersten Wochen hier und hoffe, Lisa endgültig vom PJ-Tertial Allgemeinmedizin hier überzeugen zu können, wobei das nach dem Probearbeiten am Freitag keine große Mühe mehr ist.

Die ersten Tage der Arbeitswoche verbringe ich in Auerbach, wo ich bisher am meisten eingesetzt war, weshalb es sich dort schon sehr heimelig anfühlt und ich mir gut vorstellen kann, noch mehr Zeit dort zu verbringen. Sobald wir durch alle Standorte rotiert sind, steht die Entscheidung an, wo wir hauptsächlich mitarbeiten wollen, damit wir uns dort gut einarbeiten, die Abläufe und vor allem die Patienten besser kennenlernen können. Ein bisschen werde ich mir aber auch die anderen Praxen noch ansehen, da alle Ärzte, die ich bisher kennengelernt habe, sehr sympathisch und motiviert zu lehren sind. Diese Woche lerne ich auch Dr. Purmann kennen und arbeite das erste Mal mit Dr. Blank zusammen. Beide haben eine sehr wertschätzende Art im Umgang mit Patienten und ich erhalte erneut einen Einblick in individuelle Arbeitsweisen erfahrener Ärzte, sodass ich sicher versuchen werde, mir das ein oder andere von ihnen abzuschauen. Die Arbeitswoche bringt auch wieder viele spannende medizinische Fälle und so werde ich an meinem Nachmittag mit Dr. Blank zur 1. OP-Assistenz befördert, als wir einen recht großen Nävus bei einem Patienten entfernen.

Auch im bayrischen Wald kommen mittlerweile ukrainische Geflüchtete an, darunter viele Kinder; allen gemeinsam sind die schrecklichen Ereignisse, die sie zum Verlassen ihres Heimatlandes gezwungen haben. Um den Menschen die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen, nimmt sich Dr. Ebner von der KJP Deggendorf eineinhalb Stunden Zeit für die Ärzte der Region und erklärt anschaulich und praktisch orientiert, wie man in der hausärztlichen Versorgung bestmöglich unterstützend tätig sein kann. Eine großartige Fortbildung, die den Umgang mit Patienten, denen Schlimmes widerfahren ist, auf jeden Fall positiv prägen wird.

Es ist die letzte Woche des Exzellenten Winters und damit finden auch die letzten Teachings in diesem Rahmen statt, darunter eines zum Thema Kreuzschmerz, das sicher einer der häufigsten Beratungsanlässe in der Hausarztpraxis ist. Orthopäde ist offen gesagt so gar nicht mein Steckenpferd, was ich gerne auf die nicht besonders gute Lehre meiner Heimatuni in diesem Fach schiebe. Ob faule Ausrede oder die Wahrheit hilft es trotzdem nichts, ich werde meine Kenntnisse in diesem Bereich ausbauen müssen und so folge ich gespannt den Erläuterungen von Dr. Buvar und versuche mir die Untersuchungstechniken einzuprägen und zu üben, damit ich bei der nächsten Vorstellung eines Patienten mit Rückenschmerzen direkt mit der körperlichen Untersuchung loslegen kann.

Weil die Lehre und vor allem das Famulaturprojekt hier so einzigartig sind, werden wir Studierende mit dazugehörigen Lehrärzten einen Abend von Vertretern des Landkreis Deggendorf auf ein Abendessen in geselliger Runde eingeladen. Herr Fischer ist sehr interessiert an den Berichten der Famulanten und am Projekt des Exzellenten Winters. Vielleicht kann die damit einhergehende Aufmerksamkeit ja dabei helfen, dieses bisher einzigartige Projekt auch an anderen Orten aufzubauen und damit noch mehr Studierenden die Möglichkeit zu solch außergewöhnlicher Lehre bieten.

Mein Highlight der Woche

  • 1h Check-Up. Der Status als PJler, irgendwie noch Student, aber doch schon etwas an gesammelter Erfahrung und Wissen, irgendwie schon ein kleines bisschen Arzt, aber ohne die damit einhergehende Verantwortung; genau diese Zwischenstufe und die Zusammenarbeit mit Ärzten, die dies möglich machen, erlauben mir den Luxus, mir für die Patienten viel Zeit zu nehmen, die ich aktuell als unerfahrene angehende Ärztin noch brauche und wie ich sie im späteren Arbeitsleben wahrscheinlich leider nicht immer haben werde. Dank sehr geduldiger Patienten kann ich so viele Anamnesegespräche und Untersuchungen sehr ausführlich und selbstständig durchführen.
     
  • Das Konzept einer Balint-Gruppe war für mich bisher eher ein nicht näher definierter Begriff- irgendwas mit „Gesprächsrunde“, irgendwas mit „schwierige Patientensituation“. Dieses Konzept in einer von Dr. Werner professionell geleiteten Runde mit den anderen Studierenden auszuprobieren und zu erleben, wie wir eine einzige kurze Situation, die eine Studentin schildert, eineinhalb Stunden bearbeiten und wie wir alle daraus viel für unseren individuellen Entwicklungsprozess lernen können, ist beeindruckend.

Woche 5: 04.04. – 10.04.2022

Manch einer von euch mag noch mit sich ringen, ob das PJ hier das Richtige ist. Vom Lerneffekt, der Betreuung und dem sozialen Aspekt, dürften euch die Berichte mittlerweile mehr als überzeugt haben, aber ich kann verstehen, dass der ein oder andere Großstadtmensch noch etwas zögern mag, in einen Ort Namens Kirchberg im Wald zu ziehen…Nun, ich kann nicht ganz verleugnen, dass in Kirchberg vielleicht nicht grade so viel los ist wie „zMinga am Stachus“, aber in Kirchberg aufm Kirchberg, soviel kann ich euch versichern, da „steppt diese Woche der Bär", wie meine Oma sagen würde. Zu uns beiden PJlerinnen gesellen sich die beiden Blockpraktikantinnen Nina und Caro und für einen kurzen Besuch kommt noch Andreas dazu, der ebenfalls fürs PJ Probearbeiten will. So verbringen wir recht gesellige Abende in unserer neu zusammengewürfelten WG und auch kulinarisch lassen wir es uns mal wieder gut gehen.

Die Arbeitswoche verbringe ich größtenteils in Lalling und lerne dort Fr. Dr. Takacs und Fr. Dr. Hill kennen, beide sehr sympathische Ärztinnen, bei denen man merkt, wie sehr ihnen das physische und psychische Wohl ihrer Patienten am Herzen liegt. Außerdem lerne ich noch Fr. Quaderer kennen, die gerade als neue Ärztin in der Praxis begonnen hat. Ich finde es sehr spannend, mich mit ihr über ihren bisherigen Studien- und Berufsweg zu unterhalten, da auch sie als PJlerin im Bayerwald war und nun zurückgekehrt ist. An Dr. Blanks Aussage, dass die Arbeit im Bayerwald süchtig macht, wie er immer wieder gerne betont, scheint wohl doch etwas dran zu sein, habe ich nun doch schon mehrere Ärzte und Studenten kennengelernt, die es immer wieder hierherzieht.

In dieser Woche habe ich auch den Fall der Patientin mit dem blauen Finger weiterverfolgt. Ich hoffe, ihr habt ebenfalls überlegt, welche Ursachen in Frage kommen. In der Fallvorstellung hatten wir im Brainstorming verschiedene Ideen von Trauma über Kollagenosen und Vaskulitiden. Tatsächlich kam es bei dieser Patientin zu einer Spontanremission und somit erfolgte keine weitere Diagnostik. Die Diskussion in der Fällebesprechung war trotzdem sehr spannend, da ich auch ein weiteres Krankheitsbild, das in die Runde geworfen wurde, kennengelernt habe- das Achenbach-Syndrom. Welche Diagnose es nun auch immer gewesen sein mag, der Lerneffekt für mich ist sicherlich, dass ich von nun an bei ähnlichen Beschwerdebildern schnell die möglichen Differentialdiagnosen im Kopf haben werde.

Meetings, Meetings, Meetings: da ich krankheitsbedingt diese Woche kurzzeitig in der Praxis ausfalle, habe ich die Möglichkeit, das ganze Spektrum der gebotenen Besprechungen mitzunehmen und ich bin begeistert. Wenn ich auch oft nicht viel beitragen kann, weil es mir an Erfahrung mangelt, finde ich es immer wieder beeindruckend, wie so viele erfahrene Ärzte und Ärztinnen die unterschiedlichsten Themen besprechen und versuche, so viel wie möglich aufzusaugen. In der Montagsbesprechung geht es diese Woche um Leberwerterhöhungen, in der praxisinternen, sowie in bayernweiten Fällebesprechungen werden spannende allgemeinmedizinische Fälle aufgearbeitet und das weitere Procedere besprochen. Außerdem komme ich in den Genuss, da in der internistischen Fallvorstellung nur wenige Teilnehmer sind, sozusagen eine Privatfortbildung über Blutgasanalysen zu bekommen. Weiterhin beschäftigt auch der Ukraine-Krieg in medizinischen Fragen, deshalb gibt es in einer Mittagspause einen 30 Min-Vortrag zu erwartenden Infektionen bei Geflüchteten und der Resistenzlage von Keimen in der Ukraine. Außerdem nehme an einem Abend das erste Mal am Format des Journal-Club teil; kurz gesagt geht es darum, einen Überblick über die Wichtigen der vielen, vielen täglich neu veröffentlichten Studien zu behalten; so kann jeder, der auf etwas Interessantes stößt, dieses vorstellen und alle profitieren von diesem Wissen, ohne dass ein Einzelner die ganze Flut der Neupublikationen durchforsten muss. Nach dem ganzen Input diese Woche schwirrt der Kopf bei der Aufgabe, sich alles zu merken und so hoffe ich ein bisschen drauf, dass sich das Wissen an einem entspannten Wochenende ganz von allein beim drüber schlafen festigt.

Mein Highlight der Woche

  • Sonokünste
    Ich würde mich nicht unbedingt als den größten Sono-Guru bezeichnen, aber langsam und sicher merke ich schon, wie ich durch die Übung hier etwas sicherer und routinierter im Umgang mit den Ultraschallsonden werde. Diese Woche hatte ich gleich zweimal das Erfolgserlebnis, dass ich pathologische Befunde bei Patienten gesehen, erkannt und richtig eingeordnet habe- zum Glück in beiden Fällen nichts sehr Ernsthaftes für die Patienten- aber für mich doch ein kleines Hochgefühl.

 

Woche 6: 11.04. – 17.04.2022

Nachdem Caro und ich mittlerweile fast alle Praxisstandorte und Praxismitarbeiter kennengelernt haben, haben wir nun die Qual der Wahl, wo wir von nun an mitarbeiten wollen. Um etwas mehr Kontinuität in den Alltag zu bringen und die Praxen noch besser kennenzulernen, gehen wir in einen 2-Wochen-Rhythmus über, den ich in der Praxis in Auerbach beginne.

Wie immer macht es sehr viel Freude dort mit Dr. Kalmancai und wechselnder Unterstützung durch Fr. Quaderer, Dr. Purmann, Fr. Aicher und Dr. Hill zu arbeiten. Auch an Patienten mangelt es nicht und so kann ich erneut die verschiedensten Krankheitsbilder anamnestizieren und mit der Therapieplanung beginnen- gleich am Montag früh steht auch ein Patient mit „verstopftem Ohr“ auf dem Plan. Fast freue ich mich ein bisschen, denn das bedeutet: Ohrspülung! Vom ein oder anderen Arzt schon dafür belächelt, sind Ohrspülungen trotzdem aktuell das absolute Highlights der Medizinerinnen-WG auf dem Kirchberg und es steht kurz davor, Strichlisten einzuführen, wer im Kopf am Kopf Rennen um die meisten Ohrspülungen vorne liegt. Der Hintergrund: auch wenn mir der Arztberuf sehr viel Freude macht, muss man doch manchmal ehrlich zugeben, dass es frustrierend sein kann, immer und immer wieder Medikamente oder Verordnungen zu verschreiben, die nicht die gewünschte Linderung erbringen. Bei so einer Ohrspülung nun aber, so banal es klingt, ist der eintretende Vorher-Nachher-Effekt enorm, was wohl der Grund für unsere -wie nebenbei angemerkt auch der Patienten- anhaltende Begeisterung sein dürfte.

Ansonsten beschäftigt mich diese Woche das Thema „ärztliches Bauchgefühl“. Gleich Anfang der Woche wird ein Patient antibiotisch behandelt, weil er auch ohne auskultatorisch klare Pneumoniezeichen für den erfahrenen Arzt zu krank für eine symptomatische Therapie war – ehrlicherweise hätte ich in dieser Situation anders entschieden. Im Anschluss unterhalte ich mit dem behandelnden Arzt lange über diese Entscheidung und über meine Angst, dass es mir an Bauchgefühl mangelt und mir so einmal kranke Patienten „durch die Lappen gehen könnten“. Dieser Fall und damit einhergehend die Unsicherheit, ob ich neben fachlichen Kompetenzen und evidenzbasierter Entscheidungsfindung auch über ein ärztliches Bauchgefühl verfüge, beschäftigt mich einige Tage, bis ein Patient in der Praxis erscheint, der gerne Medikamente gegen Übelkeit verschrieben bekommen würde. Als der Patient seine Beschwerden schildert und ich die Untersuchung durchführe, gehen bei mir alle Alarmglocken an und es widerstrebt mir, diesen Patienten lediglich mit einer Tablette nach Hause zu schicken. Der behandelnde Arzt sieht das ebenso und für den Patienten geht es leider ab ins Krankenhaus. Auch wenn dies keine besonders schöne Anekdote aus dem Praxisalltag ist, war es für mich doch eine sehr lehrreiche Situation, da ich erkennen konnte, dass ich, auch wenn er vielleicht noch trainiert werden muss, doch über den richtigen Riecher verfüge.

Auf dem Kirchberg geht bis auf einen Heizungszwischenfall alles seinen gewohnten Gang. Nachdem es letzte Woche nochmal ordentlich geschneit hatte und das Auto morgens freigekratzt und ausgebuddelt werden musste, kommt diese Woche der Frühling mit ganzer Kraft zurück und die dicken Jacken werden endgültig eingewintert. Das hebt bei allen die Stimmung und so starten wir gut gelaunt in ein langes Osterwochenende.

Mein Highlight der Woche

  • Muskelkater vom Feinsten: ist die Motivation für den Arbeitsalltag noch so groß, ist der Ausgleich dazu doch ebenso wichtig. Deshalb ziehen wir diese Woche unser Sportprogramm konsequent durch und machen einen sehr herausfordernden und sehr lustigen Ausflug in die Boulderhalle, der sich auch an der Stärke des Muskelkaters gemessen sehr gelohnt hat
     
  • Kleinchirurg: schon das ganze Studium über haben mich die internistischen Krankheitsbilder und die vielen Stoffwechsel- und Herzkreislauf-Zusammenhänge, die dahinter versteckt sind, mehr gefesselt als die großen chirurgischen Eingriffe. Doch an der Allgemeinmedizin fasziniert mich gerade die Vielseitigkeit der Krankheitsbilder und so merke ich diese Woche, als wir gerade einen Abszess eröffnen, wieder einmal, dass es mich doch sehr reizt, diese chirurgischen Fähigkeiten, wie auch kleine Nävi zu entfernen, einfache Platzwunden zu nähen etc., zu erlernen, um später im Praxisalltag ebenfalls als „Kleinchirurg“ arbeiten zu können.

Woche 7: 18. – 22.04.2022

Nach dem verlängerten Osterwochenende geht es voller Tatendrang zurück in den Praxisalltag - und den Tatendrang braucht es auch, denn es ist ein turbulenter Start in die Woche. Über die Osterfeiertage haben sich viele Beratungsanlässe bei unseren Patienten angesammelt und so ist bereits vor Sprechstundenbeginn das Wartezimmer voll; da ist es gar nicht so einfach, den Spagat zwischen kurzen Wartezeiten und ausreichend Zeit für die Beschwerden der Patienten zu meistern.

Auch diese Woche fällt mir die Vielfältigkeit auf, als ich direkt hintereinander Patienten mit dermatologischen, neurologischen und psychischen Fragestellungen mitbehandeln kann. Und wieder einmal wird mir bewusst, dass es gerade diese Vielfältigkeit ist, die die Allgemeinmedizin für mich so spannend macht. Doch natürlich ist das auch eine besondere Herausforderung, auf allen Gebieten gut ausgebildet zu sein. Um meine größten Lücken nacheinander aufzufüllen, habe ich mir deshalb für diese Woche vorgenommen, meine Fähigkeiten bei orthopädischen Untersuchungen und in der Wundversorgung auszubauen.
Nachdem ich am Wochenende zuvor ein Übungsobjekt geschnappt habe, kommen gleich am ersten Tag drei Patienten mit Hüft- und Knieschmerzen in die Sprechstunde, sodass ich mein aufgefrischtes Wissen gleich in die Tat umsetzen kann. Auch einen Patienten mit Schürfwunden nach einem Unfall nehme ich mit ins Sprechzimmer und versuche mich bestmöglich zu kümmern; „versuche“ trifft es tatsächlich ganz gut, denn habe ich mich grade noch drüber gewundert, dass mich der Patient fragt, was der Unterschied zwischen den stark brennenden und den weniger brennenden Desinfektionsmitteln ist, weist mich die Wundversorgungsexpertin leise drauf hin, dass ich statt der Wunddesinfektion das Hautdesinfektionsspray erwischt habe. Der Patient erhält von uns offiziell die Auszeichnung „hart im Nehmen“, da er, anstatt von der Liege zu hüpfen lediglich ein bisschen gezuckt hat. Er nimmt es mit Humor, als ich ihm erkläre, „dass schließlich auch nur scheußlich schmeckende Medizin gut hilft“ und ist mir zum Glück nicht böse, als er die Praxis schmunzelnd verlässt. 1:0 für die Wundversorgung – da werde ich meine Fähigkeiten noch ausbauen müssen.
Doch am Ende des Tages sind trotz einigem Trubel alle Patienten bestmöglich behandelt.

Um bestmögliche Behandlung geht es auch in einem Online-Seminar für Studenten der Universität Krems. Im Rahmen der Vortragsreihe „Werte in der Landarztmedizin“ bin ich als Tutor dafür zuständig, mit Studienanfängern schon zu Beginn ihrer Karriere zu erarbeiten, wo evidenzbasierte Informationen zu finden sind. Auch wenn der Weg bis zum ersten eigenen Patienten in der Sprechstunde gerade zu Studienbeginn noch sehr lange scheint, ereilt jeden Medizinstudenten auf dem Weg dorthin garantiert das Schicksal, auf einer Familienfeier oder im Freundeskreis um ärztlichen Rat gefragt zu werden. Und wenn dann am Geburtstag von Onkel Rudi Großtante Berta angewackelt kommt, weil sie mal wieder Problem XYZ hat und jetzt von uns, weil „quasi ja schon Arzt“ wissen möchte, was sie dagegen tun kann, dann möchten wir sie halt gerne trotzdem gut beraten und sie nicht mit dem erstbesten Google-Suchergebnis abspeisen. Am Ende der Veranstaltung hoffe ich den Studenten einen Leitfaden mitgegeben zu haben, wo sie gute Leitlinien finden, wie diese auch mal hinterfragt werden können und, welche Quellen man Patienten zur Eigenrecherche nennen kann, damit die interessierte Großtante Berta in Zukunft vorab auch schon mal selbst nachlesen kann.

Eine Wanderung zum Geißkopf und ein erneuter Besuch im Café Fledermaus rundet diese aufregende Woche ab. Den Rest des Wochenendes nutze ich, um ein paar Punkte zu recherchieren und Energie für die kommende Woche zu tanken.

Mein Highlight der Woche

  • Nachdem ich mit Einwinterung der dicken Jacke beschlossen habe, dass nun endgültig Frühling ist und auch mein gutes Fahrrad nach Kirchberg transportieren konnte, eröffne ich abends mit einer kleinen Runde die Radlsaison. So ganz hat das Wetter meine Pläne noch nicht verinnerlicht und es doch noch ganz schön zapfig, als ich den Berg hinuntersause. Allerdings wird es mir spätestens, als ich den Kirchberg zu bezwingen versuche doch ganz schön warm und ich bin froh, als ich nach der schönen Runde durch die Umgebung ganz schön außer Puste wieder zuhause ankomme.

Woche 8: 25.04. – 01.05.2022

Diese Woche ist der Wurm drin. Weil Caros Arm, meine Brille, das Praxisauto (bzw. ein anderes Auto, weshalb das Praxisauto nicht verfügbar ist) und der Ärzteplan aufgrund Krankheit kaputt sind, ist auch unser Plan völlig im Eimer. Statt wie geplant in Lalling verbringe ich deshalb den Großteil der Woche in Auerbach, was keineswegs schlimm ist, denn auch diese Woche vergeht die Zeit dort wie im Flug und ich sehe viele verschiedene Krankheitsbilder. Mit der Zeit werde ich auch von den Patienten wiedererkannt und freue mich, wenn ich den Krankheitsverlauf nicht nur nachlesen, sondern aktiv mitverfolgen kann.

Bei eher durchwachsenem Wetter bin ich froh, als ich gemeinsam mit einer der Blockpraktikantinnen, die seit dem Wochenende mit uns in Kirchberg wohnen, die Mittagspause für einen ausgedehnten Spaziergang rund um Auerbach nutzen kann. Wir wandern vorbei am See und treffen die Auerochsen bzw. deren Nachfahren (eine Infotafel musste die Lücke in der Allgemeinbildung, dass Auerochsen schon vor langem ausgestorben sind, auffüllen), die sich leider so gar nicht für uns interessieren. Dafür gackern uns die Hühner, die ihr glückliches Leben inmitten von gelben Butterblumen sichtlich genießen, ganz aufgeregt hinterher. Das Mittagstief durch die frische Luft überwunden, starten wir motiviert in den Praxisnachmittag.

Zwischen den vielen, vielen Krankheitsbildern, die ich diese Woche sehe, verbirgt sich ein typischer Fallstrick der Allgemeinmedizin bzw. Kinderheilkunde. Und obwohl tausendmal in den Lehrveranstaltungen durchgekaut, obwohl tausendmal das richtige Kreuzchen in unzähligen Prüfungen gesetzt, ist es doch im Praxisalltag gar nicht so leicht, die Differentialdiagnosen zu unterscheiden: ein junger Patient (wirklich jung, nicht medizinisch jung), Teenageralter, stellt sich mit starken Halsschmerzen vor; der Allgemeinzustand ist außer schmerzbedingt nicht allzu sehr beeinträchtigt, der Rachenring hochrot, jedoch nicht eitrig. Trotz ausführlicher körperlicher Untersuchung und Zuhilfenahme des Center-Scores geht mir erst bei der Abdomensonographie und der Vermessung der Milz langsam ein Licht auf, weshalb das verordnete Antibiotikum nicht den erwarteten Effekt hatte…

Auch fortbildungsmäßig ist diese Woche wieder viel geboten: in der Mittagspause können wir einem Vortrag zu Klima und Gesundheit lauschen. Obwohl mir das Thema sehr am Herzen liegt, habe ich zuerst keine konkrete Vorstellung, wie man das Thema Klimaschutz im Gesundheitswesen, wo Hygiene und damit zwangsweise oft die Verwendung von Einmalprodukten im Vordergrund steht, integrieren kann. Das ändert sich mit dem Vortrag jedoch schlagartig. Angefangen beim Einsatz von E-Autos als Praxisfahrzeuge für Hausbesuche (die Praxis im bayrischen Wald hat hier bereits Vorbildfunktion) über Ökostromanbieter bis hin zu Medikamenten, gibt es Ansatzpunkte für aktiven Klimaschutz. Zum Beispiel wusste ich bisher nicht, dass bei Inhalativa, wie sie z.B. bei Asthma bronchiale verschrieben werden, die Pulverinhalatoren deutlich besser als Dosieraerosole sind, da dort keine Treibgase verwendet werden müssen.

Mein Highlight der Woche

  • Vom Feinsten - diese Woche geht es uns kulinarisch gesehen mal wieder sehr gut. Essenstechnisch ist die aktuelle WG-Besetzung mit den neu angereisten Blockpraktikantinnen Katha und Chrissi voll auf einer Wellenlänge und wir genießen lecker Curry, Linsensalat, Gemüse mit Erdnussdip und Co.
  • Gipfelglück - obwohl (fast) als Bayerwald-Kind aufgewachsen, hatte ich es bisher noch nicht auf den Lusen geschafft. Umso mehr freue ich mich, als wir uns am Wochenende auf den Weg dorthin machen. Mit seinem felsigen Gipfel und der steil ansteigenden Himmelsleiter dorthin hat der Berg einen ganz besonderen Charakter. Gestärkt mit leckerem Zwetschgendatschi meistern wir auch den Rückweg.

Woche 9: 02.05. – 08.05.2022
Ab dieser Woche kommt frischer Wind in den Arbeitsalltag – es stehen Hospitationen an. Im Rahmen des PJ bekommt man hier die Möglichkeit, für ein paar Tage bei Ärzten verschiedener Fachrichtungen reinzuschnuppern. Ich beginne mit zwei Tagen in der HNO-Praxis Dr. Metzler/Sailer in Vilshofen. So habe ich die Möglichkeit, den Spezialisten über die Schulter zu schauen und versuche mich an Ohrreinigungen „next level“ - nicht nur ein bisschen Spülen, sondern unter Mikroskopkontrolle mittels Sauger und Häkchen werden hier die Gehörgänge durchgeputzt. Außerdem kann ich mitverfolgen, wie Hörtests ablaufen, ab wann die Indikation für ein Hörgerät besteht und –  für mich besonders interessant – wie Schwindel weiter abgeklärt wird. Denn genau darum geht es für mich bei den Hospitationen, die Schnittstelle Allgemeinmedizin/ spezifische fachärztliche Versorgung kennen zu lernen und einen Einblick zu bekommen, welche Möglichkeiten es in einer Facharztpraxis zur weiteren Diagnostik gibt und daraus resultierend, mit welchen Beschwerden die Überweisung eines Patienten zu fachärztlichen Kollegen überhaupt sinnvoll ist. Ich werde sehr freundlich in der Praxis aufgenommen und in den Praxisablauf integriert, darf überall mitschauen und einen Vormittag nimmt mich Fr. Sailer sogar mit in den OP, wo zweimal pro Woche HNO-Patienten operiert werden. An diesem Vormittag stehen zwei Punkte auf dem OP-Plan, eine Tonsillotomie bei einem Kind, dessen Atemwege durch die großen Mandeln eingeengt sind und die Entfernung eines Nasennebenhöhlenpolypen, die sich als sehr aufwendig und fordernd entpuppt, sodass die Spannung im Saal zum Greifen und das Erfolgsgefühl nach Beendigung des Eingriffs groß ist. Am Nachmittag sehe ich zum ersten Mal einen Patienten mit Nystagmus und finde, es bedarf einiges an Konzentration, die schnelle und die langsame Komponente voneinander zu unterscheiden.

Zurück in der Allgemeinmedizin verbringe ich den Rest der Woche in der Praxis in Lalling. Es herrscht wie immer voller Praxisbetrieb und ich versuche möglichst viel bei Anamnese und körperlicher Untersuchung vorzuarbeiten. Es gibt immer mehr Krankheitsbilder, von denen ich eine genauere Idee habe, wie vorzugehen ist und ich merke, wie im Verlauf des Tertials sowohl mein fachliches Wissen als auch mein Selbstvertrauen, Patienten gut betreuen zu können, wachsen.

Nach dieser ereignisreichen, aber aufgrund weiter Autostrecken bewegungsarmen Woche lautet die Devise am Wochenende: raus an die frische Luft! Davon kann auch das regnerische Wetter nicht abhalten. So erkunde ich eine neue Kurzwanderung, bei der man (fast) von der Haustüre aus loslaufen kann. Auch wenn die Runde eher weniger die sportliche Leistungsgrenze ausreizt, macht die Bewegung in der Natur Spaß und die Aussicht nach der Gipfelbesteigung des Plattensteins lohnt sich.

Mein Highlight der Woche

  • Sonokurs: In der Mittagspause nimmt sich Fr. Dr. Krenn Zeit für eine Ultraschalleinheit. Wir üben strukturiert die Schnittebenen einzustellen, alle Strukturen zu benennen und die wichtigsten Pathologien abzuklären. In eineinhalb Stunden kann jeder mit ihrer Hilfestellung üben, üben, üben und gleich am nächsten Tag wird in der Praxis das Aufgefrischte in die Tat umgesetzt und ein Patient für einen Abdomenschall rekrutiert, um das Gelernte zu festigen.
     
  • Gut Aiderbichl: Ob großer oder kleiner Tierfreund, das weitläufige Gelände mit den vielen verschiedenen Tieren, die einem teilweise freilaufend auf den Wegen entgegenkommen, hebt die Laune. Bei einem kurzen geführten Rundgang, bei dem die Besucher gleich einen Hund zum Gassigehen zugeteilt bekommen, erhält man viele interessante Informationen zum Gut.

 

Woche 10: 09. –  15.05.2022

Hospitationen Runde 2. Im Studium hatte ich in der Urologie-Vorlesung den wahrscheinlich größten Aha-Effekt – vor der Veranstaltungsreihe war die Urologie für mich „alte Männer mit Prostata“, dass dieses Fach aber so viele spannende Bereiche beinhaltet, hatte ich nicht erwartet. Von diesem Moment an hat es mich gereizt, etwas mehr Einblick in dieses Fach zu erhalten. Nachdem Corona-bedingt jedoch alle Blockpraktika von heute auf morgen auf Online-Formate umgestellt wurden und mit Beginn der Pandemie jegliche Hoffnung auf Einblick gewinnen außerhalb von Corona-Hilfsdiensten und Pflichtpraktika erstmal begraben war, bin ich nun doppelt froh, dass ich in der Urologie Bayerwald in Grafenau für zwei Tage reinschnuppern darf. Und das Warten hat sich gelohnt – von unerfülltem Kinderwunsch bis hin zu abgeschlossener Familienplanung, von Prostatakrebsvorsorge bis -nachsorge, von Harnverhalt bis ungewollter Urinverlust – an diesen zwei Tagen erhalte ich Einblicke in beinahe das ganze Spektrum der Urologie. Trotz voller Sprechstunde darf ich alle Fragen stellen, darf mich am Sonogerät probieren und gehe mit gestilltem Wissensdurst und rauchendem Kopf nach Hause.

Einen weiteren Tag verbringe ich bei Dr. Sbornik in Deggendorf. Der sympathische Dermatologe und sein Team begrüßen mich herzlich und ich bekomme die Gelegenheit, Hautbefunde systematisch zu betrachten. Ich diagnostiziere Psoriasis und ein Basaliom, darf die Hyphen eines Nagelpilzes unterm Mikroskop betrachten, bei kleinen Operationen störender Muttermale dabei sein und lerne sogar, welche Punkte für Botox- und Hyaluroninjektionen verwendet werden. Der für mich hinsichtlich meiner weiteren Zeit in der Allgemeinmedizin wohl am lehrreichste Punkt ist, ein Hautkrebsscreening beim Profi mitzuverfolgen, die Muttermale unterm Dermatoskop zu sehen und mitzuerleben, bei welchen Hautbefunden ein Dermatologe lieber zweimal draufschaut.

Diese Woche gibt es auch wieder einen Mittwochsvortrag, diesmal zum spannenden Thema LDL-Zielbereich in primärer und sekundärer Prävention. Da dies viele Patienten betrifft, gibt es in den verschiedenen Quellen viele Meinungen und ebenso viele Gegenmeinungen. Professor Chenot klärt über die Studienlage zu den LDL-Zielbereichen, verschiedenen Lipidsenker, deren Vor- und Nachteile, sowie Indikationen auf. Am Ende raucht auch hier der Kopf von den vielen Fakten und Studien, aber mal wieder haben wir dem Vortrag gebannt gelauscht und konnten viele wichtige Informationen gewinnen.

Den Rest der Woche verbringe ich erneut in Lalling und freue mich darüber, dass ich auch hier die Patienten mittlerweile wiedererkenne und den Krankheitsverlauf mitverfolgen kann.

Mein Highlight der Woche

  • Sommer, Sonne, Mittagspause: wie bei allem gibt es auch am Praxisalltag Vor- und Nachteile. Der Nachteil der langen Mittagspausen ist, dass sich der Arbeitslange bis in den Abend zieht. Diese Woche überwiegen jedoch ganz klar die Vorteile. Bei strahlendem Sonnenschein verbringe ich meine Mittagspausen in Deggendorf an der Donau und im FengShui Park in Lalling und mein Vitamin-D-Spiegel freut sich mit mir.
  • Stammcafe: mittlerweile durch das Studium ans Großstadtleben gewöhnt, ist ein gelegentlicher Café-Treff aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. In einer Gegend, wo es am Sonntag Schweiners bei da Oma gibt, ist es nun gar nicht so leicht, ein geöffnetes Café zu finden. Deshalb sind wir mittlerweile Stammgäste in der Fledermaus in Rinchnach und lassen uns auch diesem Wochenende den Kuchen beim neue-PJler-Kennenlern-Treff schmecken.

 

Woche 11: 16.05. - 22.05.2022

Diese Woche sind wir im wahrsten Sinne des Wortes ausgebucht. In der kunterbunten Kirchberg-WG sind wir diese Woche zu fünft, außerdem starten noch zwei neue PJlerinnen und zwei Blockpraktikanten, die zuhause bzw. in der neuen Unterkunft in Grafenau unterkommen. Das heißt nicht nur in der Wohnung zusammenrücken – das Matratzenlager auf dem Sofa wird aufgebaut und beim Essen müssen sämtliche Stühle zusammengetragen werden –, sondern auch in den Praxen.

Da trifft es sich gut, dass Caro und ich für drei Tage nach Schaufling ausgelagert sind. Dr. Buvar, der Dr. Blank schon lange bei den orthopädischen Teachings des exzellenten Sommers/Winters unterstützt, und sein Team laden uns zur Hospitation in die Asklepios Rehaklinik ein. Uns erwartet ein Rundum-Sorglospaket: wir dürfen zum Mitmachprogramm in die Therapieabteilung (Kohlensäure-Armbad, Lymphomat und Herzsportgruppe), nehmen an der Visite teil und dürfen selbstständig unter Supervision Patienten aufnehmen, bekommen vom Chef persönlich ein Sozialmedizin-Teaching mit Praxisanteil, üben Schulter- und Knieuntersuchungstechniken, dürfen mit zur Schuheinlagen- und Prothesensprechstunde der Firma Kraus und werden – nicht zu vergessen – auch noch in der Kantine verpflegt. Zuhause müssen wir die vielen Eindrücke erstmal sortieren und werden den ein oder anderen Patienten noch untersuchen müssen, bis die Techniken sicher sitzen, aber die Grundsteine dafür wurden uns in diesen drei Tagen mit viel Engagement und Herzblut vermittelt und wir sind dankbar für die Zeit.

Am Donnerstag hefte ich mich einer weiteren Expertin an die Fersen. Frau Weinmann kümmert sich in der Gemeinschaftspraxis um die Diabetes-Patienten und die Versorgung komplexer Wunden. Für ein paar Stunden darf ich ihr über die Schulter schauen, versuche mich in die Insulin-Spritzpläne einzudenken, assistiere bei der Wundversorgung und sauge so viel wie möglich des Wissens auf.

Auch ansonsten gibt es diese Woche wieder eine Menge Weiterbildung. Am Mittwoch startet eine Fortbildungsreihe in Kooperation mit dem Klinikum Cham. Trotz einiger technischer Schwierigkeiten dürfen wir eineinhalb Stunden zum Thema Umgang mit depressiven Patienten mit Fr. Dr. Prasser verbringen.

Direkt im Anschluss geht es weiter nach Regen zum Journal-Club-Jubiläum. Das Format geht in die 50. Runde und diesmal bin auch ich mit einer Studie zum Thema hormonelle Kontrazeption mit dabei. In der ersten Runde besprechen wir die Studie und die möglichen Diskussionspunkte in Kleingruppen, bevor die Diskussionsrunde mit allen Teilnehmenden eröffnet wird. Es ist faszinierend, wie interaktiv in der Runde die Erfahrungen der „Alten“ und das theoretischen Uni-Wissen der Studierendengruppe diskutiert wird. Zur Feier des 50. Geburtstag des Journal-Clubs werden die Gespräche anschließend ins Restaurant „La Gondola“ verlegt und der Abend klingt bei gutem Essen aus.

Im Gegensatz zum lang erprobten Journal-Club steht ein brandneues Format, das erst diese Woche geboren wird und das die liebe Caro unter ihre Fittiche genommen hat. Da im Praxistrubel oft wenig Zeit bleibt, Dinge nachzulesen und zu besprechen, treffen wir uns zum PJ-internen Selbststudium. Unser Ziel ist es, anhand eines konkreten Themas zusammenzutragen, was wir wissen, Lücken aufzudecken und uns, anhand Leitlinien evidenzbasiert für den Praxisalltag zur rüsten. Wir starten mit dem Thema Harnwegsinfekt und rasch entwickelt sich eine rege Diskussion und interessante Fragen werden gestellt, die wir anschließend nachlesen und klären. Wir befinden einstimmig, dass das Selbsterarbeiten eines Themas und offen gebliebene Fragen im Nachhinein mit Ärzten zu klären, ein sehr effizientes und nachhaltiges Format ist, das wir gerne weiterverfolgen werden.

Mein Highlight der Woche:

Nachdem ich nun schon 11 Wochen lang spannende Patientenfälle verfolgen konnte, Kontakte knüpfen konnte, gelernt habe, mich als angehende Ärztin zu fühlen und die Arbeitstage genossen habe, freue ich mich nun sehr auf eine verdiente Auszeit und mache eventuell sogar einen kleinen Freudenhüpfer, als ich am Freitag in den Urlaub starte.

Woche 13: 30.05. - 05.06.2022

Nach den letzten turbulenten Wochen vor unserem Urlaub mit Doppel- und Überbelegung, langen und lustigen Abenden in der WG, vielen Abendveranstaltungen der Praxis, Akrobatikübungen auf der Kuhweide und Co. ist nun wieder etwas Ruhe auf dem Kirchberg eingekehrt. Die Abende ein bisschen entspannter zu verbringen, passt nun auch sehr gut, denn wie immer gibt es auch nach der Sprechstunde viel zu organisieren und zu besprechen und langsam drehen sich die Gedanken auch um die Planungen zum Tertialende und das noch anstehenden Chirurgietertial.

Auch wenn es in der WG im Moment etwas ruhiger zugeht, geht es in der Sprechstunde wie immer hoch her. Wie überall ist auch in der Gemeinschaftspraxis Urlaubszeit und man merkt gleich, dass viele Patienten zum nächstgelegenen Standort kommen, wenn eine Praxis geschlossen hat. Ich arbeite die ganze Woche in Lalling mit, was den großen Vorteil hat, dass ich die Patienten direkt mitverfolgen kann, am nächsten Tag die Laborwerte kontrolliere und eine Patientin anrufe, die ich tags zuvor gesehen habe, um zu eruieren, ob eine Krankenhauseinweisung nun doch notwendig ist oder ob die verordnete Medikation bereits anschlägt.

Auch außerhalb der Sprechstundenzeiten ist wieder viel geboten, sogar so viel, dass ich leider gar nicht alles aufnehmen kann. So verpasse ich von einer interessanten Fortbildung aufgrund zeitlicher Überschneidungen sowohl den Anfang als auch das Ende, weil am selben Nachmittag das Teaching der Cham-Fortbildungsreihe in Präsenz stattfindet, was einiges an Vorlaufzeit braucht. Denn es dauert ein bisschen, bis wir in entlegenen Winkeln alle aufgesammelt haben und zu fünft ins Auto gekuschelt quer durch den bayrischen Wald zum Klinikum Cham gurken. Dort werden wir dann allerdings herzlich empfangen und nach einer theoretischen Einführung zur Herzechokardiographie schreiten wir auch direkt zur Tat. Professor Buchner nimmt sich viel Zeit für Erklärungen, rekrutiert sogar einen Patienten, der sehr geduldig mehrere eher lausige Herzechos über sich ergehen lässt, als wir der Reihe nach versuchen, die wichtigsten Schnitte einzustellen. Aber mit jedem Mal werden wir etwas routinierter, können uns anatomisch besser orientieren und die dargestellten Strukturen sicherer zuordnen. Im Anschluss besprechen wir noch das Krankheitsbild des Patienten und dürfen Professor Buchner, der sich weit über die geplante Fortbildungsdauer Zeit für uns nimmt, mit unseren Fragen löchern.

Nachdem unsere erste PJ-interne Fortbildung zum Thema Harnwegsinfekt für uns alle ein großer Erfolg war, gehen wir diese Woche in Runde II. Ein häufiger Beratungsanlass, der in unseren Köpfen sofort eine ganze Liste an Differentialdiagnosen ablaufen lässt, ist das Thema Müdigkeit. Neben vielen eher harmlosen Diagnosen, wodurch die Patienten trotzdem sehr belastet sein können, gibt es auch schwerwiegende Ursachen, die Müdigkeit verursachen können und bei denen man gerade als Berufsanfänger sehr hadert, diese nicht zu übersehen. Nach einiger Recherche haben wir einen Leitfaden für uns erstellt, welche wichtigen Fragen und welche Basisuntersuchungen für eine erste Einschätzung wichtig sind und die Wahrscheinlichkeit, etwas Arges zu übersehen, deutlich mindern. Die offen gebliebenen Fragen werden dann im Journal Club mit „den alten Hasen“ zur Diskussion gestellt, sodass für uns „Neulinge“ das erarbeitete Thema richtig abgerundet wird.

Wenn es auch nach wie vor immer wieder Situationen im Praxisalltag gibt, bei denen man im Nachhinein den Kopf über sich selbst schüttelt, weil eine wichtige Untersuchung vergessen wurde, eine Differentialdiagnose nicht bedacht wurde, einem Laborwert zu viel/zu wenig Beobachtung geschenkt wurde, werden es doch auch immer mehr Situationen, in denen ich das Gefühl habe, die Dinge einfach richtig zu machen. Vor allem wenn ich an meine erste Famulatur, die ich damals in der Allgemeinmedizin verbracht habe, zurückdenke, kann ich meine enormen Fortschritte im direkten Vergleich erkennen. Wenn auch es unglaublich wichtig ist, den subjektiven Krankheitseindruck und die Verdachtsdiagnose des Patienten mit zu berücksichtigen, bin ich damals doch auch einfach „darauf hereingefallen“, als ein Patient mir seinen schmerzhaften Daumen mit den Worten „ich habe da wohl Gicht“ präsentiert hat, sodass ich völlig vergessen habe, nach Differentialursachen wie Trauma etc. zu fragen. Damals hat sich der verdachtsmäßige Gicht-Daumen dann auch als Überlastungsreaktion geoutet. Mittlerweile gelingt es mir in vielen Fällen, die Patienten ihren Verdacht äußern zu lassen, diesen ernst zu nehmen und dann objektiv zu untersuchen. So diese Woche bei einer Patientin, die mit mutmaßlichem Zeckenstich in Sorge über ihre abgelaufene Zeckenimpfung in die Praxis kommt. Außer der Patientin ihre Sorge bezüglich der Impfung zu nehmen, schaffe ich es außerdem, ihr die Notwendigkeit des Tragens von Kompressionsstrümpfen bei Stauungsdermatitis nahe zu legen, denn dieses Mal konnte ich, trotz ernst nehmen der Verdachtsdiagnose der Patientin, die richtige Diagnose stellen.

 Mein Highlight der Woche:

  • 1. Erlebnis E-Auto: nachdem ich bisher im bayerischen Wald mit allen seinen Hügeln mit einem untermotorisierten Schnauferl, das liebevoll Tornado genannt wird unterwegs bin, ist es – obwohl ich kein Fan von Autos generell und schon gar nicht von schnellen Autos bin – ein spannendes Fahrerlebnis, als ich im Arbeitsauftrag unterwegs bin und das erste Mal in einem Elektroauto sitze und die Hügel nicht mehr im zweiten Gang hochgondele, sondern ganz easy Höhenmeter mache.
     
  • So schön auch die umliegenden Berge im bayerischen Wald sind, gibt es auch rund um Kirchberg vieles zu entdecken und so mache ich mich eines Abends auf, einen der Rundwege, den ich bisher noch nicht kenne, zu erkunden. Ich marschiere strammen Schrittes die Wege entlang, bis mir, nachdem ich schon eine ganze Weile unterwegs bin, die Angabe 4km doch etwas komisch vorkommt. Ich weiß bis jetzt nicht, wie es passiert ist, auf jeden Fall befinde ich mich – als mir das Handynetz endlich zu Hilfe kommt und Google Maps lädt – 3km weg vom Kirchberg. Mit etwas Verspätung gelange ich – in Begleitung einer Zecke → Mistviech – wieder in Kirchberg an und das Résumé ist, dass auch dieser Rundweg, wenn man etwas Zeit einplant und einem nicht die anbrechende Dunkelheit im Nacken sitzt, wunderschön ist.

Woche 14: 06.06. - 12.06.2022

Diese Woche ist von meiner Hospitation in der Urologie geprägt. Ich darf für zwei Tage zwei Ärzte der urologischen Gemeinschaftspraxis in Grafenau begleiten. Es ist viel los in der Praxis, aber wenn es möglich ist, nimmt sich Dr. Haider Zeit und erklärt etwas. Außerdem darf ich auch mal die ein oder andere Niere schallen, Restharnmessungen machen oder die DRU üben. Mich interessieren vor allem Themen wie HWI, Hämaturie und Urolithiasis, die mir häufiger in der Allgemeinarztpraxis begegnen. Außerdem finde ich es toll, wenn sich die Ärzte Zeit nehmen und auch über Themen wie die Facharztwahl mit einem reden. Zwischen was haben sie damals geschwankt? Würden sie sich heute noch mal so entscheide? Was empfinden Sie als Vor- und Nachteile Ihres Facharztes? Dr. Haider ist jedenfalls begeistert von der Urologie, gibt aber auch zu, dass Allgemeinmedizin lange im Rennen war und seine zweite Wahl gewesen ist.

Am Wochenende genieße ich die Vorzüge des Bayerischen Waldes, denn bald geht es auch wieder in das Leben des Städters zurück. Eine Freundin von Hannah und mir ist zu Besuch und wir machen am Samstag den Tierpark Lohberg und den kleinen Arbersee unsicher. Am Sonntag geht es nach Miltach und wir paddeln bei strahlendem Sonnenschein mit Kajaks auf dem Regen. Zum Abschluss gibt es in Chamerau eine Bootsrutsche, bei der ein ins Boot schwappender Schwall Wasser zur willkommenen Abkühlung führt. :) Ein fantastisches Wochenende!

Woche 15: 06.06. - 19.06.2022

Aufgrund von Feier- und Fehltagen liegen zwei kurze Wochen hinter mir, was sich vor allem aufgrund des sommerlichen Wetters gut fügt und die freie Zeit direkt in Outdoor-Aktivitäten investiert wird. So erkunden wir die Wanderwege in der Gegend, machen einen Ausflug zum kleinen Arbersee und endlich bekommt auch mein Rad mal wieder genügend Auslauf bzw. Ausfahrt.

An den restlichen Tagen, also denen, die ich tatsächlich mit Arbeit verbringe, geht es für mich Back to Auerbach. Dort macht das Arbeiten wie immer Spaß. Sowohl die Hausbesuche – wir laufen mit dem Ohrspülungsköfferchen einmal quer durch Auerbach zu einer Patientin – als auch der Praxisalltag bringen wieder viel Abwechslung. In der Praxis stellen sich einige Patienten mit orthopädischen Problemen vor und während ich bei der orthopädischen Untersuchung immer sicherer werde, hadere ich noch immer etwas, wenn es darum geht, welche Patienten am besten orthopädisch-fachärztlich gesehen werden sollten. Und so liegen Dr. Kalmancais und meine Meinung bezüglich der 50/50-Entscheidung Überweisung/Nicht-Überweisung nicht selten genau entgegengesetzt, wobei es sich hier zu meiner Ehrenrettung meist nicht um reine schwarz oder weiß- Fälle handelt, sondern meist beide Wege akzeptabel sind. Der eindrücklichste Fall dieser Tage ist für mich eine Patientin mit einem ausgeprägten klinischen Bild einer Hyperthyreose – obwohl die Patientin die Symptome bereits einer früheren Episode entsprechend beschreibt, klären wir trotzdem auch die wichtigsten Differentialdiagnosen ab, was für mich eine gute Übung ist, die großen Kategorien von Erkrankungsursachen (entzündlich infektiös und nicht-infektiös, traumatisch, vaskulär, Tumor, Stoffwechsel/endokrin) zu wiederholen. Ein weiterer, nach wie vor häufiger Beratungsanlass sind die Folgen einer Covid-Infektion, von spezifischen Beschwerden wie Geruchsverlust hin bis zum schwer greifbaren Symptom von Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Gerade als Berufseinsteiger würde man gerne alle Patienten neurologisch vorstellen, was natürlich praktisch nicht umsetzbar ist und so bin ich einmal mehr froh um die Fallvorstellungsrunde, wo ich von den erfahrenen Kollegen zum einen beruhigt werden kann, dass auch diese Beschwerden meist selbstlimitierend sind und zum anderen auf red flags hingewiesen werde, bei denen eine akute weitere Diagnostik unverzichtbar ist.

Außerdem läuft noch immer die Cham-Teachingreihe, sodass wir auch hier breit gefächert Wissen vermittelt bekommen. Ein Online-Termin zu akutem und chronischen Nierenversagen gibt einen interessanten Überblick zum Thema und wie man in der Hausarztpraxis damit umgeht. Der zweite Termin findet vor Ort in Cham zum Thema Notfallmedizin statt. Wir dürfen einen Blick in einen Sanka (die Bezeichnung ruft bei den Nicht-Einheimischen PJ-lern erstmal ein paar Fragezeichen hervor) werfen, erfahren was damit und mit dem Notarzteinsatzfahrzeug alles zum Einsatzort transportiert wird, quetschen unsere Dozenten über die Ausbildung, die Notfallorganisation und Co. aus, wissen nicht genau, ob wir über die Aussage „ich bin kein Freund von Raserei auf der Straße“ eines Notarztes lachen oder weinen sollen und lernen abgerundet durch ein Atemwegs- und Reanimationstraining, an einem Nachmittag wahnsinnig viel, sodass für die ein oder andere aus unserer Truppe die Notfallmedizinausbildung gar nicht mehr so uninteressant erscheint.

Mein Highlight der Woche:

1.  Ahoi! Als am Wochenende Besuch in den bayerischen Wald kommt wollen wir den Städtern natürlich die Gegend ein bisschen schmackhaft machen. Das Wetter macht es uns leicht und so wird der Kajak-Ausflug auf dem Regen mit Bade-Zwischenstopp zu einem echten Highlight.

2.  Adäquate Vorbereitung! in Kürze geht die Zeit im bayerischen Wald zu Ende und das Chirurgietertial steht ins Haus: perfekt, dass ich mich in Auerbach am Wundverschluss nach Muttermal-Exzision mit Donati-Rückstichnähten versuchen kann – allerdings unter erschwerten Bedingungen – die sterilen Handschuhe sind auf Dr. Kalmancai angepasst und meine Hände entsprechen nicht ganz der Größe der vorliegenden 8er-Handschuhe. Dafür kann sich das Ergebnis sehen lassen!

Woche 16: 20.06. - 26.06.2022
Nun ist es tatsächlich so weit, die Zeit im bayerischen Wald geht zu Ende…

Und damit heißt es diese Woche: letzte Check-Up-Untersuchungen, letzte Patientengespräche, letzte Blutwertbesprechungen, letzte Hausbesuche, letzte Ohrspülungen, letzte Fortbildungen.

Aus der Natur der Sache heraus, stehen dementsprechend auch viele Abschiede von liebgewonnenen Menschen, dem Kirchberg und unserer auf-den-ersten-Blick-verliebt-Wohnung, den Patienten und Patientinnen und vor allem dem Team der Gemeinschaftspraxis an.

 Was aber euch, wenn ihr bis hierhin gelesen habt, wahrscheinlich interessiert, ist eine Art Fazit und eine Info, ob ihr euch hier bewerben sollt:
Ich habe das Tertial zu Beginn mit der Erwartung „fördern und fordern“ angetreten und unter genau dieses Motto würde ich die letzten Wochen auch im Nachhinein stellen – Erwartungen vollstens erfüllt.

Fördern: Check! 

Wenn ihr euch durch die ganzen Berichte durchgearbeitet habt, solltet ihr genauestens Bescheid wissen, wie umfangreich das Förderangebot ist. Um es nochmal zusammenzufassen:

1.       Praxisalltag: die in die Sprechstunde integrierte Lehre ist wahrscheinlich am ehesten der Punkt, der auch in anderen Lehr-Praxen umgesetzt wird. Hier ist es wie immer und überall so, dass es mal einen stressigen Tag gibt und man einfach mitlaufen und funktionieren muss; die meiste Zeit aber ist jeder ansprechbar und offen für Fragen. Ich konnte außerdem lernen, wie ich richtig recherchiere und wo ich leitliniengerechte Infos finde, und, dass es in Ordnung ist, auch Dinge nachlesen zu müssen. Besonders dieses wertvolle Wissen wird mir meinen Berufseinstieg erleichtern. Das besondere an der „Sprechstundenlehre“ hier ist die Vielfältigkeit der Ärzte und Ärztinnen, von denen jeder eine andere Art der Patientenversorgung und einen anderen medizinischen Hintergrund hat. Auch, dass die studentische Lehre so in den Praxisalltag integriert ist – Mitarbeiter, Patienten und Patientinnen, für keinen ist es eine Neuigkeit, dass Studierende in den Praxen mitarbeiten - erleichtert einem das Ankommen und Einfinden sehr.

2.       Praxismeetings: Montag, Dienstag und Donnerstag in der Mittagspause gibt es die Online-Meetings zu bestimmten Themen und Fallvorstellungen. Also selbst, wenn es in der Sprechstunde mal rund geht und noch Besprechungsbedarf besteht, kann man den Patientenfall in der Fallvorstellung vorstellen, hat dort als „Dienstjüngster“ auch immer den Vortritt und kann sich den Rat erfahrener Kollegen und Kolleginnen einholen.

3.       Zusatzprogramm: in unserem Fall die Teachings des exzellenten Winters und – brandneu - der PJ-interne Selbststudiumstreff (PILEST alias Caros´ Baby); sonst: die Fortbildungsreihe in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Cham, die Möglichkeit zur fachfremden Hospitation, der Journal Club, die Mittwochs-Vorträge zu bestimmten Themen, … dabei sind noch gar nicht die bayernweiten Fallvorstellungen, der Donnerstags-Abend-Internisten-Treff und Co. erwähnt…

Fordern: Check!

Wenn ihr euch von der Auflistung gerade erschlagen fühlt, habe ich vollstes Verständnis, aber genau das sind die Punkte, die das PJ hier so besonders machen. Die Lehre, die man hier bekommt, ist einzigartig und umfassend, die Zeit hier aber auch sehr intensiv. Denn, verständlicherweise, ist der Praxis daran gelegen, dass die vielen Angebote, die organisiert und angeboten werden, auch angenommen werden. Ich möchte gar nicht verschweigen, dass es Tage gab, an denen meine Leistungsgrenze erreicht, wenn nicht auch überschritten war, ich sehe aber auch den großen Entwicklungsschritt in Richtung Ärztin, den ich in den letzten Wochen gemacht habe. Außerdem habe ich in meiner Mitstreiterin Caro jemanden gefunden, der es einem sehr leicht macht, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen und der die Zeit hier unendlich positiv beeinflusst hat und so manche Hürde hier war gemeinsam einfacher zu meistern.

Viel mehr möchte ich an dieser Stelle dazu gar nicht sagen, ich habe versucht die letzten Wochen möglichst so zu beschreiben, dass ein guter Eindruck vom PJ hier entsteht.

Eine Weiterempfehlung?

-          Gibt es von mir auf jeden Fall für alle, die sich ihrer Sache und der Allgemeinmedizin relativ sicher sind, die Motivation und Ausdauer haben, sich so richtig auszuprobieren und es wertschätzen können, wahnsinnig viel für ihren Einsatz zurückzubekommen.

-          Gibt es von mir auch für jeden, der sich möglicherweise in der Allgemeinmedizin sieht oder in einer Fachrichtung, die damit eng einhergeht, dem es aber noch an Erfahrung mangelt, um eine Entscheidung zu treffen, der aber genauso viel Interesse hat und Energie aufbringen kann, die Menschen in der allgemeinmedizinischen Sprechstunde mit vielfältigen Beratungsanlässen, notfallmäßigen und Routinebesuchen und mit ihrer jeweiligen Geschichte kennenzulernen.

Mein Highlight der Woche

Von Zwieslerwaldhaus über das Höllbachgspreng auf den großen Falkenstein und über die Ruckowitzschachten zurück – traumhaft schön!

Sabine Pahl

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10

Woche 1: 27.06. – 03.07.2022

"Bayern, hast du da Familie oder kommst du da her?" -  war immer die Reaktion in meiner nördlichen Heimat, als ich davon berichtete, mein PJ-Wahltertial in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald zu machen. Beides trifft nicht zu, aber ich hatte schon 2019, also vor meiner Famulatur, als ich die Homepage studierte, den Eindruck, dass ich nirgendwo eine bessere Lernatmosphäre werde finden können. Dies hat sich in der Famulatur bestätigt, so dass ich wusste: "Hier komme ich wieder her!" Obwohl ich mittlerweile meine Leidenschaft in der Chirurgie gefunden habe, verbringe ich mein Wahltertial in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald, weil ich mir keine bessere Lernumgebung vorstellen kann.

Und so machte ich mich vor einer Woche voller Vorfreude auf in den Bayerischen Wald. Nach siebenstündiger Fahrt kam ich auf dem Kirchberg an und konnte die gemütliche Studentenwohnung beziehen und habe mich gleich wieder wie Zuhause gefühlt. Die erste Woche habe ich in den Praxen Auerbach und Schöfweg verbracht. Ich wurde überall herzlich aufgenommen, fühlte mich direkt ins Team integriert und wertgeschätzt. Durch die Assistenzärzt*innen gibt es eine intensive Betreuung im Sinne eines Mentoring-Programms, welches individuell auf die Student*innen zugeschnitten werden kann und auch gemeinsame Aktivitäten wie Wandern umfasst. Man ist sowohl in der Praxis, als auch rundum sonst super betreut und aufgehoben.

Obwohl ich in der ersten Woche noch nicht so viele Voruntersuchungen der Patienten durchgeführt habe, um erstmal Anzukommen und mich in den Dialekt einzuhören, konnte ich bereits mehrmals eine Ohrspülung machen und Vor- oder Nachsonographieren. Dafür ein herzliches Dankeschön an die geduldigen Patient*innen! Ebenfalls konnte ich bereits das breite Spektrum der Konsultationsanlässe in der Hausarztpraxis kennenlernen und freue mich, spannende Fälle weiterzuverfolgen. Man spürt, dass den Ärzt*innen daran gelegen ist, Studenten individuell auf dem Lernweg zu begleiten, viele Hintergründe werden erklärt und immer wieder Studien als Entscheidungsgrundlage herangezogen. Hat man Fragen oder möchte eigenen Ideen einbringen, geschieht dies Gleichberechtigt auf Augenhöhe und nicht wie oft in einem Lehrer-/Schülerverhältnis. Neben dem Praxisalltag gibt es noch diverse Teachings und Onlinebesprechungen, dabei herrscht immer eine sehr angenehme Atmosphäre in der man ermuntert wird sich aktiv zu beteiligen.

Für mich waren die Highlights dieser Woche am Mittwoch zum einen der Nahtkurs im Sana Klinikum des Landkreises Cham, der fast nur für Studentinnen der Gemeinschaftspraxis Bayerwald durchgeführt wurde. Wir hatten die Gelegenheit an Schweineschwarten das Nähen und Knoten zu üben, ich habe viel gelernt und fühle mich nun viel sicherer im Umgang mit Nadel und Nadelhalter. Zum anderen der im Anschluss regional stattfindende Journal Club in Regen plus Online Teilnehmern. Durch die verschiedenen Teilnehmer*innen kamen viele Jahre Erfahrung auch aus anderen Fachgebieten zusammen, es war wahnsinnig lehrreich und es fanden inspirierende Diskussionen statt. Abschließend konnten wir den Abend gemeinsam bei einer Pizza ausklingen lassen.

Donnerstagnachmittag fand das wöchentliche Treffen der fünf PJlerinnen statt. Wir Neuen wurden von den beiden PJlerinnen, die schon ein paar Wochen hier sind erst einmal mit organisatorischen Informationen versorgt, die bei dem ganzen Programm und vielen Möglichkeiten, die uns Student*innen offen stehen, sehr hilfreich waren. Anschließend stellten wir ein Curriculum auf, welches wir in den nächsten Wochen zusammen durcharbeiten möchten.

Nach der eindrucksreichen Woche erholte ich mich in der gemütlichen Studentenwohnung und auf Spaziergängen in der wunderschönen Natur. Gleichzeitig freue ich  mich schon auf die nächsten Monate hier im Bayerischen Wald.

Woche 2: 04.07. – 10.07.2022

Nach einem erholsamen, sonnigen Wochenende starte ich in die zweite Woche. Zwar beinhaltet diese weniger Programm als die vorangegangene, aber die Eindrücke und Erlebnisse reichen trotzdem für zwei. 

Diesmal bin ich in Kirchberg und Lalling eingeteilt. Erstmal staune ich über die neu gebaute Praxis in Kirchberg, welche zu meiner Famulatur 2020 noch in Planung war. Sie ist einfach clever aufgeteilt,um einen reibungslosen Ablauf für die Patient*Innen zu gewährleisten. Diese Woche gehe ich meist alleine zu den Patient*Innen vor, werde immer sicherer im Patientengespräch und dokumentiere die Anamnese und Untersuchung. Allmählich werde ich bei häufigen Konsultationsanlässen wie Nacken- oder Rückenschmerzen auch geübter und kann den Patient*Innen etwas über die Ursache ihrer Beschwerden erklären und schon Tipps für Eigenübungen zu Hause geben.

In Kirchberg gibt es aufgrund der Expertise von Dr. Machac viele Patient*Innen mit kardiologischen Verdachtsdiagnosen oder Krankheitsbildern. Daher konnte ich in dieser Woche bei einem Belastungs-EKG und einer Echokardiographie zuschauen. Ich schätze sehr den umfassenden Blick auf den/diePatient*Innen in der Hausarztpraxis, denn in der Klinik hatte ich das Gefühl, dass nur ein definiertes Problem/Symptom der Patient*Innen behandelt wird. In der Allgemeinmedizin findet aber der ganze Mensch mit seinen Ängsten und Sorgen Berücksichtigung und ich bin dankbar, dass die Patient*Innen schon so viel Vertrauen in mich als Studentin haben, dass sie sich mir anvertrauen.

Montag durfte ich zum ersten Mal das Protokoll der praxisinternen Fortbildung führen, es ging um Infekte der oberen Atemwege. Das Thema wird nach einem festen Schema durchgearbeitet, so dass man nichts vergisst und immer ein besonderes Augenmerk auf die abwendbar gefährlichen Verläufe hat. Hat man dies verinnerlicht, kann man die Beschwerden eines Patienten sicher abchecken und schnell einordnen, ob die Gesundheit des Patienten bedroht oder ein abwartendes Offenhalten angezeigt ist.

In der praxisinternen Fallbesprechung habe ich meinen ersten Patienten vorgestellt, es ging um Nahrungsergänzungsmittel, ein Bereich, der im Studium viel zu kurz kommt, ich habe gute Tipps für den praktischen Umgang mit dem Thema bekommen.

Mittwochnachmittag gab es eine Fortbildung der Uni Erlangen, die uns eine Übersicht über den Berufsstart, alle wichtigen Unterlagen und die Struktur der Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner gegeben hat. Nun fühle ich mich etwas besser gewappnet für den Einstieg ins Berufsleben.

Die zweite Hälfte der Woche war ich in Lalling. Am Mittwoch war Impftag, so konnte ich mein Wissen über Impfschemata, Red Flags und Durchführung vertiefen. Das Team hat mich so lieb aufgenommen, dass ich am Freitag das Gefühl hatte, ich würde schon seit Wochen dazugehören.

Die ereignisreiche Woche haben meine Mitbewohnerin und ich mit einem Besuch beim Italiener ausklingen lassen, es war sehr lecker und wir werden auf jeden Fall wiederkommen.

Leider zeigt sich der Bayerwald am Wochenende von seiner nassen Seite, aber dies ist eine Gelegenheit mehr, Inhalte und Erfahrungen der letzten Woche noch einmal Revue passieren zu lassen.

Woche 3: 11.07.  17.07.2022

Nach einem entspannten Wochenende und einer schönen Wanderung mit meiner PJ-Kollegin Nicole mit schönem Blick auf den Kirchberg beginnt die dritte Woche dort, wo die letzte geendet hat - in Lalling. 

Diese Woche konnte ich zwei Patienten direkt nach einem Unfall untersuchen: einen kleinen Jungen nach Fahrradunfall sowie einen jungen Mann nach einem Autounfall. Zum Glück haben beide nur leichte Verletzungen erlitten. Dabei habe ich gelernt, auf Red Flags zu achten und worüber Eltern informiert werden müssen, um bei ihren Kindern die Symptome einer Gehirnerschütterung erkennen zu können. Frau Quaderer gab mir eine Lektion in strukturierter Dokumentation, besonders hilfreich, wenn mehrere Körperregionen betroffen sind. Frau Dr. Takacs vertraute mir die Laborwerte zur Vorkontrolle an. Eine wertvolle Übung und gute Möglichkeit, noch einmal nachzulesen, welche Laborveränderungen durch welches Krankheitsbild verursacht werden können.

Ein Fall, der mir diese Woche zu denken gegeben hat, war ein Familienvater, der kürzlich einen Suizidversuch begangen hat. Zuvor gab es den Versuch ihn psychiatrisch anzubinden, aber aufgrund von Kapazitätsengpässen war die Wartezeit auf eine ambulante Therapie so lang, dass sich seine Situation anscheinend in der Zwischenzeit so zugespitzt hatte, dass er den Suizidversuch beging. Schon bei anderen psychisch belasteten Patienten habe ich mitbekommen, dass es sehr schwierig ist, Therapieplätze zu bekommen. Ich hoffe, dass psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft bald kein Tabuthema mehr sind und genauso schnell und adäquat behandelt werden können wie ein Beinbruch. Umso erfreulicher war aber zu hören, dass es dem Patienten nach einem längeren Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik wieder besser geht, er gute Unterstützung von seiner Familie erfährt und er viele Gründe hat, die ihn im Leben halten.

Die Woche haben wir mit einem guten Essen im Feng Shui Park in Lalling ausklingen lassen. Dort kann man so richtig die Seele baumeln lassen und ausspannen. Hier komme ich, vielleicht mit einem spannenden Medizinbuch, bestimmt noch einmal hin.

 

Woche 4: 18.07. – 24.07.2022

Ich bin nun schon einen Monat lang im Bayerischen Wald - die Zeit vergeht wie im Flug. 

Diese Woche stand unter dem Thema Hitze. Zu Beginn der Woche war ich in der Praxis in Auerbach eingeteilt. Schon am Montag mussten zwei Patientinnen aufgrund von Herzproblemen ins Krankenhaus eingewiesen werden. Die Hitze war nicht zwingend die Ursache, aber sie hat sicher ihren Teil beigetragen. Am Dienstag Nachmittag haben die Menschen den wertvollen Rat bei hohen Temperaturen befolgt und sind lieber Zuhause geblieben, dies hat uns einen ruhigen Nachmittag beschert. Die Zeit habe ich genutzt und mich mit der DEGAM Leitlinie - Hitzebedingte Gesundheitsstörungen in der hausärztlichen Praxis auseinandergesetzt. Außerdem habe ich gelernt, dass in der Hausarztpraxis nicht die Ursache für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes herausgefunden werden muss, sondern viel wichtiger ist, diesen Zustand zu erkennen und den Patienten in die Klinik einzuweisen. 

Ein eindrückliches Beispiel habe ich am MIttwoch in Grafenau erlebt. Eine resolute ältere Dame, gut in der Praxis bekannt, hatte eine Entzündung. Schon bevor die Patientin die entzündete Stelle präsentierte, stellte Dr. Blank fest, dass die Patientin heute so matt und nicht so fit wie sonst erscheine. Ich hatte dies gar nicht so wahrgenommen, da die Patientin auf mich einen lebhaften Eindruck machte. Ein gutes Beispiel, wie wichtig die Beziehung zwischen Patient und Hausarzt und das Bauchgefühl ist. Da die Patientin alleine lebt und sie keine Hilfe bei der Medikamenteneinnahme und subkutanen Injektion hatte, konnte sie nur in der Klinik ausreichend versorgt werden. Dies war dann schon die dritte Krankenhauseinweisung in dieser Woche.

Passend zu diesem Wetter waren wir Studenten für ein Teaching am See. Frau Aicher hat uns auf die nächste große Prüfung, das dritte Saatsexamen, vorbereitet, indem sie eine Prüfung simuliert und wertvolle Tipps parat hatte. So konnte sie uns ein wenig die Angst vor dieser mündlichen Prüfung nehmen. Im Anschluss gab es eine Abkühlung im See und Schwimmbad-Pommes. Ein super Ausklang dieser Woche.

Woche 5: 25.07. – 31.07.2022

Mich erwartet eine kurze Woche im Bayerischen Wald, denn am Wochenende geht es in die Heimat. Zuhause fühle ich mich aber auch in der Praxis in Lalling, in welcher ich eingeteilt bin. Denn ich bin Teil des eingespielten Teams und habe meine eigenen kleinen Aufgaben.

Bei den Gesundheitsuntersuchungen habe ich Gelegenheit, meine Vorgehensweise in der Anamnese immer ein wenig weiter verbessern. Ich kläre über die altersentsprechend empfohlenen Impfungen und Krebsvorsorgeuntersuchungen auf. Ich versuche, meine Fragenstrategie bei den Themen Bewegung und Ernährung zu präzisieren, weil unter einer ausgewogenen Ernährung einfach jeder etwas anderes versteht. Dabei versuche ich Ernährungsfallen, wie z.B. zu häufiger Genuss von  gesüßten Getränken aufzuspüren. 

Überhaupt ist Ernährung ein wichtiges Thema, nicht nur bei der Verhinderung der Entstehung von Diabetes mellitus Typ II oder  Krebserkrankungen, sondern auch bei so akuten Problemen wie der Obstipation oder dem Harnwegsinfekt. Allein eine ausreichende Trinkmenge kann bei den beiden letztgenannten Punkten schon einen Unterschied ausmachen. Ich hoffe, dass ich den Patienten vermitteln kann, dass sie durch ihre Ernährung, sowie deren Modifikation, manche Stellräder der Verdauung selbst ohne Medikamente anpassen können.

Außerdem habe ich bei den Gesundheitsuntersuchungen die Möglichkeit, eine Sonographie des Abdomens und der Schilddrüse durchzuführen. Dabei werde ich immer besser und kann dem Patienten auch einiges auf den Bildern aus seinem Inneren erklären. 

Das Sonographiegerät ist mir dabei so vertraut geworden, dass ich es kurzerhand nutze, um einen Erguss proximal des Kniegelenks zu untersuchen. 

Bei einem klassischen Bild einer Nierenkolik fällt es mir dann noch schwer, den vermuteten Harnstau von den vorhandenen Zysten im Nierenbeckenkelchsystem zu unterscheiden. Aber es war sehr wertvoll, diese Sonographiebilder gesehen zu haben, um in der Zukunft besser differenzieren zu können.

Am Mittwoch findet der praxisinterne Journal Club statt und es gibt spannende Diskussionen über den Einsatz von Bempedoinsäure bei Hypercholesterinämie und Thiamingabe bei Alkoholabusus. Außerdem gibt es von Dr. Kleudgen eine gute Zusammenfassung über die Trigeminusneuralgie mit wertvollen Therapiehinweisen für die Hausarztpraxis, falls die Wartezeit bis zum Termin beim Neurologen überbrückt werden muss.

Donnerstag Nachmittag mache ich mich dann auf den Weg nach Hause.

Woche 6: 01.08. –  07.08.2022

Nachdem ich vom Heimaturlaub aus der - im Vergleich zum Bayerischen Wald -  turbulenten Großstadt zurück bin, starte ich am Dienstag in die Praxis-Woche. 

Diese Woche gibt es drei besondere Termine. Zum einen laden wir PJ-ler die Praxisinhaber, als kleines Dankeschön für die lehrreiche Zeit und die wunderschönen Unterkünfte, zu einer kleinen Gartenfeier im PJ-ler Haus in Grafenau ein. Dort gibt es einen großen Garten, der einfach eingeweiht werden muss. Jeder von uns richtet Speisen her und Mirjam und Franziska haben den halben Tag geräumt und dekoriert und auf der Terrasse einen wunderbar gemütlichen Ort gezaubert. Es wird ein gemütlicher Abend mit leckerem Essen, an dem man sich auch mal privat austauschen kann. 

Mittwoch wartet geballtes Wissen auf uns. Mittags haben wir PJ-ler ein exklusives Teaching mit dem Infektiologen Rudolf Baloun, der uns die wichtigsten Aspekte einer guten antibiotischen Therapie vermittelt. Abends ist der Journal Club mit Ärzten aus ganz Regen. Zusätzlich zu den Themen vom internen Journal Club stellt Dr. Blank noch das Thema “Sport nach COVID”-Infektion vor, brandaktuell, nun kann ich den Patienten zu diesem Thema fundiertere Antworten geben.

Neben dem ganzen Programm kommen die Patienten mit ihren diversen Konsultationsanlässen natürlich nicht zu kurz. Besonders in Erinnerung sind mir drei Patientinnen geblieben:
Zum einen ein junges Mädchen, dem plötzlich ein Auge zugeschwollen ist, nachdem sie einen blauen Sirup getrunken hat. Besonders im Gesichtsbereich ist man bei Schwellungen/allergischen Reaktionen besonders hellhörig, aber zum Glück war die Schwellung lokal am Auge und ist nicht weiter fortgeschritten. Nachdem sie ein Antihistaminikum von uns bekommen hat, zeigte sich die Schwellung schnell rückläufig. Spannend zu sehen war, wie schnell die Müdigkeit, eine Nebenwirkung des Medikaments, einsetzte.

Zum anderen eine Frau, welche in kurzer Zeit viel Gewicht verloren hat, fieberte, nachts stark schwitzte und schlecht Luft bekam - alles Anzeichen, die an eine maligne Erkrankung denken lassen. Letzte Woche hatte sie aber auch noch mit einer Erkältung zu kämpfen, wie deutet man nun in diesem Zusammenhang die Symptome? Der Gewichtsverlust ist immer noch kritisch, aber sind Fieber und Schwitzen vielleicht dadurch erklärbar? Die Patientin wird jetzt von diversen Fachärzten gründlich untersucht. Ich hoffe das Beste und verfolge den Fall weiter.

Als drittes kam eine ältere Dame mit einem Routine-Beratungsanlass, aber man merkte, dass es ihr nicht gut ging, sie war emotional stark belastet, weil ein junger Angehöriger vor kurzem verstorben ist.  Für mich eine ganz neue Situation, mit einer trauernden Angehörigen konfrontiert zu sein. Ein schwieriges Thema, in das man hoffentlich langsam hineinwächst. Ich hoffe, dass sich die Patientin bei mir trotzdem wahrgenommen und gut aufgehoben gefühlt hat.

Woche 7: 08.08. –  14.08.2022

Diese Woche hatte ich die Gelegenheit, Dr. Blank mehrere Tage in der Praxis in Grafenau zu begleiten.

Einige Unterschiede zu den ländlicher gelegenen Praxen wurden deutlich: mehr alleinstehende ältere PatientInnen, bei denen man die Versorgung zuhause gut im Blick haben muss und die im Vergleich durch geringere Bewegung, wie Arbeit im Garten, auch weniger fit im hohen Alter sind, ein höherer Anteil an Urlaubsgästen, sowie ein generell internationaleres Klientel. Insgesamt eine sehr bunte Mischung an Konsultationsanlässen.

Im Speziellen ist mir dabei ein Patient aus Italien in Erinnerung geblieben, welchen ein rezidivierender starker Kreuzschmerz plagte. In der Heimat wurde er mit Injektionen in den Rücken behandelt, die ihm durch eine Krankenschwester verabreicht wurden. Hier wird aber (außer durch Fachärzte der Orthopädie oder Neurologie) auf Injektionen verzichtet, da eine orale Medikation die gleiche, teilweise sogar eine bessere, Wirkung durch einen länger anhaltenden Wirkspiegel erzielt und dabei viel geringere Risiken birgt. Außerdem wurden dem Patienten Übungen gezeigt, welche auf Grundlage wissenschaftlich gesicherter Informationen ausgesucht wurden, um die Rückenmuskulatur zu kräftigen, so den Rücken zu entlasten und den Schmerz zu lindern. So habe ich das Gefühl, dass der Patient eine sehr gute Beratung und Therapie erhalten hat und hoffentlich in Zukunft, mittels der Übungen mit weniger Medikamenten, seinen Kreuzschmerz in den Griff bekommt.

Außerdem verfolgte ich zusätzlich zu den praxisinternen Fallbesprechungen auch die des Guad-Netzes, welche von Dr. Blank geleitet werden. Dort nehmen Ärzte, auch anderer Fachrichtungen, aus der Region teil. So schaltete sich ein Notarzt auf dem Rückweg vom Einsatz dazu. Z. B. konnte bei dem speziellen Patientenwunsch nach längerer Antikoagulation nach Lungenembolie ein Facharzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde wichtige Tipps geben. Jeder hat sein eigenes Spezialgebiet, kürzlich eine Fortbildung besucht oder langjährige Erfahrungen, durch die die gesamte ärztliche Gruppe und am Ende der Patient profitieren kann. Einfach ein starkes Netzwerk und für jeden ein Gewinn.

Zum Wochenende besuchten wir am Samstag eine Glasmanufaktur, in der hunderte Glaskunstwerke für Haus und Garten zu bestaunen waren. Im Anschluss erklommen wir nach steilem Anstieg einen Berg, als Belohnung gab es eine erfrischende Abkühlung an Wasserfällen. Den ereignisreichen Tag ließen wir dann mit einem gemeinsamen Essen ausklingen.

Woche 8: 15.08. – 21.08. 2022

Diese Woche verging dank des gewonnenen Feiertags am Montag (den gibt es in meiner Heimat nicht) wie im Flug.

Ich war die ganze Woche in Lalling eingesetzt. Aus gegebenem Anlass habe ich mich in dieser Woche mit Asthma-Notfällen beschäftigt, welche laut Studien zum Glück über die Jahre seltener werden, aber kein Grund, nicht trotzdem für den Fall der Fälle gewappnet zu sein:
Denn am Dienstag kam ein kleiner Junge in die Praxis mit Atemnot, Lippenzyanose und Nasenflügeln und seine Sauerstoffsättigung war zu niedrig. Also wurde schnell die Indikation zur sofortigen Krankenhauseinweisung gestellt. Nach dem Alarmieren des Rettungswagens rief direkt eine Kindernotärztin in der Praxis an und unterstützte mit ihrer Expertise. Nach Einleiten der medikamentösen Therapie war auch schon der Rettungsdienst da und es ging zügig in die Klinik. Beeindruckt von dem raschen und reibungslosen Ablauf habe ich auf jeden Fall etwas für´s Leben gelernt und bin für den nächsten Notfall dieser Art gewappnet.

Eine spannendes Ereignis zwischen den, zum Glück, meist harmloseren Beratungsanlässen in der Hausarztpraxis.

 

Woche 9:  22.08. – 28.08. 2022

Diese Woche startete chaotisch, ein typischer Montag eben. Aufgrund von Krankheitsausfällen war eine Ärztin alleine in der Praxis eingeteilt und musste nun die Arbeit von zwei  bewältigen, weil es Montagmorgen schlecht möglich war, einige geplante zeitaufwendigere Termine zu verschieben. Ich half so gut ich konnte und  war dabei froh, in meiner Rolle als PJlerin noch etwas mehr Zeit für die PatientInnen zu haben. So widmete ich mich gerne denen, die etwas mehr Gesprächsbedarf haben, während die Ärztin gründlich aber flott die Patienten mit zeitlich überschaubareren Konsultationsanlässen abarbeitete. So kam eine Patientin zur Gesundheitsuntersuchung, ursprünglich nur, weil der “TÜV” mal wieder fällig war. Aber es stellte sich heraus, dass die Dame viele Päckchen zu tragen hatte, welche sie auch noch psychisch belasteten und ihr starke Zukunftsängste bescherten. Ich denke, es war gut, dass die Patientin genug Zeit bekommen hat, um alles, was sie plagt, zu erzählen. Denn während des Gespräches kamen immer mehr Themen auf, welcher einer Behandlung bedürfen. Unter Zeitdruck hätte die Patientin sich vielleicht gar nicht so öffnen können. 

Eine andere Patientin ist mir ebenfalls im Gedächtnis geblieben, da sie diese Woche gleich drei Mal in die Praxis gekommen ist. Sie ist eine ältere Dame, deren Bewegungsradius altersbedingt etwas eingeschränkt ist, ansonsten macht sie aber einen fitten Eindruck. Zunächst kam sie mit einem schmerzenden Sprunggelenk. Donnerstag wurde sie mit einer schmerzenden Schulter vorstellig, welche sie sich in der Woche davor schon beim Recken nach dem oberen Fach des Regals leicht gezerrt und am Montag vergessen hatte, dies zu berichten. In der Nacht hat die Schulter dann wieder etwas geschmerzt, darum der zweite Besuch dieser Woche. In beiden Fällen konnte ich durch eine Untersuchung abwendbar gefährliche Verläufe ausschließen und sie damit beruhigen. Zufrieden konnte ich sie wieder in die fürsorglichen Hände ihrer Tochter entlassen.

Am Freitag war ich überrascht, den Namen der besagten Dame vom Donnerstag schon wieder in der Patientenliste zu lesen und nahm mich neugierig ihrer an, was mag nun heute der Anlass sein? Ihre Tochter hatte das Sprunggelenk mit Quark versorgt, so dass sie nicht aufstehen konnte. Und natürlich klingelte das Telefon, welches sie von der Fensterbank angelte und sich wieder leicht die Schulter zerrte, wegen der sie gestern da war. Also das gleiche nochmal von vorne. Ich befragte sie nach dem Schmerztyp und Ort, untersuchte sie gründlich und konnte wieder Entwarnung geben. Die Muskeln waren gereizt, würden sich aber bald wieder erholen. So kurz vor dem Wochenende wollte sie dies einfach nochmal abgeklärt haben. Ich bin froh, dass nichts Schlimmeres hinter den Schmerzen steckte und ich die Patientin mit ein paar Sätzen beruhigen konnte. 

Und genau das mag ich so sehr an der Allgemeinmedizin: Zeit und die richtigen Worte sind für die PatientInnen Gold wert und ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug von HausärztInnen.

Woche 10: 29.08. – 04.09.2022

Diese Woche ging es etwas ruhiger zu. Eine gute Gelegenheit Frau Marder über die Schulter zu gucken. Sie kümmert sich um das Disease Management Programm (DMP) - Koronare Herzkrankheit (KHK). 

Ziel der DMP-KHK ist es, durch eine zugeschnittene und koordinierte Behandlung den Fortschritt und das Risiko der koronaren Herzerkrankung zu kontrollieren und korrekt einschätzen zu können. Dafür werden in regelmäßigen Abständen die Blutwerte kontrolliert, ein EKG geschrieben, die Medikamente überprüft und typische Symptome abgefragt.

Außerdem konnte ich sowohl in der Praxis als auch beim Hausbesuch geriatrische Basis Assessments begleiten, dabei werden bei Patienten ab 70 Jahren Tests zur Detektion motorischer Einschränkungen, Selbsthilfefähigkeit und Demenz durchgeführt. Das Ziel ist, dem Patienten ganzheitlich Hilfe zukommen zu lassen und eine den Lebensbedingungen angepasste Therapie der Erkrankungen durchzuführen. 

So konnte ich feststellen, dass gerade Patienten, die im hohen Alter oder aufgrund von Vorerkrankungen besonderer Fürsorge bedürfen, gut aufgehoben sind, damit bei etwaiger Verschlechterung des Krankheitsbildes sofort interveniert werden kann, um lange die bestmögliche Gesundheit und Lebensqualität zu erhalten.

Diese Woche hatte uns eine Patientin wieder Rätsel aufgegeben. Nachdem sie vor fünf Wochen unter einem grippalen Infekt mit starkem Husten litt, hatte sich das Beschwerdebild nun komplett verändert: die Patientin hatte Schmerzen von den Knien aufsteigend, eine taube Stelle am Oberschenkel und Schmerzen im Unterbauch. Aber keine anderen Symptome, die bauchschmerztypisch wären. Das Blutbild, der Urin und die Sonographie waren unauffällig. Ein paar Tage später kam die Patientin wieder, weil die Schmerzen noch weiter “hochgewandert” waren. Nun taten ihr der Oberbauch und die Rippenbögen weh, dabei ein leichtes pelziges Gefühl, in der Sonographie war nun der Pankreas etwas auffällig. Aber immer noch waren die Beschwerden sehr diffus und die Schmerzmittel halfen ihr leider nicht. Also geht die Diagnostik weiter…

In der sechsten Woche habe ich von einer Patientin berichtet, welche unter Atemnot und einem unerklärlichen Gewichtsverlust litt. Ich kann positives berichten: eine Neoplasie hat sich nicht bestätigt. Die Patientin hatte eine Lungenentzündung und hat sich mittlerweile gut erholt.

Nicole Neumair

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11

Woche 1: 27.06. – 03.07.2022

Jetzt bin ich also hier. Zum Glück – denn gleich nach meiner Ankunft hat mein Auto beschlossen, den Geist aufzugeben. Wie gut, dass ich es wenigstens noch bis zu meiner Unterkunft geschafft habe – und ziemlich blöd für die Planung der ersten Woche, denke ich. Schließlich ist man hier doch recht stark auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen. Aber meine Sorgen werden schnell beruhigt. Ein Tausch mit meiner PJ-Kollegin Sabine, die ebenfalls gerade frisch angekommen ist, und viel Entgegenkommen und Hilfsbereitschaft vom Praxisteam machen die ganze Sache halb so wild.
So starte ich also am Montag nicht wie ursprünglich geplant in Auerbach, sondern in Schöfweg, wohin mich Dr. Blank die ersten drei Tage dankenswerterweise mitnehmen kann. Eigentlich sofort wird mir klar, dass das kein Kindergarten-Aufenthalt wird. Obwohl ich in Bezug auf die Lehre auch in meinen ersten beiden PJ-Tertialen viel Glück hatte, ist hier doch nochmal deutlich mehr geplant und gefordert – im besten Sinne!
Den ersten Tag laufe ich erstmal noch mit Dr. Blank mit und kann mir einen ersten Überblick über die Praxisabläufe und die Arbeitsweise des Chefs verschaffen. Schon am nächsten Tag fange ich an, deutlich mehr selbstständig zu machen. Ich muss mich noch daran gewöhnen, denn das mit dem selbstständigen Arbeiten ist im Medizinstudium und auch im PJ so eine Sache. Aber gerade auch das war ja schließlich einer der Gründe, warum ich hierher kommen wollte.
Auch merke ich, dass man über die Zeit des Studiums doch das Eine oder Andere gelernt hat. Trotzdem bin ich froh, dass es noch nicht an mir ist, endgültige Entscheidungen über das weitere Vorgehen oder die Therapie der mannigfaltigen Anliegen der ebenso mannigfaltigen Patienten treffen zu müssen. Immer wieder passiert es, dass ich zunächst denke, einen Patienten und sein Problem ganz gut „abgearbeitet“ zu haben und dann doch nochmal wirklich relevante Fragen von den Ärzten gestellt oder Dinge gesagt werden und ich denke „Mensch, das hast du vergessen!“. Aber auch dafür bin ich hier.
Es gibt in dieser ersten Woche noch viel zu organisieren und es fällt mir schwer, einen Überblick über die verschiedenen Besprechungen und Lehrveranstaltungen zu bekommen. Aber ich bin ganz zuversichtlich, dass sich das bald bessert, auch weil wir viel Unterstützung von den „alten Hasen“ unter den PJlern, aber auch vom Team bekommen.
Der Mittwoch ist besonders ereignisreich. Vormittags Praxisarbeit, am Nachmittag ein Nahtkurs in Cham, der uns allen wahnsinnig viel Spaß gemacht hat, dann ein Journal Club am Abend in Regen mit anschließendem gemeinsamen Ausklingenlassen beim Italiener.
Pünktlich zum Freitag ist mein Auto repariert, sodass ich mich mit vielen Eindrücken in meine oberbayerische Heimat ins Wochenende aufmachen kann.

Woche 2: 04.07. – 10.07.2022

Hoppla - Woche zwei ist ja schon wieder rum! Das ging sehr schnell.

Was die Besprechungen und Teachings angeht, bekomme ich langsam einen Überblick. Ich lerne eine weitere Praxis kennen: Auerbach. Klein, ein bisschen alt aber irgendwie süß. Mit Dr. Kalmancai verstehe ich mich auf Anhieb sehr gut, seine ruhige und besonnene Art macht es mir leicht, mich auf seine Arbeitsweise einzulassen. Auch treffe ich zum ersten Mal so richtig auf meine Mentorin, die mir immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht. 

Schon bald hole ich sie mir frühzeitiger als sonst üblich zu einer Patientin hinzu. Diese ist nach einem schweren Schicksalsschlag völlig am Boden zerstört und ich fühle mich noch lange nicht so weit, sie kompetent unterstützen zu können in ihrer Situation. Ob man überhaupt jemals an so einen Punkt kommt? Ich muss selbst mit den Tränen kämpfen, die Geschichte der jungen Frau berührt mich sehr. Es hilft mir zu sehen, wie meine Mentorin ruhig und sachlich, gleichzeitig aber auch empathisch mit der Patientin spricht. Ich lerne an diesem Tag viel über den Umgang mit Patienten, die eine schlimme Nachricht zu verarbeiten haben. Kein sehr schöner Aspekt unseres Jobs. Oder vielleicht doch? Zwar können wir nichts ungeschehen machen und das Leid muss trotzdem ausgehalten werden, aber in einem gewissen Umfang - wenn auch nur in einem ganz kleinen - können wir solchen Patienten helfen, wieder etwas Halt zu finden. Wir können ihnen helfen, etwas zur Ruhe zu kommen und vielleicht auch ihre Gedanken zu ordnen - manchmal mit Medikamenten, vor allem aber mit Gesprächen.

Ein weiteren Aspekt des Hausarztseins, insbesondere auf dem Land, lerne ich bei den ersten Hausbesuchstouren kennen. Ob ich für mich selbst daraus viel Kenntnisgewinn habe, kann ich noch nicht sagen. Der kommt vermutlich erst, wenn man die besuchten Patienten schon etwas kennt und regelmäßig sieht.

In Kirchberg treffe ich erneut auf Dr. Machac. Ebenfalls ein sehr netter Arzt, immer bemüht uns etwas beizubringen. Mit seinem sehr zielstrebigen Tempo mitzuhalten fällt mir allerdings etwas schwer. Ich hege die Hoffnung, dass ich zum Ende des Tertials die einzelnen Fälle auch etwas schneller gedanklich durcharbeiten und abhaken kann. Übung macht den Meister. Das merke ich auch beim Ultraschall. Obwohl noch meilenweit entfernt vom Profi-Niveau, stelle ich doch schon einige Verbesserungen an meiner Technik fest. Die Knopfologie - das Drücken der richtigen Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt - wird mich noch ein Weilchen beschäftigen.

Am Wochenende habe ich endlich Gelegenheit, etwas mehr von der wunderbaren Gegend zu erkunden - der Lusen und das Moor rufen.

Woche 3: 11.07. – 17.07.2022

Woche 3 war fast so schnell um wie Woche 2. Dennoch habe ich immer noch ein bisschen das Gefühl, den Dingen hinterher zu laufen. Aber ich werde zuversichtlicher, dass sich das demnächst gibt.

Zum Anfang der Woche war ich wieder in Schöfweg, diesmal bei Frau Dr. Kleudgen. Ein etwas chaotischer Wochenstart aber ich habe schnell das Gefühl, dass ich hier wirklich viel mitnehmen kann. Ich lerne das eine oder andere über Todesbescheinigungen, ein Thema, das im Studium zwar angesprochen wird aber bei dem viele Mediziner immer wieder auf Schwierigkeiten treffen. “Bürokratie-Deutschland” huscht es mir durch den Kopf, aber natürlich soll und muss unter diesen Umständen alles seine Ordnung haben.

Ein weiterer Schwerpunkt scheinen diese Woche Hauterscheinungen zu haben - nicht gerade mein Lieblingsthema. Um so besser, dass ich gezwungenermaßen immer mal wieder damit konfrontiert werde. Die Haut kann sehr viele Zustände und Erkrankungen des Körpers abbilden und eine fundierte Kenntnis darüber ist auch in der Hausarztpraxis äußerst wertvoll und wichtig. Hier habe ich auf jeden Fall noch Nachholbedarf, fast hoffe ich auf noch mehr Dermatologie-Rätsel.

Mit den meisten Patienten komme ich wirklich gut zurecht. Vor allem hier im Bayerischen Wald sind die meisten sehr herzlich und begegnen einem manchmal fast schon zu familiär, wird man als Mediziner doch angehalten - völlig zu recht -, eine gewisse Distanz zu den Patienten zu wahren. Hin und wieder aber begegnet man Menschen, die man nicht so recht anzupacken weiß oder die von ihrem Wesen her einfach etwas schwieriger zu händeln sind. Ein Phänomen, das natürlich nicht auf die Hausarztpraxis beschränkt ist. Aber hier kann man solchen Situationen im Zweifel nicht einfach ausweichen. Das Praxisteam kennt in der Regel seine Pappenheimer und die wirklich schwierigen oder unangenehmen Fälle werden von den alten Hasen übernommen. Einerseits recht angenehm; andererseits müssen wir früher oder später selbst damit klar kommen und ein bisschen Übung schadet nicht, zumal wir hier viel Gelegenheit haben, uns Feedback und Tipps abzuholen. Auch bei diesem Thema hoffe ich auf noch mehr Trainingsmöglichkeiten.

Donnerstag und Freitag darf ich dann das erste mal die Praxis in Lalling mit Frau Dr. Takacs und Frau Dr. Hill kennenlernen. Da es diese zwei Tage etwas chaotisch ist, finde ich mich zunächst etwas schwierig zurecht. Aber schnell wird es besser.

Ich erfahre am Patientenbeispiel, welche Schwierigkeiten eine ausgeprägte Niereninsuffizienz in der angewandten Praxis machen kann. Die Niereninsuffizienz kommt doch recht häufig vor, zum Glück dauert es aber meist eine Weile, bis ein solch schweres Stadium erreicht wird wie es in diesem Fall vorliegt. Ein großer Lebenseinschnitt, das wird mir sehr bewusst, als ich der Betroffenen gegenüber sitze und sie mir von all den Problemen berichtet, mit denen sie gerade zu kämpfen hat und die sich untereinander und mit deren Lösungen gegenseitig im Weg stehen. Als ich noch ein Kind war, haben unsere Nachbarn zum Geburtstag immer Gesundheit gewünscht - denn “Gesundheit ist das Wichtigste!”. Als kleines Mädchen war mir die Wahrheit und Tragweite dieser Worte von gefühlt 100-jährigen Menschen nicht bewusst. Fälle wie dieser zeigen mir aber inzwischen immer wieder - sie hatten so Recht!

Woche 4: 18.07. – 24.07.2022

Die Hitze macht uns allen zu schaffen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass diese Woche recht ruhig ist. Mein Fokus wird immer mal wieder auf EKGs und deren Interpretation gelenkt. Aus irgendeinem Grund werde ich von einigen Mitstreitern hierbei für viel kompetenter gehalten als ich es bin. Das weckt meinen Ehrgeiz, das mir unterstellte Level zu erreichen. Gar nicht so einfach - wie ein Arzt im PJ-Tertial Innere Medizin zu mir gesagt hat: über Zacken kann man nie genug lernen. So versuche ich, so viele EKGs wie mir möglich in die Finger zu kriegen.

Am Mittwoch geht es spontan zu einem Notfall-Hausbesuch. Ein älterer Herr hat Bauchschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Seine Tochter macht sich Sorgen. Wie Frau Quaderer und ich dann feststellen, durchaus zu Recht. Wir möchten ihn gerne ins Krankenhaus schicken, um Schlimmeres auszuschließen. Das gefällt ihm verständlicherweise nicht. Es braucht einiges an Überzeugungsarbeit - nicht zuletzt mit tatkräftiger Unterstützung durch die Tochter des Patienten -, um ihn dazu zu bewegen, einzulenken. Wir als Ärzte können niemanden zwingen, eine bestimmte Behandlung zu beginnen oder ins Krankenhaus zu gehen, auch wenn wir es manchmal für unumgänglich halten. Und meistens wollen wir das auch nicht. Zumindest reden wir uns das immer wieder ein.
Passend dazu hören wir am Mittag gleich danach einen Vortrag zu Patienten mit Suchtproblemen in der Hausarztpraxis. Auch die sind sehr oft beratungsresistent und man wünscht sich so manches Mal doch, dass man seine Patienten zu der einen oder anderen Maßnahme zwingen kann. Gleichzeitig sollen und wollen wir unseren Patienten respekt- und verständnisvoll begegnen - eine Zwickmühle für den Arzt. Auf der Grundlage dieser Überlegung entsteht eine interessante Diskussion und wieder einmal wird mir vor Augen geführt, wie großartig die Möglichkeit ist, mit unterschiedlichen Medizinern in den Dialog zu treten, neue Denkanstöße zu erhalten und auf Augenhöhe über das Für und Wider eines Themas zu diskutieren. Keine Selbstverständlichkeit, leider.

Ein weiteres Wochenhighlight ist das Teaching zum 3. Staatsexamen am See. In entspannter Atmosphäre wird uns ein wenig die Angst vor der letzten großen Prüfung unseres Studiums genommen. Als eine Person, die lieber zuhört als redet, ist mir diese mündliche Prüfung ein echter Graus. Doch den anderen geht es ganz genauso. Vielleicht etwas gemein aber das allein beruhigt schon. Es werden 2 Probeläufe eines mündlichen Staatsexamens zum Teilbereich Allgemeinmedizin durchgeführt. Noch kann ich mich nicht dazu durchringen, selbst als “Prüfling” anzutreten und schaue nur zu. Doch auch das hilft mir schon enorm, ein besseres Gefühl für diese Prüfung zu bekommen und ein bisschen weniger Bammel zu haben.

 

Woche 5: 25.07. – 31.07.2022

Die erste Woche ist zu Ende, die ich komplett in Schöfweg verbringe. Wieder etwas ruhiger als die ersten Wochen. Aber das ist nichts Schlechtes, so hat man etwas mehr Zeit sich ausführlich den Patienten zu widmen. Gerade am Anfang fühlen sich viele Berufseinsteiger doch noch etwas unsicher und würden den Patienten lieber 2 Stunden als 2 Minuten Fragen stellen, um auch ja nichts zu übersehen. Zeit zu haben gibt einem die Möglichkeit, in Ruhe über die Struktur und das Ausmaß von Anamnese - das heißt Befragung - und klinischer Untersuchung nachzudenken und häufig stellt man fest, dass die gewünschten 2 Stunden dafür gar nicht nötig sind. Das nimmt einem ein wenig die Angst vor Fehlern.

Es kommt immer wieder mal vor, dass man es mit unzufriedenen Patienten zu tun bekommt. Natürlich gibt es für Unzufriedenheit immer einen Grund. Diesen herauszufinden, ist manchmal nicht so einfach. Manchmal stellt sich aber heraus, dass die Unzufriedenheit auf falschen Erwartungen der Patienten beruht. Manchmal werden nicht weiter begründbare Tatsachen auch einfach nicht akzeptiert. Wer könnte es den Patienten verdenken; sich einzugestehen, dass im Alter die Gelenke verschleißen und deshalb schmerzen ist genauso schlecht zu ertragen wie die Akzeptanz einer unheilbaren Erkrankung. Zum Glück sind es oftmals nicht so endgültige Befunde in der Hausarztpraxis, die wir Patienten mitteilen müssen. Aber auch ein einfacher Schnupfen oder eine Magen-Darm-Grippe können sehr störend sein, das kennen wir schließlich alle. In diesen Fällen hilft oft nur Abwarten und das sprichwörtliche Teetrinken. Wenn es mal länger dauert, kann das nicht jeder gut akzeptieren - da schließe ich mich selbst mit ein. Man hat nunmal Besseres zu tun als kränkelnd auf der Couch zu liegen. 

Wie also damit umgehen, wie mit der Unzufriedenheit umgehen, die manche Patienten an den Tag legen, wenn wir keine Wunderpille aus dem Hut zaubern können? Eine schwierige Sache, vor allem wenn ein Krankheitsverlauf tatsächlich ein klein wenig von der Norm abweicht. Hat man vielleicht doch etwas übersehen? An ein wichtiges Detail nicht gedacht? Krankheit ist  nicht schön und wir wollen Ärzte werden, um den Menschen zu helfen bestmöglich mit Krankheit umgehen zu können. Dafür tun wir unser Bestes. Wenn Patienten dennoch unzufrieden sind, ist das frustrierend, suggeriert es doch, dass wir vielleicht noch besser hätten arbeiten können. Die Unterscheidung von einem banalen Infekt, der einfach eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt und vorrangig nervt, oder Alterszipperlein von einer potenziell schwerwiegenden Erkrankung ist hin und wieder alles andere als einfach. Fehlendes Vertrauen ist dabei nicht hilfreich, stört es doch die Arzt-Patienten-Beziehung und führt im schlimmsten Fall zu Fehleinschätzungen in die eine oder andere Richtung. Vertrauen zu erhalten und Unzufriedenheit zu vermeiden ist manchmal schwierig, aber ungemein wichtig. Etwas, an dem wir alle nicht genug arbeiten können.

Der Ultraschall ist eine ganz wunderbare Untersuchungsmethode - schnell, leicht verfügbar, sehr vielseitig, günstig und theoretisch von jedem durchführbar. Eine strukturierte Vorgehensweise beim Ultraschall zu haben, ist schon die halbe Miete für eine gute Untersuchung. Um aber richtig gut zu werden, muss man einfach wahnsinnig viel üben. In der Praxis bekomme ich viel Gelegenheit zum Üben. Und auch, wenn ich das Gefühl habe, mit jedem Mal Üben besser zu werden, bin ich noch sehr weit entfernt davon, ein guter Schaller zu sein. Dennoch macht es sehr viel Spaß und den Fortschritt zu erleben ist sehr motivierend.

Eine nette Abwechslung diese Woche ist das Sommerfest der Praxen in Lalling. Man erfährt ein wenig mehr über die Menschen, die hinter den Ärzten und MFAs stecken. Im Arbeitsalltag bleibt dafür oft keine Zeit. 

Woche 6: 01.08. – 07.08.2022

Schon recht zu Beginn der Woche treffen wir Studentinnen uns mit ein paar von den Ärzten bei einer kleinen Gartenparty. Die verschiedenen Charaktere auch mal in einem privateren Umfeld zu begegnen ist interessant. Die Kirchberger Truppe darf zudem den erweiterten Grafenauer Kreis erstmals kennenlernen. Der gemütliche Abend ist aber mit einiger Vorbereitung verbunden. Den Großteil haben sicherlich die Grafenauer Mädels übernommen, da der Abend bei ihnen stattgefunden hat, und das haben Sie mit Bravour gemeistert. 

Das nächste Highlight ist der Antibiotika-Kurs von MUDr. Rudolf Baloun. Schon bei unserem ersten Journal Club war er uns allen aufgefallen und man hatte schnell den Eindruck, dass er unglaublich viel weiß. Das bestätigt sich dann auch in dem extra für uns veranstalteten Kurs. Eine tolle Wiederholung zu den Themen Infektionen und Antibiotikatherapie, ein wahnsinnig komplexes Thema, mit dem man sich nicht oft genug beschäftigen kann. Es ist so umfangreich, dass nicht alles in dieser Session Platz findet, aber der Ausschnitt war sehr gewinnbringend. Vielen Dank dafür!

Passend dazu sehe ich eine Patientin in Schöfweg wieder, die uns schon in der Woche zuvor ein wenig Kopfzerbrechen bereitet hat. Ein scheinbar banaler Harnwegsinfekt, den die Patientin mit dem besten Mittel - nämlich sehr viel trinken - sofort selbst behandelt hat; weil das offenbar nicht ausreichte und sie an einem Wochenende Schmerzen im Unterbauch entwickelte, stellte sie sich im Notdienst vor. Trotz unauffälligem Urin-Schnelltest - das heißt, ein Harnwegsinfekt ist doch nicht so wahrscheinlich - gab man ihr ein Antibiotikum, ein Standardmedikament bei Blasenentzündungen. Auch das brachte nichts, sodass sie in die Praxis kam. Hier war der Urin-Schnelltest ebenfalls unauffällig, außerdem klangen die Symptome, von denen die Patientin berichtete, etwas untypisch, sodass der Anfangsverdacht eines einfachen Harnwegsinfekts erstmal verworfen wurde. Zur Sicherheit wurde dennoch Urin für eine Kultur ins Labor geschickt. In dieser zeigten sich dann tatsächlich viele Bakterien, der Anfangsverdacht war wieder ganz vorn im Rennen dabei. Ein erneutes ungewöhnliches Detail erbrachte das sogenannte Antibiogramm, das uns sagt, welche Antibiotika bei bestimmten Erregern wirksam sind. Das verabreichte Antibiotikum hätte eigentlich wirken müssen; wir entschieden uns für einen neuen Versuch mit einem anderen. Was man aus dieser Geschichte lernt: es gibt nichts, was es nicht gibt und es läuft nicht immer alles wie im Lehrbuch. Gespannt erwarte ich nun in der kommenden Woche eine Nachricht, ob sich die Patientin nochmal meldet, weil die Therapie wieder nicht gewirkt hat oder nicht und es ihr gut geht.

Woche 7: 08.08. – 14.08.2022

Diese Woche steht ganz im Zeichen der Psyche.

Montag stellt sich ein neuer Patient vor. Er möchte gerne die Praxis wechseln. Schon bei den ersten Sätzen merke ich, dass hier wohl etwas im Argen liegt. Manchmal kann man das noch gar nicht so recht festmachen an bestimmten Dingen. Es ist mehr ein Gefühl. In diesem Fall lässt mich der Patient nicht lange raten - er erzählt von sich aus zumindest in Ansätzen von seiner schwierigen Vergangenheit. Zugleich betont er, dass er nun sein Leben in den Griff bekommen möchte - ohne Klinik. Das finde ich toll - und recht engagiert, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich habe schnell erkannt, dass das ein harter Brocken wird, mit einem kurzen Gespräch ist es hier definitiv nicht getan. Zumal uns von medizinischer Seite bisher nichts zu diesem Patienten bekannt ist. Das Wartezimmer ist voll und uns fehlen objektive Informationen. Für ein suffizientes Gespräch würde das Behandlungszimmer wahrscheinlich für mehrere Stunden blockiert sein. Trotzdem möchten wir dem Patienten und seinen Bedürfnissen natürlich gerecht werden. Am Ende eines einigermaßen knappen Gespräches, das aber doch schon eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, steht der Plan, dass er sich nächste Woche nochmal für ein ausführlicheres Gespräch vorstellt und in der Zwischenzeit wichtige Informationen zu seiner Vorgeschichte eingeholt werden. Ein guter Plan, denke ich. Man merkt, dass er Hilfe braucht und möchte. Dennoch wirkt er auf mich in diesem Moment soweit stabil, dass man ihm die Woche Wartezeit gut zutrauen kann. Doch es kommt anders; am nächsten Tag ist er wieder da und möchte in eine Klinik. Seinem Empfinden nach kommt er mit seiner Situation nicht ausreichend zurecht; das steht im Gegensatz zu unserer ersten Einschätzung am Vortag. Da wir aber den Patienten noch gar nicht kennen und offenkundig eine Vielzahl an komplexen Problemen vorliegt, kommen wir seiner Bitte gerne nach. Zumal der Patient selbst eigentlich auf uns so wirkt, als könne er die gegenwärtige Situation ganz gut einschätzen. Er kennt sich naturgemäß ja auch ein wenig. In der Wartezeit, bis der Krankenwagen da ist, ist mir dann doch etwas mulmig. Besteht womöglich die Gefahr, dass das Ganze in der Praxis nun außer Kontrolle gerät? Ist der Patient etwa davor, etwas wirklich Ungutes zu tun - hier in der Praxis? Habe ich das Recht, beunruhigt wegen meiner eigenen Sicherheit zu sein? Gibt es dazu einen Grund? Ich möchte dem Patienten so gerne helfen, aber es ist völlig klar, dass wir in dieser Lage an unsere Grenzen gekommen und auf spezialisiertere Hilfe angewiesen sind. Hoffentlich werde ich noch die Gelegenheit haben, diesen Fall ein wenig länger zu verfolgen.
 

Das Thema zieht sich weiter durch - mal in Form eines ausgearteten Streits mit einem Nachbarn, der zu einem kleinen Nervenzusammenbruch geführt hat, mal in Form eines Schicksalschlages. Es fällt mir zunehmend etwas leichter, den Geschichten zwar mit Empathie aber dennoch mit emotionalem Abstand zu folgen.

Am Anfang meines Tertials kam es durchaus vor, dass ich mit den psychisch angeschlagenen Patienten mitgeweint habe. Das passiert nun nicht mehr. Nicht, weil ich kein Mitgefühl mehr für die Schicksale unserer Patienten aufbringen kann. Aber es gelingt mir nun deutlich besser, die nötige Distanz zu wahren.

Woche 8: 15.08. – 21.08. 2022 

Eine kurze Woche in Kirchberg beginnt - nach einem tollen verlängerten Wochenende. 

Da es Urlaubszeit ist und viele weggefahren sind, fallen die Besprechungen diese Woche etwas knapper als sonst aus. Das entzerrt die Woche zusätzlich zum freien Montag. Aber ich merke auch, dass sie mir als Denkanstoß ein bisschen fehlen.

Wieder einmal begegne ich einem schwierigen Patienten. Zunächst habe ich nach Startschwierigkeiten das Gefühl, der Situation ganz gut zu begegnen, ich komme einigermaßen gut ins Gespräch mit ihm und befrage ihn ausführlich zu seinen Beschwerden, nehme mir Zeit. Als ich den Arzt zum Gespräch dazu hole, habe ich aber das Gefühl, dass ich mich mit meiner Einschätzung getäuscht habe. Der Patient zeigt kein Interesse daran, das Gespräch noch einmal aufzunehmen und geht einfach - quasi mitten im Satz. Ich bleibe beinahe schockiert zurück - was haben wir bloß falsch gemacht? Obwohl mir versichert wird, dass es nicht an mir liegt und man bei manchen Patienten genauso gut mit einer Wand reden könnte, frage ich mich doch immer wieder, was ich anders hätte machen können. Habe ich etwas falsch verstanden? Oder nicht ernst genug genommen? Haben wir nun etwas Wichtiges übersehen, weil das Gespräch so abrupt geendet hat? Nun ja, letztlich kann man niemanden zu einem Gespräch zwingen - oder zu einer Therapie oder zu sonst etwas.

Außerdem sehen wir eine entzündete Operationswunde. Über mehrere Tage in der Woche kommt der Patient immer wieder und wir können wunderbar beobachten, wie die Therapie ihre Wirkung tut. Ein tolles Gefühl. Das ist einer der Gründe, warum wir tun, was wir tun. Es gibt ein Problem, es wird eine Lösung gesucht und die Lösung fruchtet.

Ich merke, dass ich bei den einfacheren Fällen inzwischen schon viel mehr Selbstsicherheit habe. In einer Hausarztpraxis kann man das gedankliche Abhaken von Patientenfällen sehr gut üben. Die meisten sind nicht akut gefährlich, was schon mal viel Druck nimmt. Und im Großteil der Fälle kann man sich darauf verlassen, dass die Patienten wieder kommen und man das Geschehen langfristig im Blick hat. Das gibt einem das Gefühl, nicht womöglich etwas Wichtiges zu verpassen. Zudem hat man viel mehr den ganzen Menschen im Blick als einem das in der Klinik möglich ist. Man bekommt einen besseren Eindruck von seinen Patienten und kann mit einem besseren Gefühl abschließen, wenn dieser die Praxis verlässt. Dann kann man sich voll auf den nächsten Patienten konzentrieren.

In unserem Donnerstagstreffen sprechen wir über das Handling von Marcumar. Ein alltägliches Thema in der Hausarztpraxis, dennoch eines, das einem als Student eher schwer fällt. Wir alle hatten keinen richtigen Plan, wie man so etwas am besten angeht. Nach dem Teaching ist das deutlich besser. Außerdem hören wir noch etwas zur Therapie eines akuten Asthmaanfalls. Nicht ganz so alltäglich - aber Asthmapatienten sind es schon. Das und die Tatsache, dass so ein Aasthmaanfall potentiell lebensbedrohlich ist, machen auch das zu einem wirklich wichtigen Thema.

Am Freitag bin ich aufgrund der aktuellen Urlaubssituation ausnahmsweise in Rinchnach und treffe zum ersten Mal Petra Arbinger in live. Zuvor haben wir uns immer nur online zu den Besprechungen gesehen. So freue ich mich auf den Nachmittag. Ich stelle mal wieder fest, dass ich mich mit der Eingewöhnung in eine neue Situation etwas schwer tue - Neue Praxis, neue Menschen, neue Abläufe. zwangsläufig hat sich das im Laufe des Studiums schon deutlich gebessert aber es ist offenbar immer noch viel Luft nach oben.

Woche 9: 22.08. – 28.08. 2022 

Eine spannende Woche liegt hinter mir. In den meisten Fällen traue ich mir inzwischen zu, recht gut einschätzen zu können, wie gut oder schlecht es einem Patienten geht bzw. wie ernst eine Situation ist. Oftmals passen subjektives Empfinden des Patienten und objektive Wahrnehmung nicht zusammen. Zu Anfang ist jeder Fall wie ein kleines Rätsel oder Puzzle, in das die Angaben der Patienten, die Untersuchung und nicht zuletzt viel Bauchgefühl eingehen. Dieses Bauchgefühl trügt mich nach einem dreiviertel Jahr PJ nun nicht mehr ganz so häufig wie am Anfang.

Ein recht eindrücklicher Fall begegnet mir gleich am Montag. Es ist nicht sofort eindeutig klar, mit welcher Erkrankung wir es zu tun haben; klar ist aber sehr schnell, dass hier gefährliche Dinge im Krankenhaus abgeklärt werden müssen. Es handelt sich um einen recht jungen Menschen, mitten im Leben, kleine Kinder zu Hause. Zunächst wirkt er fit und fröhlich. Doch er erklärt mir, dass er sehr besorgt ist - zurecht, wie sich bald herausstellt. Seit kurzer Zeit plagen ihn seltsame Schwindelanfälle mit Schweißausbrüchen. Das sind recht unspezifische Symptome, die eine ganze Latte an Ursachen haben können. Gedanklich gehe ich schon einige durch. Viele der in Frage kommenden Diagnosen sind zwar störend aber nicht akut gefährlich oder doch wenigstens gut und schnell in den Griff zu bekommen. Ich fange mit ein paar allgemeinen Untersuchungen an: Herz, Lunge. Als er jedoch erwähnt, seinem Umfeld sei aufgefallen, dass er bei diesen Anfällen zu schielen anfinge, werde ich hellhörig. Das grenzt die Möglichkeiten stark ein und lässt Sorge in mir hochkommen. Der sogenannte Blickfolgeversuch ist auffällig -  die Augen arbeiten nicht so zusammen, wie sie sollten. Mehr braucht es in diesem Moment gar nicht als Hausarzt, um zu wissen, dass wir hier unverzüglich auf spezialisierte Hilfe zurückgreifen müssen. Mir wird wieder einmal klar, dass es oft nur ein Schlüsselsymptom braucht, um auf die richtige Spur zu kommen. Und wir als Ärzte sind darauf angewiesen, dass Patienten uns vollumfänglich informieren, dabei aber nicht das Wesentliche aus dem Blick verlieren.

Dienstag sehe ich den Patienten mit der komplexen Vorgeschichte wieder. Er wirkt schon ruhiger, es scheint ihm etwas besser zu gehen. Aber noch lange nicht gut. Hier liegt noch ein langer Weg vor Arzt und Patient. Bei so schwierigen Fällen wie diesem droht man, den Mut zu verlieren als Arzt. Es wird immer wieder Rückschläge geben und vielleicht wird er nie in die Nähe eines normalen Lebens kommen. Genau das möchte man aber für diese Menschen - ein kleines Stück Normalität. Man muss hier wirklich aufpassen, weder in Verzweiflung noch in Gleichgültigkeit abzugleiten. Eine neutrale Haltung zu wahren, ist hier wirklich schwierig, aber genau das, was unsere Aufgabe ist und was den Patienten am meisten hilft.

Ab Mittwoch wird es bauchlastig. Bauchschmerzen sind ein weites, weites Feld. Erst sehe ich eine sehr junge Frau mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen. Die Schmerzen seien schon recht stark, sie liegt aber noch einigermaßen entspannt auf der Liege. Bei diesem Schlüsselbegriff denkt der brave Student sofort an eine Blinddarmentzündung. Im Ultraschall suchen wir zunächst auch genau danach. Darmschall ist schwierig und man hat immer ein wenig das Gefühl, im Trüben zu fischen. So auch in diesem Fall. Es ist nichts auffällig im Bereich des Blinddarms. Das erklärt sich aber, als wir ein Stück weiter etwas Seltsames entdecken, das hier nicht hingehört. Auch in diesem Fall kann man in der Praxis nicht viel weiter tun. Sie muss ins Krankenhaus. Wir alle erwarten gespannt auf den Arztbrief, der hoffentlich nächste Woche kommt und uns endgültige Antworten auf unsere Spekulationen liefert. Quasi genau anders herum läuft es bei der nächsten Patientin. Sie hat seit wenigen Stunden wirklich sehr starke Schmerzen im linken Bauch, nimmt eine Schonhaltung ein, das Laufen fällt ihr schwer. Die Liste an Differenzialdiagnosen bei linksseitigen Bauchschmerzen ist mittellang; auf jeden Fall kein absolut eindeutiges Symptom. Auf Nachfrage gibt sie an, ungewöhnlicherweise seit einigen Tagen keinen Stuhlgang gehabt zu haben. Wir raten ihr, sich zunächst mit Abführmitteln zu versorgen und tatsächlich, am nächsten Tag geht es ihr schon deutlich besser. Auch eine schnöde Verstopfung kann brutal sein - und unter Umständen sogar gefährlich. 

Ich nehme mit: aus den Beschwerden und deren Schwere bzw. dem alleinigen Eindruck, der einem zunächst vermittelt wird, kann man nicht darauf schließen, wie schlimm es tatsächlich ist.

Woche 10: 29.08. – 04.09.2022

Der etwas besorgniserregende Fall von letzter Woche stellt sich wieder vor! Ich freue mich, zu erfahren, wie es weitergeht. Ein schöner Aspekt in der Allgemeinmedizin; man kann die Patienten über längere Zeit begleiten und bekommt viel mit. 

In diesem Fall haben die Neurologen ein sehr seltenes Krankheitsbild diagnostiziert. Es geht dem Patienten schon deutlich besser als bei seinem ersten Besuch. Aber von einer Genesung kann noch lange nicht gesprochen werden. Da es sich um eine sehr spezielle Diagnose handelt, wird der Patient beim Facharzt angebunden. Es stehen weitere Untersuchungen an. Fast wehmütig bemerke ich, dass ich nicht mehr viel Zeit hier vor mir habe; so werde ich den Ausgang der Geschichte wohl leider nicht erfahren. 

Zur Abwechslung im allgemeinmedizinischen Arbeitsalltag bekomme ich mal wieder die Gelegenheit, mich chirurgisch zu betätigen. Nach einem Treppensturz muss jemand genäht werden. Eigentlich eine Kleinigkeit. Allerdings merke ich, dass das Instrumentarium in einer Hausarztpraxis nicht so recht zu vergleichen ist mit dem in einer Klinik. Eine Herausforderung. Doch ich bekomme es hin, selbstverständlich mit professioneller Unterstützung. Das Nähen und Schneiden erfreut mein Herz. Das ist das Schöne an der Chirurgie - es gibt ein Problem, man schneidet, man näht, man behebt das Problem. Fertig. Gut, das ist natürlich arg vereinfacht. Aber im Prinzip stimmt es.

Woche 11: 05.09. – 11.09.2022

Die erste komplette Woche in Lalling geht zu Ende. Gleichzeitig ist es für mich die vorletzte Woche hier im Bayerwald.

Wir sehen einige Patienten aus anderen Praxen, da diese derzeit im Urlaub sind. Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich manchmal die Symptome bei Patienten interpretiert werden und wie ein anderer Blickwinkel die initialen Arbeitsdiagnosen in Frage stellen können. Ebenso zeigt sich der eine oder andere Fall, bei dem einfach neue Informationen dazu gekommen sind. Jedenfalls müssen wir ein paar der Diagnosen und Behandlungen ändern. 

Wurde in den anderen Praxen schlecht gearbeitet? Ein klares Nein. Manches ist eben nicht eindeutig und manchmal kann eine kleine neue Information alles über den Haufen werfen, was vorher plausibel war. Als Mediziner ist man nicht zuletzt - wenn nicht sogar in erster Linie - auf vollständige und ehrliche Informationen von Seiten der Patienten angewiesen. Ohne sich dabei in Belanglosigkeiten zu verzetteln. Gerade auch deshalb ist es so wichtig, die richtigen Fragen zu stellen. 

Ein etwas rätselhafter Fall verfolgt uns die Woche über. Ein geschwollenes Bein, das allen zu denken gibt. Generell ein recht häufiges Symptom, meist kann man es nach ein paar Fragen und Untersuchungen recht schnell und sicher einem Krankheitsbild zuordnen. Nicht in diesem Fall. Der Patient präsentiert sich nicht direkt typisch für etwas Gefährliches - nämlich die tiefe Beinvenenthrombose -, aber eben gerade typisch genug, dass man die These nicht guten Gewissens verwerfen möchte. Obwohl sogar im Krankenhaus nach deren Bestätigung gesucht und diese Diagnose ausgeschlossen wurde. Jetzt heißt es erstmal weitere Untersuchungen abwarten und beobachten; vielleicht ergibt ein CT den alles entscheidenden Hinweis oder es erscheint doch noch das oben erwähnte neue Symptom, das einem die Schuppen von den Augen fallen lässt. Unbefriedigend, sowohl für den Patienten als auch für uns Mediziner.

Ebenfalls ein lehrreicher Fall war ein junger Mann, der sich nach einer Covid-Infektion mit weiter bestehenden Atembeschwerden und Müdigkeit vorstellt. Dieses Patienten-Klientel sehen wir recht häufig zur Zeit. Ebenfalls frustrierend, weil man nicht sehr viel tun kann, um die Situation zu verbessern. Etwas wirklich akut Gefährliches ist es in der Regel nicht - meistens hilft es nur abzuwarten. Das ewig gleiche Spiel. Das verleitet dazu, einen solchen Fall gedanklich schon beinahe abzuschließen, bevor man überhaupt mit dem Patienten gesprochen hat. Etwas, worauf ich hoffentlich besser achten werde in Zukunft, denn in diesem Fall zeigt das routinemäßig durchgeführte EKG eben doch eine Myokarditis - eine Herzmuskelentzündung.

Außerdem darf ich meine eigens gesetzten Fäden von letzter Woche entfernen. Alles gut verheilt. Eine runde Sache. Ein gutes Gefühl.

Caroline Swoboda

  • Statement zum PJ
  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 16

PJ in der Gemeinschaftspraxis Bayerwald: „Fachlich bin ich beeindruckt, was hier geleistet wird“

Medizinstudentin Caroline Swoboda entschied sich für ein PJ-Tertial Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis Bayerwald, weil sie die Famulatur dort schon in so guter Erinnerung hatte. Unterstützt wurde sie dabei von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband. Und wieder war sie fachlich „beeindruckt, was in der Gemeinschaftspraxis geleistet wird. Hier ihr Bericht:

Motivation

Die Antwort auf die Frage nach meiner Motivation für mein PJ-Tertial in der Gemeinschaftspraxis Bayerwald teilt sich in zwei Aspekte. Zum einen, warum ich mich für ein Allgemeinmedizin-Terital entschieden hab und zum anderen, warum ich das gerade auf dem Land machen wollte.

Für die Allgemeinmedizin habe ich mich entschieden, da ich in meiner Famulatur in dem Exzellent-Programm von Dr. Wolfgang Blank bereits positive Erfahrungen in einer Hausarztpraxis gemacht hatte. Ich schätze vor allem den langfristigen Kontakt mit den Patienten und die abwechslungsreichen Beratungsanlässe. Das Tertial speziell auf dem Land machen wollte ich, um hier die Arbeit in der Allgemeinmedizin zu erleben, bei der nicht direkt um die Ecke jeder andere Facharzt oder ein Krankenhaus zur Verfügung steht.

Tätigkeit und fachliche Eindrücke

In der Gemeinschaftspraxis wurde ich in jeder Zweigstelle als ärztliche Kollegin angesehen. Als PJ-Student darf man sich als „angehende(r) Arzt/Ärztin“ vorstellen und so wurde ich langsam an die Haltung eines Arztes herangeführt. Während der Sprechstunde habe ich mit einer der MFA oder dem ärztlichen Kollegen abgesprochen, welchen Patienten ich aufrufen darf. Dann hatte ich so viel Zeit, wie ich für Anamnese und körperliche Untersuchung benötigte. Daraufhin informierte ich den Patienten, dass ich nun einen Arzt dazu hole und stellte den Patienten mit seinen Symptomen vor. Je nach Beratungsanlass konnte ich einen Therapievorschlag äußern und das Prozedere wurde mit Patient und Arzt besprochen. Abschließend machte ich die Dokumentation zu dem Fall. Bei den Gesundheitsuntersuchungen durfte ich ebenso alleine beginnen und auch sonografieren. Danach wurde die Untersuchung wiederholt und ich konnte meinen Eindruck abgleichen.

Fachlich bin ich beeindruckt, was in der Gemeinschaftspraxis geleistet wird. Durch die regelmäßigen Fallbesprechungen, Journal Clubs und das leitliniengerechte Arbeiten habe ich das Gefühl, das evidenzbasierte Medizin hier wirklich groß geschrieben wird.

Betreuung vor Ort

Die Betreuung der Studierenden ist sehr gut organisiert. Die Koordination der Studierenden läuft über einen Arzt, der uns vor der Anreise über alles Wichtige informiert hat und auch während des PJ-Tertials begleitete. Außerdem gibt es in der Gemeinschaftspraxis viele junge Assistenzärzte, die einen gerne jederzeit unterstützen oder Fragen beantworten.
Fachlich wurden wir u. a. über die Fall- und Themenbesprechungen gut betreut, bei denen wir immer Fragen stellen durften und sollten.

Unterkunft

Die Unterkunft war wirklich hervorragend. Als PJ-ler hat man entweder eine eigene Wohnung oder eine Wohnung, in der zwei Schlafzimmer sind, von denen man eines alleine bewohnt und in dem anderen wechselnd ein/zwei Famulanten oder Blockpraktikanten wohnen. Beides sind große, saubere Wohnungen, in denen man sich wohl fühlen kann.

Land und Leute

Die Menschen im Bayerischen Wald wachsen einem wirklich schnell ans Herz und man ist immer auch als „Zugezogener“ willkommen. Ich habe recht bald ein paar Wörter übernommen und kann beim Abhören  „jetzt bitte tief ein- und ausschnaufen“ sagen, das hört sich so oder so viel sympathischer an.

Die Region an sich finde ich auf jeden Fall lebenswert, ich habe es genossen, inmitten der Natur zu wohnen und an den Wochenenden den Bayerischen Wald zu erkunden. Nur, dass man für fast jeden Weg das Auto braucht, ist für mich weiterhin gewöhnungsbedürftig geblieben.

Fazit

Zusammenfassend würde ich sagen, dass man durch die verschiedene Aufgaben, die man in der Gemeinschaftspraxis rund um die Besprechungen, Seminare und Journal Clubs hat, auf jeden Fall gefordert ist. Wer ein entspanntes Terital haben möchte, bei dem man um 12 Uhr geht, der ist hier falsch. Ich wusst, dass ich hier gefördert und gefordert werde und würde mich wieder für ein Tertial im der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald entscheiden.

Förderprogramme Stiftung Bayerischer Hausärzteverband

 

Woche 1: 7.3. - 13.3.2022

Meine Fahrt in den Bayerischen Wald beginnt am Freitag Nachmittag in Eichstätt, wo ich mein Tertial in der Inneren Medizin gemacht habe. Nach zweieinhalb Stunden, bin ich in Kirchberg und bin schon gespannt, die Unterkunft für die nächste Zeit zu sehen. Ich bin in der großen Wohnung, in der in zwei Schlafzimmern bis zu drei Studenten Platz haben. Es ist wirklich gemütlich hier und jetzt, nach einer Woche, fühle ich mich schon wohler als in der ganzen Zeit in einem kleinen Zimmer in Eichstätt.

Ich bin jetzt das vierte Mal im Bayerischen Wald. Begonnen hat alles mit dem Exzellenten Winter 2018. Da bin ich direkt nach dem 5. Semester für meine Hausarztfamulatur hierher gekommen. Besonders war für mich, wie viele begeisterte Mediziner ich hier getroffen habe, sowohl die Studenten als auch die Ärzte. Also bin ich im nächsten Jahr für ein Exzellentes Wochenende gleich wieder da gewesen. Letztes Jahr habe ich dann das erste Mal als Tutor für eine Woche beim Famulatur-Programm mitgeholfen und entdeckt, wie viel Spaß es mir macht gemeinsam mit den Studenten Teachings zu machen.

Jetzt bin ich also wieder hier. :) Meine erste Woche bin ich in den Praxen in Kirchberg und in Auerbach. Es ist wirklich ein großer Vorteil sein PJ hier zu machen, weil man so viele verschiedene Allgemeinärzte, ihre Arbeitsweise und Einstellung kennen lernen darf. Anfangs dürfen wir uns erstmal alle Praxen ansehen und dann überlegen, in welchen zwei wir überwiegend sein wollen. Im ersten Monat hier findet parallel die Exzellente Famulatur statt. Das heißt, nach dem Vormittag in der Praxis sind nachmittags Teachings angesagt. Am Dienstag helfen wir als PJler beim Wissenskurs mit und lernen auch selbst dazu. Als Student habe ich immer Amboss als Informationsquelle verwendet, aber ich beginne zu verstehen, dass ich hier in der Allgemeinmedizin vielleicht eine neue Lieblings-Quelle brauche. Jetzt habe ich mir die Seite deximed.de für Hausärzte angesehen und mir einen kostenlosen Account für Studenten angelegt. Am Mittwoch ist dann der Sono-Kurs. Es macht Spaß, gemeinsam mit den Studenten eine Abdomen-Untersuchung zu üben und ich freue mich, wenn ich helfen kann und wir doch noch die linke Niere der Studentin finden, die sich gerade zum Schallen zur Verfügung stellt. Am Samstag findet der Untersuchungskurs in Regen statt. Ich übe mit den Studenten die neurologische Untersuchung und die anderen Tutoren haben die Themen Thorax, Abdomen und HNO. Erschöpft, aber voller Eindrücke von der abwechslungsreichen Woche gönnen wir uns erstmal ein leckeres Stück Kuchen in einem netten Café in Rinchnach. Am Sonntag geht es dann mit den anderen Studenten zum Langlaufen auf den Bretterschachten. Die Sonne strahlt vom Himmel und wir ziehen ein paar Schichten unserer viel zu warmen Kleidung aus und genießen die Zeit auf den Skiern.

Insgesamt eine tolle Woche!

 

Woche 2: 14.03. – 20.03.2022

Die zweite Woche im Bayerischen Wald startet in der Praxis in Kirchberg. Ein Student aus dem Famulaturprogramm und ich gehen zusammen zu den Patienten, machen Anamnese und eine körperliche Untersuchung. Dann stellen wir einem der Ärzte den Fall vor und berichten unsere Überlegungen zur Therapie. Die Vormittage in der Praxis verfliegen nur so und an den Nachmittagen sind wieder die Teachings des Famulaturprogramms angesagt.

Am Dienstag sind Hannah und ich beim EKG-Unterricht dabei. Erst gibt es einen Vortrag von Frau Dr. Krenn und dann stürzen sich alle auf die mitgebrachten Übungs-EKGs. Hannah und ich müssen Rede und Antwort stehen. Warum ist die Q-Zacke hier so komisch? Ist das jetzt ein Indifferenztyp oder doch ein Steiltyp? Was ist ein S1-Q3-Typ? Wir geben uns Mühe beim Beantworten und befragen im Notfall das „EKG für Isabel“-Buch und unseren Joker Frau Dr. Krenn. Am nächsten Tag ist nachmittags die Fallbesprechung. Die Studenten bringen Fälle aus ihren Praxen mit und wir sprechen mögliche Differentialdiagnosen und Red Flags anhand der sechs Kategorien Entzündung, Tumor, Trauma, Gefäße, Stoffwechsel (+ Medis + Autoimmunerkrankungen) und Psyche durch. Um nichts zu übersehen, ist das eine tolle Hilfestellung! Am Donnerstagnachmittag dürfen wir mit den Famulanten nach Zwiesel in die Klinik zum Nahtkurs. Der Chefarzt und mehrere Assistenzärzte bringen uns geduldig bei, wie man Einzelknopfnähte, aber auch Rückstich- und Intrakutannähte macht. Die Woche endet mit dem Samstags-Teaching in Regen. Heute stehen Chronische Krankheiten auf der Tagesordnung. Als erstes erzählen uns zwei MFAs aus der Gemeinschaftspraxis, wie sie KHK- und Diabetes-Patienten versorgen. Es ist ein wirklich tolles Konzept, denn die beiden bestellen sich ihre Patienten selber regelmäßig ein und kennen dadurch die Patienten und deren Sorgen wirklich gut. Manchmal meint man, dass sich die erfahrenen MFAs mit einem Appell an uns angehende Ärzte wenden: Hört den Patienten zu! Versucht sie zu verstehen! Und überlegt bei jeder Therapie, ob ihr das nur tut, um einer Leitlinie zu entsprechen oder ob eventuelle Nebenwirkungen und ein fehlender Nutzen eher dagegensprechen. Nach einer kurzen Pause folgen noch die Themen COPD/Asthma und Herzinsuffizienz. Danach rauchen unsere Köpfe!

In der lehrreichen Woche sind aber auch entspannte WG-Abende dabei. Hannah ist eine tolle Nachbarin und wir kochen viel zusammen. Diese Woche gibt es einmal selbst gemachte Pizza.

Und für mich Stadt-Kind gab es noch einen echt aufregenden Moment. Ich mache einen abendlichen Spaziergang auf dem Waldweg um den Kirchberg. Als ich an einem Hof mit drei Pferden vorbeikomme, bahnt sich auf einmal ein Pferd einen Weg durch den Elektrozaun, auf dem wohl kein Strom ist. Begeistert folgen ihm die anderen beiden gleich. Der Hofhund bellt schon die ganze Zeit wie verrückt und ich suche das Wohnhaus und finde dann tatsächlich eine Bewohnerin. Ich erkläre aufgeregt, dass die Pferde weggelaufen sind. Sie nickt und meint: „Kein Problem, das machen sie öfter. Ich pfeife sie gleich zurück.“ Puh, das ging ja nochmal gut aus…

 

Woche 3: 21. – 27.03.2022

Diese Woche beginnt etwas anders, da Hannah, meine Mit-PJlerin, und ich unseren Strahlenschutz-Grundkurs für die Klinik zu absolvieren hatten. Drei Tage lang nur vor dem Computer sitzen und Vorträgen über alpha-, beta- und gamma-Teilchen lauschen – als wir das endlich hinter uns haben, freuen wir uns umso mehr auf die zwei Tage in der Praxis.

Ich bin diese Woche in der Praxis in Schöfweg eingeteilt. Wie in allen Standorten der Gemeinschaftspraxis sind auch hier die MFAs schon mit dem Konzept für die Medizinstudenten vertraut. Man kann selber auf der Warteliste nachsehen, welche Patienten gerade da sind und dann kurz absprechen, wo man jetzt hingeht. Dann lese ich kurz in der Vorgeschichte des Patienten und gehe zum ihm. Die allermeisten Patienten freuen sich und erzählen gerne auch dem Studenten von ihren Beschwerden. Hier in den Gemeinschaftspraxen soll der PJ-Student schon als angehender Arzt mitarbeiten und darf sich auch so vorstellen. Ich find das toll, da ich so die Möglichkeit habe, langsam in die neuen Aufgaben reinzuwachsen. Wenn man dann beim Patienten ist, hat man Zeit für eine ausführliche Anamnese und führt die Untersuchungen durch, die man für zielführend hält. Nun kann man einen der Ärzte dazu holen. Es ist gar nicht so leicht, bei der Zusammenfassung für den Arzt alles strukturiert zu berichten und gleichzeitig dem Patienten zu zeigen, dass man verstanden hat, was seine Beschwerden sind. Wenn man einen Therapievorschlag hat, kann man jetzt gemeinsam besprechen, wie es weiter geht. Ich stelle jeden Tag fest, dass manche Dinge schon ganz gut klappen und sehe aber auch, wo meine Defizite sind. Heute hatte ich wieder einen Patienten mit Knieschmerzen und ich bin einfach noch nicht sicher in der orthopädischen Untersuchung. Da muss ich auf jeden Fall noch nachlesen und den Ärzten über die Schulter schauen. Außerdem gibt es hier im PJ die Möglichkeit bei anderen Fachärzten zu hospitieren. Ich denke, da schaden mir ein paar Tage beim Orthopäden nicht. ;)

Am Donnerstagnachmittag ist der Kinder-Untersuchungskurs des Exzellenten Winters. Zwei Allgemeinmedizinerinnen, die viele U-Untersuchungen machen und daher auch allgemein viele Kinder als Patienten haben, erzählen uns, auf was wir beim Umgang mit den kleinen Patienten achten sollen. Für uns ist das sehr interessant, weil es den Beruf als Allgemeinmediziner noch vielseitiger macht und wir gar nicht wussten, dass man auch die U-Untersuchungen machen darf. Dann kommen sogar ein paar Mütter mit ihren kleinen Kindern und wir versuchen uns den Kindern spielerisch zu nähern, um nebenbei ganz unauffällig Herz und Lunge abzuhören. Spätestens bei der Orthoskopie wird es dann schwieriger und auch der Holzspatel löst bei den Kleinen keine Begeisterung aus. Als kleines Dankeschön werden dann Mütter und Kinder mit Kaffee, Tee und dem Kuchen, den die Studenten gebacken haben, belohnt.

Am Freitagnachmittag geht es dann für eine Woche Urlaub Richtung Heimat und ich genieße die Fahrt mit der Waldbahn durch die hügelige Landschaft.

Woche 5: 04.04. – 10.04.2022

Frisch aus dem Urlaub starte ich wieder in die Woche. Am Sonntagabend sind noch zwei Blockpraktikantinnen angereist und wir sind nun eine nette Mädelsgruppe da oben auf dem Kirchberg. Am Montagmorgen schwärmen wir dann in die Praxen aus.
Diese Woche scheint Ohrspülungs-Woche zu sein. Am Montag schaue ich mir alles noch an und dann darf ich selber ran. Ich lerne, auf welche „red flags“ ich achten muss, bevor ich die Spülung durchführe. Ist ein Defekt des Trommelfells bekannt? War der Patient in letzter Zeit an einer Otitis media erkrankt? Hat der Patient Ohrenschmerzen? Ist der äußere Gehörgang entzündet? Hat der Patient einen Tragusdruckschmerz? Dann der Blick ins Ohr – meist sieht man außer Cerumen nicht viel. Nun kommen lösende Tropfen in das betroffene Ohr und eine viertel Stunde später ist das Ausspülen des Cerumens viel leichter. Das schönste ist der erleichterte Patient danach, endlich kann er wieder etwas hören. Das ist mal eine Therapie, bei der man gleich den Erfolg sieht.
Am Mittwochabend bin ich das erste Mal im Journal Club dabei. Hier kommen in einem Zoom-Meeting engagierte Allgemeinärzte aus der Region zusammen. Es wird viel diskutiert und wir dürfen auch Fragen stellen und unsere Meinung sagen. Es geht zum Beispiel um Bridging und wann bzw. wie lange man es machen sollte.
Am Wochenende ist so richtiges Aprilwetter. Während meines langen Waldspaziergangs ist von Sonnenschein über Schnee und Graupel alles dabei. Ich genieße es, dass ich hier einfach nur aus der Haustüre gehen muss und in der Natur bin. Das hatte ich noch nie. Am Sonntag laufe ich das erste Mal zum Todtenauer Moor. In Kirchberg gibt es viele gut ausgeschilderte kurze bis etwas längere Rundwege und ich mache mich daran, alle kennen zu lernen.

 

Woche 6: 11.04. – 17.04.2022

Meine Woche hier begann mit strahlendem Sonnenschein. Ein bisschen Nebel lag noch über Kirchberg und von der Wohnung ist die Aussicht wirklich klasse. Ich hatte in den letzten Wochen alle Standorte der Gemeinschaftspraxis kennen gelernt und bin jetzt für zwei Wochen in Schöfweg. Ich freue mich, länger in einer Praxis zu sein, um auch den Verlauf der Patientenfälle mitzubekommen.

Am ersten Vormittag stehen zufälligerweise fünf Schilddrüsen-Sonos an. Perfekt für mich, kein Patient kommt daran vorbei, erstmal von mir geschallt zu werden. Das war super, mal mehrere Schilddrüsen-Sonos hintereinander zu machen. Im Laufe der Woche kommen noch viele weitere Schilddrüsen-Sonos zusammen. Langsam werde ich sicherer im Ausmessen des Volumens und dem Erkennen und Einordnen von Knoten.

Diese Woche machen wir auf der Hausbesuch-Runde Covid-Impfungen. Die Patienten freuen sich sehr, dass wir vorbeikommen und ihnen der Weg in die Praxis erspart bleibt. Ein Patient lässt uns nicht wieder rausgehen, ohne dass wir einen Schokoriegel mitnehmen.

In der Fällebesprechung kam diese Woche die Frage auf, ob Iberogast noch Leber-toxisch ist. Am Abend schaue ich nach: In dem pflanzlichen Präparat, das laut Herstellerangaben weltweit bereits mehr als 90 Millionen Menschen angewendet haben, ist Schöllkraut enthalten. Es gibt jedoch Warnungen, die man z.B. im Arznei-Telegramm nachlesen kann, dass dieser Inhaltsstoff Leber-toxisch ist. Inzwischen hat Bayer ein weiteres Medikament in anderen Wirkstoffkombination herausgebracht: Iberogast advance, das bei häufigen Magen-Darm-Beschwerden anzuwenden ist. Dieses enthält - im Gegensatz zur immer noch erhältlichen klassischen Variante - kein Schöllkraut mehr.

Abends haben wir diese Woche wieder mit den Blockpraktikantinnen gemeinsam gekocht und einmal sind wir noch zum Bouldern nach Deggendorf gefahren, das war eine tolle Abwechslung.

Woche 7: 18.04. – 22.04.2022

Die nächste Woche ist angebrochen und nach Ostern sind die Praxen gut gefüllt. In den vergangenen Tagen hatten wir auch Patienten, die wir z.B. bei Bauchschmerzen für diese Woche in die Praxis zum Sono einbestellt haben. Ich freue mich schon zu sehen, wie die Fälle weitergehen. Bei diesen Terminen kann ich zunächst selbstständig mit der Untersuchung beginnen, um anschließend meine Ergebnisse mit dem zuständigen Arzt zu besprechen und durch ihn kontrollieren zu lassen.

Diese Woche lerne ich auch mehr auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich mache eine lange somatische Anamnese und vergesse manchmal die psychische Verfassung des Patienten in meinen Gesamteindruck mit einzubeziehen. Ich habe gelernt, dass es deshalb immer sinnvoll ist, den Patienten zu fragen, wie es ihm aktuell im Allgemeinen geht.

Am Freitag geht es dann so richtig rund, da der Praxisstandort die kommende Woche urlaubsbedingt geschlossen hat. Einige der Patienten nutzen daher die verbleibende Öffnungszeit und möchten präventiv klären, ob ihre Symptome sofort oder auch erst nach der Woche Urlaub behandelt werden können. Am Ende des Vormittags finden wir für alle Patienten eine geeignete Lösung. Hier kommt der Vorteil einer Gemeinschaftspraxis zum Tragen. Die Patienten können sich im Zweifel an einem anderen Standort vorstellen, an dem die Krankenakte auch eingesehen werden kann.
Am Wochenende bekomme ich hohen Besuch von meiner Schwester und wir erkunden den Geißkopf und dessen Umgebung. Am nächsten Tag geht es dann zu Gut Aiderbichl, das ganz in der Nähe von Deggendorf liegt. Sonntagabend reisen die beiden neuen Blockpraktikantinnen an und wir lassen den Tag mit gemeinsamem Kochen ausklingen.

 

Woche 8: 25.04. – 01.05.2022

Für mich beginnt die Woche in Kirchberg in der Praxis. Nach der Sprechstunde am Vormittag haben wir montags eine Besprechung, bei der wir mit allen Ärzten und Ärztinnen der Standorte ein Thema bearbeiten. Diese Woche ist es der Tinnitus. Als es darum geht, wie man bei einer Hörminderung in der Praxis leicht zwischen Schallempfindungs- und -leitungsstörung unterscheiden kann, traue ich mich und nenne die Stimmgabeltests nach Weber und Rinne. Die muss ich dann auch gleich erklären. Aber wie war das nochmal? Natürlich habe ich mir wieder falschherum gemerkt, welcher Test wie heißt. Aber das ist nicht schlimm, die meisten anderen teilen mit mir dieses Problem. Aber vom Prinzip her bekomme ich es noch einigermaßen hin. Später lese ich es mir nochmal durch: Als erstes macht man den Rinne-Test am Mastoid beider Ohren, um die Hörschwelle für Luft- und Knochenleitung zu vergleichen. Dann folgt der Weber-Test, bei dem man die Stimmgabel auf die Kopfmitte setzt und den Patienten/die Patientin nach einer Lateralisation fragt. Aus der Kombination der Befunde kann man nun ableiten, ob es sich um eine Schallempfindungs- oder -leitungsstörung am hörgeminderten Ohr handelt. Am nächsten Tag stehe ich gerade auf dem Praxisflur, als Dr. Blank mich anspricht und meint, er hat eine Patientin, die auf einem Ohr weniger hört. Er hat sich schon ein Bild gemacht und das wäre doch eine gute Gelegenheit für mich. Mit Otoskop und Stimmgabel bewaffnet stelle ich mich der Patientin vor und kann die Theorie gleich anwenden.

Tag drei der Woche beginnt mit einem Kratzen im Hals und einem positiven Schnelltest. Ich ziehe mich in mein Zimmerchen in der Wohnung zurück und das Ergebnis des PCR-Tests am nächsten Tag bringt die Bestätigung. Zum Glück habe ich drei ganz tolle Mädels, die hier oben mit mir wohnen und mich ab sofort versorgen. Ich darf sogar Essenswünsche äußern! Das nennt sich wohl Sekundärer Krankheitsgewinn… ;) Naja, ausgesucht hätte ich mir die Situation nicht und ich wäre viel lieber fit und in der Praxis.

Woche 9: 02.05. – 08.05.2022

Diese Woche findet für mich leider nur online statt, da ich immer noch krank bin. Aber immerhin bin ich dank der Fall- und Themenbesprechungen trotzdem eingebunden. Hier habe ich ein paar interessante Aspekte aus meiner Woche zusammengeschrieben:

Am Montag kann ich an einer bayernweiten Online-Sitzung teilnehmen. Es geht um Hantavirus-Infektionen. Ich lerne, dass es verschiedenen Serotypen gibt und bei uns der Puumala-Virus vorherrschend ist, der über die Rötelmaus übertragen wird. Nach einer Inkubationszeit von 2-4 Wochen verläuft die Infektion bei uns meist als „Nephropathia epidemica“. Die Symptome sind oft mild und grippeähnlich, jedoch kann nach mehreren Tagen auch eine akute Niereninsuffizienz eintreten. In schweren Fällen ist auch ein Hämorrhagisches Fieber mit Thrombozytopenie, Petechien, Lungenödem und Schock möglich. Ein seltenes Krankheitsbild, von dem ich bisher nichts in der Uni gehört habe!

In einer weiteren Besprechung diese Woche, kommt das Thema auf, wie man am besten damit umgeht, wenn ein Patient nicht ins Krankenhaus möchte, obwohl man es ihm dringend empfiehlt. Alle Ärzte kennen dieses Problem und jeder hat einen Weg für sich gefunden. Ich kenne bisher nur die „Entlassung gegen ärztlichen Rat“ aus dem Krankenhaus und bin gespannt wie das Problem ambulant gelöst wird. Eine Ärztin berichtet, dass sie dafür ein Formular in der Praxis haben, auf dem der Patient, der Arzt und am besten noch ein Zeuge unterschreibt. Auch ein weiterer Arzt berichtet, dass er bei Notarzteinsätzen manchmal einen Zettel entwirft, auf dem alle, einschließlich eines Zeugens, unterschreiben. Im Praxis-Setting berichtet ein anderer Kollege, dass er bei seinen Patienten, die er auch schon gut kennt, nichts schriftlich festhält und nur mündlich aufklärt. Alle eint, dass sie gut über die potentiellen Folgen aufklären, die auftreten könnten, weil der Patient nicht ins Krankenhaus möchte.

In der nächsten Woche ist meine Hospitation beim Kinderarzt und ich freue mich schon sehr, wieder starten zu können. :)

Woche 10: 09.05. – 15.05.2022 

Meine Woche beginnt bei dem Kinderarzt Dr. Bekelaer. Die Praxis hatte zwei Wochen Urlaub und als ich um viertel vor acht zur Praxis komme, warten die ersten Patienten und ihre Mütter schon vor der Tür. In meinen zwei Tagen dort sehe ich wirklich sehr viel. Es ist eine gute Mischung aus U-Untersuchungen und akuten Beratungsanlässen. Häufig haben die kleinen Patienten Atemwegsinfekte oder eine Gastroenteritis oder auch mal beides. Im Unterschied zur Erwachsenen-Medizin ist hier immer ganz wichtig: Isst und trinkt das Kind noch? Was für einen Eindruck haben die Eltern, wie es ihrem Kind geht? Glücklicherweise ist kein schwerer erkranktes Kind dabei. Am zweiten Tag darf ich dann die Impfungen übernehmen. Damit mache ich mich leider nicht sonderlich beliebt und am Abend klingelt es mir immer noch in den Ohren. 

Am Mittwoch bin ich dann wieder in der Allgemeinmedizin. Während eines Meetings diese Woche kommen wir auf einmal zu dem Thema Bauchgefühl. Wenn die Ärzte hier sagen, dass sie viele Entscheidungen intuitiv treffen, dann fragt man sich als junger Mediziner, wie man mal dahin kommt, dass der Bauch mehr als Hungergefühl kommuniziert. Aber die Ärzte helfen uns weiter: Das Bauchgefühl ist doch eher eine Kopfentscheidung, die unterbewusst entsteht. Alle Symptome und der klinische Eindruck vom Patienten fließen hier zusammen und so kommt es, dass man zu einer Entscheidung tendiert. Ein bisschen ausgebildet ist das Bauchgefühl bei uns Studenten ja auch schon und ich bin optimistisch, dass es sich noch weiterentwickelt. 

Am Wochenende genieße ich auch mal die Natur, die der Bayerische Wald bietet. Im Moment blühen die Wiesen und wir haben seit einer Woche strahlenden Sonnenschein. Ich genieße die Ruhe und den schönen Ausblick, den man vom Kirchberg aus hat und werde jetzt schon wehmütig, wenn ich daran denke, dass das PJ hier nicht mehr ewig ist. 

Woche 11: 16.05. - 22.05.2022

Diese Woche beginnt mit einer Hospitation in der Orthopädie der Reha-Klinik Schaufling. Hannah, meine Mit-PJlerin, und ich bekommen drei Tage einen Einblick in die Orthopädie und gleichzeitig die Rehabilitation. Dr. Buvar hat abwechslungsreiche Programmpunkte für uns organisiert. Am Montag geht es am Morgen mit der Frühbesprechung des interdisziplinären Teams los. Danach bekommen wir eine Führung durch alle Häuser und sollen uns den Weg zu den verschiedenen Bereichen merken. Puh, Hannah und ich malen uns schon aus, dass wir irgendwann zur Rezeption müssen und ausgerufen wird, dass die kleine Hannah und Caro von Dr. Buvar an der Pforte abgeholt werden müssen. Zu den nächsten Programmpunkten finden wir aber hin. Wir dürfen zur Bädertherapie, probieren Motorschienen aus, sehen bei der Wassergymnastik zu und machen beim Kardiotraining mit. Danach dürfen wir uns in der Cafeteria stärken. Am Nachmittag lernen wir dann die Untersuchung des Schultergelenks und dürfen das Gelenk sogar sonografieren. Dr. Buvar ist ganz begeistert von den Schallbedingungen bei uns. Kein Fett, aber eben auch keine Muskulatur, die die Sicht behindert. Später können wir noch mit zu einer Aufnahme eines Patienten und dürfen an der Mitarbeiterfortbildung zum Thema Gedächtnis teilnehmen. Und dann ist der erste Tag auch schon vorbei.

Am Dienstag sind wir vormittags bei der Visite dabei und können danach mit zur Basic Life Support Schulung der Mitarbeiter. Außerdem steht heute noch die Untersuchung des Knies an und hierfür sind auch Patienten zum Sono einbestellt. Nach der Mittagspause dürfen wir noch jeder selber einen Patienten aufnehmen und besprechen das ausführlich mit den Oberärzten.

Mittwoch ist dann unser letzter Tag in Schaufling. Morgens in der Frühbesprechung stellen wir den Patienten vor, den wir gestern aufgenommen haben und bekommen danach noch einen Vortrag zum Thema Erwerbsminderungsrente. Danach nimmt sich der Chefarzt Zeit, mit uns einen sozialmedizinische Fall zu besprechen. Wir dürfen erst selber mit der Patientin sprechen und er kommt dann dazu. Dieses Thema kommt auf jeden Fall zu kurz in der Uni und das war sehr lehrreich für uns. Dann dürfen wir mit einem Therapeuten zur Elektrotherapie und probieren den Reizstrom selber am Bein und im Gesicht aus. Später am Tag dürfen wir noch mit auf Visite und ein weiteres Highlight folgt: Das Team der Orthopädietechnik ist in der Klinik und hat extra für uns einige Prothesen mitgebracht, die sie uns erklären. Die Zeit geht viel zu schnell rum und dann sind unsere drei Tage auch schon wieder vorbei.

Am Nachmittag haben wir noch die erste PJ-Schulung des Landkreises Cham und bekommen einen tollen Einblick in die Behandlung einer Depression. Am Abend steht dann noch der Journal Club in Regen an und Hannah und ich stellen auch eine Studie vor.

Die restliche Woche sind wir dann wieder in der Allgemeinmedizin. Aber am Donnerstag Nachmittag steht noch etwas Neues an: Wir durften uns selber einbringen, was wir uns für unser PJ wünschen und für uns wäre ein gemeinsamer Lernnachmittag mit den anderen PJlern perfekt. Also haben wir uns ein Konzept erarbeitet, das wir heute ausprobieren. Wir starten mit dem Thema Harnwegsinfekt. Es macht wirklich Spaß, sich das Thema mit Büchern und Leitlinien zu erarbeiten und unser Wissen gegenseitig auszutauschen. Wir sind begeistert und freuen uns schon auf die nächsten Treffen.

Am Abend gibt es dann in unserer Kirchberg-WG ein Abschiedsessen, da am Freitag zwei der Blockpraktikanten abreisen und Hannah und ich in den Urlaub starten.

Nach der anstrengenden Woche freue ich mich auf eine Woche Erholung. :)

Woche 13: 30.05. - 05.06.2022 

Nach dem Urlaub bin ich diese Woche in den Praxen in Kirchberg und Schöfweg. In meinem Wochenbericht möchte ich mich diese Woche aber einem ganz bestimmten Thema widmen – unserer neuen PJler-Fortbildung, die diese Woche zum zweiten Mal stattgefunden hat:

Wir PJ-Studenten hatten dieses Treffen vorgeschlagen, da es uns allen so geht, dass wir im Praxisalltag nicht genug Zeit haben, uns intensiver mit einem Thema zu beschäftigen. Dabei geht es uns vor allem um strukturiertes Wissen zu elementaren allgemeinmedizinischen Themen. Wir haben diesen Wunsch so formuliert und durften gleich in der nächsten Woche damit starten. Insgesamt ist unsere Fortbildung für zwei Stunden angedacht. Zu Beginn berichten wir einander von den Antworten auf die offenen Fragen des letzten Treffens und wiederholen die wichtigsten Punkte der letzten Woche. Dann gibt es ein Brainstorming zum heutigen Thema: Was wissen wir dazu? Was sind unsere bisherigen Praxiserfahrungen? Was wäre uns wichtig zu lernen? Dann gliedern wir die gesammelten Punkt in vier Unterthemen und jeder von uns hat eine gute halbe Stunde Zeit, das zu recherchieren.  Je nach Thema können die Unterpunkte z.B. „Symptome und red flags“, „Diagnostik“, „Differentialdiagnosen“ und „Therapie“ sein. Hierbei befragen wir  v.a. Deximed und die DEGAM-Leitlinie. Zusätzlich steht uns auch das JAMA-Buch, der Herold und Amboss zur Verfügung. Dann treffen wir uns wieder im Plenum und jeder übergibt den anderen eine prägnante Zusammenfassung des erarbeiteten Unterthemas. Die neu gewonnenen Infos dürfen nun diskutiert werden und wir formulieren Fragen, die für uns offen geblieben sind. Diese dürfen wir dann an die erfahrenen Ärzte der Praxis stellen. In der Abschlussrunde fassen wir nochmal die wichtigsten Erkenntnisse der Fortbildung zusammen, damit das auch wirklich hängen bleibt. ;) In der ersten Woche haben wir mit dem Thema „Harnwegsinfekt“ gestartet und diese Woche haben wir uns der „Müdigkeit“ gewidmet. Ich bin wirklich begeistert, wie gut unsere Fortbildung klappt. Ich habe jedes Mal einen tollen Lerneffekt gehabt und mich gefreut, das Thema mit den anderen selbst erarbeitet zu haben. Ich habe echt Glück, so tolle Mit-PJlerinnen zu haben, die den gleichen Wissensdurst haben!

 

Woche 14: 06.06. - 12.06.2022

Diese Woche ist von meiner Hospitation in der Urologie geprägt. Ich darf für zwei Tage zwei Ärzte der urologischen Gemeinschaftspraxis in Grafenau begleiten. Es ist viel los in der Praxis, aber wenn es möglich ist, nimmt sich Dr. Haider Zeit und erklärt etwas. Außerdem darf ich auch mal die ein oder andere Niere schallen, Restharnmessungen machen oder die DRU üben. Mich interessieren vor allem Themen wie HWI, Hämaturie und Urolithiasis, die mir häufiger in der Allgemeinarztpraxis begegnen. Außerdem finde ich es toll, wenn sich die Ärzte Zeit nehmen und auch über Themen wie die Facharztwahl mit einem reden. Zwischen was haben sie damals geschwankt? Würden sie sich heute noch mal so entscheide? Was empfinden Sie als Vor- und Nachteile Ihres Facharztes? Dr. Haider ist jedenfalls begeistert von der Urologie, gibt aber auch zu, dass Allgemeinmedizin lange im Rennen war und seine zweite Wahl gewesen ist.

Am Wochenende genieße ich die Vorzüge des Bayerischen Waldes, denn bald geht es auch wieder in das Leben des Städters zurück. Eine Freundin von Hannah und mir ist zu Besuch und wir machen am Samstag den Tierpark Lohberg und den kleinen Arbersee unsicher. Am Sonntag geht es nach Miltach und wir paddeln bei strahlendem Sonnenschein mit Kajaks auf dem Regen. Zum Abschluss gibt es in Chamerau eine Bootsrutsche, bei der ein ins Boot schwappender Schwall Wasser zur willkommenen Abkühlung führt. :) Ein fantastisches Wochenende!

Woche 15: 13.06. - 19.06.2022

Die vorletzte Woche im Bayerischen Wald ist schon gekommen. Ich bin meine letzten drei Tage in der Praxis in Schöfweg, denn in der nächsten Woche geht es nochmal zu einer Hospitation und zum Schluss nach Auerbach.

Diese Woche ist ein Fall dabei, der für mich klassisch in den Bayerischen Wald passt. Ein Patient hat sich bei der Arbeit mit Holz eine Verletzung zugezogen, die eigentlich im Krankenhaus behandelt werden müsste. Am Telefon hatte er es als “nur minimal” beschrieben, aber als wir die Verletzung sehen, denke ich mir, dass ein Großteil der Städter schon bei einer nur halb so schlimmen Wunde ins Krankenhaus gerannt wäre. Stattdessen ist der Patient sehr tapfer und möchte eigentlich schon morgen am liebsten wieder körperlich arbeiten! Meinen Respekt hat der Patient jedenfalls. Er ist überhaupt nicht zimperlich und lässt die Wundkontrollen und schmerzhaften Verbandswechsel im Laufe der Woche über sich ergehen. Aber dennoch, eine Vorstellung im Krankenhaus hätte nach dem Unfall nicht geschadet. Ich denke, ich habe an dem Fall wieder gelernt, wie unterschiedlich wir Menschen sind und wie verschieden wir mit Krankheiten und Schmerzen umgehen.

Am Mittwoch Nachmittag sind wir Studenten wieder in Cham. Die Klinik bietet PJ-Unterricht an und wir dürfen daran teilnehmen. Das einzige Problem ist, dass wir 130 km Fahrt für den Unterricht haben und dadurch recht lange im Auto sind. Aber das Teaching ist auch manchmal online und diese Woche ist das Thema auch besonders interessant: “Der Notfall und ich”. Dr. Igl, ein Allgemeinarzt, fährt seit vielen Jahren auch als Notarzt. Er erzählt uns ein bisschen von seinem Alltag und dann dürfen wir einen Sanker, wie man hier sagt, und ein Notarzteinsatzfahrzeug inspizieren. Danach hat ein engagierter Sanitäter alles für uns vorbereitet und wir üben Herzdruckmassage, Maskenbeatmung, Einführen einer Larynxmaske und sogar das Bohren eines intraossären Zugangs. Insgesamt, hat sich das Team wirklich sehr viel Mühe gegeben und wir haben auf jeden Fall viel gelernt.

Woche 16: 20.06. - 26.06.2022

Meine Woche startet mit zwei Tagen Hospitation in der Nephrologischen Praxis und dem Dialysezentrum von Dr. Kammerl in Zwiesel. Ich werde herzlich begrüßt und darf gleich mit zum Anschließen der Patienten an die Dialyse. Auch die Pfleger sind total engagiert und erklären mir ganz viel. Dann geht es in die Sprechstunde. Dr. Kammerl lässt einen gleich mitarbeiten und ich darf die Anamnese bei den Patienten machen. Auch beim Ultraschall darf zuerst ich die Untersuchung machen und Dr. Kammerl gibt mir einige Tipps. Das Highlight ist dann am nächsten Tag. Dr. Kammerl hat mit einer Patientin gesprochen und ich darf den Shunt für die Dialyse anstechen und danach noch ein langes Gespräch mit ihr über ihre Familien- und Krankheitsgeschichte führen. Ich bin sehr dankbar über das wirklich persönliche Gespräch und die Offenheit der Patientin. Auch wenn es nur zwei Tage waren, denke ich, dass ich einen Eindruck gewinnen konnte, was es für die Paientin. bedeutet an der Dialyse zu sein.

Die restlichen Tage der Woche bin ich nochmal in Auerbach und werde schon ein bisschen wehmütig, dass die Zeit hier bald vorbei ist. In diesen Tagen beschäftigen Hannah und mich auch schon viele Fragen zum Berufsstart. Wo wollen wir anfangen zu arbeiten? Welche Fachrichtung soll es eigentlich sein? Und was bedeutet Allgemeinmedizin für uns?

Was ich an der Allgemeinmedizin weiterhin sehr schätze, ist das langfristige Begleiten der Patienten. Ich finde es einfach toll, wenn man die Patienten - und oft auch ihre Familien - im Laufe der Zeit kennen lernt. Außerdem ist das Fach so unglaublich vielfältig und man ist mit verschiedenen Beratungsanlässen konfrontiert.

Am Tag vor unserer Abreise setzt sich Dr. Blank mit uns zusammen und bespricht nochmal lange mit uns, wie unser Tertial war und ob es uns so gefallen hat. Wir dürfen sowohl positive als auch negative Aspekte nennen und merken an, dass es uns manchmal auch zu viel geworden ist. Wir schätzen die angebotenen Veranstaltungen von Fallbesprechung über Themen-Vortrag bis zu Journal Club sehr, aber gerade, wenn mehrere Termine an einem Tag waren oder es bis später am Abend ging, haben wir gemerkt, dass es uns auch stresst und wir dann nicht mehr aufnahme-fähig sind.

Insgesamt war es ein tolles Tertial, in dem wir auf verschiedenen Ebenen viel gelernt haben und ich möchte mich nochmal bei den tollen MFAs und Ärzte für die schöne Zeit bedanken!

Leonie Hartmann

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 15
  • Woche 16

Woche 1: 15.11. – 21.11.2021

Nach 100 Tagen monotonem Lernen war es endlich soweit - mein PJ begann.

Um etwas Zeit zum Ankommen zu haben, entschied ich mich dazu, bereits am Wochenende nach Kirchberg zu fahren. Als ich am Samstag bei Dunkelheit und Platzregen in Kirchberg ankam, freute ich mich umso mehr, als ich die helle, schöne, geräumige Wohnung betrat, die für vier Monate mein neues Zuhause sein würde. Am nächsten Morgen wurde ich von einem atemberaubenden Sonnenaufgang und einem herrlichen Blick über Kirchberg überrascht und wusste direkt, dass ich mich hier sehr wohlfühlen werde. Nach einem wunderschönen Spaziergang um Kirchberg bei bestem Wetter freute ich mich auf meinen ersten Arbeitstag am nächsten Morgen.

Den ersten Tag durfte ich in der Praxis in Auerbach verbringen. Ich wurde herzlich von Dr. Kalmancai und den Arzthelferinnen willkommen geheißen und erhielt einen kurzen Überblick über die Praxis.
Dann ging es auch schon zu den ersten Patienten. Nach einer langen Studienzeit mit Fokus auf der Theorie war es eine willkommene Abwechslung endlich einmal wieder Patientenkontakt zu haben.
Nachdem ich Dr. Kalmancai zuerst über die Schulter schauen konnte, durfte ich selbst einen Patienten mit Schilddrüsenknoten sowie eine Patientin mit Bauchbeschwerden schallen. Beeindruckend für mich war auch eine Patientin mit idiopathischer Fazialisparese und dadurch ausgeprägtem Bell-Phänomen, da mir dieses Krankheitsbild bisher nur aus dem Lehrbuch bekannt war. Gleich am ersten Tag wurde mir zudem die schwere Coronalage im Bayerischen Wald deutlich. Täglich finden vor der Praxis eine Vielzahl an Coronatests statt, die mehrheitlich positiv ausfallen.
In der Mittagspause lernte ich dann die beiden anderen sehr netten PJ-lerinnen kennen, mit denen ich nach einer interessanten Themenbesprechung mit dem gesamten Team der Gemeinschaftspraxis, noch einen kleinen Spaziergang durch Kirchberg unternahm.

Bereits am zweiten Tag hatte ich das Gefühl, schon ewig mit meinen neuen Kollegen_innen zusammenzuarbeiten. Das Miteinander ist herzlich und Dr. Kalmancai nahm sich Zeit für alle meine Fragen. Mittags konnte ich einen kleinen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten und durfte selbstständig Coronaimpfungen durchführen. In der Mittagspause führte Dr. Kalmancai einen Notfallkurs in der Praxis in Lalling durch, zu dem ich ebenfalls eingeladen wurde. Auch dort empfingen mich alle Ärztinnen und Arzthelferinnen herzlich und wir hatten einen humorvollen und sehr lehrreichen Mittag. Dabei merkte ich, wie wichtig es ist, Notfallsituationen immer wieder zu üben und zu wiederholen, um im Ernstfall richtig und schnellstmöglich agieren zu können. Am Nachmittag fanden noch zwei Jugendschutzuntersuchungen statt, von denen ich eine übernehmen durfte. Am Ende stellte sich heraus, dass beide Brüder eine rot-grün-Schwäche aufwiesen.

Am Mittwoch dann der Schock: eine unserer Arbeitskolleginnen in der Praxis war positiv auf Corona getestet worden. Obwohl unsere PCR-Tests glücklicherweise negativ ausfielen, musste die Praxis zum Schutz aller und aufgrund des Personalmangels in den Notfallbetrieb wechseln. Am Mittwochnachmittag fand dann noch ein von Ärzten des Krankenhauses in Cham organisiertes Teaching statt. Diesen Mittwoch war das Thema "Umgang mit depressiven Patienten". Ein wie ich finde, sehr wichtiges Thema, v.a., da man als Studierende lediglich kaum bis keine Erfahrung in der Gesprächsführung bei diesem doch sehr häufig vorkommenden Krankheitsbild besitzt.

Auch den Rest der Woche behielten wir den Notzustand bei und ich hatte somit die Möglichkeit, die gesamte Woche in Auerbach zu verbringen. Am Ende der Woche kam noch ein Patient mit einer Axtverletzung in die Praxis, die mein chirurgiebegeistertes Herz höherschlagen ließ, als wir die Wunde nähten und versorgten. Insgesamt konnte ich mir trotz des Ausnahmezustandes keinen besseren PJ-Start vorstellen und ich freue mich sehr auf die neue Woche.
 

Woche 2: 22.11. - 28.11.2021

Auch meine zweite Woche ist wie im Flug vergangen. Nach einem turbulenten Start (sowohl Laptop als auch Auto sind kaputtgegangen), verlief die restliche Woche ansonsten sehr gut.

So hatte ich diese Woche die Möglichkeit, die anderen drei Standorte Schöfweg, Lalling und Kirchberg kennenzulernen und auch hier wurde ich von allen herzlich empfangen. Ich konnte vermehrt selbstständig arbeiten und finde mich mittlerweile gut in den Abläufen zurecht. Meist gehe ich zum Patienten vor, um bereits das Anamnesegespräch zu führen, die körperliche Untersuchung zu übernehmen und herauszufinden, was den Patienten plagt. Danach überlege ich mir das weitere diagnostische Vorgehen und die Therapie. Im Anschluss bespreche ich alles gemeinsam mit dem Patienten und dem/der entsprechenden Arzt/Ärztin, um am Ende das Ermittelte in der Patientenakte zu dokumentieren. Aufgrund des Durchsprechens ist der Lerneffekt sehr hoch und ich lerne, welche Fragen für welche Krankheiten bzw. Symptome entscheidend sind und somit meine Untersuchungen gezielter durchzuführen und mein Vorgehen zu präzisieren.

So durfte ich mehrere sehr spannende Patienten betreuen, diagnostizierte eine Leistenhernie, führte einige Verbandswechsel durch, entfernte Fäden, durfte mehrere orthopädische Untersuchungen durchführen, schaute Herrn Dr. Machac bei einem Herzecho über die Schulter und war bei psychosomatischen Gesprächen dabei. Bei Letzteren empfand ich es als besonders bemerkenswert, wie Frau Aicher sehr einfühlsam und sicher diese Gespräche leitete und mir verdeutlichte, wie wichtig es ist, auch unangenehme Themen anzusprechen. Die meisten Patienten sind dankbar, Ihre Sorgen teilen zu können. So lernte ich auch den telefonischen "Krisendienst Psychiatrie Niederbayern" kennen, der Patienten 24/7 in psychiatrischen und seelischen Krisen beisteht.
Auch diese Woche fanden wieder Seminare in der Mittagspause statt. Am Montag durfte ich direkt bei unserer Themenbesprechung Protokoll führen. Diese Woche sprachen wir über Reisekrankheiten. Hierbei ist es besonders wichtig, zuerst die wahrscheinlichsten Erkrankungen auszuschließen, die Reiseanamnese jedoch immer im Hinterkopf zu behalten.
Am Mittwoch fand ein sehr spannendes Seminar zum Thema „Borreliose“ statt, bei welchem u.a. über das kontroverse Thema einer Antikörperserologie-Bestimmung diskutiert wurde. Abends fand dann zusätzlich der Journal Club statt, bei dem mehrere unserer Ärztinnen aktuelle Studien vorstellten und man anschließend über die Aussagekraft, Relevanz und Umsetzung diskutierte. Eines der Themen war die Gabe von Honig bei Husten im Kindesalter. Hierbei wurde aufgezeigt, dass Honig eine bessere Wirkung besitzt als Placebo-Medikamente und abwartendes Nichtstun sowie mit der Wirkung von Hustenstiller fast gleichzusetzten ist. Die Anwendung darf jedoch ausschließlich bei Kindern über 12 Monaten erfolgen und es gibt noch keine eindeutige Evidenz. Da die vorstellende Assistenzärztin Frau Dr. Hill am nächsten Mittwoch nicht anwesend sein kann, darf ich die Studie dort im externen Journal Club vorstellen. In der Fallbesprechung am Donnerstag stellte ich dann noch einen Patienten vor, welchen ich am Dienstag in Lalling gesehen hatte. Dieser suchte uns aufgrund eines periorbitalem und lateral streifenförmig am Auge bestehenden allergischen Kontaktekzem auf. Nach einer ausführlichen Anamnese vermuteten wir die Metallstäube an seinem Arbeitsplatz aus Auslöser. Zwar trägt der Patient dort eine Schutzbrille, jedoch besitzt diese eine seitliche Öffnung, durch welche der Metallstaub zum Auge gelangen kann. Eindrücklich war, dass das allergische Ekzem erst nach 5 Jahren Tätigkeit aufgetreten war, ohne, dass sich an den äußeren Arbeitsumständen etwas geändert hat. In der Fallbesprechung tauschten wir uns dann über das weitere Vorgehen und die leitliniengerechte Therapie aus.

Eine weitere gute Nachricht wartete am Ende der Woche: sowohl mein Laptop als auch mein Auto waren wieder repariert und ich konnte erleichtert in ein schneereiches Wochenende starten.

Woche 3: 29.11. – 05.12.2021

Nach einem herrlichen Wochenende startete die neue Woche ebenfalls sehr schneereich und auch das Fahren bzw. Laufen zur Arbeit wurde zu einem kleinen Abenteuer. Meinen ersten Tag der Woche verbrachte ich in Lalling. Da an diesem Tag mehrere Patienten mit neurologischen Symptomen zu uns kamen, hatte ich die Möglichkeit meine neurologische Untersuchungstechnik aufzufrischen und zu vertiefen. Ich merke, dass es mir zu Beginn noch schwerfällt alle Untersuchungen strukturiert durchzuführen und nichts zu vergessen. Dies verdeutlicht mir, wie wichtig es ist, sich ein gutes Schema zu überlegen, nach dem man vorgehen kann. Denn meistens sind es Kleinigkeiten, die auffallen und dann zu einer Diagnose führen können. So auch bei diesen Patienten. Während zwei mit degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen einen positiven Romberger Stehversuch aufwiesen, hatte die eine Patientin mit Schwindelsymptomatik Probleme, Ihren Blick nach links zu halten. Auch durfte ich mich an einer Ohrspülung versuchen und es war sehr schön zu sehen, wie man als angehende Ärztin mit leichten Mitteln Beschwerden lindern kann. Besonders beeindruckend fand ich einen Patienten mit einem Gichtanfall im Sprunggelenk. Bisher hatte ich nur Kleinere an Fußzehen und Fingern gesehen, welches Ausmaß so ein Gichtanfall aber wirklich annehmen kann, wurde mir erst hier wirklich bewusst.

Am Mittwochmittag fand erneut ein sehr spannendes Seminar, organisiert vom Krankenhaus Cham, statt. Diese Woche war das Thema „Ich und der Notfall“. Mit viel Spaß und spannenden Fällen führte uns Herr Dr. Igl, selbst Allgemeinmediziner und aktiver Notarzt, durch das Thema. So besprachen wir die akute Behandlung des allergischen Schocks, des Herzinfarkts, der akuten Luftnot bei COPD und des Traumas. Alles Krankheitsbilder, mit denen man im notärztlichen Alltag doch häufiger zu tun hatte und die ich selbst schon bei meinen Fahrten mit dem NEF erlebt hatte. Ich freue mich schon sehr auf den praktischen Teil, welcher wegen Corona leider auf nächstes Jahr verschoben wurde.
Abends fand dann erneut der Journal Club mit ein paar sehr netten Ärzten von außerhalb statt. Es war sehr spannend zu hören, was sie zusätzlich fachlich beizusteuern hatten und was sie von unseren Gedanken von letzter Woche hielten.

Den Hauptteil der Woche verbrachte ich aufgrund der Schneeverhältnisse zusammen Julia in Kirchberg bei Herrn Dr. Machac, der uns an seinem geballten Wissen über die verschiedensten Krankheitsbilder der Inneren Medizin teilhaben ließ. Neben vielen Impfungen behandelten wir u.a. eine Patientin mit Katzenbiss, schallten einen Patienten mit blutiger Blasenentzündung bei V.a. auf Nierensteine/ Verschiebung des erst kürzlich eingebrachten Doppel-J-Katheters und einen Patienten mit verschiedenen Laborwertentgleisungen bei Z.n. Larynx-CA.

Am Ende der Woche betreute ich zusammen mit Frau Dr. Takacs noch zwei Patienten, welche zur Verletzungsdokumentation und -behandlung nach einem Überfall kamen. Zum Glück waren beide weitgehend verletzungstechnisch glimpflich davongekommen, jedoch war das seelische Trauma umso größer. Mit viel Gesprächstherapie versuchten wir ein bisschen Abhilfe zu schaffen. Hierbei merke ich erneut, wie vielfältig die Medizin eigentlich ist und mit wie vielen unterschiedlichsten Krankheitsbildern man doch jeden Tag konfrontiert wird.

 

Woche 4: 06.12. – 12.12.2021

Die neue Woche begann mit einem kleinen Dämpfer: Am Montag wäre ich eigentlich mit Herrn Dr. Blank von 8:30 bis 20 Uhr in Freyung zum Impfmarathon eingeteilt gewesen - eine tolle Aktion, bei der am Ende der Woche 10.000 Bürger die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen. Da sich jedoch für die 1290 möglichen Impfungen pro Tag nicht einmal 1/3 Abnehmer angemeldet hatten, wurde uns kurzfristig abgesagt.

So verbrachte ich den Wochenbeginn in Lalling zusammen mit Frau Dr. Takacs und Frau Dr. Krenn. Da ich dort bisher die meiste Zeit meines PJ verbrachte, kenne ich viele der Patienten mittlerweile und kann ihre Krankheitsentwicklung von Woche zu Woche mitverfolgen. So führte ich eine Wundkontrolle bei einem Patienten mit schweren Verbrennungen an der Hand durch, welchen ich auch schon die Woche zuvor gesehen hatte. Aufgrund des Schweregrades der Verbrennung hatte er zusätzlich zur Wunddeckung eine Spalthautplastik aus dem Oberschenkel erhalten. Während in der vorangegangenen Woche noch offene Wundverhältnisse vorgelegen hatten, waren die Wunden mittlerweile reizlos und fast vollständig abgeheilt.

Am Mittwochnachmittag führte uns Prof. Dr. Buchner vom Sana Klinikum des Landkreises Cham mit vielen eindrücklichen Herzecho-Bildern durch das Themengebiet der „Interventionellen Kardiologie“. Da ich bisher nur wenig Erfahrung in der Herzechodiagnostik gesammelt habe, konnte ich viel neues Wissen von dem spannenden und super umgesetzten Seminar mitnehmen. So besprachen wir zuerst die Gründe für den Einsatz eines Herzechos, um dann mit vielen zusätzlichen Infos die krankheitsspezifischen Herzechobilder anzuschauen. Dabei besprachen wir von Klappenvitien über Herzthromben, Herzmuskelhypertrophien, Perikarderguss, Endokarditis/ Perikarditis bis Aortendissektion alle wichtigen Indikationen.

Die letzten beiden Tage der Woche verbrachte ich mit Herrn Dr. Blank in Grafenau. Neben vielen orthopädischen Untersuchungen, Impfungen usw. durfte ich auch bei einer Gesundheitsuntersuchung mit dabei sein. Hierbei ist v.a. die Anamnese entscheidend, um ein umfassendes Bild der Beschwerden, Vorerkrankungen, familiären Krankheitshäufungen sowie des Lebensstils zu erhalten. Somit kann die Check-up-Untersuchung individuell an das Alter und den Gesundheitszustand angepasst werden. Das „Problem“ sei laut Dr. Blank dabei jedoch, dass meist nur gesunde, um Ihre Gesundheit bemühte Patienten an einer Gesundheitsuntersuchung teilnehmen würden. Viele Patienten, welche einen gesundheitlichen Nutzen davon hätten, nehmen die Gesundheitschecks meist nicht wahr.

In dieser Woche wurde mir zudem vermehrt bewusst, wie viele Patienten weiterhin von Desinformation und unbegründeten Ängsten rund um die Corona-Impfung eingeschüchtert werden. Viele davon sind vorsichtig, tragen Maske, haben Angst vor Corona, schränken Ihre Kontakte nahezu vollständig ein und nehmen das Virus ernst, sind aber aufgrund von Falschinformationen, leider auch z.T. von ärztlichen Kollegen, weiterhin ungeimpft. Hierbei ist es umso wichtiger, sich Zeit für diese Patienten zu nehmen, sie ausführlich zu informieren und mit den richtigen Risikoeinschätzungen deren Sorgen und Ängste zu nehmen. Denn die Nebenwirkungen der Impfung entsprechen denen der Erkrankung, nur in deutlich geringerem Maße und viel seltener auftretend. Somit ist die Impfung immer die bessere und unverkennbar risikoärmere Alternative, welche im Gegensatz zur Infektion keine Langzeitfolgen aufweist. So freute ich mich umso mehr, als die eine Patientin sich am Ende unseres Gesprächs dazu entschloss, sich in die Impfliste einzutragen.

Leider verließ uns am Ende der Woche dann die PJlerin Julia, um nach Weihnachten in ihr neues PJ-Tertial zu starten. Wir hatten eine schöne und unterhaltsame Zeit miteinander und ich wünsche Ihr für die kommende Zeit alles Gute.

 

Woche 5: 13.12. – 19.12.2021

Eine weitere spannende Woche mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen geht zu Ende. Diese Woche verbrachte ich abwechselnd zusammen mit Frau Aicher, Frau Dr. Krenn und Frau Dr. Takacs in Lalling. Ich durfte erneut meine Sono-Skills verbessern, betreute Patienten mit Schwindel, eine Patientin mit einer ausgeprägten Frozen Shoulder, einen Patient mit Rippenprellung, durfte Fäden ziehen und führte einen Verbandswechsel bei einer Patientin mit luxiertem Finger und bei einem Patienten mit verbrannten Finger durch. Auch kamen diese Woche vermehrt Patienten mit Herzproblemen und Engegefühl in der Brust zu uns. Hierbei ist es besonders wichtig, auf die entsprechenden „Red flags“ zu achten, um einen abwendbar gefährlichen Verlauf zu erkennen. So führten wir ausführlich die Anamnese durch, nahmen uns Zeit bei der körperlichen Untersuchung und führten zur Sicherheit ein EKG sowie einen Troponin-Schnelltest durch. Sehr einprägsam fand ich auch ein Gespräch mit einem Patienten, welcher durch einen Sturz von der Leiter eine Avulsion der linken Niere erlitten hat und daraufhin nach mehreren Coiling-Versuchen eine Nephrektomie durchgeführt werden musste.

Auch wissenstechnisch war die Woche eine Bereicherung.Am Montagnachmittag folgte zuerst praxisextern eine Besprechung über die neuesten Behandlungsmöglichkeiten einer Corona-Infektion. Christina und ich hatten uns dafür über das Wochenende mit der Antikörpertherapie auseinandergesetzt. Ich war sehr überrascht, welche Erfolge bereits mit der Therapie erzielt werden konnten. So hatte sich herausgestellt, dass chronisch kranke Menschen, welche auf eine Impfung nicht ausreichend ansprechen/ ungeimpft sind, dadurch sehr wirksam (um mehr als 80%) vor einem schweren Covid-19-Verlauf geschützt werden können. Wir diskutierten über die Umsetzbarkeit, da die Gabe bei Patienten mit Corona-Infektion, intravenös und über einen Zeitraum von ca. 2 h erfolgen muss. Während Christina und ich erst skeptisch waren, ob dies in einer Hausarztpraxis überhaupt geleistet werden kann, berichteten externe Ärzte, dass sie bereits sehr gute Erfahrungen mit dieser neuen Therapie in Ihren Praxen gemacht hätten. Dieser informative Austausch begeisterte mich sehr und ich fand es toll zu sehen, wie man durch das Einbringen unterschiedlichen Wissens und Erfahrungen gemeinsam Konzepte erarbeiten und Herausforderungen leichter bewältigen kann.

Auch am Mittwoch folgten weitere spannende Seminare. Zuerst nahm sich Prof. Dr. Kötter vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Lübeck die Zeit, uns ausführlich über die Sinnhaftigkeit eines Vorsorge PSA-Screenings aufzuklären. Ein Thema, welches viele Ärzte hier schon länger beschäftigte. So sollten gesunden, nicht genetisch vorbelasteten Patienten nicht mehr aktiv ein PSA-Screening im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung angeboten werden. Bei Patienten, welche den Wunsch äußern, soll ergebnisoffen über die entsprechenden Vor- und Nachteile aufgeklärt werden. Denn die Evidenz zum Nutzen eines PSA-Screenings ist nicht ausreichend und es gibt deutliche Hinweise für einen potentiellen Schaden des PSA-Screenings (Überdiagnose, Übertherapie).

Anschließend folgte ein weiteres spannendes Seminar, organisiert vom Landkreises Cham. Diesmal berichtete Frau Dr. Weinhold, Allgemeinmedizinerin in Tiefenbach, über „Gespräche mit schwierigen Patienten“. Zu Beginn besprachen wir ganz allgemein die verschiedenen Bindungsmuster und -erfahrungen und wie diese die Arzt-Patienten-Beziehung mitprägen können. So sind die ersten Beziehungserfahrungen im Kindesalter maßgeblich für das spätere Beziehungsverhalten und -konfliktmuster und spiegeln sich zum Teil auch wiederholt in der Beziehung zum Arzt wider. Zudem sei die Kommunikation entscheidend, um es erst gar nicht zu Konfliktsituationen kommen zu lassen. Wichtig sei, direkt zu fragen, was der Patient von einem als Arzt erwartet, um etwaige Missverständnisse erst gar nicht entstehen zu lassen. Um in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren und die Situation ggf. zu deeskalieren, gab sie uns den Rat, sich lieber neben den Patienten als vor den Patienten zu stellen. Von großer Bedeutung in herausfordernden Situationen sei auch das Wort „ALI“ - Atmen, Lächeln, Innehalten.

Nach einem spannenden und lehrreichen Tag ließen Christina und ich den Abend dann bei einer Runde Langlaufen ausklingen. Leider war es auch für sie die letzte Woche und ich bin froh, so eine tolle Mitbewohnerin gehabt zu haben und werde mich gerne an die vielen schönen Gespräche, Spaziergänge und Filmeabende mit „leckerem“ Popcorn erinnern.

Woche 6: 20.12. – 26.12.2021

Diese Woche behandelten wir in Lalling vor allem Patienten zur Wundversorgung. Neben der Behandlung einer entzündeten Schürfwunde half ich bei der Versorgung eines Patienten mit Wundheilungsstörung bei Vorfußamputation, entfernte wieder Fäden und versorgte eine entzündete Narbe mit PVP und Glucose.

Zur Förderung der Wundheilung ist es vor allem wichtig, die Fibrinbeläge und die Krusten zu entfernen, um den Zellwachstum sowie den Abheilungsprozess zu fördern. So versuchten wir in Kleinstarbeit, die Wunden zu reinigen und entsprechend zu versorgen.

Auch hatte ich diese Woche gleich zweimal die Möglichkeit, einen Pleuraerguss zu schallen. Während ich die letzten Wochen das Schallen von Abdomen und Schilddrüse geübt hatte, war das Schallen der Lunge schon sehr besonders. Mit viel Geduld und Expertise erklärte mir Frau Dr. Takacs, wie ich den Schallkopf zur perfekten Darstellung am besten halten solle und den Pleuraerguss dann entsprechend ausmessen kann. Ich bin sehr dankbar, dass sich die Patienten jedes Mal die Zeit nehmen, um mich an Ihnen üben zu lassen.

Besonders einprägsam war auch ein Patient, der einen Tag nach einem Autounfall zu uns kam. Während er am Tag zuvor keine Beschwerden wahrgenommen hatte, hatte er heute starke Schmerzen im Bereich der Schulter und der HWS. Da am Tag davor im Krankenhaus bereits Knochenbrüche ausgeschlossen worden waren und sich auch in der körperlichen Untersuchung keine Anzeichen ergaben, gingen wir von einer HWS-Distorsion aus. Leider kann man hierbei nur mit Physiotherapie und Schmerztherapie entgegenwirken. Da es das erste Schleudertrauma war, welches ich jemals behandelt hatte, war ich von der Ausprägung der Schmerzsymptomatik und Bewegungseinschränkung schon sehr beeindruckt.

Am Mittwoch fand in Lalling dann unser Impfmarathon statt. Während morgens Biontech geimpft wurde, wurde ab 12 Uhr ausschließlich mit Moderna geboostert. Alle Patienten waren sehr dankbar, endlich ihren Impfstoff erhalten zu können. Von 15 bis 16 Uhr verabreichten wir dann hauptsächlich Erstimpfungen. Gerne blieb ich dafür länger da, um bei der Aktion unterstützen zu können. Zur Verpflegung gab es für alle Helfenden leckere Brötchen mit Aufstrich und bei lustiger, schöner Stimmung ging auch der lange Arbeitstag sehr schnell vorbei. Anschließend verbrachte ich den Abend noch in Kirchberg in der Praxis und profitierte erneut von Dr. Machacs Wissen.

Am Donnerstag sahen wir vor den Feiertagen nochmals vermehrt unserer Patienten vom Beginn der Woche zur erneuten Wundkontrolle. Bei vielen sah man zu unserer Freude bereits eine deutliche Besserung. Nachdem ich erneut eine Ohrspülung durchführen konnte, führte ich ein psychosomatisches Gespräch mit einer älteren Patientin durch, welche erst kürzlich nach fast 70 Jahren Ehe die „Liebe Ihres Lebens“ verloren hatte.

Nach einem langen Tag freue ich mich schon sehr auf die Heimfahrt zu meiner Familie am nächsten Morgen sowie auf ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest.

 

Woche 8: 03.01. – 09.01.2022

Nach einer erholsamen Woche bei meiner Familie in Baden-Württemberg startete meine erste Woche im neuen Jahr gewohnt lehrreich.

Als sehr spannend empfand ich eine Patientin mit Verdacht auf ein komplexes regionales Schmerzsyndrom. Zwar hatte ich über dieses Krankheitsbild bereits gelesen, jedoch war ich überrascht, wie eindrücklich sich die Symptomatik darstellen kann. So war die komplette Hand deutlich geschwollen mit resultierender starker Bewegungseinschränkung, Kraftminderung und ausgeprägter Schmerzsymptomatik. Bisher hatten weder Orthopäde noch Neurologe eine Ursache feststellen können und auch eine rheumatische Erkrankung konnte bislang ausgeschlossen werden.

Zudem behandelten wir eine Patientin mit akuter Schmerz- und Lähmungssymptomatik bei HWS-Bandscheibenvorfall.

Am Montagnachmittag fand eine sehr spannende Besprechung zum Thema „Umgang mit Medikamentenäbhängigen“ statt. Wir besprachen die verschiedenen Medikamente mit Suchtpotential, diskutierten den Umgang bei Verdacht auf Arzneimittelmissbrauch sowie Möglichkeiten, die Patienten bei der Genesung zu unterstützen bzw. zu begleiten. Dabei ist es vor allem wichtig, die Sucht offen anzusprechen, mit den Patienten zusammen eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, die Patienten in ihren Sorgen und Ängsten ernst zu nehmen, die konservative Bandbreite voll auszuschöpfen und ggf. an einen Psychologen, Schmerztherapeuten oder Suchtmediziner zu verweisen.

Den Dienstag verbrachte ich ebenfalls zusammen mit Frau Dr. Hill und Frau Dr. Krenn in Lalling. Zusammen mit Frau Dr. Krenn übte ich EKG-Befundungen und erneut die Abdomen- und Schilddrüsen-Sonografie.

Bei Herrn Dr. Kalmancai hatte ich am Mittwoch die Möglichkeit, selbstständig eine Gesundheitsuntersuchung durchzuführen, untersuchte einen Patienten mit spinozellulärem Karzinom, betreute eine Patientin mit starken Bauchschmerzen, welche wir dann auch ins Krankenhaus einwiesen und eine Patientin mit vermehrtem Herzrasen und Dyspnoe.

Anschließend half ich in Schöfweg beim Corona-Impftag mit und führte viele Erst-, Zweit- und Drittimpfungen durch.

Am Donnerstag und am Wochenende genoss ich mit Natascha, der Blockpraktikantin, das herrliche Winterwetter und wir gingen gemeinsam wandern und Skifahren am großen Arber.

 

Woche 9: 10.01. – 16.01.2022

Eine weitere aufregende Woche geht zu Ende.Den ersten Tag der Woche verbrachte ich mit Herrn Dr. Kalmancai in Auerbach. Hierbei hatte ich die Möglichkeit, bei mehreren Wundversorgungen zuzuschauen. Zudem betreuten wir erneut die Patientin mit starken Bauchschmerzen von letzter Woche, bei der im Krankenhaus tatsächlich eine subakute Appendizitis sowie ein ausgeprägtes PCO-Syndrom diagnostiziert wurde. Dies verdeutlicht mir erneut, wie wichtig es ist, als Hausarzt seine Patienten zu kennen, um Symptome und den Krankheitswert besser beurteilen zu können. In diesem Sinne hatten wir letzte Woche genau richtig gehandelt, als wir die Patientin trotz unauffälligem Blutbild und Sonographiebefund ins Krankenhaus geschickt haben.

Da ich diese Woche viele Blutdruckkontrollen mit entsprechender Medikamentenanpassung durchführen durfte, fühle ich mich mittlerweile auch auf diesem Themengebiet immer sicherer. Gleichzeitig merke ich aber auch, wie individuell die Behandlung jedes einzelnen Patienten ist. Natürlich hat man bestimmte Leitlinienmedikamente, welche die meisten Patienten bekommen. Doch während ein Medikament bei einem Patienten super anschlagen kann, kann es bei einem anderen womöglich keine Wirkung entfalten oder gar zu Nebenwirkungen führen. So braucht es zum Teil mehrere Therapieversuche, bis der Patient optimal medikamentös eingestellt ist.

Am Mittwoch wartete dann ein ganz besonderer Tag auf uns. Während ich morgens bei Dr. Kalmancai in der Sprechstunde mithalf und anschließend noch bei einem Hausbesuch dabei war, wartete nachmittags ein Fotoshooting der Apotheken-Umschau auf uns Studenten. In dieser soll in zwei Wochen ein Bericht über die medizinische Ausbildung im ländlichen Raum veröffentlicht werden - mit der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald als Paradebeispiel und uns als Fotomodels. Mit viel Witz führte uns die Fotografin durch das Shooting und ich wäre enttäuscht, wenn bei der Bildermenge nicht mindestens eine zweiseitige Bildergalerie entsteht. Nach so viel Aufregung nutzen Natascha (BP), Sophie (BP) und ich im Anschluss die Gunst der Stunde und ich gab ein kleines Teaching im Sonographieren. Abends fand dann noch ein sehr spannender Vortrag über Rheuma statt. Dabei besprachen wir die diagnostische Vorgehensweise und die evidenzbasierte Therapie in der Hausarztpraxis, was ich sehr informativ fand, da ich die Diagnostik und Therapie immer als sehr komplex empfunden hatte.

Den Donnerstag verbrachte ich zusammen mit Natascha bei Frau Dr. Takacs in Lalling. Dort behandelten wir u.a. einen Patienten mit einem akuten Gichtanfall, einen Patienten mit einer Brandwunde von ca. 30 cm Länge, führten ein präoperatives Gespräch durch und übten in den Pausen gemeinsam orthopädische Untersuchungstechniken. Sehr spannend fand ich am Ende der Woche einen Patienten mit V.a. auf Lichen ruber im Mund. Leider konnte man bisher die Diagnose nicht eindeutig bestätigen und auch die Therapie schlägt nur vermindert an. So wurde mir die Woche einmal mehr klar, wie häufig man als Arzt/Ärztin die genaue Genese nur erahnen kann und oftmals allein symptomlindernd behandelt.

Damit auch die Freizeit nicht zu kurz kommt, nutzen die Blockpraktikantinnen und ich das herrliche Wetter am Freitagnachmittag aus und wir machten eine wunderschöne Wanderung auf den Lusen.

Woche 10: 17.01. – 23.01.2022

Die Woche stieß erneut eine neue Blockpraktikantin zu uns. Es ist wirklich schön, immer in netter Gesellschaft zu sein, zusammen zu kochen, abends einen Film zu schauen, wandern und Skifahren zu gehen, sich über medizinische Sachverhalte auszutauschen oder einfach vom eigenen Tag zu berichten. Ich bin froh, hier eine kleine WG gefunden zu haben, mit der man gemeinsam die herrliche Natur und die schöne Zeit genießen kann.

Am Dienstag wartete abermals ein besonderer Tag auf mich. Während ich am Vormittag bei Herrn Dr. Kalmancai gleich zwei Hernien - eine Leisten- und eine Narbenhernie - diagnostizieren konnte, überraschte uns in der Mittagspause ein Filmteam. Diese drehten in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk einen Beitrag über das Projekt „Landarztmacher“ und auch ich durfte als PJlerin ein kleines Interview geben. In der Nachmittagssprechstunde führte ich dann gemeinsam mit Herrn Dr. Blank Corona-Impfungen durch. Während Herr Dr. Blank mit viel Humor durch die Aufklärung führte, übernahm ich die Impfungen.

Am Mittwoch schallte ich eine Patientin mit Harnwegsinfekt und Symptomen einer Pyelonephritis. Dabei entdeckten wir eine ausgeprägte Harnstauungsniere und beschlossen, die Patientin schnellstmöglich zum Urologen zu überweisen. Nachmittags fand dann ein sehr interessantes und lehrreiches Seminar der Universität Erlangen statt. Darin behandelte Herr Prof. Dr. med. Kühlein nicht nur die Problematik des Älterwerdens, sondern auch die daraus resultierende Polypharmazie und die „Kunst des Absetztens“. „Wir werden nicht immer älter. Immer mehr Menschen werden alt. Wir werden bei jedem alten Menschen beispielsweise Arthrose oder Herzprobleme oder eine leichte Niereninsuffizenz finden. Wir lösen das Lebensende in tausend kleine Einzelprobleme und für jedes kleine Teilchen haben wir ein Medikament zur Reduktion. Und doch sterben wir alle.“ Diese Einstiegsaussage beschäftigte mich lange. Ist es wirklich sinnvoll, alles zwanghaft behandeln zu wollen? Will man wirklich den 95- Jährigen noch mit 15 Tabletten täglich vor dem Tod bewahren? Das Medikament mörsern, damit es die stark demenzkranke Patientin noch schlucken kann? Vom Pflegepraktikum, über meinen Ferienjob im Altersheim bis hin zu meinen Famulaturen bin ich immer wieder mit zweiseitigen Medikamentenplänen von älteren Menschen in Berührung gekommen. Vor allem als Hausarzt hat man dabei eine wichtige Rolle in der Verhinderung von Polypharmazie. Doch natürlich fällt es v.a. mir als Studentin noch sehr schwer, die entsprechenden abzusetzenden Medikamente zu identifizieren. So klärte uns Herr Prof. Dr. med. Kühlein über hilfreiche Webseiten und wichtige Kriterien auf: explizierte Kriterien (Priscus, Beers), fehlende Evidenzen des Medikaments, kein/geringer Nutzen, Mittel- bis hohe Wahrscheinlichkeit für einen Schaden und v.a. Verschreibungskaskaden. Anhand eines Beispiels versuchten wir dann unser neu erlangtes Wissen umzusetzen. Abends nahm ich dann gemeinsam mit den beiden Blockpraktikantinnen am Journal Club teil, bei dem wieder sehr viele spannende neue Studien vorgestellt wurden.

Auch den Donnerstag und Freitag verbrachte ich in Schöfweg und profitierte sehr von der Erfahrung und dem Wissen von Frau Dr. Kleudgen und Frau Dr. Krenn. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir am Freitag eine Patientin, deren komplette Schilddrüse von Knotenkonglomeraten durchsetzt war. Aufgrund der Größe der Knoten, waren diese nicht nur tastbar, sondern auch deutlich am Hals sichtbar. Zudem sahen wir eine Patientin mit V.a. Tinea corporis, einen Patienten mit Schädigung des N. femoralis und eine daraus resultierende Lähmung des M. quadriceps femoris, eine Patientin mit V.a. einer transischämischen Attacke sowie eine Patientin mit ausgeprägtem „Covid-Arm“. Nach einer tollen Arbeitswoche bekam ich dann am Wochenende Besuch von meinem Freund. Um uns eine wunderschöne Schneeschuhwanderung zu ermöglichen, lieh uns Herr Dr. Blank netterweise zwei paar Schneeschuhe aus. So bestiegen wir den Lusen, machten eine Wanderung um Kirchberg sowie auf den Geßinger- und Königsstein.

 

Woche 11: 24.01. – 30.01.2022

Auch diese Woche hatte ich wieder die Möglichkeit, viele neue Erfahrungen zu sammeln. So startete die Woche mit der Vermittlung einer Krebsdiagnose. Bei einem Patienten mit Atembeschwerden und ungewolltem Gewichtsverlust besteht im CT-Thorax ein hoher Verdacht auf ein Karzinom. Bisher habe ich solche Gesprächsführungen nur im Palliativmedizin-Seminar mit meinen Kommilitonen geübt. Vor einem betroffenen Patienten zu stehen und diesem die Nachricht zu übermitteln, ist etwas ganz anderes. Zwar führte Herr Dr. Kalmancai sehr einfühlsam das Gespräch, jedoch waren die Emotion im Raum geradezu greifbar. Während es für einen Arzt irgendwann zur „Normalität“ wird, solch schlechte Nachricht zu überbringen, so wird den einzelnen Patienten jedes Mal der Boden unter den Füßen weggerissen. Man merkte sofort, dass der Patient trotz schlechter Blutwerte und entsprechenden Symptomen nicht mit dieser Diagnose gerechnet hat. Nach wie vor wird Krebs von den meisten Betroffenen spontan mit Unheilbarkeit, Qual und frühem Tod assoziiert. Auch wenn man heutzutage schon viele gute Behandlungsmöglichkeiten hat, ist die Diagnose zuerst ein Schock. Zum Glück zeigte sich in unserer Abdomensonographie kein Anzeichen für ein weiteres Tumorgeschehen. Zur weiteren Diagnostik und schnellstmöglichen Einleitung der entsprechenden Therapie, überwiesen wir den Patienten ins Krankenhaus.


Am Dienstag hatte ich die Möglichkeit, abermals ein Kind zu untersuchen. Nachdem ich in diesem PJ-Tertial schon mehrere Jugenduntersuchungen, Abdomen- und Ultraschall-Untersuchungen durchführen durfte, hatte ich jetzt die Möglichkeit, eine orthopädische Untersuchung am Kind durchzuführen. Sehr spannend fand ich zudem einen Patienten mit CMV-Infektion. Aufgrund einer länger bestehenden Infektion mit abendlichen Fieberschüben, hatte eine unserer Assistenzärztinnen die bahnbrechende Idee und nahm die entsprechenden Antikörper ab. Und tatsächlich bestätigte sich im Laufe des Tages die akute Infektion. An unserem Impfnachmittag führte ich ein langes Gespräch mit einer Patientin, deren Bruder Impfgegner ist. Es bricht mir fast das Herz, wie eine Impfung selbst engste Familienmitglieder entzweien kann. Und das, obwohl wir doch so unglaublich dankbar sein können, überhaupt über Impfungen zu verfügen und der Impfgedanke doch ein so schöner ist- nicht nur sich, sondern auch andere schützen können, um gemeinsam unbeschadet durch die Pandemie zu kommen.


Am Mittwoch übte ich mich erneut an EKG-Befundungen, lernte von der MFA Bea alle Arten von Strumpfanzieher kennen und konnte gespannt mitverfolgen, wie das Ulcus des Patienten von letzter Woche mittlerweile schon fast vollständig verheilt war. Nachmittags durfte ich Frau Dr. Kleudgen bei einem Hausbesuch zu einem Patienten mit COPD und akutem Infekt begleiten. Die besondere und humorvolle Art des hörgeminderten Patienten und das souveräne Auftreten von Frau Dr. Kleudgen, ließen den Hausbesuch zu einem ganz besonderen werden. Am Abend stellte ich beim Journal Club erneut eine spannende Studie, diesmal über die Behandlung von chronischem Asthma mit Makroliden, vor. Leider ist die Evidenz dieser Therapie zu gering und die Nebenwirkungen der längeren Makrolideinnahme zu hoch und somit bisher für den Alltag nicht geeignet.


Am Ende der Woche übte ich mich in Lalling an mehreren medikamentösen COPD- und Asthma-Einstellungen, um im Anschluss nochmals die entsprechenden Leitlinien durchzugehen.  Zudem betreute ich mehrere Patienten nach Krankenhausentlassung, führte - unter Supervision von Frau Dr. Takacs - die Medikationsumstellung eines Patienten mit Herzinfarkt durch und entdeckte erneut bei einem Patienten nebenbefundlich Gallensteine. Da ich diese Woche unter anderem die Leitlinien „Nieren- und Gallenkolik“ studierte, passte dieser Befund perfekt zum Thema.

 

Woche 12: 31.01. – 06.02.2022

Diese Woche verbrachte ich in Auerbach. Dr. Kalmancai nahm sich wieder viel Zeit, um alle Patienten mit mir vor- und nachzubesprechen, damit ich einen guten Gesamteindruck bekam und die Symptome besser einordnen konnte. Gemeinsam übten wir Behandlungsschemata und das weitere diagnostische Vorgehen. Zudem übernahm ich diese Woche fast alle Gesundheitsuntersuchungen, um eine Routine in der Beratung und Diagnostik zu bekommen. Da mein Fokus diese Woche v.a. auf dermatologischen Krankheitsbildern lag, führte ich umso gründlicher das Hautkrebsscreening durch, konnte aber zum Glück keine abklärungsbedürftigen Nävi entdecken. Zudem beriet ich die Patienten in gesundheitlichen Fragen, führte Beratungen zum Thema Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Rauchstopp, gesunde Ernährung und Bewegung durch und klärte über wichtige Strategien zur Stressreduktion auf.

Medizinische Highlights der Woche waren für mich ein Patient mit Aneurysma eines Schilddrüsengefäßes, welches ich in einem SD-Sono entdeckt hatte, ein Patient mit mehreren bis zu 8 cm großen Nierenzysten im Ultraschall und ein Patient mit entferntem spinozellulärem Karzinom, welcher zur Wundversorgung bei offener Wundheilung am Wangenbereich zu uns kam. Da das Karzinom leider schon in die tiefen Hautschichten vorgedrungen war, konnte man auf dem Wundgrund bis zum Knochen sehen. Zudem sah ich eine Patientin, welche nach einem Tritt durch eine Kuh mit riesigem Hämatom über dem kompletten Oberschenkel und einen Teil des Unterschenkels zu uns kam. Da das Bein verhärtet und das Hämatom deutlich hervorgewölbt war, bestand die Indikation einer Hämatomausräumung.

Am Mittwochnachmittag hielt Frau Dr. Engel, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Lehrbeauftragte der Uni Erlangen, ein sehr lehrreiches Seminar über „Anämie in der Hausarztpraxis“.  Zu Beginn besprachen wir die Definition (Hb-Untergrenzen der versch. Personenkategorien), die Ursachen (Eisenmangel, Vit.B12-/ Folsäuremangel, Blutungen, chron. Erkrankungen, Nierenfunktionseinschränkungen, Medikamente, genetische Blutbildungsstörungen usw.) sowie die Arten und Einteilungen (nach Erythropoese, Morphologie und Hb-Gehalt) der Anämie. Mit Hilfe eines super strukturierten Schaubildes führte uns Frau Dr. Engel durch alle Arten der Anämie. In Kleingruppen übten wir an Fallbeispielen, die unterschiedlichen Anämieformen zu erkennen und das weitere Vorgehen zu planen. Da ich vor dem Seminar noch Schwierigkeiten hatte, an einem Blutbild die Anämieursache sicher zu erkennen, war ich umso begeisterter, als ich am Ende wirklich das Gefühl hatte, endlich eine sinnvolle Struktur zu haben, um alle Anämieformen sicher diagnostizieren zu können. 

Am Ende der Woche durfte ich Frau Dr. Hill noch bei einem Hausbesuch zu einer Patientin mit unklarem Fieber begleiten. Obwohl die Hausbesuchspatientin mehrere Monate im Krankenhaus war und man sie von oben bis unten durchgecheckt hatte, blieb der Grund der erhöhten Temperatur weiterhin unklar. Da es der Patientin zum Glück einigermaßen gut ging, konnten wir die Angehörigen etwas beruhigen und für nächste Woche die ambulante Weiterbehandlung bei uns planen. Ich bin sehr gespannt, ob doch noch ein Grund für ihr Fieber festzustellen sein wird.

 

Woche 13: 07.02. - 13.02.2022

Nach einem wunderschönen schneereichen Wochenende freute ich mich sehr auf die neue Woche.

Die ersten beiden Tage half ich in Auerbach aus und hatte somit die Gelegenheit, mit Herrn Dr. Purmann und Frau Aicher zusammenzuarbeiten. Ich übernahm erneut alle Gesundheitsuntersuchungen und bekam auch von Herrn Dr. Purmann sehr gute Tipps bezüglich des Hautkrebsscreenings und der Gesprächsführung vermittelt.

In unserer Besprechung am Montag widmeten wir uns dem Thema „Sport und Bewegung als Therapieoptionen“. Nachdem wir alle Krankheitsbereiche von Herz-Kreislauferkrankungen über Lungenerkrankungen, Krebserkrankungen, rheumatologische Erkrankungen, Knochenerkrankungen, geriatrische Erkrankungen, psychische Erkrankungen usw. durchgesprochen hatten, kamen wir zum Fazit, dass Bewegung – bis auf wenige Ausnahmen (bspw. Herzinsuffizienz NYHA IV, Anorexie oder Infekte) – immer förderlich ist. Sport senkt das generelle Sterberisiko und das Wiederholungsrisiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch, hilft u.a. bei Arrhythmien, COPD und Asthma, stellt eine wirksame „Anti-Aging-Medizin“ dar, verlangsamt die Demenzentstehung und -fortschreitung, senkt die Sturzgefahr, die Infektanfälligkeit, das Risiko für chronische Entzündungen sowie Autoimmunkrankheiten, senkt bei Diabetikern deutlich den Langzeitzucker und hilft effektiv bei Depressionen. Somit ist Sport nicht nur sehr gut als Prävention fast aller Krankheiten geeignet, sondern auch zur Verbesserung aktueller Krankheitsbilder und sollte zusätzlich zur Medikation angewendet werden. Beeindruckend fand ich, dass Patienten, die an Brust- oder Darmkrebs erkrankt waren und erst dann begannen, sich zu bewegen, ihr Sterberisiko mit einem Training nach WHO-Empfehlungen um circa 28 % senken konnten, bei Prostatakrebs-Diagnose sogar um bis zu 61 %. Diese Zahlen verdeutlichen mir nochmal, wie wahnsinnig wichtig es ist, auch bei diesen Krankheitsbildern die Bewegungstherapie zur Sprache zu bringen, über die Vorteile aufzuklären und bestenfalls geeignete Therapiepläne zur Verfügung zu stellen.

Sehr interessant fand ich am Dienstag einen Patienten mit ausgeprägter Dupuytren-Kontraktur beidseits, mit deutlicher palmarer Knotenbildung und Beugekontraktur. Aufgrund der Ausprägung war der Patient rechts bereits operativ durch eine partielle Fasziotomie und Z-Plastik versorgt worden. Der Patient berichtete auf Nachfragen, dass auch viele seiner männlichen Familienmitglieder von dem Krankheitsbild betroffen seien. Weitere Risikofaktoren gab der Patient nicht an.

Ein weiteres Highlight der Woche war für mich die Patientin mit idiopathischer Fazialisparese, welche mir nach vielen logopädischen Behandlungen endlich von einer Besserung der Beschwerden berichten konnte.

Gemeinsam mit Frau Dr. Kleudgen übte ich Ende der Woche die Befundung und Interpretation eines Langzeit-EKGs. Während ich schon häufiger Langzeitblutdruckmessungen und normale EKGs mit Patienten besprochen hatte und mich darin recht sicher fühle, fällt es mir bei einem pathologischen Langzeit-EKG noch schwer, ggf. direkt die entsprechende Therapie abzuleiten. Zudem führten wir ein EKG bei einem Patienten mit mittelgradiger Aortenstenose, neu aufgetretenen Ödemen und Schwindelsymptomatik durch. Da dieses sehr spannend und für mich in diesem Fall noch schwer zu interpretieren war, durfte ich die Kopie mit nach Hause nehmen, um mich dort nochmals vertieft damit zu beschäftigen. Frau Dr. Krenn lieh mir dafür netterweise ihr EKG-Buch übers Wochenende aus.  

So verbrachte ich mein Wochenende erneut mit EKG-Training sowie Schneewanderungen und ein paar gemütlichen Stunden mit meinen Eltern.

 

Woche 14: 14.02. – 20.02.2022

Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht… Nun sind es nur noch 2 Wochen bis mein Tertial in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald endet und ich werde jetzt schon traurig bei dem Gedanken, mich bald von allen hier verabschieden zu müssen. Umso mehr genieße ich dafür die letzten Wochen.

Am Montagmorgen arbeitete ich v.a. gemeinsam mit Frau Dr. Krenn, welche mich jedes Mal erneut mit ihrem tollen, einfühlsamen und kompetenten Patientenumgang begeistert und auch sehr bemüht ist, mir alles Wichtige beizubringen. Besonders spannend fand ich eine Patientin mit Hautausschlag. Dieser habe mit einer primären größeren Effloreszenz begonnen und sich dann stammbetont ausgebreitet. Sofort fiel der Verdacht auf eine Röschenflechte mit ihrem typischen Primärmedaillon. Auch die zahlreichen kleinen symmetrischen, leicht schuppigen, in Längsrichtung angeordneten Effloreszenzen passten perfekt ins Bild. Wir klärten die Patientin bezüglich der Harmlosigkeit der Krankheit auf, dass diese nicht ansteckend sei und selbstlimitierend verlaufe.

Zudem sah ich eine Patientin mit ausgeprägten Gichttophi an den Fingern, eine Patientin mit Wundheilungsstörung und eine Patientin mit V.a. ein postnasales Dip-Syndrom.

Nachmittags gab Herr Dr. Blank noch ein kleines Sono-Teaching und zeigte Frau Aicher und mir nochmals die perfekte Darstellung des Pankreas in allen Ebenen. Nach einem sehr interessanten Tag ließ ich gemeinsam mit Julia Aicher den Abend bei einem leckeren Essen im Gasthaus zum Sonnenwald ausklingen.

Auch den Dienstag verbrachte ich in Schöfweg. Ich untersuchte u.a. einen älteren Patienten mit Schmerzen und Vorwölbungen im Unterbauch bei Z.n. mehrfachen Operationen im Abdomen. Bereits im Stehen sah man, dass der komplette Unterbauch vorgewölbt schien und mehrfach Hernien sichtbar waren. Zum Glück waren alle im Liegen gut reponierbar und wir überwiesen den Patienten zum Chirurgen zur weiteren Behandlung. Zudem schallte ich eine junge Patientin mit rezidivierender Übelkeit und bekam von Frau Dr. Kleudgen ein kurzes Teaching zur kardialen Amyloidose sowie den neuesten Impfstoffempfehlungen bezüglich Corona.

Mittags begleitete ich Frau Dr. Krenn nach einem sehr unterhaltsamen und leckeren Mittagessen bei ihrer Hausbesuchstour. Zuvor besprachen wir die Indikationen, Vor- und Nachteile eines Hausbesuches, planten das Vorgehen und schauten uns die entsprechenden Karteien der Patienten an. Dann gings auch schon los. Besonders einprägsam war für mich eine demente Hausbesuchspatientin mit infizierter Hüftgelenksprothese. Aus mehreren Fistelgängen erfolgte eine dauerhafte schwallartige Eitersekretion. Aufgrund ihres Zustandes war eine Sanierung nicht zumutbar. Da die Eitersekretion so stark war, dass mit normalen Saugverbänden der Fluss nicht gestoppt werden konnte, hatte ihr Sohn eine Wundauflage aus Windeln gebastelt. Zum Glück hatte die Patientin nur geringe Schmerzen bei Berührung, keine systemischen Entzündungszeichen und einen besorgten Sohn, welcher sich sehr gut um sie kümmerte. Besonders positiv im Gedächtnis blieb mir eine 99-Jährige Hausbesuchspatientin, welche uns ausgesprochen fröhlich und lachend in ihrem Sessel sitzend, über den neuesten Promiklatsch aus ihren Zeitschriften berichtete. Diese könne sie zwar fast nicht mehr lesen, dafür schaue sie sich die Bilder umso lieber an und löse mit Begeisterung noch alle Rätsel. Im Anschluss besprachen und dokumentierten Frau Dr. Krenn und ich alle sechs Hausbesuchspatienten und ich führte in der Nachmittagssprechstunde noch einige Impfungen durch.

Am Mittwoch stellte sich akut eine Patientin mit plötzlich aufgetretener Gesichtsrötung und teigiger Schwellung sowie Juckreiz bei uns vor. Eine genaue Ursache habe die Patientin nicht feststellen können. Auch wurde von neuer Kleidung, Kosmetika, Shampoo, Waschmittel, über besondere Nahrungsmittel usw. alles verneint. Da glücklicherweise keine Schwellung im Halsbereich, keine Atemnot oder eine sonstige akute vitale Bedrohung bestand, schickten wir sie nach ausführlicher Aufklärung und Rezeptierung eines Antihistaminikums nach Hause.

Die letzten beiden Tage verbrachte ich dann gemeinsam mit Frau Dr. Takacs, Frau Dr. Hill und Frau Aicher in Auerbach. Spannende Fälle waren eine Patientin mit Schwindel bei V.a. Otolithen-Ablösung, ein junger Patient mit Pfeifferschen Drüsenfieber bei klassisch aussehenden Rachenmandeln und Symptomatik, eine Patientin mit rezidivierender Erythema nodosum mit ungeklärter Ursache seit über 10 Jahren sowie ein Patient mit Kribbelparästhesien an den Fingern der rechten Hand mit beim Allen-Test sichtbarer Minderdurchblutung der Hand über die A. ulnaris. Vor ca. 3 Jahren war er bereits mit einer Schiene bei V.a. Karpaltunnelsyndrom versorgt worden. Daher vermuteten wir entweder einen Verschluss der Arterie oder eine Einengung in der Guyon-Loge.

Nach einer spannenden Woche läutete ich gemeinsam mit Julia Aicher und einem Freund von ihr das Wochenende mit einem kleinen Ausflug nach Straubing und einem leckeren Pizzaessen ein.

 

Woche 15: 21.02. - 27.02.2022

Die vorletzte Woche verbrachte ich in Kirchberg, Schöfweg und Lalling. Ich schaute Herrn Dr. Machac
bei weiteren Herzechos über die Schulter, feierte verkleidet den Faschingsbeginn in Lalling, übernahm mit Freude alle orthopädischen und chirurgischen Patienten, behandelte u.a. einen Patienten mit vasovagalen Synkopen und durfte selbstständig einen Patienten mit COPD neu ins DMP aufnehmen. Ich klärte ihn bezüglich des DMP auf, erledigte den Papierkram, besprach mit ihm dessen Medikation und passte diese nach Erfragen seiner Exazerbationsrate und Symptomatik entsprechend an. Besonders bewegt hat mich ein sehr ausführliches und langes Gespräch mit einer Patientin mit rezidivierenden Blasenentzündungen, Angststörungen und Depressionen sowie mit einer Patientin mit ausgeprägten Panikstörungen. Während mir zu Beginn des Tertials solche Gespräche noch schwergefallen sind, fühle ich mich nun deutlich sicherer im Umgang mit psychisch Erkrankten sowie in der entsprechenden Gesprächsführung, kann schwierige Themen wie Suizid offen ansprechen und geeignete Ansprechpartner für Akutfälle und langfristige Therapien nennen.
Am Mittwochmittag erfolgte ein sehr interessanter Vortrag von Herrn Dr. Uebel über das Thema „Aktuelle Entwicklungen in der Diabetologie“. Darin berichtete er von den neuesten medikamentösen Empfehlungen, den entsprechenden Indikationen sowie darüber, dass v.a. im Alter auch etwas höhere HbA1c-Werte ohne Medikation toleriert werden können. Abends beschäftigten wir uns dann im Journal Club über die neuesten spannenden Studien und diskutierten u.a. über den Einsatz des neuen Todimpfstoffes sowie die Einnahme von Calcium zur Hypertonieprophylaxe. Am Donnerstag und Freitag folgten dann zwei besondere Tage: Am Donnerstagmittag ging es für mich mit Krapfen bepackt nach Schöfweg. Dort hatten sich Frau Dr. Krenn und Frau Dr. Hill extra die komplette Mittagspause freigenommen, um mir ein ganz ausführliches Sono-Teaching zu geben. Mit dem Sonobuch auf dem Schoß gingen wir gemeinsam strukturiert alle Einstellungen und Schallkopfhaltungen zur präzisen Durchmusterung der Organe durch, stellten jeden Gefäßabgang dar, verfolgten den DHC und besprachen alle physiologischen Größen.
Am Freitag hatte ich dann die Möglichkeit, bei Herrn Dr. Kammerl zu hospitieren. Voller Vorfreude machte ich mich am Freitagmorgen auf den Weg nach Zwiesel in dessen nephrologische Praxis. Direkt wurde ich von allen herzlich in Empfang genommen. Zu Beginn durfte ich Herrn Dr. Kammerl bei der Visite begleiten und bekam ein sehr ausführliches Teaching über alle verschiedenen Dialyse- und Shunt-Möglichkeiten, Dialyseeinstellungen und -anpassungen und Gründe einer Dialyse. Anschließend begleitete ich Dr. Kammerl zur Sprechstunde, lernte die Erhebung einer nephrologisch orientierten Anamnese und durfte im Anschluss die Patienten untersuchen und schallen. Dabei sah ich nicht nur deutlich ausgeprägte Zystennieren, sondern lernte auch die Kriterien einer chronischen Niereninsuffizienz im Ultraschall kennen. Gemeinsam mit Krankenpflegerin Brigitte lernte ich den An- und Abschluss der Patienten an die Dialysemaschine sowie die Funktionsweise des Geräts kennen und hatte die Möglichkeit, mich ausführlich mit den betroffenen Patienten zu unterhalten. Ich war überrascht, wie positiv doch alle mit der potentiell lebensbedrohlichen Situation umgingen und wie wichtig es für alle war, in der Situation mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Auch generell herrschte eine sehr persönliche, freundschaftliche und familiäre Stimmung zwischen den Patienten, Krankenschwestern und Herrn Dr. Kammerl, welche ich sehr schön fand. Nachmittags zeigte mir Herr Dr. Kammerl dann noch die Wasseraufbereitungsanlage im Keller, erklärte mir die patientenangepassten Zusammensetzungen der Dialyseflüssigkeit und nahm sich nochmals ausführlich Zeit für alle meine Fragen.
Nach einer spannenden, abwechslungsreichen Woche ging es dann ins sonnige Wochenende.

 

Woche 15: 21.02. - 27.02.2022

Die vorletzte Woche verbrachte ich in Kirchberg, Schöfweg und Lalling. Ich schaute Herrn Dr. Machac bei weiteren Herzechos über die Schulter, feierte verkleidet den Faschingsbeginn in Lalling, übernahm mit Freude alle orthopädischen und chirurgischen Patienten, behandelte u.a. einen Patienten mit vasovagalen Synkopen und durfte selbstständig einen Patienten mit COPD neu ins DMP aufnehmen. Ich klärte ihn bezüglich des DMP auf, erledigte den Papierkram, besprach mit ihm dessen Medikation und passte diese nach Erfragen seiner Exazerbationsrate und Symptomatik entsprechend an. Besonders bewegt hat mich ein sehr ausführliches und langes Gespräch mit einer Patientin mit rezidivierenden Blasenentzündungen, Angststörungen und Depressionen sowie mit einer Patientin mit ausgeprägten Panikstörungen. Während mir zu Beginn des Tertials solche Gespräche noch schwergefallen sind, fühle ich mich nun deutlich sicherer im Umgang mit psychisch Erkrankten sowie in der entsprechenden Gesprächsführung, kann schwierige Themen wie Suizid offen ansprechen und geeignete Ansprechpartner für Akutfälle und langfristige Therapien nennen.
Am Mittwochmittag erfolgte ein sehr interessanter Vortrag von Herrn Dr. Uebel über das Thema „Aktuelle Entwicklungen in der Diabetologie“. Darin berichtete er von den neuesten medikamentösen Empfehlungen, den entsprechenden Indikationen sowie darüber, dass v.a. im Alter auch etwas höhere HbA1c-Werte ohne Medikation toleriert werden können. Abends beschäftigten wir uns dann im Journal Club über die neuesten spannenden Studien und diskutierten u.a. über den Einsatz des neuen Todimpfstoffes sowie die Einnahme von Calcium zur Hypertonieprophylaxe. Am Donnerstag und Freitag folgten dann zwei besondere Tage: Am Donnerstagmittag ging es für mich mit Krapfen bepackt nach Schöfweg. Dort hatten sich Frau Dr. Krenn und Frau Dr. Hill extra die komplette Mittagspause freigenommen, um mir ein ganz ausführliches Sono-Teaching zu geben. Mit dem Sonobuch auf dem Schoß gingen wir gemeinsam strukturiert alle Einstellungen und Schallkopfhaltungen zur präzisen Durchmusterung der Organe durch, stellten jeden Gefäßabgang dar, verfolgten den DHC und besprachen alle physiologischen Größen.
Am Freitag hatte ich dann die Möglichkeit, bei Herrn Dr. Kammerl zu hospitieren. Voller Vorfreude machte ich mich am Freitagmorgen auf den Weg nach Zwiesel in dessen nephrologische Praxis. Direkt wurde ich von allen herzlich in Empfang genommen. Zu Beginn durfte ich Herrn Dr. Kammerl bei der Visite begleiten und bekam ein sehr ausführliches Teaching über alle verschiedenen Dialyse- und Shunt-Möglichkeiten, Dialyseeinstellungen und -anpassungen und Gründe einer Dialyse. Anschließend begleitete ich Dr. Kammerl zur Sprechstunde, lernte die Erhebung einer nephrologisch orientierten Anamnese und durfte im Anschluss die Patienten untersuchen und schallen. Dabei sah ich nicht nur deutlich ausgeprägte Zystennieren, sondern lernte auch die Kriterien einer chronischen Niereninsuffizienz im Ultraschall kennen. Gemeinsam mit Krankenpflegerin Brigitte lernte ich den An- und Abschluss der Patienten an die Dialysemaschine sowie die Funktionsweise des Geräts kennen und hatte die Möglichkeit, mich ausführlich mit den betroffenen Patienten zu unterhalten. Ich war überrascht, wie positiv doch alle mit der potentiell lebensbedrohlichen Situation umgingen und wie wichtig es für alle war, in der Situation mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Auch generell herrschte eine sehr persönliche, freundschaftliche und familiäre Stimmung zwischen den Patienten, Krankenschwestern und Herrn Dr. Kammerl, welche ich sehr schön fand. Nachmittags zeigte mir Herr Dr. Kammerl dann noch die Wasseraufbereitungsanlage im Keller, erklärte mir die patientenangepassten Zusammensetzungen der Dialyseflüssigkeit und nahm sich nochmals ausführlich Zeit für alle meine Fragen.
Nach einer spannenden, abwechslungsreichen Woche ging es dann ins sonnige Wochenende.

 

Woche 16: 28.02. – 06.03.2022

Meine letzte Woche geht vorbei und ich bin unglaublich traurig aber auch sehr dankbar für diese wunderschöne Zeit. Wenn ich die Wochen Revue passieren lasse, merke ich, welche großen Fortschritte ich in dieser Zeit doch gemacht habe und wie sicher ich im Patientenkontakt, der Anamnese, körperlichen Untersuchung und dem therapeutischen Vorgehen geworden bin.
Während ich in der ersten Woche noch viel mitgelaufen bin, habe ich in den letzten Wochen quasi eigenständig meine Patienten betreut. Ich kann mittlerweile Sonographieren, EKG und Blutwerte interpretieren, kenne Therapieschemata der häufigsten Erkrankungen, kann Gesundheitsuntersuchungen durchführen, Red flags erkennen, Krankheiten und Symptome einschätzen, durfte Einblicke in die Wundversorgung sammeln usw. An meinen letzten Tagen sah ich nicht nur weitere spannende Krankheitsbilder wie Lupus erythematodes, Psoriasis, Knochenbrüche, Erythema nodosa, Elektrolytstörungen und einen Patienten mit ausgeprägten EKG-Veränderungen, sondern auch altbekannte Gesichter. Der Patient mit spinozellulärem Karzinom im Gesicht und offener Wundheilung hatte nun endlich seine Spalthauttransplantation, welche sehr gut angewachsen war. Die Patientin mit nur schwer einstellbarem Blutdruck hatte sich meinen Rat zu Herzen genommen und den Job gewechselt sowie den Konsum von Lakritze eingestellt - ihre Werte hatten sich deutlich gebessert. Der junge Patient bei dem ich die Leistenhernie beidseits festgestellt hatte, war nun operiert worden und seine Beschwerden waren komplett verschwunden. Diese Erfolgserlebnisse zeigten mir nochmals wie großartig mein zukünftiger Beruf sein wird und wie viel Positives man doch mit seinem Handeln bewirken kann.
Am Donnerstagmittag durfte ich Frau Dr. Hill noch bei ihren Hausbesuchen begleiten. Glücklicherweise ging es allen Patienten gut und es mussten keine Wundversorgungen oder Medikationsanpassungen vorgenommen werden. Der Abschied viel mir nach dieser tollen Zeit umso schwerer, hatte ich doch jeden einzelnen ins Herz geschlossen. Jeder hat sich so unglaublich viel Mühe gegeben, sich Zeit für Erklärungen, Hilfestellungen und Teachings genommen und mir somit ein wunderschönes, spannendes und lehrreiches PJ ermöglicht. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an das ganze Praxisteam. Auch der Dorfhund Lucky ließ es sich nicht nehmen, am letzten Tag noch für eine Runde Streicheleinheiten bei mir vorbeizuschauen und ich werde auch den kleinen, wuscheligen, schwarzen Wirbelwind sehr vermissen.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge ging es für mich am Samstag dann vollgepackt nach Bad Tölz, in mein neues Zuhause für die nächsten Monate.

 

Christina Liebl

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15

Woche 1: 05.09. – 12.09.2021

Es ist schon Sonntag spät abends als ich in Kirchberg ankomme. Ich bin schon wahnsinnig gespannt, was mich in den kommenden Wochen erwarten wird und welche neuen Kollegen und Patienten ich kennen lernen darf. Nach einem  viertel Jahr wohnen in einem ehemaligen Patientenzimmer im Krankenhaus mit einer Mini-Küche für viele PJler, erscheint mir die top eingerichtete WG in Kirchberg sehr luxuriös.

Am Morgen lerne ich meine Mitbewohner kennen und dann geht es auch schon auf nach Lalling. Dort angekommen zeigen mir die netten MFA’s die Praxis. Dabei sprechen mich die hellen und modernen Praxisräume an und bei dem Leinwandbild des kleinen Arbersees fühle ich mich gleich sehr heimisch.

Dann kommen auch schon die ersten Patienten. Ich hänge mich erst mal an die Ärztinnen, um zu sehen, wie der Praxisalltag in der Praxis funktioniert. Nach einer kleinen Einweisung in das Computerprogramm der Praxis darf ich auch schon bei den ersten Patienten alleine die Anamnestik durchführen. Anschließend kommt eine Ärztin mit dazu und wir besprechen gemeinsam, was von der Krankengeschichte des Patienten noch wichtig wäre, welche gefährlichen Verläufe ich ausschließen muss und welche Therapie wir einleiten.  So vergeht der Vormittag wie im Flug. In der Mittagspause gibt es eine Besprechung mit dem gesamten ärztlichen Team und allen Studenten über Zoom zum Thema Nahrungsmittelunverträglichkeit. Ein sehr alltägliches Thema, zu dem ich auch schon von Freunden um Rat gefragt wurde, aber bisher noch nicht wusste, in welcher Reihenfolge und was genau man diagnostisch abklären sollte. Ich bin schon gespannt auf das Protokoll von  einer Mit-PJlerin Julia. Auch am Dienstag und Donnerstag finden online Meetings statt, um komplizierte Fälle aus allen Praxen zu besprechen. Diese waren sehr unterschiedlich. Von einem Patienten bei dem vor allem die soziale Gesamtsituation den Ärzten Sorge bereitete, über einen bis jetzt noch unklaren Fall eines jungen Mannes mit Schmerzen am gesamten Körper, zu einen Fall, bei dem das konsequent durchgeführte Schema bei erhöhten Leberwerten zur richtigen Diagnose führte. Diese Team-Konferenzen fanden auch schon vor Corona-Zeiten online statt. Dies erfüllt für manche wahrscheinlich so gar nicht das Klischee einer Landarztpraxis im Bayerischen Wald.

Einen Tag darf ich zusammen mit Dr. Blank die Praxis in Grafenau kennen lernen. Auch hier sind die MFA’s sehr wertschätzend: Der morgen beginnt gleich mit einer Check-Up-Untersuchung und einer Kontrolluntersuchung für eine anstehende OP. Dabei kann ich zweimal hintereinander eine körperliche Untersuchung durchführen und darf schon mal vorschallen. Anders als bei meinen Tertial im Krankenhaus bekomme ich anschließend direkt ein ausführliches Feedback von Dr. Blank, das ich sehr dankbar annehme. Die weiteren Tage bin ich wieder in Lalling. Ein paar Patienten, die zur Wundversorgung kommen, kenne ich nun schon und kann direkt nachverfolgen, wie sich der Befund täglich verbessert.

Mit vielen neuen Eindrücken freue ich mich auf das Wochenende.

 

Woche 2: 13.09. - 19.09.2021

Auch diese Woche darf ich wieder einige neue Gesichter und als neue Praxen Auerbach und Kirchberg kennen lernen. Als interessante Krankheitsbilder bekomme ich diese Woche eine Patientin mit einen lehrbuchreifen Erythema migrans zu sehen. Ein anderer Fall hat sich sehr erfreulich entwickelt. Eine Frau wurde von starken Ganzkörperschmerzen geplagt. Die Behandlung mit Prednisolon hat zu einer fast völligen Beschwerdefreiheit geführt. Interessant für mich war dabei, dass diese Frau ein nahezu blandes Laborbild aufzeigte und die Diagnose Polymyalgia rheumatica nicht unbedingt, wie in den Lehrbüchern beschrieben eine Sturzsenkung aufweisen muss.

Die Montagsbesprechung behandelt den Hanta-Virus. Für mich bis jetzt nur eine ausgefallene Antwortmöglichkeit in MC-Fragen. Doch nun weiß ich, dass bei einem ungewöhnlich schweren oder langen Verlauf der Grippe, dieses Krankheitsbild als Differentialdiagnose berücksichtigt werden muss. Auch die anderen Fallbesprechungen sind wieder sehr interessant. Ich finde es super, dass jeder niederschwellig seine Fragen anbringen kann. Wir diskutieren unter anderem wie und in welchen Rahmen eine Behandlung eines Herpes labiales erfolgen sollte und welche Komplikationen auftreten könnten. Mit Frau Aicher bin ich an einem Vormittag mit auf Hausbesuchstour unterwegs. Letzte Woche fielen Ihr beim Besuch eines älteren Patienten Rasselgeräusche über der Lunge und Bein-Ödeme auf, nach Erhöhung der diuretischen Therapie geht es dem Patienten bei unserem Besuch schon wieder viel besser und von Frau Aicher bekomme ich noch ein kleines Privatteaching zu Diuretika.

Auch am Wochenende geht es abwechslungsreich weiter. Ich fahre nach Hause, am Freitag Abend ist Ausbildung bei der Bergwacht. Zusammen mit einem Anästhesisten als Referenten gehen wir Verletzungsmuster durch, die bei dem kommenden Ultratrail vorkommen könnten. Besonders interessant finde ich die thermischen Verletzungen, wie Unterkühlung, Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzeschlag zu unterscheiden und richtig zu behandeln. Samstag vormittags findet für die Studenten des Exzellenten Sommers ein Untersuchungskurs in Regen statt. Mein Thema ist die Ohrenuntersuchung. Auch ich profitiere davon sehr, da ich in Vorbereitung dafür die Untersuchungsschritte wiederhole. Die Studenten sind alle sehr motiviert neues praktisch auszuprobieren und daher macht der Kurs auch richtig Spaß. Gerade zu Hause angekommen, beginnt ein Bergwachteinsatz. Eine Wanderin hat sich eine Sprunggelenksverletzung zugezogen. Diese wird mit einer Vakuumschiene versorgt und unproblematisch an den RTW übergeben, der auch fast bis an die Einsatzstelle fahren kann. Da dieser Einsatz nicht lange dauert, können wir noch an der Einsatzübung auf der Schareben teilnehmen. Dabei wurde ein Flugzeugabsturz mit mehreren Verletzten mit einem begleitenden Waldbrand auf der Heugstatt simuliert. Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie wichtig bei solchen Ereignissen eine gute Organisation und Koordination der vielen Helfern von Feuerwehr, Rettungsdienst, Notärzten, Technikern und Bergwachten ist. Am nächsten morgen ist ein weiterer Bergwachteinsatz. Ein Wanderer hatte sich noch in der Dunkelheit eine Sprunggelenksverletzung zugezogen. Eigentlich das gleiche Verletzungsbild wie am Tag zuvor, doch dieses mal kann der Verletzte nur über einen steilen Wanderweg zu Fuß erreicht werden. Mittels Gebirgs-Trage wird der Patient dann nach unten transportiert. Anschließend haben wir noch Ausbildung und wiederholen Klettertechniken, Standplatzbau und Abseilen.

 

Woche 4: 27.09. - 03.10.2021

Anfang der Woche bin ich wieder in Auerbach und lerne dort Dr. Kalmancai kennen. Es kommen einige Patienten zum Check-Up und ich darf schon vorschallen. Anschließend bekomme ich von Dr. Kalmancai immer noch hilfreiche Tricks, wie man die einzelnen Organe, je nach Körperbau des Patienten noch besser darstellen kann. Mit ein paar Erfolgserlebnissen macht das sonographieren gleich noch mehr Spaß.

In Lalling stellt sich eine Patientin nach überstandener Covid-Infektion vor. Nach anfänglicher Symptomlosigkeit hatte ihr Verlauf eine drastische Wendung genommen, mit einem langen Intensiv-Aufenthalt inklusiver ECMO-Behandlung im Uniklinikum. Sie berichtet eindrucksvoll von den Wochen auf der Intensivstation. Von einer Kraftlosigkeit, nicht mal den Arm heben zu können, von der fehlenden Kommunikationsmöglichkeit, über das nicht unterscheiden zu können, was Albträume und was Realität war.  Nun sitzt die Frau mit einen unglaublichen Kämpferwillen, bald wieder arbeiten und Autofahren zu können, uns gegenüber. Im Inneren Tertial habe ich die Zeit auf der Intensivstation sehr lehrreich gefunden. Deshalb ist es nun sehr interessant die persönlichen Eindrücke vom Aufenthalt auf einer Intensivstation eines Intensiv-Patienten geschildert zu bekommen.

Am Mittwoch findet in Jena ein Präsenz-Seminar statt. Während alle anderen Seminare mittels Zoom stattfinden, war es den Verantwortlichen wichtig für dieses eine Seminar vor Ort zu erscheinen. Es sollte eine Balint-Gruppe stattfinden. Ich hatte bis jetzt nur ein paar wenige theoretische Infos zu dem Thema und war etwas skeptisch. Ich schilderte dann einen Fall eines jungen Patienten mit einem sehr schweren Verlauf einer Pankreatitis. Es war interessant, welche Denkansätze meine Kommilitonen dazu hatten. Meine anfängliche Skepsis war also unbegründet und ich denke, dass man mittels Balint-Gruppen seine eigene Arzt-Patienten-Beziehung überdenken und somit auch verbessern kann.

Am Freitag ist in den Praxen nochmal einiges los. Viele Patienten wollen ihre Beschwerden vor dem Wochenende abklären lassen. Unter anderem stellt sich eine Mutter mit Ihrer zweijährigen Tochter vor. Diese hat Fieber über 39 °C und ist sehr matt. Ich finde es schwierig zur richtigen Diagnose zu kommen, denn die Patientin kann uns natürlich nicht genau schildern, was Ihr fehlt. Mit Ihrer ruhigen Ausstrahlung untersucht Frau Dr. Takacs dann die Kleine systematisch und kommt zur Diagnose einer Otitis media.

Nach den vielen Eindrücken der Woche, merke ich erst wieder wie abwechslungsreich die Allgemeinmedizin ist und freue mich auf ein sonniges Wochenende.

 

Woche 5: 04.10.2021-10.10.2021

In dieser Woche bin ich wieder in Lalling eingeteilt.

In der Montagsbesprechung geht es um das Thema Übelkeit, in der Woche vorher um Muskelkrämpfe. Bis jetzt finde ich die Themen dieser Besprechung super, da es sich um wirklich häufige Beratungsanlässe handelt. Auch läuft das ganze sehr strukturiert ab, da wir zuerst überlegen, wie sich die Patienten mit ihren Beschwerden wörtlich bei uns vorstellen. Anschließend tragen wir zusammen, was bei der Anamnese alles gefragt werden sollte,  bevor wir dann mögliche Ursachen erörtern. Dabei nutzen wir immer das gleiche Schema und gehen verschiedene Ursachen (entzündliche, autoimmune, traumatische, von den Gefäßen ausgehende, durch Tumore, stoffwechsel- oder psychisch bedingte) durch. Ich merke, dass dieses Schema wirklich sinnvoll ist keinen abwendbaren schweren Verlauf zu vergessen und ich versuche dieses Schema in dieser Woche bei Patienten direkt anzuwenden. Anschließend tragen wir mögliche Therapien je nach Ursache zusammen.  Da wir PJler für das Protokoll verantwortlich sind, beschäftigen wir uns nachher noch mit dem Thema und verfestigen dadurch das Besprochene.

Manchmal ist es aber auch ganz einfach Patienten wieder glücklich zu machen. Ein Patient kann nicht mehr gut hören und fragt sich was die Ursache dafür ist. Ein kurzer Blick mit dem Otoskop zeigt viel Cerumen, nachdem ich die Ohren gespült hatte, sind die Ohren wieder frei und der Patient freut sich über die schnelle Lösung des Problems.

Auch merke ich, wie wichtig es ist, die Patienten mit unseren Aussagen nicht zusätzlich zu verunsichern. Eine Patientin mit eigentlich gut eingestelltem Hypertonus hatte in den letzten Tagen eine hypertensive Entgleisung. Sie hat große Angst, nun davon einen Schlaganfall zu tragen. Auch wenn der Blutdruck wieder im normalen Bereich ist, das EKG und klinische Untersuchung keine Auffälligkeiten zeigen, benötigen wir doch ein etwas längeres Gespräch die Patientin zu überzeugen, dass Sie sich darüber keine Sorgen machen sollte und nicht andauernd zu Hause selbst Blutdruck messen sollte.

Auch impfe ich diese Woche ein paar Patienten gegen Influenza. Mittags besprechen wir die verschiedenen Grippe-Impfstoffe, ob wir Influenza gemeinsam mit der 3. Corona-Impfung verbreichen könnten und wie das nun am besten bei den Hausbesuchspatienten organisiert werden kann.

Am Wochenende ist das Wetter wieder traumhaft und die Landschaft zeigt sich schon von der herbstlichen Seite.

 

Woche 6: 11.10. - 17.10.2021

In dieser Woche merke ich wieder, welchen Stellenwert Weiterbildung in der Gemeinschaftspraxis hat. Am Mittwoch hat das gesamte Team die Möglichkeit an einem Vortrag zum Thema Kopfschmerzen von einer Dozentin der Kopfschmerzambulanz teilzunehmen. Ich fand dieses Thema sehr interessant, da es sich zum einen um einen sehr häufigen Beratungsanlass handelt, zum anderen in seltenen Fällen auch ernste Ursachen hinter den Beschwerden stecken können. Die Dozentin gab uns Tipps diese seltenen sekundären Kopfschmerzen von den primären zu Unterscheiden. Weitere Themen waren Migräne und der medikamenteninduzierte Kopfschmerz. Am Ende wurden noch viele Fragen beantwortet, was auch zeigt, wie vielschichtig dieses Thema ist.

Neurologisch geht es in dieser Woche weiter. Ich bin zum größten Teil in Schöfweg eingeteilt. Dr. Kleudgen ist nicht nur Fachärztin für Allgemeinmedizin, sondern zusätzlich auch noch Neurologin. Gemeinsam diskutieren wir einen Patienten mit neu aufgetretenem Schwindel, welche Differentialdiagnosen in Betracht kommen könnten und was bei diesem Symptom besonders bei der neurologischen Untersuchung wichtig ist. Hilfreich ist zum Beispiel auch der Tipp, dass der Patient den Schwindel beschreiben soll, ohne dass er dabei das Wort Schwindel benutzen darf.

Generell finde ich dieses Konzept der Gemeinschaftspraxis mit den verschiedenen Ärzten, die zusätzlich noch Profis für ein Teilgebiet sind, sehr gut und auch die Patienten profitieren von dem gemeinschaftlich geballten Wissen. Bei einer Patientin, die zum präoperativen Check kommt, denke ich, dass die Patientin etwas unspezifische EKG-Veränderungen hat, auch wenn Sie über keinerlei Symptome klagt. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Internisten Dr. Machac, der sich das EKG auch am Computer in Kirchberg anschauen kann, stellen sich die Veränderungen, die öfters bei jungen Patienten auftreten können, als völlig harmlos heraus. Wir können durch den „Telefon-Joker“ das EKG guten Gewissens als unauffällig bewerten und müssen die Patientin nicht unnötig beunruhigen. Auch durch die Rotation zu den verschiedenen Ärzten lerne ich unterschiedliche Arten der Gesprächsführungen kennen und kann mir von jedem ein paar verschiedene gute Herangehensweisen abschauen.

Mittlerweile versuche ich immer nach der durchgeführten Anamnese und Untersuchung unter Vorbehalt eine konkrete Therapie aufzuschreiben. Anschließend bekomme ich Feedback. Wenn mein Therapievorschlag nicht so zielführend ist, lerne ich hoffentlich aus meinen Fehlern, falls dieser aber mit dem Vorgehen der Ärzte übereinstimmt, ist es jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis und sehr motivierend. An einem Nachmittag werde ich kurzfristig gefragt, ob ich nach Lalling kommen könnte, da hier nur eine Ärztin bei vielen Patienten ist. Das mache ich gerne und freue mich eine kleine Unterstützung sein zu können.

Am Wochenende ist das Wetter schon wieder richtig schön sonnig und herbstlich :-)

 

Woche 7: 18.10.21 – 24.10.21

In dieser Woche bin ich meistens in Schöfweg eingeteilt. Ein paar Patienten „kenne“ ich nun schon aus der vorherigen Woche, da diese zur Verlaufskontrolle kommen. Für mich ist dies zum einem schön, um zu sehen, wie sich das Krankheitsbild verändert hat und ob unsere Therapie erfolgreich war. Zum anderen wissen die Patienten schon wer ich bin, am Anfang der Konsultation besteht schon ein kleines Vertrauensverhältnis und wir können in der Anamnese gleich nahtlos vom letzten Besuch weitermachen.

Am Mittwochabend findet der Journal Club statt. Interessant war unter anderem ein Beitrag zur 3. Corona-Impfung. Ich bin schon von ein paar Patienten, als ich Sie gegen Grippe geimpft hatte, gefragt worden, wie es denn mit der 3. Impfung ausschaue. Nun bin ich froh, dass ich jetzt die Empfehlungen und ein paar wichtige Studienergebnisse zum zeitlichen Verlauf des Impfschutzes kenne. Des weiterem wurde ein Score vorgestellt. Mithilfe dessen kann bei niedriger Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Lungenarterienembolie diese auch ohne Bestimmung der D-Dimere ausgeschlossen werden. Im Zuge dessen bekamen wir noch einen Tipp für eine App, die alle möglichen medizinischen Scores kompakt beinhaltet.

Interessant fand ich diese Woche auch, dass es wichtig ist, sofern es medizinisch vertretbar ist, die Patientin in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen. Besonders schön zu sehen war dies bei zwei rüstigen Senioren. Beide hatten Schulterschmerzen, der Bewegungsumfang war etwas eingeschränkt und die klinische Untersuchung deutete auf eine Läsion einer Sehne der Rotatoren-Manschette hin. Ich überlegte, ob ich die Patientin ins MRT und zum Orthopäden überweisen sollte, doch die Patienten meinte, auf keinen Fall, denn Sie habe Platzangst würde ungern „in die Röhre“ und außerdem würde Sie sich in Ihrem Alter sicher nicht mehr operieren lassen. Der andere Patient mit den ähnlichen Symptomen meinte bei der Frage nach einer weiteren Abklärung, dass er das natürlich wolle, schließlich könne es so nicht mehr weitergehen und falls eine OP anstehen würde, würde er diese auch durchziehen.

Manchmal kommen die Patienten auch mit mehreren „Baustellen“ gleichzeitig. Ich habe schon bemerkt, dass es ambulant schwierig ist alle Probleme gleichzeitig weiter abklären zu lassen, sodass man sich eine Strategie überlegen muss, die Probleme nacheinander anzugehen. Bei der Priorisierung kann auch helfen, sofern keine Red flags vorhanden sind, den Patienten einfach mal zu fragen, wovor er die meiste Sorge hat. Dann kommen auch Zusammenhänge zum Vorschein, die einem vorher nicht bewusst waren. Zum Beispiel erfuhr ich diese Woche von einem Patienten, der unter anderem über gelegentliche Bauchschmerzen und Verstopfung klagte: „mein Nachbar ist neulich leider an einem Krebs im Bauch verstorben, der hatte anfangs auch Schmerzen im Bauch, jetzt habe ich Angst, dass mir das gleiche blühen könnte“. Dieses Problem kann man sich dann als erstes vornehmen und den Patienten im besten Fall schon eine große Sorge dann abnehmen. 

Am Sonntag lädt das schon wieder traumhafte Herbst-Wetter zum Wandern ein :-)

Woche 8: 25.10. – 31.10.2021

In dieser Woche merke ich wieder, wie abwechslungsreich die Allgemeinmedizin ist und aus wie vielen verschiedenen Fachgebieten man Ahnung haben muss. Auch habe ich das Gefühl, in der Uni nichts umsonst gelernt zu haben, weil man in der Allgemeinmedizin ein breit gefächertes Wissen haben muss. Zu manchen Krankheitsbildern habe ich jetzt auch einen Patienten vor meinem Auge und kann mir dadurch hoffentlich Symptome und entsprechende Therapie besser merken. Manchmal sind es aber auch sehr spezielle Beratungsanlässe, die man in Lehrbüchern oder Vorlesungen bis jetzt noch nicht detailliert behandelt hat.

Im Rahmen der Wundkontrollen stellen sich verschiedene Patienten vor. Ein Mann hat sich im frischen Beton beide Knie verätzt, ein anderer kommt mit einem ausgeprägten Befund einer Osteomyelitis und wieder zwei andere stellen sich mit einem Hundebiss vor. Aus dermatologischer Sicht haben wir einen Patienten mit Verdacht auf ein Basaliom und einen Fall einer Purpura. Im Schilddrüsen-Ultraschall sehe ich eine Patientin mit einer Hashimoto-Thyreoditis. Kardiologisch werden meine EKG-Kenntnisse aufgefrischt, bei einem Patienten bestätigt sich der Verdacht auf eine Perikarditis, einen anderen schicken wir mit neu aufgetretenen Linksschenkelblock in das Krankenhaus. Darüber hinaus darf ich ein paar Fäden ziehen, reichlich impfen und meine Knie-Untersuchungstechnik verbessern. Auch den im Journal Club vorgestellten PERC-Score können wir bei einer Patientin mit Verdacht auf eine tiefen Beinvenenthrombose anwenden.

Bei schönsten Herbstwetter gehe ich mit meiner Mit-PJlerin Julia am Mittwoch eine Runde laufen. Ich freue mich schon auf das verlängerte Wochenende, denn da treffe ich ein paar PJlerinnen aus dem ersten Tertial. Es ist interessant zu hören, wie es den anderen PJler in den unterschiedlichsten Fachgebieten gefällt, was jeder machen darf und was wir mittlerweile schon ganz gut können und wo wir noch dazu lernen können. Dabei merken wir, dass jetzt Halbzeit des gesamten PJ vorbei ist und sind erstaunt, wie schnell die Zeit im PJ vergeht. Nach diesem schönen Wochenende in den Bergen, freue ich mich auf eine wieder sicher abwechslungsreiche Woche mit Dr. Kalmancai in Auerbach.

Woche 9: 01.11. - 07.11.2021

In dieser Woche merkt man, dass die Inzidenz der Corona-Infizierten in der Region steigt. Die Infekt-Sprechstunde wird ausgeweitet und der Anteil an positiv getesteten an allen getesteten beträgt an manchen Tag 100%. Auch rechtliche Fragen, wie ob ein Antikörpertest einen Genesenen-Nachweis entsprechen kann oder ob man eine AU ausstellen darf bei Patienten mit Symptomen, die aber einen Abstrich verweigern, sind Teil der Fragen, die die Patienten an uns stellen. Zum Glück gibt es die Fallbesprechungen und im Team diskutieren und recherchieren wir offene Punkte. Nachmittags verabreichen wir zahlreiche Corona-Impfungen. Dabei ist das Patientenklientel sehr unterschiedlich von Erstimpfungen bis zu Drittimpfungen.

Großen Respekt habe ich vor den MFA’s, die im Hintergrund Patienten für Abstriche, Infektsprechstunde und Impfungen einbestellen, während noch „normale“ Patienten an der Anmeldung stehen, das Telefon klingelt und die von uns angeordneten Rezepte und Überweisungen ausgestellt werden. Ohne diese gute Koordination der MFA’s würde vieles nicht so reibungslos funktionieren.

Ein paar Patienten sind sich bezüglich der Impfung noch unsicher und haben Sorge vor Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen. Da ich bei einigen Beratungsgesprächen mit dabei war und mir von verschiedenen Ärzten ein paar Formulierungen „abgeschaut habe“, bin ich mir mittlerweile schon sehr sicher, wenn ich solch ein Beratungsgespräch alleine führe.

Trotz der Corona-Thematik gibt es noch genügend andere Patienten mit verschiedenen Krankheitsbildern, die zu uns kommen. Zwischen den Patienten nimmt sich Dr. Kalmancai immer wieder Zeit um mir ein kleines Privat-Teaching zu geben. Wir besprechen die Einstellung von Marcumarpatienten inklusive Briding oder dem Absetzen vor einer OP. Auch werde ich zu interessanten Befunden mit dazu geholt, wenn ich gerade noch bei einem anderen Patienten bin.

In meiner Wohnung wohnen immer noch ein paar Blockpraktikantinnen, die vor der Wahl Ihres PJ stehen. Ich kann guten Gewissens das Wahltertial in der Allgemeinmedizin weiterempfehlen. Im Vergleich zum Inneren Tertial finde ich, dass man im Krankenhaus kaum eine so gute 1:1-Betreuung hat, wie es jetzt in der Praxis ist. Des Weiteren kann man reichlich Erfahrung bei Anamnese und körperlicher Untersuchung sammeln und sieht verschiedene Krankheitsbilder und Patienten in allen Lebenslagen. Diese Erfahrung kann man später sicher in jedem Fachbereich gut gebrauchen :-)

 

Woche 10: 08.11. – 14.11.2021

Auch in dieser Woche ist wieder einiges los in der Praxis in Auerbach. Auf der einen Seite stellen sich Patienten mit Beschwerden vor, wie z.B. Rückenschmerzen, Harnwegsinfekt oder Cerumen im Ohr, bei denen ich mir über Befunderhebung und das weitere Vorgehen mittlerweile schon sehr sicher bin. Auf der anderen Seite, sehe ich Krankheitsbilder zum ersten mal. Ich schalle einen vergrößerten Lymphknoten am Hals bei einer Patientin mit der schon vorbekannten Grunderkrankung eines Non-Hodgkins-Lymphoms oder sehe einen sehr ausgeprägten Befund einer Neurodermitis. Hier kann mir die neue Ärztin Dr. Krenn gute Tipps geben, da Sie oftmals zuvor in der pädiatrischen Praxis Kinder mit Neurodermitis behandelt hat. Auch diskutieren wir über außergewöhnliche Laborbefunde. Ein Patient war schon lange nicht mehr beim Arzt, hat uns nun aber aufgesucht, da er am Tag bis zu 6-8 Liter trinke. Jetzt im Labor passt der extrem hohe HbA1c dann gut zu seinen Beschwerden. Einen Tag später kommt der Patient wieder und wir eruieren Lebensstil, weitere Risikofaktoren und Ernährungsgewohnheiten. Zusammen mit dem Patienten leiten wir die weitere Therapie ein. Außerdem erläutert Dr. Kalmancai anschaulich die vielen Risikofaktoren, die der Patient hat und versucht den Patienten zu motivieren Ernährung und Lebensstil zumindest in kleinen Schritten zu verändern. Auch hier konnte ich mir wieder ein paar gute Bausteine der Gesprächsführung einprägen. Ein weiterer Patient zeigt im Labor eine Polyglobulie und wir überlegen, wie wir nun weiter vorgehen und welche Krankheiten dahinterstecken könnten.

Mitten in der Sprechstunde werden wir zu einem notfallmäßigen Hausbesuch gerufen, bei einem Patienten besteht der Verdacht auf eine Hypoglykämie. Der somnolente Patient bekommt schnell Glucose und wird zur weiteren Abklärung dann ins Krankenhaus gebracht.

Am Mittwoch bin ich zusammen mit Julia in Kirchberg eingeteilt. Ausnahmsweise ist an diesem Tag weniger los und Dr. Machac stellt uns immer wieder Fragen zu bestimmten Themen oder wir gehen das praktische Vorgehen bei Hyperkaliämie oder chronischer Niereninsuffizienz durch. Ich denke, wir beide konnten an diesen Nachmittag wieder einiges lernen. :-)

Vor dem Wochenende wollen dann wieder einige Patienten ihre Beschwerden noch abklären lassen. In allen Praxen ist mir bisher aufgefallen, dass versucht wird Antibiotika wirklich nur dann zu verschreiben, wenn es auch nötig ist. Manchmal kommt auch ein weiterer guter Ansatz zum tragen. Dieser erfordert zwar die Mitarbeit des Patienten, kann aber, insbesondere vorm Wochenende eine unnötige Antibiotika-Gabe verhindern. Der Patient bekommt ein Rezept mit dem passenden Antibiotikum, beobachtet sich in den nächsten ein bis zwei Tagen selbst. Sollten die Beschwerden schlimmer werden, nimmt er das Antibiotikum einfach ein, sollten die Beschwerden besser werden, kann er guten Gewissens das Antibiotikum weglassen.

Mit diesen und weiteren praktischen Tipps freue ich mich auf das Wochenende. :-)

 

Woche 11: 15.11. – 21.11.2021

Anfang der Woche ist das Wetter noch schön sonnig und bei einem Spaziergang in der Mittagspause lernen Julia und ich unsere neue Mit-PJlerin Leonie kennen. Ich finde es super, dass man nicht die einzige PJlerin ist, sondern Gleichaltrige hat, mit denen man sich austauchen kann oder über ein paar Geschichten, die man tagsüber erlebt hat lachen kann.

Mitte der Woche zieht dann dichter Nebel um Kirchberg. Zu dem Wetter passt auch thematisch das Seminar das Landkreises Cham. Die Chefärztin Frau Dr. Prasser von der medbo des Standortes Cham hält einen Vortrag zu Depressionen. Auch wenn man die Zahlen schon öfters gehört hatte, ist man immer wieder überrascht, wenn man diese vor Augen geführt bekommt. Die Lebenszeitprävalenz der Depression liegt bei 16-20%. Der Großteil davon wird von den Hausärzten behandelt. In meiner Zeit bis jetzt in der Allgemeinmedizin, durfte ich schon ein paar Patienten mit diesem Krankheitsbild kennen lernen. Einige sprechen ganz offen über Ihre Erkrankung, bei wieder anderen ist es gar nicht so einfach, diese Diagnose zu stellen, da zuerst körperliche Beschwerden im Mittelpunkt stehen und diese zu Beginn auch ausgeschlossen werden müssen und bei wieder anderen sind plötzlich veränderte Lebensumstände, wie der Verlust des Ehepartners verantwortlich für die momentane Gefühlslage. Bei der Therapie ist es besonders für den Patienten schwer in naher Zukunft einen Platz bei einem Psychotherapeuten zu finden, da die Termine teilweise bis ins nächste Jahr schon ausgebucht sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für Patienten, die gerade eh sehr antriebslos sind, sehr schwer sein muss, dann Listen von verschiedenen Psychotherapeuten durchzutelefonieren, bis irgendwann ein passender Platz gefunden wird. Das Seminar ist sehr interessant, da die Dozentin uns nicht nur verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeiten aufzeigt, sondern uns auch konkrete Tipps zur Gesprächsführung gibt.

Am einen Vormittag fahre ich zusammen mit Frau Dr. Hill zu einem notfallmäßigen Hausbesuch. Der Pflegedienst hat in der Praxis angerufen und von einer sich verschlechternden kardialen Dekompensation mit Sauerstoffabfall gesprochen. Wir versuchen mittels intravenöser Diuretika-Therapie, Erhöhung der Dauerdiuretika und regelmäßigen Kontrollen der Patientin, auch im Anbetracht der momentanen Corona-Situation, einen Krankenhausaufenthalt zu ersparen. Auch wenn die Patientin leider keine nächsten Angehörige mehr hat, fand ich es sehr schön zu sehen, dass bei unserer Ankunft zwei Nachbarinnen und eine Bekannte bei der Patientin waren und auch in nächster Zeit weiter nach der Patientin schauen und diese unterstützen werden.

 

Woche 12: 22.11. -  28.11.2021

In dieser Woche bin ich Montag und Dienstag in Kirchberg bzw. in Lalling. Zusammen mit Leonie und Frau Dr. Hill haben wir einen Patienten, der ein ausgeprägtes Ekzem um die  Augen aufweist. Da der Patient beruflich metallischen Stäuben ausgesetzt ist, denken wir, dass dies als Ursache auf alle Fälle berücksichtigt werden muss. Hier merke ich wieder, wie wichtig eine gründliche Anamnese ist. Da der Befund sehr ausgeprägt ist, überweisen wir den Patienten zum Augenarzt und auch eine weitere betriebsärztliche Vorstellung sollte erfolgen. Ich bin schon auf den weiteren Verlauf des Patienten sehr gespannt.

Am Mittwoch schließe ich mich Petra Weinmann bei den Wundversorgungen an. Man merkt sofort, dass Sie eine Expertin auf diesen Gebiet ist. Sie erklärt mir die Grundlagen der Wundversorgung und gibt mir einige praktische Tipps. Trotz der großen Vielzahl an Wundauflagen findet Frau Weinmann für die unterschiedlichsten Wunden eine gute Lösung. Auch betreut Sie einige Patienten mit chronischen Wunden über einen längeren Zeitraum und merkt sofort, wenn sich der Befund verändert. Auch ist sie für die diabetische Beratung zuständig. So kann ich bei Ernährungsberatung und Medikamentenanpassung mit dabei sein und darf einen Fußstatus erheben. Der Mittwochnachmittag ist von Online-Seminaren geprägt. Zuerst hören wir einen interessanten Vortrag zu Borreliose. Ein Thema, mit dem ich in diesem Tertial schon öfters konfrontiert wurde. Anschließend habe ich von der Uni Jena ein dreistündiges Seminar zum Thema Klimawandel und Gesundheit, bevor sich dann der abendliche Journal-Club anschließt.

Donnerstag und Freitag bin ich dann beim Kinderarzt Dr. Weiß in Bad Kötzting. In die hausärztliche Praxis kamen bis jetzt auch immer wieder einige kleine kranke Patienten. Da ich bisher keine Famulatur oder Praktika in der Pädiatrie gemacht habe, möchte ich einen kleinen Einblick in dieses Fach bekommen und ein hoffentlich ein paar Erfahrungen und praktische Tipps von dieser Hospitation mitnehmen. Ich werde sehr freundlich vom Praxisteam in Empfang genommen. Das Wartezimmer ist sehr voll und ich kann von der U3 bis zu der U11 gleich mit dabei sein. Bei der U3 finde ich die Neugeborenen-Reflexe und das im Vergleich zum Erwachsenen wahnsinnig schnell schlagende Herz sehr faszinierend.  Daneben kommen einige kleine Patienten mit obstruktiven Bronchitiden und sehe im direkten Vergleich verschiedene Schwereformen der Dyspnoe. Auch einige seltenere Krankheitsbilder bekomme ich innerhalb dieser nur 2 Tage zu sehen. Ein Kind hat nach einer Gastroenteritis nun Blut im Stuhl und immer noch Bauchschmerzen. Das Sonobild zeigt eine schießscheibenähnliche Struktur und Dr. Weiß weist den Patienten mit V.a. Darm-Invagination in die Kinderklinik ein. Bei einer Patientin sehen wir im Ultraschall einen Megaureter bei vesikoureteralen Reflux und bei wieder einer anderen Patientin kann man im Sono eine Doppelniere sehen. Als weiteres Krankheitsbild stellt sich ein Junge mit einer Coxitis fugax vor.

Mit vielen unterschiedlichsten Eindrücken freue ich mich nun auf den ersten Advent mit etwas Schnee. :-)

 

Woche 13: 29.11. – 05.12.2021

Da letzte Woche die beiden Hospitations-Tage in der Kinderarzt-Praxis Dr. Weiß in Bad Kötzting sehr lehrreich waren, durfte ich die Hospitation verlängern und konnte diese Woche nochmals ein paar Erfahrungen mehr mit den kleinen Patienten sammeln. Da momentan im Landkreis Cham nur wenige Kinderärzte diese wichtige Versorgung aufrechterhalten, ist das Wartezimmer mit Patienten, die zu den U-Untersuchungen und Impfungen kommen, schon reichlich gefüllt. Hinzu kommen die spontanen Termine der akut erkrankten Kinder. Trotz der Vielzahl an Patienten nehmen sich sowohl Dr. Weiß, als auch die beiden anderen Ärztinnen Dr. Schiebelsberger und Dr. Turba-Bernhardt Zeit mit mir die Krankheitsbilder durchzusprechen oder mich abzufragen. Auch werde ich mit dazu geholt, wenn es in einem anderen Zimmer einen interessanten Befund zu sehen gibt oder differentialdiagnostisch ähnliche Exantheme werden mir in einem Buch gezeigt. In dieser Woche darf ich, ähnlich wie es in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald üblich ist, schon mal zu den Patienten vorgehen, mit den Kleinen bzw. manchmal eher mit der Mama Anamnese machen und die Kinder dann untersuchen. Im Vergleich zur Allgemeinmedizin ist die Anamnese meist deutlich kürzer ausgefallen und man muss sich sehr auf den Untersuchungsbefund konzentrieren um z.B. den Fokus einer Infektion zu finden. Die Untersuchung stellt sich im Vergleich zum Erwachsenen manchmal schon deutlich schwieriger dar, da sich manch ein Kind schon mal weigert den Mund zu öffnen oder die Auskultation der Lunge eher von Schreigeräuschen überlagert ist. Die Ärzte hatten für mich aber ein paar praktische Tipps, um dann doch noch zu einem verwertbaren Untersuchungsbefund zu kommen. Im Laufe der Woche habe ich wieder einige Krankheitsbilder zum erstmals in „echt“ gesehen. So konnte ich einige dermatologische Befunde sehen, wie z.B. Dellwarzen, die Hand-Mund-Fuß-Krankheit, eine Pityriasis rosea oder eine Urtikaria nach Haselnuss-Konsum in Lebkuchen. Auch viele Kinder mit Infekten stellen sich vor. Im Laufe der Woche sehe ich dann einige Otitiden und Tonsillitiden und werde sicherer eine obstruktive Bronchitis zu diagnostizieren. Auch in dieser Praxis wird Antibiotika nur dann verschrieben, wenn es auch wirklich notwendig ist. Sehr hilfreich finde ich dabei die Möglichkeit mittels eines kleines Fingerlanzetten-Stichs ein Blutbild inklusive CRP innerhalb weniger Minuten erstellen zu können, das bei der Unterscheidung zwischen einem viralen und bakteriellen Infekt sehr hilfreich ist. Trotz der technischen Unterstützung und den verschiedenen erhobenen Messwerten habe ich vermittelt bekommen, dass allen voran der klinische Gesamt-Eindruck des Kindes eine bedeutende Rolle spielt.

Darüber hinaus darf ich wieder bei den U-Untersuchungen mit dabei sein. Ein Neugeborenes stellt sich mit der Mutter zur U2 vor. Es ist schon sehr faszinierend, wie schnell sich die Kinder, sowohl körperlich, als auch geistig und motorisch innerhalb der ersten Lebensjahre entwickeln. Auch kann ich bei den Sprach-, Seh-, und Hör-Vortests, die die MFA’s durchführen, mit dabei sein. Des Weiteren werden auch einige Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Ein Säugling ist unfallbedingt auf den Kopf gefallen, auch wenn es klinisch überhaupt keine Auffälligkeiten zeigt, wird zum Blutungsausschluss eine Ultraschalluntersuchung des Gehirns durch die noch offene Fontanelle durchgeführt. Beim Sono von Hüfte, Abdomen und Schilddrüse durfte ich ebenfalls mit dabei sein.

Ich finde es super, dass wir im Rahmen unseres PJ‘s die Möglichkeit bekommen auch einmal in anderen Fachbereichen Erfahrungen sammeln können und möchte mich dafür und bei dem ganzen Team der Kinderarztpraxis in Bad Kötzting bedanken!

Ich freue mich schon sehr auf das Wochenende, da am Bretterschachten schon top Langlaufbedingungen herrschen. Damit ist die Langlauf-Saison eröffnet. :-)

Woche 14: 06.12. – 12.12.2021

Nachdem ich letzte Woche beim Kinderarzt war, freue ich mich auf meine Woche in Schöfweg.
Auch medizinisch ist es wieder sehr abwechslungsreich. Ich sehe erstmals eine ausgeprägte Otitis externa beim Patienten. Des Weiteren gehen wir verschiedene Differentialdiagnosen bei einem jungen Patienten durch, der sich mit sehr häufigen Durchfällen nachts vorstellt. Nachdem die Beschwerden Ende der Woche nur leicht besser geworden sind, leiten wir neben Blut- und Stuhluntersuchung eine Ursachenforschung beim Spezialisten ein. Ein Kind kommt mit einer Torticollis. Ein Krankheitsbild, das ich bisher auch nur aus dem Lehrbuch kenne. Wieder eine andere Patientin hat neu aufgetretenes Vorhofflimmern. Auch drei Krankenhauseinweisungen innerhalb eines Tages zeigen mir, dass man beim Auftreten von Red flags dann schnell handeln muss. Ein Patient hat typische Angina pectoris Beschwerden, eine Patientin klagt über ausgeprägte Gesichtsfeld-Ausfälle und eine ältere Patientin mit Verschlechterung des Allgemeinzustandes hat über der Lunge feuchte Rasselgeräusche.

Am Mittwochnachmittag haben wir wieder ein interessantes Seminar vom Landkreis Cham. Nachdem letzte Woche das Notfall-Seminar von Dr. Igl schon sehr gut war, haben wir diese Woche eine Einführung in die Echokardiographie von Prof. Buchner. Wir bekommen die vier Standardschnitte erklärt und erhalten hilfreiche Tipps, wie man z.B. in der Notaufnahme mittels Echokardiographie schon wichtige Erkrankungen, wie Wandbewegungsstörungen, Rechtsherzbelastung, Perikard Erguss und eine Stauung bei Herzinsuffizienz erkennen kann, ohne detaillierte Kenntnisse in der Echokardiographie haben zu müssen. Teilweise kann man für einen ersten Überblick auch den Abdomen-Schallkopf verwenden und ich versuche in der Praxis mittels dieses Schallkopfes das ganze praktisch zu üben und probiere die Vena cava und den subxiphoidalen Schnitt darzustellen.

Die wunderbare Winterlandschaft lädt am Wochenende dazu ein, die Tage draußen zu genießen. Ich denke jeder, der nur ein bisschen naturbegeistert ist, kann super Erlebnisse im Bayerischen Wald sammeln. Von Schneeschuhgehen, Langlaufen, Tourengehen, Alpin-Skifahren oder Rodeln, kann jeder die passende Sportart finden. Auch der Blick in der Wohnung morgens bei Sonnenaufgang über das verschneite Kirchberg passt wunderbar zu der vorweihnachtlichen Stimmung.

 

Woche 15: 13.12. – 19.12.2021

In meiner letzten Woche warten noch einige Highlights auf mich.

Am Dienstag durfte ich bei Dr. Kammerl in der nephrologischen Praxis in Zwiesel hospitieren. Zuerst bekomme ich die Funktionsweise der Dialyse erklärt. Dies war für mich bisher ziemlich unverständlich. Doch Dr. Kammerl beginnt die Einführung als erstes im Keller des Gebäudes, damit ich sehen kann, welche weiteren Geräte notwendig sind, aber für Patient und auch für mich als Studentin bisher verborgen blieben. Danach darf ich das nette Pflegepersonal begleiten, das die Patienten nun an die Dialyse anschließt. Danach habe ich das Gefühl, erstmals die Funktionsweise einer Dialysemaschine verstanden zu haben.J Anschließend hat Dr. Kammerl zwei Patienten herausgesucht, die mir Rede und Antwort stehen. Der eine Patient – mit einer unbekannten Ursache einer Nierenfunktionsstörung – war zuerst 10 Jahre an der Dialyse, bis er eine Nierentransplantation erhielt. Nun ist er in der Praxis zur Kontrolle der Spiegel der Immunsuppressiva. Die andere Patientin leidet an einer erblich bedingten polyzystischen Nierendegeneration. Neben dem Vater ist auch der Sohn davon betroffen. Beide Patienten schildern mir die alltäglichen Einschränkungen, die die Dialyse mit sich bringt, dennoch haben beide eine unglaublich positive Lebenseinstellung! Anschließend darf ich in der Sprechstunde mit dabei sein. Eine Patientin kommt zur Neuvorstellung. Der Rheumatologe hatte den Verdacht auf einen Lupus erythematodes gestellt. Nun soll eine Nierenbeteiligung ausgeschlossen werden. Ich darf unter fachkundiger Aufsicht schallen und lerne noch ein paar Tipps, speziell die Niere komplett darzustellen. Danach bin ich beim Abschluss der Dialyse mit dabei. Die Patienten werden „abgehängt“, die Shunts werden überprüft, damit keinesfalls Nachblutungen auftreten und der Erfolg der Dialyse wird mittels wiegen der Patienten überprüft. Zusammenfassend war es ein sehr lehrreicher und interessanter Tag. Danke an Dr. Kammerl, der sich sehr viel Zeit für mich genommen hat!

Bei Dr. Kalmancai in Auerbach darf ich im Hinblick auf das jetzt folgende chirurgische Tertial in der Unfallchirurgie meine Nahtkenntnisse auffrischen. Ich besorge einen Schweinefuß und dann kann ich Einzelknopfnaht, Donati-Naht und Intrakutannaht üben und bekomme Feedback von Dr. Kalmancai. Es macht sehr viel Spaß. J Nebenbei holt mich Dr. Kalmancai in die Sprechstunde, wenn sich Patienten mit spannenden Fällen vorstellen.

Ansonsten heißt es dann leider Abschied nehmen von Kirchberg und Umgebung. Dies fällt mir dann doch schwerer als gedacht. Auch meine beiden Mit-PJlerinnen Julia und Leonie werde ich vermissen. Nach der Arbeit nutzen wir diese Woche die super Loipen in Greising, auf der Rusel und in Klingenbrunn zum Langlaufen.

Abschließend möchte ich an das ganze Team der Gemeinschaftspraxis Danke sagen! Ich konnte sehr viel lernen. Seien es medizinische Dinge und Untersuchungstechniken, aber auch der Umgang mit den Patienten. Es ist nicht selbstverständlich an allen Standorten auf so ein nettes Team zu treffen. Ich bin froh, bei euch im Bayerischen Wald mein PJ-Tertial verbracht zu haben. :-)

 

Julia Schlögelhofer

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14

Woche 1: 6.9. - 12.9.2021

Und so schnell ist die erste Woche meines PJ-Tertials im bayrischen Wald auch schon vorbei! Ich war die gesamte Woche in Schöfweg eingeteilt, wo ich direkt eigene Patienten sehen durfte und sogar unter Anleitung eine Schilddrüsen-Sonografie durchführen durfte.

Ein weiteres Highlight war der Mittwoch-Nachmittag, an dem in Schöfweg immer einige Corona-Impfungen durchgeführt werden! Es fühlt sich gut an, am Fortschritt gegen die Pandemie beitragen zu können und die meisten Leute sind auch sehr dankbar für die Impfung!

Fast täglich haben wir mittags online Fortbildungen und Fallbesprechungen, aber am Mittwoch nutzten Christina und ich die freie Mittagspause für einen Rundweg um Kirchberg! Wir genossen die Sonne und die herrliche Landschaft, verirrten uns aber fast noch, weil wir ein Schild übersehen hatten. Am Ende mussten wir uns ziemlich beeilen, um noch zur Nachmittagssprechstunde zu kommen! ;-)

Am Freitag durfte ich mit der Diabetes-Beauftragten mitlaufen, um ein paar Grundsätze zur Einstellung eines Diabetes zu lernen. Ein Patient hat mich besonders beeindruckt: Bei ihm wurde der Diabetes vor 6 Monaten neu diagnostiziert und er konnte seinen Langzeit-Blutzucker-Wert innerhalb dieser Zeit allein durch eine Lebensstiländerung und die Einnahme eines Antidiabetikums auf einen normalen Wert reduzieren! Davor habe ich großen Respekt!

Kurz vor Ende der Sprechstunde habe ich dann noch einen klassischen Gichtanfall gesehen – für mich das erste Mal, dass ich das „live“ sehen kann (und nicht nur ein Bild im Lehrbuch). :-)

Nach dieser ereignisreichen Woche fahre ich zu meiner Familie nach Österreich. Ich freue mich auf eine lehrreiche Zeit und bin gespannt, was ich alles noch zu sehen bekomme :-)

PS: Das Tolle an der Gegend hier ist auch, dass hier alle meinen österreichischen Dialekt bestens verstehen :-)

 

Woche 2: 13.9. - 19.9.2021

Meine zweite Woche startete in Rinchnach, ab Mittwoch war ich dann in Kirchberg eingeteilt. Ich war begeistert von der modernen Ausstattung und der Größe der Praxis in Kirchberg.

Diese Woche beschäftigten mich vor allem ein paar dermatologische Fälle. Eine Patientin hatte eine Warze in Augennähe mit einem Öl behandelt und danach eine Rötung an der Stelle entwickelt. Es war nicht ganz klar, ob sich die Warze superinfiziert hatte, oder ob es eine Lokalreaktion auf das Teebaumöl war. Da das Auge ja ein empfindliches Organ ist, mussten wir sehr genau überlegen, welche Anwendung wir in Augennähe empfehlen durften! Eine weitere Patientin hatte eine Herpes-Läsion im Nasen-Wangen-Bereich. Wir überlegten, welche Komplikationen es ohne eine antivirale Therapie geben könnte und was die Vor- und Nachteile dieser Medikamente sind. Das Tolle ist, dass wir zweimal in der Woche mit allen Ärzten der Bayerwald-Praxen Fallbesprechungen haben, bei denen man solche Fälle präsentieren und sich Rat von Kollegen holen kann. Am Donnerstag hatten wir eine Fallbesprechung mit anderen Allgemeinmedizinern aus der Region (aus anderen Praxen und Kliniken), bei der sehr wertschätzend miteinander umgegangen wird und man auch als Student keine Sorge hat, sich zu blamieren oder eine „dumme“ Frage zu stellen (denn „dumme“ Fragen gibt es nicht!). ;-)

Ich durfte in dieser Woche oft mit der Assistenzärztin Mareike Bauer zusammenarbeiten, was mir viel Spaß macht, da wir oft noch Patienten direkt nachbesprechen, gegenseitig Wissen austauschen und zusammen nachlesen, wodurch wir beide viel lernen :-) Und wenn wir etwas nicht direkt herausfinden, dann holen wir uns Rat bei erfahreneren Kollegen und geben uns in den kommenden Tagen ein Update!

Jetzt freue ich mich auf das Wochenende und hoffe noch auf ein paar sonnige Herbsttage.

 

Woche 3: 20.9. - 26.9.2021

Diese Woche lernte ich nun auch die Praxen in Lalling und Auerbach kennen.

Am Anfang der Woche konnte ich gleich bei 2 Patienten die Ohren erfolgreich durchspülen, wobei jeweils ein großer Pfropf zu Vorschein kam. Die Erleichterung und Dankbarkeit bei den Patienten war jeweils groß, da sie nun wieder super hören konnten. Schön, wenn man den Leuten manchmal auch so einfach helfen kann :-)

Am Dienstag Nachmittag war ich Tutorin beim EKG-Kurs der Studenten des „Exzellenten Sommers“, der ja auch gerade stattfindet. Nach einem kurzen Online-Teaching machte sich meine Studentengruppe (7 Mädels im 5.-9. Semester) an die Befundung von verschiedensten EKGs und wir sprachen diese zusammen durch. Es war gar nicht so einfach ein gutes Konzept zu finden, bei dem alle – trotz des unterschiedlichen Wissensstandes- profitieren konnten. Ich erinnerte mich an einen Kurs, den ich mal an meiner Uni besucht hatte und ging ähnlich vor. Mit viel zu starkem Kaffee und Gummibärchen powerten wir den Nachmittag durch und am Ende waren alle glücklich, dass der Kurs nicht von einem kardiologischen Chefarzt begleitet wurde. Dort hätten sich die Studentinnen nämlich nicht getraut, so viele „dumme“ Fragen stellen, wie in der lockeren Runde mit mir als PJlerin :-)

In Auerbach traf ich endlich den für uns Studenten zuständigen Dr. Kalmancai, der gut erholt aus seinem 2-wöchigen Urlaub zugekehrt ist :-) Bei ihm durfte ich meine Ultraschall- Fähigkeiten ausbauen und so gelingt es mir mittlerweile sogar schon oft, die Bauchspeicheldrüse darzustellen, was ich bisher immer besonders schwierig fand. In der Praxis beschäftigten uns die Vor- und Nachteile einer regelmäßigen Kontrolle von Schilddrüsenknoten. Oft stiftet dies große Verunsicherung bei den Patienten, obwohl die Knoten nur extrem selten zu einem bösartigen Tumor werden. Passenderweise hatten wir zu diesem Thema auch ein Paper im Journal-Club am Mittwoch-Abend und so konnten wir die Diskussion im großen Kreis fortführen.

Ich bin begeistert wie vielfältig die Allgemeinmedizin ist und bin gespannt, welche spannenden Fälle nächste Woche auf mich zukommen!

 

Woche 4: 27.09. - 03.10.2021

Meine 4. Woche im bayrischen Wald neigt sich dem Ende zu und nach der turbulenten Anfangszeit, in der ich durch alle Praxen rotiert bin und überall die Ärzte und Abläufe kennenlernen durfte, habe ich langsam habe ich das Gefühl, eine Routine zu finden. Auch die Wege und Umleitungen in der Gegend kenne ich mittlerweile (leider) besser als mein Navi ;-)

Nach wie vor ist das Thema „Corona- Impfung“ ein Dauerbrenner in der Hausarztpraxis. Man merkt, dass viele Leute durch die Medien stark verunsichert sind und sich mehr auf die seltenen Nebenwirkungen als auf die Wirkung konzentrieren. Umso toller ist es dann, wenn sich Patienten trotz vielen Sorgen und Ängsten und nach langem Überlegen trotzdem für die Impfung entscheiden und somit vor Corona und den Folgen geschützt sind. :-)

Diese Woche standen wieder einige Check-up-Untersuchungen am Programm, bei denen es vor allem darum geht, bestimmte Risikofaktoren für Erkrankungen zu evaluieren und den Patienten zu beraten. Da ich immer mit verschiedenen Ärzten eingeteilt bin, ist es für mich besonders spannend zu sehen, wie jeder Arzt auf etwas anderes besonderen Wert legt. Bei allen steht aber eine ausführliche Anamnese im Vordergrund, weiters wird eine körperliche Untersuchung und eine   Sonografie der Schilddrüse und des Bauchraums durchgeführt. Ich bin sehr dankbar, dass die Patienten immer sehr geduldig sind und mir als Studentin die Zeit geben, die Ultraschalluntersuchung an ihnen zu üben. Für mich ist das tatsächlich sehr lehrreich! :-)

Am Donnerstag Abend bekamen wir Jüngeren per Zoom eine Einführung in das LiA-Projekt, bei dem es um die Erhaltung der Lebensqualität bei älteren Menschen geht. Die verantwortliche MFA erklärte uns, welche Patienten für dieses geeignet sind und welche Therapien inbegriffen und sinnvoll sind. Gerade pflegende Angehörige von Demenz-Erkrankten haben oft einen hohen Betreuungsaufwand und oft keine freie Minute mehr für sich. Viele wissen nicht, dass es Hilfsangebote gibt, die einem zumindest etwas mehr Freiraum schaffen. Es war sehr hilfreich zu hören, welche Strukturen und Hilfsorganisationen in der Region vorhanden sind, da wir Jüngeren ja neu in der Gegend sind. Nun sind wir etwas besser informiert, was wir den pflegenden Angehörigen in der Praxis noch anbieten können, damit sie sich nicht ganz alleingelassen fühlen!

Nächste Woche werde ich hauptsächlich in der Praxis in Auerbach verbringen und bin gespannt, ob ich den ein oder anderen Patienten vielleicht schon zum 2. oder 3. Mal sehe. :-)

 

Woche 5: 04.10. - 10.10.2021

Wie erhofft, habe ich diese Woche einige Patienten in Auerbach wiedergesehen, die in den vergangenen 1-2 Wochen schon da waren. Es ist sehr lehrreich die Entwicklung zu sehen und auch schön zu sehen, wenn es jemanden mit unserer Therapie wieder besser geht :-) Manchmal stehen wir aber auch vor der vollen Bandbreite an Differentialdiagnosen und die Patienten kommen immer wieder, ohne merkliche Besserung der Beschwerden. Dann ist die Medizin eine richtige Detektivarbeit und wir arbeiten die diagnostischen Schritte nacheinander ab, recherchieren, tauschen uns mit Kollegen aus und kommen dem Rätsel so nach und nach auf die Spur. Für die Patienten ist das natürlich leider nicht sehr angenehm, aber für mich als Studentin ist es sehr spannend.

Diese Woche habe ich wieder die volle Bandbreite der Allgemeinmedizin zu sehen bekommen. Am Anfang der Woche habe ich bei einem Patienten mit Bauchschmerzen einen Ultraschall gemacht und zum ersten Mal selber einen Stein in der Gallenblase als Ursache der Beschwerden entdeckt. Es freut mich, dass mein Blick auf die Ultraschallbilder mittlerweile deutlich besser ist, als noch vor wenigen Wochen und hoffe, bis zum Ende meines Tertials hier meine Fähigkeiten noch weiter ausbauen zu können! :-) Es ist interessant an mir selber zu beobachten, dass es für mich mittlerweile selbstverständlich ist, selber Patienten ins Zimmer zu holen und ich keine Scheu mehr davor habe, bestimmte Dinge zu fragen oder einfach zu untersuchen.

Gleich mehrere Patienten hatten diese Woche Bauchschmerzen oder Verdauungsprobleme. An diesen Fällen habe ich wieder einmal gesehen, dass die Anamnese eines der wertvollsten Instrumente der Medizin ist! Bei allen waren die Beschwerden auf den ersten Blick sehr ähnlich, aber in der Anamnese ergaben sich kleine Unterschiede. Momentan wissen wir noch nicht eindeutig, was die Patienten jeweils haben, aber ich bin mir sicher, dass bei jedem am Ende eine andere Diagnose stehen wird! Ich bin jetzt schon gespannt, die Patienten kommende Woche zur Verlaufskontrolle und Befundbesprechung zu sehen.

Eine sehr lehrreiche Woche neigt sich dem Ende zu und die Arbeit macht mir mehr und mehr Spaß und Freude :-)

 

 

Woche 6: 11.10. - 17.10.2021

Ich schätze momentan sehr, in einer stabilen Praxis arbeiten zu dürfen, da man erlebt, wie es wirklich ist, Hausarzt zu sein und einen stabilen Patientenstamm zu haben. Diese Woche haben wir eine Patientin wiedergesehen, bei der wir letzte Woche eine atypische Pneumonie vermutet und mit Antibiotikum behandelt haben. Diesmal ging es ihr schon deutlich besser, sie war beinahe wieder beschwerdefrei und sehr dankbar! Ich habe mich richtig mit der Patientin gefreut, dass es ihr wieder gut geht und wir die richtige Diagnose und Therapie für sie gefunden haben :-) Auch ein Patient mit seit Wochen anhaltenden Bauchbeschwerden stellte sich wieder vor. Wir nahmen nochmal Blut ab und nächste Woche sehen wir ihn wieder zum Kontrolltermin, bei dem wir auch weitere Diagnostik besprechen werden.

Ich freue mich immer richtig, zu sehen, wie sehr die Leute ihren Hausarzt schätzen und ihm vertrauen! Es gibt sehr viel gutes Feedback und es hat sich bereits in Auerbach herumgesprochen, dass hier ein guter Hausarzt praktiziert. Bereits einige Leute haben mir berichtet, dass sie von der Nachbarin gehört haben, dass sie hier mit der Praxis zufrieden ist und nun deshalb auch hier gerne Stammpatienten werden möchten. :-)

Am Mittwoch hatten wir eine Fortbildung zum Thema Kopfschmerz. Dabei ging es um verschiedene Kopfschmerzarten, insbesondere aber um Migräne. Wir bekamen Informationen zur Prophylaxe und Therapie von akuten Schmerzen und auch zur längerfristigen Reduktion der Frequenz von Kopfschmerzattacken. Gerade zur Vorbeugung stehen nicht nur Medikamente im Vordergrund, sondern auch der Lebensstil, der Tagesrhythmus und das Schlafverhalten spielen eine wichtige Rolle! Dabei zeigte sich auch wieder, dass jeder Patient anders ist, jeder andere Auslöser hat und die Mitarbeit des Patienten extrem wichtig ist, da er sich selbst beobachten und in bestimmten Bereichen besser kennenlernen muss. Am nächsten Tag konnten wir unser neu gewonnenes Wissen gleich in der Praxis nutzen, da sich gleich 2 Patienten mit regelmäßig auftretenden, starken Kopfschmerzen vorstellten. Wir wussten, welche Fragen wir noch stellen mussten und welche Hinweise wir noch geben konnten und auch die Wahl der Schmerzmedikation fiel uns leichter, mit dem neuen Wissen im Hinterkopf.

Leider merkt man momentan, dass die Infektsaison wieder losgeht und viele Patienten mit „Grippesymptomen“ anrufen. Wir machen großzügig PCR-Abstriche auf Coronaviren, um die unbewusste Verbreitung der Coronaviren möglichst zu vermeiden. Momentan sind auch wieder andere Virusinfektionen auf dem Vormarsch, die aber leider allein an den Symptomen nicht von einer Coronainfektion zu unterscheiden sind.

Mein persönliches Highlight der Woche war aber am Donnerstag die Entfernung eines Atheroms (eine Art eingekapselte Talgzyste). Dr. Kalmancai macht solche kleinen Exzision auch in der Praxis unter Lokalanästhesie, da er lange Zeit in der Chirurgie gearbeitet hat. Am nächsten Tag stand dann gleich noch eine Muttermalentfernung an, bei der ich ebenso assistieren durfte.

Eine weitere Woche neigt sich dem Ende zu und am Wochenende bin ich wieder bei meiner Familie in Österreich.

 

Woche 7: 18.10. - 24.10.2021

Die Wochen vergehen momentan wie im Flug und es ist nun schon fast Halbzeit von meinem PJ-Tertial in der Allgemeinmedizin! Letztes Wochenende habe ich mich für das 3. Staatsexamen angemeldet und ich kann gar nicht richtig glauben, dass das tatsächlich schon ansteht. Gefühlt habe ich doch gerade erst das 2. Staatsexamen geschrieben!

Für mich drehte sich diese Woche alles um Lymphknoten. Am Anfang der Woche beschäftigte uns ein junger Mann mit stark vergrößerten Lymphknoten, vor allem im Halsbereich, die man nicht nur tasten, sondern bereits von Weitem sehen konnte. Er war 2 Wochen vorher leicht erkältet und meinte auch, dass bei ihm bei Infekten besonders ein Lymphknoten immer stark anschwelle.. Trotzdem bestellten wir ihn zur Blutentnahme ein und machten einen Ultraschall des Lymphknotens (um ihn auszumessen) und schauten zudem gleich noch die Milz mit an. Gegen Ende der Woche kam dann ein Patient in die Praxis, bei dem kürzlich ein Lymphknotenpaket entfernt wurde und nun die Diagnose „Follikuläres Lymphom“ bekommen hat. Gottseidank hat dies ja meist eine recht gute Prognose, was ihm auch der Onkologe bereits mitgeteilt hat. Vor allem seine Frau war aber beruhigt, dies nun auch vom Hausarzt nochmal zu hören.

Am Mittwochabend hatten wir wieder Journal Club, bei dem wir die neuesten medizinischen Studien diskutierten. Dieses Mal ging es unter anderem um die Impfung gegen Herpes Zoster und die 3. Corona-Impfung. Mittlerweile fragen viele Patienten bereits nach der 3. Impfung, daher war es ganz gut, nochmal einen Überblick über die neuesten Empfehlungen zu bekommen. Zudem ging es in einer interessanten Studie auch um den Einsatz von medizinischem Cannabis, auch wenn das hier in den Praxen momentan nicht zur Anwendung kommt.

Ich bin gespannt, was das PJ in der Praxis nächste Woche für mich bereithält. :-)

 

 

Woche 8: 25.10. – 31.10.2021

„Ja,aber...“, „Jaja“, „Das nützt ja eh nix“, „Nein, das mach ich sicher nicht“,.. Solche und ähnliche Formulierungen hören wir des Öfteren von den Patienten. Diese Woche habe ich mich ein bisschen näher mit dem Thema Kommunikation und Compliance/ Non-Compliance auseinandergesetzt. Gerade die Compliance hängt oft von der Persönlichkeit oder Einstellung des Patienten ab und man hat nicht viel Einfluss darauf. Es gibt sehr unterschiedliche Typen von Patienten. Manche wollen lieber alles 3mal kontrollieren lassen und nehmen erst eine Kopfschmerztablette, wenn der Arzt sein OK gegeben hat. Andere experimentieren selber mit ihrer Medikation, lassen wichtige Medikamente einfach weg und kommen erst zum Arzt, wenn sie schon reif für's Krankenhaus sind (aber auch nur, weil sie von den Angehörigen geschickt werden). Wichtig ist es, die Patienten so zu akzeptieren wie sie sind, allen gegenüber eine wertschätzende Haltung zu behalten und die Sorgen jedes Einzelnen ernst zu nehmen. Und dies führt mich auch schon zur richtigen Kommunikation. Denn jeder Patient ist anders und brauch eine andere Art der Kommunikation. Gerade als Hausarzt kennt man seine Patienten oft schon und weiß, wie man dem Patienten bestimmte Dinge mitteilen sollte. Manche sind wegen eines minimal abweichenden Blutwerts schon sehr ängstlich, dementsprechend muss man ihnen die Sorgen nehmen und viel erklären. Andere haben nicht viel Interesse an der Medizin und wollen einfach nur wissen, wie oft sie ein Medikament einnehmen sollen. Manche wollen so viele Details wie möglich wissen, andere wollen nur hören, dass alles in Ordnung ist. Die Medizin braucht (egal in welcher Fachrichtung) viel Feingefühl. Momentan macht mir das viel Spaß und mir gibt es sehr viel, meine empathische Seite ausleben zu können. :-) Es freut mich immer, wenn ich das Gefühl habe, dass sich die Patienten ernstgenommen fühlen (und mich dementsprechend auch ernst nehmen).

Genug von meinen Gedanken zum Thema Kommunikation und noch ein paar weitere Wochenhighlights:

  • Am Mittwochabend war wieder Journalclub. Dieses Mal waren auch ein paar Kollegen aus externen Praxen dabei und es ist immer interessant, auch Meinungen von „außerhalb“ zu hören.
  • Am Donnerstag haben Christina (meine Mit-PJlerin) und ich die sonnige Mittagspause nochmal ausgenutzt und einen schönen Lauf über Hügel, Wald und Wiesen gemacht! Das Quatschen, die frische Luft und der Sonnenschein waren nach ein paar nebeligen Tagen eine richtige Wohltat für die Seele :-)

Nächste Woche bin ich in der Praxis in Kirchberg eingeteilt. Ich freu mich schon, denn ich bin mir sicher, von Dr. Machac („das wandelnde Lexikon“) wieder einige internistische Themen erklärt zu bekommen. :-)

 

Woche 9: 01.11. – 07.11.2021

Diese Woche habe ich in der Praxis in Kirchberg verbracht. Hauptsächlich sind dort Dr. Machac und Frau Dr. Sujova eingeteilt und auch von den Assistenzärzten ist meist jemand da. Dr. Machac ist Internist und macht dementsprechend auch Herzechos, wertet die Langzeit-EKGs aus und macht Belastungstests auf dem Fahrrad-Ergometer. Auch diese Woche hatten wir einige Patienten zum Cardio-Check da und ich war immer live dabei :-) Da ich mal eine Famulatur in der Kinderkardiologie gemacht habe, kann ich mich bei den Herzechos zumindest grob orientieren und finde es super, wenn Dr. Machac mehr dazu erklärt! Wir haben auch diverse EKGs und mögliche Veränderungen besprochen und ich merke - es gibt noch sehr viel mehr zu wissen, als die Basics, die man im Studium lernt! Und: Es ist nicht alles immer schwarz oder weiß, sondern noch sehr viel dazwischen..

Dr. Sujova untersucht meist die pädiatrischen Patienten und macht auch U-Untersuchungen! Von ihr kann man sich sehr viel abschauen, vor allem hinsichtlich des Umgangs mit den Kindern. Es gelingt ihr (fast) immer, während dem spielerischen Teil des Check-ups Vertrauen zu den Kindern aufzubauen und sie aus der Reserve zu locken. Dann haben sie am Ende deutlich weniger Angst vor dem Stethoskop und dem Otoskop! Ich bin immer wieder überrascht, dass bei ihr so wenig geweint (bzw. gebrüllt) wird, aber ich denke, dass ihre ruhige Art da tatsächlich sehr viel ausmacht!

Diese Woche hat auch eine neue Ärztin, Dr. Andrea Krenn, in der Praxis angefangen und war 2 Tage in Kirchberg zum „Kennenlernen der Praxis“. Ich bin mir sicher, dass auch sie von den Patienten (und natürlich Kollegen) bald sehr geschätzt wird und nach 18 Monaten in einer Kinderarzt-Praxis hat sie bestimmt sehr viel wertvolles Wissen und Ratschläge, welche sie in den Fallbesprechungen an die Kollegen weitergeben kann :-)

Ich bin sehr froh, in meinem Allgemeinmedizin-Tertial von mehreren Ärzten lernen zu können, denn hier hat tatsächlich jeder ein anderes „Spezialgebiet“ und jeder hat eine andere Art und Weise, mit den Patienten umzugehen!

 

 

Woche 10: 08.11.-14.11.2021

Nun habe ich bereits 10 Wochen meines PJ-Tertials geschafft!

Momentan ist in allen Praxen sehr viel los.. Die Patienten mit grippeähnlichen Symptomen kommen  alle zum Covid-Abstrich in die mittägliche Infektsprechstunde, wobei täglich neue Rekordzahlen an Abstrichen gemacht werden und die Positivrate aktuell extrem hoch ist (an manchen Tagen liegt sie bei 100%)! Aber auch außerhalb der Infektsprechstunde wird einem nicht langweilig und auch hier dreht sich sehr viel um das Thema „Covid-19“. Es finden viele Beratungsgespräche zur Impfung statt, und auch wenn dies oft nur der Nebenanlass für den Arztbesuch war, nimmt dies dann viel Zeit und Geduld in Anspruch. Mindestens soviel Geduld braucht es für jene Patienten, die sich ihren Antikörpertiter bestimmen lassen wollen. Hier leisten wir aktuell sehr viel Aufklärungsarbeit und ich finde es schade, dass über die Medien nicht mehr Aufklärung zu diesen Themen (Impfung, Antikörper, etc.) stattfindet. Vielmehr sind viele Patienten stark verunsichert und wissen am Ende nicht mehr, wem sie mehr glauben sollen, dem Arzt, der  Nachbarin oder doch ihrem persönlichen Heilpraktiker..

Ein besonders interessanter Befund, der mir von der letzten Woche noch im Kopf geblieben ist, ist ein Patient mit Analvenenthrombose. Das klingt zuerst vielleicht wie ein Scherz, aber ich habe dies (wie so viele andere Krankheitsbilder) hier zum ersten Mal „in echt“ gesehen. ;-) Tatsächlich hat das klinische Bild genauso ausgesehen, wie das Bild in meinem Lehrbuch! Wir haben den Patienten bereits Ende letzter Woche gesehen und vorerst einen konservativen Therapieversuch gestartet. Über's Wochenende wurden die Schmerzen aber zu stark und die Thrombose wurde in der Notaufnahme exzidiert. Am Montag stellte sich der Patient zur weiteren Wundbehandlung vor und wir wechselten täglich die Tamponade und konnten auch täglich den Fortschritt der Wundheilung beobachten. So toll der Fall auch zum Lernen für uns Studenten ist, für den Patienten ist die Wunde (gerade in diesem Bereich) leider trotzdem ziemlich schmerzhaft!

Ab nächster Woche haben wir regelmäßige Teachings vom Klinikum Cham und ich bin schon gespannt, was da auf uns zu kommt. Das Ganze findet aufgrund der hohen Covid-Inzidenz vorerst online statt und das Thema der kommenden Woche lautet „Umgang mit depressiven Patienten“. Nächste Woche kommt auch noch eine 3. Pjlerin zu uns und ich freue mich, Leonie kennenzulernen :-)

 

Woche 11: 15.11. – 21.11.2021

Diese Woche durften wir Leonie, unsere neue Mit-PJlerin, kennenlernen! Sie hat mit den rekordverdächtigen Corona-Infektionszahlen gleich eine besonders turbulente Woche erwischt. Von den umliegenden Kliniken haben wir bereits einen Brief bekommen, bitte nur noch ganz akute Patienten einzuweisen. Vermutlich werden Plan-Operationen auch bald abgesagt, was mir für Patienten, die schon lange darauf warten schon sehr leid tut..

Am Mittwoch hatten wir ein geniales Online-Seminar zum Thema „Umgang mit depressiven Patienten“ mit Frau Dr. Prasser, einer Psychiaterin. Außer uns waren fast nur Famulanten oder PJler aus der Psychiatrie bzw. KJP dabei. Aber gerade für uns war es echt interessant, da es ein wichtiges Thema in der Hausarztpraxis ist. Die erfahrene Psychiaterin erzählte uns Patientengeschichten, erklärte worauf wir bei der Kommunikation mit depressiven Patienten idealerweise achten sollten und beantwortete unsere zahlreichen Fragen. Am Ende bekamen wir noch eine Einführung in die nicht-medikamentöse Therapie und auch einen Überblick über die Vor- und Nachteile der wichtigsten Antidepressiva. Dr. Prasser hat sich sogar mehr Zeit für uns genommen, als eigentlich geplant war, aber der Vortrag hätte noch Stunden weitergehen können! :-) Ich bin gespannt, ob die weiteren Seminare des Klinikums Cham auch so interessant werden!

Am Freitag haben wir wieder fleißig gegen Covid geimpft und zudem war ein besonders spannender Patient in der Praxis. Ein 18-Jähriger hatte vor 4 Wochen ein positives Testergebnis auf Coronaviren bekommen und war dann für 2 Wochen zu Hause mit grippalen Beschwerden. Nach Beendigung der Quarantäne begann er wieder mit der Arbeit, aber nach einigen Tagen bekam er das Gefühl, schlecht Luft zu bekommen. Außerdem verspürte er immer wieder ein Stechen im Brustkorb. Dies war nun seit etwa 1,5 Wochen der Fall und nun wollte er dies abklären lassen. Bei der Vorgeschichte dachten wir gleich an eine Myokarditis nach Covid-19-Infektion. In seinem EKG fielen uns ST-Hebungen auf, beim Herzecho war aber kein Erguss zu sehen. Dr. Machac erklärte mir, dass man Kerley-B-Linien nicht nur im Röntgen, sondern auch in der Thorax-Sonografie sehen konnte und zeigte mir dies bei dem 18-Jährigen Patienten. Wir interpretierten diesen Befund, zusammen mit dem EKG-Befund im Rahmen einer Perikarditis und Pleuritis sich (da kein Erguss). Dazu passend konnten wir bei der Auskultation genau im passenden Lungensegment auch ein Pleurareiben hören! Ich bin wiedermal begeistert, was ich in der Hausarztpraxis alles erleben und lernen darf und starte gut gelaunt in ein trübes Herbst-Wochenende. :-)

 

Woche 12: 22.11. – 28.11.2021

Trotz der derzeitigen Pandemie-Lage habe ich eine gute Woche hinter mir!

Am Montag durfte ich bei den beiden Kinderärztinnen, Frau Bauer und Dr. Timischl-Keller, in Ortenburg hospitieren. Von Hüft-Sonografie und Impfaufklärung bei der U3, über verschiedene Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen bis hin zu Infektpatienten habe ich alles gesehen. Die Vorsorgeuntersuchungen fand ich super, da die Kinder meistens total motiviert sind, zu zeigen, was sie alles schon können. :-)

Es war auch interessant zu sehen, wie andere Praxen mit Covid umgehen. In der Kinderarztpraxis hustet jedes 2. Kind, daher ist es kaum möglich, die Patienten von der Praxis fernzuhalten. Gerade bei den ganz Kleinen muss man sehr vorsichtig sein, da es schnell gefährlich werden kann. Ein Kind mit RSV-Verdacht mussten wir tatsächlich in die Kinderklinik einweisen. Bereits beim Betreten des Zimmers ist uns das lethargische Baby am Arm der Mama aufgefallen. Laut der Mutter hatte es auch schlechter getrunken und man konnte bei der Untersuchung das berühmte „Nasenflügeln“ und die intercostalen Einziehungen beobachten.

Nach diesem Ausflug in die Pädiatrie haben wir am Dienstagnachmittag in Auerbach einen Impf-Marathon hingelegt, wobei der Großteil bereits zur Drittimpfung da war. Glücklicherweise konnte die MFA eine 7. Dosis aus dem Fläschchen ziehen und so habe auch ich nun meine 3. Covid-Impfung bekommen :-) Frau Aicher hat das ganz sanft gemacht, ich habe nichteinmal was gespürt, da war die Impfung auch schon vorbei. Wie bei den ersten beiden Impfungen hatte ich gottseidank auch diesmal am Tag danach kaum Beschwerden (bis auf die üblichen Armschmerzen und Müdigkeit) :-)

Am Mittwochabend war wieder Journalclub. Besonders interessant fand ich eine Studie, bei der es um den Wirksamkeitsnachweis von Honig gegenüber Placebo bei Erkältungssymptomen ging! Ich habe nicht gewusst (bzw. noch nie darüber nachgedacht), dass es dazu auch Studien gibt - umso überraschter war ich über die Präsentation dieses Themas. Tatsächlich ist das sehr relevant für den Praxisalltag und betrifft jeden von uns ja auch persönlich immer wieder mal! Dr. Krenn hat uns auch eine Studie zum Diabetes-Typ-1- Screening bei Kindern vorgestellt. Tatsächlich habe ich am Anfang dieser Woche auch bei der Kinderärztin einen solchen Flyer zur „Fr1da-Studie“ liegen gesehen!

Am Donnerstag hatten wir einen aufregenden Fall in Auerbach. Ein Patient war gerade im nahegelegenen Friseursalon und ist beim Haarschneiden ohnmächtig geworden. Der Sohn des 85-Jährigen Patienten war mit dabei und hat uns verständigt. Zum Glück war in der Praxis gerade wenig los, sodass wir sofort losfahren konnten! Dort angekommen war der betagte Herr schon wieder bei Bewusstsein und ansprechbar. Laut dem Sohn sei er in der letzten Zeit etwas schwächer gewesen und habe immer recht niedrigen Blutdruck gehabt. Auch bei der Blutdruckmessung vor Ort lag dieser lediglich bei 95/60mmHg. Der Patient habe auch in den letzten Wochen nicht besonders viel getrunken und gehe kaum mehr raus, da es ihm langsam zu kalt für längere Spaziergänge sei. Wir reduzierten noch die aktuelle Blutdruckmedikation leicht und vereinbarten eine Kontrolle in 1-2 Wochen. Der Sohn (und auch die besorgte Friseurin) waren sehr dankbar für’s Vorbeikommen und ich bin gespannt, wie es dem Patienten mit der neuen Medikation gehen wird!

 

Woche 13: 29.11. – 05.12.2021

Eine (nicht nur) wettertechnisch geniale Woche neigt sich dem Ende zu! Bereits am Wochenende ist der erste Schnee gefallen, aber am Dienstag konnten wir uns vor lauter Schnee gar nicht mehr retten! Die Straßen waren schneebedeckt und die älteren Leute haben sich nicht mehr aus dem Haus getraut. Auch wir sind am Weg in die Nachmittagssprechstunde durch eine dicke Schneedecke am Gehweg gestiefelt! Dementsprechend wenig Patienten waren an dem Tag in der Praxis. Dafür hatten wir etwas mehr Zeit für Teaching-Runde mit Dr. Machac, der immer motiviert ist, uns etwas beizubringen. :-) Wir haben uns dann zügig eine Schneeschaufel besorgt, um unsere Autos und den Hauseingang wieder freizuschaufeln! Zum Glück hörte der Dauerschneefall bald auf und somit kam der Winterdienst auch wieder mit dem Räumen hinterher. Etwas glatt war es aber trotzdem die ganze Woche auf den Straßen, besonders der steile Weg zu unserer Wohnung hoch hat uns etwas Sorge bereitet. Aber es ist bisher doch alles gut gegangen und ich bin zuversichtlich, wir sind ja gute, vorsichtige Autofahrer. ;-)

Der Mittwoch war definitiv der beste Tag der Woche! Am Nachmittag war wieder ein Seminar vom Klinikum Cham, diesmal mit dem Thema „Ich und der Notfall“. Geleitet wurde der Online-Kurs von Michael Igl, der mir schon von externen Fallkonferenzen und Fortbildungen bekannt vorkam. Er ist selbst Hausarzt und macht auch Notarzt-Dienste und hat uns ein paar Eindrücke aus seinen Einsätzen mitgebracht. Anhand vom ABCDE- und SAMPLE-Schema hangelten wir uns an seinen (realen) Fallbeispielen entlang und erarbeiteten uns das Problem und die Therapie. Der Kurs war absolute Klasse und ich denke, wir alle wollten danach am liebsten sofort die Zusatzbezeichnung machen! :-)

Am Mittwochabend war wieder Journal Club, wobei diesmal auch wir PJler etwas präsentieren durften. Ein bisschen aufgeregt waren wir hinter der Kamera schon, aber dank der Online-Form hat das hoffentlich keiner gemerkt. ;-) Es ergaben sich wieder einmal spannende Diskussionen und ich finde es immer besonders wertvoll, wenn auch erfahrene Kollegen aus externen Praxen „ihren Senf dazugeben“! Bei den Diskussionen haben wir auch festgestellt, dass es zu manchen Themen überhaupt keine aktuelle Studienlage gibt und manche „Fakten“ einfach von Generation zu Generation weitergegeben und von niemandem hinterfragt werden („ist halt so“).

Am Freitag war ich wieder in Auerbach und wir haben uns Zeit für einen Hausbesuch genommen. Ein 56-jähriger Patient war gerade von 3 Monaten Klinik und Reha entlassen worden. Grund für diesen langen Aufenthalt war eine Hirnblutung bei hypertensiver Entgleisung! Ich fand es schön zu sehen, dass sich der Patient von dem Ereignis relativ gut erholt hat und normal am Küchentisch sitzen und sogar mit uns „Schmäh führen“ konnte. :-) Ich bin mir sicher, dass er mit guter Physio- und Ergotherapie noch einige Therapiefortschritte machen wird und wieder einigermaßen „der Alte“ (der ja noch gar nicht so alt ist!) sein wird. :-)

Ich freue mich auf meine letzte Woche im bayerischen Wald, die nochmal ordentlich kalt und schneereich werden soll!

Woche 14: 06.12. – 12.12.2021

Mein PJ-Tertial im bayrischen Wald ist nun zu Ende gegangen! Ich bin sehr dankbar für eine lehrreiche Zeit und muss sagen, dass mir der Abschied schwerer gefallen ist als ich gedacht habe!

Ich war diese Woche vor allem noch in Auerbach, wo ich einen großen Teil meines Tertials verbracht habe und dementsprechend schon einige Patienten kannte, wenn sie wiedergekommen sind. Vor meinem Tertial in der Allgemeinmedizin war ich mir nicht sicher, ob mir die Arzt-Patienten-Beziehung in der Hausarztpraxis nicht zu „eng“ ist, da man die Leute mit der Zeit schon etwas kennenlernt und auch Hausbesuche macht. Ein Hausbesuch erklärt oft mehr als tausend Worte und man entwickelt oft nochmal einen anderen Blickwinkel auf den Patienten. Aber ich muss sagen, dass mir diese Befürchtung genommen wurde und ich es sogar ganz schön fand, wenn man die Leute mit der Zeit schon kannte (und sie einen auch wiedererkannten)! Dr. Kalmancai hat auch öfter Patienten angerufen, um zu fragen, ob es schon besser geht oder um sie über einen neuen Befund zu informieren, wofür natürlich jeder sehr dankbar war. Ich muss sagen, dass mich seine Art zu arbeiten schon beeindruckt hat und ich mir so die Arbeit als Allgemeinmediziner schon vorstellen könnte.

Wir waren nochmal bei einem Tumor-Patienten auf Hausbesuch, den wir vor 2 Wochen schon einmal besucht haben und konnten schon beobachten, dass er in der letzten Zeit abgebaut hat und diesmal viel schwächer war. Er selbst und seine Frau waren doch jedes Mal sehr dankbar für die Zeit, die wir uns genommen haben und dass wir ihre Sorgen ernst nehmen und sie in der schwierigen Zeit begleiten.

Am Freitag war ich dann zum Abschied nochmal in Kirchberg eingeteilt, wo ich neben Auerbach die übrige Zeit verbracht und ich mich auch sehr wohl gefühlt habe. Dr. Machac war immer motiviert mir was beizubringen und selbst an hektischen Tagen hat er sich immer die Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten und mir vieles erklärt! Am Freitag hatten wir neben vielen Impfungen auch nochmal einen Patienten mit Thrombophlebitis. Der klinische Befund mit dem verhärteten Venenstrang war sehr eindrücklich! Auch die Arzthelferinnen hat man mit der Zeit ins Herz geschlossen, da man doch recht viel zusammenarbeitet und auch ein paar private Worte wechselt. Auch sie werde ich vermissen!

Insgesamt hatte ich wirklich ein tolles Tertial, in dem ich viel erlebt, gesehen und gelernt habe! (Neben medizinischen Dingen auch Dinge für’s Leben, wie Autofahren bei Schneefahrbahn ;-)) Nun genieße ich noch zwei freie Wochen im Advent, bevor es dann für mich weiter in die Unfallchirurgie geht :-)

Martina Enzinger

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12 + 13
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 16

Woche 1: 17.-23.5.2021

Meine erste Woche im Bayerischen Wald gestaltete sich bereits sehr bunt und abwechslungsreich. Da ich am Wochenende anreiste, konnte ich die nähere Umgebung mit dem Todtenauer Moor ein wenig erkunden – eine wunderschöne Landschaft! Außerdem konnte ich meine beiden Mitbewohner, zwei Blockpraktikanten aus Erlangen, kennenlernen, sodass das Wochenende wie im Fluge verging.

Die Praxiswoche verbrachte ich größtenteils in Kirchberg, einen Tag arbeitete ich auch in der Niederlassung in Grafenau mit. Schön war für mich, dass ich nach kurzer Eingewöhnung eigenständig zu den Patient*innen gehen konnte, um sie nach ihrem Anliegen zu befragen und sie zu untersuchen, bevor mir einer der Ärzte zur Seite stand. Dadurch war ich gefordert, mir zu überlegen, welche Fragen und Untersuchungen mich zur richtigen Diagnose führen könnten – und mir wurde auch schnell bewusst, in welchen Bereichen meine Wissenslücken liegen, sodass ich mir die ersten Lernziele für die nächsten Wochen setzen konnte.

Lehrreich war für mich auch das erste PJ-Seminar von der Uni Jena, an dem ich via zoom teilnehmen konnte; Thema war das „Motivational Interviewing“, eine Methode, mit der man mit Patient*innen über kritische Themen wie Gewicht oder Nikotinkonsum ins Gespräch kommen kann. Ziel des Motivational Interviewing ist es, dass der Patient für sich selbst herausfindet, welche Beweggründe er für sein Verhalten (z.B. Rauchen) hat, und in einem zweiten Schritt überlegt, welche alternativen Handlungen er durchführen könnte. Ich finde diesen Ansatz sehr spannend und wichtig in der hausärztlichen Praxis, da lebensstilassoziierte Erkrankungen wie Diabetes Typ II und Herzkreislauferkrankungen in Industrienationen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben, und das Thema Prävention daher aus meiner Sicht eine große Rolle in der hausärztlichen Versorgung spielen sollte.

Auch von der Praxis selbst wurden Fortbildungsveranstaltungen in Form von Fallkonferenzen angeboten, sodass ich neben den praktischen Erfahrungen in der Sprechstunde auch noch einige andere Patientengeschichten mitbekam. Dieser kollegiale Austausch erscheint mir sehr wichtig und lehrreich, weil man so auch die Perspektiven der anderen Ärzt*innen kennenlernt und seine eigene Einschätzung immer wieder hinterfragt.

Voll von diesen Eindrücken warte ich gespannt auf die nächste Woche :-).

Woche 2: 24.-30.5.2021

Meine 2. Woche in der Gemeinschaftspraxis verbrachte ich in Lalling bei Dora. Ich empfand es als sehr hilfreich, die gesamte Woche in derselben Praxis mit (fast) konstantem Team zu arbeiten – so hatten wir die Möglichkeit, uns besser kennenzulernen und unsere Arbeitsschritte aufeinander abzustimmen. Auch hier wurde ich – ebenso wie vergangene Woche in Kirchberg –  sehr herzlich aufgenommen.

Für diese Woche hatte ich mir vorrangig zwei Lernziele gesetzt: Zum einen wollte ich sicherer im Umgang mit den medizinischen Plattformen werden, die hier recht viel benutzt werden (Arznei Telegramm und Deximed), zum anderen wollte ich praktisch besser im Umgang mit dem Ultraschall des Bauchraums werden. Zu beidem hatte ich ausreichend Möglichkeit :-).

Ich empfinde es als sehr hilfreich, dass wir in der heutigen Zeit die Möglichkeit haben, über pharmaunabhängig finanzierte Online-Plattformen wie Deximed und Arznei Telegramm sehr schnell und unkompliziert an Informationen zu gelangen, die uns dabei helfen, unsere Patient*innen besser und leitliniengerecht zu versorgen. Denn, Hand aufs Herz: Kein Mensch kann alles wissen, auch kein Arzt ;-). Außerdem entwickelt sich die medizinische Forschung teils so rasant und unübersichtlich, dass es sehr hilfreich ist, dass Expert*innen sich der Aufgabe annehmen, den aktuellen Forschungsstand zusammenzufassen und die praxisrelevanten Ergebnisse für praktisch tätige Ärztinnen aufzuarbeiten.

Ultraschall konnte ich an einigen PatientInnen üben, die mit akuten Beschwerden wie Bauchschmerzen zu uns kamen, aber auch bei einigen, die sich zur Vorsorgeuntersuchung (CheckUp 35) vorstellten. Meine Patient*innen waren glücklicherweise sehr geduldig mit mir, wenn es mir nicht gleich gelang, Leber oder Bauchspeicheldrüse gut darzustellen, sondern ein bisschen suchen und herumprobieren musste. In den Mittagspausen arbeitete ich immer ein paar Seiten im „Sono Trainer“ von Berthold Block durch, um mir ein paar Ideen zu holen, wie ich Leber, Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und Uterus (Gebärmutter) zielsicherer aufsuchen und schärfer darstellen kann. Natürlich gab auch Dora mir ein paar Tipps J. Erste kleine Erfolge konnte ich schon erzielen – zum Beispiel konnte ich bei einer Frau, die mit Unterleibsschmerzen zu uns kam, die Gebärmutter darstellen, was mir zuvor nie sicher gelungen war. Aber: ich merke auch, dass ich noch viel zu üben habe…

Neben der „typischen“ Praxisarbeit legten wir am Mittwochvormittag einen Impfmarathon hin: mehrmals hintereinander klärten wir kleine Gruppen von Patienten über die Impfung gegen das Coronavirus auf, bevor wir sie dann einzeln zu uns ins Sprechzimmer nahmen, noch letzte Fragen klärten und sie anschließend impften. Ich empfinde es einerseits als sehr hilfreich für die Eindämmung der Pandemie, dass seit einiger Zeit auch die HausärztInnen impfen dürfen, weil ich den Eindruck haben, dass wir so auch Menschen erreichen können, die nie oder erst spät den Weg ins Impfzentrum finden würden. Andererseits: Neben der „typischen“ Praxisarbeit stellt es eine zusätzliche Belastung dar und ich merke, wie anstrengend es für das gesamte Team aus MFAs und Ärztinnen ist, diese Aufgabe zu stemmen.

Die Woche in der Praxis war unglaublich bereichernd, aber auch sehr anstrengend für mich – die Eindrücke mit all den neuen Menschen, diversen Krankheitsbildern und Therapiestrategien sind teils noch so überwältigend, dass ich auch froh bin, jetzt das Wochenende genießen zu dürfen. Gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin möchte ich ein bisschen wandern gehen, worauf ich mich schon sehr freue. Und zwischendrin kann ich noch ein paar Dinge nachlesen, die mir diese Woche unklar geblieben sind ;-).

 

Woche 3: 31.5.-6.6.2021

Hausbesuche, Ultraschalluntersuchungen, eine Wanderung am Feiertag und ein internationales PJ-Seminar – meine 3. Woche im Bayerischen Wald gestaltete sich wieder sehr abwechslungsreich, sodass ich sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit auf meine Kosten kam :-).

Diese Woche lernte ich die Praxis in Auerbach kennen und damit auch Anton, der mir für die Zeit meines PJ-Tertials als Mentor zur Verfügung steht. Selbstverständlich darf und soll ich auch in anderen Praxen mitarbeiten, aber ich finde es schön, dass mir eine feste Bezugsperson zur Verfügung steht, mit der ich Lernziele absprechen und Hospitationen organisieren kann.

Schnell lerne ich die kleine, familiäre Praxis in Auerbach schätzen: Anton kennt die meisten Patienten hier sehr gut und kann mir einen prägnanten Überblick über ihre Vorgeschichte geben, bevor ich zu ihnen gehe und mich über den Grund ihres heutigen Kommens informiere. Gleich am Montag habe ich mehrmals die Möglichkeit, den Bauch und die Schilddrüse von Patientinnen mit dem Schallgerät zu untersuchen und freue mich, dass ich ein paar Tipps umsetzen kann, die ich mir am Wochenende angelesen habe. Verzahnung von Theorie und Praxis funktioniert hier wirklich perfekt ;-).

In der Mittagspause unternehme ich einen Spaziergang durch den Wald bei Auerbach – die Sonne scheint und das Thermometer ist endlich auf 20° geklettert, sodass ich kurzärmlig durch die Gegend streifen und die Eindrücke des Vormittags auf mich wirken lassen kann.

Am Dienstag habe ich die Möglichkeit, Svenja bei ihrer Hausbesuchstour zu begleiten. Auch wenn heute nur „Routinebesuche“ stattfinden, finde ich es interessant, diesen Aspekt der Allgemeinmedizin kennenzulernen: Es macht doch einen gehörigen Unterschied, ob ich einen Patienten in seinem häuslichen Umfeld untersuche und sehe, wie er sich mit dem Rollator dort bewegt, oder ob ich ihn zur Verlaufskontrolle in die Praxis einbestelle. Allerdings: Zeitaufwendig sind die Hausbesuche schon, schließlich müssen wir dafür auf engen Straßen zu teils entlegenen Wohnsitzen fahren…

Am Mittwoch unterstütze ich das Team in Kirchberg beim Impfen, weil für heute sehr viele Patienten einbestellt sind und das Personal eng besetzt ist. In Kleingruppen klärt Sarah die Patient*innen über die Impfung gegen SARS-CoV 2 auf, bevor wir sie einzeln aufrufen, noch letzte Fragen klären und die Impfung verabreichen.
Nachmittags erwartet mich dann mein persönliches Highlight der Woche: Das PJ-Seminar der Uni Jena findet heute in Kooperation mit Student*innen der Uni Nairobi statt. So sehe ich mich via Skype mit 5 deutschen und 6 kenianischen Studenten verbunden: zunächst haben wir die Möglichkeit, uns in Breakoutrooms persönlich kennenzulernen, bevor wir in den fachlichen Teil der heutigen Session starten. Jeweils zu zweit dürfen wir den Fall eines 26-jährigen Mechanikers bearbeiten, der seit 3 Wochen anhaltenden Husten hat, mittlerweile mit gelbem Auswurf, und jetzt Hilfe sucht. Ich bin überrascht, wie ähnlich unsere Gedanken und Vorgehensweisen zu der Krankengeschichte sind. Der Unterschied ist vor allem, dass unsere kenianischen Kommilitoninnen sehr schnell Tuberkulose als Differentialdiagnose in Erwägung ziehen, weil die Krankheit in Kenia sehr verbreitet ist. Am Ende des Seminars sind wir uns alle einig: Das Seminar war persönlich wie fachlich eine große Bereicherung für uns und wir möchten es gerne mit anderen Fallbeispielen wiederholen.

Die Wettervorhersage für Fronleichnam ist großartig, sodass meine Mitbewohnerin Katharina und ich beschließen, nach Bodenmais zu fahren, um die Rieslochwasserfälle sowie den Großen und den Kleinen Arber zu erklimmen. Die Wanderung ist landschaftlich ein Genuss (mit 850hm im Auf- und Abstieg allerdings auch sehr anstrengend….) und wir genießen es, unsere Erfahrungen austauschen zu können.

Am Freitag begleite ich nochmals Anton in der Praxis in Auerbach: Einige Patienten stellen sich schon zum zweiten Mal diese Woche vor, was für mich sehr lehrreich ist, weil ich so den Verlauf ihrer Krankengeschichte mitbekommen kann. Eine Patientengeschichte bleibt mir besonders im Gedächtnis: Es stellt sich ein 80-jähriger Herr vor, der vor einigen Wochen zur Vorsorgeuntersuchung kam und mit erhöhten Leberwerten auffiel. Symptome hatte er keine. Bei der Ultraschalluntersuchung fiel ein sehr „höckriges“, knotiges Bild der Leber auf, sodass Anton ihn zur weiteren Diagnostik in die Klinik überwies. Leider wurde dort die Diagnose von Lebermetastasen gestellt, die von einem Tumor im Dickdarm ausgehen. Der Patient fühlt sich aktuell körperlich glücklicherweise trotz allem recht fit, sagt aber von sich selbst, dass ihm die Diagnose mental sehr zu schaffen mache.

Seine Geschichte führt mir vor Augen, wie wichtig es ist, auch in der Hausarztpraxis, wo wir meist mit eher leichten, vorübergehenden Krankeitsbildern konfrontiert sind, die Augen offen zu halten für schwerwiegende, potentiell tödliche Krankheiten – und auffälligen Untersuchungsbefunden nachgehen, um dies möglichst frühzeitig zu erkennen.
 

Woche 4: 7.-13.6.2021

Die Zeit rennt – jetzt bin ich schon seit vier Wochen im Bayerischen Wald und viele Landstriche kommen mir bereits sehr vertraut vor. Auch der niederbayerische Dialekt ist Teil meines Alltags geworden und ich verstehe die meisten Patient*innen mittlerweile auf Anhieb, ohne nochmals nachfragen zu müssen.

Diese Woche habe ich wieder – bis auf den Dienstag – in Auerbach verbracht. Für mich ist es hilfreich, längere Zeit in einer Praxis zu verbringen, weil ich dadurch die Patienten besser kennenlerne und den Verlauf ihrer Krankheiten intensiver mitverfolgen kann. Vergangene Woche beispielsweise hatten wir einen Patienten mit einem infizierten Atherom am Rücken, das wir spalteten. Ein Atherom ist eine Zyste auf der Haut, die an sich nicht behandlungsbedürftig ist. Wenn sie sich allerdings infiziert, bereitet sie Schmerzen und muss eröffnet werden, damit der Eiter abfließen kann. Nun konnte ich bereits bei mehreren Wundkontrollen mit dabei sein und sehen, wie sich die Wunde Schritt für Schritt besserte und nun schon wieder fast zugeheilt ist. Diese „erlebte“ Medizin kann kein Lehrbuch ersetzen.

Ein Highlight diese Woche war der Praxisinterne Journalclub am Mittwochabend: Hier stellten einige Mitarbeiter der Praxis Studien zu allgemeinmedizinisch relevanten Themen wie „Therapie von Asthma“ vor: Ist es sinnvoll, Patientinnen mit erstgradigem Asthma neben einem Bronchien-erweiternden Medikament auch ein entzündungshemmendes Medikament wie Budesonid zum Inhalieren zu geben? Die vorgestellte Studie sprach sich dafür aus. Einige Teilnehmer gaben aber zu bedenken, sie hätten in letzter Zeit gehäuft Patientinnen mit Pilzbefall nach Inhalation von Glukokortikoiden wie Budesonid im Mund-Rachen-Raum gesehen. Mir hat die Diskussion vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Studien nicht einseitig zu betrachten, sondern auch Erfahrungen aus dem Alltag miteinfließen zu lassen – und letztlich nach einer individuellen Lösung für den betroffenen Patienten zu suchen.

Am Dienstag machte ich einen Ausflug in die Praxis nach Grafenau und arbeitete dort erstmals mit Sascha zusammen. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung, da Sascha vor seinem Medizinstudium bereits Psychologie studiert hat und entsprechend viel Wert auf eine gute Gesprächsführung legt. Hier konnte ich mir ein paar Tricks abschauen.

Außerdem sahen wir täglich mehrere Patient*innen in der Praxis, an denen ich meine Ultraschallkenntnisse vertiefen konnte. Ich merke, dass ich im Vergleich zur ersten Woche schon Fortschritte gemacht habe und ich Schritt für Schritt die Schnittebenen des Ultraschallbildes besser auf die Körperebene übertragen kann – aber ich merke auch, dass ich noch viel üben kann :-).

Nach der ereignisreichen Woche freue ich mich auf das Wochenende und bin gespannt, was mich in der kommenden Woche erwartet.
 

Woche 5: 14.6. - 20.6.2021

Mittwochabend, Journal Club: Diese Woche sind auch Ärzt*innen aus anderen Praxen mit dabei. Gemeinsam diskutieren wir über 5 verschiedene Studien: Welche Vor- und Nachteile hat es, bei Kindern mit rezidivierenden Mittelohrentzündungen ein Paukenröhrchen einzusetzen? Genügt es, bei Menschen mit leichter ambulanter Lungenentzündung nur 3 Tage lang ein Antibiotikum zu geben? Und was können wir aus Studien über die Betreuung von Demenzkranken und ihren Angehörigen lernen? Wie schon in der vergangenen Woche empfinde ich die Diskussion, die sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Alltagserfahrungen aus der Praxis miteinbezieht, als sehr bereichernd. Ich hoffe, dass ich einen so lebendigen Austausch über Studien und Erfahrungen auch in mein zukünftiges Arbeitsleben mitnehmen kann…

Am Dienstag in der Mittagspause treffen wir uns mit allen ÄrztInnen, die sich Zeit nehmen können, um den Abschied der Assistenzärztinnen Svenja Nitsche und Sarah Moschko zu feiern. Für mich ist es schön, zu sehen, mit wie viel Elan und Empathie alle dabei sind – aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass es für Svenja und Sarah nicht leicht ist, das nette und engagierte Team nach über einem Jahr intensiver Zusammenarbeit wieder zu verlassen...

In der Praxis sehe ich diese Woche eine Patientin besonders häufig: Sie hat Chemotherapie wegen Brustkrebs erhalten. Leider hat die Therapie auch ihre Fingernägel und die Nagelhaut sehr stark angegriffen, sodass sie brüchig und rissig geworden sind – die perfekte Eintrittspforte für Bakterien. An mehreren Fingern haben sich so schmerzhafte eitrige Abszesse gebildet, die wir spalten. Sie tut mir sehr leid, denn kaum hat sich die Situation am einen Finger gebessert, bekommt sie ein Problem mit dem anderen. Gegen Ende der Woche hat ist die Entzündung schon deutlich zurückgegangen und ich wünsche ihr, dass es so bleibt. Das Beispiel dieser Frau führt mir vor Augen, wie vielfältig die Auswirkungen von Chemotherapie sein können: Ich glaube, die meisten von uns denken bei einer solchen Therapie als erstes an Übelkeit und Erbrechen, die die Lebensqualität stark einschränken können; oder an die Angst, was passieren könnte, wenn die Therapie doch nicht anschlägt und man früher verstirbt, als man sich gewünscht hat. Aber es gibt eben auch die „alltäglichen“ Auswirkungen wie empfindliche Haut und Entzündungen an sensiblen Stellen, die die Lebensqualität massiv einschränken können.

Neben der Arbeit mit den Akutpatienten geht auch das Impfen immer weiter. Ich finde es sehr schön, dass die Praxis sich dazu entschlossen hat, die weltweite Impfaktion von Unicef mit Spenden zu unterstützen. Auch unsere Patient*innen machen wir auf die Spendenaktion aufmerksam und haben einen Spendenkasten in der Praxis aufgestellt. Während meiner Zeit in Freiburg war ich im Bereich Planetary Health und Global Health aktiv und finde es sehr wichtig, dass wir uns im Gesundheitswesen unserer Verantwortung für die Gesundheit der ganzen Menschheit bewusst sind. Dazu gehört aus meiner Sicht, dass wir Strukturen unterstützten, die versuchen, eine menschenwürdige medizinische Versorgung in Ländern sicherzustellen, die über weniger finanzielle und personelle Ressourcen verfügen als wir.

 

Woche 6: 21.6. - 27.6.2021

Irgendwo im Wald ist ein Mann am späten Abend gestürzt und benötigt unsere Hilfe. Mehr erfahren wir erstmal nicht. Anton hat mich diese Woche nach der Sprechstunde zum Notarztfahren mitgenommen, sodass ich life miterleben kann, wie Ersteinschätzung und Erstversorgung eines Patienten in Notfallsituationen funktionieren. Am Unfallort angekommen finden wir einen älteren Herrn vor, der am Wegesrand auf dem Boden liegt. Atmung und Kreislauf scheinen stabil zu sein, allerdings äußert er sich verbal eher wirr. Während die Rettungssanitäter ein Stiffneck anlegen, um die Halswirbelsäule zu stabilisieren, und den Patienten auf eine Schaufeltrage aufladen, überlege ich mir, was hier das vordringlichste Problem ist: Spritzende Blutungen hat der Pat. keine, er atmet regelmäßig und ist rosig – also schonmal kein gravierendes ABC-Problem, das ist sehr gut. Aber warum genau ist er gestürzt? Und weshalb kann er sich nicht adäquat äußern – ist das eine Unfallfolge oder hat es etwas mit der Sturzursache zu tun? Zerebrale Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Elektrolytentgleisungen oder einfach Unachtsamkeit…es gibt zig Möglichkeiten, wie er in diesen Zustand geraten sein kann. Von seinen beiden Kumpanen erfahren wir nach mehrmaligem Nachfragen, dass sie „vielleicht“ „unter Umständen“ doch ein bisschen Alkohol konsumiert haben könnten. Also doch eine Alkoholintoxikation? Tatsächlich wird der Patient mittels der Infusion, die wir ihm mittlerweile angehängt haben, deutlich bewusstseinsklarer. Da wir vor Ort weiter nichts für ihn tun können, nehmen wir ihn zur Überwachung und weiteren Abklärung in die Klinik mit.

Für mich sind der Abend und die Nacht sehr lehrreich, weil ich bislang keine Rettungsdiensterfahrungen habe und ich viel über die Ausstattung des NEFs sowie die praktischen Handlungsmöglichkeiten vor Ort lerne. Insgesamt haben wir drei Einsätze. Allerdings merke ich am nächsten Tag in der Praxis, dass es mir nach einer Nacht mit nur sehr wenigen Stunden Schlaf nicht ganz leicht fällt, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Glücklicherweise kann ich mir den Nachmittag zur Erholung frei nehmen ;-).

Am Wochenende zuvor war ich mit meiner Mit-PJ-lerin Sofia wandern: Da es ihr letztes Wochenende im Bayerischen Wald war, wollten wir unbedingt gemeinsam den Rachel besteigen, auch wenn das Thermometer mehr als 30° anzeigte. Tatsächlich gestaltete sich der Aufstieg in der Hitze durchaus anstrengend, der Ausblick entschädigte uns aber für unsere Mühen.

An theoretischen Kapiteln hatte ich mir für diese Woche Gastritis, Gicht und Asthmatherapie vorgenommen. Nachdem ich nun schon seit sechs Wochen täglich in der Patientenbetreuung bin, empfinde ich es als bereichernd, Artikel und Zusammenfassungen zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Allgemeinmedizinischen Praxis durchzulesen, um die praktischen Handlungsweisen durch theoretisches Wissen zu untermauern. Das Log-Buch meiner Heimatuni Freiburg bietet mir hierfür eine sehr gute Leitschnur.

Am Wochenende bekomme ich Besuch von einer Freundin und wir erkunden gemeinsam die Gegend.

 

Woche 7: 28.6. - 4.7.2021

Auch in dieser Woche kann ich Anton auf seinen Notarztdienst begleiten. Für mich ist es sehr bereichernd, neben der Praxisarbeit diesen Bereich der Medizin kennenzulernen: Denn während wir uns in der Praxis vorwiegend mit subakuten oder chronischen Beschwerden von Patienten befassen, sind wir hier mit akuten Problemen konfrontiert, die einer sehr schnellen Behandlung bedürfen. Außerdem liegen uns in der Regel keine Vorbefunde vor, sodass wir in der Akutsituation mithilfe von Nachfragen und Untersuchungen die wichtigsten Informationen gewinnen müssen. Die Denk- und Handlungsweisen unterscheiden sich damit sehr von denen im Praxisalltag, sind aber sicherlich genauso wichtig…

In der Praxis sehe ich diese Woche mehrere Patient*innen mit Hautläsionen: Ein Patient präsentiert sich mit den klassischen Symptomen einer Gürtelrose, eine Patientin kommt mit Skabies (Krätze) und eine dritte Patientin mit rezidivierenden Episoden von Lippenherpes. Passend dazu habe ich am Mittwochnachmittag ein Seminar über Hauterkrankungen von der Uni Jena, das für mich sehr lehrreich ist. Wir besprechen dort die häufigsten dermatologischen Krankheitsbilder wie Erysipel, Nagelpilz, Krätze, Gürtelrose, Neurodermitis, Rosazea und Naevuszellen. Der Dozent möchte uns dafür sensibilisieren, dass wir uns die Hauterscheinungen der Patient*innen gründlich ansehen und beschreiben – denn das sei der erste Schritt zur richtigen Diagnose und Therapie. Da hat er sicherlich recht…Wir diskutieren darüber, in welchen Fällen eine Cortisontherapie Sinn macht und wann eher nicht, wann Antibiotika, Antimykotika (Antipilzmittel) oder Virostatika angebracht sind usw. Die 1,5h Seminar vergehen wie im Nu und ich bin sehr angetan davon, wie kurzweilig Dermatologie sein kann, wenn man einen motivierten und engagierten Dozenten hat ;-).

Das Wochenende verbringe ich bei meiner Familie in Ulm.

 

Woche 8: 5.7. - 11.7.2021

Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Interessenverlust – bei den typischen Symptomen, die wir an einem depressiven Patienten erkennen können, sind wir uns schnell einig. Aber welche Auslöser müssen wir neben den typischen psychischen beachten? Wir sammeln Schilddrüsenunterfunktion, Anämie, Demenz, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Multiple Sklerose, die Einnahme bestimmter Medikamente und noch einige weitere. Außerdem finden wir es wichtig, Patient*innen mit depressiver Symptomatik nach Suizidgedanken zu fragen – denn man sieht den Betroffenen oft nicht an der Nasenspitze an, wie schwer sie von ihren negativen Gedanken und Gefühlen geplagt werden; Studien zeigen, dass die meisten Patient*innen mit Selbstmordgedanken erleichtert sind, wenn sie darauf angesprochen werden. Therapeutisch sehen wir den größten Nutzen in nicht-medikamentösen Maßnahmen wie der Pflege sozialer Kontakte, sportlicher Aktivität (vor allem im Freien), sowie eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Der Nutzen von antidepressiven Medikamenten ist umstritten, insbesondere bei leichter bis mittelschwerer Ausprägung der Erkrankung. Dennoch finde ich es sehr spannend, über dieses Thema zu diskutieren, da ich an der Uni sehr viele verschiedene Antidepressiva kennengelernt und mich öfters gefragt habe, mit welchem der vielen Präparate ich denn nun bei Notwendigkeit und Patientenwunsch anfangen könnte. Dass die meisten Ärzt*innen, die hier in der Praxis tätig sind, auch nur mit zwei verschiedenen Präparaten arbeiten, und bei Therapieresistenz an den Psychiater verweisen, beruhigt mich in dieser Hinsicht.

Diese Woche empfinde ich die Montagsfortbildung als besonders hilfreich, da sich in der Hausarztpraxis sehr häufig Patient*innen mit depressiver Symptomatik vorstellen und ich es sehr wichtig finde, bei diesem sensiblen Thema von Gedanken und Erfahrungen der ÄrztInnen zu erfahren.

Den Rest der Woche verbringe ich in der Praxis in Lalling, wo ich mit Dora und einen Tag mit Sabine zusammenarbeite. Zwei Patient*innen bleiben mir dabei besonders im Gedächtnis: Gegen Ende der Woche stellt sich eine Frau mittleren Alters vor, die in den letzten Monaten mit Schlafstörungen, Gewichtsverlust und innerer Unruhe gekämpft hat und selbst davon überzeugt ist, dass ihre Beschwerden eher psychosomatisch bedingt seien, da sie in den letzten Monaten viel Stress gehabt habe. Wir sprechen über die psychische Belastung, machen aber trotzdem auch eine organische Untersuchung – und siehe da, wir finde eine manifeste Schilddrüsenüberfunktion. Ich bin gespannt, wie sich die Symptome der Frau entwickeln, wenn wir diese behandelt haben.

Eine andere Patientin stellt sich mit anhaltender Abgeschlagenheit nach fieberhaftem Infekt vor. Auch bei ihr nehmen wir Blut ab und müssen feststellen, dass sie deutlich erhöhte Leberwerte hat. Das Telephonat mit der Patientin ergibt, dass diese bislang nicht bekannt gewesen seien (da sie neu bei uns ist, liegen uns keine Vorwerte vor). Auch bei ihr bin ich gespannt, was die weitere Diagnostik erbringt, und hoffe, dass wir ihr mit den gewonnen Erkenntnissen weiterhelfen können.

Die Woche war für mich sehr interessant und lehrreich, aber auch sehr anstrengend, sodass ich mich freue, übers Wochenende eine Freundin zu Besuch zu haben und gemeinsam mit ihr Passau erkunden zu können.

 

Woche 9: 12.7. - 18.7.2021

Nahtübungen an Schweinefüßen, PatientInnen mit Bauchschmerzen sowie mehrere interessante Fälle beim Notarztfahren – meine 9. Woche im Bayerischen Wald war wieder sehr lehr- und abwechslungsreich.

Am Montag bringe ich Schweinefüße in die Praxis mit, sodass Anton mir in einer ruhigen Minute Donati-, Allgöwer- und Intrakutannaht beibringen kann. Da ich bislang wenig chirurgische Erfahrungen habe, bin ich sehr froh, die Nahttechniken erst einmal an den schmerzunempfindlichen Füßen verstorbener Lebewesen üben zu können, bevor ich mich an lebendige Menschen wage ;-). Da wir hier in der Praxis regelmäßig PatientInnen mit Platzwunden sehen oder nach Muttermalentfernung die Wunde wieder zunähen müssen, finde ich es wichtig, auch als Allgemeinmedizinerin sicher nähen zu können.

In der Mittagspause unternehmen wir eine große Hausbesuchstour zu unseren PatientInnen. Einige von ihnen kenne ich bereits von früheren Hausbesuchen und kann so beobachten, wie sich ihre Ödeme, die depressive Symptomatik oder die kognitive Leistungsfähigkeit seit dem letzten Mal verändert haben. Natürlich sehen wir nur punktuelle Eindrücke – allerdings sind oft die Kinder oder andere Familienangehörige vor Ort, die uns zusätzliche Informationen über den Verlauf liefern können. Für mich ist es in jedem Fall interessant, zu sehen, wie sich die PatientInnen mit ihren unterschiedlichen Leiden und Gebrechlichkeiten zu Hause eingerichtet haben und zurecht kommen.

Am Mittwochabend ist wieder der praxisinterne Journal-Club: Hier diskutieren wir lange über die aktuellen Diabetes-Leitlinien der DEGAM, aber auch über den Nutzen von Eisensubstitution bei PatientInnen mit chronischer Müdigkeit (Chronic Fatigue Syndrom) und unruhigen Beinen (Restless Legs). Auch über den möglichen Nutzen von E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung diskutieren wir kontrovers. Obwohl ich nach einem langen Arbeitstag sehr müde bin, bin ich froh, dass wir uns die Zeit nehmen, über aktuelle Studien zu sprechen: Diese Auseinandersetzung ermöglicht uns, immer wieder unsere Handlungsweisen in der Praxis zu hinterfragen und die Therapie unserer PatientInnen an den aktuellen wissenschaftlichen Stand anzupassen.

Am Donnerstag und Freitag springe ich in der Praxis in Lalling ein, weil hier gerade sehr viel zu tun ist: Mir bereitet die Arbeit sehr viel Freude, weil ich das Gefühl habe, wirklich gebraucht zu werden. Ich habe die Möglichkeit, viel zu sonographieren, weil sich einige Patienten mit unklaren Bauchschmerzen präsentieren und ein paar Patientinnen zur Abklärung ihrer Schilddrüse kommen. Tatsächlich entdecke ich so eine Struma multinodosa bei einer Patientin, die bislang noch nicht bekannt war. Außerdem sehe ich einige Patienten wieder, die ich bereits von der vergangen Woche in Lalling kenne: So hatten wie vergangenen Freitag einen Patienten mit Verdacht auf Erysipel in die Klinik eingewiesen. Nun stellt er sich wieder vor – tatsächlich ist die Rötung an seinem Unterschenkel unter der Anitbiose deutlich zurückgegangen und er gibt auch an, die Schmerzen hätten sich deutlich gebessert. Das hört man doch gerne :-). Die beiden Tage in Lalling vergehen wie im Fluge und ich kann einiges mitnehmen.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag begleite ich Anton wieder zum Notarztfahren: Dieses Mal haben wir fünf Einsätze, u.a. eine Patientin, die nach einem Fahrradsturz stärkste Schmerzen im linken Oberarm hat und sich augenscheinlich eine Oberarmfraktur zugezogen hat. Wir spritzen ihr Schmerzmittel, schienen ihren Oberarm und transportieren sie in die nächste Klinik. Als nächstes fahren wir zu einem Patienten, der bei bekanntem Asthma einen akuten Anfall hat. Ihm geben wir Bronchiodilatatoren zum Inhalieren und Kortison i.v. – darunter bessert sich seine subjektive Atemnot sehr schnell und auch die Sauerstoffsättung steigt wieder an.  Am beeindruckendsten ist für mich die Patientin, zu der wir in den frühen Morgenstunden gerufen werden: Sie hat einen generalisierten Krampfanfall, der leider auch noch nicht sistiert hat, als wir eintreffen. Von den Angehörigen erfahren wir, dass die Patientin vor einigen Jahren bereits eine Hirnblutung gehabt hätte. Allerdings leidet sie auch Vorhofflimmern, weshalb sie trotzdem Blutverdünner nimmt. Gekrampft habe sie  vorher noch nie. Wir versuchen, den Krampfanfall mit einem Benzodiazepin zu lösen und nehmen die Patientin in die Klinik nach Passau mit. Unterwegs entwickelt sie eine deutliche Pupillendifferenz – ein Hinweis auf eine Hirnblutung. Ich wünsche der Patientin, dass es ihr bald wieder besser gehen wird. Für mich war es trotzdem sehr lehrreich, weil ich bislang noch nie eine Patientin im akuten Krampfanfall gesehen habe und auch zum ersten Mal eine echte Pupillendifferenz festgestellt habe.

Nach der ereignisreichen Woche und dem Schlafdefizit von Donnerstag auf Freitag bin ich aber auch froh, dass das Wochenende vor der Tür steht: Ich versuche, etwas Schlaf nachzuholen, gehe in der Umgebung von Regen spazieren, telephoniere mit einigen Studienfreundinnen und gehe schwimmen.

 

Woche 10: 19.7. - 25.7.2021

Kirchberg, Lalling, Auerbach – diese Woche rotiere ich zwischen den verschiedenen Praxen, abhängig davon, wo ich gerade am meisten gebraucht werde. Am Montag ist nur ein Arzt statt der ursprünglich zwei geplanten in Kirchberg, sodass sehr viele Patient*innen auf Dr. Blank und mich warten. Das bedeutet, dass wir sehr zügig arbeiten, dennoch aber die wesentlichen Punkte nicht vergessen dürfen. Auch wenn es sehr stressig ist, bereitet es mir Freude, zumal ich heute sehe, dass ich in den vergangenen Wochen gelernt habe, im Zweifelsfall zeiteffizient zu arbeiten. Nachmittags ist etwas weniger los, sodass ich die Möglichkeit habe, einen Patienten, der zur Vorsorgeuntersuchung kommt, ausführlich mit dem Ultraschall zu untersuchen. Außerdem stellen sich einige Kinder und Jugendliche mit akuten Beschwerden vor – für mich ebenfalls interessant, da ich hier bislang nur wenige sehr junge Patient*innen gesehen habe. Glücklicherweise kann ich hier auf ein paar Vorkenntnisse aus einer Famulatur in der Kinderarztpraxis und meinem Nebenjob in der Kindernotaufnahme zurückgreifen.

Am Mittwochvormittag begleite ich unsere Diabetesfachkraft Petra in der Sprechstunde: Wir messen den Blutzucker bei unseren Patient*innen, besprechen die langfristigen Ziele der Diabetestherapie und stellen hier und da die Insulintherapie etwas um. Ein Highlight für mich ist, dass ich bei einer Patientin auch die Ernährungsberatung miterleben darf. Aus meiner Sicht stellen Ernährung und Bewegung die Basis der Diabetestherapie dar – Studien zeigen, dass sich hierdurch ein beginnender Typ II-Diabetes sogar komplett heilen lässt und in fortgeschrittenen Stadien zumindest Medikamente eingespart werden können. Leider fehlt uns (angehenden) Ärztinnen in der Sprechstunde aber häufig die Zeit dafür, intensiv auf das Thema Ernährungsumstellung einzugehen. Daher empfinde ich es als sehr bereichernd, eine Fachkraft wie Petra zur Seite zu haben!

Dienstag-, Donnerstag- und Freitagvormittag verbringe ich in Lalling. Im Gedächtnis bleibt mir vor allem eine junge Patientin Ende 20, die hier im Urlaub ist. Sie hat eine vorbestehende Lungenerkrankung, wobei bislang nicht ganz geklärt ist, ob sie an einer Mukoviszidose oder an einer schweren Form von Asthma leidet, da der Schweißtest auf Mukoviszidose bei ihr grenzwertig ausfiel und sie bislang auf eine genetische Untersuchung verzichtet hat. Sie benötigt Bronchiodilatatoren zum Inhalieren, systemisches Kortison und nächtliche Beatmung als Dauertherapie, um eine ausreichende Lungenfunktion zu erreichen. Zusätzlich führt sie eine Atemtherapie durch. Die zahlreichen Medikamente, die sie nehmen muss, haben ihre Nieren geschwächt, außerdem hat sie durch die langjährige Kortisoneinnahme einen Diabetes Typ III (medikamenteninduziert) entwickelt. Kurz, trotz ihres junges Alters trägt sie schon einen ganzes Sammelsurium an körperlichen Beschwerden mit sich herum. Trotzdem hat sie eine sehr positive Ausstrahlung, lächelt mich an und sagt „Ich versuche einfach, das Beste daraus zu machen. Etwas anderes bleibt mir ja sowieso nicht übrig.“ Ich habe großen Respekt vor ihrer Stärke. Zu uns ist sie gekommen, weil sie seit zwei Tagen gelblichen Auswurf beim Husten hat, außerdem habe ihr Urin sich rötlich verfärbt. Sie sei müder als sonst, Fieber habe sie nicht. Ich untersuche sie körperlich, schaue mir Nieren und Harnblase im Ultraschall an und lasse Blut mit Entzündungsparametern abnehmen. In Absprache mit Fr. Dr. Takacs erhöhen wir zunächst die Kortisondosis, und vereinbaren mit der Patientin, dass wir sie morgen nochmals telephonisch kontaktieren und sie sich bitte bei jeder Verschlechterung ihres Gesundheitszustands sofort in der Klinik vorstellen soll. Glücklicherweise stellt sich tags darauf heraus, dass die Entzündungswerte im Blut nicht erhöht sind und es der Patientin zumindest etwas besser geht. Sie möchte sich in der kommenden Woche bei ihrem angestammten Lungenfacharzt in der Heimat vorstellen, um der Ursache ihres Leidens auf den Grund zu gehen. Ich bin schon sehr gespannt, was dabei herauskommt, und wünsche ihr, dass es ihr bald wieder besser geht…

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag begleite ich Anton wieder auf seine Notarztfahrt. Dieses Mal bekommen wir es unter anderem mit einer Frau Mitte 40 zu tun, die von ihrem Sohn nicht ansprechbar im Wohnzimmer aufgefunden worden ist. Glücklicherweise atmet sie spontan und ihr Puls ist regelmäßig. Aber die Augen öffnet sie nur auf Schmerzreiz und adäquat äußern kann sie sich definitiv nicht. Schwierig zu sagen, woher dieser Zustand rührt… An Medikamenten nehme sie nur etwas für die Schilddrüse, erfahren wir vom Ehemann, und dass Alkohol oder Drogen im Spiel sind, glaubt er eher nicht. Nur, dass sie in den letzten Tagen so starke Bauchschmerzen gehabt habe, erwähnt er noch. Der Bodycheck ergibt erstmal keine Auffälligkeiten, also nehmen wir sie mit in die Klinik. Zum Glück klart sie unter der Infusion von Ringerlösung etwas auf und reagiert zumindest auf einfache Fragen wie „Haben Sie Schmerzen?“ oder „Wie geht es Ihnen?“ mit einzelnen Worten. Das ist ein erstes gutes Zeichen…Ein Anruf in der Klinik am nächsten Tag ergibt, dass glücklicherweise in der CT-Untersuchung des Schädels keine Hinweise auf eine Blutung oder andere Störung des Gehirns gefunden wurden. Stattdessen gehen die Ärzte in der Klinik von einer Elektrolytentgleisung aus. Die lässt sich zum Glück gut beheben…

Am Freitagnachmittag helfe ich Dr. Blank beim Impfen in Kirchberg. Ich bin froh, dass wir hier in der Praxis viele Impfungen gegen das Coronavirus durchführen und damit dazu beitragen, dass immer mehr Menschen gegen eine schwere Verlaufsform von Corona immunisiert werden. In ein paar ruhigen Minuten zwischen den Impfungen setzen wir uns zusammen und sprechen ein bisschen darüber, was ich in meine nächsten Tertiale und meine zukünftige Arbeit als Ärztin mitnehmen möchte. Etwas wehmütig werde ich schon bei dem Gedanken, dass ich in sechs Wochen den Bayerischen Wald schon wieder verlassen und zu neuen Ufern aufbrechen muss – andererseits: Das sind 42 Tage, in denen ich sicherlich noch vieles erleben werde ;-) – und auch danach warten sicherlich interessante Erfahrungen auf mich!

Am Wochenende gehe ich zunächst eine Freundin Regensburg besuchen, bevor ich zwei Famulantinnen in Empfang nehme, die die kommenden vier Wochen hier verbringen werden. Ich bin schon gespannt, was wir gemeinsam erleben werden .

 

Woche 11: 26.7. - 1.8.2021

Geriatrisches Basisassessment, psychisch beeinträchtigte Patientinnen und eine Sigmadivertikulitis – meine 11. Woche im Bayerischen Wald ist wieder sehr vielfältig.
Am Montag begleite ich Dr. Sujova in Lalling und habe hier mehrmals die Möglichkeit, einen kursorischen psychopathologischen Befund zu erheben, da sich einige Patientinnen mit Angststörungen und Depression vorstellen. Für mich ist das sehr interessant, weil ich abgesehen vom Blockpraktikum nie in der Psychiatrie hospitiert habe. Für eine Patientin bereite ich gemeinsam mit einer MFA den Antrag auf eine psychosomatische Reha vor, da sie den Wunsch hierzu bereits vor einigen Wochen geäußert hat, und nun bereit ist, die Therapie konkret anzugehen.

Am Dienstagvormittag begleite ich Waltraud Mader bei ihrer Arbeit: Sie kümmert sich in der Praxis um die Versorgung der geriatrischen, d.h. der älteren Patient*innen, und eruiert, inwieweit sie Unterstützung bei der Verrichtung ihrer täglichen Aufgaben benötigen. Wir erkundigen uns anhand eines Fragebogens bei den Patientinnen und ihren Begleitern, ob sie sich ihren alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Essen und Treppensteigen noch gewachsen fühlen. Mit kurzen Tests wie dem Chair Rise Test, bei dem der Patient fünfmal hintereinander ohne Zuhilfenahme der Arme vom Stuhl aufstehen muss, prüfen wir, wie es um Muskelkraft und Koordination bestellt ist. Eine Patientin bleibt mir dabei besonders im Gedächtnis: Als sie für uns eine Uhr mit Zahlen aufmalen soll, bricht sie nach kurzer Zeit in Tränen aus. Sie merkt, dass sie dieser scheinbar einfachen Aufgabe nicht mehr gewachsen ist, und leidet selbst sehr stark darunter. Ich versuche, sie ein wenig zu trösten. Dennoch bleibt bei mir der Gedanke hängen, wie frustrierend es sein muss, im Alter zu merken, wie geistige und körperliche Kräfte Schritt für Schritt nachlassen.

Mittwochabend im Journal Club diskutieren wir über die neuen Leitlinien der Diabetestherapie, Vor- und Nachteile der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung und Eisensubstitutionstherapie beim sog. Restless-Legs-Syndrom. Intern haben wir diese Themen bereits vor zwei Wochen durchgesprochen, und so kann ich einer Famulantin, die die Zoom-Sitzung gemeinsam mit mir verfolgt, nebenbei noch ein paar Erkenntnisse aus unserer Diskussion von voriger Woche mitgeben.

Generell ist diese Woche in der Studentenwohnung in Kirchberg sehr viel Leben eingekehrt: Zwei Famulantinnen und eine Blockpraktikantin sind neu angereist, sodass wir viele Möglichkeiten haben, uns über die Arbeit in der Praxis auszutauschen und die Freizeit miteinander zu verbringen. Mit den beiden Famulantinnen führe ich Gespräche darüber, mit welchen Vorstellungen und Erwartungen sie hierher gekommen sind. Für mich ist es bereichernd, weil mich die Gespräche dazu anregen, auch nochmals über meine eigene Ziele im PJ nachzudenken.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag begleite ich Dr. Kalmancai auf seinen Notarztdienst. Für mich sind diese wöchentlichen Ausflüge auf die Wache mittlerweile fester Bestandteil meiner Arbeitswoche geworden und ich gehe gerne hin, auch wenn ich die Müdigkeit in den Tagen danach meist noch spüre…In dieser Nacht treffen wir unter anderem auf einen Patienten mit einer entgleisten Herzinsuffizienz: der Pat. atmet mit Mühe, als wir eintreffen, und hat sehr ausgeprägte Beinödeme. Die Angehörigen berichten uns von einer vorbestehenden Herz- und Niereninsuffizienz – auch, dass der Patient erst vor 3d wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden sei. Leider müssen wir ihn nun schon wieder in die Klinik mitnehmen. Später erfahren wir, dass er beidseits deutliche Pleuraergüsse gehabt habe, die ihm das Atmen erschwert haben.

Am Freitagnachmittag arbeite ich mit Dr. Blank in Kirchberg zusammen: Von Kontrolluntersuchungen nach Sprunggelenksfraktur, Hautveränderungen (Röschenflechte) über Muskelschmerzen ist alles dabei. Spannend ist für mich eine ältere Dame, die sich mit linksseitigen Unterbauchschmerzen seit 2d vorstellt. Sie habe ein starkes Druckgefühl, meint sie. Bei der Untersuchung stelle ich schnell fest, dass sie tatsächlich einen deutlichen Druckschmerz im linken Unterbauch verspürt, und stelle in Kombination mit ihren Stuhlunregelmäßigkeiten die Verdachtsdiagnose einer Sigmadivertikulitis. Gemeinsam mit Dr. Blank führe ich noch eine Ultraschalluntersuchung durch, wo wir tatsächlich verdickte und entzündete Darmschlingen erkennen können. Wir klären die Patientin über das Krankheitsbild auf und bitten sie, sich in den nächsten Tagen zu schonen, die Schmerzen symptomatisch zu bekämpfen und eher leichte Kost zu sich zu nehmen. Außerdem geben wir ihr ein Stand-By-Rezept für Antibiotika mit, für den Fall, dass sie am Wochenende doch Fieber und Schüttelfrost entwickeln sollte. Schön, dass man auch in diesem Fall wieder abwarten kann, und nicht sofort die Antibiose geben muss!

 

Woche 12 + 13: 2.8. - 15.8.2021

Langsam, aber sicher neigt sich mein PJ-Tertial im Bayerischen Wald dem Ende zu – und ich schwanke oft zwischen der Traurigkeit, die Praxis und all die liebgewonnen Menschen bald zurücklassen zu müssen, und der Freude auf das, was danach kommt.

Da ich etwas krank bin und mir die Erschöpfung in den Knochen steckt, gönne ich mir ein paar freie Tage, in denen ich auf ausgedehnten Spaziergängen und bei Kreativen Arbeiten neue Kraft schöpfe. So interessant und abwechslungsreich die Arbeit mit den anderen Ärzt*innen, MFAs und Student*innen in der Praxis auch ist – ebenso kräftezehrend ist es, von der Praxis zur Fallbesprechung, zum Reflexionsgespräch mit den Famulantinnen und wieder zurück in die Praxis zu eilen. Da tut etwas Erholung sehr gut!

In der Praxis selbst erlebe ich an meinen Arbeitstagen wieder eine Mischung aus Patient*innen mit Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Schulterbeschwerden und vielem mehr. Im Gedächtnis bleiben wird mir auf jeden Fall eine Dame Anfang siebzig, die vor wenigen Monaten ihren Mann verloren hat. Sie erzählt mir, dass sie viel mit ihrem Hund draußen spazieren gehe, an einer Gymnastik- und Walkinggruppe teilnehme und einen Computerkurs belege. Als ich sie dafür lobe, dass sie ihr Leben kurz nach dem Verlust ihres Ehemanns so aktiv weitergestaltet, antwortet sie mir „Ich kann ja auch nicht nur zu Hause sitzen und depressiv werden. Für mich geht das Leben weiter.“ Ich bewundere ihre Einstellung.

Im Notarztdienst treffen wir dieses Mal auf eine Frau mittleren Alters, die von Passanten bewusstlos am Bahnhof angetroffen wurde. Leider hat sie keinen Bekannten dabei, der uns weitere Auskunft erteilen könnte. Allerdings finden wir neben ihr eine angefangene Packung von Tavor, einem Beruhigungsmittel. Möglicherweise hat sie sich damit überdosiert? Da wir keine bessere Erklärung finden, bleiben wir zunächst bei dieser Verdachtsdiagnose. Tatsächlich klart sie nach Gabe des Antidots Flumazenil etwas auf. Zur weiteren Überwachung und Versorgung bringen wir sie auf Intensivstation.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass sie in den letzten Tagen mehrmals in verschiedenen Kliniken wegen Intoxikation mit verschiedenen Medikamenten stationär war und multipel psychisch vorerkrankt ist. Leider hat sie sich auch heute bereits wieder selbst entlassen und keiner weiteren Behandlung zugestimmt. In den frühen Morgenstunden holen wir eine weitere junge Patientin aus einer Wohngruppe ab, die sich entweder mit Quetiapin überdosiert hat oder sich einfach nur bewusstlos stellt – so ganz sicher sind wir nach unserer Untersuchung nicht. Ich muss schlucken – was läuft eigentlich in unserer Gesellschaft falsch, dass so viele junge Menschen an psychischen Krankheiten erkranken? Und warum können wir ihnen oft nur unzureichend helfen?

Bevor Dr. Blank sich in den Urlaub verabschiedet, führe ich noch ein Abschlussgespräch mit ihm. Wir sprechen darüber, wie ich die Arbeit in der Praxis erlebt habe und was ich für die Zukunft mitnehme. Außerdem gibt er mir Feedback darüber, wie die anderen Mitarbeiter*innen der Praxis mich erlebt haben. Zuletzt gibt er mir noch ein paar Anregungen für mein weiteres PJ und mein künftiges Leben als Ärztin mit. Ich bin sehr dankbar für dieses Gespräch – natürlich habe ich mir auch meine eigenen Gedanken darüber, wie ich auf meine Mitmenschen wirke, wie ich gegenüber Mitarbeitern und Patient*innen auftrete, sowie welche Haltung ich für die Zukunft mitnehme. Aber es tut doch gut, dies ab und zu von außen gespiegelt zu bekommen und die ein oder andere Anregung oder Bestätigung zu erhalten.

Das WG-Leben in der Studentenwohnung ist weiterhin sehr lebhaft. Ich empfinde es als bereichernd, mich mit den anderen Studierenden auszutauschen, wie sie die Arbeit in der Praxis erleben. So starte ich in ein – hoffentlich – entspanntes Wochenende mit den anderen und freue mich auf meine letzten drei Wochen in der Praxis!

 

Woche 14: 16.8. - 22.8.2021

„Mir ist oft so schwindelig.“, höre ich diese Woche von mehreren Patient*innen. „Können Sie mir genauer beschreiben, wie sich der Schwindel anfühlt? Möglichst, ohne das Wort Schwindel zu verwenden? Und in welchen Situationen tritt er auf?“ Mit diesen Fragen versuche ich, mir ein genaueres Bild zu verschaffen, woher der Schwindel rühren könnte. Unter Schwindel versteht nämlich jeder Patient etwas anderes – und es gibt zig Möglichkeiten, was ihn auslösen könnte: ein losgelöster Kristall in den Bogengängen unseres Innenohrs, der wichtig für unseren Gleichgewichtssinn ist; ein Problem mit den peripheren Nerven, die zu Gangunsicherheit führen können; ein schlecht eingestellter Blutzucker oder Blutdruck; oder sogar ein Schlaganfall: Es gibt zahlreiche Ursachen, die teils mehr, teils weniger gefährlich sind. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Therapieansätze. Zum Glück kann man mit einer präzisen Anamnese und einigen klinischen Untersuchungen zumindest eingrenzen, in welche Richtung der Schwindel mutmaßlich geht, und eine probatorische Therapie beginnen.

Diese Woche verbringe ich in der Niederlassung in Schöfweg und arbeite mit den Ärzt*innen Dr. Kleudgen, Purmann, Winbauer sowie Bauer zusammen. Für mich ist es schön, nochmal eine andere Praxis intensiver kennenzulernen und mich in die Arbeitsabläufe einzuarbeiten. Neben den genannten Schwindelpatient*innen sehe ich Patienten mit Verletzungen, Blutdruckproblemen und psychischen Beschwerden. Am Montag beispielsweise führe ich ein ausführliches Gespräch mit einem Mann, der tags zuvor von seinem Partner verlassen worden ist, und spürbar unter der Situation leidet. Ich glaube, wir dürfen unsere Rolle als Ärzt*innen in dieser Situation nicht unterschätzen: Es gibt einige Menschen, die keinen stabilen Freundeskreis haben, der sie in dieser Situation auffängt, sodass sie zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Daher biete ich dem Patienten auch an, sich bei Bedarf gegen Ende der Woche nochmals in der Praxis vorzustellen. Außerdem sucht eine ältere Dame mit Schmerzen im linken Fuß die Praxis auf. Ihr Fuß ist deutlich gerötet, glänzt und ist überwärmt: Es ist ein Erysipel wie aus dem Lehrbuch. Dr. Kleudgen und ich verordnen der Patientin ein Antibiotikum, klären sie und ihre Tochter darüber auf, wie wichtig es ist, nun das Bein hochzulagern und zu kühlen, damit sich die Infektion nicht weiter ausbreitet. Außerdem bitten wir die Patientin, am Montag zur Kontrolle nochmals in die Praxis zu kommen. Ein weiterer Patient stellt sich mit Schmerzen im Fuß, genauer gesagt im Großzehengrundgelenk vor: Es ist geschwollen, deutlich gerötet und sehr druckschmerzhaft. Der Patient gibt an, in letzter Zeit viel Stress gehabt zu haben, außerdem seien bei ihm erhöhte Harnsäurewerte bekannt: Der Verdacht eines Gichtanfalls liegt nahe – auch, wenn der Patient noch nie einen hatte. Dr. Kleudgen und ich entscheiden uns unter den verschiedenen Therapiemöglichkeiten dafür, dem Patienten für einige Tage Colchicin zu verschreiben: Wenn sich die Symptome darunter verbessern, ist quasi gesichert, dass der Patient tatsächlich an Gicht leidet.

Nach der abwechslungsreichen Woche in Schöfweg freue ich mich darauf, kommende Woche noch einmal mit dem gleichen Team arbeiten zu dürfen.

 

Woche 15: 23.8. - 29.8.2021

Hallux valgus, Schneiderballen, Fersensporn – diese Woche scheint die Woche der Fußerkrankungen in Schöfweg zu sein. Ich sehe Patient*innen mit den genannten Krankheiten, außerdem einen Patienten mit ausgeprägtem Nagelpilz an sämtlichen Zehen- und Fingernägeln. Da letzterer den lästigen Pilz gerne loswerden möchte und zu einer langwierigen Therapie bereit ist, verschreiben wir ihm Bifonazol-haltigen Nagellack, den er 1-2 mal wöchentlich auf die betroffenen Nägel auftragen soll, sowie eine Tablette gegen Pilze (Terbinafin), das er täglich einnehmen muss. Leider ist Nagelpilz nämlich sehr hartnäckig: In der Regel reicht keine lokale Therapie mit antimykotischen Cremes aus, sondern sie muss durch die mehrwöchige bis mehrmonatige Einnahme von Tabletten ergänzt werden. Auch dann bleiben langfristig leider nur 8 von 10 Patient*innen frei von den Nagelveränderungen. Zum Glück sind sie nicht gefährlich…

In der Montagsbesprechung kümmern wir uns dieses Mal um das Thema „Erhöhte Leberwerte“. In welchen Fällen können wir erhöhte Transaminasen, gGT oder Bilirubin einfach kontrollieren? Und wann müssen wir der Sache nachgehen und nach Noxen wie Alkohol, Fettleber, Hämochromatose oder Virushepatitiden als Ursprung der erhöhten Leberwerte forschen? Welche Lebererkrankungen sehen wir eher häufig, welche eher selten in der Hausarztpraxis?  Das Thema ist sehr spannend, leider aber auch kompliziert: Ich nehme es zum Anlass, nochmal die Folien zu hepatologischen Erkrankungen aus meinen Innere-Vorlesungen durchzugehen. Tatsächlich sehe ich am Freitag in Auerbach einen Patienten, bei dem Dr. Kalmancai aufgrund erhöhter Leberwerte und eines deutlich erhöhten Ferritinspiegels (fast um das 3-fache über dem Normwert) die Verdachtsdiagnose einer Hämochromatose, einer Eisenspeicherkrankheit, gestellt hat. Die endgültige Labordiagnostik steht noch aus, allerdings habe ich die Gelegenheit, eine Ultraschalluntersuchung seiner Leber durchzuführen. Bei Pat. mit Hämochromatose erwartet man ein verdichtetes Leberparenchym und rarefizierte Lebervenen – tatsächlich ist beides bei ihm erkennbar, allerdings auch Anzeichen einer Fettleber: daher lässt sich nicht abschließend beurteilen, welche Veränderungen wohl auf die Einlagerung vermehrten Fettgewebes und welche auf die Eisenüberladung zurückzuführen sind.

In der Notarztschicht treffen wir diese Woche auf eine ältere Dame mit akuter Gastrointestinalblutung. Das kann prinzipiell sehr gefährlich werden, weil manche Menschen so viel Blut verlieren, dass sie kreislaufinstabil werden. Zum Glück ist dies bei unserer Patientin nicht der Fall: Sie ist ansprechbar, Blutdruck sowie Herzfrequenz sind im normalen Bereich, sodass wir sie mit etwas Volumengabe zur Überwachung und weiteren Behandlung in die nächstgelegene Klinik bringen können. Dennoch tut sie mir sehr leid: Sie ist seit 2 Wochen auf Kurzzeitpflege im Seniorenheim und muss jetzt schon wieder den Aufenthaltsort wechseln. Ich fürchte, dass dies für ihre Orientierung und ihr Wohlbefinden eher abträglich ist…

Neben der Arbeit in der Praxis und auf der Wache versuche ich diese Woche noch möglichst viel von der Natur in der Umgebung mitzubekommen: Es ist meine vorletzte Woche im Bayerischen Wald und ich habe keine Ahnung, wann ich wieder hierher kommen werde.

 

Woche 16: 30.8. - 5.9.2021

Herzrhythmusstörungen, unerklärliche nächtliche Unterarmschmerzen, letzte Spaziergänge an liebgewonnenen Orten und Abschiede von verschiedenen Menschen – meine letzte Woche im Bayerischen Wald gestaltete sich persönlich wie fachlich sehr vielfältig.

In der Sprechstunde bereitet uns ein junger Mann viel Kopfzerbrechen, der seit ca. einem Jahr an nächtlichen Schmerzen des rechten Unterarms leidet. Er berichtet uns, dass er nachts immer wieder davon aufwache, dass seine Unterarmmuskulatur sich „komisch“ anfühle, so, als sei sie verkürzt. Wenn er morgens aufstehe, brauche er erst einige Minuten, bis er Ellbogen-, Hand- und Fingergelenke vollständig durchstrecken könne. Tagsüber habe er keine Probleme. Auch könne er keine Abhängigkeit der Beschwerden von körperlicher Belastung feststellen. Eben jener Patient stellte sich bereits ganz zu Beginn meiner Zeit hier in der Praxis vor. Damals veranlassten wir eine neurologische sowie eine orthopädische Abklärung, auch eine Bildgebung der Weichteilgewebe erfolgte. Bislang leider ohne bahnbrechenden Erfolg. Mithilfe der anderen Ärzt*innen sammle ich in der Fallbesprechung einige Ideen, was wir zur weiteren Diagnostik und probatorischen Therapie des Patienten tun können: Wir einigen uns auf eine Labordiagnostik, um verschiedenen organische Erkrankungen auszuschließen, eine Zweitmeinung beim Orthopäden sowie eine probatorische Therapie mit Cortison über 5 Tage. Auch über eine rheumatologische Abklärung im Verlauf denken wir nach. Ich wünsche dem Patienten, dass wir noch eine Lösung für seine Beschwerden finden, unter denen er sichtlich leidet, und bin gespannt, was sich am Ende als Ursache herausstellen wird…

Nachdem ich in den letzten Wochen vorwiegend Normalbefunde im EKG gesehen habe, sehe ich diese Woche erstaunlich viele Blockbilder: Vom AV-Block bis °IIb über kompletten Rechts- und Linksschenkelblock ist alles dabei. Glücklicherweise geht es unseren Patient*innen damit erstaunlich gut, sodass wir sie nach Rücksprache mit unserem Internisten Roman Machac erstmal nach Hause schicken können und eine zeitnahe kardiologische Diagnostik angestrebt wird.

Persönlich ist die Woche nicht ganz einfach für mich: Nachdem ich mich vergangene Woche bereits von den Mitarbeitern auf der Wache verabschiedet habe, muss ich nun diese Woche von den MFAs, Azubis und Ärzt*innen der verschiedenen Praxen Abschied nehmen. Nach 16 Wochen im Bayerischen Wald und einer teils sehr intensiven Zusammenarbeit fällt mir das nicht ganz leicht. Einige davon sind mir über die Zeit sehr ans Herz gewachsen. Dennoch: Ich freue mich auch auf die kommende Zeit im Schwarzwald und darauf, meine Studienfreunde wieder häufiger sehen zu können.

 

Ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle nochmal an alle Mitarbeiter*innen der Praxis, die dafür gesorgt haben, dass meine Zeit hier so schön und abwechslungsreich war :-)! Ihr wart klasse und ich hoffe, ihr werdet mit den künftigen PJ-lerinnen auch eine gute Zeit haben :-).

 

Sofia Quaderer

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 16

Woche 1: 08.03.-14.03.2021

Meine Zeit in Kirchberg beginnt mit der Fahrt in Richtung Bayerischer Wald und der Abendsonne im Rücken. Die Sonne ist schon fast untergegangen, als ich den letzten, steilen Anstieg zu dem Haus zurücklege, in dem ich die nächsten 4 Monate wohnen werde. Freundlich werde ich von Jonas, einem anderen PJ-ler der nun schon fast 3 Monate hier ist, in Empfang genommen. Am Abend habe ich Zeit, mich in der sehr gemütlichen Wohnung einzurichten und den schönen Ausblick über Kirchberg zu genießen.

Am ersten Tag treffe ich mich mit Svenja, einer jungen Assistenzärztin, in der Praxis in Schöfweg. Nach einer kurzen Praxisführung darf ich mich zunächst an Susanne, eine weitere Ärztin, hängen und sie im Praxisalltag und bei ihren Hausbesuchen begleiten. Im weiteren Verlauf der Woche bekomme ich die Möglichkeit, die komplett neu eingerichtete Praxis in Kirchberg, sowie die Praxis in Lalling, kennenzulernen. Zusätzlich zu der Arbeit an den Patienten finden dabei immer wieder Besprechungen statt, welche zum Teil auch praxisübergreifend per Webmeeting durchgeführt werden. Interessant war außerdem auch die Teilnahme an einem Journal Club, in dem aktuelle Erkenntnisse zu verschiedenen Forschungsthemen und Krankheitsbildern diskutiert werden.  

Die erste Woche verging sehr schnell. Ich habe schon so viele neue Eindrücke sammeln können, dass ich das Gefühl habe, ich wäre schon viel länger da. Besonders gut hat mir gefallen, wie offen ich vom gesamten Team empfangen wurde und wie ernst man mich genommen hat. Von meinem 1. Tertial in der Klinik kenne ich es, dass man als PJ-ler oft „hinten runter“ fällt - schön, es nun so anders zu erleben!

Die Woche endet mit einem Samstagsworkshop zu dem Thema „Chronische Erkrankungen“, der für die Famulanten des gerade stattfindenden „Exzellenten Winters“ angeboten wird und auch für PJ-ler offen war. Eine super Wiederholung für mich!

Woche 2: 15.-21.3.2021

Meine zweite Woche startete in der Praxis in Kirchberg. Diese Woche hatte ich mein „Willkommens-Gespräch“ mit Sara, die selbst ehemalige PJ-lerin bei Wolfgang ist und mir viele Tipps für die Gestaltung meines Curriculums gab. Die Idee hinter dem Curriculum ist, sich für jede Woche Lernziele vorzunehmen und das Gelernte nach Möglichkeit direkt in der Praxis anzuwenden. Die strukturierte Festlegung eines Lernplans finde ich sehr sinnvoll, denn momentan denke ich mir noch bei jedem zweiten Fall: „Oh, das könnt ich mir vornehmen…oder zuerst das…oder das?“.

Sehr motivierend war auch der praxisinterne Online-Journal-Club am Mittwoch, aus dem man auch trotz geringer Berufserfahrung wirklich viel über neue Erkenntnisse mitnehmen kann. So stellte Svenja zum Beispiel eine Studie über die Lebertoxizität von Metamizol vor, was im Klinik- und Hausarztbereich durchaus häufig verschrieben wird. In der anschließenden Diskussion kamen die Ärzte zu dem Schluss, dass die Indikation noch kritischer geprüft werden sollte und zunächst andere Schmerzmedikamente in Erwägung gezogen werden müssen. Schön ist auch, dass bei den Online-Meetings oft ehemalige oder zukünftige Mitarbeiter teilnehmen und jeder der Ärzte einen anderen Hintergrund hat. Das macht den Austausch sehr interessant.

Außerdem durfte ich diese Woche in der Praxis schon viel „vorarbeiten“: Oft bin ich dabei bereits vor dem Arzt zu den Patienten, habe mit der Anamnese und evtl. der Untersuchung begonnen und durfte den Patienten dann dem Arzt vorstellen. Gerade durch diese (Selbst)-Überprüfung, was der Arzt in dieser Situation fragen, untersuchen oder machen würde, ist das ein sehr guter Weg, um viel dazu zu lernen. Ein „großes Lob“ geht an dieser Stelle an die Patienten, die so offen und geduldig mit uns Studierenden sind!

Woche 3: 22.03.-28.03.2021

Die vergangene Woche hielt gleich zu Beginn einen Aspekt der Allgemeinmedizin bereit, der mich begeistert: das „Heilen mit Worten“. Auch wenn hier der Begriff „Heilen“ natürlich zu hoch gegriffen ist, wurde mir wieder einmal gezeigt, welches Potential die richtige Gesprächsführung hat.  In diesem Fall kam eine junge Patientin, die um Unterstützung bei der Gewichtsabnahme bat. Mir kamen zu Beginn die klassischen Vorschläge in den Kopf: viel Bewegung, gesunde Ernährung, keine Zwischenmahlzeiten…Sarah startete das Gespräch aber komplett anders: sie nahm sich überwiegend zurück und versuchte, die Patientin selbst überlegen zu lassen, warum sie denn abnehmen wolle, welcher dieser Gründe für sie der wichtigste sei und wie sie das umsetzen könne. Ich hatte währenddessen den Eindruck, als könnten diese Überlegungen der Patientin tatsächlich helfen, ihre eigenen Ressourcen zu mobilisieren. Danach erzählte mir Sarah, sie habe ein Konzept angewendet, dass sich „change talks“ nenne: Es ginge bei dem Wunsch nach einer Verhaltensänderung vor allem darum, dass derjenige über die gewünschte Änderung rede und diese immer wieder im Kopf erlebe. Dies würde laut Studien am besten zum tatsächlichen Erreichen der Ziele führen.

Thematisch hatte ich mir für diese Woche laut meinem Curriculum orthopädische Untersuchungen vorgenommen. Da unspezifischer Rückenschmerz ein sehr häufiger Beratungsanlass ist, bekam ich auch gleich die Möglichkeit, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Es war sehr motivierend, den Patienten eigenständig untersuchen und bezüglich des weiteren Vorgehens beraten zu können, und noch motivierender, von den Ärzten zu hören: „Ja genau, das würde ich auch so machen!“

Gegen Ende der Woche hielt-zumindest vorerst-der Frühling Einzug. Auch wenn der leichte Schneefall, den es hier in den letzten Wochen immer wieder gab, sehr schön war, genieße ich die Sonne und die länger werdenden Tage. Nach Feierabend kann man nun noch eine Runde im naheliegenden Wald drehen und entspannt die letzten Sonnenstrahlen auf dem Kirchberg genießen.

Woche 4: 29.03.-04.04.2021

Meine vierte Woche war wegen dem beginnenden Osterwochenende sehr kurz.

Am Dienstag hatte ich die Gelegenheit, mit Susanne im Impfzentrum in Grafenau zu arbeiten. Ich habe bereits in Regensburg im Impfzentrum mitgeholfen und fand es sehr interessant zu sehen, wie es in anderen Impfzentren abläuft. Das Schöne am Impfen ist, seinen Teil zur Pandemiebekämpfung beitragen zu können – und zudem oft auch die Freude der Patienten zu sehen, nun endlich an der Reihe zu sein.

Die vergangenen zwei Wochen habe ich wieder einmal gemerkt, wie unglaublich abwechslungsreich Allgemeinmedizin sein kann. Von dermatologischen Befunden, kleineren Verletzungen und orthopädischen Fällen über internistische Probleme bis hin zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen - man weiß nie, was an einem Tag so auf einen zukommt. Mir kommt es dadurch manchmal ein bisschen wie bei einer Art Überraschungspaket vor - in jedem Behandlungszimmer wartet ein Mensch mit einem Anliegen, das im Grunde alles sein kann.

Die letzten Tage habe ich sehr von der längeren Mittagspause profitiert. Meistens nutze ich diese Zeit, um etwas zu erledigen oder ein Thema aus meinem Curriculum zu erarbeiten -diese Woche habe ich stattdessen oft das sonnige Wetter ausgenutzt und war in der Natur unterwegs. Einer der vielen Vorteile eines PJ´s im Bayerischen Wald!

Zum Abschluss dieser Woche gab es am Gründonnerstag ein gemeinsames Essen mit allen Mitarbeitern. Bedingt durch Corona fand das ganze online statt-dank zuvor verteilter leckerer Essenspakete mit regionalen Spezialitäten und viel guter Laune von allen Seiten war es nichtsdestotrotz ein sehr unterhaltsamer Abend.

Woche 5: 05.04.-11.04.2021

Der Tag nach dem langen Osterwochenende begann-wie zu erwarten <s>-</s>mit einem großen Ansturm auf die Praxis. Während die Ärzte sich bemühten, möglichst zügig voran zu kommen, kümmerte ich mich um eine mir zugeteilte Aufgabe: einen kurzfristigen Termin bei einem Dermatologen zu vereinbaren. In der Woche zuvor hatte sich eine sehr aufgelöste Patientin mit einem fast vollständigen Haarverlust vorgestellt. Vom Befund her sah es wie eine mögliche Tinea capitis aus, einer Infektion der Kopfhaut. Das Ungewöhnliche war aber, dass das Ganze in einem Zeitraum von wenigen Tagen geschah. Um eine gefährlichere Ursache auszuschließen, sollte dies auf jeden Fall dermatologisch nochmals abklärt werden, was um die Feiertage herum ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Das brachte mich ins Grübeln: Oft haben Fachärzte nicht innerhalb von Tagen einen Termin frei. Dies ist dann etwas, was auch in die allgemeinärztliche Entscheidungsfindung mit einfließen muss: Ist es so akut, dass es innerhalb weniger Tage fachärztlich beurteil werden muss? Was sind die Alternativen, falls keine kurzfristige Abklärung möglich ist? Starte ich schon eine Therapie? Hat der Patient einen großen Leidensdruck und was kann ich dagegen tun? Auf Grund der schwierigen Terminfindung haben wir in diesem Fall noch einmal Rücksprache mit der Patientin gehalten. Das Ergebnis war, dass es ihr nun es schon deutlich besser gehe, sie wirkte fröhlich und könne bis nächste Woche auf ihren Termin warten.

Eindrücklich war auch der Fall eines jungen Patienten, der mit Unterbauchschmerzen kam. Bei der körperlichen Untersuchung testete ich wie immer standardmäßig auf Appendizits, und der Patient hatte tatsächlich kontralateralen Loslass-Schmerz. In so vielen Seminaren und Büchern lernt man über die verschiedenen klinischen Tests für bestimmte Krankheitsbilder, aber das so zu sehen war für mich ein kleiner Aha-Moment. Roman, einer der Ärzte und Sono-Profi, untersuchte ihn sofort sonographisch und konnte bei lehrbuchmäßiger Bildgebung die Diagnose Appendizitis stellen.

Eines der Themen, die ich mir für diese Woche vorgenommen hatte, war die Sonographie des Abdomens, wozu ich auch oft Gelegenheit bekam. Ich konnte für mich schon einige Fortschritte feststellen, auch wenn es noch einiges an Übung braucht. Faszinierend ist in dieser Hinsicht für mich die Arbeit von Roman. Aus den ersten Studentenkursen zum Beginn des Medizinstudiums hatten sich bei mir bestimmte Dinge im Kopf festgesetzt. Eines davon ist zum Beispiel, dass ein Darm schlecht zu schallen sei. Während ich Roman beim gekonnten Darm-Schallen über die Schulter schaute, musste ich innerlich schmunzeln und an den Spruch denken: Jeder sagte das geht nicht, doch einer wusste das nicht und hat es einfach gemacht!

 

Woche 6: 12.04.-18.04.2021

Gleich am Montag der 6. Woche gab es für mich eine Premiere: Zusammen mit Wolfgang war ich Teil einer Gutachter Gruppe zur Akkreditierung eines neuen Studiengangs der Hochschule Deggendorf. Per Online-Meeting wurde uns das Konzept vorgestellt, nach unserer Meinung gefragt und diskutiert. Es war eine interessante Erfahrung, zu der ich sonst mit Sicherheit auch nicht so schnell gekommen wäre.

Den weiteren Teil der Woche verbrachte ich erstmalig in Auerbach. Auerbach ist eine nette kleine Praxis, in der vor allem Anton Kalmancai, einer der Ärzte mit chirurgischem Hintergrund, tätig ist. Anton schafft es sehr gut, den Patienten anzuhören und ihn in Ruhe ausreden zu lassen und gleichzeitig zügig zu arbeiten. Dank dieser effektiven Arbeitsweise bleibt zwischendrin immer wieder mal Zeit für einen der zahlreichen Spezialtees, die Anton täglich in seiner größten Thermoskanne dabeihat und von denen er gern probieren lässt. Im Kopf geblieben ist mir von dieser Woche auch der Nachmittag bei Dr. Bernecker, der mittwochs immer in der Praxis in Rinchnach anzutreffen ist. Dr. Bernecker ist weitestgehend im Ruhestand, betreut aber weiterhin noch seine Patienten und geht seinem Steckenpferd, der Chiropraktik und der Homöopathie, nach. Mit seiner freundlichen und ruhigen Art hat er sofort für eine angenehme Stimmung im Raum gesorgt und es war unglaublich entspannend, ihm zuzuhören.  

Insgesamt war es in den letzten Wochen sehr interessant, zu sehen, wie sehr sich die einzelnen Praxen und vor allem die Arbeitsweise der einzelnen Ärzte unterscheiden. Das gibt mir die Möglichkeit, zu beobachten und zu überlegen, was ich für mich übernehmen möchte und welche Art zu arbeiten am besten zu mir passt.

Nach den letzten Tagen mit einem erneuten kleinen Wintereinbruch habe ich gemerkt, dass ich etwas erschöpft bin und die warme Sonne herbeisehne. Am Freitag geht es deswegen ins verdiente Wochenende und hoffentlich endlich dem Sommer entgegen!

Woche 7: 19.04.-25.04.2021

Im Rahmen des Tertials ist es möglich, auch einzelne Tage bei anderen Ärzten zu hospitieren, um in verschiedene Fachrichtungen reinzuschnuppern und weitere Ärzte kennenzulernen. In dem Zusammenhang wurde mir Dr. Egid Werner, der Internist und Psychotherapeut in Regen ist, wärmstens empfohlen. Kurzfristig und unkompliziert durfte ich einen angenehmen Montag bei ihm verbringen und habe viele Eindrücke vom Alltag eines niedergelassenen Internisten hier in der Region gesammelt.

Ab Dienstag war ich dann in der Gemeinschaftspraxis in Lalling, in der von ärztlicher Seite her hauptsächlich Dora Takacs tätig ist. Dora hat eine sehr herzliche und fürsorgliche Art, die mir die Tage in der neuen Praxis sehr leicht gemacht hat.

Diese Woche wurde ich immer wieder mit mir selbst und meiner Reaktion auf bestimmte Dinge konfrontiert. Als (angehende/r) Ärzt/-in schlüpft man in gewisser Weise in eine Rolle und versucht, Persönliches wegzuschieben und sich voll auf den Patienten zu konzentrieren. In manchen Situationen ist das nicht so leicht: fast jeder hat irgendetwas, was ihn beim Gegenüber schnell auf die Palme bringen kann. Ich finde es sehr interessant, bei mir selbst zu bemerken, wie ich auf eine bestimmte Situation innerlich gereizt reagiere, und dann in mich hinein zu horchen: was macht mich denn daran gerade wütend? Und vor allem: wie gehe ich damit um? Habe ich aufgrund meiner persönlichen Beteiligung etwas Wichtiges übersehen? Dieses „Auf sich hören“ ist auch dann sehr wichtig, wenn man selbst gerade nicht mehr so kann: zum Beispiel, wenn am Ende eines langen Tages ein Patient mit Kopfschmerzen kommt und man am liebsten sofort sagen möchte: Es ist nichts Gefährliches, gehen Sie heim. Gerade dann ist es wichtig, die eigene Ungeduld zu bemerken - und den Patienten erst recht in Ruhe anzuschauen.

Neben meiner Wohnung gibt es im gleichen Haus noch eine Wohnung für 2 weitere Studenten. Vor ein bzw. zwei Wochen sind dort 2 Famulantinnen eingezogen-bis auf eine Woche waren somit ständig andere Studenten hier. Das ist vor allem in Zeiten von Corona eine tolle Abwechslung, da man trotz eingeschränkter Freizeit- und Kontaktmöglichkeiten gleiche nette Leute kennenlernt mit denen man abends kochen oder sich zwischendrin unterhalten kann. 

 

Woche 8: 26.04.-02.05.2021

Die vergangene Woche war sehr ereignisreich, da ich gleich in 3 verschiedenen Praxen war. Den größten Teil der Woche verbrachte ich bei Petra in Rinchnach. Nachmittags war ich einige Male in Kirchberg, und am Freitag nahm Wolfgang mich in die Praxis nach Grafenau mit. Hier zeigte sich mal wieder der Vorteil des großen Ärzteteams: die Jüngeren arbeiten oft sehr strukturiert und arbeiten systematisch die in Frage kommenden Krankheitsbilder und AGV´s mithilfe von Scores und Schemata ab. Diejenigen mit jahrelanger Berufserfahrung können sich dagegen mehr auf ihr „Bauchgefühl“ verlassen. Für mich ist es interessant, beides mitzuerleben: das systematische Abarbeiten, um es selbst anzuwenden, und das Bauchgefühl, um ein Gespür für Situationen zu bekommen.

Bei einigen Beratungsanlässen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, fühle ich mich nun schon relativ sicher und weiß, worauf ich achten muss und wie die Therapie ausschauen kann. Dann gibt es wieder Fälle, bei denen ich noch komplett hilflos bin und nicht weiß, wo ich es einordnen soll. So zum Beispiel eine unspezifische Schwellung im Gesicht, ein roter Fleck am Zeigefinger oder ein Zeh, der sich immer über den großen schiebt und Probleme macht - ein Sammelsurium, wie man es vermutlich nur beim Hausarzt findet. Bei manchen Fällen meine ich, sie schon richtig beurteilen zu können und liege dann doch falsch - es gibt noch viel zu lernen.

Eine Aufgabe die momentan alle Praxen beschäftigt ist das Impfen. Die Teams sind sehr motiviert, möglichst viele Patienten dran zu nehmen und ihnen somit einen Schutz zu geben. Dennoch ist es eine sehr große Belastung, diese Menge an Impfungen neben dem Praxisalltag unterzubringen. Zudem haben viele Patienten Fragen und Bedenken wegen der Impfung oder einzelnen Impfstoffen, was für Ärzte und MTA´s mit einem großen Zeitaufwand verbunden ist.

Am Samstag fand dann noch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem BRK in der Schule in Kirchberg eine großangelegte Impfaktion statt. Dank guter Planung konnten wir die Anwesenden zügig durchimpfen und wurden vom Bürgermeister mit einer Brotzeit für den Weg ins Wochenende entlassen.

Woche 9: 03.05.-09.05.2021

Auch diese Woche war ich viel in den unterschiedlichen Praxen unterwegs. Die ersten Tage nahm Wolfgang mich in die Praxis nach Grafenau. Bevor man hier ein PJ anfängt, kommt man in der Regel einen Tag zum Schnuppern vorbei. Ich war damals in der Praxis in Grafenau - noch mitten im Studium, gespannt und aufgeregt. Ein Jahr später stand ich wieder in den gleichen Räumen, es fühlte sich nun aber ganz anders an. Mir wurde bewusst, wie viel ich im letzten Jahr und vor allem in der Zeit hier bereits gelernt habe und welche Sprünge ich fachlich, aber auch persönlich gemacht habe. Ich fühle mich nun im Auftreten schon deutlich sicherer und kann das auch nach außen tragen.

Diese Woche fanden auch einige sehr interessante Fortbildungen statt. Direkt am Montag wurde im Praxisteam Hyperkalzämien besprochen und mein M2-Wissen herausgefordert. Für den Mittwoch hatte Wolfgang einen Vortrag bzw. eine Diskussionsrunde zur palliativen Versorgung organisiert. Dank dem großen Erfahrungsschatz der Vortragenden, Claudia Levin, war das Ganze eine sehr interaktive und lebendige Runde, die einem das Thema medizinisch und menschlich nähergebracht hat. Am Abend fand wieder der bayernweite Journal Club statt, bei dem einige sehr interessante Punkte besprochen wurden. Am meisten im Kopf blieb mir eine Studie zum Nachtschweiß als Symptom einer Krebserkrankung. Wir waren uns darin einig, dies im Zusammenhang mit Fieber und Gewichtsverlust im Studium immer wieder als Warnsignal eingetrichtert bekommen zu haben - allerdings konnte keiner genau sagen, wie aussagekräftig Nachtschweiß als Symptom eigentlich war, und in welcher Stärke und Häufigkeit er eigentlich auftreten müsse. Trotzdem fragen ein großer Teil der Ärzte regelmäßig danach. Laut der vorgestellten Studie sei Nachtschweiß allein kein aussagekräftiges Symptom. Der allgemeine Konsens in der Runde war zudem, dass gerade im hausärztlichen Bereich überhaupt nicht quantifizierbar ist, was der einzelne Patient als Nachtschweiß versteht - und man sich diese Frage in Zukunft in vielen Fällen auch sparen kann. 

Woche 10: 10.05.-14.05.2021

Diese Woche verbrachte ich in Lalling. Bei einige Patienten, die mehrfach zur Kontrolle kamen, konnte ich so den Verlauf mit verfolgen.  Die erste Patientin war einer ältere Dame, die am Wochenende aufgrund einer Phlegmone am Unterarm in der Notaufnahme war. Da sie nicht stationär bleiben wollte, wurde sie mit antibiotischer Therapie entlassen und zur weiteren Kontrolle zum Hausarzt geschickt. Während die ursprüngliche Rötung zurück ging, kam nach einigen Tagen eine weitere Schwellung am Unterarm hinzu, die wir mit etwas Sorgen regelmäßig begutachteten. Gerade in Zeiten von Corona überlegt man sich sowohl als niedergelassener Arzt als auch als Patient sehr gut, ob ein KH-Aufenthalt wirklich nötig ist. In diesem Fall schien das Antibiotikum schließlich doch anzuschlagen, und die Entzündung ging langsam zurück.

Der zweite Fall war ein Patient, der sich mit Divertikulitis-typischen Beschwerden vorstellte. Die Leitlinie schlägt vor, bei mildem Verlauf von einer AB-Therapie zunächst abzusehen und den Verlauf engmaschig zu kontrollieren. Dies bedeutete, dass der Patient sich bei zunächst deutlich erhöhtem CRP und Leukozytenerhöhung jeden zweiten Tag vorstellte, um den klinischen Verlauf sowie die Blutwerte zu beobachten. Auch in diesem Fall zeigte sich eine deutliche Verbesserung nach einigen Tagen.

Nun habe ich schon meine 10. Woche beendet und die Wochen, die ich noch hier bin, sind schon fast an einer Hand abzählbar. Beim Gedanken daran werde ich wehmütig-die Arbeit hier ist sehr abwechslungsreich und es ist schön, das Team immer besser kennen zu lernen. Es macht richtig Spaß, jeden Tag etwas Neues zu lernen und Fortschritte zu machen. Und natürlich auch das Drumherum, der Bayerische Wald im Sommer und die Nähe zur Natur hier ist ein Traum!

Woche 11: 17.05.-21.05.2021

Diese Woche war die erste Woche mit Martina, der neuen PJ-lerin. Am Montag waren wir zusammen in Kirchberg eingeteilt, und ich konnte ihr die Praxis in Kirchberg und die Abläufe zeigen. Leerlauf zwischendrin nutzten wir, indem wir miteinander Schallen übten.

Am Mittwoch war ich in Grafenau und stellte wieder einmal fest, wie unterschiedlich auch das Patientengut der verschiedenen Praxen ist. Während in den meisten ländlich liegenden Praxen viele Dialekt sprechen, merkt man in Grafenau das Städtische mit einer stärker durchmischten Bevölkerung und vielen Patienten mit Migrationshintergrund. Auch die Patienten selbst und die Wünsche und Anforderungen an die Ärzte unterscheiden sich je nach Praxis-manche Patienten wollen zielgerichtet z.B. ihre AU und werden ungeduldig, wenn man noch weitere Untersuchungen machen will, während andere ein ausführliches Gespräch wollen und es so kennen, dass der Arzt sich immer sehr viel Zeit nimmt. Hier ist es wichtig, dass man sich nicht zu sehr „steuern“ lässt, und vor Augen hat, was notwendige und sinnvolle Medizin ist.

Manche allgemeinmedizinischen Krankheitsbilder muss man einmal gesehen haben, um sie sich einprägen zu können, und vergisst sie dann so schnell nicht mehr. Vor einigen Wochen gab es in Kirchberg einen Patienten mit Schmerzen im Ellenbogen - ich habe schon an etwas Entzündliches gedacht, konnte es aber nicht ganz eindeutig eingrenzen. Letzte Woche kam dann eine Patientin in die Praxis in Grafenau mit ähnlichen Schmerzen und Druckschmerz an genau der gleichen Stelle, und schon wahr für mich die wahrscheinlichste Diagnose klar - Epicondylitis medialis.

Woche 13: 31.5. - 4.6.2021

Nach einer Woche Urlaub kehre ich mit neuem Schwung in die Praxis zurück. Diese Woche war sehr abwechslungsreich: nach 2 kurzweiligen Tagen in Lalling verbrachte ich den Mittwoch bei Dr. Frimmel-Müller, einer Gynäkologin aus Regen. Es war sehr interessant, einen Tag in eine gynäkologische Praxis schnuppern zu dürfen und die Fälle und Herangehensweisen dort zu sehen. Besonders begeistert hat mich der Ultraschall einer Schwangeren, den ich machen durfte: einen ganzen Menschen in Klein schallen zu können (und das auch noch in einem anderen Menschen) hat viel Spaß gemacht! Das Tolle bei dieser Hospitation waren die Impulse, die ich mitbekommen habe. Frau Dr. Frimmel-Müller hat sich sehr viel Zeit für mich genommen und hat mit mir den Fall einer unserer Patientinnen durchgesprochen. Diese leidet unter rezidivierenden Harnwegsinfekten, die auch unter Antibiose nicht vollständig therapiert werden konnten. Eine ihrer ersten Fragen war nach der Intimhygiene der Patientin - etwas, was sich sehr schlüssig anhört, ich aber bei Harnwegsinfekten gedanklich nicht auf dem Schirm hatte.

Den Freitag über schnupperte ich bei Dr. Vrhel in die Hausarztpraxis in Hengersberg, da die Praxis in Zukunft gerne Famulanten aufnehmen möchte. Für Studentenprojekte wie den Exzellenten Winter/Sommer werden immer wieder Praxen gesucht, und viele Hausärzte nehmen auch gern daran teil. Dr. Vrhel und seine Helferinnen haben mich sehr freundlich empfangen und mich sofort in den Praxisablauf mit aufgenommen. Da Dr. Vrhel sonst selten Studierende da hat, konnte ich ihm erzählen wie es meistens abläuft und bekam im Gegenzug die Gelegenheit, eine Hausarztpraxis außerhalb der Bayerwald-Praxen kennenzulernen.

Woche 14: 7.6. - 11.6.2021

Diesen Montag war ich wieder bei einer Hospitation: Christoph Leidl, ein Physiotherapeut hier in Kirchberg, zeigte mir seinen Arbeitsalltag. Das war für mich eine spannende Erfahrung: man hat im Praxisalltag viele indirekte Berührungspunkte mit Physiotherapeuten, und irgendwann hat man dann doch schon eine bestimmte Vorstellung, was so ein Physiotherapeut wohl treibt. Die Realität sah in meinem Fall dann doch etwas anders aus: neben den von mir vermuteten Muskelaufbau-Übungen wurde auf X-verschiedene Arten gedehnt, durchgeknetet, Faszien gelockert, zugehört, Kraft gestärkt und Koordination gefördert…Während für die meisten Ärzte Muskeln noch vage aus dem Anatomieunterricht oder dem OP bekannt sind, hatte ich bei Christoph den Eindruck, er wisse allein vom Hinschauen und Tasten ganz genau welcher kleine Muskel betroffen und welche Übung nun sinnvoll sei.

Der weitere Verlauf der Woche war sehr kurzweilig und interessant. Ich war in Lalling eingeteilt, wo ein kniffeliger Fall den nächsten jagte. Ein besonderer Fall war für mich eine Patientin, bei der ich viel selbstständig machen konnte und gemerkt habe, dass vieles für mich mittlerweile sehr klar ist. Die Patientin kam ursprünglich wegen Hautveränderungen, berichtete dann aber, nachts starke Bauchschmerzen gehabt zu haben. Bei der Untersuchung fiel ein deutlicher Loslasschmerz im Unterbauch beidseits auf-was mich sofort an eine Appendizitis denken ließ. Der durchgeführte Ultraschall war unauffällig. Nun stellte sich die Frage: Krankenhaus oder nicht? Von dem angegebenen Druckschmerz her war es eindeutig, der Allgemeinzustand der Patientin war aber sehr gut. Das Notfalllabor, das wir abgenommen haben, zeigte nicht erhöhte Entzündungswerte-unser Eindruck, man könne noch zuwarten, war also richtig. Ein Anruf am nächsten Tag bestätigte dies-der Patientin ging es schon viel besser.

Woche 15: 14.06 - 18.06.2021

Diese Woche war wieder sehr abwechslungsreich, auch durch die verschiedenen Praxen, in denen ich war. Thematisch war das Hauptziel diese Woche für mich noch einmal Sonographieren. Seit meinem Beginn hier habe ich schon viel gelernt, habe aber diese Woche noch einmal einen großen Sprung machen können. „Schuld“ hieran haben wohl die ungeplanten Teachings, von denen ich die letzten Tage gleich mehrere bekommen habe. Während ich das Abdomen oder die Schilddrüse geschallt habe, hat mir einer von den Ärzten über die Schulter geschaut, mir Tipps gegeben und sehr geduldig meine Fragen beantwortet („Würdest du sagen das ist auch noch Schilddrüsengewebe? Ist das schon inhomogen? Messe ich jetzt von hier oder von hier?...“) Gerade dieses direkte Feedback war zum Lernen oder für mich zum noch einmal Absichern natürlich ideal! In dem Zusammenhang ist mir erneut sehr bewusst geworden, wie verrückt es ist, dass sich ein Arzt mit langjähriger Berufserfahrung so viel Zeit nimmt und auch nehmen kann.

Diese Woche war von den zwei jungen Assistenzärztinnen, Sarah und Svenja, die letzte Woche. Die beiden waren während meiner Zeit hier hauptsächlich für mich zuständig und haben für mich von Anfang an zur Praxis gehört. Umso trauriger ist es natürlich, dass ihr Weiterbildungsjahr hier vorbei ist! Zum Abschied gab es ein sehr schönes Essen mit dem Ärzteteam im Biergarten in Schöfweg. Nach der langen Zeit im Lockdown war es nun umso schöner, wieder tatsächlich zusammen sitzen zu können!

Morgen starte ich mit gemischten Gefühlen in meine letzte Woche. Zwar freue ich mich auf meine Heimatstadt, werde aber das Team und die Arbeit hier sehr vermissen!

Woche 16: 21.6. - 25.6.2021

Meine letzte Woche war durch die ganzen Abschiede und letzten Male sehr besonders. Ich habe noch einmal Zeit in Kirchberg, Schöfweg und Lalling verbracht und mich dort verabschieden können. Die letzten Monate sind schnell vergangen und ich bin erstaunt, dass dieses Tertial schon vorbei sein soll. Gleichzeitig ist mir auch noch einmal bewusst geworden, wie viel sich für mich in den vier Monaten verändert hat und was ich gelernt habe. Am Anfang ist es mir oft noch schwergefallen, den Patienten gegenüber selbstbewusst aufzutreten und Struktur in Anamnese und Untersuchung zu bringen. Auch konnte ich es oft noch nicht so richtig einschätzen, was der Patient haben könnte und wie man am Besten reagieren sollte. Gegen Ende hatte ich für viele Symptome ein Schema im Kopf, das ich abarbeiten konnte, und kannte mögliche Therapieansätze. Schön war es auch zu merken, dass oft schon eine Art von „Bauchgefühl“ für die Patienten hatte, bei denen ich am Anfang vermutlich noch sehr geschwommen wäre. Auch praktisch habe ich viel erlernt und kenne viele neue Untersuchungstechniken für sämtliche Bereiche. Der Vorteil der Allgemeinmedizin für Lernende ist die Vielfalt an Symptomen der Patienten, dadurch habe ich neben den „Klassikern“, wie Herz abhören und Bauch abtasten, beispielsweise auch Sprunggelenke untersucht, Abszesse kontrolliert, Trommelfelle angeschaut und Hautveränderungen inspiziert. Ich habe das Gefühl, durch meine Zeit hier eine sehr gute Basis für sämtliche medizinische Bereiche bekommen zu haben.

Insgesamt kann ich sagen, dass mir die Zeit hier sehr gutgetan hat und ich viel Freude an der Arbeit hatte. Gerade durch die tollen Kollegen, die einen so motivieren und bestärken, habe ich viel Motivation für die weitere Ausbildung und mein kommendes Tertial sammeln können. Und der Bayerische Wald mit seiner schönen Natur und der Landschaft war da noch das I-Tüpfelchen! Ich würde es jederzeit wieder so machen.

 

Jonas Klemperer

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11

Ich erreiche Kirchberg im Wald am Sonntagabend vor dem Tertial-Start. Auf dem Weg hole ich noch eine Mit-PJlerin ab, die bereits einige Wochen in Kirchberg im Wald ist. Die Wohnung, die ich beziehen darf, ist eine 2er-WG, 2 Zimmer mit je einem Doppelbett. Es gibt eine Küche mit einem großen Kühl- und Gefrierschrank und einen Herd mit Ofen. Pfannen, Töpfe, Geschirr und Besteck sind reichlich vorhanden. Das Bad hat neben der Toilette und Dusche auch eine Badewanne und eine Waschmaschine. Und um sich außerhalb des eigenen Zimmers aufzuhalten gibt es auch ein großes, helles Wohnzimmer mit Esstisch und einer Sofa-Ecke.

Mein erster Tag beginnt in der Praxis Schöfweg. Der Weg, ca. 15-20min mit dem Auto, geht über enge Straßen, durch kleine Dörfer und verschneite Wälder.
In der Praxis begrüßt mich freundlich das Team der MFAs und die beiden Ärztinnen. Ich bekomme eine kleine Tour durch die Praxis. Die Praxis ist gut ausgerüstet, vom Ultraschallgerät über EKG, einem kleinen Labor für Blutentnahmen bis zu einem Infusionszimmer.

Ich werde von beiden Ärztinnen sofort in die ersten Sprechstundentermine mitgenommen, um anzukommen und mir ein Bild machen zu können, wie die Termine aussehen und was die Abläufe in der Praxis sind. Gegen Mittag findet eine Video-Konferenz statt. Die Konferenzen wurden bereits Prä-Corona in dem Praxisnetzwerk etabliert und finden fast täglich statt mit unterschiedlichen Zielen – mal sind es Fortbildungen, mal Fallvorstellungen, in denen die ÄrztInnen Fälle besprechen können, bei denen sie nach Rat suchen. Heute ist es eine Besprechung des Themas Juckreiz. Als erstes wird besprochen, wie Patienten das Problem ansprechen könnten („Was sagen PatientInnen?“). Dann sprechen wir über abwendbar gefährliche Verläufe und danach werden Ursachen und Therapie strukturiert durchgearbeitet. Die Sprecher-Reihenfolge ist wie folgt gedacht: Studierende -> ÄrztInnen in Weiterbildung -> FachärztInnen. Ich merke sofort, dass hier jeder dazu ermutigt wird, teilzunehmen. Im Wochentakt werden so Symptome oder Krankheitsbilder durchgesprochen.

Am Freitagabend, kurz vor Praxisschluss kommt ein einprägsamer Fall: Eine Patientin mit Kreuzschmerzen. Aufgrund der Schmerzen fällt es ihr schwer, noch in das Behandlungszimmer zu laufen. Bei mir läuten die Alarmglocken. Nachdem ich die Anamnese und Untersuchung machte, ging die Ärztin mit mir und der Patientin noch einmal zusammen die Red Flags und abwendbar gefährlichen Verläufe durch. Es stellt sich raus, dass der Schmerz stark ist und Behandlung braucht – die Behandlung aber auch erst einmal ambulant erfolgen kann und eine Bildgebung uns zu dem Zeitpunkt trotz der starken Schmerzen erst einmal nicht weiterbringen würde.

Mein Fazit nach der ersten Woche im Bayerischen Wald: Ich bin sehr glücklich, hier gelandet zu sein. Ich fühle mich seit dem ersten Tag äußerst willkommen und habe das Gefühl, ab der ersten Stunde in der Praxis positive Lernerfahrungen gemacht zu haben.

An einem Feiertag während der ersten Woche konnten meine Mit-PJlerin und ich eine kleine Wanderung auf den verschneiten Lusen machen, die für viele gut machbar sein sollte und ich absolut weiterempfehlen kann.

In meiner zweiten Woche bin ich vormittags in Grafenau, nachmittags in Schöfweg. Die Praxis in Grafenau ist etwas kleiner als die Praxis in Schöfweg. Es gibt zwei Behandlungszimmer und drei weitere Zimmer, ausgestattet mit Ultraschallgerät, EKG und kleinem Labor. Als wäre es so geplant, kommen diese Woche direkt zwei Patienten mit dem Problem „Ausschlag mit Juckreiz“ in die Sprechstunde. Gewappnet mit dem Wissen aus der Fortbildung der letzten Woche traue ich mich strukturierter an das Problem zu gehen und stelle in beiden Fällen fest: Die Ursachenfindung ist oft nicht leicht. Wissend, dass wir die abwendbar gefährlichen Verläufe erst einmal ausschließen konnten, fällt es leichter, die Patienten zu beruhigen und ihnen mit einer symptomatischen Therapie fürs Erste zu helfen.

Das zweite Thema, das ich diese Woche erstmalig miterleben konnte: Eine gut strukturierte Check-Up-Untersuchung. Hier besteht seitens der Praxis der Anspruch, nicht nur schnell die Check-Up-Untersuchung durch zu hasten – Die ÄrztInnen versuchen die Untersuchung auf aktuelle Fragen und Probleme der PatientInnen zu schneidern und die Untersuchung als Hilfsmittel zu nutzen, um die Ärztin-PatientIn-Beziehung zu festigen.

Bei einem Hausbesuch, den ich vor der Mittagspause mitmachen kann, fahren wir zu einer Patientin, die sich zunehmend schwächer fühlt und deshalb sichtlich besorgt ist. Es stellt sich die Frage, ob die Verschlechterung eine Ursache hat, die eine sofortige Vorstellung im Krankenhaus benötigt, oder ob noch Zeit bleibt und wir der Sache erst einmal ambulant auf den Grund gehen können. Die Möglichkeit, Menschen in ihrer häuslichen Umgebung zu sehen hatte ich seit meiner Allgemeinmedizin-Famulatur vor 3 Jahren nicht mehr und ich freue mich, wieder dazu zu kommen.

Eine wichtige Lektion der Woche ist für mich: Was strahle ich meinem Gegenüber aus? Wie ist meine Körperhaltung? Und wie kann sich ein Gespräch ändern, wenn ich darauf achte? In einem Gespräch mit Dr. Blank habe ich hier ein paar Tipps bekommen, die ich versuchen will, in den nächsten Wochen zu beachten.

Meine dritte Woche beginnt mit einer Fahrt über verschneite Straßen. Die Räumfahrzeuge tun ihr Bestes, kommen aber kaum gegen die Schneemassen im Bayerischen Wald an. Diese Woche bin ich in der Praxis Lalling, ca. 15min mit dem Auto von Kirchberg entfernt.

In der Montagsfortbildung geht es um das Thema Kopfschmerz. Gemeinsam stellen wir fest, dass Kopfschmerz in der Hausarztpraxis in den meisten Fällen entweder Spannungs- oder Migränekopfschmerz ist. Wir überlegen mit welchen Fragen wir aber die wenigen Fälle aufgreifen können, die AGVs sind.

Aus der Sprechstunde bleibt mir ein Fall besonders im Kopf: Unklarer Bauchschmerz. Eine Patientin mit plötzlich begonnenen Bauchschmerzen und Blut im Stuhl seit 2 Tagen. Bei der Untersuchung ein Druckschmerz im rechten Unter- und Oberbauch, aber auch in der linken oberen und unteren Bauchhälfte. Eine DRU und Ultraschalluntersuchung fallen unauffällig aus. Gemeinsam mit der Patientin reden wir über die Möglichkeit einer Krankenhauseinweisung und vereinbaren, dass sie sich erneut vorstellt, sollten die Beschwerden stärker werden. Ein Kontrolltermin am nächsten Tag wird fest vereinbart. Beim Termin am nächsten Tag stellt sich heraus, dass die Regelblutung begonnen hat, die auch die Erklärung für das im Stuhl gesehene Blut war.

Meine vierte Woche verbringe ich in meiner neuen (vorübergehenden) Heimat - Kirchberg. Diese Woche habe ich wieder das Glück mit Fr. Moschko zusammenzuarbeiten, die ich bereits in Schöfweg kennen gelernt habe und mit Dr. Machac, der mich auf spielerische Weise immer wieder über verschiedene Themen quizzt. So kann ich diese Woche lernen meine Rückenschmerzanamnese und -untersuchung zu verbessern und – unter Supervision der Ärztin – auch ein Beratungsgespräch zum weiteren Verfahren zu führen. Auch kann ich mein Vorgehen bei der Sprunggelenksuntersuchung verfeinern und mit Hilfe der „Ottawa Ankle Rules“ entscheiden, ob eine weitere Bildgebung notwendig ist, dies zusammen mit dem Patienten besprechen und gemeinsam das weitere Vorgehen festlegen.

Für den Mittwoch-Mittag hat Dr. Blank einen Vortrag über Schwindel von einem Mitautor der DEGAM-Leitlinie zu Akutem Schwindel organisiert. Nach einer kurzen Powerpoint-Präsentation startet eine offene Diskussion. Unter Anderem besprechen wir, dass mit den HINTS-Tests (Head Impulse, Nystagmus, Test of Skew) Schwindel schnell in peripher oder zentral eingeteilt werden kann – drei kurze Untersuchungen für die wir keine zusätzlichen Gerätschaften benötigen.

Am Ende der Woche nutzen meine Mit-PJlerin Stella und ich die ruhige Freitagnachmittagssprechstunde, um uns im Bauchultraschall zu üben. Eine super Gelegenheit, um das bisher Beobachtete in Ruhe selbst zu probieren.

Die ersten beiden Tage dieser Woche bin ich in der Praxis Lalling. Weil ich hier bereits war kenne ich schon einzelne PatientInnen. In den Gesprächen fällt mir auf, dass ich weniger das Gefühl habe, eine Vertrauenssituation aufbauen zu müssen. Ein kleiner Teil der Arbeit ist ja schon im ersten Gespräch passiert. Auch kenne ich schon die Anlässe weshalb die PatientInnen sich beim letzten Mal vorstellten. So steigen die PatientInnen und ich nun gefühlt etwas schneller in das Gespräch ein.

Am Mittwoch lerne ich die Praxis Auerbach kennen, in der Dr. Kalmancai derzeit hauptsächlich tätig ist. Er hat einige Jahre Chirurgie-Erfahrung und ist für das Team stets Ansprechpartner bei Fragen für chirurgische Fälle. In der Praxis Auerbach stehen nicht so viele Zimmer zur Verfügung wie in den anderen Praxen, in denen ich bereits war. Trotzdem habe ich die Chance selbstständig mit einer Patientin zu sprechen, um sie mit ihrem Besuchsanlass kurz danach dem Arzt vorzustellen. Der Anlass: Rückenschmerz mit der Frage nach einer Kortison-Spritze. Dr. Kalmancai spricht mit der Patientin über das Thema Kortisonspritzen bei Rückenschmerzen und gemeinsam kommen sie zu der Entscheidung, ein orales Kortison als Stand-By-Medikament zu probieren und Krankgengymnastik-Termine zu organisieren. Den Rest der Woche bin ich leider aufgrund einer Erkältung aus dem Verkehr gezogen.

Diese Woche arbeite ich in Schöfweg mit Dr. Kleudgen zusammen. Einige Patientinnen sieht sie gerne alleine, um Gespräche zu führen, bei denen die Anwesenheit einer neuen dritten Person nicht unbedingt hilfreich für die Patientin oder den Patienten ist. So bleibt mir zwischen den Gesprächen etwas Zeit, um mir mein PJ-Logbuch vorzuknüpfen, in dem Aufgaben gelistet sind, die hier von den MFAs übernommen werden: Rezepte über Medikamente, Hilfsmittel oder Krankengymnastik und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen. Eine freundliche MFA in der Schöfweger Praxis nimmt mich an die Hand und zeigt mir Schritt für Schritt worauf ich achten muss, welche Stolperfallen es auf den Formularen gibt und woran ich mich für rechtfertigende Diagnosen auf Krankgengymnastik-Rezepten orientieren kann.

Knapp 2 Minuten zu spät erreiche ich am Donnerstagmorgen die Praxis. Im letzten Augenblick treffe ich Fr. Dr. Kleudgen an, die gerade auf dem Sprung ist, um vor der ersten Sprechstunde noch eine Leichenschau zu machen. Wir fahren gemeinsam zum Haus der Tochter, die an dem Morgen ihren älteren Vater verstorben im Bett aufgefunden hatte. Die Tochter, merklich betroffen, öffnet uns die Tür und empfängt uns freundlich. Der Patient war bereits seit Längerem aufgrund seiner Erkrankungen palliativ angebunden. Fr. Dr. Kleudgen geht mit mir durch, worauf ich bei einer Leichenschau achten muss. Im Anschluss führen wir die Leichenschau gemeinsam durch. Danach machen wir uns wieder auf den Weg, um mit dem Tag in der Praxis zu beginnen.

Diese Woche Mittwoch steht wieder eine Fortbildung im GUAD-Netz an. Corinna Schäfer, Leiterin des Ärztlichen Zentrums für Qualität und schon viele Jahre in der Leitlinienarbeit tätig und in dem Feld auch derzeit an vielen Stellen ganz vorne involviert, erzählt uns in einem Vortrag über Leitlinienarbeit. In dem Vortrag gibt sie uns eine Übersicht über Leitlinien und deren Klassifikation. Dazu erfahren wir aus erster Hand, wie Leitliniengruppen zusammengestellt werden und mit welchem Aufwand die Organisation verbunden ist, um beispielsweise in den Gruppen für ausgeglichene Verhältnisse zu sorgen.

In der PraktikantInnenwohnung ist seit Anfang Februar mehr Leben eingezogen. Die Semesterzeit, in der Blockpraktika und Famulaturen anstehen, hat begonnen. Ich genieße es, dass die Praktikantinnen und Praktikanten der Wohnung nun etwas mehr Lebensgeist verleihen. Mit ansteigenden Temperaturen und auftauenden Grünflächen hat sich der Bayerische Wald diese Woche wieder komplett verwandelt. Am Samstag machen wir eine Wanderung durch die noch halb schneebedeckte, weiße und halb grüne Gegend um den Dreisesselberg; Die Woche fühlt sich wie eine Geschmacksprobe des anstehenden Frühlings an. Nach dem Lockdown-Winter besonders befreiend.

Der Montag beginnt mit einer spannenden Diskussion während der Montagsfortbildung über das korrekte Vorgehen bei einer anaphylaktischen Reaktion. Was kommt zuerst? Die Adrenalin-Injektion oder der i.v.-Zugang mit Flüssigkeitsgabe? Adrenalin als i.m. oder i.v.-Injektion? Die Ärztinnen und Ärzte tauschen ihre Erfahrungen aus und gleichen sie mit dem Vorgehen nach der Notfall-Guideline ab.

Am Montagnachmittag steht die zweite Leichenschau des Tertials an. Mit dem Gedanken im Kopf, dass ich bald selbstständig Leichenschauen durchführen muss, schießen mir Fragen in den Kopf wie: Sollten noch vorhandene Katheter gezogen werden? Welche Konsequenz hat es, wenn ich die Todesursache als unklar angebe? Wie lege ich bei der Feststellung der Todesursache die Reihenfolge der unmittelbaren Todesursache und der vorhergehenden Ursachen fest, wie es auf dem bayerischen Totenschein gefragt wird? Bei dem Verstorbenen, dessen Gesundheitsverlauf ich nicht gut kenne, stellt das eine kleiner Herausforderung für mich dar. Wir haben das Glück, dass eine Pflegerin mit uns über die letzten Tage vor dem Versterben redet und etwas Klarheit verschafft.

Am Dienstag kann ich mein Wissen aus dem Schwindel-Seminar, das wir vor einigen Wochen hatten, in einer Sprechstunde anwenden. Endlich kann ich die HINTS-Untersuchungen (Head-Impulse-Test, Nystagmus, Test of Skew Deviation) praktisch üben und merke, dass die Tests leicht durchzuführen sind. Beim Besprechen meines Untersuchungsbefundes mit der Lehrzärztin fällt eines auf: In den meisten Fällen ist der Schwindel zum Zeitpunkt der Untersuchung gar nicht vorhanden; die HINTS-Tests sind aber für eine Untersuchung während des Schwindelanfalls gedacht und helfen uns in dem Fall zwischen peripherem und zentralem Schwindel zu unterscheiden und zu wissen, ob dem Patienten/der Patientin eher eine HNO- oder neurologische Betreuung helfen würde.

Samstagvormittag sind Stella und ich bei der AOK in Regen. An diesem sonnigen Vormittag treffen Studierende ein, die für ihre Famulatur im Rahmen des Exzellenten Winters aus verschiedensten Ecken Deutschlands angereist kommen. Es ist schön zu sehen wie Wolfgang diese Lehr-Projekte, die er ins Leben gerufen hat, mit vollster Leidenschaft vorantreibt. In einer motivierenden Ansprache heißt er die angehenden ÄrztInnen willkommen und läutet die kommenden ereignisreichen Wochen ein. Ich habe an dem Tag ein besonders großes Gefühl von Dankbarkeit für die Chance, mein PJ in den Praxen rund um Kirchberg mit dieser wunderbaren Lernatmosphäre machen zu können.

Premiere in den Praxen Grafenau und Schöfweg! Seit Ende Februar werden deutschlandweit die ersten Covid-Impfungen durch HausärztInnen in den eigenen Praxisräumen durchgeführt. Die Praxen Grafenau und Schöfweg sind Teil des Pilotprojekts. Anfangs stellt sich die aufwändige Dokumentationsarbeit als eine kleine Herausforderung dar. In den folgenden Tagen wird aber das Praxisteam immer eingespielter und das Impfen geht immer mehr in den Praxisalltag über. KollegInnen aus Praxen der Umgebung besuchen uns, um zu sehen, wie sie auch in ihren Praxen das kommende Impfprogramm umsetzen können. Nach dem ungewissen Warten auf einen Impfstoff und Zeiten der Impfstoffknappheit ist es spannend, wie langsam die Phase beginnt, in der Impfungen auch in Praxen verwirklicht werden.

Am Mittwoch findet im Rahmen des Exzellenten Winters ein Sono-Kurs statt, bei dem die Studierenden in kleinen Gruppen – durch jeweils eine FachärztIn betreut – ein erstes Gefühl für den Umgang mit dem Ultraschall-Gerät bekommen. Stella K. und Dr. Takacs führen den Kurs in Lalling. Die Studierenden beginnen tapfer mit der Bauchspeicheldrüse, was für den Erstversuch fantastisch funktioniert. Im Anschluss geht es mit den anderen Bauchorganen und großen Gefäßen weiter. Ein kleiner Einblick in das bunte Programm des Exzellenten Winters, das den FamulantInnen hier geboten wird.

Auch kann ich diese Woche erstmalig in den neuen Praxisräumen arbeiten, die nun vollständig barrierefrei sind. Die hellen, freundlichen Räume verleihen der Arbeit eine neue Art von Professionalität und Leichtigkeit. Es macht Spaß, von Raum zu Raum und Herausforderung zu Herausforderung zu springen.

Mein Allgemeinmedizin-Tertial neigt sich langsam dem Ende zu und mein M3 naht.

Auch diese Woche gab es wieder einige Fälle, die ich hier ausführlich beschreiben könnte.

Am Dienstag sehe ich einen relativ jungen Patienten mit einer einseitigen Unterschenkelschwellung, der am Vorabend krampfartige Schmerzen in dem Unterschenkel hatte. Bei der Untersuchung lässt sich das Ödem eindrücken und der Unterschenkel sieht im Vergleich zum Anderen stark geschwollen aus. Mit einem Druck über der Wadenmuskulatur lässt sich ein Schmerz provozieren. An AGVs kommt mir hier vor allem eine tiefe Venenthrombose in den Kopf.
Ein wichtiges Detail erwähnt der Patient in der Anamnese: Eine Knie-OP vor zwei Jahren. Seitdem sei der Unterschenkel immer wieder geschwollen. Aktuell sei es aber sehr stark und dazu krampfartig schmerzhaft. Dr. Machac wirft mit dem Ultraschall einen Blick auf die Venen und schließt eine TVT aus. In diesem Fall ist also eine Lymphabflussstörung wegen stattgefundener Knie-OP die wahrscheinlichere Ursache für die Schwellung. Der Patient wird entsprechend mit speziellen Kompressionsstrümpfen ausgestattet.

Am Mittwoch gibt uns Dr. Egidi aus Bremen einen Online-Vortrag über Kardiologie in der Allgemeinmedizin. Wie kann ich eine KHK diagnostizieren? Ist dafür invasive Diagnostik notwendig? Wie sieht die Studienlage zu der Hoch-Dosis Statin-Therapie bei älteren Leuten aus? Kann man bei einem älteren Patienten, der weniger Medikamente einnehmen will, einen ACE-Hemmer absetzen bei einem gut eingestellten Blutdruck? Ich freue mich erneut während des PJ-Tertials in diese MedizinerInnen-Gemeinschaft eintauchen zu können und so viel Input auch neben dem Praxisalltag zu erhalten.

Am Donnerstag gibt es einen interessanten Fall, der mir im Kopf bleiben wird: Ein Patient stellt sich vor, weil er seit etwa 3 Wochen ein vermehrtes Durstgefühl habe und vermehrt Wasserlassen müsse. Seit 3 Monaten hatte er dazu an Gewicht verloren nach sonst stets stabilem Körpergewicht. Zuhause hatte er diese Woche schon einmal selbstständig den Blutzucker erhöht gemessen. Wir machen einen Termin bei unserer Diabetes-Expertin Petra aus und nehmen Blut ab, damit sie direkt am nächsten Tag mit ihm die Werte anschauen kann und einen Plan entwerfen kann. Erstdiagnose Diabetes mellitus II – so typisch habe ich das bisher noch nicht mitbekommen.

Am Freitag und Samstag gibt es Lehrveranstaltungen im Rahmen des Exzellenten Winters. Dazu gehört ein Rückenschmerz-Crash-Course mit Dr. Buvar, der uns im Anschluss eine ausführliche orthopädische Rückenschmerz-Untersuchung mit sämtlichen Tipps und Tricks zeigt. Am Samstag finden vier direkt nacheinander getaktete Seminare über chronische Krankheiten statt. KHK, Herzinsuffizienz, Asthma/COPD und Diabetes mellitus im Schnelldurchgang mit einem Star-TutorInnen-Team aus Dr. Blank, zwei jungen Ärztinnen und Petra und Waltraud aus dem MFA-Team, die sich täglich um PatientInnen mit diesen Krankheiten kümmern.

Schon hat meine letzte Woche in Kirchberg begonnen. Die letzten 3 Monate sind wie im Flug vergangen. Wie es so sein soll, gibt es auch am letzten Tag noch einmal etwas besonders Spannendes:

Am Freitagvormittag stellt sich ein Patient in der Praxis vor, der seit dem Vorabend starke Schmerzen in der Brust hat. Im EKG sind zu dem Zeitpunkt keine Veränderungen zu sehen. Bei dem sehr eindrücklichen klinischen Erscheinungsbild wird der Notarzt verständigt, ein i.v. Zugang gelegt und ein Troponin- und D-Dimer Schnelltest gemacht. In der Zwischenzeit setzt Dr. Machac kurz den Schallkopf auf das Herz, kann aber keine Funktionsstörungen sehen. Der Troponin-Test fällt negativ aus, der D-Dimer-Test positiv. Dem Notarzt können wir die ersten Untersuchungsergebnisse mitteilen und die Einweisung erfolgt mit Verdacht auf Lungenarterienembolie.

Im Abschlussgespräch mit meiner Mentorin, S. Moschko, reflektieren wir über die letzten 3 Monate. Über meine theoretischen, praktischen und persönlichen Lernfortschritte. Ich habe das Gefühl in allen drei Bereichen riesige Fortschritte gemacht zu haben. Mit vielen Fragestellungen aus den Sprechstunden kann ich nun schon selbstständig umgehen, den PatientInnen verschiedene Lösungsansätze aufzeigen und gemeinsam einen Lösungsweg finden. Einige der Tipps, die mir Dr. Blank anfangs gegeben hat, konnte ich schon anfangen, umzusetzen, um an meiner Körperhaltung, Sprache und Ausstrahlung zu arbeiten. Natürlich ist das ein langer Prozess – einen Fortschritt kann ich aber schon jetzt merken.

Ich würde auch gerne den nächsten Monat weiter hier in Kirchberg und den Filialpraxen verbringen, um noch etwas von dieser positiven, gemeinschaftlichen Atmosphäre zu kosten. Leider muss ich das Tertial etwas früher beenden, um mich auf mein drittes Staatsexamen vorzubereiten. Es waren unvergessliche drei Monate, die ich hier im Bayerischen Wald verbringen konnte.

Solltest Du dir diese Erfahrungsberichte durchlesen, um zu gucken, ob das Tertial hier was für Dich ist: Es wird von Dir etwas gefordert, Dr. Blank ist im Vornherein sehr offen darüber. Neben dem Praxisalltag gehört es zu Deinen Aufgaben das Protokoll über die Montagsfortbildungen zu führen und Deine Erlebnisse im wöchentlichen Tagebuch festzuhalten. Diese investierte Zeit hatte für mich aber auch einen großen Nutzen. In die Themen der Montagsfortbildung habe ich mich intensiv einarbeiten können. Durch die wöchentlichen Tagebucheinträge hatte ich Zeit, die Erlebnisse aus dem Praxisalltag zu reflektieren und zu ordnen. Solltest Du damit leben können, hier und da ein paar Extra-Stunden zu investieren, die Du aber alles in allem vielfach zurückgezahlt bekommst, kann ich dir das Tertial hier wärmstens empfehlen. Der Abschied vom gesamten Team, das ich mittlerweile sehr ins Herz geschlossen habe, fällt mir schwer. Am Freitagnachmittag mache ich mich auf den Weg nach Göttingen, um in die nächste Phase zu starten und blicke mit erfülltem Herzen auf meine Zeit hier zurück. Vielen Dank für diese wunderbare, bereichernde Erfahrung und auf ein baldiges Wiedersehen!

Stella Kunzendorf

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14

Kleine Einführung:

Nach einigem Suchen bin ich, vor einem Jahr etwa, auf die Praxis Bayerwald gestoßen, über die mir zufällig auch ein ehemaliger PJler, Peter, begeistert erzählt hatte. Gerade nach meiner Studienzeit in der groß angelegten und oft sehr anonymen Berliner Krankenhauswelt war es mir für mein Praktisches Jahr wichtig, in einem motivierenden Umfeld zu lernen, an dem Patienten nicht nur als Zahlen durchgeschleust, sondern als Menschen wahrgenommen und behandelt werden.

Ich denke, ich gehöre nicht zu denjenigen Medizinstudierenden, die bereits im ersten Semester (oder vielleicht schon viel früher) genau wussten, welche Fachrichtung sie anstreben würden, um diese dann mit vollem Elan auf der Zielgeraden zu verfolgen. Immer wieder habe ich mir bei meinem Studium die Frage gestellt, ob ich mich in diesen Krankenhausfabriken, wo hochspezialisierte Fachexperten sich zunehmend kleineren Ausschnitten des menschlichen Körpers annehmen und Patienten wie am Fließband durchschleusen, überhaupt vorstellen kann. Für mich ist die Nähe zum Menschen das eigentlich Spannende an der Medizin - die unschätzbare Möglichkeit, dank dieses Berufs die unterschiedlichsten Menschen durch verschiedene Lebenslagen begleiten und von ihnen lernen zu dürfen. So habe ich während meiner Studienzeit immer wieder Möglichkeiten ergriffen, Patienten über die rein biomedizinische Ebene hinaus, in ihrer gesamten psychologischen und sozialen Komplexität wahrnehmen und unterstützen zu lernen. Mein Wunsch ist es, später als Ärztin nicht nur medizinische Fälle zu bearbeiten, sondern auch Raum zu schaffen, mich für soziale Ursachen von Krankheit und einen verbesserten Zugang zur Versorgung einzusetzen. Mit der Zeit hat sich Allgemeinmedizin immer mehr zu einem Zukunftsweg entpuppt, bei dem ich vielleicht all das verbinden kann.

Nach meinen Jahren in Berlin nun eine komplett neue Erfahrung für mich: Hier im Bayerischen Wald ein innovatives Versorgungsmodell kennen zu lernen, das eine hochwertige und persönliche Gesundheitsversorgung in dieser ländlichen strukturschwachen Region ermöglicht. Durch Arbeit in einem größeren vielseitigen Team mit persönlicher Betreuung kann ich lernen in die Rolle als Ärztin hineinzuwachsen – ein spannender Ort, um in mein PJ zu starten!

Woche 1: 16.11. - 20.11.2020

Grün mit herbstbunten Sprenkeln ziehen die Hügel an mir vorbei, als ich mit dem Auto die kurvige Landstraße hochfahre, die sich abwechselnd durch dichten Wald und kleine schläfrige Ortschaften schlängelt. Einzelne Nebelschwaden haben sich mit dem heranschleichenden Abend an ein paar Hängen niedergelassen. Eine ungewohnte Ruhe strahlt diese Landschaft um mich herum aus, fast, als würde man den Trubel der restlichen Welt mit jedem zurückgelegten Meter weiter hinter sich lassen. "Kirchberg im Wald 2km" steht jetzt auf einem Schild und ich merke, wie die Neugier, begleitet von etwas Aufregung, in mir hochkriecht – was ist das für ein Ort, an dem ich meine nächsten 4 Monate verbringen werde?

Der Email-Kontakt zu Dr. Blank und seinen Assistenzärztinnen über die Ferne hinweg war bereits so herzlich, dass ich mich schon willkommen fühlte, bevor ich überhaupt angekommen bin. Noch scheint es mir surreal, dass ich jetzt hier im tiefsten Bayern mein PJ beginne. Seit letzter Woche erst bin ich aus Samos zurück, wo ich seit Juli eine NGO bei der Primärversorgung der Geflüchteten im Camp unterstützt habe. Die Arbeit dort, bei der uns - gerade zu Corona-Zeiten - so oft die Hände gebunden wurden, war emotional sehr aufwühlend, sodass ich gefühlt noch etwas Zeit brauche, bis ich mich hier wieder eingefunden habe. In meinen Gedanken schwebe ich nach wie vor zwischen den Welten. Entsprechend groß ist das Kribbeln irgendwo in meiner Magengegend, während ich mich auf zu diesem neuen Kapitel mache, den Kirchberg hoch, auf dessen Anhöhe die Studentenwohnungen direkt neben der Kirche liegen. Mit den anderen Studentinnen machen wir es uns in den beiden kleinen Wohnungen gemütlich, mein Blick immer wieder in das weite Tal schweifend, wo die Abendsonne, gerade noch hinter den Hügeln hervorspitzt. Jetzt bin ich also tatsächlich hier.

Am nächsten Morgen geht es mit Dr. Blank direkt nach Grafenau, einem kürzlich übernommenen Praxisstandort etwa 30km von Kirchberg entfernt. Nach dem hektischen Klinikalltag unter freiem Himmel auf Samos fällt mir vor allem die Ruhe und Aufmerksamkeit in den Gesprächen mit seinen Patienten auf, die Zeit, die er sich bewusst für jeden Einzelnen nimmt. Was für ein Privileg, denke ich mir immer wieder, den Patienten einen geschlossenen Schutzraum – mit Dach über dem Kopf und ohne lärmendes Gewusel herum – bieten zu können. Für mich komplett neu ist, dass er die Dokumentation des Gesprächs im Anschluss per Diktiergerät und wenn möglich im Blickkontakt mit seinen Patienten durchführt, sodass diese im Zweifel auch mit korrigieren können – Momente, in denen ich spüre, welch großer Wert hier auf Patiententeilhabe und Mitsprache an ihrer Gesundheitsfürsorge gelegt wird.

In den folgenden Tagen werde ich weitere Praxisstandorte in Kirchberg, Auerbach, Schoefweg und Rinchnach kennen lernen und dort einen ersten Einblick in die verschiedenen Arbeitsweisen der Ärztinnen und Ärzte bekommen. Obwohl sie an unterschiedlichen Standorten arbeiten, merkt man schnell, dass alle Teil eines Teams sind, das sich regelmäßig durch Zoom-Meetings mit Fallbesprechungen und Fortbildungen untereinander austauscht. Alle sind unheimlich bemüht, mich mit einzubeziehen und mir etwas mit auf den Weg zu geben. Während einer der Ärzte, ein wandelndes Lexikon, mir in jeder freien Minute Fragen von interessanten Patientenfällen (z.B. An welche Krankheit denkst du bei einem männlichen Patient mit alleiniger GPT-Erhöhung?) zuwirft, setzt sich ein anderer zwischendurch mit mir hin, um gemeinsam nochmal mögliche Kennzeichen einer Lungenembolie im EKG durchzugehen, oder schaut mir über die Schulter, während ich mich an einem Abdomen-Sono probiere. Auch die Praxishelferinnen, die mich ein paar Mal zu den verschiedenen Standorten im Auto mitnehmen und mir dann über die Gegend erzählen sind sehr engagiert. Manchmal habe ich das Glück, ihnen bei der Wundversorgung zuschauen zu können, und wünschte mir, ich hätte den einen oder anderen Trick bereits in Griechenland gewusst. Besonders schön ist auch Zusammenarbeit mit den beiden Assistenzärztinnen, die ihr Studentendasein vor nicht allzu langer Zeit hinter sich gelassen haben und daher aus eigener Erfahrung schöpfen können, welche Dinge gerade am Anfang des PJs wichtig und hilfreich sind. Bereits in den ersten Tagen kann ich eigene Patienten schon mal befragen und voruntersuchen, um sie dann dem behandelnden Arzt oder Ärztin vorzustellen und gemeinsam das weitere Vorgehen zu besprechen. Schnell werden wir dazu motiviert, eigenständig arbeiten und klinische Entscheidungen treffen zu lernen. Hier wird ein Lernklima geschaffen, in dem man für sich herausfinden und ausprobieren kann, was es heißt, ärztlich zu arbeiten. Das fühlt sich zu Beginn oft wie ein Sprung ins kalte Wasser an, aber schon am Ende der Woche habe ich das Gefühl, dass ich hier wirklich die Möglichkeit haben werde, Schritt für Schritt in diese neue Rolle zu schlüpfen.

Ein Fall dieser Woche bleibt mir besonders im Kopf, da er in drastischem Gegensatz zu meinen Erlebnissen auf Samos steht. Eine junge Mutter berichtet erst zögerlich, dann zunehmend hilflos, dass ihre Tochter am Vorabend versucht hätte, sich das Leben zu nehmen. Das Zimmer ist für einen Moment ganz still, bis das Gesagte in seiner Schwere zu uns durchsickert. In klaren, einfühlsamen Worten erklärt Dr. Blank ihr daraufhin, wie wichtig nun eine Vorstellung in der Kinder-Jugend-Psychiatrie zur weiteren Abklärung sei und organisiert sofort per Telefon einen Termin innerhalb der nächsten Stunde. "Dort würde ich in dieser Situation mit meiner Tochter auch hinfahren", meint er eindringlich. Unweigerlich muss ich in diesem Augenblick an einen unserer Patienten auf Samos denken, den wir nach einem Suizidversuch schlicht wieder wegschicken mussten, mit der Begründung, dass wir ihm leider nicht weiter helfen könnten, da es im Moment keine Möglichkeit gebe, an einen Psychologen zu überweisen. Eine Erinnerung, die immer noch in mir nagt und mir nun umso widersprüchlicher erscheint, wo ich hier wieder die Selbstverständlichkeit miterlebe, mit der weitere Unterstützung organisiert werden kann.

Mit den anderen Studentinnen tauschen wir uns beim Abendessen über das Erlebte aus und sind dankbar, hier oben in unserem kleinen Häuschen in netter Gesellschaft zu sein. Die erste Woche fliegt an mir vorüber wie ein frischer Windzug, fast ein bisschen zu schnell, um all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Es wird noch etwas dauern, bis ich hier richtig angekommen bin.
---


Woche 2: 23.11. – 27.11.

Nun ist bereits die zweite Woche vergangen – und obwohl vieles nach wie vor neu ist, merke ich, wie ich mit jedem Tag etwas mehr hier eintauche. Immer wieder gibt es Momente, in denen ich realisiere, dass ich bereits etwas geerdeter vor meinen Patienten stehe, dass meine Stimme lernt, sich bestimmter ihren Weg durch die Maske vor meinem Gesicht zu bahnen, meine Ohren sich nicht mehr ganz so spitzen müssen, um genuschelte Beschwerden im Bayerwalddialekt zu verstehen, meine Hände schon selbstverständlicher Knie und Wirbelsäulen abtasten, ein Ganglion im Handgelenk oder muskulären Hartspann lateral der Lendenwirbelsäule erfühlen – mein anfänglich zurückhaltendes Beobachten weicht zunehmend Gelassenheit und Neugier.

Die Kälte breitet sich in diesen Tagen aus – und mit ihr das Virus, das auch vor unseren Praxen nicht halt macht. Im Laufe der Woche müssen sich zwei aus unserem Team in die häusliche Quarantäne begeben, was alle etwas anspannt und Fragezeichen kreisen lässt: Wie werden sich die nächsten Wochen hier wohl entwickeln? Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch wir vorübergehend Standorte schließen müssen? Mit vereinten Kräften werden wir versuchen, uns durch diese schwierigen Wochen zu helfen, arbeiten nun alle mit FFP2-Masken, lüften regelmäßig und bemühen uns den Patientenkontakt kürzer als sonst zu halten, aber dennoch menschliche Medizin zu machen. Mittags findet täglich eine separate Infektionssprechstunde statt, in welcher sich symptomatische Patienten unter strengen Schutzmaßnahmen vor den Praxistüren testen lassen können. Immer wieder fällt mir auf, wie geschmeidig hier die Abläufe geregelt sind, wie unsere Helferinnen trotz Personalmangel zwischen Patientenkoordination und eingestreuten Telefoninterviews jonglieren – und obendrauf dann noch eine Box erster Weihnachtsplätzchen für alle, auf fast magische Weise, in der Küche erscheint.

Anfang der Woche gleich begleite ich Svenja, eine unserer Assistenzärztinnen, auf ihrer Hausbesuchsrunde über die Dörfer, die in diesen Tagen in dichtem Nebel verschwinden. Vor allem für die älteren Patienten, die sich momentan aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gar nicht mehr vor die Tür trauen, scheint diese Zeit besonders hart. Hinter Masken versteckt und mit 1.5 m Abstand erkundigen wir uns bei jeder Stippvisite kurz über den Stand der Dinge und versuchen etwas Zuversicht und Wärme zuzusprechen. Für unseren letzten Hausbesuch halten wir auf einem alten Hof, in dessen Vorgarten die Kälte in unzählig winzigen Eiskristallen von Blättern und Ästen baumelt. Allein ein dicker Kater hat sich unbeirrt auf der Fußmatte eingerollt. Eine knarzige Holztreppe führt in den ersten Stock, wo die Tür zu einer dunklen leeren Wohnung bereits einen Spalt offen steht. "Kommen Sie, kommen Sie" winkt uns die etwa 80 jährige Bewohnerin in die eingeheizte Küche. Die Alltagsschwere scheint ihren Rücken zu krümmen, als sie sich in dem schummrigen Licht vornüber gebeugt zum Küchentisch tastet. Seit Wochen schon habe sie nur noch wenig Appetit, fühle sich schlapp und müde, sodass sie gar nicht mehr in Schwung komme. Eine Waage habe sie nicht, aber am lockeren Bund ihrer Hosen hätte sie gemerkt, dass sie an Gewicht verloren habe. Die Übelkeit sei gerade wieder etwas besser geworden. Was sie momentan besonders belaste? "Meine Augen", klagt sie. Nach und nach verliere sie ihre Sehkraft, mittlerweile könne sie nicht mehr lesen, um sich die Zeit zu vertreiben. Dabei hatte ihr das früher solchen Spaß gemacht. Beim Augenarzt bereits abgeklärt besteht kaum Hoffnung auf Besserung. Wir versuchen uns einen Eindruck von ihrer Gemütslage zu verschaffen, schweifen zwischendurch ab zu Mutmaßungen über den Winter, der dieses Jahr wohl besonders spät und besonders kräftig kommen soll, aber verweilen auch bei ihr nur kurz, um die Kontaktzeit nicht zu sehr auszudehnen. "Das letzte Mal habe ich mir einfach die Zeit genommen, mich zu ihr zu setzen und ihr ein paar Zeitungsartikel vorzulesen. Das hat in dem Moment mehr geholfen als jedes Medikament", meint Svenja auf dem Rückweg. Aber nicht mal das geht gerade. Der Besuch lässt uns beide nachdenklich und etwas beklommen zurück. Würde hier eine Magen-Darm-Spiegelung überhaupt noch Sinn machen, um die Möglichkeit eines Tumors auszuschließen, der sich hinter ihren Symptomen verstecken könnte? Was können wir als Hausärzte für eine Patientin tun, deren Leitsymptom die Einsamkeit ist? Wie können wir, gerade zu diesen Zeiten, überhaupt unterstützend wirken?

Trotz und vielleicht gerade wegen der vielen momentanen Kontaktbeschränkungen, kümmert sich Dr. Blank mit vollem Herzblut darum, im Rahmen des Projekts "Landarzt-Manufaktur" ein überregionales Kommunikationsforum zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten aufzubauen. Donnerstag Nachmittag sitzen wir mit ein paar anderen entspannt am digitalen Kaffeetisch und besprechen ganz unkompliziert interessante Fälle, die uns diese Woche über den Weg gelaufen sind. Besonders schön an der Idee ist, dass hier uns jungen sowie älteren Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit gegeben werden soll, sich auszutauschen und voneinander zu lernen: Wir von ihrem Erfahrungsschatz und klinischen Feingefühl, das sich wohl nicht mal zwischen den Zeilen irgendeiner Leitlinie finden lässt - und sie von unserer jugendlichen Neugier und vielleicht auch von dem spontanen, unvoreingenommenen und noch nicht allzu routinierten Blick auf unsere Patienten. So entsteht eine angeregte Diskussion über verschiedene Erfahrungen und Vorgehensweisen rund um das ganz alltägliche Thema eines unkomplizierten Harnwegsinfekts, bei dessen Behandlung auch die DEGAM-Leitlinie Uneindeutigkeiten lässt. Unter anderem arbeiten wir zum Beispiel heraus, wie wichtig es ist, Patientinnen auf die korrekte Einnahme des Antibiotikums Fosfomycin hinzuweisen, die in keinem Beipackzettel klar beschrieben steht: abends vor dem Schlafengehen, damit das Medikament nachts in tiefere Blasenschichten einwirken und nicht sofort mit dem nächsten Toilettengang wieder herausgespült wird.

Dr. Blank, dessen Begeisterung über dieses Projekt ein breites Grinsen hinter seiner Maske erahnen lässt und selbst durch Bildschirme zu wandern scheint, erzählt mir danach, dass die meisten angehenden Ärztinnen und Ärzte zunächst sehr angetan über dieses Angebot seien, dann aber oft der Klinikalltag Raum ergreife und keine Luft mehr für diese Art von Austausch lasse. "Es hängt davon ab, wie man seine Prioritäten setzt, dann ist ganz viel möglich", meint er. Mal sehen, wo sich diese noch bei mir abzeichnen werden. Ich bin gespannt auf die nächste Woche!

Woche 3: 30.11. – 6.12.

Diese Woche verbringe ich komplett in Schöfweg und bin gespannt darauf, diesen Standort mit seinen Abläufen und Arbeitsweisen nun intensiver kennen lernen zu können. An der Seite von Frau Dr. Kleudgen und Sarah Moschko, den beiden Ärztinnen in der Praxis, wachse ich von Tag zu Tag mehr in meine neue Rolle und merke, wie ich zunehmend selbstverständlicher Bestandteil des Teams werde. Nun bereits ein paar Patienten mit "wir kennen uns ja schon" begrüßen zu können, freut mich – so langsam fühle ich mich hier wirklich angekommen. Morgens vor der Sprechstunde gehen wir gemeinsam die Laborergebnisse von den Blutentnahmen am Vortag durch: So überlegen wir zum Beispiel, was bei einem Patienten die Ursache von einer seit kurzem bestehenden Blutarmut mit vergrößertem Volumen der roten Blutkörperchen sein könnte – vielleicht die verminderte Absorption von Vitamin B12 unter seiner Metformintherapie? Sollte hier eventuell bald eine Vitamin B12-Substitution erfolgen, und wenn ja, in welcher Form, wenn das Vitamin bei ihm scheinbar nicht mehr ausreichend über den Darm aufgenommen werden kann? Oder woher der plötzliche Harnsäureanstieg eines anderen Patienten kommen könnte, der vor ein paar Tagen eine Pleurapunktion erhielt? Für mich ist es spannend den beiden Ärztinnen beim lauten Denken zuhören und mit überlegen zu können. Danach teilen wir uns auf die Patienten auf, wobei ich mir zunehmend mehr Eigenständigkeit mit meinen Patienten zutraue – stets den beruhigenden Gedanken im Hinterkopf, dass eine von den beiden Ärztinnen sich im Anschluss nochmal dazugesellen und ebenfalls ein Bild machen wird, was mir sehr viel Sicherheit gibt. Nach und nach selbstständiger arbeiten zu lernen und gleichzeitig bei jeglicher Unsicherheit Rückhalt zu erfahren ist für mich eine unbeschreiblich wertvolle Erfahrung, wie ich sie in dieser Tiefe tatsächlich zum ersten Mal mache. Ich spüre, was es heißt, zu lernen für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen – "Genieß diese Rolle, die du jetzt im PJ hast", meint Sarah mal schmunzelnd in einer unserer Mittagspausen zu mir "Dass du wegen deiner Patienten schlaflose Nächte verbringst, kommt dann noch früh genug".

Ich habe mir diese Woche das Lernziel "Gefäße" vorgeknöpft und möchte mir dabei unter anderem mehr Klarheit rund um das ganze Thema Blutgerinnungshemmer schaffen. Nachdem ich die DEGAM-Leitlinie zum Bridging (d.h. Überbrückung einer Marcumar-Pause mit Heparinspritzen) gelesen habe, gehe ich während der Woche mit Sarah die Marcumar-Pässe mehrerer Patienten durch, bei denen sich die Frage stellt, ob es bei ihnen im Rahmen eines operativen Eingriffs nötig sein wird, zeitweilig Heparin zu spritzen oder nicht. Je nach Risikoprofil von Operation und Patient gilt es, im jeweiligen Fall das Risiko einer Blutung gegenüber dem Risiko einer Thrombusbildung abzuwägen, wobei sich in einigen Szenarien so manche Fragezeichen in unseren Köpfen verknoten: Zunächst müssen wir das Risiko einer Blutung während der geplanten OP einschätzen. Ist dies höher (z.B. laut Leitlinie ab der Extraktion mehrerer Zähne), muss die Marcumar-Therapie unterbrochen, der Patient gemäß seines Risikoprofils einer von drei Risikogruppen zugeordnet, und dann dementsprechend während der Marcumar-Pause ohne oder mit Heparin versorgt werden. Dabei stellt sich immer wieder die Überlegung: Was wiegt schwerer – das Risiko während der Pausierung der Marcumar-Therapie eine Thromboembolie zu erleiden oder das Risiko, die Blutgerinnungssituation des Patienten durch Heparinspritzen zusätzlich durcheinander zu bringen? Und wenn schon spritzen, dann in welcher Dosierung? In manchen Fällen sehr komplex und gar nicht einfach, individuelle Patienten in die von der Leitlinie vorgegebenen Schubladen zu stecken. Trotz der Handlungsempfehlung scheint hier viel Fingerspitzengefühl gefragt zu sein, und in Rücksprache mit Frau Dr. Kleudgen wird mir klar, dass diese Entscheidungen um einiges leichter fallen, wenn man dank Erfahrung und langjährigem Begleiten das Risikoprofil seiner Patienten auch ein Stück weit intuitiv einschätzen kann.

Passend zum Schwerpunkt Gefäße kann ich diese Woche unserer KHK-Spezialistin Waltraud bei der KHK-Sprechstunde über die Schulter schauen, welche für chronische Patienten mit Koronarer Herzerkrankung im Rahmen des Disease Management Programms (DMP) vierteljährlich durchgeführt wird. Waltraud, eine unserer Helferinnen, deren herzlich energetische Art sich in ihren Locken wiederspiegelt, die sich lebhaft um ihren Kopf kringeln, hat sich auf die Betreuung dieser Patienten spezialisiert: „Der Fokus dieser Sprechstunden liegt allein auf unseren Herzpatienten, damit wir diejenigen mit KHK als Grunderkrankung kontinuierlich unterstützend begleiten können. Wenn diese Patienten ansonsten nur mit anderweitigen Beschwerden wie Halsschmerzen in die Sprechstunde kommen, kann es schnell passieren, dass ihre KHK im alltäglichen Praxisstress untergeht und nicht explizit nochmal ein Auge darauf geworfen wird“, erklärt sie mir, als wir uns den nächsten Patienten hereinholen. Vor uns sitzt nun ein älterer Herr, das weiße Haar bis auf eine kleine abstehende Strähne sorgfältig über den kahlen Kopf gekämmt. Einen extra für diese Sprechstunde angefertigten Risikobogen durchgehend, erkundigt sich Waltraud nach dem körperlichen und seelischen Befinden des Patienten. Kleine Schneeflocken baumeln an ihren Ohren, als sie sich vorlehnt und ihn nach Herzbeschwerden fragt, nach seinen zu Hause gemessenen Blutdruckwerten, nach Stressfaktoren im Alltag, nach Möglichkeiten zum Ausgleich und körperlicher Bewegung. Bis auf eine beginnende Schwerhörigkeit, wegen der wir unsere Fragen teils mehrmals lauthals zu ihm hinüberrufen müssen, scheint der Patient noch sehr fidel. Er versuche, sich so gut es ginge, auf den Beinen zu halten, sei viel im Wald unterwegs, wo der Borkenkäfer dieses Jahr sein Unwesen treibe. Auch Honig habe er viel abgefüllt, der Waldhonig lief zwar mäßig, aber Blütenhonig habe es reichlich gegeben. Als er stolz berichtet, wie er in jeder freien Minute bei seinen Söhnen in der Schreinerei mithelfe, was ihn körperlich nicht sonderlich anstrenge, tanzen seine Augen fast jungenhaft unter den buschigen Augenbrauen. Mein Blick wandert auf die in seinem Schoß ruhenden großen, kräftigen Hände, auf denen sich tiefe Spuren langjährig körperlicher Arbeit abzeichnen. Zusammen gehen wir seinen Medikamentenplan durch und gleichen ihn mit dem in unserem System ab, während Waltraud bemerkt: „Das ist mir vor allem bei älteren Patienten mit einem ganzen Berg an Medikamenten besonders wichtig, um mir ein Bild davon zu machen, ob sie ihre Medikamente nach Plan einnehmen und überhaupt noch in der Lage sind, sich alle selbst herzurichten.“ Im Rahmen eines kurzen geriatrischen Assessments verschaffen wir uns einen Eindruck von seiner Muskelkraft, der Sicherheit seines Gangbilds und seinem Zurechtkommen im Alltag. „Also stimmt es, wenn ich sage, Sie sind momentan zufrieden mit ihrem Leben, so wie es ist?“, schlussfolgert Waltraud. „Zu 99%“, wirft er uns mit einem Grinsen zurück und verabschiedet sich schelmisch „Wenn alles so weiterläuft, schaffe ich die 100“.

So ist die Woche schon fast vorbei, als der letzte Tag doch noch einige Überraschungen für uns übrig hat. Gerade habe ich zusammen Frau Dr. Kleudgen eine Patientin mit plötzlich attackenartigem Schwindel behandelt (dessen Übeltäter wir mithilfe von Lagerungsmanövern enttarnen konnten) und einen weiteren mit, seit Covid-Infektion auftretenden Pulsunregelmäßigkeiten mit einem Langzeit-EKG ausgestattet, als wir einen Notfall-Patienten wegen Gangstörungen ins Krankenhaus einweisen müssen und dann kurz vor Sprechstundenschluss noch eine Patientin mit Blutdruckentgleisung auf unserem Praxisboden zusammensackt. Gemeinsam mit ihrer Tochter beruhigen wir sie, verdeutlichen, wie wichtig nun nach ihrem stressigen Krankenhausaufenthalt das Wiedereinpendeln auf ihren regulären Medikamentenplan sei, und können sie zu ihrer großen Erleichterung wieder nach Hause entlassen. „Danke für deine Unterstützung heute“, meint Frau Dr. Kleudgen mit ihrem tiefen wachen Blick, als wir uns ins Wochenende verabschieden. Da merke ich, dass ich mittlerweile schon so hier eingearbeitet bin, dass ich auch eine Stütze sein kann – und mir wird ein bisschen warm ums Herz. Mit Bea, unserer Spezialistin für Wunden jeglicher Größe, Tiefe, Form und sonstige hautinfektiöse Widerspenstigkeiten fahre ich zum Abschluss noch eine Runde Hausbesuche über die seit gestern mit Schnee überzuckerten Dörfer. Auf unserer letzten Station verbinden wir den großen Zeh einer Patientin, der im Zuge eines eingewachsenen Nagels und folglich verschleppter Infektion fast täglicher Fürsorge und Beas fachkundigen Blicks bedarf. Als ich ihr dabei zuschaue, wie ihre flinken Hände den Zeh in watteweiches Weiß verpacken, kommt mir wieder eine älteren Patientin in den Sinn, welche dieser Tage während eines Abdomen-Sonos plötzlich vor sich hin philosophierte: „Das Leben hängt am großen Zeh.“ – eine angeblich alte Redewendung, über die ich hin und wieder gegrübelt habe. Zwar ist mir ihre Bedeutung immer noch ein Rätsel, aber das Leben scheint mir in diesem Moment, wo man sich so liebevoll um diesen großen Zeh kümmert, doch gleich einen Funken wärmer.

(Auch mein großer Zeh ist am Tag darauf übrigens sehr vergnügt, als er mich die Himmelstreppe auf den Lusen hochträgt, von wo aus unser Blick – vorbei an den vom Borkenkäfer angenagten Tannen –weit übers Tal segelt, und wir zum Ausgleich im Winterwind die Seele baumeln lassen).

Woche 4: 7.12. – 13.12.

„Was ist die wichtigste Eigenschaft eines Arztes oder einer Ärztin?“, fragt mich Dr. Machac aus heiterem Himmel am Montagmorgen dieser Woche, die ich mit ihm in der Praxis Kirchberg verbringe. Ich überlege... Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis? Zuhören können? Klare Kommunikation? Gelassenheit? Teamfähigkeit? Wissensdurst? „Eine dicke Haut“, erwidert er. „Wenn du es schaffst, ruhig zu bleiben, gehört dir die Zukunft. Lass es dir nicht subkutan gehen.“ Bevor ich darauf komme, was genau er damit sagen will, geht es schon mit der Sprechstunde los. An diesem Morgen erwartet uns eine Flut an Patienten – ein fliegender Wechsel von Krankheitsbildern und verschiedenen Charakteren, Altersklassen und Befindlichkeiten. Es scheint mir eine Kunst, sich mit jeder Zimmertür, die wir öffnen, wieder auf einen neuen Menschen mit neuen Angelegenheiten einzustellen, zügig zu arbeiten und der Person vor uns trotzdem das Gefühl zu geben, dass wir uns Zeit nehmen.

Obwohl das Tempo zackig ist, lässt Dr. Machac keine Gelegenheit aus, in freien Momenten Details aus seinem unfassbaren Wissensschatz – in manchmal nicht ganz leicht verdaubaren Portionen – mit mir zu teilen. Immer wieder wirft er mir freudig Fragen über die Schulter zu Pathophysiologien und Therapieschemata, zu Nebenwirkungen oder sonstigen pharmakologischen Eigenheiten. So erfahre ich alles Mögliche zu verschiedenen Konstellationen von Leberwerterhöhungen, zu Hämoblastose-Parametern, zu Fragezeichen rund um die Chronotherapie oder PPIs, zum Dipping und Non-Dipping. Als Spezialist für Innere Medizin in unserem Team, zeigt er mir über die Woche eine ganze Reihe Diagnostikmöglichkeiten in unserer Praxis: Die Auswertung von Langzeit-Blutdruck- und Langzeit-EKG-Messungen, die Durchführung einer Ergometrie, einige Herzechos, sowie eine Fülle an Sonographien, samt einer Divertikulitis wie aus dem Lehrbuch, mehreren Schilddrüsenknoten, einer Raumforderung in der Leber, und – für mich bis dato eher einem Umherirren im Dickicht ähnelnd – auch mehreren schwierig darzustellenden Pankreasköpfen, zu denen er mir Manöver zeigt, um diese gezielter aufspüren zu können. An manchem Abend habe ich das Gefühl, dass sämtliche Regionen zur Neuaufnahme in meinem Gehirn ausgeschöpft wurden und kein Platz mehr bleibt, mir noch irgendetwas durchzulesen – aber mein Wissen scheint in diesen Tagen exponentiell zu steigen.

Nicht nur fachlich ist diese Woche reich an neuen Stimuli, wir haben zur Abwechslung auch noch eine Fortbildung zur ärztlichen Haltung mit dem Thema: „Wie überbringe ich schlechte Nachrichten?“. Von der Diskussion möchte ich mir für die Zukunft vor allem mitnehmen, meine Patienten in solch schwierigen Aufklärungsgesprächen dort abzuholen, wo sie selbst stehen und durch gezieltes Nachfragen zu erspüren, mit welchen Vorstellungen und Befürchtungen sie zu mir kommen – mit Fragen wie zum Beispiel: Was haben Sie sich bereits für Gedanken gemacht, worum es heute geht? Was glauben Sie, was es sein könnte? Was haben Sie denn hier schon für Erfahrungen gemacht? Wir besprechen, wie wichtig es ist, sich bereits im Vorhinein die Erlaubnis der Patienten einzuholen und im Zweifel auch ihr Recht auf Nichtwissen zu akzeptieren: Wünschen Sie überhaupt eine weiterführende Diagnostik? Wie viel möchten Sie über Ihre Diagnose wissen? In unserer Diskussion erzählt eine Palliativmedizinerin, dass sich aus ihrer Erfahrung trotz schwerer Diagnose meist irgendwo ein Funken Hoffnung mit auf den Weg geben lässt, und dass es essentiell ist, dafür eine Stütze zu bauen: Wie kann ich Sie nun weiter begleiten? Besonders einer ihrer Sätze bleibt in meiner Erinnerung haften: „Die Strecke vom Gehirn zum Herz ist eine halbe Weltreise.“ Nur weil wir Ärztinnen und Ärzte glauben, aufgeklärt zu haben, heißt das noch lange nicht, dass es auch bei unseren Patienten angekommen ist. Aber in welchen Situationen lassen sich diese Kommunikationsstützen anwenden? Gibt es im klinischen Alltag nicht oft auch Momente, in denen so zügig entschieden und gehandelt werden muss, dass es schwer wird, solche Überlegungen mit einzubeziehen?

Einen derartigen Moment erlebe ich dann noch am Freitag Abend, kurz vor Praxisschluss. Eine Patientin stellt sich mit seit Stunden anhaltendem Schwindel vor. Als wir ein EKG von ihr schreiben, wird ihr plötzlich akut komisch, eine Körperhälfte fühle sich kribbelnd an, ihr linkes Auge beginnt nach innen zu schielen. Alarmiert sehen wir in ihrer Akte nach: Sie hatte bereits vor ein paar Jahren einen Schlaganfall und wir müssen von einem Rezidiv ausgehen. Dann geht alles ganz schnell, wir benachrichtigen ihren Ehemann und organisieren schnellstmöglich eine Krankenhauseinweisung, während ihr Körper schlaff und kraftlos von der Liege hängt. Leise Tränen quellen aus ihren geschlossenen Lidern hervor, bahnen sich unauffällig einen Weg die Wange hinunter. Als ich den Kirchberg im Abendschwarz hochlaufe, und auch später, als ich es mir schon längst in unserer Wohnung gemütlich gemacht habe, muss ich immer wieder an die Patientin denken, an diesen hilflos
schielenden Blick, mit dem sie uns plötzlich ansah. Wie es ihr jetzt wohl geht? Ob mit der Einweisung in dieser schwierigen Zeit, in der manche Krankenhäuser schon gar keine Patienten mehr aufnehmen können, alles reibungslos geklappt hat? Wie haben wir ihr in dieser Notfallsituation die Nachricht unseres Verdachts auf einen Schlaganfall überhaupt überbracht? Alles verlief so rasch, dass ich mich konkret gar nicht mehr daran erinnern kann. Die Diagnose fiel auf einmal auf uns alle herab – aber hätten wir in diesem Moment überhaupt irgendetwas anders machen können? Stiller Nebel legt sich um unser Haus, ich schlafe unruhig in dieser Nacht. Eine bisschen dickere Haut brauche ich wohl noch – aber vielleicht auch nicht zu dick.

Woche 5: 14.12. – 20.12.

Der Höhepunkt dieser Woche kommt für mich gleich am Montag: In einer einstündigen Videokonferenz mit Prof Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission, können wir die vielen Unklarheiten rund um das Thema COVID-19-Impfung diskutieren. Bereits seit Tagen höre ich von Patienten immer wieder die Frage: „Sagen Sie mal, was halten Sie eigentlich von der Impfung?“ Während viele die Gefahr einer Infektion fürchten und sich schon jetzt sicher für die Impfung entschieden haben, schwebt bei anderen eine Wolke aus Fragezeichen im Raum. Wie können wir unsere Patienten diesbezüglich beraten und was an verlässlichen Infos mit auf den Weg geben? Auch Prof Ludwig muss zum jetzigen Zeitpunkt der Forschung mehrere Fragen offen lassen – ein Punkt ist mir nach seinem Vortrag jedoch klar: Wir haben im Moment keine handfesten Argumente, Unschlüssige zu der Impfung zu ermutigen bzw. fest Entschlossenen von der Impfung abzuraten. Zwar wurden trotz des enormen Zeitdrucks alle gängigen Voraussetzungen für eine Impfstoffzulassung eingehalten, jedoch ist die Datenlage zur Wirksamkeit des Impfstoffs im Moment noch dünn und beruht auf wenigen Studien, die – wie wir erfahren – zum Teil ein lückenhaft durchdachtes Konzept aufweisen. So bleibt der Primäre Endpunkt (d.h. das vorrangige Untersuchungsziel) der Studie zur Wirksamkeit des BioNtech-Impfstoffs schwammig – formuliert als Frage: Bei wie vielen Geimpften (im vgl. zu Nicht-Geimpften) treten Symptome auf, die mit einer COVID-19-Infektion vereinbar sind? Um dies zu untersuchen, wurde bei jenen, die sich mit Symptomen meldeten, das Vorhandensein einer COVID-19-Infektion durch Testung geprüft. Dabei
bleiben vor allem 3 Punkte offen: Der erste Schwachpunkt ist, dass somit eine unklare Dunkelziffer Geimpfter existiert, die womöglich trotz Impfung eine COVID-19-Infektion entwickelten, sich aber nicht testen ließen, da sie a) einen asymptomatischen Verlauf hatten, b) evtl. auftretende Symptome als zu erwartende Nebenwirkungen deuteten. Unter Beachtung dieser nicht-registrierten Fälle ist letztlich unklar, ob sich Geimpfte tatsächlich seltener infizieren als Nicht-Geimpfte. Zweitens wurde nicht herausgearbeitet, inwieweit vulnerable Gruppen (z.B. Probanden mit Immundefiziten) in der Studienpopulation adäquat repräsentiert sind, weshalb für diese eigentlich noch keine klaren Aussagen über Nutzen und Risiken der Impfung möglich sind. Drittens kann noch nicht gesagt werden, ob und wie viele schwere Verläufe tatsächlich durch Impfung verhindert werden konnten, da bis jetzt keine Verlaufskontrolle stattfand. Um hier mehr Klarheit zu erlangen ist eine Beobachtung der Studienteilnehmer in den nächsten 1-2 Jahren wesentlich. Gerade weil wir noch nicht genug über die Wirksamkeit des Impfstoffs wissen, ist es essenziell, die Hygienemaßnahmen vorerst trotzdem weiter einzuhalten. Sicher ist, dass wir nur dann überhaupt eine Chance auf die erhoffte Herdenimmunität, und damit den Schutz der Vulnerablen unter uns, erreichen können, wenn wir Vertrauen in die Impfung aufbauen und die Impfbereitschaft der Bevölkerung deutlich über 50% steigt. Umso entscheidender ist eine ausführliche Aufklärung unserer Patienten – d.h. im Sinne des Shared Decision Making ehrlich zu beraten und offen zu kommunizieren, was wir wissen und was nicht, Empfehlungen zur Impfung verständlich zu vermitteln und gut zu dokumentieren. Wir halten fest: Wir haben eine Impfung, die potenziell schützt und eventuell bei einem geringen Anteil – wie jede Impfung – auch längerfristige Schäden auslösen kann vs. eine Erkrankung, die ein vielfach größerer Anteil von uns nicht ohne Folgeschäden durchstehen oder gar daran versterben würde. Wenn ein Patient gut informiert ist und aus Besorgnis vor einer COVID-Infektion gerne geimpft werden möchte, dann ist es überaus sinnvoll ihn zu impfen. Wenn ein Patient sich wegen der möglichen Impfrisiken nicht sicher ist, dann ist es wichtig, hier klar über Nutzen und Risiken aufzuklären und in dieser Situation eventuell eher zum Abwarten zu raten bis die Datenlage eindeutiger wird. Ein unheimlich wichtiger und anregender Vortrag, der uns umfassend informiert und gut darauf vorbereitet, unsere Patienten in den nächsten Wochen und Monaten fundiert und ehrlich beraten zu können. Ende der Woche sitze ich im Zug nach Hause und überlege, was ich meiner Familie wohl über die Weihnachtstage mit auf den Weg geben kann – meiner 93-jährigen unternehmungslustigen, geselligen Großmutter, die sich danach sehnt, nach all den Monaten in Isolation endlich wieder unter Leute gehen zu können, meinem Onkel mit einer schweren
krankheitsbedingten Immunschwäche, meiner Tante, die als Lehrerin einem permanent hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist, meiner Schwester, die bald wieder nach England zurückkehren wird, wo das Virus sich nun anscheinend noch infektiöser austobt – wir alle werden mit diesem Jahreswechsel in uns gehen und uns wohl ganz pragmatisch für das kleinere Übel entscheiden müssen. Was die aktuelle Datenlage betrifft, so bleibt es momentan eine individuelle Abwägung, welches Risiko wir eher bereit sind einzugehen:

a) Eine Impfung mit kurzfristigen Nebenwirkungen (evtl. Schmerzen an der Einstichstelle, leichtes Fieber ähnlich wie bei der Pneumokokken-Impfung), die wahrscheinlich Schutz gibt. Eventuelle Langzeitfolgen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar, jedoch um ein Vielfaches unwahrscheinlicher als die Komplikationen bei schwerem Krankheitsverlauf.

b) Eine COVID-Infektion mit dem Risiko eines schweren, unter Umständen sogar tödlichen Verlaufs und möglicher Langzeitschäden.

Eine nicht ganz leichte Entscheidung , für die es im Moment vielleicht auch ratsam ist, auf unser eigenes Bauchgefühl zu hören.

 

Woche 6: 04.01. – 10.01.
Kirchberg im neuen Jahr scheint im Winterschlaf, zugedeckt von einer dicken Schneeschicht, als ich am ersten Januarwochenende zurückkomme. Ich freue mich wieder hier zu sein, nachdem ich mir ein paar Tage Auszeit genommen hatte, um das letzte Jahr etwas zu verdauen. Schnell werde ich wieder in die Realität geholt: gleich am ersten Morgen stellt sich ein junges Paar vor, beide sportlich, ohne Vorerkrankungen, nicht viel älter als ich, mit Folgeerscheinungen ihrer COVID-Infektion – abendliche Erschöpfungswellen, so plötzlich anflutend, dass nichts übrig bleibt als sich hinzulegen, bis vor kurzem noch Wortfindungsstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Kurzatmigkeit beim Spazierengehen, bereits nach kurzen Strecken das Bedürfnis Pausen einzulegen, wiederkehrendes Einschlafen einer Körperhälfte mit Taubheitsgefühlen. Auch ich könnte das jetzt sein, denke ich mir. Mich erschreckt immer wieder, dass ich in letzter Zeit doch von einigen jungen Patienten gehört habe, die nach einer COVID-Infektion vielgestaltige, teilweise kryptische Symptome mit sich schleppen und sich noch nicht wieder ganz erholt haben.
Die COVID-Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch die Woche: auch wir in unseren Praxen unternehmen in diesen Tagen alles nur mögliche, um das Virus weiter einzudämmen – organisieren spezielle Sprechstundenformate für die Abstriche, fahren Hausbesuche in Schutzkleidung, um nach Erkrankten zu sehen, führen viele Telefongespräche mit COVID-Patienten, um Unsicherheiten zu klären, nehmen uns Zeit, über die anstehende Impfung aufzuklären, und treffen dabei nicht selten auf Patienten, die nach ihrer Infektion noch nicht wieder die Alten zu sein scheinen. Deshalb beginnen wir nun, eine Kartei für unsere Post-COVID Patienten mit anhaltenden Beschwerden zu erstellen, um diese im Rahmen eines Qualitätszirkels besser nachverfolgen und betreuen zu können.
Inmitten all dessen hinterlässt das Virus seine Spuren in Form einer besonders erschütternden Nachricht – sie bringt sehr nah, wie die Pandemie vor allem die Schwächsten und Schutzbedürftigen unter uns trifft, auch hier in Deutschland: Dr. Blank erzählt uns sichtlich mitgenommen, wie er vormittags in einer Geflüchtetenunterkunft Hausbesuche gemacht habe. Dort ist in der vorangegangenen Woche ein 32-jähriger Mann plötzlich und unerwartet an den Folgen einer COVID-bedingten Pneumonie gestorben – er meinte, das wird schon wieder, aber dann ging es wohl ganz schnell. Er hinterlässt eine Frau und drei kleine Kinder. Ich will mir gar nicht vorstellen, was seine Familie auf ihrer Flucht nach Deutschland bereits alles durchgemacht hat. Und nun auch noch das. Es ist fast unerträglich sich vor Augen zu führen, wie viel Elend diese Menschen ertragen müssen. Natürlich sind alle Bewohner der Unterkunft jetzt außerordentlich beunruhigt und wegen Corona-Quarantäne dürfen sie auch nicht aus dem Haus. Das örtliche Gesundheitsamt kümmert sich sehr und hat unsere Praxis gebeten, hier regelmäßig die Patienten, die erkrankt sind, zu besuchen. Und auch nach den anderen Covid-Infizierten zu schauen.
Diese bedrückende Nachricht verfolgt mich den ganzen Tag. Und gleichzeitig bin ich fassungslos: Wie kann es sein, dass Menschen, die diese so offensichtlich auch tödlich endende Erkrankung verharmlosen, nach wie vor so laut ihre Stimme erheben, während zur gleichen Zeit andere, traurigerweise oft einsam, dieser Krankheit erliegen? Wie können manche behaupten, es wäre alles wie jedes Jahr zur Grippezeit, während Menschen in Gesundheitsberufen in diesen Tagen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen, um den Erkrankten Beistand zu leisten? Es ist eine schwierige, verwirrende Zeit für alle, aber gleichzeitig wird mir immer wieder klar, wie enorm dankbar wir uns schätzen können, in diesen Momenten selbstverständlich Zugang zu medizinischer Versorgung zu haben. Dass wir einen Hausarzt haben, der uns bei Fragen und Problemen zur Seite steht. Dass wir im Notfall Zugang zu einem Intensivbett haben. Dass wir die Möglichkeit einer Impfung haben werden, die hoffentlich bald zur Eindämmung und zur Rückkehr zu einem normaleren Alltag führen wird. Dass das Virus für viele von uns (bis jetzt!) unsichtbar geblieben ist, ungreifbar. Dass wir zu den Glücklichen gehören, deren Familienmitglieder (bis jetzt!) oh-ne große Schäden durchgekommen sind. Aber all das kann sich unter Umständen schnell ändern. Wer weiß, was die nächste Zeit noch bringen wird. Ich wünsche uns allen für die kommenden Wochen mehr Geduld, Vertrauen, einen klaren Kopf – und vor allem Zuversicht.


Woche 7: 11.01. – 15.01.

Ich bin die zweite Woche am Stück bei Dr. Machac in Kirchberg, was mir großen Spaß macht, weil ich dadurch Patienten aus der vorherigen Woche mit weiterverfolgen kann und seine herausfordernde, aber gleichzeitig humorvolle, engagierte Art sehr schätzen lerne. Ich kann mich nicht erinnern während meines Studiums die Möglichkeit gehabt zu haben, so intensiv mit Ärzten und Mentoren zusammenzuarbeiten, die trotz des stressigen Praxisalltags eine solche Freude am Unterrichten zeigen. War es zu Beginn in der Zusammenarbeit mit ihm eine teils nicht ganz einfach aufzunehmende Fülle an Fachwissen, so kann ich zunehmend die Erklärungen und Konzepte von Dr. Machac einordnen, seinem stufen-basierten diagnostischen Denken besser folgen und auch einiges für mich abspeichern.

Ich finde es immer wieder spannend zu beobachten, wie vielschichtig die Medizin wird, wenn Krankheiten sich vermenschlichen und in Fleisch und Blut, atmend, lachend, auch jammernd, sprudelnd, ausufernd oder nachdenklich, in sich gekehrt vor einem sitzen anstatt eine Reihe von nüchternen Stichpunkten abzubilden. Wie viel an Eigenheiten und Persönlichem jeder Patient mitbringt, was in der Diagnostik und Therapiewahl mit berücksichtigt werden muss und mir jedes Mal vor Augen führt, dass praktisch gelebte Medizin oft so anders läuft als an der Uni gelerntes Lehrbuchwissen. 

Dank der Montagsfortbildungen verinnerliche ich zunehmend die deutlich praxis- und patientenorientiertere Herangehensweise an Krankheiten: Was sagt der Patient und zu welchen Symptomen passen die von ihm geschilderten Beschwerden? Was sind Vermutungen oder Auffassungen des Patienten selbst, was hinter den Beschwerden stecken könnte? Mit welchen Erwartungen kommt er? Welche Leitsymptome kristallisieren sich heraus und wie lassen sich diese in seine Vorgeschichte einordnen? Was sind abwendbar gefährliche Verläufe, die ich differenzialdiagnostisch im Hinterkopf behalten, abfragen und ausschließen muss? Was ist meine Verdachtsdiagnose und was die nächsten diagnostischen Schritte, um diese zu erhärten – welche können hier bei uns und welche im weiteren Verlauf eventuell beim Spezialisten angegangen werden? Welche therapeutischen Optionen gibt es und für welche wird sich – oft zusammen mit dem Patienten im Sinne des shared decision makings  – im ersten Schritt entschieden? In welchem Abstand sind weitere Kontrollen und eine weitere Betreuung des Patienten nun sinnvoll, um die Therapie eventuell anzupassen?

Gerade zu Beginn meiner Zeit hier fand ich es herausfordernd, mich mit jedem Patienten auf einen neuen Menschen mit neuer Geschichte und oft einer Fülle an eingestreuten Einzelheiten einzustellen und mich davon nicht überflutet zu fühlen, sondern die wesentlichen Details aus der Anamnese herauszufiltern, zu ordnen und präzise auf den Punkt zu bringen. Dort, wo nötig, genauer hinzuhören und nachzufragen, jedoch an anderen Stellen Abstriche machen zu lernen, um sich nicht in Einzelheiten zu verstricken und unnötig Zeit zu verlieren. Es gibt noch so viel zu lernen, aber nach und nach merke ich, dass es mir hilft dank des Lernumfelds hier eine innere Struktur aufzubauen, an der ich mich orientieren kann.

Umso mehr schätze ich Dr. Machacs pragmatische, teilweise minimalistische, gleichzeitig immer sehr überlegte und auf logischen Prinzipien basierte Art der Medizin. Wiederholt lässt er mich rätseln, welche Ursachen eines Krankheitsbildes (z.B. der sekundären Hypertonie oder der Leberzirrhose) die häufigsten sind und somit besonderes Augenmerk erfordern und was die nächsten Schritte einer Stufendiagnostik wären, um diese weiter zu eruieren. „Ich behandele keine Laborwerte, sondern Menschen. Mach dir immer bewusst: wie geht es dem Patienten, der vor dir sitzt“ ist eines seiner Prinzipien, welches ich die Woche über an der Behandlung verschiedener Patienten beobachten kann – sei es, das Abwarten mit einem Cholesterinsenker bei erhöhten Cholesterinwerten einer älteren, auf ihre Spaziergänge an der frischen Luft schwörenden Patientin, die stand-by Mitgabe eines Antibiotikums bei unkomplizierter Divertikulitis, oder die Medikamentenanpassung bei laborchemisch auffälliger, aber symptomfreier Hypokaliämie. So kann ich von seiner klaren, aufs Wesentliche konzentrierten und trotzdem gründlichen Art sehr viel mitnehmen und bin gespannt auf die nächste Woche.

 

Woche 8: 18.01. – 24.01.

Trotz der vielen COVID-bedingten Einschränkungen und unseres stillgelegten Alltagslebens scheint die Zeit gerade zu verfliegen. Nun, Ende Januar, ist die Hälfte meines Tertials bereits überschritten. Manchmal lasse ich meine Gedanken in die nächsten Wochen wandern und frage mich, was ich in der verbleibenden Zeit noch von hier mitnehmen möchte. Durch den Einblick in die ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen der Ärztinnen und Ärzte habe ich schon unheimlich viel für mich gelernt, wachse Schritt für Schritt hinein in mehr Selbstsicherheit, Struktur und Selbstständigkeit. Ich nutze meine dankbare Position als Studentin und lasse mich von Dr. Machac nicht nur ausfragen, sondern werfe auch ihm im Gegenzug Fragen zu, was uns beiden Spaß macht. Jetzt, in der dritten Woche bei ihm, hat sich unser Zusammenarbeiten eingespielt und ich merke, wie er mir nach und nach mehr Freiheiten überlässt, was mir wirklich Freude bereitet. Zunehmend kann ich die Beschwerden meiner PatientInnen richtig einordnen und diagnostizieren. Es ist jedes Mal ein kleines Glückserlebnis, wenn ich die nächsten Schritte, die ich immer häufiger gemeinsam mit ihnen überlege mit jenen übereinstimmen, die auch die behandelnde Ärztin oder Arzt im Anschluss vorschlagen.

Obwohl sich ab und zu schon ein bisschen Routine abzeichnet, kommen täglich viele neue Dinge dazu, die ich noch nicht weiß und gerne nochmal nachschlagen möchte. Mir wird immer wieder bewusst, wie viel es noch zu lernen gibt und wie vereinnahmend der ärztliche Beruf auch werden kann. Wie lernt man, da später eine gute Balance zu finden? Sich weiterzubilden, nachzulesen, aber auch Abstriche zu machen, um sich zum Ausgleich anderen Dingen zu widmen? Die Unsicherheit auszuhalten, der man sich bei dieser Wissensfülle bestimmt immer wieder stellen wird und dennoch seine PatientInnen nach bestem Wissen und Gewissen beraten zu können?

Da ist es eine große Bereicherung, Teil eines so engagierten und unterstützenden Teams zu sein, das sich im Rahmen von Fallvorstellungen, Fortbildungen und Journal Clubs regelmäßig austauscht und gegenseitig weiterbildet. Mitte der Woche findet die zweite Runde des Journal Clubs statt, der jeden Monat zunächst praxisintern, dann in der darauffolgenden Woche auch mit externen Kolleginnen und Kollegen abgehalten wird. Dafür werden verschiedene aktuelle Papers oder neue Versionen von Leitlinien vorbereitet und gemeinsam in der Gruppe diskutiert. Eine der besprochenen Studien zum Beispiel erweist sich als besonders praxisrelevant: sie schlägt einen neuen validierten Fragebogen als Entscheidungsinstrument vor, um das Risiko der relativ häufig angegebenen „Penicillinallergie“ leichter abschätzen zu können. Im Praxisalltag kommt es nicht selten vor, dass man PatientInnen mit einer zurückliegenden allergischen Reaktion auf Penicillin gegenübersitzt und sich unsicher die Frage stellt: kann ich dieses wichtige und für viele Indikationen das Medikament erster Wahl trotzdem geben oder muss ich auf ein anderes ausweichen?

Anhand von vier einfachen Fragen können wir zukünftig schnell das Risiko des/der PatientIn für eine allergische Reaktion bestimmen und haben somit eine Grundlage, um individuell beraten zu können. In unserer Diskussionsrunde erzählen ältere, erfahrene und junge KollegInnen dann auch von ihren persönlichen Erfahrungen rund um das Thema Penicillinallergie. Unter anderem berichtet eine der Ärztinnen von ihrem Vorgehen, die PatientInnen bei erstmaliger Gabe einfach für eine Stunde in der Praxis zu beobachten – ein Vorschlag, den bestimmt einige von uns nach diesem Treffen für sich mitnehmen werden. Diesem angeregten Austausch von einerseits evidenzbasierter Medizin und gleichzeitig persönlichen Erfahrungen und Geschichten mit PatientInnen oder individuell erprobten Herangehensweisen zu lauschen ist für mich als heranwachsende Ärztin unheimlich spannend und ich habe nach den Sitzungen oft das Gefühl, wieder etwas gelernt zu haben, was ich in keinem Lehrbuch hätte finden können.

Mit einem schmunzelnden „merk dir noch was: es hilft keinem etwas, wenn man sich für die Medizin verausgabt. Es ist auch wichtig, als Mensch glücklich zu sein“, verabschiedet mich Dr. Machac ins Wochenende. Zwischen all dem medizinischen Fachwissen erzählt er mir auch immer wieder von seinen Streifzügen mit der Kamera durch die Natur. Für diese Möglichkeit, hier sowohl wissenschaftliche als auch kleine menschliche Weisheiten sammeln zu können, bin ich sehr dankbar!  

 

Woche 9: 25.01. – 31.01.

Zu Beginn dieser Woche ist es wegen des Wintereinbruchs etwas ruhiger in der Praxis. Während es draußen schneestürmt und sämtliche unserer PatientInnen vermutlich mit Schnee schaufeln beschäftigt sind, kann ich mir zwischendurch die Zeit nehmen, um mich ein paar Themen intensiver zu widmen. Zusammen mit Frau Dr. Kleudgen gehe ich die neu eingetroffenen Laborergebnisse durch.  Mit dabei sind unter anderem auch die Blutwerte eines jungen rumänischen Patienten, den wir bereits in der Fallbesprechung letzte Woche diskutiert hatten. Bei seinem Check-up ist als Zufallsbefund eine klinisch unauffällige, mikrozytäre hypochrome Anämie aufgefallen, die, wie sich nun herausstellt, nicht durch die häufigste Ursache – den Eisenmangel – erklärt werden kann. Die Kommunikation mit dem Patienten war wegen der Sprachbarriere wohl schwierig. Er lebt in sehr prekären Verhältnissen und hat aufgrund seiner eng getakteten, unflexiblen Arbeitszeiten kaum die Möglichkeit, Arzttermine wahrzunehmen. So haben wir im Team beschlossen, gleich im ersten Schritt eine großzügigere Diagnostik zu veranlassen und uns klar gemacht, wie wichtig es in einem solchen Fall ist, den Patienten nicht aus den Augen zu verlieren. Ich nehme mir die Zeit, die Patientenakte und genaue Konstellation seiner Blutparameter nochmal unter die Lupe zu nehmen, erfahre, dass die Anämie wohl schon seit seiner Kindheit bekannt ist und lese mich in die Anämiediagnostik ein. Da vieles in Richtung einer mild ausgeprägten Thalassämie deutet, recherchiere ich die Prävalenzzahlen dieser Krankheit in Rumänien und versuche herauszufinden, inwiefern weitere Diagnostik und Therapieoptionen indiziert sind. Ich bin gespannt, auf welche nächsten Schritte wir uns im Team in der kommenden Fallbesprechung einigen.

Es freut mich, diese Woche seit Längerem mal wieder in Schöfweg mit Frau Dr. Kleudgen zusammenzuarbeiten. Was ich an ihr wirklich sehr zu schätzen gelernt habe, ist ihre direkte und nachforschende Art, den Dingen auf den Grund zu gehen. Immer wieder fällt mir ihr aufmerksamer, wacher Blick auf, mit dem sie ihren PatientInnen begegnet und sie wahrnimmt. Oft hakt sie im Gespräch an der entscheidenden Stelle nach und stellt eine einzige gezielte Frage, mithilfe derer sich diffuse Beschwerden sofort klarer herauskristallisieren und abgrenzen lassen, wie zum Beispiel: „Sie haben nun von mehreren Problemen berichtet. Was genau ist es, was Sie im Moment am meisten plagt?“, „Was konkret an Ihren Schmerzen ist jetzt anders als zuvor?“, „Sie kennen diese Beschwerden ja bereits länger. Was führt Sie genau heute damit zu mir, was ist heute anders als sonst?“,  „In welcher Situation treten die Beschwerden auf? Können Sie nochmal genau beschreiben, welche Bewegungen Sie konkret gemacht haben?“, „Eigentlich geht es Ihnen momentan gut, sagen Sie. Soll sich noch irgendetwas ändern?“ oder „Haben Sie das Gefühl, Sie sind jetzt wieder ganz der Alte?“.

So treffen wir in diesen Tagen gemeinsam auf einige PatientInnen, deren Diagnostik und Therapie durch etwas Feingefühl in eine klarere Richtung gelenkt werden können. Einer von ihnen ist ein Ende 60-jähriger, trainierter Patient mit Sportlerpuls von 56/Minute und anhaltendem Schwindel – passend zu unserer Fortbildung rund um das Thema Schwindeldiagnostik diese Woche. Der Vortrag war super, sehr praxisrelevant, und hat uns die zentrale Rolle der Anamnese sowie ein paar einfach durchzuführende klinische Tests näher gebracht. Nachdem sich hinter dem Begriff „Schwindel“ oft alles Mögliche verstecken kann, habe ich für mich vor allem diese Frage mitgenommen: „Können Sie bitte mal möglichst genau Ihre Wahrnehmungen beschreiben OHNE das Wort Schwindel zu verwenden?“ – „Ganz schwummrig wird mir im Kopf“, antwortet der Patient und fährt mit seinen Händen durch die Luft. „Gibt es bestimmte Auslöser für dieses Schwummrigsein?“ – „Vor allem wenn ich meine Sit-ups mache. Dann muss ich aufhören, sonst müsste ich mich übergeben.“ Beim Husten sei es wohl auch schon mal aufgetreten, bei einfachem Aufstehen aus dem Sitzen eher nicht. Kardiologisch wurde der Patient bereits vorher abgeklärt, auch der Kipptischtest war negativ. Da sich in unserem Gespräch herauskristallisiert, dass dieses „Schwummrigkeitsgefühl“ vor allem in Situationen mit erhöhtem intrathorakalen Druck auftritt, tippt Frau Dr. Kleudgen auf eine anstrengungsbedingte Vagusreizung und bittet den Patienten bis zum nächsten Kontrolltermin zu beobachten, ob sich eine Besserung durch Umstellung auf Übungen ohne starke Bauchpresse feststellen lässt.

Dieses genaue Hinschauen, Beobachten, Nachhaken, wodurch sich vieles schon im direkten Patientenkontakt mit Anamnese und Untersuchung herausarbeiten lässt, sind weitere Punkte, welche ich sehr dankbar von hier mitnehme. Dazu passt noch ein Satz aus dem Vortrag, den ich mir für die Zukunft merken möchte: „Die Diagnose in der Patientenakte ist immer von gestern. Es ist deshalb so wichtig, neugierig zu bleiben, offen zu sein, und sich immer wieder selbst ein Bild zu machen“.

Woche 10: 01.02. – 07.02.

Anfang der Woche begleite ich das Ehepaar Dr. Schoder in das Impfzentrum Freyung, wo auch ÄrztInnen aus unserer Praxis die Impfteams unterstützen. Dieter und Irmengard Schoder, die bis vor ein paar Jahren noch die Praxis in Schöfweg geführt haben, sind nun teilweise im Ruhestand. Fr. Dr. Schoder arbeitet noch in Teilzeit in der Praxis, aber beide beteiligen sich sehr rege an unseren Montagsfortbildungen und lassen uns dadurch an ihrem reichen Erfahrungsschatz teilhaben. Nachdem wir uns bis jetzt nur digital in den Videokonferenzen begegnet sind, freue ich mich auf die Gelegenheit, die beiden nun richtig kennen zu lernen. Sie sind unheimlich sympathisch und engagiert, haben bereits im Vorhinein einen Ordner mit allen wichtigen Informationen zur COVID-Impfung und der nicht ganz unkomplizierten Impfstoffzubereitung angelegt und schicken mir abends noch eine kleine Nachricht - „... wenn man schon mal einen Ikea-Schrank aufgebaut hat, schafft man auch das!“

Für uns drei ist es das erste Mal, dass wir bei den COVID-Impfungen mithelfen. Nach einer kurzen Einweisung vor Ort sind wir schnell ein eingespieltes Team und impfen an diesem Vormittag eine ganze Reihe an 80+ PatientInnen, welche die Impfung allesamt gut vertragen. Besonders schön ist allerdings die gemeinsame Fahrt hin und zurück. Um 7 Uhr morgens holen die beiden mich in Kirchberg ab, und wir fahren zusammen in ihrem braunen VW-Bus über noch schlafende Orte und Hügel, während sie mir von Langlaufausflügen und aus ihrem 30-jährigen Arbeitsleben in Schöfweg erzählen. Dr. Schoder hat eine Zusatzausbildung in Psychotherapie gemacht und hier später lange Zeit eine Balint-Gruppe geleitet. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es immer wieder Situationen mit PatientInnen gab, in denen ich einfach nicht wusste, wie ich mit ihnen rede oder wie ich ihnen im Gespräch weiterhelfen kann. Das war meine eigentliche Motivation, mich tiefer mit der Psychotherapie zu beschäftigen.“

Gleich an einem der nächsten Tage führe ich selbst ein nicht ganz einfaches Gespräch mit einer jungen Patientin und denke an unseren Austausch zurück. Die Patientin war zur Abklärung lang anhaltender Müdigkeit bereits zur Blutentnahme da und kommt nun zur Besprechung der Laborergebnisse. Im Gespräch merke ich, wie sehr sie darauf gehofft hatte, dass ihre Blutwerte alles erklären könnten, aber zu ihrer Enttäuschung sind diese komplett unauffällig. Ich versuche ein bisschen tiefer zu gehen, um herauszufinden, wie es ihr sonst geht und bitte sie, mir ihr Müdigkeitsgefühl genauer zu beschreiben. Ihr Schlaf sei gut, aber ohne 4 Tassen Kaffee käme sie in der Früh gar nicht mehr heraus. Diese Schlappheit ziehe sich den ganzen Tag hin. „Ich kann mich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Ich lese ein paar Zeilen, schaue dann aus dem Fenster.“ – sie lässt ihren Blick irgendwo weit in der Ferne haften – „und weiß ein paar Sekunden später nicht mehr, was darin stand.“ Mir kommt es vor, als hätte sie eine Barriere zwischen sich und ihrem Innenleben hochgezogen, durch die es auch für mich schwierig ist zu erahnen, was gerade in ihr vorgeht. Was ihr im Moment noch Freude bereitet? „Vor Corona bin ich gerne Tanzen gegangen“, meint sie nüchtern. Doch all das sei momentan nicht mehr möglich, eigentlich könne sie sich gerade zu nichts aufschwingen. „Ach noch was, ich fange leicht an zu weinen, bin gereizt, ich weiß auch nicht warum. Ich dachte, das sei vielleicht normal“, erwähnt sie nebenbei in einem distanziert ironischen Unterton. In dem, was sie beschreibt, erahne ich, dass eine depressive Verstimmung Ursache ihrer schnellen Ermüdbarkeit sein könnte. Aber was ist im Moment überhaupt noch normal?, frage auch ich mich. Geht es nicht vielen Menschen in dieser schwierigen COVID-Lage gerade ähnlich? Wie könnte man dieser Patientin nun weiterhelfen?

Ich frage, ob sie vielleicht selbst Vermutungen hat, woher ihre Beschwerden kommen könnten. „Ich hatte gehofft, ich hätte irgendeinen Mangel. Irgendetwas muss sich doch finden lassen, so komme ich in meinem Alltag jedenfalls nicht mehr klar“, meint sie. Ich versuche vorsichtig, meine Verdachtsdiagnose Depression anzusprechen, ob sie sich das vorstellen könne. Ich spüre, dass wir uns auf dünnem Eis bewegen. Die Patientin könnte sich jederzeit komplett verschließen und das Vertrauen verlieren. Einen Moment ist sie stutzig – ich spüre meine eigene Unsicherheit in mir pochen, habe ich sie damit vielleicht vor den Kopf gestoßen? Sie hält inne, ich versuche die Stille auszuhalten. Dann meint sie zögerlich „Ja schon... vielleicht“.

Zusammen mit Sarah Moschko, die auch dazukommt, versuchen wir herauszuarbeiten, welche Ressourcen die Patientin momentan noch hat. Gibt es irgendetwas, wo Sie momentan Kraft tanken können? „Ich habe eine Katze, die lässt sich gern streicheln.“ Sarah druckt ihr den PHQ9-Fragebogen zur Bearbeitung bis zum nächsten Gespräch aus, zu dem wir sie einbestellen, um nochmal eine tiefergehende Diagnostik bezüglich einer Depression zu machen. Dann skizziert sie schon mal die verschiedenen Therapiemöglichkeiten, damit die Patientin sich diese in Ruhe durch den Kopf gehen lassen kann. Sarah strahlt trotz ihrer wenigen Monate Arbeitserfahrung bereits so viel herzenswarme Souveränität aus und zeigt volles Engagement, der Patientin helfen zu wollen, dass diese sich nach dem Gespräch, trotz anfänglicher Schutzbarriere, so glaube ich, wirklich gehört fühlt. 

Für mich ist es das erste Mal, dass ich den Verdacht einer Depression in einem Patientengespräch eingefädelt habe. Ich merke, wie viel Last es einem abnimmt, die PatientInnen nicht hier und jetzt auf der Stelle diagnostizieren und behandeln zu müssen, sondern ihnen Zeit für das Sacken lassen einer Verdachtsdiagnose geben zu können, und die Freiheit zu haben, sie für die nächsten Schritte wieder einzubestellen. Das zu erfahren, gibt mir Sicherheit und Gewissheit, dass es in manchen Fällen auch ok ist, nicht sofort handeln zu müssen, sondern ein gewisses Maß an Unsicherheit erst mal auszuhalten, um den weiteren Weg im Verlauf gemeinsam mit den PatientInnen zu entscheiden.

Woche 11: 08.02.-14.02.

Zusammen mit den beiden Assistenzärztinnen Svenja Nitsche und Sarah Moschko verbringe ich die Woche in Lalling und habe somit alle Standorte der Gemeinschaftspraxis Bayerwald einmal kennen gelernt. Es ist schwer zu sagen, wo es mir am besten gefällt – alle der insgesamt sechs Praxen haben ihre eigene Atmosphäre und man lernt in jeder doch nochmal einen etwas anderen Blickwinkel auf die Allgemeinmedizin kennen. Gleichzeitig ist das eine der großen Stärken dieses Praxisnetzwerks, finde ich: die große Bandbreite an verschiedenen ÄrztInnen mit unterschiedlichem Arbeitsstil und Schwerpunkten, die dennoch in regem Austausch stehen und sich alle für die gleiche Art Medizin einsetzen. Ich schätze es sehr, in diesem Team eine solche Vielfalt miterleben zu können.

Da sich mein erstes Tertial nun schon langsam dem Ende zuneigt, schlagen mir Sarah und Svenja vor, vermehrt zu versuchen, PatientInnen wirklich komplett selbstständig zu beraten – d.h., von Anamnese, über Untersuchung, bis hin zu Verdachtsdiagnose und weiteren Therapieüberlegungen – und sie erst im Anschluss dazu zu holen, um ihnen dann den gesamten Fall vorzustellen. Ich arbeite unheimlich gern mit den beiden zusammen und bin immer wieder sehr fasziniert, was sie nach dieser kurzen Zeit Praxiserfahrung bereits an Kenntnissen erworben haben, wie engagiert und herzlich sie sich ihrer PatientInnen annehmen, sie beraten und unterstützen, und sich dabei auch immer wieder gegenseitig unter die Arme greifen und weiterhelfen. Da die Uni für beide noch nicht lange her ist, können sie mir aus ihrer eigenen Erfahrung Tipps geben, was gerade in Hinblick auf das mündliche Examen oder dann für den Berufseinstieg im Anschluss wichtig ist, sich anzueignen.

Sie legen mir nahe, wie hilfreich es ist, sich bei Anamnese und Untersuchung innerlich eine eigene Struktur aufzubauen, was auch ich zunehmend an mir selbst beobachten kann. Auch wenn es manchmal gar nicht so leicht ist zu erfassen, was ich bei der Fülle an Begegnungen mit unterschiedlichen PatientInnen bereits alles gelernt habe, so habe ich, gerade was den selbstsicheren und zunehmend auch eigenständigen Umgang mit PatientInnen betrifft, hier  viel für mich mitgenommen. Vor allem bei häufigen Beratungsanlässen, wie beispielsweise Rückenschmerzen, kann ich immer öfter auf mein inneres Raster zurückgreifen, um dann darüber hinaus auf die eigenen Nuancen einzugehen, die jede/r PatientIn mit sich bringt, ohne mich in Details zu verlieren. Andererseits gibt es immer noch viele Situationen, in denen ich sehr dankbar bin, ihre Rückenstärkung zu haben und noch nicht allein die Verantwortung tragen zu müssen. Aber auch Svenja und Sarah können in komplexen Fällen jederzeit bei einem/r der FachärztInnen nachfragen, was gerade zu Berufsbeginn sehr viel Sicherheit gibt und diese frühe Eigenständigkeit im ambulanten Bereich direkt nach der Uni, denke ich, überhaupt erst möglich macht.

Im Laufe der Woche nutze ich noch die Gelegenheit, Petra Weinmann, unserer Spezialistin für Diabetes-PatientInnen über die Schulter zu schauen. Sie ist Hauptansprechpartnerin bei den Kontrollterminen im Rahmen des DMP-Programms für Diabetes und hat durch den regelmäßigen Kontakt sowie das oft schon jahrelange Begleiten einen engen Draht zu ihren PatientInnen, was sehr schön ist, zu beobachten. Mit viel Empathie führt sie oft nicht einfache Gespräche über die Frage des Beginns einer Insulintherapie oder über Ernährungsumstellung bei Diabetes. Im Gespräch eruiert sie die Befürchtungen sowie den Willen ihrer PatientInnen, sich präventiv für einen gesünderen Lebensstil einzusetzen und versucht mit ihnen gemeinsam ein Ziel herauszuarbeiten. „Eine Diabetesdiagnose ist für viele verbunden mit einer großen Last an Entscheidungen und Kontrollen. Mir liegt es am Herzen, dass meine PatientInnen sich nicht unter Druck gesetzt fühlen ihren Lebensstil komplett ändern zu müssen und von nun an nur noch mit lauter Verboten zu leben. Das Wichtigste ist für mich, dass die Lebensqualität erhalten bleibt. Ich versuche das Essverhalten meiner PatientInnen kennen zu lernen – ihnen mitzuteilen: das bist halt Du, verurteil Dich nicht deswegen. Auf keinen Fall sollen sie bei jedem Essen ein schlechtes Gewissen haben. Die PatientInnen sollten lernen, sich zu disziplinieren, kleinere Portionen zu sich zu nehmen, aber sich auch weiterhin was gönnen dürfen,  zum Beispiel einen Wohlfühltag einzubauen und dann mit Bewegung auszugleichen.“ erklärt sie mir. „Ich möchte, dass Du mit gutem Gefühl hier herausgehst.“, legt sie ihrer Patientin nahe, mit der sie soeben die neu angesetzte Insulintherapie besprochen hat.  Gerade was das Angehen solch zeitintensiver und komplexer Themen wie der Diabetesbetreuung betrifft, scheint es mir für die PatientInnen sehr wertvoll, hier eine so fachkundige Betreuung genießen zu dürfen.

Donnerstag morgen werde ich von einer Schar tanzender Luftschlangen und einem bunt verkleideten Praxisteam überrascht – und bekomme mangels eigener Verkleidung noch rechtzeitig eine Luftschlange ins Haar gebunden bevor es mit der Sprechstunde losgeht. Die Helferinnen, allesamt Freude versprühend hinter ihren bemalten Masken, haben eine große Ladung Krapfen mitgebracht. Auch den PatientInnen huscht immer wieder ein Schmunzeln übers Gesicht, wenn eine Ärztin mit Schildkröte oder Seepferdchen auf dem Kopf zur Tür herein kommt, oder ihnen ein Katzenschnurrbart bei der Blutentnahme zu grinst – aber wie Petra an diesem Tag meint „Gerade in dieser Zeit ist es doch besonders wichtig, dass wir auch einfach mal wieder lustig zusammen sein können.“ Das hat diese Praxis jedenfalls drauf!

Woche 12: 15.02. – 21.02.

Ich möchte an dieser Stelle endlich einmal über die Freizeitmöglichkeiten und das Zusammenleben hier auf dem Kirchenberg schreiben, was beides einen ganz wesentlichen Teil des PJ-Tertials ausmacht.  Ich bewohne die Einzelwohnung mit eigener Wohnküche, Bad und Schlafzimmer, bin aber nur wenige Schritte über den Flur von meinen MitbewohnerInnen in der größeren Wohnung entfernt, sodass wir letztlich alle eine gemeinsame WG bilden. Gerade in dieser seltsam isolierten COVID-Zeit, in der man sich schnell mal alleine fühlt, ist es umso wohltuender, immer wieder die Möglichkeit menschlicher Gesellschaft genießen zu können. Wir haben mit unserem eigenen Zimmer jederzeit einen Rückzugsort, verbringen aber auch gern gemeinsame Stunden in dem gemütlichen Wohnzimmer. Es ist einfach sehr schön, in dieser intensiven Zeit hier Menschen um sich zu haben, die ähnliches erleben und vergleichbare Höhen und Tiefen durchlaufen. Sich bei einem gemeinsamen Abendessen oder einer Tasse Tee über den Tag austauschen zu können, von schwierigen oder interessanten PatientInnen und Situationen zu erzählen, tut sehr gut und ist mit Teil des umfassenden Lernprozesses, den man hier durchläuft.

Ein paar Wochen nach mir ist Jonas, mein Mit-PJler, mit in die WG auf dem Kirchenberg eingezogen. So konnten wir uns in unserer gemeinsamen Zeit hier einige medizinische Projekte vornehmen – wie z.B. sämtliche Fälle aus den wöchentlichen Falldiskussionen nachverfolgen oder Untersuchungsabläufe und Krankheitsbilder wiederholen – aber auch in den Zwischenpausen die Spazierwege rund um den Kirchenberg oder neue Kochrezepte in unserer Küche ausprobieren. Seit kurzem sind nun auch noch Kathi und Julia mit dabei, zwei Famulantinnen, die uns für eine kürzere Zeit Gesellschaft leisten. Öfters mal sind wir dann auch zu zweit in der Sprechstunde, was sich sehr schön eignet, um an sich gegenseitig das Ultraschallen zu üben oder gemeinsam PatientInnen zu sehen und sich im Anschluss Feedback zu geben. Somit ist das Zusammenleben mit den anderen Studierenden hier nicht nur medizinisch sondern auch in der Freizeit wirklich eine große Bereicherung.

Gerade ohne Auto hatte ich zu Beginn etwas Bedenken, wie ich mich hier fortbewegen würde, aber dank der Mitfahrgelegenheit bei meinen MitbewohnerInnen, sei es zum Einkaufen, zu Ausflügen oder auch zu den verschiedenen Praxisstandorten – zu denen ich oft glücklicherweise auch von den sehr engagierten MFAs mitgenommen werde – war das für mich überhaupt kein Problem. Zwar ist das Freizeitangebot durch COVID sicherlich etwas eingeschränkt, aber dennoch bin ich unheimlich froh, diese schwierige Zeit von Natur umgeben verbringen zu dürfen. An den Wochenenden erkunde ich oft zu Fuß die Gegend (ich liebe meine Streifzüge durch den Winterwald, in dem der Schnee sich jetzt langsam zurückzieht und das Frühlingslicht sich seinen Weg durch die Baumwipfel bahnt), gehe eine Runde joggen, probiere mit Kathi zusammen das Langlaufen aus (die Langlaufski lassen sich übrigens ganz unkompliziert und günstig durch die Ehefrau von Dr. Blank über den Schiverein Kirchberg ausleihen), oder breche gemeinsam mit den anderen zu einer größeren Wanderung auf.

Auch an diesem Samstag nutzen wir vier die Sonne und aufkeimenden Frühlingsgefühle, um einer Wanderempfehlung von Sarah Moschko zu folgen und einen Ausflug zum Dreisesselberg zu unternehmen. Er liegt nahe des Nationalparks und des Dreiländerecks und ist knapp eine Stunde mit dem Auto von Kirchberg entfernt. Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf zu diesem sagenumrankten Berg, den auch Adalbert Stifter als „geologischen Wunderberg“ bezeichnete. Durch dichten Hochwald, vorbei an moosbedeckten Steinen und wilden Tannen geht es ziemlich steil hoch zum Gipfel. Dort, so erzählt es die Sage, hätten die Könige von Bayern, Böhmen und Österreich auf drei Felssesseln gethront, um über den Verlauf ihrer Landesgrenzen zu verhandeln. Hier oben ragen tatsächlich mehrere bizarre Steinhaufen in den Himmel, dahinter erstreckt sich ein Meer aus, vom Borkenkäfer angefressener Fichten. Bei einem wunderbaren, atemberaubend weiten Blick in alle Himmelsrichtungen lassen wir uns auch auf einem der großen Felsbrocken nieder und genießen ein Picknick in der Mittagssonne. Nach etwa 5 Stunden sitzen wir müde, aber glücklich im Auto zurück nach Kirchberg. Ein sehr besonderer Wochenausklang!

Woche 13: 22.02. – 28.02.

In diesen Tagen spüre ich schon das Ende meines Tertials heranrücken und kann einfach nicht glauben, wie schnell die Zeit verfliegt. Einerseits bin ich gespannt, was im nächsten Tertial auf mich wartet – wie es sich nun anfühlen wird, nach meiner Zeit hier ans Krankenhaus zu gehen, mit der Rückenstärkung und der wachsenden Eigenständigkeit, die ich hier erfahren durfte? Wie ich mich wohl im Vergleich zum Beginn meiner Zeit hier verändert habe, in der Begegnung mit den PatientInnen, in meiner Herangehensweise an Diagnostik und Therapieentscheidungen, im Umgang mit der Fülle an Wissen und Nichtwissen? Andererseits werde ich bei dem Gedanken an den baldigen Abschied auch ein bisschen traurig, so integriert fühle ich mich mittlerweile in dieses Team, welches mir über all die Wochen ans Herz gewachsen ist.  

Zusammen mit Frau Dr Kleudgen habe ich bereits am Freitag vergangener Woche noch bis abends im Impfzentrum Freyung gearbeitet, was zwar ziemlich stressig war, mir aber dank unserer eingespielten Frauenpower-Teamarbeit sehr viel Spaß gemacht hat. Diese Woche verbringe ich nochmal bei ihr in Schöfweg in der Praxis. Es ist schön zu bemerken, wie mir die ÄrztInnen nach und nach mehr Eigenständigkeit zutrauen und ich mittlerweile auch in komplexere PatientInnenfälle selbstverständlich mit involviert werde. So bittet sie mich beispielsweise in der Akte einer Hausbesuchspatientin nachzuforschen, wie wir bei ihr weiter vorgehen sollten. Bei der bereits Ende 80-jährigen Patientin wurde schon vor Jahren als Zufallsbefund die asymptomatische Vorstufe eines Multiplen Myeloms diagnostiziert, eine Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), deren Verlauf regelmäßig durch Blutentnahmen kontrolliert wird. Ich recherchiere die Kriterien für die Verlaufskontrolle, versuche mir anhand früherer Arztbriefe und der Laborkontrollen zumindest in digitaler Form ein Bild über den Zustand der Patientin zu machen und stelle ihren Fall bei unserer nächsten Fallbesprechung vor. Müssen wir bei dem kontinuierlich ansteigenden Leichtketten-Quotienten engmaschiger oder zusätzlich etwas kontrollieren, um den Übergang in ein Multiples Myelom nicht zu verpassen?

Nicht selten bringt die Diskussion im Team mehr Gewissheit und neue Anstöße, wodurch anschließende Diagnostik und Therapie fokussierter angegangen werden können. So empfiehlt Dr. Machac zum Beispiel noch das einmalige Abnehmen von zwei weiteren Blutparametern mit prognostischer Bedeutung. Frau Nitsche berichtet aus Erfahrung im Rahmen ihrer Doktorarbeit, dass engmaschigere Kontrollen jenseits der 90 Jahre generell eher nicht mehr zu empfehlen seien: Die Wahrscheinlichkeit des Übergangs eines MGUS in ein Multiples Myelom beträgt pro Jahr nur 1% und die therapeutischen Konsequenzen wären in diesem hohen Alter ohnehin sehr belastend. Und Dr. Blank betont seinen Grundsatz, dass wir Menschen und keine Laborwerte behandeln und weitere Schritte im gemeinsamen Gespräch mit der Patientin entschieden werden sollten. Vor allem bei solch komplexeren Fällen und der Frage – wie führe ich meine Patientin weiter? -  erweist sich dieses Zusammenbringen von verschiedenen Perspektiven und Erfahrungsschätzen als sehr wertvoll. Wie es der Zufall will, sitzt ein paar Tage später erneut ein Patient vor mir, bei dem im Rahmen eines Klinikaufenthalts der Verdacht auf ein MGUS gestellt wurde. Durch unsere Fallvorstellung ein paar Tage zuvor kann ich mich erinnern, welche weiteren Fragen ich dem Patient stellen und auf welche Laborwerte ich achten muss. Im gemeinsamen Gespräch versuche ich dem Patienten, welcher die Verdachtsdiagnose bisher nicht wirklich vermittelt bekommen und verstanden hat, in einfachen, klaren Sätzen zu erklären, worum es sich dabei handelt. Es berührt mich, als er sich danach sichtlich weniger verwirrt bei mir für meine Mühe bedankt. Das sind die kleinen Momente, in denen ich merke, dass ich hier doch unmerklich mehr und mehr in meine Rolle als Ärztin geschlüpft bin.

Ende der Woche, am letzten Abend der beiden Praktikantinnen Kathi und Julia, kochen wir nochmal alle zusammen und lassen die letzten Wochen an uns vorbeiziehen, erzählen von lustigen Begebenheiten aus unserem Praxisalltag und lachen gemeinsam bis uns die Tränen kommen – Momente voller Unbeschwertheit, die nach Abschied und Neuanfang schmecken. Ich werde die beiden vermissen. Es war sehr besonders, hier zusammen ein paar Wochen so intensiv in eine Welt eingetaucht zu sein. Jetzt ziehen wir dann bald wieder alle unserer eigenen Wege. Wer weiß, vielleicht kreuzen sie sich ja nochmal, hier oder anderswo...

Woche 14: 01.03. – 07.03.

Freitag Nachmittag sitze ich im Zug zurück nach Hause – mit einem weinenden und einem lachenden Auge – und blicke auf meine letzte Woche im Bayerwald zurück, welche gefüllt war von Abschlussgesprächen und Abschied nehmen. Ich spüre tiefe Dankbarkeit, mein erstes Tertial in diesem wunderbaren Team verbracht zu haben und bin mir sicher, nun mit mehr Selbstvertrauen und Eigenständigkeit in das nächste Kapitel starten zu können. Gerade was meinen Umgang mit PatientInnen betrifft, meine innere Haltung, mit der ich ihnen begegne – nicht mehr als Studentin sondern zunehmend als Ärztin – so konnte ich in diesem Lernumfeld unheimlich viel für mich mitnehmen. Immer wieder habe ich mich während des Studiums gefragt, ob ich mich in der Medizinwelt wirklich sehen kann. Im Rückblick haben mich die 4 Monate hier sehr geprägt und ich habe das Gefühl, nun Schritt für Schritt in diese neue ärztliche Rolle hineingewachsen zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar! Ich habe selten so intensiv in einer solch motivierenden, unterstützenden Lernatmosphäre gearbeitet wie hier, wo einem die Möglichkeit gegeben wird, die eigenen Stärken herauszulocken, zu erproben und zu entfalten. Es wird viel von einem gefordert, aber wenn man bereit ist zu geben, bekommt man sehr viel zurück.

Durch das vielfältige Weiterbildungsangebot über den Praxisalltag hinaus, die Fortbildungen, Fallbesprechungen und Journal Clubs konnte ich mir nicht nur Schritt für Schritt eine innere Struktur anlegen, sondern habe kritisches Reflektieren von Diagnostikmethoden und Therapien gelernt, habe einen Einblick bekommen, wie evidenzbasierte Medizin funktioniert, wie Wissen generiert wird, und wo sich Nicht-Wissen nachschlagen lässt. Gerade was den Umgang mit Wissenslücken angeht, ist das offene Angebot, hier immer seine KollegInnen um Rat fragen zu können und unterstützende Antworten zu erhalten, sehr wertvoll. Dieses Zusammenarbeiten und sich unter die Arme greifen, anstatt der vielen Einzelkämpfe, die oft in der Medizin ausgefochten werden, habe ich als sehr besonders empfunden. Die ÄrztInnen und MFAs sind alle unterschiedlich, sodass man von jeder und jedem von ihnen einen neuen Aspekt oder Blickwinkel mitnehmen kann – und dennoch setzen sich alle für die gleiche Art von Medizin ein. Das Bild von Dr. Blank, das er mir bei unserem Abschlussgespräch nahelegt, beschreibt es sehr passend, finde ich: er sieht seine Rolle als Dirigent eines Orchesters, in dem jede und jeder ein eigenes Instrument spielt – durch seine herzlich offene, unheimlich engagierte Art und die Zusammenarbeit von allen entsteht daraus ein großes, harmonisches Ganzes, in dem sich die vielfältigen Stimmen ergänzen. Ich habe mich während meiner Zeit hier sehr gut integriert und gewertschätzt gefühlt und finde es wirklich bewundernswert, was dieses Team auf die Beine stellt!

Der Abschied von den vielen wunderbaren Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, fällt mir nicht leicht und ich hänge in den nächsten Tagen in Gedanken immer wieder an Erinnerungen und Erfahrungen, die ich mit mir tragen werde. Wie mir Frau Dr. Kleudgen als Ermutigung für die nächsten Schritte mit auf den Weg gibt – „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen mit dieser neu gewonnenen Energie mit sich bringen werden und freue mich sehr, wenn sich unsere Wege wieder kreuzen – auf welche Art und wann auch immer... 

Julia Aicher

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Wochen 15 & 16

Woche 1: 18. - 22.11.2019

Nachdem ich bereits im März diesen Jahres am Exzellenten Winter 2019 teilnehmen durfte und noch nie eine so tolle Famulatur gehabt hatte, entschied ich mich, mein PJ-Wahltertial auch im Bayrischen Wald zu verbringen, in der Hoffnung weiterhin auf so viele offene Arme, Unterstützung und gute Lehre zu treffen.

Ich war sehr überrascht, als ich erfuhr, dass wir PJ-ler in einer extra für Studenten angemieteten Studentenwohnung unterkommen können. Und was für Wohnungen! Nach all den Jahren des Studiums und diversen kleinen WG-Zimmern in München konnte ich mein Glück kaum fassen - hier wartete ein richtiges Zuhause auf mich!
Den Dorfhund “Lucky” lernte ich auch gleich kennen, der mir täglich mindestens ein Mal “Hallo” sagt und mir meine erste Woche damit umso mehr versüßt hat.

Am Montagmorgen empfing mich Dr. Blank wie gewohnt herzlich und nahm mich in die frisch zu den anderen vier Praxen gestoßene Praxis in Auerbach mit. Auch das Team der Sprechstundenhelferinnen empfing mich freundlich und immer bereit, mir bei der Eingewöhnung zu helfen und mir die ganzen Kniffs und Tricks im Praxisalltag zu zeigen.

Im Laufe der ersten Woche durfte ich außerdem bereits einen Großteil des Ärzteteams kennenlernen, die mich allesamt herzlich begrüßten und sich alle Mühe gaben, mich in den Praxisalltag mit einzubeziehen und mir dabei auch etwas beizubringen.
Während ich in dieser Woche bereits gefühlt mehr Patienten gesehen habe als ich zählen kann, bleiben doch einige im Gedächtnis und beschäftigen mich schon jetzt immer wieder. Besondere Highlights waren für mich beispielsweise eine Impfberatung bei Autoimmunerkrankung und geplanter Auslandsreise, ein Hausbesuch gemeinsam mit der praxiseigenen Diabetes-Fachkraft und eine Gesundenuntersuchung beim Kind.

Beeindruckt war ich von den regelmäßigen Themen- und Fallbesprechungen, die innerhalb des Praxisverbunds praxisübergreifend stattfinden. Schon am Montag durfte ich bei der Montagsbesprechung (jeden Montag zu einem vorher bereits bekannten Thema) Protokoll führen und konnte dabei gleich das Gehörte wiederholen und strukturieren. Die Fallbesprechungen jeweils dienstags und donnerstags konnte ich ebenfalls schon miterleben und fand toll, wie die Ärzte Patienten, bei denen sie etwas an dem Fall weiterhin beschäftigte, mit dem Team besprechen und sich dabei Rat und Unterstützung holen konnten.

Die Woche hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ich freue mich auf die nächsten!

 

Woche 2: 25.11. - 01.12.2019

Die zweite Woche kam und ging viel schneller, als ich für möglich gehalten hätte.
Während wir in der Montagskonferenz “chronischen Schmerz” besprachen - ein Thema, das für Alle anfangs eher schwer zu greifen war, am Ende der Besprechung aber doch mit einigem an neuen Erkenntnissen abgeschlossen werden konnte - ging es Dienstag gleich weiter mit den Fallbesprechungen.

Ich finde es toll, nun schon vereinzelt Patienten wieder zu erkennen ohne nachsehen zu müssen, was ihre Krankengeschichte ist und mich so direkt in den Heilungsprozess eingebunden zu fühlen.
Zunehmend kann ich mein Erlerntes anwenden und merke, wie ich auch an Sicherheit im Umgang mit gewissen Krankheitsbildern gewinne. Gleichzeitig erlebe ich immer wieder, wie ich genau bei diesen Krankheitsbildern dadurch umso mehr “Aha-Momente” habe, wenn ich einen der Ärzte begleiten und über die Schulter schauen darf.

Am Mittwoch Abend trafen sich viele von uns im “Guad Netz” in Regen zum Journal Club. An diesem Abend wurden neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu mehreren verschiedenen Themen zuerst in Kleingruppen besprochen, um dann der gesamten Gruppe vorgestellt und gemeinsam diskutiert zu werden. Die Fragen, die in der Diskussion auftraten aber nicht beantwortet werden konnten, werde ich nun weiter recherchieren und dann eventuell gefundene Antworten an die Gruppe weiterleiten.

Was mir besonders gefiel, war die anregende Diskussion zu hoch spannenden Themen, in die ich ganz ohne Weiteres mit einbezogen wurde. Kontrovers diskutiert wurde insbesondere ein Arzneimittelbrief zu der neuen europäischen “Leitlinie” zur Lipidsenkung. Diese empfiehlt, praktisch unabhängig vom kardiovaskulären Risiko, so gut wie allen Patienten Statin-Senker zu verschreiben. Außerdem wurde die Studie zu 70% von AutorInnen verfasst, die Interessenkonflikte mit den Herstellern der in der Studie empfohlenen Arzneimittel hatten.

Ein besonderes Highlight meiner Woche war auch der Freitagnachmittag, an dem sich Rebecca Ebner, eine der Ärztinnen der Praxis, an ihrem freien Tag Zeit nahm, mit mir Fälle für das dritte Staatsexamen durchzusprechen und anhand derer Themen zu wiederholen. Danach war ich regelrecht beflügelt!

Was mich aber überrascht, ist, wie erschöpft ich trotz der tollen Bedingungen und dem freundlichen Arbeitsklima im gesamten Team bin. Mir fällt auf, dass ich unter der Woche gerne mehr Zeit hätte, das Erlernte, Beobachtete und Gehörte zu verarbeiten und mich damit noch einmal auseinander zu setzen. Ich hoffe, dass ich mit diesem für mich neuen Lebens- und Arbeitsrhythmus in den kommenden Wochen lerne, besser umzugehen.
Ich freue mich schon wieder darauf zu sehen, wie es weiter geht!

 

Woche 3: 02. - 08.12.2019

Diese Woche hat für mich so richtig die Vorweihnachtszeit eingeläutet. Jeder Morgen beginnt mit Rauhreif auf den Bäumen und Feldern und ein atemberaubenden Sonnenaufgang versüßt mir das Aufstehen. In Kirchberg hat dieses Wochenende sogar der Weihnachtsmarkt aufgemacht und ich verbrachte den Sonntag in der Weihnachtsbäckerei!

In dieser Woche hatte ich endlich Gelegenheit, mit meinen Lernzielen aufzuholen. Mein Wochen-Schwerpunkt waren Medikamente - inklusive Wechselwirkungen, Dosisanpassungen bei chronischen oder akuten Krankheiten und Multimedikation - und Impfen.

Die Praxis hat in den virtuellen Karteikarten eine Impfsoftware, die das Leben zwar ungemein erleichtert, mir aber bisher erspart hat, mich wieder mit dem Impfkalender aktiv auseinander zu setzen. Dafür konnte ich schon das beim letzten Journal Club erlernte Wissen über Impfen bei Immunschwäche in die Praxis umsetzen.
Passend dazu war das Thema der Montagsbesprechung “Immunschwäche”. Besonders spannend war für mich, wie man eine “physiologische” von einer “pathologischen” Immunschwäche abgrenzt: Wann hat die Immunschwäche an sich tatsächlich Krankheitswert? Das ist klinisch gar nicht so klar abgrenzbar!

Dank der Montags- und Fallbesprechungsprotokolle bin ich mittlerweile nun hellauf begeistert von den AWMF- und Deximed-Websiten. Schon vor dem PJ kannte ich beide Seiten, hatte aber nur selten wirkliche Verwendung dafür. Jetzt aber schaue ich als erstes auf Deximed nach, wenn ich etwas recherchieren will, und suche zu jedem größeren Thema noch eine Leitlinie. Immer wieder bin ich verblüfft wie exakt sich die persönlichen Vorgehensweisen und Ratschläge der Ärzte mit den Leitlinien decken.

Ein besonderes Highlight diese Woche war meine Hospitation in der nephrologischen Praxis von Dr. Kammerl. Hier durfte ich Dienstagvormittag zum ersten Mal eine Dialysestation von Nahem bestaunen, einem Pfleger beim An- und Abhängen der Patienten über die Schulter schauen und mich mit einigen Patienten sogar näher unterhalten. Ich fand erschreckend, was die meisten Dialysepatienten jeweils für einen unglaublichen persönlichen Leidensweg hinter sich haben und wie positiv sie doch eingestellt sind - wirklich bewundernswert!
Dr. Kammerl gab mir auch die Möglichkeit, ihn in seiner Sprechstunde einige Zeit zu begleiten und ließ mich selbst BGAs und Medikamentenpläne beurteilen. Überraschend fand ich, dass bei den nephrologischen BGAs nicht so sehr auf den pH-Wert als eher auf den Base Excess und das Bikarbonat geachtet wird! Es ist wirklich erstaunlich, mit wie wenig bleibender Nierenfunktion der menschliche Körper noch arbeiten kann.

Mittwoch Nachmittag durfte ich Dr. Blank auf zwei Fortbildungen begleiten.
Die Erste fand in der AOK in Regen zu dem Thema Suizidprävention statt, bei der sich eine überaus interessante Diskussion entspann. Die große Frage, die immer wieder auftrat, war, was nötige Maßnahmen seien, um eine flächendeckende Versorgung zur Suizidprävention zu ermöglichen.
Eine Aussage, die mir wirklich im Kopf blieb, war, dass es für Herzinfarkte und Schlaganfälle ein ganz klares Versorgungsschema gibt und diese umgehend klinisch versorgt werden, während Suizidversuche nicht zwingend versorgt werden müssen.
Ich bekam den Eindruck, dass sich bei diesem Thema ein System der falschen Unsicherheit etabliert hat, obwohl die Vorgehensweise im Notfall, von einem medizinischen Standpunkt her, ganz klar ist.
Die zweite Fortbildung behandelte ein chirurgisches Thema: Endoskopische Komponentenseparation bei Versorgung großer Narbenhernien. Hier trug Dr. Blaha aus Zwiesel vor, wie man bei großen Narbenbrüchen die auseinander gewichenen Bauchdeckenanteile wieder so mobilisieren kann, dass ein suffizienter Bauchdeckenverschluss gelingt.

Auch die Freizeit sollte in dieser Woche nicht zu kurz kommen. Donnerstagabend traf sich das gesamte Praxisteam zur Weihnachtsfeier in der “Griabige(n) Pizzastubn”.
Neben interessanten Unterhaltungen, ausgezeichnetem Essen und mehreren Ansprachen kamen wir sogar in den Genuss, eines von den Azubis vorgetragenen Weihnachtsgedichtes.
Ich fand schön, das ganze Team auch einmal in so lockerem Rahmen kennenzulernen und ein wenig mehr auch über die jeweiligen persönlichen Hintergründe zu erfahren. Nun freue ich mich umso mehr, alle am Montag für einen neuen Wochenstart wieder zu sehen.

Was zwar nicht so richtig etwas mit meiner Ausbildung im PJ zu tun hat, aber dennoch mein persönliches Wochenhighlight war: ich hatte am Freitag meine erste Saxophon-Unterrichtsstunde im bayrischen Wald!! Es tat richtig gut, wieder zu spielen, und selbst die MFAs meinten in der Nachmittagssprechstunde, ich würde noch mehr strahlen als sonst. Ein tolles Erlebnis und eine sehr schöne Woche gehen nun also zu Ende.

Woche 4: 09. - 15.12.2019

Vor dieser vergangenen Woche graute es mir schon eine ganze Weile, weil ich mir zusätzlich zum Praxisalltag einmal wieder zu viel aufgeladen hatte. Aber wie man so schön sagt, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Nachdem ich montags nämlich von Dr. Machac bereits viel Spannendes zur Schilddrüsensonografie erklärt bekommen hatte durfte ich am Dienstag Rebecca Ebner zu ihrer Hausbesuchsrunde begleiten. Die Patienten unter so anderen Bedingungen und in ihrer vertrauten Umgebung kennen zu lernen, faszinierte mich.

Bereits in der Woche zuvor hatte ich an einer LIA-Sitzung (Lebensqualität im Alter) der Praxis in Rinchnach teilnehmen dürfen, in der es ausschließlich um die möglichst optimale, aber häusliche Versorgung geriatrischer Patienten ging. An dieser Sitzung nahmen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Altenpfleger, Ärzte und die leitenden MFAs teil und ich wurde Zeugin einer Zusammenarbeit und Kommunikation, die ich so bis dahin noch nicht erlebt hatte. Im engen Kreis wurde besprochen, wie für das Programm in Frage kommende Patienten am besten unterstützt und Angehörige dabei im Idealfall noch entlastet werden könnten. Das Ziel war, die Alltagsfähigkeiten und Selbstständigkeit der Patienten soweit möglich zu erhalten oder wiederherzustellen.

An diese LIA-Sitzung musste ich durch die Hausbesuchsrunde mit Frau Ebner nun wieder denken. Nur Patienten, die motiviert sind mitzumachen und deren Angehörige auch Interesse daran zeigen, kommen für diese besondere Betreuung in Frage. Seit dem lässt mich der Gedanke nicht mehr los, dass noch viel mehr ältere Menschen von genau so einer weitsichtigen und auf den jeweiligen Patienten fein abgestimmten Betreuung profitieren würden, aber die Ressourcen auch hier knapp und die Angebote rar sind.

Genauso spannend und gedankenanstoßend ging die Woche weiter: ich hatte ein kleines Erfolgserlebnis beim Befunden eines EKGs, konnte einen Klavus (orthopädisches Krankheitsbild des äußeren Fußes) diagnostizieren und durfte einen Perianalabszess unter Anleitung spalten. Außerdem wurde ich von einer Patientin gefragt, ob ich sie wieder impfen könne, weil es das letzte Mal so schmerzlos gewesen sei und durfte einem Patienten ganz alleine einen Hausbesuch abstatten! Bei dieser Gelegenheit fand ich auch heraus, wie herausfordernd Autofahren in hügeliger Landschaft bei Schnee sein kann...

In den weiteren Tagen durfte ich außerdem Dr. Blank in einer Asthma-Beratung bei einem Kind über die Schulter sehen. Hier erlebte ich einen völlig zwanglosen und selbstverständlichen Umgang mit Kindern in der hausärztlichen Praxis, der mich sehr beeindruckte. Als Student versucht man die ganze Zeit, sich die Fähigkeiten und Umgangsweisen anzueignen, die einen einmal zu dem Arzt machen könnten, der man sein will. So ist es immer wieder ein prägendes Erlebnis, einen anderen Arzt so zu erleben, wie man selbst einmal gerne sein würde.

Um der Woche noch einen krönenden Abschluss zu verleihen, bot mir Dr. Blank an, mir die ersten zwei Stunden des kommenden Montags frei zu nehmen. Dadurch entspannte sich meine Woche ungemein und es gab mir Gelegenheit, meine Eindrücke weiter zu verarbeiten. So merkte ich auch, dass ich mir gewisse Themen noch einmal genauer ansehen möchte (z.B. Asthma & EKG) und was mich diese Woche besonders beschäftigt hat. So ist für mich beispielsweise der Umgang mit Patienten mit außergewöhnlicher psychischer Belastung immernoch kontrovers in Bezug auf wieviel Zeit ich als spätere Ärztin investieren kann und darf, ohne diese Patienten zu vernachlässigen oder unwirtschaftlich zu arbeiten.

So geht nun also eine weitere ereignisreiche Woche im bayerischen Wald voller Anregungen und Vorfreude zu Ende.  

Woche 5: 16. - 22.12.2019

Weihnachten steht vor der Tür!!!
Und als ob die Bescherung schon früher sei als sonst, hatte ich diese Woche ein Highlight nach dem anderen.

Nachdem ich am Montag die ersten zwei Stunden hatte frei nehmen dürfen, ging es trotz meinem späteren Wochenstart gleich mit den verschiedensten Gründen für den Arztbesuch los. Etwas, das mich hier in der Praxis immer wieder verblüfft ist wie bereitwillig mich auch die Patienten akzeptieren und, ohne davon genervt zu sein, ihre Beschwerden zuerst mir und später auch noch den Ärzten schildern, nur um sich dann auch doppelt untersuchen zu lassen. Selten habe ich mich in meiner bisherigen Ausbildung so akzeptiert und willkommen gefühlt!

Dienstag und Mittwoch durfte ich dann Dr. Kalmancai erst in Schöfweg und dann in Auerbach begleiten, wo wir uns die Köpfe wegen einiger EKGs zerbrachen und über zwei wahnsinnig spannende Patientenfälle diskutierten.

Glücklicherweise konnte uns Dr. Machac dann Donnerstag mit den EKGs weiterhelfen und ich konnte die Fälle sogar in der Fallbesprechung vorstellen. An diesem Tag war auch Nora, eine Studentin aus der Region im Zuge einer kurzen Hospitation anwesend. Von ihr war ich sehr beeindruckt, als sie Donnerstag mit mir einige Patienten untersuchte. Im ersten klinischen Semester vor Patienten so einen souveränen und selbstbewussten, aber zugewandten Eindruck zu machen hätte ich vermutlich nicht geschafft.

Freitag wieder in Auerbach, gratulieren einige der Arzthelferinnen und ich Dr. Kalmancai zum Geburtstag. Die Arzthelferinnen hatten sogar einen Kuchen und Kindersekt zum Anstoßen besorgt. Selbst eine Patientin kam, nur um zu gratulieren!

Und so läuteten der Vormittag in Auerbach, meine zweite Saxophon-Unterrichtsstunde und der Nachmittag in Kirchberg, wo sich alle anwesenden Arzthelferinnen von mir herzlich verabschiedeten und wir uns frohe Weihnachten wünschen konnten, das vierte Advent-Wochenende ein.

Woche 7: 30.12.2019 - 05.01.2020

Ein frohes neues Jahr allen Lesern!

Nachdem ich vergangene Weihnachtswoche, um Nichts zu verpassen, bereits über Fernkonferenz an der Montagsbesprechung zum Thema Borreliose teilnehmen konnte, ging die erste Woche im neuen Jahr bereits wieder spannend los.

Diese Woche beschäftigte mich ein Thema neben meinen allwöchentlichen persönlichen Highlights ganz besonders: ärztlicher Individualismus.

Als Student bei einem Arzt mitlaufen und lernen zu dürfen ist immer wieder eine große Ehre, da es von großem Vertrauen seitens des Arztes zeugt. Gleichzeitig stellt das aber natürlich immer wieder sowohl für den Arzt als auch den Studenten eine gewisse Herausforderung dar.

Da ich praktische Lehre bisher nur von studentischer Seite her erlebt habe, kann ich natürlich nur aus dieser Perspektive erzählen: hier verlangt es Einiges an Anpassungsbereitschaft, sich auf die Arbeitsweise des lehrenden Arztes einzustellen und daran anzupassen, ebenso muss man das Beobachtete und Erlernte reflektieren und filtern.

Als Studentin fiel es mir oft schwer, ärztlichen Stil, der durchaus von Arzt zu Arzt stark variiert, von ärztlichem Handeln zu unterscheiden.
Was ist zwingend wichtig, sich zu merken, weil man das auf jeden Fall genauso machen muss, um seine Patienten regelrecht zu versorgen? Was ist einfach Teil des individuellen ärztlichen Charakters und kann, muss aber nicht so übernommen werden?

Eine Erkenntnis, die sich in mir immer mehr festigt ist, dass jeder Arzt, den ich bisher im beruflichen Umfeld erleben durfte, seinen oder ihren Job gut macht. 
Für mich ist das keine selbstverständliche Erkenntnis. In Zeiten der zunehmenden - zugegebenermaßen manchmal berechtigten - Kritik an Ärzten und dem ärztlichen Beruf fängt man auch als Student an, zu zweifeln.

Vom Augenblick an, da das Umfeld erfährt, dass es ein Medizinstudium werden soll und man Arzt werden möchte, muss man sich nicht nur Lob sondern genauso Kritik anhören. Man muss sich sozusagen stellvertretend für alle ärztlichen Fehler entschuldigen und ein Berufsethos verteidigen, von dem man noch kaum etwas weiß. So ist es leicht nachzuvollziehen, dass sich das Bild einer “mathematischen Medizin” aufdrängt: Behandlung A ist richtig, alles andere ist falsch.

Umso mehr überrascht es dann natürlich, wenn man merkt, dass man sowohl Behandlung A als auch Behandlung B oder C anwenden kann und die eigentliche Kunst darin besteht, zu verstehen, was der individuelle Patient braucht und wovon er am meisten profitiert.

So bin ich immer wieder beeindruckt, wie viel Individualismus Teil des ärztlichen Berufs sein kann, ohne Patienten zu gefährden - im Gegenteil! Ich habe das Gefühl, dass jeder Patient sich den Arzt sucht, bei dem er sich am besten aufgehoben fühlt - und damit genau die Art der Behandlung erhält, die er sich wünscht.

Wie auch immer die Meinung zu beispielsweise Vitamin-D-Substitution oder Homöopathie seitens des Arztes sein mag - bei unstrittigen Themen oder leicht zu übersehenden Notfällen beachteten alle Ärzte, die ich bisher erleben durfte, die Red Flags (Warnsignale), fragten sie aktiv ab und handelten entsprechend.

Eine schöne Neujahrs-Erkenntnis also: Auch im medizinischen Bereich macht jeder seinen Job nach bestem Wissen und Gewissen - und das ist garnicht so schlecht.

Woche 8: 06.01. - 12.01.2020

Die vergangene Woche begann wegen des Feiertags (Heilige Drei Könige) zwar mit etwas Verspätung, war aber dafür umso ereignisreicher!

Dienstag und Donnerstag begleitete ich Dr. Kalmancai in Auerbach bzw. zeitweise auch in Schöfweg, um den Krankheits- bzw. Heilungsverlauf einiger gemeinsam gesehener Patienten mit begleiten zu können.
Hier waren für mich beispielsweise einige Wundkontrollen nach Herausschneiden eines Muttermals oder einer an der Brotschneidemaschine zugezogenen Schnittwunde besonders spannend.
Das ist etwas, was ich mittlerweile besonders wertschätze: dass man Patienten schon kennt, oft weiß, weswegen sie kommen und den Verlauf dadurch viel besser einschätzen kann! Umso schöner ist es natürlich, wenn Patienten einen selbst wiedererkennen, und sich dann auch noch freuen! Nach 6 Jahren des Studiums lässt diese Wertschätzung einem regelrecht das Herz aufgehen.

Mittwoch durfte ich noch einmal Dr. Kammerl in seiner nephrologischen Sprechstunde begleiten, bei der ich auf besonders spannende und eindrückliche Art und Weise die fachärztliche Betreuung auch einiger unserer Patienten miterleben konnte. Gefühlt ermöglicht es ein ganz anderes Verständnis für die individuelle Situation eines Patienten, wenn man erlebt, wie die Mitbetreuung an anderer Stelle abläuft und wie kompetent fachärztliche Kollegen die spezielleren Aspekte einer Behandlung mittragen.

Dr. Kammerl gab sich auch besondere Mühe, mich viel unter Anleitung selbst machen zu lassen, so zum Beispiel auch Ultraschalluntersuchungen des Abdomens mit besonderem Augenmerk auf die Nieren sowie Einschätzen von Blutgasanalysen.
Bei so viel Unterstützung und guter Lehre wundere ich mich immer wieder, warum im Bayerischen Wald ein solcher Ärztemangel herrscht.

Für die kommende Woche stehen nun einige Hospitationen an, auf die ich sehr gespannt bin, nächste Woche aber mehr dazu.

Woche 9: 13.01. - 19.01.2020

Das Team  der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald gibt  mir aktiv immer wieder die Möglichkeit, auch andernorts Ärzte in ihrem Alltag zu begleiten und über deren  Schultern zu schauen - eine sogenannte Hospitation.

Nachdem ich nun bereits zwei Mal bei Dr. Kammerl hospitieren durfte, hatte ich diese Woche gleich zwei weitere Hospitationen andernorts!

Die ersten beiden Tage verbrachte ich in der Arberlandklinik in Viechtach in der Abteilung der neuen Chefärztin Frau Dr. Jana Riedl.

Frau Dr. Riedl und ihr Team haben bei mir einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht genug, dass es eine junge Frau an einer Klinik bereits zur Chefärztin gebracht hat, nein - obendrein wird noch großer Wert auf die Weiterbildung der Assistenzärzte und die patientennahe Betreuung gelegt.
Ihre Arbeitsphilosophie:
“Jede Untersuchung und Behandlung eines Patienten ist in erster Linie eine persönliche Begegnung mit und Beziehung zu einem kranken, besorgten Menschen, der ein Recht auf professionelle Hilfe, wenn möglich Heilung, auf jeden Fall ein Recht auf menschliche, verständnisvolle Zuwendung hat.”

Als Studentin bekam ich sogar für die zwei Tage Hospitation in der Klinik Arbeitskleidung, einen Hospitationsvertrag und kostenlose Verpflegung.
Am ersten Tag wurde ich bereits dem leitenden Oberarzt, Herrn Dr. Metzger, zugeteilt, um ihn zu begleiten. Hier sah ich in Begleitung von Dr. Metzger zum ersten Mal einen sogenannten “Gummibauch” im Zuge einer akuten Pankreatitis, Pendelperistaltik des Darms in der Ultraschalluntersuchung und das Bild einer Cheyne-Stokes-Atmung - alles Symptome, die ich bisher nur aus dem Lehrbuch kannte und die nun in meinem Kopf zum Leben erweckt wurden.

Ein trauriger Aspekt des Klinikalltags, der in der allgemeinmedizinischen Praxis weniger präsent ist, war der Tod zweier Patientinnen.
Was mich schockierte, war, dass ich beide Patientinnen noch am Montag gesehen und mit untersucht hatte. Nie hätte ich gedacht, dass ausgerechnet diese beiden Frauen über Nacht von uns gehen würden. Dieser Umstand beschäftigte mich noch eine ganze Weile…

Donnerstag durfte ich  Dr. Vollath in Zenting in seiner Sprechstunde begleiten, bei dem ich bereits im März zur Famulatur gewesen war.
Ich freute mich sehr, Dr. Vollath und seine Frau, die ihn als Arzthelferin nach Kräften unterstützt, wieder zu sehen! Ich wurde herzlich begrüßt und prompt wieder in den Praxisalltag integriert. Nicht nur die Arzthelferinnen sondern sogar einige Patienten erinnerten sich an mich!
Außerdem bekam ich die Möglichkeit, Dr. Vollath noch einmal mit meinem durch das zweite Staatsexamen etwas aufgefrischten Wissen über die Schulter zu schauen.

Alles in Allem war dies also eine sehr abwechslungsreiche und gedankenanregende Woche!

Woche 10: 20.01. - 26.01.2020

Dank der angenehmen Arbeitszeiten hier in der Praxis kann ich an einigen Wochenenden weiterhin meinem Nebenjob als studentische Hilfskraft im Giftnotruf in München nachgehen - das ist etwas, was ich sehr genieße, da es mich nicht nur finanziell unterstützt, sondern ich dort in entspannter Atmosphäre auch viel lerne.

Vergangenes Wochenende war ich also wieder für einige Schichten dort und in einer ruhigen Minute kam ich mit einem anderen PJler, der ebenfalls dort arbeitet, ins Gespräch.
Natürlich tauscht man sich untereinander aus: Wie ist das PJ an anderer Stelle?, Lernt man viel?, Wie sind die Kollegen?, usw..
Im Zuge dessen kam das Gespräch auf meine Hospitation in der Abteilung für Innere Medizin und das Thema, das mich schon die ganze Woche beschäftigt hatte: das Versterben von Patienten.

Nun ist ja der Tod ebenso wie die Geburt integraler Bestandteil des Lebens.Trotzdem sticht der Tod eines Menschen immer wieder hervor und fühlt sich für Ärzte ebenso wie Angehörige manchmal an, wie das Versagen der Medizin.
Im Medizinstudium hört man mittlerweile viel zu Palliativmedizin, ebenso zu “terminalen” Erkrankungen, aber im klinischen Alltag  hat man den Tod bisher noch nie erlebt.

Was mich nun die ganze vergangene Woche beschäftigt hatte war, dass ich bei den beiden verstorbenen Patientinnen in Viechtach die Situation noch am Vortag völlig anders eingeschätzt hatte. Wenn ein Patient eine sogenannte terminale Erkrankung hat, also beispielsweise eine Tumorerkrankung im Endstadium, rechnet jeder mit dem Tod, zumindest über kurz oder lang.
Aber wenn ein Patient einfach nur “Alter” hat, was dann? Noch dazu mit Symptomen, denen mit Medikamenten mittlerweile oft sehr einfach beizukommen ist.

In dem Fall der beiden verstorbenen Patientinnen hatte ich zu keinem Zeitpunkt, in denen ich sie begleiten durfte, den Eindruck, dass der Tod kurz bevor stünde - und doch klärte der leitende Oberarzt noch am Vortag die Angehörigen über das mögliche baldige Ableben der Patienten auf.
Wie lernt man das? Woran merkt man, dass ein Mensch kurz vor dem Ende seines Lebens steht? Klärt man ihn darüber auf? Und ganz besonders: Was ist, wenn man falsch liegt?

Viele Fragen, die mir nun also im Kopf herumgeistern... Vielleicht hilft mit den Jahren irgendwann die Erfahrung, sie zufriedenstellend beantworten zu können.

Woche 11: 27.01. - 02.02.2020

Vergangene Woche durfte ich eine unserer Weiterbildungs-Assistentinnen, Rebecca Ebner, in ihre zweite Praxis begleiten. Das Ehepaar Stern, das gemeinsam eine Praxis führt, hatte ich bereits früher auf einer gemeinsamen Fortbildung mit Dr. Blank kennengelernt und freute mich nun, Frau Ebner auch in diesem ärztlichen Umfeld begleiten zu dürfen.

Dr. Stern, der eine sehr direkte, strukturierte Art im Umgang mit den Patienten hat, erklärte mir einiges zur Chirotherapie und ich durfte zusehen, wie er einem Patienten auf sehr beeindruckende und einfach anmutende Weise eine Facettengelenk-Blockade der Wirbelsäule löste.
Dr. Stauber-Stern wiederum verkörpert, was ich mir immer als “den klassischen Landarzt” vorgestellt hatte: jemand, der einen Überblick über nahezu die ganze Lebenssituation eines Patienten hat und diese in die ganzheitliche Behandlung einzubeziehen weiß.
Beide waren sehr bemüht, mich Vieles selbständig machen zu lassen, meine Fragen zu beantworten und mir eine Menge beizubringen, wodurch mir schon der erste Tag bei ihnen große Freude bereitete.
 
Am Mittag des zweiten Tages durfte ich Dr. Ebner auf ihrer Hausbesuchstour in und um Geiersthal begleiten.
Dabei lernten wir eine äußerst rüstige ältere Dame kennen, die uns nicht nur durch ihre Art beeindruckte. Dr. Ebner bat sie, wie bereits bei einem früheren Hausbesuch, ein selbst verfasstes Gedicht vorzulesen.
Mit Erlaubnis der Patientin darf ich ihr Gedicht, auf ihre Bitte hin anonym, zitieren:

Wenn ich Erde zwischen den Fingern spüre
Wenn ich seh, wie eine Knospe sich entfaltet
Wenn ich den Duft der Rosen einatme
Dann lösen meine Sorgen sich so schnell in Luft auf,
Dass ich gar nicht mehr verstehe,
Warum ich einen Moment vorher
Noch so bedrückt war

Mich berührte dieses Gedicht sehr. Es sprach für mich von großer Willensstärke, die es mit Sicherheit braucht, sich im hohen Alter nicht gehen zu lassen, von Wehmut und von einer Liebe zum Leben, die man, wie ich finde, nicht oft sieht. Und die Patientin freute sich unbändig, dass jemand ihre Gedichte zu schätzen wusste.

Woche 12: 03.02. - 09.02.2020

Diese Woche hat eine weitere Studentin in der Praxis angefangen.
Isabell, die Sonntag Abend angereist ist, wohnt in der großen Studentenwohnung nebenan. Nach einigen gemeinsamen Abendessen mit ihr und Dr. Purman, fühlt es sich bereits beinahe an wie eine Studenten-WG.
Während ich schon davor meine Wohnung hier - ganz oben am Berg mit einer Aussicht über ganz Kirchberg und Umgebung, mit dem Eingang über den Friedhof, der Sonne über dem Hochnebel und dem grenzenlosen Sternenhimmel abends - unendlich genossen habe, hat es damit noch einen ganz anderen Anflug von Zuhause bekommen. Langsam werde ich traurig, dass sich mein PJ-Tertial hier dem Ende neigt, denn wie kann es woanders noch schöner werden?

Auf den Boden der Tatsachen holte mich dafür der Journal Club des Guad Netzwerks am Mittwoch...
Der Journal-Club des Guad Netzwerks findet ungefähr alle 6 Wochen statt und ist ein Abend, an dem Mitglieder des Guad-Netzes und solche, die es noch werden wollen, gemeinsam über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Veröffentlichungen diskutieren. Vorab werden die zu diskutierenden Artikel bereits in einem gemeinsamen Online-Dokument für alle Teilnehmer sichtbar zusammengestellt.  
Rebecca Ebner, eine der Weiterbildungsassistentinnen der Praxis, hatte auch einen Artikel vorbereitet, konnte aber wegen ihrer Balint-Gruppe (einer Arbeitsgruppe aus 8 - 12 Ärzten, in der Erfahrungen reflektiert und auf die Arzt-Patienten-Beziehung eingegangen wird) nicht teilnehmen.
Die Präsentation und Moderation der folgenden Diskussion ihres Artikels durfte ich übernehmen.

Meine Nervosität kannte keine Grenzen.
Drei Nächte zuvor saß ich bis spät nachts im Bett und recherchierte das Thema “Arterielle Hypertonie: deutlich weniger kardiovaskuläre Ereignisse bei abendlicher statt morgendlicher Einnahme von Antihypertensiva” und die nötigen Hintergrundinformationen.
Es ging sogar soweit, dass ich zwei Tage zuvor meinen ehemaligen Pharmakologie-Dozenten kontaktierte, um spezielle Rückfragen zu klären.
In der Nacht auf Mittwoch konnte ich kaum schlafen.

Tags darauf versuchte ich in jeder freien Minute mir noch einmal die wichtigsten Punkte des Artikels vor Augen zu führen.
Schlussendlich kam der Abend und die Mitglieder des Guad-Netzes trafen in der AOK in Regen ein.
Ich hatte Lampenfieber, wie ich es bisher nur vor meinen zwei Staatsexamina gekannt hatte...
Und dann war es soweit! In der Diskussionsrunde vorab setzte ich mich mit zwei ärztlichen Kollegen zusammen, stellte die Studie vor und gab meine Kritikpunkte zum Besten und - wir diskutierten. Nach höchst erfolgreichen und gar nicht schlimmen 15 Minuten setzten wir uns wieder mit den anderen Kleingruppen an den Tisch und jeder, der einen Artikel recherchiert hatte, stellte ihn der Reihe nach vor.
Selbst an der Reihe wiederholte ich das zuvor in der Kleingruppe erprobte und berichtete, was wir bereits diskutiert hatten - und siehe da, es klappte! Ich bekam sogar ein anerkennendes “Oha!” von Dr. Kleudgen, einer der Fachärztinnen unserer Praxis und eine Ärztin, die einen unfassbar großen Wissensschatz und große Eloquenz besitzt.
Es überrascht mich immer wieder, wie sehr es einen euphorisieren kann, sich nicht blamiert zu haben!

Danach ließ ich die Woche mit kulturellen Veranstaltungen des bayerischen Walds ausklingen: der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten für die anstehende Wahl in Kirchberg und dem Schülerkonzert meiner Saxophonlehrerin.
Nach einer Weile möchte man hier fast nicht mehr weg...

Woche 13: 10.02. - 16.02.2020

Ein besonderer Höhepunkt vorletzte Woche war, dass zwei Freundinnen, die ich im Exzellenten Winter 2019 kennen gelernt hatte, mich am Wochenende besuchen kamen. Wieder gemeinsam im bayerischen Wald erinnerten wir uns gemeinsam an das Projekt im vergangenen Jahr und stellten fest, dass es für uns alle drei eine der schönsten Erfahrungen bisher gewesen war.

Heute habe ich bei Sarah Moschko, einer ehemaligen PJ`lerin der Praxis, ein wenig in den deren Erfahrungsberichten quer gelesen und war einmal wieder begeistert, mit welcher Tiefe sie schreibt und wie sehr ich mich in ihren Tagebucheinträgen wiederfinde.
Exakt vor einem Jahr schrieb Sarah über Unsicherheit im (haus-)ärztlichen Alltag - ein Thema, mit dem ich selbst nun tagtäglich konfrontiert bin.

Vor zwei Wochen, als meine beiden Kommilitoninnen zu Besuch waren, redeten wir auch über Schwierigkeiten im Studium und Sorgen bezüglich des Berufsanfangs.
Was, wenn man Fehler macht? Was, wenn man sich nicht genug aus dem Studium behält? Was, wenn man einem Patienten nicht helfen kann?
Uns alle quälte die Furcht, in Zukunft etwas zu übersehen oder falsch einzuschätzen, wofür unsere Patienten dann die Konsequenzen tragen müssten. Wie kann man nach dem Studium schon voll verantwortlicher Arzt sein, was bereitet einen darauf vor?

Doch in den vergangenen Monaten in der Praxis habe ich gemerkt, wie ich immer sicherer im Umgang mit Patienten werde. Ähnlich wie Sarah Moschko vor einem Jahr nehmen auch mich die Patienten immer ernster, sind vollauf zufrieden, mit mir reden zu können und danken noch einmal explizit mir, wenn einer meiner ärztlichen Kollegen sie nach gemeinsamer Begutachtung verabschiedet.

Etwas, was ich hier gelernt habe, aber im Gegensatz zu meiner Vorgängerin nicht als Schwäche empfinde, ist die Möglichkeit, Patienten durch Einbeziehung beruhigen zu können.
Leider lässt sich auch nach ausgiebiger Diagnostik häufig nicht genau feststellen, woher manche Beschwerden, mit denen Patienten sich bei uns vorstellen, kommen.

Weiters habe ich hier gelernt, dass auch ein negatives Ergebnis einen Wert hat - ich habe nicht mehr wie früher das Gefühl, dann mit leeren Händen vor den Patienten zu stehen und sagen zu müssen “Ich weiß es auch nicht”. Stattdessen kann ich dem Patienten erklären, was wir bereits untersucht haben, was wir dadurch ausschließen konnten, wofür es außerdem keinerlei Hinweise gibt und dass es damit vorerst nichts Schlimmes sein kann.

Was für mich anfangs völlig verblüffend war: den Patienten reicht das oft.
Sie sind erleichtert und akzeptieren ihre Beschwerden als nicht besorgniserregend, integrieren sie in ihr Leben und oft verschwinden diese dann von selbst wieder. Nur wir als angehende Ärzte stehen da und wüssten gerne, was es war.

 

Woche 14: 17.02. - 23.02.2020

Diese Woche zog sich das Thema “Kinder in der hausärztlichen Praxis” wie ein roter Faden durch mein Programm. Ich hatte wieder zwei Hospitationen: Montag und Dienstag bei Frau Dr. Pinker, Donnerstag und Freitag bei  Frau Dr. Schnopp.

Dr. Pinker ist eine Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin in einer Gemeinschaftspraxis in Frauenau, die viele Kindervorsorgeuntersuchungen macht, weshalb ich unbedingt auch einmal bei ihr hospitieren wollte.
Dr. Pinker, die selbst noch mit einer hartnäckigen Erkältung zu kämpfen hatte, arbeitete unermüdlich den großen Andrang an Patienten ab während sie mir nebenbei immer wieder Zusammenhänge erklärte und ich selbst die Patienten auch noch untersuchen durfte.
Besonders viel Spaß hatte ich bei den Kindervorsorgeuntersuchungen, bei denen die Mütter danach immer ganz stolz waren, wenn ihre Kinder schon spielen, schreiten oder sitzen konnten.

Dr. Schnopp ist Dermatologin in einer Gemeinschaftspraxis für Dermatologie und Andrologie in München und wurde mir von Dr. Blank besonders in Bezug auf Neurodermitis und atopisches Ekzem bei Kindern anempfohlen.
Hier konnte durfte ich bei Probenentnahmen, Muttermalentfernungen und Kürettagen von Seborrhoischen und aktinischen Keratosen zusehen, Fragen aus früheren Fallbesprechungen in Kirchberg anbringen und wurde sogar von den ärztlichen Kollegen in der Gemeinschaftspraxis zu besonders spannenden Fällen dazugeholt!
Nach den zwei Tagen bei Dr. Schnopp und ihren Kollegen ist mein Notizbuch nun beinahe voll und ich werde sicher noch einige Tage brauchen, alles, was ich mir vorgenommen hatte, nachzuschlagen.

Obendrein wurde diese Woche ein Artikel über die “Landarztmacher” und das Projekt der Exzellenten Sommer/ Winter in der Passauer Neuen Presse veröffentlicht, für den ich als ehemalige Teilnehmerin und “Rückkehrerin” interviewt und abgelichtet worden war.
Dienstagmorgen begrüßte mich das Praxisteam von Dr. Pinker völlig begeistert mit dem Ausruf “Du bist in der Zeitung!!!” und einem eigens für mich mitgebrachten Ausschnitt und mehrere Patienten sprachen mich sowohl dort als auch in Kirchberg am darauffolgenden Tag auf den Artikel an.

Eine höchst ereignisreiche Woche also, die direkt in einen Wochenstart mit einer weiteren Hospitation mündet, aber dazu nächste Woche mehr.
 
So sehr mich aber die Ärzte, bei denen ich bisher hospitieren durfte, wirklich schwer beeindruckt haben, freue ich mich doch langsam wieder darauf, mit meinen Kollegen in der Gemeinschaftspraxis zusammenarbeiten zu können.
Und mit leiser Wehmut blicke ich dem Ende meines Tertials in zwei Wochen entgegen...

Wochen 15 & 16: 24.02. – 08.03.2020

Meine letzten beiden Wochen im bayerischen Wald läutete eine letzte Hospitation ein: ich verbrachte zwei Tage bei Dr. Blaha und seinem Team in der Viszeralchirurgie in Zwiesel, wo ich ein sehr motiviertes Team an jungen Ärzten kennenlernte und bei Dr. Blahas Sprechstunde assistieren durfte.

Die restlichen Tage waren gefüllt vom Abschied nehmen, sowohl abends in privater Runde als auch tagsüber in den verschiedenen Praxen und von den Patienten.
Erst im Nachhinein wird mir so richtig klar, wie unglaublich viel ich in dieser kurzen Zeit gelernt habe, wie viel mehr mir jetzt logisch oder sogar einfach erscheint und wie viel mehr Selbstvertrauen mir die Zeit im bayerischen Wald geschenkt hat.

In welchem Ausmaß besonders und einzigartig dieses Arbeitsumfeld und das gesamte Team sind, wird einem erst im Vergleich mit anderen medizinischen Umgebungen wirklich bewusst.

Es ist seitdem kein Tag vergangen, an dem ich mich nicht an diese Zeit zurückerinnert und an meine Kollegen gedacht habe, und ich bin unendlich dankbar, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen.

 

Andrea Thiel & Sebastian Bender

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15

Woche 1:
„Grüß Gott“ wir sind die neuen PJler Andrea und Sebastian und werden die Tradition fortführen wöchentlich von unseren Eindrücken zu berichten. Durch „PJ ranking“ auf die Gemeinschaftspraxis aufmerksam geworden, sind wir vor einer Woche aus dem Saarland angereist! Wir beziehen die schöne PJler Wohnung im Pfarrhaus direkt auf dem Kirchberg, in der man sich dank der gemütlichen Einrichtung direkt wohl fühlt. Sonntagabend steht auf einmal überraschend Dr. Blank vor der Tür, um uns freundlich Willkommen zu heißen und für die erste Woche einzuteilen. Tag 1 startet am Standort Rinchnach (10min mit dem Auto), wo uns die zwei jungen Assistenzärztinnen Dana Sujova und Rebecca Ebner freundlich empfangen und gemeinsam mit den ebenso zuvorkommenden Praxishelferinnen in den Praxisalltag einführen! Um 12:30 Uhr lernen wir dann weitere Kollegen des Teams kennen - wenn auch nur über den Bildschirm in der wöchentlichen Skype-Fortbildung! Diese behandelt das Thema MS und gemeinsam mit den erfahrenen Kollegen aus der Praxis, den Assistenzärzten, die zum Teil gerade einen Weiterbildungsabschnitt in der neurologischen Einrichtung absolviert haben und uns „Frischlingen aus der Uni“ hangeln wir uns an wichtigen Symptomen, Diagnostik, Therapie und ethischen Fragen entlang. Uns wird bewusst, dass wir unser Uniwissen an vielen Stellen noch umsortieren müssen und welch hohen Stellenwert in der Praxis die Anamnese und körperliche Untersuchung haben bevor ggf. weitere Diagnostik wie ein MRT folgt!  Dienstag und Donnerstag Nachmittag werden ebenfalls per Skype mit den Kollegen Patientenfälle reflektiert, deren Verlauf entweder besonders lehrreich war oder wo es ggf. Unklarheiten gab. Uns fällt hier nochmal mehr der gute Wissensstand und der angenehme Rückhalt im Team auf, der einen wirklich motiviert und inspiriert daheim Themen nachzuarbeiten. Unseren eigenen Lernstand können wir die Woche zusätzlich auf ganz spezielle Art verbessern: Im Arberland organisiert Dr. Blank gerade gemeinsam mit den „LandArztMachern“ den Exzellenter Winter, ein tolles Projekt in dem 20 Studenten ihre Landarztfamulatur auf besondere Weise erleben! Wir haben das große Glück an den Kursen teilnehmen zu dürfen und so bekommen wir super Teachings in Geriatrie, Orthopädie, Ekg und Nähen! Sonntags können wir als „besonderes Schmankerl“ sogar am Freizeitprogramm teilnehmen und lernen den Bayrischen Wald mit Schlittenhunden kennen! Wochenfazit: ein perfekter Start ins Wahltertial!


Woche 2:

In die zweite Woche starteten wir an separaten Standorten - während Sebastian in

Rinchnach Dr. Machac begleitete, durfte ich in Kirchberg mit Dr. Blank zusammenarbeiten.

Wir Studenten gehen als Erstes zum Patienten, erheben eine ausführliche Anamnese und

beginnen mit der entsprechenden Untersuchung. Die meisten Patienten begegnen uns sehr

offen und sind das Vorgehen durch unsere zahlreichen Vorgänger schon gewohnt. Wenn die

Ärzte nachkommen, stellen wir den Patienten vor. Hierdurch kann der Patient kontrollieren,

ob wir alles richtig verstanden haben (was bei unseren miserablen Bayrischkenntnissen

durchaus manchmal schwierig ist ) und der Arzt kann überprüfen, ob wir alle wichtigen

Punkte erfragt haben. Wir sahen an diesem Vormittag in Kirchberg sehr viele Patienten und

ich merkte wie anstrengend es sein kann, die Konzentration aufrecht zu halten und trotz des

vollen Wartezimmers jedem Patienten genügend Zeit zu schenken. Hier fällt die gute

Organisation der Praxis auf, in der die Helferinnen mit dem Arzt Hand in Hand arbeiten und

ihn z.B. durch das Vorbereiten der Rezepte entlasten. Auch ist uns nochmal ein Vorteil einer

Gemeinschaftspraxis bewusst geworden: Dr. Machac konnte mit Sebastian in Rinchnach

über den PC die Patientenzahl an allen Standorten überblicken und so gegen Mittag zur

Verstärkung nachrücken. Danach fanden sich dann alle zur regelmäßigen

Montagsfortbildung ein. Diese Woche stand das Thema Haarausfall auf dem Plan. Wir

besprechen die richtige Anamnese, mögliche Diagnostik und die wichtigsten Ursachen. Am

Dienstag waren wir dann beide in Rinchnach eingeteilt und hatten am Vormittag die

Möglichkeit, Patienten die zum Check-up einbestellt waren vorzuuntersuchen. Wir merkten,

dass uns hier noch ein Konzept fehlt und wollen uns dieses für die nächste Woche

erarbeiten. Mit Dr. Blank diskutierten wir danach über den Sinn einiger

Vorsorgeuntersuchung, was uns sehr zum Nachdenken anregte und uns ermunterte den

Nutzen von Untersuchungen kritisch zu hinterfragen. Den Abend verbrachten Dr. Blank und

wir gemeinsam mit Christian Wehner und Sabrina Kriechbaum, zwei sehr netten

Physiotherapeuten aus München, die für das Studententeaching der Landarztmacher am

Mittwoch angereist waren. Beim Essen kamen sehr interessante Themen auf, wie

beispielsweise die Herausforderung, „Pharma freie“ Medizin zu betreiben. Am nächsten Tag

durften wir die Physiotherapeuten dann in Action erleben und lagen beim Untersuchen von

Wirbelsäule, Knie und Schulter selbst Hand an! Wir nahmen auch am Kinderteaching teil.

Hierzu wurden extra einige Kindergartenkinder und Säuglinge eingeladen, die von uns und

den 20 Studenten des exzellenten Winters fleißig untersucht wurden. Wir haben für unser

PJ-Tertial auf Rat von Dr. Blank ein Curriculum erstellt, welches für jede Woche ein Thema

und Ziele vorsieht. Diese Woche stand für uns das Herz sowie damit verbundene

Erkrankungen im Mittelpunkt und wir setzten uns nach Feierabend mit den Leitlinien zur

Herzinsuffizienz, Arteriellen Hypertonie und dem kardiovaskulären Risiko auseinander.

Sebastian sammelte am Freitag noch sehr interessante Eindrücke beim Rheumatologen Dr.

Kirrstetter in Deggendorf, ich darf dort am Montag hospitieren. Den Samstag verbrachten

wir wieder mit den Studenten vom Exzellenten Winter: Tagsüber lernten wir die Bergwacht

in Wolfstein kennen und den Abend verbrachten wir gemeinsam in einer der gemütlichen

Unterkünfte der Studenten. Die Studenten sind leider nur noch eine Woche hier, was wir

ganz schade finden, da es eine sehr aufgeschlossene Truppe ist! Für den Sonntag hatten wir

eigentlich geplant, an unseren Doktorarbeiten weiterzuschreiben… da jedoch in vielen

Skigebieten die letzte Möglichkeit zum Skifahren bestand, entschieden wir uns den

Bayerwald noch einmal auf Skiern zu erkunden! Nach den Einblicken in die Arbeit der

Bergwacht wussten wir uns ja nun in sicheren Händen.

Woche 3:

Eine neue Woche verging wie im Flug. Wer Angst hat, hier Langeweile zu bekommen, kann

beruhigt sein! Hier ist immer was los. ;)

Andrea hospitierte am Montag ebenfalls beim Rheumatologen Dr. Kirrstetter in Deggendorf.

Eine gute Erfahrung, insbesondere da der Rheumatologe seine Praxis ausnahmsweise zur

Sprechstunde ausschließlich für „neue“ Patienten geöffnet hatte. Dementsprechend

gründlich wurde die Vorgeschichte, die Symptome und Risikofaktoren des Patienten erfragt

und die körperliche Untersuchung durchgeführt. Dr. Kirrstetter nahm sich für die Patienten

jeweils eine komplette Stunde Zeit, erklärte zwischendurch viel und führte von entzündeten

Gelenken ein Ultraschall durch.

Eine ganz andere Patiententaktung erlebte Sebastian beim Dermatologen. Natürlich kann

man dies nicht direkt vergleichen, da der Dermatologe seine übliche Sprechstunde hatte und

somit viele Patienten vorbekannt waren und nur zur Kontrolle kamen. Wir führten

gemeinsam Hautscreenings durch und operierten mehrere Muttermale heraus.

Montags besprachen wir in der Fortbildung Differenzialdiagnosen des Oberbauchschmerzes.

Insbesondere lernten wir ein strukturiertes Vorgehen durch Abarbeiten von sechs

Kategorien: Stoffwechsel/Tumor/Vaskulär/Entzündung/Trauma/Psyche. Dies ist sicherlich

sowohl im „wahren Leben“ als auch in der mündlichen Prüfung eine gute Herangehensweise

und hilfreich, um alle Ursaschen in Betracht zu ziehen. Prompt konnte Andrea ihr Wissen in

den nächsten Tagen anwenden, als sich ein Patient mit Schmerzen im Epigastrium vorstellte.

Bei der körperlichen Untersuchung fielen fehlende Darmgeräusche auf und im Ultraschall

zeigte sich eine typische Pendelperistaltik, sodass der Patient mit V.a. Ileus ins Krankenhaus

eingewiesen wurde. Sicherlich ein seltenes Krankheitsbild in der allgemeinmedizinischen

Praxis und daher extrem spannend. Es erinnert einen auch nochmal umso mehr daran, jeden

Patienten ernst zu nehmen und immer gründlich zu untersuchen!

Mittwochs nahmen wir am letzten Teaching des Exzellenten Winters teil, welcher leider

diese Woche zu Ende geht. Die bestens ausgebildete und sehr erfahrene MFA Petra

Weinmann stand uns als Dozentin zur Verfügung und leitet uns Studenten bei den

praktischen Übungen zum Thema „diabetischer Fuß“ an. Es kostete mehr Überwindung als

erwartet, seine Füße den anderen Studenten zum untersuchen entgegenzustrecken… wie es

da wohl den Patienten geht, die ggf. noch unangenehme Probleme an den Füßen haben?

Wir übten das in der Praxis standardisierte Vorgehen zur Befundung des Fußes, führten

gegenseitig Doppler-Untersuchungen durch und erhoben den ABI.

Am Nachmittag konnten wir uns dann per Skype von der Gemeinschaftspraxis aus zum PJ-

Unterricht in Erlangen zuschalten! Hierdurch konnten wir den interessanten Vortrag von

Prof. Kühlein zur Osteoporose mitverfolgen. Hier ging es mal nicht um die Pathophysiologie

mit Osteoklasten/-blasten und Co., sondern um die kritische Hinterfragung, ob Osteoporose

wirklich eine Erkrankung oder eher ein Symptom des Alters ist und welchen konkreten

Nutzen die Therapie in der Praxis hat.

Am Mittwochabend nahmen wir dann an der Diskussionsrunde zur Vorbereitung des Journal

Clubs teil, welcher nächste Woche stattfindet. Im Vorhinein konnte jeder in ein Dokument

eine aktuelle Studie einpflegen, die dann mit den teilnehmenden Kollegen diskutiert wurde.

Es wurde sich z.B. über den Nutzen von Honig bei Reizhusten, die Amitriptylin-Gabe bei

chronischen Rückenschmerzen oder den richtigen Zeitpunkt zum Absetzen von Statinen

ausgetauscht. Nächste Woche werden wir die Themen dann im Journal Club den

niedergelassenen Kollegen aus der Region präsentieren.

Das Wochenende leiteten wir am Freitag schlussendlich mit einem Einkauf im Kirchberger

Hofladen ein, wo wir uns mit lokalen Leckereien eindeckten.

Woche 4

Der erste Monat in Kirchberg neigt sich dem Ende. Die Woche ging wie immer rasend schnell

vorbei und der Montag startete direkt mit einem besonderen Erlebnis: uns erwartete in

Kirchberg ein Fernsehteam des Bayrischen Rundfunks! Das Wochenende zuvor hielten wir

das Ganze noch für einen Aprilscherz (Montag war der 01.04…) – aber das Kamerateam samt

Tontechniker stand in voller Montur vor uns und sah durchaus real aus. Das Team begleitete

Dr. Blank, Rebecca Ebner und uns den Vor- und Nachmittag in der Praxis, beim Hausbesuch

und interviewte uns zu unseren Beweggründen in die Allgemeinmedizin und insbesondere in

den Bayrischen Wald zu schnuppern. Wir sind gespannt auf die Ausstrahlung des rund

zweieinhalbminütigen Beitrages! In der Montagsfortbildung behandelten wir das Thema

Palpitationen/Herzrasen. Der Austausch zwischen den erfahrenen und jungen Kollegen war

wie immer wertvoll. Wir Studenten bekamen diese Woche Unterstützung durch die

Blockpraktikantin Monika, die auch noch nächste Woche hier hospitiert. Nach dem

erlebnisreichen Tag konnten wir beim Yoga in Schöfweg neue Kräfte sammeln. Schließlich

sollte man ja mit gutem Beispiel voran gehen, wenn man die Patienten täglich zu mehr

Bewegung und Stressreduktion animiert. Den Dienstag verbrachten wir in unterschiedlichen

Praxen und trafen uns dann nach Feierabend zur sechswöchig stattfindenden LIA

Besprechung. LIA steht für „Lebensqualität im Alter“ und die Arbeitsgruppe wird aus einem

Team von Ergotherapeuten, Ärzten und engagierten Arzthelferinnen gebildet. Diese

tauschten sich über ausgewählte Patienten dieses Programmes aus und überlegten

gemeinsam, durch welche Maßnahmen der aktuelle Lebens- und Gesundheitsstand der

älteren Patienten gehalten werden kann. Man kann sich nur wünschen, im Alter durch ein

ähnlich engagiertes Team betreut werden zu dürfen. Am Mittwoch lernten wir die schöne,

große Praxis in Schöfweg kennen. Damit kennen wir jetzt auch den vierten Standort der

Gemeinschaftspraxis. Auch an diesem Abend waren wir nach Feierabend noch gefordert.

Wir nahmen nämlich am Journal Club teil, der in der vorherigen Woche vorbereit wurde.

Dieser fand in Regen statt und wurde von mehreren niedergelassenen Kollegen besucht. Wir

beiden stellten eine Studie zur Aknetherapie vor und diskutierten über die therapeutischen

Möglichkeiten in der Hausarztpraxis. Auch mit anderen Themen wie der Behandlung

chronischer Rückenschmerzen oder den Nutzen von Honig gegen Husten setzten wir uns

auseinander und es war interessant, die unterschiedlichen Meinungen und

Herangehensweisen der Kollegen zu hören. Insbesondere beim Einsatz von Statinen blieben

noch einige Fragen offen, hier wurden wir PJler gebeten, eine interne Leitlinie für

Primär/Sekundärprophylaxe der Statine zu erarbeiten. Wir bekamen auch direkt eine

Adresse von einem Spezialisten an die Hand, den wir bei Fragen kontaktieren können. Den

Donnerstag verbrachte Andrea bei einem Facharzt für Hals Nasen Ohrenkunde in Grafenau.

Dr. Träger hat sehr viel erklärt und einen guten Einblick in seine Arbeitswelt gegeben. Neben

vielen Ohrspülungen gab es auch spannende Befunde wie beispielsweise ein Othämatom

oder einen großen Polypen im Gehörgang. Überrascht war ich zum einen darüber, wie viele

Patienten mit simplen Erkältungen direkt „den Facharzt“ kontaktieren, anstatt sich in einer

allgemeinmedizinischen Praxis vorzustellen. Zum anderen überraschte mich die ablehnende

Haltung einiger wirklich schwerhörigen Patienten gegenüber Hörgeräten – sind doch

Sehhilfen eigentlich viel auffälliger, aber offenbar wesentlich besser geduldet. Wir konnten

uns in dieser Woche auch in einer freien Minute mit Dr. Blank zusammensetzen, um unser

erarbeitetes Curriculum durchzusprechen. Hier schauten wir, welche geplanten Wochenziele

erreicht wurden und wo wir noch nachbessern können. Immer wieder erhalten wir ein

Feedback von Dr. Blank (sei es zum Umgang mit Patienten oder zu unsere Körperhaltung

oder unserem Kleidungsstil) welches uns sehr gut hilft uns zu reflektieren und an uns zu

arbeiten.

Woche 5:

Nach einem erholsamen Wochenende, an dem wir die nächstgrößere Stadt Deggendorf

erkundet hatten, starten wir in den zweiten Monat im bayrischen Wald! Wie schon letzte

Woche berichtet, gibt es eine Arbeitsgruppe LIA, die sich für die Lebensqualität im Alter

einsetzt. Am Montag konnte Andrea tiefere Einblicke auf diesem Feld gewinnen, indem sie

gemeinsam mit der MFA Waltraud einige ältere Menschen zu Hause besuchte. Das Ziel war

es, ein geriatrisches Assessment zu erfassen – hierzu unterhielten sie sich mit den Patienten,

führten „Time up and go“ und „Chair rising“ Tests durch und beurteilten ihre

Alltagskompetenzen. Es war sehr interessant, auch einmal Einblick in das Wohnumfeld der

Patienten zu bekommen – die zum Teil in wunderschönen Bauernhäusern (jedoch leider

auch häufig mit vielen Stufen und Stolperfallen) wohnen. In der Montagsfortbildung

besprachen wir recht spontan Differenzialdiagnosen von „einschlafenden Händen“, da sich

am Morgen zufällig zwei Patienten mit diesem Symptom in der Praxis vorgestellt hatten. Den

Dienstag verbrachte dieses Mal ich bei Dr. Träger, dem freundlichen HNO Arzt aus Grafenau.

Neben vielen fachlichen Tipps gab er uns auch ein paar allgemeine Ratschläge für den

bayrischen Wald mit an die Hand – zum Beispiel, dass die ältere Generation das Wort

„besser“ hier teilweise nicht einsetzt, um auszudrücken, dass etwas gut geworden ist,

sondern das „besser“ auch mal als Synonym für stärker stehen kann. Eine wichtige

Information, die insbesondere bei der Schmerzanamnese interessant werden kann. Wie

immer hatten wir Dienstag und Donnerstag eine einstündige Fallbesprechung per

Videozuschaltung mit allen Standorten. Hier stellte Andrea diese Woche einen spannenden

Fall vor, von einem Patienten, dessen rechte Hand angeschwollen war. Zunächst lag der

Verdacht auf ein Erysipel nahe, da dieses jedoch auf Antibiotika nicht ansprach und sich

stattdessen weiße Pusteln bildeten, überlegten wir, ob eher ein akuter Gichtschub

dahinterstecken könne. Im Verlauf bildeten sich auch bläulich livide Verfärbungen und der

Patient musste stationär eingewiesen werden. Auch dort ist man bisher ratlos, wie sich

durch einen Anruf im Krankenhaus herausstellte. Wir finden die Fallbesprechung sehr

wichtig, da hier nicht nur interessante, abwechslungsreiche Patienten vorgestellt werden,

sondern weil durch den Austausch die Fälle nochmal re-evaluiert werden und die

Entscheidung somit nicht nur auf dem Rücken von einem alleine liegt. Am

Mittwochnachmittag konnten wir uns erneut per Videozuschaltung mit dem Lehrstuhl für

Allgemeinmedizin in Erlangen verbinden und dort an einem Prüfungstraining für das

mündliche Staatsexamen teilnehmen. Auch wenn wir zum Glück noch etwas Luft haben, bis

es für uns Ernst wird, war es super nochmal einige Tipps von Prüfern mit an die Hand zu

bekommen. Insbesondere nehmen wir nochmal mit, bei der Beantwortung von Fallfragen

mit dem „offensichtlichen“ zu beginnen – beispielsweise: Ich bewerte die Situation als

Notfall/ Ich befinde mich in keiner Notfallsituation. Unser „persönliches Curriculum“ gab uns

diese Woche vor, uns insbesondere mit der Antikoagulation zu beschäftigen, sodass wir uns

die INR Einstellung mit Marcumar, das Bridging und auch die NOAKs näher anschauten.

Außerdem schauten wir diese Woche den MFAs vermehrt beim Versorgen von chronischen

Wunden zu. Ich nutze auch die Chance, um mit der MFA Beatrice einige Hausbesuche zu

fahren. Hier lernte ich viel über das Wundmanagement, was aus der Allgemeinmedizin nicht

wegzudenken ist – Stichwort: pAVK, Diabetischer Fuß. Mittlerweile kennt man sich in den

vier Praxisstandorten besser aus, weiß, wo man Hilfsmittel findet und kennt sich mit dem

organisatorischen Ablauf aus. In freien Minuten ist es unter Rücksprache natürlich auch kein

Problem, aneinander Ultraschall zu üben und auch die Patienten zeigen sich überwiegend

geduldig, da sie Studenten bereits gewöhnt sind.

Woche 6:

Passend zum schönen Frühlingswetter, das langsam im bayerischen Wald Einmarsch hielt,

besprachen wir am Montag das Thema „Heuschnupfen“ in der Videofortbildung. Hier

konnten insbesondere die zwei älteren Kollegen aus Schöfweg viele Tipps mit auf den Weg

geben, da sie die Zusatzweiterbildung als Allergologen erlangt hatten. Wir nehmen auch

nochmal besonders mit, mit wie viel Vorsicht die Hyposensibilisierung durchgeführt werden

muss und dass eine gute Compliance des Patienten hierfür unabdingbar ist.

Am Wochenende wurde im Bayrischen Rundfunk der fast dreiminütige Beitrag über die

Praxis ausgestrahlt. Jetzt können sich auch unsere Familien im entfernten Saarland und

Nordrheinwestfahlen vorstellen, wie wir hier leben und arbeiten. Auch der ein oder andere

Patient hat den Bericht gesehen und spricht uns in den nächsten Tagen darauf an. So schnell,

ist man ein Fernsehstar ;)

Aber generell ist den Kirchbergern nicht verborgen geblieben, dass zwei neue Gesichter in

ihrem Dorf wohnen. Und so kommt es auch mal vor, dass man von Patienten freundlich nach

dem Beziehungsstand gefragt wird, da daheim noch ein Neffe und eine Neffin oder ein Enkel

oder eine Enkelin säße. Etwas Humor darf zwischen den vielen kranken Menschen niemals

zu kurz kommen. Wir arbeiten diese Woche öfters mit Dr. Machac zusammen, der keine

freie Minute auslässt, um uns abzufragen. Wir geraten des Öfteren ganz schön ins

Schwitzen, aber die Zusammenhänge werden hierdurch doch klarer, das Faktenwissen

schließt sich etwas mehr zu einem Bild zusammen und man fühlt sich inspiriert, zu Hause

nochmal einiges nachzuarbeiten, um ein paar Lücken zu schließen.

Am Donnerstag konnte ich, Andrea in der Dialyseklinik in Zwiesel hospitieren. Dr. Kammerl

ist ein sehr angenehmer Kollege, der sowohl Studenten als auch den Patienten gerne viel

erklärt und sie mit viel Ruhe auf die Dialyse vorbereitet. Hier zeigte sich auch nochmal, wie

wichtig die gute Einstellung von Diabetes- und Blutdruckpatienten ist, da doch die meisten

Nierenversagen auf diese Erkrankungen zurückzuführen sind. Zusätzlich durfte ich auch auf

zwei sehr offene Patienten mit zystischer Nierenerkrankung treffen, die mir aus ihrer Sicht

schilderten, wie sie in der Familie mit dieser teils schweren Erbkrankheit umgehen. Neu war

für mich hier insbesondere die strikte phosphatarme Diät, die viele Patienten einhalten

müssen. „Phosphatarm“ bedeutet keine Wurst, kein Schmelzkäse, kein frisches Obst.

Zusätzlich kommt häufig noch eine beschränkte Trinkmenge hinzu. Da wird verständlich,

dass viele Patienten auch sehr frustriert bei der Dialyse sind, ist sie doch für viele eine

Dauerlösung, da die Transplantationslisten lange Wartezeiten haben und für viele nicht

mehr in Frage kommen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch keine Alternative und die drei

Vormittage bei der Dialyse retten den Patienten das Überleben und schenken, wie ich

erfahren durfte, auch vielen nochmal mehr Lebensqualität, da sie sich weniger abgeschlagen

und müde fühlen als ohne Dialyse. Sebastian, der den Gründonnerstag in der Praxis

verbrachte, sah nochmal einige Patienten, die ihre Erkrankungen vor den Osterfeiertagen

abklären wollten. Viele hatten Angst, die Feiertage im Krankenhaus verbringen zu müssen.

Auch für die behandelnden Ärzte war es teilweise eine schwierige Abwägung, ob eine

Wiedervorstellung am kommenden Dienstag ausreichend sein würde. Aber zum Glück gibt

es für die schweren Fälle die Rückabsicherung, das zu jeder Zeit eine Notaufnahme geöffnet

hat. So kann die Praxis an Karfreitag bei bestem Osterwetter beruhigt geschlossen bleiben.

Woche 7:

Nach den Osterfeiertagen starten wir in eine verkürzte 7. Woche. Am Dienstag ist die Praxis brechend voll, insbesondere stellen sich viele Heimwerker vor, die sich über das Wochenende kleinere Verletzungen zugezogen haben und sich dienstags auf Empfehlung des Krankenhauses zur Wundkontrolle vorstellen sollen. Auch gibt es einige Schüler, die die Osterferien nutzen, um sich gegen FSME impfen zu lassen. Schließlich ist der Wald schon voller Zecken. Unser Curriculum sieht diese Woche für uns vor, dass wir uns mit dem akuten/chronischen Husten sowie der Leitlinie für Müdigkeit auseinandersetzen. Beides gängige Konsultationsthemen in der Hausarztpraxis. Außerdem haben wir erste Vorbereitungen für den kommenden Journalclub im Mai getroffen. Hier werden wir einen Artikel aus dem deutschen Ärzteblatt vorstellen, der sich mit der Wirksamkeit und Bioverfügbarkeit unterschiedlicher Antibiotika befasst.

Da an Ostern Sebastians Eltern angereist sind, die eine Woche zu Besuch bleiben, haben wir uns auch noch ein paar Tage frei genommen. Daher wollen wir diesen Wochenbericht insbesondere nutzen, um ein paar Freizeitstipps zu geben. Schließlich kann man hier im bayrischen Wald einiges erleben! Sehr zu empfehlen ist z.B. eine Kanutour auf dem schwarzen Regen, die einen durch das „bayrische Kanada“ führt. Dieser Name entstammt nicht nur der artenreichen Vegetation von Bäumen und Büschen entlang des Flussufers, sondern auch der menschenlosen und unberührten Wildnis, die man hier noch erleben kann. Je nach Schweregrad erwartet einen eine entspannte Tour mit der Strömung oder auch ein paar Stromschnellen, die einen schnell wieder daran erinnern, dass es noch April ist und das Wasser trotz des wunderschönen Sonnenwetters noch ganz schön kalt sein kann. :D
Auch für eine Menge Spaß bei unserem Besuch hat der 3D-Bogenschießparcour in Bischofsmais geführt, hier fühlt man sich wie Robin Hood und kann bei einer schönen Wanderung mit Pfeil und Bogen bewaffnet auf bis zu 28 Ziele im Wald schießen. Wer gerne wandert, kommt bei einer Tour zu der Burgruine Altnußberg oder einem Trip zu den Risslochwasserfällen (z.B. ab dem Parkplatz „Schönebene“ in Bodenmais) auf seine Kosten. Danach lohnt sich ein Abstecher zum großen Arbersee, wo es auch eine bewirtete Almhütte gibt. Auch den Naturlehrpfad rund um Kirchberg ist sehr schön zu laufen. Und zu guter Letzt können wir das Freigehege im Nationalpark empfehlen. Hier kann man auf einer 3-4 stündigen Wanderung viele schöne Tiere bewundern – insbesondere die Bären sind ein echtes Highlight.


Woche 8

Halbzeit. Mit der 8. Woche neigt sich die erste Hälfte des Tertials zum Ende. Wir fühlen uns

hier im bayrischen Wald richtig angekommen und auch an den Alltag in der Praxis haben wir

uns gut gewöhnt. Wir haben das Gefühl, dass unsere Einschätzungen und

Therapievorschläge schon zunehmend in eine ganz gute Richtung gehen und unser

Bauchgefühl in den letzten Monaten ordentlich geschult wurde. Mit manchen Patienten

hatte man mittlerweile schon häufiger Kontakt und es lohnt sich, nach ein paar Wochen

nochmal die Patientenakute aufzurufen, um zu schauen was bei den jeweilig verordneten

Untersuchungen rauskam. Am Montag hatte Sebastian in Kirchberg einen interessanten Fall!

Es stellte sich eine Dame vor, die seit einigen Tagen eine schmerzlose Schwellung des linken

Vorfußes hatte. Da dies auf den ersten Blick erstmal suspekt wirkte, wurde das Thema

prompt zum Inhalt der Montagsfortbildung! Gemeinsam mit den anderen Kollegen

besprachen wir also Differentialdiagnosen von Beinödemen und Gelenkschwellungen. Wir

hatten diese Woche außerdem die Möglichkeit bei ein paar Akupunktursitzungen

zuzuschauen. Auch wenn es bis jetzt keine logische Erklärung dafür gibt, berichten doch viele

Patienten von einer Besserung der Beschwerden – und wie heißt es so schön: „Wer heilt hat

Recht!“. Am Dienstagnachmittag ist die Sprechstunde verhältnismäßig ruhig, vermutlich

waren alle Patienten schon am Morgen da :) So haben wir etwas Zeit um mit Dr. Blank in

Ruhe über die Lungenfunktionsdiagnostik zu sprechen. Nach dem 1. Maifeiertag besuchten

wir am Donnerstag Frau Dr. Pinker in ihrer Gemeinschaftspraxis in Frauenau. Frau Dr. Pinker

war uns schon von dem Kinderteaching des exzellenten Winters bekannt und da sie wusste,

dass wir kamen hatte sie extra viele U-Untersuchungen einbestellt! So konnten wir an

diesem Vormittag eine U5, mehrere U6s und eine U9 miterleben. Wir sind beide ganz

fasziniert davon, wie toll Frau Dr. Pinker mit den Kindern umgeht. Während sich die Kleinen

bei uns noch die Seele aus dem Leib schreien, als wir Herz und Lunge abhören wollen, schafft

Frau Dr. Pinker es, die Kinder in ihren Bann zu ziehen und zum Lachen zu bringen. Und wenn

ein Kind doch mal Schreit, wird die Chance eben genutzt den Mund und Rachenbereich

genau zu inspizieren. Sebastian darf auch ein 12. Monate altes Kind impfen, eine ganz

schöne Herausforderung, die die Unterstützung der Mutter und einer Arzthelferin benötigt!

Auch erleben wir die normale Sprechstunde mit, in der sich an diesem Tag ebenfalls viele

Kinder vorstellen. Andrea und ich haben dort viele wichtige Eindrücke im Umgang mit

jungen Patienten gewonnen, so dass wir mit Frau Dr. Pinker für den Juni noch einen zweiten

Tag zur Hospitation verabredet haben. Samstags durften wir uns auf den Weg in das schöne

Schloss Buchenau in idyllischer Waldlage begeben. Hier fand eine Fortbildung der

Rheumatologen Dr. Eder und Dr. Kirrstetter zum Thema „Rheuma im Alter“ statt, zu der er

uns im Vorfeld bei der Hospitation bereits eingeladen hatte. Es gab mehrere sehr

interessante Vorträge von der häufigen Polymyalgia rheumatica bis hin zur zum seltenen

RS3PE-Syndrom. Auch Themen wie Sarkopenie, Frailty und die Pharmakotherapie im Alter

wurde behandelt. Insbesondere mitgenommen haben wir, auch bei Ältere pflegebedürftigen

Patienten auf eine ausreichende Schmerztherapie bei starken rheumatischen Beschwerden

zu achten. Zudem haben wir gelernt, dass bei der Polymyalgia Rheumatica (PMR) nur mit

einer geringen Kortisondosis [15-25mg] gestartet werden soll. Die Begründung dabei ist,

dass diese zur Therapie der PMR bereits ausreichend ist ohne dabei die Symptome

degenerative Verschleißerkrankungen durch zu hohe Kortisondosen zu verschleiern. Den

Abend ließen wir dann bei einem Spaziergang um den Frauenauer Wasserspeicher

ausklingen.

Woche 9:

Auch die neunte Woche verging wie im Flug. In der Montagsfortbildung nahmen wir uns

dieses Mal das Thema Müdigkeit bei Kindern und Jugendlichen vor. Es ist wie bei

Erwachsenen ein ambivalentes Thema und zeigte uns, dass es auch bei Kindern hier einiges

zu beachten gibt. Wir haben uns auf eine Stufendiagnostik geeinigt, um schrittweise häufige

Gründe hinzu selteneren Ursachen bei jungen Menschen auszuschließen. Dienstag trafen

sich erneut die zuständigen MFA‘s und Ärzte des LIA Clubs, dieses Mal auch mit Verstärkung

vom Sozialdienst. Es wurde die aktuelle Verfassung und weitere Therapie der älteren

Patienten gemeinsam besprochen. Es hat uns abermals beeindruckt, mit welcher Hingabe

und Engagement sich alle Beteiligten auch noch nach Feierabend um die alten Patienten

kümmern.

Auch den Mittwochabend hatten sich schon alle ärztlichen Kollegen freigehalten, denn die

gemeinsame Videokonferenz zum 25. Journalclub stand an. Wir waren nun ja schon das

zweite Mal dabei und hatten ebenfalls im Vorfeld einen Artikel aus dem deutschen

Ärzteblatt vorbereitet. Dieser beschäftigt sich mit der Minimalen Hemmkonzentration von

Antibiotika und sensibilisierte uns noch einmal bei der Oralisierung von Antibiotika darauf zu

achten, diese nicht zu niedrig zu dosieren. Es gab an diesem Abend einige hitzige Diskussion

wie z.B. zu Themen wie Entresto oder den neuen Leitlinien zur KHK. Uns wurde nochmal

deutlich mit wieviel Herzblut viele ihre Themen vorbereiten. Wir finden der Journal Club

bildet einen guten Raum, um auf Thematiken aufmerksam zu werden, über die man sonst

nicht gestolpert wäre und im Austausch neue Sichtweisen auf manche Punkte zu gewinnen.

Wir haben insbesondere auch nochmal mitgenommen, das Studiendesign immer kritisch zu

hinterfragen. Es wir in Zukunft wahrscheinlich eine große Herausforderung werden, sowohl

offen für Veränderungen und neue Erkenntnisse zu bleiben, aber dennoch eine gesunde

Skepsis vor frischen Studienergebnissen zu bewahren.

Während Sebastian diese Woche Eindrücke in der Orthopädie sammelte, schaute ich Dr.

Werner in Regen über die Schulter. Dr. Werner ist Facharzt für Innere Medizin und hat

zudem eine Zusatzweiterbildung in Psychotherapie. Dies macht sich in seinem

Patientenumgang und seiner Art, die Anamnese zu erheben deutlich bemerkbar. Er schafft

eine sehr ruhige und angenehme Atmosphäre für den Patienten und nimmt sich unglaublich

viel Zeit für jeden Einzelnen.Ich konnte bei einigen Echokardiographien und Belastungs-EKGs

zu schauen und haben auch einiges über das Schlaf Apnoe Syndrom gelernt.

Sebastian verbrachte den Donnerstag wie schon erwähnt beim Orthopäden Dr. Buvar in

Deggendorf. Dr. Buvar hatten wir schon beim Studentenunterricht des Exzellenten Winters

kennen gelernt - er zeigte Sebastian viele orthopädische Untersuchungen, unter anderem

auch den Einsatz von Ultraschall zur Beurteilung von Sehnen und Gelenken. In der gut

besuchten Praxis trafen sich sowohl junge als auch ältere Patienten - ein als Epiphysiolysis

capitis femoris angekündigter Notfall entpuppte sich dann doch als Coxitis fugax

—„Hüftschnupfen“.

Am Wochenende trafen wir uns mit ein paar Freunden aus dem Saarland in der goldenen

Stadt Prag. Trotz Regen hätten wir ein schönes Wochenende!

Woche 10

Die neue Woche beginne ich, Sebastian mit einem Besuch beim Augenarzt! Zum Glück nicht

als Patient, sondern um Dr. Pöllmann einen Tag zu begleiten. Dr. Pöllmann - der eigentlich

schon im Ruhestand ist, sich aber nicht ganz von seiner Arbeit trenne kann - konnte mir

einiges zum Auge erklären und zeigte mir, mit wie viel Freude er Jung und Alt das Augenlicht

erhält. Normalerweise ist er montags auch operativ tätig, leider waren an diesem Montag

jedoch keine OPs einbestellt. Dafür hatten wir viel Zeit, um uns z.B auch über die

Unterschiede des deutschen und österreichischen Gesundheitssystems auszutauschen. Er

kann da sehr gut aus eigener Erfahrung berichten, da er auch regelmäßig eine Sprechstunde

in Österreich führt.

Den Dienstag verbrachte ich gemeinsam mit Andrea und Dr. Machac in Rinchnach. Es macht

wirklich Spaß, sich zwischen den Patienten den kritischen Fragen von Dr. Machac zu stellen,

der durch seine internistische Facharztausbildung die Innere Medizin wirklich gut

beherrscht. Da kommt schon ein Hauch von Examensluft auf und man sieht die mündlichen

Prüfungen am Jahresende näher rücken. Aktuell wird ja auch das Semester über uns geprüft

und wir bekommen ein ungefähres Gefühl, wie viel Arbeit da doch nochmal auf uns

zukommt... Gut, dass wir hier schon eine gute Vorbereitung bekommen! Am Mittwoch

konnte ich dann ebenso wie Andrea in der Vorwoche Dr. Werner in Regen besuchen.

Am Donnerstag folgten Andrea und ich der Einladung des deutschen Hausärzteverbandes

nach Regensburg zum „Nachwuchstag der Allgemeinmedizin“. Es gab hier neben ganz viel

Informationen zur Weiterbildungsordnung und Verbundsweiterbildungen auch einen

interessanten Vortrag über das Abrechnungssystem. Für uns komplettes Neuland und

sicherlich eine große Herausforderung bei der Niederlassung. Wir waren überrascht, wie

viele Ziffern und Abrechnungsaspekte die ärztlichen Kollegen im Kopf hatten... Die Praxis ist

eben auch ein kleiner Betrieb, der laufen muss. Auch ein spannender Beitrag verglich die

Praxis auf dem Land, so wie wir sie aktuell kennen lernen mit der typischen Stadtpraxis. Ein

Arzt berichtete von einer großen Praxis in München, in der 25 Allgemeinmediziner angestellt

sind. Beides hat sicherlich seinen Reiz, aber wir sehen uns da aktuell doch eher im

ländlicheren Raum. Es stellte sich auch die „JADE“ vor, eine Plattform für junge

Allgemeinmediziner, die einen Austausch zwischen einander ermöglicht und z.B. auch

Lerngruppen für die Facharztprüfungen bietet. Wir hörten auch einige Horrorstories über

den klinischen Abschnitt der Weiterbildung. Hier muss man wohl wirklich achtgeben, an gute

Ausbilder zu gelangen! Insgesamt bekamen wir an dem Tag jedoch das Gefühl, als hätte es

nie bessere Zeiten gegeben, um in die Allgemeinmedizin zu gehen, da der Weg der

Generation vor uns wohl noch um einiges steiniger war.

Am Freitag ließ ich die Woche dann gemeinsam mit der MFA Waltraud in Schöfweg

ausklingen. Waltraud kümmert sich um das geriatrische Assesment und ich durfte mit ihr

gemeinsam einige Senioren in der Praxis untersuchen. Eine wichtige Aufgabe, die sicher in

den nächsten Jahren noch wachsen wird. Andrea war währenddessen nochmal bei Dr.

Machac in Rinchnach. Auch dort hatte sie an diesem Tag einige spannende Fälle. Zum

Beispiel stellte sich ein Patient mit bekanntem HCC vor, der über Luftnot und

Gewichtszunahme klagte. In der körperlichen Untersuchung fiel schon auf, dass der Patient

offenbar ordentlich überwässert war. Mithilfe des Ultraschalles ließen sich der vermutete

Pleuraerguss und das Aszites dann auch grafisch darstellen. Es blieb leider keine andere

Option, als den Patienten noch vor dem Wochenende stationär einzuweisen.

Woche 11:

Am Montag begleite ich zunächst Frau Ebner in Ihrer Sprechstunde. Sie hat dieses Jahr mit

der Weiterbildung begonnen und hat sich entschieden, einen Teil der ambulanten

Weiterbildung dem klinischen Abschnitt vorzuschieben und somit quasi frisch von der Uni in

die Praxis zu gehen. Eine Option, von der ich zuvor überhaupt nicht wusste, dass sie auch in

dieser Reihenfolge möglich ist – Frau Ebner ist jedoch nicht nur der lebende Beweis, dass es

geht, sondern auch wie gut es klappen kann. Ich habe den Eindruck, dass die Patienten sich

sehr gut bei Ihr aufgehoben fühlen und wenn doch mal Fragen offenbleiben sollten oder

schwerere Entscheidungen zu treffen sind, ist der Kollege schnell aus dem nächsten

Sprechzimmer greifbar. In der Montagsfortbildung besprechen wir diese Woche den Arriba-

Score, ein Hilfsmittel das der Abschätzung des kardiovaskulären Risikoprofils dient und

helfen soll, dem Patienten seinen Stand und seine Möglichkeiten selbst aktiv zu werden zu

visualisieren. Wir waren selbst schon ein paar Mal dabei, als er in der Sprechstunde

Anwendung fand. Der Austausch am Montag hat uns besonders gut gefallen, da jeder

Kollege kurz ansprach, wie er dem Patienten die Ergebnisse näherbringt und welche

Strategien er anwendet, um für mehr Bewegung, gesunde Ernährung oder Nikotinverzicht zu

werben. Ein Tipp wäre zum Beispiel, gerade älteren Patienten die Angst vor dem Wort

„Sport“ zu nehmen und zu erklären, dass auch 90min Spazieren in der Woche schon besser

sind als nichts. Wie wichtig regelmäßige sportliche Betätigungen sind, konnte ich auch am

Mittwoch bei meiner Hospitation bei Dr. Buvar, dem niedergelassenen Orthopäden in

Deggendorf erfahren. Hier zeigten sich viele Patienten mit unterschiedlichsten Gelenk- und

Muskelbeschwerden und fast jedem gaben wir Infomaterial mit Dehn- und

Kräftigungsübungen mit und animierten sie zu etwas mehr Bewegung! Ich konnte neben

vielen Gelenksonografien und Röntgenbildern auch nochmal sehen, wie Dr. Buvar

Schulter/Hüfte oder Knie körperlich untersucht. Es war ein sehr interessanter Tag und vom

91 Jährigen Patienten mit künstlichen Knie und Hüftgelenk bis zum 8 Wochen alten Baby mit

Spreizhose bei Hüftdysplasie war alles dabei! Am Abend trafen wir uns dann in Regen mit

den niedergelassenen Kollegen aus der Region zum Journal Club. Wir stellten unsere Studie

zur Antibiotikadosierung vor und es ergaben sich zu allen Themen interessante Diskussionen

und Austausche. Sebastian hospitierte am Donnerstag in Zwiesel bei Dr. Kammerl, der dort

das Dialysezentrum leitet. Neben der aufwendigen Infrastruktur, die er sich bei einer

Führung durch den Dialysekeller näher anschauen durfte, beeindruckte ihn insbesondere die

Fürsorge, mit der die Patienten dort von allen betreut werden. Und dies, obwohl das

Patientenklientel meist schwer krank ist und dementsprechend auch nicht immer beste

Laune zur Dialyse mitbringt. In unserer Fallbesprechung, die jeden Dienstag und Donnerstag

stattfindet haben wir nun eine neue Aufgabe übernommen. Wir haben ein Online-Dokument

angelegt, in das wir die Verläufe der spannendsten Patientenfälle eintragen, damit man

nachverfolgen kann, wie sich der jeweilige Fall entwickelt hat. Am Donnerstagabend kamen

wir dann erneut in Regen zusammen, dieses Mal zur Fortbildungsreihe der

Gesundheitsregion Plus in Regen zum Thema „Aus der Klinik in die Praxis“. Dieser Schritt ist

für Sebastian und mich zwar noch ein weit entferntes Ziel, aber man kann nie früh genug

damit beginnen sich zu informieren und wir bekamen ganz viele interessante Infos an die

Hand, wie das System in Deutschland überhaupt funktioniert und wo z.B. die Unterschiede

zwischen MVZ/Berufsausübungsgesellschaft (Gemeinschaftspraxis)/Anstellung oder

Zulassung liegen. Im Anschluss wurde das gesamte Team dann von Dr. Blank

freundlicherweise zum Pizza-Essen eingeladen, um den Abend ausklingen zu lassen.

Woche 12:

Der letzte Monat in Kirchberg hat für uns begonnen! Wahnsinn- wie schnell die Wochen

dahin fliegen… Die letzte Woche begann für mich, Andrea mit einem Ausflug zu Dr. Lindinger

– einem niedergelassenen Onkologen in Zwiesel. Dr. Lindinger betreute an dem Vormittag

viele Patienten in der Tumornachsorge und konnte mir wertvolle Tipps zum Ultraschall

geben. Auch konnte ich einige Patienten sehen, die ambulant zur Chemotherapie kamen. Ich

war sehr beeindruckt, wie viele Details über die unterschiedlichen Therapieschemen Dr.

Lindinger im Kopf parat hatte… ich glaube, langfristig wäre das für mich persönlich kein Job,

den ich gut machen könnte. Um 12 Uhr war die Sprechstunde vorbei, sodass ich mich schnell

ins Auto setzten konnte, um zur internen Montagsfortbildung dazu zu stoßen. Diese

beschäftigte sich diese Woche mit dem „Centor score“ und dem Umgang mit verunsicherten

Müttern, die im Kindergarten zu hören bekommen, das Kind könnte Scharlach haben.

Prompt begegneten mir in dieser Woche noch drei solcher Fälle in der Sprechstunde und ich

war froh, den Eltern die Angst jeweils ein Stückchen nehmen zu können und sie auch gut zu

dem Streptokokken-Schnelltest beraten zu können. Da hier im bayrischen Wald aktuell

mehrere Hanta-Virus Fälle aufgetreten sind, sind die Patienten auch immer wieder

verunsichert und haben Bedenken, sie könnten diesen Virus in sich tragen. Ich finde es ist

ein sehr schönes Gefühl, wenn man Menschen ihre Sorge etwas nehmen kann und merkt,

wie sie durchatmen und beruhigt die Praxis verlassen, sobald man sie näher über die

möglichen Symptome oder Anzeichen der Erkrankung aufklärt hat und zu dem Entschluss

kam, dass wahrscheinlich kein Scharlach oder Hanta-Virus vorliegt. Sebastian erlebte diese

Woche mehrere Notfälle. Eine 92 jährige Dame, die für ihr Alter erstaunlich fit war, kam mit

seit zwei Tagen bestehender Dyspnoe in die Praxis. Nach zielgerichteter Anamnese und

Ausschluss eines Myokardinfarktes mittels EKG entschied Dr. Kalmancai die Dame auf Grund

ihrer ausgeprägten Sprechdyspnoe mit notärztlicher Begleitung ins Krankenhaus

einzuweisen. Wir dachten differentialdiagnostisch an eine mögliche Lungenembolie oder

eine dekompensierte Herzinsuffizienz, da im Ultraschall beidseitig Pleuraergüsse

festzustellen waren. Am Freitag wurde Dr. Kalmancai und Sebastian notfallmäßig zu einem

Hausbesuch bei einer Patientin gerufen, die ebenfalls zunehmend an Luftnot litt. Vor Ort

trafen wir auf eine an der Bettkante sitzende, deutlich dyspnoeische Dame. Anamnese,

körperlicher Befund, Allgemeinzustand und die Tatsache, dass es ein Freitagnachmittag war

ließ uns ebenfalls keine andere Wahl, als die Patientin am ehesten mit dem Verdacht einer

Pneumonie ins Krankenhaus einzuweisen. Die beiden Beispiele zeigten mir, dass

Hausarztsein immer auch bedeutet, aus einer vorher entspannten Situation plötzlich mit

Notfallsituationen konfrontiert zu sein und unter Abwägung vieler Einflüsse wichtige

Entscheidungen treffen zu müssen. Das kann manchmal ganz schön schwer sein und bedarf

oft das richtige Bauch- und Fingerspitzengefühl. Am Mittwoch Abend hörten wir einen

Vortrag von einem KV-Apotheker, der die Verordnung von Medikamenten in der Praxis

thematisierte. Es ging hier zum Beispiel darum, welche Verordnungen im Allgemeinen zu

Prüfungen führen können und welche Ziele die KV anstrebt. Uns verdeutlichte der Beitrag

insbesondere, dass es als Praxisinhaber nicht ausreicht, ein medizinisches Talent zu haben –

man muss insgesamt ganz viele Baustellen und Aufgaben im Blick haben – Abrechnung und

die richtige Verordnung der Medikamente ist nur eine davon…

Woche 13:

Die Montagsfortbildung behandelte diese Woche das Thema Nierenversagen. Ein Thema,

das man an der Uni zwar durchaus häufig durchgekaut hat, was jedoch für uns nach wie vor

schwer zu greifen ist. Umso beruhigender war es zu sehen, dass offenbar auch die „alten

Hasen“ bei dem Thema kein Patentrezept haben und man einfach individuell bei jedem

Patienten schauen muss, wie man damit umgeht. Am Dienstag machen wir uns erneut auf

den Weg nach Frauenau zu Dr. Pinker. Uns hatte der erste Tag bei Ihr so gut gefallen, dass

wir mit Ihr direkt ein zweites Treffen ausgemacht haben. Erneut hatte sie extra viele U-

Untersuchungen einbestellt. Diesmal hatte sie verstärkt jüngere Kinder zu den U-

Untersuchungen einbestellt, statt wie beim letzten Mal verstärkt Kleinkinder. Wie der Zufall

es wollte, sahen wir auch einige Kinder wieder, die wir in der ersten Woche im

Kinderuntersuchungskurs kennen gelernt hatten. Wir dachten ja, dass WIR in der

Zwischenzeit eine Entwicklung durchgemacht hätten – aber das ist nichts im Vergleich dazu,

wie stark sich die Kleinen in dieser Zeit entwickelt haben! Wirklich Wahnsinn… Wir sprachen

an dem Tag auch viel über das Impfen, diskutierten Nutzen und möglichen Schaden und

sahen auch einige Eltern, die gegen Impfungen waren. Wir durften bei einem Kind auch

selbst Hand anlegen. Auch wenn die Handgriffe bei Erwachsen mittlerweile sitzen – zwei

strampelnde Kinderbeine zu impfen ist eine ganz andere Hausnummer. Am Mittwochabend

fand eine Sitzung des Arena-Projektes statt. Dies war eine Studie zur Antibiotikaverordnung,

an der die Praxis teilgenommen hatte und die jetzt ausläuft. Dieser Abend behandelte

zunächst das Thema MRSA – ein Problem, das wir bisher eher ins Krankenhaus eingeordnet

hätten. Jedoch wurde uns deutlich, dass gerade das Screening, die Weiterbetreuung und

auch die Aufklärung der Angehörigen über die multiresistenten Keime durchaus eine

Relevanz in der Hausarztpraxis haben. Da mehrere Praxen an der Sitzung teilnahmen, war es

spannend zu hören wie in den jeweiligen Praxen mit dem Problem umgegangen wird.

Donnerstag und Freitag nahmen Sebastian und ich uns dann zwei aufgesparte Fehltage, um

uns auf den Weg nach Thüringen auf die Medimeisterschaften zu machen. Wir trafen uns

hier unter anderem auch mit der Gruppe vom „Exzellenten Winter“, was uns alle sehr

gefreut hat! Da wir nun noch etwas Platz haben, ist diese mal ein guter Zeitpunkt über

Kirchberg im Wald selbst ein paar Worte zu verlieren. Die Unterbringungsmöglichkeiten für

Studenten sind genial. Ganz oben auf dem Kirchberg hat man von allen „Kirchbergern“ die

tollste Aussicht und man ist in flotten fünf Minuten zu Fuß schon in der Praxis. Die zwei

Wohnungen bieten super viel Platz und alles an Komfort was man sich wünscht. Dr. Blank

handhabt es so, dass jeder PJ Student einen gewissen Finanzbetrag zur Verfügung gestellt

bekommt, um etwas Nützliches für die Gemeinschaft zu kaufen oder für die Summe seinen

Vorschlag einzubringen. Achja, und dann gibt es da noch Lucky den Dorfhund über den wir

schon öfter mal berichten wollten. Der kleine süsse Racker gehört eigentlich zum Dorfladen

und er ist dorfweit bekannt! Wenn er sich mal wieder in der Nähe in der Sonne rekelt und

man Sehnsucht nach ihm hat, muss man nur zwei- dreimal in die Luft bellen und er kommt

angeflitzt. Wer würde das für eine große Packung Streicheleinheiten nicht tun… ansonsten

kommt er einen beim Einkaufen begleiten oder wandert gerne einfach mal eine Strecke mit

durch den Wald hinter der Kirche; unter dem Strich ein absolut angenehmer Zeitgenosse der

einem die Zeit hier zusätzlich versüsst 

Woche 14:

Nach den sonnigen Pfingsttagen finden sich in der Praxis einige Hobbywerkler und Gärtner

mit diversen Verletzungen ein. Vom gebrochenen Zeh bis zur Schnittwunde ist alles dabei

und die üblichen Fragen nach Tetanusschutz oder Thromboseprophylaxe sind schnell geklärt.

Auch stellen sich in der Woche vermehrt Schulkinder vor, die die Ferien (meist nicht ganz

freiwillig) nutzen, um sich ein paar Impfungen abzuholen. Bei den Schulkindern, gerade

wenn sie sehr ängstlich sind, sind die Impfungen dann auch für uns nochmal sehr aufregend.

Aber durch ein nettes Gespräch gelingt es meistens, die Kids etwas abzulenken. Und

spätestens, wenn die MFAs den Lutscher bereitlegen, strahlen die meisten schon wieder.

Es scheint gerade trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Hitzewelle auch eine erneute

Grippewelle umher zu gehen und viele kommen mit Halsweh/Kopfweh/Ohrenschmerzen…

gut, dass wir die meisten vor einer Antibiose bewahren können und eher auf virale Infekte

schließen. Manchmal ist es jedoch auch hier gar nicht leicht, die Patienten gut zu beraten.

Was soll man z.B. tun, wenn einem ein stark erkälteter Landwirt gegenübersitzt, der sagt,

dass er sich auf keinen Fall eine Woche ins Bett legen kann, da Hof und Tiere zu Hause

versorgt werden müssen!

In Schöfweg sah Sebastian diese Woche einen anaphylaktischen Schock. Ein Patient hatte

Luftnot, rote Auge und Urtikaria. Schnell wurde Cortison und Antihistaminika angehangen,

sodass die Situation im Endeffekt sehr glimpflich ausging. Am Dienstag hospitierte Sebastian

dann erneut bei einem Dermatologen, dieses Mal bei Dr. Kissinger in Grafenau. Dieser

betreibt dort zusammen mit seiner Frau eine riesige Praxis, die z.B. auch Varizen therapiert.

Er konnte dort nochmal einige neue Einblicke in das Fach gewinnen.

Uns wird so langsam bewusst, dass sich die Zeit im bayrischen Wald dem Ende zuneigt und

so macht sich schon etwas Aufbruchsstimmung breit. Die Zeit verging wirklich super schnell

und es ist schade, aufzubrechen wenn man gerade das Gefühl hat, so richtig angekommen

zu sein! Das Wochenende nutzen wir daher, um bei schönstem Sonnenschein noch einmal

im Bayrischen Wald zu wandern. Mit dem „Igel-Bus“ fahren wir an einen Ausgangspunkt, um

den Rachel zu besteigen. Die Sicht vom Gipfel, der wunderschöne See und der kühle Wald

wird uns sicher bald fehlen!

Woche 15:

Der letzte Tag in Kirchberg ist angebrochen und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen.

Wir durften in den letzten Wochen hier im Bayrischen Wald eine richtig schöne Zeit

verbringen. Durch die vielen Fortbildungen und hilfreichen Tipps der Kollegen haben wir

einiges mitnehmen können! Wir waren als Studenten hier von Beginn an herzlich

aufgenommen und Teil des Teams. Durch kleine Projekte und Aufgaben, wie beispielsweise

Recherchen oder Protokolle verfassen wurden wir von Beginn an eingebunden und

wertgeschätzt. Von dem großen Ärzteteam mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und

den gut ausgebildeten MFAs durften wir viel lernen, sei es fachlich oder menschlich. Es war

spannend zu sehen, wie schön sich hier die unterschiedlichsten Charaktere ergänzen und im

Team aufgehen. Wir wollen daher allen ganz herzlichst unseren Dank aussprechen für die

angenehme Zeit hier!!!!

Ein besonderes Lob geht natürlich an Dr. Blank, der es wirklich versteht eine gute Ausbildung

aufzubauen. Wir haben uns sehr oft motiviert gesehen, Themen nachzulesen und gelernt,

wie man sich zu einer Fragestellung gut informiert. Insbesondere durch den Journal Club

wurde uns nochmal bewusst, wie schwer es sein kann, eine „gute“ Studie zu finden, die

aussagekräftig und pharmafrei ist!

Sehr gut gefallen hat uns das Angebot, regelmäßig bei Fachärzten in der Region zu

hospitieren. Wir haben dies fast wöchentlich wahrgenommen und dadurch nochmal in viele

Gebiete einen Einblick gewonnen. Niederlassung ist immer etwas anderes als Universität

und wir fanden es spannend, nochmal zu sehen welche weiteren Möglichkeiten der Facharzt

hat und welche Schritte bereits beim Hausarzt abgewickelt werden können, um die

niedergelassenen Kollegen ggf. ein wenig zu entlasten. Auch war es generell sehr interessant

zu sehen, wie die jeweiligen Kollegen mit den Patienten umgehen und auf sie eingehen.

Uns ist aufgefallen, wie angespannt die Schnittstelle zwischen Krankenhaus und

Niederlassung ist und wie wichtig hier ein respektvoller und wertschätzender Umgang

miteinander ist. Da wir ja in den kommenden Jahren diese Schnittstelle auch nochmal aus

Krankenhaussicht kennen lernen werden, haben wir uns auf jeden Fall vorgenommen hier

auf eine gute Zusammenarbeit miteinander zu achten.

Die Abreise ist uns wirklich schwergefallen, da uns das Team und die Gegend echt ans Herz

gewachsen ist. Aber man weiß ja nie, wie das Leben spielt und ob es uns nicht nochmal

zurück verschlägt! Allen kommenden PJ-Studenten wünschen wir auf jeden Fall eine ganz

tolle Zeit!!!

Dorian Gottwald

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15

19.-23.11.2018

Die Erste Woche in Kirchberg im Wald.

Noch etwas aufgeregt und angespannt stehe ich vor einem breit grinsenden großen Mann, Dr. med. Wolfgang Blank, welcher einen charmant über seinen Medizinethos und wissenschaftsgetreues Arbeiten als Arzt mit Evidenz basierter Medizin erzählt. Man merkt ihm tagtäglich an, dass er gerne etwas von seiner Arbeitsweise an die nächsten Generationen weitergeben möchte und es ihm darum geht, was er später hier von seiner Arbeit Anderen überlässt und welche Arbeitsweise von hier in die Welt getragen wird.

Ich bin nicht alleine hier, auch Sarah Moschko teilt sich mit mir eine WG und die Vorteile der Lehrpraxis im Bayrischen Wald. Vormittags gehen wir mit Dr. Blank oder mit einem seiner angestellten motivierten Ärzten, Dr. Takacs, Dr. Mendl, Dr. Machac, oder Dr. Kleudgen mit und lernen viel bei deren Patientengespräche und medizinischen Diagnostik und Therapie. Teilweise darf man bereits zu Beginn je nach eigener Motivation und Willen schon eigene Anamnesen und körperliche Befunde erheben oder schon mal vorschallen, um die Patienten sodann einen Arzt vorzustellen und das weitere Procedere zu besprechen. Es wird sehr darauf geachtet, ob man den Patienten sieht, wahrnimmt und als ganzen Menschen ernst nimmt. Beispielsweise wird bei der Patientenvorstellung sehr darauf geachtet, dass man den Patienten im Kontakt mit diesen vorstellt. Daraus ergibt sich eine sehr angenehme menschliche Stimmung.

Die gegenseitigen Rückmeldungen und der Kontakt zwischen Ärzten, MFAs und Arzthelferinnen sind sehr angenehm. Die Menschen hier loben sich gerne gegenseitig und weisen sich auf angenehme Art auf mögliche Fehler hin. Man hat den Eindruck eine gute Lernzone hier zu haben, um das Arzt sein zu erlernen. Die Arzthelferinnen sind sehr gut ausgebildet und für bestimmte Themen jeweils Experten, wie beispielsweise für Wundversorgung, Belastungs-EKG etc. Auch von ihnen kann man sehr viel lernen. Montags finden Fortbildung alla SkypFormat mit Pjlern als Protokollführern statt; Dienstag und Mittwoch Fallbesprechungen; Mittwochs Journal Club, hier bekommen wir sogleich Studien zugeteilt, welche wir nächste Woche vorstellen dürfen.  Man hat die Möglichkeit hier je nach eigener Motivation sehr viel zu lernen und sich fortzubilden. Dr. Blank betont immer wieder die Eigenverantwortung des Lernerfolges, welchen er gerne begleitet und fördert. In der großen Mittagspause oder am Abend kann man gemütlich in der WG gemeinsam Kochen und Geschehnisse des Tages besprechen. Ich bin froh hier nicht der einzige Pjler zu sein. Die erste Woche fahre ich mit dem Fahrrad alle Strecken zwischen den Praxen ab. Im späten Herbst ist es ganz schön kalt und es schneit bereits ein bisschen. Ich bin froh die rechte Ausrüstung mit Gravel-Bike, dicken Winterstiefeln, Regenhose, Regenjacke und Licht zu haben. Das Fahrradfahren durch die Natur macht großen Spass, wobei die Beinmuskeln am WE doch etwas steif sind. Ein Auto im Winter ist hier doch auch nicht schlecht. Man kann sich aber auch jederzeit eine Mitfahrgelegenheit im zuvorkommenden Praxisteam suchen.

Nachdem ich meinen Helm in München vergessen habe, leiht mir Frau Dr. med. Takacs einen Helm aus. Frau Kölbl suchte mir zudem gute Reiserouten, um auf schönen, nicht zu befahrenen Straßen von Praxis zu Praxis zu kommen. Dr. Blank informiert auch jederzeit gerne über Freizeitaktivitäten und vermittelt gerne Kontakte, um beispielsweise mal mit zum Jagen zu gehen oder Langlaufen zu gehen. Man hat den Eindruck das ganze Praxis-Team ist an dem Wohlergehen und Lernerfolg der Pjler interessiert. Ich fühle mich immer wohler mein erstes Tertial hier zu bestreiten.Die Tage vergehen im Nu.

26.-30.11.2018

Eine neue Woche in Kirchberg im Wald.

Langsam spielt man sich mit Anamnese und körperlicher Untersuchung ein. Auch die
Dokumentation und Patientenvorstellung läuft routinierter ab. Montag Protokoll über das Teamgespräch, Impfmanagement geführt. Man bleibt wach dabei und nimmt mehr mit, als würde man einfach nur zuhören. Dienstag und Donnerstag die Fallvorstellungen sind spannend. Durch die Fälle nimmt man nochmal mehr Knowhow zu den jeweiligen Differentialdiagnosen, Diagnostik und Evidenz basierter Therapie mit. Der Journal Club am Mittwoch war sehr aufregend, ich durfte eine Studie zu Aspirin in der Primärprophylaxe und deren negative Auswirkungen auf das Krebsrisiko und Blutungsrisiko vorstellen, das ganze vor einer Gruppe gestandenen Ärzten. Ich hatte gutes Lampenfieber. Nach dem Durchgang und positiven Feedback ist das Ganze für mich ein positiver Stress gewesen. ;)

Die Abende nach der Arbeit nimmt uns Dr. Blank mit seiner Tochter mit ins Kino und außerdem
organisiert er uns Langlaufskier und Skating-Skier. Ich bin sehr gespannt darauf diese bei guten Schneeverhältnissen auszuprobieren.
Die Wochen verfliegen wie im Flug, freue mich auf die nächste Woche in einem tollen Team

03.-07.12.2018

Und wieder eine neue Woche in Kirchberg im Wald.

Meine Mitbewohnerin und Kollegin, Sahra, hat es leider Erkältungstechnisch heftig erwischt.
Am Montag habe ich wieder in der Teambesprechung Protokoll zu Impfmanagement II geführt. Diesmal wurden die einzelnen Impfungen durchgesprochen. Zuhause haben wir uns die einzelnen Impfungen nochmal en Detail angeschaut und wiederholt. Wir entdecken immer mehr, wie gut uns das gemeinsame Lernen tut. Ich bin sehr froh nicht der einzige PJler zu sein. Auch wieder die
Fallbesprechungen am Dienstag waren sehr spannend.

Das Ärzteteam, welches sich hier interprofessionell fortbildet und sich mit aktuellen Studien up to date hält, ist einfach klasse. Donnerstag hat der Halsschmerz auch mich erwischt ich gehe früher nach Hause und versuche mich gesund zu schlafen. Freitag wieder in der Arbeit. Die Erkältung nervt, hoffentlich bin ich sie nächstem Woche los. Immer schön die Hände vor nach dem Patientenkontakt zu desinfizieren lässt sich sehr empfehlen. Mich hat es leider trotzdem erwischt. Jeden Tag, den man hier nicht in der Praxis mit dem Team verbringen kann, ärgert einen.

Ich werde das WE ruhig machen. Dr. Blank hat uns wieder, total lieb, zu einem Glühwein Abend in seiner Siedlung eingeladen, leider konnten wir beide krankheitstechnisch nicht. Mittwochabend hat mich Dr. Blank mitgenommen zu einem Quälitätszirkel. Toller und netter Austausch unter Kollegen. Jeder bekommt Fragen mit von seinen Kollegen, die dann bei dem nächsten Termin jeweils nach Heimarbeit geklärt werden. Sehr angenehme Stimmung. Das Ärztepaar Dr. Haberer und Dr. Stern haben mir jeweils nochmal angeboten eine Hospitation machen zu dürfen. Man ist hier wirklich sehr um die PJler bemüht. Einfach klasse! Auf nächste Woche.

Vielleicht mache ich sodann meine ersten Hospitationstag außerhalb.

Jede Woche erlebt man doch trotz ähnlicher Struktur mit den Fallbesprechungen am Dienstag/Donnerstag und der Fortbildung am Montag immer wieder Neues. Jeder Arzt arbeitet etwas anders und hat dementsprechend unterschiedliches Patientenklientel. Jeder Arzt ist auf seine Weise klasse. Inzwischen war es mir auch möglich bei Dr. Oldenburg mitzugehen und Patienten zu übernehmen. Hier geht es etwas zackiger zu.

Man sieht viel an einem Tag, aber die Zeit pro Patienten ist etwas kürzer. Schilddrüsen und Abdomen Sonografie, sowie die Check-ups laufen inzwischen auch recht routiniert ab. Draußen liegt eine Menge Schnee. Sarah und ich sind am freien Nachmittag inzwischen auch mal Bouldern gefahren. 50 Minuten von hier entfernt gibt es eine gute Boulderhalle in Straubing. In Deggendorf kann man auch in einer DAV-Kletterhalle klettern gehen. Im Winter gibt es hier eine Tradition, dass von Tag zu Tag jemand anderes sein Fenster schmückt und Freunde/Bekannte auf einen Glühwein, sowie zu diverse Leckereien lädt. Frau Dr. Sujova hat uns am Mittwoch dazu geladen. Die Zeit verfliegt im Nu

10.-14.12.2018

Jede Woche erlebt man doch trotz ähnlicher Struktur mit den Fallbesprechungen am Dienstag/Donnerstag und der Fortbildung am Montag immer wieder Neues. Jeder Arzt arbeitet etwas anders und hat dementsprechend unterschiedliches Patientenklientel. Jeder Arzt ist auf seine Weise klasse. Inzwischen war es mir auch möglich bei Dr. Oldenburg mitzugehen und Patienten zu übernehmen. Hier geht es etwas zackiger zu. Man sieht viel an einem Tag, aber die Zeit pro Patienten ist etwas kürzer. Schilddrüsen und Abdomen Sonografie, sowie die Check-ups laufen inzwischen auch recht routiniert ab. Draußen liegt eine Menge Schnee. Sarah und ich sind am freien Nachmittag inzwischen auch mal Bouldern gefahren. 50 Minuten von hier entfernt gibt es eine gute Boulderhalle in Straubing. In Deggendorf kann man auch in einer DAV-Kletterhalle klettern gehen. Im Winter gibt es hier eine Tradition, dass von Tag zu Tag jemand anderes sein Fenster schmückt und Freunde/Bekannte auf einen Glühwein, sowie zu diverse Leckereien lädt. Frau Dr. Sujova hat uns am Mittwoch dazu geladen. Die Zeit verfliegt im Nu.

17.-21.12.2018

Wieder eine neue Woche in Kirchberg im Wald. Montag haben wir den Symptomenkomplex Blut im
Stuhl durchgesprochen und ich Protokoll geführt. Im Laufe der Woche erhalten wir noch einige E-
Mails von Dr. Machac und Dr. Blank, welche mit Begeisterung, en Detail Fragen diskutieren. Anna, Dr.
Blanks Tochter, hat uns zum Langlaufen mitgenommen, eine Knieschonende Sportart, welche hier
weit verbreitet ist. Mit ihren Technikanweisungen kommt man tatsächlich ganz gut vom Fleck. Der
Outdoor-Ausdauersport macht richtig Spaß! Die Praxis hat auch an den Feiertagen geöffnet. Ich bin
schon sehr auf den 27./28. gespannt, zu jenen Tagen sind wir auch eingeteilt.

27./28.12.2018

Die letzten beiden PJ-Tage in 2018. Zwischen den Feiertagen geht man nicht gerne zum Arzt, nur
wenn es sein muss. Dementsprechend hatte ich den Eindruck einer etwas ernster erkrankten
Patientenklientel gegenüberzustehen. Auch wenn es zwischen den Feiertagen liegt, bin ich froh diese
zwei Tage mitgenommen zu haben. Es gibt viel zu lernen. Die Stimmung im Team auch bei den
Arzthelferinnen ist toll. Steffi hat uns nach Bischofsmais zum Pizza-Essen eingeladen. Sie arbeitet dort
im Nebenjob. Das hat mich sehr gefreut. Vielleicht schaffen wir dem im neuen Jahr nachzukommen.

02.-04.01.2019

Diese Woche nach Silvester beginnt bereits mittwochs. Wir sind wieder zu zweit bei Dr. Blank
eingeteilt. Dr. Blank übergibt uns inzwischen mehr Verantwortung und kontrolliert nicht mehr jeden
Befund nach, wie beispielsweise von uns befundete unauffällige Otoskopien oder Rachenbefunde.
Zusätzlich habe ich an einem Tag eine Studentin im 3. Semester mit dabei, Dr. Blanks jüngste Tochter.
Die Rolle zu wechseln und einer anderen Medizinstudentin am Anfang des Studiums ab und zu etwas
erklären zu dürfen und zum eigenen Befunden bei der körperlichen Untersuchung oder zum
Sonografieren anzuregen, macht Spaß. Nach mehr als einem Monat in der Gemeinschaftspraxis hat
man den Eindruck sich langsam an die Mitarbeiter und Ärzte zu gewöhnen, es ist ein großartiges
Team mit viel Humor. An einem Abend fahren wir Pjler mit Dr. Blanks ältester Tochter und Dr. Blank
selber zum Skaten nach Klingenbrunn. Skaten ist ganz schön anstrengend, macht aber auch große
Freude. Dr. Blanks älteste Tochter, Anna erklärt einem wieder sehr gerne und geduldig die Technik.
Einfach klasse, man fühlt sich hier sehr wohl!

07.-11.01.2019

Wieder eine neue Woche. Ich habe den Eindruck, dass man hier eine Menge auf medizinischer Ebene
mitnehmen kann. Onlineplattformen wie Amboss oder Bücher wie Endspurt, welche man zum
schriftlichen Examen durchgewälzt hat, sind doch nochmal anders als der lebende Patient mit
multiplem Beschwerdebild. Nicht immer ist es einfach eine Diagnose zu stellen. Unsicherheiten
auszuhalten ist nicht immer einfach. Mit Dr. Machac, Facharzt für Innere Medizin, haben wir eine
Patientin mit rötlich livider Verfärbung des Beines im Alten- Pflegeheim gesehen. Nun zu
unterscheiden ob es durch die periphere Verschlusskrankheit oder doch durch ein Erysipel bedingt
ist, fiel mir doch etwas schwer. Zum Glück haben wir Ärzte im Hintergrund, die jeden Patienten
nochmal mitbeurteilen. Zusätzlich bieten die Fallbesprechungen eine zusätzliche Sicherheit für die
dort arbeitenden Ärzte. Unterstützung ist für mich im gesamten Team spürbar. Und jeder Arzt hat
seine eigenen Stärken. Sei es Frau Dr. Takacs, kurz vor der Facharztprüfung, mit ihrer empathischen
Art Patienten zu betreuen; Dr. Machac mit großer klinischen Erfahrung in der Inneren Medizin, Dr.
Oldenburg mit zusätzlich großem Wissen in der physikalischen und rehabilitativen Medizin; Frau Dr.
Sujova, Ärztin in Weiterbildung mit einer sehr sorgfältigen Arbeitsweise; Frau Dr. Mendl, Fachärztin
der Allgemeinmedizin, sehr bescheidene und sehr kompetente, sorgfältig arbeitende Ärztin (Sie hat
auch die von mir vorgestellte Studie zu Aspirin für das Team erarbeitet gehabt); Frau Dr. Kleudgen,
Fachärztin für Neurologie, sehr strukturierte und bedachte Arbeitsweise; Frau und Herr Dr. Schoder
(Allgemeinärzte), welche inzwischen aus dem Ruhestand die Montagsfortbildungen mit ihrem großen
Erfahrungsschatz mitbegleiten; Und ganz zu schweigen von Dr. Blank, der sich sehr für das
Wissenschaftliche Arbeiten, die Lehre und die Teamarbeit der Gemeinschaftspraxis einsetzt und mit
Dr. Oldenburg zu den sehr erfahrenen Ärzten zählt. Auch andere Ärzte sind natürlich an der
Gemeinschaftspraxis beteiligt, deren Arbeitsweise ich noch nicht begleitet habe.
Zusätzlich lernt man Studien bei der Teambesprechung zur Vorbereitung des Journal Clubs kritisch zu
beurteilen.
Für meinen Lernprozess merke ich, dass es wichtig ist eigene Handlungsweisen und daraus
resultierende Schlussfolgerungen offen zu hinterfragen. So sind meine praktischen Fertigkeiten,
welche ich in dem Skills Lab Erlangen erlernt habe, in der Praxis von Vorteil, aber auch in bestimmten
Aspekten der Aussagekraft genauer zu betrachten. Jede Untersuchungstechnik hat nämlich mit
seiner jeweiligen Sensitivität und Spezifität auch Einschränkungen und unterschiedliche
Gewichtungen. Dr. Blank hat uns hierfür ein Buch mit wissenschaftlichen Background zur Verfügung
gestellt.
Wichtig ist es das Gesamtbild zu beurteilen: Allgemeinbefinden des Patienten, eigene Eindrücke des
Patienten, Labor, körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren, klinische Erfahrung der Ärzte
und das Evidenz basierte Wissen, welches wir in Studien und an der Universität gelehrt bekommen.
All dies ergibt ein Gesamtbild, aus welchem wir Entscheidungen treffen können.
Sarah und ich haben einen Patienten untersucht und dokumentiert, welcher einen Antrag auf
Erhöhung des Prozentsatzes für den Grad an Behinderung bei der VdK beantragt hat. Er litt unter
chronischen Rücken-, Knie-, und Schulterschmerzen. Wir durften ihn auf Aufforderung von Dr. Blank
orthopädisch untersuchen. Diese Untersuchung wurde mit den täglichen Einschränkungen und
speziellen Beantwortung von Fragestellungen, wie die Anzahl der Injektionen, von uns dokumentiert.
Dr. Blank hatte uns dazu aufgemuntert, dies ruhig sehr sorgfältig zu machen. Entscheidend für die
VdK ist jedoch die Einschränkung im Alltag, wie Dr. Blank nochmal betont hatte. Für uns war es

jedoch sehr gut Untersuchungstechniken nochmal zu üben. Zur Abklärung bin ich auf das MRT der
Schulter im Februar gespannt.
Mein bisheriges Wissen in der manuellen Therapie, welches ich bei einem Praktikum vor meinem
Studium erhalten habe, war bei einer Patientin mit Rückenschmerzen (ISG-Druckschmerz, noch vor
Jahreswechsel) von Vorteil, um eine schmerzhafte Verklemmung des ISG mit einer sanften Technik zu
reponieren. Ihre Schmerzen hatten sich danach gelindert, jedoch ist es zu bedenken, ob dies nicht
auch durch die zuvor eingenommene Ibuprofen bedingt war. Mein Wissen in der manuellen Therapie
ist auf jeden Fall nicht ausreichend geeignet, um es an Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz
anzuwenden ohne andere Empfehlungen auszusprechen wie Schmerzmitteleinnahme und
Fortführung von Bewegung. Die AGVs sind natürlich immer zu bedenken.
Die Arzthelferinnen sind ungemein fleißig und mitdenkend. Frau Bauer hat mir beispielsweise
geholfen bei einer Patientin die richtige Dosierung für ein Neuroleptikum herauszufinden. Man ist
sehr dankbar, dass das gesamte Team mitdenkt.
Hier gibt es eine Menge zu tun, Arbeit in der Praxis, Studien für den Journal Club durchlesen und
durcharbeiten, Leitlinien der DEGAM zuhause durchlesen, Montagsfortbildungen und
Fallbesprechungen. Zusätzlich ist das Marcumar-Projekt voranzubringen.

Eine neue Woche in Kirchberg im Wald. Letzte Woche habe ich darüber berichtet, dass es manchmal schwierig ist Unsicherheiten als Arzt oder auch als PJ-Student auszuhalten. Das shared decision making kann einen hierbei hilfreich sein. Es ist in der geteilten Verantwortung eine Entlastung für den Arzt und der Patient fühlt sich eingebunden und ernst genommen. In aller Regel sind die Ideen, Bedenken und Erwartungen des Patienten hierfür sehr hilfreich, da der Patient seinen Körper sehr gut kennt und somit meist eine gute Richtung vorgibt. Zusätzlich kann man den Patienten so auch besser da abholen, wo er sich gegenwärtig mit Sorgen etc. befindet. Die Abwendbar Gefährlichen Verläufe sollten auch bedacht werden. Dr. Blank gibt einem ein Schema (Inflammation/Entzündung/Tumoren/Gefäße/Trauma/Stoffwechsel/Psyche) in die Hand, welches jeden Montag bei den Fortbildungen eingeübt wird und mit dem es schwieriger ist AGV oder Differentialdiagnosen nicht zu beachten. Zusätzlich ist das Schema bestimmt auch in der Mündlichen Prüfung sehr hilfreich. Insgesamt fühle ich mich bei Dr. Blank und seinem Team sehr gut aufgehoben. Auch auf menschlicher Ebene habe ich den Eindruck von Haltung gegenüber Patienten einiges mitzunehmen. Die monatlichen Besprechungen des Curriculums mitsamt Feedback geben einem ein gutes Gefühl als Leitstruktur des eigenen Lernens. Wo noch Schwächen und wo schon Stärken bei einem liegen wird hierbei mit Dr. Blank ebenfalls besprochen. Ich bin immer sehr froh zu hören wo ich dran bin, welchen Fortschritt ich bisher gemacht habe und wo noch Verbesserungsbedarf vorhanden ist. Das Highlight in dieser Woche war die Hospitation bei Dr. Egid Werner. Dr. Blank regt einen dazu an auch bei niedergelassenen Ärzten in der Umgebung Hospitationen zu machen, um die unterschiedliche Arbeitsweise von Ärzten mitzubekommen und sich den jeweils passenden Part für sich selbst mitzunehmen. Dr. Werner ein Internist und Psychotherapeut arbeitet mit großer Zeitnahme pro Patienten und mit einer Sorgfältigkeit, welche sehr beeindruckend ist. Die Gesprächsführung ist wohlwollend und Raum gebend. Auch fachlich ist er sehr kompetent. Stets fragt er offen und lässt Patienten ausreden. Sein Interesse für den jeweiligen Patienten ist nicht nur technisch, sondern auch an seiner Ausstrahlung merkbar. Toll! Im Februar hospitiere ich nochmal einen Tag bei ihm.

Diese Woche war wieder einiges los. Mittwoch war wieder Journal Club. Die Ärzte der Gemeinschaftspraxis Bayerwald haben wieder jeweils eine interessante Studie aus wissenschaftlich anerkannten Journals intern erarbeitet und diskutiert. Am Mittwoch gab es dann wieder die Vorstellung vor niedergelassenen Ärzten der Region, welche als Fortbildungsveranstaltung angerechnet wird. Ich durfte Dr. Petra Mendl’s Studie aus der Horton Stiftung/Jama international medicine vorstellen. Die Studie handelte von der Prophylaxe von Zystitiden bei Prämenopausaler Frauen mit rezidivierenden HWI. Diesmal war der Ablauf für mich schon bekannt und meine Aufregung war nicht ganz so groß wie bei meinem ersten Journal Club im letzten Monat. Ich konnte die Arbeit mehr schätzen und finde es toll wie Dr. Blank einen als PJ-Student einbindet. Es ist ein tolles Gefühl als PJ-Student hierbei etwas beitragen zu können. Man lernt hier sich Pharmaindustrie unabhängige Informationen mit den richtigen Quellen erarbeiten zu können; das ist sicherlich sehr hilfreich für das spätere Arbeiten. Es ist toll so von der Gemeinschaftspraxis an das Thema herangeführt zu werden. Dr. Blank setzt großen Wert darauf, dass das ganze unabhängig von der Pharmaindustrie stattfindet und so unter anderem auch Patienten ein größeres Vertrauen in die schulmedizinische Arbeit niedergelassener Allgemeinärzte aufbauen können. Ignatius Fickert ein Famulant aus Graz, der ebenfalls am Ende seines Studiums steht, leistet mir momentan in der Nachbarwohnung und in der Praxis Gesellschaft. Gesellige Abende mit gemeinsamen Kochen machen das Leben in Kirchberg im Wald sehr angenehm. Es ist schön, dass viele Studenten durch Online Portale empfohlen diesen Ort aufsuchen. Zusätzlich ist es auch großartig von ihm Anregung in Hinsicht auf Prävention zu bekommen. Auch kritisches Feedback ist für mich sehr hilfreich und nehme ich gerne von ihm an, um es in meiner Arbeitsweise umzusetzen. So hat er mich darauf hingewiesen eine Patientin mit einer medikamentösen Einstellung ihrer Gicht gut betreut zu haben, jedoch das Thema der Ernährung zu kurz gekommen ist. Nächstes Mal werde ich mit einem Lächeln und der Erinnerung an Ignatius daran denken, um auch die präventiven Maßnahmen nicht zu vernachlässigen. Das Arbeiten im Team mit gegenseitiger Unterstützung und Feedback gefällt mir hier sehr. Das Highlight dieser Woche war für mich sicherlich, dass Dr. Blank mir angeboten hat nach meinem Studium bei ihm in der Gemeinschaftspraxis anzufangen. Das hat mich sehr gefreut. Meine Euphorie und Rückmeldung, dass ich mir das gut vorstellen könne, hat Dr. Blank daraufhin nochmal etwas zurück gestellt und gemeint, dass viele Studenten hier sehr begeistert sein von der Arbeit, aber man erst die anderen Tertiale abwarten solle. Man hat den Eindruck Dr. Blank hat einen nicht nur als Arbeitskraft im Blick, sondern nimmt seine Mitarbeiter als Menschen mitsamt deren Potentialen wahr, welche er mit großem Spaß fördert. Diese Arbeitsweise macht es ihm wohl auch möglich die Gemeinschaftspraxis mit Dr. Oldenburg und vielen motivierten Mitarbeitern, wie auch Frau Kölbl als Praxismanagerin, gut zu führen. Ignatius und ich haben diese Woche ein Interview mit Frau Sonja Esmailzadeh, einer Journalistin für ein Lokales Blatt in Straubing, gehalten. Sie möchte über die Landarztmacher berichten. Dafür hat sie uns beide Studenten als eine unter vielen Quellen interviewt. Ich stand dem zuerst etwas kritisch gegenüber, da ich mir unsicher bin, wie das von uns Berichtete wohl mitsamt subjektiver Wahrnehmung aufgefasst und in einem Zeitungsbericht verarbeitet wird. Dr. Blank hat uns dazu angeregt das wahrzunehmen und dem Interview mit einer positiven Einstellung zu begegnen. Wir haben beide jeweils davon berichtet wie wir dazu gekommen sind in Kirchberg zu arbeiten, was unsere Interessen in der Medizin sind und ob wir es uns vorstellen können hier zu arbeiten. Die Journalistin war sehr freundlich und ich freue mich auf den Artikel.

Diese Woche in Kirchberg im Wald war wieder sehr spannend. In Anlehnung an mein Protokoll zur Montagsfortbildung, Bridging, haben Ignatius, Sarah und Ich für die Praxis ein Flussdiagramm zu dem Thema erstellt. Das Teamwork und endlich mal einen Durchblick in diesem Thema zu erlangen tat gut. Zusätzlich habe ich eine Hospitation bei Christian Kufner, einem lokalen Physiotherapeuten, abgehalten. Er ist sehr aufgeschlossen und erzählt einem gerne auf Nachfrage genaueres. Einfach spannend zu sehen, was mit den Patienten passiert, nachdem man ihnen ein Rezept für Physiotherapie ausstellt. Freizeittechnisch haben wir diese Woche das Zwieseler Haus zum Langlaufen entdeckt. Sehr empfehlenswert und nicht ganz so überlaufen wie der Bretterschachten.

Diese Woche war wieder sehr spannend. Umso länger man hier arbeitet, umso spannender und mitreißender werden die Fallbesprechungen. Zum einen kennt man einige Patienten und zum anderen wächst die Verantwortung, welche einem hier im PJ auf sinnvolle Art Stückchen um Stückchen mehr gegeben wird. Mit steigender Verantwortung tangieren einen auch die Fallentwicklungen stärker. Das ganze Ärzteteam ist immer stets engagiert und erzählt Einem Neuigkeiten in der Fallentwicklung der Patienten, welche man gesehen hat. So erfährt man wie es um die betreuten Patienten steht, auch wenn dieselben Patienten, nicht von einem selbst, sondern durch einen anderen Arzt das nächste Mal gesehen wurden. Zusätzlich kann man sich über Neuigkeiten in der Akte informieren oder bei Patienten zuhause anrufen und sich persönlich um das Geschehene erkundigen. Die Patienten freuen sich über das Interesse. Lerntechnisch merke ich wie wichtig Wiederholung von Krankheitsbildern in unterschiedlichen Facetten ist. Das Gelernte wird besser konsolidiert. Die Abschätzung, ob der Patient schwer oder leicht erkrankt ist, es ambulant oder stationär, beim Hausarzt oder Facharzt und wenn bei welchem behandelt werden muss, ist immer wieder zu erwägen. Sorgfältiges und achtsames Zuhören in der Anamnese und gezieltes Nachfragen, um AGVs auszuschließen, sowie den Allgemeinzustand des Patienten zu bestimmen wird für mich routinierter. Aber besonders, wenn man sich sicherer fühlt, muss man umso mehr auf seine Aufmerksamkeit achten und nicht nur an das Bekannte denken. In der Freizeit habe ich das Rodeln in Bodenmais Nähe entdeckt. Von Bodenmais kann man für 2-3 Std auf die Chamer Hütte hoch wandern, um sodann dort einen Schlitten auszuleihen und rasant eine Rodelabfahrt bis nach Bodenmais zu begehen. Ist eine ziemliche Gaudi. 

 

Diese Woche ist nochmal viel neben den normalen Alltag in der Hausarztpraxis passiert. Im Verlauf meines PJs, hier im ersten Tertial, bin ich immer wieder mit Unsicherheiten konfrontiert worden. Man hat einiges an Theorie von der Universität mitgegeben bekommen, jedoch ist die Praxis doch immer wieder abweichend von Lehrbüchern und auch in der Kommunikation mit Patienten können Missverständnisse entstehen. So entstehen immer wieder auch mal Fehler. Besonders wenn man Fehler begeht, auch wenn es nur kleine sind, kann es beängstigend sein, dass man in einem Jahr fertiger Arzt sein wird und diese Fehler direkt die Gesundheit von Patienten betreffen könnten. Besonders beschäftigte mich der Gedanke, wenn es mal ein größerer sein sollte. Dr. Blank hat uns in diesem Kontext eine Fortbildung bei Dr. Dieter Schoder, Hausarzt und Psychotherapeut im Ruhestand organisiert. So trafen wir zu dritt am Anfang unseres Arzt-seins mit Dr. Dieter Schoder am Ende seines Arzt-seins zusammen. Eine exzellente Möglichkeit des Austausches. Es war nochmal gut zu hören, dass dieser emotionale Prozess normal im Arzt-werden ist und dass es wichtig ist in Kontakt mit diesen Unsicherheiten zu stehen. Herr. Dr. Schoder hatte sich zuvor auch einige Gedanken gemacht, wobei Unsicherheiten als Hausarzt entstehen können und die Komplexität des Hausarzt-seins nochmal dargestellt und welche Strategien es gibt, damit umzugehen. Das war sehr spannend und lehrreich. Zusätzlich habe ich diese Woche eine Hospitation bei Herrn und Frau Dr. Stern, zwei sehr engagierte und erfahrene Hausärzte in Geiersthal, begangen. Hier habe ich Patienten zur Anamnese und körperlichen Untersuchung, sowie mit eigenen Therapie Vorschlägen betreut und sodann an Herrn Stern übergeben. Das Patientenklientel war abwechslungsreich und Dr. Stern konnte mir vieles zeigen und erklären, was sehr spannend für mich war, wie beispielsweise Manual Therapeutische Diagnostik und Behandlung. Herr Dr. Stern hat eine sehr ruhige empathische Art und strahlt eine große Erfahrung aus. Frau Dr. Stern, ebenfalls sehr gewieft, ist ebenfalls sehr interessiert einem etwas in den zwei Tagen mitzugeben. Sie erklärte mir spannende Fälle in der Praxis und machte mich hier auf Knackpunkte aufmerksam. Zur Mittagspause haben sie mich auf einen schönen Spaziergang mitgenommen und zum Kuchen Essen eingeladen. Toll wie es einem hier auch möglich ist bei anderen Ärzten zu hospitieren und sogar dazu angehalten wird. Jeder Arzt hat auf seine Art etwas von dem man lernen kann. Frau Dr. Kleudgen hatte uns drei PJler an einem Tag zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen. Dort erwartete uns ein großartiges Abendessen und ein gemütlicher schöner Abend.  

 

Die letzten drei Wochen haben begonnen. Die Zeit hier ist sehr schnell verflogen. Es ist wichtig seinen eigenen Lernplan gewissenhaft zu verfolgen und immer wieder bei den Ärzten anzusprechen, um diesen zu vervollständigen. In dieser Woche hatten wir noch ein Treffen bei Dr. Egid Werner. Hier haben wir uns nochmal über einzelne Schwierigkeiten unterhalten, welche uns in dem Tertial mit Patienten betroffen hatten. Dr. Egid Werner hat ein Talent dafür Raum zu geben und entscheidende Punkte anzusprechen, welche relevant in den jeweiligen Konflikten sind. Zusätzlich hat er Möglichkeiten angesprochen wie in der Kommunikation mit Patienten das Entscheidende in der Kommunikation zur Erscheinung treten kann. Toll, dass es hier möglich ist, sich offen über Schwierigkeiten im „Arzt-sein“ zu unterhalten und ins Gespräch zu bringen ohne Angst haben zu müssen, dafür diffamiert zu werden. Ich freue mich schon übernächste Woche noch einmal bei Ihm zu hospitieren.

Vorletzte Woche. Diese Woche wohne ich noch einmal jeweils jedem Arzt bei und stelle mal wieder fest, wie man die Vorzüge jedes einzelnen Arztes hier noch einmal erleben und verinnerlichen kann. Dr. Blank schaut einem nochmal über die Schulter beim Schallen und lässt einen die Check ups durchführen, mit Frau Dr. Takacs gehe ich nochmal en Detail die Einteilung der Herzinsuffizienz durch, mit Dr. Machac geht man nochmal die Einteilung der Migräne durch, Dr. Kleudgen korrigiert einen nochmal bei der Behandlung der Hypertonie und Dr. Mendl ist leider momentan noch erkrankt. Ich werde die Ärzte von hier vermissen.

Am Mittwoch kamen wir noch einmal in den Genuss eine Fortbildung über Antibiotika von Dr. Vogelmann zu genießen. Sarah und Ich schreiben beide Protokoll. Man wird schon ein wenig wehmütig, dass die Zeit hier zu Ende geht. Meinen Lernplan kam ich leider nicht soweit bei, wie ich es mir vorgenommen hatte. Aber man hat hier viel lernen können über eigene Haltung, Studienbeurteilung und die eigene Arztrolle. Ich hatte immer das Gefühl als Mitglied im Team der Ärzte ernst genommen zu werden und Verantwortung übernehmen zu können und dieser versucht gerecht zu werden. Ein tolles Tertial in einem tollen Team!

 

Sarah Moschko

  • 1. Woche
  • 2. Woche
  • 3. Woche
  • 4. Woche
  • 5. Woche
  • 6. Woche
  • 7. Woche
  • 8. Woche
  • 11. Woche
  • 12. Woche
  • 13. Woche
  • 14. Woche

Ich bin über PJ-Ranking auf der Suche nach einer Allgemeinarztpraxis mit guter Lehre im PJ auf die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald gestoßen. Schon der E-Mailkontakt ist super gut organisiert und sehr professionell. Auf meine Frage, wann ich nach dem erbetenen Probearbeiten denn Bescheid bekäme, ob ich für das PJ hier machen darf, kam die Antwort: „Wie, ob du darfst?! Wegen uns kannst du hier sofort anfangen. Es geht darum, dass du herausfindest, ob du es dir hier vorstellen kannst, damit du auch von den 4 Monaten profitierst.“ Eine Lehrpraxis, die sich für meinen Gewinn interessiert – endlich! :)

Ich bin am Wochenende vor meinem ersten Arbeitstag in die Studentenwohnung in Kirchberg eingezogen. Die Schlüsselübergabe erfolgt sehr unkompliziert, alle Anweisungen per Mail. Es ist eine 2er-WG, die ich mir mit meinem Mit-PJler teile. Am Montag gehen wir beide in die Praxis in Kirchberg und werden dort von Dr. Blank begrüßt.

Eine der Arzthelferinnen zeigt uns kurz die Praxis und dann laufen wir den ersten Vormittag beide mit Dr. Blank mit. Obwohl viel los ist und er viel zu tun hat, bleibt er immer freundlich und nimmt sich Zeit uns einige Dinge schnell zu erklären. Nach der Sprechstunde findet die sogenannte „Montagsbesprechung“ statt, die über eine Art Skype zwischen allen Ärzten der vier Praxisstandorten veranstaltet wird. Hier werden Themen besprochen, die vorher von allen Ärzten vorgeschlagen werden können. Das heutige Thema ist „Reizhusten“ und ich bin für das Protokoll verantwortlich. Wir PJler werden uns das restliche Tertial damit immer abwechseln.

Die Diskussion folgt einem den Ärzten bekannten Schema und ist sehr strukturiert und lehrreich. Bereits ab dem Nachmittag dürfen wir zu den Patienten vorgehen, Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen und die Patienten dann dem nachkommenden Arzt vorstellen. Ab dem zweiten Tag sind wir PJler meist in verschiedene Praxen eingeteilt. Nach einem kurzen Kennenlern-Mitlaufen bei dem jeweiligen Arzt, darf ich auch hier schnell zuerst alleine zu den Patienten gehen und die „Vorklärung“ machen. Durch die Einteilung an den verschiedenen Standorten, kann ich bei verschiedenen Ärzten mitlaufen und lerne ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen kennen. Insgesamt beeindruckt mich, dass alle, auch wenn sie ihre Schwerpunkte natürlich verschieden setzen, einen sehr hohen Anspruch an die Güte ihrer Therapieempfehlungen haben. Häufig werden meine Nachfragen mit Hinweisen auf Studien, Journal Clubs oder Leitlinien beantwortet.

Sehr positiv fällt mir auch die Teamarbeit zwischen allen Praxismitarbeitern auf. Die Abläufe sind sehr gut aufeinander abgestimmt und die MFAs nehmen die Ärzten viel Arbeit ab – meist völlig automatisch. Ganz „nebenbei“ haben die meisten noch zusätzliche Spezialqualifikationen wie Diabetes-Betreuung oder Wund-Management. So schließe ich mich in meiner ersten Woche mehrmals Frau Bartesch an, die mich freundlicherweise immer für die besonders spannenden Wundversorgungen dazu holt.

Ganz nebenbei nimmt sie mich auch mit dem Auto mit nach Schöfweg – es hat nämlich gleich in der ersten Woche geschneit und seitdem steht mein Fahrrad in der Garage… Nur ein kleines Beispiel für die unglaublich freundliche und offene Art mit der wir Pjler vom gesamten Team behandelt werden. Mittwochabend dürfen wir bei einer weiteren Online-Besprechung dabei sein. Diesmal: Journal Club. Beteiligt sind nicht nur die Ärzte der vier Praxisstandorte, sondern auch einige weitere Niedergelassene. Jeder Arzt stellt eine Studie vor. Anschließend gibt es eine kleine Diskussion und es wird ein gemeinsames Fazit formuliert. In der Woche darauf werden die besprochenen Studien bei einer Präsenzveranstaltung in Regen für alle Niedergelassenen der Gegend vorgestellt. Wir Pjler werden jeweils einer Ärztin zugeteilt, sollen uns in deren Studie einlesen und diese nächste Woche dann vorstellen. Mein Thema ist „HCT erhöht in Studien das Risiko für weißen Hautkrebs – stellen wir deswegen alle Patienten auf eine Alternative um?“. Es kostet mich zwar ein paar Stunden Arbeit am Wochenende, ist aber durchaus lehrreich und spannend. Ich freue mich auf nächsten Mittwoch. Ab und zu sind wir PJler übrigens bei Dr. Blank auch mal zu zweit in der gleichen Praxis. Das funktioniert ganz wunderbar, da wir uns meist aufteilen und zu verschiedenen Patienten vorgehen. Als mal keine Patienten da sind, nehmen wir uns ein Otoskop und üben solange bis wir uns sicher im Umgang damit fühlen. Und tatsächlich tue ich mich danach bei den Patienten viel leichter den Trommelfellbefund zu erheben. Theoretisch gibt es in der Praxis auch Bewertungsbögen, sodass wir zusammen zu einem Patient gehen können und dann vom anderen Feedback zu unserer Kommunikation bekommen. Leider sind wir da diese Woche nicht dazu gekommen, aber das wird sicher auch noch spannend.

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit meiner ersten Woche, habe schon mehr gelernt als erwartet und fühle mich gut im Team aufgehoben. Zu viel anderem bin ich nebenbei aber übrigens nicht gekommen, aber das wird einem auch schon beim Probearbeiten ganz ehrlich gesagt und ist es auch wert!

 

Die zweite Woche beginnt ähnlich wie die erste: wir PJler sind beide bei Dr. Blank eingeteilt, gehen jeweils zu den Patienten vor und stellen sie dann Dr. Blank oder seinen Kollegen vor. Das Ganze läuft jetzt schon etwas flüssiger, wir teilen uns selbstständiger auf die Patienten auf, wissen, wo wir Leitlinien o.ä. nachschlagen können (für mich komplett neu, aber genial: Deximed) und bei einfacheren Fällen stelle ich fest, dass meine Empfehlungen teilweise gar nicht weit von denen der Ärzte entfernt sind.
Das Thema der Montagsbesprechung lautet „Impfen“. Obwohl die Themen, die besprochen werden sollen, recht breit sind, wird schnell klar, dass der Umgang mit Impfgegnern bzw. -kritikern alle sehr beschäftigt und so wird hierauf das Hauptaugenmerk gelegt. Aus studentischer Sicht ist es sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich die verschiedenen Ärzte mit dem Thema umgehen. Ich nehme für mich mit, mir an wirklichen Impfgegnern nicht die Zähne auszubeißen, sondern lieber schwankende Patienten mit ihren Sorgen ernst zu nehmen und hier Informationen zu bieten (z.B. gesundheitsinformation.de), die sie zumindest von den für sie wichtigsten Impfungen überzeugt.
Eine weitere spannende Besprechung haben wir Mittwochabend im Journal Club mit den niedergelassenen Ärzten der Region. Dorian und ich stellen jeweils eine der Studien von letzter Woche vor. Ich bin zwar ein kleines bisschen nervös, aber alle sind sehr nett und es wird sehr wertschätzend und kollegial über die Inhalte diskutiert, sodass ich am Ende froh bin, die Chance gehabt zu haben, sich mal wieder etwas mit Statistik und Studienarbeit auseinander zu setzen. Trotzdem ist es auch schön, das Thema abgehakt zu haben, da die Vorbereitung und auch der Journal Club nochmal einige Stunden zusätzlich bedeuten.
Vielleicht bekomme ich dafür Ende der Woche die Quittung – ich habe eine dicke Erkältung. Andererseits hat Dr. Blank schon Anfang der Woche einem Patienten gegenüber angekündigt, dass wir PJler alle zwei, drei Mal pro Tertial bei der jeweiligen Erkältungswelle mitmachen. Ich dachte ja noch, man könne ja auch mal die Ausnahme sein… - einfach nix gewohnt, dieses Studentenvolk ;)

Meine dritte Woche im bayerischen Wald ist etwas anstrengend, weil ich die Halsschmerzen die ganze Zeit nicht richtig los werde… Ich merke, dass es mir schwerer fällt mich auf die Patienten einzulassen und eine angemessene Haltung einzunehmen während ich selbst nicht so fit bin. Meine Erkenntnis für diese Woche auf persönlicher Ebene: mein eigenes Befinden beeinflusst meine Wahrnehmung und damit die gesamte Kommunikation und Beziehung mit dem Patienten – vorher einmal tief durchatmen und eigene Befindlichkeiten vor dem Behandlungsraum lassen…
Die Mittwochsfortbildung fand ich sehr spannend, da es diese Woche ein für uns PJler neues Format war. Statt eines Journal Clubs haben wir diese Woche eine Online-Konferenz mit einem Schilddrüsen-Experten aus München gehabt. Es ging um die Bedeutung von Ultraschallscreening bei Schilddrüsenknoten. Anhand von Sensitivität und Spezifität haben wir durchgerechnet, wie diese bei der niedrigen Prävalenz von Schilddrüsenkarzinomen bei eigentlich hohen Werten (beide über 90%) zu unglaublich vielen falsch-positiven Befunden führen. Leider werden die meisten falsch-positiven Patienten aus übergroßer Sorge dann unnötigerweise operiert und entsprechend muss ein gewisser Anteil anschließend mit den OP-Komplikationen leben. Tatsächlich ist die Zahl der durch unnötige Schilddrüsen-OPs Geschädigten größer als die Zahl der durch richtig-positiven OP-Indikation Geretteten. Ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie wichtig die quartäre Prävention in der Hausarztpraxis ist.

Ich starte mit viel Elan in die Woche, da ich endlich wieder fit bin. Die ersten beiden Tage sind wir beiden PJler mal wieder zusammen bei Dr. Blank eingeteilt. Ich finde es nach wie vor toll einen Mitstudenten da zu haben, weil man zum einen auch viel voneinander lernen kann (in meinem Fall lerne ich viel Ortho und manuelle Therapie von Dorian) und sich zum anderen gegenseitig Feedback geben kann. Zweiteres unterstützt Dr. Blank zusätzlich, indem er gezielte Beobachtungsaufgaben stellt. Damit ermöglicht er es sehr geschickt auch die kritischeren Feedback-Punkte herauszuarbeiten, da man als Student irgendwie ja schon dazu neigt, eher positives Feedback zu geben.
In der Montagsbesprechung geht es dieses Mal um Otitis media. Mittlerweile werden meist wir Studenten zuerst aufgefordert, das zu sagen, was wir wissen und anschließend werden wir durch die Assistenz- und Fachärzte ergänzt. Diese Woche schreibe wieder ich das Protokoll und durch die Beschäftigung mit der Besprechung im Nachhinein festigt sich der Inhalt. Praktischerweise kommen in der Woche auch noch einige Patienten mit Ohrenschmerzen, sodass sich gleich alles anwenden lässt.
Die Mittwochsfortbildung findet diese Woche nicht statt, aber stattdessen werden wir von einer der Assistenzärztinnen Dr. Sujova zum „Adventsfenster“ eingeladen. Das ist eine Tradition hier in der Gegend, bei der jeden Tag ein anderes „Fenster“ im Dorf für alle Nachbarn und Freunde geöffnet wird – es gibt Kinderpunsch, Glühwein und Plätzchen. In diesem Fall standen wir ganz gemütlich um eine Feuerschale vor dem Garten und haben die Weihnachtsstimmung im schneebedeckten Bayerwald genossen. Danke!

KW51 Erfahrungsbericht 5. Woche

Das Highlight dieser Woche ist eindeutig nicht-medizinischer Natur: mein erstes Mal Langlaufen!
Anna, die Tochter von Dr. Blank nimmt uns mit nach Klingenbrunn, wo es eine prima Trainingsloipe
inklusive Flutlicht gibt. Ich bin die ganze Woche ziemlich nervös, weil ich als einzige von uns dreien
noch nie Langlaufen war, aber die Loipe ist wirklich perfekt, weil sie so übersichtlich ist, dass man
auch in seinem eigenen Tempo laufen kann, ohne gleich zu vereinsamen ;) Außerdem haben wir mit
Anna die perfekte Begleiterin, weil sie nicht nur unglaublich nett und geduldig ist, sondern auch noch
Langlauflehrerin, sodass ich – obwohl „beim ersten Mal nur wichtig ist, Spaß zu haben“ – am Ende
das Gefühl habe, einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Techniken zu haben und mich
jetzt auch alleine auf die zwei dünnen Brettchen wagen würde. Vielen Dank!
Medizinisch nehme ich aus dieser Woche mit, wie wichtig es ist Patienten mit ihren Vermutungen für
die Ursache ihrer Beschwerden ernst zu nehmen. Ich habe einen Patienten, der seit Wochen
Knieschmerzen ohne vorangegangenes Trauma hat. Als ich noch vor Besprechung des MRT-Befundes
frage, was er denn glaube, woher seine Schmerzen kommen, denkt er etwas nach und nimmt dann
völlig korrekt die Diagnose seiner Meniskusläsion voraus. Außerdem habe ich einen Patienten von
letzter Woche wiedergetroffen. Er kam vor sieben Tagen mit unspezifischen Bauchbeschwerden,
hatte aber große Sorge „etwas an der Bauchspeicheldrüse“ zu haben. Von der Klinik her war eine
Pankreatitis sehr unwahrscheinlich, aber im Labor zeigten sich dann massiv erhöhte Lipase-Werte,
sodass wir ihn ins Krankenhaus einweisen mussten. In beiden Fällen hätte ich andere
Differentialdiagnosen für viel wahrscheinlicher gehalten. Ich glaube, wenn es uns wichtig ist, haben
wir Menschen doch noch eine ganz gute Verbindung zu unserem Inneren – ich werde versuchen
darauf zu hören.

Es ist Weihnachten und die Arbeitswoche besteht nur aus 27. und 28. Dezember. Uns wird
freigestellt, ob wir an diesen beiden Tagen kommen wollen oder nicht. Da ich im Januar noch zwei
Wochen in den Urlaub fahren werde entscheide ich mich zu kommen. Tatsächlich sind auch an
diesen beiden Tagen einige Patienten da und es lohnt sich vom Arbeiten/Lernen zu kommen.
Am Wochenende fahre ich das erste Mal zum großen Arber zum Snowboarden. Es ist ein kleines
Skigebiet und im Moment das einzige, das hier in der Gegend offen hat. Doch selbst hier sind einige
Pisten und Lifte mangels Schnees geschlossen. Grundsätzlich würde ich hier nicht unbedingt eine
ganze Woche Skiurlaub verbringen, aber für einen Tag, wenn man mal daheim bleibt lohnt es sich
allemal. Es ist klein, aber fein. Die Skischul- und damit Anfänger-Dichte ist allerdings recht hoch…

Das neue Jahr beginnt mit einer Dreitageswoche. Zwei Tage begleite ich Dr. Blank und einen Frau Dr.
Kleudgen. Sie ist nicht nur Fachärztin für Allgemeinmedizin, sondern auch für Neurologie. Da ich mich
nie intensiv mit Neurologie beschäftigt habe, finde ich es genial, hier in der Hausarztpraxis die
Möglichkeit zu haben, einer Neurologin bei der Arbeit zu zusehen.
Ich habe diese Woche eigentlich das Gefühl bei vielen Patienten bereits in der richtigen Richtung
vorgegangen zu sein und von Dr. Blank eher ergänzt als gänzlich korrigiert zu werden. Am
Freitagvormittag bekomme ich für mein neues Selbstbewusstsein direkt die Quittung und einen
„unklaren“ Patienten nach dem anderen. Schön, dass man als PJler immer noch einen Arzt hat, der
im Anschluss kommt und unterstützt. Aber auch schön, so zu Jahresbeginn direkt nochmal motiviert
zu werden, mehr zu lernen!

dieser Stelle möchte ich einen Freizeittipp geben =) Am Wochenende bin ich mit eine
Freund mit Schneeschuhen auf den Lusen (hinter Grafenau) gewandert. Wir haben viel
Neuschnee gehabt, sodass wir den Sommerweg nehmen konnten, der ein kleiner Pfad mitten
durch den Nationalpark ist. Nach ca. zweieinhalb Stunden und gegen Ende auch etwas
anstrengenderer Steigung kommt man oben am Gipfel an und direkt dahinter wartet eine
bewirtete Hütte auf einen. Obwohl der Weg so kurz ist, ist er landschaftlich unglaublich
abwechslungsreich und schön: man beginnt parallel zur Langlaufloipe, kommt dann auf einen
Waldweg, an der Martinsklause vorbei und durch von Menschenhand völlig unangetasteten
Wald. Sehr spannend: seit ca. 30 Jahren wird im Nationalpark bayrischer Wald wirklich gar
nicht mehr forstwirtschaftlich eingegriffen. Daraufhin hat sich der Borkenkäfer dann sehr
verbreitet und die meisten Fichten zu Fall gebracht. Meist brechen die abgestorbenen Bäume
in der Mitte, sodass man jetzt häufig circa zwei Meter hohe tote Baumstümpfe sieht und
dazwischen wächst der junge Mischwald nach – jetzt auch nicht mehr nur Fichten. Ganz
oben am Gipfel wandert man dann noch über ein Geröllfeld, dessen Steine die Magma
darstellen, die im Inneren des Berges erkaltet ist und erst später über Tektonik und Erosion
an die Oberfläche gekommen sind. Das alles eingehüllt in ein wundschönes, sanftes Weiß
bei einer Schneedecke von mindestens einem halben Meter und ganz oben sogar teilweise
einer dicken Eisschicht. Bergab haben wir dann den Winterweg (ein breiter flacher Feldweg)
genommen, um mit dem Schlitten runterfahren zu können. (Wir haben übrigens auch
Skitourengeher auf dem Sommerweg getroffen.) Absolute Empfehlung!
In der Praxis habe ich es diese Woche das erste Mal nach Rinchnach geschafft. Da ich ja
ohne Auto hier bin, ist der Transport immer nicht ganz einfach. Es gibt aber eine sehr nette
Arzthelferin, die in Kirchberg wohnt und in Rinchnach arbeitet und mich freundlicherweise
mitgenommen hat. Das Team ist auch nach 8 Wochen noch genauso hilfsbereit und
liebenswert wie am Anfang!

Es ist Weihnachten und die Arbeitswoche besteht nur aus 27. und 28. Dezember. Uns wird freigestellt, ob wir an diesen beiden Tagen kommen wollen oder nicht. Da ich im Januar noch zwei Wochen in den Urlaub fahren werde entscheide ich mich zu kommen. Tatsächlich sind auch an diesen beiden Tagen einige Patienten da und es lohnt sich vom Arbeiten/Lernen zu kommen.
Am Wochenende fahre ich das erste Mal zum großen Arber zum Snowboarden. Es ist ein kleines Skigebiet und im Moment das einzige, das hier in der Gegend offen hat. Doch selbst hier sind einige Pisten und Lifte mangels Schnees geschlossen. Grundsätzlich würde ich hier nicht unbedingt eine ganze Woche Skiurlaub verbringen, aber für einen Tag, wenn man mal daheim bleibt lohnt es sich allemal. Es ist klein, aber fein. Die Skischul- und damit Anfänger-Dichte ist allerdings recht hoch…

Das neue Jahr beginnt mit einer Dreitageswoche. Zwei Tage begleite ich Dr. Blank und einen Frau Dr. Kleudgen. Sie ist nicht nur Fachärztin für Allgemeinmedizin, sondern auch für Neurologie. Da ich mich nie intensiv mit Neurologie beschäftigt habe, finde ich es genial, hier in der Hausarztpraxis die Möglichkeit zu haben, einer Neurologin bei der Arbeit zu zusehen.
Ich habe diese Woche eigentlich das Gefühl bei vielen Patienten bereits in der richtigen Richtung vorgegangen zu sein und von Dr. Blank eher ergänzt als gänzlich korrigiert zu werden. Am Freitagvormittag bekomme ich für mein neues Selbstbewusstsein direkt die Quittung und einen „unklaren“ Patienten nach dem anderen. Schön, dass man als PJler immer noch einen Arzt hat, der im Anschluss kommt und unterstützt. Aber auch schön, so zu Jahresbeginn direkt nochmal motiviert zu werden, mehr zu lernen!

An dieser Stelle möchte ich einen Freizeittipp geben ;-) Am Wochenende bin ich mit einem Freund mit Schneeschuhen auf den Lusen (hinter Grafenau) gewandert. Wir haben viel Neuschnee gehabt, sodass wir den Sommerweg nehmen konnten, der ein kleiner Pfad mitten durch den Nationalpark ist. Nach ca. zweieinhalb Stunden und gegen Ende auch etwas anstrengenderer Steigung kommt man oben am Gipfel an und direkt dahinter wartet eine bewirtete Hütte auf einen. Obwohl der Weg so kurz ist, ist er landschaftlich unglaublich abwechslungsreich und schön: man beginnt parallel zur Langlaufloipe, kommt dann auf einen Waldweg, an der Martinsklause vorbei und durch von Menschenhand völlig unangetasteten Wald. Sehr spannend: seit ca. 30 Jahren wird im Nationalpark bayrischer Wald wirklich gar nicht mehr forstwirtschaftlich eingegriffen. Daraufhin hat sich der Borkenkäfer dann sehr verbreitet und die meisten Fichten zu Fall gebracht. Meist brechen die abgestorbenen Bäume in der Mitte, sodass man jetzt häufig circa zwei Meter hohe tote Baumstümpfe sieht und dazwischen wächst der junge Mischwald nach – jetzt auch nicht mehr nur Fichten. Ganz oben am Gipfel wandert man dann noch über ein Geröllfeld, dessen Steine die Magma darstellen, die im Inneren des Berges erkaltet ist und erst später über Tektonik und Erosion an die Oberfläche gekommen sind. Das alles eingehüllt in ein wundschönes, sanftes Weiß bei einer Schneedecke von mindestens einem halben Meter und ganz oben sogar teilweise einer dicken Eisschicht. Bergab haben wir dann den Winterweg (ein breiter flacher Feldweg) genommen, um mit dem Schlitten runterfahren zu können. (Wir haben übrigens auch Skitourengeher auf dem Sommerweg getroffen.) Absolute Empfehlung!
In der Praxis habe ich es diese Woche das erste Mal nach Rinchnach geschafft. Da ich ja ohne Auto hier bin, ist der Transport immer nicht ganz einfach. Es gibt aber eine sehr nette Arzthelferin, die in Kirchberg wohnt und in Rinchnach arbeitet und mich freundlicherweise mitgenommen hat. Das Team ist auch nach 8 Wochen noch genauso hilfsbereit und liebenswert wie am Anfang!

Obwohl ich meine zwei Wochen Urlaub sehr genossen habe und eine wundervolle Zeit hatte, habe ich mich in der zweiten Woche dann tatsächlich schon wieder auf die Arbeit in der Praxis gefreut. Das Wiederankommen ist mir dann auch dementsprechend leichtgefallen. Trotzdem war es eine anstrengende Woche – aus zwei Gründen:
Zum einen war das Thema der Montagsbesprechung „Bridging bei Operationen von antikoagulierten Patienten“. Neben dem Protokoll, das jede Woche einer von uns PJlern erstellt, kam diesmal die Idee auf, ein Flussdiagramm (also eine Art Entscheidungsbaum) für die einzelnen Schritte zu erstellen. Nachdem wir beides dann an die Ärzte weitergeleitet hatten, wurde klar, wie komplex das Thema ist, da immer wieder neue Fragen aufkamen: „Warum wird Clexane in der halbtherapeutischen Dosis eigentlich nur einmal am Tag gespritzt, obwohl die Halbwertszeit selbst bei wiederholter Subkutangabe nur etwa sieben Stunden beträgt?“, „Wie funktioniert die Anpassung bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder sollten statt niedermolekularem doch lieber unfraktioniertes Heparin gegeben werden?“, usw. So hat uns dieses Thema also noch die ganze Woche immer wieder und teilweise auch noch spätabends beschäftigt.
Zum anderen fühle ich mich zunehmend für meine Patienten verantwortlich. Nicht, weil kein Arzt mehr dazu kommen würde, sondern weil die Patienten mich auch immer mehr als primären Ansprechpartner während einer Konsultation wahrnehmen und akzeptieren (häufig habe ich schon zwanzig Minuten mit einem Patienten verbracht, wenn der zuständige Arzt dazu kommt). Das ist eine sehr lehrreiche Erfahrung, weil ich merke, dass ich dadurch mein gesamtes Vorgehen noch kritischer hinterfrage. Habe ich alle wesentlichen Punkte abgefragt bzw. untersucht? Habe ich red flags übersehen? Ist die Therapie, die ich (bzw. am Ende natürlich wir, also der behandelnde Arzt und ich) vorgeschlagen habe, wirklich die beste Option? Hat der Patient die Konsequenzen auch alle verstanden? Obwohl ich also weiß, dass die medizinisch/rechtliche Verantwortung zu 100% beim behandelnden Arzt liegt und nicht bei mir, fühle ich mich menschlich doch zunehmend in der Verantwortung, dass es „meinen“ Patienten bestmöglich geht. Ich finde das eigentlich einen idealen Lernzustand, da ich mich so schon mal lernen kann mit der gefühlten Verantwortung umzugehen und später „nur“ noch die rechtliche Verantwortung dazu kommt. Aber anstrengend ist es…

Über die Praxis haben wir PJler die Möglichkeit auch bei anderen Ärzten zu hospitieren. In der Wahl sind wir recht frei und können auch zu Ärzten, die wir kennen. Wenn man, wie ich, nicht von hier kommt, kann man sich aber auch einfach an Dr. Blank wenden und sagen: “Ich würde gerne mal bei einem Nephrologen/Dermatologen/Physiotherapeuten/... hospitieren.” Dann bekommt man gute Empfehlungen und einen Kontakt.
Ich war diese Woche für einen Tag bei einem Internisten, der parallel zu seinem Facharzt auch eine Psychotherapieausbildung gemacht hat. Die beiden Fachrichtungen sind zeitlich getrennt, sodass ich nur bei internistischen Patienten dabei war und mich dann verabschiedet habe, als die psychotherapeutischen Sitzungen losgegangen sind. Allerdings merkt man auch in seiner internistischen Arbeit den psychologischen Hintergrund und kann viel über biopsychosoziale Zusammenhänge lernen, sowie hervorragende Gesprächsführung beobachten. Außerdem ist er ein sehr gewissenhafter Arzt, der seine Patienten sehr gründlich untersucht, sodass ich an diesem Tag viele internistische Untersuchungen beobachten konnte, darunter Auswertung der Polysomnographie und Herzechos. Wann immer Zeit ist, bekommt man während der Untersuchungen viel erklärt und am Ende des Tages nimmt er sich nochmal Zeit für eine Nachbesprechung der Patienten – und geht hier auch nochmal auf die psychosozialen Hintergründe ein. Sehr spannend und lehrreich! Hundertprozentige Empfehlung!

Vor zwei Wochen habe ich in meinem Erfahrungsbericht ja schon davon geschrieben, dass ich (bzw. auch die anderen beiden Studenten, die gerade auch hier sind) zunehmend die Verantwortung für unsere Patienten spüren und damit auch eine gewisse Unsicherheit einhergeht. Als ich mit Dr. Blank -eigentlich beiläufig – darüber geredet habe, hat er direkt vorgeschlagen bei Kollegen mit psychologischem Hintergrund zu fragen, ob diese sich mit uns zusammensetzen würden, um dieses Thema mit uns zu bearbeiten.
Diesen Dienstag haben wir uns also einen Abend mit Dr. Schoder zusammengesetzt. Er hat gemeinsam mit seiner Ehefrau die Praxis in Schöfweg geleitet und beide unterstützen seit ihrer Rente noch die jüngeren Ärzte regelmäßig mit ihrer Erfahrung. Da er sich auch intensiv mit Psychotherapie und Psychoanalyse beschäftigt hat und unter anderem auch die Balint-Gruppe vor Ort leitet, war es für uns besonders wertvoll, dass er sich für uns Zeit genommen hat. Er hatte sich bereits im Vorfeld viele Gedanken über das Thema „Unsicherheit in der Allgemeinmedizin“ gemacht. Da es wenig Sinn macht, wenn ich hier jetzt die gesamten zwei Stunden wiedergebe, beschränke ich mich auf die Punkte, die bei mir stark hängen geblieben sind. Unsicherheit und Allgemeinmedizin gehören untrennbar zusammen. Auch in anderen Fachrichtungen kann es vorkommen, dass man keine Lösung für das Problem oder keine Erklärung für die Symptome des Patienten findet, aber dann wird der Patient halt zur nächsten Fachrichtung geschickt. Wenn am Ende nichts übrigbleibt, landet der Patient wieder bei seinem Hausarzt. Dieser muss diese Unsicherheit oder vielleicht passender dieses Nicht-Wissen dann gemeinsam mit dem Patienten aushalten, ihm vermitteln, dass alle gefährlichen Verläufe ausgeschlossen sind und man ihn trotzdem soweit wie möglich unterstützen möchte.  Aber auch wenn ein Patient zum ersten Mal in die Praxis kommt mit einem unspezifischen Symptom wie zum Beispiel Bauchschmerzen, muss der Hausarzt nach Ausschluss der abwendbar gefährlichen Verläufe aushalten, dass das Risiko besteht, dass doch etwas „Schlimmeres“ hinter dem Symptom steckt. Natürlich muss der Patient genau untersucht werden, aber wenn es sich um akuten Bauchschmerz handelt, der am ehesten auf einen grippalen Infekt hinweist, macht es keinen Sinn jeden Patienten ins CT zu schicken. Trotzdem besteht die winzige Wahrscheinlichkeit, dass doch einmal etwas hinter dem Bauchschmerz steckt, dass im CT diagnostiziert werden könnte. Auch dieses Nicht-Wissen muss der Hausarzt aushalten, denn jeden Patienten ins CT zu stecken schadet am Ende mehr Patienten (durch Strahlenbelastung, Stress, etc.) als es nutzen würde. Das schöne an dem Abend mit Dr. Schoder war, dass er all diese Dinge gar nicht als Nachteil gesehen hat, sondern als das Schöne, Besondere und Spannende der Allgemeinmedizin. Aus seiner Erfahrung sind die Patienten ihrem Hausarzt gerade dafür, dass er für sie und mit ihnen diese Unsicherheit und das Nicht-Wissen aushält, dankbar. Die Allgemeinmedizin sei eben keine reine Naturwissenschaft, sondern auch Geisteswissenschaft.

Das Thema der Montagsbesprechung dieser Woche war "Vitaminmangel und -Substitution". Ich finde dieses Thema irgendwie schwierig zu erfassen. Einerseits lernen wir bereits in der Vorklinik die verschiedenen Vitamine kennen, ihre Rolle im Stoffwechsel und ihren großen Stellenwert in unserer Ernährung als essenzielle Nahrungsbestandteile. Ich finde die Überlegung, was ich mit meiner Ernährung zu mir nehme und wie dies meine Gesundheit beeinflusst, grundsätzlich äußerst sinnvoll. In einem Vortrag von einem Ernährungsmediziner habe ich mal folgenden Vergleich gehört: "Wenn jemand zu Ihnen in die Praxis kommt, weil er sich ständig mit einem Hammer auf das Knie haut und deswegen jetzt Schmerzen hat, dann sagen Sie ihm doch auch nicht, er solle sich Knieschoner kaufen, sondern nehmen ihm den Hammer weg." Warum sollten wir also mit Medikamenten (Knieschoner) das wieder gut machen, was wir mit unserer schlechten Ernährung (Hammer) kaputt gemacht haben?
Andererseits ist der Zusammenhang zwischen Symptomen und Vitamin-Mangelzuständen kaum belegt. (Eine Ausnahme bilden natürlich die echten Hypovitaminosen wie Beriberi oder Skorbut, aber die gehören in einer Allgemeinarztpraxis im bayerischen Wald nicht gerade zu den häufigen Konsultationsgründen.) Meistens sind es Patienten mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, die gerne Vitamin-Tabletten wollen. Und dann steht man vor dem Problem, dass diese Symptome prinzipiell durch jeden Mangel verursacht sein können und dass 60% der Deutschen einen Vitamin D-Spiegel von <50nmol/l (Grenzwert für Mangel) haben. Wobei die klinische Relevanz völlig unklar ist, da bei weitem nicht alle 60% (die gleichen) Symptome haben – oder zumindest nicht damit vorstellig werden.
Wieder einmal merke ich also, wie wenig wir doch noch über unseren Körper und die Medizin wissen, obwohl wir schon so viel wissen. Jetzt habe mal noch jemand Zeit diese Zusammenhänge in der Sprechstunde verständlich zu erläutern, um zu einem informed consent zu kommen... Wie ich mit so komplexen, unklaren Themen meinen Patienten gegenüber umgehe, stellt mich aktuell noch vor ein großes Fragezeichen.

Rebecca Ebners

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Abschlussbericht

Zwei der vier Praxen durfte ich bereits vor einem Jahr im Rahmen des 2-wöchigen Blockpraktikums kennen-und schätzen lernen.

Auch dieses Mal wurde ich unglaublich herzlich von Dr. Blank und seinem höchst engagiertem Team begrüßt. Darüber hinaus hatte ich das Glück, dass gerade eine eine sehr
nette Studentin für ihr Blockpraktikum angereist war. Wir konnten am Montagabend gleich das ganze Team zum Gotthardfest in Kirchberg begleiten-ein echtes Highlight!

Der erste Tag in Kirchberg verlief, wie zu erwarten, sehr ereignisreich, ich durfte mich nach kurzem Eingewöhnen gleich selbstständig auf die Patienten ‚stürzen’, sprich Anamnese und körperliche Untersuchung vornehmen. Danach nahm sich Dr. Blank Zeit, mit mir die Vorstellung der Patienten zu üben und mir eine neue Präsentationstechnik näher zu bringen.

Diese bezieht den Patient deutlich mehr in das Vorstellungsgespräch ein, indem man ihn beim Präsentieren direkt anspricht, und nicht in der dritten Person berichtet.

Die Patienten-Vorstellung erschien zunächst ein wenig ungewöhnlich, doch schon nach kurzer Zeit fühlt sich diese Methode vollkommen natürlich an ;) !

Jeden Montag nach der Vormittagssprechstunde findet eine einstündige Skype-Konferenz statt. Dieses Mal lautete das Thema: Choosing wisely: Medikamente verordnen, Unnötiges vermeiden.

Ich konnte in dieser Woche meine sehr bescheidenen Schilddrüsen und Abdomen Sonographie-Skills schulen. Nach Rücksprache mit Dr. Blank vereinbarten wir, dass ich mich jede Woche auf ein anderes Organ konzentrieren darf, auch besteht jederzeit die Möglichkeit meine Kollegen zu schallen.

Am Mittwochabend nahmen Dr. Blank und Mandy uns mit nach Grafenau um den Allgemeinmedizinern aus der Region noch einige Details zum Projekt ‚exzellenter Sommer’ näher zu bringen. Es ergaben sich interessante Diskussionen zum Thema Ärztemangel in ländlichen Gebieten.

Ein weiterer Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte ist die außergewöhnliche Betreuung der Assistenzärzte. Diese können zweimal wöchentlich in Skype-Konferenzen, schwierige oder unklare Patientenfälle schildern, welche dann im Team besprochen werden.

Am Dienstag und Donnerstag konnte ich Hausbesuche mitfahren. Bea hat mir sehr viel zum Thema Wundversorgung beigebracht und bei Petra konnte ich Einblicke im Umgang mit Diabetespatienten gewinnen.

Es besteht sogar die Möglichkeit, dass ich meine eigenen Hausbesuchspatienten betreue, sofern mein kleines "Autoproblem" (Mandy und ich haben schon einen Facebook-Aufruf gestartet) gelöst wird.

Zudem habe ich in der ersten Woche natürlich die Ober-und Assistenzärzte kennen gelernt und verschiedene Arbeitsweisen gesehen, jeder ist hier sehr bemüht und engagiert
Krankheitsbilder zu besprechen und seine Erfahrungen bzw. sein Wissen weiter zu geben. Am Wochenende habe ich das gute Wetter genutzt und die Wanderung ‚Großer Arber und
Seen von Bretterschachten‘ gemacht- sehr empfehlenswert!!

Tagebuch Woche 2

Auch die 2. Woche ist- wie die erste- sehr schnell vergangen!

Am Montag habe ich die Praxis in Rinchnach kennengelernt. Es waren wieder viele interessante Fälle zu sehen, unter anderem bin ich das erste Mal mit dem Krankheitsbild Phenylketonurie "persönlich" in Kontakt getreten.

In einem kleinen Nebensatz habe ich erwähnt, dass ich mir eventuell ein neues Stethoskop zulegen möchte. Zwei Patienten später kamen mir die Arzthelferinnen bereits mit Katalogen und Angeboten entgegen. Sie würden auch gerne für mich telefonieren und sich bezüglich Rabatten etc. erkundigen. Über so viel Engagement kann ich immer wieder staunen, solche Kollegen sind ein purer Luxus:). Am Nachmittag bin ich noch kurz zu Mandy, die mir ihr Mountainbike für die nächsten Wochen überlässt, somit hat sich meine Mobilität schon mal um Einiges erhöht! Vielen Dank dafür.

Dienstag war pAVK Tag! Mit Waltraud, welche Spezialistin auf diesem Gebiet ist, untersuchten wir einen Patient nach dem anderen, mit diesem Krankheitsbild. Ein speziell angefertigter Fragebogen unterstütze uns, Risikofaktoren für Komplikationen zu erkennen. Darüber hinaus führten wir den timed up an go-, den chair rising- und den Uhrentest durch. Die Patienten hier haben großes Glück, von so einer Expertin ‚überwacht‘ zu werden.

Um 12:30 startete dann die Skype-Konferenz zum Thema "Knieschmerz".

Am Mittwoch hat uns Dr. Blank tatsächlich mit nach Regensburg genommen. Annika (sie hat am Montag mit ihrer Famulatur bei uns gestartet) und ich konnten die Stadt im Rahmen einer exzellenten 2h Führung kennen lernen. Tolles Intermezzo;)!

Am Donnerstag war ich in Kirchberg eingeteilt- der Tag verlief patiententechnisch relativ ruhig, jedoch habe ich ein mir bisher völlig unbekanntes Krankheitsbild kennen gelernt : CDG (Congenital Disorder of Glycosilation, welches für Eltern der betroffenen Kinder eine extreme Herausforderung darstellt.
Anschließend nutzen die junge Ärztin Sheily und ich eine ruhige Minute, um mal wieder das Schallen zu üben, bis es um 12:30 Zeit für die Assistenzärzte war, Fälle vorzustellen, bei denen Unklarheiten bestehen. Dabei kann man wirklich eine Menge lernen! So langsam bekomme ich das Gefühl, annähernd einen Überblick über die Neueinstellung bzw. Anpassung der Therapie der arteriellen Hypertonie zu bekommen, die auch unter den jungen Kollegen immer wieder Fragen aufwirft.
Am Freitag war Diabetestag ;)! Petra, die Diabetes-Assistentin ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Blutzucker-und Lebensstilberatung. Gleich morgens um 7 ging es mit Hausbesuchen von ihren Patienten los, es kann sehr spannend und wichtig sein, die häusliche Umgebung der Patienten kennen zu lernen. Beeindruckt hat mich das freundschaftliche und vertrauensvolle Verhältnis, welches Petra zu ihren Patienten pflegt, sie sieht immer den Gesamtkontext der Krankheitsgeschichte und versucht sehr individuell auf sämtliche Bedürfnisse einzugehen. In der Sprechstunde in Schöfweg konnte ich sie weiter begleiten und meine unzähligen Fragen stellen.

So hat sie mir Präventionsstrategien diabetischer Füße näher gebracht und wir haben einzelne Oberflächenqualitäten (Vibrationsempfinden, Temperatur, Schmerz und Berührung) getestet, sowie die Dopplersonographie durchgeführt. Darüber hinaus überprüften wir zahlreiche Blutzuckerprotokolle und passten den gemessenen BZ Werten die Insulindosis an.

Alles in allem eine sehr spannende Woche, die ich mit einem Besuch der Stadt Krumau am Wochenende ausklingen ließ. Die Nähe zu Tschechien werde ich bestimmt noch öfter ausnutzen, da ich das Land kaum kenne.

Tagebuch Woche 3

Am Montag ging es mit der Sprechstunde in Kirchberg los, bei der Skype-Konfenz, besprachen wir
das Thema Schulterschmerz. Mir wurden einige Wissenslücken, besonders hinsichtlich der körperlichen Untersuchung bewusst, die sich zum Teil Dank dem Jama Artikel „Does this patient have Rotator Cuff Disease?“ beheben ließen. Bei so vielen verschiedenen Untersuchungstests ist es aber wirklich nicht leicht, den Überblick zu bewahren!

Geriatrisch ging es am Dienstag weiter. Mit Waltraud führte ich unter anderem Hausbesuche durch, wir nahmen in diesem Zug eine neue Patientin in das sog. LIA-Projekt auf. LIA steht für Lebensqualität im Alter. Bei diesem Betreuungskonzept, bestehend aus Physiotherapeuten, MFAs, Allgemeinmedizinern, Ergotherapeuten und Altenpflegerinnen werden ältere Patienten im ihrem häuslichen Umfeld bestmöglich betreut. Vor allem für die Angehörigen, stellt die Gewährleistung der Lebensqualität für ihre Lieben eine große Herausforderung dar. Am Dienstagabend, fand dann auch gleich die LIA Sitzung statt.

Die Patienten wurden im Team mit den oben genannten Berufsgruppen einzeln besprochen, so konnte aus vielen Perspektiven das weitere Procedere und Verbesserungsmöglichkeiten der Führung  geriatrischer Patienten besprochen werden.

Am Mittwoch konnte ich bei den Physiotherapeuten in Kirchberg hospitieren. Es war spannend zu sehen, wie unsere Verordnungen letztendlich umgesetzt werden und wie wichtig der Physiotherapeut für die Patienten ist! Ich bekam Einblicke in Lymphdrainage, manuelle Therapie, Schröpfen, Massagetechniken und durfte sogar selbst den Schlingentisch testen. Unglaublich, wie viele Verspannungen und Fehlhaltungen eigentlich durch ein bisschen Sport vermieden werden könnten.

Am Abend fand der sogenannte Journal Club statt, eine geniale Erfindung! Im Team, mit anderen niedergelassenen Kolleginnen-und Kollegen, diskutieren wir neue Studienerkenntnisse. Ziel dieses Journal Clubs ist es, Artikel, welche für den Hausarzt Praxisrelevanz haben, zu prüfen und die Ergebnisse untereinander zu besprechen. Da jeden Monat unzählige neue Artikel erscheinen, kann man schnell den Überblick über die Studien verlieren. So werden die Artikel an die Assistenzärzte verteilt und dann mit Kollegen mit langjähriger Erfahrung besprochen. Das Ganze fand im Gebäude der AOK in Regen, in sehr wertschätzender Atmosphäre statt.

Es ist immer wieder faszinierend, wenn Kollegen, mit jahrzehntelanger Erfahrung über bestimmte Patienten berichten und ihr Wissen so gezielt einbringen können. Ich durfte einen Artikel zum Thema E-Zigaretten vorstellen.

Am Donnerstag war ich mit Annika am Vormittag in Lalling und am Nachmittag in Schöfweg. Wir untersuchten wieder viele Patienten und stellten sie den zuständigen Ärzten vor. In Lalling habe ich sogar eine Internistin geschallt, welche mir noch ein paar Tipps und Tricks zu den Themen Sonographie und Ärztedasein gegeben hat.

Am Nachmittag, führte mich Dr. Kleudgen in ihr Marcumar-Projekt ein. In Zukunft sollen in der Patientenakte der CHA2DS2-VASc und HAS-BLED Score erscheinen. Dazu ist es nötig, sämtliche Daten in Excel-Tabellen einzugeben, um das Schlaganfall- bzw. Blutungsrisiko individuell zu berechnen.

Am Donnerstag Abend trafen wir uns in der Pizzeria „Griabige“ in Lalling, um Dr. Blanks 20jähriges Jubiläum als niedergelassener Hausarzt zu feiern. Ein sehr schöner Abend und ein super Start in das verlängerte Wochenende;)

Unglaublich, dass bereits 4 Wochen vergangen sind!

Diese Woche startete ich in Schöfweg. Bea ist so lieb und nimmt mich morgens und nachmittags immer mit in die Praxis, da ich sozusagen am Weg liege. Ein sehr geduldiger und netter Patient mit chronischer Osteomyelitis erklärte mir einige Details zu seinem Krankheitsbild, welches ich davor noch nie gesehen hatte.

Der Vormittag verging wie im Flug, und um 12:30 stand dann auch schon unsere Skype-Konferenz, dieses Mal zum Thema Epicondylitis an. Die Epicondylitis ist ein langwieriges aber meist selbstlimitierendes Krankheitsbild mit hoher Rezidivrate, ich habe bei der Konferenz gelernt, wie man diese Patienten untersucht und behandelt.

Den Dienstag und Mittwoch verbrachte ich gemeinsam mit der Ärztin Sheily, welche aus Honduras stammt und hier ihr Sprachdiplom absolvieren möchte, in Kirchberg. Es warteten viele Patienten auf uns, ich konnte unter anderem Wunden und Zeckenbisse begutachten. Gerade das Thema Zecken ist für viele Patienten heikel, sie kommen häufig mit großer Angst vor Borreliose. Viele berichten auch über Verwandte und Bekannte, welche schon Borreliose gehabt hätten. Inzwischen kann ich die Patienten beruhigen und sie über Verlauf und Behandlung dieser Erkrankung aufklären. Einige sind ganz schön erstaunt, wie harmlos der Verlauf in der Regel ist.

Immer wieder faszinierend, ist Dr. Blanks raffinierte Technik zu impfen;) , gerade Kinderärzte könnten sich da eine Scheibe abschneiden, es gibt nie Tränen (weder bei jung noch alt), oft fragen die Patienten, wann es los geht, wenn der ganze Spuk schon wieder vorbei ist! Der Trick besteht darin, den spitzen Schmerz der Kanüle, durch einen dumpfen Schmerz (ausgelöst durch kräftiges Palpieren des Schultergelenks) zu überlagern.

Der Donnerstag verlief ungewöhnlich ruhig in Kirchberg, so nutze ich die Gelegenheit am Marcumar-Projekt weiter zu arbeiten. Glücklicherweise konnte ich meine Fragen an Dr. Machac richten, einen Internisten in der Nähe zu haben ist ein großer Gewinn. So ist aus einer Frage (zählt der Myokardinfarkt zu den thrombo-embolischen Ereignissen?), eine Stunde Unterricht bzw. Diskussion entstanden.

Anschließend führten wir ein Belastungs-EKG durch und Dr. Machac besprach mit mir relevante Indikationen und Kontraindikationen für diese Untersuchung, als die Patienten präkolaptisch wurde, brachen wir die Untersuchung natürlich ab und versorgen sie entsprechend. Dr. Machac kennt sich auch unglaublich gut bei den Kardiomyopatien aus und hat mir noch einige relevante Befunde dazu im EGK gezeigt, nächste Woche machen wir dann gemeinsam einen EKG Kurs für die Studenten des Projekts „exzellenter Sommer“.

Am Nachmittag habe ich mich mit der Leitlinie zum Thema neue Antikoagulantien in der Hausarztpraxis beschäftigt und stelle fest, was für ein tolles Medikament Marcumar ist;) man kann es zum einen besser steuern und überwachen und außerdem antagonisieren. Zudem ist es gut verträglich und erforscht.

In der Skype-Besprechung um 12:30 wurden uns wieder sehr spannende Fälle von den Assistenzärzten präsentiert. Am Freitag trafen wir uns morgens vor der Praxis in Kirchberg um 6 Elektroautos für die 30 Studenten des exzellenten Sommers abzuholen. Diese sind am Freitag aus ganz Deutschland angereist und verbringen hier 4 lehrreiche Wochen in den umgebenden Kliniken bzw. bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern. Auch finden an den Nachmittagen und teils am Wochenende Teachings zu folgenden Themen statt: der Umgang mit Diabetes Patienten, der alte Patient, der Umgang mit dem kranken Kind, Wissen in der medizinischen Arbeit.

Darüber hinaus werden ein Nahtkurs, ein EKG Kurs und ein Sonographie Kurs angeboten. Ich darf die Kurse und Teachings begleiten und die Studenten beim Lernen unterstützen und bin schon sehr gespannt auf diesen exzellenten Sommer!

Am Freitagnachmittag begleitete ich Bea noch zu ihren Hausbesuchen. Sie hat sehr viel Erfahrung im Wundmanagement und gibt ihr Wissen gerne weiter. Das Wochenende habe ich genutzt um eine kleine Rundwanderung durch Lalling zu unternehmen und die Stadt Pilsen kennen zu lernen, auch Mandys Mountainbike kam mal wieder zum Einsatz. PJ und Urlaub lassen sich hier wirklich toll verbinden.

Tagebuch Woche 5

Eine 5. sehr ereignisreiche Woche geht zu Ende, hier ein kleiner Auszug:
Durch den Wochenstart begleitete uns ein Kamerateam von RTL, welches Leben und Arbeitsweise des Allgemeinmediziners aufzeichnete. Der Praxisalltag ging vor laufender Kamera natürlich ganz normal weiter- auf die Ausstrahlung im September bin ich sehr gespannt!

Am Dienstag konnte ich das Teaching „Wissen in der Medizinischen Arbeit“ des exzellenten Sommers begleiten, welches in der AOK in Regen statt fand. Nach kurzer Einführung und Fallvorstellung durch Susanne konnte ich eine Gruppe von Studenten bei der Recherche bezüglich der Therapie im akuten Gichtanfall unterstützen. Wir bekamen jeweils unterschiedliche Datenbanken mit Zugangscodes zur Verfügung gestellt (Deximed, Cochrane, up to date und die AWMF Leitlinien). Ich durfte das Deximed Team betreuen, was mich besonders freute, denn mit dieser Quelle habe ich in den letzten Wochen am meisten gearbeitet.

Es handelt sich dabei ursprünglich um ein in Norwegen gegründetes Arztinfomationssystem, dort nutzen es Hausärzte schon seit 1997 (!). Das Online-Portal ist unabhängig und werbefrei. Die bereits vorhandenen Infos aus Norwegen wurden ins Deutsche übersetzt und an die deutschen Leitlinien angepasst. Bezüglich unseres Patienten mit dem akuten Gichtanfall konnten wir dank Deximed schnell die Therapie der Wahl herausfinden und sie dem restlichen Team vorstellen.

Diese lautet:
Entweder eine Kombination aus NSAR und Cortison, alleinige Gabe eines der beiden Medikamente, bei Kontraindikation dieser drei Therapien ist Kolchizin das Mittel der Wahl. Durch diesen großartigen Vortrag von Susanne habe ich doch glatt wieder ein bisschen Motivation bekommen, den Literaturteil meiner Doktorarbeit voran zu bringen;) Am Donnerstag durfte ich Waltraud beim Teaching – der Umgang mit dem alten Patient unterstützen.

Ich bin immer wieder begeistert, wie viel Herzblut im LIA Projekt, (Lebensqualität im Alter) steckt, Waltraud hat uns viele Erfahrungen und ihr Wissen im Umgang mit dementen oder depressiven geriatrischen Patienten vermittelt. Es entstanden aus ihrem Vortrag einige interessante Diskussionen. Im Anschluss an die Präsentation, verteilten wir Rollen als Patient und Arzt, damit die Studeten ein Gefühl bekommen, wir man z.B. einen timed up and go test erhebt , oder wie man beispielsweise einen Uhrentest korrekt bewertet (was in einigen Fällen wirklich eine Herausforderung ist!)

Schon am nächsten Tag, traf ich die 15 Studenten wieder, um mit ihnen Fälle aus den Praxen,
die sie vorbereitet hatten zu besprechen, Dora stand uns mit Rat und Tat zur Seite und
berichtete auch ausführlich von ihren Erfahrungen mit Patienten. Dieser Nachmittag hat mir
sehr gut gefallen, da die Studenten von Anfang an eine super Gruppendynamik entwickelten
und wir sehr gezielt auf Fragestellungen eingehen konnten, ich hatte auch das Gefühl, dass
diese Diskussionen den Studenten sehr viel bringen und man gleichzeitig seinen eigenen
Horizont erweitert.

Man geht aus solchen Nachmittagen mit neuem Wissen gestärkt in die nächsten Tage, ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Besprechungen dieser Art! Last but not least fanden als Wochenabschluss am Samstag ein EKG und ein Sonokurs im Krankenhaus Freyung statt. Es ist schon toll, dass ich sämtliche Teachings begleiten darf, manche kann ich natürlich mehr, manche weniger unterstützen, gerade beim Sonokurs, war ich auch sehr froh, dass ich die Basics noch einmal gehört habe und merke, dass ich da noch ein ganzes Stück Arbeit vor mir habe. Aber es ist ein echter Luxus, neben dem Praxisalltag noch so gezielte Teachings zu bekommen, ein exzellentes PJ;)!

Am Sonntag haben mich die Studenten zu einer Klettertour auf der Felswand der Rauchröhren, in Arrach überredet, dort verbrachten wir nach einem gemeinsamen Frühstück den ganzen Tag, und sprangen am Abend noch kurz in den See. Ich könnte mir vorstellen, den Montag mit einem Muskelkater zu starten ;)

Eine 6. ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende zu..

Ich möchte zunächst mein Mittwoch-Highlight hervorheben, Frau XY., meine eigeneHausbesuchspatientin. Eine ganz liebe 89 jährige Dame, welche ich nun einmal die Woche besuchenwerde, um Vitalparameter zu bestimmen und sie von Kopf bis Fuß zu untersuchen, und somit sämtlicheüber die Jahre gestellte Diagnosen überprüfen.

Die Dame lebt alleine, mit einer 24h Pflege und istglücklicherweise bereit, mich regelmäßig zu empfangen.Petra kennt diese Patientin sehr gut, so konnte ich bereits einiges im Vorfeld erfragen, speziell bezüglichihres Insulin-Spritz-Schemas.Apropos Insulin, das Diabetes Teaching am Dienstag, hat uns Studenten, trotz kaum erträglicher Hitze inder AOK in Regen gut gefallen. Petra war sehr bemüht uns verschiedene Patientengeschichten und derenoptimale Blutzuckereinstellung näher zu bringen. Es ist extrem unterschiedlich, wie Diabetiker mit ihrerErkrankung umgehen. Umso faszinierender sind Petras akribisch ausgearbeitete Schemata und Methoden,um ihre Patienten optimal einzustellen, sie hat für jede Lebenslage und sämtliche Umstände, die perfekte,individuelle Diabetes-Therapie parat und kümmert sich hervorragend um ihre Patienten.

Am Dienstag Vormittag hospitierte ich bei der Demenzberatung in Rinchnach. In einem privaten Hauswird hier jede Woche eine 5 köpfige Gruppe demenzkranker Personen von 2-3 geschulten Fachkräftenbetreut. Die Patienten waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen und neugierig. Ich muss sagen, dass ichrelativ wenig Erfahrung mit Demenzpatienten habe und ein Einblick in dieses Leben bzw. der Umgangmit dieser Krankheit einerseits spannend, andererseits unendlich traurig ist. Ich hatte den Eindruck, dassdiese Gruppen enorm zur Erhöhung der Lebensqualität dieser Menschen beiträgt.

Den Freitagvormittag verbrachte ich in Schöfweg, mit Magdalena, einer Studentin vom exzellentenSommer schallten wir einige Patienten, unter anderem eine junge Dame bei der wir einen Situs Inversuserkennen konnten. Anschließend machte ich mich auf den Weg zum Kreuzschmerz Teaching in Regen.Dr. Buvar, ein Orthopäde mit Leidenschaft hat unser Wissen zum Thema Anamnese, körperlicheUntersuchung, Diagnostik und Therapie der nicht spezifischen Kreuzschmerzen vertieft und uns zudemdas Gebiet der manuellen Therapie näher gebracht.

Ansonsten habe ich natürlich wieder viele Patienten, mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern gesehenund mir die Degam-Leitlinien zu den Themen Müdigkeit und Schlaganfall genauer angeschaut. Darüberhinaus standen diese Woche viele Vorsorgeuntersuchungen an und ich konnte wieder einige Patientenschallen. Am Montag hatten wir außerdem das spannende Thema „Insektenstiche“ bei der Skype-Konferenz.

Diese Woche war ich nur einen Tag in der Praxis in Kirchberg, die restliche Zeit verbrachte ich zum einen bei Fr. Dr. Schlenk, niedergelassene Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und zum anderen bei Dres. Haberer, Allgemeinmedizinern in Spiegelau.

Am Montag besprachen wir in der Skypekonferenz das Thema Entlassungsmedikation. Es ist schon erschreckend, dass viele Patienten, sehr wenig über ihre Medikamente bei Entlassung wissen und es daher leicht zu Fehlern bei der korrekten Einnahme kommen kann. Es ist also eine sehr wichtige Aufgabe des Allgemeinmediziners, die Indikation, Dosis etc. der neu verordneten Medikamente genau zu hinterfragen und auch länger bestehende Medikamentenpläne zu überprüfen.
Auch sollten gerade bei älteren Patienten die Angehörigen miteinbezogen werden und über die genaue Einnahme, Indikation usw. aufgeklärt werden. Ein übersichtlicher und korrekter Medikamentenplan erleichtert allen Beteiligten das Leben.

Bei Frau Dr. Schlenk hatte ich Gelegenheit die Palette an neurologischen Untersuchungen zu wiederholen. Ich konnte EEGs ableiten und besprechen, Nervenleitgeschwindigkeiten messen und einige weitere neurologische Tests durchführen. Frau Dr. Schlenk hat sich viel Zeit für mich genommen, wir besprachen einige Patienten sehr ausführlich. Auch psychiatrisch konnte ich eine Menge bezüglich Gesprächsführung und Anamnese lernen. Bewundernswert fand ich ihre Art mit schwierigen Patienten umzugehen, auch später bei den Allgemeinmedizinern lernte ich die „Taktik“ des Spiegelns kennen. Man gibt dabei in eigenen Worten Inhalte und Gefühle an das Gegenüber zurück. So kann man, z.B. hohe Erwartungen und Forderungen seitens des Patienten, an ihn zurück spiegeln. Als Arzt entzieht man sich dem Druck allein für das Wohl des Patienten verantwortlich zu sein, man spielt in anderen Worten den Ball der Ansprüche zurück.

Wie bereits erwähnt, verbrachte ich die restliche Woche in der Gemeinschaftspraxis bei Dres. Haberer. Es war spannend, Einblicke bei niedergelassenen Kollegen zu bekommen und deren Arbeitsweisen kennen zu lernen. Auch hier hat mich das Team sehr herzlich aufgenommen.
Unter anderem bekam ich Einblicke in die Homöopathie und Naturheilverfahren. Das Ärztepaar war total nett und hat mich sehr gut in die Sprechstunde eingebunden. Es blieb auch ausreichend Zeit für Fragen.

Natürlich habe ich diese Woche auch nicht auf meine Hausbesuchspatientin vergessen, welche sich ihrem Alter entsprechend sehr guter Gesundheit erfreut.

Auch Woche 9 war gut gefüllt mit vielen interessanten Hospitationen.
Nur am Montag war ich in Kirchberg, um die Skype Konferenz zum Thema Schlaganfall nicht zu verpassen. Für die nächsten zwei Wochen ist ein sehr netter Student aus Plattling für das Blockpraktikum in der Praxis. Gemeinsam mit Susanne, Roman und Martina diskutierten wir Leitsymptome, Algorithmen bei V.a. Schlaganfall und Erfahrungen, die diesbezüglich bereits in der Praxis gemacht wurden. Bei so einem riesigen Thema kommt natürlich einiges zusammen, ich denke wir hätten locker noch eine weitere Stunde Konferenz halten können!
Am Nachmittag kamen interessanterweise gleich drei Patienten hintereinander mit typischen Beschwerden für einen unkomplizierten HWI. Um die sonographische Untersuchung der Nieren zu üben, schallte ich alle Patienten unter der Aufsicht von Anton, der mir noch einige gute Tipps diesbezüglich gegeben hat. Wir haben außerdem noch die Leitlinie „Brennen beim Wasserlassen“ besprochen, was mir für die nächsten zwei Tage, die ich beim Urologen hospitierte eine gute Diskussionsbasis geschaffen hat;)

Dienstag und Mittwoch verbrachte ich bei Dr. Esser im Krankenhaus Grafenau, wobei ich davon einen Tag im OP verbrachte und den 2. Tag die Sprechstunde begleiten konnte, um einen guten Rundblick der Urologie zu bekommen. Dr. Esser war sehr bemüht und hat mich gut in seine Vorgehen und diagnostischen Schritte eingebunden, ich hatte den Eindruck, dass ihn meine vielen Fragen sehr erfreut haben, er scheint sehr begeistert davon zu sein, sein Wissen an junge Kollegen weiterzugeben, hat mir aber auch berichtet, dass es gar nicht so einfach ist, Assistenzärzte zu finden, die ggf. später seine Praxis übernehmen könnten. Ein Thema, welches immer wieder aufkommt. Der Ärztemangel, der Landärztemangel, Krankenhäuser, die geschlossen bzw. zusammengelegt werden und die Frage, wie man eine adäquate Versorgung am Land in Zukunft gewährleisten wird.
Auch ist mir wieder bewusst geworden, welchen enormen Aufwand man an Bürokratie im Krankenhaus zu bewältigen hat. Die Kollegen verbringen, extrem viel Zeit mit dem Dokumentieren, dadurch wird einerseits eine gewisse Qualität bzw. Kontrolle gewährleistet, es verschlingt aber Unmengen an Zeit, welche dann bei Patienten (und Studenten bzw. Assistenzärzten und weiteren Kollegen) abgeht, schade.

Am Donnerstag durfte ich die Sprechstunde von Dr. Halasi, einem niedergelassenen Orthopäden im MVZ Regen begleiten und hatte so die Gelegenheit meine Wissensdefizite rund um die orthopädische Untersuchung etwas aufzubessern, trotzdem finde ich es immer noch sehr schwierig, diverse Gelenke korrekt zu untersuchen. Dr. Halasi hat mir aber versichert, dass es auch bei ihm eine Zeit gedauert hat, bis man eine gewisse Routine bekommt.

Am Freitag war ich relativ spontan bei Dr. Pinker, einer niedergelassenen Allgemeinmedizinerin in Grafenau, welche auch viele Kinder betreut. Hier konnte ich unter anderem bei einer U9 dabei sein. Diese Vorsorgeuntersuchung wird zwischen dem 60. und 64. Lebensmonat durchgeführt und testet vor allem die Sprachproduktion sprich Lauterwerb und Wortschatz, sowie Sozialverhalten. Neben den allgemeinen Untersuchungen der Organfunktionen werden auch Sehvermögen sowie grob-und feinmotorische Entwicklung getestet.
Die darauffolgende U7 (zwischen 21. und 24. Lebensmonat) war nicht weniger spannend, die Mutter brachte auch zwei Geschwister mit, was für ein sehr lebhaftes Untersuchungszimmer sorgte. Die Atmosphäre war in beiden Fällen sehr angenehm, Dr. Pinker gewinnt schnell das Vertrauen zu den Kleinen.Somit haben die kids auch die von mir durchgeführten Untersuchungen ohne weiteres toleriert. Hier würde ich sehr gerne wieder hospitieren.

Auch diese Woche verbrachte ich den Montag in Kirchberg. Es fand dank Roman sehr viel teaching statt, von Polycythaemia Vera, über Rhythmusstörungen, diversen Elektrolytentgleisungen und deren Therapieansatz über die chronische und akute Pankreatitis musste ich meine grauen Zellen ganz schön fordern um Romans Fragen beantworten zu können. Außerdem habe ich einige EKGs aus der Praxis mitgenommen und diese bestmöglich befundet und mit den Experten besprochen.
Unzählige spannende Patienten später startete auch schon unsere Skype Konferenz, diese Woche mit dem Thema Müdigkeit. Dieses Symptom begegnet uns doch immer wieder in der Praxis, somit war es sehr hilfreich Anamnese, körperliche Untersuchung, Diagnostik, Differentialdiagnosen und abwendbar gefährliche Verläufe zu besprechen, anschließend habe ich mich noch einmal mit der Degam Leitlinie zu diesem Thema beschäftigt.

Am Dienstag durfte ich nach Viechtach zu Dr. Popp (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe) zum Hospitieren kommen. Es standen allein am Vormittag mindestens 10 Gastro-und Koloskopien an, bei denen ich zuschauen konnte. Dr Popps fundiertes Wissen über sämtliche Krankheitsbilder, welche den Magen-Darm Trakt betreffen, hat mich sehr zur weiteren Recherche angeregt. Er hat mir unter anderem viel zum Morbus Whipple und zum Ösophaguskarzinom erklärt, welches wir leider zuvor bei einem Patienten in der Gastroskopie festgestellt hatten. Zudem kam zwischendurch eine Patientin mit Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose, diese konnten wir im Ultraschall bestätigen. Somit habe ich nochmal die Tests und die wichtigen Fragen (Wells Score) bei Verdacht auf dieses Krankheitsbild wiederholt.

Am Mittwoch konnte ich Martina zu einem Hausbesuch begleiten. Die Patientin hatte gerade aufgrund einer pAVK im Stadium 4 einen Bypass bekommen und wir kamen zur Wundkontrolle-und Versorgung.
Dank Dora hatte ich ein kleines Hoch in der Lebersonographie. Sie hat sich Zeit genommen, mir über die Schulter geschaut und sehr hilfreiches Feedback bezüglich meiner Technik gegeben und ein tolles Buch empfohlen.

Am Nachmittag waren Susanne und Roman in der Praxis, ich habe es endlich geschafft, alle Patienten welche Marcumar in Schöfweg einnehmen in die von ehemaligen Pjlern entworfenen (großartigen!)Tabellen einzutragen und ging mit den beiden unklare Indikationen oder anderen Fragen bei diversen Patienten durch. Dies sorgte immer wieder für angeregte Diskussionen. Es war sehr hilfreich die unklaren Fälle durchzugehen, zum Teil hatte ich auch Fragen, die nicht unbedingt mit der Medikamenteneinnahme zu tun hatten, es war sehr spannend die Meinung der beiden zu diversen Themen zu hören und auch toll dass wir dafür Zeit hatten.

Am Donnerstag hospitierte ich bei Dr. Kirstätter, einem niedergelassenen Rheumatologen in Deggendorf. Meine letzten Vorlesungen zu diesem Thema liegen gefühlt Jahre zurück, ich war sehr froh, dass ich mir die Tage davor die wichtigsten Krankheitsbilder angeschaut hatte, denn Dr. Kirstätter stellte mir ganz schön viele Fragen! Es war ein sehr langer, (07-18:30Uhr inkl. 10min Mittagspause, das bin ich gar nicht mehr gewohnt;)) aber dafür unglaublich lehrreicher Tag.
Endlich ein bisschen weniger Chaos in meinem Kopf, was die vielen rheumatologischen Krankheitsbilder angeht!  Im Studium kam das Thema bei uns doch ein bisschen knapp, sodass ich richtig froh war, hier noch so viel mitnehmen zu können. Die ausführliche Anamnese war für mich sehr beeindruckend, auch wurden alle Patienten sehr genau untersucht und ich habe zahlreiche Gelenksonographien gesehen. Der Satz „when in doubt think of gout“ wird mir bestimmt noch länger im Gedächtnis bleiben!

Woche Nummer 11 neigt sich dem Ende zu.

Die halbe Woche (Mittwoch-Samstag) verbrachte ich in Innsbruck, um mir den 52. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin anzusehen. Ich bin immer wieder beeindruckt von der grandiosen Bergkulisse, welche die schöne Stadt Innsbruck teilweise umschließt. Dieses Jahr lautete der Titel „Wissenschaft braucht Hausärzte – Hausärzte brauchen Wissenschaft“

Am Donnerstag lernte ich ihm Rahmen einer Konferenz die JADE (junge Allgemeinmedizin Deutschland) kennen. Nach einer Vorstellungsrunde wurden wir dazu aufgefordert in Kleingruppen zu besprechen, wie wir uns Allgemeinmedizin im Jahr 2030 vorstellen. Schwerpunkte lagen vor allem hinsichtlich neuer Technologien (braucht es 2030 überhaupt noch Hausärzte oder können Computer uns ersetzen?), Praxisgestaltung und Versorgungsnetzwerken. Ich war die einzige Studentin in meiner Kleingruppe, so war es sehr spannend, Meinungen bereits praktizierender junger Kollegen zu erfahren.

Nach einer kurzen Mittagspause hatte ich mich für einen Workshop in einem Simulationszentrum angemeldet. In insgesamt 5 Simulationssettings kam man zu zweit zu einem Schauspielpatienten, welcher in der Ordination (das ist das österreichische Wort für Praxis;)) plötzlich ein akutes Krankheitsbild entwickelt. Mein Patient war gerade am Gehen, als er plötzlich eine einseitige Halbseitenlähmung, sowie verwaschene Sprache entwickelte. Mithilfe einer Kollegin und der MFA leitete ich die wichtigsten Schritte ein, also Lagerung, Notruf absetzen etc.
Zuvor hatten wir mit den Dozenten (Notfallmediziner) besprochen, wie wichtig angemessene Kommunikation in solchen Situationen mit Kollegen ist. Also Kollegen immer direkt ansprechen (nicht mit dem Raum sprechen), einer ist Teamleader, Vorschläge und Ideen der Kollegen sind unbedingt zu berücksichtigen (flache Hierarchien). Neu war für mich das sog „time out“, also auch als erfahrener Arzt kann es passieren, dass alles nach Plan läuft, also das ABCDE Schema wird abgearbeitet, die Zugänge liegen, der Patient verschlechtert sich nicht weiter, und trotzdem hat man ein Gefühl der Hilflosigkeit. In solchen Situationen wendet man das sog. Time-out Prinzip an, geht also einen Schritt aus der ganzen Situation heraus und reflektiert und analysiert mit Kollegen in ein paar Sätzen die Situation. Das kann sehr hilfreich sein, um den nächsten Schritt zu finden. Unsere Vorgehensweisen wurden gefilmt und anschließend mit den anderen Teilnehmern besprochen. Im nächsten Szenario reagierte mein Patient auf die Übermittlung einer sehr schwerwiegenden Diagnose aggressiv und wurde sehr unruhig. Ich hatte den Impuls beruhigend auf den Patient einzureden und mich ihm zuzuwenden. Im Teamfeedback habe ich dann gelernt, dass es hier in erster Linie maßgeblich auf den Eigenschutz ankommt, (daran hatte ich in der Situation gar nicht so richtig gedacht). Auch bei den anderen Beispielen konnte ich eine Menge lernen, maßgeblich dazu beigetragen haben auch die tollen schauspielerischen Fähigkeiten der Notfallmediziner als Patienten.

Am Freitag und Samstag hörte ich viele interessante Diskussionen zu aktuellen Themen der Allgemeinmedizin, über die evidenzbasierte Versorgung chronisch Kranker, die Gesprächsführung bei psychosozialen Problemen und Praktisches, sowie Pragmatisches zum Thema Kreuzschmerz. Beim letzten Thema wurde vor allem die manuelle Therapie besprochen und demonstriert, was mich sehr fasziniert hat.
Ein positiver Aspekt an Kongressen, stellt meiner Meinung nach die Vernetzung mit Kollegen dar. Man blickt über den Tellerrand hinaus und erfährt interessante Meinungen, Ansichten und Erfahrungen.

Am Montag und Dienstag war ich in der Praxis in Kirchberg, was nicht weniger spannend als der Kongress war! Wir besprachen in der Skype Konferenz das Thema Hämaturie und ich konnte eine Studie bezüglich klinisch relevanter Hämaturie bei Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern bzw. oralen Antikoagulantien präsentieren. Außerdem war ich diese Woche das erste Mal bei einer Infektionsschutzbelehrung dabei und habe die wichtigsten Elemente des Check-Ups wiederholt.
Ich freu mich, dass ich noch zwei Wochen in der Praxis sein kann, bevor die straffe Examensvorbereitung losgeht;)

Meine vorletzte Woche startete mit einer Hospitation im MVZ Regen.
Den Vormittag verbrachte ich bei Dr. Frimmel-Müller, einer äußerst engagierten und sehr herzlichen Gynäkologin. Ich konnte meine Kenntnisse bezüglich Untersuchungen in der Schwangerschaft, CTGs, Verhütungsmethoden, Ultraschall und Basics der Sexualmedizin auffrischen. Dr. Frimmel-Müller hat sich sowohl für Patienten als auch mich sehr viel Zeit genommen. So konnte ich zB. jeden Zervix-Abstrich im Mikroskop befunden. Auch das Team im MVZ war mir gegenüber sehr aufgeschlossen und herzlich. Spannend war auch das Einsetzten von Kupfer-und Hormonspiralen, welches vor allem bei jungen Frauen immer häufiger der Pille vorgezogen wird.
Dr. Frimmel-Müller hat mir sogar ihre Telefonnummer gegeben, falls Fragen während der Examensvorbereitung auftreten, wirklich total nett.

Nach einer kurzen Mittagspause und ein paar Blutentnahmen (gut, dass ich das nicht verlernt habe;)) durfte ich den Nachmittag bei Dr. Werner (Facharzt für Innere Medizin) hospitieren.
Ich konnte unter anderem bei Lungenfunktionstests und Fahrradergos zusehen. Außerdem durfte ich Herzechos durchführen, was für mich als Anfänger alles andere als einfach ist. Aber am Ende des Tages hatte ich meine Fähigkeiten doch etwas ausbauen können:)
Wir haben auch viele Gefäße geschallt, ein Patient kam zu uns, da sein Hausarzt ein Strömungsgeräusch über der Leiste auskultiert hatte. Dem gingen wir natürlich auf den Grund und konnten erfreulicherweise nichts Pathologisches an den Beingefäßen entdecken (weder auskultatorisch noch sonographisch), somit entschieden wir uns für die Diagnose „funktionelles Strömungsgeräusch“.

Am Mittwoch war ich bei Dr. Buvar (ein Orthopäde mit Leidenschaft) zu Gast in der Sprechstunde.
Es warteten ganz schön viele Patienten auf uns, sodass für Fragen zunächst nicht so viel Zeit blieb. Jedoch hat sich Dr. Buvar trotzdem sehr bemüht und mir versichert, dass am Ende der Sprechstunde Zeit für Fragen und Diskussion bleiben wird-was auch der Fall war. Besonders beeindruckt hat mich (wieder einmal) die manuelle Therapie, mit wenigen Handgriffen und Techniken ging es den Patienten nach der Konsultation oft schon viel besser.

Da ich mir den Freitag frei genommen habe, war ich nur am Dienstag in Kirchberg und freute mich, Anamnese und körperliche Untersuchung mit einer sehr engagierten Studentin aus Metten zu üben. Zu zweit überlegt man doch oft etwas breiter und einige Patienten freuen sich über die ausführlichen Untersuchungen von Kopf bis Fuß.
Unter anderem stellte sich ein Patient mit linksseitigen Unterbauchschmerzen vor, wir gingen gemeinsam sämtliche Verdachtsdiagnosen nach unserem Schema und abwendbar gefährliche Verläufe durch und entschieden uns nach genauer Anamnese und körperlicher Untersuchung für die Verdachtsdiagnose Divertikulitis. Mithilfe der Sonographie konnten wir diesen Verdacht erhärten.
Außerdem habe ich mir Dank unserer Studentin die Untersuchungstests des vorderen Kreuzbandes nochmal genau angeschaut, da ich ihr nicht mehr alle aufzählen konnte.


So schnell können 13 Wochen vergehen!
Meine letzte Woche in Kirchberg startete mit einer Hospitation bei Frau Dr. Steckenreuter, einer sehr engagierten und herzlichen Allgemeinmedizinerin, die ihre Praxis in Drachselsried hat. Ich war abwechselnd bei ihr und ihrer Kollegin mit im Sprechzimmer und konnte somit immer entscheiden, welchen Patienten ich mitbetreuen möchte. Am Nachmittag fuhren wir noch ins Pflegeheim und kümmerten uns unter anderem um Wunden, BZ Einstellungen und RR Kontrollen. Anschließend standen noch zwei Hausbesuche am Programm. Es war schön, wieder eine neue Allgemeinmedizinische Praxis der Umgebung kennen zu lernen.
Somit fuhr ich am Dienstag gleich wieder zu anderen Allgemeinmedizinern, zu Frau und Herrn Dr. Stauber-Stern in Geiersthal. Die Praxisräumlichkeiten ließen es zu, dass ich schon mal die Anamnesegespräche und Untersuchungen vor den Ärzten durchführen konnte. Anschließend stellte ich meine Befunde mit Therapievorschlag Dr. Stern vor. Es war wirklich ein toller Tag und es hat mir viel Spaß gemacht mit den beiden zusammen zu arbeiten. Nach einer kurzen Mittagspause in der ich mit den beiden Ärzten über das Medizinstudium, Medizin in Österreich und wie es mit der work-life balance bei den beiden aussieht plauderte, nahm Dr. Stern mich mit zu einem Betrieb (mir ist leider der Name entfallen) und weihte mich in das Arbeitsfeld eines Betriebsmediziners ein. Dieses Gebiet habe ich im Studium eher rudimentär mitgenommen, somit war es eine spannende Sache, zu erleben, wie man als Betriebsarzt arbeitet.
Den Mittwoch verbrachte ich mit Jasmin (einer total engagierten Blockpratikantin) und Dr. Blank im Gymnasium Niederalteich. Das Gymnasium hatte an diesem Tag einen Berufsorientierungstag veranstaltet, um den Schülern einige unterschiedliche Berufe im Rahmen von Vorträgen und Infoständen näher zu bringen. Gemeinsam mit Jasmin, beantworteten wir zahlreiche Fragen rund um das Medizinstudium, Aufnahmebedingungen, Studentenleben etc. Die Schüler waren sehr interessiert und aufmerksam, es hat Spaß gemacht, die vielen Fragen, mit denen auch wir uns vor einigen Jahren (!) auseinander gesetzt hatten zu beantworten. Und wir bekamen am Ende sogar Schokolade geschenkt

Ich kann mich, was meine Zeit in der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald angeht, nur meinen Vorgängern anschließen. Wer auf der Suche nach einem höchst engagierten und fachlich äußerst kompetenten Team ist, ist hier richtig. Eigenständiges Arbeiten ist hier problemlos möglich. So hat man z.B.  sein eigenes Sprechzimmer, kann bei den Patienten Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen und darf sie dann mit Behandlungsvorschlag einem der Ärzte vorstellen. Das ganz herzliche Team aus MFAs unterstützt dabei wo es kann und ist gerne bereit Wissen und Erfahrung mit Patienten weiterzugeben. Generell ist die Arbeit hier von Wertschätzung und, wie es ein Kollege bereits in seinem PJ Tagebuch beschrieben hat, „von hohem wissenschaftlichen Geist geprägt“.
Ich konnte hier meine Fähigkeiten im Umgang mit Patienten um einiges verbessern, vor allem auch, weil man hier viel feedback bekommt.
Ein großer Bonuspunkt war für mich die Möglichkeit, einmal die Woche bei Kollegen der unterschiedlichsten Fachrichtungen (Derma, HNO; Physiotherapeuten, Rheumatologen, die Liste geht noch lange weiter) zu hospitieren.
Weiters lernt man in den wöchentlichen Fortbildungen im Rahmen von Skypekonferenzen viele interessante Themen und Problemstellungen kennen und man ist herzlich zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Einmal im Monat findet ein sogenannter Journal Club statt, man hat die Möglichkeit eine Studie vorzustellen und sie mit niedergelassenen Kollegen zu besprechen/zu diskutieren.
Fragen sind immer willkommen und erwünscht, zudem besitzt die Praxis Onlinezugänge zu einigen sehr informativen Plattformen, die mir vor diesem Tertial nicht so geläufig waren, mir aber bei der Recherche von gewissen Fragen sehr geholfen haben/helfen.
Kirchberg im Wald ist ein sehr idyllisches Dörfchen, ein Auto ist vorteilhaft, aber auch ohne kommt man grundsätzlich zurecht, was vor allem an den engagierten Mitarbeitern liegt, die fahrttechnisch aushelfen.
Das Freizeitangebot ist im Sommer und Winter für Sportbegeisterte ein großer Pluspunkt, und auch in Regensburg oder Passau ist man in ca. einer Stunde.
Wie ihr bestimmt schon gelesen habt, wird eine Wohnung zur Verfügung gestellt, welche bereits sehr nett eingerichtet ist, außerdem gibt es eine kleine Bibliothek mit Büchern von ehemaligen  PJlern/Famulanten.
Ich kann zusammenfassend ein Tertial im Bayrischen Wald wärmstens empfehlen, es war für mich eine ganz bereichernde, lehrreiche Zeit dort.

Georg Metzler

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 14
  • Woche 15
  • Woche 16

Vom Strand in den Schnee

Das vorherige PJ-Tertial absolvierte ich auf einer kleinen, warmen Insel und konnte somit meinen Sommer bis in den Dezember verlängern. Kurz nach Silvester reiste ich dann in Kirchberg an und fühlte mich, als ob ich in den Winterurlaub fahre: Berge, Täler, Schnee, kleine Dörfer. Meine Wohnung, die ich gestellt bekomme, verstärkte das Gefühl noch: hoch gelegen, gemütlich-rustikal, voll ausgestattet.
Am nächsten Morgen startete ich aber damit, wofür ich tatsächlich hier bin. Ich begann mit der Arbeit in der Praxis in Kirchberg. Hier wurde ich herzlich empfangen, eingewiesen und begann sogleich die Sprechstunde mit Dr. Blank. Anfangs schaute ich noch über die Schulter, aber gleich am selben Nachmittag durfte ich die Patienten schon voruntersuchen und anschließend Dr. Blank vorstellen. Nach jeder Sprechstunde setzt sich Dr. Blank mit allen anwesenden Assistenzärzten und Praktikanten zusammen und bespricht Fragen. Insgesamt herrscht ein sehr angenehmes, kollegiales Klima.

Die folgenden Tage waren nicht weniger interessant. Da ich auch in den Praxen in Lalling und Rinchnach eingesetzt wurde, lernte ich auch die dortigen Mitarbeiter kennen. Auch hier untersuchte ich Patienten erst allein und stellte sie danach entweder Dr. Blank oder einem der Assistenzärzte vor. Da man sich erst allein mit den Patienten auseinandersetzt, ist der Lerneffekt natürlich viel größer, als wenn man nur zuhört – gerade bei nicht alltäglichen Krankheitsbildern. Hilfreich war auch, dass Eva (auch PJlerin), die schon ein paar Wochen hier ist, anreiste. Gerade am Anfang treten viele kleine, organisatorische Fragen rund um Praxis und Wohnung auf. Am Ende der ersten Woche habe ich mich nun gut eingewöhnt und das Team und die Abläufe kennengelernt.Am Wochenende war schönes Wetter, sodass ich eine schöne Wanderung rings um den Geißkopf gemacht und am nächsten Tag Kirchberg und Umgebung erkundet habe. Das fühlte sich dann wieder wie Winterurlaub an…

1. Woche

Diese Woche ging so weiter, wie die letzte aufgehört hat. Ich habe viele Patienten voruntersuchen können und so Untersuchungstechniken weiter festigen können. Im Vordergrund standen, wie zu dieser Jahreszeit üblich, Erkältungen. Es gab aber auch nicht so alltägliche Sachen, wie beispielsweise zwei Frauen mit Rheumatoider Arthritis. Für mich als jungen Mediziner ist es vor allem interessant, wie Patienten mit ihren Erkrankungen im Alltag zurechtkommen und wo es hakt.Am Dienstagabend nahm ich nach der Sprechstunde an einer LIA-Besprechung (LIA=Lebensqualität im Alter) teil. Hier trafen sich alle Personen, die an der häuslichen Betreuung von Patienten involviert sind – das sind natürlich nicht nur Ärzte, sondern auch MFAs, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Pfleger. Es wurden dann einzeln die Patienten besprochen, da jeder Informationen beisteuern kann, die für die anderen Beteiligten auch interessant sind. Dies ist ein bemerkenswerter Ansatz in der Versorgung, den ich so noch nicht kannte.Am Mittwoch gab es eine Ausnahme: das Wetter war, anders als sonst, freundlich und sonnig. Lustigerweise blieb daher auch die Praxis fast leer, was Dr. Blank aber nicht mehr verwundern konnte. Eva und ich suchten uns daher eine andere Beschäftigung und wurden von einer Helferin, die sich auf die Versorgung der Patienten mit Diabetes spezialisiert hat, in ihr Feld eingeführt. Sie erklärte uns, wie sie Laborwerte auswertet, den Patienten untersucht und das weitere Vorgehen plant. Über Mittag hat sie uns auf Hausbesuche mitgenommen und so erfuhren wir wiederum viel über die Hintergründe der Patienten. Man muss auch diesen im Blick behalten, um den Patienten in seinem persönlichen Alltag helfen zu können.

die 2.Woche

Diese Woche ist der Winter so richtig in Kirchberg eingezogen. Nachdem der Schnee bisher gefallen war, um gleich wieder zu schmelzen, liegt jetzt mehr als genug und sorgt dafür, dass sich die Uhren hier etwas langsamer drehen – Autofahren wird

Diese Woche sind die Temperaturen in den winterlichen Bereich gesunken. Daher hatte man oft einen freien Himmel mit schönsten Sonnenauf- und untergängen und klaren Sternhimmeln. Im Zusammenspiel mit der bergigen Landschaft ergibt das natürlich tolle Ansichten.
Ansonsten habe ich wieder in den verschiedenen Praxen gearbeitet und konnte viele Patienten kennenlernen und untersuchen. Einen Großteil machen derzeit die grippalen Infekte aus, die vor niemandem haltmachen – vom Kleinkind bis zur Uroma sind alle dabei – mich haben sie aber zum Glück noch nicht bekommen und das bleibt hoffentlich auch so.
Zum ersten Mal habe ich an einer Onlinefortbildung teilgenommen. Dies hatte ich vorher auch noch nicht erlebt. Hierzu trafen sich alle Ärzte und Studenten aus den Praxen am Abend nach der Arbeit per Videokonferenz mit dem Referenten, der über PPIs sprach. Ich war überrascht, weil es natürlich einerseits informativ war, aber andererseits auch einfach war dem Geschehen zu folgen. Bei Videokonferenzen mit mehreren Leuten bin ich sonst anderes gewöhnt. Im Anschluss wurden noch Fragen beantwortet und über das Thema diskutiert.
Am Wochenende bin ich nach Hause gefahren und habe mal zur Abwechslung im Erzgebirge Langlauf gemacht, denn die Kammloipe ist einfach unschlagbar… Die vergangene Woche war wieder sehr ereignisreich. Ich konnte wieder viele Patienten mit verschiedensten Beschwerden sehen. Ich merke dabei, dass ich immer sicherer und fokussierter in der Anamnese und Untersuchung werde. Auch dass ich mit verschiedenen Ärzten arbeite und ihnen über die Schulter schauen kann, habe ich sehr zu schätzen gelernt.

Am Montag habe ich in der Montags-Videochat-Besprechung das Thema Rückenschmerz vorgestellt, worüber dann rege diskutiert wurde. Alle Teilnehmer können dann etwas zum Thema beitragen und so ergänzen sich Studenten und junge Ärzte, die frisch aus der Lehre kommen, mit der Erfahrung älterer Kollegen.

Am Donnerstag habe ich einen Tag in der Physiotherapie Kufner verbracht und konnte alle meine Fragen loswerden. Ich hatte außerdem großes Glück, dass ich so gut wie alle Behandlungsanlässe in der Physiotherapie sehen konnte. So war es ein informativer Tag, von dem ich einige Dinge mitnehmen konnte.

Am Samstag fand dann der „Megaball“ in Raindorf statt. Hier half ich mit meiner Schwester, die mich am Wochenende besuchte, hinter der Bar und mischte und verkaufte fleißig Getränke für den guten Zweck. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen und feierten selber auf den beiden Floors. Ich traf auch einige bekannte Gesichter, die ich in den ersten vier Wochen bereits kennengelernt habe. die 4. Woche Und wieder liegt eine interessante Woche hinter mir. Am Dienstagabend nahm uns Dr. Blank mit zu einem Qualitätszirkel, wo sich einige Hausärzte der Region treffen, um über Fragen aus der alltäglichen Praxis zu sprechen. Dies ist für mich als angehenden Arzt natürlich sehr lehrreich, wenn solche Fragen von erfahrenen Kollegen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden.

Am Donnerstag fuhr ich nach Deggendorf, um bei dem Orthopäde Dr. Buvar einen Tag zu hospitieren. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich konnte diverse Beschwerdebilder sehen und all meine orthopädischen Fragen loswerden. Nun werde ich orthopädische Fragestellungen sicherer diagnostizieren können.

Da ich bereits über vier Wochen hier bin, setzten sich Dr. Blank und ich uns einmal zusammen, um mein Curriculum durchzugehen, Feedback zu geben und um die nächsten Wochen zu planen. Dies habe ich in den vorherigen Tertialen leider nicht erlebt, aber gerade anhand solcher Gespräche mit konstruktiver Kritik kann man wachsen und sich verbessern – sowohl fachlich, als auch menschlich.

Diese Woche ist der Winter so richtig in Kirchberg eingezogen. Nachdem der Schnee bisher gefallen war, um gleich wieder zu schmelzen, liegt jetzt mehr als genug und sorgt dafür, dass sich die Uhren hier etwas langsamer drehen – Autofahren wird zum Abenteuer.
In dieser Woche habe ich wieder viel erlebt. Besonders freut es mich, dass ich im Untersuchen sicherer werde. So konnte ich (natürlich in Rücksprache mit einem Arzt) eine Pneumonie diagnostizieren und anbehandeln. Die Patientin stellte sich dann am Ende der Woche deutlich gebessert wieder vor und brachte als Beweis für eine tatsächliche Pneumonie den Befund des Radiologen mit.
Am Mittwoch war ein besonders interessanter Tag. Tagsüber hospitierte ich bei dem Ergotherapeuten Herrn Finger. Er zeigte mir sehr anschaulich, was eine Ergotherapie bei Patienten leisten kann. Denn leider wird im Studium kaum bis gar nicht behandelt, was sich denn genau dahinter verbirgt, wenn man als Arzt ein Rezept für die Ergotherapie o.ä. ausstellt.
Am Abend nahm Dr. Blank Eva und mich mit zum Journal Club nach Regen. Trotz des starken Schneefalls kamen alle Teilnehmer und es wurden interessante Paper vorgestellt und anschließend diskutiert. Es ist schön zu sehen, dass es Ärzte gibt, die offen für Neuigkeiten sind und sich im Austausch mit anderen befinden, um den eigenen Horizont erweitern zu können.
Am Wochenende nutzten wir den schönen Schnee, um in Klingenbrunn Langlauf und im Nationalpark eine Führung zu machen.

Die vergangene Woche war wieder sehr ereignisreich. Ich konnte wieder viele Patienten mit verschiedensten Beschwerden sehen. Ich merke dabei, dass ich immer sicherer und fokussierter in der Anamnese und Untersuchung werde. Auch dass ich mit verschiedenen Ärzten arbeite und ihnen über die Schulter schauen kann, habe ich sehr zu schätzen gelernt.
Am Montag habe ich in der Montags-Videochat-Besprechung das Thema Rückenschmerz vorgestellt, worüber dann rege diskutiert wurde. Alle Teilnehmer können dann etwas zum Thema beitragen und so ergänzen sich Studenten und junge Ärzte, die frisch aus der Lehre kommen, mit der Erfahrung älterer Kollegen.
Am Donnerstag habe ich einen Tag in der Physiotherapie Kufner verbracht und konnte alle meine Fragen loswerden. Ich hatte außerdem großes Glück, dass ich so gut wie alle Behandlungsanlässe in der Physiotherapie sehen konnte. So war es ein informativer Tag, von dem ich einige Dinge mitnehmen konnte.
Am Samstag fand dann der „Megaball“ des Eine-Welt-Kreises in Raindorf statt. Hier half ich mit meiner Schwester, die mich am Wochenende besuchte, hinter der Bar und mischte und verkaufte fleißig Getränke für den guten Zweck. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen und feierten selber auf den beiden Floors. Ich traf auch einige bekannte Gesichter, die ich in den ersten vier Wochen bereits kennengelernt habe.


Und wieder liegt eine interessante Woche hinter mir. Am Dienstagabend nahm uns Dr. Blank mit zu einem Qualitätszirkel, wo sich einige Hausärzte der Region treffen, um über Fragen aus der alltäglichen Praxis zu sprechen. Dies ist für mich als angehenden Arzt natürlich sehr lehrreich, wenn solche Fragen von erfahrenen Kollegen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden.
Am Donnerstag fuhr ich nach Deggendorf, um bei dem Orthopäde Dr. Buvar einen Tag zu hospitieren. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich konnte diverse Beschwerdebilder sehen und all meine orthopädischen Fragen loswerden. Nun werde ich orthopädische Fragestellungen sicherer diagnostizieren können.
Da ich bereits über vier Wochen hier bin, setzten sich Dr. Blank und ich uns einmal zusammen, um mein Curriculum durchzugehen, Feedback zu geben und um die nächsten Wochen zu planen. Dies habe ich in den vorherigen Tertialen leider nicht erlebt, aber gerade anhand solcher Gespräche mit konstruktiver Kritik kann man wachsen und sich verbessern – sowohl fachlich, als auch menschlich.

Wieder liegt eine winterliche Woche hinter mir. Die Arbeit in der Praxis mit den Patienten ist weiterhin sehr interessant. Ich merke jede Woche, wie ich bei Anamnese und Untersuchung Fortschritte mache. Multimorbide Patienten sind nun auch für mich gut handhabbar – die Aufgabe besteht ja darin, sich schnell einen Überblick über den Patienten zu verschaffen, um dann auf die jeweilige Frage eingehen zu können. So langsam weiß man eben, wo man schauen und welche Fragen man stellen muss. Im Studium bekommt man ja alles vorgekaut und im Praxisalltag muss man sich solche Informationen selbst beschaffen.
Am Mittwoch gab es eine ungewöhnliche Konstellation in den Praxen – es waren (aufgrund von Praxisurlaub) zu viele Ärzte da. Wer hätte gedacht, dass man so etwas heutzutage mal in einer Landarztpraxis sagen könnte. Jedenfalls war es kein Problem, einen Vormittag frei zu machen und so fuhr ich auf den Geißkopf, um im dortigen kleinen Skigebiet Ski zu fahren.
Am Donnerstag war Weiberfasching. Leider waren scheinbar nur Dr. Blank und die Helferinnen eingeweiht, die sich auch lustig verkleidet hatten, aber die Assistenzärzte und Studenten wussten nichts davon, sodass für uns nur der amüsante Anblick blieb. (Anmerkung der Praxis: das passiert uns nie wieder! Ab jetzt „dürfen“ alle Studierenden und Ärzte in Weiterbildung kostümiert kommen).
Am Wochenende war ich wandern und habe den Fürstenecker Triftsteig entdeckt – eine schöne und wirklich gut beschilderte Wanderung an den Flüssen Wolfsteiner Ohe und Ilz. Das Wetter spielte entgegen der Vorhersage auch gut mit.

die 7. Woche

Das Wetter ist weiterhin kalt und meistens sonnig – da hat man, selbst wenn man drinnen arbeitet, dauerhaft gute Laune. Weiterhin haben die Patienten meistens grippale Infekte, aber dazwischen schieben sich andere Erkrankungen: so habe ich zum ersten Mal eine Gürtelrose gesehen, die auch noch im Gesicht auftrat.Am Mittwochabend nahm uns Dr. Blank wieder mit nach Regen, wo der Journal-Club stattfand. Ob der guten Stimmung und den interessanten Themen beim letzten Mal im Januar, habe ich mich darauf gefreut und wurde nicht enttäuscht. Diesmal war ich in einer Gruppe, die „Das rote Auge“ besprach. Hier muss man wirklich an die verschiedensten Dinge denken und entsprechend handeln.Am Freitag habe ich bei Frau Dr. Pinker hospitiert. Sie hatte extra einige Kinder zur U-Untersuchung einbestellt. Diese Untersuchungen kannte ich bisher nur aus der Theorie und so war es spannend, wie man dies praktisch umsetzt, da der Umgang mit Kindern ja nicht so einfach ist. So konnte ich viele Tipps und Tricks für mein weiteres Arbeitsleben mitnehmen.

die 8. Woche

Es liegt wieder eine ereignisreiche Woche hinter mir. Das Projekt „Exzellenter Winter“ ist gestartet. Wir haben nun Studenten in den Praxen, die ihre Hausarztfamulatur ableisten. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung, da mir die Arbeit mit motivierten Studenten Spaß macht und ich gern Wissen und Fertigkeiten weitergebe.Am Dienstag war ich in der SAPV „Pallidonis“ in Deggendorf hospitieren. Hier machte ich die Frühbesprechung mit und bekam eine kleine Einführung. Dann fuhr ich mit Schwester Iris in Pflegeheime in der umliegenden Region und dort trafen wir uns jeweils mit Dr. Thies. Es waren alles recht unspektakuläre Fälle, wo besprochen wurde die Betreuung erstmal ruhen zu lassen. In der Zwischenzeit konnte ich aber alle Fragen an Schwester Iris und Dr. Thies stellen. Gegen Mittag kam dann doch noch ein Notruf von einer Frau, deren Mann an diesem Vormittag verstorben war. Schwester Iris und ich fuhren zu ihr hin und leisteten ihr v.a. seelischen Beistand. Gerade dies war für mich eine neue Erfahrung, da es einen großen Unterschied macht, ob man als Arzt zur Leichenschau oder als erster Helfer v.a. für die Betreuung der Angehörigen kommt.Donnerstag- und Freitagnachmittag betreute ich zusammen mit Julia Friedel (ÄIW in der Praxis) den Sonografiekurs für die Studenten. Hier hielten wir erst einen Vortrag und führten ins Thema ein und danach wurde fleißig geübt und alle durften sich gegenseitig schallen.Am Samstagvormittag trafen sich Studenten und Betreuer im Krankenhaus in Zwiesel zum Nahtkurs. Hier lernten die Studenten die diversen Knoten- und Nahttechniken und ich konnte mein Wissen wiederauffrischen.Bei allen Kursen herrschte gute Stimmung und ich denke, dass die Studenten aus ihrer Famulatur viel praktisches und theoretisches Wissen mitnehmen können. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wo ich wieder mit einzelnen Studenten in der Praxis zusammenarbeiten werde.

die 9. Woche

Es liegt wieder eine ereignisreiche Woche hinter mir. Das Projekt „Exzellenter Winter“ ist gestartet. Wir haben nun Studenten in den Praxen, die ihre Hausarztfamulatur ableisten. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung, da mir die Arbeit mit motivierten Studenten Spaß macht und ich gern Wissen und Fertigkeiten weitergebe.Am Dienstag war ich in der SAPV „Pallidonis“ in Deggendorf hospitieren. Hier machte ich die Frühbesprechung mit und bekam eine kleine Einführung. Dann fuhr ich mit Schwester Iris in Pflegeheime in der umliegenden Region und dort trafen wir uns jeweils mit Dr. Thies. Es waren alles recht unspektakuläre Fälle, wo besprochen wurde die Betreuung erstmal ruhen zu lassen. In der Zwischenzeit konnte ich aber alle Fragen an Schwester Iris und Dr. Thies stellen. Gegen Mittag kam dann doch noch ein Notruf von einer Frau, deren Mann an diesem Vormittag verstorben war. Schwester Iris und ich fuhren zu ihr hin und leisteten ihr v.a. seelischen Beistand. Gerade dies war für mich eine neue Erfahrung, da es einen großen Unterschied macht, ob man als Arzt zur Leichenschau oder als erster Helfer v.a. für die Betreuung der Angehörigen kommt.Donnerstag- und Freitagnachmittag betreute ich zusammen mit Julia Friedel (ÄIW in der Praxis) den Sonografiekurs für die Studenten. Hier hielten wir erst einen Vortrag und führten ins Thema ein und danach wurde fleißig geübt und alle durften sich gegenseitig schallen.Am Samstagvormittag trafen sich Studenten und Betreuer im Krankenhaus in Zwiesel zum Nahtkurs. Hier lernten die Studenten die diversen Knoten- und Nahttechniken und ich konnte mein Wissen wiederauffrischen.Bei allen Kursen herrschte gute Stimmung und ich denke, dass die Studenten aus ihrer Famulatur viel praktisches und theoretisches Wissen mitnehmen können. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wo ich wieder mit einzelnen Studenten in der Praxis zusammenarbeiten werde.

Woche 10

Es ist nun Ende März, es geht straff auf Ostern zu und der Winter hat uns noch voll im Griff. Ich musste morgens noch mein Auto vom Schnee befreien…

Auch sonst war diese Woche recht turbulent. Einerseits waren viele andere Praxen der Region im Osterurlaub und andererseits waren Kollegen in unserer Praxis krank oder auch im Urlaub. So fanden sehr viele Patienten den Weg in unsere Praxis. Für mich als Student ist dies super, da ich durchgängig zu tun habe und viele, viele verschiedene Patienten mit diversen Beschwerden erleben darf. Mit Dr. Roman Machac hatte ich diese Woche einen guten Partner und wir ergänzten uns gut, sodass wir die Arbeit gut bewältigen konnten und ich mein Wissen trotzdem erweitern konnte. Mittwoch und Donnerstag hatte ich zusätzliche Verstärkung einer Studentin aus dem Projekt Exzellenter Winter. Ihr konnte ich praktische Tipps und Tricks im Umgang mit Patienten geben, die sie gleich beim nächsten Patienten anwenden konnte.

Diese Woche verbrachte ich zum Großteil in Erlangen, um am Strahlenschutzkurs teilzunehmen. Diesen benötigt man, um als Arzt die Indikation für z.B. ein Röntgenbild stellen zu können. In den verbliebenen Tagen traf ich wieder auf nette Patienten, die meistens wieder mit Erkältungen zu kämpfen hatten.

In dieser Woche ruhte ich mich mal vom Praxisalltag aus und fuhr Ski in den Alpen. Das Wetter war super, es gab noch reichlich Schnee und es war zu kalt für diese Jahreszeit, aber beim Skifahren stört das ja nicht. Nächste Woche kehre ich dann frisch gestärkt zurück…

Es ist nun Ende März, es geht straff auf Ostern zu und der Winter hat uns noch voll im Griff. Ich musste morgens noch mein Auto vom Schnee befreien…
 
Auch sonst war diese Woche recht turbulent. Einerseits waren viele andere Praxen der Region im Osterurlaub und andererseits waren Kollegen in unserer Praxis krank oder auch im Urlaub. So fanden sehr viele Patienten den Weg in unsere Praxis. Für mich als Student ist dies super, da ich durchgängig zu tun habe und viele, viele verschiedene Patienten mit diversen Beschwerden erleben darf. Mit Dr. Roman Machac hatte ich diese Woche einen guten Partner und wir ergänzten uns gut, sodass wir die Arbeit gut bewältigen konnten und ich mein Wissen trotzdem erweitern konnte. Mittwoch und Donnerstag hatte ich zusätzliche Verstärkung einer Studentin aus dem Projekt Exzellenter Winter. Ihr konnte ich praktische Tipps und Tricks im Umgang mit Patienten geben, die sie gleich beim nächsten Patienten anwenden konnte.

Diese Woche hält endlich der Frühling Einzug. Die Sonne scheint und die Temperaturen steigen – herrlich!
 
In der Praxis geht es wieder ruhiger zu und die Erkältungen nehmen spürbar ab. Ich habe wieder viele neue Patienten kennenlernen dürfen und einige bekannte wiedergetroffen. Seit längerer Zeit haben wir am Donnerstag wieder die Fallbesprechung per Videochat gehabt, da nun wieder fast alle Ärzte da sind. Hier wurden interessante Fälle besprochen, die einem nicht alltäglich unterkommen und den eigenen Horizont erweitern.

In meiner letzten Woche ist endlich der Frühling in den Bayrischen Wald eingezogen. Die Sonne lachte, es war angenehm warm und die Natur erwachte zum Leben.
In den Praxen legte sich der ganz große Andrang der Wintermonate, aber es waren immer noch ausreichend Patienten da, sodass mir nicht langweilig wurde und ich fleißig behandeln konnte.
Am Dienstag hospitierte ich in der Radiologischen Praxis Dr. Schleicher in Zwiesel. Hier half ich jeweils einen halben Tag beim Befunden von MRT- und CT-Bildern, bekam viel erklärt und konnte alle meine Fragen loswerden. Insgesamt war es ein echt spannender Einblick in den Alltag eines niedergelassenen Radiologen.
Da es langsam aber sicher auf das letzte Examen zugeht, verabredeten sich Dr. Blank, Kathi (sie ist in meiner Prüfungsgruppe) und ich am Sonntag noch einmal in der Praxis. Dr. Blank hatte Dienst und so konnten wir die Gelegenheit nutzen und Kathi und ich untersuchten Patienten und stellten sie wie in der Prüfung vor. Danach bekamen wir von Dr. Blank noch viele Tipps und Tricks für die Prüfung – als ehemaliger Prüfer kennt er sich hier natürlich bestens aus. Am Ende stand leider der Abschied aus der Praxis und vom Bayrischen Wald an. Dr. Blank und ich ließen die vergangenen vier Monate noch einmal Revue passieren, sprachen über die Zukunft und dass wir uns irgendwann einmal wiedersehen.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Vielen Dank an Dr. Blank, alle anderen Ärzte, mit denen ich arbeiten durfte, und das Praxisteam für die schöne Zeit! Ich habe fachlich und menschlich viel gelernt und werde mich gern an euch zurückerinnern!


Eva Heuer

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11
  • Woche 12
  • Woche 13
  • Woche 14
  • Woche 15 - 16

Die erste Woche KW 47

Dass es hier etwas anders läuft als im Großraum München, merkt man schon beim Herfahren… Die Straßen werden kurviger und enger, auf einen Mittelstreifen wird verzichtet und es liegt Schnee.
Am nächsten Morgen sind die Straßen top geräumt und ich kann um 8 Uhr in der Praxis in Rinchnach starten. Die Helferinnen zeigen mir routiniert die wichtigsten Dinge in der Praxis und schon kann es losgehen. Auch in den nächsten Tagen ist das Praxisteam immer eine große Unterstützung.
Bis zum Ende der Vormittagssprechstunde schaue ich den Ärzten zunächst über die Schulter. Danach gibt es eine Skype-Konferenz mit allen Praxen. Wir besprechen das Thema „Otitis externa“. Die Skype-Fortbildung am Montag ist eine von mehreren Fortbildungsmöglichkeiten, von den anderen werde ich in den nächsten Wochen berichten.

Am Nachmittag darf ich Anamnese und Untersuchung eigenständig durchführen.
Sobald ich fertig bin, hole ich mir einen Arzt dazu. Wir besprechen gemeinsam mit dem Patienten die Anamnese, wiederholen die Untersuchung und klären das weitere Vorgehen. Nach der Sprechstunde ist noch Zeit um Fragen zu klären oder einzelne Krankheitsbilder ausführlicher zu besprechen.
Den Rest der Woche nutze ich, um mehr Routine und Sicherheit in Anamnese und Untersuchung zu entwickeln und die Praxisabläufe kennen zu lernen.

Die erste Woche ist im Nu vergangen, ich profitiere sehr von der guten Betreuung durch die Lehrärzte und den außergewöhnlich offenen und freundlichen Patienten.

KW 48 zweite Woche

Eine spannende und lehrreiche Woche liegt hinter mir. Neben viel Patientenkontakt lernte ich die Praxis in Schöfweg kennen, war bei einer großen Hausbesuchstour dabei und hospitierte einen Tag bei einem Orthopäden in Deggendorf. In der Montagsfortbildung lag der Schwerpunkt auf dem „akuten Kopfschmerz“. Es ist ein sehr häufiges Beschwerdebild, gefährliche Ursachen sind eher selten. Um diese aber nicht zu übersehen, standen in dieser Fortbildung v.a. die Hinweise auf „abwendbar gefährliche Verläufe“ im Mittelpunkt. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, in der Fortbildung regelmäßig Übersichtsarbeiten zu evidenzbasierter Anamnese und Untersuchung vorzustellen. Mein Beitrag war eine Zusammenfassung des Reviews „Does This Woman Have an Acute Uncomplicated Urinary Tract Infection?“ aus JAMA (2002). Hier wurden Daten aus 9 Studien ausgewertet, um genauer zu erfassen welche Symptome und klinische Untersuchungsergebnisse am sichersten einen Harnwegsinfekt anzeigen. Diese Woche habe ich einen Schwerpunkt auf orthopädische Untersuchung und auf das „Symptom“ Kreuzschmerz gelegt. Viele Patienten haben mir ermöglicht, eine kurze Untersuchung von Schulter, Rücken oder Knie zu durchzuführen, herzlichen Dank dafür! Zusätzlich habe ich mich mit den Leitlinien für Kreuzschmerz und für chronischen Schmerz auseinandergesetzt. Am Donnerstag konnte ich im SpOrthoMed den Orthopäden Dr. Buvar und Dr. Martin über die Schulter schauen. In der Kindersprechstunde am Nachmittag spielten kindliche Fußfehlstellungen eine große Rolle. Ich lernte wichtige Schwerpunkte in der Anamnese und Kriterien für Veränderungen der Fußstatik sowie des Gangbildes. Den nächsten kleinen Patienten mit Fußproblemen werde ich jetzt mit einem geschulteren Auge untersuchen.

KW 49 – dritte Woche

In dieser Woche ist hier so richtig der Winter eingezogen. Die ersten Loipen sind offen, und
in Kirchberg hat der Weihnachtsmarkt aufgemacht. Mein Schwerpunkt lag auf dem Thema
„Bauch“. Außerdem nahm ich an einem Qualitätszirkel zum Thema Antibiotika teil. Der
Abschluss dieser Woche war die große Weihnachtsfeier mit allen Mitarbeitern.
Die Fortbildung am Montag drehte sich unter anderem um das Thema Osteoporose. Wir
diskutierten Fragen wie: Welche Risikofaktoren sind wirklich relevant? Bei welchen
Patienten sollte man eine Knochendichtemessung durchführen und zu welchem Zeitpunkt?
Wann ist die Messung eine Kassenleistung?
Ich durfte eine Übersichtsarbeit zur klinischen Diagnostik des
Rotatorenmanschettensyndroms (Does This Patient With Shoulder Pain Have Rotator Cuff
Disease? JAMA 2013) vorstellen.
Bauchbeschwerden sind häufiges Thema in der Hausarztpraxis. In dieser Woche stellten sich
Patienten mit den unterschiedlichsten Anliegen vor. Häufig beschäftigte mich die einfache
Magen-Darm- Grippe, aber auch die Helicobacter-Therapie, Nahrungsmittelunverträglichkeit
und chronisch entzündliche Darmerkrankungen spielten eine Rolle. Komplexer wird es, wenn
die Beschwerden eines Patienten nicht typisch für ein bestimmtes Krankheitsbild sind. Ohne
zu wissen, was die genaue Ursache von z.B. Bauchschmerzen ist, muss trotzdem entschieden
werden, ob es eher gefährlich ist oder ob ein Zuwarten erlaubt ist. Entscheidende Hinweise
muss man in der Anamnese erfragen und beim Untersuchen erkennen.
Vom Ablauf eines Qualitätszirkels hatte ich bisher keine Vorstellung. Ich hatte einen
PowerPoint-Vortrag erwartet. Stattdessen erlebte ich eine gut moderierte und rege
Diskussion zu zahlreichen Facetten der Antibiotikatherapie. Welche Antibiotika fallen unter
die Gruppe der Reserveantibiotika? Wie sind die Erfahrungen der teilnehmenden Ärzte mit
seltener verwendeten Wirkstoffen? Und wie vermittelt man einem Patienten, der ein
Antibiotikum einfordert, dass es in der aktuellen Situation ggf. mehr schadet als nutzt?
Auch die Freizeit sollte in dieser Woche nicht zu kurz kommen. Freitagabend traf sich das
ganze Praxisteam zur traditionellen Weihnachtsfeier im Gasthof Sonnenwald. Neben
ausgezeichnetem Essen genossen wir zahlreiche Ansprachen, Sketche und Weihnachtslieder.
Ich habe mich sehr gefreut, so ungezwungen das ganze Team kennenzulernen und mit dem
ein oder anderen ins Gespräch zu kommen.
Samstag und Sonntag öffnete der Kirchberger Weihnachtsmarkt und ich drehte bei
strahlendem Sonnenschein die ersten Runden auf der Loipe in Klingenbrunn.

KW 50 – die vierte Woche

Diese Woche begann nicht wie gewohnt in einer der vier Praxen, sondern in der
Physiotherapie-Praxis Kufner in Kirchberg. Ich wollte wissen, wie die ärztliche Verordnung in
der Praxis umgesetzt wird. Besonders beeindruckt hat mich die sehr umfassende und
individuelle Herangehensweise an den Patienten. Jeder Patient wird nochmal genau zu
seinen Beschwerden befragt und untersucht. Auch Faktoren wie körperliche Arbeit, Stress
etc. werden diskutiert, um ganz gezielt therapieren zu können. Auch die Vielfalt der
Beschwerden bei denen eine Physiotherapie wirksam sein kann, war mir vorher nicht
bewusst.
In der Montagsfortbildung war das Thema der „Centor Score“. Er ist wichtiges Instrument,
um bei Halsschmerzen das Risiko einer eitrigen Mandelentzündung abzuschätzen und ggf.
eine Antibiotikatherapie einzuleiten. Neben dem Score spielten ganz praktische Fragen eine
Rolle, z.B: Was tun, wenn ein Kleinkind den Antibiotikasaft wieder ausspuckt?
Zum Fortbildungsthema der letzten Woche, „Osteoporose“, konnte ich einen interessanten
Artikel vorstellen: Does this woman have osteoporosis? (JAMA 2004).
Die weitere Woche war von ganz unterschiedlichen Aufgaben geprägt. Bei der
Hausbesuchsrunde erlebte ich, wie schwierig das Zeitmanagement ist, wenn man sich nicht
mehr in der gewohnten Praxisumgebung aufhält. Die Helferinnen zeigten mir, wie genau ein
geriatrisches Basisassessment und die Untersuchung von diabetischen Füßen durchzuführen
ist. Mein Wochenschwerpunkt war „Herz und Gefäße“, passend dazu stellten sich gleich
mehrere Patienten mit hypertensiven Entgleisungen vor.
Am Freitag besprachen Dr.Blank und ich den Fortschritt in meinem Curriculum. In den vier
Wochen habe ich schon viel Neues gelernt, die Liste der Themen mit denen ich mich noch
auseinander setzten möchte, ist aber noch lang.
Am Wochenende nutze ich nochmal die perfekten Schneebedingungen der Loipe in
Klingenbrunn und genoss ein Weihnachtskonzert in der Gotthardkirche in Kirchberg.

KW 1 – die siebte Woche

Seit dieser Woche sind wir zu drei Studenten in den vier Praxen. Das nutzten wir, um gemeinsam Untersuchungstechniken zu üben und zu wiederholen. Hier ist besonders das gegenseitige Feedback und der Austausch wichtig: Wie weit kann man ein Otoskop in den Gehörgang schieben, ohne dass es für den Patienten unangenehm wird? Auf welche Feinheiten muss man bei der Auskultation der Lunge achten usw. Für die nächsten Wochen planen wir, Sonographie zu üben. Da zurzeit noch viele andere Hausarztpraxen in der Region Urlaub haben, war das Wartezimmer immer gut gefüllt und genug Arbeit für alle drei Studenten da. Mein Lernschwerpunkt in dieser Woche waren die Stoffwechselerkrankungen. Nach den Festtagen mit viel üppigem Essen kamen mehrere Patienten mit typischen Gichtsymptomen sowie ein Notfallpatient mit hyperglykämer Entgleisung in die Praxis. Relevant war für mich, dass eine Gichterkrankung nur in 60% der Fälle das Großzehengrundgelenk betrifft, auch bei Schmerzen und Schwellung z.B. des Sprunggelenkes sollte man an Gicht denken. In der Fallbesprechung diskutierten wir den Umgang mit zwei seltenen, aber durchaus relevanten Beratungsanlässen: Vorgehen bei Patienten mit Petechien und Differentialdiagnostik der Lymphknotenschwellung. Anhand von zwei Patientenfällen konnte ich das Vorgehen in den folgenden Tagen quasi „live“ verfolgen. Das Wochenende lockte mit hervorragendem Winterwetter. Bei einer geführten Schneeschuhwanderung im Nationalpark lernte ich viel über die Pflanzen und Tierwelt der „Schachten“, sowie über die politischen Dilemmata die ein Nationalpark mit sich bringt.

KW 1 – die siebte Woche

Seit dieser Woche sind wir zu drei Studenten in den vier Praxen. Das nutzten wir, um gemeinsam Untersuchungstechniken zu üben und zu wiederholen. Hier ist besonders das gegenseitige Feedback und der Austausch wichtig: Wie weit kann man ein Otoskop in den Gehörgang schieben, ohne dass es für den Patienten unangenehm wird? Auf welche Feinheiten muss man bei der Auskultation der Lunge achten usw. Für die nächsten Wochen planen wir, Sonographie zu üben.

Da zurzeit noch viele andere Hausarztpraxen in der Region Urlaub haben, war das Wartezimmer immer gut gefüllt und genug Arbeit für alle drei Studenten da.
Mein Lernschwerpunkt in dieser Woche waren die Stoffwechselerkrankungen. Nach den Festtagen mit viel üppigem Essen kamen mehrere Patienten mit typischen Gichtsymptomen sowie ein Notfallpatient mit hyperglykämer Entgleisung in die Praxis. Relevant war für mich, dass eine Gichterkrankung nur in 60% der Fälle das Großzehengrundgelenk betrifft, auch bei Schmerzen und Schwellung z.B. des Sprunggelenkes sollte man an Gicht denken.

In der Fallbesprechung diskutierten wir den Umgang mit zwei seltenen, aber durchaus relevanten Beratungsanlässen: Vorgehen bei Patienten mit Petechien und Differentialdiagnostik der Lymphknotenschwellung. Anhand von zwei Patientenfällen konnte ich das Vorgehen in den folgenden Tagen quasi „live“ verfolgen.

Das Wochenende lockte mit hervorragendem Winterwetter. Bei einer geführten Schneeschuhwanderung im Nationalpark lernte ich viel über die Pflanzen und Tierwelt der „Schachten“, sowie über die politischen Dilemmata die ein Nationalpark mit sich bringt.

KW 2 – die achte Woche

Mein Wochenschwerpunkt in dieser Woche war HNO und Endokrinologie. Symptome im
HNO-Bereich sind ein häufiger Konsultationsgrund in der Hausarztpraxis. Nicht immer steckt
hinter den Halsschmerzen eine banale Erkältung, ein wichtiger AGV ist der
Peritonsillarabszess. Mit diesem Verdacht überwiesen wir einen Patienten zum Facharzt, der
unsere Diagnose bestätigte.
Im Rahmen der Endokrinologie beschäftigte ich mich erneut mit Diabetes und begleite Petra,
eine Helferin die schwerpunktmäßig Diabetiker betreut, auf ihrer Hausbesuchstour. Ich
konnte erleben, wie wichtig es ist gerade eine Diabetikerberatung auch zu Hause, in der
eigenen Küche durchzuführen. Schon beim Blick auf den Küchentisch kann man typische
Auslöser hoher Glucosespiegel erkennen und gemeinsam mit den Patienten einen sinnvollen
Umgang damit vereinbaren.
Am Dienstagabend traf sich das „LIA-Team“ zur Besprechung (LIA = Lebensqualität im Alter).
Das Ziel dieser Besprechungen ist es, alle betreuenden Berufsgruppen der Patienten im LIA-
Programm (Pflegedienst, Physiotherapie, Ergotherapie, Arzthelferinnen und Ärzte) an einen
Tisch zu bekommen und das weitere Betreuungs- und Behandlungskonzept eines Patienten
zu besprechen und ggf. zu verändern. Für mich war es sehr beeindruckend wie effizient und
zielführend hier Versorgungsschwierigkeiten angesprochen und Lösungsansätze gefunden
werden konnten.
Neben der täglichen Arbeit in der Praxis nutzen wir Studenten den Rest der Woche, um uns
ausführlich mit Indikation, Durchführung und insbesondere Befundung einer Spirometrie
auseinanderzusetzen.

KW 3 - die neunte Woche

In dieser Woche beschäftigte ich mich schwerpunktmäßig mit Symptomen im Bereich des
Kopfes. Gleich am Montag besprachen wir in der Fortbildung den Umgang mit Sinusitis –
eine wichtige Differentialdiagnose des Kopfschmerzes. Auch im Laufe der Woche
beschäftigte mich dieses Thema. Es stellten sich Patienten mit Migräne, aber auch mit
unklaren Kopfschmerzbildern vor. Viele Möglichkeiten, um mich in der Anamnese und
Untersuchung neurologischer Krankheitsbilder zu üben.
Am Mittwoch lernte ich ein neues Fortbildungsformat kennen. Wir trafen uns mit
Allgemeinärzten aus der Region, um aktuelle und relevante Publikationen zu diskutieren. Die
Assistentenzärzte der Gemeinschaftspraxis hatten Artikel wichtiger Journals im Vorfeld
ausgesucht, am Abend wurden die Themen ausführlich besprochen und die mögliche
Umsetzung in die tägliche Arbeit diskutiert.
Donnerstag brachte das Sturmtief „Friederike“ den Beginn einer neuen Erkältungswelle.
Entgegen aller Erwartungen pustete der Sturm die Patienten quasi direkt ins Wartezimmer
der Praxis in Schöfweg. Nachdem wir alles erledigt hatten, war von der Mittagspause nicht
mehr viel übrig, die Motivation, im Sturm nach Hause zu fahren, war klein. Also genoss das
ganze Praxisteam das Mittagessen im Gasthof neben der Praxis ;-) .
Am Freitag war schon die neunte Woche meines PJ-Tertiales zu Ende. Zusammen mit Dr.
Blank besprach ich die Fortschritte und weiteren Ziele in meinem Curriculum. Ich habe in
den letzten zwei Monaten bereits viele häufige Beratungsanlässe der Allgemeinmedizin
kennengelernt und kann durch zielgerichtete Anamnese und Untersuchung AGVs
ausschließen und häufig auch schon eine geeignete Therapie vorschlagen. Dieses Wissen
und die praktischen Fähigkeiten möchte ich jetzt weiter ausbauen.
Das Wochenende nutzen Georg, mein PJ-Kollege, und ich zum Langlaufen und für eine
sagenhafte Nationalparktour. Im Neuschnee konnten wir Luchs, Braunbär, Auerhuhn, Elche
und vieles mehr im Tierfreigehege beobachten.

KW 4 - Die 10. Woche

 

Die Erkältungswelle hält weiter an, das Wartezimmer ist gut gefüllt. Trotzdem nahmen wir
uns am Montag Zeit, um das aktuelle Fortbildungsthema „Rückenschmerzen im LWS-
Bereich“ zu besprechen. Grundlage der Fortbildung war u.a. der Artikel „What can physical
examination tell us about low back pain?“ (JAMA). Ein wichtiger Punkt für mich war, dass bei
Rückenschmerzen die psychosoziale Komponente eine große Rolle spielt. Man sollte nicht
nur organische Ursachen ausschließen, sondern auch ganz gezielt nach Belastungen im
beruflichen und privaten Umfeld fragen, da diese einen großen Beitrag zur Entstehung und
Chronifizierung von Rückenschmerzen spielen. Auch Renten- oder Versicherungsansprüche
spielen eine Rolle.
Psychische und psychiatrische Erkrankungen stellten auch meinen Wochenschwerpunkt dar.
Laut Literatur leiden 15-25% der Patienten einer Hausarztpraxis an akuten,
behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen. Anhand der Leitlinie „Psychosomatische
Medizin“ erarbeitete ich mir insbesondere, bei welchen chronischen Erkrankungen
(Diabetes, Asthma, KHK) häufig eine zusätzliche Depression auftritt und wie man sie erkennt.
Ich nahm mir vor, in Zukunft noch öfter danach zu fragen.

KW 5 – die elfte Woche

Die Woche ist wie im Flug vergangen. Mein Wochenschwerpunkt waren Erkrankungen Niere und des Urogenitaltrakts. Am Montag durfte ich in der nephrologischen Praxis Zwiesel bei Dr. Kammerl und Dr. Kassecker hospitieren. Ein spannender Einblick in die Praxis eines niedergelassenen Nephrologen! In der Sprechstunde lernte ich, durch Anamnese und körperliche Untersuchung schon eine grobe Einschätzung des Progresses einer Nierenerkrankung vorzunehmen. Zudem besprachen wir, ab wann man Vorbereitungen für die Einleitung einer Dialyse vornehmen sollte und wie man dies dem Patienten gut vermittelt. 

Auch im weiteren Verlauf der Woche stellten sich zahlreiche Patientin mit Symptomen aus dem Bereich Niere und ableitende Harnwege vor. Ich kann jetzt auch die Pyelonephritis und den Harnwegsinfekt zu den Krankheitsbildern zählen, die ich mit Anamnese, Untersuchung, AGVs und Therapie ganz gut im Griff habe. Zudem setzte ich mich mit der Wertigkeit des PSA-Wertes in der Vorsorge des Prostatakarzinoms auseinander.

Dienstagabend trafen sich die Allgemeinärzte der Region zum Qualitätszirkel in Spiegelau. Hier werden Fragen aus dem Praxisalltag gesammelt und diskutiert. Wir besprachen Fragestellungen wie „Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es pro und contra Händeschütteln in der Arztpraxis?“, „Bei welchen Symptomen sollte man an eine Myasthenia gravis denken?“, „Hilft Perenterol wirklich gegen Durchfall?“.

Das gut gefüllte Wartezimmer gab mir in dieser Woche viele Möglichkeiten sehr selbstständig zu arbeiten. Ich merke, dass ich immer sicherer darin werde, die wichtigsten Informationen zu erfragen, zielgerichtet zu untersuchen und ggf. eine weitere Diagnostik oder die passende Therapie vorzuschlagen.

KW 7 – die zwölfte Woche

Die Woche startete am Montag in Rinchnach gleich mit einem gut gefüllten Wartezimmer. Krankenhausentlassungen, Schwindel, ein schmerzendes Handgelenk und vieles mehr beschäftigten uns auch über die eigentliche Sprechstundendauer hinaus.

In der Montagsfortbildung diskutierten wir zum Thema Compliance und Adherence. In Deutschland wird nur ein Bruchteil der verschriebenen Medikamente wirklich eingenommen, die Gründe sind zahlreich und vielfältig. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir wohl am ehesten beim Umgang mit Nebenwirkungen ansetzen können und jetzt bei der Verschreibung und bei der Kontrolle des Medikamentenplans gezielter nach Nebenwirkungen fragen werden.

Am Donnerstag war mit dem Weiberfasching das närrische Treiben auch in der Gemeinschaftspraxis angekommen. Unter dem Motto „Zauberwald“ wimmelte es nur so von sagenhaften Rehlein und Elfen in der Sprechstunde.

Am Freitagmittag hatte der Patientenansturm etwas nachgelassen und ich konnte mit Dr. Blank das Curriculum besprechen. Jetzt sind schon zwölf Wochen vorbei, wir überlegten uns, welche Ziele ich mir für die letzten vier Wochen vornehmen werde.

KW 8 – die dreizehnte Woche

Mein Wochenthema war Prävention. Es werden unterschiedliche Arten von Prävention unterschieden: Primärprävention – verhindern, dass Krankheiten entstehen; Sekundärprävention – Krankheiten z.B. durch Früherkennung rechtzeitig entdecken und behandeln; Tertiärprävention – den Progress vorhandener Erkrankungen verlangsamen und Komplikationen rechtzeitig erkennen; Quartärprävention – Schutz vor Übermäßiger Diagnostik und Therapie.
Im Praxisalltag spielen alle Präventionsformen eine wichtige Rolle. Ich finde, dass die Primärprävention am schwierigsten umzusetzen ist. Oft stehen den wünschenswerten Veränderungen die aktuellen Lebensumstände oder der innere Schweinehund im Weg. Ich habe gelernt, dass es entscheidend ist, genau diese Hürden zu erkennen und zu thematisieren. Vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit, ein wenig mehr Bewegung in den harten Alltag einer alleinerziehenden Mutter zu integrieren, oder ein Rauchstopp lässt sich terminieren, sobald z.B. die anstrengende Hausrenovierung abgeschlossen ist.
Als ein Baustein der Tertiärprävention hospitierte ich einen Tag in der Ergotherapie. Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, zu unterstützen. Dies sind z.B. Schlaganfallpatienten, deren Hand nur noch eingeschränkt beweglich ist. Diese wird ganz gezielt beübt, damit der Alltag wieder so eigenständig wie möglich gemeistert werden kann. Ich erlebte sehr unterschiedliche Krankheitsbilder, sehr motivierte Patienten zu Beginn einer Therapie und sehr zufriedene Patienten, die nach langem Üben gute Fortschritte erreicht hatten.

KW-9 – die vierzehnte Woche

Mein PJ-Tertial neigt sich dem Ende zu, und die Themen im Curriculum werden umfassender und komplexer. In dieser Woche beschäftigte ich mich mit „dem alten Patienten“. Das Alter stellt nicht nur den Menschen selber, sondern häufig auch seine Angehörigen und auch die Ärzte vor Herausforderungen. Wie damit umgehen, dass sich immer mehr „Wehwehchen“ ansammeln und dass der eigene Aktionsradius immer kleiner wird? Was tun, wenn Oma schon mehrfach vergessen hat, den Herd abzustellen? Wie damit umgehen, wenn der Patient mit einer DinA4-Seite Medikamente aus dem Krankenhaus entlassen wurde und jetzt über Schwindel klagt? Solche Fragestellungen beschäftigen uns täglich. Für mich geht es dann eher um den besten Kompromiss als um die medizinisch perfekte Lösung. Ganz entscheidend dafür ist es, mit dem Patienten zu besprechen, was seine Wünsche und Vorstellungen sind. Da es ja häufig nicht nur um den Patienten selber geht, ist es manchmal hilfreich, auch die Angehörigen mit ins Boot zu holen.

Um einen Aspekt der Betreuung alter Patienten ging es auch im Journal Club. Ich konnte einen Review über die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Antidementiva vorstellen. Wir diskutierten den Umgang mit diesen Medikamenten in großer Runde mit Allgemeinärzten aus der Region.

KW 10-11 – der Endspurt

Die letzten zwei Wochen meines Allgemeinmedizintertials standen ganz im Zeichen des
Studentenprojektes „Exzellenter Winter“. Eine Gruppe aus ca. 25 Famulanten verbringt 4
Wochen in den Praxen der Region und hat die Möglichkeit, an zahlreichen Kursen
teilzunehmen. Die Vorbereitung und Durchführung dieser Kurse nahm eine Menge Zeit in
Anspruch, gab mir jedoch die Möglichkeit meine Kenntnisse u.a. in der EKG-Interpretation
umfassend aufzufrischen.
Im Wartezimmer war der aktuelle Höchststand der Grippewelle deutlich sichtbar,
ausreichend Arbeit für Ärzte, PJ-Studenten und Famulanten. Zeitweise durfte ich die
Famulanten mitbetreuen und merkte hier, welche großen Fortschritte ich in den letzten vier
Monaten gemacht habe, ein tolles Gefühl. Zum Ende der Woche hieß es dann Abschied
nehmen von dem fantastischen Team der Gemeinschaftspraxis, die mich so gut beim Lernen
unterstützt haben. Herzlichen Dank an Alle!

Peter Philipsborn

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8

Hallo! Wie schon meine PJ-Vorgänger möchte ich an dieser Stelle jede Woche über meine Erfahrungen im Wahltertial Allgemeinmedizin berichten.

Um zwischen den Wochen wechseln zu können, klickt einfach auf die Punkte...

Nach acht Monaten in der Schweiz kam ich für das letzte Tertial meines Praktischen Jahres in die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald in Kirchberg im Wald. Ich hatte die Praxis vor knapp zwei Jahren im Rahmen des Blockpraktikums Allgemeinmedizin kennengelernt, und wusste seitdem, dass ich für das Praktische Jahr hierher zurückkehren würde.

Über vieles ließe sich schreiben, um die Arbeit und das Leben hier zu charakterisieren. Von den vielen Aspekten möchte ich für diesen ersten Beitrag einen herausgreifen: Der wissenschaftliche Geist und der hohe fachliche Anspruch, der die Arbeit hier prägt.

Evidenzbasierte Medizin wird üblicherweise definiert als medizinisch-praktische Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung und bewusster Integration der bestverfügbaren wissenschaftlichen Evidenz, klinischer Erfahrung und Patientenpräferenzen. Genau dieses Prinzip – die Berücksichtigung und Integration der drei Dimensionen Evidenz, Erfahrung und Patientenpräferenzen und die Umsetzung dieser in die Praxis – wird hier in verschiedener Hinsicht sehr konsequent umgesetzt.

Ein Beispiel hierfür sind die regelmässig stattfindenden Journalclubs des Praxisnetzes GUAD (GUAD steht für „Gut Betreut im Arberland“; es ist ein Netzwerk von mehreren Einzel- und Gemeinschaftspraxen). Die Teilnehmenden sind niedergelassene Haus- und FachärztInnen aus der Region, ÄrztInnen in Weiterbildung aus Praxen und den beiden regionalen Kliniken und PJ-Studierende und Famulanten. JedeR hat die Möglichkeit, aktuelle Fachartikel, Leitlinien-Updates oder andere relevante Texte vorzuschlagen und vorzubereiten; im jeweils nächsten Journal-Club werden diese dann zunächst in Kleingruppen besprochen und dann der Gesamtgruppe vorgestellt und in dieser diskutiert.

Ich konnte ein Thema übernehmen, das ursprünglich von Julia Friedl vorgeschlagene worden war, einer Ärztin in Weiterbildung aktuell im Krankenhaus Viechtach, die Nachtschicht-bedingt kurzfristig verhindert war. Es handelt sich um die aktuelle S2k-Leitlinie zur Akuttherapie und Management der Anaphylaxie, und speziell den Umgang mit der Ausstattung von PatientInnen mit Notfallmedikamenten. Die Leitlinie empfiehlt, alle PatientInnen, die einmalig eine anaphylaktische Reaktion gegen ein nicht sicher vermeidbares Allergen erlitten haben, mit einen Notfallset auszustatten, bestehend aus einem oralen Glucocorticoid, einem oralen Antihistaminikum und einem Adrenalin-Autoinjektor. Eine anaphylaktische Reaktion wird von der Leitlinie wiederum definiert als eine „akute systemische Reaktion mit Symptomen einer allergischen Sofortreaktion, die den ganzen Organismus erfassen kann und potenziell lebensbedrohlich ist“, wobei die Leitlinie die Unschärfe dieser Definition und die vielen abweichenden Verwendungen des Begriffs anerkennt.

Auch wenn es zu diesem Thema, wie in der Leitlinie thematisiert, nur wenige wissenschaftliche Studien gibt (seltene, unvorhersehbar auftretende und potentiell lebensgefährliche Notfallsituationen mit z.B. randomisiert-kontrollierten Studien zu untersuchen ist praktisch und ethisch oft schwierig) kann die Leitlinie als die beste im Moment verfügbare wissenschaftliche Evidenz zu dieser Frage gesehen werden, weshalb ihre Empfehlungen Berücksichtigung finden sollten. Wie aber sollte man in Grenzfällen verfahren? Kurz vor dem Termin des Journal-Clubs war ein gut 50-jähriger Patient notfallmässig in unsere Praxis gekommen, der eine Stunde zuvor von einer Wespe gestochen worden war und daraufhin leichten Juckreiz am ganzen Körper entwickelt hatte, sich etwas schummrig fühlte und ein pelziges Gefühl und eine leichte Schwellung im Mund verspürte. In unserer Praxis war er zu jedem Zeitpunkt kardiopulmonal stabil mit einem Blutdruck von 150/85 mmHg bei bekannter arterieller Hypertonie und ruhiger Atmung. Die subjektiven Beschwerden bildeten sich unter 200 mg Prednisolon i.v. innerhalb von 20 Minuten zurück.

Waren in diesem Fall nun die Definitionskriterien der Leitlinie erfüllt oder nicht? Sollte man diesen Patienten mit einem Notfallset ausstatten (einem nicht ganz billigen Päckchen von rund 15x15x20 cm Größe, dass leitliniengemäß immer und bei jeder Gelegenheit mitgeführt werden muss, nicht ganz einfach zu handhaben ist und jedes Jahr durch ein Neues ersetzt werden muss)? Was, wenn man weiß, dass der oder die PatientIn realistisch betrachtet das Notfallset meistens nicht dabei haben wird? Was tun, wenn die Indikation für ein Notfallset nach klinischem Urteil eigentlich nicht erfüllt sind, eine PatientIn jedoch sehr risikoavers und sicherheitsbedürftig ist und sich ein Notfallset ausdrücklich wünscht? Zu diesen Fragen die Erfahrungen der anwesenden ÄrztInnen zusammenzutragen, abzugleichen und vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Leitlinie zu diskutieren war höchst spannend, und ein Paradebeispiel für evidenzbasierte Medizin in der Praxis. (Dem Patienten aus der Praxis hatten wir kein Rezept für ein komplettes Notfallset, wohl aber zwei Cortison-Tabletten à 50 mg aus dem Praxisbedarf mitgegeben, einschließlich des Rats diese bei wiederauftretenden Beschwerden sofort einzunehmen und sich dann auch schnellstmöglich in ärztliche Behandlung zu begeben – eine der verschiedenen Möglichkeiten, mit einer solchen Situation umzugehen).

Woche 2

Ein zentrales Merkmal evidenzbasierter medizinischer Praxis ist es, die eigenen Routinen immer wieder kritisch auf den Prüfstand zu stellen, wenn neue wissenschaftliche Evidenz hierzu Anlass gibt. Dies ist besonders wichtig bei häufig auftretenden Krankheitsbildern und alltäglichen Problemen – gerade für solche entwickelt man Routinen, und gerade bei diesen ist allein durch die Zahl der betroffenen PatientInnen der potentielle Nutzen besonders groß.

Es war und ist in vielen Kliniken gängige Praxis, bei PatientInnen nach tiefer Beinvenenthrombose (TVT) Kompressionsstrümpfe anzuwenden. Grund hierfür ist, dass die Entstehung eines postthrombotischen Syndroms (PTS) verhindert werden soll. Das PTS ist eine mögliche Komplikation einer TVT, die – so die gängige Lehrmeinung – durch eine Schädigung der Venenklappen und einer folgenden Varikosis mit chronisch-venöser Insuffizienz bedingt ist.

Kompressionsstrümpfe sind nicht besonders beliebt bei PatientInnen – und so fragte letzte Woche eine betroffene Patientin in unserer Praxis, ob sie denn wirklich unbedingt diese fürchterlich engen Strümpfe tragen solle (gerade jetzt im Sommer!), und was denn da eigentlich der Nutzen sei. Schnell auf AMBOSS nachgeschlagen fand ich dort den Hinweis dass ja, eine Kompressionstherapie nach TVT unbedingt empfehlenswert sei um das Auftreten eines PTS zu verhindern. Zu Beginn solle die Kompression mittels elastischen Wickelverband erfolgen, und nach dem Nachlassen der anfänglichen Schwellung durch angepasste Kompressionsstrümpfe, die für mindestens 3 Monate getragen werden sollten, je nach Verlauf und insbesondere bei Anzeichen für eine chronisch-venöse Insuffizienz auch länger, gegebenenfalls lebenslang.

Ich selber hätte mich hiermit zufrieden gegeben, denn als Medizinstudent im Jahr 2017 bin ich spätestens seit der Examensvorbereitung darauf konditioniert, dass gilt was AMBOSS sagt. Doch Dr. Blank hatte in Erinnerung, dass die besagte, auch in AMBOSS dargestellte Lehrmeinung von einer neueren Studie grundlegend in Frage gestellt worden sei, und bat mich, der Sache auf den Grund zu gehen.

Als Quelle wird auf AMBOSS die S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie“ vom Oktober 2015 genannt – und in dieser heißt es tatsächlich unmissverständlich: Um Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms zu reduzieren, sollte [nach TVT] frühzeitig mit einer Kompressionstherapie begonnen werden. Die Leitlinie führt aus, dass in zwei Studien aus den Jahren 1997 und 2004 ein Nutzen für die Kompressionstherapie nach TVT nachgewiesen wurde. Eine Studie aus dem Jahr 2014 konnte zwar keinen Nutzen zeigen, diese hätte jedoch methodische Mängel, so dass die Leitlinienautoren an der Empfehlung für eine Kompressionstherapie festhalten.

Bei der besagten Leitlinie handelt es sich um eine S2k-Leitlinie – das heißt eine konsensbasierte Leitlinie (das k steht für Konsens), die von einer repräsentativen Leitliniengruppe unter Beteiligung aller relevanten und interessierten Fachgesellschaften entwickelt wurde, allerdings ohne systematische Literatursuche- und synthese (wäre eine solche zusätzlich zum konsensbasierten Verfahren durchgeführt und bei der Leitlinienerstellung berücksichtigt worden würde es sich um eine S3-Leitlinie handeln, der höchsten Leitlinien-Entwicklungsstufe).

Eine schnelle PubMed-Suche mit den Suchbegriffen stocking* AND thromb* und dem Suchfilter „Meta-Analysis“ und „Systematic Reviews“ liefert vier aktuelle systematische Übersichtsarbeiten zur Frage, ob eine Kompressionstherapie nach TVT helfen kann, ein PTS zu verhindern: Berentsen 2016, Burgstaller 2016, Jin 2016, und Perrin 2016. Berentsen 2016 stellt fest, dass die methodisch besten Studien keinen Nutzen einer Kompressionstherapie nach TVT zeigten. Burgstaller 2016 führt aus, dass die vorliegenden Studien unterschiedliche Ergebnisse zeigten, und verzichtet (im Abstract) auf eine klare Aussage bezüglich des Nutzens einer Kompressionstherapie. Jin 2016 poolt die Ergebnisse der vorliegenden Studien in einer Meta-Analyse, welche keinen Nutzen einer Kompressionstherapie nach TVT zeigt, weist aber auch auf die Heterogenität der Studienlage hin und fordert weitere Forschung zu diesem Thema. Perrin 2016 schließendlich führt aus, dass zwei Studien mit sehr guter Therapieadhärenz (in denen die PatientInnen ihre Kompressionsstrümpfe also tatsächlich regelmässig trugen) einen Nutzen nachweisen konnten, die anderen Studien mit schlechterer Adhärenz den Bedingungen der Realität aber näher kämen. Offen bliebe jedoch die Frage, ob es vielleicht Subgruppen von PatientInnen mit TVT gäbe, die von einer Kompressionstherapie profitieren könnten….

Was heißt das nun für unsere Patientin? Aus den genannten Studien und Übersichtsarbeiten lassen sich sicherlich unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen, aber für mich lautet die vorläufige Quintessenz, dass wir (noch) nicht sicher sagen können, ob eine Kompressionstherapie nach TVT etwas nützt oder nicht. Gerade wenn die Evidenz uneindeutig ist (aber nicht nur dann) erscheint es besonders wichtig, PatientInnen eine gut und ausgewogen informierte eigene Entscheidung zu ermöglichen. Das nächste Mal würde ich einer Patientin wie der eingangs erwähnten daher vielleicht Folgendes erklären:

Manchmal werden durch eine Thrombose die Venen im Bein so geschädigt, dass sich Krampfadern entwickeln. In einigen Fällen können sich daraus Durchblutungstörungen mit schmerzhaften Schwellungen bis hin zu offenen Stellen an den Beinen entwickeln. Dies nennt man postthrombotisches Syndrom. Viele Experten glauben, dass Kompressionsstrümpfe helfen können, dies zu verhindern. Sie sollten jedoch wissen, dass nur manche Patienten dieses Syndrom entwickeln, und es bei Ihnen selbst dann auftreten kann, wenn Sie Kompressionsstrümpfe tragen. Vielleicht senken Kompressionsstrümpfe die Wahrscheinlichkeit, dass ein postthrombotisches Syndrom auftritt, aber ganz sicher wissen wir das nicht. Experten empfehlen, für mindestens drei Monate Kompressionsstrümpfe zu tragen – aber wie gesagt, ob dies wirklich etwas bringt wissen wir nicht sicher. Mein Vorschlag wäre, dass wir Ihnen ein Rezept für Kompressionsstrümpfe mitgeben und Sie diese ausprobieren und sich dann in Ruhe überlegen, ob sie diese weiter tragen möchten. Ende der Woche können wir uns dann wieder in der Sprechstunde sehen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wäre das so in Ihrem Sinne? Habe Sie jetzt noch Fragen, oder Dinge die Sie gerne besprechen möchten?“

Ein letzter Caveat noch: Über den Nutzen einer Kompressionstherapie aus anderen Gründen – etwa zur TVT-Prophylaxe nach Operationen, oder bei bereits bestehender chronisch-venöser Insuffizienz – ist damit noch nichts gesagt. Wie gut die Evidenz für einen Nutzen bei diesen Indikationen ist weiß ich nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Woche 3

Donnerstag morgen in der Praxis, ein neuer Patient, 50 Jahre, kommt zum ersten Mal zu uns, da sein alter Hausarzt in den Ruhestand gegangen ist, ohne einen Nachfolger zu finden. Eigentlich kommt er nur, um sich ein Rezept für seine Medikamente zu holen – ein Antihypertensivum (eine Fixkombination aus Ramipril und Amlodipin), Diclofenac und Pantoprazol als Bedarfsmedikation bei Rückenschmerzen. Ich messe den Blutdruck, der Wert ist passabel mit 135/85 mmHg. Ich blättere die alte, noch papierbasierte Patientenakte seines bisherigen Hausarztes durch, ein Laborblatt vom April diesen Jahres fällt mir in die Hand, mit einem Gesamtcholesterin von 220 mg/dl, und Triglyceriden von 700 mg/dl. Ob er schon einmal einen Cholesterinsenker genommen habe, frage ich – ja, doch, sein alter Hausarzt habe ihm mal so was empfohlen, aber genommen habe er es nie. Ich starte den Risiko-Rechner von Arriba, gebe seine Werte ein – er rauche, schon so ein Päckchen pro Tag, und ja, sein Vater sei an einem Schlaganfall gestorben, mit 45, aber Diabetes habe er keinen. Für Sport habe er keine Zeit, und auch sein Habitus passt dazu, dass er sich als Liebhaber der traditionellen bayerischen Küche zu erkennen gibt. Zusammen mit seinen unter Antihypertensiva hoch-normalen Blutdruckwerten und erhöhten Gesamt-Cholesterin und gerade noch normwertigen HDL-Cholesterin von 40 kommt er damit auf ein Risiko von 32%, während der nächsten 10 Jahre einen Herzinfarkt oder ein Schlaganfall zu erleiden.

Die bloße Vorstellung, das von 3 Patienten wie ihm einer während der nächsten 10 Jahre ein solches immer potentiell lebensbedrohliches Ereignis erleiden wird, ist für mich schwer zu fassen – gerade weil Arriba eine solche individualisierte Quantifizierung des Risikos erlaubt, empfand ich es in diesen Moment so, als würden wir Patienten wie diesen im Prinzip sehenden Auges in ihr Verderben schicken. Immerhin, durch eine kombinierte Therapie mit einem Statin und ASS ließe sich das Risiko von 32 auf 22% senken, was natürlich in Segen ist.

Um sein Risiko in den durchschnittlichen Bereich (um genau zu sein, auf 7,9%, ohne zusätzliche Medikation) zu senken, bräuchte er einen Rauchstopp, ausreichend Bewegung und eine gesündere Ernährung.

Ein neues Medikament zu verschreiben, das ist leicht getan, einen Menschen dazu in die Lage zu versetzen, sein Leben umzustellen, seinen Alltag mit neuen, gesünderen Routinen und Ritualen zu füllen, das ist ungemein schwerer. Und es ist auch etwas, worüber wir in unserem Studium nur sehr wenig gelernt haben. Denn, das ist klar, mit einem kurzen Hinweis an eine PatientIn, er oder sie solle mit dem Rauchen aufhören, sich gesünder ernähren und ausreichend bewegen ist es nicht getan. Es gibt evidenzbasierte Methoden und Verfahren, mittels derer PatientInnen effektiv bei Lebensstil-Änderungen unterstützt werden können – etwa Kurzinterventionen nach dem 5-A-Prinzip (Ask – Assess – Advise – Agree – Assist), die für die Unterstützung eines Rauchstopps ebenso wie bei Adipositas eingesetzt werden können.

Auch hierüber mehr zu lernen, und Routine und Erfahrung zu gewinnen in der Beratung von PatientInnen in diesen Fragen, das ist eines meiner Lernziele für dies PJ-Tertial.

Bei dem eingangs erwähnten Patienten müsste es noch um mehr als das gehen – die Triglyceride von 700 mg/dl hätten mich stutzig machen können, doch bewusst wurde es mir erst, als diese später Dr. Blank ins Auge fielen und er den Patienten fragte, wie viel Bier er denn pro Tag so trinke, und er antwortete, dass es so schon so 5, 6 Halbe am Tag seinen, manchmal auch mehr. Es gibt viel zu tun.

Woche 4

Eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums war ein Pflegepraktikum auf einer neurologischen Station mit angegliederter Stroke-Unit, d.h. einer spezialisierten Station für die Akutversorgung von Schlaganfall-Patienten. Nie werde ich den Blick der PatientInnen vergessen, die nach einem Schlaganfall an weiten Teilen ihres Körpers gelähmt waren und die Fähigkeit verloren hatten, zu sprechen oder zumindest sich sprechend verständlich zu machen, und dies alles bei vollen Bewusstsein zu erleben schienen – so viel Leid und existenzielle Verzweiflung konzentriert im Ausdruck zweier Augen; jedes Mal wenn mich ein solcher Blick traf, jagte es mir einen Schauer durch den ganzen Körper. Und dann die eigene Hilflosigkeit angesichts der Fassungslosigkeit und Trauer der Angehörigen, die nach Besuchen oft schluchzend die Station verließen. Diese Station war ein guter Ort, nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen der modernen Medizin zu erfahren.

Einer der wichtigsten Ansätze zur Prävention von Schlaganfällen ist die orale Antikoagulation – d.h. die Gabe eines Mittels zur Hemmung der Blutgerinnung in Tablettenform – bei PatientInnen mit Vorhofflimmern (VHF). VHF ist die häufigste anhaltende Rhythmusstörung, mit einer geschätzten Prävalenz in der Gesamtbevölkerung von 1-2%, und bis zu 10% unter den über 65-jährigen. Die Flimmerbewegung des Herzvorhofs begünstigt die Bildung von Thromben, welche über die linke Kammer, die Aorta und die Karotiden ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen können. Deshalb besteht bei PatientInnen mit VHF ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko – wie hoch genau dieses ist hängt von einer Reihe weiterer Faktoren ab, z.B. dem Alter, dem Geschlecht und sonstigen Erkrankungen der PatientIn. Auf Grundlage großer Studien wurde der sogenannte CHA2DS2-VASc-Score entwickelt, der eine genaue Quantifizierung dieses Risikos erlaubt.

Die aktuellen Leitlinien empfehlen, dass alle PatientInnen mit einem CHA2DS2-VASc-Score von mind. 2 (bei Männern) oder mind. 3 (bei Frauen) eine orale Antikoagulation erhalten sollten. Dies senkt das Schlaganfallrisiko und auch die Gesamtmortalität und -morbidität nachweislich ganz erheblich, und kann so helfen, das Leid zu vermeiden, das ich während meines Pflegepraktikums so eindrucksvoll erlebt hatte. Doch keine Wirkung ohne Nebenwirkung, und so sind auch orale Antikoagulanzien ein zweischneidiges Schwert: Sie können zwar das Risiko für ischämische, d.h. thromboembolisch bedingte Schlaganfälle senken, erhöhen aber auch das Risiko für Blutungen, u.a. Magen-Darm-Blutungen und Blutungen im Gehirn. Um das Risiko für solche schwerwiegenden Blutungen unter oraler Antikoagulation abzuschätzen, gibt es wiederum einen anderen Score, den HAS-BLED-Score. Dieser kann helfen, PatientInnen mit erhöhten Blutungsrisiko zu identifizieren und bei diesen veränderbare Risikofaktoren für Blutungen zu minimieren. Außerdem sollten wegen des erhöhten Blutungsrisikos PatientInnen natürlich wirklich nur dann eine orale Antikoagualation erhalten, wenn diese gemäß des jeweils aktuellen CHA2DS2-VASc-Score also auch tatsächlich indiziert ist.

Deshalb ist es wichtig, bei allen PatientInnen mit Vorhofflimmern den CHA2DS2-VASc-Score zu kennen, und bei allen PatientInnen unter oraler Antikoagulation den HAS-BLED-Score. In der Eile des Praxisalltags ist natürlich oft keine Zeit, diese Scores zu bestimmen – und so ist die Idee für ein Projekt entstanden, mit dem meine PJ-Kollegin Wibke und ich uns die nächsten Wochen beschäftigen werden: zusammen mit den medizinischen Fachangestellten der Praxis werden wir von allen betroffenen PatientInnen die beiden Scores bestimmen, diese im Notizfeld der elektronischen Patientenakte gut sichtbar dokumentieren, und auf dieser Grundlage jeweils die Indikation für die orale Antikoagulation überprüfen und bei erhöhten Blutungsrisiko prüfen, ob vermeid- oder veränderbare Risikofaktoren für Blutungen vorliegen.

Auch das ist moderne Medizin im besten Sinne: Die Möglichkeiten evidenzbasierter Algorithmen, zeitgemäßer IT-Technik und guter Teamarbeit zu nutzen, um für alle PatientInnen mit den verfügbaren Ressourcen die jeweils besten Therapieentscheidungen zu finden, und so menschliches Leid zu verhindern, und möglichst vielen Menschen ein möglichst langes, schönes und gutes Leben zu ermöglichen.

Woche 5

Was mich seit meinem ersten Pflegepraktikum ganz zu Beginn des Studiums mit am meisten an der Medizin fasziniert, sind die Einblicke, die sie in das Leben von Menschen und damit in unsere Gesellschaft erlaubt. Die Medizin und ihr äußerer Rahmen, das Gesundheitssystem, begegnet und begleitet die Menschen bei den fundamental bedeutsamen Lebensereignissen Konzeption, Schwangerschaft, Geburt, Krankheit, Sterben und Tod – und bei vielen Kleinerem und Größerem dazwischen, bei der Jugendarbeitsschutzuntersuchung vor dem ersten Job, bei persönlichen Krisen, bei den ersten Anzeichen des Alterns, und dann beim Fortschreiten von diesem.   Spricht man mit Patienten, so erfährt man oft vieles über ihr Leben, und darüber was ihnen dieses bedeutet, was es für sie mit Sinn und Inhalt füllt, wie ihr Alltag aussieht, was sie sich wünschen, was ihre Ziele und Ängste sind. In die Anamnese, und in den von uns mit Befunden und Diagnosen erfassten Gesundheitsstatus scheint oft eine ganze Lebensgeschichte eingeschrieben zu sein – bei der 80-jährigen Bäuerin mit Coxarthrose, die von der Arbeit auf den Feldern erzählt und davon, dass sie nicht mehr wolle, als noch einmal ohne Schmerzen zu dem Hof und den Stall mit den Kälbern zu laufen, wo sie ihr ganzes Leben verbracht habe; der 16-Jährige, der von der Arbeit überfordert und von seinen Arbeitskollegen gemobbt seine Ausbildung abbrechen will und flehentlich um eine Krankmeldung bittet; die 50-jährige ehemalige Altenpflegerin mit chronischen Schmerzen und einer zwei Seiten langen Medikamentenliste, die erzählt wie sie vor 8 Jahren nach einer Nachtschicht im Sekundenschlaf von der Fahrbahn abkam, und seitdem nicht wieder auf die Beine gekommen sei.Dies gilt für die Medizin ganz allgemein – doch nirgends habe ich diesen Aspekt der Medizin so umfassend und intensiv erlebt wie hier während meines PJ-Tertials in der Allgemeinmedizin. Denn in der Klinik begegnen einen nur PatientInnen, die schwer genug krank sind dass dies eine Einweisung rechtfertigte; und, und dies ist vielleicht noch wichtiger, im Krankenhaus sind sie aus ihrem Alltag und ihrem Umfeld gerissen, und – so scheint es oft – mit Barcode-Bändchen und im einheitlich gemusterten Krankenhaushemd ihrer Individualität beraubt und auf das Dasein als Patient reduziert. Das Setting der Institution Krankenhaus und die Rollenverteilung Personal versus Insassen mit ihrer ausgeprägten Macht- und Informationsasymmetrie prägt auch das Arzt-Patientenverhältnis in der Klinik, und erschwert dort das Kommunizieren auf Augenhöhe.

Wie anders ist dies in der Hausarztpraxis – hier erlebt man PatientInnen als Menschen inmitten ihres alltäglichen Lebens und in ihrem gewohnten, dem sie prägenden Umfeld. Hier lernt man, was Gesundheit und Krankheit für Menschen in ihrem Alltag bedeutet, hier erfährt man unmittelbar wie Diagnosen, Befunde und Beschwerden das Leben von Menschen verändern, wie sie damit umgehen, auf sie reagieren und sich unter ihnen verändern. Und hier wird einem auch bewusst, wie Gesundheit und Krankheit mit all dem anderen verwoben ist, was dem Leben von Menschen Sinn, Inhalt und Erfüllung gibt. In keinem anderen Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens ist man so nah am Leben der Menschen, für deren Gesundheit man durch die Wahl des eigenen Berufes Verantwortung übernommen hat.

Aus diesem Grunde glaube ich, dass, egal in welchem Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens man einmal arbeiten möchte, Erfahrungen in der Allgemeinmedizin ganz essentiell sind, um eine gute Ärztin oder ein guter Arzt zu werden – und das Praktische Jahr ist mit die beste Gelegenheit hierfür.

Ich selber weiß noch nicht, ob ich mein Leben als Hausarzt verbringen werde – zwar hat mir die Allgemeinmedizin von allen medizinischen Fächern bislang die positivsten Erfahrungen geboten, aber vielleicht wird mein Platz später einmal doch ein anderer sein. Denn mein Herz schlägt auch für die Forschung, und für die Beschäftigung mit den Rahmenbedingungen von Gesundheitsversorgung und Gesundheit im Allgemeinen. Dazu zu forschen, darüber nachzudenken, und dafür zu arbeiten, wie sich Gesundheitsversorgung am besten organisieren lässt, und wie wir als Gesellschaft gesündere Lebensbedingungen für uns alles schaffen können – auch dies fasziniert und beschäftigt mich, und vielleicht wird mich mein Weg auch weiter in diese Richtung führen. Doch auch dafür kann ich mir bessere Vorbereitung vorstellen als die Arbeit hier in der Hausarztpraxis, denn erst hier habe ich begonnen zu verstehen, was uns Gesundheit in unserem Leben bedeutet.

Woche 6

Nicht nur über das Leben der Menschen hier lerne ich viel, sondern auch sehr viel klassisch Klinisch-Praktisches, über Ätiologie, Pathogenese, Klinik, Diagnostik und Therapie. Die Arbeits- und Betreuungsverhältnisse hier erlauben einen höchst effektiven, vielfältigen Lernmodus.

Dieses Lernen beginnt damit, dass meine Mit-PJlerin Wibke und ich den Vormittag wechselnd an einem der vier Praxisstandorte verbringen; dort führen wir mit den in die Sprechstunde kommenden PatientInnen die Anamnese, körperliche Untersuchung und soweit nötig weitere Diagnostik durch, und rufen dann eine der ÄrztInnen hinzu um das Beratungsergebnis und das weitere Procedere zu besprechen. (Das Beratungsergebnis kann eine exakte Diagnose sein, oder auch nur ein Symptom, eine Symptomgruppe, das Bild einer Krankheit oder ein Befund ohne Krankheitswert). Diese 1:1-Betreuung durch erfahrene ÄrztInnen mit teils jahrzehntelanger praktischer Erfahrung und neben der Allgemeinmedizin weiteren unterschiedlichen fachlichen Hintergründen ist gigantisch.

Daneben können wir uns zwischen den einzelnen PatientInnen immer auch Zeit nehmen, um Dinge nachzulesen und nachzurecherchieren. Die Praxis verfügt über Zugänge zu UpToDate, Deximed, dem Arzneimitteltelegram und der Cochrane Library, und über Computer in (fast) jedem Zimmer, so dass eine effiziente und zugleich umfassende Recherche jederzeit möglich ist. Die praxisinterne Dokumentation ist vollständig digitalisiert und über eine übersichtliche und perfekt integrierte Praxissoftware organisiert, so dass ein paar Mausklicks reichen, um sich einen Überblick über Medikation, Untersuchungs- und Laborergebnisse, Vorbefunde und vorliegende Arztbriefe von FachärztInnen und Kliniken zu verschaffen. (Es ist enorm, wie sehr allein dies die Arbeit erleichtert und hilft, schneller bessere Entscheidungen zu treffen und Fehler zu vermeiden – man kann sich nur wundern, wie anachronistisch die oft noch im vor- bis frühdigitalen Zeitalter steckengebliebenen Dokumentationssysteme vieler Unikliniken im Vergleich dazu doch sind). In das Verordnungs-Plugin der Software ist eine Arzneimitteldatenbank integriert, welche übersichtlich formatiert Inhaltsstoffe, Indikationen, Dosierungshinweise, Nebenwirkungen und Warnhinweise auflistet, und so ein mühsames Recherchieren in der Roten Liste erspart.

Im Anschluss an die Vormittagssprechstunde gibt es eine Fallbesprechung mit den an den vier Praxisstandort tätigen, per Videokonferenz zusammengeschalteten ÄrztInnen, bei der schwierige oder unklare Fälle zusammen besprochen werden können – gerade hier zahlt sich aus, dass in der Praxis junge, frisch von der Uni kommende ebenso wie ältere, praxiserfahrene ÄrztInnen zusammenarbeiten.

Die Vormittagssprechstunde dauert vier Stunden, von 8 bis 12 Uhr – lang genug, um jeden Tag mit einen frischen Schatz an neuen Eindrücken und Erfahrungen in die lange Mittagspause zu gehen, welche man dann dazu nutzen kann, Notizen zu machen, Dinge noch einmal vertiefend nachzulesen, das Erlebte sich setzen zu lassen, sich auszuruhen und Sport zu treiben, um dann um 16 Uhr mit frischen Kopf in die zweistündige Nachmittagssprechstunde zu gehen.

Dieser Lernmodus erlaubt das unmittelbare Verknüpfen von Erfahrungswissen, wie man es im Umgang mit individuellen Patienten erwirbt, mit theoretischem Wissen aus Leitlinien, Lehrbüchern und Online-Nachschlagwerken. Für mich ist dies nicht nur eine der effektivsten und effizientesten, sondern auch eine der anschaulichen und lebendigsten Formen des Lernens.

Woche 7

Es versetzt mich immer wieder in Staunen, was wir alles schon wissen – wie der Aufbau und die Funktionsweise der kleinsten Strukturen im Körper, der Ablauf von Stoffwechselvorgängen auf molekularer Ebene, die Entstehung von Krankheiten und die Wirkung von Medikamenten schon so gründlich erforscht und aufgeklärt wurden, wie unglaublich viel feingliedriges Wissen zu so vielen winzig kleinen Detailaspekten von unserem Körper bekannt ist. 27 Millionen Fachartikel sind auf PubMed in Sekundenschnelle mit einem Mausklick durchsuchbar, und jeden Tag, jede Stunde kommen tausende, abertausende neue hinzu, weil überall auf der Welt ForscherInnen damit beschäftigt sind, die Fronten dessen was wir schon wissen und verstehen noch weiter nach Vorne zu verschieben und verbleibende weiße Flecken auf der Landkarte des Wissens mit neuen Erkenntnissen zu füllen. Und was mich nicht minder in Staunen versetzt, ist, was wir alles nicht wissen.

Gestern kam ein junger Patient in die Praxis, ein Hobby-Fußballer, alles an ihm, sein Blick, seine Kleidung, sein Körper, seine Haltung, sprühte Freude an einem Leben in Bewegung aus. Doch er humpelte, denn eine Woche zuvor war er beim Sport mit dem Fuß umgeknickt, im Krankenhaus war dann eine Distorsion des oberen Sprunggelenks (OSG) mit Bänderriss diagnostiziert und mit einer AirCast-Kunststoffschiene versorgt worden. Von uns brauchte er nur eine Verlängerung seiner Krankmeldung – als Zimmermann könne er im so verletzten Zustand nicht arbeiten. Beim Verlassen des Patientenzimmers fragte er dann noch, wie lange er die Schiene denn noch tragen solle – besonders nachts beim Schlafen drücke sie nämlich.

Ja, wie lange also soll er die Schiene tragen? Dass ist eine Frage, die sich wahrscheinlich jeden Tag viele hundert Menschen in Deutschland stellen – denn zu immerhin 2700 OSG-Distorsionen kommt es auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet jeden Tag, bei einer Inzidenz von 12,8 pro 1000 Personenjahren (diese Zahl stammt zugegebenerweise aus den Niederlanden, aber dürfte in Deutschland in einer ähnlichen Größenordnung liegen).

Gemäß meinem üblichen Algorithmus lese ich zuerst auf Amboss nach und dann auf Deximed, und suche nach einschlägigen Leitlinien. Auf Amboss ist nur zu erfahren, dass bei Bandverletzungen des OSGs eine Sprunggelenksorthese angelegt werden könne, sofern starke Schmerzen und/oder Instabilität bestehen – aber keine Information dazu, für wie lange. Auch Deximed hilft nicht weiter, doch eine Suche nach Leitlinien liefert immerhin eine S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie mit dem vielversprechenden Titel „Frische Außenbandruptur oberes Sprunggelenk (OSG)“. Dass die Leitlinie schon seit 2002 nicht mehr aktualisiert wurde ist ein wenig irritierend, und zwar listet auch sie „funktionelle Schienen, Bandagen, Orthesen“ als empfohlene therapeutische Maßnahmen, doch für wie lange diese getragen werden sollen, darüber geht auch sie elegant hinweg.

Bleibt also noch UpToDate als nächste Eskalationsstufe der Recherche, und dort umfasst der Artikel zu „Ankle sprain“ in kleiner Schrift eng gedruckt 37 DIN A4 Seiten – darin sollte man also fündig werden. Und tatsächlich: Bei einer leichten Bänderzerrung, so heißt es dort, reiche meist die Behandlung „mit einer elastischen Binde für ein paar Tage“, und bei mittelstarken Bänderzerrungen könne zusätzlich eine Aircast-Schiene „für bis zu ein paar Wochen“ getragen werden, wobei dies einer frühen Rehabilitierung mit geeigneten Bewegungsübungen nicht im Wege stehen solle. (Alles recht schwammige Formulierungen, und auch ohne Quellenangaben, aber immerhin). Doch bei unserem Patienten war nicht nur eine leichte Bänderzerrung, sondern ein Bänderriss diagnostiziert worden – und mit welcher Art von Schiene und für wie lange solche Patienten versorgt werden sollten, darüber bestehe Unklarheit, schreibt UpToDate: Es gebe zwar diverse Studien hierzu, doch lieferten diese sehr disparate Ergebnisse, und die meisten dieser Studien seien aufgrund von kleinen Teilnehmerzahlen, fehleranfälligen Studiendesigns und unvollständigen Beschreibungen auch nur wenig aussagekräftig.  Entsprechend seien auch die vorliegenden systematischen Übersichtarbeiten zu dieser Fragestellung nicht konklusiv.

Wir wissen es also nicht – und das ist doch bemerkenswert: Jedes Jahr erleiden alleine in Deutschland fast eine Millionen Menschen eine OSG-Distorsion (basierend auf den bereits oben zitierten Inzidenz-Zahlen aus den Niederlanden), von denen zwar sicherlich nicht alle, aber doch bestimmt ein guter Teil mit Schienen verschiedener Art versorgt werden – doch wie lange sie diese tragen sollen, das kann ihnen niemand sagen. Dabei wäre dies eigentlich ganz einfach herauszufinden: Aufgrund der hohen Zahl der betroffenen PatientInnen würde es reichen, nur ein paar Tage lang alle PatientInnen, die mit einer OSG-Distorsion in Deutschland eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme aufsuchen, nach dem Zufallsprinzip einer von mehreren verschiedenen Gruppen zuzuweisen, die ihre Schienen dann jeweils für unterschiedlich lange Zeit tragen sollen. Bei ihrem nächsten Arztbesuch könnten sie dann nach dem Heilungsverlauf und ihren Beschwerden befragt werden, und so würde sich schnell herausstellen, was der optimale Zeitraum für das Tragen der Schiene ist.

Das einzige, was es hierfür bräuchte, wäre ein Software-Plugin für die in Praxen und Kliniken verwendeten elektronischen Patientenakten, mit dem sich PatientInnen bei alltäglichen Beratungsanlässen in unterschiedliche Therapiegruppen randomisieren, und die im Verlauf routinemäßig erhobenen und dokumentierten Befunde zentral auswerten ließen. So ließen sich, mit minimalen zusätzlichen Kosten, die gigantischen Datenmengen die tagtäglich in Praxen und Kliniken anfallen dazu nutzen, um endlich zuverlässige Antworten zu finden auf alltägliche und gerade deshalb wichtige therapeutische Fragen – Fragen wie ob Ibuprofen oder Paracetamol besser hilft bei muskuloskelettalen Schmerzen; welches der vielen verschiedenen Statine das beste Nutzen-Nebenwirkungsprofil aufweist; ob Phytotherapeutika bei Schnupfen etwas bringen; ob man bei einer Erkältung besser zu hause bleiben oder an die frische Luft gehen sollte; ob Kompressionstrümpfe helfen, nach tiefer Beinvenenthrombose ein post-thrombotisches Syndrom zu verhindern; ob Phenprocoumon, Rivaroxaban, Apixaban oder Dabigatran für die Prävention von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern am besten sind; ob Ernährungsberatung bei Adipositas hilft; und viele, viele andere Fragen mehr.

Diese Idee ist so naheliegend, dass sie – natürlich – nicht neu ist; einer ihrer größten Verfechter ist der britische Arzt, Journalist

 Im dritten Eintrag dieses PJ-Tagebuchs hatte ich von dem Patienten berichtet, bei dem in der aus anderem Grunde veranlassten Laboruntersuchung die auf 700 mg/dl erhöhten Triglyceride auffielen, und der auf Rückfrage dann erklärte dass es schon so sechs, sieben Halbe seien, die er jeden Tag trinke. Wären meinem Lehrarzt Dr. Blank nicht die Triglyceride ins Auge gefallen, so wäre ich nie auf die Idee gekommen, den Patienten nach seinem Alkoholkonsum zu fragen – sein Gesicht war vielleicht ein klein wenig röter als man es für normal befände, aber ansonsten deutete nichts an ihm auf seine Krankheit hin: Er roch nicht nach Alkohol, war ordentlich gekleidet, und wirkte in allem solide und bodenständig, wie er von seiner Arbeit und seiner Familie berichtete.

So scheint es ganz oft zu sein – auf den ersten Blick augenscheinlich wird die Alkohokrankheit meist erst, wenn es schon viel zu spät ist, wenn sie Körper, Geist, Psyche und Leben des Erkrankten schon bis auf die Grundfesten zerrüttet und zerstört hat. In Deutschland ist schädlicher Alkoholkonsum für den Verlust ähnlich vieler gesunder Lebensjahre verantwortlich wie Diabetes mellitus und Dyslipidämie. Und so selbstverständlich wie wir Metformin und Statine verschreiben, so selbstverständlich sollte es auch sein, alkoholkranken Menschen eine leitliniengerechte Therapie anzubieten.

Was also empfehlen die Leitlinien? Zu unterscheiden sind zunächst die beiden Hauptformen der Alkoholkrankheit: Einerseits der schädliche Alkoholgebrauch, nach ICD-10 definiert als ein Alkoholgebrauch mit nachweislich schädlichen Folgen für die Gesundheit, der über mindestens einen Monat oder wiederholt innerhalb von 12 Monaten auftritt; und andererseits das Alkoholabhängigkeitssyndrom, bei dem eine physische oder psychische Abhängigkeit nach Alkohol besteht, festzumachen an den Kriterien Craving, Kontrollverlust, körperliche Entzugssymptome und Toleranzentwicklung. Die Prävalenz des Alkoholabhängigkeitssyndrom wird in Deutschland auf rund 5% geschätzt, während der schädliche Alkoholkonsum wesentlich häufiger ist, und geschätzt ungefähr 20% der Bevölkerung betrifft. Deshalb sollte auch dieser bereits erkannt, und betroffene PatientInnen entsprechend beraten und unterstützt werden.

In vielen Fällen ist das Vorliegen eines schädlichen Alkoholkonsums eindeutig, so wie es bei unserem eingangs erwähnten Patienten der Fall war. In anderen Fällen kann dies weniger klar sein, und daher empfehlen die deutsche ebenso wie internationale Leitlinien den Einsatz des AUDIT-C Screening-Fragebogens, der aus drei einfachen Fragen besteht, mit denen Ausmaß und Muster des Alkoholkonsums schnell und relativ zuverlässig erfasst werden können. Besteht zudem Verdacht auf eine Alkoholabhängigkeit so können zusätzlich die 4 CAGE-Fragen gestellt werden.

Hat man festgestellt, dass bei einer PatientIn ein schädlicher Alkoholkonsum oder ein Verdacht auf eine Abhängigkeit bestehen so sollte das folgen, was im medizinischen-psychologischen Jargon als Kurzintervention bezeichnet wird; bestehen sollte diese aus drei Teilen: Informieren, Fragen und dem Anbieten von Hilfe.

Zum Informieren gehört, die PatientIn sachlich und ohne zu werten oder Angst zu machen über die gestellte Verdachtsdiagnose aufzuklären – zum Beispiel wie folgt: „Die Angaben, die Sie zu Ihren Trinkgewohnheiten gemacht haben, bedeuten, dass bei Ihnen ein sogenannter ‚riskanter Alkoholgebrauch‘ besteht – also ein Alkoholgebrauch, der mit schädlichen Folgen für die Gesundheit einhergehen kann...“. Zum Informieren gehört zudem die Erklärung, was unter einem risikoarmen Konsum verstanden wird – international unterscheiden sich die entsprechenden Empfehlungen zum Teil ganz erheblich, die deutsche S3-Leitlinie definiert einen risikoarmen Konsum als den Konsum von maximal 2 Standardgläsern pro Tag für Männer, und maximal einem Standardglas pro Tag für Frauen. (Ein Standardglas entspricht dabei 10 g Alkohol bzw. 33 cl Bier, 15 cl Wein oder 2 cl Spirituosen). Etwas differenzierter ist die z.B. in Kanada verbreitete 1-3-4-Regel: Höchstens 1 Glas pro Stunde, höchstens 3 Gläser pro Tag, höchstens 4 Tage in Folge. (Durch das Einhalten alkoholfreier Tage soll dem Entstehen einer Abhängigkeit vorgebeugt werden). Diese Bandbreite in den Empfehlungen kann auch den Patienten kommuniziert werden, z.B. mit den Worten: „Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, was man denn unter einem risikoarmen Konsum versteht. Hierzu gibt es verschiedene Empfehlungen. Eine Empfehlung, an der Sie sich orientieren können, besagt dass...“.

Im zweiten Teil der Kurzintervention sollten Fragen an und von der PatienIn im Vordergrund stehen – begonnen mit der offenen Frage, ob sie oder er Fragen zum bislang Besprochenen habe. Anschließend kann weiter danach gefragt werden, was für eine Bedeutung der Alkohol für sie oder ihn habe, und ob er bzw. sie schon einmal darüber nachgedacht habe, etwas an seinen bzw. ihren Alkoholgewohnheiten zu ändern. Dies kann zum einen helfen, das Alkoholproblem der PatientIn besser zu verstehen, und kann auch die Patientenbindung sichern und so eine Basis für weitere begleitende Unterstützung aufbauen.

Im letzten Teil der Kurzintervention sollte Hilfe angeboten werden – je nach Ausmaß des Problems, der Problemeinsicht, der Veränderungsbereitschaft und der Lebenssituation der PatientIn kann dies Verschiedenes beinhalten; man kann sich auf das niederschwellige Angebot beschränken, bei Wunsch als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und mit etwas zeitlichen Abstand erneut über das Thema zu sprechen. Oder man kann anbieten, Kontakt zu einer lokalen Beratungsstelle (von denen es viele gibt, auch auf dem Land) zu vermitteln, oder eine Überweisung zu einem Spezialisten auszustellen, das heißt einer PsychotherapeutIn, einer PsychiaterIn oder einer spezialisierten Klinik. Oder man kann mit der PatientIn schon ein konkretes Ziel vereinbaren – z.B., einen alkoholfreien Tag pro Woche einzuhalten, oder jeden Tag ein Bier durch ein Alkoholfreies zu ersetzen – und einen Nachfolgetermin in zwei, drei Wochen Abstand vereinbaren, bei dem bis dahin möglicherweise aufgetretene Schwierigkeiten und weitere Schritte besprochen werden können. (In der Schweiz haben die einschlägigen medizinischen Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften einen ganz ausgezeichneten Leitfaden zu alkoholbezogenen Kurzinterventionen in der Grundversorgung herausgegeben, der zahlreiche Vorschläge für eine gute Herangehensweise und Tipps für die Gesprächsführung gibt). 

Unsere Gesellschaft macht es alkoholkranken Menschen nicht leicht – von den kleinen Schnapsfläschchen an den Supermarktkassen bis zu der allgegenwärtigen Alkoholwerbung, die Getränkeindustrie hat unser Leben durchsetzt mit Triggerreizen, die uns auf Schritt und Tritt daran erinnern und dazu auffordern, weiter und wieder zu trinken. Dies ist, natürlich, ein Skandal, und auch dagegen zu kämpfen zählt, so denke ich, zu den Aufgaben von uns ÄrztInnen – ebenso wie es zu unseren Aufgaben zählt, jeder einzelnen PatientIn mit einer Alkoholkrankheit die beste mögliche Therapie anzubieten, und auch dabei nicht zu vergessen, wie skrupellos und unbarmherzig unsere Gesellschaft mit alkoholkranken Menschen umgeht.

 

Wibke Janhsen

  • Woche 1
  • Woche 2
  • Woche 3
  • Woche 4
  • Woche 5
  • Woche 6
  • Woche 7
  • Woche 8
  • Woche 9
  • Woche 10
  • Woche 11

Woche 1

Ob durch die lange Fahrzeit durch Sommerferienverkehr, Baustellen und Umleitungen oder die letzten 100 km bergauf- und bergab durch die Ausläufer des Bayerischen Waldes auf der Bundesstraße -  die Anreise von Erfurt nach Kirchberg im Wald fühlte sich beinahe wie eine Reise in den Urlaub an. Die letzten Meter kamen mir jedoch schon etwas vertrauter vor. Vor zwei Jahren habe ich bereits im Exzellenten Sommer die Region (und die Praxis in Kirchberg) etwas näher kennen lernen können. So war für mich bei der Ankunft in Kirchberg nicht alles ganz neu, sondern ich wusste bereits im Vorfeld, wie die kommenden Monate in etwa ablaufen werden und wo ich wohnen werde (der Blick aus der Studentenwohnung auf dem Kirchberg aus ist genial!). In Kirchberg wurde ich schon von zwei anderen Praktikanten der Nachbarwohnung erwartet, abends kam Dr. Blank selbst noch kurz vorbei, um mit uns die Praxiseinteilung für den nächsten Tag auszusprechen.

Während der ersten Tage lernte ich direkt die weiteren Praxisstandorte Lalling, Schöfweg und Rinchnach kennen. Einen Teil des Praxispersonals kannte ich noch von vor zwei Jahren, sodass der Einstieg und das Namenlernen leichter fiel. Die ersten Tage war ich mal mit einem der Assistenzärzte, mal mit Dr. Blank in der Praxis. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit durfte ich Patientengespräche und -untersuchungen vorab selbst durchführen und im Anschluss vorstellen. Die gemeinsame Besprechung der Patienten und Feedback zur Gesprächsführung/Untersuchungstechnik u.Ä. empfand (bzw. empfinde!) ich als äußerst wertvoll. Neben den typischen allgemeinmedizinischen Beratungsanlässen gab es bereits während der ersten Tagen einige Krankheitsbilder und medizinische Fragestellungen, die die Einschätzung der anderen Ärzte in der Praxis und/oder Literaturrecherche erforderten. Spannend! Und schön zu sehen, wie gut Ärzte und Praxispersonal untereinander zusammenarbeiten und ihr Wissen einbringen.

Was ist noch in den letzten Tagen passiert? In der ersten Woche habe ich zusammen mit Dr. Blank ein Curriculum erstellt, in dem die Lernziele für die kommenden Wochen und Monate festgehalten werden. Die thematischen Schwerpunkte durfte ich mir hierbei selbst setzen. Gar nicht so einfach, in 16 Wochen alles unterzubringen, was man gerne lernen würde! Die DEGAM-Leitlinien, das Logbuch der Universität und Erfahrungen von Dr. Blank haben mir hier geholfen, ein "machbares" Curriculum zu erstellen. Für die kommende Woche stehen Erkrankungen des Bauches u